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Sonntag, 23. Oktober 2022

Jean-Michel Jarre – Oximore

 



Jean-Michel Jarre – Oximore


Besetzung:

Jean-Michelle Jarre – synthesizers




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

1. Agora (1:34)
2. Oxymore (4:46)
3. Neon Lips (4:27)
4. Sonic Land (6:01)
5. Animal Genesis (5:46)
6. Synthy Sisters (3:21)
7. Sex In The Machine (5:46)
8. Zeitgeist (3:07)
9. Crystal Garden (4:09)
10. Brutalism (4:41)
11. Epica (5:25)

Gesamtspieldauer: 49:03



„Oxymore“ heißt 22. Studioalbum des französischen Musikers Jean-Michel Jarre. Es erschien am 21. Oktober auf dem Plattenlabel Columbia Records und ist dem im Jahr 2017 verstorbenen französischen Komponisten Pierre Henry gewidmet. Gleichzeitig entstand die Idee zum Album laut Aussage Jean-Michel Jarres aus seiner Begeisterung für Virtual Reality. Dabei fiel ihm auf, wenn über immersive Welten gesprochen wird, meist nur die visuellen Aspekte im Vordergrund stehen, selten geht es um den Klang. Daher sollte „Oxymore“ ein Album werden, welches ein 360-Grad-Klangerlebnis erzeugt. Die Musik stammt von Jean-Michel Jarre, einige Sounds von Pierre Henry wurden jedoch mit in die Musik integriert.

Nun, falls jemand ein neues „Oxygène“ erwartet hätte, was bei dem Namen des Albums durchaus möglich wäre, die oder der dürfte beim Hören von „Oxymore“ leider enttäuscht werden. Gleich mit dem Eröffnungsstück „Agora“ wird man auf das Album eingestimmt. Es beginnt mit Feuerprasseln gefolgt von Sprachfetzen, die wohl von Pierre Henry stammen. Musik im eigentlichen Sinne ist hier noch nicht zu hören. Diese gibt es dann in elektronischer Form mit dem zweiten Lied, dem Titellied zu hören. Jedoch ist es auch dieses Mal keine wirkliche Melodie, die das Ohr umschwirrt, es sind Töne, Geräusche, die sich mal kurz zu Harmonien vereinen, dann jedoch erneut auseinanderzudriften scheinen. Somit bekommt man auf „Oxymore“ eher experimentelle Klangkollagen geboten, die mit Gesprächsfetzen unterfüttert wurden, denn elektronische Lieder, wie man sie von früheren Veröffentlichungen des Jean-Michel Jarre her kennt. Eingängig klingt das selten, spannend mitunter, mitreißend leider kaum.

Am Ende des Albums, nach dem Ausklingen des letzten Tons, bleibt man ein wenig sprachlos bis orientierungslos zurück. Welche „Reise“ hatte man da gerade angetreten? Nun mit jedem erneuten Durchlauf des Albums gestalten sich die einzelnen Titel dann doch noch ein wenig eingängiger und werden vertrauter. Zu empfehlen ist auch das Hören des Albums mit guten Kopfhörern. Ein klangliches Erlebnis ist das durchaus. Doch bleibt die Musik meilenweit von jener auf „Oxygène“ oder „Équinoxe“ entfernt.

Fazit: Wer Jean-Michel Jarre aufgrund seiner ersten Alben liebt und diese Musik schätzt, könnte von „Oxymore“ durchaus enttäuscht werden. „Oxymore“ ist eher ein klangliches Experiment. Intensiv durchaus, doch leider nicht immer überzeugend. Allerdings wächst die Scheibe mit den Durchläufen. Aber ob sie mal zur besten Platte des Jean-Michel Jarres wird? Kaum. Acht Punkte.

Anspieltipps: Brutalism



Samstag, 5. Dezember 2020

Jean-Michel Jarre – Waiting For Cousteau




Jean-Michel Jarre – Waiting For Cousteau


Besetzung:

Jean-Michel Jarre – keyboards


Gastmusiker:

The Amoco Renegades – steel drums
Guy Delacroix – bass
Christophe Deschamps – drums
Michel Geiss – keyboards
Dominique Perrier – keyboards


Label: Disques Dreyfus


Erscheinungsjahr: 1990


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

1. Calypso Part 1 (8:22)
2. Calypso Part 2 (7:11)
3. Calypso Part 3 (6:22)
4. Waiting For Cousteau (46:46)

Gesamtspieldauer: 1:08:43




„Waiting For Cousteau“ heißt das zehnte Studioalbum des französischen Elektronik-Musikers und Komponisten Jean-Michel Jarre. Es wurde am 11. Juni 1990 erneut auf Disques Dreyfus veröffentlicht, wie bereits die Platten zuvor. Gewidmet ist die Scheibe – nicht überraschend – Jacques-Yves Cousteau und wurde deswegen auch am Tag seines 80. Geburtstages 1990 veröffentlicht.

Was kann man Positives über diese Platte berichten? Nicht viel. Die erste Nummer „Calypso Part 1“ ist ein fast schon mit unsäglich und hektisch zu beschreibendes Pop-Liedchen, welches mit Calypso-Klängen im Disco-Stil für die Hörerin beziehungsweise den Hörer aufwartet. Mit „Calypso Part 2“ geht jegliche Hektik zunächst verloren. Glücklicherweise. Das Lied bewegt sich zunächst im Bereich der Ambient-Hintergrundmusik. Doch dann schwappen die Töne doch wieder hektisch und gleichzeitig überaus langweilig aus den Boxen. Die Calypso-Klänge werden nun allerdings lediglich etwas angedeutet, sind jedoch noch zu vernehmen.

„Calypso Part 3“ klingt nun wiederum sogar ein wenig hymnisch. Das Lied ist endlich mal eine ziemlich unaufgeregte Nummer, die sich langsam steigert und zudem über eine ganz nette Melodie verfügt. Für mich das einzig akzeptable Lied des ganzen Albums. Die Krönung der Scheibe folgt nämlich mit dem Titellied selbst, welches über eine Dreiviertelstunde aus den Lautsprechern rinnt. Platte und Kassette, in welcher Form das Album ursprünglich auch veröffentlicht wurde, enthalten eine zweiundzwanzigminütige Version des Stücks. Das Lied ist eine reine Ambient-Nummer, auf der über die ganze besagte Zeit rein gar nichts passiert. Solche Musik passt gut in Meditationszentren, Fußmassagepraxen oder in Escape Rooms, wenn dort Geister das Thema sind. Bei diesen Tönen kann man bestens entspannen, doch begeistern können solche Laute nicht. Es sind und bleiben Hintergrundgeräusche.

