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Freitag, 21. Oktober 2016

Van Der Graaf Generator – Do Not Disturb




Van Der Graaf Generator – Do Not Disturb


Besetzung:

Hugh Banton – organs, keyboards, bass, accordion & glockenspiel
Guy Evans – drums & percussion
Peter Hammill – vocals, pianos & guitars


Label: Esoteric Recordings


Erscheinungsdatum: 2016


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Aloft (7:19)
2. Alfa Berlina (6:39)
3. Room 1210 (6:47)
4. Forever Falling (5:39)
5. Shigata Ga Nai (2:29)
6. (Oh No, I Must Have Said) Yes (7:44)
7. Brought To Book (7:57)
8. Almost The Words (7:54)
9. Go (4:35)

Gesamtspieldauer: 57:07




„Do Not Disturb“ heißt das inzwischen bereits dreizehnte Studioalbum der englischen Progressive Rock Band Van Der Graaf Generator. Veröffentlicht wurde die Platte am 30. September 2016 auf dem Musiklabel Esoteric Records. Es ist dabei wahrlich sehr überraschend, wie eine Band, die im Jahr 1969 ihr erstes Album veröffentlichte, im Jahr 2016 die dreizehnte Platte nachschieben kann. Das im Gedenk all dieser Pausen, die Van Der Graaf Generator seit der Gründung einlegte. Es ist schon sehr beeindruckend, dass drei der langjährigen Mitglieder hier immer noch zusammen veröffentlichen und dabei überzeugende Alben vorlegen.

Nun, was soll man dazu sagen? Auf „Do Not Disturb“ klingen Van Der Graaf Generator genauso, wie sie seit bald 50 Jahren klingen. Das ist Progressive Rock, der absolut typisch nach eben diesem Van der Graff Generator klingt. Nicht immer eingängig, manches Mal sogar etwas verschroben, doch dann wieder das Ohr perfekt umschmeichelnd. Und über allem steht die Stimme des Peter Hammill, die nichts an ihrer Faszination verloren hat. Er singt, er klagt, er verzweifelt, er ist glücklich. Alles manchmal auch in einem zusammengefasst. Mag sein – und das ist sogar sicher – dass auch die Stimme des Peter Hammill so viel älter wurde, aber an ihrer Faszination hat sie nichts verloren.

Ein Lied hier besonders herauszuheben, würde dem Ganzen nicht mehr gerecht werden. Wie so oft ist es die Gesamtheit, die bei Van Der Graaf Generator wirkt. Bei „Do Not Disturb“ gilt dies irgendwie noch ein wenig mehr. Fast scheint es ja so, als ob diese Platte eine Abschiedsplatte wäre. Alles wirkt ein wenig düster, traurig und melancholisch. Und dann kommt da zum Schluss noch dieser Titel mit dem Namen „Go“, in dem Peter Hammill singt: „Time to leave, close the door.“ Tottraurig klingt dieses Lied und endet mit den Worten: "It's time to let go" und man hofft, dass dies eben nur ein Lied ist, nicht gleich ein Zeichen…

Fazit: „Do Not Disturb“ ist ein absolut typisches Van Der Graaf Generator Album geworden. Alles was man an dieser Band liebt – falls man diese Band liebt – befindet sich auf diesem dreizehnten Studioalbum. Leider, leider klingt hier so viel nach Abschied. Nach Abschied von einer großen Progressive Rock Band. Diese Platte hat keine Höhepunkte, auch keine Schwächen. Sie wirkt einfach. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Almost The Words, Go



Dienstag, 8. September 2015

Van der Graaf Generator – The First Generation (Scenes From 1969 – 1971)




Van Der Graaf Generator – First Generation (Scenes From 1969 – 1971)


Besetzung:

Peter Hammill – acoustic guitar and lead vocals, piano
Hugh Banton – farfisa organ, hammond organ, piano, oscillator, mellotron, arp synthesizer, bass guitar and backing vocals
Guy Evans – drums, tympani, piano and percussion
Nic Potter – bass guitar and electric guitar
David Jackson – alto, tenor, and baritone saxophone and devices, flute and backing vocals


Gastmusiker:

Robert Fripp – electric guitar


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1987


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Darkness (11/11) (7:27)
2. Killer (8:17)
3. Man-Erg (10:21)
4. Theme 1 (2:55)
5. Pioneers Over C (12:43)
6. A Plague Of Lighthouse Keepers (23:07)
7. Refugees (6:19)

Gesamtspieldauer: 71:09




Ich persönlich halte nicht sehr viel von Zusammenstellungen, von „Best Of…“-Platten. Zum einen muss der Geschmack irgendeines Marketing-Strategen oder sogar des Musikers selbst nicht mein persönlicher sein, zum anderen kann man inzwischen in jede Platte reinhören und merkt schnell, ob einem die Musik liegt oder nicht. Wenn dem so ist, dann besorge ich mir lieber das Original-Album. Falls ich jedoch weiß, dass mir nur einige wenige Titel einer bestimmten Musikerin oder eines Musikers, beziehungsweise einer Band gefallen und diese sich allesamt auf einer Kompilation befinden, dann greife selbst ich da gerne zu. Allerdings passiert das selten, sehr selten.

Und auf diese vorliegende Platte trifft dies alles schon mal gar nicht zu. Die Musik darauf ist grandios und gut zusammengestellt und den Van Der Graaf Generator Alben 2 bis 4, also „H To He Who Am The Only One", „The Least We Can Do Is Wave To Each Other und „Pawn Hearts" entnommen. Als kleinen Bonus gibt es das kurze, nicht auf Studio-LP beziehungsweise inzwischen Studio-CD gepresste „Theme 1“, was eine ehemalige B-Seite darstellt. Allerdings gibt es auf den genannten Alben noch jede Menge mehr guter Musik zu hören – die fehlt hier einfach, weil die Laufzeit einer CD eben begrenzt ist.

Damit wären wir beim Grund dieses Album zu erwerben. Der kann eigentlich nur sein, dass man Van Der Graaf Generator mal hören will und bereits sicher weiß, nicht mehr von dieser Band hören zu wollen. Sowas kann man jedoch nicht im Voraus planen. Ein anderer Grund könnte sein, dass man als ganz großer Fan alles von „seiner“ Lieblingsband haben möchte und auch gerne in dem Booklet, in dem einige Informationen über Van Der Graaf Generator stehen und ein Stammbaum der beteiligten Musiker abgedruckt ist, blättern möchte. Beides wäre zumindest möglich. Auf die Musik, die auf der Scheibe zu hören ist, möchte ich nur soweit eingehen, dass sie wahrlich überzeugenden Progressive Rock bietet. Weitere Informationen gibt es dazu bei den oben erwähnten drei Studioalben.

