Auf der Rückseite seines zweiten Albums schreibt Adelbert von Deyen: „Nordborg – ein Ort auf einer dänischen Insel Alsen, wo ich mit Freunden den Jahreswechsel 1978/79 verbrachte. Innerhalb weniger Stunden gingen über Nordeuropa ungeheure Schneestürme hinweg, die eine Rückreise für Tage unmöglich machten. Inspiriert von den bizarren Eislandschaften an der Ostseeküste und beeindruckt von der höheren Gewalt der Natur und letztlich des Universums habe ich dieses Album komponiert.“
Die Musik auf Nordberg im Bereich des Ambient angesiedelt. Auf „Moonrise“ versucht Adelbert von Deyen die Stimmung dieses eiskalten Mondaufgangs einzufangen. Synthesizer-Teppiche schweben durch den Raum, auf Rhythmus hat Adelbert von Deyen dabei verzichtet. Dafür hört man Töne, die an Möwengeschrei erinnern und den heulenden und tosenden Wind, der selbstverständlich ebenfalls dem Synthesizer entspringt.
Den Rhythmus aus dem Computer gibt es dann beim zweiten Titel „Iceland“ zu hören. Leider, muss man jedoch feststellen. Das Lied ist sehr viel dynamischer und stellt nun den Schneesturm nach, der damals über die Insel hereingebrochen ist. Obwohl diese Nummer etwas abwechslungsreicher gestaltet ist, fällt sie trotzdem gegenüber „Moonrise“ ab. Das liegt zum einen an dem wahrlich nicht gut klingenden Rhythmus-Computer und der Atmosphäre des Liedes, die dieses Mal deutlich weniger vorhanden ist, als noch beim ersten Lied auf „Nordborg“. Zwar hört man auch bei diesem Stück heulende Windgeräusche, doch in Verbindung zum Rhythmus passt das leider nicht mehr ganz so gut. Im letzten Drittel ist schließlich der Rhythmus wieder verhallt und das Lied klingt sehr viel atmosphärischer, düsterer und fängt die Kälte, die wohl damals herrschte, sehr viel besser ein.
Fazit: Ein unaufgeregtes und zum Teil atmosphärisch sehr dichtes Album ist Adelbert von Deyen mit „Nordborg“ gelungen. Die winterliche Stimmung wird dabei gut eingefangen – sobald der Rhythmus verstummt ist. Ein Album zum Entspannen und für kalte Wintertage, wenn möglich vor einem Kamin. Neun Punkte.
3. The House Is Rockin' (With Domestic Problems) (5:12)
4. Gonna Raise Hell (9:20)
5. I‘ll Be With You Tonight (3:51)
6. Voices (4:22)
7. Writing On The Wall (3:27)
8. I Know What I Want (4:30)
9. Need Your Love (7:40)
Bonus Tracks der remasterten Wiederveröffentlichung aus dem Jahr 2006:
10. The House Is Rockin' (With Domestic Problems) (live) (6:16)
11. Way Of The World) (live) (4:00)
12. Dream Police (No Strings Version) (3:53)
13. I Know What I Want (live) (4:44)
Gesamtspieldauer: 1:04:52
„Dream Police“ heißt das vierte Studioalbum der US-amerikanischen Rockband Cheap Trick. Es wurde am 21. September 1979 veröffentlicht. Es ist das kommerziell erfolgreichste Studioalbum von Cheap Trick und schaffte es bis auf Platz 6 der US-Billboard 200 Charts. In Deutschland erreichte die Platte immerhin Platz 56 der Charts.
Ich hatte damals, Ende der 80er Jahre, einen Freund, der außer AC/DC nur noch Cheap Trick hörte. Etwas überraschend ist dies schon, denn während AC/DC durchaus „spezielle und unverwechselbare“ Musik zur damaligen Zeit erschafften, so hört man von Cheap Trick eher Mainstream Rock. Nun, aber gerade auf „Dream Police“ stimmt das mit dem Mainstream auch nicht so ganz. Die beiden längeren Nummern „Gonna Raise Hell“ und vor allen Dingen „Need Your Love“ zeigen sogar andere Einflüsse. Hier von Progressive Rock zu sprechen wäre sicherlich übertrieben, aber in diesen Liedern wird gerockt und ein Thema beziehungsweise ein Solo ausgelebt. Da ist dann nichts mehr auf „radiotauglich“ getrimmt. Es klingt so, als ob es um die Musik geht – und darum geht es der Band in diesem Moment auch wohl.
Klar sind die bereits genannten Lieder auch die Höhepunkte des Albums. „Gonna Raise Hell“ und „Need Your Love“ sind Höhepunkte im Schaffen von Cheap Trick überhaupt, auch wenn die Band mit anderen Titeln besonders in den Single-Charts erfolgreich war. Von den restlichen Liedern, musikalisch angesiedelt zwischen Rock’n’Roll und natürlich Mainstream Rock, fällt ebenfalls keiner ab, sodass die Platte durchaus Spaß macht. Auch die Zugaben der remasterten Wiederveröffentlichung tragen dazu bei.
Fazit: „Dream Police“ klingt gut und geht ins Ohr. Mainstream Rock eben. Aber auf diesem Album gibt es durchaus noch mehr zu hören. Cheap Trick wagen auch Lieder, die nicht mehr nur radiotauglich sind. In Verbindung zu den anderen Titeln macht das durchaus Spaß. Die Zugaben sind ebenfalls gut gewählt, sodass „Dream Police“ insgesamt hörenswert ist. Neun Punkte.
Anspieltipps: Dream Police, Gonna Raise Hell, Need Your Love
Triana – Sombra Y Luz Besetzung: Jesus De La Rosa – vocals, keyboards, guitar Juan Jose Palacios – drums, percussion Eduardo Rodriguez R. – guitars Gastmusiker: Pepe Roca – electric guitar Manolo Rosa – bass Enrique Carmona – vocals Miguel Angel Iglesias – choir Label: Fonomusic Erscheinungsjahr: 1979 Stil: Progressive Rock Trackliste: 1. Una Historia (5:07) 2. Quiero Contarte (5:00) 3. Sombra Y Luz (7:31) 4. Hasta Volver (10:36) 5. Tiempo Sin Saber (5:23) 6. Vuelta A La Sombra Y La Luz (2:47) Gesamtspieldauer: 36:27
Mit ihrem dritten Studioalbum „Sombra Y Luz“ ernteten die drei Musiker der spanischen Progressive Rock Band Triana endlich auch den verdienten kommerziellen Erfolg. „Sombra Y Luz“ verkaufte sich gut und in diesem „Sog“ kam es auch noch mal zu einem Anstieg der Verkaufszahlen der beiden ersten Alben von Triana. „Sombra Y Luz“ erschien im Jahr 1979 auf dem Plattenlabel Fonomusic.
