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Montag, 6. Oktober 2025

Crippled Black Phoenix – The Wolf Changes Its Fur But Not Its Nature

 



Crippled Black Phoenix – The Wolf Changes Its Fur But Not Its Nature


Besetzung:

Justin Greaves – guitars, drums, samples, saw, synthesizers, bass, ebow, backing vocals
Belinda Kordic – vocals, backing vocals
Helen Stanley – synthesizers, piano, trumpet, hammond
Andy Taylor – guitars


Gastmusiker:

Robin Tow – additional drums
Martin Hyde – additional drums
Ryan Patterson – vocals
George Paco Nitschke – saxophone, synthesizer, vocoder
Wesley J. Wasley – bass
Matt Crawford – bass
Kostas Panagiotou – accordion, piano, hammond
Justin Storms – vocals




Erscheinungsjahr: 2024


Stil: Progressive Rock, Art Rock


Trackliste:

1. We Forgotten Who We Are (11:17)
2. You Put The Devil In Me (6:17)
3. 444 (7:23)
4. Goodnight, Europe (Pt2) (8:37)
5. (-) (4:39)
6. Song For The Unloved (14:21)
7. Whissendine (6:58)
8. Blizzard Of Horned Cats (4:43)


Horrific Honorifics Number Two

1. Vengeance (4:16)
2. Self Control (5:23)
3. Blueprint (4:03)
4. And That’s Sad (6:52)
5. Hammer Song (4:52)
6. When A Blind Man Cries (3:22)
7. My Pal (3:50)
8. Goin‘ Against Your Mind (8:52)

Gesamtspieldauer CD1 (1:04:18) und CD2 (41:34): 1:45:52



Das Doppelalbum, bestehend aus „The Wolf Changes Its Fur But Not Its Nature“ und „Horrific Honorifics Number Two“, ist kein offizielles Album der englischen Band Crippled Black Phoenix. Erschienen im Jahr 2024 enthält die erste Scheibe Lieder der Band – der Albumtitel deutet bereits darauf hin – die bereits in anderen Versionen auf vorherigen Alben veröffentlicht worden sind. „Horrific Honorifics Number Two“ enthält dagegen Cover-Versionen von Liedern und Bands, die die Musik von Crippled Black Phoenix beeinflusst haben, wie man im Booklet nachlesen kann.

Beim Hören von „The Wolf Changes Its Fur But Not Its Nature“ hat man – kaum überraschend – öfters so ein Déjà Vu Erlebnis, da einem die Lieder meist schon bekannt vorkommen, wenn man auch die früheren Alben der Band kennt. Hier werden sie nun oftmals in der Live-Version wiedergegeben, was sie etwas kraftvoller, als die ursprünglichen Studioversionen erscheinen lässt. Zum Teil erklingen hier die Lieder auch in ursprünglicheren Versionen. Mitunter wurden zudem die Texte leicht verändert, trotzdem erkennt man die Nummern natürlich.

„Horrific Honorifics Number Two“ enthält unter anderem Stücke von New Model Army, der Sensational Alex Harvey Band, Deep Purple oder auch „Self Control“ von Laura Branigan. Eine recht krude Mischung, wobei den Liedern allerdings eindeutig der Stempel von Crippled Black Phoenix aufgedrückt wurde. Mal überzeugen diese Nummern mehr, mal weniger. Letzteres immer dann, wenn man das Original nur zu gut im Ohr hat.

Die Hard-Cover CD-Box ist sehr schön und informativ gestaltet. Zu jeder Nummer erhält man noch einige Informationen. Zudem sind auch einige Bilder und natürlich die Texte enthalten. Hier lohnt das Blättern definitiv.

Fazit: Lohnend ist das Album für Fans zumindest aufgrund der ersten Scheibe. Hier erhalten die Lieder zum Teil einen ganz neuen Anstrich, klingen mitunter rockiger und sind hier auch in meist längeren Versionen enthalten. Wenn man allerdings neu in den musikalischen Kosmos der Engländer einsteigen möchte, lohnen ganz sicher die Original-Platten mehr. Und „Horrific Honorifics Number Two“? Eine Zugabe, die man so mitnimmt, aber wohl selten auflegen wird. Zehn Punkte.

Anspieltipps: We Forgotten Who We Are, Goodnight, Europe (Pt2), Song For The Unloved



Freitag, 26. September 2025

Jon Anderson & The Band Geeks – True

 





Besetzung:

Jon Anderson – vocals
Richie Castellano – guitars, bass, keyboards, vocals
Andy Ascolace – drums, percussion, keyboards, vocals
Andy Graziano – guitar, vocals
Christopher Clark – keyboards
Robert Kipp – hammond organ, vocals
Ann-Marie Nacchio – additional vocals


Label: Frontiers


Erscheinungsjahr: 2024


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. True Messenger (5:49)
2. Shine On (4:17)
3. Counties And Countries (9:50)
4. Build Me An Ocean (3:19)
5. Still A Friend (5:01)
6. Make It Right (6:06)
7. Realization Part Two (3:32)
8. Once Upon A Dream (16:31)
9. Thank God (3:48)

Gesamtspieldauer: 58:17



Der „Yes-Kosmos“ ist so unfassbar vielfältig, dass man öfters mal den Überblick verliert, wer denn gerade Mitglied bei Yes ist und wer im Moment wo und mit wem eine neue Platte veröffentlicht. Nun also Jon Anderson mit der Band Geeks, die bereits seine Tour-Band war. „True“ erschien am 23. August 2024 auf dem Plattenlabel Frontiers.

Yes veröffentlichten ohne Jon Anderson im Jahr 2023 ihr bisher letztes Werk „Mirror To The Sky“, welches tatsächlich nur noch in Ansätzen an die Großtaten der Band in den 70er Jahren erinnert. Legt man nun „True“ von Jon Anderson auf so merkt man sehr schnell, dass der frühere Sänger der Band diese spezielle Yes-Atmosphäre in der Musik noch deutlich treffender und überzeugender weiterträgt. „True“ klingt eindeutig nach Yes-Musik aus längst vergangenen Jahrzehnten.

