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Samstag, 30. August 2025

Neil Young – Early Daze

 




Neil Young – Early Daze


Besetzung:

Neil Young – guitar, vocals, piano (4), vibes (5), handclaps (6)



Gastmusiker:

Danny Whitten – guitar, vocals, handclaps (6)
Billy Talbot – bass, handclaps (6)
Ralph Molina – drums, vocals, handclaps (6)
Jack Nitzsche – piano (1–3)




Erscheinungsjahr: 2024


Stil: Country Rock


Trackliste:

1. Dance Dance Dance (2:35)
2. Come On Baby Let's Go Downtown (4:12)
3. Winterlong (3:39)
4. Everybody's Alone (2:31)
5. Wonderin' (2:19)
6. Cinnamon Girl (3:01)
7. Look At All The Things (2:58)
8. Helpless (4:38)
9. Birds (3:38)
10. Down By The River (9:02)

Gesamtspieldauer: 38:38



„Early Daze“ ist das 47. Studioalbum des kanadischen Musikers Neil Young, welches er mit seiner Begleitband Crazy Horse eingespielt hat. Aufgenommen wurde das Album allerdings bereits zwischen dem 17. Januar und dem 17. Oktober 1969. Neil Young hatte bereits mehrfach auf dieses Album hingewiesen, die einzelnen Lieder waren inzwischen auch alle bereits auf verschiedenen Kompilationen oder Alben veröffentlicht worden, in dieser ursprünglich vorgesehenen Fassung allerdings noch nicht.

Man hört den Liedern deutlich an, dass sie nicht im Jahr 2024 entstanden sind und auch nicht in diesem Jahr aufgenommen wurden. Auch enthält die Platte keine allzu großen musikalischen Höhepunkte mehr parat, da man die Lieder eben schon kennt und diese auch nicht die absoluten Höhepunkte im Schaffen des Neil Young darstellen – mit der Ausnahme „Down By The River“. Zudem ist die Platte mit noch nicht einmal vierzig Minuten Laufzeit auch relativ kurz geraten.

Trotzdem werden Neil Young Fans wohl große Freude an der Scheibe haben, zeigt sie doch, wie sich die Lieder ursprünglich angehört und wie sie sich dann weiter entwickelt haben. Zudem klingt jeder Titel nach Neil Young und nur – unverwechselbar – nach Neil Young. Somit macht das Hören durchaus Spaß und man wird vom Sound her in ein ganz anderes, längst vergangenes Jahrzehnt katapultiert. Augen zu und wirken lassen.

Fazit: Neil Young scheint einen unerschöpflichen Fundus an zunächst nicht veröffentlichten Alben haben, deren Lieder dann irgendwo anders aufgetaucht sind, um jetzt, viele Jahrzehnte später, wieder in der ursprünglich vorgesehenen Version und Reihenfolge veröffentlicht zu werden. Für Neil Young Fans lohnt sich das unbedingt und für Leute, die auch mal soundtechnisch in die Musik Ende der 60er Jahre eintauchen möchten ebenfalls. Acht Punkte.

Anspieltipps: Down By The River



Dienstag, 24. Juni 2025

Kasabian – The Alchemist’s Euphoria

 



Kasabian – The Alchemist’s Euphoria


Besetzung:

Sergio Pizzorno – vocals, guitars, bass, synthesizers, piano, drum programming
Chris Edwards – bass guitar, backing vocals
Ian Matthews – drums, percussion
Tim Carter – guitar, organ, additional percussion, drum programming, additional programming (tracks 6, 9, 11, 12)


Gastmusiker:

Fraser T. Smith – additional keyboard, bass and drum programming


Label: Sony Music


Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Pop, Rock, Techno, HipHop


Trackliste:

1. Alchemist (2:40)
2. Scriptvre (3:49)
3. Rocket Fuel (3:02)
4. Strictly Old Skool (3:07)
5. Alygatyr (3:46)
6. Æ Space (0:48)
7. The Wall (3:29)
8. T.U.E (The Ultraview Effect) (5:45)
9. Stargazr (4:57)
10. Chemicals (3:31)
11. Æ Sea (0:33)
12. Letting Go (3:03)

Gesamtspieldauer: 38:35



„The Alchemist‘s Euphoria“ heißt das siebte Studioalbum der britischen Band Kasabian. Es wurde am 12. August 2022 auf dem Plattenlabel Sony Music veröffentlicht. Ganze fünf Jahre hatte es gedauert, bis nach „For Crying Out Loud“ diese neue Platte erschien. Inzwischen hatte sich auch einiges bei Kasabian getan. Serge Pizzorno war nun alleiniger Leadsänger geworden, denn der frühere Frontmann Tom Meighan war wegen einer Verurteilung aufgrund häuslicher Gewalt gegenüber seiner damaligen Freundin und jetzigen Frau im Jahr 2020 aus der Band entlassen worden. Gleichzeitig ist es das erste Album mit dem Gitarristen Tim Carter als festes Mitglied, der seit „West Ryder Pauper Lunatic Asylum“ aus dem Jahr 2009 an allen Alben der Band mitgewirkt hat und 2013 als Tourgitarrist zur Band stieß.

Mit den Liedern „Alygatyr“, „Scriptvre“, „Chemicals“ sowie „The Wall“ wurden insgesamt vier Singles aus dem Album ausgekoppelt.

Über das Album sagte Pizzorno, dass es „einige ziemlich obskure Wendungen nimmt“ und einen „großen, epischen Sound hat, aber auch eine persönliche Note. Neben den wuchtigen Parts gibt es auch einige sanftere Seiten. Als Ganzes ist es eine wunderschöne Sache und die kohärenteste Platte, die wir je gemacht haben. Es ist ein emotionaler Trip.“

Das kann man so sehen, muss man aber nicht. „The Alchemist‘s Euphoria“ klingt hauptsächlich brachial und aggressiv. Die sanften Stellen auf dem Album muss man schon genau suchen. Da gibt es zum einen die beiden kurzen Einsprengsel „Æ Space“ und „Æ Sea“, die eher mit sphärisch umschrieben werden können. Dann ist da noch das wirklich etwas sanftere „The Wall“ und schließlich ganz am Ende der Platte „Letting Go“, ein Lied welches sogar etwas im Folk angesiedelt ist. Ansonsten gibt es diese „ruhigeren“ Momente noch phasenweise in einzelnen Liedern.

