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Freitag, 24. Januar 2025

The Cranberries – Bury The Hatchet

 



The Cranberries – Bury The Hatchet


Besetzung:

Dolores O'Riordan Burton – vocals, guitar, keyboards
Noel Hogan – acoustic and electric guitars
Mike Hogan – bass guitar
Fergal Lawler – drums, percussion




Erscheinungsjahr: 1999


Stil: Rock


Trackliste:

1. Animal Instinct (3:31)
2. Loud And Clear (2:45)
3. Promises (5:27)
4. You And Me (3:35)
5. Just My Imagination (3:41)
6. Shattered (3:42)
7. Desperate Andy (3:44)
8. Saving Grace (3:08)
9. Copycat (2:53)
10. What‘s On My Mind (3:12)
11. Delilah (3:32)
12. Fee Fi Fo (4:47)
13. Dying In The Sun (3:32)
14. Sorry Son (3:28)

Plus fünf Extratitel aus der Zeit:

15. Baby Blues (2:38)
16. Sweetest Thing (3:34)
17. Woman Without Pride (2:26)
18. Such A Shame (4:23)
19. Paparazzi On Mopeds (4:33)

Gesamtspieldauer: 1:08:41



„Bury The Hatchet“ heißt das vierte Studioalbum der irischen Alternative Rock Band The Cranberries. Das Album wurde am 19. April 1999 auf dem Plattenlabel Island Records veröffentlicht. Es ist das erste Album der Cranberries, nachdem aufgrund einer stressbedingten Erkrankung während der Nordamerikatournee 1996 Dolores O‘Riordan dringend eine Auszeit benötigte und die Band sich zum ersten Mal aufgelöst hatte.

Inhaltlich beschäftigen sich die Lieder auf „Bury The Hatchet“ mit den Themen Mutterschaft und Kindern (Dolores O’Riordan war in dieser Zeit auch zum ersten Mal Mutter geworden) bis hin zu Scheidung und Kindesmissbrauch. Das Albumcover wurde von Storm Thorgerson gestaltet, der auch für viele Albumcover von Pink Floyd verantwortlich ist. Es zeigt einen nackten Mann, der von einem riesigen Auge in einer kargen Landschaft beobachtet wird.
Musikalisch kann „Bury The Hatchet“ nicht mehr so überzeugen wie noch die beiden Vorgängeralben „To The Faithful Departed“ und „No Need To Argue“. Die Lieder bewegen sich auf diesem ersten Album nach der Wiedervereinigung der Band alle im Genrebereich zwischen Pop und Rock und fließen etwas dahin. Das Lied „Promises“ wurde als Single ausgekoppelt und konnte sich zumindest noch in den Charts platzieren. Den weiteren Singleauskopplungen „Animal Instinct“, „Just My Imagination“ und „You And Me“ gelang dies nicht mehr.

Dies liegt wohl daran, dass die Nummern sehr unspektakulär „durchlaufen“ und eben nicht mehr unbedingt sofort im Ohr hängenbleiben. Freilich klingt das ganze Album noch hörenswert, jedoch auch leider irgendwie austauschbar und an manchen Stellen gar etwas langweilig. Dabei lohnt es sich „Bury The Hatchet“ öfters aufzulegen, um sich die einzelnen Lieder noch besser zu erschließen, die dann tatsächlich auch an Wiedererkennungswert gewinnen. Der „besondere Titel“, das herausstechende Lied fehlt allerdings auch noch nach vielen Durchläufen. Somit ist „Bury The Hatchet“ wahrlich kein schlechtes Album geworden, allerdings auch kein weiteres Meisterwerk der Cranberries.

Fazit: Durchaus eingängigen Pop und Rock hört man auf „Bury The Hatchet“. Es lohnt die Scheibe öfters aufzulegen und die Lieder werden noch vertrauter und prägen sich noch besser ein. An die Qualität der vorherigen Alben der Cranberries reicht „Bury The Hatchet“ allerdings nicht mehr heran. Dazu sind die einzelnen Titel dann oftmals doch zu gewöhnlich – leider. Acht Punkte.

Anspieltipps: Shattered, Fee Fi Fo, Dying In The Sun



Montag, 21. März 2022

Moby – Play

 



Moby – Play


Besetzung:

Moby – instruments, vocals on "Porcelain", "South Side", "Machete", "If Things Were Perfect", "The Sky Is Broken"


Gastmusiker:

Pilar Basso – additional vocals on "Porcelain"
Reggie Matthews – additional vocals on "If Things Were Perfect"
Nikki D – additional vocals on "Bodyrock"
The Shining Light Gospel Choir – vocals on "Why Does My Heart Feel So Bad?"




Erscheinungsjahr: 1999


Stil: Electronica, Downtempo


Trackliste:

1. Honey (3:28)
2. Find My Baby (3:59)
3. Porcelain (4:01)
4. Why Does My Heart Feel So Bad? (4:24)
5. South Side (3:49)
6. Rushing (3:58)
7. Bodyrock (3:00)
8. Natural Blues (4:13)
9. Machete (3:37)
10. 7 (1:02)
11. Run On (3:45)
12. Down Slow (1:34)
13. If Things Were Perfect (4:18)
14. Everloving (3:25)
15. Inside (4:48)
16. Guitar Flute & String (2:09)
17. The Sky Is Broken (4:18)
18. My Weakness (3:37)

Gesamtspieldauer: 1:03:12



„Play“ nannte der US-Amerikaner Richard Melville Hall, der natürlich unter seinem Pseudonym „Moby“ sehr viel bekannter ist, sein fünftes Studioalbum. „Play“ wurde am 17. Mai 1999 auf dem Plattenlabel Mute Records veröffentlicht. Nachdem das Album zu Beginn eher mäßige Verkaufszahlen aufwies erreichte es nach Monaten dann doch noch die Spitzenplätze zahlreicher, englischsprachiger Albumcharts. In Deutschland kletterte das Album dagegen lediglich bis auf Platz 21 der Charts. Inzwischen ist „Play“ mit über zwölf Millionen verkauften Exemplaren weltweit das meistverkaufte Electronica-Album aller Zeiten und wurde in den Jahren 2003 und 2012 vom Rolling Stone Magazine auf Platz 341 der Liste der 500 besten Alben aller Zeiten gesetzt.

Nun, auf „Play“ findet sich überaus eingängige Musik, die zudem größtenteils auch noch tanzbar ist. Ganz egal ob mit rhythmischen, elektronischen Beats versehen oder ganz sanft mit akustischer Gitarre, Flöte und Streicher eingespielt, die musikalische Palette auf „Play“ ist sehr groß und weit. Und allen diesen Liedern ist gemein, dass sie sich ganz schnell im Ohr festzusetzen verstehen. Mit jedem weiteren Durchlauf des Albums wird dieser Eindruck nochmals intensiver und verstärkt. Es ist diese Mannigfaltigkeit in der Musik, Electronica trifft auf akustische Titel, die beim Hören niemals Langeweile aufkommen lässt. Dabei treffen auch sphärische Arrangements auf Hip-Hop-Passagen, die sich dann in kleine Rocker wandeln – und selbst dies scheint irgendwie zusammen zu passen.

