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Donnerstag, 26. Januar 2017

Talk Talk – Asides Besides




Talk Talk – Asides Besides


Besetzung:

Lee Harris – drums
Paul Webb – bass
Mark Hollis – vocals
Tim Friese-Greene – keyboards


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1998


Stil: Art Pop, Synthie Pop


Trackliste:

CD1:

1. Talk Talk (Extended Version) (4:34)
2. Today (Extended Version) (4:33)
3. My Foolish Friend (Extended Version) (5:30)
4. It`s My life (Extended Version) (6:19)
5. Such A Shame (Extended Mix) (7:00)
6. Such A Shame (Dub Mix) (6:33)
7. Dum Dum Girl (12" Mix) (5:23)
8. Without You (12" Mix) (5:55)
9. Life's What You Make It (Extended Mix) (7:01)
10. Living In Another World (Extended Remix) (8:58)
11. Pictures Of Bernadette (Dance Mix) (8:06)
12. Happiness Is Easy (12" Mix) (7:02)


CD2:

1. Talk Talk (Demo Version) (3:28)
2. Mirror Man (Demo Version) (3:30)
3. Candy (Demo Version) (4:24)
4. Strike Up The Band (2:45)
5. ? (4:08)
6. My Foolish Friend (3:19)
7. Call In The Night Boy (Piano Version) (3:49)
8. Why Is It So Hard? (4:04)
9. Again A Game...Again (4:11)
10. Without You (3:26)
11. Dum Dum Girl (U.S. Mix) (3:39)
12. It's Getting Late In The Evening (5:45)
13. For What It's Worth (5:21)
14. Pictures Of Bernadette (5:03)
15. Eden (Edit) (4:21)
16. John Cope (4:39)

Gesamtspieldauer: CD1 (1:16:59) und CD2 (1:06:02): 2:23:01




Für Fans von Talk Talk ist diese Zusammenstellung mit Raritäten sicherlich eine willkommene Gelegenheit, doch noch etwas von „ihrer“ Band zu hören und zu bekommen, die viel zu früh von Mark Hollis aufgelöst wurde. „Asides Besides“ ist allerdings auch kein neues Album mehr, sondern erschien bereits im April 1998 bei EMI. Es gibt jede Menge Kompilationsalben von Talk Talk, auf „Asides Besides“ hört man jedoch wirklich etwas, was so nicht auf den fünf Studio-Alben der Band zu hören ist.

Auf CD1 befinden sich verschiedene verlängerte Versionen von Liedern, die zuvor als Maxi-Singles veröffentlicht worden waren, sowie weitere Mixe und B-Seiten. Auf CD2 gibt es dann so einige Demo-Versionen zu hören, sowie ebenfalls andere Abmischungen von Liedern und weitere B-Seiten, die so nicht auf den regulären Studio-Alben zu hören sind.

CD1 klingt ganz klar nach Synthie-Pop und hat nur wenig mit der Musik zu tun, die Talk Talk in späteren Jahren veröffentlichten. Hier hört man eher die beiden ersten Alben heraus. Ins Ohr geht das zwar durchaus zum Teil, richtig mitreißend ist es jedoch nicht. Auf CD2 erklingt die Musik nun durchaus im Stile der letzten Studio-Veröffentlichungen. Manches davon ist bereits bekannt, anderes eben nur, wenn man entsprechende Maxi-Singles besitzt. Somit wird die Liedauswahl von Talk Talk für den Fan ergänzt.

Fazit: Diese Zusammenstellung ist weder ein „Best Of…“-Album noch eine einheitliche Platte, welche die anderen Studio-Alben ergänzt. Lediglich einzelne Titel erfüllen diesen Ansatz, die Musik von Talk Talk noch weiter abzurunden. Allerdings ist „Asides Besides“ eher eine Scheibe, die für den absoluten Talk Talk-Fan von Bedeutung ist, als für die „ganz normale“ Musikhörerin beziehungsweise den Musikhörer. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Call In The Night Boy (Piano Version), Dum Dum Girl (U.S. Mix)



Donnerstag, 17. Mai 2012

Talk Talk – Laughing Stock





Talk Talk – Laughing Stock


Besetzung:

Mark Hollis – vocals, guitar, piano, organ
Lee Harris – drums


Gastmusiker:

Mark Feltham – harmonica
Martin Ditcham – percussion
Tim Friese-Greene – organ, piano, harmonium
Levine Andrade – viola
Stephen Tees – viola
George Robertson – viola
Gavyn Wright – viola
Jack Glickman – viola
Garfield Jackson – viola
Wilf Gibson – viola
Simon Edwards– acoustic bass
Ernest Mothle – acoustic bass
Roger Smith – cello
Paul Kegg – cello
Henry Lowther – trumpet, flugel horn
Dave White – contra bass, clarinet


Label: Polydor LTD


Erscheinungsdatum: 1991


Stil: ArtPop, Postrock


Trackliste:

1. Myrrhman (5:332)
2. Ascension Day (6:01)
3. After the Flood (9:27)
4. Taphead (7:01)
5. New Grass (9:46)
6. Runeii (4:59)




Und sie haben es tatsächlich geschafft. War der Vorgänger „Spirit Of Eden“ in vielen Ansätzen schon vom Minimalismus heimgesucht oder beseelt, ganz wie man es sehen will, so wird diesem hier auf „Laughing Stock“ noch deutlich mehr gefrönt. Das wird gleich beim Opener „Myrrhman“ deutlich, einem Lied, bei dem gar nichts mehr im Vordergrund steht. Alles wirkt zart und zerbrechlich. Alles wird irgendwie nur angetestet, jedes Instrument nur ganz sanft angeschlagen. Weniger geht fast nicht, sonst herrscht Ruhe. Deutlich „lauter“ beziehungsweise lebhafter wird es anschließend auf „Ascension Day“. Hier hört man eine Melodie schon sehr viel stärker heraus und es gibt sogar richtig laute Gitarren zu hören. Das Lied lebt von seinem Spiel mit den lauten und leisen Abschnitten und stellt dabei einen richtig guten Kontrast zum ersten Track dar.

Mit „After The Flood“ folgt jedoch gleich wieder die Wende hin zu den ruhigeren Tönen. Zumindest zunächst. Langsam, ganz langsam steigert sich die Nummer und entwickelt Stimmung und Atmosphäre. In seinen fast zehn Minuten Dauer entfaltet dieses Lied eine Monotonie, die hier nicht negativ gemeint ist. Es ist eine Monotonie, die in ihrer Stimmung den Raum völlig erfüllt, sich jeder Abwechslung verweigert und gerade dadurch seine Eindringlichkeit gebiert. Atmosphärisch und zerbrechlich, wie der erste Titel des Albums, wirkt auch Song Nummer vier, „Taphead“. Ganz, ganz zart gesungen und instrumentiert wird auch bei diesem Lied eine sehr eindringliche Stimmung hervorgerufen.

Und auch die letzten beiden Stücke des Albums, „New Grass“ und „Runeii“, reihen sich hier ein. Hier wird nicht gerockt, hier wird Atmosphäre erschaffen. Das war das Ziel und genau das wurde auch in diesen beiden Titeln erreicht. Nicht mehr und nicht weniger.

Fazit: „Laughing Stock“ ist ein dichtes und intensives Album geworden. Für Leute, die bei der Musik etwas „erleben“ wollen, definitiv die falsche Scheibe. Wer auf atmosphärische Musik steht, der könnte hier etwas für sich entdecken. Auf „Laughing Stock“ befindet sich keine Musik zum Autofahren, zum „Nebenbeihören“, auch ist es keine Musik, die man sich beim Joggen auf die Kopfhörer legt. Auf „Laughing Stock“ hört man Musik, auf die man sich konzentrieren muss. Mindestens. Zehn Punkte für etwas irgendwie Außergewöhnliches.

Anspieltipps: Alle sechs Titel.




Freitag, 20. April 2012

Talk Talk – The Party’s Over





Talk Talk – The Party’s Over


Besetzung:

Mark Hollis – vocals
Simon Brenner – keyboards
Paul Webb – bass
Lee Harris – dums


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: New Wave, Pop


Trackliste:

1. Talk Talk (3:20)
2. Serious (3:19)
3. Today (3:28)
4. The Party`s Over (6:10)
5. Hate (3:56)
6. Have You Heard The News (5:05)
7. Mirror Man (3:18)
8. Another Word (3:12)
9. Candy (4:40)




1982 brachte die englische Band Talk Talk ihr erstes Album mit dem Titel „The Party’s Over“ heraus. Die Platte kam also Anfang der 80er Jahre auf den Markt und nichts anderes hört man auch auf dieser ersten Veröffentlichung der Band: Synthie Pop bis New Wave, wie man es auch von solchen Bands wie Visage oder der deutschen Band Alphaville in dieser Zeit präsentiert bekommen hat. Das Überraschende an dieser Platte hier ist allerdings, dass sich daraus in den Jahren eine Band um Mark Hollies entwickelte, die sich mit jeder Veröffentlichung radiounkompartibler präsentierte und mit ihren letzten beiden Veröffentlichungen sogar den Freunden der progressiven Rockmusik ein Lächeln auf die Lippen zauberte.

