Donnerstag, 30. Juni 2022

Terry Reid – Terry Reid

 



Terry Reid – Terry Reid


Besetzung:

Terry Reid – vocals, guitar


Gastmusiker:

Pete Solley – keyboards
Keith Webb – drums




Erscheinungsjahr: 1969


Stil: Blues, Rock


Trackliste:

1. Superlungs My Supergirl (2:43)
2. Silver White Light (2:54)
3. July (3:33)
4. Marking Time (3:47)
5. Stay With Me Baby (4:12)
6. Highway 61 Revisited / Friends (8:00)
7. May Fly (3:42)
8. Speak Now Or Forever Hold Your Peace (4:26)
9. Rich Kid Blues (4:12)

Gesamtspieldauer: 37:33



Kurz mit seinem Namen betitelte Terry Reid sein zweites Studioalbum welches im August 1969 ursprünglich auf dem Plattenlabel EMI veröffentlicht wurde. Das Album konnte sich in den USA sogar in den Billboard 200 Charts platzieren und fünf Wochen dort halten. Die höchste Platzierung war der 147. Platz.

Auf dem Album hört man viel Blues und auch Rock. Die meisten Titel stammen dabei aus der Feder von Terry Reid selbst. Das Lied „Highway 61 Revisited“ stammt natürlich von Bob Dylan, wurde in dieser Interpretation von Terry Reid jedoch völlig neu überarbeitet und mit dem eigenen Stück „Friends“ verknüpft.

Den Blues sollte man ganz bestimmt lieben, wenn man mit dieser Platte „warm werden“ möchte – oder man ist eben flammender Terry Reid Fan. Heute kann diese Musik wahrscheinlich kaum noch neue Fans rekrutieren, denn man hört der Platte nicht nur das Alter an, sondern man glaubt das alles auch schon zig-mal in unterschiedlichen Variationen gehört zu haben.

Überzeugend klingt die Musik von Terry Reid auf diesem Album immer dann, wenn es rockiger wird. Dies ist zum Beispiel bei den ersten beiden Stücken des Albums der Fall, die allerdings zu Beginn ein anderes Bild von der Platte vermitteln, als es dann wirklich ist. Anschließend folgen viele Bluespassagen und es klingt irgendwie zäher.

Fazit: Man muss wohl Terry Reid-Fan sein und dem Blues sehr viel abgewinnen können, um diese Scheibe wieder mal öfters aufzulegen. Ansonsten bleibt zwar ein handwerklich gut gemachtes Album, welches jedoch eindeutig nicht mehr in diese Zeit gehört. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Superlungs My Supergirl, Silver White Light



Mittwoch, 29. Juni 2022

Derek Sherinian – Vortex

 



Derek Sherinian – Vortex


Besetzung:

Derek Sherinian – keyboards, synthesizers


Gastmusiker:

Simon Philipps – drums
Tony Franklin – bass
Steve Stevens – guitar
Joe Bonamassa – guitar
Steve Lukather – guitar
Zakk Wylde – guitar
Ron "Bumblefoot" Thal – guitar
Michael Schenker – guitar
Mike Stern – guitar
Nuno Bettencourt – guitar




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Jazzrock / Fusion, Funk, Hard Rock


Trackliste:

1. The Vortex (feat. Steve Stevens) (4:25)
2. Fire Horse (feat. Nuno Bettencourt) (4:26)
3. Scorpion (3:38)
4. Seven Seas (feat. Steve Stevens) (6:16)
5. Key Lime Blues (feat. Joe Bonamassa, Steve Lukather (4:42)
6. Die Kobra (feat. Michael Schenker, Zakk Wylde) (6:44)
7. Nomad’s Land (feat. Mike Stern) (5:20)
8. Aurora Australis (feat. Bumblefoot) (11:11)

Gesamtspieldauer: 46:46



Mit „Vortex“ erscheint am 1. Juli 2020 das bisher achte Studioalbum des US-amerikanischen Keyboarders Derek Sherinian, der inzwischen vom Prog Magazine zum neuntbesten Keyboarder aller Zeiten gewählt wurde. Selbstverständlich sind solche Bestenlisten mit Vorsicht zu genießen und im Endeffekt häufig dann eben doch auch Geschmackssache. Was man Derek Sherinian beim Hören von „Vortex“ allerdings wahrlich nicht absprechen kann ist seine Virtuosität und seine Fingerfertigkeit an den Tasten, die immer wieder beeindruckt.

