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Freitag, 8. September 2023

Glass Hammer – Dreaming City

 



Glass Hammer – Dreaming City


Besetzung:

Steve Babb – bass, keyboards, lead and backing vocals
Fred Schendel – keyboards, guitars, backing vocals
Aaron Raulston – drums
Reese Boyd – guitars, lead and backing vocals
John Beagley – lead and backing vocals
Brian Brewer – guitars
Susie Bogdanowicz – lead vocals
Joe Logan – lead vocals


Gastmusiker:

Barry Seroff – flute
James Byron Schoen – guitar solo (11)




Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Hard Rock, Progressive Rock, Pop


Trackliste:

1. The Dreaming City (7:14)
2. Cold Star (7:29)
3. Terminus (4:19)
4. The Lurker Beneath (1:41)
5. Pagarna (3:33)
6. At The Threshold Of Dreams (4:11)
7. This Lonely World (4:52)
8. October Ballad (4:10)
9. The Tower (2:44)
10. A Desperate Man (4:12)
11. The Key (6:13)
12. Watchman On The Walls (11:35)

Gesamtspieldauer: 1:02:20



Glass Hammer sind eine sehr „fleißige“ Band. In schöner Regelmäßigkeit veröffentlichen die US-Amerikaner neue Alben. „Dreaming City“ ist bereits ihre achtzehnte Veröffentlichung und erschien im Jahr 2020 auf dem Plattenlabel Arion Records.
 
„Dreaming City“ ist erneut ein Konzeptalbum geworden, welches die Fantasy-Geschichte von Skallogrim erzählt. Dieser Bursche ist ein Schwertkämpfer, der mit dunkler Magie in Konflikt geraten ist. Er ist auf der Suche nach seiner verlorenen Liebe, die er schnellstmöglich finden muss, um sie vor dem Tod zu retten. Unterstützt wird er dabei durch Terminus, seinem Schwert und Talisman, welches ihm hilft seine Gegner zu besiegen. Fantasy pur also.

Was man „Dreaming City“ keinesfalls absprechen kann, dass ist die Abwechslung, die man auf diesem Album zu hören bekommt. Zu Beginn und gegen Ende rockt die Scheibe beachtlich. Im mittleren Teil hört man dann auch vermehrt den Einsatz des Synthesizers, der Sound klingt künstlicher und mag thematisch gar nicht so richtig zum Anfang und Ende des Albums passen. Langeweile kommt da zwar nicht auf, eher eine gewisse Art der Überraschung. Kann man mal so machen, wenn man eine Geschichte erzählen möchte. Das schnulzige „This Lonely World“ sowie das nochmals weicher gewaschene „October Ballad“, eingesungen von Susie Bogdanowicz, fallen dann allerdings doch schon etwas zu sehr aus dem Rahmen und schrammen haarscharf am Rande des Kitsches vorbei – wenn sie diesen nicht sogar schon berühren.

Die Höhepunkte auf „Dreaming City“ liegen ganz klar im Bereich der rockigeren Titel zu Beginn und am Ende des Albums. Hier klingen Glass Hammer packend und mitunter sogar richtiggehend mitreißend. Der fette Orgelsound lässt dabei Erinnerungen zu entsprechenden Rock Bands der frühen 70er Jahre aufkommen. Das abschließende Epos „Watchman On The Walls“ überzeugt schließlich auch den Freund progressiver Musik durch die vielen unterschiedlichen Parts und Stimmungswechsel, die hier sehr geschickt, kurzweilig und nicht konstruiert klingend, miteinander verbunden wurden. Highlight des Albums ist allerdings das tolle „Cold Star“. Viele musikalische Erinnerungen werden in diesem Titel an die ersten Jahre des Progressive Rocks geweckt. Ist das nicht alles schon mal dagewesen? Klar, doch in diesem Lied wird es sehr schön wiederbelebt. 

Fazit: „Dreaming City“ klingt keineswegs langweilig, denn für jede Menge musikalische Abwechslung ist durchaus gesorgt. Durchgängig überzeugend klingt dieses Album allerdings leider auch nicht. Das liegt nicht daran, dass der rockige Anstrich im Mittelteil eher fehlt, sondern daran, dass die Qualität der Lieder dort nicht das Niveau des Beginns und des Endes des Albums erreichen. Für Fans der Band aber natürlich hörenswert. Neun Punkte.

Anspieltipps: Cold Star



Samstag, 2. September 2023

Dyble Longdon – Between A Breath And A Breath

 



Dyble Longdon – Between A Breath And A Breath


Besetzung:

Judy Dyble – vocals, autoharp
David Longdon – vocals, acoustic guitar, electric guitar, piano, electric piano, mandolin, harmonium, theremin, ebows, mellotron, vibraphone, synthesizer, keyboards, marxophone, flute, organ, glockenspiel, harpsichord, tambourine, effects


Gastmusiker:

Andy Lewis – bass guitar
Jeff Davenport – drums percussion
Dave Gregory – electric 12 string guitar, twangy guitar 
Danny Manners – double bass
Greg Spawton – moog taurus pedals, electric bass
Rachel Hall – violin
Eleanor Hellsten – vocals
Freya de la Bédoyère – vocals
Lara Perry – vocals
Sarah Ewing – vocals
Dave Sturt – fretless bass
Luca Calabrese – trumpet
Rikard Sjöblom – accordion
Nick D'Virgilio – drums, percussion
Patrick Phillips – waterphone




Erscheinungsjahr: 2020


Stil: ArtPop


Trackliste:

1. Astrologers (5:56)
2. Obedience (5:13)
3. Tidying Away The Pieces (4:59)
4. Between A Breath And A Breath (4:03)
5. France (11:39)
6. Whisper (7:31)
7. Heartwashing (2:42)

Gesamtspieldauer: 42:07



Noch ein wenig trauriger wirkt dieses Album im Nachhinein, wenn man sich die Entstehungsgeschichte und die Zeit nach der Veröffentlichung zu Gemüte führt. Judy Dyble, Mitbegründerin von Fairpoint Convention, war während der Entstehung von „Between A Breath And A Breath“ bereits an Lungenkrebs erkrankt. Von ihrer Erkrankung hatte sie 2019 erfahren, ihre Gesangparts waren bereits zu Beginn des Entstehungsprozesses eingespielt worden, sodass sich David Longdon, Sänger bei Big Big Train, um alles Weitere kümmern konnte, während Judy Dyble weiter ihre Krankheit bekämpfte.

