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Samstag, 18. Februar 2023

Deus – How To Replace It

 



Deus – How To Replace It


Besetzung:

Tom Barman – vocals, guitars, bass, piano, synthesizers, claps
Klaas Janzoons – violin, keyboards, synthesizer, piano, organ, percussion, clavichord, backing vocals, claps
Alan Gevaert – bass, guitars, backing vocals
Stephane Misseghers – drums, percussion, timpani, vocals, backing vocals


Gastmusiker:

Mauro Pawlowski – guitars, strings, backing vocals
Bruno De Groote – guitars, piano, banjo
Joris Caluwaerts – synthesizer
John Birdsong – trumpet
Bandoneon – Gwen Cresens
Sjoerd Bruil – guitars
Sebastian van den Branden – drums, percussion, synthesizer
CJ Bolland – synthesizer, programming
Steve de Bruyn – blues harp
Lies Lorquet – vocals, backing vocals
Sylvie Kreusch – backing vocals
Destiny Adia Andrews – choir
Naomi Leanne Parchment – choir
Kersha Bailey – choir




Erscheinungsjahr: 2023


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. How To Replace It (5:30)
2. Must Have Been New (3:46)
3. Man Of The House (5:12)
4. 1989 (5:05)
5. Faux Bamboo (4:27)
6. Dream Is A Giver (4:34)
7. Pirates (4:42)
8. Simple Pleasures (3:32)
9. Never Gonna Get You High (3:36)
10. Why Think It Over (Cadillac) (5:07)
11. Love Breaks Down (3:42)
12. Le Blues Polaire (6:36)

Gesamtspieldauer: 55:54



Nach elf Jahren, nachdem wohl nur noch wenige Hörerinnen und Hörer damit gerechnet haben, veröffentlichen die Belgier endlich wieder ein neues, ihr achtes Studioalbum. „How To Replace It“ heißt dieses und erschien am 17. Februar auf dem Plattenlabel Pias Recordings.

Manchmal scheint die Zeit wahrlich still zu stehen beziehungsweise scheinen sich Dinge doch nicht zu ändern. Denn auch nach solch einer langen Zeit klingen dEUS immer noch nach dEUS. Das bedeutet, man hört auf „How To Replace It“ immer noch diesen unverwechselbaren Sound, der so typisch für die im Jahr 1991 in Antwerpen gegründete Band ist: Immer wieder überraschender Alternative Rock, der auch mal mit schrägeren Tönen daherkommt und sich trotzdem eingängig und melodisch anhört.

Auf „How To Replace It“ klingt es mal rockig, mal poppig, mal progressiv, dann wieder ein wenig experimentell, mal elektronischer, mal sehr viel „handgemachter“. Einige musikalische Stile werden hier miteinander kombiniert, ohne dass dies konstruiert klingen würde. Gemeinsam ist all den Stücken zudem, dass sie mit jedem weiteren Durchlauf noch besser zu klingen scheinen, denn auch so mancher „dissonanter“ Ton, so manch überraschende Wendung muss erst vom Ohr verarbeitet werden, um beim wiederholten Hören schon sehr viel vertrauter und schließlich genau richtig zu erklingen. Dies macht „How To Replace It“ zusätzlich spannend. Mit dem letzten Titel „Le Blues Polaire“ hat Tom Barman dieses Mal auch ein Lied ganz in Französisch eingesungen.

Mit den Favoriten auf einem Album ist das natürlich immer Geschmackssache. Mein Favorit auf „How To Replace It“ ist das Eröffnungs- und Titelstück. In diesem Lied kumuliert sich alles, was für mich die Musik der Belgier ausmacht. Besondere Musik, die anders klingt als andere Bands. Und da sich zudem kein Ausfall auf diesem achten Album von dEUS befindet, macht es einfach Spaß die Platte aufzulegen und in einem durchzuhören.

Fazit: Unverwechselbar dEUS, auch nach bald elf Jahren, seit dem letzten Studioalbum. Wer die Musik der Belgier von früheren Alben her kennt und mochte, wird sicherlich auch von „How To Replace It“ nicht enttäuscht werden. Alternative Rock, der irgendwie anders klingt. Für „Andershörerinnen“ und „Andershörer“ sehr lohnend. Zehn Punkte.

Anspieltipps: How To Replace It



Mittwoch, 18. April 2018

Vaya Con Dios – Night Owls




Vaya Con Dios – Night Owls


Besetzung:

Dani Klein – vocals, backing vocals
Dirk Schoufs – contra bass
Jean-Michel Gielen – acoustic guitar


Gastmusiker:

Eric Melaerts – acoustic guitar
Koen De Cauter – acoustic guitar
Bruno Castellucci – drums
Marcel De Cauwer – drums
Luc Vanden Bosch – drums
Patrick Mortier – trumpet, flugelhorn
Jean Van Wouwe – saxophone
Clement Van Hove – trombone
Verona Davis – background vocals
Maria Lekranty – background vocals
Regina Lekranty – background vocals
Steve Clisby – background vocals
Jason Johnson – background vocals
Ingrid Simons – background vocals
Frank Wuyts – piano
André Brasseur – hammond organ
Frank Michiels – percussion
Jean-Louis Roques – accordion


Label: BMG Ariola


Erscheinungsdatum: 1990


Stil: Latin Pop, Gypsy, Soul, Blues, Pop


Trackliste:

1. Nah Neh Nah (2:56)
2. Far Gone Now (3:11)
3. Sunny Days (3:27)
4. Sally (3:35)
5. Something’s Got A Hold On Me (2:39)
6. I Don’t Want To Know (3:33)
7. What's A Woman? (3:55)
8. Night Owls (3:59)
9. Pack Your Memories (3:06)
10. With You (3:17)
11. Travelling Light (3:33)
12. Quand Elle Rit Aux Éclats (3:46)

Gesamtspieldauer: 41:02



Vaya Con Dios war eine belgische Band, die dafür stand, musikalische Stile zu kombinieren und zu vermischen. Ein weiteres Kennzeichen der Band, die von 1986 – 1996 und von 2004 – 2014 aktiv war, ist die ausdrucksstarke Stimme von Sängerin Dani Klein. Vaya Con Dios sind bis heute die erfolgreichste belgische Band und verkauften bisher über sieben Millionen Alben weltweit. „Night Owls“ heißt das zweite Studio-Album von Vaya Con Dios und erschein am 25. April im Jahr 1990 auf dem Plattenlabel BMG Ariola. Gleichzeitig war diese Scheibe auch die erfolgreichste der Band in Deutschland.