Auf seinem neuen Album hört man einen musikalischen Mix aus Jazzrock, Fusion, Funk, Hard Rock und an der einen oder anderen Stelle auch Alternative Rock-Anleihen. Derek Sherinian selbst sieht „Vortex“ als Fortsetzung vom Vorgängeralbum „The Phoenix“. Und weiter meint der Musiker: „Ich habe jedoch das Gefühl, dass die Komposition auf dem neuen Album stärker sind und ich würde es als eine moderne 70er-Jahre-Fusion-Platte beschreiben, aber mit einer neueren schwereren Tonalität.“ Zumindest beim letzten Punkt kann man Derek Sherinian absolut zustimmen. Die Betonung der Musik liegt auf „schwer“. Hard Rock mit jeder Menge jazzigen Momenten. Genau das macht auch die Variabilität dieses Albums aus, denn die Lieder leuchten den Bereich zwischen diesen musikalischen Genres ganz breit aus.

Und mit solch einer funkigen Nummer wie „Key Lime Blues“ erweitert Derek Sherinian nochmals das musikalische Spektrum dieses Albums. Ich kann mir dabei nicht helfen, aber diese Nummer erinnert mich phasenweise vom Sound her sehr an Steve Wonders „Superstition“. Doch zurück zu „Vortex“, das mit „Aurora Australis“ nicht nur das längste, sondern auch das „proggigste“ Lied für die Hörerin und den Hörer bereithält. Oh mein Gott, welch Klischee. Ein über zehn Minuten langes Lied und dann gleich Progressive Rock? Sorry, stimmt aber in diesem Fall. Klasse Titel, abwechslungsreich und mitreißend, der für mich alles aufweist, was Progressive Rock in der heutigen Zeit ausmacht.

Ach ja, da war ja noch was. Die Gitarristen. Da hat sich Derek Sherinian eine ganze Reihe bekannter Namen zu den einzelnen Titeln eingeladen. Diese machen ihren „Job“ sehr gut und setzen viele Lieder auch so um, wie man es von ihnen erwarten würde. Kein Wunder also, dass „Die Kobra“ mit Michael Schenker den Metal-Kracher des Albums darstellt. Auch diese Musiker tragen sehr gelungen zur Abwechslung auf „Vortex“ bei.

Fazit: Wer die Genres Hard Rock und Fusion und vor allen Dingen deren Berührungspunkte und Kombination mag, die oder der wird ganz bestimmt auch „Vortex“ von Derek Sherinian mögen. Das Album erklingt abwechslungsreich und spannend. Irgendwie hätte ich mir an der einen oder anderen Stelle sogar eine Gesangslinie vorstellen können und fände es noch cooler. Elf Punkte.

Anspieltipps: Key Lime Blues, Aurora Australis



Dienstag, 28. Juni 2022

Sigrid und Marina – Volle Lust und volles G‘fühl

 



Sigrid und Marina – Volle Lust und volles G‘fühl


Besetzung:

Sigrid Hutterer – Gesang, Chor
Marina Löberbaur – Gesang, Chor


Gastmusiker:

Christian Zierhofer – Keyboards, Programming, Chor
Manuel Lopez – Gitarren
Mani Wagner – Gitarren
Gerhard Zwickl – Trompeten
Andreas Pirringer – Saxophon
Michael Ringler – Akkordeon
Mitsch Keller – Chor
Tini Keinrath – Chor
Michaela Koller – Chor
Daniel Gruber – Chor
Brigitte Lukasser – Chor




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Volkstümlicher Schlager


Trackliste:

1. Volle Lust und volles G'fühl (3:04)
2. So wie der Wind (3:52)
3. Schlagerpartyzeit (3:10)
4. Männer es ist Sommer (2:59)
5. Ti amo (3:23)
6. Herz an Herz (2:56)
7. Ja das Leben ist schön (3:13)
8. Wochenend und Sonnenschein (2:29)
9. In meiner Heimat (3:11)
10. Ein Himmel voller Sterne (3:32)
11. Mein Herz hat doch längst ja gesagt (3:20)
12. Ich hab schon so lang nicht mehr Danke gesagt (3:50)
13. Immer wieder geht die Sonne auf (3:07)

Gesamtspieldauer: 42:12



Mit der Musik der beiden österreichischen Schwestern Sigrid und Marina ist das immer so eine Sache. Sind sie musikalisch eher in der Volksmusik beheimatet, dann klingt das gar nicht so schlecht. Doch der „Markt“ für die beiden Sängerinnen scheint sich immer mehr in Richtung des Schlagers zu verschieben, das wollen die Fans wohl hören.