„Play“ ist ein kurzweiliges, insgesamt optimistisch bis fröhlich klingendes Album geworden, auf dem jede und jeder etwas für sich finden kann. Das ist nicht immer wein Qualitätsmerkmal, denn zu viele Einflüsse können ein Album auch verderben und nicht mehr fassbar werden lassen. Doch genau das passiert auf „Play“ glücklicherweise nicht. Unterschiedliche Musikstile scheinen hier ineinander zu fließen und zusammen zu gehören. Und selbst Musikrichtungen, die einem im Allgemeinen nicht so zusagen oder begeistern können werden auf dieser Platte deutlich zugänglicher. Höhepunkte des Albums sind das groovige „Natural Blues“, die verträumte Nummer „Everloving“ sowie das kurze „Guitar Flute & String“, welches bereits in seinem Namen die vorherrschende Stimmung trägt. Ausfälle gibt es bei den insgesamt achtzehn Titeln keine zu verzeichnen. Jedes Lied hat was.

Fazit: „Play“ von Moby ist ein unglaublich vielschichtiges Album geworden. Und selbst wenn man mit Electronica nicht so viel anfangen kann, Moby bereitet diese Musikrichtung für ein breiteres Publikum auf und lässt es zugänglich werden. Dazu gibt es akustische Ausflüge, die sanft und melodiös aus den Boxen zu fließen scheinen. Abwechslungsreichtum pur, verbunden mit ganz viel Eingängigkeit. Elf Punkte.

Anspieltipps: Natural Blues, Everloving, Guitar Flute & String



Donnerstag, 17. März 2022

Nine Inch Nails – The Fragile

 



Nine Inch Nails – The Fragile


Besetzung:

Trent Reznor – vocals, programming
Charlie Clouser – keyboards, synthesizers, programming and additional sound design
Danny Lohner – drum programming, synthesizers, guitars (tracks 1, 7, 8, 12, 15 and 19)
Jerome Dillon – drums (track 5)


Gastmusiker:

Adrian Belew – guitars (tracks 7, 12 and 15)
Roy C. Bennett – guitars
Clinton Bradley – programming
Paul Bradley – programming
Paul DeCarli – programming
Steve Duda – programming and percussion (track 9), chorus (tracks 9 and 18), violin (track 23), additional sound design
Ken Friedman – additional sound design
Mike Garson – piano (tracks 7, 13 and 23)
Toni Halliday – additional vocals
Page Hamilton – guitar (track 10)
Dan Hill – additional vocals
Keith Hillebrandt – programming (track 13), chorus (tracks 9 and 18), additional sound design
Cherry Holly – trumpet (track 9)
Martin Kierszenbaum – additional programming
John Lewis – piano
Denise Milfort – vocals (track 11)
Kim Prevost – vocals (track 14)
Porter Ricks – keyboards, programming and synthesizer
Bill Rieflin – drums (track 11)
Tony Thompson – drums
Willie – cello (track 11)




Erscheinungsjahr: 1999


Stil: Industrial Rock


Trackliste:

Left Disc

1. Somewhat Damaged (4:31)
2. The Day The World Went Away (4:33)
3. The Frail (1:54)
4. The Wretched (5:25)
5. We‘re In This Together (7:16)
6. The Fragile (4:35)
7. Just Like You Imagined (3:49)
8. Even Deeper (5:47)
9. Pilgrimage (3:31)
10. No, You Don't (3:35)
11. La Mer (4:37)
12. The Great Below (5:17)

Right Disc

1. The Way Out Is Through (4:17)
2. Into The Void (4:49)
3. Where Is Everybody? (5:40)
4. The Mark Has Been Made (5:15)
5. Please (3:30)
6. Starfuckers, Inc. (5:00)
7. Complication (2:30)
8. I‘m Looking Forward To Joining You, Finally (4:13)
9. The Big Come Down (4:12)
10. Underneath It All (2:46)
11. Ripe (With Decay) (6:34)

Gesamtspieldauer CD1 (54:57) und CD2 (48:50): 1:43:47



„The Fragile“ heißt das dritte Studioalbum der US-amerikanischen Industrial-Rock-Band Nine Inch Nails, welches am 21. September 1999 als Doppelalbum auf dem Plattenlabel Interscope Records veröffentlicht wurde. Das Album kletterte in den USA bis auf Platz eins der US Billboard 200 Charts und erreichte in Deutschland immerhin Platz 17.

Inhaltlich knüpft „The Fragile“ sehr an das Vorgängeralbum von 1994 „The Downward Spiral“ an. Unter anderem geht es auch auf diesem neuen Album textlich um Depressionen und Drogenmissbrauch. Doch musikalisch klingt das dritte Album der Nine Inch Nails anders. Die Musik von Trent Razor, der wieder alle Titel schrieb und lediglich bei vier Nummern Unterstützung bekam, ist etwas eingängiger und zugänglicher geworden. Zwar hört man auch auf „The Fragile“ Industrial Rock, der durchaus auch mal brachial klingen kann, doch nun gibt es auch die sanfteren Momente, seien sie von eingängiger oder von sphärischer Natur. Die Musik lockert das auf jeden Fall insgesamt auf und einige der Titel gehen dabei sogar gut ins Ohr.

Dies gilt vor allen Dingen für die erste Scheibe, hier auch „Left Disc“ genannt. Die beiden Stücke „We‘re In This Together“ sowie „Just Like You Imagined“ überzeugen dabei am meisten und klingen auch für einen eher an Alternative Rock interessierten Musikhörer interessant. Ansonsten gibt es keine richtigen Ausfälle auf dieser langen Platte, die mit eindreiviertel Stunden Laufzeit einiges für die Hörerin und den Hörer bereithält. Klar hilft es dabei, wenn man den schroffen und schrillen Tönen auch etwas aufgeschlossener gegenübersteht, doch diese scheinen durchaus etwas gezähmt aus den Boxen zu mäandern, sodass „The Fragile“ insgesamt gut unterhält.

Fazit: Etwas mehr Alternative Rock und etwas weniger Industrial Rock gibt es auf „The Fragile“ zu hören. Das kommt dem Massengeschmack natürlich etwas entgegen, denn die Lieder des Albums gehen zum Teil sogar ins Ohr. Zudem bringt die weite Spannbreite der Musik, von sphärisch über rockig bis schrill einiges an Abwechslung mit sich, sodass „The Fragile“ niemals langweilig klingt. Hörenswert. Neun Punkte.

Anspieltipps: We‘re In This Together, Just Like You Imagined



Mittwoch, 1. Dezember 2021

Tocotronic – K.O.O.K.

 



Tocotronic – K.O.O.K.