Die Stimme des Jon Anderson hört sich immer noch wie in den 70er Jahren an, wunderschöne Melodiebögen entfalten sich, die Jon Anderson so wunderbar gesanglich umzusetzen und in die er so überzeugend einzutauchen versteht. Dazu diese esoterischen bis kryptischen Texte, fühlt beziehungsweise hört sich irgendwie nach Déjà Vu an. Alle Zutaten der früheren Yes sind vorhanden, dabei klingt auf „True“ nichts wie eine billige Kopie. Die Musik der ehemaligen Pioniere des Progressive Rocks wurde einfach fünfzig Jahre später um ein paar Takte und Melodien erweitert. Yes-Freunde wird es freuen und sie werden es gerne hören.

Die Lieder erklingen oftmals hymnenartig, beinhalten Wendungen und viele wunderschöne, mehrstimmige Gesangsarrangements gibt es dabei zu entdecken. Auch Keyboard, Gitarre und Bass scheinen mit in die neue Zeit „herübergerettet“ worden zu sein und so erklingt „True“ der Bedeutung entsprechend, wie die „wahre“ Musik von Yes, die auch im 21. Jahrhundert noch geschrieben und aufgenommen werden kann.

Fazit: Wer Spaß an der Musik der früheren Yes hat, der kann mit „True“ von Jon Anderson und der Band Geeks ganz bestimmt nichts falsch machen. „True“ klingt mehr nach Yes und vor allen Dingen auch besser als vieles, was die Band – mit oder ohne Jon Anderson – in den letzten Jahrzehnten veröffentlichte. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Make It Right, Once Upon A Dream



Mittwoch, 24. September 2025

David Gilmour – Luck And Strange

 



David Gilmour – Luck And Strange


Besetzung:

David Gilmour – guitar (all), piano (1), lead vocals (2–4, 7–9), ukulele (3), höfner bass (3, 8), farfisa organ (3), backing vocals (2-4, 6–8), keyboards (6, 9), hammond organ (7), bass guitar (9), leslie piano (9), cümbüş (8)


Gastmusiker:

Richard Wright – electric piano, hammond organ (2)
Romany Gilmour – lead vocals (6), backing vocals (2–4, 6–8), harp (5–6)
Gabriel Gilmour – backing vocals (3, 4)
Rob Gentry – synthesiser (1–4, 6, 9), keyboards (3, 6, 8–9), piano (4, 6, 8–9), organ (7)
Roger Eno – piano (1, 9)
Guy Pratt – bass guitar (2, 3, 6–9)
Adam Betts – percussion (2, 4, 6–9), djembe (3), drums (4)
Steve DiStanislao – drums (2)
Steve Gadd – drums, percussion (3, 6–9)
Tom Herbert – bass guitar (4)
Charley Webb - backing vocals
Hattie Webb - backing vocals
Louise Marshall - backing vocals
Edmund Aldhous – organist and director of music at Ely Cathedral
Ely Cathedral Choir – vocals
Angel Studios Choir – vocals
Angel Studios Orchestra


Label: Sony Music


Erscheinungsjahr: 2024


Stil: Rock


Trackliste:

1. Black Cat (1:32)
2. Luck And Strange (6:56)
3. The Piper‘s Call (5:15)
4. A Single Spark (6:04)
5. Vita Brevis (0:46)
6. Between Two Points (5:47)
7. Dark And Velvet Nights (4:44)
8. Sings (5:14)
9. Scattered (7:33)

Bonus Tracks:

10. Yes, I Have Ghosts (3:50)
11. Luck And Strange (Original Barn Jam) (13:59)

Gesamtspieldauer: 1:01:44



„Luck And Strange“ heißt das fünfte Studioalbum des ehemaligen Pink Floyd Gitarristen David Gilmour. Veröffentlicht wurde das Album am 6. September 2024 auf dem Plattenlabel Sony Music. Für die Texte zeichnet sich größtenteils David Gilmours Frau Polly Samson verantwortlich. Aber auch ihre beiden Kinder Romany und Gabriel tragen zum Album bei. Gabriel wie Romany als Backgroundsänger, Romany übernimmt allerdings beim „Between The Points“-Cover der Montgolfier Brothers sogar den Gesang und ist bei diesem Lied, wie beim kurzen Instrumentalstück „Vita Brevis“, ebenso an der Harfe zu hören.

Mit der ersten, kurzen Instrumentalnummer „Black Cat“ wird man in das Album eingeführt. Sehnsüchtig klingt dieses Lied und erinnert entfernt durchaus auch an manch stimmungsvolles Stück von Pink Floyd. Dies ist allerdings, neben einigen unverkennbaren Gitarrenklängen, der einzige Vergleich, der sich bei „Luck And Strange“ zu Pink Floyd ziehen lässt. „Luck And Strange“ ist ein reines David Gilmour Solo-Album und klingt auch genau so.

Dabei hört man beim zweiten Titel „Luck And Strange“ sogar Richard Wright an den Keyboards. Das Lied entstammt einer Jam-Session in David Gilmours Studio im Jahr 2007, wurde also ein Jahr vor Richard Wrights Tod aufgenommen. Die ganze Jam-Session ist auf der CD-Ausgabe als Bonus-Track beigefügt. Schön, hier noch mal Richard Wright hören zu können. Das Lied selbst ist eine eingängige, allerdings auch unspektakuläre Nummer, bei der man jedoch gerade in den höheren Lagen nicht überhören kann, dass David Gilmour im Jahr 2024 auch bereits 78 Jahre geworden ist.

Die Lieder des Albums sind allesamt im Bereich des Rocks angesiedelt. Ziemlich geradlinig und rhythmisch fließen die einzelnen Nummern aus den Boxen und gehen dabei mal mehr, mal etwas weniger ins Ohr. Einen Ausfall gibt es dabei jedoch glücklicherweise nicht zu beklagen. Einen Höhepunkt – sieht man mal vom Umstand ab, dass man hier Rick Wright nochmals zu hören bekommt – gibt es jedoch auch nicht zu entdecken. Das Album läuft durch und man merkt, dass man das letzte Lied der CD erreicht hat, wenn sich David Gilmour und Richard Wright gegenseitig in den Soli des Jams abwechseln und daran durchaus Spaß zu haben scheinen, wie man am Lachen zum Ende des Liedes hört.

