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Montag, 29. Januar 2018

Grobschnitt – Merry-Go-Round




Grobschnitt – Merry-Go-Round


Besetzung:

Eroc – drums, hysterical voices
Lupo – lead guitar, acoustic guitar, chorus
Mist – keyboard castle, chorus
Popo Hunter – bass
Wildschwein – vocals, guitars
Toni Moff Mollo – vocals, lighting design


Label: Universal Music


Erscheinungsdatum: 1979


Stil: Progressive Rock, Krautrock


Trackliste:

1. Come On People (6:35)
2. Merry-Go-Round (6:14)
3. A.C.Y.M. (6:57)
4. Du Schaffst Das Nicht (8:35)
5. Coke Train (4:43)
6. May Day (7:51)


Bonus Tracks der remasterten Wiederveröffentlichung von 2015:

7. Merry-Go-Round (Live At Volkshaus, Zürich / 1979) (6:59)
8. Die Säule Der Nation (Live At Volkshaus, Zürich / 1979) (1:18)
9. May Day (Live At Volkshaus, Zürich / 1979) (7:42)
10. Come On People (Live At Ostwestfalenhalle, Kaunitz / 1978) (12:18)
11. Coke Train (Live At Ostwestfalenhalle, Kaunitz / 1978) (4:33)
12. Merry-Go-Round (Session Remix) (5:18)

Gesamtspieldauer: 1:19:08



„Merry-Go-Round“ heißt das fünfte Studioalbum der Hagener Progressive Rock oder Krautrock Band Grobschnitt. Im Jahr 1979 wurde die Scheibe ursprünglich auf dem Plattenlabel Metronome veröffentlicht. 2015 gab es eine neue, remasterte Auflage des Albums, welche bei Universal Music erschien. Glasklar kommt hier der Sound zum Tragen und auch bei den zahlreichen Zugaben kann man sich über den Klang wahrlich nicht beschweren.

Was allerdings nicht mehr ganz so gelungen ist, das ist die Musik auf „Merry-Go-Round“. Immer weniger klingt es hier spannend und nach der Band Grobschnitt der Jahre zuvor. Die Lieder sind eher rockig geraten, verfügen allerdings zum Teil schon über einen leicht poppigen Anstrich. Diese ausgelassenen und mit Spielfreude angefüllten Instrumentalpassagen gibt es so nicht mehr auf „Merry-Go-Round“. Die Lieder sind zwar immer noch nicht radiotauglich, doch sie nähern sich diesem Format bereits deutlich an. Grobschnitt klingen etwas austauschbarer.

Die Melodien der Lieder können nicht mehr so punkten, wie auf vorherigen Veröffentlichungen. Die Musik packt deutlich weniger, geht schlechter ins Ohr, ohne dabei jedoch völlig einfallslos oder billig zu klingen. Doch es hat sich etwas geändert in der Musik von Grobschnitt seit „Rockpommel’s Land“. Alles klingt ein wenig unspektakulärer, weniger spannend, ein klein wenig mehr dem damaligen Mainstream unterworfen. Höhepunkt des Albums ist das gleichzeitig längste Stück der Platte „Du Schaffst Das Nicht“. Doch noch niemals hat die Länge eines Liedes eine Aussage über die Qualität eines Stückes zugelassen. Das gilt auch für dieses Lied. Doch die Nummer hat was. „Du Schaffst Das Nicht“ beginnt zart, mit sanften Orgeltönen und steigert sich, wird intensiver. Das Stück wirkt dabei zunächst fast sphärisch und hinterlässt durch seine Entwicklung, sein Anwachsen, gleich von Beginn an Eindruck.

Sechs Stücke gibt es auf der offiziellen Ausgabe des Albums. Gleich sechs Zugaben mit einer Gesamtlaufzeit von knapp vierzig Minuten wurden dieser Veröffentlichung hinzugefügt. Dabei handelt es sich, bis auf die kurze Klamauk-Einlage „Die Säule Der Nation“ und einem Session Remix des Liedes „Merry-Go-Round“, um Live-Aufnahmen der Album-Lieder „Merry-Go-Round“, „May Day“, „Come On People“ sowie „Coke Train“. Diese sind klanglich durchaus hörenswert und unterscheiden sich zum Teil von den Originalen, was für den Fan durchaus einen Mehrwert darstellen dürfte.

