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Freitag, 1. Mai 2020

The Dream Syndicate – The Universe Inside




The Dream Syndicate – The Universe Inside


Besetzung:

Steve Wynn – lead vocals, guitar, harmonica
Jason Victor – guitar
Chris Cacavas – keyboards
Mark Walton – bass guitar
Dennis Duck – drums


Gastmusiker:

Stephen McCarthy – electric sitar, guitar, six-string bass, pedal steel, backing vocals
Marcus Tenney – saxophone, trumpet
Johnny Hott – percussion


Label: Anti-


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Psychedelic, Fusion


Trackliste:

1. The Regulator (20:27)
2. The Longing (7:36)
3. Apropos Of Nothing (9:32)
4. Dusting Off The Rust (9:55)
5. The Slowest Rendition (10:53)

Gesamtspieldauer: 58:26



Ich kannte The Dream Syndicate bisher nur von ihrem Album „Ghost Stories“ aus dem Jahr 1988. Dort hört man gut gemachten, abwechslungsreichen und eingängigen Alternative Rock. Eine der wirklich guten Platten der 80er Jahre. Als ich dann las, dass sich die Band um Steve Wynn bereits im Jahr 2012 wiedervereinigt hatte und nun, am 10. April 2020, bereits ihr drittes Album seit dieser Reunion veröffentlicht, da war ich durchaus überrascht, wie diese Entwicklung bisher so an mir vorbeigegangen war. Zum anderen war ich aber natürlich auch sehr neugierig auf das neue Album mit dem Titel „The Universe Inside“, welches ich mir deshalb sofort bestellte.

„The Universe Inside“? Klingt vom Namen her irgendwie ein wenig psychedelisch. Dann auch noch dieses farbenfrohe, fast schon grelle Cover, welches für mich so ein klein wenig die Unendlichkeit darstellt, betrachtet man die Hände dieser Phantasiegestalt genauer. Beides zusammen, Name und Cover wirken und klingen keineswegs mehr nach Alternative Rock. Bemerkt man dann beim Ansehen der Titelliste, dass die einzelnen Lieder eine Länge von siebeneinhalb bis zwanzigeinhalb Minuten aufweisen, dann ahnt man bereits, dass hier wohl ein Stilwechsel stattgefunden haben muss. Nichts mehr so sein kann wie früher. So zumindest erging es mir, der ich noch keinen Ton des Albums zuvor gehört hatte.

Und genauso ist es dann auch. Alternative Rock? Nein, das ist es definitiv nicht mehr, was uns die 1980 in Los Angeles, Kalifornien gegründete Band auf „The Universe Inside“ serviert. Auf dem Album hört man intensiven Psychedelic Rock, der mit einer gehörigen Prise an Fusion Jazz unterfüttert wurde. Gleich das erste Lied „The Regulator“ wird da zum musikalischen Trip. Melodien? Völlig überschätzt. „The Regulator“ erscheint vielmehr im Gewand einer transzendentalen Reise, hypnotisch und redundant. Viele „Aaahs“ gibt es da zu hören, einen seltsam eingesprochenen „Gesang“, einen nicht enden wollenden Rhythmus, schräge Gitarrentöne und ein Saxophon, welches immer wieder seine Erdung im Free Jazz zu suchen scheint. Klingt seltsam, ist es irgendwie auch. Laut gehört versetzt einen diese Nummer definitiv in einen hypnotischen Zustand.

Das folgende „The Longing“ ist mit über sieben Minuten Spieldauer das kürzeste Stück des Albums. Man hört Steve Wynn dieses Mal wirklich singen und zudem verfügt das Lied über eine eingängige Melodie. Verwunschen klingt die Nummer trotzdem – und erneut außergewöhnlich ungewöhnlich. „Apropos Of Nothing“ hört sich wieder etwas monotoner an, bei dem Titel des Liedes wäre alles andere allerdings auch eine Enttäuschung und gar nicht mehr passend. Gegen Ende des Stücks zieht das Tempo schließlich an und mündet in einen Part, der sich an keine musikalischen Regeln mehr zu halten scheint, um schließlich deutlich sanfter wieder auszuklingen. „Dusting Off The Rust“ groovt genial, Bläser sorgen für den melodischen Teil der Nummer, bis auch dieses Lied immer jazziger klingt, kurz in einen sehr viel psychedelischeren Teil übergeht und ähnlich dem Beginn des Stücks letztendlich ausläuft. Beendet wird „The Universe Inside“ vom elfminütigen „The Slowest Rendition“. Zu Beginn fühle ich mich da an die experimentelle Phase von Pink Floyd erinnert, es folgen Sprechgesang, sehnsüchtige Klänge diverser Instrumente, krumme Takte, es wird verworrener, bis das Lied in einen etwas sphärischen Rockteil übergeht, bei dem erneut dem Saxophon eine besondere Rolle zugedacht wurde. Und schließlich klingt sie aus, diese wahrlich außergewöhnliche Scheibe und man bleibt nachdenklich zurück – zumindest beim ersten Hören ist das Gehörte nur schwer zu verstehen und einzuordnen.

Fazit: Mit der Musik der Band The Dream Syndicate aus den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts haben die Lieder auf dem neuesten Album der US-Amerikaner nichts mehr zu tun. Gar nichts mehr. Ausgeprägten Psychedelic Rock mit ganz vielen Jazz-Einflüssen bekommt man auf „The Universe Inside“ zu hören. Keine Musik die im Radio gespielt wird, keine Musik, die für die diversen Streaming-Portale typisch wäre. Gefallen wird das jener Hörerinnen und Hörern, die das Außergewöhnliche suchen, experimentierfreudig sind, etwas mit Psychedelic Rock anzufangen wissen und auch dem Jazz nicht sehr abweisend gegenüberstehen. Und dann sollte man sich Zeit nehmen und alles immer und immer wieder wirken lassen. Alles wird gut. Ziemlich viel verlangt, oder? Elf Punkte.

Anspieltipps: The Regulator, The Longing



Montag, 28. März 2016

The Dream Syndicate – Ghost Stories




The Dream Syndicate – Ghost Stories


Besetzung:

Steve Wynn – vocals, guitar
Paul B. Cutler – guitar, backing vocals
Mark Walton – bass
Dennis Duck – drums


Gastmusiker:

Chris Cacavas – piano, organ, accordion, backing vocals
N. Velvet – backing vocals
Rob Stennett – guitar
Robert Lloyd – guitar on "Someplace Better Than This"


Label: Enigma Records


Erscheinungsdatum: 1988


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. The Side I'll Never Show (3:52)
2. My Old Haunts (3:07)
3. Loving The Sinner, Hating The Sin (4:30)
4. Whatever You Please (3:45)
5. Weathered And Torn (3:10)
6. See That My Grave Is Kept Clean (4:02)
7. I Have Faith (3:47)
8. Someplace Better Than This (3:37)
9. Black (4:35)
10. When The Curtain Falls (5:22)

Gesamtspieldauer: 39:47




Steve Wynn nahm mit seiner Band The Dream Syndicate in den Jahren 1982 bis 1988 insgesamt vier Studio-Alben auf. Danach löste sich die Band aufgrund des ausbleibenden Erfolgs wieder auf. Sehr schade, denn The Dream Syndicate hatte seinen Hörerinnen und Hörern einiges zu bieten, wenn man auf gut gemachten Alternative Rock steht. Sehr gut kann man dies mit und auf ihrer letzten Studio-Platte „Ghost Stories“ aus dem Jahr 1988 nachvollziehen, die auf dem Label Enigma Records veröffentlicht wurde.

Die einzelnen Titel auf „Ghost Stories“ überzeugen alle. Es beginnt mit dem rockenden und groovenden „The Side I'll Never Show“, setzt sich dann fort mit dem beschwingten und deutlich langsameren „My Old Haunts“. „Loving The Sinner, Hating The Sin“ rockt anschließend wieder deutlich mehr und „Whatever You Please“ ist wiederum ein langsames und nachdenkliches Lied, bei dem nun das Piano noch vor der Gitarre im Vordergrund steht. Und so reiht sich ein Titel an den nächsten, sehr abwechslungsreich und allen diesen Liedern ist gemein, dass sie wirken und ins Ohr gehen. Auf „Ghost Stories“ klingt alles sehr gelungen und dementsprechend überzeugend und dies über die gesamte Laufzeit der Scheibe hinweg. Egal, ob sich die Musik mal langsamer und nachdenklicher anhört oder doch wieder rockiger und deutlich nach vorne preschend gespielt wird, Laune macht sie immer.

Sehr gelungen sind dabei auch die Texte, die Steve Wynn, wie die Musik selbst, mit zwei Ausnahmen allein komponierte. Hier hört man kein Liebesgesülze sondern Texte über Tod, Trauer und über die menschliche Psyche. Auch diesbezüglich ergreift einen die Musik von The Dream Syndicate.

Nicht enden darf diese Rezension allerdings, ohne das letzte Lied der Platte besonders hervorgehoben zu haben. „When The Curtain Falls“ ist eine sanfte Rock-Nummer, allerdings sehr intensiv, ein klein wenig psychedelisch angehaucht und ebenfalls ins Ohr gehend. Besonders viel passiert in dem Lied gar nicht, welches sich aus zwei ruhigen Abschnitten zusammensetzt, die von einem tollen Gitarren-Solo voneinander getrennt werden. Jedoch selbst in dieser leichten Monotonie weiß sich der Titel festzusetzen und zu überzeugen. Noch gar nicht mal typisch für das gesamte Album, trotzdem mit einer der Höhepunkte der Scheibe.

Fazit: Ein faszinierendes und weitestgehend unbeachtetes Album haben The Dream Syndicate mit „Ghost Stories“ zum Ende ihres Bestehens vorgelegt. Darauf gibt es eingängigen und sehr abwechslungsreichen Alternative Rock zu hören, der wirkt. Seit September 2014 spielen die Musiker wieder zusammen und geben auch wieder Konzerte, ob daraus jedoch auch noch mal eine Album-Veröffentlichung wird, dies sei mal so dahingestellt. Diese Platte hier ist zumindest eine sehr gelungene, die sich für Freunde des Alternative Rock uneingeschränkt lohnt. Elf Punkte.

Anspieltipps: The Side I'll Never Show, Whatever You Please, Someplace Better Than This, When The Curtain Falls