Mit „Sombra Y Luz“ hatten sich Triana noch ein wenig weiter von ihrem ursprünglichen musikalischen Konzept entfernt, der Verbindung von spanischem Flamenco mit dem Progressive Rock, der Anfang der 70er Jahre in Großbritannien entstanden war. Trotzdem erklingt auch auf dieser Platte noch diese so ungewöhnliche Verbindung der spanischen Gitarre mit eher unkonventioneller Rock Musik. Dass dieses Album ein Erfolg wurde verwundert beim Hören nicht weiter, da die Melodien packen und ins Ohr gehen. Triana werden dabei meist erneut nicht experimentell, setzen eher auf Bewährtes, doch dies klingt eben eingängig, melodiös und besitzt diesen gewissen Wiedererkennungswert, der schon so manches Album in der Gunst der Hörerinnen und Hörer wachsen ließ.
Die Höhepunkte auf „Sombra Y Luz“ sind das Titellied selbst und die folgende Nummer „Hasta Volver“. Bei der Nummer „Sombra Y Luz“ ist die Verbindung aus spanischer Folklore und Progressive Rock sehr gelungen. Das Lied besitzt zudem einen repetitiven, hier nun wirklich fast experimentellen Zwischenteil, der das Lied in seiner Gesamtheit nochmals aufwertet. „Hasta Volver“ ist dagegen eine tolle und abwechslungsreiche Progressive Rock Nummer, die zwar deutlich weniger mit den musikalischen Wurzeln von Triana gemein hat, allerdings als Titel des progressiven Rocks der 70er Jahre auch heute noch überzeugt.
Fazit: Auch das dritte Studioalbum von Triana, „Sombra Y Luz“, gefällt. Selbst wenn die spanischen Einflüsse in der Musik der Band nochmals etwas zurückgefahren wurden, so klingt die Platte abwechslungsreich, spannend und auch immer noch anders als jede Platte der britischen Kollegen. Diese waren Ende der 70er Jahre allerdings sowieso schon meist dem Mainstream Pop verfallen, was „Sombra Y Luz“ nochmals aufwertet und zu einem sehr hörenswerten Album werden lässt. Elf Punkte.
Novalis – Flossenengel Besetzung: Lutz Rahn – Tasteninstrumente Heino Schünzel – Bass und Gesang Fred Mühlböck – Gitarren und Gesang Detlef Job – Gitarren und Gesang Hartwig Biereichel – Schlagzeug und Perkussion Label: Vertigo Erscheinungsjahr: 1979 Stil: Progressive Rock Trackliste: 1. Atlanto (4:40) 2. Im Brunnen der Erde (4:27) 3. Brennende Freiheit (2:19) 4. Im Netz (8:10) 5. Flossenengel (3:28) 6. Walzer für einen verlorenen Traum (3:28) 7. Sklavenzoo (5:05) 8. Alle wollen leben (5:07) 9. Rückkehr (6:32) 10. Ob Tier, ob Mensch, ob Baum (1:50) Gesamtspieldauer: 45:11
Auf dem sechsten Studioalbum der Hamburger Band Novalis mit dem Titel „Flossenengel“ wird die Geschichte des Wals „Atlanto“ erzählt, der zunächst gefangen wird, im Zoo landet und dort quasi ausgestellt von allen Menschen betrachtet werden kann. Doch die Geschichte nimmt eine positive Wendung, denn seine Fänger, die inzwischen von Gewissensbissen geplagt sind, entlassen das Tier schließlich wieder ins Meer. „Flossenengel“ erschien im Jahr 1979 ursprünglich auf dem Plattenlabel Brain, wurde unter anderem auf Vertigo Records wiederveröffentlicht.
Die Musik auf „Flossenengel“ klingt noch sehr überzeugend nach spannendem Progressive Rock, abwechslungs- und ideenreich. Keine Selbstverständlichkeit mehr zur damaligen Zeit, als die ehemaligen Heroen des Progressive Rocks stark die Richtung hin zum einfachen Pop eingeschlagen hatten. So weit, so gut. Trotzdem fällt einem das Hören von „Flossenengel“ nicht leicht – auch falls man hier seine Lieblingsmusikrichtung hört. Das liegt zum Teil am sehr theatralischen Gesang des Fred Mühlböck und noch viel mehr an den heute fast schon peinlich klingenden Textzeilen. Sehr viel Pathos wurde auf „Flossenengel“ in den Inhalt der Lieder gesteckt und textlich sowie gesanglich umgesetzt. Was musikalisch noch sehr überzeugend klingt, lässt einen etwas überrascht bis frustriert zurück, wenn man sich auch auf die Texte und den Gesang konzentriert.
Absoluter Höhepunkt der Platte ist gleichzeitig das längste Lied auf „Flossenengel“, die Nummer „Im Netz“. Das Stück stellt eine sehr abwechslungsreiche Reise durch verschiedene Melodien dar, die aneinandergereiht ein sehr überzeugendes Gesamtwerk ergeben. Dazu gesellt sich noch der Umstand, dass auf den über acht Minuten Spieldauer des Liedes kaum gesungen wird. Es ist die Musik, die hier im Fokus steht und bestens überzeugt. Auch viele der restlichen Stücke haben musikalisch durchaus ihren Reiz und unterhalten diesbezüglich gut. „Atlanto“ und „Walzer für einen verlorenen Traum“ sind zudem reine Instrumentalnummern, die von den vermittelten Atmosphären leben.
Fazit: Wäre „Flossenengel“ ein reines Instrumentalalbum, würde es noch überzeugender klingen. Wäre das Album in einer unverständlichen Sprache eingespielt worden, so bliebe immer noch der manchmal etwas überzogene, theatralische Gesang. Dieser nimmt im Zusammenspiel mit den ausformulierten Sätzen etwas vom Reiz dieses Albums. Musikalisch gesehen ist die Scheibe ein Höhepunkt des Progressive Rock im Jahr 1979. In seiner Gesamtheit betrachtet allerdings nur noch ein gutes Album. Zehn Punkte.
U.K. – Danger Money Besetzung: Eddie Jobson – keyboards, electric violin John Wetton – bass, lead and backing vocals Terry Bozzio – drums, percussion Label: Universal Music Erscheinungsjahr: 1979 Stil: Progressive Rock Trackliste: 1. Danger Money (8:15) 2. Rendezvous 6:02 (5:00) 3. The Only Thing She Needs (7:54) 4. Caesar’s Palace Blues (4:44) 5. Nothing To Lose (3:57) 6. Carrying No Cross (12:22) Gesamtspieldauer: 42:15
„Danger Money“ heißt das zweite und bereits letzte Studioalbum der britischen Progressive Rock Band U.K. Von der Besetzung des ein Jahr zuvor erschienen Debut-Albums waren noch John Wetton und Eddie Jobson übrig geblieben. Terry Bozzio hatte inzwischen am Schlagzeug Bill Bruford ersetzt und der Part von Allan Holdsworth an der Gitarre wurde gleich völlig fallengelassen. Dafür stehen die Tasteninstrumente und die elektrische Violine jetzt sehr im Zentrum der Musik von U.K.. „Danger Money“ wurde im März 1979 bei E.G. Records veröffentlicht und erschien in der Wiederveröffentlichung auf Universal Music. Die ausgekoppelten Singles heißen „Nothing To Lose“ und „Rendezvous 6:02“.
