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Samstag, 19. November 2022

Blue October – Spinning The Truth Around (Part I)

 



Blue October – Spinning The Truth Around (Part I)


Besetzung:

Justin Furstenfeld – vocals, guitar
Jeremy Furstenfeld – drums, backing vocals
Matt Noveskey – bass, backing vocals
Ryan Delahoussaye – violin, mandolin, guitar, keyboards, backing vocals
Will Knaak – lead guitar, backing vocals


Gastmusiker:

Matthew Ostrander – guitar
Steve Schiltz – bass, vocals
Jayson Peters – piano
Sus Vasquez – guitar
Jenna Ren – vocals
Benjamin Ruiz – vocals
Mike Cross – vocals
Jacqui Walker – vocals
Gil Jenkins – vocals
Joanna Howerton – vocals
Collin Friedli – vocals
Dayne Reliford – piano




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Rock


Trackliste:

1. Spinning The Truth Around (4:49)
2. The Shape Of Your Heart (4:29)
3. How Can You Love Me If You Don‘t Even Like Me? (4:20)
4. Don‘t Say It Wasn‘t Love (5:33)
5. Change (3:40)
6. Where Did You Go? I‘m Less Of A Mess These Days (3:19)
7. The Kitchen Drawer (4:27)
8. When Love Isn‘t Good Enough (7:13)
9. Trust You (4:18)
10. The Girl Who Stole My Heart (6:11)
11. Shut Up. I Want You To Love Me Back (4:37)
12. Big Love (4:26)

Gesamtspieldauer: 57:30



„Spinning The Truth Around (Part I)“ heißt das elfte Studioalbum der US-amerikanischen Band Blue October. Wie der Name schon sagt, ist dieses Album wohl der erste Teil einer Trilogie. Auch in der CD-Hülle wird darauf verwiesen, dass Part II und Part III bald ebenfalls veröffentlicht werden würden. Nun, Part I erschien in den USA am 14. Oktober 2022, in Europa musste man bis zum 11. November warten, bis das Album auf dem Plattenlabel Brando Records veröffentlicht wurde.

Wie immer bei Blue October, so hört man auch auf „Spinning The Truth Around (Part I)“ eingängigen und abwechslungsreichen Independent Rock. Dieser klingt allerdings nicht mehr so „hart“, wie noch auf den ganz früheren Alben der Band. Dazu haben auch mehr elektronische Klänge in die Musik von Blue October Einzug gehalten und manches Mal klingt das Gehörte sogar ein klein wenig funky.

Doch das Zuhören macht Spaß, denn Justin Furstenfeld und seine Bandkollegen haben immer noch das Gespür für die eingängige Melodie. Textlich wird allerdings etwas einseitig das Thema der Liebe beleuchtet. Das klingt hier zwar nicht platt und süßlich, doch ein wenig inhaltliche Abwechslung hätte das Ganze doch etwas aufgelockert.

Musikalisch gibt es in der Mitte des Albums allerdings deutliche „Auflockerung“. Da ist zum einen das überwiegend instrumental gehaltene Lied „The Kitchen Drawer“, indem eine fast schon entrückt klingende Klanglandschaft aufgebaut wird. Völlig stressfrei und entspannt, bis sie sich nach etwas Text kraftvoll und fast hymnisch steigert. Und gleich das folgende „When Love Isn‘t Good Enough“ wartet mit noch einer Überraschung auf. Ab etwa der Mitte des Liedes setzt der französische Gesang des Benjamin Ruiz ein, der den Text schließlich in Form einer gesungenen Opernarie wiedergibt. Klingt anders und richtig gut und lange aus.