Nun zur Musik auf „The Party’s Over“. Die ist vom ersten Stück an sehr melodisch, geht ins Ohr und beschallt einen mit dem Anspruch: „Wenn Du jetzt noch keine Gute Laune hast, dann warte mal ab, bis ich mit Dir fertig bin!“ Eingängige Melodien und Rhythmen strömen da aus den Boxen, die zwar nicht übermäßig anspruchsvoll sind, einen Hörer jedoch trotzdem länger begleiten können.

Der Titeltrack „The Party’s Over“ gefällt zum Beispiel mit seiner Abwechslung, die hier geboten wird. Das Lied ist sehr eingängig, aus mehreren Teilen zusammengesetzt, wobei es manchmal sogar ein wenig asiatisch klingt. Der nächste Track „Hate“ ist anschließend sogar für Talk Talk Verhältnisse richtig treibend und fast schon „hart“ zu nennen. Auch mal eine nette Variation.

Und der letzte Song, „Candy“, zeigt schließlich schon sehr gut auf, wohin die Reise für Talk Talk gehen würde. Das ist natürlich noch kein richtig progressives Lied, aber beileibe auch keine 08/15 Popnummer mehr. Da hat sich jemand schon richtig viel Gedanken gemacht über Stimmungen, Rhythmen und Melodien.

Fazit: Dieses Debut-Album von Talk Talk wird nie auch nur im Geringsten langweilig. Vielmehr fängt es den Hörer immer wieder ein. Klar, solch ein Hit wie „Such A Shame“, der dann auf dem Nachfolger zu finden ist, der fehlt auf „The Party’s Over“. Und es ist auch noch ganz andere Musik auf diesem Album zu hören, wie auf den letzten beiden Veröffentlichungen der Band. Wer allerdings auf „It’s My Life“ und auf „The Colour Of Spring“ Ansätze für sich findet, der dürfte ebenfalls auf „The Party’s Over“ ab und zu das Passende für sich entdecken. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Talk Talk, Today, The Party’s Over, Hate, Candy



Sonntag, 8. April 2012

Talk Talk – Spirit Of Eden





Talk Talk – Spirit Of Eden


Besetzung:

Mark Hollis – vocals, piano, organ, guitar
Lee Harris – drums
Paul Webb – bass


Gastmusiker:

Tim Friese-Greene – harmonium, piano, organ, guitar
Martin Ditcham – percussion
Robbie McIntosh – dobro, 12 string guitar
Mark Feltham – harmonica
Simon Edwards – mexican bass
Danny Thompson – double bass
Henry Lowther – trumpet
Nigel Kennedy – violin
Hugh Davies – shozygs
Andrew Stowell – bassoon
Michael Jeans – oboe
Andrew Marriner – clarinet
Christopher Hooker – cor anglais
Choir Of Chelmsford Cathedral – vocals


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1988


Stil: ArtPop, Postrock


Trackliste:

1. The Rainbow (8:02)
2. Eden (7:40)
3. Desire (7:17)
4. Inheritance (5:24)
5. I Believe In You (6:16)
6. Wealth (6:44)




Mein Gott kann sich eine Band ändern. Nur wenige Jahre zuvor standen Talk Talk für eingängigen Synthie-Pop, der radio- und zugleich discotauglich war. Da wurde mit in die Ohren gehenden Melodien und groovenden Rhythmen abgetanzt, was das Zeug hält. Dann jedoch setze eine Entwicklung ein, die 1988, mit dem vierten Album der Briten um Mark Hollis, ihren Höhepunkt fand. Nicht mehr mainstreammäßiger Pop war angesagt, keine Hitparaden oder Charts galt es mehr zu erklimmen, progressive Musik in Form eines gewissen Minimalismus wurde dem geneigten Hörer jetzt serviert. Und das bei einem Label wie EMI – nicht auszudenken, wie die entsprechenden Manager damals bei der ersten Präsentation der Musik reagiert haben.