Fazit: „Calypso Part 1“ warf mich bereits aus der Bahn, „Calypso Part 2“ malträtierte weiter meine Ohren, „Calypso Part 3“ sorgte für Entspannung und spätestens bei „Waiting For Cousteau“ glaubt man irgendwann das weiße Licht am Ende des Tunnels erreicht zu haben. Und dabei kreiselt das ganze Album „Waiting For Cousteau“ irgendwo zwischen schlecht, langweilig und belanglos. Hm, was wähle ich nur davon? Vier Punkte.

Anspieltipps: Calypso Part 3



Freitag, 3. Juli 2020

Jean-Michel Jarre – Revolutions




Jean-Michel Jarre – Revolutions


Besetzung:

Jean-Michel Jarre – synclavier, roland d-50, korg dss-1, korg dsm-1, fairlight cmi, synthex, ems synthi aks, osc oscar, ems vocoder, dynacord add-one, cristal baschet, akai mpc60, drum programming, percussions, vocoder on "Revolutions"


Gastmusiker:

Guy Delacroix – bass guitar
Sylvain Durand – fairlight cmi on "London Kid"
Kudsi Erguner – turkish flute
Michel Geiss – arp 2600, kawai k5, matrisequencer, cavagnolo midy 20, elka amk 800, vocoder on "Revolutions"
Joe Hammer – drums, simmons, sdx, dynacord add-one
Patrice Tison – guitar
Hank Marvin – guitar on "London Kid"
Jun Miyake – trumpet and megaphone on "Tokyo Kid"
Dominique Perrier – e-mu emulator, fairlight cmi, ensoniq esq-1, roland d-50, elka synthex, osc oscar, akai mpc 60 programming
Mireille Pombo – vocal chorus on "September"
Francis Rimbert – additional synthesizer programming
The Bruno Rossignol Choir, directed by Bruno Rossignol – choir on "Industrial Revolution", "London Kid" and "The Emigrant"
Female choir from Mali, directed by Sori Bamba – choir on "September"


Label: Disques Dreyfus


Erscheinungsjahr: 1988


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

1. Industrial Revolution (16:48)
1. Overture (5:10)
2. Part 1 (5:09)
3. Part 2 (2:17)
4. Part 3 (4:12)
2. London Kid (4:26)
3. Revolution, Revolutions (4:56)
4. Tokyo Kid (5:21)
5. Computer Weekend (4:41)
6. September (4:04)
7. L‘Emigrant (3:56)

Gesamtspieldauer: 44:16



„Revolutions“ ist das bereits neunte Studioalbum des französischen Musikers und Komponisten Jean-Michel Jarre. Es erschien im August 1988 erneut auf dem Plattenlabel Disques Dreyfus, genau wie die vorherigen Veröffentlichungen des Franzosen. Das Album klingt etwas abwechslungsreicher als der Vorgänger, dabei auch poppiger und manches Mal rockiger. Die Lieder sind größtenteils leichter zugänglich, von daher ist es nicht weiter verwunderlich, dass das Album sogar bis auf Platz 2 der britischen Charts kletterte.

Trotzdem hinterlässt die Scheibe einen eher zwiespältigen Gesamteindruck. Ist das erste Lied des Albums noch sehr abwechslungsreich und gelungen, so scheinen Jean-Michel Jarre im weiteren Verlauf des Albums etwas die Ideen ausgegangen zu sein. Das Ganze klingt mit der Zeit immer zäher und langweiliger und schließlich läuft die Musik aus und man fragt sich, ob da überhaupt etwas Wichtiges oder Schönes oder Besonderes zu hören war. Die Antwort auf diese Frage wird häufig ein „Nein“ sein.

Also allgemeine „Langeweile“? Das stimmt allerdings nur bedingt für die erste und längste Nummer des Albums. „Industrial Revolution“ ist eine kleine, elektronisch musikalische Reise, die sehr abwechslungsreich mal dunkler, härter und kälter klingt, dann wieder mit schönen und deutlich wärmeren Melodien aufwartet. Wenn dann auch noch der Der Bruno Rossignol Choir im Teil 2 erklingt, erspürt man neben einem vorhandenen Bombast auch eine gewisse Erhabenheit.

Im Anschluss an dieses Lied wird es poppiger. Seichte Pop-Nummern, ohne Gesang sind da nun zu hören. „London Kid“ klingt für mich fast nach Deutschem Schlager, „Revolution, Revolutions“ hört sich zunächst etwas orientalisch an, schafft es jedoch nicht zu berühren. „Tokyo Kid“ hält immerhin einen etwas experimentelleren Ansatz für Hörerin und Hörer bereit und gehört für mich neben dem Opener zu den besseren Liedern auf „Revolutions“. „Computer Weekend“ und „September“ sind Fehlgriffe. Letztgenanntes Lied klingt dabei fröhlich, obwohl es der südafrikanischen ANC-Aktivistin Dulcie September gewidmet ist, die am 29. März 1988 in Paris ermordet wurde. Wie immer dies auch zusammenpassen mag. Zum Abschluss versöhnt die Platte nochmals ein wenig mit dem etwas schwelgerischen und sehnsüchtigen Titel „L‘Emigrant“. Trotzdem bedeutet dies leider nicht, dass diese Nummer zu den guten des Jean-Michel Jarre gehört.

Fazit: Im Grunde genommen ist „Revolutions“ ein Album geworden, welches keinerlei Spuren hinterlässt. Nichts auf dem Album ragt großartig hervor, nichts bleibt im Ohr, nachdem der letzte Ton verklungen ist. Für Freunde elektronischer Musik ganz bestimmt ganz nett, doch auch diese werden in diesem Album kaum ihre Lieblingsplatte finden. Leider höchstens noch Durchschnitt. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Industrial Revolution



Mittwoch, 3. Juni 2020

Jean-Michel Jarre – Rendez-Vous




Jean-Michel Jarre – Rendez-Vous


Besetzung:

Jean-Michel Jarre – seiko ds-250, elka synthex, moog synthesizer, roland jx 8p, fairlight cmi, e-mu emulator II, eminent 310u, ems synthi aks, laser harp, rmi harmonic synthesizer, oberheim ob-x, yamaha dx100, matrisequencer, roland tr-808, linn 9000, sequential circuits prophet-5, casio cz 5000, arp 2600


Gastmusiker:

Michel Geiss – arp 2600, eminent bv, matrisequencer, roland tr-808
Dominique Perrier – memorymoog
Joe Hammer – e-mu drumulator, percussions
David Jarre – baby korg personal keyboard on "Fifth Rendez-Vous (Part II)"
Pierre Gossez – saxophone on "Last Rendez-Vous (Ron's Piece)"
The choir of Radio France, directed by Sylvain Durand – vocals on "Second Rendez-Vous"