Besetzung:

Dirk von Lowtzow – Gitarre, Gesang, Synthesizer auf 1, 13, 15 und Klavier auf 8
Jan Müller – Bassgitarre, Synthesizer auf 8, 16
Arne Zank – Schlagzeug, Slide-Guitar auf 3, linke Gitarre und Programmierung auf 7, Spezialeffekt, Melodie-Gitarre und Triangel auf 11, Gitarrenbits auf 15


Gastmusiker:

Micha Acher – Bläserarrangements auf 2, 5, 17 und Steicherarrangements auf 10, 14, 17, Flügelhorn auf 2
Thies Mynther – Synthesizer auf 3,4,5 und Spezialeffekt auf 1 und Klavier auf 3
Carol von Rautenkranz – Panflöte auf 4
Hubert Pilstl – Waldhörner auf 2, 5, 17
Ulrich Wangenheim – Baßklarinette auf 2,5 und Tenorsaxophon auf 5
Dascha Lukaschewitsch – Celli auf 10, 14
Luciana Beleaeva – Geigen auf 14, 17
Jefimija Brajovic – Geigen auf 14
Daniel Eichholz – Becken ã Due auf 14




Erscheinungsjahr: 1999


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. K.O.O.K. (2:26)
2. Das Unglück muss zurückgeschlagen werden (4:20)
3. Jackpot (3:13)
4. Die Grenzen des guten Geschmacks 1 (3:40)
5. Let there be Rock (3:58)
6. Unter der Schnellstraße (2:34)
7. Tag ohne Schatten (2:40)
8. Das Geschenk (6:56)
9. Das sind keine Rätsel (4:47)
10. Jenseits des Kanals (4:11)
11. Der gute Rat (2:21)
12. Um die Ecke (gedacht) (3:02)
13. Die neue Seltsamkeit (4:46)
14. Morgen wird wie heute sein (4:23)
15. Die Grenzen des guten Geschmacks 2 (2:36)
16. Rock Pop in Concert (3:51)
17. 17 (11:18)

Bonus Tracks der Wiederveröffentlichungen:

18. Ja (3:52)
19. K.O.O.K. (Take 2) (2:31)

Gesamtspieldauer: 1:17:34



„K.O.O.K.“ heißt das fünfte Studioalbum der deutschen Rockband Tocotronic. Es erschien am 26. Juli 1999 ursprünglich auf dem Plattenlabel L’age d’or. Auch eine englischsprachige Version des Albums wurde veröffentlicht, die allerdings nicht in Deutschland zu beziehen war. Im Jahr 2009 wurde das Album wiederveröffentlicht und enthält die beiden Bonustitel „Ja“ sowie eine alternative Version des Titelliedes „K.O.O.K.“.

„K.O.O.K.“ klingt sehr viel rauer als die späteren Veröffentlichungen von Tocotronic und dabei doch zugänglicher als die ersten Alben der Band. Mit „K.O.O.K.“ wurde die Musik von Tocotronic zum Teil zugänglicher und dementsprechend auch kommerziell erfolgreicher. Immerhin platzierte sich die Scheibe auf Platz 7 der deutschen Charts. Vorher war noch kein Album der Band in die Top Ten eingetreten. Die nachfolgenden Alben – Stand 2021 – sollten allerdings noch erfolgreicher werden.

So richtig eingängig klingt „K.O.O.K.“ selten, dafür an der einen oder anderen Stelle neben rau und ungeschliffen auch noch etwas schräg. Somit benötigt man durchaus einige Durchläufe, um sich diese Lieder auch wirklich zu erschließen – allerdings nicht immer klappt dies endgültig. Manche der Titel bleiben einem auch längerfristig verschlossen.

Doch dann befinden sich auf „K.O.O.K.“ eben doch auch wahre Höhepunkte, die Spaß machen gehört zu werden. Dies wären die Lieder „Das Geschenk“, „Jenseits des Kanals“ sowie „Morgen wird wie heute sein“. „Das Geschenk“ klingt so wunderbar rau und roh, als ob Tocotronic es zu Beginn einfach laufen lassen, meditativ ein Thema auswalzen, bis sich der Titel langsam steigert. Das klingt weder kommerziell noch angepasst und trotzdem wunderbar einnehmend. „Jenseits des Kanals“ ist eine getragene Nummer, die einen mit ihrer Atmosphäre ganz schnell einfängt. Und auch hier spielt die Steigerung im Titel eine große Rolle. Bei „Morgen wird wie heute sein“ verhält es sich ähnlich. Dieses Mal kommen sogar noch Streicher mit zum Einsatz.

Nun aber zum eigentlichen Höhepunkt auf „K.O.O.K.“. Das Lied „17“, über elf Minuten lang. Die Band entwickelt das Lied langsam, vorsichtig, nimmt sich dafür jede Menge Zeit. Das mag für die eine oder den anderen etwas langwierig klingen, denn es passiert das ganze Lied über wahrlich nicht allzu viel. Wenn man es allerdings schafft in dieser Stimmung einzutauchen, dann klingt „17“ fast schön betörend, ganz sicher meditativ. Klasse gemacht und ohne Kompromisse durchgezogen.

Fazit: Es begeistert nicht alles auf „K.O.O.K.“, welches in den seltensten Fällen kommerziell und niemals anbiedernd klingt. Trotzdem stellte dieses Album den Durchbruch für Tocotronic dar. Die Höhepunkte auf dem Album ragen heraus, nur wenige Lieder sind dabei nicht hörenswert, ein Teil der Stücke läuft hingegen einfach so mit. Insgesamt überzeugt „K.O.O.K.“ dann aber doch und wird zu einem gelungenen Album, welches sich lohnt gehört zu werden, wenn man sich auch gerne mal eine Platte erschließt. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Das Geschenk, Jenseits des Kanals, Morgen wird wie heute sein, 17



Mittwoch, 9. Juni 2021

Blur – 13

 



Blur – 13


Besetzung:

Damon Albarn – vocals, piano, keyboards, synthesizers, acoustic guitar, melodica, backing vocals on "Coffee & TV"
Graham Coxon – lead and rhythm guitars, banjo, saxophone, lead vocals on "Coffee & TV" and co-lead vocals on "Tender", backing vocals
Alex James – bass guitar, backing vocals, double bass on "Tender"
Dave Rowntree – drums, percussion


Gastmusiker:

The London Community Gospel Choir – vocals on "Tender"
Jason Cox – additional drums on "Battle"




Erscheinungsjahr: 1999


Stil: Pop, Rock, Art Rock


Trackliste:

1. Tender (7:40)
2. Bugman (4:47)
3. Coffee & TV (5:58)
4. Swamp Song (4:36)
5. 1992 (5:29)
6. B.L.U.R.E.M.I. (2:52)
7. Battle (7:43)
8. Mellow Song (3:56)
9. Trailerpark (4:26)
10. Caramel (7:38)
11. Trimm Trabb (5:37)
12. No Distance Left To Run (3:27)
13. Optigan 1 (2:34)

Gesamtspieldauer: 1:06:50



Einst stand die englische Band neben Oasis für Brit Pop, der damals die Welt eroberte. Mit ihrem sechsten Studioalbum, welches den Titel „13“ trägt, hatten sich Blur schließlich ganz weit von ihren Ursprüngen entfernt. „13“, das am 15. März 1999 auf dem Plattenlabel Food Records erschein vereint viele oftmals sehr verschiedene musikalische Genres und klingt dabei auch immer wieder richtiggehend experimentell. Das Album stieg auf Platz 1 der UK-Album-Charts ein, womit es das vierte Studioalbum von Blur in Folge war, welches diese Spitzenposition erreichte. „13“ sollte zudem für über ein Jahrzehnt die letzte in der Originalbesetzung eingespielte Platte von Blur bleiben, da Gitarrist Graham Coxon die Band während der Aufnahmen zum nächsten Album „Think Tank“ verließ und erst beim bisher letzten Album der Band, „The Magic Whip“ wieder zurückkehrte. Die Lieder „Tender“, „Coffee & TV“ sowie „No Distance Left To Run“ wurden als Singles ausgekoppelt und konnten sich auch allesamt in den britischen Single-Charts positionieren.