Größtenteils „knallt“ „The Alchemist‘s Euphoria“ jedoch ohne, dass es sich dabei um Hard Rock handeln würde. Knallharte Beats, fast schon im Techno angesiedelt und auch mal eine HipHop-Einlage lassen das Album durchaus zu einer fordernden Angelegenheit werden, die man nicht mal so nebenbei hören kann. Die Lieder klingen größtenteils eingängig, ohne sich dabei allerdings zu einem Ohrwurm zu entwickeln.

Fazit: Ob es nun am Weggang von Tom Meighan lag oder allgemein der damaligen Bandphase geschuldet ist, kann natürlich schwer festgestellt werden. „The Alchemist‘s Euphoria“ ist kein schlechtes Album geworden, gehört allerdings auch nicht zu den Großtaten der Briten. Es lässt einen etwas nachdenklich und mit gemischten Gefühlen zurück. „The Alchemist‘s Euphoria“ klingt jedoch definitiv wie ein Album von Kasabian – und das wird den Fan freuen. Acht Punkte.

Anspieltipps: T.U.E (The Ultraview Effect), Letting Go



Samstag, 10. Mai 2025

The Pineapple Thief – Last To Run

 



The Pineapple Thief – Last To Run


Besetzung:

Bruce Soord – vocals, guitars
Steve Kitxch – keyboards
Jon Sykes – bass, backing vocals
Gavin Harrison – drums, percussion


Gastmusiker:

Beren Matthews – additional guitar, backing vocals


Label: KScope


Erscheinungsjahr: 2024


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. All Because Of Me (3:31)
2. Last To Run (4:07)
3. Election Day (4:15)
4. The World To Me (6:42)
5. No Friend Of Mine (3:03)

Gesamtspieldauer: 21:40



Am 31. Oktober 2024 erschien die EP „Last To Run“, es ist bereits die zweite Veröffentlichung von The Pineapple Thief im Jahr 2024. Nach dem großen Erfolg von „It Leads To This“ wollte man wohl passend zur beginnenden US-Tournee gleich noch mal ein paar Titel nachlegen. Die fünf Lieder EP sind auch während der Aufnahmesessions zu „It Leads To This“ entstanden, hatten es dann allerdings doch nicht auf die Platte geschafft.

Bruce Soord sagt über „Last To Run“, dass die einzelnen Stücke schließlich später noch weiterentwickelt wurden und somit ganz neue Facetten aufwiesen, die es dann doch noch lohnenswert machten, sie zu veröffentlichen.

Nun, „Last To Run“ klingt definitiv nach Pineapple Thief und Freunde der Band dürfte diese EP sicherlich auch zusagen – auch wenn sich darauf kein „Überlied“ befindet. Doch die Nummern klingen rockig, gehen gut ins Ohr und ergänzen das vorherige Album ein wenig. Muss man diese EP besitzen? Das ist natürlich wie immer eine Frage des Geschmacks, und ob man wirklich alles von „seiner“ Lieblingsband besitzen möchte. Essentiell im musikalischen Kosmos von The Pineapple Thief ist „Last To Run“ allerdings nicht.

Fazit: Eine schöne Ergänzung zum vorherigen Album „It Leads To This“. Nicht mehr und nicht weniger. Acht Punkte.

Anspieltipps: Last To Run



Dienstag, 28. Januar 2025

Motorpsycho – Hey, Jane

 



Motorpsycho – Hey, Jane


Besetzung:

Bent Sæther – vocals, bass, guitars
Hans Magnus Ryan – guitars, vocals
Håkon Gebhardt – drums




Erscheinungsjahr: 1998


Stil: Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Hey Jane (4:46)
2. Mellow Muffin Stomp (7:09)
3. Celestine (4:18)
4. Valis (1:37)
5. The Ballad Of Pat + Put (6:52)

Gesamtspieldauer: 24:44



„Hey, Jane“ heißt eine EP der norwegischen Progressive Rock Band Motorpsycho. „Hey, Jane“ wurde im Jahr 1998 auf dem Plattenlabel Stickman Records veröffentlicht.

Das für die EP namensgebende Lied „Hey, Jane“ war bereits auf dem im selben Jahr veröffentlichten Album „Trust Us“ veröffentlicht worden. Bei den restlichen vier Titeln handelt es sich um bisher unveröffentlichte Stücke, die zwischen 1994 und 1998 entstanden sind. Auf der Rückseite des Covers ist vermerkt, dass „Mellow Muffin Stomp“ der „Cousin von „Mantrick Muffin Stomp“ sei, ein Lied, welches sich ebenfalls auf „Trust Us“ befindet. Allerdings haben beide Titel, bis auf den ähnlichen Namen, nichts gemein. Bei „Hey, Jane“ gibt es auf „Trust Us“ noch ein kurzes Vorspiel, was auf dieser EP fehlt – ansonsten sind die Lieder identisch.

Die Lieder „Mellow Muffin Stomp“ sowie „The Ballad Of Pat + Put“ sind die Höhepunkte des kurzen Albums. Dunkle, schwere und getragene Töne gibt es hier zu hören, die dann durchaus auch ins Ohr gehen. Auch „Celestine“ tendiert in diese Richtung, wenn es zu Beginn auch ein wenig mach den Beatles klingt. Doch diese Nummer steigert sich bezüglich ihres Tempos und erklingt im weiteren Verlauf sogar ein bisschen atonal. „Valis“ hingegen ist ein kurzer Einschub mit Banjo, der ein wenig nach Saloon-Musik klingt – absolut untypisch für Motorpsycho.

Fazit: Diese EP ist eher etwa für Sammler und Komplettisten. Die beiden Höhepunkte auf dieser EP sind die eher dunkleren Stücke, die durchaus hörenswert sind. Ob sich für diese vierzehn Minuten, die diese beiden Titel an Spielzeit aufweisen, der Kauf der EP lohnt, ist ganz bestimmt nicht eindeutig zu beantworten. Für Sammler oder absolute Fans sicherlich, für alle anderen eher weniger. Acht Punkte.