Label: Disques Dreyfus


Erscheinungsjahr: 1986


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

1. Rendez-Vous 1 (2:54)
2. Rendez-Vous 2 (10:54)
3. Rendez-Vous 3 (3:33)
4. Rendez-Vous 4 (3:58)
5. Rendez-Vous 5 (7:41)
6. Last Rendez-Vous (Ron‘s Piece) (6:02)

Gesamtspieldauer: 35:05



„Rendez-Vous“ heißt das achte Studioalbum des elektronischen Musikers und Komponisten Jean-Michel Jarre. Es erschien am 5. April 1986 erneut auf dem Plattenlabel Disques Dreyfus, auf dem auch die bisherigen Alben des Franzosen erschienen waren. „Rendez-Vous“ verkaufte sich weltweit rund drei Millionen Mal und lief sogar in den USA sehr erfolgreich, was sicherlich nicht zuletzt am letzten Stück der Platte liegt. Doch dazu später mehr.

Auf „Rendez-Vous“ hört man Jean-Michel wieder deutlich zurückhaltender, irgendwie introvertierter. Die Musik klingt sanft, zumeist sogar ein wenig traurig bis sehr melancholisch. Eine Ausnahme stellt hier das „vierte Rendez-Vous“ dar. Eine poppige, eher fröhliche Nummer, die sogar ganz gut ins Ohr geht, trotzdem zum einen nicht typisch für dieses Album ist, zum anderen auch nicht deren Höhepunkt darstellt.

Diese finden sich sehr viel eher in den dunklen Klängen auf „Rendez-Vous“. Da ist gleich der Opener. Schwermütig, dumpf, fast schon bedrohlich wirkend. Die Atmosphäre wird nun aufgehellt mit „Rendez-Vous 2“. Ein Lied, welches sehr viel voller klingt, an manchen Stellen fast schon ein wenig bombastisch rüberkommt und sich laufend wandelt. Das Lied steigert sich zum Ende hin nochmals und mündet in einen imposanten Chor-Part, der Erinnerungen an Philip Glass‘ „Koyaanisqatsi“ aufkommen lässt. „Rendez-Vous 5“ könnte bis etwa zur Mitte auch auf „Oxygene“ oder „Equinoxe“ vertreten sein. Schließlich wird die Nummer sphärischer und geht anschließend in einen Teil über, den man von Jean-Michel Jarre sonst eher selten zu hören bekommt. Wirrer wird es, experimenteller, schneller, undurchdringlicher.

Schließlich sollte an dieser Stelle auch noch das letzte Lied auf „Rendez-Vous“ Erwähnung finden. „Last Rendez-Vous (Ron‘s Piece)“ sollte ursprünglich einen Saxophonpart enthalten, der vom Astronauten Ron McNair im Space Shuttle Challenger während einer Erdumrundung eingespielt werden sollte. Dies hätte das Lied zum ersten Titel gemacht, welcher im Weltraum aufgenommen worden wäre. Doch am 28. Januar 1986 explodierte die Challenger wenige Sekunden nach dem Start und riss alle sieben Besatzungsmitglieder in den Tod. Eben auch jenen Ron McNair. Das Stück ist McNair und den anderen Astronauten an Bord der Challenger gewidmet. Auf dem Album wird der Saxophonpart nun vom Saxophonisten Pierre Gossez gespielt. Das Lied ist angefüllt mit Melancholie und selbst das Saxophon klingt wehmütig. Dieses Unglück in Verbindung zu diesem Lied trug wohl nicht zuletzt mit zum Erfolg des Albums in den USA bei.

Fazit: „Rendez-Vous“ ist ein sehr unaufgeregtes Album geworden. Von der Stimmung her kaum mehr zu vergleichen mit „Oxygene“, „Equinoxe“, „Magnetic Fields“ oder auch „Zoolook“. Es ist ein Album, welches seine Stärke aus der hier ausgestrahlten Ruhe zieht. Sicherlich nicht das beste Album des französischen Musikers Jean-Michel Jarre – aber beileibe auch keine schlechte Platte. Acht Punkte.

Anspieltipps: Last Rendez-Vous (Ron‘s Piece)



Sonntag, 3. Mai 2020

Jean-Michel Jarre – Zoolook




Jean-Michel Jarre – Zoolook


Besetzung:

Jean Michel Jarre – keyboards, electronic devices, fairlight cmi


Gastmusiker:

Laurie Anderson – vocals ("Diva")
Adrian Belew – guitars, effects
Yogi Horton – drums
Marcus Miller – bass guitar
Frederick Rousseau – additional keyboards
Ira Siegel – additional guitars


Label: Disques Dreyfus


Erscheinungsjahr: 1984


Stil: Elektronische Musik


Trackliste (Vierte Edition, 2015):

1. Ethnicolor (11:48)
2. Diva (7:22)
3. Zoolook (3:52)
4. Wooloomooloo (3:18)
5. Zoolookologie (4:21)
6. Blah Blah Cafe (3:21)
7. Ethnicolor II (3:52)

Gesamtspieldauer: 37:56



„Zoolook“ heißt das bereits siebte Studioalbum des französischen Elektronik-Musikers und Komponisten Jean-Michel Jarre. Das Album erschien im November 1984 auf dem Plattenlabel Disques Dreyfus. Auf „Zoolook“ hört man eine Verschmelzung von elektronischer Musik, Sampling und eher traditionellen Rockinstrumenten – wobei der Schwerpunkt sehr stark auf dem elektronischen Aspekt liegt. 1984, 1985, 1997 und 2015 erschien das Album in unterschiedlichen Editionen. Diese unterscheiden sich in der Anordnung der Titel voneinander sowie dadurch, dass einzelne Lieder neu remastert wurden oder gleich in einer neuen Version eingespielt worden sind. Zu groß sind die Unterschiede zwischen der ersten und letzten Version, die ich kenne, allerdings nicht.

Für eine Jean-Michel Jarre Platte ist auf dem Album sehr viel „Sprache“ zu hören. Diese allerdings eher unzusammenhängend und in 25 verschiedenen Sprachen. Zudem hatte der französische Musiker mit Laurie Anderson und Adrian Belew zwei namhafte Musiker für sein neues Projekt gewinnen können. Laurie Anderson ist beim Gesang auf „Diva“ zu hören, Adrian Belew steuert die Gitarre und weitere Effekte bei. Laurie Anderson klingt zumindest in der ersten Hälfte ihrer Performance auf „Diva“ so, als ob dieses Lied auch auf ihrem Debut „Big Science“ oder dem Nachfolger „Mister Heartbreak“ hätte enthalten sein können. Diese erschienen im Jahr 1982 und 1984, was somit wohl auch der zeitlichen Nähe der Veröffentlichungen geschuldet sein dürfte.