Fazit: David Gilmour ist ein klasse Gitarrist. Seine wahre Stärke auch in Bezug auf das Songwriting konnte er allerdings immer nur in Verbindung zu den Kollegen von Pink Floyd zeigen. So ist „Luck And Strange“ ein gutes, aber auch unaufgeregtes Solo-Album geworden, ein Rock-Album, welches kaum Spuren hinterlassen wird. Neun Punkte.

Anspieltipps: Scattered



Samstag, 30. August 2025

Neil Young – Early Daze

 




Neil Young – Early Daze


Besetzung:

Neil Young – guitar, vocals, piano (4), vibes (5), handclaps (6)



Gastmusiker:

Danny Whitten – guitar, vocals, handclaps (6)
Billy Talbot – bass, handclaps (6)
Ralph Molina – drums, vocals, handclaps (6)
Jack Nitzsche – piano (1–3)




Erscheinungsjahr: 2024


Stil: Country Rock


Trackliste:

1. Dance Dance Dance (2:35)
2. Come On Baby Let's Go Downtown (4:12)
3. Winterlong (3:39)
4. Everybody's Alone (2:31)
5. Wonderin' (2:19)
6. Cinnamon Girl (3:01)
7. Look At All The Things (2:58)
8. Helpless (4:38)
9. Birds (3:38)
10. Down By The River (9:02)

Gesamtspieldauer: 38:38



„Early Daze“ ist das 47. Studioalbum des kanadischen Musikers Neil Young, welches er mit seiner Begleitband Crazy Horse eingespielt hat. Aufgenommen wurde das Album allerdings bereits zwischen dem 17. Januar und dem 17. Oktober 1969. Neil Young hatte bereits mehrfach auf dieses Album hingewiesen, die einzelnen Lieder waren inzwischen auch alle bereits auf verschiedenen Kompilationen oder Alben veröffentlicht worden, in dieser ursprünglich vorgesehenen Fassung allerdings noch nicht.

Man hört den Liedern deutlich an, dass sie nicht im Jahr 2024 entstanden sind und auch nicht in diesem Jahr aufgenommen wurden. Auch enthält die Platte keine allzu großen musikalischen Höhepunkte mehr parat, da man die Lieder eben schon kennt und diese auch nicht die absoluten Höhepunkte im Schaffen des Neil Young darstellen – mit der Ausnahme „Down By The River“. Zudem ist die Platte mit noch nicht einmal vierzig Minuten Laufzeit auch relativ kurz geraten.

Trotzdem werden Neil Young Fans wohl große Freude an der Scheibe haben, zeigt sie doch, wie sich die Lieder ursprünglich angehört und wie sie sich dann weiter entwickelt haben. Zudem klingt jeder Titel nach Neil Young und nur – unverwechselbar – nach Neil Young. Somit macht das Hören durchaus Spaß und man wird vom Sound her in ein ganz anderes, längst vergangenes Jahrzehnt katapultiert. Augen zu und wirken lassen.

Fazit: Neil Young scheint einen unerschöpflichen Fundus an zunächst nicht veröffentlichten Alben haben, deren Lieder dann irgendwo anders aufgetaucht sind, um jetzt, viele Jahrzehnte später, wieder in der ursprünglich vorgesehenen Version und Reihenfolge veröffentlicht zu werden. Für Neil Young Fans lohnt sich das unbedingt und für Leute, die auch mal soundtechnisch in die Musik Ende der 60er Jahre eintauchen möchten ebenfalls. Acht Punkte.

Anspieltipps: Down By The River



Freitag, 18. Juli 2025

Bright Eyes – Five Dice, All Threes

 



Bright Eyes – Five Dice, All Threes


Besetzung:

Conor Oberst – vocal, acoustic and electric guitars, baritone acoustic guitar
Mike Mogis – pedal steel, electric guitar, manjo, dobro, mandolin, banjo
Nathaniel Walcott – piano, trumpet, synthesizers, organs, mellotron, electric piano, celeste, glockenspiel, string and horn arrangements


Gastmusiker:

Jason Boesel – drums (tracks 2–7, 9–11, 13), vocals (tracks 4, 7, 11, 13), percussion (tracks 2, 6, 10)
Alex Orange Drink – vocals (tracks 2, 4, 7, 8, 11, 13), whistling (track 2)
Amy Carey – whistling (track 2)
Vikram Devasthali – trombone (tracks 2, 4, 13)
Josh Johnson – alto, tenor, and baritone saxophones (tracks 2, 4, 7, 13)
Macey Taylor – bass (tracks 2–11, 13), vocals (tracks 4, 11, 13)
Griffin Goldsmith – drums (track 3–8, 10, 13), percussion (tracks 2, 6, 10), vocals (tracks 4, 7, 9, 11, 13)
Adam Reich – acoustic guitar (tracks 5, 7), electric guitar (track 8)
Cat Power – vocals (track 6)
Corina Figueroa Escamilla – vocals (track 7)
James King – tenor and baritone saxophones (track 7)
Jake Bellows – vocals (track 10), guitar (track 10)
Paul Cartwright – violin (tracks 11)
Luanne Homzy – violin (tracks 11)
Jennifer Takamatsu – violin (tracks 11)
Zach Dellinger – viola (tracks 11)
Vanessa Freebairn-Smith – cello (tracks 11)
Matt Berninger – vocals (track 12)
Michaela Favara – vocals (track 13)
Sarah Greenwell – vocals (track 13)
Jamie Montes – vocals (track 13)




Erscheinungsjahr: 2024


Stil: Independent Rock, Independent Pop


Trackliste:

1. Five Dice (1:40)
2. Bells And Whistles (4:07)
3. El Capitan (3:54)
4. Bas Jan Ader (3:54)
5. Tiny Suicides (4:44)
6. All Threes (5:24)
7. Rainbow Overpass (3:01)
8. Hate (4:52)
9. Real Feel 105° (3:25)
10. Spun Out (3:36)
11. Trains Still Run On Time (3:47)
12. The Time I Have Left (3:32)
13. Tin Soldier Boy (5:01)

Gesamtspieldauer: 51:04



„Five Dice, All Threes“ ist das bereits elfte Studioalbum der US-amerikanischen Band Bright Eyes. Es wurde am 20. September 2024 auf dem Plattenlabel Dead Oceans veröffentlicht. Das Album enthält Kollaborationen mit Alex Orange Drink, Cat Power und Matt Berninger. Die beiden Lieder „Bells and Whistles“ und „Rainbow Overpass“ wurden vorab als Singles im Juni und Juli desselben Jahres veröffentlicht.