Anspieltipps: Mellow Muffin Stomp, The Ballad Of Pat + Put



Freitag, 24. Januar 2025

The Cranberries – Bury The Hatchet

 



The Cranberries – Bury The Hatchet


Besetzung:

Dolores O'Riordan Burton – vocals, guitar, keyboards
Noel Hogan – acoustic and electric guitars
Mike Hogan – bass guitar
Fergal Lawler – drums, percussion




Erscheinungsjahr: 1999


Stil: Rock


Trackliste:

1. Animal Instinct (3:31)
2. Loud And Clear (2:45)
3. Promises (5:27)
4. You And Me (3:35)
5. Just My Imagination (3:41)
6. Shattered (3:42)
7. Desperate Andy (3:44)
8. Saving Grace (3:08)
9. Copycat (2:53)
10. What‘s On My Mind (3:12)
11. Delilah (3:32)
12. Fee Fi Fo (4:47)
13. Dying In The Sun (3:32)
14. Sorry Son (3:28)

Plus fünf Extratitel aus der Zeit:

15. Baby Blues (2:38)
16. Sweetest Thing (3:34)
17. Woman Without Pride (2:26)
18. Such A Shame (4:23)
19. Paparazzi On Mopeds (4:33)

Gesamtspieldauer: 1:08:41



„Bury The Hatchet“ heißt das vierte Studioalbum der irischen Alternative Rock Band The Cranberries. Das Album wurde am 19. April 1999 auf dem Plattenlabel Island Records veröffentlicht. Es ist das erste Album der Cranberries, nachdem aufgrund einer stressbedingten Erkrankung während der Nordamerikatournee 1996 Dolores O‘Riordan dringend eine Auszeit benötigte und die Band sich zum ersten Mal aufgelöst hatte.

Inhaltlich beschäftigen sich die Lieder auf „Bury The Hatchet“ mit den Themen Mutterschaft und Kindern (Dolores O’Riordan war in dieser Zeit auch zum ersten Mal Mutter geworden) bis hin zu Scheidung und Kindesmissbrauch. Das Albumcover wurde von Storm Thorgerson gestaltet, der auch für viele Albumcover von Pink Floyd verantwortlich ist. Es zeigt einen nackten Mann, der von einem riesigen Auge in einer kargen Landschaft beobachtet wird.
Musikalisch kann „Bury The Hatchet“ nicht mehr so überzeugen wie noch die beiden Vorgängeralben „To The Faithful Departed“ und „No Need To Argue“. Die Lieder bewegen sich auf diesem ersten Album nach der Wiedervereinigung der Band alle im Genrebereich zwischen Pop und Rock und fließen etwas dahin. Das Lied „Promises“ wurde als Single ausgekoppelt und konnte sich zumindest noch in den Charts platzieren. Den weiteren Singleauskopplungen „Animal Instinct“, „Just My Imagination“ und „You And Me“ gelang dies nicht mehr.

Dies liegt wohl daran, dass die Nummern sehr unspektakulär „durchlaufen“ und eben nicht mehr unbedingt sofort im Ohr hängenbleiben. Freilich klingt das ganze Album noch hörenswert, jedoch auch leider irgendwie austauschbar und an manchen Stellen gar etwas langweilig. Dabei lohnt es sich „Bury The Hatchet“ öfters aufzulegen, um sich die einzelnen Lieder noch besser zu erschließen, die dann tatsächlich auch an Wiedererkennungswert gewinnen. Der „besondere Titel“, das herausstechende Lied fehlt allerdings auch noch nach vielen Durchläufen. Somit ist „Bury The Hatchet“ wahrlich kein schlechtes Album geworden, allerdings auch kein weiteres Meisterwerk der Cranberries.

Fazit: Durchaus eingängigen Pop und Rock hört man auf „Bury The Hatchet“. Es lohnt die Scheibe öfters aufzulegen und die Lieder werden noch vertrauter und prägen sich noch besser ein. An die Qualität der vorherigen Alben der Cranberries reicht „Bury The Hatchet“ allerdings nicht mehr heran. Dazu sind die einzelnen Titel dann oftmals doch zu gewöhnlich – leider. Acht Punkte.

Anspieltipps: Shattered, Fee Fi Fo, Dying In The Sun



Montag, 16. Oktober 2023

Alessandro Cortini – Forse 3

 



Alessandro Cortini – Forse 3


Besetzung:

Alessandro Cortini – buchla music easel




Erscheinungsjahr: 2015


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

1. Conta (6:07)
2. Rimasta (6:57)
3. Scappa (9:57)
4. Scotta (7:15)
5. Senza + Aria (12:49)
6. Retta (6:54)
7. Macchia (9:25)
8. Ritorna (4:39)
9. Bestia + (Coda) (4:56)

Gesamtspieldauer: 1:09:04



„Forse 3“ ist die letzte Veröffentlichung der Forse-Trilogie des italienischen Musikers Alessandro Cortini. „Forse 3“ erschien zwei Jahre später als die beiden Vorgänger, obwohl alle Stücke zeitlich sehr nah aufeinander aufgenommen worden waren. Wie bei „Forse 1“ und „Forse 2“ wurde die Musik auf dem Buchla Music Easel komponiert und eingespielt, von dem nur 13 Exemplare bekannt sind.

