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Sonntag, 14. Dezember 2025

Digital Carbs – Oh Hedonism

 



Digital Carbs – Oh Hedonism


Besetzung:

Johannes Rest – vocals, bass
Konrad Diesch – drums
Daniel Bautista – guitar
Markus “Willy” Willmann – guitar


Gastmusiker:

(Keine weiteren Angaben)




Erscheinungsjahr: 2025


Stil: Rock, Art Rock


Trackliste:

1. Artificially Limited (1:48)
2. Forest Dome (5:11)
3. Exploding Whale (4:00)
4. Up And Away (3:56)
5. Head In The Clouds (5:25)
6. It‘s Cold In Space (3:34)
7. Win Some, Lose Some (4:15)
8. Say It Like You Mean It (3:49)
9. Mescaline (4:35)
10. Hypnopompia (1:10)
11. Like A Child (3:36)

Gesamtspieldauer: 41:25



Digital Carbs entstand als Soloprojekt des Musikers Johannes Rest, der das 2022 erschienene erste Album „Are We Taking It Slowly” pandemiebedingt noch alleine einspielte. Im Oktober 2025 erschien jetzt das zweite Album der Digital Carbs mit dem Titel „Oh Hedonism“, welches auf dem Plattenlabel Schaufel & Besen Records veröffentlicht wurde. Dieses Mal waren die Digital Carbs eine vierköpfige Band welche, die auf dem Album enthaltenen Lieder geschrieben, eingespielt und aufgenommen hat.

Es gibt so Platten, die legt man auf und wird sofort in die Musik hineingezogen, da diese vom ersten Takt wirkt und packt. Dabei beginnt „Artificially Limited“ noch dröhnend , doch entwickelt sich dann als kurzes Instrumentalstück in eine groovende und melodische Nummer, die den Weg des Albums irgendwie vorgibt. Denn „Oh Hedonism“ ist ein sehr melodiöses Album geworden, aber wahrlich keines, welches auf plumpe Eingängigkeit setzt. Die Lieder gehen ins Ohr, vollführen dabei jedoch manch überraschende Wendungen, die die Musik der Digital Carbs weitab des mainstreamtauglichen Radio-Rocks oder Pops platzieren.

Manche der Melodiebögen und die dazu perfekt passende Gesangsstimme des Johannes Rest lassen Erinnerungen und Vergleiche zu Radiohead aufkommen. Digital Carbs sind hier allerdings wahrlich keine Kopie, sondern entwickeln durchaus ihre musikalische Eigenständigkeit. In die Musik fließen Psychedelic und Independent Rock genauso ein wie progressive Ansätze. Und genau diese Bandbreite macht dieses Album so interessant und hörenswert für alle, die gerne mal über den Tellerrand hinaussehen beziehungsweise hören und die in jenen musikalischen Genres ihre musikalische Heimat wissen.

Das Zuhören macht einfach Spaß und die elf Lieder klingen abwechslungsreich. Dabei weiß die Band auch mit den Stimmungen und Atmosphären zu spielen. Mal groovend, dann wieder nachdenklich, folkig, schließlich rockig oder sphärisch. In jeder Phase des Albums wissen die Digital Carbs zu überzeugen und lassen „Oh Hedonism“ zu einem kurzweiligen und überzeugenden Erlebnis werde, welches man immer wieder gerne auflegt.

Fazit: „Oh Hedonism“ ist das zweite Album der Digital Carbs. Diese Platte ist kein „einfaches“ Pop- oder Rock-Album. Die vier Musiker bedienen sich der unterschiedlichsten musikalischen Genres, wirken dabei immer überzeugend und erschaffen mit ihren Liedern spannende Momente, die Freunde des Psychedelic und Progressive Rocks zu schätzen wissen werden. Elf Punkte.

Anspieltipps: Head In The Clouds, It‘s Cold In Space






Auch im neuen Jahr kann man die Band live sehen:

4. Februar - Hildesheim - Club VEB
5. Februar - Düsseldorf - Pitcher
7. Februar - Frankfurt a. M. - Ponyhof
14. Februar - Paris - Supersonic
20. Februar - Steyr -Röda (Glen Matlock)
2. März - Regensburg - Heimat
3. März - Dresden - Ostpol 

Freitag, 28. November 2025

Gazpacho – Magic 8-Ball

 



Gazpacho – Magic 8-Ball


Besetzung:

Jan Henrik Ohme – vocals
Thomas Alexander Anderson – keyboards
Jon-Arne Vilbo – guitar
Mikael Kramer – violin, mandolin and guitars
Kristian Torp – bass
Robert Risberget Johanson – drums and percussion


Label: KScope


Erscheinungsjahr: 2025


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Starling (9:11)
2. We Are Strangers (4:46)
3. Sky King (5:02)
4. Ceres (3:22)
5. Gingerbread Men (7:09)
6. Magic 8-Ball (3:09)
7. Immerwahr (7:41)
8. The Unrisen (6:14)

Gesamtspieldauer: 46:38



Im Jahr 2003 begann die norwegische Band – mit dem etwas überraschenden und gar nicht so skandinavischen Namen – Gazpacho Alben zu veröffentlichen. Am 31. Oktober 2025, an Helloween, erschien nun ihr zwölftes Studioalbum mit dem Titel „Magic 8-Ball“ auf dem Plattenlabel KScope.

Einmal mehr verstehen die Norweger dabei eine musikalisch süße Melancholie zu erzeugen, die einen warm einhüllt. Wunderschöne Melodien entwickeln sich auf diesem Album, driften nicht ab, sondern verweilen in schönen Harmonien ohne dabei auch nur den Hauch von Langeweile zu verströmen. Freilich sollte man als Hörer diesen Klängen positiv gegenüber stehen. Denn wer fickeligen ProgRock erwartet dürfte sicherlich enttäuscht werden. Wer jedoch schöne Harmonien und sanfte Wechsel in Stimmung und Atmosphäre zu schätzen weiß, die oder der kommt hier voll auf seine Kosten.