Auf „13“ hört man poppige Titel, Lieder mit leichtem Gospel-Einschlag, verzerrte und experimentell klingende Nummern, psychedelische Stücke, rockige Lieder, punkige Lieder. Dies alles auf einer Platte, die mit diesen musikalischen Genres spielt und dabei trotzdem nicht uneinheitlich oder gar unausgegoren klingt. Blur schaffen es, diese unterschiedlichen Titel zu einem großen Ganzen zu vereinen. Die Stilbrüche sind dementsprechend gewollt und immer wieder fangen einen beim Hören besondere Melodien ein, um schließlich beim nächsten Titel wieder einen sehr schrägen Eindruck zu hinterlassen.

Höhepunkte des Albums sind das langsam beginnende und sich zu einer fast schon experimentellen Nummer steigernde „1992“, welches neben sehr melodiösen Akkorden auch dissonante Tönen aufweist. Und schließlich hört man auf „13“ das ebenfalls sanfte und wunderschöne und sehr eingängige „Mellow Song“. Auch bei diesem Titel gilt, er endet nicht so, wie er startet. Erneut klingt das Stück im Liedverlauf experimenteller, schräger und auf eine ganz bestimmte Art und Weise undurchsichtiger. Spannend allemal. Schließlich sei an dieser Stelle auch noch das herrlich psychedelisch klingende „Caramel“ erwähnt, welches ebenfalls völlig unangepasst ausläuft.

Fazit: „13“, das sechste Studioalbum von Blur hört sich alles andere als einfach an. Viele musikalische Genres werden hier auf einem Album vereint. Trotzdem klingt die Musik niemals konstruiert, auch nicht durch diesen Stilmix. Es gibt viel zu entdecken auf „13“. Keine dreizehn, jedoch zehn Punkte.

Anspieltipps: 1992, Mellow Song



Samstag, 3. April 2021

Ritual – Superb Birth




Ritual – Superb Birth


Besetzung:

Johan Nordgren – drums, backing vocals
Patrick Lundström – vocals, guitars
Fredric Lindqvist – bass, bouzouki
Jon Gamble – pianos, organs, synthesizers


Gastmusiker:

Mats "Gaffa" Karlsson – lap steel on 6/8
Christian Sahlin – cello on 6/8
Louisa Hallstedt – violin and viola on 6/8




Erscheinungsjahr: 1999


Stil: Rock, Hard Rock


Trackliste:

1. Do You Want To See The Sun (4:01)
2. Lobby (4:49)
3. Sadly Unspoken (3:55)
4. Did I Go Wrong (5:38)
5. 6/8 (2:48)
6. Coming Home (4:51)
7. Into The Heat (4:59)
8. Really Something (3:52)
9. Mothersong (3:55)
10. Golden Angel (4:28)
11. Dinosaur Spaceship (6:11)
12. A Voice Of Divinity (3:34)

Gesamtspieldauer: 53:06



„Superb Birth“ heißt das zweite Studioalbum der schwedischen Band Ritual. Es erschien ursprünglich im Jahr 1999 im Eigenvertrieb, wurde 2004 neu aufgelegt und mit geänderter Liedreihenfolge auf dem Plattenlabel InsideOut Musik wiederveröffentlicht.

Leider ist auf „Superb Birth“ nichts mehr übrig geblieben von den Ideen, der Abwechslung, die noch dem selbstbetitelten Debutalbum innewohnten. Fischten die Musiker dort auch immer wieder überzeugend im Genre des Progressive Rocks, wird man auf „Superb Birth“ größtenteils mit Rock berieselt, der irgendwo zwischen Mainstream und Hard Rock angesiedelt ist und auch dementsprechend klingt. Die einzelnen Lieder des Albums hören sich weder spannend noch irgendwie besonders an. Es klingt nach Musik, die so immer wieder und zu jederzeit auch im Radio gespielt werden kann, ohne groß zu stören oder besondere Aufmerksamkeit zu erregen.

Dabei sind die Lieder auf „Superb Birth“ im Bereich des Rocks qualitativ keineswegs schlecht geraten, allerdings eben austauschbar. Doch wer auf Hard Rock steht, die oder der könnte an der Scheibe durchaus Gefallen finden. Der einmal eingeschlagene Weg wird auf dem Album konsequent weiter verfolgt. Zudem sind die einzelnen Lieder durchaus melodiös geraten – ohne dabei Gefahr zu laufen einen Ohrwurm zu generieren.

Fazit: „Superb Birth“ hat musikalisch leider nur noch wenig mit dem Debut der Schweden zu tun. Auf dem Album hört man ziemlich angepassten Hard Rock, wie ihn viele andere Bands auch praktizieren. Kann einem gefallen, muss aber definitiv nicht. Ein Lieblingsalbum wird „Superb Birth“ jedoch wahrscheinlich auch für Hard Rock Fans nicht werden. Das können andere besser. Neun Punkte.

Anspieltipps: Golden Angel



Montag, 29. Juni 2020

Stone Temple Pilots – No. 4




Stone Temple Pilots – No. 4


Besetzung:

Scott Weiland – vocals, organ on "Heaven & Hot Rods"
Dean DeLeo – guitars, acoustic guitar on "I Got You", lapsteel on "I Got You", six-string bass on "I Got You"
Robert DeLeo – bass, percussion on "Church On Tuesday" and "Sour Girl", guitars on "Sex & Violence" and "Glide", fuzz bass on "Glide", zither on "Glide", electric guitars on "I Got You"
Eric Kretz – drums, percussion on "No Way Out" and "Atlanta"


Gastmusiker:

Brendan O'Brien –backing vocals on "Pruno" and "I Got You", keyboards on "Church on Tuesday", percussion on "Church on Tuesday", "Sour Girl", "Sex & Violence" and "I Got You", backing vocals on "Sour Girl", piano on "Glide" and "I Got You"
David Campbell – string arrangement on "Atlanta"
Suzie Katayama – contractor and cello
Joel Derouin – concertmaster
Evan Wilson – viola
Larry Corbett – cello
Barrett Martin – bass marimba on "Atlanta"


Label: Atlantic Records


Erscheinungsjahr: 1999


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Down (3:48)
2. Heaven & Hot Rods (3:26)
3. Pruno (3:14)
4. Church On Tuesday (3:00)
5. Sour Girl (4:16)
6. No Way Out (4:19)
7. Sex & Violence (2:54)
8. Glide (5:00)
9. I Got You (4:15)
10. MC5 (2:42)
11. Atlanta (5:18)

Gesamtspieldauer: 42:17




„No. 4“ heißt das vierte Studioalbum der US-amerikanischen Rock Band Stone Temple Pilots. Es wurde am 26. Oktober 1999 auf dem Plattenlabel Atlantic Records veröffentlicht. Das Album kletterte in den US Billboard 200 bis auf Platz 9 und erreichte schnell Platin-Status in den USA für mehr als eine Million verkaufter Kopien. Das geschah, obwohl die Band das Album zunächst nicht durch eine Tour unterstützen konnte. Sängers Scott Weiland saß nämlich direkt vor der Veröffentlichung eine einjährige Gefängnisstrafe aufgrund seines Drogenmissbrauchs ab. „No. 4“ enthält auch den größten Hit der Stone Temple Pilots. Das Lied „Sour Girl“ erreichte immerhin Platz 78 der Billboard Hot 100.

