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Donnerstag, 2. März 2023

Haken – Fauna

 



Haken – Fauna


Besetzung:

Charlie Griffiths – guitars
Ray Hearne – drums
Richard Henshall – guitars, keyboards
Ross Jennings – vocals
Peter Jones – keyboards
Conner Green – bass




Erscheinungsjahr: 2023


Stil: Progmetal


Trackliste:

1. Taurus (4:49)
2. Nightingale (7:24)
3. The Alphabet Of Me (5:33)
4. Sempiternal Beings (8:23)
5. Beneath The White Rainbow (6:45)
6. Island In The Clouds (5:45)
7. Lovebite (3:49)
8. Elephants Never Forget (11:07)
9. Eyes Of Ebony (8:32)

Gesamtspieldauer: 1:02:11



„Fauna“ heißt das siebte Studioalbum von Haken, der im Jahr 2007 gegründeten, englischen Band, die ihre ganz eigene und unverwechselbare Auslegung des Progmetals seit ihrem ersten Album „Aquarius“ (2010) zelebriert. Viele hielten und halten Haken auch für die musikalischen Söhne von Porcupine Tree, die knappe zwanzig Jahre vor diesen ihr erstes Album veröffentlicht hatten.

Nun, manche Überschneidungen mit der Musik von Porcupine Tree in den Nuller-Jahren mag es durchaus geben, doch der Sound ist ein völlig anderer. Auch auf „Fauna“. Beim ersten Hören des Albums war ich erleichtert, dass ich auf „Fauna“ immer noch ProgMetal höre. Glücklicherweise keine poppigen oder sonst wie gearteten Ausflüge. Beim zweiten Hören überzeugte „Fauna“ dann noch ein wenig mehr und dieser Eindruck verstärkte sich mit jedem weiteren Durchlauf des Albums.

Auf „Fauna“ hört man Heavy-Metal-Akkorde, sanfte oder auch mal verspielte Passagen, polyrhythmische Takte, eingängige Melodien und jede Menge überraschende Wendungen. Selbst in einem Lied wechseln die Stimmungen und Atmosphären und fügen sich insgesamt zu einem gelungenen und vor allen Dingen hörenswerten und spannenden Ganzen zusammen. Und dieser Eindruck verstärkt sich, wie bereits erwähnt, mit jedem weiteren Durchlauf des Albums.

Beim Schreiben dieser Sätze höre ich gerade „Elephants Never Forget“. Irgendwie ein stellvertretender Titel für das ganze Album. Das Lied mäandert durch verschiedene Stimmungen und Genres und erzeugt auf diese Weise unglaublich viel Abwechslung. Und diese offensichtliche Reminiszenz an Gentle Giant zu Beginn des Stücks lässt dann auch noch das Herz der Proggies der ganz frühen Jahre höherschlagen.

Kurz noch zum Inhalt des Albums. „Fauna“ ist ein Konzeptalbum. „Als wir mit dem Schreiben des Albums begannen, war die Prämisse, dass jedem Song ein Tier zugeordnet werden sollte“, erklärt Sänger Ross Jennings zur Veröffentlichung der Platte. „Sie haben alle etwas mit dem Tierreich zu tun, worüber wir schreiben könnten, aber sie haben auch eine Verbindung zur menschlichen Welt. Jeder Track hat mehrere Ebenen, und einige davon sind offensichtlicher als andere.“

Das Eröffnungsstück „Taurus“ handelt von der Wanderung der Gnus, bei der mehr als eine Million Antilopen durch die Serengeti-Ebenen ziehen, und vergleicht die Zerstörung und Vertreibung mit den Auswirkungen des Krieges zwischen Russland und der Ukraine. „Lovebite“ ist eher augenzwinkernd gemeint. Es kommentiert gescheiterte Beziehungen mit der Metapher der Schwarzen Witwe: Das Weibchen tötet und verschlingt das Männchen nach der Paarung.

Die zwei Bedeutungen der Lieder werden auch beim letzten Stück „Eyes Of Ebony“ deutlich. Auf einer Ebene geht es in dem Lied um das fast ausgestorbene Nördliche Breitmaulnashorn: Das letzte Männchen starb im März 2018 in Gefangenschaft. Darüber hinaus ist er aber auch Richards Vater gewidmet, der fast genau drei Jahre später an einem Herzinfarkt starb. „Ich beschloss, dass es cool wäre, einen Song über meinen Vater zu schreiben, weil er mich sehr unterstützt hat“, erklärt Richard Henshall. „Er hat schon Demos verschickt, bevor wir groß waren, und hat sie kostenlos in die ganze Welt geschickt. Er hat die CDs selbst gebrannt und die Biografie für uns geschrieben. Es war ein ziemlich interessantes Konzept für mich, dass das nördliche Breitmaulnashorn gerade gestorben war und nicht mehr zurückkommen würde, und ich sah, wie sich das auf mich persönlich mit meinem Vater bezog.“

