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Freitag, 5. November 2021

Jane – III

 



Jane – III


Besetzung:

Klaus Hess – guitars
Wolfgang Krantz – guitars, piano
Charly Maucher – bass, vocals
Peter Panka – drums, percussion, vocals


Label: Brain


Erscheinungsjahr: 1974


Stil: Rock


Trackliste:

1. Comin’ Again (9:43)
2. Mother, You Don't Know Me (5:53)
3. I Need You (4:54)
4. Way To Paradise (3:29)
5. Early In The Morning (5:26)
6. Jane-Session (4:23)
7. Rock ’n‘ Roll Star (4:50)
8. King Of Thule (0:40)
9. Baby, What You‘re Doin‘ (3:08)

Gesamtspieldauer: 42:30



Wie der Name des Albums bereits aussagt, ist „III“ das dritte Studioalbum der deutschen Krautrockband Jane. „III“ erschien im Jahr 1974 ursprünglich auf dem Plattenlabel Brain. Im Jahr 2004 wurde die remasterte CD-Version des Albums auf dem Label Universal Music veröffentlicht.

Auf „III“ hört man keinen Progressive Rock, für den Jane zum Teil in ihrer Karriere auch standen. „III“ ist ein eines Rock-Album, welches sich zunächst im Bereich des Hard Rocks abspielt. Später gesellen sich auch einige balladeske Titel dazu. Selbstverständlich klingt die Scheibe von daher rockig, aber die Musik geht auch durchaus ins Ohr, ohne dort freilich allzu große Spuren zu hinterlassen. Das Album läuft so ein wenig durch und es gibt wenige Momente, die einen aufhorchen lassen. Die einzelnen Stücke wälzen ein Thema aus und Peter Panka singt dazu relativ verzweifelt – zumindest hört es sich so an.

Richtige Höhepunkte gibt es von daher auf „III“ auch nicht, dabei ist die Platte gar nicht mal schlecht und klingt nach dem Hard Rock, leicht bluesig angehaucht, der damals, in den 70ern des letzten Jahrhunderts eben angesagt war. Dies gilt für die rockigeren Stücke ebenso, wie für die Balladen wie zum Beispiel „I Need You“. Ganz am Ende der Platte steht dann noch ein sehr langweiliger Rock’n’Roll, der einen mit einem eher faden Beigeschmack aus dem Album entlässt. Um an dieser Stelle dann doch noch Höhepunkte zu erwähnen, sei das wahrlich schöne „Way To Paradise“ erwähnt, was sehr sanft eine klasse Melodie entwickelt und mit dem Space-Rock-ähnlichen „Jane-Session“ den Höhepunkt des Albums darstellt.

Fazit: Keinen Progressive Rock, dafür jede Menge Hard Rock bekommt man auf Janes drittem Album zu hören. Die Musik unterhält, stellt allerdings keinen Höhepunkt im Schaffen der Band dar und auch keinen im Genre des Hard Rocks. Insgesamt klingt das Album nach typischem Rock der damaligen Zeit. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Way To Paradise, Jane-Session



Freitag, 23. Juli 2021

Little Feat – Feats Don‘t Fail Me Now

 



Little Feat – Feats Don‘t Fail Me Now


Besetzung:

Paul Barrère – guitar, vocals
Sam Clayton – percussion, vocals
Lowell George – vocals, guitar
Kenny Gradney – bass
Richie Hayward – drums, vocals
Bill Payne – keyboards, vocals


Gastmusiker:

Gordon DeWitty – clavinet ("Spanish Moon")
Fred White – drums ("Spanish Moon")
Emmylou Harris – backing vocals
Bonnie Raitt – backing vocals
Fran Tate – backing vocals
Tower of Power – horns




Erscheinungsjahr: 1974


Stil: Blues, Funk


Trackliste:

1. Rock & Roll Doctor (2:58)
2. Oh Atlanta (3:29)
3. Skin It Back (4:12)
4. Down The Road (3:46)
5. Spanish Moon (3:06)
6. Feats Don‘t Fail Me Now (2:27)
7. The Fan (4:29)
8. Medley: Cold Cold Cold / Tripe Face Boogie (9:59)

Gesamtspieldauer: 34:29



„Feats Don‘t Fail Me Now“ heißt das vierte Studioalbum der US-amerikanischen Rockband Little Feat. Es erschien am 9. August 1974 auf dem Plattenlabel Warner Brothers Music. Das Album-Cover wurde erneut von Neon Park gestaltet.

Auch auf dieser Platte hört man ein Little Feat Album mit viel Blues Musik und zusätzlich einigen funkigen Ausflügen. Das klingt inzwischen leider überholt und überaus langweilig. „Feats Don‘t Fail Me Now“ ist mit noch nicht einmal 35 Minuten Spieldauer sowieso sehr kurz ausgefallen. Doch auf dem Album befindet sich mit dem Titel „Medley: Cold Cold Cold / Tripe Face Boogie“ ein zehnminütiges Stück, was bereits auf dem zweiten Album „Sailin‘ Shoes“ in Form der zwei Lieder enthalten ist. Zwar werden beide Nummern hier etwas variiert, doch ein Album mit einer Interpretation von sich selbst zu veröffentlichen weist auf ganz viel Einfallslosigkeit hin.

Dies zumal, weil die Lieder auf „Feats Don‘t Fail Me Now“ inzwischen absolut langweilig und belanglos klingen. Nichts davon bleibt hängen, nichts davon möchte man öfters hören. Klar experimentieren die Musiker hier bei den Titeln. „The Fan“ und auch das bereits erwähnte Medley „Cold Cold Cold / Tripe Face Boogie“ fischen sogar etwas in dem damals gerade aktuellen Progressive Rock, indem sie an der einen oder anderen Stelle experimenteller klingen, doch das lässt „Feats Don‘t Fail Me Now“ noch lange nicht zu einem interessanten, geschweige denn guten Album werden.

Die einzige Nummer, die sich etwas lohnt auf „Feats Don‘t Fail Me Now“ gehört zu werden ist das eben erwähnte „The Fan“. Etwas experimenteller, etwas aufwendiger, etwas besser. Der ganze Rest des Albums ist längst überholt. Und sich selbst zu interpretieren, dazu gehört bei solch kurzer Laufzeit jede Menge Abgezocktheit.

Fazit: Langweilige Musik, irgendwo zwischen Blues und Funk angesiedelt. Der Blues überwiegt allerdings. Inzwischen wirkt und klingt das alles langweilig und leider absolut belanglos. Und sich selbst in Form eines Medleys auf einem Album zu interpretieren zeugt von ganz wenig Kreativität. Drei Punkte.