Nachdem es zuvor ganze neun Jahre gedauert hatte, bis die Fans das nächste Album der Band hören konnten, waren es dieses Mal lediglich vier Jahre, bis ein neues Album erschien. Und auch „Five Dice, All Threes“ klingt – so viel sei bereits verraten – eindeutig nach Bright Eyes. Das wiederum liegt allerdings nicht nur an der einprägsamen Stimme des Conor Oberst. Es ist diese Verbindung aus experimentellen Ansätzen in Verbindung mit schönen Melodien, die die Musik von Bright Eyes durchaus zu etwas Besonderem werden lässt.

„Five Dice, All Threes“ beginnt mit einer Soundkollage, in die ein kleines Hörspiel eingebettet wurde und endet am Ende von „Tin Soldier Boy“ ebenso. Dazwischen befinden sich Lieder, alle im Bereich des Rocks, manchmal auch im Pop angesiedelt, die vielleicht nicht gleich beim ersten Mal, jedoch mit den weiteren Durchläufen ins Ohr gehen. Das klingt alles locker und zumeist sogar irgendwie positiv, was für ein Bright Eyes Album auch nicht selbstverständlich ist. Der Gesang des Conor Oberst, der mitunter fast schon weinerlich klingt, befeuert dieses Mal auch fröhlichere Stimmungen ohne dabei einen Widerspruch hervorzurufen. Selbst hier passt seine außergewöhnliche Gesangsstimme.

Besonders gelungen klingt die Musik von Bright Eyes auf „Five Dice, All Threes“, wenn die Bläser oder Streicher ihren Einsatz haben. Überhaupt die Instrumentierung der Lieder. Bläser und Streicher habe ich bereits erwähnt, dann aber hier mal ein Banjo, da ein Glockenspiel, eine Mandoline, ein Pfeifen, Saxophon, Gesprächsfetzen und und und. Genau das macht auch die Musik dieser außergewöhnlichen Band aus, die für sich selbst gar nicht mal so unvorhersehbar ist – wenn man sie schon länger verfolgt – im Vergleich zu anderen Bands jedoch immer wieder unfassbar überrascht.

Doch trotz all dieser Eigenschaften schafft es „Five Dice, All Threes“ nicht an die großen Alben der Band Anfang der 2000er Jahre anzuknüpfen. Das wiederum liegt daran, dass die Lieder zwar überzeugen, wenn man sie mehrmals gehört hat, jedoch deutlich weniger nachhallen. Es macht Spaß das Album zu hören, wenn es allerdings verklungen ist, vergisst man es auch schnell. Besonderen Alben passiert das nicht. Auch nicht manch anderen Bright Eyes Alben. Trotzdem hebt sich diese Musik sehr positiv von dem Einheitsbrei ab, den man sonst meist zu hören bekommt.

Fazit: „Five Dice, All Threes“ ist ein gutes Album geworden. Es reicht nicht ganz an die Großtaten der Band zum Anfang des Jahrtausends heran, doch es unterhält und es macht Spaß zuzuhören – auch wenn es keinen länger anhaltenden Eindruck hinterlässt. Ich muss mir unbedingt aufschreiben „Five Dice, All Threes“ regelmäßig aufzulegen, denn irgendwie lohnt es schon. Zehn Punkte.

Anspieltipps: All Threes, Tin Soldier Boy



Samstag, 10. Mai 2025

The Pineapple Thief – Last To Run

 



The Pineapple Thief – Last To Run


Besetzung:

Bruce Soord – vocals, guitars
Steve Kitxch – keyboards
Jon Sykes – bass, backing vocals
Gavin Harrison – drums, percussion


Gastmusiker:

Beren Matthews – additional guitar, backing vocals


Label: KScope


Erscheinungsjahr: 2024


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. All Because Of Me (3:31)
2. Last To Run (4:07)
3. Election Day (4:15)
4. The World To Me (6:42)
5. No Friend Of Mine (3:03)

Gesamtspieldauer: 21:40



Am 31. Oktober 2024 erschien die EP „Last To Run“, es ist bereits die zweite Veröffentlichung von The Pineapple Thief im Jahr 2024. Nach dem großen Erfolg von „It Leads To This“ wollte man wohl passend zur beginnenden US-Tournee gleich noch mal ein paar Titel nachlegen. Die fünf Lieder EP sind auch während der Aufnahmesessions zu „It Leads To This“ entstanden, hatten es dann allerdings doch nicht auf die Platte geschafft.

Bruce Soord sagt über „Last To Run“, dass die einzelnen Stücke schließlich später noch weiterentwickelt wurden und somit ganz neue Facetten aufwiesen, die es dann doch noch lohnenswert machten, sie zu veröffentlichen.

Nun, „Last To Run“ klingt definitiv nach Pineapple Thief und Freunde der Band dürfte diese EP sicherlich auch zusagen – auch wenn sich darauf kein „Überlied“ befindet. Doch die Nummern klingen rockig, gehen gut ins Ohr und ergänzen das vorherige Album ein wenig. Muss man diese EP besitzen? Das ist natürlich wie immer eine Frage des Geschmacks, und ob man wirklich alles von „seiner“ Lieblingsband besitzen möchte. Essentiell im musikalischen Kosmos von The Pineapple Thief ist „Last To Run“ allerdings nicht.