Den Veröffentlichungstermin am 25. September 2020 erlebte Judy Dyble jedoch nicht mehr, da sie leider bereits am 12. Juli 2020 verstarb. Judy Dyble hatte alle Texte des Albums geschrieben, während sich David Longdon um die Musik gekümmert hatte. Dazu hatte er ihr versprochen, ihre gemeinsame Musik in die Welt zu tragen. Tragischerweise verstarb auch David Longdon lediglich ein Jahr später, am 20. November 2021, bei einem Autounfall.

Mit dem Wissen um die Entstehungsgeschichte werden auch die Texte der Judy Dyble sehr viel verständlicher und auch dieser Hauch von Traurigkeit, der auch über der Musik selbst liegt. Die sieben Stücke dieses Albums sind allesamt eingängige Lieder, die durchaus auch an Musik von Big Big Train erinnern. Ganz überrascht das nicht, da das Album auch mit Hilfe der Big Big Train-Musiker Greg Spawton, Nick D'Virgilio sowie Rikard Sjöblom  eingespielt wurde. Dazu hatte Judy Dyble  auf dem 2017er Big Big Train-Album „Grimspound“ das Lied „The Ivy Gate“ eingesungen. Man kannte sich also. Somit wirkt alles auf „Between A Breath And A Breath“ harmonisch und melodiös, wie auch bei vielen Big Big Train-Alben. Doch im  Unterschied dazu klingt hier die Musik irgendwie seltsam zurückhaltend und voller Melancholie. Ein wahrliches „Winteralbum“ ist „Between A Breath And A Breath“ geworden, welches sich in seiner Dunkelheit windet. Dies ist wohl auch der Erkrankung der Judy Dyble geschuldet.

Steht man auf die Eingängigkeit in der Musik und auf Lieder, die nicht nach dem Rezept Strophe-Refrain-Sttrophe-Refrain-Solo-Refrain ablaufen, dann kann man einiges für sich auf diesem Album entdecken. Die Höhepunkte sind dabei die Lieder „France“ sowie „Whisper“, einfach wunderschöne Stücke, in die sich einzutauchen lohnt. Die Lieder entwickeln sich und ufern aus, ohne sich dabei jedoch in Belanglosigkeit zu verlieren.

Fazit: Wer Big Big Train mag, die oder der wird auch Dyble Longdon mögen. Auf „Between A Breath And A Breath“ klingt die Musik allerdings noch mal ein wenig melancholischer und auch trauriger – eben den Umständen entsprechend. Frickelige Passagen oder experimentelle Abschnitte such man auf dem Album vergebens. Somit eignet sich diese Scheibe perfekt für Menschen, die gern in Harmonien versinken und dabei ihrem Blues frönen möchten. Zwölf Punkte. 

Anspieltipps:  Obedience, France, Whisper



Freitag, 15. April 2022

Paul McCartney – III

 





Besetzung:

Paul McCartney – vocals, electric and acoustic guitars, bass guitar, double bass, acoustic piano, harpsichord, mellotron, harmonium, fender rhodes, synthesizers, wurlitzer electric piano, drums, percussion, recorder


Gastmusiker:

Rusty Anderson – electric guitar (track 7)
Abe Laboriel Jr. – drums (track 7)




Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Long Tailed Winter Bird (5:16)
2. Find My Way (3:54)
3. Pretty Boys (3:00)
4. Women And Wives (2:52)
5. Lavatory Lil (2:22)
6. Deep Deep Feeling (8:25)
7. Slidin‘ (3:23)
8. The Kiss Of Venus (3:06)
9. Seize The Day (3:20)
10. Deep Down (5:52)
11. Winter Bird / When Winter Comes (3:12)

Gesamtspieldauer: 44:48



Nein, Paul McCartney hat mit „III“ kein neues Beatles- oder Wings-Album veröffentlicht. Oder doch? Im Grunde genommen stellt dieses Album vom Ansatz her die Fortsetzung einer Reihe dar, die 1970 mit seinem ersten Solo-Album „McCartney“ begann. Damals erntete der Musiker sehr negative Kritiken. Er hatte das Album völlig alleine eingespielt und nur seine Frau Linda war mit etwas Hintergrundgesang zu hören. Damals einhellige Meinung der Kritiker und vieler enttäuschter Fans: Auf der Platte befänden sich lauter nicht fertig produzierte und irgendwie auch nicht fertiggestellte Lieder.

Auch „McCartney II“ fiel zunächst in Ungnade. Das Album wurde im Jahr 1980 veröffentlicht – erneut hatte darauf Paul McCartney alle Instrumente selbst eingespielt und wiederum erneut war nur seine Frau Linda mit etwas Gesang beteiligt. Musikalisch bedeutete „McCartney II“ eine Abkehr von der bisherigen Musik des Ex-Beatle. Auf dem Album hört man Lieder, die stark vom Synthesizer beherrscht werden und dementsprechend – wohl auch der Zeit des Entstehens geschuldet – irgendwo zwischen Synthie-Pop, New Wave und Electronica angesiedelt sind.

Ungeachtet der zunächst schlechten Kritiken besitzen „McCartney“ und „McCartney II“ inzwischen eine Art Kultstatus bei Fans und auch die Kritiker denken heute anders darüber.

Nun also „McCartney III“, sehr schön stilisiert durch die drei Punkte eines Würfels. Eines gleich vorweg, die Kritiken werden bei diesem Album von Anfang an positiv ausfallen. Auf „McCartney III“ hört man ausgereifte und gut arrangierte Lieder. Lieder, die sich im Bereich Pop bis Rock bewegen, manchmal auch leicht folkig angehaucht sind und wahrlich gut ins Ohr gehen. Gleich geblieben ist der Ansatz des Paul McCartney, das gesamte Album fast alleine einzuspielen. Eine Ausnahme stellt hier die rockige Nummer „Slidin'“ dar, bei der Rusty Anderson an der E-Gitarre sowie Abe Laboriel Jr. am Schlagzeug zu hören sind.

Nach vielen Durchläufen der Platte muss ich meinen ersten Satz dieser Rezension nochmals in Frage stellen. Denn auf „McCartney III“ hört man überaus eingängige und melodische Lieder, die ins Ohr gehen. Die Stimme des Paul McCartney klingt selbstverständlich etwas gealtert, lässt in Verbindung zu den schönen Melodien jedoch jede Menge Melancholie aufkommen. Doch, die Musik auf diesem Album erinnert mich an vielen Stellen an die Beatles und auch die Wings. Paul McCartney hat kein bisschen von seinem Gespür für die wunderschöne Melodie eingebüßt. Das, was man auf „McCartney III“ zu hören bekommt klingt – falls einen die Musik des Paul McCartneys und der Beatles schon lebenslang begleitet – zum Teil sogar durchaus bewegend.