Die Musik selbst ist wohl ebenso dem damaligen Zeitgeist geschuldet. Viele Samples, elektronische Geräusche, Klang-Fetzen, Stimmen, mal verändert, mal eher im Ursprung erhalten. Manchmal scheint es so, als ob jeder Effekt, den es den diversen Synthesizern zu entlocken gibt, auch noch untergebracht werden musste. So klingt es spätestens ab Titel 4, „Wooloomooloo“, deutlich langweiliger nach etwas uninspirierter Computer-Musik, der noch ein wenig Pop beigemischt wurde. Alles irgendwie leer und leblos.

Doch gilt dies nicht für den Beginn der Scheibe. Das bereits erwähnte „Diva“ verschmelzt ein wenig die Stile der Laurie Anderson und jenem von Jean-Michel Jarre. Klingt auf seine Art durchaus gelungen. Besonders hörenswert ist allerdings der Titel „Ethnicolor“, das erste Lied der Platte und glücklicherweise auch der längste Track des Albums. Das Stück klingt nicht nur sehr eingängig, sondern auch spannend und abwechslungsreich. Es entwickelt sich, unterzieht sich einigen Wendungen und hier klingen nun die diversen Sprachfetzen bestens eingesetzt. Die Musik ist hier atmosphärisch dicht und hört sich gerade zu Beginn ein klein wenig „verwunschen“ an. Neben den bekannten Titeln auf „Oxygene“ und „Equinoxe“ für mich eine der besten Nummern des französischen Musikers.

Fazit: „Zoolook“ kann zu Beginn sehr gut überzeugen, dann gleitet das Album leider etwas in die Belanglosigkeit ab. Doch dieser Anfang, vor allem mit dem tollen „Ethnicolor“, entschädigt für die Langeweile am Ende und macht „Zoolook“ damit doch noch zu einem hörenswerten Erlebnis. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Ethnicolor



Freitag, 22. Februar 2019

In Balance – 18




In Balance – 18


Besetzung:

Rossero Adrien
Alan Ellena
Hervé Guillemard


Label: Self Released


Erscheinungsjahr: 2019


Stil: Heavy Pop


Trackliste:

1. Paralyzed (3:30)
2. Come On (3:35)
3. The First (3:37)
4. Outerspace (3:17)
5. Love (2:57)
6. Lead The Way (4:39)
7. Jynx Maze (3:37)
8. Save Me (4:06)
9. Come With Us (3:49)
10. Load Of Dreams (4:43)

Gesamtspieldauer: 37:53



„18“ heißt das Album des französischen Trios In Balance aus Lyon. Am 22. Februar 2019 wird das Album veröffentlicht und enthält Musik, die wahrlich ins Ohr und in die Beine geht. Heavy Pop mit Ohrwurmpotenzial gibt es auf „18“ zu hören, der jederzeit abwechslungsreich klingt und auch länger nachhallt.

Vergleiche sind in der Musik immer schwierig, doch wenn man sich auf In Balance und ihr Werk „18“ einlässt, dann kommen zwangsläufig Assoziationen zu einer Band wie Muse und ihrer neuesten Platte „Simulation Theory“ auf. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass die Musik von In Balance in diesem Fall zumindest deutlich eingängiger und interessanter klingt. Diese Mischung aus elektronischem Pop und Alternative Rock hat was, wobei der Schwerpunkt der Musik durchaus im Pop angesiedelt ist. Dieser klingt kraftvoll und eingängig und ist jederzeit spannend und unterhaltend. Hinzu entwickelt sich diese Scheibe auch noch, wobei die Füße bereits beim ersten Mal des Hörens mitwippen werden.

Das Zuhören lohnt hier und es klingt auf „18“ auch nichts nach „Füllmaterial“. Anspieltipps und Höhepunkte der Platte sind für mich die Nummern „Jynx Maze“ und „Come With Us“. „Jynx Maze“ ist eine perfekte Synthese aus Pop und Rock, die ins Ohr geht und mitreißt. „Come With Us“ beginnt sphärisch, man glaubt schließlich ein Pop-Lied zu hören, bis die Nummer losrockt. Und nun beginnt erneut ein überaus gelungenes Wechselspiel aus poppigen und rockigen Zutaten, welches sich lohnt gehört zu werden.

Fazit: Heavy Pop bedeutet in Falle von In Balance und ihrem Album „18“ die überzeugende Synthese aus Pop und Rock. Die Musik auf „18“ klingt eingängig, poppig, rockig und niemals langweilig. Die Riffs können dabei durchaus mal härter aus den Boxen fliegen, die Melodie des Titels geht deswegen jedoch niemals verloren. Very britisch, liebe Franzosen. Acht Punkte.

Anspieltipps: Jynx Maze, Come With Us



Mittwoch, 13. Februar 2019

Yann Tiersen – Le Fabuleux Destin d’Amélie Poulain




Yann Tiersen – Le Fabuleux Destin d’Amélie Poulain


Besetzung:

Yann Tiersen – piano, toy piano, carillon, banjo, mandolin, guitar, harpsichord, vibraphone, accordion, bass, melodica


Gastmusiker:

Ensemble Orchestral Synaxis – orchestra on "Les Jours tristes" and "À quai"
Christine Ott – ondes Martenot on "À quai"
Christian Quermalet – drums on "Les Jours tristes"




Erscheinungsjahr: 2001


Stil: Moderne Klassik, Musette, Soundtrack


Trackliste:

1. J‘y suis jamais allé (1:34)
2. Les jours tristes (3:03)
3. La Valse d‘Amélie (2:15)
4. Comptine d‘un autre été: L‘après-midi (2:20)
5. La Noyée (2:03)
6. L‘Autre valse d‘Amélie (1:33)
7. Guilty (3:13)
8. À quai (3:32)
9. Le Moulin(4:27)
10. Pas si simple (1:52)
11. La Valse d‘Amélie (Orchestral Version) (2:00)
12. La Valse des vieux os (2:20)
13. La Dispute (4:15)
14. Si tu n‘étais pas là (3:29)
15. Soir de fête (2:55)
16. La Redécouverte (1:13)
17. Sur le fil (4:23)
18. Le Banquet (1:31)
19. La Valse d‘Amélie (Piano Version) (2:38)
20. La Valse des monstres (3:39)

Gesamtspieldauer: 54:24



„Le Fabuleux Destin d’Amélie Poulain“ heißt der Soundtrack zum gleichnamigen Kino-Film aus dem Jahr 2001 mit Audrey Tautou in der Hauptrolle als Amélie. Den Soundtrack zum Film schrieb der 1970 geborene französische Musiker und Komponist Yann Tiersen. Das Musik-Album wurde genau wie der Film selbst vor allen Dingen in Europa ein großer Erfolg und konnte sich dort in allen Chats platzieren.