Fazit: Nun, ein paar Durchläufe sollte man dem neuen Werk von Blue October schon zugestehen. Die Musik benötigt etwas Zeit, um vollends zur Geltung zu kommen. Blue October klingen weniger rockig, als noch zu Beginn ihrer Karriere. Doch das Gespür für die eingängige Melodie, das ist Justin Furstenfeld und seinen Kollegen glücklicherweise nicht abhanden gekommen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: The Kitchen Drawer, When Love Isn‘t Good Enough



Donnerstag, 26. September 2013

Blue October – Any Man In America




Blue October – Any Man In America


Besetzung:

Justin Furstenfeld – vocals, guitar
Jeremy Furstenfeld – drums, percussion
Ryan Delahoussaye – violin, mandolin, keyboards
Tim Palmer – guitars
Matt Noveskey – bass guitar, guitar (7)


Gastmusiker:

Steve Schiltz – guitars (3, 5, 9)
Charles Hudson III – guitar (6)
Patricia Lynn – guest vocals (11, 13)
Avery Noveskay – guest vocals (11)
Ray C. – guest vocalist
Brendan Bond – trumpet (4)


Label: Ear Music


Erscheinungsdatum: 2011


Stil: Rock, Pop, Alternative


Trackliste:

1. Everything (A.M. Limbo) (0:52)
2. The Feel Again (Stay) (6:00)
3. The Money Tree (4:59)
4. For The Love (4:43)
5. Drama Everything (4:30)
6. The Chills (3:34)
7. The Flight (Lincoln To Minneapolis) (6:45)
8. Any Man In America (6:25)
9. You Waited Too Long (4:28)
10. The Honesty (4:22)
11. The Getting Over It Part (4:38)
12. The Worry List (4:33)
13. The Follow Through (6:10)

Gesamtspieldauer: 1:02:05




Justin Furstenfeld war Papa einer Tochter geworden. Stolzer Vater. Das dokumentiert er nicht nur mit zahlreichen Bildern im Booklet der CD, nein auch viele Texte in den einzelnen Songs befassen sich mit diesem Thema. Das inzwischen bereits sechste offizielle Studio-Album um den Gitarristen, Sänger und Songschreiber ist wieder ein schönes Pop-Rock-Album geworden. Eingängige und melodiöse Harmonien bahnen sich den Weg zum Ohr des Hörers. Alles klingt und wirkt und das Album wächst sogar noch mit jedem weiteren Hören, da die Klänge immer vertrauter werden.

Die einzelnen Songs sind meist im Mid-Tempo gehalten, richtig kräftig gerockt wird nur sehr selten. Es ging Justin Furstenfeld auf diesem Album ganz offensichtlich um die Eingängigkeit der Lieder und das ist ihm auch gelungen. So fällt es auch schwer, einzelne Lieder besonders hervorzuheben, da sie alle ihre Qualität besitzen. „The Money Tree“, „For The Love“ sowie der letzte Titel „The Follow Through“ klingen dabei noch besonders gelungen. Ungewöhnlich und nicht so ganz passend ist dagegen die eingestreute Rap-Einlage des Ray C. bei der Nummer „The Flight (Lincoln To Minneapolis)“. Muss man mögen, ich persönlich finde das nicht so gelungen, obwohl das Lied sonst im Refrain auch zu gefallen weiß. Beim Titelsong „Any Man In America“ versucht sich Justin Furstenfeld in der Strophe selbst mal am HipHop und in diesem Lied fällt dann auch oft das Wort mit „f“. Allerdings ist dieser Song auch sonst nicht überaus melodisch. Eher einer der wenigen Tiefpunkte des Albums.

Fazit: Ein nettes Pop-Rock-Album ist „Any Man In America“ geworden. Nichts, was essentiell wäre, jedoch auch wahrlich keine schlechte Platte. Die absoluten „Übersongs“ fehlen, aber das meiste, was auf dieser Scheibe zu hören ist klingt – und zwar gut. Gute Unterhaltung. Neun Punkte.

Anspieltipps: The Money Tree, For The Love, The Follow Through





Mittwoch, 17. Juli 2013

Blue October – Consent To Treatment




Blue October – Consent To Treatment


Besetzung:

Justin Furstenfeld – vocals, stunt guitars, rhythm, feedback, headtrips, paranoia, moodwings
Ryan Delahoussaye – violin, mandolin, backing vocals, wizard, ocd
Jeremy Furstenfeld – drums, percussion, the tuba, self medicated
Matt Noveskey – bass, electric and acoustic guitars, backing vocals, mirrors, a.d.d.
Brant Coulter – guitars, e-bow, omnipotence, scotch


Gastmusiker:

Jamie Muhoberac – keyboards
Jane Scarpantoni – cello
Richard Dodo – additional cello
Eric Gorfain – additional violin on “Drop” and “The Answer”
George Winston – piano on “The Answer”
Ryan Smith – backing vocals on “The Answer” and “Balance Beam”