Auch auf diesem Album hört man den Stilmix der Belgier, der von Gypsy-Musik über Latin-Klänge bis hin zu Soul, Pop und Blues reicht. Ein einheitliches Bild gibt solch eine Platte dementsprechend keineswegs ab. Das Album startete jedoch in den Charts durch, was nicht zuletzt am Hit „Nah Neh Nah“ lag, ein Lied, welches im Refrain jede und jeder bereits beim ersten Mal des Hörens mitsingen kann. Seltsamerweise heißt das Lied allerdings „Nah Neh Nah“, obwohl Dani Klein immer „Neh Nah Nah Nah“ singt. Das Lied ist ein Ohrwurm und setzt sich fest, sobald man es einmal gehört hat. Kommt gut in Bierzelten. Leider nervt der Titel auch ziemlich schnell.

Der Rest der Platte geht dann deutlich schlechter ins Ohr. Die Brass-Abteilung hat immer wieder ihren Auftritt und mitunter swingt es auch ganz nett, doch überzeugend oder gar mitreißend klingt da nichts. Am gelungensten klingt für meine Ohren noch „I Don’t Want To Know“. Ein melancholisches bis sehnsüchtiges und sanftes Lied, mit viel Akkordeon, welches durchaus auch eingängig ist. Leider war es das dann allerdings auch bereits, der ganze Rest der Scheibe läuft so durch und ist deutlich weniger interessant.

Fazit: Einen gewagten Stilmix haben die Belgier von Vaya Con Dios auf ihrem zweiten Album „Night Owls“ versammelt. Dieser kam allerdings bei den Käuferinnen und Käufern gut an, denn diese griffen beherzt zu und machten diese Platte zusammen mit dem Nachfolger „Time Flies“ zu den erfolgreichsten Platten der Band. Insgesamt wirkt das Album dadurch allerdings sehr uneinheitlich und hat außer dem bekannten Stück „Nah Neh Nah“ nicht viel mehr zu bieten. Fünf Punkte.

Anspieltipps: Nah Neh Nah, I Don’t Want To Know



Freitag, 19. Januar 2018

Warhaus – Warhaus




Warhaus – Warhaus


Besetzung (ohne Instrumentenangabe):

Marten Devoldere
Jasper Maekelberg
Michiel Balcaen
Sylvie Kreusch
Bart Verwaeck
Boris van Overschee
Casco Phil
Christophe Claeys
David Sanders
Geoffrey Burton
Jens Bouttery
Lennart Heyndels
Nathan Daems
Pieter Kindt
Senne Guns
Sep Françoise
Simon Casier


Label: Play It Again Sam


Erscheinungsdatum: 2017


Stil: Independent Rock


Trackliste:

1. Mad World (3:39)
2. Love’s A Stranger (3:26)
3. Well Well (4:41)
4. Control (3:55)
5. Dangerous (5:37)
6. Bang Bang (4:17)
7. Everybody (4:43)
8. No Such High (3:05)
9. Kreusch (4:08)
10. Fall In Love With Me (4:26)

Gesamtspieldauer: 42:01




Warhaus heißt das Solo-Projekt des Belgiers Maarten Devoldere. Dieser ist auch noch Sänger der Band Balthazar und gründete im Jahr 2016 seine zweite Band Warhaus. In diesem Jahr erschien auch das erste Album. Am 13. Oktober 2017 wurde schließlich dann die zweite, selbstbetitelte Scheibe auf dem Plattenlabel Play It Again Sam veröffentlicht. Auf „Warhaus“ von Warhaus hört man sanften und durchaus harmonischen Independent Rock, der wie ein ruhiger Fluss aus den Boxen zu strömen scheint. Bassist Simon Casier sowie Schlagzeuger Michiel Balcaen seiner Band Balthazar unterstützten Maarten Devoldere unter anderem beim Einspielen des Albums.

Zu hören ist auf der Platte sehr unaufgeregter Independent Rock, der atmosphärisch immer wieder an die Musik des Leonard Cohen erinnert – ohne jedoch vollständig damit vergleichbar zu sein. Nicht ganz ins Bild der Musik des Kanadiers passt die zwar überzeugende und ebenfalls sanfte, jedoch anders klingende Stimme des Belgiers Maarten Devoldere. Auch teilt sich dieser seinen Gesangpart ab und an mit Sylvie Kreusch. Die Musik klingt sanft, enthält allerdings auch den ein oder anderen experimentelleren Ansatz in Form von etwas schrägeren Tönen oder Sounds. Und schließlich ist es die Musik selbst, die zwar klingt, doch nicht diesen Eindruck hinterlässt. Die einzelnen Stücke hören sich durchaus melodisch und harmonisch an, es fehlt jedoch das gewisse Etwas, über welches ein Lied auch verfügen sollte, um auch längerfristig hängen zu bleiben.

Somit lassen sich auch kaum bis keine Höhepunkte auf „Warhaus“ von Warhaus ausmachen. Allerdings soll hier auch nicht unerwähnt bleiben, dass es ebenso keine Ausfälle auf dem Album zu beklagen gibt. Alles klingt und das gar nicht mal schlecht. Die einzelnen Stücke gehen durchaus ins Ohr, plätschern allerdings im weiteren Verlauf der Platte immer weiter vor sich hin, sodass es keinen wirklichen Grund gibt einmal aufzuhorchen. Wenn dann schließlich noch, wie beim Titel „Everybody“, der Einsatz der Streicher etwas übertrieben wird, dann wird dieses Plätschern zum süßlichen Säuseln und noch etwas uninteressanter.

Fazit: Sanfte, sehr sanfte Töne gibt es überwiegend von Warhaus auf ihrem zweiten, selbstbetitelten Album zu hören. Die Musik klingt durchaus, geht auch ins Ohr, erinnert dabei immer wieder mal an Leonard Cohen, schafft es jedoch nicht, restlos zu überzeugen. Dazu wirken die einzelnen Titel einfach etwas zu wenig, hallen viel zu wenig nach. Nett anzuhören ist das Album allerdings trotzdem, schlechte und totlangweilige Musik klingt definitiv ganz anders. Acht Punkte.