Neben Orchestermusik hört man vor allen Dingen vom Akkordeon und dem Piano dominierte Lieder, denen allesamt eines gemein ist, sie gehen schnell ins Ohr. Melodiös und eingängig klingt es über die gesamte Laufzeit des Soundtracks hinweg. Meist ist die Musik dabei weich und warm, verströmt eine wunderbar friedliche Atmosphäre, in die sich mühelos eintauchen lässt. Erklingt das Akkordeon fühlt man sich in eine Gasse in Paris um den Montmartre versetzt. Steht das Piano im Vordergrund, schwelgen Hörerin und Hörer in eindringlichen und trotz aller Sanftheit auch packenden Klängen – Wohlklang pur.

Die Höhepunkte auf „Le Fabuleux Destin d’Amélie Poulain“ sind die Lieder „Les jours tristes“, „Comptine d‘un autre été: L‘après-midi“ sowie „À quai“. Vor allen Dingen das Piano-Solo-Stück „Comptine d‘un autre été: L‘après-midi“ besitzt diesen gewissen Wiedererkennungswert, die so manches Lied zu einem Ohrwurm werden lässt. Wunderschön eingängig stellt diese Nummer den Höhepunkt dieses Soundtracks dar, der darüber hinaus sehr angenehm in einem durchgehört werden kann, man kommt nie in Versuchung einen oder mehrere Titel überspringen zu müssen.

Fazit: Auf dem Soundtrack zum Film „Le Fabuleux Destin d’Amélie Poulain“ hört man hauptsächlich sehr sanfte und weiche Instrumentalmusik, die ins Ohr geht. Jeder Takt auf diesem Album scheint nachdenklich zu klingen. Obwohl der Film selbst ein eher fröhlicher ist, erklingt die Musik dazu oftmals in Moll. Dies lässt die Lieder sehr intensiv klingen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Les jours tristes, Comptine d‘un autre été: L‘après-midi, À quai



Freitag, 23. Februar 2018

Patricia Kaas – Je Te Dis Vous




Patricia Kaas – Je Te Dis Vous


Besetzung:

Patricia Kaas – vocals, background vocals


Gastmusiker:

Jess Bailey – piano, organ, synth, programmations
Mark Smith – bass
Jeremy Stacey – drum kit
Paul Stacey – electric and acoustic guitar
Martin Ditcham – percussion
Martin Green – saxophone
Steve Sidwell – trumpet
Mall Coleman – trombone
Bobby Valentino – violin
Gavyn Wright – alto violin
Roger Smith – cello
Paul Kegg – cello
Carole Rowley – background vocals
Mick Feat – background vocals
Guida de Palma – background vocals


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 1993


Stil: Pop


Trackliste:

1. Y'avait Tant D'Étoiles (1:54)
2. Hôtel Normandy (5:34)
3. Je Retiens Mon Souffle (4:37)
4. Ceux Qui N'Ont Rien (5:16)
5. Il Me Dit Que Je Suis Belle (5:21)
6. Space In My Heart (4:52)
7. La Liberté (4:05)
8. Fatiguée D'Attendre (4:32)
9. Jojo (3:21)
10. Je Te Dis Vous (3:43)
11. Reste Sur Moi (4:35)
12. Ganz Und Gar (4:47)
13. Out Of The Rain (4:34)
14. It's A Man's World (5:46)
15. Entrer Dans La Lumière (4:05)

Gesamtspieldauer: 1:07:10




„Je Te Dis Vous“ heißt das dritte Studioalbum der französischen Sängerin Patricia Kaas. Es erschien am 6. April 1993 auf dem Plattenlabel Columbia Records und wurde in Pete Townshends Eel Pie Studios in London von Robin Millar produziert, der bereits für Sade und die Fine Young Cannibals gearbeitet hatte. „Je Te Dis Vous“ stellt den bisher größten Erfolg der Französin dar und konnte sich sogar kurz in den deutschen Charts platzieren. Hauptsächlich verkaufte sich die Scheibe aber freilich in Frankreich.

Alles was aus Frankreich an Musik zu uns kommt, insbesondere wenn es sich dabei um eine Sängerin handelt, firmiert unter der Überschrift „Chanson“. Beim Anhören der Scheibe wird allerdings schnell klar, dass es sich bei der Musik von Patricia Kaas auf „Je Te Dis Vous“ keineswegs um Chansons handelt. Was man hier zu hören bekommt ist, Pop, den die Französin von anderen Künstlern covert oder der speziell für sie geschrieben wurde. Auf „Je Te Dis Vous“ befindet sich sogar ein Marius Müller-Westernhagen Cover mit dem Lied „Ganz Und Gar“. Es ist das erste Lied, welches die Französin in deutscher Sprache einsang. Ebenfalls bekannt ist die James Brown Nummer „It's A Man's World“, die hier in einer interessanten und gelungenen Interpretation zu hören ist.

Drei Lieder in Englisch, eines auf Deutsch, der Rest in französischer Sprache. Paricia Kaas wollte international klingen. Da sich diese Platte auch in den Ländern außerhalb Frankreichs verkaufte, ist das Vorhaben aufgegangen. Die Musik allerdings ist allerhöchstens mittelmäßiger Pop und zu allermeist klingt das Ganze furchtbar seicht, langweilig und belanglos. Höhepunkte auf dieser eher höhepunktarmen Platte sind die Titel „Jojo“, das Titellied „Je Te Dis Vous“, „Ganz Und Gar“ sowie „It's A Man's World“. Allerdings darf man sich auch von diesen Stücken nicht zu viel versprechen.

Fazit: Ein poppiges und sehr langweiliges Album ist „Je Te Dis Vous“ der französischen Sängerin Patricia Kaas geworden. Das Interessanteste auf der Platte ist fast schon, dass sie auch die englischsprachigen und deutschen Lieder fast ohne Akzent einsingt. Ansonsten läuft die Scheibe durch, nichts bleibt hängen. Pop können andere definitiv besser. Langweilig eben. Drei Punkte.