Fazit: Dieser Progressive Rock auf dem Album „First Generation (Scenes From 1969 – 1971)“, welches 1986 veröffentlicht wurde, ist über jeden Zweifel erhaben und lässt das Herz eines jeden Fans dieses musikalischen Genres höher schlagen. Wirklich gut. Bei der Zusammenstellung könnte man auch anderer Meinung sein und andere Titel bevorzugen. Nicht alle, jedoch ein paar, jedoch ist dies natürlich absolute Geschmackssache und sie haben es hier auch recht gut hinbekommen. Nun, als Übersicht über die ersten Jahre der Band ist dieses Album sicherlich geeignet. Wenn man diese Musik jedoch liebt, besorgt man sich sowieso die Studioalben und dann lohnt sich diese Scheibe nur bedingt. Bei mir war es so, dass diese Platte wirklich meine erste von Van Der Graaf Generator war. Ich kannte die Band nicht, die Scheibe war nicht allzu teuer und ich dachte mir: Da hörst Du mal rein. Auch ein Kaufgrund. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: A Plague Of Lighthouse Keepers, Refugees



Sonntag, 23. November 2014

Van Der Graaf Generator – A Grounding In Numbers




Van Der Graaf Generator – A Grounding In Numbers


Besetzung:

Peter Hammill – voice, piano, electric guitar, ashbory bass
Hugh Banton – organs, bass pedals, bass guitar, hapsichord, piano, glockenspiel, 10 string bass, guitar
Guy Evans – drums, percussion, guitar


Label: Esoteric Recordings


Erscheinungsdatum: 2011


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Your Time Starts Now (4:15)
2. Mathematics (3:38)
3. Highly Strung (3:36)
4. Red Baron (2:23)
5. Bunsho (5:03)
6. Snake Oil (5:21)
7. Splink (2:37)
8. Embarrassing Kid (3:07)
9. Medusa (2:12)
10. Mr. Sands (5:22)
11. Smoke (2:30)
12. 5533 (2:42)
13. All Over The Place (6:04)

Gesamtspieldauer: 48:50




„A Grounding In Numbers“ heißt das elfte Studioalbum von Van Der Graaf Generator und dieses stellt durchaus etwas Besonderes dar. Denn wann gab es das schon einmal, dass auf einem Van Der Graaf Generator Album dreizehn verschiedenen Titel zu finden sind, die oftmals nur mit drei Minuten Laufzeit ausgestattet wurden? Genau, noch nie! Trotzdem hört man auf „A Grounding In Numbers“ Progressive Rock, der durchaus auch mal ein wenig vertrackter sein kann, zudem jedoch immer wieder sehr melodiöse Passagen aufweist.

Inhaltlich befasst sich die Scheibe mit Zahlen und ganz allgemein mit der Mathematik. Veröffentlicht wurde das Album am 14. März, im amerikanischen schreibt man das als 3.14, also die ersten drei Ziffern der Zahl Pi. Zufall? Sicherlich kein Zufall ist jedoch, dass Van Der Graaf Generator hier auf „A Grounding In Numbers“ wieder mal aus dem Vollen schöpfen. Auch wenn es dieses Mal keinen Longtrack mehr gibt, so vereinen diese dreizehn Nummern doch alles in sich, was die Musik von Van Der Graaf Generator schon immer ausgenmacht hat. Hier gibt es die schwer zugänglichen Stellen genauso wie die lieblichen, das Ohr umschmeichelnden Passagen. Alles klingt voll, ist ein klein bisschen weniger rockig geraten, als noch der Vorgänger und die Orgel hat hier das Duell für sich entschieden und ist nun wieder etwas dominanter als die Gitarre.

Ebenfalls etwas ungewöhnlich in der Musik von Van Der Graaf Generator sind Instrumentalstücke. Auch diese gibt es hier zu bestaunen und zwar in Form der sehr entspannten Titel „Red Baron“ und „Splink“, wobei letzteres Lied gegen Ende durchaus als „schräg“ zu bezeichnen ist. Höhepunkte der Scheibe sind das sehr eingängige „Mathematics“, auf denen Van Der Graaf Generator wie in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts klingen. Auch „Snake Oil“ gehört zu den besonderen Titeln der Platte, die einen auf eine Zeitreise vierzig Jahre in die Vergangenheit schicken möchten. Dazu noch die letzte und gleichzeitig längste Nummer „All Over The Place“. Dieses klingt zunächst ein wenig mitttelalterlich, woran sich mehrere, sehr spannende und melodiöse, typisch nach Van der Graaf klingende, jedoch nicht mehr unbedingt einer Epoche zuzuordnende Abschnitte anschließen.

Fazit: Es gibt nicht allzu viele Bands oder einzelne Musiker, die über solch einen langen Zeitraum nie eine einzige Platte veröffentlicht haben, die nicht deutlich vom restlichen Durchschnitt der eigenen Diskographie abfällt. Im Bereich des progressiven Rocks lässt sich da wohl überhaupt kein Beispiel finden. Doch eines gibt es, ein Vertreter dieses Genres, der mit jeder Platte zu überzeugen wusste und diese Band heißt Van Der Graaf Generator. Auf „A Grounding In Numbers“ sind die Titel kürzer geworden, die Qualität ist jedoch geblieben. Durchaus empfehlenswert. Elf Punkte.

Anspieltipps: Mathematics, Snake Oil, All Over The Place



Mittwoch, 12. November 2014

Van Der Graaf Generator – Trisector




Van Der Graaf Generator – Trisector


Besetzung:

Peter Hammill – voice, piano, electric guitar
Hugh Banton – organs, bass pedals, bass guitar
Guy Evans – drums, percussion


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 2008


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. The Hurlyburly (4:39)
2. Interference Patterns (3:53)
3. The Final Reel (5:49)
4. Lifetime (4:47)
5. Drop Dead (4:53)
6. Only In A Whisper (6:44)
7. All That Before (6:29)
8. Over The Hill (12:30)
9. (We Are) Not Here (4:05)

Gesamtspieldauer: 53:48




Drei Jahre nach der Wiedervereinigung und dem ersten neuen Album seit 28 Jahren, veröffentlichten Van der Graaf Generator mit „Trisector“ ihr zehntes Studioalbum. In diesen drei Jahren hatte sich auch etwas getan bezüglich der Bandzusammenstellung. David Jackson, der sich durch sein Saxophon und seine Querflöte maßgeblich mit für den Sound der Band verantwortlich zeigte, hatte Van Der Graaf Generator wieder verlassen. Angeblich hatte er keine Lust mehr und die Wiedervereinigung nur für ein Album und die dazu gehörenden Konzerte gesehen.