Fazit: Mit dem Album „Merry-Go-Round“ machen Grobschnitt die ersten kleinen Schritte in Richtung zur Pop-Band. Noch ist das zum Teil durchaus noch abwechslungsreicher Rock, den man hier zu hören bekommt, doch die Ansätze, weg vom ursprünglichen Genre der Band, sind bereits vorhanden. Kein schlechtes Album, doch hält „Merry-Go-Round“ in meinen Ohren keinen Vergleich zu den Vorgängeralben mehr stand. Schade. Acht Punkte.

Anspieltipps: Du Schaffst Das Nicht



Donnerstag, 18. Januar 2018

Grobschnitt – Jumbo




Grobschnitt – Jumbo


Besetzung:

Joachim H. Ehrig (Eroc) – Schlagzeug, Perkussion, elektronische Effekte, alberne Stimmen und Schikane
Gerd Otto Kühn (Lupo) – Soloelektrogitarre, Geschäftskram
Stefan Danielak (Wildschwein) – Gesang, Chor, Rhythmus- und Akustikgitarre
Wolfgang Jäger (Pepe) – Bassgitarre und freundliches Lächeln
Volker Kahrs (Mist) – Orgel, Mellotron, Klavier, Klafünf, Synthesizer und elektronisches Bügelbrett


Label: Universal Music


Erscheinungsdatum: 1976


Stil: Progressive Rock, Krautrock


Trackliste:

1. Jupp (0:12)
2. Vater Schmidt’s Wandertag (9:39)
3. Der Clown (6:55)
4. Traum und Wirklichkeit (5:27)
5. Sonntag’s Sonnabend (11:27)
6. Auf Wiedersehen (0:47)


Bonus Tracks der remasterten Wiederveröffentlichung von 2015:

7. Vater Schmidt / Father Smith (Live At Jugendheim Niedermühlenkamp, Bielefeld / 1977) (10:24)
8. The Clown (Live At Haus der Jugend, Lünen / 1977) (6:50)
9. Sunny Sunday’s Sunset (Live At Haus der Jugend, Lünen / 1977) (11:15)
10. Sonnenflug (live) (4:03)
11. Der Ölberg, wie er singt und lacht (Live At Haus der offenen Tür, Rheine / 1975) (12:04)

Gesamtspieldauer: 1:19:08



„Jumbo“ heißt das dritte Studioalbum der Hagener Progressive Rock Band Grobschnitt. In zwei unterschiedlichen Versionen wurde die Scheibe veröffentlicht. Im Jahr 1975 erschien die englischsprachige Ausgabe des Albums, ein Jahr später dann die auf Deutsch eingesungene Variante der Platte. Beide Alben wurden damals auf dem inzwischen nicht mehr existenten Plattenlabel Metronome Records veröffentlicht. Bei dem nun besprochenen Album handelt sich um eine im Jahr 2015 remasterte Fassung von „Jumbo“ in der deutschen Ausgabe. Die englischsprachigen Varianten der Lieder wurden der Scheibe in Form von Live-Einspielungen als Zugaben beigefügt.

Man hört auch auf „Jumbo“ den für Grobschnitt so typischen, sehr melodischen und harmonischen Progressive Rock. Weiche und sanfte Passagen wechseln sich dabei mit härteren und nach vorne preschenden Abschnitten ab. Dazu gelingt es der Band auch immer wieder, speziell in den Instrumentalpassagen, einen fast schon hypnotischen Effekt zu erzeugen, wenn bestimmte Themen oder Akkorde immer und immer wieder wiederholt werden. Selbstverständlich darf auch auf „Jumbo“ eine ordentliche Prise Klamauk nicht fehlen, die immer wieder mal kurz aufleuchtet. „Jupp“ und „Auf Wiedersehen“ sind solche Spaß-Lieder zu Beginn und am Ende des ursprünglichen Albums, doch wird auch bei den anderen Titeln entsprechender Humor befeuert – hier allerdings sehr dosiert.

