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Dienstag, 26. September 2023

Sigur Rós Átta

 



Sigur Rós – Átta


Besetzung:

Jón Birgisson – vocals, guitar, string arrangement, synthesizer (tracks 1, 4–7, 10)
Georg Hólm – bass guitar, string arrangement, synthesizer (1)
Kjartan Sveinsson – piano, string arrangement, synthesizer (1, 3–5, 10), harpsichord (6), hurdy-gurdy, vibraphone (7)


Gastmusiker:

London Contemporary Orchestra – orchestra (1–8, 10)
Robert Ames – orchestra conductor (1–8, 10)
Ólafur Ólafsson – percussion (1, 7, 9, 10)
Ingi Erlendsson – trombone, tuba (4, 10)
Helgi Jónsson – trombone (4, 10)
Eirikur Ólafsson – trumpet (4, 10)
Snorri Sigurðarson – trumpet (4, 10)
María Sigfúsdóttir – violin (4, 10)


Label: BMG


Erscheinungsjahr: 2023


Stil: Post Rock


Trackliste:

1. Glóð (3:38)
2. Blóðberg (7:15)
3. Skel (4:58)
4. Klettur (6:31)
5. Mór (5:47)
6. Andrá (4:06)
7. Gold (5:12)
8. Ylur (5:54)
9. Fall (3:27)
10. 8 (9:40)

Gesamtspieldauer: 56:34



„Átta“ heißt das inzwischen bereits neunte Studioalbum der isländischen Band Sigur Rós. „Átta“ bedeutet „Acht“ und bezieht sich wohl auf die Nummerierung ihrer Studioalben, da die Isländer das 2020 erschienene „Odin‘s Raven Magic“ wohl nicht als reguläres Studioalbum, sondern eher als Soundtrack ansehen. Nun denn, dieses dann acht Album erschien am 16 Juni 2023 auf dem Plattenlabel Von Dur Limited. Es ist das erste Album seit Valtari (2012), bei dem Keyboarder Kjartan Sveinsson wieder zu hören ist. Orri Páll Dýrason ist dagegen nicht mehr am Schlagzeug zu beschäftigt, das ganze Album wurde mit Ausnahme des Stücks „Klettur“ ohne jegliche Perkussion eingespielt.

Das Cover zeigt einen brennenden Regenbogen, der vom isländischen Künstler Rúrí entworfen wurde. Dazu sagte Jón Birgisson in einem Interview: „Die Rechte von Transsexuellen, Queeren und Schwulen wurden in letzter Zeit so sehr mit Füßen getreten. Es ist erschreckend, das zu sehen. Auf der ganzen Welt hat man das Gefühl, dass wir uns zurückentwickeln. Wir versuchen, uns aus der Politik herauszuhalten, um die Musik so neutral wie möglich zu gestalten, aber wir haben über den Zustand der Welt gesprochen, in der wir jetzt leben: Klimawandel und Weltuntergangsstimmung.“

„Àtta“ ist Sphäre pur. Post Rock, der mitunter auch am Genre des Ambient kratzt. Synthesizer, jede Menge Streicher und ab und zu der hohe Gesang Jón Birgissons prägen dieses Album, welches fast schon ohne Melodien auskommt, da die Melodiebögen sehr gestreckt erklingen. So fügte Jón Birgisson zur Erklärung des Albums auch an, dass es die Absicht der Band gewesen sei, „lediglich ein minimales Schlagzeug dabei zu haben und die Musik wahrlich spärlich, schwebend und schön werden zu lassen“.

„Àtta“ ist tatsächlich kein Album, welches sich einem sofort erschließt. Zeit sollte man mitbringen und sehr viel Muße, sich auf diese Klangwelten einlassen zu können. Schön erklingt das Ganze wahrlich immer wieder, doch auch über die Dauer von zehn Liedern und fast einer Stunde Spieldauer auch sehr ähnlich und keineswegs mit Variationen übersättigt. Fast schon ein wenig dankbar ist man beim Lied „Andrá“, wenn man hier kurz eine akustische Gitarre zu hören bekommt. Ein paar mehr solcher Einsprengsel hätten der Platter durchaus gut getan.

Trotzdem ist „Àtta“ kein schlechtes Album geworden. Ideal für dunkle Novembertage, ideal, wenn man seinem eigenen Blues mal freien Lauf lassen möchte, ideal, wenn man entspannen möchte und etwas absolut Unaufgeregtes hören möchte. Dann entwickelt „Àtta“ seine Stärke und trifft Seele und Herz.

Fazit: Sigur Rós bewegen sich mit „Àtta“ an der Grenze zwischen Ambient und Post Rock. Definitiv gewinnt dieses Album mit den Durchläufen und es ist herrlich entspannend, wenn man sich denn mal entspannen möchte. Wer auf Aufregung steht, der ist hier definitiv falsch. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Andrá



Donnerstag, 17. Dezember 2020

Sigur Rós – Odin’s Raven Magic

 




Sigur Rós – Odin’s Raven Magic


Besetzung:

Jón Þór „Jónsi“ Birgisson – vocals, guitar, keyboards
Georg „Goggi“ Hólm – bass
Orri Páll Dýrason – drums
Hilmar Örn Hilmarsson
Steindór Andersen
Maria Huld Markan Sigfúsdóttir – Violine




Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Art Rock, Moderne Klassik


Trackliste:

1. Prologus (5:54)
2. Alföður orkar (7:48)
3. Dvergmál (7:37)
4. Stendur æva (9:47)
5. Áss hinn hvíti (5:09)
6. Hvert stefnir (9:56)
7. Spár eða spakmál (7:42)
8. Dagrenning (11:36)

Gesamtspieldauer: 1:05:32



Ist nun „Odin’s Raven Magic“ das achte Studioalbum von Sigur Rós oder doch eher nicht? Seit dem Jahr 2013 und dem Album „Kveikur“ hatte man kaum mehr was von den Isländern gehört. Dann veröffentlichte der musikalische Kopf der Band, Jón Þór „Jónsi“ Birgisson dieses Jahr am 2. Oktober mit „Shiver“ sein zweites – leider nicht restlos überzeugendes – Solo-Album und nun folgt also mit „Odin’s Raven Magic“ doch wieder eine Veröffentlichung unter der „Überschrift“ Sigur Rós.

Dieses Album stellt allerdings eine isländische Zusammenarbeit von Sigur Rós, mit Hilmar Örn Hilmarsson (Musiker und Komponist zahlreicher Filmmusiken), Steindór Andersen (war schon auf der 2007er Sigur Rós DVD „Heima“ zu sehen) sowie Maria Huld Markan Sigfúsdóttir (Violinistin in der Band Amiina) dar. Vertont wurde „Odin‘s Raven Magic“ von diesen Musikern zusammen mit Sigur Rós und wurde erstmals im Jahr 2002 in London uraufgeführt. Der Titel stellt ein im 14. oder 15. Jahrhundert entstandenes isländisches Gedicht in der Edda-Tradition dar.