Anspieltipps: The Fan



Dienstag, 27. April 2021

A.R. & Machines – Autovision

 



A.R. & Machines – Autovision


Besetzung:

Achim Reichel – echo-guitar, 12-string guitar, arp synthesizer, mellotron, drums, echo-harmonica


Gastmusiker:

Jochen Petersen – tenor saxophone, clarinet
Peter Franken – drums, vibraphone
Olaf Casalich – tambourine, maracas, hanging bells, mridangam
Claus-Robert Kruse – electronic piano, mellotron, organ


Label: Zebra


Erscheinungsjahr: 1974


Stil: Psychedelic Rock


Trackliste:

1. Iron Horses / Eisenpferde (4:39)
2. Bird Dance In The Wind / Tanz Der Vögel In Den Winden (10:42)
3. Three In One / Drei In Eins (6:44)
4. Turbulences / Turbulenzen (9:05)
5. Jay Guru Dev (10:08)
6. Head In The Clouds, Feet On The Ground / Kopf In Den Wolken - Beine Auf Der Erde (0:34)

Gesamtspieldauer: 41:55



„Autovision“ oder auch kurz „AR5“, wie es ebenso auf dem Cover vermerkt ist, heißt das fünfte Album von A.R. & Machines. Diese Platte wurde allerdings unter dem Namen Achim Reichel veröffentlicht wurde. Es ist gleichzeitig das letzte Studioalbum seines Projektes mit psychedelischer Musik. Schon kurze Zeit später sollte er mit einem völligen Stilbruch und norddeutschen Shantys karrieretechnisch nochmals richtig durchstarten, nachdem A.R. & Machines verkaufstechnisch genau dies eben nicht tat, nämlich durchstarten.

Nun, „Autovision“ schrieb Achim Reichel während er sich ganz der Meditation und seinen Yoga-Übungen hingab und wurde im Jahr 1974 auf dem Plattenlabel Zebra Records veröffentlicht. Im Vergleich zum Vorgängeralbum „AR IV“ hatte sich die Musik des Albums durchaus ge- und verändert. Die ersten beiden Lieder auf „Autovision“ tendieren stark in Richtung Jazz. „Three In One / Drei In Eins“ startet mit einem irgendwie groovenden Rhythmus, geht im weiteren Verlauf des Liedes schließlich zwar in eine meditativ-hypnotisierende Atmosphäre über, doch die Klarinette des Jochen Petersen lockert den entstehenden Minimalismus immer wieder etwas auf.

Das folgende „Turbulences / Turbulenzen“ ist eine rhythmische Nummer, in der alles vibriert und in Bewegung zu sein scheint. Der Name „Viele kleine Krabbelkäfer laufen über das Brett“ hätte hier auch gepasst. Höhepunkt des Albums ist das sich anschließende „Jay Guru Dev“. Während des Liedes hört man auf zehn Minuten lediglich Achim Reichels Echo-Gitarre. Und hier kommt sie nun wieder zum Tragen, diese hypnotisierende Monotonie der Musik, die eine dichte Atmosphäre schafft. Zugegebenermaßen passiert in diesen zehn Minuten nicht viel, doch zum Träumen und Entspannen eignet sich dieses Stück bestens. Es folgt noch ein wenige Sekunden dauernder Ausklang des Albums mit dem Lied „Head In The Clouds, Feet On The Ground / Kopf In Den Wolken - Beine Auf Der Erde“. Irgendwie scheint Achim Reichel hier sein neu entdecktes Musikgenre, dem er sich von nun an widmen sollte, bereits kurz vorzustellen.

Fazit: Von den fünf A.R. & Machines Alben ist „Autovision“ sicherlich die „schlechteste“ Platte geworden, ohne dabei wirklich schlecht zu sein. Doch der Stilmix darauf überzeugt nicht restlos, ein klein wenig wirken die einzelnen Lieder bunt durcheinandergemischt, ohne so richtig zueinander zu passen. Und sie klingen auch nicht mehr ganz so genial wie jene zum Beispiel auf dem Vorgängeralbum. Trotzdem hat „Autovision“ seine Höhepunkte und ist immer noch sehr hörenswert. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Jay Guru Dev



Mittwoch, 7. April 2021

Crosby, Stills, Nash & Young – So Far

 





Besetzung:

David Crosby – vocals all tracks, rhythm guitar on "Déjà Vu", "Wooden Ships", "Ohio", and "Woodstock", acoustic guitar on "Guinnevere"
Stephen Stills – vocals all tracks except "Guinnevere", acoustic and electric guitars all tracks except "Our House" and "Guinnevere", piano on "Déjà Vu" and "Helpless", organ on "Wooden Ships", "Woodstock", and "Suite: Judy Blue Eyes", bass on "Déjà Vu", "Wooden Ships", "Teach Your Children", and "Suite: Judy Blue Eyes"
Graham Nash – vocals all tracks, piano on "Woodstock" and "Our House", acoustic guitar, tambourine on "Teach Your Children", harpsichord on "Our House"
Neil Young – vocals on "Ohio", "Find The Cost Of Freedom", and "Helpless", acoustic guitar on "Find the Cost of Freedom" and "Helpless", electric guitar on "Ohio" and "Woodstock"


Gastmusiker:

Greg Reeves – bass on "Woodstock", "Our House", and "Helpless"
Calvin "Fuzzy" Samuels – bass on "Ohio"
Dallas Taylor – drums on "Déjà Vu", "Wooden Ships", "Woodstock", "Our House", "Helpless", and "Suite: Judy Blue Eyes", tambourine on "Teach Your Children"
Johnny Barbata – drums on "Ohio"
John Sebastian – harmonica on "Déjà Vu"
Jerry Garcia – pedal steel guitar on "Teach Your Children"




Erscheinungsjahr: 1974


Stil: Folk Rock


Trackliste:

1. Déjà Vu (4:14)
2. Helplessly Hoping (2:41)
3. Wooden Ships (5:30)
4. Teach Your Children (2:59)
5. Ohio (3:05)
6. Find The Cost Of Freedom (2:01)
7. Woodstock (3:56)
8. Our House (3:02)
9. Helpless (3:40)
10. Guinnevere (4:42)
11. Suite: Judy Blue Eyes (7:23)

Gesamtspieldauer: 43:17



„So Far“ heißt das vierte Album von Crosby, Stills & Nash, es ist gleichzeitig ihr drittes Album als Crosby, Stills, Nash & Young und das erste Kompilation-Album der Band. Nach dem zweiten Studioalbum „Déjà Vu“ ist es das meistverkaufte Album des Quartetts mit über zehn Millionen belegten Verkäufen. „So Far“ erschien am 19. August 1974 auf dem Plattenlabel Atlantic Records.

Die Lieder „Helplessly Hoping“, „Wooden Ships“, „Guinnevere“ sowie Suite: „Judy Blue Eyes“ stammen vom Debut-Album „Crosby, Stills & Nash“ aus dem Jahr 1969. Die Titel „Déjà Vu“, „Wooden Ships“, „Woodstock“, „Our House“ und „Helpless“ wurden dem zweiten Album der Band „Déjà Vu“ entnommen, welches 1970 erschienen war. Das Lied „Ohio“ ist eine, bis zu diesem Zeitpunkt, auf keinem bisherigen Album enthaltende Single und das folgende Find „The Cost Of Freedom“ die entsprechende B-Seite dieser Single.