Nicht weiter verwunderlich also, dass man auch auf ihrem neuen Album „Volle Lust und volles G‘fühl“ hauptsächlich Schlager mit leicht volkstümlichem Einschlag zu hören bekommt. Zugutehalten muss man Sigrid und Marina dabei allerdings, dass die Liederauswahl durchaus gelungen ist. Die Lieder gehen zum Teil sogar gut ins Ohr und unterhalten.

Und mit dem Udo Jürgens Hit „Immer wieder geht die Sonne auf“ haben Sigrid und Marina auch noch einen echten Ohrwurm für ihre Hörerinnen und Hörer parat, der aus dem Album hinausgeleitet.

Fazit: Volkstümlicher Schlager, der ein paar ganz nette Melodien bereithält. Die Fans wird es freuen. Fünf Punkte.

Anspieltipps: Immer wieder geht die Sonne auf



Montag, 27. Juni 2022

Regina Spektor – Home, Before And After

 



Regina Spektor – Home, Before And After


Besetzung:

Regina Spektor – vocals, piano, keyboards,


Gastmusiker:

John Congleton – synthesizers, keyboards, bass, drum programming, percussion, guitars, drums, string & horn arrangements, percussion, vibraphone, marimba, theremin
Joey Waronker – drums, percussion
Luke Reynolds – bass, guitars, synthesizers, brass
Jack Dishel – additional vocals
Jherek Bischoff – string & horn & orchestral arrangements
Caleb Teicher – tap dance percussion
Fame’s Skopje Studio Orchestra – orchestra
Oleg Kontratenko – conductor




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Becoming All Alone (4:18)
2. Up The Mountain (4:40)
3. One Man‘s Prayer (4:05)
4. Raindrops (3:09)
5. SugarMan (4:35)
6. What Might've Been (2:44)
7. Spacetime Fairytale (8:47)
8. Coin (5:23)
9. Loveology (5:16)
10. Through A Door (4:19)

Gesamtspieldauer: 47:20



„Home, Before And After“ heißt das achte Studioalbum der Musikerin Regina Spektor. Es wurde am 22. Februar 2022 angekündigt, zusammen mit der Veröffentlichung der Single „Becoming All Alone“ auf diversen Streaming-Plattformen. Veröffentlicht wurde das Album schließlich am 24. Juni 2022 auf dem Plattenlabel Sire Records.

Auf „Home, Before And After“ hört man sehr eingängige und immer melodische Musik, die sofort ins Ohr geht. Das ist bei Regina Spektor noch nicht mal überraschend, denn so klangen schon immer die Veröffentlichungen der US-Amerikanerin mit russischen Wurzeln. Doch auf „Home, Before And After“ werden diese so bekannten Zutaten nochmals mehr mit orchestraler Musik kombiniert, klingen irgendwie noch eingängiger, wie vertraute Freunde und hören sich noch eingängig an.

Und was bleibt davon hängen? Eine ganze Menge, denn insgesamt macht diese Patte Spaß wieder aufgelegt zu werden. Höhepunkte sind für mich die ersten beiden Stücke sowie das wahrlich abwechslungsreiche und ein wenig an Musicals erinnernde (obwohl ich Musicals nicht sehr mag) „Spacetime Fairytale. Musik zum darin Schwelgen. Musik für besondere Abende. Genau diese Stimmung erschafft Regina Spektor auf diesem Album.

Fazit: Wer Regina Spektor mag und wer auf eingängigen Pop und Rock steht, der immer wieder mal auch orchestral untermal wird, die oder de wir dieses Album ganz gewiss mögen. Regina Spektor hat mit ihrem achten Album „Home, Before And After“ eine sehr gute Platte vorgelegt. Macht Spaß und Fans werden sicherlich nicht enttäuscht werden. Neun Punkte.