Dazu sagt Alessandro Cortini: „Alle Stücke wurden innerhalb eines Monats auf einem Buchla Music Easel geschrieben und live aufgeführt. Ich fand, dass die begrenzte Auswahl an Modulen, die das Instrument bietet, meine Kreativität anregte. Die meisten Stücke bestehen aus einer sich wiederholenden Akkordfolge, wobei die wirkliche Veränderung auf einer spektralen/dynamischen Ebene stattfindet, im Gegensatz zur harmonischen/akkordischen Ebene. Ich glaube, dass erstere genauso effektiv sind wie letztere, in dem Sinne, dass die klangliche Präsentation (Verzerrung, Filterung, Wellenformung usw.) genauso ausdrucksstark ist wie ein Akkordwechsel oder ein Akkordtyp und oft die besagten Akkordfolgen verstärkt. Von all den Jahren mit Nine Inch Nails ist die Zeit, in der ich das Instrumentalalbum Ghosts I-IV geschrieben und aufgenommen habe, wahrscheinlich diejenige, die meine Herangehensweise an das Musikmachen am meisten verändert hat. Nach dieser Platte begann ich, mich mehr mit der Instrumentalkomposition zu beschäftigen, obwohl ich versuchte, sie auf eine andere Art und Weise anzugehen. Während wir damals eine Vielzahl von Werkzeugen und Instrumenten zur Verfügung hatten, beschloss ich, mich bei meinen Stücken auf ein einziges Instrument zu beschränken, da ich in einem begrenzten kreativen Umfeld entschlussfreudiger war.

Soweit so gut. Auf „Forse 3“ hört man elektronische Musik, die mal sphärisch mal mehr pulsierend aus den Boxen wabert. Laut gehört klingt und wirkt das mitunter fast schon hypnotisierend. Melodien gibt es dabei kaum zu entdecken und die einzelnen Titel entwickeln sich auch nicht. Ein einmal angestimmter Akkord wird konsequent weitergespielt, ohne ihn während des Liedes großartig zu variieren. Das kann mitunter diese bereits erwähnte hypnotisierende Wirkung erzeugen, wenn allerdings die Nebengeräusche zum Beispiel aus einem permanenten Rauschen bestehen, wie beim zweiten Titel „Rimasta“, zerrt die Musik eher an den Nerven.

Fazit: Für Freundinnen und Freunde der elektronischen Musik bestens geeignet, wenn man keinen großen Wert auf Melodien oder Harmonien legt. Die Musik erklingt mal sanft, mal enervierend. Absolut nicht massenkompatibel jedoch bei einzelnen Stückern durchaus besonders. Acht Punkte.

Anspieltipps: Conta



Donnerstag, 10. August 2023

Pat – The Album

 




Pat – The Album


Label: Oversey Records


Erscheinungsjahr: 2023


Stil: Pop


Trackliste:

1. Work It Out (3:21)
2. Alive (3:04)
3. Wasted (3:23)
4. Fallin' In Love (3:29)
5. Mexico (2:58)
6. Low (2:49)
7. Rolling Backwards (2:39)
8. A Moment... (0:55)
9. Keep Your Head Up (2:49)
10. Mother Home (3:08)
11. Sunshine (3:08)
12. Days Like These (2:45)

Gesamtspieldauer: 34:35



Pat Burgener werden Sportinteressierte wahrscheinlich eher als erfolgreichen Snowboarder kennen, denn genau hier feierte der Schweizer seine ersten großen Erfolge. Dass er allerdings auch noch weitere Talente besitzt, nämliche musikalische Talente, das beweist Pat Burgener auf dem Album mit dem passenden Titel „The Album“.

Eingängigen und zumeist schwerelosen Pop bekommt man zu Beginn auf „The Album“ zu hören. Das klingt bei den ersten Liedern völlig unaufgeregt, nach guter Laune und frei von Sorgen. Hier und da mal eine kurze Bläsereinlage, um das Gehörte noch ein wenig aufzulockern und fertig sind die eingängigen Popsongs, die gut unterhalten.

Interessanter klingt die Musik des Pat Burgener dann allerdings ab etwa Mitte des Albums, wenn sich die Musik etwas vom „Gute-Laune-Sound“ entfernt, zum Teil sogar etwas folkig angehaucht aus den Boxen strömt. Das überzeugt dann mehr und wirkt interessanter und hallt länger nach. Gegen Ende des Albums wird dann der poppige Anstrich wieder verstärkt und „The Album“ klingt aus, wie es begann, als Scheibe für sonnige und sorgenfreie Tage.

Fazit: „The Album“ von Pat Burgener klingt dann besonders gut, wenn sich die Musik vom Après-Ski- und Strand-Feeling entfernt und nachdenklicher erklingt. Die Lieder berühren etwas mehr und gehen ebenfalls ins Ohr. Doch auch der Rest des Albums macht Spaß gehört zu werden, sodass man gespannt sein darf, in welche musikalische Richtung sich Pat Burgener in Zukunft weiterentwickeln wird. Acht Punkte.

Anspieltipps: Mother Home



Sonntag, 19. Februar 2023

Alessandro Cortini – Forse 1

 



Alessandro Cortini – Forse 1


Besetzung:

Alessandro Cortini – buchla music easel




Erscheinungsjahr: 2013


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

1. Basta (8:26)
2. Carta (5:56)
3. Stella (6:56)
4. Nebbia (6:54)
5. Festa (3:54)
6. Resta (4:54)
7. Gloria (4:51)
8. Manca (6:41)
9. Gira (5:10)
10. Sera (8:08)

Gesamtspieldauer: 1:01:53



Alessandro Cortini kennt man wohl am ehesten von den Nine Inch Nails, für die er von 2005 bis 2008 und seit 2013 wieder vor allem live am Bass, den Keyboards und dem Synthesizer zu hören ist. Ab dem Jahr 2013 veröffentlichte er auch immer wieder Soloalben mit elektronischer Musik.

Den Auftakt machte hier das erste Doppelalbum einer Trilogie, die allesamt auf dem im Jahr 1972 von Don Buchla entwickelten Synthesizer „Buchla Music Easel“ eingespielt worden sind. Anscheinend gibt es lediglich noch dreizehn dieser Synthesizer in ihrer ursprünglichen Form, im Jahr 2021 wurde dann schließlich eine erneuerte Version dieses Synthesizers vorgestellt. „Forse 1“ heißt der erste Teil der bereits erwähnten Trilogie, wobei das italienische Wort „forse“ im Deutschen „vielleicht“ bedeutet.