Über allem schwebt dabei diese bereits erwähnte Melancholie, durchtränkt von Sentimentalität. Es macht einfach Spaß hier zuzuhören und in diese musikalischen Welten einzutauchen. Letztendlich hört man auf „Magic 8-Ball“ New Artrock in seiner fast schon zerbrechlich klingenden Ausführung. Die Texte handeln vom Schicksal, von Zufällen und der ständigen Veränderung unserer Identität. Von daher ist der Titel „Magic 8-Ball“ gut gewählt, da dieser zufällige Antworten auf „Ja-und-Nein-Fragen“ gibt. Gruselig und nach Helloween klingt auf diesem Album weder die Musik, noch die Texte, umso mehr jedoch einnehmend.

Fazit: Mag man auch die sanfte, melodiöse und melancholische Ausprägung des Progressive Rocks dann ist man mit diesem Album sehr gut bedient. Es reicht nicht ganz an das Meisterwerk der Band „Demon“ heran, viel fehlt jedoch nicht. Sehr hörenswert. Für Fans sowieso. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Starling, Sky King, Gingerbread Men



Donnerstag, 16. Oktober 2025

Sylmar – Matching Caskets

 



Sylmar – Matching Caskets


Besetzung:

Keine weiteren Angaben


Label: Stem Distribution


Erscheinungsjahr: 2025


Stil: Rock, Progressive Rock



Trackliste:

1. White Bread (3:27)
2. Flyswatter (4:12)
3. Bardo (3:20)
4. Canal (4:33)
5. Pontious (4:52)
6. Doppler (3:20)
7. Vidalia's Dementia (4:48)
8. Babysitter (2:47)
9. LA Waitlist (3:45)

Gesamtspieldauer: 35:08



„Matching Caskets“ heißt das dritte Studioalbum der US-amerikanischen Band Sylmar aus Cincinnati. Es erscheint am morgigen 17. Oktober 2025 und wird im November von der Band auf einer Tour durch Österreich und Deutschland auch live vorgestellt.

Das Quintett wurde 2016 gegründet und die Musiker fühlen sich in einigen musikalischen Genres zu Hause. Stoner-Rock, Pop, Folk, Independent Rock und auch jazzige Elemente beinhaltet die Musik von Sylmar. Doch dies ist immer noch nur ein Genre-Ausschnitt, wenn man „Matching Caskets“ lauscht. Definitiv kommen hier auch Hörerinnen und Hörer mit einem Faible für Progressive Rock auf ihre Kosten.

Krumme Takte, versetzte und mehrstimmige Gesangseinlagen, sanfte und laute Passagen, die gekonnt und völlig überraschend ineinander überführt werden, auch mal schrägere Töne sowie immer wieder neue Wendungen innerhalb eines Liedes lassen hier nie Langeweile aufkommen. Dazu folgen die Lieder häufig keinem Schema mit Strophe-Refrain-Solo-Strophe-Refrain. Nein, die üblichen Liedstrukturen werden aufgehoben und lassen die Musik noch spannender und überraschender erklingen.

Auf dem Cover des Albums ist ein Porzellan-Engelchen und ein ebensolches Teufelchen zu sehen. Dies spiegelt sehr schön die musikalische Bandbreite von Sylmar auf „Matching Caskets“ wider, die sich auch in den Texten wiederfindet, die von Angst und Liebe, Größenwahn und Weltflucht handeln.

Fazit: „Matching Caskets“ von Sylvan ist beileibe kein langweiliges Album geworden. Gerade Freundinnen und Freunde des Progressive Rock werden an dieser Scheibe viel Spaß haben. Die Musik überrascht immer wieder und geht dabei auch ins Ohr. Wer Sylmar live erleben möchte hat bereits nächsten Monat die Chance dazu. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Canal, Babysitter


Tourdaten:

12.11. Frischzelle Bessunger Knabenschule - Darmstadt
14.11. Terminus - Saarbrücken
16.11. Stellwerk - Hamburg
21.11. Kasseturm - Weimar
22.11. Galerie Fango - Cottbus
28.11. Loop - Wien
29.11. Lost Weekend - München



Donnerstag, 2. Oktober 2025

Anna Katarina – While I Was Dreaming

 




Anna Katarina – While I Was Dreaming


Besetzung (ohne Instrumentenangabe):

Anna Katarina


Gastmusiker:

Keith Sinclair
Max Ley
Rob Thomson
Andy Schichter
Aline Deanna


Erscheinungsjahr: 2025


Stil: Pop, Folk


Trackliste:

1. 29 Problems (3:22)
2. Riptide (3:33)
3. The Wind (3:35)
4. Saturday Morning (4:12)
5. Playing It Cool (2:59)
6. No More Drowning (3:38)
7. December (3:36)
8. Sturdust And Wine (4:06)
9. Background Noise (3:25)
10. La Vie En Rose (3:44)

Gesamtspieldauer: 36:32



Anna Katarina ist eine kanadische Singer-Songwriterin, die unter anderem vom Exclaim!-Magazine als eine der spannendsten aufstrebenden Künstlerinnen Kanadas bezeichnet wird. Ihre Musik pendelt zwischen Independent Pop, Rock, und Folk und wird oft mit Stevie Nicks, Sheryl Crow und Joni Mitchell verglichen.

Spannend klingt das Album „While I Was Dreaming“ auf jeden Fall, welches am 3. Oktober 2025 veröffentlicht wird. Anna Katarina schreibt ihre Stücke selbst und zeigt dabei ein sicheres Gespür für die schöne Melodie. Ganz egal, ob es mal poppiger, rockiger oder folkiger klingt, die Lieder der Platte gehen ins Ohr. Musik, die unterhält und Spaß macht gehört zu werden.

In den rockigeren, wie auch in den mehr getragenen Stücken, weiß Anna Katarina zu überzeugen. Ihre Stimme wirkt, reißt mal mit, lässt an anderer Stelle den eigenen süßen Blues aufkommen. Gerade jetzt, wenn die Tage kürzer und die Nächte wieder länger werden, fesselt diese eindringgliche Musik und lädt zum Träumen und Mitwippen ein.

Da trifft es sich gut, dass man diesen Monat die Lieder Anna Katarinas sogar live genießen kann. Für fünfzehn Konzerte gastiert die Kanadierin in Österreich, der Schweiz und Deutschland. Wer Zeit hat und eine wunderschöne neue Stimme in der Musik hören möchte, sollte sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen.