Vom Klang her fällt „Fauna“ übrigens deutlich Keyboard-lastiger aus, als noch die beiden Vorgängeralben „Vector“ und „Virus“. Das liegt nicht zuletzt an der Rückkehr von Gründungsmitglied Peter Jones. „Was Pete klanglich in die Band eingebracht hat, hat eine große Rolle dabei gespielt, dass wir viele neue Sounds auf diesem Album haben“, sagt Sänger Ross Jennings. „Es ist immer eine neue Dynamik, wenn es einen Personalwechsel gibt, und das ist eine frische und belebende Dynamik.“ Stimmt, noch abwechslungsreicher klingt der Sound von Haken nun tatsächlich.

Fazit: „Fauna“ ist ein sehr vielschichtiges Album geworden, in das man sich unter Umständen sogar erst etwas einhören muss. Doch mit jedem weiteren Durchlauf scheinen die Lieder auf diesem Album noch besser und packender zu erklingen. Und sind das nicht genau jene Alben, die nicht so schnell langweilig werden und die man auch Jahre später noch gerne auflegt? Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Elephants Never Forget



Dienstag, 21. Juli 2020

Haken – Virus




Haken – Virus


Besetzung:

Richard Henshall – guitars, keyboards
Ross Jennings – vocals
Diego Tejeida – keyboards
Charlie Griffiths – guitars
Conner Green – bass
Ray Hearne – drums


Label: InsideOut Music


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Progmetal


Trackliste:

1. Prosthetic (5:58)
2. Invasion (6:42)
3. Carousel (10:29)
4. The Strain (5:23)
5. Canary Yellow (4:14)
6. Messiah Complex I: Ivory Tower (3:57)
7. Messiah Complex II: A Glutton For Punishment (3:38)
8. Messiah Complex III: Marigold (2:25)
9. Messiah Complex IV: The Sect (2:02)
10. Messiah Complex V: Ectobius Rex (4:57)
11. Only Stars (2:10)

Gesamtspieldauer: 52:00




Mit „Virus“ erscheint am 24. Juli das sechste Studioalbum der englischen Band Haken. Natürlich kann der Titel des Albums während der Covid-19-Pandemie nicht unerwähnt bleiben. Laut Aussage von Gitarrist Richard Henshall stand der Name des Albums allerdings bereits seit zwei Jahren fest, doch die Zeit hat die Band und ihr Album etwas unglücklich eingeholt.

Auf „Virus“ geht es inhaltlich auch nicht um eine Infektionskrankheit, sondern das Album ist die Fortsetzung des Vorgängeralbums „Vector“, welches zwei Jahre zuvor erschienen war. Die Handlung von „Virus“ spielt zwanzig Jahre nach „Vector“ und jetzt wird die Geschichte dieses Charakters zu Ende erzählt, der im Übrigen aus dem Lied „Cockroach King“ vom Album „The Mountain“ entstanden ist. Im fünfteiligen Stück „Messiah Complex“ verliert dieser Hauptakteur der Handlung endgültig seinen Verstand und damit mündet alles in einem tragischen, wenn auch erwartbaren Ende.

Musikalisch ist „Virus“ deutlich härter angelegt, als alle vorherigen Scheiben von Haken. Die Gitarrenriffs knallen dementsprechend schneller und kompromissloser aus den Boxen, doch sind es die vielen Wendungen rhythmischer wie atmosphärischer Art, die „Virus“ keineswegs zu einem geradlinigen Metal Album werden lassen. In den Liedern eröffnen Haken laufend neue musikalische Türen, durch die sie dann auch gehen. Das macht diese Scheibe bei genauem Hinhören so wunderbar abwechslungsreich und spannend.

Zu diesem Abwechslungsreichtum, welcher trotz des härteren Ansatzes vorhanden ist, tragen auch die Melodien auf „Virus“ bei. Diese eröffnen sich nicht unbedingt gleich beim ersten Mal des Hörens der Musik, sondern erschließen sich viel deutlicher nach dem wiederholten Durchlauf des Albums – zumindest erging es mir so. Dann fügt sich ein Puzzlestein der Musik auf „Virus“ zum nächsten und alles klingt nicht nur vertrauter, sondern auch melodiöser und sehr viel eingängiger.