Anspieltipps: Spacetime Fairytale



Samstag, 25. Juni 2022

Kula Shaker – 1st Congregational Church Of Eternal Love And Free Hugs

 



Kula Shaker – 1st Congregational Church Of Eternal Love And Free Hugs


Besetzung:

Crispian Mills – lead vocals, guitars, ukuleles
Alonza Bevan – bass, piano, backing vocals
Harry Broadbent – organs, synthesizers, pianos, backing vocals
Paul Winter Hart – drums




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Psychedelic Rock


Trackliste:

1. Intro (Dearly Beloved) (1:16)
2. Whatever It Is (Im Against It) (3:01)
3. Hometown (3:31)
4. Burning Down (4:35)
5. Love In Separation (3:32)
6. Segue (Let Us Pray) (1:28)
7. Gingerbread Man (3:52)
8. Farewell Beautiful Dreamer (3:20)
9. Where Have All The Brave Knights Gone (2:54)
10. Segue (Raining Buckets) (1:02)
11. 108 Ways To leave Your Narcissist (4:13)
12. After The Fall (Part 1) (1:42)
13. Dont Forsake Me (3:22)
14. 303 Revisited (3:37)
15. The Once & Future King (4:05)
16. Shattered Bones (3:08)
17. After The Fall (Parts 2 & 3) (6:21)
18. Closing Words (Windows Of Our Hearts) (0:55)
19. Bumblebee (2:33)
20. Coda (Cinema Club) (1:08)

Gesamtspieldauer: 59:42



„1st Congregational Church Of Eternal Love And Free Hugs“ heißt das sechste Studioalbum der englischen Band Kula Shaker. Es erschien am 24. Juni 2022 auf dem Plattenlabel Strange F.O.L.K. und enthält einmal mehr die für Kula Shaker so typische Musik, leicht psychedelisch angehauchter und jederzeit eingängiger Rock. Die indischen Einflüsse in der Musik der Engländer, die auf früheren Alben stets präsent waren, sind allerdings deutlich zurückgedrängt worden.

Inhaltlich befinden wir uns in einer fiktiven Kirche mit dem ausschweifenden Namen „1st Congregational Church Of Eternal Love And Free Hugs“, die angeblich in Little Sodbury, 14 Meilen von Bath entfernt liegt. Ein Ort, in dem Kula Shaker-Sänger und -Gitarrist Crispian Mills früher lebte. Es ist das Michaelisfest und der Pfarrer hält seinen Gemeindemitgliedern eine Predigt darüber, wie der Heilige Michael das Böse bekämpft hat. In mehreren Einspielungen werden Szenen aus dieser Messe präsentiert, die durchaus humoristisch aufbereitet wurden.

Musikalisch beinhaltet „1st Congregational Church Of Eternal Love And Free Hugs“ zahlreiche Anspielungen auf die Musik der 60er Jahre ohne die damalige Musik dabei 1:1 zu kopieren. Immer wieder ertappe ich mich bei dem Gedanken und der Frage, ob die Beatles heute wohl so oder so ähnlich klingen würden? Das sagt bereits einiges über die Musik auf diesem Album aus. Man hört schöne Melodien, die auch bereits beim ersten Mal des Hörens zu überzeugen wissen und sich festsetzen können. Dabei changiert die Musik zwischen rockig und folkig, „303 Revisited“ stellt laut Aussage von Crispian Mills auch eine Anspielung auf Bob Dylan dar.

Ein wenig komplexer und durchaus auch proggiger erklingt schließlich „The Once & Future King“. Klasse Lied, welches sich in seinem Verlauf immer weiter entwickelt. Und bei „After The Fall (Parts 2 & 3)“ fühlt man sich zunächst an einen Italo-Western erinnert, bekommt dann schließlich doch noch indische Klänge präsentiert, bis sich dieses Lied schließlich fast schon hymnisch generiert. Viel Abwechslung, nicht nur in diesem Stück. „1st Congregational Church Of Eternal Love And Free Hugs“ zu lauschen macht Spaß. Es gibt keine Ausfälle auf diesem Album, welches viele eingängige Passagen für die Hörerin und den Hörer bereithält und bestens unterhält.

Fazit: Kula Shaker Fans können sich freuen. Auch das sechste Studioalbum der Engländer ist ein sehr gelungenes geworden. Zwar wurden die „indischen Momente“ in der Musik von Kula Shaker weitestgehend verdrängt, doch die Abwechslung und Eingängigkeit der Lieder ist weiterhin vorhanden. Lohnt gehört zu werden. Elf Punkte.