Nun und so ist „Trisector“ deutlich anders geraten, als noch der Vorgänger „Present“. Van der Graaf Generator klingen nun noch ein wenig rockiger, was nicht zuletzt an dem vermehrten Gitarreneinsatz des Peter Hammill liegt. Und so startet „Trisector“ gleich mit einer treibenden und instrumentalen Nummer, „The Hurlyburly“. Richtig progressiv klingt das noch nicht und man hätte diese Nummer kaum Van Der Graaf Generator zugeschrieben, wenn man es denn nicht besser wüsste. Sehr treibend geht es auch gleich mit „Interference Patterns weiter. Dieses Mal ist es jedoch die Orgel des Hugh Banton, die für das „Davonpreschen“ sorgt. Und jetzt klingt die Musik auch wieder proggig und ganz genau nach Van Der Graaf Generator.

Dann sind allerdings erst mal die leiseren Töne angesagt. „The Final Reel“ ist wahrlich melodiös, eingängig und sehr viel ruhiger und langsamer geraten, als die beiden Vorgänger. Das gilt ebenfalls für „Lifetime“, bei dem die Beckenschläge des Guy Evans völlig entgegengesetzt zur restlichen Instrumentierung eingesetzt werden. Einen sehr treibenden Rhythmus gibt Guy Evans hier vor, den die anderen Musiker einfach zu ignorieren scheinen. Wahrlich grandios gelöst und eine ganz seltsame Stimmung heraufbeschwörend.

Es folgt „Drop Dead“, ein Rocker, bei „Only In A Whisper” wird es erneut stiller, um dann mit „All That Before“ wieder lauter und schneller zu werden. Schließlich folgt mit „Over The Hill“ das deutlich längste Lied des Albums. Hier klingen Van Der Graaf Generator durchaus so wie zu Beginn ihrer Karriere. Wirklich melodiöse Abschnitte wechseln sich mit vertrackten und verstörenden Elementen ab. Genau für solche Lieder benötigt man eine „progressive Musikader“, sonst weiß man hiermit nur schwerlich etwas anzufangen. Beschlossen wird die Platte dann mit dem grandiosen „(We Are) Not Here“. Kraftvoller Progressive Rock der Extraklasse, drei Virtuosen an ihren Instrumenten, mit dieser beschwörenden Stimme des Peter Hammill, etwas schrägen Akkorden und einer unglaublich treibenden Orgel. Unglaublich gut.

Fazit: Die Platte ist sehr überzeugend. Man sieht wie sehr Guy Evans und Hugh Banton Peter Hammill gut tun, denn was auf manchen seiner Solo-Alben nicht so richtig zünden will, das fährt hier raketenartig in den Himmel. Trotzdem fehlt auf „Trisector“ etwas in der Musik von Van Der Graaf Generator. Es ist David Jackson, den ich hier stark vermisse, der die Platte noch ein wenig besser hätte werden lassen können. Aber er ist jetzt eben nicht mehr dabei und das, was die drei anderen Musiker hier vorgelegt haben, ist auch wahrlich hörenswert. Ach ja, muss ich noch erwähnen, dass diese Scheibe ein wenig Zeit benötigt, um ihre ganze Vielfalt im Ohr des Hörers entfalten zu können? Es ist wie immer bei Van Der Graaf Generator, das Einhören eröffnet neue Welten. Elf Punkte.

Anspieltipps: Interference Patterns, The Final Reel, Lifetime, (We Are) Not Here



Sonntag, 26. Oktober 2014

Van Der Graaf Generator – Present




Van Der Graaf Generator – Present


Besetzung:

Hugh Banton – organ, bass guitar
Guy Evans – drums
David Jackson – saxes, flutes, soundbeam
Peter Hammill – vox, electric piano, guitar


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 2005


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

CD1:

1. Every Bloody Emperor (7:03)
2. Boleas Panic (6:50)
3. Nutter Alert (6:11)
4. Abandon Ship! (5:07)
5. In Babelsberg (5:30)
6. On The Beach (6:48)


CD2:

1. Vulcan Meld (7:19)
2. Double Bass (6:33)
3. Slo Moves (6:24)
4. Architectural Hair (8:55)
5. Spanner (5:02)
6. Crux (5:50)
7. Manuelle (7:51)
8. 'Eavy Mate (3:50)
9. Homage To Teo (4:45)
10. The Price Of Admission (8:49)

Gesamtspieldauer CD1 & CD2: 1:42:57




Mein Gott, wie kommt man nur darauf, 28 Jahre nach der Auflösung nochmals eine Platte aufzunehmen? Kann das überhaupt etwas werden oder ist das dann nur noch kommerzielle Anbiederei, um noch mal eben ein paar Euros bei den alten Fans einzusacken? Nun erste Frage kann mit Hilfe des Booklets zur CD beantwortet werden. Dort schreibt Guy Evans nämlich, dass sich die vier Musiker, die die „klassische Besetzung“ von Van Der Graaf Generator darstellen, immer nur noch auf Beerdigungen ehemaliger Roadcrew Mitglieder trafen. Und so wurde ihnen bewusst, dass wenn sie wirklich noch einmal zusammenspielen und auftreten wollten, dies am besten dann machen sollten, wenn sie alle vier noch leben.

Nun, jetzt zur zweiten Frage. Ja, das wurde was und hat mit kommerzieller Anbiederei so überhaupt nichts zu tun. Dazu aber später noch mehr, wenn es um die CD 2 geht. Auf CD 1 sind sechs neue Titel vertreten, bei denen man beim Hören denkt, diese Pause von 28 Jahren hätte es überhaupt nicht gegeben. Das ist Van Der Graaf Generator Musik in Vollendung. Diese unnachahmliche Gesang des Peter Hammill, das Saxophon und die Flöten des David Jackson, das mitreißende Orgelspiel des Hugh Banton und das auf den Punkt gespielte – und doch zurückhaltende Schlagzeug des Guy Evans. Was die vier Musiker hier vor allem in den ersten drei Songs zelebrieren, lässt einen als Freund Progressiver Rockmusik staunend und mit offenem Mund zurück. Fast kommen einem die Tränen vor Freude, dass solche Musik auch im 21. Jahrhundert noch existiert und geschrieben und komponiert wird. Absolut grandios. Aber eben Progressive Rock. Keine Musik für die Radiostationen dieser Welt und dabei so wunderschön, dass einem beim Hören das Herz aufgeht. Die ersten drei Titel sind dabei auch sehr eingängig und melodiös gehalten. Erst die Nummern vier bis sechs werden dann noch ein wenig abgefahrener, wobei „On The Beach“ sogar ein wenig witzig wirkt und klingt.