Auf „Danger Money“ hört man durchaus massenkompatiblen Progressive Rock, der ins Ohr geht und dabei rockig aus den Boxen strömt. Allzu kompliziert klingt es auf dem Album nicht, auch wenn die zu hörende Musik ganz klar dem Genre des Progressive Rock zuzuordnen ist. Die Lieder gehen schnell ins Ohr und müssen nicht erst großartig erarbeitet werden. Im Falle der Singleauskopplung „Nothing To Lose“ hört sich die Musik von U.K. zudem bereits schwer nach dem Mainstream Rock der Band Asia an, mit der John Wetton kurze Zeit später Erfolge feiern sollte. Doch dieses Lied stellt glücklicherweise dann doch eine Ausnahme auf „Danger Money“ dar. Das zwölfminütige „Carrying No Cross“ ist zum Beispiel eine zwar eingängige, doch sehr vielschichtigere und abwechslungsreichere Nummer, während der mit Atmosphären, Tempi und Rhythmen gespielt wird, die sich perfekt arrangiert ergänzen und ineinander überfließen.
„Carrying No Cross“ stellt auch einen der Höhepunkte auf „Danger Money“ dar. Ende der 70er Jahre noch solch eine Progressive Rock Nummer zu hören, war und ist keine Selbstverständlichkeit. Der zweite Höhepunkt der Platte ist die zweite Single des Albums, das Lied „Rendezvous 6:02“. Von einer sehr schönen Melodie getragen, weniger rockig als der Rest des Albums und vom Keyboard wunderschön dominiert, erklingt hier ein Lied, welches sich bereits beim ersten Mal des Hörens fest einbrennt.
Fazit: Die rockige Variante des Progressive Rocks gibt es auf „Danger Money“ von U.K. zu hören. Rockig und eingängig ist diese Musik, die auch sehr abwechslungsreiche Stellen, neben bereits im Mainstream angesiedelten Abschnitten aufweist. Mit der Musik von Genesis oder Yes zu Beginn der 70er Jahre hat diese Scheibe zwar nichts mehr zu tun, doch wenn man sich die Musik von Asia sehr viel abwechslungsreicher vorstellt, dann begibt man sich in die Gefilde von U.K. auf „Danger Money“. Zehn Punkte.
Roxy Music – Manifesto Besetzung: Bryan Ferry – vocals, keyboards, harmonica Andy Mackay – oboe, saxophone Phil Manzanera – electric guitar Paul Thompson – drums Alan Spenner – bass Paul Carrack – keyboards Gary Tibbs – bass Label: Virgin Records Erscheinungsdatum: 1979 Stil: Pop Rock, Art Rock Trackliste: 1. Manifesto (5:29) 2. Trash (2:14) 3. Angel Eyes (3:32) 4. Still Falls the Rain (4:13) 5. Stronger Through The Years (6:16) 6. Ain’t That So (5:39) 7. My Little Girl (3:17) 8. Dance Away (3:48) 9. Cry, Cry, Cry (2:55) 10. Spin Me Round (5:15) Gesamtspieldauer: 42:42
„Manifesto“ heißt das sechste Studioalbum der englischen Rockband Roxy Music. Es wurde am 16. März 1979 von E.G. Records in Großbritannien, Polydor in Europa und Atco Records in den USA veröffentlicht. Die remasterte Wiederveröffentlichung erschien auf dem Label Virgin Records. Nach einer fast vierjährigen Pause und zwischenzeitlicher Bandauflösung stellt „Manifesto“ das erste Studioalbum von Roxy Music seit „Siren“ im Jahr 1975 dar. Die erste Singleauskopplung der Platte war der Titel „Trash“, der es kaum in die britischen Top 40 schaffte. Die zweite Single, das deutlich disco-geprägte „Dance Away“, brachte die Band jedoch wieder unter die Top 3 der Charts und war 1979 die neunt-meistverkaufte Single in Großbritannien. Die dritte Single aus dem Album stellt eine neu aufgenommene Version von „Angel Eyes“ dar, welches in dieser Version weitaus elektronischer und „disco“-artiger als auf der Platte selbst klang. Diese Single schaffte es im August ebenfalls unter die UK Top 5. Das Album selbst kletterte in Großbritannien bis auf Platz 7 der Charts, in Deutschland erreichte es Platz 37.
Diese Annäherung an den Disco-Zeitgeist der damaligen Zeit hört man nicht nur auf den Single-Auskopplungen, die ganze Platte ist sehr viel radiotauglicher und damit auch etwas oberflächlicher geworden. Den Disco-Sound hört man ausgeprägt zwar nur an ausgewählten Stellen, doch ein gewisser Mainstream-Pop ist auf dieser Scheibe unüberhörbar. Das wiederum macht die Musik von Roxy Music auf „Manifesto“ etwas langweilig und austauschbar, da zudem auch die richtigen Ohrwürmer fehlen und die einzelnen Lieder durchaus ein klein wenig vorbeilaufen ohne großes Aufsehen zu erregen.
Höhepunkte sind das zumindest etwas kreativer klingende „Stronger Through The Years“, welches nicht auf Anhieb gleich ins Ohr geht, gern erarbeitet werden möchte und somit erst später zu wirken beginnt. Die Stimmung dieses Liedes ist ein klein wenig mystisch und undurchsichtig, was das Lied deutlich spannender werden lässt. Schließlich sollte man an dieser Stelle auch noch den Hit der Platte, das Lied „Dance Away“ erwähnen. Ins Ohr geht diese Nummer durchaus, wenn sie auch nicht allzu lange darin hängenbleibt, doch ein melodiöser und eingängiger Titel ist „Dance Away“ auf jeden Fall. Ganz zum Schluss folgt mit „Spin Me Round“ noch eine melodische Ballade, die das Album einigermaßen versöhnlich ausklingen lässt.
Fazit: Als die Musiker von Roxy Music sich entschlossen doch wieder zusammen zu musizieren, setzten sie auf die eingängige und häufig auch unkomplizierte Variante ihrer Musik. Diese packten sie in Form von zehn Titel auf das Album „Manifesto“ und hatten mit dieser Vorgehensweise durchaus kommerziellen Erfolg. Interessant klingen dadurch allerdings nur noch wenige Lieder wie die Nummer „Stronger Through The Years“. Der Rest der Platte pendelt oftmals zwischen Pop und Disco und verblasst relativ schnell wieder – auch wenn „Manifesto“ kein schlechtes Album darstellt. Acht Punkte.