Fazit: Auf „McCartney III“ hört man Musik, die eindeutig nach Paul McCartney klingt. Sie ist deutlich weniger experimentell gehalten, als auf seinen ersten beiden selbst eingespielten Platten aus den Jahren 1970 und 1980. Dafür gibt es auf diesem Album wunderschöne Melodien zu hören, eingängige Lieder, die viele Erinnerungen aufkommen lassen. Für Menschen, die Melancholie lieben, einfach schön. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Women And Wives, Deep Down



Donnerstag, 9. Dezember 2021

Killer Be Killed – Reluctant Hero

 



Killer Be Killed – Reluctant Hero


Besetzung:

Greg Puciato – guitars, vocals
Max Cavalera – guitars, vocals
Troy Sanders – bass, vocals
Ben Koller – drums




Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Metal


Trackliste:

1. Deconstructing Self-Destruction (4:33)
2. Dream Gone Bad (4:15)
3. Left Of Center (3:30)
4. Inner Calm From Outer Storms (3:52)
5. Filthy Vagabond (3:47)
6. From A Crowded Wound (7:11)
7. The Great Purge (4:12)
8. Comfort From Nothing (4:18)
9. Animus (1:07)
10. Dead Limbs (4:48)
11. Reluctant Hero (6:04)

Gesamtspieldauer: 47:42



„Reluctant Hero“ heißt das zweite Studioalbum der US-amerikanischen Heavy-Metal-Band Killer Be Killed. Es wurde am 20. November 2020 auf dem Plattenlabel Nuclear Blast veröffentlicht und enthält elf ziemlich konsequent durchgezogene Metal-Stücke. Insgesamt vier Singles wurden mit den Liedern „Deconstructing Self-Construction“, „Dream Gone Bad“, „Inner Calm From Outer Storms“ sowie „From A Crowded Wound“ aus dem Album ausgekoppelt.

Killer Be Killed spielen im oberen Härtebereich des Metals. Melodien spielen dabei eher eine untergeordnete Rolle. Es geht bei der Musik von Killer Be Killed um Geschwindigkeit und knallharte Riffs. Und das zelebrieren die vier Musiker auf dem Album in Perfektion. Keineswegs überraschend wäre es von daher, dass Head Banging in diesem Fall eine Gehirnerschütterung nach sich ziehen würde. Solch schnelles Kopfherumschleudern könnte durchaus gefährlich werden.

Dazu gesellt sich ein Gesang, der immer wieder in Geschrei und Growling versinkt. Zugegeben, knallharte Metal Fans lieben das sicherlich, doch genau hier gibt es das Problem, dass die Musik zwar durchaus noch einige Hörerinnen und Hörer einfangen könnte, durch den Gesang werden andere wiederum abgeschreckt. Ich leider auch. Und so überrascht es nicht weiter, dass für mich gerade das letzte und gleichzeitig Titellied „Reluctant Hero“ den Höhepunkt des Albums darstellt. Auch hier eskaliert der Gesang zwar etwas, trotzdem besitzt das Lied noch eine tolle Melodie und steigert sich, wirkt abwechslungsreicher.

Fazit: „Reluctant Hero“ von Killer Be Killed ist sicherlich eine klasse Scheibe für Hardcore Metal Fans. Die Musik ist laut, hart und aggressiv. Wer Melodien mag, wird auf diesem Album allerdings nur selten fündig werden. Doch diese Stellen gibt es auch auf dem Album, wenn auch nur vereinzelt. Heavy Metal ohne Kompromisse. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Reluctant Hero



Mittwoch, 19. Mai 2021

Mono Inc. – Melodies In Black

 



Mono Inc. – Melodies In Black


Besetzung:

Martin Engler – vocals, additional guitars, piano
Katha Mia – drums & vocals
Carl Fornia – guitar & vocals
Manuel Antoni – bass & vocals


Gastmusiker:

Joachim Witt – additional vocals
Eric Fish – additional vocals
Lisa Middlehauve – additional vocals
Melanie Stahlkopf – additional vocals


Label: Nocut


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Gothic Rock


Trackliste:

CD1:

1. Life Hates You (Black Version) (5:28)
2. In The End (4:26)
3. Time To Go (4:02)
4. A Love That Never Dies (4:44)
5. In My Darkest Hours (5:11)
6. Just Because I Love You (Black Version) (4:51)
7. My Songs Wear Black (5:04)
8. Risk It All (Symphonic Version) (4:27)
9. When All My Cards Are Played (3:24)
10. The Tide (2:58)
11. Nimmermehr (3:15)
12. Teach Me To Love (5:37)
13. Warriors (4:17)
14. Potter's Field (4:01)
15. Kein Weg Zu Weit (Unplugged) (3:38)
16. A Vagabond's Life (4:12)
17. Scared (3:30)

CD2:

1. Nemesis (4:34)
2. Trail Of Thorns (5:19)
3. Unconditionally (3:44)
4. Alles Was Bleibt (4:18)
5. The Heart Of The Raven (4:00)
6. An Klaren Tagen (Black Version) (4:18)
7. If I Fail (7:02)
8. Ghost Town Gates (3:47)
9. A Better Way To Die (3:08)
10. Twice In Life (Acoustic Version) (3:06)
11. 118 (4:33)
12. The Best Of You (Piano Version) (4:06)
13. Superman (4:12)
14. When Love's Gone (3:14)
15. Never Say Die (4:16)
16. Pain Machine (Piano Version) (3:43)
17. Study Butte (4:27)

Gesamtspieldauer CD1 (1:13:15) und CD2 (1:11:55): 2:25:10



Knapp zweieinhalb Stunden Musik präsentieren uns Mono Inc. auf ihrem dritten Kompilationsalbum. Über alle Alben hinweg – elf sind es bisher – wurden gerade die Lieder herausgesucht, welche dunkler, trauriger, melancholischer oder sentimentaler klingen, als die restlichen Stücke der Band um Martin Engler. Der Titel dieses Doppelalbums spiegelt dies bereits sehr gut wider: „Melodies In Black“.