Anspieltipps: Mad World, Kreusch



Dienstag, 21. Februar 2017

Deus – Selected Songs 1994 – 2014




Deus – Selected Songs 1994 – 2014


Besetzung:

Keine weiteren Angaben


Gastmusiker:

Keine weiteren Angaben


Label: Play It Again Sam


Erscheinungsdatum: 2014


Stil: Independent Rock


Trackliste:

CD1:

1. Instant Street (6:13)
2. The Architect (3:57)
3. Little Arithmetics (4:29)
4. Constant Now (3:46)
5. Hotellounge (Be The Death Of Me) (6:23)
6. Slow (6:09)
7. Roses (4:52)
8. Via (4:12)
9. Quatre Mains (4:54)
10. Fell Off The Floor, Man (5:14)
11. Sun Ra (Live At A38 Budapest, 03.03.2012) (6:13)
12. Suds & Soda (5:13)
13. Theme From Turnpike (5:46)
14. Ghost (4:33)
15. Bad Timing (7:07)


CD2: 

16. The Real Sugar (3:57)
17. Nothing Really Ends (5:28)
18. Serpentine (3:18)
19. Magic Hour (5:24)
20. Eternal Woman (4:23)
21. Right As Rain (4:22)
22. Include Me Out (5:01)
23. 7 Days, 7 Weeks (3:54)
24. Nothings (2:29)
25. Wake Me Up Before I Sleep (2:55)
26. Smokers Reflect (4:27)
27. Secret Hell (5:00)
28. Magdalena (4:58)
29. Disappointed In The Sun (6:04)
30. Twice (We Survive) (4:31)

Gesamtspieldauer CD1 (1:19:09) und CD2 (1:06:17): 2:25:26




„Selected Songs 1994 – 2014“ ist eine Art „Best Of…“-Album der belgischen Band Mal Deus, die sich hin du wieder auch gerne dEUS schreibt. Tom Barman, der Kopf hinter der „Überschrift“ Deus, hat hier dreißig Titel auf zwei CD’s zusammengestellt, die das Wirken und Schaffen der Band in diesen zwei Jahrzehnten durchaus sehr gut wiedergeben. Neben den etwas bekannteren Stücken gibt es hier auch ausgefallenere Musik zu hören, die Deus eben zu einer ganz besonderen und garantiert nicht alltäglichen Band werden lässt.

Mag man diesen Sound von Deus, dann wird man begeistert sein von „Selected Songs 1994 – 2014“. Die Lieder sind auf dem Album so angeordnet, dass ein eher „normales“ Alternative- bis Independent-Rock Lied zwischen zwei Nummern angesiedelt ist, die dann deutlich experimenteller und schräger klingen. So wird die Scheibe niemals langweilig, allerdings kann man sich hier auch nicht auf eine bestimmte Richtung in der Musik einstellen. Dies liegt auch daran, dass die Stücke nicht chronologisch angeordnet wurden, sondern wild durcheinandergemischt sind. Die etwas avantgardistischeren Titel der frühen Zeit treffen auf die eher rockigen Nummern der neueren Karriere von Deus.

Unveröffentlicht war von den Titeln bisher nur die Live-Version von „Sun Ra“, ansonsten befinden sich die Lieder auf den bisherigen Studio-Alben. Höhepunkte findet man natürlich einige auf „Selected Songs 1994 – 2014“, wenn man diese ausgewählten Stücke sicherlich auch nicht alle als die Lieder ansieht, welche man selbst dem Album hinzugefügt hätte. Aber das ist natürlich Geschmackssache. Um jedoch zumindest ein paar Höhepunkte zu nennen, seien an dieser Stelle die Lieder „Instant Street“, „The Architect“, „Quatre Mains“, „Theme From Turnpike“, „Bad Timing“, „Right As Rain“, „Magdalena“ und „Twice (We Survive)“ erwähnt. Alles Indie-Rock-Stücke, die das gewisse Etwas haben, was einen guten Song von einem mittelmäßigen unterscheidet. Alles Nummern, die ins Ohr gehen und dabei niemals platt klingen. Jemand anderes hätte hier aber wohl wieder andere Titel aufgeführt, auch hier, Geschmackssache eben.

Fazit: „Selected Songs 1994 – 2014“ ist ein „Best Of…“-Album der belgischen Band Deus. Besitzt man die Studioalben bereits, so muss man diese Scheibe wahrlich nicht besitzen, auf der lediglich das live eingespielte „Sun Ra“ in dieser Version noch unbekannt ist. Mag man sich allerdings einen Überblick über das Werk von Deus in diesen Jahren verschaffen, so ist „Selected Songs 1994 – 2014“ sicherlich eine lohnende Anschaffung. Die Musik selbst ist interessanter und spannender Indie-Rock, die lohnt gehört zu werden. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Bad Timing, Magdalena, Twice



Freitag, 16. September 2016

Nicholas Lens – Flamma Flamma




Nicholas Lens – Flamma Flamma


Besetzung:

Gesang der einzelnen Rollen:

Claron McFadden – Luna-Serena
Na Verne Williams – Maramnan
Gary Boyce – Ismaïl
Zeger Vandersteene – Stoycé
Henk Lauwers – Lucifer
Marcello Rosca – Flammarius
The Fireflies, Lecka, Pecka & Flecka – Nadka Karadjova, Anastassia Kostova, Kera Damianova


Flemisch Radio Choir – The Anonymous Mass
Makiko Goto – Koto
Gondwana Orchestra – Chamber Orchestra


Label: BMG


Erscheinungsdatum: 1994


Stil: Zeitgenössische Klassik


Trackliste:

1. Hic Iacet I (5:42)
2. Hic Iacet II (9:08)
3. Sumus Vicinae (4:59)
4. Tegite Specula (6:06)
5. Complorate Filiae (4:14)
6. Vale Frater (4:13)
7. Amice Mi (4:41)
8. Corpus Inimici (5:26)
9. Deliciae Meae (4:54)
10. Flamma Flamma (3:19)
11. Ave Ignis (4:44)
12. In Corpore (4:59)
13. Agnus Purus (5:57)
14. Ardeat Ignis (7:17)

Gesamtspieldauer: 1:15:47




Ich höre zwar gerne klassische Musik, wenn auch deutlich weniger als populäre Musik. So habe ich mir auch immer wieder entsprechende Platten und CD’s zugelegt, sehr subjektiv und trotzdem hatte ich die Besprechung von klassischer Musik auf diesen Seiten für mich absolut ausgeschlossen. Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ und Edvard Griegs „Peer Gynt“ sind klasse und etwas Anderes soll nicht so gut sein? Oder noch besser, die Aufnahme hier ist toll, diese andere da geht schon mal gar nicht, weil da der Dirigent oder das Orchester versagt haben? Nein, so etwas maße ich mir nicht an, so etwas könnte ich unmöglich beurteilen.