Anspieltipps: Stronger Through The Years, Dance Away, Spin Me Round
Lift – Meeresfahrt Besetzung: Henry Pacholski – vocals Wolfgang Scheffler – keyboards Michael Heubach – keyboards Till Patzer – flute, saxophone, clarinette Frank-Endrik Moll – drums Gerhard Zachar – bass guitar Werther Lohse – vocals, drums (nur Titel 5) Label: AMIGA (Wiederveröffentlicht durch Sony Music Entertainment) Erscheinungsdatum: 1979 Stil: Art Rock, Deutsch Rock, Progressive Rock Trackliste: 1. Wir fahrn übers Meer (4:46) 2. Nach Süden (4:17) 3. Scherbenglas (2:30) 4. Tagesreise (8:35) 5. Meeresfahrt (15:11) 6. Sommernacht (3:41) Gesamtspieldauer: 39:02
„Meeresfahrt“ heißt das zweite Album der Dresdener Band Lift. Die Platte erschien zunächst im Jahr 1979 auf dem DDR Plattenlabel Amiga und wurde später mehrmals wiederveröffentlicht und anderem auch von Sony Music Entertainment. An vielen Stellen wird diese Platte auch unter der Überschrift „Lift 2“ geführt, was bei einem ziemlich eindeutigen Titel wie „Meeresfahrt“ durchaus überraschend ist. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung waren Sänger Henry Pacholski sowie Bassist Gerhard Zachar bereits verstorben. Als die Band im Jahr 1978 auf einer Tour durch Polen war, wurde sie in einen Verkehrsunfall verwickelt, während dem diese beiden Musiker ums Leben kamen. Keyboarder Michael Heubach wurde dabei zudem schwer verletzt. Hatte sich das Line-Up der Band bereits vor „Meeresfahrt“ in Bezug zum Debut deutlich verändert, so musste dies gezwungenermaßen nach „Meeresfahrt“ ein weiteres Mal geschehen.
„Meeresfahrt“ startet mit einer unsäglichen Pop-Rock-Nummer mit dem Titel „Wir fahrn übers Meer“. Ein Stampftitel mit viel Mundharmonika und Lagerfeuertext. Unsäglich. Das Gestampfe wird mit dem Lied „Nach Süden“ besser, die Musik allerdings nicht sonderlich. Dieses Lied ist eine poppige Nummer, die irgendwann dankenderweise auch verklingt. Mit „Reiseliedern“ scheinen es Lift irgendwie nicht gehabt zu haben, wobei sie sicher auch lieber in den Westen gefahren wären. „Scherbenglas“ wurde anschließend mit jede Menge Streichern eingespielt und erinnert mich etwas an Mittelaltermusik. Ist auszuhalten. Mit „Tagesreise“ beweisen die Dresdener dann, dass sie doch „Reiselieder“ schreiben können. Die Nummer ist fest im Progressive Rock verhaftet und deutlich interessanter als die kürzeren Nummern zuvor. Wenn dabei allerdings im Chor intoniert wird, klingt es auf seine Art unangenehm. Trotzdem, die einzelnen Teile des Liedes sind spannend aufgebaut, rocken, sind gut arrangiert und wissen zu überzeugen.
Ebenso verhält es sich mit dem Titellied und gleichzeitig längsten Stück des Albums „Meeresfahrt“. Das Lied beginnt langsam und eingängig, mit schönem Flötenspiel auf einem Orgelteppich und steigert sich in seinem weiteren Verlauf. Langanhaltende Instrumentalpassagen kennzeichnen dieses Stück ostdeutschen Progressive Rocks und genau in diesen ausschweifenden Abschnitten ohne Gesang liegt auch die Stärke von „Meeresfahrt“. Das klingt sehr spannend und an jeder Stelle auch sehr melodiös und durchdacht. Beendet wird das Album wieder mit einem etwas kürzeren Stück. „Sommernacht“ ist erneut eine Nummer, die deutlich gegen die beiden längeren Stücke abfällt und einmal mehr diesen sehr seltsam und nach Lagerfeuer klingenden Chorgesang aufweist.
Fazit: Die beiden längeren Stücke auf „Meeresfahrt“, dem zweiten Album von Lift, wissen durchaus zu überzeugen. Die restlichen vier Lieder können vielleicht dann überzeugen, wenn man mit ihnen groß wurde. Heutzutage zum ersten Mal gehört, klingen sie seltsam langweilig und wie aus lang vergangenen Zeiten, woher sie natürlich auch stammen. „Meeresfahrt“ lohnt im Mittelteil für Freunde des Progressive Rock, in seiner gesamten Ausführung für Menschen, die mit dieser Musik groß wurden. Acht Punkte.
Udo Lindenberg – Der Detektiv - Rock Revue 2 Besetzung: Udo Lindenberg – Gesang, Schlagzeug, Perkussion Label: Warner Music Erscheinungsdatum: 1979 Stil: Deutsch Rock, Rock’n‘Roll Trackliste: 1. Der Amerikanische Traum (4:21) 2. Dialog zu ”As Time Goes By” (0:36) 3. As Time Goes By (1:39) 4. New York (3:12) 5. Es reicht gerade noch zum Überleben (Living For The City) (4:08) 6. Born To Be Wild (4:28) 7. Lost Paradise (0:47) 8. Desperado (3:24) 9. Ich Steh Ja So Auf Disco (4:55) 10. Baltimore (4:50) 11. Die kleine Stadt (My Little Town) (4:09) 12. Kentucky Mädchen (3:58) 13. Candle In The Wind (Good-bye, Norma Jean) (3:47) Gesamtspieldauer: 44:21
Nach „Lindenbergs Rock Revue“ im Jahr 1978 veröffentlichte Udo Lindenberg ein Jahr später, am 15. Oktober 1979, gleich noch ein zweites Album mit Cover-Versionen hinterher. Sein elftes Studio-Album heißt „Der Detektiv - Rock Revue 2“ und erschien ursprünglich bei Teldec / Telefunken und wurde von Warner Music neu aufgelegt.
Auf „Der Detektiv - Rock Revue 2“ hört man Cover-Versionen von Steppenwolf, den Eagles, Randy Newman, Elton John und vielen mehr. Die Texte sind dabei häufig sehr nah am Original und einfach nur ins Deutsche übersetzt. Man braucht diese Platte vielleicht, wenn man eingefleischter Udo Lindenberg Fan ist, ansonsten ganz sicher nicht. Über die Musikauswahl kann man sowieso geteilter Meinung sein, das ist immer Geschmackssache. Warum man diese Lieder allerdings auch noch in der Version von Udo Lindenberg hören soll, das weiß wohl nur er selbst. Die Originale sind definitiv gelungener.
Fazit: Es gibt Platten, die sind absolut überflüssig. „Der Detektiv - Rock Revue 2“ von Udo Lindenberg gehört definitiv dazu. Wenn einem gerade nichts mehr einfällt, veröffentlicht man eben mal ein Album mit Cover-Versionen. Udo Lindenberg machte das sogar zwei Mal in direkt aufeinanderfolgenden Jahren. Das muss wirklich nicht sein und somit ist dieses Album ein weiteres, welches sich allerhöchstens für Komplettisten lohnt. Absolut belanglos und überflüssig. Zwei Punkte.