Label: Universal Records


Erscheinungsdatum: 2000


Stil: Rock, Pop, Alternative


Trackliste:

1. Retarded Disfigured Clown (0:43)
2. Independently Happy (4:55)
3. James (4:30)
4. HRSA (3:34)
5. Breakfast After 10 (4:29)
6. Balance Beam (3:50)
7. Holler (3:23)
8. Schizophrenia (3:55)
9. Drop (4:36)
10. Conversation Via Radio (Do You Ever Wonder) (4:03)
11. Angel (5:05)
12. Libby I'm Listening (3:32)
13. Amnesia (3:55)
14. The Answer (6:12)

Gesamtspieldauer: 56:41




„Consent To Treatment“ nannte die texanische Alternative Band „Blue October“ ihr zweites Album, welches im Jahr 2000 erschien. Und es wird ordentlich gerockt auf dieser Scheibe, die dabei allerdings überaus abwechslungsreich ist und einige wirklich tolle Lieder für den Hörer parat hält.

Sänger und Songschreiber Justin Furstenfeld hatte zu dieser Zeit immer wieder mit Depressionen zu kämpfen, was man nicht nur der, nennen wir sie mal sehr „kreativen“ Instrumentenangabe entnehmen kann. Auch in den einzelnen Songs spiegeln sich seine Befürchtungen und Ängste immer mal wieder. Dabei ist jedoch alles sehr melodisch und harmonisch gehalten. Die Violine findet öfters ihren Einsatz und die Titel wirken und hinterlassen Eindruck. Sehr einprägsam ist das Ganze gestaltet und wenn Justin Furstenfeld beim Lied „Schizophrenia“ zum Beispiel „I cry, I cry, I cry“ singt, dann glaubt man ihm das auch auf’s Wort.

Das ganze Album wird zudem mit dieser Thematik eingeleitet. Das erste „Lied“ stellt nämlich kein Lied im eigentlichen Sinne dar, sondern ist eher eine Einführung in das Album, die mit den Worten „Learning to love life by living through loss and mistakes…“ beginnt. So wirken die Songs, wenn sie auch manches Mal etwas kraftvoller klingen, doch stets sehr melancholisch und nachdenklich. Das macht das Album spannend und zu keiner 08/15-Platte, sondern zu einem schönen Stück Musik.

Fazit: All das, was auf „Consent To Treatment“ zu hören ist, wirkt. Dazu gesellen sich Texte, die sich häufig mit der Psyche des Menschen - oder wohl besser mit der Psyche des Justin Furstenfeld auseinandersetzen. Dazu ist jeder Titel eingängig und harmonisch und für den letzten, wirklich sehr träumerischen Titel „The Answer“, der übrigens in einer anderen Version bereits auf dem Debut-Album zu finden ist, konnte Justin Furstenfeld sogar George Winston am Piano gewinnen (auch wenn dieser dort kaum wahrzunehmen ist). Eine schöne Platte. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Independently Happy, Schizophrenia, The Answer






Mittwoch, 1. August 2012

Blue October – History For Sale





Blue October – History For Sale


Besetzung:

Justin Furstenfeld – vocals, guitars, piano
Jeremy Furstenfeld – drums
Dewayne Casey – bass
C.B. Hudson – guitars, backing vocals
Ryan Delahoussaye – strings, backing vocals, mandolin


Gastmusiker:

Matt Novesky – bass
David Castell – programming, flute


Label: Universal Records


Erscheinungsdatum: 2003


Stil: Alternative


Trackliste:

1. Ugly Side (4:22)
2. Clumsy Card House (3:21)
3. Razorblade (3:19)
4. Calling You (4:00)
5. Chameleon Boy (5:49)
6. Sexual Powertrip (One Big Lie) Bla Bla (3:05)
7. A Quiet Mind (4:09)
8. 3 Weeks, She Sleeps (1:49)
9. Inner Glow (4:25)
10. Somebody (3:26)
11. Come In Closer (5:26)
12. Amazing (14:23)

Gesamtspieldauer: 57:33




Mit dem 2003 erschienenen Album „History For Sale“, dem insgesamt dritten Studioalbum der texanischen Band, hatte Blue October seinen Stil endgültig gefunden. Und dieser Stil, geprägt durch den Hauptkomponisten Justin Furstenfeld, ist durchaus abwechslungsreich. Gut gemachte Rockmusik bekommt man auf „History For Sale“ zu hören. Mal ein wenig ruhiger und nachdenklicher, ein anderes Mal deutlich treibender und temperamentvoller.

