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Montag, 17. August 2020

Drahdiwaberl – McRonalds Massaker




Drahdiwaberl – McRonalds Massaker



Auf meinem Schreibtisch liegt ein Stapel neuer CDs und auch eine DVD mit dem Titel „Stefan Weber heißt das Schwein“. Es ist die Geschichte der österreichischen Provokateure Drahdiwaberl, zu denen auch mal Falco gehörte. Berühmt-berüchtigt wurden sie Anfang der 80er Jahre, als in den deutschen Landen alles veröffentlicht wurde, was auf Deutsch daher kam. Neben Nena, Markus und Frl. Menke wurden da auf einmal auch Bands wie die Einstürzenden Neubauten, DAF und eben Drahdiwaberl angesagt. Und die Österreicher um den Kunstprofessor Stefan Weber passten genausowenig in das Konzept des NDW-Plastikpops mit Zielrichtung ZDF-Hitparade, wie die Neubauten oder DAF.

Drahdiwaberl schockierten allein schon mit Platten wie „McRonalds Massaker“, gegen das die amerikanische Burgerkette klagte. Ungeniert feierten sie sich schrill-schräg-schön auf der Bühne. Es waren aufufernde Happenings, in denen erlaubt war, was eigentlich nicht erlaubt war. Weber und seine Gefolgschaft führten das politische und kulturelle Establishment Österreichs vor. Daher auch der Satz „Stefan Weber heißt das Schwein“, irgendein FPÖ Politiker wird es schon gesagt haben. Drahdiwaberl und ihre Anhänger hatten in den „Freiheitlichen“ den idealen Gegner gefunden. Das ging soweit, dass ihr Label, Virgin, das Lied „Schulterschluss“ vom Album „Torte statt Worte“ schmiss, aus Angst, die FPÖ könnte klagen. Weber reagierte und ließ den Song kostenlos im Internet verbreiten. Kunst ist eben zensurfrei.

Ihre Platten waren alles andere als hitverdächtig und doch waren sie Meilensteine der Austro-Musikszene. Mit dieser DVD liegt nun ein weiterer Film vor, der, so wird betont, mit 0 Euro Budget gedreht wurde. Das sieht und hört man und dennoch wird hier die abgefahrene Webersche Welt dargestellt. Was fehlt ist die Musik, wahrscheinlich aus Rechtegründen, was auch fehlt sind alte Konzertmitschnitte. „Stefan Weber heißt das Schwein“ konzentriert sich mehr auf die späten 2000er Jahre, kurz bevor Weber mit Parkinson diagnostiziert und schließlich von der Bühne gehen mußte.

Wer die wahre Welt von Drahdiwaberl filmisch erleben möchte, sollte sich die DVD „Weltrevolution“ besorgen. Darin kann man die seltsame und verquerte Weltsicht des Ober-Provocateurs und Künstlers Stefan Weber erleben. Enthalten ist auch der legendäre New York Auftritt der Band in den 90er Jahren, als Drahdiwaberl auf einem internationalen Musikfestival als österreichischer Part eingeladen worden waren. Drahdiwaberl haben zweifellos Musikgeschichte geschrieben. Sie waren seinerzeit für mich eine der interessantesten NDW-Bands, eben weil sie nicht geradlinig und sich nicht in die poppigen Einheitsschablonen pressen ließen. Seitdem bin ich Fan und habe es nie bereut von Stefan Weber so versaut worden zu sein….Stefan Weber heißt das Schwein!

Freitag, 10. Juni 2011

Drahdiwaberl - Weltrevolution (DVD)





Drahdiwaberl – Weltrevolution (DVD)

Gleich zu Anfang, ich kann verstehen, wenn einem Drahdiwaberl nicht zusagt. Und dennoch, die Band um den Wiener Stefan Weber ist eine außerordentliche Bereicherung für die Musikszene. Nicht nur das, ich liebe Drahdiwaberl und das schon seit den frühen 80er Jahren, als sie mit der Neuen Deutschen Welle nach Deutschland geschwemmt wurden und man damals so gar nichts mit ihrem Schock-Rock-Theater anfangen konnte. “Ronald McDonald Massaker” hieß die erste Scheibe, die ich von ihnen hörte. Das öffnete mir Augen und Ohren, auch wenn viele heute wahrscheinlich sagen, das ist wohl dann der Grund für meinen Musikgeschmack.

Drahdiwaberl sind Kult. Ohne Frage. Ihre Live-Shows waren ein wildes Spektakel, bei denen alles denkbar und möglich war. Die Mannen um Stefan Weber verschoben immer wieder die Grenzen. Was ist Kunst, was ist Provokation, was ist Verarsche? Und immer wurde der Finger in die österreichischen Wunden gelegt. Mit Genuß bohrte man hinein. Waldheim, Haider und die ganze heimelige Alpenrepublik, für Drahdiwaberl war nichts und niemand heilig. Gerade das machte sie interessant und man wünschte sich auch als Deutscher eine solche Band für die Bundesrepublik.

Nun bin ich endlich an ihre DVD “Weltrevolution” gekommen. Ein wunderbar skuriles, seltsames, begeisterndes und zeitloses Filmerlebnis. Darin wird die Geschichte der Band nachgezeichnet, viele Konzertmitschnitte sind zu sehen, Stellungnahmen von Wegbegleitern zu hören. “Weltrevolution” war wohl der krönende Abschluss für Drahdiwaberl, denn der Kopf und Lenker der Band, Stefan Weber, ist schon vor Jahren an Parkinson erkrankt. Er machte weiter, so lang es ging. Und nun geht es eben nicht mehr. Stefan Weber und damit Drahdiwaberl treten ab von der Bühne, die sie immer mehr als versaut hinterließen. Dieser Film zeigt sie noch einmal in aller Glorie und man merkt, Musik ist Kunst ist Provokation….und das wird heute mehr denn je gebraucht!

Drahdiwaberl – Weltrevolution – unbedingt besorgen!!!