Fazit: Anna Katarina überzeugt mit ihrem Songwriting, ihrer Stimme und den Stimmungen, die sie damit zu transportieren versteht. Musik zum Träumen. Lohnenswert.

Anspieltipps: The Wind, Stardust And Wine


Tourdaten:

10.10.25 Magdeburg - Volksbad
11.10.25 Norderstedt - Music Star
13.10.25 Berlin - Zimmer 16
15.10.25 Hamburg - Stellwerk
17.10.25 Hanau - Brückenkopf
18.10.25 Lienz, Österreich - Mukl 9900
19.10.25 Bad Kötzting - Bahnhof
20.10.25 Wien, Austria - Loop
22.10.25 Zwickau - Liederbuch
23.10.25 Lichtenau-Immeldorf - Weißes Roß
24.10.25 München - Lost Weekend
25.10.25 Wallisellen, Schweiz - 8304 Bar & Lounge
26.10.25 Schalksmühle - Breddermann Café
27.10.25 Aachen - Domkeller
28.10.25 Hannover - Hölderlin Eins
30.10.25 Düsseldorf - KJA 
31.10.25 Saarbrücken - Terminus



Sonntag, 28. September 2025

Kendall Lujan – Lucky Penny

 



Kendall Lujan – Lucky Penny


Besetzung:

Kendall Lujan – vocals, backing vocals, guitars, mellotron, wurlitzer


Gastmusiker:

Dominik-Lukas Schmidt – guitars, percussion
Colin Schmidt – upright and electric bass
Axel Milsted – wurlitzer, mellotron, grand piano
Micah Hummel – drums, percussion


Label: Rola Music


Erscheinungsjahr: 2025


Stil: Folk


Trackliste:

1. How Ya Doing (2:19)
2. Weird Birthday Song (3:20)
3. Lucky Penny (4:39)
4. Return To Sender (2:41)
5. You Got Me (2:34)
6. Time (4:06)
7. I Want To Be In Love With You (3:26)
8. Untitled Love Song (3:23)
9. Boston (4:26)
10. Goodbyes (3:59)

Gesamtspieldauer: 34:57



Im Februar 2025 wurde das Album „Lucky Penny“ der US-amerikanischen Musikerin und Sängerin Kendall Lujan aus Portland veröffentlicht. Zehn Lieder gibt es auf „Lucky Penny“ zu hören. Dabei wird Kendall Lujan häufig unter der Rubrik „Folk“ eingeordnet. Hört man allerdings dieses Album merkt man schnell, dass dies viel zu kurz gegriffen ist. Auf „Lucky Penny“ erklingen neben besagtem Folk auch Pop, Bossa Nova, Country sowie mitunter auch fast schon jazzige Töne.

Nachhaltig klingt das, was nicht zuletzt am Gesang der Musikerin liegt, denn den vergisst man so schnell nicht mehr. Dieser hört sich oftmals leicht weinerlich an und verleiht der Musik dadurch eine ganz besondere Note. Diese Stimmfärbung wird über all die unterschiedlichen musikalischen Genres ausgebreitet, kommt allerdings am besten und intensivsten bei den schönen folkigen Balladen zum Tragen.

Die Musik klingt träumerisch, manchmal fast schon verwunschen und kann in genau diesen Momenten auch am meisten überzeugen. Schön zudem die Texte, die sich lohnen mit verfolgt zu werden. Insgesamt ist „Lucky Penny“ eine sehr kurzweilige und abwechslungsreiche Platte geworden, die man auch bald live verfolgen und anhören kann.

Im Frühjahr spielte Kendall Lujan bereits einige Konzerte in Europa. Im Februar und März 2026 wird diese Tour nun fortgesetzt. Orte und Termine am Ende dieser Rezension.

Fazit: Kendall Lujan verfügt über eine Stimme, die man so sicherlich nicht allzu oft hört. In Verbindung mit sanften Folk-Liedern kommt diese ganz besonders zum Tragen und verzaubert die Zuhörerinnen und Zuhörer. Schöne Melodien, die sanft und fast schon zerbrechlich klingend vorgetragen werden. Musik zum Träumen und zum genau Zuhören. Ohne Bewertung.

Anspieltipps: Time, Untitled Love Song, Boston

19/02/2026 – Dornbirn – Spielboden
20/02/2026 – Karlsruhe – Café Nun
21/02/2026 – Köln – Club Subway
23/02/2026 – Münster – Pension Schmidt
24/02/2026 – Hannover – Hölderlin Eins
25/02/2026 – Berlin – Lark
26/02/2026 – Hamburg – Nochtwache
27/02/2026 – Flensburg – Kühlhaus
28/02/2026 – Sønderborg – Sønderborghus
03/03/2026 – Kopenhagen – Råhuset
05/03/2026 – Köln – Wohngemeinschaft
06/03/2026 – Düren – Komm
10/03/2026 – München – Lost Weekend
11/03/2026 – Graz – Music-House
12/03/2026 – Vienna – Sargfabrik
13/03/2026 – Linz – Volkshaus Franckviertel



Montag, 28. Juli 2025

Rome – Civitas Solis

 



Rome – Civitas Solis


Besetzung:

Jerome Reuter – vocals, guitars, synthesizers, drums
Tom Gatti – synthesizers, programming, bass guitars and modulations




Erscheinungsjahr: 2025


Stil: Rock, Pop, Art Rock


Trackliste:

1. La France Nouvelle (3:19)
2. In Brightest Black (3:03)
3. Tomorrow We Live (3:46)
4. Food For Powder (3:43)
5. Ad Vindicta (3:13)
6. By Tradition (3:34)
7. Dannazione (1:06)
8. Bring Me The Head Of Romanez (2:55)
9. The Western Wall (3:58)
10. White Flags (3:37)
11. Jupiter (3:11)
12. Mar'yana (3:28)
13. Men Against Time (3:27)
14. Herculaneum (2:42)

Gesamtspieldauer: 45:08



Am 24. Mai 2025 veröffentlichte Jerome Reuter gleich drei Alben. „Civitas Solis“, „The Dublin Session II“ und „Anthology 2016-2025”. Jerome Reuter, alias Rome, hat seit 2005 deutlich über zwanzig Platten veröffentlicht, drei Alben am selben Tag sind allerdings auch für den sehr regen Luxemburger durchaus etwas Besonderes. Zudem ist „Civitas Solis“, um dieses Album geht es hier, eine ganz besondere Veröffentlichung, da es sich dieses Mal bei Rome tatsächlich fast schon um ein Bandprojekt handelt. Denn in den Credits wird angegeben: „Für die Zwecke dieser Aufnahmen war „Rome“ Jerome Reuter und Tom Gatti.“ Überraschend, denn sonst ist Rome gleichzusetzen mit Jerome Reuter.