Nun, auf „Odin’s Raven Magic“ hört man keine Rock- und schon gar keine Pop-Musik. Auch keinen Progressive Rock. „Odin’s Raven Magic“ ist orchestrale Musik, die mal mehr nach Klassik klingt, dann nach mittelalterlichen Chorälen und schließlich trotzdem noch diese feine Emotion eines Titels von Sigur Rós aufweist. Das Album klingt sehr intensiv, wenn auch absolut ruhig. Es ist die Atmosphäre, die hier transportiert wird, die einen einnimmt oder – mit der man eben weniger anfangen kann, da es im Grunde genommen eben doch kein achtes Sigur Rós Album ist, sondern die orchestrale Vertonung einer Sage. Bei der aber an mancher Stelle, ganz sanft, doch noch die Musik der Isländer durchscheint.

Fazit: Auch wenn „Odin’s Raven Magic“ irgendwie nicht wirklich das achte Studioalbum von Sigur Rós ist – zu viele andere Musiker haben hier auch kompositorisch mitgewirkt – so ist es zumindest eine sehr gelungene Scheibe geworden. Das Album klingt wie eine mystische Reise, die man beim Auflegen des Albums antritt. Für alle, die gern was Außergewöhnliches hören und auch die Stille, die Musik ebenfalls zu transportieren weiß, lieben. Elf Punkte.

Anspieltipps: Hvert stefnir



Freitag, 13. November 2020

Sólstafir – Endless Twilight Of Codependent Love

 



Sólstafir – Endless Twilight Of Codependent Love


Besetzung:

Aðalbjörn Tryggvason – guitar, vocals
Sæþór M. Sæþórsson – guitar
Svavar Austmann – bass
Hallgrímur J. Hallgrímsson – drums, backing vocals


Gastmusiker:

Helena Dumell – violin “Rökkur”
Viggi Pada – backing vocals “Drýsill”
Jon Riderdron – percussion “Drýsill”
Dauf Jonssen – piano “Or”




Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Alternative Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Akkeri (10:10)
2. Drýsill (8:52)
3. Rökkur (7:06)
4. Her Fall From Grace (6:35)
5. Dionysus (5:30)
6. Til Moldar (4:28)
7. Alda Syndanna (4:30)
8. Or (6:58)
9. Úlfur (8:48)

Gesamtspieldauer: 1:03:01



„Endless Twilight Of Codependent Love“ heißt das bereits siebte Album der isländischen Band Sólstafir. Es erschien am 6. November 2020 auf dem Plattenlabel Season Of Mist und mit dieser Scheibe haben sich die Isländer noch ein wenig weiter von ihren ursprünglichen Wurzeln des ProgMetals entfernt.

Nicht, dass es diese Elemente gar nicht mehr auf „Endless Twilight Of Codependent Love“ zu hören geben würde, doch sie sind zurückgefahren worden zugunsten von eher psychedelischen Tönen, die oftmals deutlich sanfter ausfallen. Das macht die Musik der Isländer noch ein wenig abwechslungsreicher. Solch ein Lied wie die Nummer „Rökkur“, welche mit einer sehr melancholisch klingenden Violine eingeleitet wird, anschließend eine tiefschwarze musikalische Atmosphäre entwickelt, zu der Aðalbjörn Tryggvason bewegend und verzweifelt auf Isländisch singt, gab es zu Beginn der Karriere der Band so noch nicht zu hören.

Überhaupt die Atmosphäre auf „Endless Twilight Of Codependent Love“. Diese klingt allgemein düster und dunkel, manchmal fast ein wenig verwunschen, wofür isländische Musiker ein feines Gespür zu haben scheinen, obwohl Sólstafir weder nach Sigur Rós und schon gar nicht nach Björk klingen. Doch dieses Spiel mit den Atmosphären, das beherrschen auch die Musiker von Sólstafir bestens – in den sanfteren, wie in den härteren Passagen des Albums.

Inhaltlich beschäftigen sich die Lieder – die bis auf „Her Fall From Grace“ alle auf Isländisch eingesungen wurden – mit der menschlichen Psyche und den Abgründen, die sich darin immer wieder auftun. Es geht um Ängste, es geht um Süchte. Wandelt die Musik zwischen bretterharten Passagen und eher sphärischen Abschnitten hin und her, so gilt dies ebenso für den Gesang. Diese Verzweiflung in der Stimme habe ich bereits erwähnt, an anderer Stelle klingt Aðalbjörn Tryggvasons Gesang fast schon zerbrechlich, um sich dann beim Titel „Dionysus“ alles, wirklich alles von der Seele zu schreien.

Sehr gelungen auf „Endless Twilight Of Codependent Love“ sind ebenso die Melodien. Die Musik des Albums geht nämlich ins Ohr. Selbstverständlich verstärkt sich dieser Effekt auch noch mit dem wiederholten Mal des Hörens, wodurch die einzelnen Lieder schnell zu Freunden werden, die man schon lange zu kennen glaubt.

Fazit: Dunkel klingt es auf „Endless Twilight Of Codependent Love“ und sehr abwechslungsreich und gleichzeitig auch sehr eingängig. Das sind Zutaten, die dieses Album zu einem sehr überzeugenden Album werden lassen. Die Musik passt perfekt in die Zeit, in der wir gerade leben – und damit ist nicht nur der November gemeint. Intensiv. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Drýsill, Rökkur, Úlfur



Montag, 19. Oktober 2020

Jónsi – Shiver

 




Jónsi – Shiver


Besetzung (ohne Instrumentenangabe):

Jónsi


Gastmusiker (ohne Instrumentenangabe):

Jack Armitage (6)
Julianna Barwick (4)
A. G. Cook (all tracks)
Elisabeth Fraser (3)
Samuli Kosminen (3, 4, 7, 10)
Mary Lattimore (4)
Nico Muhly (2, 10)
Nicolas Petitfrère (2, 3, 4, 5, 6)
Robyn (7)


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Post Rock


Trackliste:

1. Exhale (5:12)
2. Shiver (4:19)
3. Cannibal (4:57)
4. Wildeye (4:35)
5. Sumarið sem aldrei kom (6:43)
6. Kórall (6:21)
7. Salt Licorice (3:47)
8. Hold (3:00)
9. Swill (3:50)
10. Grenade (5:32)
11. Beautiful Boy (4:10)

Gesamtspieldauer: 52:32



Es ist schon über sieben Jahre her, dass Sigur Rós mit dem Album „Kveikur“ ihr letztes Studiowerk veröffentlichten. Danach gab es für Sigur Rós mal einen kurzen Auftritt als Musiker in der vierten Staffel von „Game of Thrones“, ansonsten war es von nun an eher still um die isländische Band geworden. Doch jetzt bringt Sänger und Hauptideengeber bei Sigur Rós, Jón Þór Birgisson, unter seinem Spitznamen Jónsi endlich ein neues Album heraus. „Shiver“ heißt dieses und erscheint auf dem isländischen Plattenlabel Krunk Records.