In den ersten Titeln klingen die Stone Temple Pilots wie zu Beginn ihrer Karriere. Da hört man Hard Rock in Verbindung zu Grunge oder umgekehrt. Auf jeden Fall klingen die Titel wieder deutlich härter als auf der Vorgängerscheibe „Tiny Music... Songs From The Vatican Gift Shop“. Erst ab dem vierten Stück „Church On Tuesday“ klingt es nun wieder eher nach Alternative Rock und die Melodiösität tritt gegenüber der Härte in den Vordergrund. Von daher auch nicht weiter verwunderlich, dass es gerade das deutlich sanftere und leicht groovende „Sour Girl“ in die Charts schaffte. Die Nummer hat einen besonders eingängigen Refrain und zwei- bis dreimal gehört bleibt das Lied auch längerfristig im Gehörgang beheimatet.

Doch ist „Sour Girl“ nicht der Höhepunkt der Scheibe. Dieser folgt unter anderem mit dem nächsten Titel „No Way Out“. Wieder etwas härter und dabei ein Lied, welches zum Headbanging einlädt und trotzdem die Melodie nicht aus den Augen verliert. Dazu gibt es einen etwas sphärischen, kurzen Einschub, der die Nummer wunderbar auflockert. Das Lied „Glide“ ist wieder eine schöne Alternative Rock-Nummer. Schöne Melodie und Scott Weiland zeigt eine weitere Facette seines Gesangs. Und dann ist da noch das letzte Lied der Platte, der Titel „Atlanta“. Sanft und eingängig, mit akustischer Gitarre instrumentiert. Das Besondere an dieser Nummer ist allerdings erneut der Gesang des Scott Weiland. Er erinnert hier schon sehr an Jim Morrison von den Doors. Selbstverständlich ist dies kein Titel der Doors, doch diese Assoziationen kamen bei mir sofort auf. Schließlich wird das Lied orchestral instrumentiert und endet fast hymnisch – völlig untypisch für die Stone Temple Pilots.

Fazit: „No. 4“ von den Stone Temple Pilots hat einiges zu bieten. Hard Rock, Grunge, Alternative Rock und auch ein paar poppige Anleihen gibt es auf dem Album zu hören. Trotzdem wirkt dieses Album noch ein wenig einheitlicher als auf dem Vorgängeralbum „Tiny Music... Songs From The Vatican Gift Shop“, auf dem die musikalische Bandbreite ebenfalls schon breit gefächert war. Macht Spaß hier zuzuhören. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Sour Girl, No Way Out, Glide, Atlanta



Samstag, 23. Mai 2020

Korn – Issues




Korn – Issues


Besetzung:

Jonathan Davis – vocals, bagpipes, additional drums, programming
Fieldy – bass guitar, programming
Munky – guitars
Head – guitars, vocals
David Silveria – drums, percussion


Label: Epic Records


Erscheinungsjahr: 1999


Stil: Nu Metal


Trackliste:

1. Dead (1:12)
2. Falling Away From Me (4:30)
3. Trash (3:26)
4. 4 U (1:42)
5. Beg For Me (3:53)
6. Make Me Bad (3:55)
7. It‘s Gonna Go Away (1:30)
8. Wake Up (4:07)
9. Am I Going Crazy (0:59)
10. Hey Daddy (3:44)
11. Somebody Someone (3:47)
12. No Way (4:07)
13. Let‘s Get This Party Started (3:41)
14. Wish You Could Be Me (1:07)
15. Counting (3:38)
16. Dirty (7:50)

Gesamtspieldauer: 53:16




„Issues“ heißt das vierte Studioalbum der US-amerikanischen Nu-Metal-Band Korn, das am 16. November 1999 auf dem Plattenlabel Epic Records veröffentlicht wurde. Auch „Issues“ kletterte bis auf Platz 1 der US Billboard 200 Charts. Dieses Mal wurden mit den Liedern „Falling Away From Me“, „Make Me Bad“ und „Somebody Someone“ drei Singles aus dem Album ausgekoppelt.

Irgendwie sind Korn mit „Issues“ massentauglicher geworden. Vielleicht ist das auch der Grund, warum nicht alle Kritiker das Album besonders lobten. Die Bewertungen waren eher gemischt. „Issues“ klingt deswegen massenkompatibler, da auf dieser Platte sehr viel mehr Melodien zu hören sind. Melodien, die ins Ohr gehen. Korn gingen hier etwas weg von zu sehr brachialen oder verstörenden Tönen – die es allerdings noch zu hören gibt – hin zum etwas eingängigerem Metal. Aber dieser ist eben auch nicht mehr so konsequent hart, wie noch auf den vorherigen Platten. Obwohl ich auch in der Musik das Außergewöhnliche Suche, mich das Besondere fesselt, so ermöglichen mir die Musiker mit „Issues“ doch einen deutlich einfacheren Zugang zu ihrer Musik.

Wie gesagt, dies bedeutet nicht, dass man auf diesem Album nicht immer noch harten Metal zu hören bekommt, doch der klingt eben etwas harmonischer, dadurch wohl auch etwas entzerrt. Tolle Lieder auf „Issues“ sind „4 U“, „Wake Up“, eine der Singleveröffentlichungen „Somebody Someone“ und der Titel „No Way“. Ist „4U“ ein fast schon sphärisches kleines Experiment, so beweisen die Musiker mit den anderen drei Stücken, dass sie Nu Metal auch mit Eingängigkeit zu versehen wissen. Doch es sind noch deutlich mehr Lieder des Albums lohnenswert, sodass man ganz bestimmt auch keine Fernbedienung griffbereit liegen haben muss.

Fazit: Korn mal eingängiger und melodischer und dabei immer noch im Genre des Nu Metal unterwegs, das gibt es auf dem vierten Studioalbum der Band zu hören. Niemals ist die Musik langweilig, sie rockt und reißt mit. Für mich mit dem selbstbetitelten Debut einer der Höhepunkte in der Diskographie von Korn. Neun Punkte.