Fazit: Eine schöne Ergänzung zum vorherigen Album „It Leads To This“. Nicht mehr und nicht weniger. Acht Punkte.

Anspieltipps: Last To Run



Sonntag, 16. Februar 2025

The Pineapple Thief – It Lead To This

 



The Pineapple Thief – It Lead To This


Besetzung:

Bruce Soord – vocals, guitars
Steve Kitch – keyboards
Jon Sykes – bass, backing vocals
Gavin Harrison – drums, percussion
Beren Matthews – additional guitar, backing vocals


Label: KScope


Erscheinungsjahr: 2024


Stil: Art Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Put It Right (5:30)
2. Rubicon (4:37)
3. It Leads To This (4:43)
4. The Frost (5:40)
5. All That‘s Left (4:25)
6. Now It‘s Yours (5:59)
7. Every Trace Of Us (4:30)
8. To Forget (5:20)

Gesamtspieldauer: 40:48



„It Lead To This“ ist bereits das sechzehnte Studioalbum von The Pineapple Thief, wenn man auch die vorherige Platte „Give It Back“ dazuzählen möchte, auf dem jedoch lediglich ältere Lieder im neuem Gewand eingespielt worden waren. Nun also „It Lead To This“, bei dem es sich nun tatsächlich um ein eigenständiges Album mit acht neuen Stücken handelt. „It Lead To This“ wurde am 9. Februar 2024 auf dem Plattenlabel KScope veröffentlicht.

Legt man „It Lead To This“ auf, hört man sofort, dass es sich bei der Musik um jene von The Pineapple Thief handelt. Das wiederum liegt nicht nur am Gesang des Bruce Soord, der sicherlich einen hohen Wiedererkennungswert besitzt, es sind jedoch vor allen Dingen die Stimmungen und Atmosphären, sowie der Aufbau der Stücke, die ermöglichen die Musik auf „It Lead To This“ eindeutig The Pineapple Thief zuordnen zu können.

In den meisten der Lieder schwingt diese latente Melancholie mit, die die Musik der Band schon seit ihrer ersten Veröffentlichung auszeichnet. Zum anderen ist da dieses Spiel mit den Atmosphären. Nachdenkliche Passagen gehen wie ganz selbstverständlich in rockig, fordernde Abschnitte über ohne, dass dies irgendwie konstruiert wirken oder klingen würde. Der Aufbau der Lieder selbst folgt da keinem Konzept, sondern wird variiert. Ist das nun Progressive Rock? Nein, kaum. The Pineapple Thief bewegen sich hier ganz klar in den Gefilden des Art Rocks.

The Pineapple Thief bleiben auf „It Lead To This“ ihrer Linie treu. Kritiker können dabei selbstverständlich bemängeln, dass eine Weiterentwicklung kaum oder gar nicht stattfindet. All diejenigen, die genau jene Musik von Pinepple Thief allerdings lieben, werden dafür mit diesem neuen Werk der Briten belohnt, die ihren Liedkatalog mit dieser „typischen The-Pineapple-Thief-Musik“ nochmals ausweiten. Und wer dabei das Gespür des Bruce Soord für die eingängige Melodie zu schätzen weiß, wird von diesem Album wahrlich nicht enttäuscht werden. Auf „It Lead To This“ befinden sich tatsächlich acht Lieder, die schnell ins Ohr gehen und dort auch längerfristig verbleiben.

Fazit: Auch das sechzehnte Studioalbum von The Pineapple Thief enthält so typische Musik für die Band, dass sie der Band auch eindeutig zuzuordnen ist. Keine großartigen Experimente – auf Bewährtes wird zurückgegriffen. Eingängiger Art Rock, der leicht melancholisch erklingt und dabei gut unterhält. Zehn Punkte.

Anspieltipps: It Leads To This, To Forget



Mittwoch, 12. Februar 2025

Airbag – The Century Of The Self

 



Airbag – The Century Of The Self


Besetzung:

Asle Torstrup – vocals, keyboards and programming
Henrik Bergan Fossum – drums
Björm Riis – guitars, bass, keyboards and backing vocals


Gastmusiker:

Kristian Hultgren – bass on tracks 1 and 5
Ole Michael Björndal – guitar on tracks 1,2 and 5
Simen Valldal Johannessen – keyboards on track 5




Erscheinungsjahr: 2024


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Dysphoria (10:38)
2. Tyrants And Kings (6:47)
3. Awakening (6:44)
4. Erase (7:50)
5. Tear It Down (15:00)

Gesamtspieldauer: 47:00



Im Jahr 2024 erschien das sechste Studioalbum der norwegischen Band Airbag. Erneut geschah dies auf dem Plattenlabel Karisma Records und auch die Musik des Trios, welches einst als Pink Floyd Cover Band gestartet war, hat sich nicht grundlegend zu den früheren Veröffentlichungen verändert.

„The Century Of The Self“ beinhaltet ebenso wie die Vorgängeralben wunderschön melodische Lieder, die keinesfalls mit einer Lauflänge von drei bis vier Minuten auskommen könnten. Die Musik von Airbag entwickelt sich oftmals im Lied selbst weiter, ist dabei zumeist sanft anzuhören und jederzeit eingängig. Die Melodien bleiben unverzüglich hängen und verfestigen sich sehr schnell beim wiederholten Hören. Irgendwie klingt alles nach Airbag, so wie man die Band eben kennt. Manchmal geradezu so, dass man meinen könnte, dieses oder jenes Lied schon auf einem vorherigen Album der Norweger gehört zu haben.

Musikalisch siedeln sich die Stücke auf „The Century Of The Self“ irgendwo zwischen Porcupine Tree und The Pineapple Thief an – allerdings nur, wenn man hier die langsameren Stücke zum Vergleich heranzieht. Und wenn es sich um langsame Gitarrensoli wie beim längsten Stück des Albums „Tear It Down“ handelt, dann fühlt man sich unweigerlich an ein Solo von David Gilmour erinnert, ohne dies genauer benennen zu können.