CD1 endet mit Meeresrauschen und so beginnt auch CD zwei, die nun sehr viel länger geraten ist (37:32 Minuten gegenüber 65:24 Minuten). Hierauf befinden sich nun zehn Improvisationen, die mit kommerzieller Musik so gar nichts mehr gemein haben. Kann man beim Opener „Vulcan Meld“ zumindest noch einigermaßen eine Songstruktur erkennen, so werden diese Raster im Verlauf der Scheibe immer weiter aufgelöst und es werden Klanggebilde erschaffen, die immer skurriler zu werden scheinen und mit Musik nur noch ganz am Rande etwas gemein haben. Sind solche Titel wie „Spannner“ oder „Hommage To Teo“ eigentlich überhaupt noch Musik? Manches Mal erinnert das Ganze vielleicht noch ein klein wenig an Free Jazz. Gesungen wird auch nicht mehr, jedoch bekommt jeder der Musiker reichlich Zeit eingeräumt, um sein Instrument ins rechte Licht zu rücken. Beim Autofahren kann man so etwas nicht hören, absolute Unfallgefahr. Auch als Hintergrundmusik völlig ungeeignet. Beim Hören erntet man sehr viel Kopfschütteln, wenn dann doch mal jemand den Raum betritt. Trotzdem lohnt sich das, falls man sich auf solch eine Art der Musik einlassen kann. Es klingt sehr spannend, zugegebenermaßen nicht immer, jedoch immer wieder.

Fazit: Ein wahrlich gelungenes Comeback. Als ich damals davon hörte, dass Van Der Graaf Generator wieder auf Tour gehen und eine neue Platte herausbringen würden, war ich einerseits begeistert und gespannt, andererseits allerdings auch skeptisch, ob das denn überhaupt noch etwas werden könne. Es wurde was, etwas sehr Schönes und Hörenswertes sogar. Das britische Musikmagazin zählt die Scheibe dann auch zu den zehn essentiellen Alben des Progressive Rock der ersten Dekade des neuen Jahrtausends. Nicht weiter verwunderlich, denn das ist es wirklich. Allen Van Der Graaf Generator Fans sei gesagt, dass sich diese Anschaffung uneingeschränkt lohnt. Alle anderen, die Progressive Rock eher von der Genesis oder Yes Seite her kennen, dürfte die erste Seite wohl ebenfalls zusagen, wenn man sich schon vorne herein bewusst macht, dass Van Der Graaf Generator Musik einfach anders ist. Ach ja, nicht nur wegen der zweiten CD ist „Present“ herrlich unkommerziell, obwohl sich die Platte für Van Der Graaf Generator Verhältnisse doch ganz gut verkaufte. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Every Bloody Emperor, Boleas Panic, Nutter Alert



Freitag, 20. Juni 2014

Van Der Graaf – The Quiet Zone / The Pleasure Dome




Van Der Graaf – The Quiet Zone / The Pleasure Dome


Besetzung:

Peter Hammill – vocals, piano and guitars
Guy Evans – drums and percussion
Nic Potter – bass guitar
Graham Smith – violin
David Jackson – saxophone on "The Sphinx In The Face" and "The Sphinx Returns"


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1977


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Lizard Play (4:32)
2. The Habit Of The Broken Heart (4:39)
3. The Siren Song (6:06)
4. Last Frame (6:17)
5. The Wave (3:15)
6. Cat's Eye / Yellow Fever (Running) (5:22)
7. The Sphinx In The Face (5:59)
8. Chemical World (6:13)
9. The Sphinx Returns (1:30)


Bonus Tracks:

10. Door (3:28)
11. The Wave (Early Instrumental Demo Version) (3:44)
12. Ship Of Fools (3:04)

Gesamtspieldauer: 54:08




Es hatte sich etwas getan bei Van der Graaf Generator seit der letzten Veröffentlichung „World Record“. Nicht nur, dass Van der Generator nun nur noch Van der Graaf hieß, auch in der Besetzung der Band wurde ein Wandel vollzogen. Organist Hugh Banton hatte keine Lust mehr und verließ die Band. Dafür kam nun der frühere Bassist Nick Potter erneut mit an Bord sowie Graham Smith an der Violine. Die Musiker gingen in dieser Zusammensetzung ins Studio, David Jackson hörte sich das eine Weile an und zog es dann vor, ebenfalls nicht mehr Teil von Van der Graaf zu sein. Auf dem Album ist er mit seinem Saxophon lediglich bei zwei Titeln noch als Studiomusiker vertreten.

Nun, auf die Musik hatte zumindest die Umbesetzung natürlich einen großen Einfluss. Längere Titel sucht man auf „The Quiet Zone / The Pleasure Dome” vergeblich. Noch ein wenig mehr steht der Gesang des Peter Hammill bei allen Titeln im Vordergrund - sowie die Violine des Graham Smith. Die einzelnen Nummern haben sehr viel mehr „normalen“ Liedcharakter und sind durchgehend deutlich eingängiger, als auf manch anderer Veröffentlichung der Band. Dabei reicht die Spannbreite der Titel von langsamer Ballade bis hin zu rockigen Stücken. Bei allen Liedern wurde der Violine, wie bereits erwähnt, eine sehr große Rolle zugedacht, was die Atmosphäre der Stücke grundlegend beeinflusst. Alles wirkt und klingt nun sehr viel eingängiger, auf irgendwelche Experimente verzichtete die Band vollständig, ohne dass dies bedeuten würde, Van der Graaf Generator wären nun langweilig geworden. Ganz im Gegenteil, auf „The Quiet Zone / The Pleasure Dome” hört man spannenden, ideenreichen und eingängigen Progressive Rock, der durch die Stimme des Peter Hammill auch als der von Van der Graaf Generator auszumachen ist.

Einige richtig gute Lieder befinden sich auf der Scheibe, Ausfälle gibt es überhaupt keine. Gleich der Opener „Lizard Play” ist überaus gelungen. Langsam wird der Titel mit akustischer Gitarre eingeleitet, um sich dann immer weiter harmonisch zu entwickeln und zu entfalten. „Last Frame“ wird mit einer sehr sehnsüchtig klingenden und etwas verzerrten Violine eingeleitet. Dazu gesellt sich der ebenso sentimentale Gesang des Peter Hammill und die Nummer steigert sich und wird immer spannender. Schließlich sollte hier das fantastische „Cat's Eye / Yellow Fever (Running)” nicht unerwähnt bleiben. Fast unglaublich und unfassbar, was Graham Smith hier aus seiner Violine herauszuholen imstande ist. Ein mitreißendes Lied, absolute Klasse. Nun auch bei den restlichen Titeln lässt sich viel Schönes und Interessantes entdecken, sodass auf „The Quiet Zone / The Pleasure Dome” wirklich kein Titel negativ aus dem Rahmen fällt.