Anspieltipps: 4 U, Wake Up, Somebody Someone, No Way



Samstag, 1. Februar 2020

Travis – The Man Who




Travis – The Man Who


Besetzung:

Fran Healy – vocals, guitar, piano
Andy Dunlop – guitar
Dougie Payne – bass guitar
Neil Primrose – drums


Gastmusiker:

Sally Herbert – string arrangement (tracks 2 and 10)
Sarah Wilson – cello (track 7)


Label: Craft Recordings


Erscheinungsjahr: 1999


Stil: Brit Pop


Trackliste:

CD1:

1. Writing To Reach You (3:41)
2. The Fear (4:12)
3. As You Are (4:14)
4. Driftwood (3:33)
5. The Last Laugh Of The Laughter (4:20)
6. Turn (4:24)
7. Why Does It Always Rain On Me? (4:25)
8. Luv (4:55)
9. She’s So Strange (3:15)
10. Slide Show (inklusive des Hidden Tracks "Blue Flashing Light") (10:31)

CD2 (Numbered Limited Edition Collector’s Boxset, CD 2 (B-Sides)):

1. Green Behind The Ears (3:40)
2. Only Molly Knows (3:19)
3. Yeah Yeah Yeah Yeah (3:50)
4. High As A Kite (2:32)
5. Be My Baby (5:16)
6. Where Is The Love? (4:19)
7. Village Man (3:19)
8. Driftwood (Live at The Link Cafe, Glasgow) (4:07)
9. The Urge For Going (6:04)
10. Slide Show (Live at The Link Cafe, Glasgow) (3:14)
11. River (3:56)
12. Days Of Our Lives (5:44)
13. We Are Monkeys (3:06)
14. Baby One More Time (Recorded live on The Mark Radcliffe Show from The Bay Tavern, 06.08.99) (3:32)
15. Coming Around (3:09)
16. Just The Faces Change (2:26)
17. The Connection (3:44)
18. Rock ‘n’ (Salad) Roll (2:00)
19. The Weight (5:12)

Gesamtspieldauer: CD1 (47:33) und CD2 (1:12:37): 2:00:11




„The Man Who“ heißt das zweite Studioalbum der schottischen Rockband Travis. Das Album wurde am 24. Mai 1999 auf dem Plattenlabel Independiente veröffentlicht. Am 21. Juni 2019 wurde „The Man Who“ anlässlich des zwanzigsten Jubiläums des Erscheinens in einer erweiterten Fassung wiederveröffentlicht. Insgesamt vier Singles wurden aus dem Album mit den Liedern „Writing To Reach You“, „Driftwood“, „Why Does It Always Rain On Me?“ und „Turn“ ausgekoppelt. Klang die Musik auf dem Debut-Album „Good Feeling“ zwei Jahre zuvor noch relativ rockig, so hört man auf „The Man Who“ Brit Pop der 90er Jahre.

Genauer gesagt sollte man hier von überaus eingängigem Brit Pop sprechen. Denn genau den hört man auf der Scheibe. Lieder, die ziemlich schnell ins Ohr gehen und dabei eine gewisse Ruhe ausstrahlen. Alles auf „The Man Who“ klingt melodiös, harmonisch und irgendwie tiefenentspannt, was auch durch den sanften bis weichen Gesang des Fran Healy zusätzlich unterstrichen wird. Dieser schrieb zudem alle Texte und die Musik, bekam dabei lediglich beim Lied „Luv“ Unterstützung durch Adam Seymour.

„The Man Who“ wurde zum drittmeist verkauften Album des Jahres 1999 in Großbritannien. Dabei hatte es zunächst gar nicht nach solch einem Erfolg ausgesehen. Die Platte stieg auf Platz fünf der UK-Album-Charts ein, rutschte allerdings ziemlich schnell wieder auf tiefere Plätze ab. Auch die Kritiken und Rezensionen zu dem Album fielen eher gemischt aus. Als Travis allerdings das Lied „Why Does It Always Rain On Me?“ beim Glastonbury Festival 1999 spielte und es genau bei diesem Titel anfing zu regnen, war dies am nächsten Tag in allen Medien nachzulesen und zu sehen. Die Band war plötzlich im Gespräch, die Single verkaufte sich sehr viel besser und „The Man Who“ stieg erneut in den Charts, dieses Mal bis auf Platz 1 und hielt sich dort ganze elf Wochen. Bei den Brit Awards 2010 wurde die Platte schließlich hinter dem Album „(What‘s The Story) Morning Glory?“ von Oasis zum zweitbesten britischen Album der letzten dreißig Jahre gewählt.

Höhepunkte befinden sich einige auf der Scheibe. Meine Favoriten heißen „Writing To Reach You”, „The Last Laugh Of The Laughter”, „Slide Show” sowie der Hidden Track „Blue Flashing Light”. Alles vier Nummern, die besonders ins Ohr gehen und dort auch längerfristig nachzuhallen verstehen. Auf der zweiten CD zum zwanzigsten Jubiläum der Platte hört man Lieder, die stilistisch ähnlich denen der Originalplatte sind, jedoch qualitativ zumindest ein klein wenig dagegen abfallen. Ein wenig erinnern viele der Lieder auch an die 60er Jahre und der Einfluss der Beatles ist hier kaum überhörbar. Höhepunkt auf dieser zweiten Scheibe ist das kurze aber sehr schöne „Just The Faces Change“.

Fazit: Wer Brit Pop mag, wird auch „The Man Who“ von Travis lieben. Travis klingen deutlich weniger rau als Oasis, sind weicher, sanfter als die englischen Kollegen. Viele schöne und eingängige Melodien gibt es auf dem Album zu hören, welches niemals unentspannt klingt. Musik zum Entspannen und Träumen. Elf Punkte.

Anspieltipps: Writing To Reach You, The Last Laugh Of The Laughter, Slide Show, Blue Flashing Light, Just The Faces Change



Dienstag, 19. März 2019

Blink-182 – Enema Of The State




Blink-182 – Enema Of The State


Besetzung:

Mark Hoppus – bass guitar, vocals
Tom DeLonge – guitars, vocals
Travis Barker – drums, percussion


Gastmusiker:

Roger Joseph Manning, Jr. – keyboards on "What’s My Age Again?", "Adam’s Song", "All The Small Things", "Wendy Clear", and "Anthem"


Label: MCA Records


Erscheinungsjahr: 1999


Stil: Pop Punk


Trackliste:

1. Dumpweed (2:23)
2. Don’t Leave Me (2:23)
3. Aliens Exist (3:13)
4. Going Away To College (2:59)
5. What’s My Age Again? (2:28)
6. Dysentery Gary (2:45)
7. Adam’s Song (4:09)
8. All The Small Things (2:48)
9. The Party Song (2:19)
10. Mutt (3:23)
11. Wendy Clear (2:50)
12. Anthem (3:37)

Gesamtspieldauer: 




„Enema Of tThe State“ heißt das dritte Studioalbum der US-amerikanischen Pop-Rock-Punk-Band Blink-182. Das Album wurde am 1. Juni 1999 auf dem Plattenlabel MCA Records veröffentlicht. „Enema Of tThe State“ ist das erste Album von Blink-182, welches mit dem zweiten Drummer Travis Barker eingespielt wurde, der den ursprünglichen Schlagzeuger Scott Raynor ablöst hatte.