Anspieltipps: Jojo, Je Te Dis Vous, Ganz Und Gar, It's A Man's World



Mittwoch, 8. März 2017

Serge Gainsbourg – Du Jazz Dans Le Ravin




Serge Gainsbourg – Du Jazz Dans Le Ravin


Besetzung:

Ohne Angaben


Gastmusiker:

Ohne Angaben


Label: Mercury Records


Erscheinungsdatum: 1997


Stil: Französisches Chanson gepaart mit Jazz


Trackliste:

1. Angoisse (2:38)
2. Du Jazz Dans Le Ravin (2:11)
3. Requiem Pour Un Twisteur (2:39)
4. Chez Les Ye-Ye (3:20)
5. Black March (1:37)
6. Black Trombone (2:36)
7. Ce Mortel Ennui (2:56)
8. Générique (1:28)
9. Coco And Co (3:01)
10. Intoxicated Man (2:37)
11. Elaeudanla Teiteia (1:37)
12. Le Talkie Walkie (2:02)
13. Some Small Chance (1:58)
14. Quand Tu T'y Mets (1:46)
15. La Fille Au Rasoir (2:16)
16. Quand Mon 6,35 Me Fait Les Yeux Doux (1:53)
17. Fugue (1:06)
18. Machins Choses (3:17)
19. Negative Blues (1:31)
20. Wake Me At Five (2:44)

Gesamtspieldauer: 45:22




Ich bin der absolute Kunstbanause. Ich kann nämlich nichts mit einer der Ikonen des französischen Chansons, einem quasi Nationalhelden der Franzosen anfangen. Zumindest nicht, wenn dieser sich auch im Jazz versucht, was eine seiner musikalischen Lieblingsstilrichtungen war. Der Pianist war zunächst durchaus im Bereich des Jazz unterwegs und genau dieses Engagement soll die 1997 auf dem Label Mercury Records veröffentlichte Zusammenstellung „Du Jazz Dans Le Ravin“ widerspiegeln.

Die Aufnahmen stammen allesamt aus den Jahren 1958 bis 1964. Kompositeur und Texter ist dabei Serge Gainsbourg selbst, lediglich bei den Nummern „Angoisse“ und „Générique“ wurde er von Alain Goraguer unterstützt. Dies sind beides Instrumentalstücke, genau wie vier weitere Nummern auf diesem Kompilationsalbum. Beim Rest singt Serge Gainsbourg und dann wird es ganz schwierig. In meinen Ohren klingt das weder gelungen noch irgendwie empathisch, ich bin eben ein Kunstbanause. Melodien sind größtenteils nicht auszumachen, was allerdings beim Jazz auch nicht unbedingt erforderlich ist. Wenn dann jedoch ein zum Teil swingender Groove in Verbindung mit Chanson-Gesang erklingt, wirkt das eher aufgesetzt und absolut nicht mehr überzeugend.

Definitiv nicht meine Musik, da das Ganze irgendwie nervig klingt und dabei doch entspannt klingen soll. Es wirkt allerdings übertrieben entspannt. Nur ganz zum Schluss, mit dem letzten Stück, da hat mich Serge Gainsbourg auch eingefangen. Er singt nicht und „Wake Me At Five“ klingt gut. Aber dafür ein Album kaufen?

Fazit: Hörerinnen und Hörer, die mit dem Jazz-Gen in Verbindung mit einem Faible für das französische Chanson geboren wurden, werden hier ganz, ganz viel Spaß haben. Fehlt es an einem der beiden Zutaten, wird es unfassbar schwierig, dieser Scheibe etwas abzugewinnen. Dieses Gesäusel klingt manchmal nach Fahrstuhlmusik, dann wieder nach Hintergrundmusik in einem französischen Möbelhaus und schließlich einfach konstruiert. Schwierig. Zwei Punkte.

Anspieltipps: Wake Me At Five



Donnerstag, 7. Juli 2016

Magma – Ëmëhntëhtt-Ré




Magma – Ëmëhntëhtt-Ré


Besetzung:

Stella Vander – chant, chœurs, percussions (1-2-3-4-5)
Isabelle Feuillebois – chant, chœurs (1-2-3-4)
Hervé Aknin – chant, chœurs (1-2-3-4-5)
Benoit Alziary – vibraphone (1-2-3-4)
James Mac Gaw – guitare (1-2-3-4)
Bruno Ruder – fender rhodes (2-3-4)
Philippe Bussonnet – basse, basse piccolo (1-2-3-4-5)
Christian Vander – batterie, chant, piano, fender rhodes, clavier, percussions


Gastmusiker:

Emmanuel Borghi – piano (1-2-3)
Claude Lamamy – chœurs (1)
Marcus Linon – chœurs (1)
Pierre-Michel Sivadier – chœurs (1)
Himiko Paganotti – chœurs (1-2)
Antoine Paganotti – chœurs (1-2)


Label: Seventh Records


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: Zeuhl


Trackliste:

1. Ëmëhntëhtt-Ré I (6:54)
2. Ëmëhntëhtt-Ré II (22:24)
3. Ëmëhntëhtt-Ré III (13:07)
4. Ëmëhntëhtt-Ré IV (3:54)
5. Funëhrarïum Kanht (4:13)
6. Sêhë (0:25)

Gesamtspieldauer: 51:01




Magma ist eine französische Band, die sich 1969 gegründet hat. Zunächst war diese etwas im Progressive Rock beheimatet, gilt dann als Begründer des Zeuhl. Zeuhl? Nun, ich zitiere an dieser Stelle mal Wikipedia, da es dort schön und einfach umschrieben ist: „Zeuhl (ausgesprochen etwa ['zœl]) ist eine Musikrichtung, die in den frühen 1970ern von der französischen Band Magma um den klassisch ausgebildeten Schlagzeuger Christian Vander etabliert wurde. Die Genrebezeichnung ist dabei der von Vander erfundenen Kunstsprache Kobaïanisch entliehen, in der Zeuhl Wortz so viel bedeutet wie himmlische Musik.“

Seit 1970 hat Magma vierzehn Studio-Alben veröffentlicht, wobei „Ëmëhntëhtt-Ré“ die elfte Scheibe dieser Reihe ist. Der gerade bereits erwähnte Christian Vander ist dabei nicht nur der kreative Kopf von Magma, sondern auch das einzig verbliebene Gründungsmitglied dieser nicht ganz alltäglichen Band. „Ëmëhntëhtt-Ré“ wurde im November 2009 auf dem Label Seventh Records veröffentlicht und zieht kaum einfach so an einem vorbei. Diese Musik hinterlässt auf jeden Fall Spuren und ganz sicher auch eine Meinung bei der Hörerin beziehungsweise dem Hörer. Man findet diese Musik toll, spannend und begeisternd oder kann damit nicht ganz so viel anfangen. Letzteres wird wohl auf die meisten Musikkonsumenten zutreffen.