Man kann die Musik auf „Shiver“ nicht unbedingt mit der von Sigur Rós vergleichen. Diese Verträumtheit und allgegenwärtige Atmosphäre, die der Musik der Isländer schon immer innewohnte, diese trifft man zwar auch auf „Shiver“ an, doch die Platte enthält auch völlig anders klingende Sounds und Stücke.

Es beginnt mit dem hauchzarten „Exhale“. Post Rock, der zunächst an die beiden letzten Alben von Talk Talk erinnert. Beim Lied „Shiver“ erklingt sie dann wieder in vollem Ausmaß, die so außergewöhnliche Stimme des Jónsi Birgisson. Ein Lied, was ins Ohr geht, dessen Refrain fast schon hymnisch klingt und schließlich sphärisch ausklingt. Das folgende „Cannibal“, welches im Laufe des Liedes zu einem Duett mit Elisabeth Fraser wird, ist eine sanfte, eingängige und sehr atmosphärische Pop-Nummer. Schönes Lied.

„Wildeye“ dagegen startet in Form einer Kakophonie, rau, kalt, metallisch. Im weiteren Verlauf des Stücks wechseln sich sanft-sphärische Töne mit Industrial-Sounds ab. Insgesamt klingt das ziemlich experimentell und man schafft es kaum, sich auf das Lied einzustellen, da man sofort wieder von der nächsten musikalischen Phase überrascht wird. Einer der Höhepunkte auf „Shiver“ ist sicherlich das folgende „Sumarið sem aldrei kom“. Das Stück startet wie ein Art Weihnachtslied mit sehr viel warmer Atmosphäre und Jónsi vermittelt mit seiner Stimme zudem einen sakralen Anstrich. Das folgende „Kórall“ spielt zunächst erneut mit melodischen und eher verstörenden Tönen, dabei geht das Lied in seinem weiteren Verlauf immer wieder sehr gut ins Ohr.

Beim Titel „Salt Licorice“ handelt es sich erneut um ein Duett, dieses Mal mit der schwedischen Popsängerin Robyn. Ein Lied für die Clubs, zum Tanzen, versehen mit einem treibenden Beat und einfacher Melodieführung. Mag man irgendwie nicht von dem Isländer hören. Mit „Hold“ wird es aber sogleich wieder sanft und atmosphärisch dicht, bis das Lied an Fahrt gewinnt und gerade die Rhythmusfraktion Eindruck hinterlässt. „Swill“ startet krachend laut, entwickelt sich zu einem sogar richtig eingängigen Pop-Lied weiter.

Bleiben noch die letzten beiden Stücke „Grenade“ und „Beautiful Boy“. „Grenade“ ist eine schöne sanfte Ballade, die lediglich im Refrain mal etwas Geschwindigkeit aufnimmt und sehr lange ausklingt. „Beautiful Boy“ schließlich erklingt mit einem erneut experimentellen, jedoch sanften Beginn, bei dem verschiedene Stimmen die Orchestrierung übernehmen. Das Lied stellt einen sehr stimmungsvollen Abschied aus dem Album dar, der dann doch wieder mehr an Sigur Rós erinnert.

Fazit: Das Album lässt mich etwas unsicher und zwiespältig zurück. Definitiv ist das Musik von Jónsi, die man nicht nach dem ersten Mal des Hörens beurteilen kann. „Shiver“ verlangt geradezu nach mehrmaligem Hören. Das habe ich getan, sehr oft sogar. Die schönen Stellen gibt es auf dem Album, jene, in denen Jónsi mit den Atmosphären spielt, in die man so schön eintauchen kann. Doch insgesamt ist „Shiver“ ein sehr uneinheitliches Album geworden, auf welches man sich eben nicht so ohne Weiteres einstellen kann, denn schnell ist eine einmal eingeschlagene Richtung wieder in eine völlig andere umgeschlagen. Das erzeugt natürlich zum Teil Spannung – niemand wird dieses Album wohl langweilig nennen können. Aber es erzeugt auch ein Gefühl der Unausgeglichenheit, welches mich etwas ratlos zurücklässt. Sicherlich kein schlechtes Album, doch Sigur Rós ist eine ganz andere Kategorie. Neun Punkte.

Anspieltipps: Sumarið sem aldrei kom, Beautiful Boy



Donnerstag, 27. Juni 2019

Sólstafir – Berdreyminn




Sólstafir – Berdreyminn


Besetzung:

Aðalbjörn Tryggvason – guitar, vocals
Sæþór M. Sæþórsson – guitar
Svavar Austmann – bass
Hallgrímur J. Hallgrímsson – drums, backing vocals


Gastmusiker:

Snorri Sigurðarson – trumpet, flugelhorn
Ingi Garðar Erlendsson – trombone, tuba
Erna Ómarsdóttir – french horn
Halldór Á. Björnsson – piano, keyboards
Amiina – strings
Margrét Soffía Einarsdóttir – soprano vocals on "Hula"


Label: Season Of Mist


Erscheinungsjahr: 2017


Stil: Post Rock, Art Rock, Metal


Trackliste: 

1. Silfur-Refur (6:54)
2. Ísafold (4:58)
3. Hula (7:07)
4. Nárós (7:23)
5. Hvít Sæng (7:22)
6. Dýrafjörður (7:31)
7. Ambátt (8:08)
8. Bláfjall (8:00)

Deluxe Edition Box Set Bonus Songs:

9. [Silence] (1:00)
10. Svart Blóð (4:49)
11. Samband Í Berlin (4:22)

Gesamtspieldauer: 1:07:38



Aus den nordischen Ländern kommt wahrlich sehr häufig sehr interessante Musik. Viele musikalische Perlen gibt es in Skandinavien zu entdecken, doch auch Island hat immer wieder einiges an beeindruckender Musik zu bieten. Sigur Rós und Björk fallen einem sofort ein, wenn man sich etwas für progressiven Rock interessiert. Sólstafir sind dagegen ein Quartett, welches eher im Bereich des Post Rock bis Metal anzusiedeln ist. „Berdreyminn“ heißt das bereits sechste Studioalbum der Band und erschien am 26. Mai 2017 auf dem Plattenlabel Season Of Mist.

Auf „Berdreyminn“ hört man abwechslungsreichen und überaus eingängigen Metal, vermischt mit Post Rock und auch Dark Rock Anleihen. Die Atmosphäre der Platte ist eine eher dunkle, wozu auch der isländische Gesang des Gitarristen und Sängers Aðalbjörn Tryggvason beiträgt. Dieser klingt in den eher raueren Stellen wütend bis aufbrausend, bei den sanfteren Passagen fast schon ein wenig weinerlich ohne, dass dies negativ zum Tragen käme. Der Gesang passt mit der isländischen Sprache perfekt zur Musik. Somit wird der eher düstere Gesamteindruck der einzelnen Lieder nochmals vervollständigt und ergänzt. Gerockt wird auf „Berdreyminn“, doch die etwas ruhigeren Passagen in den Liedern von Sólstafir gibt es eben durchaus auch und laden schließlich zum Luftholen ein. Zudem verbreiten Synthesizer-Klangteppiche eine mitunter fast schon mystische Stimmung, die die neblige Stimmung des Album-Covers perfekt widerspiegelt.