Trotzdem möchte ich hier nun ein Stück moderne Klassik vorstellen, sogar eine Oper, obwohl ich mit Opern allgemein nur ganz wenig anzufangen weiß und mich dabei maximal einzelne Arien ab und zu ansprechen. Kunstbanause, ich weiß. Aber hier ist es anders, ganz anders. Hier es geht um den ersten Teil der Trilogie „The Accacha Chronicles“ des Belgiers und zeitgenössischen Komponisten Nicholas Lens. Dieser erste Teil der Trilogie, „Flamma Flamma“, der ursprünglich im Jahr 1994 von Sony Classical veröffentlicht wurde, ist ein Stück Musik, welches beim Hören sehr viel Eindruck hinterlässt.

„Flamma Flamma“ ist ein Erlebnis. „Flamma Flamma“ ist mystisch und packend, ist abwechslungsreich und aufregend. „Flamma Flamma“ ist eingängig und muss doch erarbeitet werden. „Flamma Flamma“ ist etwas ganz Besonderes. Eine Oper, welche man einmal gehört so schnell nicht mehr vergessen wird. Da ist dieser unfassbar intensive Chorgesang, neben zahlreichen, sehr ergreifenden Soloauftritten. Da ist diese Kammerorchestrierung, die um die japanische Koto erweitert wurde. Die Instrumentierung ist dabei, auch von ihrer Art her, nur in wenigen Fällen mit der einer klassischen Oper zu vergleichen. Diese Instrumentierung wirkt hier irgendwie filigraner, feiner.

Man kann eintauchen in diese Musik, bei der es Stücke gibt, die sofort zu wirken verstehen. Bei anderen wiederum benötigt man eine gewisse Zeit, um diesen ganzen Kosmos durchsteigen zu können. Auf „Flamma Flamma“ ist ein Märchen zu hören, in dem Flammarius, der Feuergott, sich mit seinem Gefolge auf die Erde begibt und dort einiges an Unheil anrichtet. Wenn man der lateinischen Sprache nicht mächtig ist – und ich befürchte an dieser Stelle, dass hier das große Latinum, erworben vor wenigen Jahren, auch nicht mehr ausreicht – versteht man nicht viel bis gar nichts von der Story. Ist nicht weiter schlimm, denn es geht sehr viel mehr um die Stimmung, die Atmosphäre, die hier durch die verschiedenen Charaktere auf das Allerbeste transportiert wird. Die Geschichte zu dieser Musik entsteht dabei ganz wie von selbst bei der Hörerin, bei dem Hörer. Und diese wird bei jedem eine ganz andere sein. So hört man die Kraftvollen, die Leidenden, die Mahnenden, die Verzweifelten, die Anklagenden und die Erwartungsvollen. Oder interpretiere ich das alles nur hinein? Nun egal, denn dieses „Flamma Flamma“ verzaubert einen mit sehr intensiver Musik und Gesängen, wie sie es in dieser Art und Weise nur selten zu hören gibt. Die dabei entstehende Welt ist eine rein geistige, die es nur je einmal im Kopf von Hörerin und Hörer gibt, sodass jeder etwas völlig anderes damit assoziieren wird.

Fazit: „Flamma Flamma“ von Nicholas Lens ist besondere Musik. Es ist Musik die packt und inspiriert. Was jede beziehungsweise jeder Einzelne darin sehen und finden wird, hält sicher den ganzen Fächer der Emotionen parat. Kalt lassen wir einen diese Musik allerdings bestimmt nicht. Die Gesänge erinnern in manchen Bereichen an klassische Opern, in anderen Bereichen an experimentelle Musik, in wieder anderen Bereichen an eine Märchenstunde. Die Musik selbst ist angelegt zwischen Klassik und moderner Musik, alles perfekt verwoben. Lohnt sich sehr. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Sumus Vicinae, Tegite Specula, Deliciae Meae, Agnus Purus



Mittwoch, 14. Oktober 2015

Deus – Keep You Close




Deus – Keep You Close


Besetzung:

Tom Barman – vocals, guitar, keyboards
Klaas Janzoons – violin, keyboards, vocals, percussion, string arrangements
Stéphane Misseghers – drums, percussion, vocals, keyboards
Mauro Pawlowski – guitar, vocals, keyboards, string arrangements
Alan Gevaert – bass, vocals, guitar, mandolin


Gastmusiker:

Els Becu – marimba, vibraphone
Jon Birdsong – bugle, horns, trumpet
C. J. Bolland – additional programming
Esmé Bos – backing vocals
Stefan Bracaval – extended flutes
Greg Dulli – vocals
Anton Janssens – rhodes piano
Roos Janssens – backing vocals
Trijn Janssens – backing vocals
Sabine Kabongo – backing vocals
Mark Steylaerts Ensemble – strings
Charlotte Timmers – backing vocals
Piet Van Bockstal – oboe
Tim Vanhamel – vocals


Label: Universal Music


Erscheinungsdatum: 2011


Stil: Independent Rock


Trackliste:

1. Keep You Close (5:16)
2. The Final Blast (4:39)
3. Dark Sets In (4:53)
4. Twice (We Survive) (4:33)
5. Ghost (4:36)
6. Constant Now (3:48)
7. The End Of Romance (4:38)
8. Second Nature (4:03)
9. Easy (6:38)

Gesamtspieldauer: 43:08




„Keep You Close“ heißt das sechste Studio-Album der belgischen Independent Rockband Deus, die sich eigentlich „dEUS“ schreibt. Und um es gleich vorweg zu nehmen, „Keep You Close“ ist ein gutes und sehr überzeugendes Album geworden. Es erschien im Jahr 2011 beim belgischen Universal Music Ableger und ist angefüllt mit jeder Menge sehr eingängiger und melodiöser Lieder. Die Musik auf „Keep You Close“ ist dabei keineswegs „hart“, sondern sehr viel eher im Mid-Tempo angesiedelt.