Auf der remasterten Version wurden noch drei zusätzliche Lieder hinzugefügt. Dabei zeigen die Musiker mit „Door“ und „Ship Of Fools“, dass sie auch richtig rocken können. Das klingt schon verdächtig nach Hard Rock. Überraschend für Van der Graaf Generator.

Fazit: „The Quiet Zone / The Pleasure Dome” ist ein außergewöhnliches Album geworden, auch für Van der Graaf Verhältnisse. Nicht zuletzt die etwas „ungewöhnliche” Instrumentierung mit einer immer präsenten Violine trägt dazu bei. Die einzelnen Stücke sind allesamt melodiös, manchmal etwas verträumter, dann wieder umso mitreißender. Dieses Album macht einfach Spaß, wohl nicht nur Freunden des Progressive Rock. Leider war es das dann mit der Band. In dieser Zusammensetzung sollten sie nie wieder zusammenspielen und bis die nächste Platte, dann wieder in der ursprünglichen Besetzung, erschien sollten satte 28 Jahre vergehen. Umso schöner, dass es zumindest dieses Album hier noch gab. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Lizard Play, Last Frame, Cat's Eye / Yellow Fever (Running)



Donnerstag, 8. Mai 2014

Van Der Graaf Generator – World Record




Van Der Graaf Generator – World Record


Besetzung:

Hugh Banton – manuals and pedals (manual and his music of pedallos)
Guy Evans – drums, cymbal, percussion & fingerpop
Peter Hammill – vox, meurglys III and wassistderpunktenhacker
David Jackson – alto, tenor and soprano saxophone and accoutrements and flute (all in the grotto)


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1976


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. When She Comes (8:03)
2. A Place To Survive (10:04)
3. Masks (6:56)
4. Meurglys III (The Songwriter’s Guild) (20:51)
5. Wondering (6:35)

Gesamtspieldauer: 52:29




„World Record“ heißt das siebte Album Van Der Graaf Generators und es ist gleichzeitig die dritte Scheibe der Band, die nach der Wiedervereinigung innerhalb von lediglich dreizehn Monaten veröffentlicht wurde. Lauscht man den drei Platten „Godbluff“, „Still Life“ und „World Record“, die in diesem Zeitraum eingespielt wurden, hintereinander, so wird unüberhörbar, dass die Eingängigkeit in der Musik der Band immer weiter zurückgedrängt wurde, zugunsten eines eher rockigeren und manchmal auch experimentelleren Stils. „World Record“ klingt dabei zum Teil sogar richtiggehend aggressiv, was nicht zuletzt auch am Gesangsstil des Peter Hammill liegt.

Auch die Klanggebilde auf dieser Platte werden deutlich schroffer, sperriger und ein wenig unzugänglicher, als dies noch auf den beiden Vorgängeralben der Fall war. Dies bedeutet nichts anderes, als dass sich der Hörer hier noch mehr Zeit nehmen muss, um in das Universum von Van Der Graaf Generator restlos eintauchen zu können. Eine von zwei Ausnahmen stellt hier – zumindest zu Beginn – die Nummer „Masks“ dar, die fast schon „lieblich“ und durchaus auch eingängig beginnt, um dann im weiteren Verlauf des Stückes ein wenig an Impulsivität zu gewinnen, bis es letztendlich wieder deutlich ruhiger wird.

Besonders erwähnenswert ist sicherlich auch der Titel „Meurglys III (The Songwriter’s Guild)“. Über zwanzig Minuten beinhaltet das Lied eine Ansammlung an verschiedenen Stimmungen und Abschnitten, die mal mehr von der Orgel geprägt sind, häufig steht jedoch auch die Gitarre des Peter Hammill im Vordergrund. Vor allem im letzten Drittel der Nummer wirkt das alles ein wenig skurril und abgefahren. Da hört man einen Reggae-ähnlichen Grundsound, über den Peter Hammill dann eine elektrische Gitarre legt. Das klingt alles überaus schräg und Peter Hammill entlockt hier seinem Saiteninstrument auch Töne, die nicht so ohne weiteres zum Rest des Gespielten passen wollen. Interessant ist das zu Hörende allerdings auf jeden Fall.

Für die letzte Nummer zeichnet sich Hugh Banton als Komponist aus. Peter Hammill steuerte hierzu, anders als sonst üblich, lediglich den Text bei. „Wondering” ist wohl der melodiöseste Titel des Albums. Fast schon symphonisch wirkt das Ganze, mit viel Mellotron unterliegt, entwickelt sich hier ein Lied, welches sehr schnell ins Ohr geht, bei dem Peter Hammill auch deutlich zurückhaltender singt und welches stilistisch gar nicht so recht zum Rest der Platte passen will, allerdings durchaus gelungen ist.

Fazit: Ein sehr viel fordernderes als auch unheitlicheres Album ist „World Record“ geworden, zumindest wenn man es mit den beiden Vorgängern vergleicht. Ein wenig scheint es auch so, dass die Band hier immer wieder experimentiert hat. Bei „Meurglys III (The Songwriter’s Guild)“ trifft das zumindest mit Sicherheit zu. Auch dieser Scheibe sollte man die Zeit zum „Reifen“ einräumen, denn auf „World Record“ lassen sich ebenfalls einige tolle Stellen und Lieder entdecken. Zehn Punkte.

Anspieltipps: When She Comes



Freitag, 2. Mai 2014

Van Der Graaf Generator – Still Life




Van Der Graaf Generator – Still Life


Besetzung:

Peter Hammill – vocals, guitar, piano
David Jackson – saxophone, flute
Hugh Banton – organ, bass, mellotron, piano
Guy Evans – drums, percussion


Label: Charisma Records


Erscheinungsdatum: 1976


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Pilgrims (7:12)
2. Still Life (7:25)
3. La Rossa (9:52)
4. My Room (Waiting For Wonderland) (8:04)
5. Childlike Faith In Childhood's End (12:38)


Bonus Track:

6. Gog (Live) (10:29)

Gesamtspieldauer: 55:40




Van Der Graaf Generator waren nach ihrer Wiedervereinigung sehr fleißig. Drei Alben veröffentlichten sie damals zwischen Oktober 1976 und Oktober 1977. „Still Life“ ist die zweite Platte in dieser Reihe und das sechste Album überhaupt. Mit Sicherheit ist diese Scheibe nicht mehr ganz so eingängig, wie das Vorgängeralbum, wenn es jedoch eine Platte gibt, der man Zeit zum „Reifen“ einräumen sollte, dann ist das mit Sicherheit „Still Life“.