Was sich auf der dritten Veröffentlichung „The Colour Of Spring“ schon bei dem einen oder anderen Song andeutete, das wurde hier auf „Spirit Of Eden“ perfektioniert. Nicht die Melodie oder der Rhythmus stehen im Mittelpunkt, es ist die Atmosphäre, die über die Musik transportiert wird, die den zur Verfügung stehenden Raum einnimmt. Nicht wenige Talk Talk Fans der ersten Stunde werden die Hände über den Kopf zusammengeschlagen haben, als sie „Spirit Of Eden“ das erste Mal hörten. Der Wiedererkennungswert liegt ganz klar in der nuschelnden Stimme Mark Hollis, das war es dann aber auch schon.

Die Instrumente in den einzelnen Liedern werden meist nur angespielt, soll heißen, sie stehen, wie alles auf dem Album, irgendwie im Hintergrund. Nur ganz, ganz selten wird es mal lauter oder krachiger. „Eden“ zum Beispiel lebt von diesem Spiel zwischen laut und leise. Immer wieder gibt es in diesem Stück Abschnitte, die sich in den Vordergrund spielen, um sich dann, nur wenige Augenblicke später, wieder zurückzuziehen. Beim Opener „The Rainbow“ werden diese Akzente durch eine Mundharmonika gesetzt, bei „Desire“, dem dritten Titel des Albums, beteiligt sich die ganze Band an diesem musikalischen Stilmittel.

Bei den folgenden Stücken schreitet der Minimalismus der Musik auf „Spirit Of Eden“ noch weiter voran und findet seinen Höhepunkt im letzten Stück des Albums, „Wealth“. „Wealth“ ist das ruhigste Lied, welches ich je gehört habe. Noch stiller, noch leiser, noch zurückhaltender kann Musik gar nicht mehr sein.

Fazit: Ein unglaublich ruhiges, allerdings auch intensives Album haben Talk Talk mit ihrer vierten Veröffentlichung „Spirit Of Eden“ auf den Markt gebracht. Dass dieses Album musikalischer Selbstmord war, das steht außer Frage. Ganz gewiss ist das keine Musik für jeden. Der- oder diejenige, der oder die Talk Talk durch die ersten Platten schätzen- und lieben gelernt hat, sollte vor dem Kauf von „Spirit Of Eden“ unbedingt erst mal in die Musik reinhören. Hier erschließen sich dem Hörer völlig andere Klangwelten. Klangwelten, die einen in der richtigen Stimmung packen können und so schnell nicht mehr loslassen werden. „Spirit Of Eden“ ist eine gute, allerdings auch sehr schwere Platte, für die es zehn Punkte gibt.

Anspieltipps: Alle sechs Titel.



Dienstag, 13. März 2012

Talk Talk – The Colour Of Spring





Talk Talk – The Colour Of Spring


Besetzung:

Mark Hollis – vocals, piano, variophon, organ, mellotron, melodica, guitar
Lee Harris – drums
Paul Webb – bass, backing vocals


Gastmusiker:

Phil Reis – percussion
Morris Pert – percussion
Martin Ditcham – percussion
Danny Thompson – acoustic bass
Alan Gorrie – bass
Steve Winwood – organ
Gaynor Sadler – harp
Robbie McIntosh – guitar, dobro
Tim Friese-Greene – piano, organ, mellotron, variophon
David Roach – soprano saxophone
Ian Curnow – instrumental
David Rhodes – guitar
Mark Feltham – harmonica
Ambrosia Choir – vocals


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1986


Stil: Pop, ArtPop


Trackliste:

1. Happiness Is Easy (6:31)
2. I Don't Believe In You (5:02)
3. Life's What You Make It (4:29)
4. April 5th (5:52)
5. Living In Another World ( 6:58)
6. Give It Up (5:17)
7. Chameleon Day (3:20)
8. Time It's Time (8:14)




Im Jahr 1986 erschien die dritte Platte der britischen Band Talk Talk. „The Colour Of Spring“ heißt dieses Album und auf ihm war ganz deutlich eine Entwicklung festzustellen: Aus der ehemaligen Synthi-Pop-Band Talk Talk war eine Formation geworden, die zwar immer noch Pop-Musik auf dem allerhöchsten Niveau fabrizierte, nun aber neben den Pop-Klängen auch ganz andere Töne und Stile zuließ. Die Musik auf „The Colour Of Spring“ war nicht mehr durchgehend radiotauglich, die Musik wurde eklektizistisch, abwechslungsreicher und vielschichtiger.