Frank Zappa – Sheik Yerbouti Besetzung: Frank Zappa – lead guitar, lead (1-3, 9, 12, 15-18) and backing vocals Gastmusiker: Davey Moire – lead (6, 8) and backing vocals, engineer Napoleon Murphy Brock – lead (17) and backing vocals Andre Lewis – backing vocals Randy Thornton – lead (17) and backing vocals Adrian Belew – rhythm guitar, lead (5, 14) and backing vocals, Bob Dylan impersonation (2) Tommy Mars – keyboards, backing and lead (17) vocals Peter Wolf – keyboards, butter, flora margarine Patrick O'Hearn – bass, lead (3, 6, 8) and backing vocals Terry Bozzio – drums, lead (3, 4, 6, 8, 13, 17) and backing vocals Ed Mann – percussion, backing vocals David Ocker – clarinet Label: Zappa Records Erscheinungsdatum: 1979 Stil: Experimental Rock, Comedy Rock Trackliste: 1. I Have Been In You (3:34) 2. Flakes (6:40) 3. Broken Hearts Are For Assholes (3:41) 4. I’m So Cute (4:27) 5. Jones Crusher (2:49) 6. What Ever Happened To All The Fun In The World (0:33) 7. Rat Tomago (5:14) 8. We’ve Got To Get Into Something Real (0:33) 9. Bobby Brown (2:49) 10. Rubber Shirt (2:45) 11. The Sheik Yerbouti Tango (3:55) 12. Baby Snakes (1:49) 13. Tryin’ To Grow A Chin (3:31) 14. City Of Tiny Lites (5:30) 15. Dancin’ Fool (3:42) 16. Jewish Princess (3:18) 17. Wild Love (4:09) 18. Yo’ Mama (12:41) Gesamtspieldauer: 1:11:48
Wenn man viel Musik hört, möchte man sich selbstverständlich auch einen Überblick über die Größen der populären Musik verschaffen, an denen man bisher noch immer wieder vorbeigegangen ist. Also her mit dem erfolgreichsten Album des Frank Zappa, auf dem auch das Lied „Bobby Brown“ enthalten ist, welches den US-Amerikaner einem breiteren Publikum bekannt gemacht hat. „Sheik Yerbouti“ heißt dieses, verkaufte sich inzwischen über zwei Millionen Mal und ist die 26. Studio-Platte von insgesamt 62, die der US-amerikanische Musiker zu Lebzeiten veröffentlichte. Der Titel „Sheik Yerbouti“ ist eine Art Lautmalerei und steht für Shake Your Booty, was so viel bedeutet wie „Schüttel Deinen Hintern“, ein Disco-Titel der KC And The Sunshine Band aus dem Jahr 1976. Das Album erschien am 3. März 1979 in Form eines Doppelalbums und war gleichzeitig die erste Platte von Frank Zappa, die nach seinem Weggang von Warner Bros. Records auf dem eigenen Label Zappa Records erschien. Alle Titel auf „Sheik Yerbouti“ wurden live eingespielt und anschließend im Studio überarbeitet.
Man hört auf „Sheik Yerbouti“ eine Mischung aus experimentellem Rock und einer Art Spaß Rock. Dies alles wurde in ganz unterschiedliche musikalische Genres verpackt. Rock, Blues, Pop, Punk und noch viel mehr gibt es auf der Platte zu hören, kaum ein musikalisches Genre, welches auf „Sheik Yerbouti“ nicht auf die ein oder andere Art und Weise umgesetzt wurde. Manches davon klingt gewollt dissonant, anderes wieder gebiert sich als Ohrwurm, wie auch der Single-Hit „Bobby Brown“, der sich überall in den Charts platzieren konnte – bis auf in den USA. Den Radio-Stationen dort war das Stück zu vulgär und obszön, sodass es kurzerhand boykottiert wurde.
Die Texte des Frank Zappa sind auch auf dieser Platte häufig sehr witzig gehalten, ein genaues Hinhören lohnt sich da definitiv. Die Musik allerdings spaltet selbstverständlich. Diesbezüglich werden nämlich alle Grenzen und Konventionen ausgelotet und man hört manchmal erstaunt zu, was Frank Zappa da alles zusammen auf eine Schallplatte presste. Hier zum Beispiel das comic-hafte und auf den Punkt kommende „Baby Snakes“ und dann wieder solch eine, zwischenzeitlich fast schon an eine Improvisation erinnernde Nummer wie „Yo’ Mama“. Nicht jeder humoristische Ausflug des Frank Zappa muss da dem eigenen Humorverständnis entsprechen und so sind es gerade die rockig-experimentellen Stücke der Platte, die am meisten überzeugen. Hierin liegt auch begründet, dass das Album im weiteren Verlauf sehr viel besser wird. Sind die ersten Lieder noch sehr schräg und erinnern mitunter an Comedy, wenn zum Beispiel Adrian Belew Bob Dylan imitiert, so gestaltet sich die zweite Hälfte des Albums rockiger und auch interessanter. Des Weiteren gilt auch hier einmal mehr, wie es häufig bei guter Musik ist: Umso öfters gehört, umso interessanter und besser klingt das alles.
Fazit: Ein ganzes Füllhorn an Ideen schüttet Frank Zappa mit dem Doppelalbum „Sheik Yerbouti“ über seine Hörerinnen und Hörer aus. Manches darauf klingt nach „Spaß Rock“, anderes wiederum sehr experimentell. Am Überzeugendsten hören sich dabei die relativ unkonventionellen Rock-Stücke an, die ruhig auch die ein oder andere dissonante Stelle aufweisen können. Die Texte sind häufig sehr witzig gehalten, zu prüde sollte man beim Erkunden dieser allerdings nicht sein. Spannend klingt das alles wahrlich, geniale Musik höre ich hier allerdings nicht heraus, da vor allen Dingen der Beginn der Scheibe sehr zäh ist. Acht Punkte.
Anspieltipps: Bobby Brown, Tryin’ To Grow A Chin, Yo’ Mama, Wild Love
Toto – Hydra Besetzung: Bobby Kimball – lead and backing vocals Steve Lukather – guitars, lead and backing vocals Steve Porcaro – keyboards, electronics David Paich – keyboards, lead and backing vocals David Hungate – bass, guitar Jeff Porcaro – drums, percussion Gastmusiker: Michael Boddicker – keyboards Roger Linn – synthesizers Lenny Castro – percussion Marty Paich – string arrangements Label: Sony Music Erscheinungsdatum: 1979 Stil: Pop, Funk Rock, Rock, R’n‘B Trackliste: 1. Hydra (7:31) 2. St. George And The Dragon (4:44) 3. 99 (5:16) 4. Lorraine (4:46) 5. All Us Boys (5:02) 6. Mama (5:14) 7. White Sister (5:38) 8. A Secret Love (3:06) Gesamtspieldauer: 41:20
Das zweite Album der US-amerikanischen Band Toto mit dem Namen „Hydra“ enthält einen musikalischen Genre-Stilmix aus Pop, Rock und angedeuteten R’n’B-Elementen. Das Album erschien am 1. Oktober 1979 auf dem Plattenlabel Columbia Records und kletterte bis auf Platz 37 der US Billboard Pop Album Charts. Drei Singles wurden mit den Liedern „St. George And The Dragon“, „99“ und „All Us Boys“ aus der Platte ausgekoppelt. Davon konnte sich lediglich die Nummer „99“ in den Billboard Hot 100 auf Platz 26 etwas höher eingruppieren.