Ausfälle gibt es keine auf „Berdreyminn“, dafür jedoch jede Menge Höhepunkte. Die Lieder „Silfur-Refur“, „Hula“, „Dýrafjörður“, „Bláfjall“ sowie „Svart Blóð“ stellen allesamt beeindruckende Nummern dar, die ziemlich schnell wirken und überzeugen. Zumeist eher rockig gehalten, kann allerdings auch solch ein Lied wie „Hula“, bei der Margrét Soffía Einarsdóttir eine Sopran-Stimme beisteuert und die Streicher für eine entsprechende Wohlfühlstimmung sorgen, durchgängig mitreißen. Die Platte hört sich in einem Durchhören, beeindruckt nach mehrmaligem Abspielen sogar noch mehr.

Fazit: Metal mit vielen dunklen Stellen gibt es auf „Berdreyminn“ vom isländischen Quartett Sólstafir zu hören. Die Titel rocken zumeist, gehen dabei gut ins Ohr. Und für die Abwechslung sorgt neben der Instrumentierung auch die ein oder andere ruhigere Stelle auf „Berdreyminn“. Ganz bestimmt ist dieses Album nicht nur Metal Fans interessant, sondern dürfte auch Freunde der progressiveren Töne überzeugen. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Silfur-Refur, Hula, Bláfjall



Dienstag, 14. Juli 2015

Björk – Vespertine




Björk – Vespertine


Besetzung:

Björk – programming, beat programming, basslines, strings arrangements, choir arrangements, harp arrangements, music box arrangements, vocal editing, sounds recording, field recording


Gastmusiker:

Valgeir Sigurðsson – programming, beat programming, pro tools
Martin Gretschmann –  programming
Jake Davies – programming, pro tools
Matthew Herbert – programming
Leigh Jamieson – pro tools
Thomas Knak – programming
Jan "Stan" Kybert – pro tools
Matmos – programming, beat programming
Vince Mendoza – string arrangements, choir arrangements, orchestration
Zeena Parkins – harp, harp arrangements
Jack Perron – adaptation to music box
Guy Sigsworth – programming, beat programming, celeste, celeste arrangements, clavichord, clavichord arrangements, choir arrangements
Damian Taylor – programming, beat programming, pro tools
Caryl Thomas – harp
Marius de Vries – programming, beat programming
St. Paul's Cathedral Choir – Choir on „Unison“


Label: One Little Indian


Erscheinungsdatum: 2001


Stil: Art Pop, Electronica


Trackliste: 

1. Hidden Place (5:29) 
2. Cocoon (4:28)
3. It's Not Up To You (5:09)
4. Undo (5:38)
5. Pagan Poetry (5:14)
6. Frosti (1:41)
7. Aurora (4:39)
8. An Echo, A Stain (4:04)
9. Sun In My Mouth (2:40)
10. Heirloom (5:12)
11. Harm Of Will (4:37)
12. Unison (6:47)

Gesamtspieldauer: 55:42




„Vespertine“ heißt das fünfte Studio-Album der Isländerin Björk, welches im August 2001 veröffentlicht wurde. Für vielen Fans von Björk stellt dieses Album die beste Platte dar, die sie bisher veröffentlicht hat. Nun, Björk hat mit Sicherheit ein ganz eigenes musikalisches Genre geprägt, denn Pop ist das eigentlich nicht mehr, was man hier hört. Es ist eben Björk, wenn die zierliche Isländerin mal weinerlich klingt, dann wieder fest und dominant, mal reif, ein anderes Mal mädchenhaft und schüchtern. Dies alles untermalt dabei Musik, die so ganz anders ist, als alles, was man sonst so aus der Musikszene kennt.

Sieht man dann mal auf die Liste der verwendeten Instrumente, wird ebenfalls schnell klar, dass es sich hierbei unmöglich um ein „ganz normales“ Pop-Album handeln kann. Herumprogrammiert wurde an den einzelnen Titeln ganz schön viel, eine Gitarre, einen Bass, ein Klavier oder ein Schlagzeug sucht man jedoch vergebens. Allerdings ist die Scheibe vollgepackt mit durchaus „seltsam“ zu umschreibenden Geräuschen. Irgendwo fiept oder knackt es immer, gibt es ein Brummen oder Rauschen. Dabei sind auch die Gesangslinien der Björk immer wieder überraschend. Man kann wahrlich nicht behaupten, dass die Musik auf „Vespertine“ sehr melodiös ausgefallen wäre – Ausnahmen wie „Pagan Poetry“ bestätigen da nur die Regel. Schon gar nicht bei den ersten Durchgängen der Scheibe. Mitunter gibt es überhaupt keine Melodie, worüber Björk dann eine nichtmelodiöse Gesangslinie legt. Allerdings klingt dies in seiner Gesamtheit keineswegs atonal, eher spannend und faszinierend. Gut mit dem häufigen Hören des Albums wird es dann auch ein wenig eingängiger, von Harmonie in der Musik auf „Vespertine“ kann man allerdings immer noch keinesfalls sprechen. Das klingt alles äußerst schräg, seltsam und manchmal auch wie kaum von dieser Welt stammend.

So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass sich an dieser Art der Musik die Geister scheiden. Diese wird geliebt oder lässt Hörerin und Hörer fast schon fassungslos, zumindest aber verwirrt zurück. Bei aller Technik- und Computerverbundenheit wirkt die Musik von Björk auf „Vespertine“ allerdings keinesfalls konstruiert, eher eben experimentell. Schaden kann es dabei sicherlich auch nicht, während des Hörens eine kleine Traumreise durch Island zu veranstalten. Es werde einem zwar kaum Trolle und Zwerge begegnen, jedoch jede Menge Feen und Elfen.

Fazit: Das ist doch mal was ganz Besonderes, diese Platte von Björk. „Vespertine“ ist wahrlich nicht alltäglich. Der Titel des Albums „Vespertine“ kann in etwa mit „abendlich“ übersetzt werden, Björk selbst nennt es ihr „Winteralbum“, da sie den Großteil der Lieder im dunklen und kalten isländischen Winter geschrieben hat. Nun und irgendwie genau so klingt die Scheibe auch. Auf ihre Art dunkel und für die kalten und langen Abende im Spätherbst und Winter gemacht – dann allerdings, kann diese Musik auch das Herz erwärmen, wenn man eben nicht verwirrt zurückbleibt. Elf Punkte.