Anspieltipps: Burning Down, The Once & Future King, After The Fall (Parts 2 & 3)



Freitag, 24. Juni 2022

Porcupine Tree – Closure/Continuation

 



Porcupine Tree – Closure/Continuation


Besetzung:

Steven Wilson – vocals, guitars, bass
Richard Barbieri – keyboards, synthesizers
Gavin Harrison – drums, percussion




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Harridan (8:07)
2. Of The New Day (4:43)
3. Rats Return (5:40)
4. Dignity (8:22)
5. Herd Culling (7:03)
6. Walk The Plank (4:27)
7. Chimera’s Wreck (9:39)

Gesamtspieldauer: 48:03



Als letztes Jahr bekannt wurde, dass Porcupine Tree tatsächlich nach dreizehnjähriger Pause ihr elftes offizielles Studioalbum veröffentlichen würden, habe ich mich natürlich sehr auf den Tag gefreut, wenn ich es denn endlich in Händen halten dürfte. Gleichzeitig war da allerdings auch eine gewisse Skepsis, ob nach Steven Wilsons letzten Pop / Mainstream-Album „The Future Bites“ dieses neue Porcupine Tree-Album mit dem Titel „Closure/Continuation“ nicht doch auch eine Enttäuschung werden würde. Aber nein, „Closure/Continuation“ ist keine Enttäuschung geworden, doch dazu gleich mehr.

Auf ihrem elften Album sind Steven Wilson, Richard Barbieri und Gavin Harrison wieder vereint. Doch Bassist Colin Edwin fehlt. Dies hat viel mit der Entstehungsgeschichte des Albums zu tun. Während des Lockdowns jammten Steven Wilson und Gavin Harrison. In einem Interview dazu verriet Steven Wilson, dass dies im Haus von Gavin Harrison stattfand, dieser jedoch keine Gitarre gehabt hätte, einen Bass dagegen schon. Es begann mit dem Lied „Harridan“, das während dieser Session in seinen Ursprüngen entstand und bei dem Steven Wilson eben diesen Bass einspielte. Es folgten später weitere Stücke, auf denen er ebenfalls den Bass gleich mit bediente. Richard Barbieri wurde mit eingebunden und auch dieser brachte seine Ideen zum neuen Album mit ein. Und Colin Edwin? Zu ihm hatte seit zehn Jahren keiner der drei Musiker mehr Kontakt gehabt und so wurde aus dem Quartett Porcupine Tree während des Entstehens der neuen Platte kurzerhand ein Trio.

Nun, „Closure/Continuation“ ist ein gutes Album geworden. Progressive Rock à la Porcupine Tree. Unverwechselbar. Alle Zutaten, die diese Band auf ihren letzten Veröffentlichungen ausmachten, sind auch auf „Closure/Continuation“ vorhanden. Wunderschöne Melodien, vertrackte Passagen, harte bis sehr harte Riffs und sphärische Momente. Alles vereint und ineinander übergehend ohne, dass dies auch nur den Hauch des Konstruierten hinterlassen würde. Vielleicht erreicht dieses neue Album dabei nicht mehr ganz die Klasse der herausragenden Alben der Nullerjahre dieses Jahrhunderts – doch auszuschließen ist dies auch nicht ganz. Mit jedem weiteren Durchlauf scheint sich die Platte im Ohr weiter zu entwickeln. Das Hören lohnt sich also auf jeden Fall und alles mündet schließlich im Titel „Chimera’s Wreck“, mit dem man anschließend aus dem Album entlassen wird. Dieses Lied bündelt nochmals alles, was Porcupine Tree ausmacht und enthält sämtliche oben genannte Zutaten, die die Musik dieser Band umschreiben und charakterisieren. Sehr cool und sicherlich in den Top Ten der besten Porcupine Tree-Stücke vertreten. 

Fazit: Porcupine Tree Fans dürfen sich freuen. Mit „Closure/Continuation“ ist den Engländern ein sehr überzeugendes Album nach dreizehnjähriger Pause gelungen. Wer die Musik der Band auf den bisherigen Alben des 21. Jahrhunderts mochte und auch den progressiven Soloalben des Steven Wilson etwas abgewinnen kann, die oder der wird auch an „Closure/Continuation“ viel Freunde haben. Mich überzeugt das mit jedem Durchhören noch mehr. Elf Punkte.