Das Album startet mit „Ugly Side“ einer sehr eingängigen Nummer, die mit jedem weiteren Hören noch wächst und sich fester im Gehirn eingräbt. Ein richtig gut gemacht Pop-Rock-Song. Deutlich härter, aber nicht weniger fesselnd, hört sich „Razorblade“ an. Der Song pulsiert immer wieder und lebt auch von der ab und an verzerrten beziehungsweise übersteuerten Stimme Justin Furstenfelds.

„Calling You“ wurde schließlich sogar ein Hit für die Band, da das Lied im Soundtrack des dritten Teils von „American Pie“ mit dem Titel „American Wedding“ oder auf Deutsch „American Pie – Jetzt wird geheiratet“ Verwendung fand. Den Film habe ich nicht gesehen und das will ich auch gar nicht, das Lied ist allerdings ganz nett, so ein gute Laune Song, eingängig und mit Wiedererkennungswert. „Chameleon Boy“, im Anschluss daran, ist wieder eine deutlich ruhigere Nummer, ebenfalls eingängig, allerdings auch nicht besonders aufregend.

Klasse wird es erneut mit „3 Weeks, She Sleeps“, gerade weil dieses Lied so aus dem Rahmen fällt. Klasse wird hier in ganz kurzer Zeit eine schöne Melodie entwickelt, die in einem Flötenspiel mündet, welches nicht anders zu beschreiben ist als: das klingt! Und genauso melodiös geht es mit „Inner Glow“ weiter. Dieses Mal ein wenig treibender und irgendwie ganz typisch für die Musik von Blue October.

„Somebody“ ist dann gar nicht mehr so „typisch“. Denn das Lied kracht los und zieht dies auch ununterbrochen durch. Der Aufdruck auf dem CD-Booklet „Explicit Content“ wurde auch nicht zuletzt wegen dieses Liedes erforderlich. „Come In Closer“ lebt von der Atmosphäre die es vermittelt. Diese relaxte und manchmal sogar irgendwie mystische Stimmung wird perfekt umgesetzt, sodass auch dieses Lied zu den Höhepunkten des Albums gezählt werden kann.

„Amazing“ bildet schließlich den Abschluss der Platte. Und dieses Lied ist eine richtig schöne und getragene Akustiknummer, die allerdings nur knapp fünf Minuten währt und nicht die angegebenen vierzehneinhalb. Wieder mal so ein Hidden Track Ding, mit dem man seine Gesamtlaufzeit nach oben puschen kann. Ab etwa Minute 10 tut sich dann akustisch wieder etwas. Ein Liebeslied ohne Titel wird einem hier akustisch dargeboten. Und wer sich wundert, dass er dieses Lied doch schon mal gehört hat, der kommt spätestens beim Refrain darauf, dass es sich hierbei um eine Akustikversion der vierten Nummer „Calling You“ handelt.

Fazit: Ganz klar, dieses Album ist gelungen und hat seine Höhepunkte. Es kommt nicht ganz an die beiden Nachfolger heran, aber viel fehlt dazu nicht. Wer auf gut gemachten Pop-Rock steht, der immer wieder mal sehr eingängig und melodiös ist, der kann mit „History For Sale“ von Blue October aber gar nichts falsch machen. Neun Punkte.

Anspieltipps: Ugly Side, Razorblade, Calling You, 3 Weeks She Sleeps, Inner Glow, Come In Closer, Amazing (Der Beginn bis Minute 5)



Freitag, 27. Juli 2012

Blue October – The Answers





Blue October – The Answers


Besetzung:

Justin Furstenfeld – vocals, acoustic and electric guitar, drums on track 13, piano after track 13
Jeremy Furstenfeld – drums, percussion
Liz Mullally – bass guitar, piano on “For My Brother” and “Black Orchid”
Ryan Delahoussaye – violin, mandolin


Label: Scoop LLC.