Absolut melodiös und eingängig klingen die hier enthaltenen Lieder, die einzelnen Titel zünden bereits beim ersten Hören und bleiben auch nachhaltig hängen. Das beginnt sofort mit dem Opener und dem gleichzeitigen Titellied „Keep You Close“. Eine rockige Nummer, leicht angepoppt und mit zahlreichen Streichern garniert, die hier überhaupt nicht aufgesetzt klingen, sondern das richtige Maß finden. Der erste Ohrwurm auf der Platte. Das ist auch „Dark Sets In”, allerdings in der etwas rockigeren Version. Jedoch auch hier gilt: Großartige Anlaufzeit benötigt auch dieses Lied nicht, um zu überzeugen und sich im Musikzentrum des Hörers festzusetzen.

Und so könnte ich hier einen Titel nach dem anderen aufführen, denn auf „Keep You Close” gibt es nur wenig zu bemängeln – wenn überhaupt – und auch keinerlei Ausfälle zu beklagen. Natürlich erfinden die Belgier hier die Musik nicht neu, jedoch zelebrieren sie auf dieser Scheibe mitreißenden Independent Rock, der es in sich hat und mit jedem Takt, jedem Akkord zu überzeugen versteht. Und dass es dabei nicht immer ganz geradlinig zugehen muss, beweisen die fünf Musiker mit der letzten Nummer „Easy“, die gar nicht mal so „easy“ klingt, sondern etwas verschroben, fordernder und trotzdem ebenfalls ins Ohr geht.

Fazit: Ein tolles Independent Rock Album haben dEUS hier ihren Hörern vorgelegt, welches sicherlich mit zu den besten der Band überhaupt gehört. Es ist immer wieder schön zu sehen beziehungsweise zu hören, dass manche Musiker nach spätestens drei Alben eben noch nicht ihr „ganzes Pulver verschossen“ haben, sondern immer noch tolle Platten vorlegen können. Auf „Keep You Close“ gibt es was für den Rock Fan und auch, aufgrund der Melodiösität, etwas für Freunde der eher eingängigeren, sanfteren Töne. Ein Album, welches Spaß macht auf mehr. Elf Punkte.

Anspieltipps: Keep You Close, Dark Sets In, Twice (We Survive), Easy



Freitag, 14. August 2015

Deus – Vantage Point




Deus – Vantage Point


Besetzung:

Stéphane Misseghers – drums
Klaas Janzoons – violin, keyboards, mandoline
Alan Gevaert – bass
Mauro Pawlowski – guitar
Tom Barman – vocals, electric and acoustic guitar


Gastmusiker:

Lies Lorquet – vocals
Karin Dreijer Andersson – vocals
Guy Garvey – vocals


Label: V2 Records


Erscheinungsdatum: 2008


Stil: Independent Rock


Trackliste:

1. When She Comes Down (5:05)
2. Oh Your God (3:51)
3. Eternal Woman (4:22)
4. Favourite Game (4:11)
5. Slow (6:08)
6. The Architect (3:56)
7. Is A Robot (4:57)
8. Smokers Reflect (4:26)
9. The Vanishing Of Maria Schneider (4:43)
10. Popular Culture (4:56)

Gesamtspieldauer: 46:41




Klar, Bands entwickeln sich weiter. „Vantage Point“ ist das fünfte Album der belgischen Band um den Songschreiber, Gitarristen und Sänger Tom Barman und erschien im Jahr 2008, vierzehn Jahre nach dem Debut-Album „Worst Case Scenario“. Im Falle von Deus bedeutet diese „Weiterentwicklung“ allerdings eine Entwicklung hin zur „Normalität“. Aus der oftmals experimentellen Band Deus ist eine etwas angepasstere Rock-Band geworden, die sich dem Markt gegenüber etwas geöffnet hat, um vielleicht dort auch noch Fans zu gewinnen.

Dass solch eine Vorgehensweise nicht auf ungeteilten Zuspruch bei den Fans der ersten Tage treffen dürfte, ist nicht weiter verwunderlich. Dennoch darf man Deus auch nicht Unrecht tun. Nach 08/15-Rock klingt das nämlich immer noch nicht. Auf „Vantage Point“ hört man Independent Rock, der zumeist im Mid-Tempo angesiedelt ist und keineswegs zu angepasst, sondern immer noch spannend und interessant klingt. Auch benötigt man durchaus einige Durchläufe der Scheibe, um mit ihr wärmer zu werden. So beim ersten Hören will da nur wenig sofort zünden. Dann jedoch, nach mehrmaligem Durchhören, erschließen sich einem die Melodien sehr viel besser und bleiben plötzlich auch hängen.

Zwar können einen auch dann, nach vielen Malen des Hörens, noch nicht alle Titel restlos überzeugen, jedoch zeigen sich auch einige Perlen auf „Vantage Point“. Eine davon ist sicherlich „Slow“, das längste Lied des Albums. Hier klingen Deus durchaus noch ein wenig wie im letzten Jahrtausend. Das ist Lied weist einige experimentelle Züge bezüglich der Instrumentierung auf, ist spannend und mit einem wunderschönen Refrain ausgestattet, der immer mehr in den Fokus des Songs rückt. Ein weiterer Höhepunkt ist die letzte Nummer der Scheibe, „Popular Culture“. Sehr eingängig, selbst beim ersten Mal des Hörens. Dazu singt ein ganzer Chor im Refrain, lässt das Stück noch ein wenig melodiöser werden. Ein Lied, welches hängenbleibt. Neben diesen beiden Höhepunkten finden sich durchaus noch weitere sehr gelungene Nummern, die sowohl den Fans der ersten Stunde der Band, wie auch neuen Freunden der Musik von Deus gefallen dürften.

Fazit: Klar, Deus ist nicht mehr dieselbe Band, die sie zehn Jahre zuvor war. Viele kritisieren das. Die Band hat sich „weiterentwickelt“, wie man so schön sagt, was nicht zuletzt wohl auch daran liegen dürfte, dass es im Laufe der Jahre einige Umbesetzungen im Line-Up von Deus gab. Dazu hat sich die Musik allgemein natürlich auch weiterentwickelt, ist nie stehengeblieben, was selbstverständlich auch immer Auswirkungen auf eine Band haben kann, wenn sie denn nicht selbst der Taktgeber ist. Deus ist etwas angepasster geworden, trotzdem weiß die Platte „Vantage Point“ an vielen Stellen zu überzeugen und so richtige Ausfälle gibt es ohnehin nicht zu beklagen. Von daher – hörenswert. Neun Punkte.