Auf „So Far“ hört man eingängigen, mehrstimmigen Folk Rock, der gerade von dieser Mehrstimmigkeit lebt und sehr melodiös gehalten ist. Höhepunkt des Albums ist das Lied „Ohio“. Dabei handelt es sich um einen Protestsong, den Neil Young als Reaktion auf die Schießerei an der Kent State University schrieb, welche auch als „Kent State Massaker“ Einzug in die Geschichtsbücher der USA gefunden hat. Dort waren am 4. Mai 1970 zwei Studentinnen (Allison B. Krause und Sandra Lee Scheuer) sowie zwei Studenten (Jeffrey Glenn Miller und William Knox Schroeder) getötet und neun weitere verwundet worden, die allesamt unbewaffnet waren. Diese hatten an einer Friedenskundgebung teilgenommen, welche sich gegen die Ausweitung des Vietnamkriegs auf das neutrale Kambodscha durch die Streitkräfte der Vereinigten Staaten richtete und gleichzeitig protestierten die Studentinnen und Studenten gegen die Präsenz der Nationalgarde auf dem Campus, als es zur Schießerei kam. „Ohio“ ist eine klasse, eingängige Nummer, deren Text sich lohnt gelesen zu werden und welche sicherlich auch zu den besten Liedern gehört, die Neil Young in seiner Karriere schrieb.

Fazit: Eingängigen Folk Rock bekommt man auf „So Far“ zu hören. Wie immer man auch zu Kompilationen steht, es ist das Lied „Ohio“, welches das Album lohnend werden lässt. Die anderen Titel kann man auch auf den Originalalben hören und dabei für sich selbst entscheiden, welche der Stücke auf seinem eigenen „Best Of“-Album vertreten wäre. Neun Punkte.

Anspieltipps: Ohio



Montag, 27. Juli 2020

Seals & Crofts – Unborn Child




Seals & Crofts – Unborn Child


Besetzung:

Jim Seals – vocals, backing vocals on “The Story Of Her Love”, “King Of Nothing”, acoustic guitar, spoken word on “Windflowers”
Dash Crofts – vocals, mandolin


Gastmusiker:

Louis Shelton – electric guitar
Buddy Emmons – steel guitar
David Paich – keyboards, string arrangements, horn arrangements
David Hungate – bass
Jeff Porcaro – drums
Bobbye Porter – percussion


Label: Warner Bros. Records


Erscheinungsjahr: 1974


Stil: Pop, Folk


Trackliste:

1. Prelude / Wildflowers (3:49)
2. Desert People (3:31)
3. Unborn Child (3:56)
4. The Story Of Her Love (3:32)
5. Dance By The Light Of The Moon (4:43)
6. Rachel (0:55)
7. King Of Nothing (3:19)
8. 29 Years From Texas (3:11)
9. Ledges (3:08)
10. Follow Me (3:41)
11. Big Mac (4:21)

Gesamtspieldauer: 38:12



„Unborn Child“ heißt das sechste Studioalbum des amerikanischen Pop und Folk-Duos Seals & Crofts. „Unborn Child“ wurde im Februar 1974 auf dem Plattenlabel Warner Bros. Records veröffentlicht. Zwei Singles wurden daraus ausgekoppelt. Das Titellied „Unborn Child“ erreichte Platz 66, die Nummer „The King Of Nothing“ kletterte immerhin sogar bis auf Platz 60 der Charts.

Das Album brachte dem Duo einigen Ärger ein, da das Titellied „Unborn Child“ ein klares Statement gegen Abtreibung darstellt. Die Plattenfirma Warner Bros. warnte die beiden Musiker sogar vor der Veröffentlichung, doch diese ließen sich dadurch nicht beirren. Manch ein Musik-Kritiker wie auch Abtreibungsbefürworter und Fans waren dem Duo nun deutlich weniger zugetan.

Wahrscheinlich wäre dies allerdings auch durch die Musik alleine geschehen. Auf „Unborn Child“ hört man nämlich eher uninteressante Pop-Musik, zum Teil noch leicht folkig angehaucht, jedoch immer mit einem allzu süßen Überzug versehen. Dies mag während des ersten Liedes noch angenehm klingen, wird mit jedem weiteren Track allerdings umso langweiliger. Zudem treffen einen die Lieder auf „Unborn Child“ musikalisch kaum noch. Ins Ohr geht da nur Weniges, zumeist fließen die Lieder zäh wie Honig an einem vorbei. Anders jedoch als Honig hinterlassen sie dabei keine Spuren.

Trotzdem gibt es zwei Höhepunkte auf dem Album. Dies sind der Opener „Prelude / Wildflowers“ sowie das Lied „The Story Of Her Love“. Zwar handelt es sich dabei natürlich ebenfalls nicht um „Rocker“, sondern auch diese Lieder sind eher sanft gehalten. Allerdings haben diese beiden Nummern zumindest einen gewissen Wiedererkennungswert und vor allen Dingen gehen sie ins Ohr. Das letzte Lied auf „Unborn Child“, der Titel „Big Mac“ groovt sogar ein wenig und mündet in einen jazzig-rockigen Part. Immerhin.

Fazit: „Unborn Child“ ist ein eher langweiliges Album geworden, angefüllt mit reichlich zu süßem Pop. Richtig packen kann einen nur relativ wenig auf dieser Platte, zwei bis drei Titel gibt es allerdings dann doch, die sich lohnen gehört zu werden. Insgesamt ist „Unborn Child“ allerdings kaum mehr als ein gerade noch durchschnittliches Album. Schade. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Prelude / Wildflowers, The Story Of Her Love



Sonntag, 7. Juni 2020

Ufo – Phenomenon




Ufo – Phenomenon


Besetzung:

Phil Mogg – vocals
Michael Schenker – guitar
Pete Way – bass guitar
Andy Parker – drums


Gastmusiker:

Bernie Marsden – guitar (tracks 11 & 12)


Label: Chrysalis Records


Erscheinungsjahr: 1974


Stil: Rock


Trackliste:

1. Oh My (2:25)
2. Crystal Light (3:47)
3. Doctor Doctor (4:12)
4. Space Child (4:01)
5. Rock Bottom (6:29)
6. Too Young To Know (3:09)
7. Time On My Hands (4:12)
8. Built For Comfort (3:08)
9. Lipstick Traces (2:21)
10. Queen Of The Deep (5:49)

Bonus Tracks der remasterten Wiederveröffentlichung aus dem Jahr 2007:

11. Sixteen (Demo) (3:48)
12. Oh My (Demo) (4:12)
13. Give Her The Gun (Single A-side) (3:58)
14. Sweet Little Thing (B-Side "Give Her The Gun") (3:51)
15. Sixteen (Previously Unreleased) (3:54)

Gesamtspieldauer: 59:23



„Phenomenon“ heißt das dritte Studioalbum der britischen Rockband Ufo, welches im Mai 1974 auf ihrem neuen Plattenlabel Chrysalis Records veröffentlicht wurde. Der etwas proggigere beziehungsweise spacige Sound der erste beiden Alben war verschwunden. Auf „Phenomenon“ hört man Rock, der zwischen sanfteren Balladen und Hard Rock Titeln hin- und herpendelt. Grund dafür dürfte wahrscheinlich der neue Gitarrist der Band gewesen sein, der erst 19-jährige Deutsche Michael Schenker, der Mick Bolton an der Lead Gitarre ersetzt hatte.