Diese etwas düstere Stimmung verströmt jedes der 34 Lieder auf „Melodies In Black“. Mono Inc. schaffen es sowieso immer wunderschöne Melodien zu kreieren, auf dieser Zusammenstellung kann man sogar noch tiefer in Melodiösität und schönen Harmonien eintauchen. Das klingt und geht ins Ohr. Wie schreibt Martin Engler im Begleittext: „Manche Menschen schreiben Tagebücher, andere pflegen Fotoalben oder sammeln Erinnerungsstücke in Schatzkisten. Ich tue all das nicht. Ich schreibe Songs.“ Lieder, die nahe gehen und bestimmte Ereignisse seines Lebens nochmals aufgreifen.

Könnte alles so schön sein. Klingt es auch. Doch diese Atmosphäre über zweieinhalb Stunden gehört ruft spätestens nach einer Stunde nach Abwechslung. Die auf „Melodies In Black“ allerdings nicht zu hören ist. Das soll nicht bedeuten, dass Mono Inc. das Album hätten kürzer halten sollen – man kann ja später weiterhören und hat so wahrlich viel Musik für sich.

Dass sich mit „Scared“ allerdings ein bisher noch unveröffentlichtes Lied mit auf das Album geschlichen hat, hinterlässt einen etwas faden Beigeschmack. Klar sind die Lieder neu arrangiert und eingespielt worden, jedoch bekannt. Diesen zusätzlichen „Kaufanreiz“ für die Fans, die alles von ihrer Band „besitzen“ möchten, finde ich manchmal nicht ganz fair. Aber klar, freies Land, freie Entscheidung und so weiter.

Fazit: Stimmungsvolle und intensive Musik gibt es auf „Melodies In Black“ zu hören. Die Lieder wurden neu arrangiert und eingespielt, unterscheiden sich etwas von den Originalen. Dazu befindet sich noch ein neuer Titel mit auf dem Doppelalbum. Für Leute, die Mono Inc. noch nie gehört haben sicher eine lohnende Anschaffung. Für die Fans, die eh schon alles besitzen? Ich weiß nicht… Zehn Punkte.

Anspieltipps: Life Hates You, In The End, In My Darkest Hours, When All My Cards Are Played, The Best Of You



Donnerstag, 29. April 2021

Rome – The Lone Furrow

 



Rome – The Lone Furrow


Besetzung:

Jérôme Reuter – vocals, guitars, drums and various instruments


Gastmusiker:

Tom Gatti – programming, bass guitars and modulators, keyboards and other instruments
Eric Becker – additional guitars
Tom Luciani – backing vocals
Patrick Kleinbauer – backing vocals
Aki Cederberg – guest vocals
Brian Brody – guest vocals
Alan Averill – guest vocals
Joseph D. Rowland – guest vocals
Adam Nergal Darski – guest vocals
J.J. – guest vocals
Laure Le Prunenec – guest vocals




Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Folk, Pop


Trackliste:

1. Masters Of The Earth (2:44)
2. Tyriat Sig Tyrias (2:57)
3. Ächtung, Baby! (3:57)
4. Making Enemies In The New Age (1:00)
5. The Angry Cup (4:00)
6. The Twain (3:59)
7. Kali Yuga Über alles (4:38)
8. The Weight Of Light (2:22)
9. The Lay Of Iria (4:13)
10. On Albion’s Plain (3:36)
11. Palmyra (6:01)
12. Obsidian (3:02)
13. A Peak Of One’s Own (1:17)

Gesamtspieldauer: 43:52



Schwer zu zählen sind inzwischen die Veröffentlichungen des Jérôme Reuter alias Rome. Es könnte seine sechszehnte Veröffentlichung sein, aber ganz sicher kann man sich da wohl nicht sein, da manche Scheiben wohl als Promo-CD erschienen und man nirgendwo nachlesen kann, ob diese Alben dann nicht doch noch „offizielle“ Platten wurden. Sei es drum, „The Lone Furrow“ erschien am 28. August 2020 und enthält einmal mehr Musik, die so zweifelsohne ohne groß nachzudenken Rome zugeordnet werden kann. Diese Stimme gepaart mit dieser Musik – unverwechselbar.

Dabei beginnt das Album mit dem Titel „Masters Of The Earth“ eher sphärisch und mit gesprochenen Worten verziert. Ein Stilmittel, welches Jérôme Reuter auf dem Album noch häufiger einsetzt. Auch die Titel „Making Enemies In The New Age“, „The Weight Of Light“ sowie das letzte Lied „A Peak Of One’s Own” spielen mehr mit den Stimmungen und Atmosphären, denn mit Melodien. Doch diese Titel lockern das gesamte Album auf, denn zwischen diesen Einschüben bekommt man wundervolle Melodien und Harmonien zu hören. Musik, die sofort und unverzüglich ins Ohr geht.

Zur ausdrucksstarken Stimme des Jérôme Reuter hört man wunderschön eingängige Lieder, meist etwas nachdenklich bis melancholisch klingend und jederzeit melodiös. Dabei reiht sich hier überzeugender Titel an Titel, ohne auch nur einmal dabei qualitativ abzufallen. Großes musikalisches Kino und sicherlich das beste Rome-Album der letzten Jahre und auch insgesamt eine der besten Veröffentlichungen von Rome.

„The Lone Furrow“ ist reich an Höhepunkten. „Tyriat Sig Tyrias“, „The Angry Cup“, „The Twain“, „Kali Yuga Über Alles“, „On Albion’s Plain“ und „Obsidian“ sind allesamt herausragende Titel, wenn man auf diese sanfte und doch packende Musik des luxemburgischen Musikers steht. Nun und dann darf an dieser Stelle natürlich auch das in Französisch eingesungene Lied „Palmyra“ nicht fehlen. Großartig. Musik kann so packend sein.

Fazit: Schlechte Alben kann Jérôme Reuter einfach nicht veröffentlichen. Sie haben alle ihre Qualität und können überzeugen. Und dann gibt es auch noch Alben, die stechen etwas aus der Masse der Rome-Veröffentlichungen hervor. „The Lone Furrow“ gehört definitiv dazu. Packende und eingängige Musik, die immer eine gewisse Melancholie ausstrahlt. Für alle Träumerinnen und Träumer dieser Welt. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Palmyra



Sonntag, 11. April 2021

Lacrima – St. Petersburg

 



Lacrima – St. Petersburg


Besetzung:

Keine Angaben


Gastmusiker:

Keine Angaben


Label: Opal Tapes


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Ambient, Noise


Trackliste:

1. St. Petersburg (20:48)
2. Virgil’s Hand (21:19)

Gesamtspieldauer: 42:07



Lacrima ist wohl eine englische Band. Viel mehr, schon gar nicht wer oder was sich dahinter versteckt, erfährt man auch nicht im Internet. Das Cover ist sehr spartanisch gehalten und außer den Titelnamen sowie dem Label Opal Tapes erfährt man noch, dass es sich beim Titel „St. Peterburg“ nicht um die russische Stadt handelt, sondern um das St. Petersburg in Florida, USA. Dort wurde das Album auch im Jahr 2018 aufgenommen, 2019 abgemischt und schließlich im Jahr 2020 am 3. Juli veröffentlicht.

Die Musik ist schnell erklärt. Beim Titel „St. Petersburg“ handelt es sich um Sphäre pur. Keine Melodie, kein Rhythmus. Es sind lediglich langgezogene Synthesizer-Teppiche zu hören, die immer wieder übereinandergelegt werden. Sehr viel Ambient eben.

Beim zweiten Lied „Virgil’s Hand“ erwartet man dieselbe Musik, nachdem man den ersten Sekunden gelauscht hat. Und bis zur siebten Minute stimmt das auch. Doch dann setzt wirklich Abwechslung ein und das zweite Genre nach Ambient wird bedient. Lärm baut sich auf, man hört jetzt Noise, enervierend, sich immer weiter steigernd und einen schließlich wirklich den allerletzten Nerv raubend. Spätestens ab Minute 10 hört man nur noch Krach – und diesen konsequent bis zum Ende des Liedes.

Fazit: Lacrima haben mit „St. Petersburg“ keine Musik zum Genießen gemacht. Irgendwie noch nicht mal Musik zum Zuhören. Das ist schwere Kost, die beim ersten Lied noch langweilig klingt, während des zweiten Stücks in Krach ausartet. Drei Punkte.

Anspieltipps: St. Petersburg



Sonntag, 21. März 2021

Wobbler – Dwellers Of The Deep

 



Wobbler – Dwellers Of The Deep


Besetzung:

Kristian Karl Hultgren – bass
Marius Halleland – guitars, backing vocals
Lars Fredrik Frøislie – keyboards, percussion, backing vocals
Martin Nordrum Kneppen – drums
Andreas Wettergreen Strømman Prestmo – vocals, guitars, percussion, recorder and glockenspiel


Gastmusiker:

Asa Ree – violin, backing vocals




Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. By The Banks (13:51)
2. Five Rooms (8:29)
3. Naiad Dreams (4:26)
4. Merry Macabre (19:00)

Gesamtspieldauer: 45:47



Im Jahr 2020 veröffentlichte die norwegische Progressive Rockband Wobbler ihr fünftes Studioalbum, welches den Namen „Dwellers Of The Deep“ trägt. Veröffentlicht wurde das Album auf dem Plattenlabel Karisma Records.

Auf „Dwellers Of The Deep“ hört man Progressive Rock, der unweigerlich Erinnerungen an dieses musikalische Genre zu Beginn der 70er Jahre aufkommen lässt. Und noch genauer kommt einem hier die englische Ausprägung dieser Musik in den Sinn. Man hört Passagen, die von Genesis oder Yes stammen könnten und dies, obwohl Wobbler diese Bands nicht nachmachen, nicht nachspielen, nicht einfach kopieren. Vielmehr erweitern sie das Spektrum dieser Musik von vor fünfzig Jahren – und dies auf eine sehr gelungene Art und Weise.

Die Lieder sind kleine Reisen durch verschiedene musikalische Atmosphären, die mal dichter und kompakter, dann wieder sanfter und zurückhaltender klingen. Über allem steht bei den Norwegern allerdings die Melodie. Die vier Titel des Albums gehen allesamt ins Ohr und das selbst mit den vielen unterschiedlichen Passagen, aus denen die Lieder aufgebaut sind. Das klingt jederzeit gelungen, spannend und eben eingängig. Dies über alle vier Titel hinweg, von denen keine Nummer auch nur etwas gegenüber den anderen abfällt.

Fazit: Wer den englischen Progressive Rock der frühen 70er Jahre mochte, die oder der wird auf „Dwellers Of The Deep“ von Wobbler definitiv fündig. Eingängige und abwechslungsreiche Musik, die sich windet und entwickelt, um dann wieder in eine ganz neue Stimmung einzutauchen. Großes Kino für den Progressive Rock, der so auch im Jahr 2020 noch punktet. Sehr empfehlenswert. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: By The Banks und die nachfolgenden drei Nummern



Freitag, 5. März 2021

Katatonia – City Burials

 



Katatonia – City Burials


Besetzung:

Jonas Renkse – vocals
Anders Nyström – guitar
Roger Öjersson – guitar
Niklas Sandin – bass
Daniel Moilanen – drums


Gastmusiker:

Anders Eriksson – co-production of keyboards, programming & editing
Joakim Karlsson – drum programming on "Lacquer"
Anni Bernhard – guest vocals on "Vanishers"




Erscheinungsjahr: 2020


Stil: ProgMetal, Art Rock


Trackliste:

1. Heart Set To Divide (5:29)
2. Behind THe Blood (4:37)
3. Lacquer (4:42)
4. Rein (4:20)
5. The Winter Of Our Passing (3:18)
6. Vanishers (4:56)
7. City Glaciers (5:30)
8. Flicker (4:44)
9. Lachesis (1:54)
10. Neon Epitaph (4:31)
11. Untrodden (4:29)

Gesamtspieldauer: 48:34



Ursprünglich starte die schwedische Band Katatonia im Jahr 1991 als Death Metal Band. Das erste Album „Dance Of December Souls“ wurde im Jahr 1993 veröffentlicht und klang noch ziemlich kompromisslos hart. Nun, im Jahr 2020, erschien mit „City Burials“ bereits das elfte Studioalbum der Schweden auf dem Plattenlabel Peaceville Records. Dort hört man zwar noch kurze Metal-Passagen in Form des ProgMetal, meist spielt sich die Musik von Katatonia jedoch im Art Rock bis Prog ab.

Katatonia verstehen auf „City Burials“ das Spiel mit den Atmosphären, die immer wieder variiert werden, sich verändern. Mal klingt das sehr melancholisch bis fast schon verzweifelt, dann wieder deutlich hoffnungsvoller, sich nach Aufbruch anhörend. In letzteren Passagen klingt die Musik der Schweden dann auch deutlich härter. Unterschiedliche musikalische Abschnitte gehen wie selbstverständlich ineinander über, ergänzen sich zu einem sehr abwechslungsreichen Gesamteindruck, der niemals Langeweile aufkommen lässt.

Die Höhepunkte auf „City Burials“ sind das wunderschön traurig sentimental bis melancholisch klingende „Lacquer“. In dieselbe Kategorie fällt das Lied „Vanishers“, was dabei noch einen Tick verwunschener klingt und mich sehr an das neue Werk von Pure Reason Revolution „Eupnea“ erinnert. Darauf könnte sich diese Nummer ebenfalls befinden und würde sich in die Musik perfekt einreihen. Der dritte Höhepunkt – und dieses Mal wieder rockiger – ist das Lied „City Glaciers“. Sehr melodiöser, kraftvoller Rock, der mal das Tempo anzieht, dann wieder verschleppt. Abwechslungsreich in sich. Das hohe Niveau halten Katatonia allerdings über alle elf Titel.

Fazit: Katatonia haben sich mit ihren letzten Alben ein deutlich größeres Publikum erschlossen. Sie klingen nicht mehr so kompromisslos „hart“, wie noch zu Beginn der Karriere der Band. Die Musik auf „City Burials“ ist eingängig und abwechslungsreich. Immer wieder hört man Wendungen, neue Ideen, die sehr gut umgesetzt werden. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Lacquer, Vanishers, City Glaciers



Donnerstag, 7. Januar 2021

Hugo Race And The True Spirit – Starbirth - Stardeath

 



Hugo Race And The True Spirit – Starbirth - Stardeath


Besetzung:

Hugo Race – vocals, piano, guitars, synthesizer, percussion, mellotron, clavinet, prophet v, bass
Nico Mansy – rhodes piano, acoustic piano, processed piano, hammond, wurlitzer, vibes, strings ensemble, synthesizer, octaver guitar, synthchoir, horns, slide guitar, keyboards
Michelangelo Russo – harp, trombone, trumpet, shortwave, minimoog, brass, harmonica
Chris Hughes – guiro, pocket synthesizer, synthesizer, djembe, guitars, ebo guitar
Bryan Colechin – bass, vocals
Brett Poliness – drums, percussion, vocals




Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Alternative Rock, Psychedelic Rock


Trackliste:

CD1 - Starbirth:

1. Can‘t Make This Up (5:09)
2. 2Dead2Feel (3:45)
3. Darkside (3:25)
4. Embryo (5:22)
5. Heavenly Bodies (3:50)
6. Only Money (3:43)
7. Holy Ghost (3:41)
8. Everyday (3:45)
9. United (1:45)
10. Expendable (5:43)
11. The Rapture (4:03)
12. Where Does It End (2:58)

CD2 - Stardeath:

1. Divided (1:46)
2. Love Is The Energy (3:33)
3. Virus Of The Mind (6:16)
4. Angels Whistleblowin' (4:12)
5. All We Have Is Love (5:39)
6. Hungry Ghost (4:32)
7. Only Honey (4:16)
8. Can‘t Make Shit Up (5:16)
9. My Little Wars (3:54)
10. Etheric Bodies (3:19)
11. Gnosis (2:59)
12. Spirale (2:53)

Gesamtspieldauer CD1 (47:14) und CD2 (48:41): 1:35:55



Gleich als Doppelalbum erscheint das fünfzehnte Album des Australiers Hugo Race mit seiner Band True Spirits. „Starbirth“ und „Stardeath“ sind die Titel der beiden Scheiben. Die Musik zur Platte wurde während der verheerenden Buschfeuer in Australien im Jahr 2019 geschrieben. Hugo Race sagte dazu in einem Interview, dass er an einem Abend in Australien einen Stern am Himmel explodieren sah, der für ihn ein Zeichen eines plötzlichen Endes und eines neuen Anfangs gewesen sei, was ihn beim Schreiben der einzelnen Titel zusätzlich beeinflusste. Dann brach während des Abmischens die Covid-19-Pandemie aus, das Album wurde erweitert und nochmals überarbeitet, bis es schließlich am 16. Oktober 2020 auf dem Plattenlabel Gusstaff Records veröffentlicht worden ist.

Auf „Starbirth“ hört man dunklen, fast schon traurig klingenden Alternative Rock, der mit den Atmosphären und Stimmungen spielt. Nachdenklich klingt es, dieses Album, welches sich auch inhaltlich mit solch Themen wie politische Katastrophen, unsere Erde, die Ab- und Anwesenheit von Werten, gebrochene Versprechen, gebrochene Herzen und ob irgendetwas davon überhaupt von Bedeutung ist, befasst. Die Schwere der Themen spiegelt sich auch in der Musik wider, die jederzeit eingängig und melodiös, allerdings eben auch melancholisch, dunkel und traurig klingt. Dabei bleiben die Lieder jedoch noch im Alternative Rock beheimatet.

Auf der zweiten Platte „Stardeath“ verändern sich die Lieder wenig – zumindest nicht atmosphärisch. Diese getragene Stimmung ist auch auf dieser Scheibe allgegenwärtig. Was sich jedoch ändert ist die Musik selbst. Hat sich das gehörte auf „Starbirth“ noch wie bereits geschrieben im Alternative Rock abgespielt, so klingt „Stardeath“ deutlich elektronischer, sphärischer und experimenteller. Die Melodien stehen jetzt nicht mehr immer im Vordergrund, diesen hat endgültig die transportierte Atmosphäre eingenommen. Auf „Stardeath“ entstehen vor dem Ohr der Hörerin beziehungsweise des Hörers Klang- sowie Soundkollagen, die bis zu sphärischen Ausflügen in den Ambient-Bereich hineinreichen. Fast schon hypnotisierend werden hier musikalische Themen redundant, Texte deutlich rarer, alles dem atmosphärischen und auch sphärischen Klang untergeordnet.

Fazit: „Starbirth -Stardeath“ ist, wie der Albumtitel bereits zum Ausdruck bringt, eine geteilte Platte. Nicht nur, dass inhaltlich etwas entsteht oder eben vergeht, auch musikalisch hört man auf der ersten Scheibe Alternative Rock, auf der zweiten Scheibe elektronische Musik bis hin zu Psychedelic. Beide Platten sind angefüllt mit viel Melancholie. Erstere noch mit etwas Rock, Zweite mit etwas mehr Experiment. Für mich klingt das sehr gelungen, da es intensiv ist. Intensive Musik, weit weg vom Mainstream. Somit lohnt sich dieses Album für alle, die sich gern Zeit für Musik nehmen, um darin ganz tief einzutauchen und dabei gerade das Atmosphärische zu schätzen wissen. Elf Punkte.

Anspieltipps: Virus Of The Mind



Dienstag, 5. Januar 2021

Bertram – Chamäleon

 



Bertram – Chamäleon


Besetzung:

Bertram – Instrumente


Gastmusiker:

Joe Gridl – Schlagzeug, weitere Instrumente




Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Camouflage (3:02)
2. Hysteria (2:21)
3. Jakuzzi Jerusalem (3:07)
4. Fake (3:43)
5. Chamäleon (3:01)
6. Social Sitcom aka S-Song (3:14)
7. Amygdala (3:58)
8. Sonnenstich (2:51)
9. Zeitpunktnullmoment (4:05)
10. Ich bin (ein) Berliner (1:12)
11. Betäubt (4:05)

Gesamtspieldauer: 34:47



Der steirische Musiker Bertram präsentiert auf seinem zweiten Solo-Album „Chamäleon“ verspielten und abwechslungsreichen Pop. Falsch, denn sehr viel eher ist das Rock, den man auf „Chamäleon“ zu hören bekommt. Das Album erschien am 6. November 2020 auf dem Plattenlabel Voller Sound.

Auf „Chamäleon“ hört man sehr abwechslungsreichen Rock, dem manchmal durchaus sogar das Etikett „progressiv“ anhaftet, da die elf Lieder auf dem Album kaum dem gängigen rockigen Mainstream zugeordnet werden können. Selbst in den Liedern wechseln zum Teil Stimmungen und Atmosphären, sodass jederzeit für viel Abwechslung gesorgt ist. Zu dieser Abwechslung trägt auch die Gesangsstimme des Bertram bei, die immer wieder variiert wird und teilweise leicht verzerrt aus den Boxen quillt. Zudem gehen die meisten Nummern gut ins Ohr – ganz bestimmt kein Nachteil, um auch im Radio Spielzeit zu erhalten.

Das Zuhören macht Spaß und die Titel scheinen mit jedem weiteren Durchlauf noch an Format zu gewinnen. Der Fuß wippt im Rhythmus mit und die Texte drehen sich glücklicherweise nicht nur um Themen wie Liebe oder Liebeskummer, sondern regen zum nachdenken an, ohne dabei mit dem erhobenen Zeigefinger zu drohen. Höhepunkt auf „Chamäleon“ ist das Lied „Jakuzzi Jerusalem“, welches eine überarbeitete Version des gleichnamigen Titels seiner Vorgängerband Brigitte Bordeux darstellt. Dieser Titel wurde auch vorab als Single, mit einem sehr gelungenen Video veredelt, veröffentlicht.

Fazit: Mit „Chamäleon“ ist dem österreichischen Musiker Bertram ein überzeugendes zweites Album gelungen. Abwechslungsreicher Rock, der bestens ins Ohr geht. Ausgestattet mit guten Texten werden Freundinnen und Freunde deutschsprachigen Rocks viel Spaß mit „Chamäleon“ haben. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Jakuzzi Jerusalem



Montag, 21. Dezember 2020

The Smashing Pumpkins – Cyr

 





Besetzung:

Jimmy Chamberlin – drums
Billy Corgan – vocals, guitar, bass guitar, synthesizers
James Iha – guitar
Jeff Schroeder – guitar


Gastmusiker:

Katie Cole – backing vocals
Sierra Swan – backing vocals




Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. The Colour Of Love (4:24)
2. Confessions Of A Dopamine Addict (3:13)
3. Cyr (4:03)
4. Dulcet In E (3:22)
5. Wrath (3:45)
6. Ramona (3:48)
7. Anno Satana (3:49)
8. Birch Grove (3:16)
9. Wyttch (3:43)
10. Starrcraft (4:10)
11. Purple Blood (3:19)
12. Save Your Tears (3:31)
13. Telegenix (3:23)
14. Black Forest, Black Hills (4:42)
15. Adrennalynne (3:42)
16. Haunted (3:11)
17. The Hidden Sun (3:24
18. Schaudenfreud (3:02)
19. Tyger, Tyger (2:50)
20. Minerva (3:32)

Gesamtspieldauer: 1:12:17



„Cyr“ heißt das elfte Studioalbum der US-amerikanischen Alternative Rock Band The Smashing Pumpkins. Das Album wurde am 27. November 2020 auf dem Plattenlabel Sumerian Records veröffentlicht. Billy Corgan hat darauf selbstverständlich wieder alle Lieder selbst komponiert und getextet. Im Gegensatz zum Vorgängeralbum „Shiny And Oh So Bright, Vol. 1“ produzierte er dieses Mal das Album allerdings auch selbst. Sage und schreibe zehn Lieder aus „Cyr“ waren bereits zuvor als Singles veröffentlicht worden. „Cyr“ enthält insgesamt zwanzig Titel, welche aus einer Auswahl von ursprünglich 35 Stücken übrig blieben und schließlich auf Platte beziehungsweise CD gepresst wurden. 

Man kann nicht darum herumreden. Die Smashing Pumpkins klingen nicht mehr so wie auf „Mellon Collie And The Infinite Sadness“. Das Raue und Rohe in der Musik, was der Band um Billy Corgan damals auch in den Alben davor und danach noch anhaftete, das ist im Laufe des 21. Jahrhunderts verschwunden. Die Smashing Pumpkins klingen auf „Cyr“ sehr eingängig, gehen ziemlich schnell ins Ohr. Das war zwar ebenfalls in den 90er Jahren so gewesen, doch musste man sich damals immer noch in die Alben der Band hineinhören, sie sich erschließen. Und manches davon ging gar nicht ins Ohr, klang trotzdem cool. Das fällt nun weg, die Melodien zünden sehr viel schneller. Dazu gesellt sich der ein oder andere Sound, der gar nach Synthie-Pop klingt, den man den Smashing Pumpkins damals unmöglich hätte zuschreiben können. Kein Art Rock mehr, kein rauer Alternative Rock, kein Grunge. Wie bewertet man dann „Cyr“?

Nun, das Gehörte geht ins Ohr. Schnell. Trotzdem steigert sich die Musik der Smashing Pumpkins auch hier noch mit jedem weiteren Durchgang. Immer wieder erwischt man sich dabei, wie der Fuß mitwippt, der Kopf leicht mitnickt. Und auch wenn dieser Sound des Synthie Pop an der ein oder anderen Stelle mal kurz aufpoppt, so bleibt die Musik der US-Amerikaner doch immer noch Alternative Rock. Alternative Rock, der mit sehr guten und eingängigen Melodien aufwartet, die es lohnt gehört zu werden und der sich auch irgendwie cool anhört. Der rockige Ansatz bleibt definitiv erhalten – dieser etwas fordernde und schräge Ansatz in der Musik der Smashing Pumpkins ist verloren gegangen. Die Zeiten ändern sich – ganz eindeutig auch in den Liedern von Billy Corgan. Überzeugend klingt es trotzdem.