Musikalisch gesehen gehen die einzelnen Titel nicht ganz so ins Ohr wie auf den beiden Vorgängern. Die Ausnahme bildet auf „Jumbo“ jedoch das wahrlich gelungene „Sonntag’s Sonnabend“, gleichfalls auch das längste Lied der Platte. Hier klingen Grobschnitt eingängig und interessant, hypnotisch und spannend, abwechslungsreich und melodiös. Keine Sekunde ist dieser Titel zu kurz und die Nummer wird auch nach dem hundertsten Mal des Hörens kein bisschen langweilig. Ebenso können die Lieder „Vater Schmidt’s Wandertag“ sowie „Traum und Wirklichkeit“ noch punkten, wenn auch nicht mehr so überzeugend wie das längste Stück des Albums. Gut und lohnend gehört zu werden sind sie jedoch allemal. Insgesamt macht die Platte damit durchaus Laune, wenn man denn auf die harmonische Ausprägung des Progressive Rocks steht.

Auch dieses Mal wurde bei der remasterten Wiederveröffentlichung nicht gegeizt. Bei „Jumbo“ sind es die gleichen Titel, die nun nochmals zu hören sind, jedoch live eingespielt und in der englischen Variante, wie sie ein Jahr zuvor veröffentlicht worden waren. Die Soundqualität ist dabei sehr gut, bis auf jene beim letzten Stück „Der Ölberg, wie er singt und lacht“. Diese Einspielung klingt eher dumpf und flach. Allerdings ist diese Nummer praktisch ein reines Spaß-Lied, welches entbehrlich ist.

Fazit: Für Grobschnitt Fans ganz sicher eine tolle Platte. Und auch wer gerne Progressive Rock aus Deutschland hört, wird hier bestens bedient. Mag man dazu noch die melodiöse Ausprägung dieses musikalischen Genres, kann gar nichts mehr schiefgehen und man wird die Platte lieben. „Jumbo“ ist vielleicht nicht das beste Grobschnitt Album geworden, allerdings immer noch ein sehr hörenswertes. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Sonntag’s Sonnabend



Montag, 8. Januar 2018

Grobschnitt – Grobschnitt




Grobschnitt – Grobschnitt


Besetzung:

Joachim H. Ehrig (Eroc) – drums, percussion, electronic effects
Axel Harlos (Felix) – drums, percussion
Stefan Danielak – vocals, rhythm guitar
Bernhard Uhlemann (Baer) – bass, flute, percussion
Gerd Otto Kühn (Lupo) – lead guitar
Hermann Quetting (Quecksilber) – organ, piano, spinet, percussion


Label: Metronome – Brain


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: Progressive Rock, Krautrock


Trackliste:

1. Symphony (13:47)
2. Travelling (6:49)
3. Wonderful Music (3:41)
4. Sun Trip (Am Ölberg) (2:33)
5. Sun Trip (On The Way) (4:08)
6. Sun Trip (Battlefield) (5:42)
7. Sun Trip (New Era) (5:19)


Bonus Tracks der remasterten Wiederveröffentlichung von 2015:

8. About My Town (Live At THG Aula, Hagen / 1971) (11:00)
9. Another Symphony (Live At Städtischen Gymnasium, Gütersloh / 1977) (26:05)

Gesamtspieldauer: 1:19:08




Wenn man gut gemachten Progressive Rock aus deutschen Landen hören möchte, den die Engländer etwas abwertend auch mit Krautrock umschreiben, dann liegt man bei der Hagener Band Grobschnitt genau richtig. Dies gilt bereits für ihre erste Scheibe, die selbstbetitelt im Jahr 1972 auf dem Label Metronome veröffentlicht worden ist. Auf „Grobschnitt“ von Grobschnitt hört man melodiösen, abwechslungsreichen und spannenden Progressive Rock, der mitunter auch humoristische Züge aufweist.