Anspieltipps: It's Not Up To You, Pagan Poetry, Frosti



Donnerstag, 2. Juli 2015

Björk – Homogenic




Björk – Homogenic


Besetzung:

Björk – vocals, keyboards


Gastmusiker:

Alasdair Alloy – glass harmonica
Vaughan Armon – violin
Mark Bell – keyboards
Sigurbjorn Bernhardsson – violin
Mark Berrow – violin
Mike Brittain – bass
Jeffrey Bryant – horn
Roger Chase – viola
Ben Cruft – violin
Sigrun Edvaldsdottir – violin
Paul Gardhaim – bass
Roger Garland – violin
Wilfred Gibson – violin
Isobel Griffiths – orchestra contractor
Sigurdur Bjarki Gunnarsson – cello
Hrund Hardardottir – viola
Bill Hawkes – viola
Steve Henderson – timbales, tympani
Paul Kegg – cello
Yasuhiro Kobayashi – accordion
Peter Lale – viola
Chris Laurence – bass
Helen Liebmann – cello
Martin Loveday – cello
Alasdair Malloy – glass harmonica
Perry Mason – violin
Jim McLeod – violin
Perry Montague-Mason – violin
Trevor Morais – drums, electronic drums
Jon R. Ornolfsson – cello
Peter Oxer – violin
Paul Pritchard – bass
Maciej Rakowski – violin
Frank Ricotti – snare drums
George Robertson – viola
Guy Sigsworth – clavichord, keyboards, pipe organ
Moeidur Anna Sigurdardottir – viola
Una Sveinbjarnardottir – violin
Mike Thompson – horn
Sif Tulinius – violin
John Tunnell – cello
Helen Tunstall – harp
Gavyn Wright – violin


Label: One Little Indian


Erscheinungsdatum: 1997


Stil: ArtPop, Experimental


Trackliste:

1. Hunter (4:15)
2. Joga (5:05)
3. Unravel (3:21)
4. Bachelorette (5:12)
5. All Neon Like (5:53)
6. 5 Years (4:29)
7. Immature (3:06)
8. Alarm Call (4:19)
9. Pluto (3:19)
10. All Is Full Of Love (4:33)

Gesamtspieldauer: 43:36




Nun, Björk, das ist echt so eine Sache. Die zierliche Isländerin lässt sich noch nicht einmal eindeutig einem bestimmten musikalischen Genre zuordnen, Björk ist irgendwie das Musikgenre selbst. Nichts klingt bei Björk irgendwie „normal“, alles klingt unerwartet, völlig überraschend. Und kein anderer Musiker beziehungsweise besser keine andere Musikerin klingt so wie Björk. Genau so ist das auch auf ihrem vierten Studioalbum „Homogenic“, welches 1997 veröffentlicht wurde.

Sicherlich reicht bei Björk niemals ein kurzes Durchhören einer Platte, um an dem Ganzen Gefallen zu finden, schon gar nicht, um die Musik von Björk auch zu verstehen. Entweder, man nimmt Reißaus oder aber, man findet das Gehörte irgendwie interessant. Wenn letzteres allerdings passiert, dann hat diese nordische Elfe einen am Wickel. Denn dann möchte man es irgendwie auch ganz verstehen und legt diese Platte immer wieder auf. Schließlich passiert es dann auch. Irgendwelche, vorher überhaupt nicht sichtbare Schleier scheinen sich zu lösen, die Musik wird deutlich eingängiger, vertrauter und auch auf irgendeine Art und Weise sympathischer.

Gut, auf „Homogenic“ hört man also eine Art experimentellen ArtPop, der von der Stimme der Björk beherrscht wird. Die Musik wird mit der Zeit deutlich eingängiger, allerdings erst nach mehreren Durchläufen. Oder sind es sogar viele Durchläufe? Egal. Spannend klingt das jedoch immer, da es so gar nicht in das Schema der Mainstream-Musik passt. Seltsame Geräusche bahnen sich den Weg zum Ohr der Hörerin oder des Hörers. Dann jedoch auch wieder Abschnitte, angefüllt mit sanften Streicherklängen, die eine wohlige Wärme vermitteln. So wird man als Hörer in musikalische Welten befördert, die einem zum Teil unzugänglich wirken, andererseits wie die Geborgenheit schlechthin erscheinen. Ganz allgemein scheinen die Lieder am Anfang des Albums leichter zugänglich zu sein, eröffnen sich der Hörerin, dem Hörer deutlich schneller. Allerdings gibt es auch Nummern, die werden mir persönlich wohl immer ein Rätsel bleiben…

Fazit: Ich hatte zunächst das Cover von „Homogenic“ gesehen und dachte mir: „Das wird nichts mit uns Beiden.“ Inzwischen empfinde ich das Cover der Platte sehr aussagekräftig, denn es spiegelt sehr gut dieses Album wider. Immer experimentell, manchmal eingängig, manchmal auch nicht zu dekodieren – zumindest nicht für mich. Allerdings macht Björk auch dieses Mal spannende Musik, die sich mit jedem weiteren Hören immer weiter öffnet. Irgendwie scheint es wirklich so zu sein, dass sich das Gehirn auf diese Klänge einstellen muss, bahnen organisieren muss, damit einen diese Musik der Björk auf „Homogenic“ auch wirklich trifft. Wenn das dann aber passiert, dann… Elf Punkte.

Anspieltipps: Hunter, Joga, Bachelorette, Immature



Samstag, 21. März 2015

Sigur Rós – Von




Sigur Rós – Von


Besetzung:


Jón Þór Birgisson – vocals, guitar, synthesizer
Georg Hólm – bass, synthesizer
Ágúst Ævar Gunnarsson – drums, synthesizer


Label: Smekkleysa


Erscheinungsdatum: 1997


Stil: Post-Rock, Ambient


Trackliste:

1. Sigur Rós (9:47)
2. Oögun (5:50)
3. Hún Jörð (7:18)
4. Leit Að Lifi (2:34)
5. Myrkur (6:14)
6. 18 Sekúndur Fyrir Sólarupprás (0:18)
7. Hafssól (12:25)
8. Veröld Ný Og Óð (3:29)
9. Von (5:12)
10. Mistur (2:16)
11. Syndir Guðs (Opinberun Frelsarans) (7:45)
12. Rukrym (9:01)

Gesamtspieldauer: 1:12:13




Genauso gespenstisch, wie das Cover dieses ersten Albums der isländischen Band Sigur Rós aussieht, so klingt die Scheibe mit dem Titel „Von“, zu Deutsch „Hoffnung“, aus dem Jahr 1997 auch. „Von“ hält so manche Soundkollage, Ambient-Musik sowie einige Titel, die zumindest ein wenig den Aufbau eines ganz „normalen“ Liedes aufweisen, für den Hörer parat.