Gerade die beiden Longtracks „Carousel“ und die zusammengefügten Teile des „Messiah Complex“ stehen stellvertretend für diesen Abwechslungs- und Ideenreichtum der Band. Und wenn schließlich im Titel „Messiah Complex“ auch noch musikalische Themen aus jenem „Cockroach King“ des Jahres 2013 aufgegriffen und ausgearbeitet werden, dann rundet das den musikalischen sowie den inhaltlichen Gesamteindruck der Geschichte wunderbar ab.

Fazit: Haken klingen auf „Virus“ härter als auf vorherigen Veröffentlichungen. Bezieht man hier die auf dem Album erzählte Geschichte und damit auch deren Ende mit ein, erscheint es irgendwie konsequent und logisch, dass die Härte des Albums nicht um ihrer selbst willen gewählt wurde, sondern die Geschichte und deren Ende widerspiegelt. Klasse Melodiebögen gibt es zudem auch noch – Haken eben. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Carousel, Messiah Complex



Freitag, 18. Januar 2019

Haken – Restoration




Haken – Restoration


Besetzung:

Ross Jennings – vocals
Richard Henshall – guitar, keyboards
Charlie Griffiths – guitar
Conner Green – bass guitar
Diego Tejeida – keyboards, sound design
Raymond Hearne – drums, backing vocals


Gastmusiker:

Pete Rinaldi – acoustic guitar (track 3)
Mike Portnoy – gong (track 3)


Label: InsideOut Music


Erscheinungsdatum: 2014


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Darkest Light (6:43)
2. Earthlings (7:51)
3. Crystallised (19:22)

Gesamtspieldauer: 33:57




„Restoration“ ist kein vollständiges Album der englischen Progressive Rock Band Haken, sondern eine EP (Extended Play) geworden. Die Scheibe wurde am 27. Oktober 2014 auf dem Plattenlabel InsideOut Music veröffentlicht und enthält insgesamt drei Stücke mit einer Gesamtspielzeit von knapp 34 Minuten. Ursprünglich musste man die Vinyl-Platte kaufen, bekam dann allerdings die CD mitgeliefert. Diese Marketing-Vorgehensweise fand nicht allzu viel Applaus bei den Käuferinnen und Käufern, die sich nicht vorschreiben lassen wollten, auf welchem Abspielgerät sie die Musik zu konsumieren haben. Das erkannte wohl schließlich auch die Plattenfirma und kurze Zeit später wurde „Restoration“ schließlich auch in Form einer CD wiederveröffentlicht – ohne Platte.

Auf „Restoration“ hört man wahrlich begeisternden Progressive Rock, der in der zweiten Dekade des 21. Jahrhunderts angekommen ist und dabei auch nicht die Wurzeln dieses musikalischen Genres vergisst. Ist die erste Nummer „Darkest Light“ sogar ein wenig frickelig geraten und erschließt sich einem erst nach mehrmaligem Hören, so zündet „Earthlings“ bereits mit dem ersten Durchlauf. Jetzt klingen Haken sehr dunkel und düster, dabei jedoch auch absolut melodiös und eingängig. Zwei völlig verschiedene und sehr abwechslungsreiche Titel bekommen die Hörerin und der Hörer hier dargeboten, welche beide auf völlig unterschiedliche Weise überzeugen.

Es folgt schließlich noch das mit knapp zwanzig Minuten Spieldauer längste Stück dieses etwas verkürzten Albums, das Lied „Crystallised“. Äußerst abwechslungsreich werden hier rockigere sowie sanftere und sogar sphärischere Passagen miteinander in Verbindung gebracht und fließen ineinander über. In diesem Lied hört man mehrstimmigen Gesang der geradezu so klingt, als ob er von den Musikern von Gentle Giant stammen würde. Das Ganze ist in sich sehr stimmig und dürfte Fans des Progressive Rock die Herzen aufgehen lassen.

Fazit: Ein kurzes, jedoch äußerst gelungenes Album ist die EP mit dem Namen „Restoration“ von Haken geworden. Die Briten zeigen hier, dass sie zur Zeit eine der besten Bands auf diesem musikalischen Parkett sind und diese kleine Platte lohnt für Haken Fans wie für alle anderen Proggerinnen und Progger. Elf Punkte.