Das Album beginnt mit dem Stück „Symphony“, einem, wenn nicht dem Höhepunkt der ganzen Platte. Auf knapp vierzehn Minuten zeigen die sechs Musiker von Grobschnitt hier, wie abwechslungsreich Progressive Rock klingen kann. Auf „Symphony“ gibt es die ruhigen und sanften Passagen, neben den treibenderen Abschnitten. Laute und leise musikalische Stellen, egal welchen Pegel man auf seiner Anlage eingestellt hat. Über allem schwebt dabei die Eingängigkeit der Musik, die immer ins Ohr geht. Durch die vielen Themenwechsel bleibt es immer spannend, gleichzeitig passt alles perfekt zusammen, scheint genau so und keineswegs anders zusammen zu gehören.

Die folgenden Nummern „Travelling“ und „Wonderful Music“ spielen ebenfalls mit Atmosphären und Stimmungen. „Travelling“ ist rockiger geraten, triebt den Beat nach vorne. Die E-Gitarre steht hier ganz klar im Mittelpunkt des Stücks, jault und windet sich von einem Solo zum nächsten. „Wonderful Music“ ist eine Melange aus Flöte und akustischer Gitarre, die ziemlich fröhlich und locker klingt. Wenn dann auch noch der Gesang einsetzt, erinnert das Lied etwas an mittelalterliche Klänge, ohne jedoch völlig in dieses Genre einzutauchen. Es folgt das aus vier Teilen zusammengesetzte „Sun Trip“. Eine kleine psychedelische Achterbahnfahrt, gespickt mit schönen Melodien, anderen, sphärischen Abschnitten und einigem Klamauk in Form von Wortbeiträgen. Am überzeugendsten klingt hierbei der dritte Teil „Battlefield“. Sehr zarte, zumeist sphärische Musik, die sich nochmals deutlich stark vom Rest der Platte unterschiedet.

Der remasterten Wiederveröffentlichung des Albums aus dem Jahr 2015 wurden noch zwei Bonus Tracks hinzugemischt. Zum einen handelt ist dabei um das Stück „About My Town“, 1971 live eingespielt und fast schon jazzig klingend. Die zweite Zugabe heißt „Another Symphony“, wurde im Jahr 1977 im Städtischen Gymnasium von Gütersloh live aufgenommen und enthält auf über 26 Minuten ebenfalls die für Grobschnitt so typische Mischung aus tollem Progressive Rock, gepaart mit Klamauk in Form von fast sinnfreien Worteinlagen oder Chorarrangements. Beide Live-Einspielungen verfügen über eine ausgezeichnete Soundqualität und werten das Album nochmals auf.

Fazit: Wer auf Progressive Rock steht, sollte auch mit diesem ersten Grobschnitt-Album seine Freude haben. Die Musik ist abwechslungsreich, geht ins Ohr und unterhält bestens. Jede Menge wunderschöne Stellen gibt es hier zu erhören und auch die beiden Live-Zugaben können überzeugen und bieten einen Mehrwert. Ein wahrlich gelungenes Debut-Album der Hagener Band, randvoll mit Progressive Rock oder Krautrock, wie immer man das Ganze auch umschreiben möchte. Elf Punkte.