Nun, an der Musik des Luxemburgers hat dieser Umstand jedoch nichts geändert. Erneut hört man sehr eingängige Lieder, die von der sonoren Stimme des Jerome Reuter dominiert werden. Bereits beim ersten Mal des Hörens glaubt man diese Titel schon mal gehört zu haben. Keine Überraschung, die Musik von Rome erfüllt die Hoffnungen der Fans, die sich genau jene melodiösen und zumeist etwas melancholisch klingenden Lieder wünschen. Und selbst die kurzen französischen und deutschen Passagen gibt es auch auf „Civitas Solis“ wieder zu hören.

Zwei kürzere Stücke enthält das Album, „Dannazione“ ist dabei fast schon mit experimentell zu umschreiben und beinhaltet Sprechgesang, der von einem Synthesizer-Teppich unterlegt wird. Das letzte Lied „Herculaneum“ ist ein Instrumentalstück, mit dem man aus dem Album geleitet wird. Ansonsten sind die Lieder mal langsamer, mal etwas rhythmischer und treibender angelegt. Tempo und Rhythmus werden durchaus variiert. Was jedoch allen Titeln immer innewohnt ist diese Eingängigkeit, die Jerome Reuter so unverwechselbar zu zelebrieren weiß. Spaß macht das Zuhören hier definitiv, etwas Neues entdeckt man allerdings nicht mehr. Die Alben des Luxemburgers ähneln sich sehr, erweitern dabei das Angebot an schönen Melodien – die immer nach Rome klingen. Die Fans wird es freuen.

Fazit: Tatsächlich klingen alle Rome-Platten irgendwie ähnlich und dann doch immer wieder überzeugend. Beim ersten Hören sitzt man da und glaubt alles bereits zu kennen und trotzdem ist es neu und wenn das letzte Lied ausgeklungen ist, gefällt einem die Platte erneut – wie alle anderen Scheiben zuvor, die auch so klangen. Irgendwie kommt da keine Langeweile auf. Verstehe das wer will. Zehn Punkte.

Anspieltipps: La France Nouvelle, Ad Vindicta



Freitag, 20. Juni 2025

Werner Bekker – Lightwoven

 



Werner Bekker – Lightwoven


Besetzung:

Keine weiteren Angaben


Gastmusiker:

Werner Bekker – vocals, guitars


Label: Tic Tac Bang


Erscheinungsjahr: 2025


Stil: Folk


Trackliste:

1. Goodbye Honey (3:56)
2. Coloured By Thoughts (4:24)
3. Compromise (3:48)
4. Creaking Door (4:49)
5. Daisy (4:43)
6. Broken Record (4:27)
7. Mood (3:01)
8. I Can Take It (4:26)
9. Long Fuse (3:37)

Gesamtspieldauer: 37:15



Manchmal spielt das Leben einfach verrückt und es passieren Dinge, auf die man gerne verzichtet hätte. Situationen, die einem Abgründe eröffnen und wenn man schließlich glücklicherweise doch nicht ganz abstürzt ist, es überstanden hat, dann beschäftigen einen diese Momente noch sehr lange. Um die daraus resultierenden Gefühle aufzuarbeiten fangen manche Menschen an zu trinken, einige suchen sich professionelle Hilfe, reden viel mit anderen Leuten darüber, finden Unterstützung bei Freunden und der Familie oder versuchen alles mit Kreativität zu verarbeiten.

Letzteren Weg ist der südafrikanische Sänger und Songwriter Werner Bekker gegangen und verarbeitete seine schwierigsten emotionalen Lebensmomente in Musik – in nachdenkliche Texte und in sanfte Melodien, angereichert mit vielen Emotionen. Somit hört man auf „Lightwoven“ gefühlvolle Musik, die einen packt und unter die Haut geht. Die sanften Titel entfalten ihre Wirkung sofort und laden zu süßer Melancholie ein, während der man selbst eigene Erlebnisse reflektiert. Melancholisch, sentimental, auch traurig, jedoch immer mit einem kleinen Silberstreif am Horizont versehen, wie schon der Albumtitel vermitteln will. Werner Bekker sagt selbst über die Platte: „Dieses Album hat mir geholfen, Dinge zu verarbeiten, die ich nicht laut aussprechen konnte. Ich hoffe, es hilft auch jemand anderem.“

Die einzelnen Lieder ähneln sich von der Stimmung her ohne, dass dies zu Langeweile führen würde. Man taucht mit dem ersten Lied ein in diese Atmosphäre und wird erst nach dem Ausklingen des letzten Stücks daraus entlassen. Manchmal hört man Werner Bekker singen, dabei fast ausschließlich begleitet von seiner Gitarre, wie beim bewegenden „Mood“. Im anschließenden und mitreißenden „I Can Take It“ wiederum hört man Perkussion und Streicher. Doch ganz egal, wie opulent oder zurückhaltend die Lieder instrumentiert sind, dieses sanfte Gefühl der Melancholie sowie diese emotionale Intensität bleibt stets zugegen.

„Lightwoven“ wird heute, am 20. Juni, auf dem Label Tic Toc Bang veröffentlicht und ist auf allen gängigen Streaming-Plattformen verfügbar.