Auf „Forse 1“ hört man sehr sphärische Musik, bei der in zehn Liedern hauptsächlich eine Akkordfolge immer und immer wiederholt wird. Das Ganze entwickelt einen leicht hypnotisierenden Charakter, da sich außer Sphäre und Atmosphäre kein weiterer Eindruck herausbilden kann. Das klingt durchaus intensiv und packend, wenn man denn in der richtigen Stimmung ist. In dieser sollte man sich auch unbedingt befinden, denn auch wenn sich die einzelnen Lieder kaum bis nicht entwickeln, eignet sich „Forse 1“ keineswegs als Hintergrundmusik.

Insgesamt klingen die Stücke in ihrer Redundanz sogar leicht melancholisch bis sentimental. Die Stimmung ist allgemein eher eine unaufgeregte, entspannte. Manch einzelner Ton und Klang entwickelt sich dabei sogar fast schon enervierend. Umso befreiender ist es dann, wenn dieser sich schließlich doch sanft und harmonisch auflöst. Gerade in diesen Momenten hat Alessandro Cortini mit seinem Buchla Music Easel Besonderes erschaffen.

Fazit: Musik für die ganz persönlichen, ruhigen Momente im Leben hört man auf „Forse 1“. Alessandro Cortini entwickelt mit dem Buchla Music Easel Klangwelten, auf die man sich ganz einlassen muss, damit sie wirken können. Manch eine oder einer wird diese Musik trotzdem auch sehr langweilig finden. Widersprechen könnte man da auch nicht. Acht Punkte.

Anspieltipps: Gloria



Sonntag, 23. Oktober 2022

Jean-Michel Jarre – Oximore

 



Jean-Michel Jarre – Oximore


Besetzung:

Jean-Michelle Jarre – synthesizers




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

1. Agora (1:34)
2. Oxymore (4:46)
3. Neon Lips (4:27)
4. Sonic Land (6:01)
5. Animal Genesis (5:46)
6. Synthy Sisters (3:21)
7. Sex In The Machine (5:46)
8. Zeitgeist (3:07)
9. Crystal Garden (4:09)
10. Brutalism (4:41)
11. Epica (5:25)

Gesamtspieldauer: 49:03



„Oxymore“ heißt 22. Studioalbum des französischen Musikers Jean-Michel Jarre. Es erschien am 21. Oktober auf dem Plattenlabel Columbia Records und ist dem im Jahr 2017 verstorbenen französischen Komponisten Pierre Henry gewidmet. Gleichzeitig entstand die Idee zum Album laut Aussage Jean-Michel Jarres aus seiner Begeisterung für Virtual Reality. Dabei fiel ihm auf, wenn über immersive Welten gesprochen wird, meist nur die visuellen Aspekte im Vordergrund stehen, selten geht es um den Klang. Daher sollte „Oxymore“ ein Album werden, welches ein 360-Grad-Klangerlebnis erzeugt. Die Musik stammt von Jean-Michel Jarre, einige Sounds von Pierre Henry wurden jedoch mit in die Musik integriert.

Nun, falls jemand ein neues „Oxygène“ erwartet hätte, was bei dem Namen des Albums durchaus möglich wäre, die oder der dürfte beim Hören von „Oxymore“ leider enttäuscht werden. Gleich mit dem Eröffnungsstück „Agora“ wird man auf das Album eingestimmt. Es beginnt mit Feuerprasseln gefolgt von Sprachfetzen, die wohl von Pierre Henry stammen. Musik im eigentlichen Sinne ist hier noch nicht zu hören. Diese gibt es dann in elektronischer Form mit dem zweiten Lied, dem Titellied zu hören. Jedoch ist es auch dieses Mal keine wirkliche Melodie, die das Ohr umschwirrt, es sind Töne, Geräusche, die sich mal kurz zu Harmonien vereinen, dann jedoch erneut auseinanderzudriften scheinen. Somit bekommt man auf „Oxymore“ eher experimentelle Klangkollagen geboten, die mit Gesprächsfetzen unterfüttert wurden, denn elektronische Lieder, wie man sie von früheren Veröffentlichungen des Jean-Michel Jarre her kennt. Eingängig klingt das selten, spannend mitunter, mitreißend leider kaum.

Am Ende des Albums, nach dem Ausklingen des letzten Tons, bleibt man ein wenig sprachlos bis orientierungslos zurück. Welche „Reise“ hatte man da gerade angetreten? Nun mit jedem erneuten Durchlauf des Albums gestalten sich die einzelnen Titel dann doch noch ein wenig eingängiger und werden vertrauter. Zu empfehlen ist auch das Hören des Albums mit guten Kopfhörern. Ein klangliches Erlebnis ist das durchaus. Doch bleibt die Musik meilenweit von jener auf „Oxygène“ oder „Équinoxe“ entfernt.

Fazit: Wer Jean-Michel Jarre aufgrund seiner ersten Alben liebt und diese Musik schätzt, könnte von „Oxymore“ durchaus enttäuscht werden. „Oxymore“ ist eher ein klangliches Experiment. Intensiv durchaus, doch leider nicht immer überzeugend. Allerdings wächst die Scheibe mit den Durchläufen. Aber ob sie mal zur besten Platte des Jean-Michel Jarres wird? Kaum. Acht Punkte.

Anspieltipps: Brutalism



Donnerstag, 20. Oktober 2022

Orthodox – Learning To Dissolve

 



Orthodox – Learning To Dissolve


Besetzung:

Adam Easterling – vocals
Austin Evans – guitar
Shiloh Krebs – bass
Mike White – drums




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Hardcore Metal


Trackliste:

1. Feel It Linger (4:39)
2. Head On A Spike (3:26)
3. Cave In (3:47)
4. Become Divine (3:43)
5. Digging Through Glass (3:18)
6. Nothing To See (3:37)
7. 1 1 7 6 2 (1:43)
8. Dissolve (3:06)
9. Fast Asleep (4:37)
10. All That I Am (4:06)
11. Voice In The Choir (5:37)

Gesamtspieldauer: 41:45



Am 19. August hat die US-amerikanische Hardcore-Metal-Band Orthodox aus Nashville, Tennessee ihr drittes Studioalbum veröffentlicht. „Learning To Dissolve“ heißt dieses und erschien auf eben jenem Label, welches sich genau auf diese Musik spezialisiert hat, auf Century Media.