Anspieltipps: Chimera’s Wreck



Donnerstag, 16. Juni 2022

Charlie Griffiths – Tiktaalika

 



Charlie Griffiths – Tiktaalika


Besetzung:

Charlie Griffiths – guitar, bass, keyboard, vocals


Gastmusiker:

Darby Todd – drums
Jordan Rudess – keyboards
Rob Townsend – saxophone
Tommy Rogers – vocals (tracks 2,9)
Danïel De Jongh – vocals (tracks 3,8)
Vladimir Lalić – vocals (tracks 4,5)
Neil Purdy – vocals (track 5) 



Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Progressive Metal


Trackliste:

1. Prehistoric Prelude (2:14)
2. Arctic Cemetery (6:06)
3. Luminous Beings (5:57)
4. In Alluvium (8:13)
5. Dead In The Water (8:45)
6. Digging Deeper (4:31)
7. Tiktaalika (8:34)
8. Crawl Walk Run (5:06)
9. Under Polaris (3:06)

Gesamtspieldauer: 52:36



Charlie Griffiths ist der Gitarrist der britischen Progressive Metal Band Haken und veröffentlicht mit „Tiktaalika“ am 17. Juni 2022 sein erstes Soloalbum. Das Album-Cover erinnert stark an Yes und deren häufigem Cover-Designer Roger Dean, doch die Musik auf „Tiktaalika“ unterscheidet sich durchaus von den britischen Progressive Rock Pionieren.

Allerdings trifft dies hauptsächlich auf die Härte der Musik zu. Auf „Tiktaalika“ hört man Progressive Metal, der dabei immer wieder an die Stammband von Charlie Griffiths erinnert. Dieses Genre wird auf dem Album allerdings etwas breiter angelegt, sodass man auch deutliche Einflüsse des Alternative Rocks, Trash und Tech-Metal wahrnehmen kann. Gegrowlt wird dabei auch, jedoch eher in kleinen Häppchen denn ausufernd.

Neben aller Härte fallen immer wieder auch diese wunderschönen rockigen, aber doch melodischen Abschnitte in den Liedern auf „Tiktaalika“ auf, die sofort das Ohr umschmeicheln. Dabei klingen selbst die Trash-Metal-Passagen noch durchaus eingängig, sodass man das Haupthaar ordentlich durchschütteln kann und gleichzeitig einer coolen Melodie lauscht.

Musikalisch erhielt Charlie Griffiths jede Menge Unterstützung von bekannten Kollegen. Beim Gesang wird er unterstützt durch Tommy Rogers (Between The Buried And Me), Danïel De Jongh (Textures), Vladimir Lalić (Organised Chaos) sowie und Neil Purdy (Luna‘s Call). Viele Lieder singt der Haken-Gitarrist auf „Tiktaalika“ zum ersten Mal sogar selbst ein und auch das klingt durchaus überzeugend. Weiter sind zu hören Schlagzeuger Darby Todd (Martin Barre, Frost, Devin Townsend), Keyboarder Jordan Rudess (Dream Theater) sowie Saxophonist Rob Townsend (Steve Hackett). Dabei ließ Charlie Griffiths nach eigenen Aussagen den einzelnen Musikern viel Freiraum, um sich selbst in die Lieder einbringen zu können.

Das Ergebnis lohnt gehört zu werden. „Tiktaalika“ klingt abwechslungsreich, klingt melodisch, klingt hart und klingt spannend. Nicht weiter ausgeführt werden muss an dieser Stelle, dass sich das Album mit jedem weiteren Hören nochmals sehr positiv entwickelt.

Fazit: „Tiktaalika“, das erste Solo-Album des Haken Gitarristen Charlie Griffiths, ist eine abwechslungsreiche Reise vom Alternative Rock bis hin zum Trash Metal geworden. Alle Zutaten passen dabei perfekt und für Freundinnen und Freunde von Haken und der genannten Genres bestimmt eine lohnende Anschaffung. Elf Punkte.

Anspieltipps: In Alluvium, Digging Deeper, Tiktaalika



Freitag, 10. Juni 2022

The Tangent – Songs From The Hard Shoulder

 



The Tangent – Songs From The Hard Shoulder


Andy Tillison – vocals, keyboards
Jonas Reingold – bass
Luke Machin – guitar, vocals
Steve Roberts – drums
Theo Travis – saxophone & flute




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Progressive Rock, Fusion


Trackliste:

1. The Changes (17:04)
2. The GPS Vultures (17:01)
3. The Lady Tied To The Lamp Post (20:52)
4. Wasted Soul (4:40)

Gesamtspieldauer: 59:39



The Tangent ist eine Progressive Rock Band aus England, die ursprünglich 2002 als einmaliges Projekt bestehend aus Mitgliedern von Po90, The Flower Kings und Van Der Graaf Generator gegründet wurde. Inzwischen hat sich die Bandbesetzung mehrmals geändert, seit acht Jahren spielen die Musiker nun allerdings in dieser Konstellation zusammen. Vom ursprünglichen Line-Up ist allerdings lediglich Sänger Andy Tillison ununterbrochenes Mitglied von The Tangent. Am zehnten Juni erscheint nun das inzwischen bereits zwölfte Studioalbum der Band mit dem Titel "Songs From The Hard Shoulder" auf dem Plattenlabel InsideOut Music.