Fazit: Ich liebe „Siamese Dream“, „Mellon Collie And The Infinite Sadness“ oder „Adore“. Darauf hört man andere Musik, als die Smashing Pumpkins sie heute machen. Doch auch „Cyr“ ist gelungen, anders zwar, doch hörenswert. Und so bleibt hier festzustellen, wer auf die eingängige Variante des Alternative Rocks steht, die auch mal im Pop „räubert“, die oder der dürfte eine Menge Spaß an „Cyr“ haben. Elf Punkte.

Anspieltipps: Confessions Of A Dopamine Addict



Samstag, 19. Dezember 2020

Calexico – Seasonal Shift

 



Calexico – Seasonal Shift


Besetzung:

Joey Burns – accordion, bass (electric), bells, guitar (acoustic), guitar (baritone), guitar (electric), handclapping, harmonica, keyboards, mandolin, vocals
John Convertino – accordion, bowed vibes, drums, electronic vibes, glockenspiel, maracas, marimba, shaker, tambourine, triangle
Jacob Valenzuela – trumpet, vocals
Martin Wenk – accordion, trumpet
Scott Colberg – bass (electric), bass (upright)
Sergio Mendoza – bass (electric), congas, cowbell, cymbals, electronic vibes, fuzz guitar, glockenspiel, handclapping, keyboards, mellotron, organ, piano, sleigh bells, synthesizer bass, tambourine, timbales, wurlitzer piano


Gastmusiker:

Connor Gallaher – guitar, guitar (12 string), pedal steel
Martín Bruhn – qraqeb
Genevieve Burns – vocals
Kati Claborn – vocals (background)
Elizabeth Goodfellow – choir/chorus, vocals, vocals (background)
Tom Hagerman – strings, viola
Gisela João – vocals
Camilo Lara – vocals
Brian Lopez – vocals
Raul Marques – guitar
Saul Millan – trombone
Gaby Moreno – vocals
Chris Schultz – handclapping, sleigh bells
Twyla – vocals
Nick Urata – vocals
Luke Ydstie – vocals (background)
Jairo Zavala – guitar (baritone)



Label: City Slang


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Independent Rock, Americana


Trackliste:

1. Hear The Bells (3:51)
2. Christmas All Over Again (3:37)
3. Mi Burrito Sabanero (4:05)
4. Heart Of Downtown (3:48)
5. Seasonal Shift (3:21)
6. Nature’s Domain (2:56)
7. Happy Xmas (War Is Over) (4:01)
8. Glory’s Hope (2:46)
9. Tanta Tristeza (3:49)
10. Peace Of Mind (3:22)
11. Sonoran Snoball (3:07)
12. Mi Burrito Sabanero (Reprise) (3:35)

Gesamtspieldauer: 42:24



„Seasonal Shift“ heißt das elfte Studioalbum der US-amerikanischen Band Calexico, welches am 4. Dezember 2020 auf dem Plattenlabel City Slang erschien. Und einmal mehr haben es Joey Burns und John Convertino auch auf diesem Album geschafft, verschiedenste musikalische und kulturelle Klänge zu vereinen. Selbstverständlich klingen da die Südstaaten der USA durch, natürlich auch Mexiko, wie könnte es auch anders sein. Doch die Nummer „Heart Of Downtown“ erinnert sogar etwas an Kula Shaker und an deren, auch von Indien beeinflusste Musik. Viel Abwechslung also.

Was man allerdings definitiv nicht behaupten kann ist, dass es sich bei „Seasonal Shift“ nicht um ein Weihnachtsalbum handelt – denn genau das ist es. Auch wenn nicht jeder der zwölf Titel für unsere Ohren sofort nach Weihnachten klingt, nicht in jeder Nummer das Wort „Christmas“ fällt, so ist die musikalische Ausrichtung trotzdem eindeutig und darauf deuten nicht nur die beiden Coverversionen von Tom Petty „Christmas All Over Again“ und John Lennon „Happy Xmas (War Is Over)“ hin. Zudem haben Joey Burns und John Convertino auf „Seasonal Shift“ so viele Gastmusiker eingeladen, wie schon lange nicht mehr, welche auch Lieder zum Teil stark dominieren. Beim Titel „Mi Burrito Sabanero“ handelt es sich zum Beispiel um ein venezolanisches Weihnachtslied, welches von der Sängerin Gaby Moreno vorgetragen wird.

Doch ist „Seasonal Shift“ eben nicht nur ein „kitschiges“ Weihnachtsalbum, auf dem den Musikern nichts mehr anderes eingefallen ist und welches aus bereits bestehenden Liedern zusammengeschustert wurde. Der bereits erwähnte Titel „Heart Of Downtown“ ist eine klasse Nummer, die so auch auf frühere Alben von Calexico gepasst hätte. „Nature’s Domain“ ist ein sanftes Lied voller Melancholie, ausgestattet mit einer wunderschönen Melodie. Bei „Glory’s Hope“ handelt es sich schließlich um ein atmosphärisch dichtes Lied, eine Instrumentalnummer, mit dem die Musiker von Calexico einmal mehr ihr Gespür für die einnehmende musikalische Stimmung unter Beweis stellen.

Nun, leider klingt das Album jedoch mit der völlig missratenen Parodienummer (?) „Sonoran Snoball“, in der sogar irgendwie kindlich gerappt wird und dem anschließenden „Mi Burrito Sabanero (Reprise)“ aus. Bei letzterem Titel hört man jede Menge Weihnachtsgrüße – unter anderem auch mehrfach auf Deutsch – die mit der Melodie zum besagten venezolanischen Weihnachtslied unterlegt wurden. Ein ganz netter Gag, aber hört man sich so etwas öfters an?

Fazit: Nun, ein wenig bleibt der Eindruck, den „Seasonal Shift“ hinterlässt, zwiespältig. Neben sehr gelungenen Calexico-Nummern gibt es auch viel weihnachtliche Folklore, die eben ein Weihnachtsalbum ausmacht. Ob man das auch von Calexico hören möchte? Nun, ich nicht unbedingt. Trotzdem hat das Album eben doch noch seine Stärken. Acht Punkte.

Anspieltipps: Heart Of Downtown, Nature’s Domain, Glory’s Hope