Stilistisch unterscheidet sich die Platte sehr deutlich von allen weiteren Scheiben, die da noch folgen sollten. Die hier noch als Trio funktionierende Band, kommt dabei mit nur wenigen Instrumenten aus, Orchester-Musiker sind noch nicht mit in den Klang eingebunden. „Von“ beginnt mit einem Lied, welches den Bandnamen „Sigur Rós“ trägt. „Sigur Rós“ bedeutet übersetzt „Sieg“ sowie „Rose“, was keinerlei Sinn ergibt und ein Wortspiel ist, welches aus dem Namen „Sigurrós“ entstand. Diesen trägt die jüngere Schwester Jón Þór Birgissons, die wenige Tage vor der Gründung der Band geboren wurde. Wie man dann allerdings bei den Worten „Sieg“ und „Rose“ oder aber bei den Gedanken an die Geburt eines kleinen Mädchens solch ein Lied komponieren kann, das ist schon äußerst überraschend. Die Nummer „Sigur Rós“ ist Musik, die einem Geisterfilm entsprungen zu sein scheint. Verzweifelte Schreie sind da zu hören, entsetzliche Geräusche und jede Menge grauenvoller Wesen, die hier mit Sicherheit nur eines im Sinn haben, nämlich irgendwelche unschuldigen Menschen zu quälen. So viel zu den Assoziationen, die hier zwangsläufig aufkommen. Die Musik selbst „quält“ jedoch keineswegs. Sie ist dicht und packend, sicherlich nicht als Hintergrundmusik geeignet, jedoch lässt sie beim Hörer, der sich darauf konzentriert, schöne Schauer entstehen, die genüsslich den Rücken herunterlaufen.

Bei „Oögun“ eröffnen sich dem Hörer nun weite und fast schon unendlich scheinende Klangwelten, die allerdings deutlich heller gehalten sind, als noch bei dem Lied zuvor. Ambient Musik ist das, ganz frei gehalten, ohne Struktur. Man hört Hintergrundgeräusche wir Regen oder Stimmengewirr, alles scheint dabei sehr schwerelos zu sein. Die Stimmungen wechseln hierbei von sehr düster, bis deutlich heller. Immer wirkt das Ganze jedoch auch ergreifend und lässt einen beim Hören nicht unberührt. Diese Art der Musik muss man lieben oder man wird sie hassen. Mit „Hún Jörð“ folgt dann die erste Nummer, die über so etwas wie eine Melodie verfügt. Dazu gesellt sich eine „schwere“ Gitarre und man kann hier nun durchaus von einem Rock-Song sprechen. Dieser stellt jedoch vor allem, durch den nicht auf ein Geschlecht zu reduzierenden Gesang des Jón Þór Birgisson, wiederum etwas Besonderes dar.

Es folgen nun Klangkollagen wie „Leit Að Lifi“, rockigere und fast schon als „normal“ zu bezeichnende Stücke wie „Myrkur“ oder eine Spielerei wie „18 Sekúndur Fyrir Sólarupprás“. Letztere ist eine Nummer, die 18 Sekunden dauert und bei der man 18 Sekunden lang gar nichts hört – Stille ist angesagt.

Im weiteren Verlauf des Albums entstehen immer wieder neue Klanggebilde und ganze Klangwelten, die wieder dem Musikgenre des Ambient zuzuordnen sind. Jedoch sind auch solche Stücke zu hören, die dann durchaus schon auf die späteren Werke der Band hinweisen, wenn diese auch noch nicht ganz so ausgereift sind, wie in den darauffolgenden Jahren. Zum Schluss gibt es schließlich mit „Rukrym“ nochmals eine sehr eigenwillige Nummer, die in den ersten fünfeinhalb Minuten nur aus Stille besteht, um dann für dreieinhalb Minuten nochmals einen Abschnitt aus „Myrkur“ wiederzugeben – allerdings rückwärts abgespielt, auf nichts anderes deutet bereits der Titel „Rukrym“ hin.

Fazit: Beeindruckend ist „Von“ von Sigur Rós wahrlich, denn das, was man hier zu hören bekommt, ist sicherlich keine 08/15-Musik, die man laufend hört. Allerdings hört man auf „Von“ auch keine einfache Musik. Begeistern können die Titel zwar durchaus, manches Mal klingt das alles jedoch auch ein wenig zu abgedreht. Die drei Musiker waren zunächst zudem nicht so ganz zufrieden mit dem Ergebnis, die Platte verkaufte sich zu Beginn auch relativ schlecht. Ganze 313 Kopien wurden von diesem Album zunächst in Island verkauft. Das änderte sich erst, als mit „Ágætis Byrjun“ zwei Jahre später der Nachfolger auf den Markt kam und in England sich der Erfolg einstellte. „Ágætis Byrjun“ bedeutet auf Deutsch "Ein guter Anfang". Nun aber ganz ausblenden sollten die Musiker ihren Erstling wahrlich nicht. Kein Meisterwerk zwar und ab und an etwas sperrig, doch wahrlich nicht schlecht und durchaus auch beeindruckend. Neun Punkte.

Anspieltipps: Sigur Rós, Hún Jörð



Samstag, 14. September 2013

Sigur Rós – Kveikur




Sigur Rós – Kveikur


Besetzung:

Jón Þór „Jónsi“ Birgisson – vocals, guitar, keyboards
Georg „Goggi“ Hólm – bass
Orri Páll Dýrason – drums


Gastmusiker:

Margrét Arnadóttir – strings
Pálína Árnadóttir – strings
Daníel Bjarnason – string arrangements
Sigrún Jónsdóttir – brass
Borgar Magnason – strings
Pórunn Ósk Marinósdóttir – strings
Eiríkur Orri Ólafsson – brass, brass arrangement
Bergrún Snæbjörnsdóttir – brass
Una Sveinbjarnardóttir – strings


Label: XL Recordings


Erscheinungsdatum: 2013


Stil: Post-Rock, Independent


Trackliste:

1. Brennisteinn (7:45)
2. Hrafntinna (6:23)
3. Ísjaki (5:03)
4. Yfirborð (4:19)
5. Stormur (4:55)
6. Kveikur (5:55)
7. Rafstraumur (4:58)
8. Bláþráður (5:12)
9. Var (3:44)

Gesamtspieldauer: 48:13




Befand sich die Band Sigur Rós mit ihrem 2012 erschienenen Album „Valtari“ mitunter sehr nahe am Genre der Ambient Musik, so stellt der interssierte Hörer 2013 fest, dass nun, auf dem inzwischen bereits siebten Studio-Album der Isländer, ein richtiggehender Stilwechsel mit der Veröffentlichung von „Kveikur“ erfolgte. Diese außergewöhnliche Band ist dabei natürlich immer noch zu erkennen und das liegt nicht nur an den für deutsche Ohren ungewöhnlichen isländischen Texten oder der einprägsamen – und ebenfalls ungewöhnlichen – Stimme des Jón Þór Birgisson. Die Atmosphäre, die diese Musik zu verbreiten versteht, hat sich nicht verändert. Den Liedern haftet immer noch etwas Mystisches, Verträumtes und Märchenhaftes an. Allerdings gibt es in der Machart der Musik einen deutliches Stilwechsel zu hören. Die einzelnen Titel sind wedentlich rockiger geworden und weisen, bis auf den letzten Titel „Var“, der eher ein etwas sphärisches Ausblenden der Platte darstellt, eine Struktur mit Strophe und Refrain auf.