Die Musik auf „Ëmëhntëhtt-Ré“ beinhaltet eine sehr dominante Rhythmusfraktion, was aufgrund der Beteiligung von Christian Vander auch nicht weiter verwundern wird. Die einzelnen Lieder auf der Scheibe beinhalten Einflüsse des Jazz und der klassischen Musik. Rock ist das definitiv nicht mehr – auch kein Progressive Rock. Neben der gar nicht mal sehr melodiösen Musik steht immer wieder der Gesang im Vordergrund. Dieser fällt nicht nur auf, weil er eben in dieser doch etwas ungelenk klingenden, Kunstsprache gehalten ist, manchmal ein wenig an Operettengesang erinnert, sondern häufig auch im Chor vorgetragen wird. Insgesamt wirkt das Ganze meist furchtbar hektisch und immer nach vorne treibend. Hört man diese Musik beim Autofahren, streift man automatisch die Leitplanke. Immer wieder werden rhythmische Kapriolen geschlagen oder der Atonalität gefrönt. Die Musik auf „Ëmëhntëhtt-Ré“ klingt zwar nicht so, dass man sofort panisch den Raum verlassen müsste, allerdings gewöhnungsbedürftig ist das Ganze schon sehr. Neben der Musik-CD befindet sich in dem wirklich toll gestalteten Digi-Pack noch eine 56-minütige DVD, auf der man der Band bei den Studioaufnahmen zusehen darf.

Fazit: „Ëmëhntëhtt-Ré“ von Magma beinhaltet Zeuhl. Eine musikalische Richtung, mit der man gewiss nicht so ohne Weiteres etwas anzufangen weiß – zumindest nicht, wenn man sich nicht allzu häufig in den Gefilden des Jazz bewegt. Die Musik wirkt manchmal ein wenig hypnotisch, immer jedoch hektisch. Der Gesang auf „Ëmëhntëhtt-Ré“ erinnert mitunter entfernt an Carl Orffs Carmina Burana und ist wie die Musik alles andere als mit „melodiös“ zu umschreiben. Diese Kunstsprache „kobaïanisch“ klingt entfernt wie klingonisch bei Raumschiff Enterprise und macht die Musik von Magma dadurch noch ein wenig skurriler. Ich liebe auch das Ausgefallene in der Musik, aber Zeuhl? Leider wieder Musik, die ich wohl nicht richtig zu schätzen weiß. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Ëmëhntëhtt-Ré II



Sonntag, 11. Oktober 2015

Lilium – Short Stories




Lilium – Short Stories


Besetzung:

Jean-Yves Tola – drums, percussion, piano
Pascal Humbert – bass, contrabass, guitar


Gastmusiker:

Kal Cahoone – vocals
Daniel Mc Mahon – vocals
David Eugene Edwards – vocals
Jim Kalin – vocals
John Grant – vocals
Kelly O'Dea – violin
Daana Colley – saxophone
Billy Conway – drums


Label: Glitterhouse Records


Erscheinungsdatum: 2003


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. If They Cheered (3:25)
2. Locked In Tight (3:41)
3. Whitewashed (5:19)
4. Lover (4:44)
5. Miles Away (2:35)
6. Sorry (4:42)
7. Sense And Grief (6:38)
8. Cavalcade (3:39)
9. The Trap (4:26)
10. Angels (5:51)

Gesamtspieldauer: 45:07




Sanft getragen und sehr, sehr traurig klingt das zweite Album von Lilium. Lilium bestand zur Zeit der Veröffentlichung aus den beiden Ex-16 Horsepower Mitgliedern Pascal Humbert und Jean-Yves Tola. Auf „Short Stories“, welches im Jahr 2003 bei Glitterhouse Records veröffentlicht wurde, hört man diese tiefe, melancholische Musik, die keinen auch nur annähernd lauten Ton aufweist.

Alles ist trüb und nachdenklich auf diesem Album. Alles ist sanft, fließt irgendwie sehr langsam vor sich hin, mal mit Gesang, mal instrumental gehalten. Passend zur herbstlichen Zeit wird hier tiefe schwermütige Atmosphäre transportiert, die zu Herzen geht. Dabei klingt die Musik an jeder Stelle, in jedem Takt überaus melodiös. Man möchte eintauchen in diese warmen Hörlandschaften, die sich da um einen herum ausbreiten.

Vorwerfen könnte man den Musikern lediglich, dass sie auf Abwechslung einfach mal völlig verzichteten. Alles ist im selben Stil gehalten, wurde mit der gleichen Düsternis versehen. Nein, besonders viel Abwechslung gibt es hier nicht zu hören, die Platte ist eher ein gleichförmiger Trip, eine dreiviertel Stunde der Erholung von jeglichem Stress, die nur die Entspannung der Hörerin beziehungsweise des Hörers im Sinn hat. Mitunter werden da Akkorde Mantra-artig wiederholt, sodass sie sich immer tiefer festsetzen und einen bei geschlossenen Augen leicht an diesen schmalen Horizont heranführen, der zwischen dem Wachsein und dem träumenden Schlaf liegt. Nun, jedoch langweilig ist „Short Stories“ jedoch wahrlich nicht, denn die Abwechslung kommt in Form verschiedener Sänger und einer Sängerin zum Tragen. Unter anderem hört man hier auch die unverwechselbare Stimme des David Eugene Edwards und fühlt sich sofort wieder an 16 Horsepower erinnert.

Fazit: Irgendwie trist ist das schon, was man da auf „Short Stories“ von Lilium geboten bekommt. Aber sehr schön traurig. Musik die einen packt und die nachdenklich macht. Perfekt für die stillen Stunden des Lebens geeignet, in denen alles plötzlich nicht mehr so wichtig zu sein scheint. Zehn Punkte.

Anspieltipps: If They Cheered, Whitewashed, Cavalcade



Sonntag, 5. April 2015

Jean Michel Jarre – Magnetic Fields




Jean Michel Jarre – Magnetic Fields


Besetzung:

Jean Michel Jarre – mdb poly sequencer, rsf kobol, oberheim ob-x, arp 2600, fairlight cmi, ems synthi aks, ems synthi vcs3, korg kr 55, elka 707, eminent 310u, moog taurus pedal synthesizer, ems vocoder 1000, korg vc-10, electro-harmonix echoflanger


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1981


Stil: elektronische Musik


Trackliste:

1. Magnetic Fields, Pt. 1 (17:58)
2. Magnetic Fields, Pt. 2 (3:58)
3. Magnetic Fields, Pt. 3 (4:10)
4. Magnetic Fields, Pt. 4 (6:25)
5. Magnetic Fields, Pt. 5 (3:30)

Gesamtspieldauer: 36:04




Nein, „Magnetic Fields“ ist weder so gut wie „Oxygene“ noch so gut wie „Equinoxe“ geworden. Drei Jahre nach „Equinoxe“ erschien dieses vierte Album des Franzosen, allerdings beinhaltet es deutlich weniger dieser Melodien, die die beiden Vorgängeralbum durchaus zu etwas Besonderem werden ließen.