Erscheinungsdatum: 1998


Stil: Pop, Rock, Folk


Trackliste:

1. The Answer (5:57)
2. Two A.M. Lovesick (3:08)
3. The 21st (4:09)
4. Breakfast After Ten (3:01)
5. Italian Radio (3:53)
6. For My Brother (5:28)
7. Sweet And Somber Pigeon Wings (5:14)
8. Weaknesses (4:12)
9. Blue Sunshine (4:39)
10. Mr. Blue's Menu (3:25)
11. Darkest Side Of Houston's Finest Day (4:13)
12. Tomorrow (3:47)
13. Black Orchid (6:10)

Gesamtspieldauer: 57:13




1998 veröffentlichte die amerikanische Band Blue October ihr Debutalbum. Und mit dieser Platte war die Band um den Songschreiber und Texter Justin Furstenfeld zunächst vor allem in ihrer Heimat rund um Houston, Texas erfolgreich.

Die Stücke auf „The Answers“ sind durch die Bank weg alle eingängig und melodiös. Und klar, das ist Pop-Musik, die man hier hört. Natürlich mit Rockanteilen. Allerdings mischen sich auch immer wieder leichte Country-Anleihen unter die einzelnen Stücke, sodass die Musiker ihre geographische Herkunft gar nicht verheimlichen können.

Dieser Umstand an sich wäre sicherlich noch nichts Negatives, denn amerikanische Country-Einflüsse hört man auch bei Bands wie „16 Horsepower“ oder aber der schwedischen Combo „Hyacinth House“. Und hier sind diese Anleihen perfekt und spannend umgesetzt, sodass auch ein Hörer, der sonst nicht viel mit dieser Art von Musik anfangen kann, hier etwas für sich entdeckt. Aber genau das gelingt Blue October auf „The Answers“ leider nicht. Diese Assoziationen zur amerikanischen Volksmusik entstehen immer dann, wenn die Violine Ryan Delahoussayes erklingt. Allerdings hört man dieses Musikinstrument auch, wenn das Lied ein reines Pop-Lied oder aber ein Rock-Lied ist und so gar nichts mit Country Musik zu tun hat.

Diese Violine ist immer dabei. Bei jedem einzelnen Stück. Dass so etwas ein Lied aufpeppen kann und durchaus auch in der Rockmusik seine Daseinsberechtigung hat, weiß man nicht erst seit „Kansas“. Richtig eingesetzt ist das ein tolles Stilmittel. Auf diesem Album hier ist die Violine jedoch allgegenwärtig. Auf „The Answers“ ersetzt diese Geige häufig sogar die Gitarre und man kann es drehen und wenden wie man will, irgendwann nervt das. Irgendwann geht einem dieses Gefiedel fürchterlich auf den Senkel, da es auch immer und immer wieder ähnlich ist. Sehr ähnlich sogar.

Fazit: Die Musik auf „The Answers“ ist eigentlich eine gute, wenn auch diese ganz mitreißenden Titel, wie man sie immer wieder auf den weiteren Veröffentlichungen von Blue October findet, hier fehlen. Allerdings einzeln betrachtet sind die Stücke interessant und meist auch überzeugend. Jedoch in Summe gesehen durch diesen Violineneinsatz zu ähnlich, da sie sich alle auch in einem sehr begrenzten Fenster bezüglich des Tempos bewegen. Dieses ist meistens gemächlich. Nun somit bleiben gerade mal noch sieben Punkte, da diese einheitliche und durchgängig gleiche Instrumentierung mit der Violine den ganz großen Hörspaß nicht nur ein wenig schmälert.

Anspieltipps: The Answer, Italian Radio, For My Brother, Black Orchid und alle anderen Titel auch, es klingt meist so ähnlich.