Fazit: Mit „Lightwoven“ ist dem Südafrikaner Werner Bekker ein sehr einfühlsames und packendes Album gelungen, welches all jene Hörerinnen und Hörer begeistern wird, welche Emotionalität, Gefühle und auch die stillen Momente in der Musik lieben. Das Album überzeugt vom ersten bis zum letzten Akkord und trägt einen beim Hören sanft. Sehr empfehlenswert. Elf Punkte.

Anspieltipps: Compromise, Mood, I Can Take It



Freitag, 2. Mai 2025

Adam Lytle – Altars

 



Adam Lytle – Altars


Besetzung:

Adam Lytle – vocals, nylon string guitar, mellotron, synthesizer, fuzz guitar


Gastmusiker:

Jonathan Schenke – synthesizer, piano, rhodes, samples, snaps
Cameron Kapoor – electric guitar
William Logan – drums, percussion, additional piano
Kevin Copeland – electric bass
Oli Deakin – electric guitar, keyboards
Mauro Refosco – percussion
Kristina Moore – background vocals


Label: selfrelease


Erscheinungsjahr: 2025


Stil: Independent Rock


Trackliste:

1. Savage Thunder (3:44)
2. Lead On Desire (3:01)
3. Sister Wave (2:55)
4. Midnight Shakes The Memory (3:36)
5. That Was Me (2:56)
6. Sanctuary (3:09)
7. Heaven (6:22)
8. Black Masses (3:22)
9. Nothing Lies Beyond (2:59)
10. Hollow Eyes (3:29)
11. Sea Of Tears (4:29)

Gesamtspieldauer: 40:07



Manches Mal hat man sehr viel Glück und entdeckt etwas Neues in der Musik, eine Musikerin, einen Musiker, eine Band, die man noch nicht kannte und die oder der einen schon nach den ersten Takten des Hörens mitreißt. Adam Lytle ist solch ein Musiker, von dem ich gestehen muss noch nie gehört zu haben. Ein Fehler, denn der ehemalige Frontmann von Quicksilver Daydream und Wild Leaves ist inzwischen auf Solopfaden unterwegs und hat mit „Altars“ ein Album veröffentlicht, das einen packt und begeistert und welches unbedingt gehört gehört.

Auf „Altars“ erklingt wunderbar eingängige, rockende, sanfte und vor allen Dingen auch sehr abwechslungsreiche Musik welche mich atmosphärisch ein wenig an Mark Lanegans Platte „Straight Songs Of Sorrow“ erinnert. Auch auf „Altars“ schwebt über allem eine gewisse Schwere bis Melancholie, die perfekt jene Geschichten transportiert, die Adam Lytle in seinen Liedern erzählt. Er selbst sagt dazu: 

„Ich bin daran interessiert, ein breites Spektrum menschlicher Emotionen in meinen Liedern auszudrücken. Es gibt eine Dualität von Licht und Dunkelheit in allem. Ich glaube, es liegt in der Verantwortung des Künstlers, beide Seiten zu erforschen, auch wenn es manchmal unangenehm ist.“

Nun, „unangenehm“ klingt da musikalisch sicherlich nichts – außer man steht nicht so sehr auf Emotionen. Denn auf „Altars“ hört man vierzig Minuten Musik, verteilt auf elf Lieder, die ohne Ausnahme ins Ohr gehen und einen auch emotional packen. Die Texte handeln von unterschiedlichsten Geschehnissen, die Adam Lytle aufgreift und zu packenden Geschichten verarbeitet, welche zum Nachdenken anregen und sich lohnen gehört zu werden. Die Dualität von Licht und Dunkelheit ist hier wahrlich vorhanden. Die Musik klingt perfekt auf die jeweilige Dramaturgie abgestimmt, eine Vorgehensweise, die man in der heutigen, schnelllebigen Musikwelt kaum mehr zu hören bekommt.

Fast schon schwebend und leicht in sanften Passagen oder kurz vor dem Eskalieren im Verlauf von „Heaven“, das ist die Bandbreite, die man auf „Altars“ geboten bekommt. All dies perfekt arrangiert, vom Gitarrenspiel, über die Rhythmusfraktion und den Synthesizer- und Piano-Einsatz. Nicht unerwähnt bleiben soll an dieser Stelle auch der wunderschöne Hintergrundgesang der Kristina Moore. Und so ergibt sich der Umstand, dass die Lieder gleich beim ersten Hören ins Ohr gehen, doch man glaubt bei jedem weiteren Durchgang wieder etwas Neues herauszuhören und zu entdecken. Absolut spannend und überzeugend geschrieben und gespielt.

Die Platte wird mit dem starken und doch sanften „Savage Thunder“ eingeleitet und klingt mit „Sea Of Tears“ genau so aus, wie es der Titel bereits sagt. Ist das Lied schließlich ausgeklungen, atmet man tief durch und fängt wieder mit der ersten Nummer an – denn auch die neuen Lieder dazwischen möchte man schnell wieder hören.

Fazit: Ein wahrlich überzeugendes Album ist dem aus Brooklyn, New York, stammenden Musiker Adam Lytle mit „Altars“ gelungen. Independent Rock, melancholisch und abwechslungsreich, der ins Ohr geht und den man einfach immer wieder hören muss. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Savage Thunder, That Was Me, Sea Of Tears



Samstag, 26. April 2025

Heather Nova – Breath And Air

 



Heather Nova – Breath And Air


Besetzung:

Heather Nova – vocals, acoustic guitar


Gastmusiker:

Chris Bond – drums, percussion, guitar, bass, synthesizers, piano, rhodes, backing vocals
Andrew “Bear” Bond – bass, piano, synthesizers
Midori Jaeger – cello


Label: V2 Records


Erscheinungsjahr: 2025


Stil: Pop, Folk


Trackliste:

1. Hey Poseidon (5:02)
2. Ebbs And Flows (5:14)
3. November Skies (4:01)
4. Breath And Air (4:16)
5. From Up Here (4:37)
6. Butterflies And Moths (4:21)
7. A Human Experience (3:26)
8. Ghost In My Room (5:30)
9. Beginner (4:12)
10. The Lights Of Sicily (4:25)
11. I Blame It On Myself (4:18)
12. Magnificent (4:47)
13. Farewell (3:18)

Gesamtspieldauer: 57:33



„Breath And Air“ heißt das zwölfte Studioalbum der aus den Bermudas stammenden Musikerin Heather Nova. Es wurde am 21. Februar 2025 auf V2 Records veröffentlicht. Und beim Auflegen der Platte wird einem sofort bewusst, dass dies eindeutig ein Heather Nova Album ist, zu markant hört man die Stimme der Musikerin in Verbindung zur sanften Musik, die da aus den Boxen strömt.

