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Mittwoch, 9. Mai 2018

Mary Gauthier – Rifles & Rosary Beads




Mary Gauthier – Rifles & Rosary Beads


Label: Thirty Tigers


Erscheinungsdatum: 2018


Stil: Folk, Country, Americana


Trackliste:

1. Soldiering On (5:32)
2. Got Your Six (2:38)
3. The War After the War (3:44)
4. Still On The Ride (5:03)
5. Bullet Holes In The Sky (4:46)
6. Brothers (2:50)
7. Rifles And Rosary Beads (3:37)
8. Morphine 1-2 (4:04)
9. It's Her Love (4:18)
10. Iraq (4:18)
11. Stronger Together (3:41)

Gesamtspieldauer: 44:31




Amerika braucht in diesen Tagen eine Folk-Musikerin und -Sängerin wie Mary Gauthier. Am gestrigen Mittwoch war Gauthier zu Gast in Berkeley, im legendären „Freight & Salvage Coffeehouse“. Es war ein Heimspiel für die „linke Lesbe“, wie sie sich selbst bezeichnete. Mary Gauthier präsentierte vor allem ihre neue Platte „Rifles & Rosary Beads“, ein Album, das sie gemeinsam mit US Veteranen und ihren Angehörigen geschrieben hat.

Die Lieder auf dieser Platte sind nahegehend, denn sie beschreiben ein Kapitel der amerikanischen Gesellschaft, das nur zu gerne übersehen wird. Soldatinnen und Soldaten, die nach Kriegen heimkommen, ihren Platz finden müssen, das aufarbeiten, was sie erlebt haben. Es geht in den Songs um Leere, um Schuld und auch um sexuellen Missbrauch von Soldatinnen im Einsatz. „Wir warten noch immer auf die #metoo Kampagne von Soldatinnen“, meinte Mary Gauthier in Berkeley. Was diese Lieder auf „Rifles & Rosary Beads“ so beeindruckend, gefühlvoll, zärtlich und bewegend macht sind die einfachen Worte und Beschreibungen. Das Album ist nicht politisch und doch so direkt. Es ist eine Anklage, einfach durch die Ereignisse, die Erinnerungen, die Denkanstöße, die hier beschrieben werden. Da sind Frauen von zurückkehrenden Soldaten, die ihre eigenen vier Wände als „Minenfeld“ beschreiben. Ihnen wird nicht gedankt, sie erhalten keine Orden, doch auch sie sind von den Kriegen ihrer, zumeist, Männer tief verwundet.

Mary Gauthier ist eine außergewöhnliche Folkmusikerin, die sich in der Tradition von Woody Guthrie sieht. Sie erzählt Geschichten, sie findet den richtigen Ton. Zum Schluß des Konzertes das Lied Guthries, das mehr ist als nur eine inoffizielle amerikanische Hymne: This land is your land, this land is my land. Mary Gauthier muss nicht von der Bühne und auf ihren Platten agitieren, sie hält den Amerikanern einfach einen Spiegel vor. Das ist mutig, das ist wichtig, genau das braucht Amerika in diesen Zeiten mehr denn je.



Freitag, 18. Juli 2014

Mary Gauthier – Trouble & Love





Mary Gauthier – Trouble & Love

Mehr durch Zufall stieß ich vor einigen Jahren auf Mary Gauthier (Go-Schee). In einem Plattenladen fand ich in einer Ramschkiste eine ihrer CDs und da ich jemanden kenne, der "Gauthier" hieß, dachte ich, ich nehme das Album mal mit. Gefunden habe ich eine Sängerin und Musikerin, die sehr persönliche Lieder schreibt, die ihr turbulentes Leben musikalisch verarbeitet, die auf der Suche nach Sinn, Inhalt, ja, Halt ist.

Als Mary Gauthiers Album "Mercy Now" erschien, war ich zutiefst beeindruckt. Eine Platte der Extraklasse. Der Titelsong und "Falling out of love" sind wunderschöne Lieder, die man einfach hören, genießen, wirken lassen muß.

Und nun legt Mary Gauthier ihr neuestes Album vor; "Trouble & Love". Es ist erneut eine sehr persönliche Platte, ganz schlicht, leise, behutsam. Mary Gauthier singt mit ihrem Akzent des amerikanischen Südens. Sie öffnet ihr Herz, läßt den Hörer teilhaben an ihrem Lebensweg. Es ist Country, es ist Folk, es ist zärtliche Musik. Gauthier bekennt sich zu ihren musikalischen Wurzeln, gesteht immer wieder ein, dass Musik für sie ein Weg der Verarbeitung ist. Hier geht sie auf, es ist ein Akt der Offenbarung. Sie macht sich angreifbar, zeigt ihre Verletzlichkeiten, ihre Narben. Und dennoch hat man als Hörer das Gefühl, dass hier eine starke Frau singt. Ehrlich, kraftvoll, überzeugt.

"Trouble & Love" ist ein wunderschönes Country Album fernab der meist belanglos, langweiligen Charts. Country hat in Deutschland einen schlechten Ruf. Man denkt da an fahenschwingende Patrioten in Pick up Cars, Wrangler Jeans und Cowboyhut. Doch Country drückt einen Teil der USA aus, wie es kein anderes Genre schafft. Es erzählt von den Weiten des Landes, den Hoffnungen, den Träumen. Doch auch von Verlusten, dem Scheitern, dem Abgesang auf den American Dream. Country Musik ist oftmals politisch und das nicht nur, wie fälschlicherweise gedacht wird, im pro-amerikanischen Sinne.

All das zeigt Mary Gauthier in ihrer Musik. Sie singt von ihren Problemen als Alkoholikerin, von ihrer langjährigen Suche als Findelkind nach Liebe und Nähe, von den Schmerzen persönlicher Erfahrungen und Verluste, sie fordert ein bißchen "Mercy Now" für Amerika.

Zehn Jahre lang habe ich viel Country und Folk Musik für das Inflight Radio Programm der Lufthansa durchgehört. Mary Gauthier ist eine dieser Musikerinnen, die mich irgendwie erwischt hat, die mir Country nahe gebracht, die mich zu einem Country Fan gemacht hat. Und nein, ich höre noch immer kein Truck Stop und auch keine Country Charts. Es ist vielmehr genau diese Musik, die Gauthier auf ihrer Platte "Trouble & Love" präsentiert. Musik, die handgemacht ist, die Lebensgeschichten erzählt, die sich zu den reichen Wurzeln des Country bekennt. Die eine verletzliche Musikerin zeigt, die genau dadurch auch mich als Hörer anspricht, zum Nachdenken bringt, mich emotional erreicht. "Trouble & Love" ist ein amerikanisches Album, eine Platte, die man 2014 unbedingt hören sollte, um Amerika in diesen stürmischen Zeiten auch mal anders zu erleben.



"Another Train" ist aus Mary Gauthiers neuem Album "Trouble & Love":





"Falling out of love" ist eines meiner Lieblingslieder, und das nicht nur von Mary Gauthier: