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Dienstag, 24. Juni 2025

Kasabian – The Alchemist’s Euphoria

 



Kasabian – The Alchemist’s Euphoria


Besetzung:

Sergio Pizzorno – vocals, guitars, bass, synthesizers, piano, drum programming
Chris Edwards – bass guitar, backing vocals
Ian Matthews – drums, percussion
Tim Carter – guitar, organ, additional percussion, drum programming, additional programming (tracks 6, 9, 11, 12)


Gastmusiker:

Fraser T. Smith – additional keyboard, bass and drum programming


Label: Sony Music


Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Pop, Rock, Techno, HipHop


Trackliste:

1. Alchemist (2:40)
2. Scriptvre (3:49)
3. Rocket Fuel (3:02)
4. Strictly Old Skool (3:07)
5. Alygatyr (3:46)
6. Æ Space (0:48)
7. The Wall (3:29)
8. T.U.E (The Ultraview Effect) (5:45)
9. Stargazr (4:57)
10. Chemicals (3:31)
11. Æ Sea (0:33)
12. Letting Go (3:03)

Gesamtspieldauer: 38:35



„The Alchemist‘s Euphoria“ heißt das siebte Studioalbum der britischen Band Kasabian. Es wurde am 12. August 2022 auf dem Plattenlabel Sony Music veröffentlicht. Ganze fünf Jahre hatte es gedauert, bis nach „For Crying Out Loud“ diese neue Platte erschien. Inzwischen hatte sich auch einiges bei Kasabian getan. Serge Pizzorno war nun alleiniger Leadsänger geworden, denn der frühere Frontmann Tom Meighan war wegen einer Verurteilung aufgrund häuslicher Gewalt gegenüber seiner damaligen Freundin und jetzigen Frau im Jahr 2020 aus der Band entlassen worden. Gleichzeitig ist es das erste Album mit dem Gitarristen Tim Carter als festes Mitglied, der seit „West Ryder Pauper Lunatic Asylum“ aus dem Jahr 2009 an allen Alben der Band mitgewirkt hat und 2013 als Tourgitarrist zur Band stieß.

Mit den Liedern „Alygatyr“, „Scriptvre“, „Chemicals“ sowie „The Wall“ wurden insgesamt vier Singles aus dem Album ausgekoppelt.

Über das Album sagte Pizzorno, dass es „einige ziemlich obskure Wendungen nimmt“ und einen „großen, epischen Sound hat, aber auch eine persönliche Note. Neben den wuchtigen Parts gibt es auch einige sanftere Seiten. Als Ganzes ist es eine wunderschöne Sache und die kohärenteste Platte, die wir je gemacht haben. Es ist ein emotionaler Trip.“

Das kann man so sehen, muss man aber nicht. „The Alchemist‘s Euphoria“ klingt hauptsächlich brachial und aggressiv. Die sanften Stellen auf dem Album muss man schon genau suchen. Da gibt es zum einen die beiden kurzen Einsprengsel „Æ Space“ und „Æ Sea“, die eher mit sphärisch umschrieben werden können. Dann ist da noch das wirklich etwas sanftere „The Wall“ und schließlich ganz am Ende der Platte „Letting Go“, ein Lied welches sogar etwas im Folk angesiedelt ist. Ansonsten gibt es diese „ruhigeren“ Momente noch phasenweise in einzelnen Liedern.

Größtenteils „knallt“ „The Alchemist‘s Euphoria“ jedoch ohne, dass es sich dabei um Hard Rock handeln würde. Knallharte Beats, fast schon im Techno angesiedelt und auch mal eine HipHop-Einlage lassen das Album durchaus zu einer fordernden Angelegenheit werden, die man nicht mal so nebenbei hören kann. Die Lieder klingen größtenteils eingängig, ohne sich dabei allerdings zu einem Ohrwurm zu entwickeln.

Fazit: Ob es nun am Weggang von Tom Meighan lag oder allgemein der damaligen Bandphase geschuldet ist, kann natürlich schwer festgestellt werden. „The Alchemist‘s Euphoria“ ist kein schlechtes Album geworden, gehört allerdings auch nicht zu den Großtaten der Briten. Es lässt einen etwas nachdenklich und mit gemischten Gefühlen zurück. „The Alchemist‘s Euphoria“ klingt jedoch definitiv wie ein Album von Kasabian – und das wird den Fan freuen. Acht Punkte.

Anspieltipps: T.U.E (The Ultraview Effect), Letting Go



Mittwoch, 18. Oktober 2023

Rome – Hegemonikon

 



Rome – Hegemonikon


Besetzung:

Jerome Reuter – vocals, guitars and synthesizers


Gastmusiker:

Tom Gatti – synthesizer, programming, bass guitars and modulators




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Folk, Pop


Trackliste:

1. A slaughter Of Crows (4:51)
2. No Second Troy (3:21)
3. Icarus Rex (4:30)
4. Surely Ash (3:45)
5. On The Slopes Of Mountain Malamatiyah (1:20)
6. Walking The Atlal (4:56)
7. Hearts Mend (4:00)
8. The Ripping Of The Veil (0:34)
9. Solar Caesar (3:38)
10. Stone Of Light / Mer De Glace (2:55)
11. New Flags (4:03)

Gesamtspieldauer: 37:58



„A Journey To The End Of Light By ROME“, so heißt der Untertitel unter dem achtzehnten Studioalbum „Hegemonikon“ des Luxemburger Musikers Jerome Reuter, welches im Jahr 2022 veröffentlicht wurde. Einmal mehr nimmt Jerome Reuter dabei seine Zuhörerinnen und Zuhörer mit auf eine musikalische Reise, die, wenn nicht zum Ende des Lichts, zumindest zu wunderschönen Melodien führt.

Mag und kennt man die Musik von Rome, so weiß man bereits beim Kauf eines neuen Albums, auf welche Art der Musik man sich einstellen kann. Und auch auf „Hegemonikon“ enttäuscht Jerome Reuter, der dieses Mal die Lieder zusammen mit Tom Gatti schrieb, seine Fans nicht. Erneut hört man wunderschöne Melodiebögen, von denen man bereits beim zweiten Mal des Hörens überzeugt ist, sie schon lange zu kennen. Sehr schnell prägt sich diese Musik ein, die einmal mehr auf einem Rome-Album von kurzen Klangkollagen durchzogen ist, die das Gehörte auflockern.

Das dieses Mal anscheinend rein elektronisch eingespielte Schlagzeug klingt dabei überraschend gut und keineswegs störend. Die Musik wiederum erklingt insgesamt voll und packend und durch die dunkle Stimme Jerome Reuters auch irgendwie besonders, sodass das Hören von „Hegemonikon“ zu einer kurzweiligen, harmonischen und auch spannenden Angelegenheit erwächst. Ein wenig mehr Pop denn Folk hört man hier zwar, doch der ist eben gut gemacht und gefällt.

Fazit: Wer die Musik von Rome mag, die oder der wird auch „Hegemonikon“ mögen. Vielleicht klingt das Album etwas poppiger als andere Platten des Luxemburgers, doch das verringert den Hörgenuss nicht. Wer auf gut gemachten Pop mit Neo-Folk-Anleihen steht, der eben nicht alltäglich klingt, kann hier getrost zugreifen. Fans können das sowieso und werden nicht enttäuscht. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Walking The Atlal, Solar Caesar



Freitag, 6. Oktober 2023

The Spacelords – Unknown Species

 



The Spacelords – Unknown Species


Besetzung:

Matthias Wettstein – guitars, effects
Ekhard Kazmaier – bass, effects, organ
Marcus Schnitzler – drums, percussion, synthesizer




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Instrumentalmusik, Spacerock


Trackliste:

1. F.K.B.D.F. (8:13)
2. Unknown Species (14:55)
3. Time Tunnel (20:26)

Gesamtspieldauer: 43:34



The Spacelords sind eine deutsche Spacerock- und Psychedelic-Rock-Band aus Reutlingen, die 2008 gegründet wurde. Laut Wikipedia-Eintrag ist das im Jahr 2022 erschienene Album „Unknown Species“ das siebte Studioalbum der Band. Wurden die ersten beiden Alben noch im Selbstverlag veröffentlicht, so erschienen die letzten vier Platten allesamt auf dem Plattenlabel Tonzonen Records.

Auf „Unknown Species“ hört man „ausufernden“ Spacerock und das ist in diesem Fall durchaus positiv gemeint. Die drei Musiker lassen es sozusagen laufen und man kann in spacige Klangwelten eintauchen, die sich über viele Minuten hinweg aufbauen. Das klingt durchaus spannend, wenn man diesem musikalischen Genre etwas abgewinnen kann. Beim Hören schwebt man dabei in Retro-Welten, denn die Musik der Spacelords erinnert durchaus an jene der Kollegen aus den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts.

Ein wenig Abwechslung kommt zunächst beim dritten Lied „Time Tunnel“ auf, welches mit akustischer Gitarre und Synthesizer-Meeresrauschen eingeleitet wird. Dann steigert sich der Titel immer weiter, um schließlich erneut in rockigem Spacesound zu münden. Am Ende wechselt die Musik dann wieder hin zur akustischen Gitarre, und deren Klang wird vom Rauschen des Windes und einem kurzen Ticken einer Uhr unterlegt. Klingt ebenfalls gut und doch fehlt der Musik etwas, wenn man die knappe Dreiviertelstunde Spieldauer Revue passieren lässt – und das ist der Gesang. Der würde zusätzliche Abwechslung generieren und die Musik der Spacelords noch interessanter erklingen lassen.

Fazit: Mit instrumentalem Spacerock, in den man wunderbar eintauchen kann, versorgen einen die Spacelords auf „Unknown Species“. Das klingt mal etwas spaciger, dann wieder etwas rockiger. Macht Laune und doch würde etwas Gesang die Musik der Reutlinger Band noch spannender erscheinen lassen. Aber auch das ist natürlich Geschmacksache. Insgesamt klingt das Album gut. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Time Tunnel



Mittwoch, 4. Oktober 2023

Raphael Kestler – Innen Und Außen

 



Raphael Kestler – Innen Und Außen


Besetzung:

Raphael Kestler – Gitarre und Gesang, Bass


Gastmusiker:

Nicolas Schmidt – Orgel und E-Piano, Bass bei „Bäume” und „Seit Du Da Bist”
Veronika Kleiner – Gesang
Agnes Liberta – Klarinette und Bassklarinette, Gesang bei „Bäume”
Florian Fischer – Schlagzeug, Gesang bei „Bäume”
Anne-Kathrin Abel – Gesang bei „Bäume”
Susanna Stefaniak – Geige, Gesang bei „Bäume”
Nicolas Schmidt – Gesang bei „Bäume”
Dennis Egger – Schlagzeug bei „Eltern Die Querdenken”
Manuel Zwanziger – E-Gitarre
Frederic Jehle – E-Gitarre bei „Besuch Daheim”
Stef Malener – Bass bei „Urlaub”
Doreen Donchi – Euphonium
Katharina Meyer – Trompete
Gregor Moser – Trompete




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Liedermacher, Folk


Trackliste:

1. Urlaub (3:30)
2. Unser Lied (3:42)
3. Besuch Daheim (3:42)
4. Dämonen Zum Hochzeitstag (3:29)
5. Bäume (2:42)
6. Aux 13 (3:39)
7. Tock Tock (2:51)
8. Seit Du Da Bist (3:00)
9. Eltern, die Querdenken (3:22)
10. Zaun (3:37)
11. Königin (4:35)

Gesamtspieldauer: 38:14



Im Pressetext zum kann man lesen: „Auf seinem vierten Album „Innen und Außen“ beschwört Raphael Kestler Geister. Es sind Geister der Gegenwart. Sie suchen Liebende heim, wenn es am Schönsten sein soll – im Urlaub oder vor der eigenen Hochzeit – aber auch Kinder und ihre Eltern, dann, „wenn Eltern querdenken“.
Das Album ist eine Auseinandersetzung mit der Jetzt-Zeit und Konflikten, die uns alle unmittelbar umgeben und nicht mehr loslassen wollen. Das große Thema ist die Utopie eines Stillstands, der die Menschen, sobald sie sich nicht mehr Kinder nennen können, erfolglos hinterherhecheln: Wann hat das aufgehört, wann ließ mich der Kopf nicht mehr ganz allein in den Urlaub fahren und so tun als ob …

Nun, diese Inhalte in den Texten auf „Innen und Außen“ herauszuhören ist sicherlich weder einfach und schon gar nicht offensichtlich. Die Texte sind fordernd und spiegeln glücklicherweise so gar nichts von den Themen „Liebe“ und „Herzschmerz“ wider. Man muss sich hineinhören und sich anregen lassen, um für sich etwas heraushören zu können. Das Ergebnis ist schließlich bereichernd und lohnt sich.

Sehr viel einfacher und schneller kann man sich allerdings auf die Musik einlassen. Diese klingt zumeist melodiös bis eingängig und geht schnell ins Ohr. Bei den beiden Stücken „Urlaub“ sowie „Eltern, die Querdenken“ klappt dies übrigens besonders gut. Schöne Nummern, textlich wie musikalisch. Alle Titel sind eher zurückhaltend und sanft instrumentiert und erklingen entspannt und manchmal fast schon zerbrechlich wirkend. „Innen und Außen“ lässt sich ganz einfach in einem Durchlauf durchhören ohne, dass man Gefahr laufen würde dauernd zum nächsten Lied springen zu müssen. Ein wenig zu pathetisch wird es allerdings bei „Bäume“. Das klingt inhaltlich fast schon nach „Karl der Käfer“ der Band Gänsehaut. Doch in den 80er Jahren klang solch ein Lied irgendwie wenigstens noch unfreiwillig komisch.

Fazit: „Innen und Außen“ ist ein musikalisch schönes Album mit intelligenten Texten geworden. Ein Album zum Zuhören, welches man beim „Nebenbeihören“ irgendwie verschenkt. Nicht alles klingt restlos überzeugend, doch die schönen Momente bleiben. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Urlaub, Eltern die Querdenken



Dienstag, 12. September 2023

Birth Control – Open Up

 



Birth Control – Open Up


Besetzung:

Peter Föller – vocals
Martin Ettrich – guitars
Sascha Kühn – bass
Manni von Bohr – keyboards
Hannes Vesperums – drums


Label: Look At Me


Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Rock, Hard Rock, Funk


Trackliste:

1. Gammy Ray 2.0 (4:29)
2. The Last Word (8:09)
3. Wrestling Mama (4:46)
4. Open Sesame (9:41)
5. I Don't Mind (6:33)
6. Wannabe (7:14)
7. Plans Get Lost (6:59)
8. These Are The Days (5:09)

Gesamtspieldauer: 53:03



Da legt man die neue Birth Control Platte mit dem Titel „Open Up“ auf, ist man zunächst schon etwas überrascht, als Einstieg gleich eine neue Version des Klassikers „Gamma Ray“, ursprünglich aus dem Jahr 1973, in einer stark verkürzten Version zu hören. Nach dem Tod von Bernd Noske im Jahr 2014 hatte sich die Band 2016 wieder neu formiert und mit „Here And Now“ auch gleich ein neues Album aufgelegt. Nun, sechs Jahre später erscheint also Album Nummer 18 in der langen Bandgeschichte und es beginnt mit einem Rückgriff auf längst vergangene Zeiten.

Kann man so machen, muss man aber nicht. Überraschend ist das Ganze jedoch zumindest. Festzuhalten bleibt dabei jedoch gleich, dass diese „Gamma Ray 2.0“-Version es nicht mit dem Original aufnehmen kann. Warum also gleich diesen Vergleich heraufbeschwören? Nun, Birth Control klingen auf „Open Up“ wie ein wenig aus der Zeit gefallen. Und das ist durchaus positiv gemeint. Die Musik auf diesem Album erinnert vom Sound her immer wieder an die Zeit der frühen 70er Jahre, in denen Birth Control ihre größten Erfolge feierte.

Doch dies gilt nicht durchgängig für dieses Album, welches bezüglich seines Genres am stärksten im Hard Rock angesiedelt ist. Nicht alles in diesen Hard Rock-Passagen klingt da besonders oder mitreißend. Ab und an hört man auch – zwar technisch gut gemachte – doch wenig mitreißende Musik, von der man glaubt, diese schon oft so oder so ähnlich gehört zu haben.

Am überzeugendsten klingt dabei der fette Orgelsound – und dies durchgängig, über das komplette Album hinweg.  Wahrscheinlich trägt auch dieser Sound am stärksten mit zu den aufkommenden Vergleichen zu den 70er Jahren bei. Da macht „Open Up“ dann immer besonders Spaß und wird zu einer sehr kurzweiligen Angelegenheit.

Fazit: Immer dann, wenn es die Musik auf "Open Up" am stärksten schafft, Erinnerungen an die frühen 70er Jahre und damit an die ersten Alben der Band aufkommen zu lassen, immer dann klingt sie auch am überzeugendsten. Dies gilt allerdings nicht für den Opener "Gamma Ray 2.0", der ist im Original einfach besser. Ansonsten ist "Open Up" ein gutes Hard Rock Album geworden, welches jedoch mit diesen Hard Rock Titeln nicht lange im Gedächtnis bleibt. In der Vergangenheit zu schwelgen ist da deutlich schöner. Neun Punkte.

Anspieltipps: The Last Word








Sonntag, 20. August 2023

Crippled Black Phoenix – Banefyre

 





Besetzung:

Justin Greaves
Belinda Kordic
Helen Stanley
Andy Taylor
Joel Segerstedt


Gastmusiker:

Matt Crawford
Chrissie Caulfield
Shane Bugbee
Rene Misje
Frode Kilvik
Juggio Wall
Jacob Bannon
Kurt Ballou
Lucy Marshall
Andy Marshall




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

Act 1:

1. Incantation For The Different (2:48)
2. Wyches And Basterdz (4:56)
3. Ghostland (5:43)
4. The Reckoning (6:48)
5. Bonefire (4:36)
6. Rose Of Jericho (13:46)

Act 2:

1. Blackout '77 (7:36)
2. Down The Rabbit Hole (10:32)
3. Everything Is Beautiful But Us (4:36)
4. The Pilgrim (6:19)
5. I'm Ok, Just Not Alright (10:05)
6. The Scene Is A False Prophet (15:12)

Gesamtspieldauer CD1 (38:39) & CD2 (54:21): 1:33:00



„Banefyre“, das inzwischen bereits dreizehnte Studioalbum der englischen Band Crippled Black Phoenix, wird man wohl lediglich entweder lieben oder eben hassen. Viel dazwischen  gibt es kaum, wenn einem die Band um Justin Greaves auf 93 ausufernden Minuten Stimmungen, Gefühle, Klangbilder, Melodien, Geschichten und durchaus auch eine Menge Abwechslung präsentieren. Doch all dies muss nicht unbedingt jedermann überzeugen, denn „Banefyre“ bleibt eben auch eine sehr lange „Angelegenheit“, die sich beim ersten Hören auch mal zu verzetteln scheint.

Mit einem Mal des Hörens ist es bei „Banefyre“ also definitiv nicht getan. Das Album ist so umfassend gestaltet, dass zunächst viele - zum Teil wunderschöne – Melodien die Aufmerksamkeit erregen, an dieser Stelle etwas Pathos durchscheint, an anderer eine völlig unaufgeregte Klangkollage das Ohr umschwirrt und schließlich kurz danach ein schräges Klanggewitter an den Nerven zu zerren scheint. Doch wie dies alles zusammenpasst, lässt sich erst mit dem wieder und wiederholten Mal des Hörens einordnen.

Auf „Banefyre“ hört man das Debut des neuesten Mitglieds der Band Joel Segerstedt beim Gesang und an der Gitarre. Dies trägt sehr schön zur Abwechslung bei, wenn der Schwede sich mit Sängerin Belinda Kordic den Part am Mikrofon teilt. Eröffnet wird das Album jedoch mit dem Stück "Incantation For The Different", geschrieben und vorgetragen von dem in Chicago lebenden Künstler, Autor und Okkultisten Shane Bugbee. Dieser leitet in das Album ein, in dem es inhaltlich unter anderem um die Ausgrenzung von Minderheiten und menschliche Abgründe geht.

“Banefyre” ist musikalisch gesehen Abwechslung pur. Einmal mehr, wie so häufig bei einem Crippled Black Phoenix Album, scheint über allem ein Hauch von Melancholie bis Tragödie zu liegen. “Fröhlich” klingt definitiv anders. Doch diese eher traurige Stimmung wird so abwechslungs- und variantenreich dargeboten, dass es einfach Spaß macht hier zu lauschen und sich auf diese Musik einzulassen, denn Langeweile kommt hier definitiv nie auf.

Und ist das Album nun zu lang geraten? Wenn  man sich auf die Musik einlassen kann, dann hört man hier keinen Akkord zu viel. Ob im letzten Titel “The Scene Is A False Prophet” Simon & Garfunkel und sogar Celine Dion noch unbedingt “Erwähnung” finden mussten, sei mal so dahingestellt. Doch macht es dieses Album keineswegs schlechter. Wer es allerdings kurz und knapp und auf den Punkt kommend mag, die oder der wird wahrscheinlich große Schwierigkeiten mit “Banefyre” haben.

Fazit: Lang und länger erklingt „Banefyre“ von Crippled Black Phoenix beim ersten Hören. Doch die Musik packt einen sofort, auch wenn sich einem dieses Album nicht sofort vollends erschließt. Ein paar Durchläufe benötigt man dann schon, um diese Musik in seiner Gesamtheit zu verinnerlichen. Doch mit jedem weiteren Auflegen wird man ein wenig mehr belohnt. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Das komplette Album



Dienstag, 20. Dezember 2022

Neil Young – World Record

 



Neil Young – World Record


Besetzung:

Neil Young – guitar, piano, kick tub, vocals, pump organ, harmonica


Gastmusiker:

Billy Talbot – bass, vocals
Ralph Molina – drums, vocals
Nils Lofgren – guitar, lap steel guitar, slide guitar, pedal steel guitar, accordion, bottleneck guitar, acoustic guitar, tap sweep percussion, vocals




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Rock


Trackliste:

CD1:

1. Love Earth (4:03)
2. Overhead (3:40)
3. I Walk With You (Earth Ringtone) (3:57)
4. This Old Planet (Changing Days) (2:30)
5. This World (Is In Trouble Now) (3:15)
6. Break The Chain (4:07)
7. The Long Day Before (2:18)
8. Walkin‘ On The Road (To The Future) (2:57)
9. The Wonder Won‘t Wait (3:17)

CD2:

1. Chevrolet (15:15)
2. This Old Planet Reprise (1:19)

Gesamtspieldauer CD1 (30:09) und CD2 (16:34): 46:43



„World Record“ heißt das 42. Studioalbum des gebürtigen Kanadiers Neil Young und ist gleichzeitig das 15. Studioalbum, welches er mit seiner Begleitband Crazy Horse eingespielt hat. Am 18. November 2022 ist das Album in Form einer dreiseitigen Doppel-LP oder Doppel-CD auf dem Plattenlabel Reprise Records veröffentlicht worden. Das Albumcover zeigt übrigens ein Foto von Neil Youngs Vater, dem Journalisten Scott Young. Links unten neben dem Foto ist dessen Geburtsdatum hinterlegt.

Seit inzwischen 54 Jahren veröffentlicht Neil Young seine Musik. Ein inhaltliches Thema, welches sich über all diese Jahrzehnte immer wieder durch seine Alben zog, ist das der Umwelt und der Gefahren einer möglichen Klimakatastrophe. Dieses Mal steht dieses Thema ganz zentral im Mittelpunkt und Neil Young sendet einfache Botschaften wie diese Welt zu erhalten, mehr Rücksicht aufeinander zu nehmen oder Kriege zu stoppen. Dabei schafft er dies ohne den Zeigefinger zu erheben, sondern sehr viel eher, indem er seine Botschaften sendet und wahrscheinlich hofft, dass diese auch auf einen Empfänger treffen, die oder der zumindest zum Nachdenken anregt wird. Das längste Stück des Albums, „Chevrolet“, beschäftigt sich entgegen dieses vorherrschenden Themas mit seiner Beziehung zu Autos allgemein.

„World Record“ ist ein live eingespieltes Album geworden, was ohne Overdubs auskommt. Das verleiht dem Album auch einen ganz speziellen Sound. Wenn man die Augen schließt könnte man sich fast im Studioraum wähnen, still auf einem Barhocker in der Ecke sitzend und der Band bei ihrem Spiel lauschend. Dabei hört man bei manchen Liedern sogar noch die Gespräche vor den Aufnahmen, was diesen Eindruck noch mal verstärkt.

Warum aber eigentlich zwei CD‘s, wenn alle Lieder auch auf eine Silberscheibe gepasst hätten? Nun, nicht nur inhaltlich unterscheiden sich die ersten neun Lieder von jenem „Chevrolet“ auf CD2, sondern auch musikalisch. Die ersten neun Stücke klingen locker und leicht, trotz der hier behandelten Themen. Der Opener „Love Earth“ groovt richtiggehend und diese einmal eingeschlagene Richtung wird musikalisch in leichten Variationen beibehalten. Das klingt durchaus etwas anders, als die ganz frühen Alben des Neil Young, ob mit oder ohne Crazy Horse. Mitunter setzen Orgel, Harmonika oder Mundharmonika ein und sorgen für zusätzliche Abwechslung.

Mit der zweiten CD und dem über 15-minütigen „Chevrolet“ bewegen sich Neil Young und Crazy Horse dann wieder auf Wegen, die man schon von ganz frühen Aufnahmen her kennt. Hier lassen es die Musiker einfach fließen und der Titel jammt. Zunächst noch mit Gesang, um dann in ein langes Solo zu münden, in das man auch beim Zuhören herrlich eintauchen kann. Der Gesang ertönt erneut und wieder geht alles in einem Solo auf, sogar noch länger und irgendwie entrückter. Nicht zuletzt auch aufgrund solcher Titel mag ich Neil Young so sehr, da er weiß, wann man es einfach laufen lassen muss und gar nicht auf die Idee kommt, etwas auszublenden.

Fazit: „World Record“ klingt etwas anders als die zuletzt veröffentlichten Albern von Neil Young. Zum Teil etwas groovender, dann wieder sehr nach seinen musikalischen Anfängen. Dazu gesellt sich noch der Umstand, dass die Lieder mit jedem weiteren Durchlauf zu immer besseren „Freunden“ werden. „World Record“ wächst mit jedem Mal des Hörens und überzeugt. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Chevrolet



Donnerstag, 8. Dezember 2022

Kansas – Another Fork In The Road - 50 Years Of Kansas

 



Kansas – Another Fork In The Road - 50 Years Of Kansas


Besetzung:

Steve Walsh – piano, organ, fender rhodes, congas, synthesizers, lead and backing vocals
Kerry Livgren – guitars, piano, organ, moog synthesizer, backing vocals
Robby Steinhardt – violin, lead and backing vocals
Rich Williams – electric and acoustic guitars
Dave Hope – bass, backing vocals
Phil Ehart – drums, percussion
John Elefante – keyboards, lead vocals
Steve Morse – guitar, backing vocals
Billy Greer – bass, guitar, backing vocals
Greg Robert – keyboards, backing vocals
David Ragsdale – violin, backing vocals
Ronnie Platt – lead vocals, piano
Zak Rizvi – electric guitar, vocals
David Manion – piano, keyboards, organ and sound design
Tom Brislin – keyboards, backing vocals, lead vocals




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Rock, Progressive Rock


Trackliste:

CD1:

1. Can I Tell You (New 2022 Version) (3:32)
2. The Absence Of Presence (The Absence Of Presence, 2020) (8:22)
3. Throwing Mountains (The Absence Of Presence, 2020) (6:20)
4. Crowded Isolation (The Prelude Implicit, 2016) (6:08)
5. Summer (The Prelude Implicit, 2016) (4:06)
6. The Voyage Of Eight Eighteen (The Prelude Implicit, 2016) (8:18)
7. Icarus II (Somewhere To Elsewhere, 2000) (7:16)
8. The Coming Dawn (Thanatopsis) (Somewhere To Elsewhere, 2000) (5:43)
9. Distant Vision (Somewhere To Elsewhere, 2000) (8:48)
10. The Wall (Always Never The Same, 1998) (5:30)
11. Dust In The Wind (Always Never The Same, 1998) (3:59)
12. Desperate Times (Freaks Of Nature, 1995) (5:25)
13. Under The Knife (Freaks Of Nature, 1995) (5:00)

CD2:

1. House On Fire (In The Spirit Of Things, 1988) (4:42)
2. Rainmaker (In The Spirit Of Things, 1988) (6:44)
3. Silhouettes In Disguise (Power, 1986) (4:28)
4. Secret Service (Power, 1986) (4:43)
5. Three Pretenders (Power, 1986) (3:56)
6. End Of The Age (Drastic Measures, 1983) (4:32)
7. Incident On A Bridge (Drastic Measures, 1983) (5:39)
8. Play The Game Tonight (Vinyl Confessions, 1982) (3:26)
9. Crossfire (Vinyl Confessions, 1982) (6:33)
10. Windows (Vinyl Confessions, 1982) (3:33)
11. Hold On (Audio-Visions, 1980) (3:51)
12. Loner (Audio-Visions, 1980) (2:31)
13. No One Together (Audio-Visions, 1980) (6:57)
14. On The Other Side (Monolith, 1979) (6:23)
15. How My Soul Cries Out For You (Monolith, 1979) (5:42)

CD3:

1. Carry On Wayward Son (Two For The Show, 1978) (4:37)
2. Portrait (He Knew) (Point Of Know Return, 1977) (4:37)
3. Sparks Of The Tempest (Point Of Know Return, 1977) (4:15)
4. Miracles Out Of Nowhere (Leftoverture, 1976) (6:26)
5. Magnum Opus (Leftoverture, 1976) (8:24)
6. Icarus – Borne On Wings Of Steel (Masque, 1975) (6:03)
7. Child Of Innocence (Masque, 1975) (4:35)
8. Down The Road (Song For America, 1975) (3:44)
9. Song For America (Song For America, 1975) (10:01)
10. The Devil Game (Song For America, 1975) (5:04)
11. Death Of Mother Nature Suite (Kansas, 1974) (7:54)
12. Belexes (Kansas, 1974) (4:25)
13. Journey From Mariabronn (Kansas, 1974) (7:57)

Gesamtspieldauer CD1 (1:18:27) & CD2 (1:13:41) & CD3 (1:18:02): 3:50:10



Im Jahr 1970 spielte die Band zum ersten Mal unter dem Namen Kansas zusammen. Die Mitglieder hießen damals Kerry Livgren (Gitarre), Dave Hope (Bass), Phil Ehart (Schlagzeug), Lynn Meredith und Greg Allen (Gesang), Don Montre und Dan Wright (Keyboards) sowie Larry Baker (Saxophon).

Diese Zusammensetzung hielt nur bis ins Jahr 1971, dann lösten sich Kansas wieder auf. Es gab eine Neugründung im Jahr 1972 und als schließlich Kerry Livgren im Jahr 1973 zur Band zurückkehrte, hatte sich eine Formation gefunden, die nicht nur im folgenden Jahr ihr erstes Album einspielte und überaus erfolgreich werden sollte, sondern auch in der Besetzung Steve Walsh, Kerry Livgren, Robby Steinhardt, Rich Williams, Dave Hope, Phil Ehart über viele Jahre und Jahrzehnte zusammenspielen sollte. Somit sieht die Band dieses Jahr 1973 als ihr eigentliches Gründungsdatum an und dieses jährt sich im folgenden Jahr zum 50. Mal. In Nordamerika wird es eine große Tour geben und davor wird nun noch eine umfangreiche Kompilation des Schaffens von Kansas veröffentlicht.

Alle sechszehn Studioalben sind auf „Another Fork In The Road - 50 Years Of Kansas“ mit zwei bis drei Titeln vertreten. Sogar das 1978er Live-Album steuert mit „Carry On Wayward Son“ (in der Originalfassung auf „Leftoverture“ enthalten) einen Titel bei. Das Lied „Can I Tell You“ wurde für diese Kompilation ganz neu eingespielt und stammt ursprünglich vom ersten, selbstbetitelten Album „Kansas“.

Nun, es ist natürlich immer Geschmackssache bei solch Kompilationen, ob man sich nicht auch das ein oder andere darauf fehlende Lied gewünscht und dafür lieber auf ein anderes verzichtet hätte. Insgesamt finde ich die Auswahl jedoch durchaus gelungen. Man bekommt einen sehr guten Überblick über die Musik von Kansas über die Jahrzehnte hinweg. Allerdings hätte ich mir das Lied „Dust In The Wind“ doch schon sehr in der originalen Version von 1977 auf der Platte „Point Of No Return“ gewünscht. Hier ist es nun in der Version von 1998 enthalten. Dort war es für das Album „Always Never The Same“ neu eingespielt worden. Dieses Album beinhaltete nur drei neue Lieder und enthielt sonst hauptsächlich Interpretationen der eigenen Stücke. Unter anderem eben auch jenes „Dust In The Wind“.

Fazit: Wer einen guten Überblick über das Schaffen von Kansas erhalten möchte, kann mit „Another Fork In The Road - 50 Years Of Kansas“ nichts falsch machen. Die Liedauswahl auf diesem Kompilationsalbum ist gelungen, auch wenn solch zusammengestellte Alben wohl niemals zu 100% die eigenen Lieblingslieder abdecken. Doch man bekommt hier für gar nicht mal so viel Geld fast vier Stunden tolle Musik geboten. Für Leute, die schon alle Alben der Band besitzen lohnt der Kauf sicherlich nicht, doch wer in das musikalische Universum von Kansas mal einsteigen möchte, um sich dann vielleicht sogar die offiziellen Alben bestimmter Epochen der Bandgeschichte zuzulegen, kann hier getrost zugreifen. Elf Punkte.

Anspieltipps: Song For America



Freitag, 25. November 2022

Schwester – Der Himmel fällt

 



Schwester – Der Himmel fällt


Besetzung:

Meike Schrader – Piano, Keyboards
Agata Paulina Clasen – Gitarre




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Folk, Pop


Trackliste:

1. Fluch und Segen (5:02)
2. Wenn morgen nie kommt (3:18)
3. Unser Haus (3:51)
4. Gebranntes Kind (4:28)
5. Die Zukunft (4:06)
6. Wo die Liebe hinfällt (4:26)
7. Der Fluss (4:26)
8. Rausch (3:45)
9. Das Fundament (4:20)
10. Sommerzeitlose (4:45)

Gesamtspieldauer: 42:31



Schwester, das sind die beiden Hamburger Musikerinnen Meike Schrader und Agata Paulina Clasen, die am 25. November 2022 mit „Der Himmel fällt“ ihr Debutalbum auf dem Plattenlabel Pussy Empire Recordings veröffentlichen. Aufgenommen haben sie die zehn Lieder gemeinsam mit Produzent Gregor Henning im Studio Nord in Bremen.

Zu hören gibt es auf „Der Himmel fällt“ eine überaus eingängige Mischung aus Folk und Pop, welche von spannenden Texten durchzogen ist, die glücklicherweise nichts mit den Themen „Liebe, Herz, Schmerz und Schmalz“ gemein haben. Die Texte regen zum Nachdenken an, in die Musik lässt sich herrlich eintauchen. Oftmals klingt das verträumt bis melancholisch doch die beiden Musikerinnen wissen ihre Musik aufzulockern. Das Lied „Unser Haus“ zum Beispiel rockt und klingt mitunter fast schon herrlich schräg, „Die Zukunft“ groovt dann wieder, sodass die Füße wie von selbst mitzuwippen beginnen.

Meike Schrader und Agata Paulina Clasen schaffen es mit ihren Liedern Atmosphären zu transportieren. Musik und Text ergänzen sich dabei wunderschön, bilden eine ganz selbstverständliche Einheit. „Der Himmel fällt“ lässt sich in einem Durchhören, es gibt darauf keinen Ausfall oder Füllmaterial zu beklagen. Musik und Texte treffen und bewegen. Von daher lohnt es hier genau hinzuhören, sich Zeit beim Lauschen zu nehmen und sich verzaubern zu lassen.

Fazit: Mit „Der Himmel fällt“ ist den beiden Musikerinnen von Schwester ein sehr überzeugendes Debut gelungen. Abwechslungsreiche, eingängige Lieder mit Texten, die wirklich Inhalte transportieren und kein Blabla. Die Stimmung des Albums ist eine eher ruhige, wird jedoch immer wieder auch durchbrochen und aufgelockert. Somit ist „Der Himmel fällt“ ein schönes Album geworden, was man auch später, lange nach dem Veröffentlichungstermin, immer wieder gerne auflegen wird. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Fluch und Segen, Fundament



Samstag, 19. November 2022

Blue October – Spinning The Truth Around (Part I)

 



Blue October – Spinning The Truth Around (Part I)


Besetzung:

Justin Furstenfeld – vocals, guitar
Jeremy Furstenfeld – drums, backing vocals
Matt Noveskey – bass, backing vocals
Ryan Delahoussaye – violin, mandolin, guitar, keyboards, backing vocals
Will Knaak – lead guitar, backing vocals


Gastmusiker:

Matthew Ostrander – guitar
Steve Schiltz – bass, vocals
Jayson Peters – piano
Sus Vasquez – guitar
Jenna Ren – vocals
Benjamin Ruiz – vocals
Mike Cross – vocals
Jacqui Walker – vocals
Gil Jenkins – vocals
Joanna Howerton – vocals
Collin Friedli – vocals
Dayne Reliford – piano




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Rock


Trackliste:

1. Spinning The Truth Around (4:49)
2. The Shape Of Your Heart (4:29)
3. How Can You Love Me If You Don‘t Even Like Me? (4:20)
4. Don‘t Say It Wasn‘t Love (5:33)
5. Change (3:40)
6. Where Did You Go? I‘m Less Of A Mess These Days (3:19)
7. The Kitchen Drawer (4:27)
8. When Love Isn‘t Good Enough (7:13)
9. Trust You (4:18)
10. The Girl Who Stole My Heart (6:11)
11. Shut Up. I Want You To Love Me Back (4:37)
12. Big Love (4:26)

Gesamtspieldauer: 57:30



„Spinning The Truth Around (Part I)“ heißt das elfte Studioalbum der US-amerikanischen Band Blue October. Wie der Name schon sagt, ist dieses Album wohl der erste Teil einer Trilogie. Auch in der CD-Hülle wird darauf verwiesen, dass Part II und Part III bald ebenfalls veröffentlicht werden würden. Nun, Part I erschien in den USA am 14. Oktober 2022, in Europa musste man bis zum 11. November warten, bis das Album auf dem Plattenlabel Brando Records veröffentlicht wurde.

Wie immer bei Blue October, so hört man auch auf „Spinning The Truth Around (Part I)“ eingängigen und abwechslungsreichen Independent Rock. Dieser klingt allerdings nicht mehr so „hart“, wie noch auf den ganz früheren Alben der Band. Dazu haben auch mehr elektronische Klänge in die Musik von Blue October Einzug gehalten und manches Mal klingt das Gehörte sogar ein klein wenig funky.

Doch das Zuhören macht Spaß, denn Justin Furstenfeld und seine Bandkollegen haben immer noch das Gespür für die eingängige Melodie. Textlich wird allerdings etwas einseitig das Thema der Liebe beleuchtet. Das klingt hier zwar nicht platt und süßlich, doch ein wenig inhaltliche Abwechslung hätte das Ganze doch etwas aufgelockert.

Musikalisch gibt es in der Mitte des Albums allerdings deutliche „Auflockerung“. Da ist zum einen das überwiegend instrumental gehaltene Lied „The Kitchen Drawer“, indem eine fast schon entrückt klingende Klanglandschaft aufgebaut wird. Völlig stressfrei und entspannt, bis sie sich nach etwas Text kraftvoll und fast hymnisch steigert. Und gleich das folgende „When Love Isn‘t Good Enough“ wartet mit noch einer Überraschung auf. Ab etwa der Mitte des Liedes setzt der französische Gesang des Benjamin Ruiz ein, der den Text schließlich in Form einer gesungenen Opernarie wiedergibt. Klingt anders und richtig gut und lange aus.

Fazit: Nun, ein paar Durchläufe sollte man dem neuen Werk von Blue October schon zugestehen. Die Musik benötigt etwas Zeit, um vollends zur Geltung zu kommen. Blue October klingen weniger rockig, als noch zu Beginn ihrer Karriere. Doch das Gespür für die eingängige Melodie, das ist Justin Furstenfeld und seinen Kollegen glücklicherweise nicht abhanden gekommen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: The Kitchen Drawer, When Love Isn‘t Good Enough



Mittwoch, 16. November 2022

Motorpsycho – Ancient Astronauts

 



Motorpsycho – Ancient Astronauts


Besetzung (ohne Instrumentenangabe):

Tomas Järmyr
Hans Magnus Ryan
Bent Sæther


Gastmusiker:

Helge Sten




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. The Ladder (6:40)
2. The Flower Of Awareness (2:13)
3. Mona Lisa / Azreal (12:15)
4. Chariots Of The Sun: To Phaeton On The Occasion Of The Sunrise – (Theme From An Imagined Movie) (22:22)

Gesamtspieldauer: 43:31



In schöner Regelmäßigkeit veröffentlicht die norwegische Band Motorpsycho ihre Alben. Auch eine Pandemie kann sie dabei nicht stoppen und so erschien nach „The All Is One“ (2020) und Kingdom Of Oblivion (2021) am 19. August 2022 das bereits 25. Studioalbum von Motorpsycho mit dem Namen „Ancient Astronauts“. Das Album wurde größtenteils live im Studio eingespielt und anschließend mit nur wenigen Overdubs versehen. Erst danach wurden schließlich auch die Texte eingesungen und die Lieder vollendet.

Einiges auf „Ancient Astronauts“ erinnert sofort beim ersten Mal des Hörens an Musik längst vergangener Zeiten. Das sind zum Beispiel die frühen Pink Floyd, die anscheinend bei einigen Passagen Pate gestanden haben. Oder aber der Titel „Mona Lisa / Azreal“, der absolut an die erste Phase des Schaffens von King Crimson erinnert. Dabei klingt die Musik jedoch nicht wie ein Plagiat, sondern eher wie ein Feiern vergangener Klänge.

Viele Themen auf „Ancient Astronauts“ stehen allerdings auch für sich und für die Band Motorpsycho. Das Album klingt in seiner Gesamtheit deutlich anders, als die Vorgängeralben. Diese Anspielungen auf andere Bands, das Zusammenspiel von Sphäre, hartem Rock und wunderschönen Melodien und auch jene Momente, die wahrlich an Filmmusik erinnern, ergeben einen breiter aufgestellten Gesamteindruck der Musik. Das Lied „Chariots Of The Sun: To Phaeton On The Occasion Of The Sunrise – (Theme From An Imagined Movie)“ trägt seinen Beinamen wahrlich zu Recht und zeigt Motorpscho nochmals von einer anderen Seite. In diesem Stück gibt es dann allerdings auch wieder diese langen hypnotisaierenden Passagen zu hören, für die Motorpsycho schon immer standen.

„Ancient Astronauts“ ist anders als die vorherigen Alben, da die darauf zu hörende Musik breiter gestreut ist. Trotzdem klingt das alles in sich schlüssig. Jedoch muss man dieser Platte erst ein wenig Zeit einräumen, nicht jeder Titel erschließt sich einem sofort. Doch dann, nach dem wiederholten Hören, erschließt sich einem die Musik umso besser.

Fazit: „Ancient Astronauts“ wurde quasi live im Studio eingespielt und erklingt vielschichtiger, mannigfaltiger als die vorherigen Alben der Norweger. Dies könnte auch der Grund sein, warum man dieser Veröffentlichung auch ein wenig mehr Zeit einräumen sollte. Doch irgendwann, nach gar nicht mal so langer Zeit, wirkt die Musik von Motorpsycho auch auf „Ancient Astronauts“. Elf Punkte.