Dabei kopieren Airbag keine der gerade angeführten Bands, doch sie erweitern auf ihre Weise deren Spektrum. Das Zuhören macht dabei jede Menge Laune, wenn man auf unaufgeregte und jederzeit harmonische Töne steht. Nur selten wird das Tempo mal etwas angezogen. Jedoch „Verrücktes“ wird man dagegen von Airbag nicht hören – zumindest nicht auf „The Century Of The Self“.

Fazit: Airbag erfinden die Musik logischerweise nicht neu auf „The Century Of The Self“. Allerdings erfinden sie ihre Musik auch nicht neu und entwickeln sie ebenso nicht weiter. Alles wie gehabt kann man feststellen, der einmal eingeschlagene musikalische Weg wird konsequent fortgesetzt. Kann man langweilig finden oder aber mögen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Tear It Down



Sonntag, 2. Februar 2025

We Mavericks – Heart Of Silver

 



We Mavericks – Heart Of Silver


Besetzung:

Victoria Vigenser – vocals, guitar
Lindsay Martin – vocals, violin, mandolin, guitar, piano


Gastmusiker:

Julia Day – drums, percussion, bass guitar
Rachel Johnston – cello
Trent Arkleysmith – cello
Matt – Nightingale
Ruby Martin – vocals


Erscheinungsjahr: 2024


Stil: Folk, Country


Trackliste:

1. Heart Of Silver (3:49)
2. All This Noise (3:14)
3. The Bed You Made (4:13)
4. Carefree (3:41)
5. Paper Darts (4:18)
6. Ballad Of A Firefly (4:02)
7. Balm In Gilead (4:35)
8. Wildfire (3:25)
9. Hold Me (4:15)
10. The Outro (1:52)

Gesamtspieldauer: 37:28



We Mavericks, das sind Victoria Vigenser und Lindsay Martin. „Heart Of Silver“ heißt das zweite Studioalbum des australisch-neuseeländischen Duos und wurde am 18. Oktober 2024 veröffentlicht.

Auf „Heart Of Silver“ hört man eine Mischung aus Folk und Country, wobei der Schwerpunkt sehr auf den Folk-Liedern liegt. Sanft und gefühlvoll klingt die Musik von We Mavericks, die immer wieder wunderschön durch die Violine oder ein Cello noch eingängiger untermalt wird. Auch der Harmoniegesang der beiden Musiker weiß hier zu überzeugen, wobei der Hauptpart diesbezüglich ganz klar der Neuseeländerin Victoria Vigenser zufällt, die mit ihrer schönen und klaren Stimme durchweg zu überzeugen weiß.

Die Musik auf „Heart Of Silver“ ist vom ersten bis zum letzten Lied hörenswert. Die einzelnen Stücke sind alle in einem eher langsamen Tempo angesiedelt, welches nur marginal variiert wird. Dadurch kann man sich auf eine sanfte Reise einstellen, die mit schönen Melodien und Harmonien überzeugt und bereits beim ersten Durchlauf ins Ohr geht. Perfekt abgerundet wird das Album mit dem Instrumentalstück „The Outro“, welches einen irgendwie melancholisch angefasst in die Realität zurückschickt.

Fazit: Wer auf schönen, sanften und warmen Folk steht, die oder der wird auf „Heart Of Silver“ von We Mavericks viel Musik für sich entdecken können. Die Instrumentierung überzeugt, die Gesänge ebenso und die Melodien gehen ins Ohr. Schöne Musik zum Träumen, Luftholen und Entspannen. Neun Punkte.

Anspieltipps: Hold Me, The Outro



Wer sich von We Mavericks live überzeugen möchte, kann dies dieser Tage auch genießen. We Mavericks spielen an folgenden Tagen und Orten:

2. Februar, Bergneustadt, Schauspielhaus Bergneustadt
4. Februar, Hannover, Hölderlin Eins
5. Februar, Lübeck, Tonfink
6. Februar, Berlin, Artliners
7. Februar, Magdeburg, Volksbad Buckau
8. Februar, Jena, Fiddler’s Green
9. Februar, Zwickau, Kulturzentrum St. Barbara
10. Februar, Chemnitz, Inspire
12. Februar, Wien A, Clash Wien
14. Februar, Offenburg, Spitalkeller
15. Februar, Kreuzlingen CH, Kult-X



Montag, 20. Januar 2025

Thanateros – Tranceforming

 



Thanateros – Tranceforming


Besetzung:

Ben Richter – vocals, programming, tin whistles, bodhran, runes and bones
Chris Lang – guitars
Christof Uhlmann – violin
Martin Müller – bass


Gastmusiker:

Simon Rippin – drums
Johanna Kriens – additional vocals (8)
Christian Hadersdörfer – bagpipes (6)
Lena Uhlmann – harp (5)
Joko Richter – backing vocals
Enya Richter – additional violin (8)
Arthur Schadt – cello (12)
Torrin, Elias, Chrys, Lena, Vanessa – additional warrior-choir (6)




Erscheinungsjahr: 2024


Stil: Gothic Rock, Folk Rock


Trackliste:

1. Anrufung (1:30)
2. The Horned One (4:24)
3. Everything Decays (4:48)
4. Shapeshifter (4:59)
5. I Hold You (5:04)
6. Raise Your Voices (4:51)
7. Hagazussa (4:06)
8. The Banshees Of Kealkil (5:15)
9. Feel The Fire (Goddess 24) (2:15)
10. I Am All (4:38)
11. Runir (4:48)
12. By The Wind (4:51)

Gesamtspieldauer: 51:31



Am 11. Oktober 2024 erschien das siebte Album von Thanateros. Bereits vor dreiundzwanzig Jahren war mit „The First Rite“ das Debutalbum der Band erschienen. Nun also eine neue Veröffentlichung mit dem Titel „Tranceforming“, die – so viel sei bereits verraten – sehr überzeugen kann.