„Phenomenon“ ist eine runde und durchaus immer wieder begeisternde Scheibe geworden. Wenn auch die Musik nicht gerade vor Komplexität strotzt, die Titel klingen eingängig und gehen gut ins Ohr. Vertrackte Passagen wurden durch geradlinigen Rock ersetzt, der zum Mitwippen animiert. Der andere Pol der Musik auf „Phenomenon“ sind jene bereits angesprochenen rockigen Balladen, die sehr viel sanfter und nicht weniger melodiös aus den Boxen strömen.

Höhepunkte gibt es einige auf „Phenomenon“. Und diese gibt es bei den härteren Titeln wie den sanfteren Nummern. Für tollen Rock steht sicherlich eines der bekanntesten Titel von Ufo, das Lied „Doctor, Doctor“. Nicht weniger interessant klingt „Rock Bottom“, während dessen Michael Schenker ein Solo zum Niederknien zum Besten gibt. Von den etwas ruhigeren Nummern möchte ich dieser Stelle das Lied „Crystal Light“ erwähnen. Klasse melodiöser Titel. Dies gilt auch für „Space Child“. Das Gespür für die Eingängigkeit in der Musik hatten die vier Ufo-Musiker definitiv.

Fazit: „Phenomenon“ ist eine wahrlich gelungene Rock-Scheibe geworden. Es sind die Melodien, die das Album in Erinnerung bleiben lassen. Alles klingt gut auf dieser Platte. Dabei ist der Rock nie zu hart oder krachend, die Balladen nicht zu schmalzig oder verwaschen. Eine gute Mischung, bei der sich auch die Bonus Tracks lohnen gehört zu werden. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Crystal Light, Doctor Doctor, Space Child, Rock Bottom



Sonntag, 10. November 2019

Mott The Hoople – The Hoople




Mott The Hoople – The Hoople


Besetzung:

Ian Hunter – vocals, rhythm guitar, piano
Pete Overend Watts – bass guitar, vocals, lead vocals on "Born Late '58", rhythm guitar, 12-string guitar
Dale "Buffin" Griffin – drums, vocals, percussion
Ariel Bender – lead guitar, vocals, slide guitar
Morgan Fisher – keyboards, synthesizer


Gastmusiker:

Howie Casey – tenor saxophone on 1, 2, 3 & 7
Jock McPherson – baritone saxophone on 1, 2 & 7, tenor saxophone on 1, 2 & 7
Mike Hurwitz – cello on 2
Lynsey De Paul – backing vocals on 3 & 9
Mick Ralphs – backing vocals on 7, rhythm guitar on 9
Graham Preskett – violin on 8, conductor on 8, tubular bells on 8
Sue Glover & Sunny Leslie – backing vocals on 1 & 8
Barry St. John – backing vocals on 1 & 8
Thunderthighs:
Karen Friedman – backing vocals on 9
Dari Lalou – backing vocals on 9
Casey Synge – backing vocals on 9


Label: Sony Music


Erscheinungsjahr: 1974


Stil: Rock, Glam Rock


Trackliste:

1. The Golden Age Of Rock ‘N’ Roll (3:25)
2. Marionette (5:08)
3. Alice (5:20)
4. Crash Street Kidds (4:31)
5. Born Late ‘58 (4:00)
6. Trudi’s Song (4:26)
7. Pearl ‘N’ Roy (4:31)
8. Through The Looking Glass (4:37)
9. Roll Away The Stone (3:10)


Bonus Tracks der CD-Wiederveröffentlichung von 2006:

1. Where Do You All Come From (B-Side Of 2. "Roll Away The Stone"-Single) (3:26)
2. Rest In Peace (B-Side Of "The Golden Age Of Rock ‘N’ Roll"-Single) (3:55)
3. Foxy, Foxy (Non-LP Single A-Side) (3:31)
4. (Do You Remember) The Saturday Gigs (Non-LP Single A-Side) (4:20)
5. The Saturday Kids (Work In Progress Mixes) (6:03)
6. Lounge Lizzard (Aborted Single B-Side) (4:19 )
7. American Pie / The Golden Age Of Rock 'N' Roll (Live from Broadway) (4:15)

Gesamtspieldauer: 1:09:07



Nachdem die britische Band Mott The Hoople ihr sechstes Album „Mott“ genannt hatte, war der Weg nicht mehr weit das siebte Studioalbum „The Hoople“ zu taufen. „The Hoople“ erschien am 29. März 1974 in Europa auf dem Plattenlabel CBS Records. In den USA wurde es auf Columbia Records veröffentlicht. Im Jahr 2006 erschien die Platte dann schließlich in einer remasterten und erweiterten Version auf dem Label Sony Music. Das Album kletterte bei seiner Erstveröffentlichung bis auf Platz 11 der britischen Charts. „The Hoople“ ist das einzige Album mit dem Gitarristen Ariel Bender (der eigentlich Luther James Grosvenor heißt und unter seinem richtigen Namen unter anderem bei Spooky Tooth aktiv war). Der frühere Gitarrist Mick Ralphs hatte Mott The Hoople verlassen, um zusammen mit Sänger Paul Rodgers von Free die Band Bad Company zu gründen. Auch der langjährige Mott The Hoople Sänger Ian Hunter ist auf diesem Album das letzte Mal zu hören, da er danach eine Solo-Karriere startete.

Musikalisch hat sich mit dem Album „The Hoople“ ebenfalls etwas bei Mott The Hoople verändert. Ein wenig rockiger ist die Musik geworden, der Pop ist etwas mehr in den Hintergrund gedrängt worden. Die Lieder des Albums bewegen sich ein wenig im Dreieck Rock – Hard Rock – Glam Rock. Erneut gibt es ein paar schöne Melodien zu entdecken, den einen wirklich herausragenden Titel findet man auf „The Hoople“ allerdings nicht. Dafür verfügen die einzelnen Nummern der Platte über eine gleichbleibende Qualität, sodass man auch früher den Tonabnehmer der Stereoanlage nicht laufend auf das nächste Lied setzen musste. Dementsprechend kann man heutzutage auch die Fernbedienung getrost beiseite liegenlassen, das Album läuft gut in einem durch, wenn auch die ebenfalls vorhandenen Rock’n’Roll-Anwandlungen der Band nicht durchgängig überzeugen.