Dienstag, 3. Juli 2012

Blue October – Approaching Normal





Blue October
– Approaching Normal



Besetzung:

Justin Furstenfeld – vocals, guitar
Jeremy Furstenfeld – drums, percussion
Ryan Delahoussaye – violin, mandolin, keyboards, vocals
CB Hudson III – guitar, vocals
Matt Noveskey – bass, acoustic guitar, vocals


Label: Universal Records


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: Rock, Pop, Alternative


Trackliste:

1. Weight Of The World (4:04)
2. Say It (3:38)
3. Dirt Room (3:25)
4. Been Down (4:21)
5. My Never (3:47)
6. Should Be Loved (4:03)
7. Kangaroo Cry (4:53)
8. Picking Up Pieces (4:21)
9. Jump Rope (3:19)
10. Blue Skies (3:46)
11. Blue Does (3:29)
12. The End (4:59)




Mit dem Album „Approaching Normal“ von Blue October aus dem Jahr 2009, der fünften Studio-Veröffentlichung der amerikanischen Band um den charismatischen Sänger Justin Furstenfeld, ist das so eine Sache. Da gibt es ganz tolle, relativ unorthodoxe Titel zu beststaunen und dann andererseits jedoch auch Musik, die man am besten wohl mit Pop-Rock-Mainstream bezeichnet und die den geneigten Rockfan mitunter ein wenig gelangweilt zurücklässt.

Das Album fängt klasse an mit „Weight Of The World”. Eingeleitet wird das Stück mittels einer kleinen Klangkollage, gefüllt mit jeder Menge verschiedener Geräusche. Vom Radiorauschen über Klopfen bis hin zu Polizeisirenengeheul ist da alles dabei. Dann beginnt der Gesang ganz leise und zart instrumentiert, bis das Lied rockig loslegt. Und das wird in einer Art und Weise vollzogen, die einfach Spaß macht. Hier stimmt alles, Melodie, Tempo und vor allem der Gesang Justin Furstenfelds.

„Say It“, im Anschluss daran, beginnt gleich wie ein typischer Radio-Mainstream-Rocksong. Irgendwie ein bisschen glattpoliert das Ganze. Allerdings hat das Lied auch dieses Mal im Gesang seinen Höhepunkt, wenn das Wort „Say“ immer wieder wiederholt wird. „Dirt Room“ verfügt ebenfalls über eine eingängige Melodie und die Gitarrenlinie ist klasse. Allerdings ist es hier ein im Chor gesungenes „Uh Uh Uh Uh“, welches nervt. So hört sich eingängiger Mainstream an, Pop-Mainstream, der doch eigentlich gar nicht zum Rest des Liedes passt.

„Been Down“ ist dann ein eher ruhiger Titel, bei dem auch ein Cello seinen Einsatz erhält. Schön verträumt das Ganze und man muss fast der Versuchung widerstehen, ein Feuerzeug zu zücken … Ruhig geht es auch mit „My Never“ weiter. Den Part des Cellos übernehmen hier Violinen. Es ist schon sehr eindrucksvoll, wie intensiv hier wieder mal die Vocals intoniert werden. Mal geflüstert, mal fast weinend, dann wieder kraftvoll und immer überzeugend. Das macht er richtig gut, der Justin Furstenfeld.

„Should Be Loved“ beginnt wie ein Lied des Deutschen Schlagers. Im weiteren Verlauf wird dieser Eindruck zwar etwas revidiert, allerdings ist die Musik hier so eingängig und mit einem oftmals fast schon unsäglichen Gesang versehen, dass dieses Lied schon sehr gewöhnungsbedürftig klingt. Zwar gibt es auch noch einen ganz interessanten Mittelteil, aber richtig retten kann dieser das Stück auch nicht mehr. Es folgt mit „Kangaroo Cry“ erneut eine etwas ruhigere, sehr gefällige Pop-Nummer, die von „Picking Up Pieces“ abgelöst wird. Und was für den Vorgänger galt, das gilt auch hier – sehr eingängige Pop-Musik, aber nichts Außergewöhnliches.

„Jump Rope” startet mit Geigen und anschließendem Sprechgesang, ist allerdings weit davon entfernt ein Hip Hop-Stück zu sein. Das Stück groovt spätestens nach dem zweiten Hören und weist mit einem Kinderchor sogar noch eine Überraschung auf. Mit „Blue Skies” erinnern Blue October ein wenig an R.E.M. Toll arrangiert und überaus gelungen ist hier ein klassisch orchestrierter Mittelteil, der in einen treibenderen Part übergeht. „Blue Does“ im Anschluss, ist dann sehr getragen. Am ehesten nennt man so etwas wohl Ballade. Nicht schlecht gemacht, vor allem dann, wenn es um „Oh What A Girl…“ geht.