„Fast gehaucht“ könnte man Musik wie Gesang an vielen Stellen umschreiben. Alles wirkt irgendwie ganz dezent und zerbrechlich und alle Lieder dieses neuen Albums gehen einem unweigerlich ins Ohr und rühren an den Emotionen. Wunderschön trägt Heather Nova ihre Lieder vor, alles erklingt so wunderbar unaufgeregt und eingängig, dass man nach dem ausklingenden „Farewell“ emotional gepackt auf den Plattenspieler blickt.

Alle dreizehn Titel auf „Breath And Air“ gehen ins Ohr und überzeugen. Möchte man es eher rockig oder „härter“, ist man bei Heather Nova definitiv falsch. Die Musikerin erzeugt mit ihrer Stimme, ihrem Gesang – in Verbindung zur Musik – einnehmende Atmosphären und Stimmungen, die einen immer dann packen, wenn man die Ruhe des Alltags sucht oder dem eigenen Blues freien Lauf lassen möchte. „Breath And Air“ enthält Folk, der melodiös und sanft die Ohren umspielt. Wer eingängige Melodien mag, wird hier definitiv fündig.

Fazit: „Breath And Air“ ist ein Heather Nova Album und klingt auch nach Heather Nova. Keine Kompromisse, Folk, sehr eingängig und immer melodiös und sanft. Wer die Musik der aus den Bermudas stammenden Musikerin schon immer mochte, wird von diesem neuen Album von Heather Nova definitiv nicht enttäuscht sein. Elf Punkte.

Anspieltipps: Butterflies And Moths, The Lights Of Sicily



Donnerstag, 24. April 2025

Friend Of A Friend – Desire!

 



Friend Of A Friend – Desire!


Besetzung:

Claire Molek
Jason Savsani


Gastmusiker:

Keine weiteren Angaben




Erscheinungsjahr: 2025


Stil: Electronic Rock, Art Rock


Trackliste:

1. Oasis (3:23)
2. Anna (3:46)
3. FTV (2:41)
4. Gloria (4:33)
5. Mama (2:49)
6. Beautiful ppl (3:41)
7. Desire (3:21)
8. Moonlight (2:24)
9. Hh2 (4:05)
10. Maverick (2:57)

Gesamtspieldauer: 33:45



Friend Of A Friend, das ist ein US-amerikanisches Duo, bestehend aus Claire Molek und Jason Savsani, welches mit „Desire!“ bereits ihr drittes Studioalbum vorlegt. „Desire!“ erscheint am 25. April 2025 auf dem Plattenlabel Earth Libraries und die Musik auf der Scheibe macht dem Albumtitel alle Ehre, denn die Lieder auf „Desire!“ klingen nach Sehnsucht und Begierde – und dabei ist mit Sicherheit kein Schmachten nach Liebe gemeint.

Es ist vielmehr die Musik in Verbindung mit der Stimme der Claire Molek, die diesen Eindruck hervorruft. Die Atmosphäre auf „Desire!“ packt einen bereits beim ersten Mal des Hörens, bedingt durch den manchmal rauen, schließlich wieder zerbrechlich und manchmal eben auch sehnsüchtig – wie beim Titellied – erklingenden Gesang, in Verbindung mit eingängigen Gitarren- oder auch beunruhigend anschwellenden Synthesizer-Klängen. Dazu gesellen sich Rhythmuswechsel, welche manche der Lieder zu kleinen musikalischen Reisen werden lassen.

Die Lieder in der ersten Hälfte des Albums klingen sofort deutlich eingängiger, während das Album im weiteren Verlauf ein wenig experimenteller und irgendwie verwunschener klingt. Die Stimmung wird dunkler und unheimlicher, dabei sind beide Seiten der Musik von Friend Of A Friend, die hier auf „Desire!“ gezeigt werden, sehr hörenswert und packend.

Die häufig greifbar bedrohliche Atmosphäre der Lieder mag auch vom Entstehungsort herrühren, den die beiden Musiker für das Album gewählt hatten. Dies kann man im Material zum Album nachlesen und ob man nun esoterisch oder spirituell angehaucht ist oder eben nicht, diese Umstände lassen sich beim Hören der Scheibe sehr gut heraushören. Das Album entstand in einem weitläufigen, viktorianischen Herrenhaus in Illinois, das wegen seiner Abgeschiedenheit, den hallfreundlichen Räumen und der ruhigen Wüstenumgebung ausgewählt wurde. Seltsames Knarren und unerklärliche Geräusche erfüllten jedoch die Nächte, und sowohl Claire als auch Jason, die sich normalerweise von alten Häusern nicht abschrecken lassen, schliefen mit offener Tür und hatten das untrügliche Gefühl, dass sie nicht allein waren. Nach drei Tagen erhielten sie einen ominösen Anruf des Hausbesitzers. „Er begann das Gespräch ganz beiläufig“, erinnert sich Jason, ‚und sagte dann nur: ‘Übrigens, die Leute in der Stadt könnten Ihnen sagen, dass es in dem Haus spukt.'“ Der Besitzer erzählte weiter, dass das Haus im 19. Jahrhundert ein Treffpunkt für Spiritualisten gewesen sei und der erste dokumentierte Exorzismus in den Vereinigten Staaten hier stattgefunden habe.

Mit diesen kleinen Zusatzinformationen macht das Hören nochmal etwas mehr Spaß und lässt die Lieder noch intensiver wirken, denn diese Erfahrungen sind in den Entstehungsprozess stark mit eingeflossen, wie die Musiker berichten – und das spürt man auch. Kein Wunder also, dass die Titel irgendwie verwunschen, dunkel und zum Teil leicht mystisch klingen. Was dabei zudem großartig gelungen ist, ist das Verschmelzen von akustischen und elektronischen Instrumenten zu einem Ganzen, welches sich zu hören lohnt und die Atmosphäre perfekt transportiert.