Insgesamt ist „Hydra“ ein wenig rockiger geraten, als noch das selbstbetitelte Debut-Album. Allzu oft klingt die Platte dabei jedoch fast schon etwas anbiedernd. Sehr eingängige, manchmal auch oberflächliche Melodien, die ganz nett anzuhören sind, jedoch nicht wirklich zu begeistern verstehen und auch nicht zu packen wissen. Dazu kommt der Umstand, dass der Musik von Toto auf „Hydra“ irgendwie der Wiedererkennungswert fehlt. So klangen viele US-amerikanische Bands der damaligen Zeit, die sich in den Gefilden des Pops und Rocks tummelten.
Einen kleinen Ohrwurm enthält „Hydra“ jedoch auch, das Lied „99“. Der Titel wurde als Hommage an George Lucas‘ Film „THX 1138“ geschrieben und das Musikvideo ähnelt einer Szene im Film. Das sanfte Lied verfügt über eine sehr eingängige Melodie, die sich wirklich festsetzt. Auch wenn man die Nummer zwanzig Jahre nicht mehr gehört hat, der Wiedererkennungswert ist auch dann noch gegeben. Der Text ist dabei absolut wirr und es wird wohl ewig das Geheimnis der Band bleiben, was sie uns damit sagen wollen. Nun und der Rest? Alles gut hörbar, jedoch wahrlich nicht großartig der Rede wert.
Fazit: Ein poppig rockiges Album ist „Hydra“, das zweite Album von Toto geworden. Darauf enthalten ist zumeist sehr eingängige Musik, die oftmals jedoch nicht über den Status der Oberflächlichkeit hinauskommt. Lediglich der Titel „99“, inspiriert durch einen George Lucas Film, kann da etwas besser überzeugen. Ansonsten ist „Hydra“ maximal Durchschnitt verglichen mit anderen Pop-Rock-Scheiben der ausgehenden 70er Jahre. Sieben Punkte.
Günter Schickert – Überfällig Besetzung: Günter Schickert – Gitarren, Stimme Gastmusiker: Charles M. Heuer – Schlagwerk, Stimme Label: Bureau B Erscheinungsdatum: 1979 Stil: Elektronische Musik Trackliste: 1. Puls (14:55) 2. In der Zeit (4:50) 3. Apricot Brandy II (13:00) 4. Wanderer (8:42) Gesamtspieldauer: 41:29
Günter Schickert war zunächst Roadie und Assistent von Klaus Schulze und kam auf diese Weise zur elektronischen Musik. 1973 gründete er zunächst mit Axel Struck (Gitarre) und Michael Leske (Schlagzeug) das Trio GAM. Schließlich probierte er sich auf Solo-Pfaden aus und veröffentlichte in den 70er Jahren zwei Alben. „Samtvogel“ erschien im Jahr 1975 und vier Jahre später folgte das Album „Überfällig“, zunächst bei Sky Records aufgelegt, dann 2012 beim Plattenlabel Bureau B erneut erschienen.
Hört man die Musik auf „Überfällig“, meint man beim Eröffnungstitel „Puls“ zwangsläufig, jede Menge Synthesizer-Musik zu hören, doch sind es Gitarren, die hier zu hören sind. Viele Gitarrenspuren wurden bei diesem Titel übereinandergelegt, schließlich auch noch etwas verfremdet und durch weitere Geräusche wie den Atem, Wasserplantschen, Kinderstimmen, Meeresrauschen, Wind, und noch vieles mehr angereichert und unterfüttert. Das klingt wahrlich spannend, ist sehr repetitiv und wirkt auf diese Weise fast schon hypnotisierend. Der zweite Titel, „In der Zeit“, startet mit mechanischen Tönen und Klopfgeräuschen. Eine Tür wird aufgesperrt, Vogelgezwitscher erklingt, die Kirchturmglocken läuten und eine ganz sanfte akustische Nummer entwickelt sich. Zu dieser singt eine Frauenstimme sehr zurückhaltend, fast schon unbeholfen, was die zerbrechliche Atmosphäre des Stücks nochmals verstärkt.
„Apricot Brandy II“ bewegt sich dann im sehr psychedelischen Bereich, klingt wie die Vertonung eines Traumes mit reichlich sphärischen Ausflügen. Die Nummer steigert sich immer mehr, Lautstärke, Intensität und Tempo ziehen an und auch die durch den Raum fliegenden Wortfetzen werden greller. Das letzte Lied des Albums, „Wanderer“, ist schließlich eine sanfte und sehr rhythmische Nummer, die eine überaus relaxte Atmosphäre verströmt. Das Lied endet schließlich wieder mit Atemgeräuschen und Wasserplantschen, der Ringschluss zum Beginn des Albums ist vollzogen. Auch mit diesen beiden letzten Nummern kann Günter Schickert und seine Musik punkten und überzeugen.
Fazit: Ein dichtes und intensives Album ist die zweite Veröffentlichung von Günter Schickert mit dem Namen „Überfällig“ geworden. Spannende elektronische Musik, angefüllt mit vielen klasse umgesetzten Ideen. Wer Krautrock und elektronische Musik mag, die oder der dürfte mit der Scheibe nichts falsch machen. „Überfällig“ klingt melodiös und ist trotzdem irgendwie experimentell. Musik aus einer Zeit, als man als Musiker noch völlig neue Sachen ausprobieren konnte. Zwölf Punkte.
Grobschnitt – Merry-Go-Round Besetzung: Eroc – drums, hysterical voices Lupo – lead guitar, acoustic guitar, chorus Mist – keyboard castle, chorus Popo Hunter – bass Wildschwein – vocals, guitars Toni Moff Mollo – vocals, lighting design Label: Universal Music Erscheinungsdatum: 1979 Stil: Progressive Rock, Krautrock Trackliste: 1. Come On People (6:35) 2. Merry-Go-Round (6:14) 3. A.C.Y.M. (6:57) 4. Du Schaffst Das Nicht (8:35) 5. Coke Train (4:43) 6. May Day (7:51) Bonus Tracks der remasterten Wiederveröffentlichung von 2015: 7. Merry-Go-Round (Live At Volkshaus, Zürich / 1979) (6:59) 8. Die Säule Der Nation (Live At Volkshaus, Zürich / 1979) (1:18) 9. May Day (Live At Volkshaus, Zürich / 1979) (7:42) 10. Come On People (Live At Ostwestfalenhalle, Kaunitz / 1978) (12:18) 11. Coke Train (Live At Ostwestfalenhalle, Kaunitz / 1978) (4:33) 12. Merry-Go-Round (Session Remix) (5:18) Gesamtspieldauer: 1:19:08
„Merry-Go-Round“ heißt das fünfte Studioalbum der Hagener Progressive Rock oder Krautrock Band Grobschnitt. Im Jahr 1979 wurde die Scheibe ursprünglich auf dem Plattenlabel Metronome veröffentlicht. 2015 gab es eine neue, remasterte Auflage des Albums, welche bei Universal Music erschien. Glasklar kommt hier der Sound zum Tragen und auch bei den zahlreichen Zugaben kann man sich über den Klang wahrlich nicht beschweren.