So ganz kennen die Musiker von Blink-182 ihre musikalische Ausrichtung selbst noch nicht, denn auf der Platte hört man eine Mischung aus Pop, Rock und Punk. Zumeist handelt sich bei den Liedern um relativ kurze Stücke, die schnell zur Sache kommen, losrocken und schon bald wieder ausgeklungen sind. Dabei wird der Punk nicht zu sehr in den Vordergrund geschoben, die Lieder behalten alle noch eine gewisse Melodiösität und verfügen über eine Melodie, die zum Teil auch länger hängenbleibt.

Jede Menge nette kurze Lieder befinden sich dementsprechend auf „Enema Of tThe State“. Ein Freund des Rocks sollte man dabei durchaus sein, auch wenn poppige Anwandlungen nicht selten auf dem Album sind. Der Höhepunkt der Scheibe ist gleichzeitig auch die längste Nummer des Albums, das Lied „Adam’s Song“. Dieser Titel setzt sich bereits beim ersten Mal des Hörens fest und besitzt bei über vierminütiger Laufzeit auch die bessere Möglichkeit, sich während des Hörens zügig zu entwickeln. Viele Durchgänge sind bei diesem Lied von daher nicht erforderlich. Schöne Nummer.

Fazit: Blink-182 kommen mit ihrer Musik immer schnell auf den Punkt. Kurze rockig, poppige, punkige Lieder, die sofort zünden. Zwölf solcher Titel gibt es auf „Enema Of tThe State“ zu hören. Zwölf absolut unkomplizierte Lieder, die die Hörerin und den Hörer schnell zu gewinnen versuchen. Klappt manchmal ganz gut, ein anderes Mal gar nicht. Doch „Enema Of tThe State“ unterhält, das kann man der Scheibe definitiv nicht absprechen. Acht Punkte.

Anspieltipps: Adam’s Song



Dienstag, 17. April 2018

Earth, Wind & Fire – Let’s Groove




Earth, Wind & Fire – Let’s Groove


Besetzung:

Keine weiteren Angaben


Gastmusiker:

Keine weiteren Angaben


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1999


Stil: Disco


Trackliste:

1. September (3:36)
2. Let's Groove (4:03)
3. Fantasy (3:45)
4. Got To Get You Into My Life (4:01)
5. Boogie Wonderland (4:45)
6. Shining Star (2:52)
7. After The Love Has Gone (4:24)
8. That's The Way Of The World (5:44)
9. System Of Survival (7:25)
10. Singasong (3:23)
11. Fall In Love With Me (3:51)
12. Reasons (4:55)
13. Side By Side (5:34)
14. Take It To The Top (3:49)

Gesamtspieldauer: 1:02:13



Ganze 126 verschiedene „Best Of…“-Alben lassen sich von Earth, Wind & Fire ziemlich schnell im Internet finden. Dazu kommt der Umstand, dass diese Platten auch noch in diversen Variationen veröffentlicht worden sind. Das auf diesen Seiten bereits besprochenen Album „The Best Of Earth Wind & Fire Vol. I“ gibt es zum Beispiel in 88 verschiedenen Ausführungen. Da einen Überblick zu behalten, ist fast schon unmöglich. „Let’s Groove“ heißt das vorliegende Kompilationsalbum und wurde selbst in dreizehn verschiedenen Variationen veröffentlicht. „Let’s Groove“ erschien im Jahr 1999 auf dem Plattenlabel Sony Music.

Earth, Wind & Fire machen Disco- und Soul Musik, die man mag oder eben nicht. Ein großartiges Zwischendrin gibt es da nicht. Allerdings 126 verschiedene Kompilationsalben zu veröffentlichen, grenzt schon fast an eine Frechheit, die das Mögen der Musik zusätzlich erschwert. Die unterschiedlichen Platten unterschieden sich manchmal in lediglich einer Nummer, wobei man sich dann ganz bestimmt fragen muss, was das eigentlich soll.

Disco-Musik mit sehr hohem Gesang kennt man auch von den Bee Gees, doch Earth, Wind & Fire legen da immer noch eine Schüppe drauf. Das klingt schon sehr abgefahren, auch wenn alle plötzlich durcheinander zu singen scheinen, was allerdings sehr aufwendig genau so arrangiert wurde. Ins Ohr geht da wenig – zumindest nicht in meines. Freundinnen und Freunde schwarzer und sehr rhythmischer Musik sehen das erfahrungsgemäß jedoch völlig anders, was auch gut so ist.

Fazit: Disco Musik in ihrer stärksten Ausprägung vollführen Earth, Wind & Fire mit ihrer Musik. Dazu noch unglaublich hoher Gesang und fertig sind unverwechselbare Lieder, die so nur von den US-Amerikanern stammen können. Traurig ist an dieser Stelle allerdings, wie sehr gerade die Musik dieser Band auf die schnelle Einträglichkeit abzielt. 126 Kompilationsalben sprechen da eine deutliche Sprache. Unabhängig von der Musik ist diese Scheibe hier völlig überflüssig, da es sie fast hundertfach gibt. Drei Punkte.

Anspieltipps: Fantasy, System Of Survival



Donnerstag, 22. März 2018

Westlife – Westlife




Westlife – Westlife


Besetzung:

Nicky Byrne – vocals
Kian Egan – vocals
Mark Feehily – vocals
Shane Filan – vocals
Brian McFadden – vocals


Gastmusiker:

Mats Berntoft – acoustic guitar, electric guitar
Henrik Janson – sting arrangement
Richard Niles – sting arrangement
Ulf Janson – sting arrangement
Steve Mac – vocal arrangement
Wayne Hector – vocal arrangement
Anders Von Hofsten – backing vocals
Andreas Carlsson – backing vocals
Steve Pearce – bass
Tomas Lindberg – bass
Esbjörn Öhrwall – guitar
Paul Gendler – guitar
Per Magnusson – keyboards


Label: RCA Records


Erscheinungsdatum: 1999


Stil: Pop


Trackliste:

1. Swear It Again (4:08)
2. If I Let You Go (3:41)
3. Flying Without Wings (3:36)
4. Fool Again (3:54)
5. No No (3:14)
6. I Don't Wanna Fight (5:03)
7. Change The World (3:09)
8. Moments (4:17)
9. Seasons In The Sun (4:08)
10. I Need You (3:49)
11. Miss You (3:53)
12. More Than Words (3:54)
13. Open Your Heart (3:38)
14. Try Again (3:34)
15. What I Want Is What I've Got (3:33)
16. We Are One (3:42)
17. Can't Lose What You Never Had (4:21)

Gesamtspieldauer: 1:05:41



Westlife ist eine gecastete irische Boygroup, bei der ursprüngliche Mitglieder sogar wieder entlassen wurden, da sie zwar singen konnten, angeblich aber zu hässlich waren. Das selbstbetitelte Debut-Album erschien am 1. November 1999 auf den Plattenlabels RCA Records sowie auf BMG. Keines der Lieder auf dem Album wurde von einem „Band“-Mitglied geschrieben.