Der Höhepunkt der Platte ist das Lied „Marionette“. Eine vielschichtige und sehr abwechslungsreiche Nummer, die zudem noch melodiös aus den Boxen strömt. Auch dieser Wiederveröffentlichung wurde reichlich Bonus-Material hinzugefügt. Unter anderem befindet sich bei diesen Zugaben das Lied „The Saturday Kids“. Eine zunächst etwas getragene Ballade, die dann hymnische Züge annimmt und nun ebenfalls zu den Höhepunkten der Platte zu zählen ist.

Fazit: „The Hoople“ ist das siebte und letzte Album der Band Mott The Hoople, welches auch unter diesem Namen veröffentlicht wurde. Die beiden nächsten Alben erschienen unter der „Überschrift“ Mott. Auch auf dieser siebten Platte der Band hört man guten und eingängigen Rock, der manchmal bis in die härteren Gefilde dieses musikalischen Genres hineinreicht. Viele Höhepunkte hält die Platte jedoch nicht bereit, allerdings gut hörbaren Rock der 70er Jahre. Acht Punkte.

Anspieltipps: Marionette, Trudi’s Song, The Saturday Kids



Samstag, 24. August 2019

Procol Harum – Exotic Birds And Fruit




Procol Harum – Exotic Birds And Fruit


Besetzung:

Gary Brooker – vocals, piano
Mick Grabham – guitar
BJ Cole – pedal steel guitar
Chris Copping – organ
Alan Cartwright – bass guitar
B. J. Wilson – drums


Label: Esoteric Recordings


Erscheinungsjahr: 1974


Stil: Symphonic Rock, Art Pop, Rock


Trackliste:

CD1:

1. Nothing But The Truth (3:13)
2. Beyond The Pale (3:06)
3. As Strong As Samson (5:08)
4. The Idol (6:40)
5. The Thin End Of The Wedge (3:43)
6. Monsieur R. Monde (3:43)
7. Fresh Fruit (3:05)
8. Butterfly Boys (4:25)
9. New Lamps For Old (4:14)

Bonus Tracks:

10. Drunk Again (4:31)
11. As Strong As Samson (Alternative Version) (5:21)


CD2:

1. Conquistador (BBC Radio One In Concert 1974) (6:32)
2. Whaling Stories (BBC Radio One In Concert 1974) (8:51)
3. Bringing Home The Bacon (BBC Radio One In Concert 1974) (4:28)
4. New Lamps For Old (BBC Radio One In Concert 1974) (4:43)
5. Beyond The Pale (BBC Radio One In Concert 1974) (3:22)
6. As Strong As Samson (BBC Radio In Concert 1974) (6:12)
7. Simple Sister (BBC Radio One In Concert 1974) (6:22)
8. The Idol (BBC Radio One In Concert 1974) (7:09)
9. Grand Hotel (BBC Radio One In Concert 1974) (7:05)
10. Butterfly Boys (BBC Radio One In Concert 1974) (5:09)
11. Nothing But The Truth (BBC Radio One In Concert 1974) (3:41)

CD3:

1. Conquistador (Live At Dallas Sound Studio) (5:08)
2. Bringing Home The Bacon (Live At Dallas Sound Studio) (4:25)
3. Long Gone Geek (Live At Dallas Sound Studio) (4:58)
4. Homburg (Live At Dallas Sound Studio) (4:26)
5. Cerdes (Outside The Gates Of) (Live At Dallas Sound Studio) (7:02)
6. Beyond The Pale (Live At Dallas Sound Studio) (3:34)
7. Power Failure (Live At Dallas Sound Studio) (5:31)
8. As Strong As Samson (Live At Dallas Sound Studio) (6:20)
9. The Idol (Live At Dallas Sound Studio) (5:13)
10. Butterfly Boys (Live At Dallas Sound Studio) (5:01)
11. Mabel (Live At Dallas Sound Studio) (2:28)
12. Nothing But The Truth (Live At Dallas Sound Studio) (3:24)
13. New Lamps For Old (Live At Dallas Sound Studio) (4:17)

Gesamtspieldauer: CD1 (47:12) und CD2 (1:03:40) und CD3 (1:01:54): 2:52:47



„Exotic Birds And Fruit“ heißt das siebte Studioalbum der britischen Band Procol Harum. Die Platte erschien ursprünglich im April 1974 auf dem Plattenlabel Chrysalis. Im Juni 2018 wurde das Album schließlich auf Esoteric Records wiederveröffentlicht, wobei das ursprüngliche Album gleich um zwei weitere CDs und damit um sehr viel Bonusmaterial erweitert wurde. Der Titel „Nothing But The Truth“ war vor der Veröffentlichung des eigentlichen Albums bereits als Single erschienen. Das Cover-Artwork für das Album stammt von Jakob Bogdani (1658 – 1724), einem ungarischen Künstler, dessen Gemälde häufig exotische Vögel und Früchte zieren.

„Exotic Birds And Fruit“ war musikalisch gesehen deutlich anders strukturiert und angelegt als noch die Vorgängerplatten. Laut Gary Brooker hatte die Band, nach den zwei stark vom Orchester dominierten Platten „In Concert With The Edmonton Symphony Orchestra“ und „Grand Hotel“ erst mal genug von dieser aufwendigen Instrumentierung und die Musiker erklärten „Exotic Birds And Fruit“ zu einer „Zurück zu den Wurzeln“-Angelegenheit. Somit ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass die Platte sehr unspektakulär wie ein Mainstream-Rock-Pop-Album klingt. Ganz sicher ist „Exotic Birds And Fruit“ dabei nicht das Album geworden, welches Procol Harum auf dem Höhepunkt ihres Schaffens zeigt. Die Platte beinhaltet wenige Höhepunkte, dazu einige, fast schon nichtssagende Titel und leider auch ein bis zwei Ausfälle.

So gar nicht überzeugen können die beiden Stücke „The Thin End Of The Wedge“ und das fast schon nervige „Fresh Fruit“. Richtig gelungen sind dagegen die beiden Nummern „As Strong As Samson“ und „The Idol“. Zwei wahrlich gelungene poppig-rockige Lieder, die eben nicht gleich nach dem Aushallen wieder vergessen sind, sondern deutlich länger nachhallen. Die restlichen fünf Titel des Originalalbums bewegen sich dagegen eher im Bereich von „ganz nett“ bis „nichtssagend“.

Die Wiederveröffentlichung im Juni 2018 hinterlässt leider einen sehr faden Beigeschmack. Natürlich wurden hier noch zwei CDs hinzugefügt und man kann sich damit fast drei Stunden lang mit Procol Harum Musik berieseln lassen. Und freilich ist solch ein Lied wie zum Beispiel „Conquistador“ ein klasse Titel, einer der Höhepunkte im Schaffen von Procol Harum. Doch all dieses zusätzliche Material hat wohl nur den Zweck, den Preis für das ursprüngliche Album in die Höhe zu treiben. Einen Mehrwert gibt es dadurch nämlich kaum bis gar nicht. Die Lieder von „Exotic Birds And Fruit“ stehen weder beim „BBC Radio One In Concert 1974“ (CD2) noch bei „Live At Dallas Sound Studio“ (CD3) im absoluten Fokus und alle Nummern werden fast 1:1 wie die Studioversionen wiedergegeben. Doch wie viele fast identische Wiederholungen von „Conquistador“ oder „As Strong As Samson“ muss man sich anhören, um festzustellen, dass es gute und überzeugende Stücke sind? In meinem Fall reicht eine Studio-Version oder auch mal eine abgewandelte Live-Ausführung – doch genau dies gibt es auf den Zusatz-Scheiben nicht zu hören. Beide zusätzlichen CDs sind angefüllt mit Wiederholungen. Schade.