Anspieltipps: Slow, Popular Culture 



Mittwoch, 1. Oktober 2014

Deus – Pocket Revolution




Deus – Pocket Revolution


Besetzung:

Stéphane Misseghers – drums
Klaas Janzoons – violin, keyboards, mandoline
Alan Gevaert – bass
Mauro Pawlowski – guitar
Tom Barman – vocals, electric and acoustic guitar


Label: V2 Records


Erscheinungsdatum: 2005


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Bad Timing (7:08)
2. 7 Days, 7 Weeks (3:53)
3. Stop-Start Nature (4:28)
4. If You Don't Get What You Want (3:49)
5. What We Talk About (When We Talk About Love) (4:49)
6. Include Me Out (5:02)
7. Pocket Revolution (6:01)
8. Nightshopping (4:04)
9. Cold Sun Of Circumstance (5:44)
10. The Real Sugar (3:59)
11. Sun Ra (6:44)
12. Nothing Really Ends (5:36)

Gesamtspieldauer: 1:01:16




„Pocket Revolution“ wurde sechs Jahre nach dem Vorgänger „The Ideal Crash“ veröffentlicht und stellt gleichzeitig das vierte Album der belgischen Band Deus dar, die im mGrunde genommen „dEUS“ heißt. Nun, wer auf gut gemachten Alternative Rock sehr, der melodiös ist und sofort ins Ohr geht, dem sei diese Platte wärmstens empfohlen.


Ganz im Stile des Vorgängers, bekommt der geneigte Musik-Freund auch auf „Pocket Revolution“ sehr intelligenten und spannenden Rock geboten, der mal sanfter, mal härter aus den Boxen dringt und an ein paar Stellen fast schon zu explodieren scheint. Und dies immer dann, wenn Sänger, Gitarrist und hauptsächlicher Songschreiber Tom Barman alles, aber wirklich auch alles, aus seiner Gitarre herauszuholen versucht – was ihm dann auch heftig gelingt. Aber natürlich ist „Pocket Revolution“ kein Metal oder Progressive Rock Album oder dergleichen. Diese „Ausflüge“ werden auf einzelne Passagen begrenzt, ansonsten stehen bei den einzelnen Liedern eher Harmonie und Eingängigkeit im Vordergrund.

Nach einem 08/15-Album, welches sich dem Mainstream verschrieben hat, klingt „Pocket Revolution“ ebenfalls nicht. Immer wieder gilt es tolle Einfälle zu erhören. Zudem ist zwar ein musikalischer Stil zu erkennen, der eindeutig der Musik von Deus zuzuordnen ist, jedoch gleicht kein Lied dem anderen. Immer wieder wird mit Stimmungen und Atmosphären gespielt, sodass man sich getragen fühlt, getragen auf einer Reise, die einen an verschiedenste Orte führt. Mal schnell, mal langsam, mal geradlinig, mal verspielt, mal laut, mal leise und zurückhaltend. Spannend, abwechslungsreich und lebendig klingt das alles.

Fazit: Irgendwie schon was Besonderes, auch wenn das nicht so ohne Weiteres in Worte zu fassen ist, geschweige denn beim ersten Hören offensichtlich wird. Falsches Wort: „hörbar“ ist. Alternative Rock, der einfach interessant klingt und Spaß macht – und ein Füller oder irgendwelche Ausschussware befindet sich ebenfalls nicht auf dem Album. Dazu noch Lieder, die einfach rocken, manchmal eskalieren und trotzdem auf ihre Art und Weise melodiös zu sein scheinen. Hörenswert, zehn Punkte.

Anspieltipps: Bad Timing, Pocket Revolution, Sun Ra



Montag, 28. April 2014

Triggerfinger – All This Dancin’ Around




Triggerfinger – All This Dancin’ Around


Besetzung:

Ruben Block – lead vocals, guitar
Paul Van Bruystegem – bass guitar, backing vocals
Mario Goossens – drums, backing vocals


Label: Excelsior Recordings


Erscheinungsdatum: 2010


Stil: Rock, Hard Rock


Trackliste:

1. All This Dancin' Around (3:51)
2. Let It Ride (3:24)
3. Love Lost In Love (4:08)
4. I'm Coming For You (3:39)
5. All Night Long (4:26)
6. Feed Me (5:20)
7. Cherry (3:17)
8. My Baby's Got A Gun (8:03)
9. Without A Sound (4:32)
10. Tuxedo (3:38)
11. It Hasn't Gone Away (6:23)

Gesamtspieldauer: 50:40




Von belgischen Bands hört man hierzulande nicht sonderlich viel. Im Falle der 1998 gegründeten Band Triggerfinger sollte man das allerdings schnell ändern, denn was die drei Belgier da auf ihrer vierten Scheibe „All This Dancin’ Around“ abliefern, ist überaus hörenswert. Toll gemachten Rock der etwas härteren Sorte bekommt man hier auf die Ohren. Mitreißend klingt das, was die drei Musiker hier zusammengestellt haben. Sehr intelligenten und abwechslungsreichen Rock, der in so gar keine Schublade des Hard Rock zu passen scheint.

Die Band arbeitet viel mit verzerrten Gesangsstimmen und irgendwelche Tasteninstrumente sucht man beim Hören der einzelnen Liedern vergeblich. Meistens sind die Titel etwas düster gehalten, wobei sich oftmals kraftvolle Rockpassagen mit sanfteren und zurückhaltenden Abschnitten abwechseln. Dabei sind die einzelnen Nummern überaus eingängig – zumindest werden sie das. Was beim ersten Hören manchmal noch ein wenig sperrig wirkt, erschließt sich dem Hörer spätestens beim zweiten Durchlauf der Scheibe. Bestes Beispiel hierfür ist das über achtminütige „My Baby’s Got A Gun“. Ein wenig psychedelisch klingend, wird der Titel ganz vorsichtig eingeleitet. Man hört nur den ein bisschen verzweifelt wirkenden Gesang Ruben Blocks, der redundant und ganz spartanisch mit ein wenig Perkussion und Bass untermalt wird. Langsam, ganz langsam steigert sich die Intensität des Gehörten, um schließlich brachial loszuschlagen. Genial gemacht und so sicherlich auch nicht alltäglich.