Anspieltipps: Earthlings, Crystallised



Montag, 7. Januar 2019

Haken – Affinity




Haken – Affinity


Besetzung:

Ross Jennings – vocals
Richard "Hen" Henshall – guitar
Charlie Griffiths – guitar
Conner Green – bass guitar
Diego Tejeida – keyboards, sound design
Raymond Hearne – drums


Gastmusiker:

Einar Solberg – harsh vocals (track 5)
Pete Rinaldi – acoustic guitar (track 9)


Label: InsideOut Music


Erscheinungsdatum: 2016


Stil: Progressive Metal, Progressive Rock


Trackliste:

1. affinity.exe (1:24)
2. Initiate (4:16)
3. 1985 (9:08)
4. Lapse (4:44)
5. The Architect (15:40)
6. Earthrise (4:48)
7. Red Giant (6:06)
8. The Endless Knot (5:50)
9. Bound By Gravity (9:29)

Gesamtspieldauer: 1:01:27



„Affinity“ nannte die englische Progressive Metal Band Haken ihr viertes Studioalbum, welches am 29. April 2016 auf dem Plattenlabel InsideOut Music veröffentlicht wurde. Es ist die erste Scheibe der Band auf der Bassist Conner Green nach dem Weggang von Thomas MacLean zu hören ist. Mit den Liedern „Initiate“ sowie „The Endless Knot“ wurden im März und April 2016 zwei Singles aus dem Album ausgekoppelt. Inhaltlich geht es auf „Affinity“ um die Beziehung zwischen Mensch und Computer – mit allen seinen Auswüchsen und möglichen Entwicklungen.

„Affinity“ fischt mehr im Mainstream als andere Alben der Briten. Da klingt es mal ein wenig nach dieser Band, dort nach jener Band. Etwas Neues oder Eigenständiges mag man auf „Affinity“ nicht entdecken, irgendwie scheinen sehr viel Reminiszenzen in die Musik von Haken eingeflossen zu sein, wobei nun auch deutlich mehr Musiker am kompositorischen Prozess der Lieder beteiligt sind. Doch keineswegs handelt sich es bei den einzelnen Nummern auf „Affinity“ um langweilige oder schlechte Musik, der Zauber des Besonderen geht den Titeln jedoch leider ab. Und wenn man dann auch Keyboardläufe zu hören bekommt, die stark an AOR-Bands der 80er Jahre erinnern, dann hinterlassen diese zumindest ein Gefühl des Erstaunens oder eben doch sogar der gemäßigten Langweile.

Es ist kein einziges schlechtes Lied auf „Affinity“ zu hören. Jeder Titel verfügt über Qualität und lässt sich gut hören. Dem abwechslungsreichen und auch härteren Rock sollte man dabei jedoch schon zugetan sein, denn gerockt wird auf „Affinity“. Auch wissen die Briten einmal mehr mit den Atmosphären zu spielen, laut und leise, sanft und fordernd, all das gibt es auf dem Album zu hören, perfekt aufeinander abgestimmt und ineinanderfließend. Allerdings jedoch leider nicht in der Art und Weise, wie man es bereits auf anderen Platten von Haken gehört hat. Von daher klingt „Affinity“ ein wenig austauschbar, was dementsprechend auch die Suche nach dem Höhepunkt der Platte relativ schwierig werden lässt. Kein Titel ragt über den anderen hinaus, keiner fällt sehr ab, sodass alle Lieder der Platte Höhepunkte darstellen – jedoch nicht im Vergleich zu anderen Scheiben von Haken.

Fazit: Ein Album ganz im Sinne des Progressive Rock ist „Affinitiy“ von Haken geworden. Vieles meint man bereits durch die ein oder andere Band in leicht abgewandelter Form gehört zu haben. Von daher nichts Neues von den Briten. Trotzdem ist „Affinitiy“ kein schlechtes Album geworden, sondern eines, welches Freundinnen und Freunde des entsprechenden Genres gut unterhält. Neun Punkte.

Anspieltipps: 1985



Freitag, 28. Dezember 2018

Haken – Visions




Haken – Visions


Besetzung:

Ross Jennings – vocals
Richard "Hen" Henshall – guitar and keyboards
Charlie Griffiths – guitar
Raymond Hearne – drums, tuba, djembe, strings and french horn arrangements
Diego Tejeida – keyboards and sound design, strings and french horn arrangements
Tom Maclean – bass


Gastmusiker:

Lucy Butcher – cello
Alison Comerford – violin
Chris Currie – voices
Patrick Harrild – voices
Jennifer Murphey – violin
Joey 'Dah Lipz' Ryan – french horn
Martin Wray – viola


Label: InsideOut Music


Erscheinungsdatum: 2011


Stil: Progressive Metal, Progressive Rock


Trackliste:

CD1:

1. Premonition (4:15)
2. Nocturnal Conspiracy (13:09)
3. Insomnia (6:03)
4. The Mind’s Eye (4:04)
5. Portals (5:27)
6. Shapeshifter (8:08)
7. Deathless (8:06)
8. Visions (22:27)


CD2 (alle Lieder instrumentental):

1. Premonition (4:15)
2. Nocturnal Conspiracy (13:09)
3. Insomnia (6:03)
4. The Mind’s Eye (4:04)
5. Portals (5:27)
6. Shapeshifter (8:08)
7. Deathless (8:06)
8. Visions (22:27)

Gesamtspieldauer: CD1 (1:11:42) und CD2 (1:11:42): 2:23:24



„Visions“ heißt das zweite Studioalbum der Progressive Metal Band Haken. Das Album wurde am 24. Oktober 2011 auf dem Plattenlabel InsideOut Music veröffentlicht. „Visions“ klingt ein wenig „härter“ als noch der Vorgänger und das Debut „Aquarius“, was dem Umstand geschuldet sein könnte, dass Richard Henshall, Hauptkompositeur der Band, beim ersten Album die Lieder hauptsächlich auf dem Klavier komponierte, dieses Mal auf der Gitarre. „Visions“ ist ein Konzeptalbum, welches die Geschichte eines kleinen Jungen erzählt, der seinen eigenen Tod in seinen Träumen voraussieht und fest daran glaubt, dass dies auch passieren wird, um nun den Rest seines Lebens damit zu verbringen, diesen vorerst zu vermeiden.

„Visions“ ist ein kraftvolles Album geworden, Progressive Metal in einer seiner schönen und überzeugenden Ausführungen. Ein klein wenig geht der Musik von Haken dabei – vor allen Dingen zu Beginn des Albums – die Eingängigkeit verloren, was sicherlich auch dieser gewissen „Härte“ der Musik geschuldet ist. Für das Ende der Platte stimmt diese Aussage allerdings nicht mehr, denn gerade die zwei Lieder „Shapeshifter“ und „Deathless“ gehen sehr schnell ins Ohr, bereits beim ersten Mal des Hörens. Dies gilt auch für das über zweiundzwanzigminütige Titellied am Ende des Albums. Hier lassen die Musiker ihrer Kreativität freien Lauf und beschenken ihre Hörerinnen und Hörer mit einer Nummer, reich an Abwechslung und Passagen von hart bis eingängig zart.

Und wie es manchmal so ist in der Musik, mit der Zeit wirkt sie anders im Ohr. Genauso verhält es sich auch bei Hakes „Visions“. Mit jedem weiteren Durchlauf der Scheibe werden auch die Lieder zu Beginn des Albums vertrauter, eingängiger, mitreißender. Das Album wird dann zu einem Parforce-Ritt durch die verschiedenen Landschaften des Progressive Metal, den man unbedingt häufiger antreten sollte, um besser wirken lassen und sich entwickeln zu können.

Fazit: Ein spannendes Album ist der englischen Band Haken mit ihrem zweiten Album „Visions“ gelungen. Progressive Metal, mit Ausläufern zum Progressive Rock, der abwechslungsreich das Ohr umspielt und auch in dieses eindringt. Musik die lohnt und Spaß macht. Was sich allerdings die Band dabei denkt, ihre Platten auch in einer Ausgabe mit einer zweiten CD zu veröffentlichen, auf der die Lieder absolut identisch, nur ohne Gesang zu hören sind, das wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Dies auch vor dem Hintergrund, dass die Lieder „Premonition“ und „Portals“ sowieso bereits instrumentale Stücke sind, die nun exakt gleich zweimal auf der Platte vertreten sind. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Shapeshifter, Deathless, Visions



Sonntag, 4. November 2018

Haken – Vector




Haken – Vector


Besetzung:

Conner Green – bass
Charlie Griffiths – guitars
Raymond Hearne – drums
Rich Henshall – guitars
Ross Jennings – vocals
Diego Tejeida – keyboards & sound design


Gastmusiker:

Miguel Gorodi – flugelhorn on "Host" & trumpets on "The Good Doctor" 
Pete Rinaldi – additional guitars on "Veil" and "Host"
Pete Jones – additional drum programming on "Puzzle Box"


Label: InsideOut Music


Erscheinungsdatum: 2018


Stil: Progressive Metal


Trackliste:

CD1:

1. Clear (1:50)
2. The Good Doctor (3:56)
3. Puzzle Box (7:43)
4. Veil (12:35)
5. Nil By Mouth (6:51)
6. Host (6:45)
7. A Cell Divides (6:04)

CD2:

1. Clear (instrumental) (1:50)
2. The Good Doctor (instrumental) (3:56)
3. Puzzle Box (instrumental) (7:43)
4. Veil (instrumental) (12:35)
5. Nil By Mouth (instrumental) (6:51)
6. Host (instrumental) (6:45)
7. A Cell Divides (instrumental) (6:04)

Gesamtspieldauer CD1 (45:47) und CD2 (45:47): 1:31:34



„Vector“ heißt das fünfte Studioalbum der britischen Progressive Metal Band Haken. Es wurde am 26. Oktober 2018 auf dem Plattenlabel InsideOut Music veröffentlicht. Es ist das kürzeste Studioalbum der Band und das erste mit einer Dauer von weniger als einer Stunde. Die erste Single des Albums, „The Good Doctor“, erschien am 31. August 2018 zusammen mit dem offiziellen Musikvideo. Die zweite Single heißt „Puzzle Box“ und wurde am 28. September 2018 als digitaler Download veröffentlicht, nachdem täglich, passend zum Namen, sechs verschlüsselte Teile davon im Sinne des Liedthemas veröffentlicht worden waren. Die Originalversion von „Puzzle Box“ entsteht, wenn die verschlüsselten Teile in die richtige Reihenfolge gebracht werden. Eine dritte Single, „A Cell Divides“, erschien schließlich noch am 19. Oktober zusammen mit dem dazugehörigen Videoclip.

„Vector“ klingt hart, knallhart sogar. Dieses Spiel mit den Atmosphären und Intensitäten, welches Haken auf vorherigen Veröffentlichungen so wunderbar zelebrierte, dieses ist auf „Vector“ eindeutig zugunsten der Metal-Töne verschoben worden. Keinen Retro Prog mehr, keinen New ArtRock, auf „Vector“ hört man Progmetal und das ziemlich konsequent. Schwere Gitarren, ein treibender Bass und ein schier explodierendes und durchgängig treibendes Schlagzeug, das sind die Zutaten auf diesem Album. Beim ersten Hören der Scheibe klang das Gesamterlebnis des neuen Haken-Outputs für mich von daher etwas einseitig – mit der Ausnahme des Titels „Host“. Doch wie so oft – und ganz besonders bei guter Musik – ergibt sich nach vielen Durchläufen der Scheibe ein etwas differenzierterer Eindruck des Albums. Bestimmte Teile erschließen sich einem erst beim wiederholten Hören, Melodien entwickeln sich, scheinen eingängiger zu werden. Freilich bleibt das Gehörte Progmetal, doch die wenigen etwas ruhigeren und gemäßigteren Stellen gewinnen an Bedeutung und lassen das gesamte Album wieder etwas abwechslungsreicher erscheinen.

Besonders gelungen auf „Vector“ sind das längste Lied des Albums „Veil“ und der Titel „Host“. „Veil“ gestaltet sich abwechslungsreicher als die restlichen Nummern, was wohl auch mit seiner Spieldauer zu begründen ist. Über zwölf Minuten nur harter Rock wäre dann doch vielleicht etwas zu fad und langweilig geworden. In dem Stück gibt es brachiale Passagen neben sehr ruhigen Abschnitten, die dabei auch ins Ohr gehen. „Host“ ist dagegen die Ausnahme auf „Vector“ und fällt dadurch aus dem Rahmen, dass es eher sanft, dann sogar abschnittsweise sphärisch klingt. Gegen Ende hin wird auch hier das Tempo angezogen, was allerdings durch eine schöne und spannende Steigerung vermittelt wird.

Die Deluxe-Version des Albums wird mit einer zweiten CD ausgeliefert, auf der alle Titel nochmals in Instrumentalversionen hinterlegt sind. Im Falle von „Clear“ und „Nil By Mouth“, auch auf CD 1 bereits Instrumentallieder, bedeutet dies, dass sie zweimal vorhanden sind – exakt identisch. Der Sinn erschließt sich mir dabei nicht ganz. Doch die Aufmachung des Albums in Form eines kleinen Buches finde ich sehr gelungen und lässt „Vector“ wertvoller wirken, als in einem schlichten Jewel Case.