Fazit: „Exotic Birds And Fruit“ ist ein Mainstream-Pop-Rock-Album von Procol Harum geworden, welches in dieser Veröffentlichung durch quasi aufgezwungenes Bonus-Material einen faden Beigeschmack hinterlässt, da man das Album inzwischen nur noch in dieser Ausführung erwerben kann. „Exotic Birds And Fruit“ ist ganz bestimmt kein Höhepunkt in der Diskographie der Band, eher Durchschnitt, besitzt trotzdem noch hörenswerte Titel, die aus dem Allerlei des Mittelmaßes herausragen. Mainstream bleibt das Ganze jedoch leider immer. Acht Punkte.

Anspieltipps: As Strong As Samson, The Idol



Mittwoch, 15. Mai 2019

Quella Vecchia Locanda – Il Tempo Della Gioia




Quella Vecchia Locanda – Il Tempo Della Gioia


Besetzung:

Claudio Gilice – Violine
Giorgio Giorgi – Gesang, Flöte
Massimo Giorgi – Bass, Gesang
Masimo Roselli – Gesang, Keyboards
Patrick Traina – Gesang, Schlagzeug
Raimondo Cocco – Gesang, Gitarre, Klarinette


Label: Sony BMG Music


Erscheinungsjahr: 1974


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Villa Doria Pamphili (5:28)
2. A Forma Di... (4:12)
3. Il Tempo Della Gioia (6:18)
4. Un Giorno, Un Amico (9:43)
5. È Accaduto Una Notte (8:18)

Gesamtspieldauer: 34:01



„Il Tempo Della Gioia“ heißt das zweite und leider bereits letzte Album der italienischen Progressive Rock Band Quella Vecchia Locanda. Es wurde ursprünglich im Jahr 1974 auf dem Label RCA Italiana veröffentlicht, erschien dann Jahre später in Form der Compact Disc bei Sony BMG Music erneut.

„Il Tempo Della Gioia“ unterscheidet sich etwas vom selbstbetitelten Debut von Quella Vecchia Locanda. Der Einfluss der klassischen Musik ist etwas größer geworden, was nicht zuletzt durch den Einsatz entsprechender Musikinstrumente zum Ausdruck kommt. Gleich der Opener „Villa Doria Pamphili“ lebt vom Zusammenspiel des Pianos und der Violine. Das Lied ist eine wunderschöne und eingängige Nummer und bildet gleich den Höhepunkt der ganzen Platte. Beinhaltet dieses Lied noch Gesang, der selbstverständlich in italienischer Sprache gehalten ist, so ist das zweite Lied „A Forma Di...“ rein instrumental gehalten. Lediglich ein Chor mit eingesungenen „Aaahs“ ist hier zu hören und das Ganze erinnert nun schon sehr an klassische Musik, die in das 20. Jahrhundert transferiert wurde. Das Titellied „Il Tempo Della Gioia“ ist zu Beginn noch eine relativ harmonische Nummer, die im weiteren Verlauf allerdings rhythmischer, schneller und zum Teil auch sehr viel weniger melodiös klingt. Ein klein wenig erscheinen nun jazzige Akzente in der Musik der Italiener, bei denen Melodiösität nicht mehr an erster Stelle des musikalischen Anspruchs steht.

Auch die beiden folgenden längeren Stücke „Un Giorno, Un Amico“ und „È Accaduto Una Notte“ klingen deutlich experimenteller als alles, was auf der ersten Platte von Quella Vecchia Locanda zu hören war. Wie ein Derwisch lässt sich Claudio Gilice phasenweise bei „Un Giorno, Un Amico“ an der Violine aus und das Lied wechselt zwischen etwas sanfteren und treibenderen Passagen hin und her. Schnell ins Ohr geht das Ganze allerdings nicht mehr, besitzt jedoch einen nicht wegzudiskutierenden und abwechslungsreichen Unterhaltungswert. Ähnlich verhält es sich mit der letzten Nummer des Albums. „È Accaduto Una Notte“ beginnt mit Chorgesang, geht in einen etwas unmelodischeren Part über, der wiederum von sanften Flötenklängen abgelöst wird. Auch dieses Mal wird die Abwechslung groß geschrieben, denn plötzlich klingt es wieder rockiger, dabei erneut weniger melodiös, allerdings jederzeit abwechslungsreich.

Fazit: Das zweite Album der italienischen Progressive Rock Band Quella Vecchia Locanda mit dem Titel „Il Tempo Della Gioia“ kann nicht mehr so überzeugen wie noch das Debut der Band. Abwechslungsreich klingt die Musik der Italiener immer noch, jedoch deutlich weniger einheitlich und eingängig. Es wurde mehr experimentiert, mit klassischen und melodiösen Klängen in Verbindung zu deutlich schrägeren Passagen. Unterhaltsam klingt dies immer noch, dennoch deutlich weniger ausgereift und einnehmend, als noch auf dem Debut. Freundinnen und Freunde des italienischen Progressive Rocks der frühen 70er Jahre werden auf dem Album allerdings trotzdem etwas für sich entdecken können. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Villa Doria Pamphili



Mittwoch, 24. April 2019

Premiata Forneria Marconi – L’Isola Di Niente




Premiata Forneria Marconi – L’Isola Di Niente


Besetzung:

Franco Mussida – guitars, lead vocals
Flavio Premoli – keyboards, lead vocals
Mauro Pagani – violin, flute, vocals
Patrick Djivas – bass, vocals
Franz Di Cioccio – drums, percussion, vocals


Label: BMG (ursprünglich Numero Uno)


Erscheinungsjahr: 1974


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. L‘Isola Di Niente (10:48)
2. Is My Face On Straight (6:41)
3. La Luna Nuova (6:27)
4. Dolcissima Maria (4:08)
5. Via Lumiére (7:25)

Gesamtspieldauer: 35:29



„L’Isola Di Niente“ heißt das dritte Studioalbum der italienischen Progressive Rock Band Premiata Forneria Marconi, wenn man „Photos Of Ghosts“ nicht mitrechnet, was lediglich die englische Version des zweiten Albums „Per Un Amico“ darstellt. „L’Isola Di Niente“ wurde ursprünglich auf dem Plattenlabel Numero Uno veröffentlicht und erschien schließlich erneut in Form einer Compact Disc auf dem Label BMG Records.