Denn zu hören gibt es auf „Learning To Dissolve“ keineswegs Country Music, wie man beim Heimatort der Band vielleicht vermuten könnte. Orthodox klingen auf diesem Album böse, hart, gnadenlos und ebenso kompromisslos. Die Riffs knallen geradezu aus den Boxen, der Bass wummert und das Schlagzeug scheint auf seine Standfestigkeit hin untersucht zu werden. Dazu gesellen sich die Schreie des Adam Easterling und fertig sind elf Lieder, die alle jene begeistern dürften, die eben eine Prise mehr zu schätzen wissen.

Von Melodien kann man hier freilich kaum sprechen. Es geht mehr um die Geschwindigkeit, um das Brachiale, als um die Harmonie in der Musik. Das ziehen die vier Musiker auch gnadenlos durch. Ganz bestimmt keine Lieder für jede und jeden, denn sogar Headbanging wird bei dieser Geschwindigkeit irgendwann gefährlich. Neben wirrem Haar kann dies im Fall von Orthodox auch eine Gehirnerschütterung erzeugen.

Fazit: Hardcore Metal ohne Kompromisse zelebrieren die vier Musiker von Orthodox auf ihrem dritten Album „Learning To Dissolve“. Wer das wirklich harte „Zeug“ sucht, die oder der wird mit diesem Album definitiv fündig. Acht Punkte.

Anspieltipps: Voice In The Choir



Montag, 26. September 2022

Spirit Adrift – 20 Centuries Gone

 



Spirit Adrift – 20 Centuries Gone


Besetzung:

Nate Garrett – vocals, guitar, bass, drums, piano, synthesizer


Gastmusiker:

Tom Draper – guitar
Sonny DeCarlo – bass
Michael Arellano – drums




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Hard Rock, Metal


Trackliste:

1. Sorcerer‘s Fate (5:33)
2. Mass Formation Psychosis (6:23)
3. Everything Dies (5:16)
4. Hollow (5:55)
5. Escape (4:28)
6. Waiting For Aan Alibi (3:30)
7. Nasty Dogs And Funky Kings (2:51)
8. Poison Whiskey (3:09)

Gesamtspieldauer: 37:09



Die US-amerikanische Metal-Band Spirit Adrift hat am 29. August dieses Jahres ein neues Album herausgebracht. „20 Centuries Gone“ heißt es und ist leider nicht das fünfte Studioalbum der Band. Insgesamt acht Titel befinden sich zwar auf dem Album, von denen allerdings lediglich die ersten beiden von Spirit Adrift selbnst stammen. Die restlichen sechs Lieder sind Coverversionen von Stücken („Everything Dies“ (Type O Negative), „Hollow“ (Pantera), „Escape“ (Metallica), „Waiting For An Alibi“ (Thin Lizzy), „Nasty Dogs And Funky Kings“ (ZZ Top), „Poison Whiskey“ (Lynyrd Skynyrd)), die laut Aussage der Band zur „eigenen DNS gehören“.

Viele Künstlerinnen und Künstler sowie Bands unternehmen solche „Ausflüge“, doch meist klingt das weder gelungen noch sonst irgendwie spannend, da man die Lieder sehr viel lieber im Original hört – Ausnahmen bestätigen hier die Regel. Nicht weiter verwunderlich also, dass sich „20 Centuries Gone“ hauptsächlich wegen der ersten beiden Nummern lohnt. Cooler, kraftvoller Metal, der dazu auch noch ins Ohr geht. Man kommt gar nicht umhin hier mitzuwippen und mit jedem weiteren Durchlauf verstärkt sich dies noch. Spirit Adrift klingen hier so wunderbar kraftvoll und mitreißend. Es wäre so schön gewesen mehr davon hören zu dürfen – auch auf diesem Album.

Und die Cover-Versionen? Spirit Adrift spielen diese gut und routiniert. Die Lieder werden leicht interpretiert, sind allerdings immer als Cover-Versionen der Originale zu erkennen. Am Gelungensten klingt für mich hier „Everything Dies“. Cooles Lied, welches im Original noch ein wenig „dreckiger“ und ergreifender klingt, doch auch in dieser Version sehr überzeugend wirkt. Bei den anderen Liedern mag das – wie auch schon bei „Everything Dies“ – immer auch Geschmackssache sein.

Fazit: Die Band Spirit Adrift lernt man auf „20 Centuries Gone“ leider nur ansatzweise kennen. Die ersten beiden Stücke lohnen zwar, aber der Rest des Albus besteht halt leider aus Coverversionen, auch wenn diese gut umgesetzt wurden. Doch man hätte sich mehr Originale von Spirit Adrift gewünscht und die anderen Lieder eben auch lieber im Original. Acht Punkte.

Anspieltipps: Sorcerer‘s Fate, Everything Dies



Donnerstag, 28. Juli 2022

Krisiun – Mortem Solis

 



Krisiun – Mortem Solis


Besetzung:

Moyses Kolesne – guitars
Alex Camargo – vocals, bass
Max Kolesne – drums




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Death Metal


Trackliste:

1. Sworn Enemies (3:46)
2. Serpent Messiah (4:38)
3. Swords Into Flesh (4:19)
4. Necronomical (4:12)
5. Tomb Of The Nameless (4:28)
6. Dawn Sun Carnage (Intro) (1:33)
7. Temple Of The Abattoir (5:22)
8. War Blood Hammer (4:07)
9. As Angels Burn (3:08)
10. Worm God (4:41)

Gesamtspieldauer: 40:19



Krisiun ist eine brasilianische Death-Metal-Band, die im Jahr 1990 gegründet wurde und inzwischen elf Studioalben veröffentlicht hat. Am 29. Juli 2022 erscheint nun ihre zwölfte Platte mit dem Titel „Mortem Solis“, zu Deutsch „Tod der Sonne“. Das Album erscheint auf dem Plattenlabel Century Media Records.