Fazit: „Desire!“ von Friend Of A Friend klingt spannend und anders, als was man in heutiger Zeit so oft vorgesetzt bekommt. Musik, die angenehm andere Wege beschreitet, dabei trotzdem ins Ohr geht und auch den künstlerischen und experimentellen Aspekt nicht vergisst. Sehr hörenswert für alle, die mit den Hitsendern und dem Mainstream dieser Welt wenig anfangen können. Elf Punkte.

Anspieltipps: Anna, FTV



Freitag, 18. April 2025

IQ – Dominion

 



IQ – Dominion


Besetzung:

Paul Cook – drums and percussion
Neil Durant – keyboards
Tim Esau – bass guitar, bass pedals and backing vocals
Michael Holmes – guitars, keyboards and backing vocals
Peter Nicholls – lead vocals and backing vocals


Label: GEP


Erscheinungsjahr: 2025


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. The Unknown Door (22:33)
2. One Of Us (3:10)
3. No Dominion (6:25)
4. Far From Here (12:44)
5. Never Land (8:16)

Gesamtspieldauer: 53:10



Ganze sechs Jahre dauerte es dieses Mal, bis die englische Progressive Rock Band IQ ihr neuestes Werk mit dem Namen „Dominion“ veröffentlichte. „Dominion“ ist das dreizehnte Studioalbum der Engländer und erschien auf ihrem neuen Plattenlabel der Band GEP. Solch eine lange Spanne zwischen zwei Alben gab es bisher noch nicht, doch das Warten hat sich für alle IQ-Fans oder auch Retro-Prog-Liebhaber definitiv gelohnt. 

Mag man den Sound der Band, dann kann man mit dieser Scheibe definitiv nichts falsch machen. Weiterentwicklung? Fehlanzeige! Doch genau das ist auch gut so und wird alle Freunde von IQ erfreuen. Auf „Dominion“ klingen IQ wie IQ und zelebrieren ihre Musik wie man sie inzwischen seit über vier Jahrzehnten kennt. Lieder im Stile des Progs der 70er Jahre, mit vielen Wendungen, mal rockiger, mal sanfter, wenig vertrackt, dafür umso melodischer, zum Teil symphonischer und eingängiger.

Hört man die Scheibe öfters, so wird sie zu einem Gesamtereignis, in dem jedes Lied perfekt zum anderen passt. Besonders gelungen sind hierbei der Opener „The Unknown Door“, der quasi Titeltrack „No Dominion“ sowie „Far From Here“. Nicht gerade überraschend, dass zwei der längsten Stücke hier aufgeführt sind, denn IQ schaffen es auch nach vielen Jahren noch in langen Liedern den Spannungsbogen aufzubauen und zu halten. Es macht einfach Spaß diesen vielen Stimmungswechseln in den Liedern zu lauschen.

Die Musik schrieb einmal mehr Michael Holmes, für die Texte zeichnet sich Peter Nicholls verantwortlich, der auf dem Album durchaus noch wie auf der ersten Platte „Tales From The Lush Attic“ aus dem Jahr 1983 klingt. Das Alter des Musikers spielt allerdings in die Texte hinein, die von der Verarbeitung negativer Erlebnisse und vom Umgang mit dem Tod handeln.

Fazit: Mit „Dominion“ ist IQ ein sehr überzeugendes Album gelungen, was alle IQ-Fans und auch Freunde des Retro-Prog überzeugen und auch gefallen wird. Eingängige Musik, nie vorhersehbar durch viele Wendungen, doch immer melodiös. Das Zuhören macht definitiv Spaß. Elf Punkte.

Anspieltipps: The Unknown Door, No Dominion



Samstag, 22. März 2025

Jethro Tull – Curious Ruminant

 



Jethro Tull – Curious Ruminant


Besetzung:

Ian Anderson – vocals, flute, acoustic guitar, mandolin
Jack Clark – electric guitar
David Goodier – bass guitar
John O'Hara – piano, keyboards, hammond organ, accordion
Scott Hammond – drums
James Duncan – drums, cajon
Andrew Giddings – piano, keyboards, accordion




Erscheinungsjahr: 2025


Stil: Folk, Art Rock


Trackliste:

1. Puppet And The Puppet Master (4:05)
2. Curious Ruminant (6:00)
3. Dunsinane Hill (4:17)
4. The Tipu House (3:31)
5. Savannah Of Paddington Green (3:13)
6. Stygian Hand (4:16)
7. Over Jerusalem (5:55)
8. Drink From The Same Well (16:41)
9. Interim Sleep (2:32)

Gesamtspieldauer: 50:34



„Curious Ruminant“ ist bereits das 24. Studioalbum von Jethro Tull. Nachdem zwischen der Platte „The Jethro Tull Christmas Album“ aus dem Jahr 2003 und „The Zealot Gene“ im Jahr 2022 ganze neunzehn Jahre lagen, veröffentlicht Ian Anderson nun wieder regelmäßig unter dem Namen seiner Band und weniger in Form von Solo-Alben. „Curious Ruminant“ erschien am 7. März 2025 auf dem Plattenlabel InsideOut Music.

Auf „Curious Ruminant“ bekommt man Folk Rock zu hören, wie er von Jethro Tull ähnlich Ende der 70er Jahre aufgeführt wurde. Die Querflöte scheint dabei immer mehr im Vordergrund zu stehen und befeuert damit natürlich dieses Alleinstellungsmerkmal in der Musik von Jethro Tull und bewirkt, dass man die Musik sofort zuordnen kann. Dies gelingt auch durch den Gesang des Ian Anderson, der auf „Curious Ruminant“ zwar gealtert, aber keineswegs zerbrechlich klingt.