„L’Isola Di Niente“ stellt durchaus eine kleine Weiterentwicklung der Musik von Premiata Forneria Marconi dar. Zwar ist auf dem Album immer noch sehr melodischer Progressive Rock zu hören, doch gibt es bereits vermehrt Passagen, die nicht sofort ins Ohr gehen, etwas „schräger“ klingen und deutlich frickeliger arrangiert sind. Dies sorgt zweifelsohne für noch mehr Abwechslung in der Musik von Premiata Forneria Marconi. Wenn dann auch noch diese treibenden und weniger melodiösen Abschnitte letztendlich doch noch in reiner Harmonie aufgehen, dann geht das Herz des Prog-Fans auf.

Höhepunkt der Scheibe ist gleich das Eröffnungsstück und der Titeltrack des Albums. Das Lied „L’Isola Di Niente“ beginnt mit Chorgesängen, die mich ein klein wenig an Carl Orff erinnern. Die Überraschung zum Auftakt ist gelungen, doch anschließend geht das Lied in ein eingängiges Progressive Rock Stück über, welches alle Ingredienzien eines Klassikers dieses musikalischen Genres beinhaltet. Nach vorne preschende Passagen neben wunderschönen schwebenden Melodien. Fast schon sphärische Abschnitte und anschließend wiederum viele Takte angefüllt mit ausschweifender Rhythmik. Insgesamt ein Lied, welches vom ersten bis zum letzten Takt zu überzeugen weiß. Auch die restlichen Nummern auf „L’Isola Di Niente“ lohnen, sodass dem Hörerlebnis nichts im Wege steht – wenn man sich denn darauf einlassen kann, denn auf dem Album hört man sicherlich keine Musik, die zum „Nebenbei-Hören“ taugt. Man bekommt Harmonien bis hin zu jazzigen Ausbrüchen präsentiert und auch in dieser Breite kann die Musik überzeugen und fesseln.

Fazit: Auch mit ihrem dritten Album, welches den Titel „L’Isola Di Niente“ trägt, ist der italienischen Band Premiata Forneria Marconi ein Höhepunkt im Bereich des Progressive Rocks gelungen. Die ganze Abwechslung der vorwiegend melodisch ausgeprägten Variante dieses musikalischen Genres gibt es auf dem Album zu hören. Dieses Mal ist es jedoch nicht nur Melodiösität, die man auf diesem Album zu hören bekommt, sondern durchaus auch mal fordernde Klänge. Der Abwechslung tut dies gewiss gut. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: L’Isola Di Niente



Dienstag, 22. Januar 2019

Manfred Mann’s Earth Band – The Good Earth




Manfred Mann’s Earth Band – The Good Earth


Besetzung:

Manfred Mann – keyboards
Mick Rogers – guitars, vocals
Chris Slade – drums
Colin Pattenden – bass guitar


Label: Bronze Records


Erscheinungsjahr: 1974


Stil: Rock, Art Rock


Trackliste:

1. Give Me The Good Earth (8:29)
2. Launching Place (5:52)
3. I’ll Be Gone (3:42)
4. Earth Hymn (6:21)
5. Sky High (5:16)
6. Be Not Too Hard (4:12)
7. Earth Hymn Part 2 (4:14)

Gesamtspieldauer: 38:08




„The Good Earth“ heißt das fünfte Studioalbum von Manfred Mann‘s Earth Band, welches am 11. Oktober 1974 auf dem Plattenlabel Bronze in Europa veröffentlicht wurde. In den USA erschien das Album bei Warner Bros. Als besondere Zugabe gab es für die Käufer der ersten Alben ein etwa 30 mal 30 Zentimeter großes Stück Land in Llanerchyrfa in der Grafschaft Brecon in Wales. Die Innenhülle enthielt einen Coupon, der zur Registrierung eingeschickt werden musste. Die Registrierung konnte bis zum 31. Dezember 1975 erfolgen und wurde auch von zahlreichen Fans wahrgenommen.

Die ehemalige Seite 1 der LP besteht aus drei Cover-Songs. „Give Me The Good Earth” wurde von Gary Wright geschrieben und auf seinem 1971er Soloalbum „Footprint“ veröffentlicht. Die Lieder „Launching Place“ sowie „I’ll Be Gone“ stammen von der australischen Progressive Rock Band Spectrum. „Give Me The Good Earth” ist eine rockige Nummer mit langen Solo-Parts der Gitarre und des Synthesizers. Das klingt nicht gleich beim ersten Mal des Hörens interessant, jedoch mit den weiteren Durchgängen durchaus. „Launching Place“ beginnt sanft, steigert sich langsam und wird zu einer fast schon hymnischen Nummer, die ins Ohr geht. „I’ll Be Gone“ stammt, wie bereits erwähnt, ebenfalls von der australischen Band Spectrum. Das Lied war für die Australier ihr Nummer 1 Hit in der Heimat, ist ein bluesiger Titel, der zwar groovt, jedoch sonst keine großartigen Spuren hinterlässt.

Auf der ehemaligen zweiten Seite von „The Good Earth“ sind dann die Eigenkompositionen der Manfred Mann’s Earth Band zu hören. „Earth Hymn“ startet hymnisch wie der Name verspricht und entwickelt sich dann zu einem flotten Rocker, bei dem mal Manfred Mann mit seinem Mini Moog, dann wieder Mick Rogers mit der Gitarre vorlegt. „Sky High“ ist eine Instrumentalnummer, bei der erneut den Tasteninstrumenten, der Gitarre und schließlich auch dem Bass Zeit eingeräumt wird, sich zu präsentieren. Das Lied klingt ein klein wenig hektisch und jazzig und beinhaltet sehr viel Spielfreude. Deutlich entspannter klingt es dann beim Titel „Be Not Too Hard“, einer eingängigen, poppig rockigen Nummer. Beendet wird „The Good Earth“ schließlich mit dem Titel „Earth Hymn Part 2“, der mit dem ersten Teil des Liedes den Höhepunkt des Albums darstellt. Der Sound der Musik der Earth Band klingt satt und voll, die Melodie geht ins Ohr und ist dabei abwechslungsreich und nachhallend.

Fazit: „The Good Earth“ ist ein schönes Album geworden, was im Ohr der Hörerin beziehungsweise des Hörers noch zu wachsen versteht. Die Melodien gehen immer besser ins Ohr und dabei gestaltet sich die Musik insgesamt sehr spannend und abwechslungsreich. Der Platte hört man ihr Alter keineswegs an, sie klingt auch heute noch modern und aktuell. Elf Punkte.