Das Cover hat eine ganze Menge Bezug zum Bandnamen, denn hier sieht man eine Lichtenberg-Figur, also eine sich verzweigende elektrische Entladung, die angeblich von einem echten Van der Graaf Generator erzeugt wurde. Auf dem Album selbst hört man Progressive Rock pur. Nichts ist hier simpel, einfach oder zu leicht zugängig. Ausnahme diesbezüglich bildet am ehesten noch die Nummer „My Room (Waiting For Wonderland)“, die sehr sanft gehalten ist, vom Zusammenspiel des Gesangs Peter Hammills, dem Saxophon David Jacksons und dem Piano-Spiel lebt. Bereits beim ersten Hören überzeugt das Lied mit seiner Melodiösität und der diesem innewohnenden Melancholie.

Bei allen anderen Titeln werden immer wieder mal die Zügel angezogen, soll heißen, es wird lauter und vertrackter. Eingängig sind diese Nummern also deutlich weniger, aber wie bereits erwähnt, sie wachsen mit jedem weiteren Durchlauf der Platte. Dann eröffnen sich ganz neue Welten dieses Albums, alles wird vertrauter und schließlich eben doch eingängig und auf seine Art und Weise irgendwie perfekt. Allgemein ist die Scheibe sehr Orgel- und Saxophon-lastig, eine Gitarre gibt es nur an sehr wenigen Stellen zu hören. Dabei nimmt die Orgel des Hugh Banton, über das ganze Album hinweg, eine dominierende Rolle ein, womit eine unglaubliche Fülle der einzelnen Lieder erzeugt wird.

Noch kurz ein paar Worte der remasterten Fassung. Alles klingt hier voll und einnehmend, diese Überarbeitung hat sich wahrlich gelohnt. Was sich deutlich weniger gelohnt hat, das ist der Bonus-Track „Gog“. Dieser ist bereits auf Peter Hammill’s Solowerk „In Camera“ vertreten und klingt dort deutlich überzeugender und vor allem auch klarer. Sie Soundqualität erinnert hier an billig gepresste Bootlegs aus den 70er Jahren, als die Aufnahmequalität noch nicht ausgereift war und irgendwo bei einem Konzert ein Tonband mitlief. 70er Jahre? Ach so, genau so wird es auch gewesen sein.

Fazit: Ein uneingeschränktes Progressive Rock-Album stellt „Still Life“ dar, welches jeder, der in diesem Genre „seine“ Musik weiß, kennen sollte. „Godbluff“, der Vorgänger ist sicherlich ein wenig eingängiger – zumindest beim ersten Hören. Auf „Still Life“ ergibt sich das mit der Zeit und der Beschäftigung mit der Platte. Atmosphärisch ist das Album sogar ein wenig freundlicher und heller geraten, als dies noch beim Vorgänger der Fall war. Es gibt allgemein weniger treibende Abschnitte, die Platte ist etwas ruhiger, aber keineswegs weniger intensiv. Dazu gesellt sich noch der Umstand, dass alle Titel ihre Qualität haben, nichts gegenüber dem anderen abfällt, nimmt man mal den Bonus-Track davon aus. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Childlike Faith In Childhood's End



Samstag, 19. April 2014

Van Der Graaf Generator – Godbluff




Van Der Graaf Generator – Godbluff


Besetzung:

Peter Hammill – vocals, piano, clavinet, electric guitar
Hugh Banton – organs (including bass pedals), bass guitar
Guy Evans – drums and percussion
David Jackson – saxophones and flute


Label: Charisma Records


Erscheinungsdatum: 1975


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. The Undercover Man (7:25)
2. Scorched Earth (9:49)
3. Arrow (9:46)
4. The Sleepwalkers (10:32)

Gesamtspieldauer: 37:32




Ganze vier Jahre hatte es nach der Auflösung im Jahr 1971 gedauert, bis sich Van Der Graaf Generator wieder zusammenfanden und 1975 mit „Godbluff“ ihr fünftes Studioalbum veröffentlichten. Peter Hammill war in der Zwischenzeit sehr fleißig gewesen und hatte nun bereits ebenfalls vier Solo-Alben auf den Markt gebracht, bei denen ihn die Band-Mitglieder auch tatkräftig unterstützten. Somit lag es dann doch nahe, auch wieder eine Scheibe unter der Überschrift Van Der Graaf Generator einzuspielen.

Zunächst tourte die Band allerdings durch Europa und probierte diese neuen Songs, die erneut alle von Peter Hammill geschrieben worden waren (nur bei „Scorched Earth” wird David Jackson als Co-Autor mit angegeben). Das Programm der Auftritte bestand dabei aus einigen wenigen alten Van Der Graaf-Stücken, einigen Solo-Werken des Peter Hammill und eben den neuen Stücken. Anschließend ging man in das Studio und spielte die vier Titel ein.

Das Ergebnis ist „Godbluff“, die erfolgreichste Scheibe der Band-Geschichte. Es ist das erste selbstproduzierte Album der Band, klingt vom Sound her abgespeckter, als noch die vier Vorgänger-Alben und wirkt auch sehr viel eingängiger als diese. Peter Hammill meinte dann auch, dass sie „nicht vorhatten den Sohn von „Pawn Hearts“ zu schreiben, mit einem Lied über eine ganze Seite und jeder Menge Experimente“.

Aber doch, Experimente gibt es auch hier zu hören und die Eingängigkeit der einzelnen Titel liegt ganz im und am Ohr des Hörers. „Godbluff“ ist Progressive Rock pur und zwar in einer seiner besten Ausprägungen. „Godbluff“ ist eingängig und kompliziert, melodiös und will erarbeitet werden. Dominiert wird die Scheibe erneut durch den sehr eindrucksvollen Gesang des Peter Hammill, der hier seine Geschichten erzählt, mal flüsternd, mal singend, mal schreiend. Inhaltlich befassen sich die mitunter recht kryptischen Texte vor allem mit Gefühlen, deren Pendel mal in die positive, ein anderes Mal in die negative Richtung ausschlagen.

Dabei ist die Musik so überaus spannend, mitreißend und einnehmend. „Godbluff“ ist eines der wenigen Alben von Van Der Graaf Generator, bei denen man bereits beim ersten Hören Harmonien zum Dahinschmelzen entdeckt. Und die gibt es bei allen vier Titeln, von denen keiner gegenüber dem anderen abfällt. Alles wirkt, alles klingt und das jeweils auf eine unglaublich begeisternde Art und Weise.