Bandleader Andy Tillison sagte in einem Interview: "Stellen Sie sich vor Yes, The Stranglers, Beethoven, The Pet Shop Boys, Aphex Twin, Earth Wind & Fire und das Mahavishnu Orchestra wären alle zur gleichen Zeit da gewesen... dann hätte man vielleicht in einer Band wie der unseren enden können." Und diese Aussage ist nicht zu weit hergeholt. Denn all die musikalischen Genres, die die oben genannten Bands und Musiker bedienen, tauchen auch an dieser oder jener Stelle auf "Songs From The Hard Shoulder" auf. Möchte man die Musik von The Tangent auf diesem Album genremäßig etwas gröber umschreiben, so hört man auf "Songs From The Hard Shoulder" die Verbindung aus Progressive Rock und Fusion.

Selbstverständlich klingt das nicht immer eingängig, soll es auch gar nicht. Doch die melodiösen Passagen gibt es natürlich auch und diese begeistern bereits beim ersten Hören. Dann wieder erklingen mehrstimmige Gesangspassagen, eine spanische Gitarre oder frickeliger Jazzrock. Genau diese - nicht immer erwartbaren -  Zutaten sind es, die in all ihren Kombinationen "Songs From The Hard Shoulder" überaus spannend erklingen lassen. Natürlich ist das keine Musik, die einen leicht von der Seite berieselt. Auf The Tangent muss man sich einmal mehr und immer wieder konzentrieren. Dies lohnt sich allerdings.

Höhepunkt stellt für mich die instrumentale Nummer "The GPS Vultures" dar. Geschmackssache natürlich, doch in diesem Titel vereinigen The Tangent für mich am Besten all die genannten unterschiedlichen musikalischen Stile und lassen einen gespannt und gebannt zuhören. Und dann höre ich das Album nochmals durch und mich reißt "The Lady Tied To The Lamp Post" mit seiner druckvollen und abwechslungsreichen Art mit...

Fazit: Wahrlich mehr als ein "Allerweltsalbum" ist The Tangent mit "Songs From The Hard Shoulder" gelungen. Wer auf Progressive Rock mit jazzigen Ausflügen steht, frickeligen Abschnitten wie schönen Melodien etwas abgewinnen kann, die oder der sollte hier mal ein Ohr riskieren. Denn dann lohnt sich das bestimmt. Elf Punkte.

Anspieltipps: The GPS Vultures, The Lady Tied To The Lamp Post



Dienstag, 7. Juni 2022

Hæctor – Modern Urban Angst

 



Hæctor – Modern Urban Angst


Besetzung:

Martin Wendt – Gesang
Lena Schöllerman – Bass, Synthesizer
Christoph Rosemeier – Schlagzeug, Samples
Christopher Kellner – Gitarre, Synthesizer, Programming




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Indie Pop, Rock


Trackliste:

1. Edges (4:21)
2. Run Dry (3:00)
3. Chelsea (3:56)
4. A Whisper (3:48)
5. My Strings (4:34)
6. Elephant (4:00)
7. Castles (3:50)
8. Hearts (3:31)
9. Social Curency (3:26)
10. Your Darkness (5:27)

Gesamtspieldauer: 39:57



Hæctor ist eine im Jahr 2017 gegründete Band aus Hamburg, die mit "Modern Urban Angst" ihr Debutalbum veröffentlicht. Nachdem die Hamburger nach einigen Live-Auftritten Corona-bedingt ebenso wie viele andere Bands und Musiker ausgebremst wurden, erscheint das Erstlingswerk der Hamburger nun am 10. Juni 2022 auf dem Plattenlabel Dachshund Records.