Was allerdings nicht mehr ganz so gelungen ist, das ist die Musik auf „Merry-Go-Round“. Immer weniger klingt es hier spannend und nach der Band Grobschnitt der Jahre zuvor. Die Lieder sind eher rockig geraten, verfügen allerdings zum Teil schon über einen leicht poppigen Anstrich. Diese ausgelassenen und mit Spielfreude angefüllten Instrumentalpassagen gibt es so nicht mehr auf „Merry-Go-Round“. Die Lieder sind zwar immer noch nicht radiotauglich, doch sie nähern sich diesem Format bereits deutlich an. Grobschnitt klingen etwas austauschbarer.
Die Melodien der Lieder können nicht mehr so punkten, wie auf vorherigen Veröffentlichungen. Die Musik packt deutlich weniger, geht schlechter ins Ohr, ohne dabei jedoch völlig einfallslos oder billig zu klingen. Doch es hat sich etwas geändert in der Musik von Grobschnitt seit „Rockpommel’s Land“. Alles klingt ein wenig unspektakulärer, weniger spannend, ein klein wenig mehr dem damaligen Mainstream unterworfen. Höhepunkt des Albums ist das gleichzeitig längste Stück der Platte „Du Schaffst Das Nicht“. Doch noch niemals hat die Länge eines Liedes eine Aussage über die Qualität eines Stückes zugelassen. Das gilt auch für dieses Lied. Doch die Nummer hat was. „Du Schaffst Das Nicht“ beginnt zart, mit sanften Orgeltönen und steigert sich, wird intensiver. Das Stück wirkt dabei zunächst fast sphärisch und hinterlässt durch seine Entwicklung, sein Anwachsen, gleich von Beginn an Eindruck.
Sechs Stücke gibt es auf der offiziellen Ausgabe des Albums. Gleich sechs Zugaben mit einer Gesamtlaufzeit von knapp vierzig Minuten wurden dieser Veröffentlichung hinzugefügt. Dabei handelt es sich, bis auf die kurze Klamauk-Einlage „Die Säule Der Nation“ und einem Session Remix des Liedes „Merry-Go-Round“, um Live-Aufnahmen der Album-Lieder „Merry-Go-Round“, „May Day“, „Come On People“ sowie „Coke Train“. Diese sind klanglich durchaus hörenswert und unterscheiden sich zum Teil von den Originalen, was für den Fan durchaus einen Mehrwert darstellen dürfte.
Fazit: Mit dem Album „Merry-Go-Round“ machen Grobschnitt die ersten kleinen Schritte in Richtung zur Pop-Band. Noch ist das zum Teil durchaus noch abwechslungsreicher Rock, den man hier zu hören bekommt, doch die Ansätze, weg vom ursprünglichen Genre der Band, sind bereits vorhanden. Kein schlechtes Album, doch hält „Merry-Go-Round“ in meinen Ohren keinen Vergleich zu den Vorgängeralben mehr stand. Schade. Acht Punkte.
Al Stewart – Exitos De Al Stewart Besetzung: Keine weiteren Angaben Gastmusiker: Keine weiteren Angaben Label: RCA Records Erscheinungsdatum: 1979 Stil: Folk Rock Trackliste: 1. Year Of The Cat (6:37) 2. Sand In Your Shoes (3:02) 3. Clifton In The Rain (2:41) 4. Small Fruit Song (1:58) 5. Almost Lucy (3:44) 6. Love Chronicles (18:06) Gesamtspieldauer: 36:08
Alastair Ian „Al“ Stewart ist ein in Glasgow geborener englischer Folk Rock Musiker, der in den Jahren von 1967 bis 2005 insgesamt 16 Studioalben veröffentlichte. „Exitos De Al Stewart“ ist eines der zahlreichen Kompilationsalben des Schotten und wurde im Jahr 1979 in Spanien auf dem Plattenlabel RCA Records veröffentlicht. Die sechs hier enthaltenen Lieder stammen dabei von den Alben „Bed-Sitter Images“ (1967; jedoch war das Lied „Clifton In The Rain“ erst auf der 1970er Wiederveröffentlichung enthalten), „Love Chronicles“ (1969; „Love Chronicles“), „Zero She Flies“ (1970; A Small Fruit Song), „Year Of The Cat“ (1976; „Year Of The Cat“ & „Sand In Your Shoes“, letzteres Lied fälschlicherweise mit „Sands In Your Shoes“ betitelt) sowie „Time Passages“ (1978; „Almost Lucy“).
Al Stewarts Musik ist der zumeist sehr sanfte Folk Rock, in dem er seine Geschichten erzählt und historische Ereignisse aufbereitet. Alles klingt hier eingängig und bis in den letzten Akkord überaus melodiös. Sehr weich hört sich nicht nur die Musik des Al Stewart an, sondern auch seine Stimme, die somit zwar bestens zur Musik passt, allerdings auch wenig Variationen aufweist. Gerade einem Lied wie „Love Chronicles“, welches eine Laufzeit von über achtzehn Minuten aufweist und in dem der Schotte fast durchgängig singt, hätte ein wenig Stimmmodulation durchaus gut getan. Bei kürzeren Nummern ergänzen sich Musik und Stimme da deutlich besser.
Vieles auf diesem Kompilationsalbum geht ins Ohr. Vor allem natürlich das wohl bekannteste Lied des Al Stewart, „Year Of The Cat“. Ein sanfter Ohrwurm, den man, hat man ihn einmal gehört, so schnell nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Allerdings wirken auch die anderen Titel. Besonders erwähnenswert ist hier noch das kurze Stück „Small Fruit Song“. Fast schon eine kleine Gitarren-Instrumentalnummer, bis zum Schluss doch noch der Gesang einsetzt. Wunderschön melodiös und ein kleiner, kurzer Höhepunkt dieser Zusammenstellung.
Fazit: Sehr melodiösen und sanften Folk Rock zelebriert Al Stewart auf seinen Alben. Nicht anders ist das auch auf diesem Kompilationsalbum mit dem Titel „Exitos De Al Stewart“, welches in Spanien veröffentlicht wurde. Alles auf dieser Scheibe klingt weich, egal ob es die Musik ist oder die Stimme des Al Stewart. Zumeist wird hier eine melancholische Atmosphäre über die Musik wie über den Text transportiert, bestens geeignet für die ruhigen Stunden des Lebens. Zehn Punkte.