Fazit: Van Der Graaf Generator machen anderen Progressive Rock als die frühen Genesis, Yes oder aber Renaissance. Alles scheint bei dieser Band hier immer ein wenig komplizierter zu sein, man muss sich sehr viel mehr auf diese Musik einlassen können, ihr Zeit geben zu wachsen und zu gedeihen. „Godbluff“ ist ebenfalls anders als die Musik der eben genannten Bands, allerdings auch anders als die früheren Alben der Band, eben dann doch eingängiger, ohne diesen bestimmten „Van Der Graaf Generator-Stil“ zu verleugnen. Progressive Rock „at it's best“. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: The Undercover Man



Freitag, 24. Januar 2014

Van Der Graaf Generator – The Aerosol Grey Machine




Van Der Graaf Generator – The Aerosol Grey Machine


Besetzung:

Peter Hammill – lead vocals, acoustic guitar
Hugh Banton – piano, organ, percussion, backing vocals
Keith Ellis – bass
Guy Evans – drums, percussion



Gastmusiker:

Chris Judge Smith – slide-saxophone and harmony vocals on "People You Were Going To", lead vocals (chorus) on "Firebrand"
Jeff Peach – flute


Label: Repertoire Records (ursprünglich Mercury Records)


Erscheinungsdatum: 1969


Stil: Progressive Rock, Folk, Pop


Trackliste:

1. Afterwards (4:58)
2. Orthenthian St. (Part 1 & 2) (6:20)
3. Running Back (6:37)
4. Into A Game (6:58)
5. Aerosol Grey Machine (0:47)
6. Black Smoke Yen (1:26)
7. Aguarian (8:24)
8. Necromancer (3:41)
9. Octopus (8:02)


Bonus Tracks:

10. People You Were Going To (2:46)
11. Firebrand (4:08)

Gesamtspieldauer: 54.06




„The Aerosol Grey Machine” heißt die erste Platte der Progressive Rock Band Van der Graaf Generator, welche im Jahr 1969 veröffentlicht wurde. Von der klassischen Besetzung fehlt hier noch Saxophonist David Jackson. Die Musik ist auf diesem Debut ebenfalls noch ein wenig anders geartet, als auf den folgenden Alben der Band. Auf „The Aerosol Grey Machine” klingt alles meist noch ein wenig „gemäßigter“, als auf den späteren Veröffentlichungen. Dies hat wiederum zur Folge, dass viele eher mainstreamorientierte Pop-, Rock- oder auch Folk-Fans mit diesem Album von Van Der Graaf Generator wohl am ehesten etwas anfangen werden können.

Aber diese progressiven Ansätze sind natürlich auch auf dieser Platte bereits da. Das, was man hier hört ist wahrlich kein „einfacher“ Pop oder Rock, trotzdem ist die Musik auf der Scheibe noch ein klein wenig von der Musik der 60er beeinflusst, vom damals gängigen Pop und auch Rock. Am ehesten in die Richtung der späteren Platten geht da noch der ursprünglich letzte Titel der Platte: „Octopus“. Aus mehreren Teilen aufgebaut, sehr düster mit einer Reihe von Stimmungs- und auch Rhythmuswechseln.

Der Beginn des Albums ist da schon ein wenig ungewöhnlich für Van Der Graaf Generator. Alles wirkt sehr melodiös, ist weniger verspielt und geht bereits beim ersten Mal des Hörens ins Ohr. Das gilt für fast alle Titel des Albums, auch wenn hier und da mal ein etwas schrägerer Ton zum Vorschein kommt. Gänzlich anders und wohl eher eine kleine Spielerei ist da schon der kurze Titeltrack „Aerosol Grey Machine“, der ein wenig nach einem Western-Saloon klingt.

Die zwei Bonus-Tracks ergänzen das vorher Gehörte sehr gut und gehen dabei sogar noch ein klein wenig stärker in die Richtung Pop, wobei vor allem der letzte Titel „Firebrand“ richtig überzeugen kann.

Fazit: Die ganz „krassen“, manchmal verstörenden Augenblicke in der Musik von Van Der Graaf Generator, die fehlen hier noch auf „The Aerosol Grey Machine“. Alles ist noch ein wenig eingängiger und melodiöser, was die Musik der Briten jedoch um keinen Deut langweiliger werden lässt. Die Stimme des Peter Hammill klingt bereits so, wie man sie von späteren Alben her kennt und dies ist auch die Klammer, die dieses Debut vor allen Dingen mit den späteren Platten verbindet. Elf Punkte.

Anspieltipps: Afterwards, Into A Game, Aguarian, Firebrand



Samstag, 18. Januar 2014

Van Der Graaf Generator – The Least We Can Do Is Wave To Each Other




Van Der Graaf Generator – The Least We Can Do Is Wave To Each Other


Besetzung:

Peter Hammill – acoustic guitar and lead vocals; piano on "Refugees"
Hugh Banton – farfisa organ, piano and backing vocals
Nic Potter – bass guitar and electric guitar
Guy Evans – drums and percussion
David Jackson – tenor and alto sax, flute and backing vocals


Gastmusiker:

Gerry Salisbury – cornet on “White Hammer”
Mike Hurwitz – cellos on “Refugees”




Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Darkness (11/11) (7:28)
2. Refugees (6:23)
3. White Hammer (8:16)
4. Whatever Would Robert Have Said? (6:07)
5. Out Of My Book (4:08)
6. After The Flood (11:28)


Bonus Tracks:

7. The Boat Of Millions Of Years (3:53)
8. Refugees (Single Version) (5:18)

Gesamtspieldauer: 53:00



„The Least We Can Do Is Wave To Each Other” ist das zweite Album der britischen Band Van Der Graaf Generator, es erschien im Februar 1970 und beinhaltet progressive Rockmusik in Reinkultur. Diese ist auf der Platte in einer weitestgehend sehr melodischen Form vertreten. Zwar wird es auch mal schrill, wenn wie gegen Ende von „White Hammer“, welches von der Hexenverfolgung im Mittelalter handelt, David Jackson alles aus seinem Saxophon herauszuholen versucht. Das ist jedoch eine von zwei Ausnahmen. Die zweite ist der letzte und längste Titel „After The Flood“. Dieser weißt zwar ebenfalls sehr harmonische und melodiöse Passagen auf, beinhaltet allerdings auch einen sehr verstörenden Teil, bei dem der Gesang des Peter Hammill stark übersteuert wiedergegeben wird. Alles wirkt hier wirr, schräg, gehetzt – eine wahre Kakophonie. Aber dann fügt sich alles wieder in Harmonie zusammen.