Nun, während andere Bands auch dieses Genres immer weiter in den Mainstream und damit in die kommerzielle Schiene abdriften, so halten Krisiun den Schild des unverfälschten, kompromisslosen Death Metal weiter hoch. Auf „Mortem Solis“ hört man keine Kompromisse, keine Unverfälschtheiten, man hört hier „nur“ Death Metal pur. Melodien? Völlig überschätzt. Es geht Krisiun um Härte, um Aggressivität und jeder Hauch der Kommerzialität wird im Keim erstickt. Aber war da überhaupt ein Hauch?

Nein, da ist nichts dergleichen. „Mortem Solis ist geradliniger“ (Anm.: als die vorherigen Alben der Band), sagt Kolesne. „Wir haben alles herausgeschnitten, was wir für unnötig hielten, um es so brutal wie möglich zu machen. Ohne Computer oder Click-Tracks - ganz im Sinne des wahren Death Metal. Wir Drei teilen die gleiche Vision von Metal. Wir sind eine Armee von Dreien. Natürlich haben wir uns als Brüder, Menschen und Musiker weiterentwickelt. Wir haben eine Menge Spaß zusammen. Aber dieser Zusammenhalt hat uns den Krisiun-Weg gegeben, den Weg, den wir eingeschlagen haben und weitergehen.“

„Wir sehen eine Szene des Posertums“, sagt Kolesne weiter. „Der Death Metal wird weich. Wir werden nicht zu so etwas werden. Wir wissen, woher wir kommen und was Death Metal für uns bedeutet - es ist alles! Hass und Abscheu haben uns angetrieben. Deshalb ist „Mortem Solis“ entschlackt, die Intensität wurde erhöht, und wir haben es ohne die Krücken der Moderne aufgenommen. Ich denke, man kann hören, dass wir extrem wütend sind. Die Musik und die Stimmung, die sie ausstrahlt, sind absichtlich offensichtlich.“

Textlich wurde Mortem Solis von der Literatur inspiriert und ist von vielen Metaphern durchdrungen. Aber die Botschaft ist unmissverständlich. Alle guten Dinge kommen unweigerlich zu einem Ende, manchmal gewaltsam und unapologetisch. Auch darauf bezieht sich der Titel des Albums.

Fazit: Hart, aggressiv und konsequent. So klingt der Death Metal der brasilianischen Band Krisiun. Kein kommerzielles Anbiedern, keine Kompromisse. Wer also auf unverfälschten Death Metal steht, die oder den wird dieses Album packen. Acht Punkte.

Anspieltipps: Dawn Sun Carnage, Temple Of The Abattoir



Freitag, 22. Juli 2022

Witchery – Nightside

 



Witchery – Nightside


Besetzung:

Angus Norder – vocals
Jensen – rhythm guitars
Rickard Rimfält – rhythm and solo guitars
Victor Brandt – bass guitar
Chris Barkensjö – drums




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Trash Metal


Trackliste:

1. Witching Hour (3:03)
2. Don’t Burn The Witch (3:22)
3. Storm Of The Unborn (4:36)
4. Er steht in Flammen (1:45)
5. Popecrusher (3:08)
6. Left Hand March (4:28)
7. Under The Altar (1:31)
8. Churchburner (2:31)
9. Crucifix And Candle (4:31)
10. A Forest Of Burning Coffins (2:55)
11. Nightside (3:57)

Gesamtspieldauer: 35:51



„Nightside“ heißt das achte Studioalbum der schwedischen Trash Metal Band Witchery. Es erscheint am 22. Juli auf dem Plattenlabel Century Media Records und ist die erste Platte von Witchery, die ein Konzeptalbum darstellt. Es handelt von Hexen und Hexenjägern, von Flüchen und Zaubern und den Abartigkeiten religiöser Brutalität. Dabei durchlebt beziehungsweise durchhört man die Höhen und Tiefen des Schicksals der beteiligten Hauptprotagonisten.

Das Album ist mit einer Laufzeit von etwas über einer halben Stunde nicht allzu lang geraten und kommt bei jedem Lied auch ganz schnell und unmittelbar auf den Punkt. Trash Metal, kompromisslos, aggressiv, laut und hart. Dazu der infernale und halb geschriene, halb gegrowlte Gesang des Angus Norder und fertig ist dieses durchaus auch anstrengende Album, welches einem keine Pause zum Verschnaufen gibt.

Konsequent ist diese Scheibe zu 100% geraten, sodass Fans des Trash Metal Genres auf ihre Kosten kommen werden. Ein paar mehr Auflockerungen in Form von harmonischen Einschüben – die es durchaus, jedoch selten gibt – hätten das Hörerlebnis nicht nur angenehm verlängert, sondern auch aufgelockert. Steht man allerdings auf diese bereits angesprochene Konsequenz, mit all der Härte und dem trashigen Gesamtbild, wird einen „Nightside“ definitiv begeistern. Ist man in diesem Genre nicht ganz so beheimatet, glaubt man Vieles davon bereits gehört zu haben.

Fazit: Trash Metal in reiner Form bekommt man auf „Nightside“ von Witchery zu hören. Freundinnen und Freunde dieses Genres können mit dieser Scheibe definitiv nichts falsch machen. „Nightside“ klingt hart und trashig. Happy Headbanging. Acht Punkte.