Genau wie alle anderen Platten von Sigur Rós, sind die Titel nicht gleich beim ersten Hören eingängig und müssen vom Hörer erarbeitet werden. Die Wiederholung macht es hier eindeutig, die die Melodiösität herausstellt und diesen wohligen Wiedererkennungswert bewirkt, der häufig gute Musik von schlechterer zu unterscheiden weiß. Die inzwischen zum Trio geschrumpfte Band füllt ihre Musik auch auf „Kveikur“ mit fetten Keyboard-Klangteppichen, sowie durch eine Streicher- und Brass-Sektion an, die die einzelnen Lieder voll und dicht erklingen lassen. Dabei kommt es immer wieder zu dem Umstand, dass der Fuß des Hörers mitzuwippen versucht ist, denn Rhythmus spielt auf „Kveikur“ eine bedeutendere Rolle, als auf so mancher anderen Veröffentlichung der Isländer. Aber natürlich gibt es auch noch diese etwas sphärioscheren, fast schon schwebenden Abschnitte in der Musik, die sich dieses Mal allerdings nicht über einen ganzen Titel erstrecken, sondern neben treibenderen Passagen in die Lieder integriert wurden.

Höhepunkte der Platte sind der Opener „Brennisteinn“, das wunderschön melodische „Ísjaki“, welches fast schon in die Richtung Pop-Musik driftet, die treibende und „härteste“ Nummer des Albums, der Titelsong „Kveikur“ selbst, sowie das wieder ein wenig poppigere und erneut sehr eingängige „Bláþráður”. Und auch diese Auswahl generiert vier Lieder, die eindeutig von derselben Band zu stammen scheinen, trotzdem jedoch auf ihre Weise ganz unterschiedlich sind.

Fazit: Die Musik von Sigur Rós ist treibender und dabei auch abwechslungsreicher geworden. Die Stimmungen, die die Musik dieser Band zu transportieren weiß, sind immer noch vorhanden – nun allerdings in einem etwas rockigeren Gewand. Einhören musste man sich in die Musik von Sigur Rós schon immer, daran hat sich auch auf „Kveikur“ nichts geändert. Beschreitet man diesen Weg allerdings und lässt den Liedern ein wenig Zeit, kann man als Hörer hier jede Menge für sich entdecken. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Brennisteinn, Ísjaki, Kveikur, Bláþráður





Freitag, 12. April 2013

Sigur Rós – Ágætis Byrjun




Sigur Rós – Ágætis Byrjun


Besetzung:


Jón Þór Birgisson – vocals, guitar
Kjartan Sveinsson – keyboard
Georg Hólm – bass
Ágúst Ævar Gunnarsson – drums


Label: fatcat Records


Erscheinungsdatum: 1999


Stil: Post-Rock, Art-Rock


Trackliste:

1. Intro (1:36)
2. Svefn-G-Englar (10:04)
3. Starálfur (6:46)
4. Flugufrelsarinn (7:49)
5. Ný Batterí (8:10)
6. Hjartað Hamast (Bamm Bamm Bamm) (7:10)
7. Viðrar Vel Til Loftárása (10:18)
8. Olsen Olsen (8:03)
9. Ágætis Byrjun (7:56)
10. Avalon (4:04)

Gesamtspieldauer: 1:11:57




„Ágætis Byrjun“ nannte die isländische Band Sigur Rós ihr zweites Album, welches 1999 erschien. Und ganz ehrlich gesagt: Dieses Album wird niemals den Massenmarkt erobern. Die Musik auf „Ágætis Byrjun“ gefällt mit Sicherheit nur einigen „ausgewählten“ Musikfreunden. Für mich befindet sich auf diesem Album jedoch Musik, die ein Grund dafür ist, dass ich überhaupt so gerne und viel Musik höre. Musik, die mich trifft.

Auf „Ágætis Byrjun“ gibt es wieder viel Stimmung und Atmosphäre. Musikalische Eindrücke, Momentaufnahmen, die manchmal sphärischer klingen, ein anderes Mal durchaus rockiger. Alles ist dabei jedoch immer sehr melodiös gehalten. Es klingt und rauscht und summt alles sehr harmonisch. Dazu muss man aber auch etwas mit der Stimme des Jón Þór Birgisson anzufangen wissen, denn die hört sich nicht selten elfenhaft an. Für einen Mann wahrlich ungewöhnlich.

Die Musik ist stets traurig und melancholisch, das Wetter scheint in Island sehr oft schlecht zu sein. Irgendwie passt das alles zu einem verregneten Tag, an dem man sich in seiner Melancholie und Sentimentalität suhlen möchte. Schöne Verzweiflung, die einem da entgegenklingt. Und dann kommt da plötzlich so ein „rockiger“ Song wie „Hjartað Hamast (Bamm Bamm Bamm)“. Absolut genial gemacht, schnellere und langsamere Abschnitte, fast schon Geflüster und dann wieder kraftvoller Gesang. Seltsame, verrauschte Hintergrundgeräusche und plötzlich erneut ganz klare Harmonien. Dazu eine zum steinerweichende Melodie, die mal mehr von der Orgel, mal mehr von den Streichern dominiert wird. Da kann ich jedem nur Kopfhörer und Zeit empfehlen.

Fazit: „Ágætis Byrjun“ macht einfach Spaß, wenn man mal was anderes hören möchte. Nichts für das Radio, nichts für die Party und auch keine Musik zum Nebenbeihören. „Ágætis Byrjun“ verlangt die volle Konzentration vom Zuhörer, der dafür allerdings auch belohnt wird. Einfach gute Musik zum Träumen, zum Entspannen und zum Ausklingenlassen des Tages. Elf Punkte.

Anspieltipps: Ný Batterí, Hjartað Hamast (Bamm Bamm Bamm), Ágætis Byrjun (Ich hätte außer diesen dreien Titeln aber noch fünf bis sechs weitere dazuschreiben können.)





Dienstag, 2. April 2013

Of Monsters And Men – My Head Is An Animal




Of Monsters And Men – My Head Is An Animal


Besetzung:

Arnar Rósenkranz Hilmarsson – drums and percussion
Árni Guðjónsson – accordion, piano, organ
Brynjar Leifsson – electric and baritone guitar
Kristján Páll Kristjánsson – bass
Nanna Bryndís Hilmarsdóttir – vocals and acoustic guitar
Ragnar Þórhallsson – vocals and acoustic guitar


Gastmusiker:

Ari Bragi Kárason – trumpet
Ragnhildur Gunnarsdóttir – trumpet
Bergrún Snæbjörnsdóttir – french horn

Label: Universal Music


Erscheinungsdatum: 2012


Stil: ArtPop


Trackliste:

1. Dirty Paws (4:38)
2. King And Lionheart (4:34)
3. Mountain Sound (3:35)
4. Slow And Steady (5:02)
5. From Finner (3:43)
6. Little Talks (4:27)
7. Six Weeks (5:34)
8. Love Love Love (3:59)
9. Your Bones (4:09)
10. Sloom (4:44)
11. Lakehouse (4:35)
12. Yellow Light (4:53)

Gesamtspieldauer: 53:53




Isländer können nur so eine Art “verwunschene” Musik machen. So etwas wie Sigur Rós oder eben Björk? Stimmt nicht, stimmt überhaupt nicht. Of Monsters And Men beweisen genau das Gegenteil. Die Musik auf ihrem Debut-Album “My Head Is An Animal” aus dem Jahr 2012 beinhaltet nämlich ganz andere Musik, deutlich fröhlichere Töne, rhythmische Titel, die zum Mitwippen und sogar zum Mitsingen animieren – ohne, dass diese Musik jetzt Stimmungsmusik im herkömmlichen Sinne wäre. Nichts für die Après Ski Party oder die Disco, um die Tanzfläche voll zu bekommen.