„Tranceforming“ ist ein Wortspiel und alle, die hier etwas wie Ambient oder Techno zu hören erwarten, denen wird beim Lauschen ganz schnell eine andere musikalische Welt eröffnet. Es beginnt mit dem beschwörenden „Anrufung“. Zum einen eher eine Art Klangkollage mit Sprechgesang, zum anderen das einzige Lied, welches einen deutschen Text aufweist und eine gelungene Einleitung in das Album. Gleich mit dem nächsten Titel bricht sich dann jedoch der Rock seine Bahn. Mit „The Horned One“ wird die Musik auf ein Gleis gesetzt, welchem nun konsequent gefolgt wird. „The Horned One“ lässt unweigerlich Vergleiche zu Mono Inc. aufkommen, die im weiteren Verlauf des Albums mal mehr, mal weniger deutlich sind. Dabei bleibt allerdings festzustellen, dass Thanateros hier keineswegs eine Kopie darstellen. Die Musik von Thanateros auf „Tranceforming“ klingt jederzeit eigenständig und für sich selbst stehend.

Die meisten Lieder rocken und besitzen tolle Melodien, in die sich einzutauchen lohnt. Dies gilt ebenso für die eher folkig angehauchten Stücke, welche nicht nur wie im Falle des schönen und mit Johanna Kriens zweistimmig eingesungenen „The Banshees Of Kealkil“ an den Irish Folk angelehnt sind. Mit den Liedern „I Hold You“ und „By The Wind“ haben es auch zwei deutlich sanftere Lieder mit auf das Album geschafft, die nicht nur den Gesamteindruck von „Tranceforming“ noch spannender erklingen lassen, sondern auch mit zu den Höhepunkten auf dem Album gehören. Positiv dabei zu erwähnen ist auch die klasse Einbindung der Violine des Christof Uhlmann sowie der wandlungsfähige Gesang des Ben Richter. Dazu noch Titel mit Dudelsack, Cello oder ergänzendem weiblichen Gesang – alles perfekt arrangiert und spannend zur Abwechslung auf dem Album beitragend.

Fazit: „Tranceforming“ ist ein Album geworden, welches niemals langweilig wird. Es rockt, hat seine sanften Momente und kann in all diesen Momenten absolut überzeugen. Man kann der Band nur wünschen, dass sie noch bekannter wird und sich so eine noch größere Fangemeinde erschließen kann. Verdient hätten dies Thanateros allemal. Elf Punkte.

Anspieltipps: The Horned One, I Hold You, By The Wind



Samstag, 18. Januar 2025

Lucy Kruger & The Lost Boys – A Human Home

 





Besetzung:

Lucy Kruger
Liú Mottes
Andreas Miranda
Martin Perett
Gidon Carmel
Jean-Louise Parker




Erscheinungsjahr: 2024


Stil: Avantgarde, Art Pop


Trackliste:

1. A Human Home (2:37)
2. Dripping Trees (3:30)
3. Open Road (1:42)
4. Rooms (3:17)
5. A Drill (2:15)
6. Sandcastle (2:23)
7. Virtual Muse (4:15)
8. Barren Stage (2:48)
9. The Whale Song (2:48)
10. Instructions For Fate (2:06)
11. A Pocket Full Of Night (3:02)
12. The Upside Down Of Sinking (2:26)
13. Golden Moon (2:06)

Gesamtspieldauer: 35:20



Lucy Kruger ist eine in Kapstadt geborene Wahl-Berlinerin, die am 31. Mai 2024 auf dem Plattenlabel Unique Records ihr neuestes Werk mit dem Titel „A Human Home“ veröffentlichte. Geprägt ist dieses Album, wie viele Platten der letzten zwei, drei Jahre, durch die Pandemie. Dazu vermerkt die Musikerin auf dem Begleittext zum Album:

„Der größte Teil von „A Human Home“ wurde während des Einschlusses in meinem Schlafzimmer in Berlin geschrieben und aufgenommen. Es war ein Experiment der Zusammenarbeit auf Distanz. Ich bat Freunde und Familie, mir ihre Erfahrungen mit der Isolation mitzuteilen, und verwendete dann ihre Worte, Klänge und aufgezeichneten Gespräche als Ausgangspunkt für Songs. Es war ein Versuch, eine intime Verbindung herzustellen, wenn physische Nähe nicht möglich war - ein kollektives Mittel, um einen bestimmten Moment zu verarbeiten und zu dokumentieren.“

Die Musik auf „A Human Home“ spiegelt die Situation der Isolierung sehr gut wider. Man hört atmosphärisch dichte Klangwelten, die nicht zuletzt auch durch die wandlungsfähige Stimme der Lucy Kruger changiert werden. Manchmal singt die Musikerin sanft und gefühlvoll, dann wieder hört man eher flüsternden Sprechgesang, der eine bestimmte Situation zu umschreiben versucht. Das alles klingt sehr intim und an mancher Stelle gar experimentell – dabei jedoch immer packend und intensiv.

Es sind nicht die schönen Melodien auf „A Human Home“ – auch wenn diese durchaus auch zu hören sind – es ist die Atmosphäre, die dieses ganze Album ausmacht und verströmt. Musik zum Herunterkommen, zum Träumen und Nachdenken, die man am liebsten auf seinem Lieblingsplatz ganz intensiv mit Kopfhörern hören möchte. Man lässt sich hier auf Lieder ein, die weit ab vom Mainstream funktionieren und das Gefühl der Isolation während der Pandemie sehr treffend transportieren.

Fazit: Dunkel und melancholisch erklingt die Musik von Lucy Kruger auf „A Human Home“ – dazu sehr intensiv. Nicht-radiotaugliche Musik kann so wunderbar packend erklingen und einen beim Hören ganz fest in den Bann ziehen. Lucy Kruger beweist dies eindrucksvoll auf „A Human Home“. Sehr hörenswert. 11 Punkte.