Die einzelnen Stücke gehen ins Ohr, ohne dabei jedoch zu viel Eindruck zu hinterlassen. Sicherlich wird man als Jethro Tull Fan beim Hören von „Curious Ruminant“ nicht enttäuscht, der ganz große Wurf ist das Album allerdings nicht geworden, eher eine solide Platte, die so jedoch nur von Jethro Tull veröffentlicht werden kann. Die einzelnen Lieder gebären sich dabei mal etwas rockiger, wie gleich der Opener „Puppet And The Puppet Master“ oder der Titeltrack, dann aber auch folkig, wie zum Beispiel die Nummer „Stygian Hand“. Ian Anderson reizt genau diese Bandbreite aus, ohne dabei jedoch bis in die Extreme abzudriften.

Beim fast siebzehnminütigen „Drink From The Same Well“ könnte man allein schon von der Länge des Stücks her auf einen progressiven Titel tippen. Nun, in der ersten Hälfte des Liedes hört man ein Instrumentalstück, bei dem erneut die Querflöte im Vordergrund steht. Unterstützt wird das Ganze entweder durch das Piano oder ein Akkordeon. Progressiv ist daran im Grunde genommen nichts mehr. Dann, etwa aber der Mitte, beginnt das eigentliche Stück mit Gesang. Eine schöne Nummer, die allerdings nur wenige Minuten andauert, um schließlich im dritten Teil wieder in die erste, instrumentale Passage zu münden. Beendet wird das Album mit dem kurzen, mit Sprechgesang versehenen Stück „Interim Sleep“, welches so gar nicht zum Rest der Platte passen will.

Fazit: Wenn man auf die Musik von Jethro Tull steht, dann kann man mit „Curious Ruminant“ definitiv nichts falsch machen. Alle Fans der Band wird es freuen. Der große oder besondere Wurf ist Ian Anderson mit dem Album allerdings nicht mehr gelungen. Das klingt alles ganz nett – ohne Ausreißer nach unten. Wird man dieses Album allerdings retrospektiv zu den Großtaten der Band zählen? Kaum. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Savannah Of Paddington Green



Donnerstag, 20. März 2025

Steven Wilson – The Overview

 



Steven Wilson – The Overview


Besetzung:

Steven Wilson – vocals, keyboards, acoustic bass, bass guitar, piano, acoustic guitars, electric guitars, strings, harmonium, percussion, sound design, drum programming, handclaps, celesta


Gastmusiker:

Randy McStine – sound design / fx, vocals, guitars, backing vocals, moog, ukulele
Russell Holzman – drums
Adam Holzmann – mellotron, hammond organ, piano, modular synthesizer, rhodes piano, moog
Willow Beggs – vocals
Theo Travis – jasonsaxes, ambient flutes, soprano saxophone
Andy Partridge – lyrics
Rotem Wilson – voice
Niko Tsonev – guitar solo
Craig Blundell – drums


Label: Fiction


Erscheinungsjahr: 2025


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Objects Outlive Us (23:19)

    - No Monkey's Paw
    - The Buddha Of The Modern Age
    - Objects: Meanwhile
    - The Cicerones
    - Ark
    - Cosmic Sons Of Toil
    - No Ghost On The Moor
    - Heat Death Of The Universe

2. The Overview (18:21)

    - Perspective
    - A Beautiful Infinity I
    - Borrowed Atoms
    - A Beautiful Infinity II
    - Infinity Measured In Moments
    - Permanence

Gesamtspieldauer: 41:40



Steven Wilson meinte in einem Interview, dass er sich auf keinen Fall wiederholen möchte. Und dies macht er mit seinem neuen Album „The Overview“ auch keinesfalls. Einmal mehr bewegt sich Steven Wilson auf neuen musikalischen Pfaden, die dieses Mal nicht nur wegen der beiden langen Nummern von jeweils etwa zwanzig Minuten, wieder in Richtung Progressive Rock tendieren. Oder mag man es New Artrock nennen? Egal, „The Overview“ wirkt und klingt überzeugend.

„The Overview“ ist ein Konzeptalbum geworden, welches sich mit dem Universum, der Erde, der Menschheit und deren Platz in eben diesem Universum beschäftigt. Dabei wechselt die Musik genretechnisch von Ambient über Pop und Rock zu Elektronik. Weiter gibt es Artrock, Progressive Rock sowie einen kurzen Fusion-Ausflug zu hören. Auch wenn sich „The Overview“ stark von den Vorgängeralben Steven Wilsons und auch jenen von Porcupine Tree unterscheidet, so hört man trotzdem sehr schnell heraus, dass es sich hier um eine Steven Wilson Platte handelt. Sind es die Harmonien, die Genrewechsel oder auch der Gesang des Engländers, immer wieder stößt man unweigerlich auf Passagen in der Musik, die eindeutig auf Steven Wilson hindeuten.

Dabei erhört man auch andere Einflüsse in der Musik auf „The Overview“. Mal ist es ein Abschnitt mit einer Reminiszenz an David Bowie, dann wieder ein kurzer Abschnitt, der mich sehr an „Starless“ von King Crimson erinnert. Alles klingt dabei in sich schlüssig, sowohl die Genreübergänge, wie auch jene gerade erwähnten Anspielungen – bewusst oder unbewusst gewählt. Dies gilt ebenso für neue gesangliche Facetten, die Steven Wilson mit Falsett-Gesang erklingen lassen oder Fusion-artige Passagen, die unweigerlich zum Vibrieren des Trommelfells führen.

Beide Titel überzeugen für sich. Der Titeltrack beginnt dabei nochmals überraschend mit pulsierenden Synthesizer-Sounds, ist insgesamt auch deutlich Synthesizer-lästiger, als der erste Titel „Objects Outlive Us“. Er weist jedoch trotzdem auch wieder sehr viel Abwechslung und genreübergreifende Musik auf. Obwohl anders gestaltet, ergänzen sich beide Nummern zu einem großen Ganzen und insgesamt zu einem sehr gelungenen Album.

Fazit: Wieder mal neue Töne von Steven Wilson, der sich eben auch nicht wiederholen möchte. Gelungen, kann man sagen. „The Overview“ klingt anders, als die bisherigen Platten des Steven Wilson und dabei abwechslungsreich und spannend. Tolle Musik, um Eindrücke aus dem Weltall zu genießen – obwohl die Platte definitiv keine Ambient-Platte ist. Elf Punkte.

Anspieltipps: Bei zwei Liedern, beide.