Fazit: Ich kannte bisher von Haken nur die Alben „Aquarius“ und „The Mountain“. Beide finde ich noch abwechslungsreicher, gelungener und eingängiger als „Vector“. Trotzdem macht auch diese Platte Spaß und Laune – ganz besonders sogar, wenn man mehr auf Progmetal, denn auf Progressive Rock steht. „Vector“ ist relativ uniform gehalten, geradlinigen und zum Teil brachialen Metal gibt es zu hören, Melodien treten dabei eher in den Hintergrund. Doch natürlich gibt es diese auch zu entdecken, besonders wenn man dem Album eine gewisse Zeit zum „Reifen“ einräumt. Ich bin mal sehr gespannt, wie mir diese Scheibe in einem Jahr gefällt. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Veil, Host



Samstag, 6. Oktober 2018

Haken – The Mountain




Haken – The Mountain


Besetzung:

Ross Jennings – vocals
Richard Henshall – guitar, keyboards, backing vocals
Charlie Griffiths – guitar, backing vocals
Thomas MacLean – bass guitar, backing vocals
Diego Tejeida – keyboards, sound design, second voice (track 8)
Raymond Hearne – drums, percussion, backing vocals, cimbasso, tuba


Gastmusiker:

Joey 'Dah Lipz' Ryan – french horn
Matthew Lewis – trombone
Barry Clements – bass trombone


Label: InsideOut Music


Erscheinungsdatum: 2013


Stil: New Art Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. The Path (2:46)
2. Atlas Stone (7:33)
3. Cockroach King (8:14)
4. In Memoriam (4:17)
5. Because It‘s There (4:23)
6. Falling Back To Earth (11:51)
7. As Death Embraces (3:13)
8. Pareidolia (10:50)
9. Somebody (9:00)

Bonus Tracks:

10. The Path Unbeaten (2:12)
11. Nobody (4:53)

Gesamtspieldauer: 1:09:18




„The Mountain“ heißt das dritte Studioalbum der britischen Progressive Metal Band Haken. Es wurde am 2. September 2013 auf dem Plattenlabel InsideOut Music veröffentlicht. Die erste Singleauskopplung des Albums war das Lied „Atlas Stone“ und erschien am 17. Juli 2013. „The Mountain“ ist das letzte Album, an dem Bassist Thomas MacLean beteiligt ist.

„The Mountain“ ist ein musikalisches Feuerwerk. „Progressive Metal meets Progressive Rock“. So viele Ideen, so viele interessante Passagen, so viele mitreißende Parts. Das Album ist vollgepackt mit toller Musik, die mal ordentlich rockt, dann wieder sehr sanft aus den Boxen quillt. Die Lieder sind aus verschiedenen Teilen aufgebaut, welche häufig ineinander übergehen, in sich aufzugehen scheinen. Nichts daran wirkt aufgesetzt oder gar konstruiert. Auf „The Mountain“ kann man in wunderschöne Melodien eintauchen oder sich völlig dem Rock hingeben. Beides ist auf dieser Scheibe möglich. Dazu gesellt sich ein sehr überzeugender Gesang, der das ein ums andere Mal sehr an den mehrstimmigen Gesang von Gentle Giant erinnert. In seiner Gesamtheit klingt das wahrlich eindrucksvoll.

Bis auf das Lied „Because It‘s There“, bei dem der Gesang als einzige Ausnahme irgendwie nicht wirkt, obwohl er stark im Zentrum des Geschehens steht, machen alle Lieder auf „The Mountain“ Spaß. Ganz besonders gilt dies für die Single-Auskopplung „Atlas Stone“, welche beweist, wie mitreißend auch in der heutigen Zeit Progressive Rock noch klingen kann. Auch dieses Lied ist aus mehreren Teilen zusammengesetzt und enthält neben sanften Passagen, bombastischen Abschnitten auch rockige Parts, die allesamt wirken. Die Nummer „Somebody“ ist dagegen hauptsächlich ruhig und sanft gehalten, geht mit allen ihren Teilen ins Ohr und fällt damit auch bereits beim ersten Mal des Hörens auf. Auch die anderen Titel sind sehr gelungen, benötigen allerdings zwei, drei Durchläufe mehr, um richtig im Ohr der Hörerin beziehungsweise des Hörers zu landen. Ein sehr gutes Beispiel für ein solches Lied ist die Nummer „Cockroach King“. Ein melodischer und dann wieder schräger Titel, mit jeder Menge krummer Takte und vielen Wendungen. Die beiden Bonus Tracks stehen den auf dem offiziellen Album enthaltenen Titeln im Übrigen in nichts nach.