Aber auch auf „The Colour Of Spring“ gibt es diese Titel, die sofort ins Ohr gehen und einen nicht mehr loslassen. Das beginnt gleich mit der ersten Nummer „Happiness Is Easy“. „Glück ist einfach“ nuschelt Mark Hollis da auf Englisch. Und wenn dazu dann der Kindergartenchor einsetzt, dann passiert etwas in einem. Das Ganze verpackt in einer getragenen Popnummer und Talk Talk schafft es, wie kaum eine andere Band, Stimmungen zu produzieren. Diese entsprechen beim ersten Stück allerdings nicht dem „Glücklich sein“, sondern sehr viel eher der süßen Melancholie.

Schon ein bisschen weniger poppig wird es dann bei „I Don’t Believe In You“. Hier bestimmt, entsprechend dem Titel des Stücks, eine traurige Stimmung die Gefühlslage und hüllt den Hörer damit vollkommen ein. Ebenso mitreißend, allerdings wieder einen Tick fröhlicher und sogar tanzbar ist „Life’s What You Make It“. Eine schöne rhythmische Nummer, bei dem eine kleine, dem Lied zugrunde liegende Melodie, auf dem Keyboard fast mantrartig wiederholt wird und das Stück somit fast ein bisschen hypnotisierend werden lässt.

„April 5th“ geht dann schon sehr in die Richtung Musik, die Talk Talk auf den nächsten beiden Platten bis zur Perfektion ausleben wird. Eine Art Minimalismus herrscht hier vor. Das Ganze hat nun auch nur noch am Rande etwas mit Pop-Musik zu tun. Was hier zu hören ist, das ist längst nicht mehr so populär wie „Such A Shame“ zum Beispiel. „April 5th“ lebt von der Atmosphäre. Die Wichtigkeit einer schönen Melodie tritt deutlich in den Hintergrund, das Erzeugen von Stimmungen ist jetzt die Aufgabe der Musik geworden.

Allerdings schon beim nächsten Stück, „Living In Another World“, ist das alles wieder Makulatur. Hier stehen jetzt wieder die Beats im Vordergrund - und eine packende Melodie. Dazu gesellt sich, zum Verdichten des Sounds, noch ein fetter Orgelklangteppich, der selbst Jon Lord von Deep Purple zu Ehren gereicht hätte. Das Ganze in Kombination mit einer Mundharmonika und ein weiterer Höhepunkt im Schaffen von Talk Talk war geboren.

„Give It Up“ geht ebenfalls wieder in die Richtung „eingängige Popnummer“, vermittelt dabei allerdings erneut sehr viel Atmosphäre. Auch bei diesem Stück gibt es wieder einen fetten Orgelsound zu hören, für den sich Steve Winwood auszeichnet. Der kürzeste Track des Albums, „Chameleon Day“, nimmt dann erneut schon sehr viel von den nächsten beiden Alben vorweg. Ähnlich wie bei „April 5th“, ist hier ein wunderschöner Minimalismus zu hören. Alles, Instrumente wie Gesang, werden hier irgendwie nur angetestet, nur ganz zurückhaltend angeboten, bleiben im Hintergrund, obwohl sich im Vordergrund rein gar nichts abspielt. Nur ganz kurz bricht Mark Hollis mit seinem Gesang aus diesem Klanggebilde aus, um „Breathe on me, Eclipse my mind, It's in some kind of disarray, Killing time, I cradle far, Chameleon Days, Chameleon Day“ herauszustoßen. Besser kann man Musik kaum akzentuieren.

Zunächst poppig, dann immer hymnischer, wird das Album mit „Time It’s Time“ beendet. Auf über acht Minuten ziehen Talk Talk hier noch mal alle Register des Liederschreibens. Man hört schöne Melodien, einen groovenden Rhythmus, dichte Hintergrund-Chorpassagen, fröhliche Variophon- und Melodica-Instrumentalabschnitte und eine, den Hörer immer wieder einfangende Stimmung und Atmosphäre.