Das Titellied und auch gleich der Opener des Albums klingt da fast schon ein wenig untypisch, denn diese Melodie hat man sofort im Ohr. Doch schon mit dem zweiten Stück „Let It Ride” wird jetzt kompromisslos gerockt. Freunde des Headbangings werden hier ihre Freude haben. „Love Lost In Love“ klingt anschließend fast schon wie eine schnellere Nummer von U2, die auch auf einem Album der Iren einen Höhepunkt darstellen würde. Mit „I'm Coming For You” steht dann wieder der etwas härtere Rock im Vordergrund, bei dem Ruben Block den Nachweis erbringt, dass seine Stimme auch nach oben hin über sehr viel Spielraum verfügt. Und so reiht sich ein toller Titel an den nächsten, Ausfälle gibt es überhaupt nicht zu beklagen, alles wirkt, mal eben rockiger, dann wieder ein wenig gezügelter und manchmal auch schräger.

Fazit: „All This Dancin’ Around” von Triggerfinger ist eine tolle Scheibe geworden, die abwechslungsreich die interessanten und spannenden Seiten des Rock präsentiert. Mit Hard-Rock sollte man dabei durchaus etwas anzufangen wissen, der zwar nicht durchgängig an vorderster Stelle steht, jedoch trotzdem das dominierende Moment der Platte darstellt. Für alle Freunde der härteren Töne überaus empfehlenswert. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: I'm Coming For You, My Baby's Got A Gun, Tuxedo



Donnerstag, 27. September 2012

Deus - My Sister Is My Clock




Deus – My Sister Is My Clock (EP)


Besetzung:

Jules de Borgher – drums
Klaas Janzoons – violin, piano, percussion, delay
Rady Trouve – guitar, vocals, piano, synthesizer, rhythm-box, bass, toy-horns, matress, teeth, harp
Stef Camil Carlens – electric and acoustic guitar, vocals, bass, piano, bells, pipes
Tom Barman – electric and acoustic guitar, vocals, bass, piano, bells, pipes


Label: Island Records Ltd.


Erscheinungsdatum: 1995


Stil: Experimentalmusik


Trackliste:

1. Middlewave
2. Almost White
3. Healtinsurance
4. Little Ghost
5. How To Row A Cat
6. Only A Colour To Her
7. Sweetness
8. Sick Sugar
9. The Horror Partyjokes
10. Void
11. Sans Titre Pour Sira
12. Glovesong
13. Lore In The Forest

Gesamtspieldauer: 25:44




Die Angabe der einzelnen Lieder hätte ich mir bei dieser EP von Deus eigentlich sparen können, denn die vier Mannen um Bandleader Tom Barman haben darauf verzichtet, einzelne Tracks auf der EP zu hinterlegen. Das bedeutet, man kann den „Weiterknopf“ nicht drücken und muss sich durch das ganze Werk, laut Booklet aus dreizehn Einzeltiteln bestehend, hören. Und ganz ehrlich, das ist nicht einfach. Man bekommt Sprachfetzen zu hören und meist sehr, sehr atonales Geschrammel, Geklimper. Hier wurden Geräusche und Ansätze aufgenommen. Was sich die fünf Belgier dabei gedacht haben, entzieht sich meiner Kenntnis, das Ergebnis ist auf jeden Fall grauenvoll.

Die Band war sich im Klaren, dass diese „Musik“ wohl kaum auszuhalten ist und sofort die „Weiter-Taste“ betätigt werden würde, daraufhin wurde jedoch das „Skippen“ unterdrückt – man muss da echt durch! Wie schon des Öfteren vermerkt, stehe ich sogar auf abgefahrene und schräge Töne, wie sie in der progressiven Rockmusik immer wieder vorkommen. Aber das hier? Das grenzt fast an eine Zumutung.

Dieses Album war während des Hörens mein Kandidat für ein 0-Punkte-Werk auf unserem Blog. Doch dann passierte es wirklich noch bei 22:20. Ich habe ein Lied vernommen. Sogar noch ein ganz gutes Stück. Von daher hat es sich vielleicht doch noch gelohnt, die Scheibe der Länge nach durchzuhören, sie hat sich damit ihren einen Punkt redlich verdient.

Fazit: Das ist kein Alternative Rock, für den Deus sonst steht und unter dessen Überaschrift sie auch schon gute Scheiben veröffentlicht haben. Das ist auch kein progressiver Rock, das ist leider größtenteils nur Lärm und wenn man es gut meint: Töne. Ist auch wirklich nur was für Leute, die alles von Deus besitzen wollen.

Anspieltipps: Irgendwie zum Ende des gesamten Tracks kommen.




Donnerstag, 5. Juli 2012

Absynthe Minded – Absynthe Minded





Absynthe Minded – Absynthe Minded


Besetzung:

Bert Ostyn – vocals, guitar
Renaud Ghilbert – violin, vocals, fluegelhorn
Jan Duthoy – piano, organ, guitar, vocal
Sergej Van Bouwel – bass, vocals
Jakob Nachtergaele – drums, percussion


Label: Vertigo / Universal


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: Pop


Trackliste:

1. Envoi (4:07)
2. Heaven Knows (3:30)
3. Acquired Taste (3:22)
4. My Heroics, Part One (4:37)
5. Mood Swing Baby (3:51)
6. Papillon (4:43)
7. I'll Be Alright (4:06)
8. Multiple Choice (4:43)
9. Week End In Bombay (4:02)
10. If You Don't Go, I Don't Go (3:30)
11. Paramount (3:57)
12. I Like When You Are Sad (4:34)




Absynthe Minded ist bereits die fünfte Platte der belgischen Band mit dem selbigen Namen, wenn man die erste EP aus dem Jahr 2003 mit dazurechnet. Und festzustellen bleibt dabei, dieses Album ist den fünf Musikern richtig gut gelungen. Bei Absynthe Minded lassen sich durchaus Parallelen zu einer anderen belgischen Band ziehen. Immer wieder mal klingt Absynthe Minded ganz ähnlich wie Deus. Und das ist hier durchaus positiv gemeint.

Ruhig und gelassen klingt die Platte. Die einzelnen Lieder sind meist sehr melodisch und eingängig. Eile oder gar Hektik kommt hier nie auf. Alles wirkt sehr entspannt und relaxt, auf Absynthe Minded findet sich jede Menge Musik zum Entspannen. Meist mit Gitarre und Piano instrumentiert und immer wieder mit der Violine akzentuiert, vermittelt das Album eine überaus entspannte Atmosphäre. Dazu trägt natürlich auch die zurückhaltende Instrumentierung bei oder, dass anstatt der Sticks auch mal ein Besen die Snare-Drum bearbeitet.