Anspieltipps: Symphony



Samstag, 24. Dezember 2016

Grobschnitt – Solar Music Live




Grobschnitt – Solar Music


Besetzung:

Eroc – drums, electronic effects
Lupo – lead guitar
Mist – keyboards
Popo – bass guitar
Wildschwein – guitar, vocals


Label: Metronome Musik


Erscheinungsdatum: 1978


Stil: Progressive Rock, Krautrock


Trackliste:

1. Solar Music I (3:55)
2. Food Sicore (3:50)
3. Solar Music II (5:57)
4. Mühlheim Special (11:59)
5. Otto Punkrock (7:27)
6. Golden Mist (10:08)
7. Solar Music III (9:17)

Gesamtspieldauer: 52:33




Das fünfte Album der Hagener Band Grobschnitt erschien im Jahr 1978 auf dem Label Metronome und war ein Live-Album mit dem Namen „Solar Music Live“. Während der Tour zu Rockpommel’s Land spielten Grobschnitt am 7. April 1978 im Mülheimer Otto Pankok Gymnasium. Die zweite Hälfte des Konzerts ist hier auf dieser Platte verewigt worden. Sieben Titel sind dabei im Verzeichnis aufgeführt, drei davon tragen den Titel „Solar Music“. Allerdings sind alle sieben Titel dem ursprünglich etwas über 33-minütigen Original von der Scheibe „Ballermann“ entnommen. Solar Music ist ein Lied, das mit der Band gewachsen ist, sich dauernd neu ausrichtete und weiterentwickelte. So hört man auf „Solar Music Live“ jenes, vier Jahre zuvor entstandene Lied, in einer um fast zwanzig Minuten längeren und erweiterten Fassung.

Und diese hier zu hörende Fassung lohnt sich wahrlich. Wer die Ur-Version dieses Stückes liebt, die oder der wird auch sehr viel Gefallen an der erweiterten Fassung dieses Liedes finden. Der Sound ist grandios und nicht selbstverständlich für eine Live-Platte, die 1978 eingespielt wurde. Alles klingt voll und mitreißend. Mit der richtigen Anlage beziehungsweise guten Kopfhörern kann man wunderbar in diesen Klangkosmos eintauchen und sich mittreißen lassen. Absolute Abwechslung gibt es hier zu hören, immer wieder verändert sich der Sound, die Stimmung, der Rhythmus. Alles ist im Fluss, um immer wieder ineinander hinüber zu fließen. Egal, ob man das Ganze jetzt Krautrock oder Progressive Rock nennt, auf jeden Fall ist diese Scheibe ein Höhepunkt in beiden musikalischen Genres.

Die Laufzeit-Verlängerung wird hauptsächlich durch ausgeweitete Instrumentalpassagen und diverse Soli hervorgerufen, allerdings auch dadurch erzielt, dass die Musiker hier, wie auf ihren Konzerten üblich, einige „Gags“ mit einbauen, die mal Gespräche darstellen oder sonstige Textbeiträge beinhalten. Diese gehen dann in altbekannte Passagen des Liedes über, um schließlich in neue Abschnitte und Improvisationen zu müden. Immer gehen die Melodien dabei ins Ohr, klingen alle ohne Ausnahme überzeugend. „Solar Music Live“ ist dabei eine Reise, die man unbedingt mal angetreten haben sollte.

Fazit: Eine wirklich gelungene Version gibt es auf „Solar Music Live“ genau von jenem „Solar Music“ zu hören, welches ursprünglich in der Studio-Version fast zwanzig Minuten kürzer war. Doch jede Minute Verlängerung des Stücks ist eine Minute musikalischer Gewinn. „Solar Music Live“ klingt mitreißend, nie langweilig, ist eine irre Achterbahnfahrt durch die Gefilde des Progressive Rock, die Freundinnen und Freunde dieses Genres unbedingt gehört haben sollten. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Solar Music eben



Mittwoch, 26. November 2014

Grobschnitt – Rockpommel’s Land




Grobschnitt – Rockpommel’s Land


Besetzung:

Eroc – drums, percussion, electronic effects, lyrics, odd devicy brainwaves
Lupo – lead guitars, acoustic guitars, duck-bum-like background vocals
Mist – keyboards, theme and conception of the story
Pop – bass guitar, ardent advocate of the vegetable and other kingdoms
Wildschwein – lead vocals, electric and acoustic guitars, beer annihilation


Label: Brain Metronome


Erscheinungsdatum: 1977


Stil: Progressive Rock, Krautrock


Trackliste:

1. Ernie’s Reise (10:56)
2. Severity Town (10:05)
3. Anywhere (4:13)
4. Rockpommel’s Land (20:55)

Gesamtspieldauer: 46:09




„Rockpommel’s Land“ ist das vierte Studioalbum der deutschen Krautrocker von Grobschnitt. Veröffentlicht wurde es im Jahr 1977 und enthält dabei äußerst symphonischen Progressive Rock. Das Konzeptalbum erzählt die Geschichte von Ernie, einem Tagträumer, der in einem seiner Abenteuer mit dem Vogel Maraboo in die Stadt „Severity Town“ fliegt, dort Freundschaften schließt und seinen Freunden letztendlich aus der Unterdrückung heraushilft.

Alles auf „Rockpommel’s Land“ ist melodisch und harmonisch. Eingängiger Progressive Rock wird hier geboten. Die aggressiven Töne oder Abschnitte, die es im Prog auch immer wieder zu hören gibt, diese fehlen hier absolut und vollständig. „Rockpommel’s Land“ ist auf Harmonien ausgerichtet, das einzige, was manches Mal etwas rauer klingt, das ist die Stimme Wildschweins, die mitunter ruhig auch ein klein wenig lieblicher hätte klingen können, in all diesem „Wohlklang“. Die Musik erinnert stark an die offensichtlichen Vorbilder Grobschnitts aus England, die nur wenige Jahre zuvor ebensolche Musik veröffentlichten. 1977 waren diese „Vorbilder“ jedoch, offensichtlich beeinflusst durch die aufkommende Punk-Welle, zumeist deutlich poppiger oder rockiger geworden. Grobschnitt hält mit diesem Album jedoch die Fahne des melodiösen und sanften Progressive Rock hoch.

Es wird viel erzählt auf „Rockpommel’s Land“. Soll heißen, ausgedehnte Instrumentalpassagen - wie zum Beispiel auf „Solar Music“ gibt es hier nicht zu hören. Die Stimme Wildschweins ist allgegenwärtig. Auch drängt sich kein Instrument besonders in den Vordergrund. Alles scheint gleichberechtigt zu sein und genau so wirkt die komplette Scheibe dann auch, wie ein Miteinander verschiedener Musiker, die Spaß am Zusammenspiel haben. Die Musik geht schnell ins Ohr und verbleibt dort auch, wenn man denn auf diese melodische Melange aus Prog Rock und Krautrock steht.

Fazit: Durchaus gelungen, was Grobschnitt hier ihren Hörern bieten. Wenn man sich dann noch die Zeit nimmt, die Kopfhörer aufsetzt und es sich auf dem Sofa bequem macht, dann ist diese dreiviertel Stunde Spieldauer des Albums wie ein kleiner Film vor dem geistigen Auge, denn dem Text kann man auch sehr gut ohne allzu große Englischkenntnisse folgen. Empfehlenswert für alle Freunde von Yes, Genesis und auch Renaissance, die diese Bands gerade wegen ihrer harmonisch melodiösen Musik der frühen 70er Jahre lieben. Natürlich auch ein Meilenstein in der Diskographie von Grobschnitt selbst. An Solar Music kommt die Scheibe allerdings nicht heran. Elf Punkte.

Anspieltipps: Sollte man gesamt durchhören.



Donnerstag, 15. August 2013

Grobschnitt – Illegal




Grobschnitt – Illegal


Besetzung:

Toni Moff Mollo – vocals, percussion
Mist – all keyboards, synthesizers, back-up vocals
Milla Kapolke – bass, vocals, acoustic guitar
Wildschwein – vocals, rhythm guitar, acoustic guitar
Lupo – lead guitar, acoustic guitar
Eroc – drums, special electronic effects


Label: Metronome Musik GmbH


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. The Sniffer (5:28)
2. Space-Rider (4:49)
3. Mary Green (8:20)
4. Silent Movie (3:15)
5. Joker (4:54)
6. Illegal (8:12)
7. Simple Dimple (4:42)
8. Raintime (4:16)

Gesamtspieldauer: 44:11




Grobschnitt klingen auf ihrem 1980 erschienenen Album „Illegal“ immer dann am besten, wenn es „lang“ und instrumental wird. Das ist beim Zwischenteil zu „Mary Green“ der Fall und bei dem sehr schönen und fast schon esoterischen „Silent Movie“. Der Rest des Albums läuft häufig irgendwie so durch, bleibt zudem deutlich weniger hängen als vieles andere, was Grobschnitt davor veröffentlicht haben.