Hæctor klingen international und singen ihre Lieder dementsprechend auch auf Englisch ein. Die einzelnen Nummern auf "Modern Urban Angst" gehen vom ersten bis zum letzten Stück schnell ins Ohr. Ohne Ausnahme erklingen alle Titel des Albums melodiös und eingängig und lassen sich den musikalischen Genres Independent Pop bis Rock zuordnen. Dabei animiert die Musik jederzeit zum Mitwippen und macht Spaß gehört zu werden. Die Atmosphäre der Lieder bewegt sich hauptsächlich im optimistischen Bereich. Zu dunkel werden die einzelnen Stücke stimmungsmäßig nie eingefärbt. Doch klingt es dann doch mal nachdenklicher, so glaubt man sofort den Silberstreif am Horizont herauszuhören, den man ansonsten woanders eher zu sehen bekommt.

"Modern Urban Angst" lässt sich wunderbar in einem Zug durchhören ohne Gefahr zu laufen, die Fernbedienung immer wieder in die Hand nehmen zu müssen, um einzelne Titel zu überspringen. Musikalische Ausfälle findet man dementsprechend keine auf dem Album. Höhepunkte dagegen eine ganze Reihe. Wer demnach auf gut gemachten Indie Pop bis Rock steht, wird auf dem Album eine Menge für sich entdecken können.

Fazit: Mit "Modern Urban Angst" hat die Hamburger Band Hæctor ein sehr gelungenes Debutalbum eingespielt. Eingängigen Independent Pop bis Rock gibt es darauf zu hören, der Lust auf mehr macht. Lohnt sich. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Castles, Your Darkness



Donnerstag, 2. Juni 2022

Astronoid – Radiant Bloom

 



Astronoid – Radiant Bloom


Besetzung:

Brett Boland – vocals, guitars, percussion
Daniel Schwartz – bass, synthesizers
Casey Aylward – guitars, solos
Matt St. Jean – drums




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Rock


Trackliste:

1. Admin (5:09)
2. Eyes (4:52)
3. Sleep Whisper (5:12)
4. Sedative (4:35)
5. I‘ve Forgotten Your Face (4:25)
6. Orchid (4:43)
7. Drown (4:37)
8. Human (5:24)
9. Decades (7:07)

Gesamtspieldauer: 46:07



Astronoid ist eine 2012 gegründete Post-Metal-Band aus Lowell, Massachusetts, die von Sänger Brett Boland und Bassist Daniel Schwartz gegründet wurde. Am 3. Juni erschien nun ihr drittes Studioalbummit dem Titel „Radiant Bloom“ auf dem Plattenlabel Century Media, einer Tochter von Sony Music.

Astronoid klingen durchaus anders. Die Musik enthält Anleihen des Metal, die mit fetten Synthesizer-Sounds unterlegt sind. Dazu gesellt sich der relativ hohe Gesang des Brett Boland. Stakkatoartige Riffs, breite Soundteppiche sowie dieser hohe Gesang? Genau das alles umschreibt die Musik von Astronoid auf „Radiant Bloom“ schon sehr gut. Denn die einzelnen Titel lassen einem kaum Raum zum Luftholen, das Album „knallt“ von vorne bis hinten. Selbstverständlich hört man dabei auch mal ein wahrlich gelungenes Gitarrensolo, doch darauf scheint nicht der Fokus der Band zu liegen, denn sowas hört man nicht zu oft.

Es geht Astronoid auf „Radiant Bloom“ wohl eher um einen wahrlich fetten Sound, um eingängige Melodien und um eine musikalische Atmosphäre, die Heavy Metal mit viel Synthesizer verbindet. Außergewöhnlich klingt das durchaus, doch mit der Zeit verliert die Musik etwas an Reiz, da die einzelnen Nummern etwas verschwimmen – und das ist nicht nur produktionstechnisch gemeint. Trotz der „Härte“ klingen die Lieder eingängig, doch dann durch denselben Ansatz manchmal auch einfach austauschbar.

Deswegen machen Astronoid wahrlich keine schlechte Musik auf „Radiant Bloom“. Die Lieder klingen. Headbanging funktioniert definitiv, doch irgendwie wünscht man sich an mancher Stelle ein wenig weniger Instrumente, die gleichzeitig zu hören sind. Mehr Differenzierung, mehr Abwechslung.

Fazit: Definitiv anders klingen Astronoid. Und wer auf das Außergewöhnliche, das Besondere in der Musik steht und auch den heavy Sounds nicht abgeneigt gegenübersteht, die oder der wird auf diesem Album ganz sicher viel für sich finden. Für andere „läuft“ das Album einfach durch. Auch das wäre verständlich. Acht Punkte.

Anspieltipps: Decades