Auf „Westlife“ von Westlife hört man kommerziellen Schmuse-Pop, der abgrundtief schlechte Texte beinhaltet. Lediglich das Thema „Liebe“ spielt hier eine Rolle. Die gecastete Band sollte eingängigen Liebes-Pop zelebrieren und für volle Kassen sorgen und das gelang auch. Das Debut-Album schlug beim weiblichen Publikum ein und auch wenn der Erfolg in den USA verwehrt blieb, so verkaufte sich das Album in der restlichen Welt durchaus gut. Süßlicher Schmalz-Pop, der absolut unaufgeregt klingt und dabei dreizehn oder vierzehn Mal hintereinander auf die CD gepresst wurde, denn alles hört sich sehr gleich an.

Das Lied „Seasons In The Sun“ ist ein schönes im Original und Westlife haben es durch ihre Interpretation nicht zerstört. Das ist der einzige Lichtblick auf „Westlife“ von fünf irischen Jungen, die singen und wohl hübsch aussehen.

Fazit: Katastrophal schlechte Texte, süßlich anbiedernde Musik, die speziell für die fünf Iren geschrieben oder aber von ihnen interpretiert wurde. Im Grunde genommen ist jede Sekunde verschenkt, die man diese Musik hört, aber auch der Kommerz will gehört werden. Nur „Seasons In The Sun“ ist schön. Ein Punkt.

Anspieltipps: Seasons In The Sun



Samstag, 10. März 2018

The Flower Kings – Flower Power




The Flower Kings – Flower Power


Besetzung:

Roine Stolt – vocals, guitars, keyboards, bass guitar
Tomas Bodin – keyboards
Michael Stolt – bass guitar
Jaime Salazar – drums
Hasse Bruniusson – percussion
Hasse Fröberg – vocals
Ulf Wallander – soprano saxophone


Label: InsideOut Music


Erscheinungsdatum: 1999


Stil: Progressive Rock, RetroProg, Alternative Rock


Trackliste:

CD1:

1. Garden Of Dreams (59:25)
1. Dawn (1:33)
2. Simple Song (1:48)
3. Business Vamp (5:02)
4. All You Can Save (5:02)
5. Attack Of The Monster Briefcase (3:04)
6. Mr. Hope Goes To Wall Street (1:47)
7. Did I Tell You? (3:46)
8. Garden Of Dreams (2:39)
9. Don't Let The d'Evil In (3:11)
10. Love Is The Word (2:50)
11. There's No Such Night (2:43)
12. The Mean Machine (2:41)
13. Dungeon Of The Deep (4:24)
14. Indian Summer (4:13)
15. Sunny Lane (5:25)
16. Gardens Revisited (2:57)
17. Shadowland (2:03)
18. The Final Deal (4:10)
2. Captain Capstan (0:45)
3. Ikea By Night (0:04)
4. Astral Dog (7:58)

CD2:

1. Deaf, Numb & Blind (11:10)
2. Stupid Girl (6:49)
3. Corruption (5:54)
4. Power Of Kindness (4:23)
5. Psychedelic Postcard (8:42)
6. Hudson River Sirens Call 1998 (4:47)
7. Magic Pie (8:19)
8. Painter (6:50)
9. Calling Home (11:19)
10. Afterlife (4:34)

Gesamtspieldauer CD1 (1:08:13) und CD2 (1:12:54): 2:21:07



„Flower Power“ nannte die schwedische Band The Flower Kings ihr viertes Studio-Album, welches am 16. November 1999 auf dem Plattenlabel InsideOut Music veröffentlicht worden ist. Auf über zwei Stunden und zwanzig Minuten hört man hier den für die Flower Kings so typischen RetroProg, der stilistisch eine Mischung aus der Musik der frühen Genesis und Yes mit einer Prise King Crimson darstellt – und wenn man möchte, findet man ganz bestimmt auch noch Anspielungen von Van Der Graaf Generator.

Eine Gesamtspielzeit von deutlich über zwei Stunden ist natürlich eine Ansage und auf den beiden CDs bekommt man einmal mehr diesen Rock geboten, der mit Atmosphären und Stimmungen spielt. Mal sanft, mal treibend, mal zurückhaltender, mal aggressiver. Mal klingen die Lieder auf „Flower Power“ eingängiger, dann wieder etwas frickeliger, wollen dabei erarbeitet werden und gehen zu Beginn nicht so schnell ins Ohr der Hörerin beziehungsweise des Hörers. Alles schön und gut, denn oftmals „zündet“ gute Musik nicht sofort, muss eine Art Reifungsprozess im Ohr überdauern, bis sie wirklich wirkt. Doch dieser Prozess kommt bei den Liedern auf „Flower Power“ nicht so richtig in Gang. Über Langeweile kann man sich bei dieser über zweistündigen musikalischen Reise wahrlich nicht beklagen, doch es sind die Melodien und der Wiedererkennungswert der Musik, die auf „Flower Power“ deutlich weniger überzeugen, als auf so manch anderer Flower Kings Platte. Irgendwie will das Ganze nicht so recht ins Ohr gehen und das Album läuft ein klein wenig nebenher, klingt aus und man bleibt ein bisschen ratlos zurück, nachdem der letzte Ton verhallt ist. Hängengeblieben ist da nämlich nichts, die Platte lief einfach so durch.

Dieses Besondere, das fehlt den Liedern auf „Flower Power“, die sich auch nicht nur im Bereich des Progressive Rock bewegen, sondern manchmal auch schlicht und ergreifend nach Alternative Rock klingen und genau solche Lieder auch sind. Diese Aussage trifft auf beide CDs zu. Auch das fast einstündige „Garden Of Dreams“ auf der ersten CD ist in achtzehn Untertitel unterteilt, die manchmal fast willkürlich zusammengefügt klingen. Zum Teil stellen diese achtzehn Titel einfach Rock-Lieder dar, andere Parts können wiederum durchaus mit dem Adjektiv „progressiv“ versehen werden. Doch bei aller Kritik ist „Flower Power“ wahrlich kein schlechtes Album geworden. Die Platte unterhält, ist abwechslungsreich und wartet auch mit vielen Ideen auf. Diese Ideen waren allerdings zum einen schon alle mal da – auch bei den Flower Kings – zum anderen tragen diese „Ideen“ auch nichts zur Eingängigkeit der Musik bei. Schade, denn so mancher Ansatz in der Musik der Blumenkönige klingt richtig gut, wird allerdings sofort wieder vom nächsten Thema abgelöst.

Fazit: Es ist einigermaßen schwierig auf „Flower Power“ Höhepunkte herauszuhören. Die Musik ist abwechslungsreich und ziemlich „reichlich vorhanden“, bei einer Laufzeit von 141 Minuten. Leider zünden die Lieder auf „Flower Power“ allerdings nicht wirklich, sodass die Platte zwar von Anfang bis Ende „interessant“ klingt, jedoch niemals vollends überzeugt. Die einzelnen Stücke bleiben nicht hängen, auch nicht nach mehreren Durchläufen der beiden Scheiben. Zu viele Ideen und Ansätze, die schnell wieder in andere Ideen und Ansätze münden. Keine schlechte Musik, jedoch fehlt dem Album diese gewisse Nachhaltigkeit, um es immer wieder gern aufzulegen. Acht Punkte.

Anspieltipps: Garden Of Dreams