Anspieltipps: Earth Hymn, Earth Hymn Part 2



Mittwoch, 16. Januar 2019

Focus – Hamburger Concerto




Focus – Hamburger Concerto


Besetzung:

Thijs van Leer – hammond organ, flute, piano, harpsichord, moog, arp synthesizer, recorder, mellotron, non-lexical vocables, vocals, accordion organ of St. Mary The Virgin
Jan Akkerman – guitar
Bert Ruiter – bass guitar
Colin Allen – drums


Label: Imperial Records


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Delitæ Musicæ (1:13)
2. Harem Scarem (5:52)
3. La Cathedrale De Strasbourg (5:00)
4. Birth (7:46)
5. Hamburger Concerto (20:19)
     I. Starter
     II. Rare
     III. Medium I
     IV. Medium II
     V. Well Done
     VI. One For The Road
6. Early Birth (2:54)

Gesamtspieldauer: 43:07




„Hamburger Concerto“ heißt das vierte Studioalbum der niederländischen Progressive-Rock-Band Focus. Das Album wurde im April 1974 auf dem Plattenlabel Polydor veröffentlicht Titel und erreichte in den britischen Charts immerhin noch Platz 20. Titelgebend ist das Stück „Hamburger Concerto“, welches auf Variationen eines Themas von Joseph Haydn von Johannes Brahms basiert.

Auf keinem anderen Focus-Album hört man solch eine starke Annäherung der niederländischen Musiker an das Genre der Klassik – allerdings handelt es sich bei der Musik auf „Hamburger Concerto“ keineswegs um „verklassischte“ Rockmusik, sondern ganz eindeutig noch um Progressive Rock. Dabei gehen Focus die leicht jazzigen Ansätze in der Musik verloren, dies allerdings mit einer sehr viel stärker ausgeprägten Harmonie in den Stücken. Die Lieder klingen allesamt sehr eingängig und melodiös. Wie auch bereits die vorherigen Alben der Band, so wird auch auf „Hamburger Concerto“ kaum gesungen, Focus ist und bleibt mit seinen Titeln hauptsächlich eine Instrumentalband. Die zum Teil sehr seltsamen Laute des Thijs van Leer, die in den Credits mit „Non-lexical Vocables“ angegeben werden, zähle ich bewusst mal nicht zum Gesang hinzu.

Die einzelnen Nummern gehen allesamt ins Ohr, klingen zum Teil schwelgerisch melodisch, wenig vertrackt. Selten nur hört man Jan Akkerman mit bluesigen Ausflügen auf seiner Gitarre wie auf dem Titellied. „Hamburger Concerto“. Die Platte ist durchgängige auf größtmögliche Eingängigkeit hin getrimmt. Das mag man oder man mag es eben nicht. Da die Musik auch sehr abwechslungsreich gestaltet ist, kann ich diesem Album trotzdem nicht die viel zitierten Ecken und Kanten absprechen. Besonders gelungen klingen die beiden längsten Stücke der Platte, „Birth“ sowie das Titellied „Hamburger Concerto“. Hier zeigt sich einmal mehr die Spielfreude der Niederländer, die ihre Musik zu zelebrieren scheinen. Abwechslungsreich, mal schwelgend, mal sanft, mal rockiger unterhalten diese beiden Stücke im Kontext des Progressive Rock bestens.

Fazit: Das Album „Hamburger Concerto“ der niederländischen Band Focus ist eines ganz im Stile des Progressive Rocks der früheren 70er Jahre geworden. Zumeist instrumental gehalten, klingt die Musik sehr abwechslungsreich und jederzeit melodiös und eingängig. Mitunter nähern sich die Lieder etwas der klassischen Musik an, ohne jedoch wie diese zu klingen. Die Platte unterhält und gehört zu den guten der Niederländer. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Birth, Hamburger Concerto



Sonntag, 30. Dezember 2018

Man – Slow Motion




Man – Slow Motion


Besetzung:

Micky Jones – guitar, vocals
Deke Leonard – guitar, vocals
Ken Whaley – bass
Terry Williams – drums, vocals


Gastmusiker:

Stuart Gordon – strings
Chris Mercer – saxophone


Label: Parlophone


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Rock


Trackliste:

1. Hard Way To Die (5:20)
2. Grasshopper (5:12)
3. Rock And Roll You Out (3:53)
4. You Don’t Like Us (4:34)
5. Bedtime Bone (5:55)
6. One More Chance (4:27)
7. Rainbow Eyes (6:06)
8. Day And Night (4:12)

Gesamtspieldauer: 39:44



„Slow Motion“ nannte die walisische Rockband Man ihr achtes Studioalbum, welches im Oktober 1974, gerade mal fünf Monate nach dem Vorgänger „Rhinos, Winos And Lunatics“ auf dem Plattenlabel United Artists Records veröffentlicht wurde. Und wieder einmal hatte es eine Änderung bezüglich der Mitglieder von Man gegeben. Malcolm Morley hatte am Tag vor dem Aufnahmebeginn die Band verlassen. Er wurde nicht ersetzt, „Slow Motion“ wurde von den restlichen vier Mitgliedern eingespielt. Der Erfolg blieb für die Platte aus. „Slow Motion“ konnte sich nicht, wie noch der Vorgänger, unter den Top 40 der britischen Charts platzieren. Auf dem Cover des Albums sollte ursprünglich Alfred E. Neuman aus dem MAD-Magazin zu sehen sein, wie er an einem Fisch riecht. Doch das MAD-Magazin erlaubte nicht, diese Figur zu verwenden, sodass von dem Cover nun hauptsächlich der Fisch übrig blieb und der Bandname „Man“ in denselben Lettern wie der Schriftzug des Magazins MAD gehalten ist.

Das war es allerdings schon mit „lustig“. „Slow Motion“ ist eher eine relativ biedere Rock-Pop-Platte, ganz im Stile des damaligen Mainstreams geworden. Das klingt häufig ganz nett auf diesem Album, Begeisterungsstürme werden damit jedoch nicht mehr losgetreten. Die ein oder andere ganz eingängige Melodie oder Harmonie kann man auf „Slow Motion“ noch entdecken, jedoch finden sich keine durchgängig länger überzeugenden Abschnitte mehr auf dieser Scheibe. Und solch eine Nummer wie „Rock And Roll You Out“, logischerweise auch ein Rock’n’Roll, lassen einem dann doch eher das Gesicht einschlafen denn die Füße bewegen.

Das überzeugendste Lied auf „Slow Motion“ heißt „Grasshopper“ und ist eine getragene poppig rockige Nummer, die nun wirklich über eine schöne und eingängige Melodie verfügt und ins Ohr geht. Progressive Rock oder Psychedelic Rock, wofür die Waliser auch mal standen, den gibt es auf „Slow Motion“ allerdings nicht mehr zu hören. Mit jedoch schon deutlichen Abstrichen sind die Lieder „Hard Way To Die“, „Bedtime Bone“ sowie „Rainbow Eyes“ noch ganz gelungen, allerdings eben auch eher in musikalisch unspektakulären Gefilden angesiedelt, denn im Bereich von Lieblingsliedern. Doch immerhin.

Fazit: Die Musik von Man klingt auf „Slow Motion“ unspektakulär und eher langweilig, als mitreißend. Hier und da erhört man ein paar ganz nette Stellen und Lieder, doch insgesamt bleibt das Album eine eher unscheinbare Platte, die sicherlich nicht zu den musikalischen Höhepunkten des Jahres 1974 gehört und auch nicht zu denen von Man. Acht Punkte.

Anspieltipps: Grasshopper, Rainbow Eyes