Nun, es geht allerdings auch ganz anders. Da ist zum einen das wunderschöne „Refugees“, welches eher an ein Weihnachtslied, denn an einen Rock-Song erinnert. Flöten und Geigen klingen gerade so, als ob sich der Himmel auftun würde und Peter Hammill singt hier butterweich und hoch, wahrlich beeindruckend und keineswegs kitschig. „Darkness (11/11)“, welches übrigens so heißt, da hier die Version verwendet wurde, die die Band am 11.11.1969 aufgenommen hat, beginnt mit Windgeheul. Und auch bei diesem Lied entblättert sich dann ein sehr melodiöses und zunächst weiches Stück, welches zwar auch treibendere Passagen enthält, trotzdem nie den Weg der Eingängigkeit verlässt. Absolut gelungen ist auch hier ein weiteres Mal der Bläserpart, den David Jackson zum Titel beisteuert.

Auch bei „Whatever Would Robert Have Said?” spielt das Saxophon eine große Rolle. Die Nummer ist ein klein wenig mehr im Midtempo angesiedelt und lebt von den Wechseln, die mal getragener und im Moll verhaftet und dann wieder treibender aus den Boxen strömen. Bliebe noch „Out Of My Book“, ebenfalls wieder ein sehr ruhiges Stück, vielleicht nicht ganz so überzeugend wie „Refugees“, dennoch ebenfalls durchaus gelungen, was nicht zuletzt durch die hier im Vordergrund stehende Flötenuntermalung erreicht wird.

Auf der remasterten Ausgabe der Platte wurden noch zwei Zugaben hinzugefügt. Zum einen ist das die Single-Version von „Refugees“ und die ehemalige B-Seite dieser Single, der Titel „The Boat Of Millions Of Years“. Beide Nummern sind ebenfalls ganz nett anzuhören.

Fazit: Wer eher auf die „gemäßigteren“ und harmonischen Töne in der Musik von Van Der Graaf Generator steht, den wird diese Platte begeistern. Zum Teil gibt es hier himmlische und überaus friedvolle Musik auf die Ohren, mit der man träumen kann. Trotzdem gibt es auch hier die musikalischen Ausbrüche der Band, die hier auf „The Least We Can Do Is Wave To Each Other“ für sehr viel Abwechslungsreichtum steht. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Darkness (11/11), Refugees



Mittwoch, 11. Dezember 2013

Van Der Graaf Generator – H To He Who Am The Only One




Van Der Graaf Generator – H To He Who Am The Only One


Besetzung:

Guy Evans – drums, tympani, percussion
Hugh Banton – hammond and farfisa organs, piano, oscillator, vocals, bass
Peter Hammill – lead vocals, acoustic guitar, piano
David Jackson – alto, tenor and baritone saxophone and devices, flute and vocals


Gastmusiker:

Robert Fripp – guitar on 3
Nic Potter – bass on 1, 3, 4


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Killer (8:22)
2. House With No Door (6:30)
3. Emperor In His War-Room (8:19)
   The Emperor
   The Room
4. Lost (11:13)
   The Dance In Sand And Sea
   The Dance In Frost
5. Pioneers Over C (12:52)


Bonus Tracks:

6. Squid 1/ Squid 2 / Octopus (15:24)
7. Emperor In His War-Room (First Version) (8:50)

Gesamtspieldauer: 1:11:30




„H To He Who Am The Only One”, ist das dritte Album der Briten von Van Der Graaf Generator und gleichzeitig bereits die zweite Studio-Platte, die im Jahr 1970 veröffentlicht wurde. Und diese Scheibe ist zweifelsfrei nur etwas für Freunde der manchmal auch vertrackten progressiven Rockmusik. Denn nichts anders gibt es hier zu hören. Progressiven Rock in Vollendung. Nichts ist hier mehr einfach, alles ist kompliziert. Nur wenig klingt gleich beim ersten Hören, nur wenig wirkt bereits beim ersten Durchgang melodiös. Die Musik hört sich mitunter hektisch und atonal an, ist fordernd und ist alles andere als einfach – nein, sie ist sogar sehr kompliziert.

Es gibt auf „H To He Who Am The Only One” kaum eine E-Gitarre zu hören. Nur wenn Robert Fripp als Gastmusiker in die Saiten greift – das passiert lediglich beim dritten Stück „Emperor In His War-Room“ – gibt es diese mal zu hören. Ansonsten steht ganz klar der überaus ausdrucksstarke und kraftvolle Gesang Peter Hammills (wann hat er jemals eindringlicher geklungen?), die Orgel, der treibende Bass sowie das Saxophon und mitunter auch die Querflöte im Vordergrund.

Die Musik wirkt dabei überaus verspielt, häufig auch hektisch und wird nur zeitweise etwas entspannter und dann jedoch immer auch gleich sehr viel, eingängiger. Allerdings kann sich ein Stück phasenweise auch fast schon zur Kakophonie entwickeln, wie beim Bonus Track „Squid 1/ Squid 2 / Octopus“, bei dem Jazz-Anleihen auch nicht zu überhören sind. Da wirkt es dann geradezu wie eine Erlösung, wenn doch mal wieder eine Melodie-Struktur zu erkennen ist.

Es kommt zur Kernfusion, nichts anderes sagt bereits der Titel (H zu He, Wasserstoff zu Helium) aus. Der Wahnsinn wird groß geschrieben auf diesem Album, welches trotz oder gerade wegen allem bisher geschriebenen ein großes Album ist, wenn man es denn schafft sich darauf einlassen zu können. Man glaubt zerrissen, um dann wieder weich mit den schon erwähnten melodiösen Abschnitten aufgefangen zu werden. Beispielhaft dafür steht die Nummer „House With No Door“, die mit ihrer, hier jetzt konstant vorhandenen Lieblichkeit, den Hörer einfängt, bevor er wieder in andere „Sphären“ entlassen wird, die jedoch auch immer wieder solch entspannende Momente aufweisen. „H To He“ ist eine Reise. Ein Trip in Abgründe und wärmende Gefühle. Eine Platte, die verstört und einen dann wieder umschmeichelt. Allerdings ziehen einen diese „verstörenden“ Momente eben auch, mit jedem weiteren Durchgang, immer weiter in den Bann.

Fazit: Mit Sicherheit nicht jedermanns Sache. Musik für Hörer, die es lieben Musik zu erarbeiten. Musik für Hörer, die wissen, dass Musik, gute Musik, Zeit braucht im Ohr zu reifen. Dann kann auch „H To He Who Am The Only One” ein wertvoller Begleiter werden, denn dieses Album ist ein wahres Füllhorn an Abwechslungsreichtum und verschiedenen betörenden Stimmungen. Elf Punkte.

Anspieltipps: Emperor In His War-Room