Beschlossen wir das Album, nomen est omen, mit dem Titel „The End“. Und dieser Titel ist ein absoluter Höhepunkt der Platte. Hier gibt es auch mal „schrägere“ Töne zu hören und trotzdem ist es ein unglaublich guter Rock-Song und kein Mainstream oder Pop. Absolut gelungen die Spannung, die in dem Lied erzeugt wird. Perfekt instrumentiert und gesungen entwickelt sich hier ein mitreißendes Stück Musik, welches in fünf Minuten all das bietet, was Musik eben manchmal so hörenswert macht.

Fazit: Klar hier auf „Approaching Normal“ ist viel eingängiger Mainstream versammelt. Allerdings befindet sich auf dem Album kein einziges, richtig schlechtes Lied. Stattdessen findet sich in jeder Nummer zumindest ein Part, der gefallen kann. Die Musik ist nicht immer anspruchsvoll, fordert den Hörer an anderer Stelle allerdings doch auch immer wieder. Es gibt immer wieder was zu entdecken auf „Approaching Normal“. Und wegen der Höhepunkte des Albums ist das auch kein Durchschnitt mehr. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Weight Of The World, Say It, Been Down, My Never, Jump Rope, Blue Does, The End



Mittwoch, 6. Juni 2012

Blue October – Foiled





Blue October – Foiled


Besetzung:

Justin Furstenfeld – vocals
Jeremy Furstenfeld – drums
Ryan Delahoussaye – violin
CB Hudson – guitar
Matt Noveskey – bass


Gastmusiker:

Zayra Alvarez – backing vocals
Imogen Heap – backing vocals
Kirk Baxley – backing vocals
Sarah Donaldson – cello


Label: Universal Records


Erscheinungsdatum: 2006


Stil: Rock, Alternative


Trackliste:

1. You Make Me Smile (4:21)
2. She’s My Ride Home (4:42)
3. Into The Ocean (4:00)
4. What If We Could (4:03)
5. Hate Me (6:20)
6. Let It Go (4:03)
7. Congratulations [f. Imogen Heap] (4:01)
8. Overweight (4:24)
9. X Amounts Of Words (4:15)
10. Drilled A Wire Through My Cheek (4:32)
11. Sound Of Pulling Heaven Down (4:43)
12. Everlasting Friend (4:06)
13. 18th Floor Balcony (11:15)




Ein richtig gutes Album ist den Musikern der amerikanischen Band aus Texas, Blue October, da im Jahr 2006 gelungen. Überaus eingängigen Rock bekommt der geneigte Zuhörer auf „Foiled“, dem vierten Studioalbum, kredenzt. Rock-Musik, die nie langweilig wird und immer wieder mit schönen Harmonien und Melodien aufwartet.

Geschrieben wurden die Songs alle von Justin Furstenfeld, der sich beim Komponieren nur manchmal die Unterstützung seiner Bandkollegen oder externer Musiker sicherte. Bei neun der vierzehn Stücke ist er der alleinige Autor. In den Texten verarbeitet er dabei immer wieder seine Depressionen, an denen er seit Kindheitstagen leidet und die ihn bereits mehrmals in diverse Kliniken führten.

Die Musik auf „Foiled“ ist richtig gut und kann den Zuhörer packen. Manchmal melancholisch, manchmal treibend, immer jedoch abwechslungsreich und niemals langweilig oder oberflächlich. Und gerade die Abwechslung, die dem Hörer hier präsentiert wird, macht einen großen Pluspunkt des Albums aus. Auf „Foiled“ fließen die Stile Pop, Rock und Hard Rock immer wieder ineinander über. Und das nicht nur von Lied zu Lied, sondern auch in den einzelnen Stücken selbst. Das Ganze wirkt jedoch nicht konstruiert oder aufgesetzt, sondern vielmehr gewachsen und zwar so, als ob es gar nicht anders sein könnte. Richtig „hart“ wird es dabei allerdings nur selten, sodass knallharte Metal-Fans wohl nicht die richtige Zielgruppe des Albums sind.