Der Opener, „Magnetic Fields Part 1“ ist auch gleich das längste Stück des Albums. Die Nummer ist selbst aus mehreren Teilen zusammengesetzt und lässt sich durchaus gut anhören, wenn man denn mit dieser synthetischen Musik etwas anzufangen weiß. Treibendere Parts gehen hier in langsamere und weichere über. Dazu kommen nun auch noch stark verfremdete Sounds, völlig ohne Melodie. Kleine Klangkollagen also, die in die umgebende Musik eingebettet sind. Da macht das Ganze zugegebenermaßen spannend und man ist immer gespannt, welche Melodie oder welcher Sound wohl als nächstes zu erhören sein wird. Richtig eingängig sind diese Passagen allerdings nur noch bedingt oder immer wieder mal.

Nun, das kann man von „Magnetic Fields Part 2“ allerdings überhaupt nicht sagen, denn dieses Stück ist ein Ohrwurm, ob er einem gefällt oder nicht. Diese Musik geht sofort ins Ohr und verfügt auch über diesen gewissen Wiedererkennungswert. Der dritte Teil beginnt dann mit Industriegeräuschen, um schließlich in leicht fernöstlich angehauchte Klänge überzugehen. Teil 4 der „magnetischen Felder“ groovt dann wieder deutlich mehr. Besitzt auch eine durchaus eingängige Melodie, klingt allerdings irgendwie noch etwas synthetischer als der Rest der Platte. Nun, dann gibt es da zum Abschluss noch „Magnetic Fields Part 5“. Eine Rumba, die genau so klingt, als ob sie gerade vom Alleinunterhalter auf dem 90. Geburtstag von Oma Martha auf einem billigen Keyboard gespielt werden würde. Das ist dann schon recht schwer verdauliche Kost und kann irgendwie nur als kleiner Scherz des Herrn Jarre verstanden werden.

Fazit: Nein, schlecht ist auch sein viertes Album, „Magnetic Fields“, von Jean Michel Jarre nicht geworden. Allerdings muss ich zugeben, dass ich beim ersten Hören, als ich mir die Platte damals angeschafft hatte, durchaus etwas enttäuscht war, da die beiden Vorgänger wirklich sehr überzeugend klangen. Diese beiden Scheiben hatte sich bereits mein lieber Bruder Arndt zugelegt. Da wir jedoch nicht alles doppelt haben wollten, liehen wir uns also immer wieder mal verschiedene Alben zum Anhören aus. Mit dabei, bei diesem Austausch, war auch die Musik von Jean Michel Jarre. Oftmals hörte ich dann in meinem Zimmer also „Oxygene“ und „Equinoxe“. Er irgendwie jedoch nur ein oder zweimal „Magnetic Fields“. Jetzt weiß ich endgültig warum… Die vielen tollen Melodien der vorherigen Platten, die sind hier auf einige geschrumpft. Neun Punkte.

Anspieltipps: Magnetic Fields Part 1 & 2



Samstag, 28. Februar 2015

Jean Michel Jarre – Equinoxe




Jean Michel Jarre – Equinoxe


Besetzung: 

Jean-Michel Jarre – arp 2600 synthesizer, ems synthi aks, vcs 3 synthesizer, yamaha cs-60, oberheim tvs-1a, rmi harmonic synthesizer, rmi keyboard computer, elka 707, korg polyphonic ensemble 2000, eminent 310u, mellotron, arp sequencer, oberheim digital sequencer, geiss matrisequencer 250, geiss rythmicomputer, ems vocoder


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1978 / 2014


Stil: Elektronische Instrumentalmusik


Trackliste:

1. Equinoxe, Part 1 (2:23)
2. Equinoxe, Part 2 (5:02)
3. Equinoxe, Part 3 (4:59)
4. Equinoxe, Part 4 (7:05)
5. Equinoxe, Part 5 (3:52)
6. Equinoxe, Part 6 (2:46)
7. Equinoxe, Part 7 (7:48)
8. Equinoxe, Part 8 (5:09)

Gesamtspieldauer: 39:07




Nun, diese Besprechung kann ich getrost sehr kurz halten, denn was für „Oxygene“ galt, das gilt auch zu hundert Prozent für „Equinoxe“. Jean Michel Jarre kreierte auf seinem dritten Studioalbum erneut einmal mehr unglaublich eingängige und melodiöse elektronische Musik, in die man einfach eintauchen möchte und durchaus auch kann. Anders, als zum Beispiel bei Klaus Schulze, klingen die einzelnen Titel nun deutlich weniger nach Weltraum oder an Fahrten in irgendwelche „andere“ Dimensionen. Allerdings ist das auch keine Esoterik-Musik, die uns der Franzose hier darbietet. Vielmehr stellen die einzelnen Titel abgeschlossene Instrumentalstücke dar, die mal mehr, mal weniger Songstruktur aufweisen. Dies bedeutet, dass die einzelnen Nummer zwar durchaus ineinander übergehen, jedoch auch isoliert voneinander gehört werden könnten.

Klar macht dies keinen wirklichen Sinn, denn genau wie bei „Oyxgene“ zählt das Gesamtwerk, welches den Eindruck hinterlässt. „Equinoxe“, was im Französischen für die Tag- und Nachtgleichheit steht und somit wohl den Frühlings- wie Herbstanfang musikalisch nachzeichnen möchte, weist wieder jede Menge wunderschöner Melodien und Harmonien auf, die man sich als Untermalung diverser filmischer Szenen vorstellen könnte. Allerdings muss es sich dabei immer um sehr entspannte Ausschnitte handeln, denn sehr viel relaxter als auf „Equinoxe“ kann Musik kaum klingen.

Fazit: Und hier jetzt die Genießeranleitung: Das Wohnzimmer auf angenehme 21 °C temperieren. Handy und Telefon ausschalten beziehungsweise in weit entfernten Räumen lagern. Lieblingskissen auf dem Sofa drapieren, Musikanlage einschalten, „Equinoxe“ einlegen. Freudig die bereitliegenden Kopfhörer aufsetzen, es sich so bequem wie nur irgendwie möglich machen, die Augen schließen und die innerliche Reise beginnen. Wirkt wie ein ganzer Urlaubstag, diese knapp vierzig Minuten Beschallung und lohnt sich sehr. Elf Punkte.

Anspieltipps: Hier gilt dasselbe wie bei „Oxygene“: Muss man durchhören.