The Who – The Kids Are Alright (DVD) Besetzung: Roger Daltrey – vocals, harmonica Pete Townshend – vocals, guitar, keyboards John Entwistle – bass guitar, vocals Keith Moon – drums, vocals Label: Sanctuary Records Erscheinungsdatum: 1979 Stil: Rock Trackliste: DVD1: 1. My Generation 2. I Can't Explain 3. Interview, The Who, Russell Harty Plus, London Weekend Television, 3. Januar 1973 4. Baba O'Riley 5. Shout And Shimmy 6. Interview, The Who, Russell Harty Plus, London Weekend Television, 3. Januar 1973, Teil 2 7. Young Man Blues 8. Interview, Pete Townshend, Second House, BBC 2, 29. August 1974 9. Interview, Keith Moon, 8mm Film gefilmt von Jon Rubin, 6. August 1968 10. Interviews, Ringo Starr, 12. August 1977; Keith Moon, 10. August 1977; Ken Russell, 27. März 1975; 11. Tommy, Can You Hear Me 12. Interview, Keith Moon & Ringo Starr, Keith's Home, Malibu, 12. August 1977 13. Pinball Wizard 14. Interview, Pete Townshend, Beat Club, Radio Bremen, 26. oder 18. August 1969 15. See Me, Feel Me 16. Interview, Pete Townshend, Second House, BBC 2, 29. August 1974, Teil 2 17. My Generation (Conclusion) 18. Anyway, Anyhow, Anywhere 19. Interview, The Who, Russell Harty Plus, London Weekend Television, 3. Januar 1973, Teil 3 20. Successs Story 21. Interview, Pete Townshend, A Whole Scene Going, BBC 1, 5. Januar 1966 22. Substitute / Pictures Of Lily / Magic Bus 23. Happy Jack 24. Interviews Pete Townshend, Roger's Home, Burwash, Sussex, September 1971 & Second House, BBC 2, 29. August 1974, Teil 3 25. A Quick One, While He's Away 26. Interviews Pete Townshend, Roger's Home, Burwash, Sussex, September 1971 Teil 2 & Whole Scene Going, BBC 1, 5. Januar 1966, Teil 2 27. Interview, Keith Moon & Ringo Starr, Keith's Home, Malibu, 12. August 1977, Teil 2 28. Cobwebs And Strange 29. Interview, The Who, Russell Harty Plus, London Weekend Television, 3. Januar 1973, Teil 4 30. Interview, Keith Moon & Ringo Starr, Keith's Home, Malibu, 12. August 1977, Teil 3 31. Interview Pete Townshend, Pete's Home, Twickenham, Middlesex, Oktober 1977 32. Sparks 33. Barbara Ann 34. Roadrunner / My generation Blues 35. Interviews, Pete Townshend, 21. Juni 1966; Pete Townshend & Keith Moon, 21. Juli 1977; The Who, 3. Januar 1973; Pete Townshend, 5. Januar 1966; Pete Townshend, 15. Dezember 1977; John Entwistle, 5-6 Januar 1978; Keith Moon, September 1975; Pete Townshend, Oktober 1977; 36. Interview, The Who, Russell Harty Plus, London Weekend Television, 3. Januar 1973, Teil 5 37. Who Are You 38. Interview, The Who, Russell Harty Plus, London Weekend Television, 3. Januar 1973, Teil 6 39. My Generation 40. Interviews, John Entwistle, 5-6 Januar 1978; Roger Daltrey, 1977; Keith Moon, September 1971; Pete Townshend, Oktober 1977; 41. Won't Get Fooled Again 42. Long Live Rock 43. The Kids Are Alright Gesamtspieldauer DVD1: ~109 Minuten DVD2: •Interviews With Roger Daltrey And Director Jeff Stein •Full-Length Audio Commentary •Never Before released Footage •Multi Camera Angles •Isolated John Entwistle Audio Track •Documentary Look At The Restauration •Video / Audio Showdown: Old Versus New •The Who's London: Interactive Tour •Games •Slide Show •5.1 Mix Of TAlbum Version Of „Who Are You“ •On-Screen Liner Notes And Subtitles •Hidden Features
„The Kids Are Alright“ ist eine Art Dokumentation über die englische Rock Band The Who, die ursprünglich im Jahr 1979, ein Jahr nach Keith Moons Tod, veröffentlicht worden war. Der Film enthält Live Auftritte, Fernseh-Auftritte sowie zahlreiche Interview-Sequenzen aus den Jahren 1964 bis 1978. In den Interviews kommen vor allen Dingen die Musiker zu Wort und man lernt sie während des Verlaufs ein wenig mehr kennen. Im Jahr 2003 wurde, der ursprünglich auf VHS erhältliche Film, auf DVD wiederveröffentlicht. Hier gab es nun, neben dem Original-Film, auch eine Version mit Kommentaren von Regisseur Jeff Stein sowie Produzent John Albarian, ein 32-seitiges Heftchen mit zusätzlichen Informationen sowie eine Bonus-Disc mit über drei Stunden zusätzlichem Material.
Der Film ist wahrlich eine Dokumentation über diese stilgebende Band und wer hier eine Aneinanderreihung von Liedern, Konzerten und Fernsehauftritten erwartet, die oder der wird von der DVD enttäuscht werden. Die einzelnen Musikstücke gibt es zwar zu sehen und zu hören, wrden allerdings immer wieder durch Interviews, mal lustig und ausgelassen, mal eher nachdenklich, unterbrochen. Längst nicht alle „wichtigen“ Titel oder Hits von The Who sind auf „The Kids Are Alright“ enthalten, darum ging es bei der Erstellung dieses Materials auch nicht. Der Film sollte The Who erklären und genau das gelingt ihm auch sehr gut. Natürlich sieht man hier ebenso diverse „Explosion“ der zerstörerischen Art, wenn vor allen Dingen Keith Moon und Pete Townshend am Ende so manchen Auftritts ihre Instrumente auf der Bühne in Kleinteile zerlegen. Was immer man davon auch halten mag, Aufsehen haben die vier Musiker dadurch auf jeden Fall erhalten sowie erregt und galten lange Zeit als die „wildeste“ Band im Rock-Business der damaligen Epoche.
Eine Woche, nachdem sich Keith Moon zusammen mit Roger Daltrey die Roh-Fassung des Films angesehen hatte, verstarb der Schlagzeuger der The Who an einer Überdosis Tabletten, die er einnahm, um seinen Alkoholismus zu bekämpfen. Der Ablauf des Films wurde daraufhin nicht mehr verändert, weiter stand die Band im Vordergrund und damit alle vier Musiker, nämlich Pete Townshend, Roger Daltrey, John Entwistle und eben Keith Moon.
Fazit: Wer die Musik von The Who mag und die Band besser kennenlernen möchte, dem sei die DVD „The Kids Are Alright“ wärmstens empfohlen. Es gibt zwar keine deutsche Tonspur, noch nicht einmal deutsche Untertitel, wer jedoch dem Englischen ein wenig mächtig ist, sollte hier nur auch kaum Probleme haben. Man darf diesen Film nur nicht als Musikfilm sehen, obwohl natürlich jede Menge Musik darin vorkommt und zu hören ist. Trotzdem ist „The Kids Are Alright“ sehr viel eher eine Dokumentation von The Who über etwa eineinhalb Jahrzehnte. Zwölf Punkte.