Aber sonst ist wohl für jeden Rock-Fan etwas dabei. Das fängt gleich mit dem ersten Stück „You Make Me Smile“ an. Sofort ein Höhepunkt des Albums. Das Lied ist eine schöne treibende Rocknummer, die zum Mitwippen animiert und bereits beim ersten Hören so wirkt, als ob man das Stück schon jahrelang kennen würde. „She’s My Ride Home” und “Into The Ocean” sind eingängige Pop-Rock-Nummern, wohingegen “What If We Could” wieder deutlich mehr in der Rock-Sparte beheimatet ist. Hier findet man ihn dann auch wieder, diesen treibenden Beat, der Rock Fans ein Lächeln auf die Lippen zaubert.

“Hate Me“, Lied Nummer fünf des Albums, wurde sogar als Single veröffentlicht und ist ein schöner, gitarrenlastiger Track, der über einen Refrain verfügt, der dieses Mal zum Mitgröhlen einlädt. Ganz anders gibt sich dann „Let It Go”. Fast schon ein wenig psychedelisch wirkt diese sanfte Nummer, die ebenfalls sofort ins Ohr geht. Besonders gut kommt hier auch Ryan Delahoussayes Violinenspiel zur Geltung. Ganz klar ebenfalls ein Höhepunkt des Albums.

Und die Abwechslung wird auch bei den weiteren Nummern des Albums groß geschrieben. Bei “Congratulations [f. Imogen Heap]“ holt sich Justin Furstenfeld beim Gesang weibliche Unterstützung. Ein insgesamt sehr ruhiger Song mit einem überaus eingängigen Refrain, der sofort hängenbleibt. „Overweight“ hingegen startet mit spanischen Gitarren und entwickelt sich zu einer überaus rhythmischen Nummer, die von einer, fast schon als Sprechgesang zu bezeichnenden Gesangsspur, angetrieben wird. Und bei „X Amounts Of Words“ bleibt es zwar rhythmisch, der Stil des Liedes bewegt sich allerdings zwischen Pop und fast schon Synthie Pop.

Sehr viel düsterer wird es dann mit „Drilled A Wire Through My Cheek“, bis das Lied schließlich richtig loskracht. Zu Beginn ist alles so zurückhaltend, vom Gesang wie von der Instrumentierung her, um dann sowohl von der Lautstärke und Geschwindigkeit zu wachsen. „Sound Of Pulling Heaven Down” startet mehrstimmig und entwickelt sich im weiteren Verlauf zu einer überaus melodiösen Rocknummer. Auffällig hier erneut, wie die Band um Justin Furstenfeld es immer wieder schafft, Musik zu präsentieren, die eingängig ist, ohne oberflächlich zu sein, die einfach passt und hängenbleibt. Das wiederum hat bei „Everlasting Friend” nicht ganz so hingehauen. Die Nummer ist zwar ebenfalls ganz nett anzuhören, dieses gewisse Etwas, welches hängenbleibt, das geht dem Stück allerdings ab. Bliebe noch „18th Floor Balcony” inklusive Hidden Track, denn über elf Minuten ist das Lied nicht lang. Das Stück ist eine ganz ruhige Nummer, ein wenig schwebend und abgehoben, ein ganz zarter Ausklang dieses Albums, bei dem die Violine wieder ihren großen Auftritt hat. Bei 4:30 ist dann Schluss und ab 6:33 geht es dann zunächst mit einigen ganz leisen Hintergrundstimmen weiter. Und auch dieser Hidden Track ist ein leises und richtig gutes Stück, instrumentiert lediglich mit Piano und Gesang - ein wahrlich würdiger Abschluss für dieses Album.

Fazit: Eine schöne und abwechslungsreiche Platte haben die fünf Mannen aus Texas da 2006 vorgelegt. „Foiled“ ist ein Album geworden, auf der es jede Menge unaufgeregte, aber gute Musik zu hören gibt. Dazu befinden sich noch ein paar richtig klasse Stücke auf dieser Scheibe und nur ganz wenige Ausreißer nach unten. Klar ist es kein Überalbum, aber Zuhören macht hier jede Menge Spaß. Zehn Punkte mit Tendenz nach oben.

Anspieltipps: You Make Me Smile, What If We Could, Hate Me, Let It Go, 18th Floor Balcony