Ausnahmen zu diesen Beobachtungen beziehungsweise zu diesem Gehörten gibt es nur wenige. Lied Nummer 8, „Multiple Choice“ ist eine solche. Hier wird es sogar mal ein klein wenig „wirr“, gar nicht so melodisch und zum Teil klingt das Lied sogar ein bisschen jazzig, um schließlich sogar noch ein Stück weit loszurocken. Und auch der nächste Titel, „Week End In Bombay ” fällt ein wenig aus dem Rahmen, da es sich hierbei um einen etwas schnelleren Rock’n’Roll handelt. Wahrlich nicht der Höhepunkt des Albums. Auch nicht zu den stärkeren Songs zählt „If You Don't Go, I Don't Go“. Hier swingt es – und das muss man eben mögen, oder aber nicht.

Der Rest der Stücke bewegt sich auf dieser bereits erwähnten melodiösen Pop-Rock-Schiene. Da hört man gerne zu. Easy Listening mal ganz anders. Die Lieder gehen schnell ins Ohr und haften dort auch durchaus über einen längeren Zeitraum. Unaufgeregte Musik kann eben manchmal auch so herrlich entspannend sein.

Fazit: Ein schönes Album haben die fünf Belgier da 2009 vorgelegt. Hier finden sich einige Titel, die einfach Spaß machen. Dazu ist diese Musik so wunderschön relaxt und genau selbiges kann man beim Hören ebenfalls machen: Entspannen und sich fallen lassen und einfach alles mal auf sich wirken lassen. Absynthe Minded von Absynthe Minded bringt einen nach einem stressigen Tag wieder runter. Dafür gibt es neun Punkte.

Anspieltipps: Envoi, Heaven Knows, My Heroics Part One, Mood Swing Baby, Papillon



Sonntag, 6. Mai 2012

Deus – The Ideal Crash





Deus – The Ideal Crash


Besetzung:

Stéphane Misseghers – drums
Klaas Janzoons – violin, keyboards, mandoline
Alan Gevaert – bass
Mauro Pawlowski – guitar
Tom Barman – vocals, electric and acoustic guitar


Label: Island Records Ltd.


Erscheinungsdatum: 1999


Stil: Alternative


Trackliste:


1. Put The Freaks Up Front
2. Sister Dew
3. One Advice, Space
4. The Magic Hour
5. The Ideal Crash
6. Instant Street
7. Magdalena
8. Everybody’s Weird
9. Let’s See Who Goes Down First
10. Dream Sequence #1




Mit „The Ideal Crash“ haben die Belgier ein überzeugendes Album vorgelegt, denn es gibt jede Menge Highlights auf dieser Platte zu entdecken. Und das beginnt gleich mit „Put The Freaks Up Front“, dem ersten Track des Albums. Dieses Lied ist ein tolles Stück Musik, welches durch seine manchmal etwas „schrägeren“ Töne und seine Instrumentierung voll überzeugen kann. Eine nicht alltägliche Rockmusiknummer, bei der der Einsatz einer Trompete, etwa ab der Mitte des Liedes, einfach nur perfekt gesetzt ist. Diese bleibt zwar im Hintergrund, dominiert dennoch das ganze Lied. Das Stück ist überaus eingängig und bleibt auch länger hängen.

„Sister Dew“, Track Nummer zwei der CD, ist wohl eines der bekanntesten Lieder von Deus. Und das nicht umsonst, tritt doch auch hier das Gespür Tom Barmans für gute Melodien und deren Steigerungen sehr deutlich zu Tage. „Sister Dew“ ist ein schöner Song, bei dem alles irgendwie perfekt, in sich stimmig zu sein scheint. Etwa ab der Mitte des Stücks kommt es zu einer Steigerung der Melodie, indem das Keyboard ganz dezent im Hintergrund zur Fülle des Klangs beiträgt. Dabei klingt das sogar ein wenig schräg, ist auf seine Weise allerdings unglaublich eingängig. Wahrlich nicht alltäglich und sehr gut gemacht.

Richtig relaxt, melodiös und ein wenig sentimental geht es dann mit „One Advice, Space“ weiter. Ein schönes, verträumtes Lied, welches sogar ein bisschen sphärisch daherkommt. So stellt man sich Musik vor, die man hören will, wenn man mal einfach nur ein wenig ausspannen möchte.

Und so geht es weiter. Auf der Platte befindet sich kein Ausfall. Alle Titel haben etwas Besonderes, das sich lohnt entdeck zu werden. „Instand Street“ wird zum Beispiel mit einem Banjo eingeleitet, ist ebenfalls wieder sehr eingängig und klingt einfach relaxt. Und wer noch nicht entspannt ist, der kann es beim Hören werden. Erst mit „Everybody’s Weird“ wird es dann ein wenig schneller und ja, auch ein wenig „weird“. Eine schöne Abwechslung. Ebenfalls nicht zum Mainstream gehörend, geht es anschließend mit „Let’s See Who Goes Down First“ weiter. Ein Stück, welches fast schon als experimentell bezeichnet werden kann und im Songkatalog dieser Platte etwas aus der Reihe fällt. Längst nicht mehr so eingängig geht es schon ein wenig in die progressive Richtung der Musik.

Beendet wird die CD schließlich von „Dream Sequence #1“, die ihrem Namen ebenfalls alle Ehre macht. Allerdings handelt es sich bei dieser „Traumsequenz“ nicht unbedingt um einen ruhigen und seichten Traum… Klingt das Stück zunächst wie eine Synthi-Pop-Nummer so steigert es sich im weiteren Verlauf immer mehr und bedient dabei zusehends auch die etwas „schrägeren“ Töne.

Fazit: Ein schönes „Alternative Rockalbum“ haben uns die Belgier da geschenkt, welches weit entfernt vom Mainstream anzusiedeln ist. Hier hört man ein Banjo, Hörner, Streicher und immer wieder einen abgefahrenen Keyboardsound. Hier gibt es viel zu entdecken und Tom Barman hat einfach das Gehör für klasse Melodien, was nicht nur ich ihm bei der EP „My Sister In My Clock“ noch vollständig abgesprochen hatte. Das Album ist abwechslungsreich, dicht, meist sogar ziemlich ruhig, weiß aber immer wieder mit neuen Klanggebilden zu überraschen. Wer also auf „alternative Rockmusik“ steht, der kann mit diesem Album einfach nichts falsch machen. Für dieses Album gibt es 11 Punkte.

Anspieltipps: Put The Freaks Up Front, Sister Dew, One Advice, Space, Instant Street