Anspieltipps: Virtual Muse



Donnerstag, 16. Januar 2025

Pure Reason Revolution – Coming Up To Consciousness

 



Pure Reason Revolution – Coming Up To Consciousness


Besetzung:

Jon Courtney – vocals, guitar, keys, piano, programming
Greg Jong – vocals, instruments
Annicke Shireen – vocals
Ravi Kesavaram – drums
Guy Pratt – bass


Gastmusiker:

Bruce Soord – additional guitars
Lewin Krumpschmid – addional rhodes, piano, hammond
Jon Sykes – bass




Erscheinungsjahr: 2024


Stil: Rock, ArtRock


Trackliste:

1. Dig Till You Die (5:08)
2. Betrayal (4:28)
3. The Gallows (4:35)
4. Useless Animal (4:17)
5. Worship (5:13)
6. Bend the Earth (6:36)
7. Lifeless Creature (6:47)
8. As We Disappear (4:49)

Gesamtspieldauer: 41:56



Nachdem Pure Reason Revolution wieder zusammengefunden haben, erscheint seit 2020 in schöner Regelmäßigkeit alle zwei Jahre ein neues Album. „Coming Up To Consciousness“ heißt das inzwischen bereits sechste Album der Briten und erschien am 6. September auf dem Plattenlabel InsideOut Music.

Beim Einspielen des Albums hatten Jon Courtney diesmal tatkräftige Unterstützung. Guy Pratt, Live-Musiker bei vielen Pink Floyd Konzerten, spielt bei sieben Liedern den Bass, einmal übernimmt diesen Jon Sykes, den man von Pineapple Thief kennt. Und dann ist da natürlich auch noch Bruce Soord, Mastermind von Pineapple Thief, der an der Gitarre zu hören ist und das Album auch abmischte.

Die Musik auf „Coming Up To Consciousness“ knüpft stilistisch an die beiden Vorgänger „Eupnea“ und „Above Cirrus“ an. Man hört auch auf diesem neuen Werk sehr abwechslungsreiche Musik, weit ab vom Mainstream, die mit den Atmosphären spielt und zu keiner Zeit langweilig klingt. Das Spiel mit „laut und leise“, rockend oder sphärisch hat Jon Courtney schon immer verstanden und dieses Mal einmal mehr sehr überzeugend und hörenswert umgesetzt.

Die acht Nummern gehen allesamt ins Ohr und wirken bereits beim ersten Mal des Hörens. Mit jedem weiteren Durchlauf erschließen sich freilich weitere Nuancen, die man so vorher noch nicht entdeckt hatte. Das Album läuft ins sich geschlossen durch, die Melodien und mehrstimmigen Harmoniegesänge fesseln und begeistern. Mit knapp 42 Minuten Spielzeit ist „Coming Up To Consciousness“ zwar nicht zu üppig ausgefallen, doch diese knappe Dreiviertelstunde Musik hat es wahrlich in sich und weiß zu begeistern.

Fazit: Auch mit dem dritten Album nach der Wiederauferstehung von Pure Reason Revolution weiß die Band zu überzeugen. Intelligenten und abwechslungsreichen Rock, der jederzeit ins Ohr geht, gibt es auf dem Album zu hören. Wer tolle Melodien weit ab vom Mainstream mag, die oder der dürfte auf „Coming Up To Consciousness“ viel Positives für sich entdecken können. Elf Punkte.

Anspieltipps: Lifeless Creature, As We Disappear



Dienstag, 14. Januar 2025

Charlie Risso – Alive

 



Charlie Risso – Alive


Besetzung:

Charlie Risso – vocals


Gastmusiker:

Robin Manzini – bass, guitar, keyboards
Roberto Dellera – bass
Hugo Race – guitar, vocals
Simone Sandrucci – guitar
Nicola Barrotti – keyboards
Davide Zalatti – drums
Matteo Sadini – drums
Rachid Boulhabla – drums


Label: T3 Records


Erscheinungsjahr: 2024


Stil: Indie Pop, Folk


Trackliste:

1. Alive (4:11)
2. The Wolf (3:15)
3. Railroad (3:43)
4. Bring Me To Life (3:39)
5. The Bench (3:03)
6. By The Lake (4:41)
7. Burning The Ashes (2:41)
8. Good Track (2:42)
9. Keep The Distance (4:23)
10. Time (4:51)

Gesamtspieldauer: 37:09



Charlie Risso ist eine aus Genua stammende Musikerin, die mit „Alive“ am 26. April 2024 auf dem Plattenlabel T3 Records ihr drittes Studioalbum veröffentlichte.

Auf „Alive“ hört man verträumten Independent Pop, der von der eindringlichen Stimme der Charlie Risso getragen wird. An mancher Stelle glaubt man dabei gar einem ruhigen Lana Del Rey Titel zu lauschen ohne, dass Charlie Risso die US-amerikanische Musikerin zu kopieren versucht. Die Musik der Italienerin bleibt jederzeit eigenständig, die stilistische Ausrichtung ähnelt mitunter.

Die einzelnen Titel fließen sanft aus den Boxen und verströmen eine gewisse Wärme und Melancholie. Die Musik geht sofort ins Ohr, erklingt einnehmend und jederzeit melodiös. Dabei erzählen die englischsprachigen Texte kurze Geschichten, die mitzuhören lohnen. Und wenn schließlich die märchenhafte Erzählung, wie beim wunderschönen „The Wolf“, auch noch mit Hugo Race im Duett eingesungen wird, dann entsteht ein ganz spezielles Flair, von dem man hofft, dass es so schnell nicht verfliegen möge.

„Alive“ ist insgesamt ein sanftes, jedoch durchaus abwechslungsreiches Album geworden. Die Atmosphäre steigt bei manchem Titel an, zieht sich anschließend wieder zurück, um erneut anzuwachsen. Stimmungen wechseln und immer wieder gibt es neue, schöne Melodien zu erforschen, die sich dann auch länger im Ohr festzusetzen verstehen.

Fazit: Manches Mal klingt Musik einfach „schön“ und lässt sich mit diesem Wort auch am besten beschreiben. Im Falle von „Alive“ der Musikerin Charlie Risso trifft dies absolut zu. Wer also auf die eher sanften Töne in der Musik steht, wunderschöne Melodien liebt, schönen Geschichten lauscht, die oder der wird viel Freude beim Hören von „Alive“ empfinden. Zehn Punkte.

Anspieltipps: The Wolf