Obwohl Letzteres bei Titeln wie „Little Talks“ mit einer sehr eingängigen Melodie und jeder Menge gerufenen „Heys“ gar nicht so abwegig ist. Aber dieser Titel ist dann doch eher die Ausnahme auf dem Album. Sonst ist die Musik zwar eher fröhlich und meist auch kraftvoll, geht schnell ins Ohr und macht Spaß, wirkt trotzdem allerdings auch immer ein wenig nachdenklich. Die Titel leben auch von der Abwechslung im Gesang, den sich Nanna Bryndís Hilmarsdóttir und Ragnar Þórhallsson teilen. Alles klingt, jedoch nichts wirkt oberflächlich und gestellt. Alles passt in sich und fühlt sich sehr ausgereift an.

Flottere Abschnitte wechseln sich mit ruhigeren Tönen meist bereits in den einzelnen Nummern ab, sodass Lieder entstehen, die spannend wirken und nie den Anstrich der Langeweile offenbaren. Alles klingt und wirkt oftmals so, als ob die Musik einen schon längere Zeit begleiten würde, obwohl man sie gerade erst zum ersten Mal gehört hat. Eingängigkeit nennt man das wohl. Of Monsters And Men beweisen hier ihr Gefühl für die passende Harmonie, die den Hörer einzufangen weiß, die den Punkt trifft, die einen aufhorchen lässt, um dem Song noch intensiver zu folgen.

Fazit: Ein schönes Album ist „My Head Is An Animal“ von Of Monsters And Men. Nicht unbedingt eine sehr aufregende Platte, eher eine, die man gerne einlegt in dem Bewusstsein, dass wenn gleich ein paar Freunde zu Besuch kommen, man mit dieser Musik wahrlich nichts falsch machen kann. Sie werden fragen: „Was hörst Du da gerade?“ Und diese Frage wird nicht abwertend gemeint sein. Elf Punkte.

Anspieltipps: Dirty Paws, Little Talks, Your Bones





Samstag, 30. März 2013

Sigur Rós – Með Suð Í Eyrum Við Spilum Endalaust




Sigur Rós – Með Suð Í Eyrum Við Spilum Endalaust


Besetzung:

Jón Þór „Jónsi“ Birgisson – vocals, guitar
Kjartan "Kjarri" Sveinsson – keyboards
Georg „Goggi“ Hólm – bass
Orri Páll Dýrason – drums


Gastmusiker:

Strings: Amiina (Tracks 2, 3, 4, 5, 8 & 9):
Hildur Ársælsdóttir
Edda Rún Ólafsdóttir
Maria Huld Markan Sigfúsdóttir
Sólrún Sumarliðadóttir

Brass (Tracks 2, 4 and 11) performed by:
E. Friðfinnsson
Helgi Hrafn Jónsson
I.G. Erlendsson
K. Håkonarson
Samúel Jón Samúelsson
S. Sigurðarson
S.J. Bernharðsson

Tambourine, claps and other noises by Siggi Frendi, Höddi Gunni, John Best, Sunray and Breeze


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 2008


Stil: Post-Rock, Art Rock


Trackliste:

1. Gobbledigook (3:05)
2. Inní Mér Syngur Vitleysingur (4:05)
3. Góðan Daginn (5:15)
4. Við Spilum Endalaust (3:33)
5. Festival (9:24)
6. Með Suð Í Eyrum (4:56)
7. Ára Bátur (8:57)
8. Illgresi (4:13)
9. Fljótavík (3:49)
10. Straumnes (2:01)
11. All Alright (6:21)

Gesamtspieldauer: 55:40




„Mit einem Summen in unseren Ohren spielen wir endlos“ heißt das fünfte Album „Með Suð Í Eyrum Við Spilum Endalaust“ der isländischen Band Sigur Rós übersetzt. Nun, endlos spielen sie auf dieser CD nicht, knappe 56 Minuten lang dauert das Ganze und ist dabei sehr abwechslungsreich. Die Musik ist letztendlich sogar sehr viel abwechslungsreicher, als auf allen bisherigen Veröffentlichungen der Band.

Auf „Með Suð Í Eyrum Við Spilum Endalaust“ ist es zum ersten Mal möglich zu hören wie es klingt, wenn die Isländer versuchen „fröhlichere“ Musik zu machen. Bei den Titeln „Gobbledigook“, „Inní Mér Syngur Vitleysingur“ und „Við Spilum Endalaust“ kann man diese Stimmung jetzt so richtig auf sich wirken lassen. Aber wie bereits erwähnt, der Abwechslungsreichtum steht dieses Mal im Vordergrund. So herrscht gegen Ende der Platte wieder diese melancholische Stimmung vor, die man von den anderen Scheiben der Band bereits kennt. Ist diese beim Titel „Fljótavík“ bereits stark ausgeprägt, so wird die traurige, nachdenkliche Atmosphäre mit den letzten beiden Titeln „Straumnes“ und „All Alright“ noch weiter manifestiert. Hier wird nun alles nur noch ganz zart, sanft und weich angedeutet, hauchdünne Klangwelten werden ausgesandt, in denen man sich selbst nur ganz, ganz vorsichtig zu bewegen traut, so zerbrechlich wirkt das Ganze.

Dazwischen gibt es noch solche Nummern wie „Festival“. Ein Stück, welches ebenfalls zunächst sanft beginnt, um dann richtig symphonisch und opulent zu Ende gebracht zu werden. Oder diese schöne Nummer „Illgresi“, die bei der der Gesang und die akustische Gitarre im Vordergrund stehen. Musik zum darin Schwelgen, wenn man die dafür benötigte Ader sein Eigen nennen kann. Diese kann man auch beim Stück „Með Suð Í Eyrum“ ausleben. Wunderschöne perlende Pianoklänge bahnen sich hier den Weg zum Ohr des Hörers. Wahrlich Musik zum darin Eintauchen.

Fazit: Sicherlich das uneinheitlichste Album der Isländer von Sigur Rós. Damit aber gleichzeitig auch die abwechslungsreichste Patte in der Diskographie der Band. Hier werden nun mehrere Facetten der Musik von Sigur Rós gezeigt, die alle überzeugen können. „Með Suð Í Eyrum Við Spilum Endalaust“ ist ein schönes Album geworden. Genau, ein schönes Album, das charakterisiert die Musik dieser Scheibe am besten. Naja und so ein Album-Cover bekommt man auch nicht alle Tage präsentiert. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Inní Mér Syngur Vitleysingur, Við Spilum Endalaust, Festival, Með Suð Í Eyrum, Illgresi, Fljótavík