Anspieltipps: Mona Lisa / Azreal



Freitag, 11. November 2022

Sportfreunde Stiller – Jeder Nur Ein X

 



Sportfreunde Stiller – Jeder Nur Ein X


Besetzung:

Peter S. Brugger – Gitarre, Gesang
Rüdiger Linhof – Bass
Florian Weber – Schlagzeug, Gesang


Gastmusiker:

Keine weiteren Angaben




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

CD1:

1. I‘m Alright! (2:36)
2. Hand in Hand (2:53)
3. Wächter (4:03)
4. Juunge (3:12)
5. Ich scheiss‘ auf schlechte Zeiten (2:31)
6. Ibrahimović (2:47)
7. Du bist eine Bank (3:24)
8. Candlelight & Hardcore (2:48)
9. Bergauf (3:09)
10. Früher war schon (2:43)
11. Spektakulär (2:31)
12. Drama mit dem Karma (2:57)
13. Jeder nur ein X (3:24)

CD2:

1. Zombie (3:07)
2. Schwer ums Herz (3:12)
3. Ibrahimović (Ajax-Version) (2:51)
4. Wächter (Piano) (3:15)
5. Ich scheiss‘ auf schlechte Zeiten (MS Flinte-Remixxx) (2:35)

Gesamtspieldauer: CD1 (39:04) und CD2 (15:02): 54:06



Ganze sechs Jahre ist es her, seitdem das letzte Studioalbum der Sportfreunde Stiller erschien. Doch nun, am 11.11.22, erscheint das achte Werk der Band auf dem Plattenlabel Vertigo mit dem Namen „Jeder Nur Ein X“. Das Album wird in zwei Versionen angeboten. Das offizielle Album mit einer CD und eine Deluxe-Version mit 15 Minuten zusätzlicher Musik. Lediglich zwei der darauf fünf enthaltenen Lieder sind allerdings wirkliche „Zugaben“. Die restlichen drei Stücke sind bereits auf der offiziellen Ausgabe vorhanden und auf dieser Zusatz-CD nur anders eingespielt beziehungsweise abgemischt worden.

Nun, die Musik der Münchener Band klang noch niemals sonderlich traurig, sondern immer eher optimistisch bis sogar fröhlich. Anders ist es auch nicht auf „Jeder Nur Ein X“. Gut gelaunten poppigen Rock bekommt man auch auf diesem Album geliefert und zu hören. Inhaltlich ist die Musik breit gefächert, auf Liebe, Herz und Schmerz haben die drei Musiker inhaltlich sowieso glücklicherweise meist verzichtet. Ein „Überlied“, wie mein Lieblingslied der Sportfreunde Stiller, das Stück „Applaus Applaus“, findet sich allerdings leider nicht auf der Scheibe. Trotzdem sind die einzelnen Titel alle eindeutig als jene der Sportfreunde Stiller zu erkennen und enttäuschen auch nicht. Das Album lässt sich gut durchhören, ohne die Fernbedienung zur Hand nehmen zu müssen. Ausfälle gibt es nämlich glücklicherweise auch keine.

Und die Höhepunkte? Wie immer ist das natürlich reine Geschmackssache. „Wächter“ klingt gut und geht tiefer. Und die Nummer „Ich scheiss‘ auf schlechte Zeiten“ macht richtig Spaß. Und dass die Sportfreunde Stiller dann doch auch tolle und geistreiche Liebeslieder schreiben können beweisen sie mit dem Lied „Bergauf“. Schließlich ist „Jeder Nur Ein X“ auch ein Album, welches mit jedem weiteren Durchlauf besser zu werden scheint und immer mehr überzeugt. Und dies merkt man bereits beim zweiten und dritten Durchlauf. Es lohnt also das Album mehrmals aufzulegen.

Die Lieder sind zumeist fröhliche Titel, wie ich bereits erwähnt habe. Doch auf der zweiten CD befindet sich das Lied „Schwer ums Herz“. Definitiv kein lustiges Stück, ein sehr trauriges Lied sogar. Für mich der Höhepunkt des Albums. Das wird jeder verstehen, der gerade einen geliebten Menschen verloren hat. Das Lied hätte es definitiv verdient gehabt auf der Original-CD zu erscheinen.

Fazit: Wer die Sportfreunde Stiller mag, die oder der wird von „Jeder Nur Ein X“ definitiv nicht enttäuscht werden. Es ist nicht die beste Platte der drei Musiker aus München, doch immer noch eine gute Scheibe, die unterhält. Neun Punkte.

Anspieltipps: Wächter, Schwer ums Herz



Donnerstag, 10. November 2022

Wheel – Rumination

 



Wheel – Rumination


Besetzung:

James Lascelles – vocals, guitar
Aki Virta – bass
Santeri Saksala – drums
Jussi Turunen – lead guitar




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Progressive Metal


Trackliste:

1. Blood Drinker (4:07)
2. Impervious (4:22)
3. Synchronise (4:07)

Gesamtspieldauer: 12:36



Die finnisch-britische Progressive Metal Band Wheel hat kürzlich beim Label InsideOut Music einen Plattenvertrag unterschrieben, und um die Wartezeit auf das hoffentlich bald folgende neue Album der Band nicht zu lang werden zu lassen, erscheint nun am 11.11. die EP „Rumination“.

Das Kürzel „EP“ ist in diesem Fall sogar etwas „optimistisch“ gemeint, denn bei einer Gesamtspieldauer von 12:36 kann man fast von einer Single sprechen. Drei Lieder enthält diese Veröffentlichung, die jedoch die ganze Bandbreite der Musik von Wheel verdeutlicht. Harter Metal, überraschende Wendungen, krumme Takte und auch sanfte Stellen, die mit sehr schönen Melodien ausgefüllt sind. Und dies alles auf gerade einmal zwölf Minuten, verteilt auf drei Lieder.

Definitiv eine schöne Kostprobe und man darf gespannt auf mehr sein.

Fazit: Die kurze EP „Rumination“ offenbart die ganze musikalische Bandbreite der finnisch-britischen Band Wheel. Noch ist das nur ein kleines Appetithäppchen, doch schon dieses überzeugt sehr und man darf sich auf das hoffentlich bald folgende Album freuen. Ohne Bewertung.

Anspieltipps: Impervious