Fazit: Ein unglaublich dichtes und gleichzeitig abwechslungsreiches Album ist Talk Talk mit „The Colour Of Spring“ gelungen. Wunderschöne Melodien eröffnen sich hier dem Hörer, die mal zum Nachdenken und In-Sich-Gehen, mal zum Mitwippen einladen. Schade ist nur, dass das Album nach dem achten Lied bereits endet. Aber dann eben noch mal von vorne. 12 Punkte.

Anspieltipps: Jeder der acht Titel.



Mittwoch, 24. August 2011

Talk Talk – It’s My Life






Talk Talk – It’s My Life


Besetzung:

Mark Hollis – vocals
Lee Harris – drums
Paul Webb – bass


Gastmusiker:

Tim Friese-Greene – keyboards
Ian Curnow – keyboards
Phil Ramocon – piano
Robbie McIntosh – guitar
Morris Pert – percussion
Henry Lowther – trumpet


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: New Wave / Pop


Trackliste

1. Dum Dum Girl (3:51)
2. Such A Shame (5:42)
3. Renée (6:22)
4. It's My Life (3:53)
5. Tomorrow Started (5:57)
6. The Last Time (4:23)
7. Call In The Night Boy (3:47)
8. Does Caroline Know? (4:40)
9. It's You (4:41)




Auf diesem Album, It’s My Life, zeigen die Mannen um Mark Hollies bereits, dass sie in der Lage sind sehr viel anspruchsvollere New Wave- beziehungsweise Popmusik zu produzieren, als der Großteil ihrer Bandkollegen Mitte der 80er Jahre.

Der bekannteste Song auf der Platte ist mit Sicherheit „Such A Shame“, wenn nicht sogar das bekannteste Stück der ganzen Band-Geschichte. Wahrlich ein klasse Stück Musik, sehr eingängig mit einer tollen Melodie, bei dem es sich lohnt, auch mal das Video anzusehen.

Die zweite Singleauskopplung war „It’s My Life“, ein typisches Synthipop-Lied, welches längst nicht an die Klasse von „Such A Shame“ herankommt, ohne dabei richtig schlecht zu sein. Aber dem Stück fehlt das „gewisse Etwas“.

Und da wären wir schon bei den nicht so bekannten Liedern des Albums. Dieses wird eröffnet mit dem toll instrumentierten „Dum Dum Girl“, bei dem auf dem Synthesizer flötenähnliche Töne produziert werden, die dem Lied im Refrain diesen schönen, ungewöhnlichen Touch geben. Sonst ist das Stück eine ganz nette New Wave Nummer.

Der dritte Track auf dem Album heißt „Renée“. Ein sehr ruhiges Lied und mit deutlich über sechs Minuten auch das längste Lied auf der CD. Hier zeigen die Musiker von Talk Talk bereits, wohin die Reise auf den nächsten Alben gehen wird: Weg von der radiotauglichen Musik, hin zu fast schon progressiven Ansätzen, ohne, dass hier natürlich ein Vergleich, zum Beispiel mit den frühen Genesis, standhalten könnte. „Tomorrow Started” beginnt ähnlich wie “Such A Shame”, entwickelt sich dann allerdings in eine ganz andere Richtung. In diesem Lied geht es weiter weg vom Synthie-Pop, was auch der Einsatz einer Trompete belegt.

„The Last Time“, „Call In The Night Boy“ und “It’s You” sind dann wieder typische Poplieder, wie sie Mitte der Achtziger „in“ waren. Nichts Besonderes, aber man muss auch nicht gleich auf der Fernbedienung weiterskippen, um zum nächsten Track zu gelangen.

Bliebe noch „Does Caroline Know“ zu erwähnen, welches von einem ganz interessanten Basslauf und langgezogenen Synthesizerklängen lebt. Ansonsten ist das Stück allerdings ein wenig monoton und schafft es durch genau diese Eintönigkeit nicht, mich zu begeistern.

Fazit: Auf „It’s My Life“ zeigen die Musiker von Talk Talk im Ansatz, wohin die Reise auf zukünftigen Veröffentlichungen gehen wird. Das Album beinhaltet einige ganz nette Stücke, ohne vollständig überzeugen zu können. Von mir gibt es daher für dieses Werk sieben Punkte.

Anspieltipps: Dum Dum Girl, Such A Shame, Renée