Fazit: Ein sehr abwechslungsreiches Album ist „The Mountain“ der englischen Band Haken geworden. Eine Mischung aus Progressive Rock und Progressive Metal gibt es hier zu hören und wer mag, kann ebenfalls noch das Genre New Art Rock mit dazunehmen. Die Lieder rocken und gehen ins Ohr. Die Titel bleiben hängen, müssen mitunter ein weiteres Mal gehört werden, doch entfalten sie sich letztendlich alle und hallen nach. Sehr überzeugend und gelungen. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Atlas Stone, Somebody, Nobody und vieles mehr



Donnerstag, 12. Mai 2016

Haken – Aquarius




Haken – Aquarius


Besetzung:

Ross Jennings – vocals
Richard "Hen" Henshall – guitar and keyboards
Charlie Griffiths – guitar
Thomas MacLean – bass guitar
Ray Hearne – drums, tuba, djembe
Diego Tejeida – keyboards


Gastmusiker:

Craig Beattie – trombone
Alex Benwell – trumpet
Pablo Inda Garcia – clarinet
Marged Hall – harp
Darren Moore – trumpet
Jon Roskilly – trombone
Dave Ruff – flute


Label: Sensory


Erscheinungsdatum: 2010


Stil: Progressive Metal


Trackliste:

1. The Point of No Return (11:26)
2. Streams (10:14)
I. Streams
II. Veins
III. Digression
3. Aquarium (10:39)
4. Eternal Rain (6:42)
5. Drowning in the Flood (9:28)
6. Sun (7:19)
7. Celestial Elixir (16:56)

Gesamtspieldauer: 72:47




„Aquarius“ nannte die englische Progressive Metal Band Haken ihr erstes Album, welches im März 2010 veröffentlicht wurde. Und was es auf dieser Scheibe zu hören gibt, das ist durchaus hörens- und lohnenswert. Jede Menge musikalischer Stile bekommt man auf diesem Debut-Album geboten. Da gibt es Rock- und Pop-Passagen, Hard Rock, Metal und eben auch Progressive Rock und Progressive Metal. Gemastert wurde das Ganze von Eroc, dem Ex-Grobschnitt Schlagzeuger, was alleine schon einiges an Qualität erwarten lässt.

Und so hört man auf „Aquarius“ auch Musik, die sich nicht nur über diverse musikalische Genres erstreckt, sondern auch von zart bis hart, von schüchtern bis bombastisch so einiges für die Hörerin und den Hörer bereithält. Gerade gegen Ende der Platte scheinen die Titel noch ein wenig symphonischer, noch eingängiger zu werden, da macht das Zuhören richtig Spaß. Der Höhepunkt des Albums wartet dabei direkt am Schluss auf die Hörerinnen und Hörer. Das knapp siebzehnminütige „Celestial Elixir“ ist eine phantastische Nummer, in der die sechs Musiker alles reinzupacken gedachten, was sie so an Ideen und Sounds auf Lager hatten. Ein klein wenig klingt das Lied sogar so, als stelle es eine Zusammenfassung des bisher Gehörten dar, ohne dabei jedoch wirklich redundant zu sein. So wird „Celestial Elixir“ zu einer Reise, die mal lustig, mal nachdenklich, mal sehr melodiös, mal hart klingt. Plötzlich befindet man sich im Zirkus, schließlich in der hektischen Stadt, dann wieder in der entspannten du sehr friedfertigen freien Natur. Nichts, was hier nicht geboten wird. Wahrlich gelungen.

Auch der Anfang der Platte kann zwar überzeugen, ist allerdings insgesamt etwas härter als das Ende der Platte geraten. Die verschiedenen Atmosphären werden hier jedoch auch bereits zelebriert und eröffnen immer wieder neue Türen, wenn hier auch der Fokus etwas mehr auf den härteren Tönen und Takten liegt. Leider hört man hier allerdings auch einige „Growl“-Laute, die man halt mögen muss und die ganz bestimmt nicht jedermanns Sache sind. Von mir aus hätten die Musiker von Haken da gut und gerne darauf verzichten können. Sei es drum, sie übertreiben es nicht damit, sodass sich diese kurzen Episoden durchaus noch erträglich gestalten. Die schönen Momente überwiegen dementsprechend auch hier.

Fazit: Ein wirklich gelungenes Debut-Album stellt „Aquarius” von Haken dar. Sehr abwechslungsreiche Musik gibt es darauf zu hören. Die Bandbreite erstreckt sich von sanft bis hart. Schräge Töne gibt es darauf auch zu erlauschen, bis hin zu Zirkusklängen. Progressive Rock bis Progressive Metal stehen an erster Stelle, die die Platte niemals langweilig werden lassen. Mit jedem Durchlauf wird die Musik der Band etwas eingängiger, die durch ihren Aufbau auch gar nicht gleich beim ersten Hören vollkommen überzeugen kann. Irgendwie scheint das Musikzentrum des Hörers erst auf das Gehörte eingestimmt werden zu müssen. Aber dann… Elf Punkte.

Anspieltipps: Sun, Celestial Elixir