Anspieltipps: Left Hand March



Sonntag, 3. Juli 2022

The Incredible String Band – The Hangman‘s Beautiful Daughter

 



The Incredible String Band – The Hangman‘s Beautiful Daughter


Besetzung:

Robin Williamson – vocals, guitar, gimbri, penny whistle, percussion, pan pipe, piano, oud, mandolin, jaw harp, chahanai, water harp, harmonica
Mike Heron – vocals, sitar, hammond organ, guitar, hammered dulcimer, harpsichord


Gastmusiker:

Dolly Collins – flute organ, piano
David Snell – harp
Licorice McKechnie – vocals, finger cymbals
Richard Thompson – vocals on “The Minotaur’s Song”
Judy Dyble – vocals on “The Minotaur’s Song”


Label: Elektra


Erscheinungsjahr: 1968


Stil: Psychedelic Folk


Trackliste:

1. Koeeoaddi There (4:48)
2. The Minotaur's Song (3:20)
3. Witches Hat (2:34)
4. A Very Cellular Song (13:03)
5. Mercy I Cry City (2:46)
6. Waltz Of The New Moon (5:07)
7. The Water Song (2:52)
8. Three Is A Green Crown (7:44)
9. Swift As The Wind (4:51)
10. Nightfall (2:30)

Gesamtspieldauer: 49:40



„The Hangman‘s Beautiful Daughter“ heißt das dritte Album der schottischen Psychedelic Folk Band The Incredible String Band. Das Album wurde ursprünglich im März 1968 auf dem Plattenlabel Elektra Records veröffentlicht. „The Hangman‘s Beautiful Daughter“ wurde zum erfolgreichsten Album der Band. Es erreichte Platz 5 der britischen Albumcharts und Platz 161 der US-Billboard 200 in den USA und ist damit das meistverkaufte Album der Incredible String Band in beiden Ländern.

Robin Williamson und Mike Heron scheinen sich einmal mehr auch auf diesem dritten Album einfach auszuprobieren. Das klingt gerade zu Beginn des Albums auch ganz überzeugend, entwickelt sich im weiteren Verlauf allerdings in wahrlich gewöhnungsbedürftige musikalische Gefilde. Natürlich loten die beiden Musiker Robin Williamson und Mike Heron auf diesem Album erneut Grenzen aus, hören sich mitunter dabei phasenweise durchaus experimentell an. Warum man dazu jedoch so falsch singen muss, das erschließt sich einem heute kaum noch.

Doch genau das ist es, was dieses Album zu einer manchmal schwereren Kost werden lässt. Klingt der Gesang zu Beginn des Albums noch einigermaßen tonal, so ändert sich dies im weiteren Verlauf der Platte und zerrt mitunter an den Nerven der Zuhörerin und des Zuhörers. Einzelne Lieder, die durchaus hörenswert klingen, kann man immer wieder anhören. Doch das gesamte Werk in einem Zug durchzuhören bereitet immer wieder Probleme.

Die Lieder „Koeeoaddi There“, „Witches Hat“ sowie „A Very Cellular Song“ lohnen dabei und sind eingängige Nummern mit nur leichten atonalen Anspielungen. In diesen drei Titeln hört man Psychedelic Folk, der auch unterhält und dabei sogar spannend klingt. Bei den anderen Nummern des Albums ist das mal mehr oder sehr viel weniger der Fall.

Fazit: Die Musik der Incredible String Band macht es den Hörerinnen und Hörern nicht immer ganz leicht. Auch auf „The Hangman‘s Beautiful Daughter“ gibt es gelungene und hörenswerte Lieder und solche, bei denen man sich verwundert das Ohr tätschelt: „Höre ich das falsch oder singen die wirklich falsch?“ Sie singen falsch. Kann man mögen, muss man aber nicht. Doch die Höhepunkte lohnen trotzdem. Acht Punkte.

Anspieltipps: Koeeoaddi There, Witches Hat, A Very Cellular Song



Donnerstag, 2. Juni 2022

Astronoid – Radiant Bloom

 



Astronoid – Radiant Bloom


Besetzung:

Brett Boland – vocals, guitars, percussion
Daniel Schwartz – bass, synthesizers
Casey Aylward – guitars, solos
Matt St. Jean – drums




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Rock


Trackliste:

1. Admin (5:09)
2. Eyes (4:52)
3. Sleep Whisper (5:12)
4. Sedative (4:35)
5. I‘ve Forgotten Your Face (4:25)
6. Orchid (4:43)
7. Drown (4:37)
8. Human (5:24)
9. Decades (7:07)

Gesamtspieldauer: 46:07



Astronoid ist eine 2012 gegründete Post-Metal-Band aus Lowell, Massachusetts, die von Sänger Brett Boland und Bassist Daniel Schwartz gegründet wurde. Am 3. Juni erschien nun ihr drittes Studioalbummit dem Titel „Radiant Bloom“ auf dem Plattenlabel Century Media, einer Tochter von Sony Music.

Astronoid klingen durchaus anders. Die Musik enthält Anleihen des Metal, die mit fetten Synthesizer-Sounds unterlegt sind. Dazu gesellt sich der relativ hohe Gesang des Brett Boland. Stakkatoartige Riffs, breite Soundteppiche sowie dieser hohe Gesang? Genau das alles umschreibt die Musik von Astronoid auf „Radiant Bloom“ schon sehr gut. Denn die einzelnen Titel lassen einem kaum Raum zum Luftholen, das Album „knallt“ von vorne bis hinten. Selbstverständlich hört man dabei auch mal ein wahrlich gelungenes Gitarrensolo, doch darauf scheint nicht der Fokus der Band zu liegen, denn sowas hört man nicht zu oft.

Es geht Astronoid auf „Radiant Bloom“ wohl eher um einen wahrlich fetten Sound, um eingängige Melodien und um eine musikalische Atmosphäre, die Heavy Metal mit viel Synthesizer verbindet. Außergewöhnlich klingt das durchaus, doch mit der Zeit verliert die Musik etwas an Reiz, da die einzelnen Nummern etwas verschwimmen – und das ist nicht nur produktionstechnisch gemeint. Trotz der „Härte“ klingen die Lieder eingängig, doch dann durch denselben Ansatz manchmal auch einfach austauschbar.

Deswegen machen Astronoid wahrlich keine schlechte Musik auf „Radiant Bloom“. Die Lieder klingen. Headbanging funktioniert definitiv, doch irgendwie wünscht man sich an mancher Stelle ein wenig weniger Instrumente, die gleichzeitig zu hören sind. Mehr Differenzierung, mehr Abwechslung.

Fazit: Definitiv anders klingen Astronoid. Und wer auf das Außergewöhnliche, das Besondere in der Musik steht und auch den heavy Sounds nicht abgeneigt gegenübersteht, die oder der wird auf diesem Album ganz sicher viel für sich finden. Für andere „läuft“ das Album einfach durch. Auch das wäre verständlich. Acht Punkte.

Anspieltipps: Decades