„Joker“ ist wie „Silent Movie“ ein Instrumentalstück, kann allerdings nicht so richtig zünden. Solche Musik umschreibt man am ehesten mit „okay“. Neben diesen beiden Stücken, bei denen komplett auf den Gesang verzichtet wurde, gibt es noch fünf englischsprachige Nummern und den Titeltrack „Illegal“, der in Deutsch eingesungen wurde. Hierbei handelt es sich wieder um so eine Spielerei, einen Spaß, die, beziehungsweise der irgendwie auf jedem Grobschnitt-Album zu vernehmen ist. Begeistern kann das aber in diesem Fall leider nicht.

Der Rest der Platte rockt mehr oder weniger. Das klingt bei dem etwas sanfteren „The Sniffer“ recht eingängig, wie auch beim letzten Titel des Albums „Raintime“. Bei diesen beiden Nummern kommt jetzt auch mal die Akustik-Gitarre vermehrt zum Einsatz.

Fazit: Grobschnitt hat im weiteren Verlauf der 80er Jahre noch deutlich schlechtere Platten veröffentlicht und „Illegal“ ist auch kein Album zum Haare raufen. Allerdings erreicht die Scheibe auch bei weitem nicht mehr die Klasse der früheren Veröffentlichungen der Krautrocker. Mitunter alles ganz nett, allerdings nur noch in Ansätzen so richtig begeisternd und spannend. Sieben Punkte.

Anspieltipps: The Sniffer, Mary Green, Silent Movie, Raintime



Montag, 13. Mai 2013

Grobschnitt – Razzia




Grobschnitt – Razzia

Besetzung:

Toni Moff Mollo – Perkussion, Gesang
Lupo – Gitarre
Erke Eroc – Schlagzeug, Keyboards
Milla Kapolke – Bass, Gesang
Willi Wildschwein – Gesang, Gitarre


Label: Metronome Musik GmbH


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Der Alte Freund (4:19)
2. Schweine Im Weltall (4:05)
3. Poona-Express (5:25)
4. Wir Wollen Leben (4:10)
5. Wir Wollen Sterben (3:36)
6. Remscheid (4:28)
7. Razzia (8:35)

Gesamtspieldauer: 35:19




Irgendwie haben es die 80er Jahre geschafft, so gut wie alle Heroen, alle diese Bands zu „schaffen“, die vorher mitreißende Musik erschaffen haben. Ganz egal, ob man die englischen Bands betrachtet oder die deutschen Krautrock-Ableger - mit dem Wachsen des Punks und auch des New Waves war es weitestgehend vorbei mit progressiven Tönen der „alten Garde“. Die Musik wurde vereinfacht. Auch auf „Razzia“ von Grobschnitt aus dem Jahr 1982 hört man häufig geradlinigen und schnörkellosen Rock – und tatsächlich sogar auch die Neue Deutsche Welle wie bei dem unsäglichen „Schweine Im Weltall“, bei dem unter anderem laut „Oink, Oink, Oink“ gerufen wird. Nun, Extrabreit stammen ebenfalls aus Hagen und dieses Lied erinnert stark an „Hurra die Schule brennt“ von genau jener Band, wobei deren Version aus dem Jahr davor um Klassen besser gelungen ist.

Ansonsten wird meist irgendwie gerockt, ohne großartig Nachhaltigkeit zu versprühen, dabei wird sogar textlich beim Song „Der Alte Freund“ Bezug zur Neuen Deutschen Welle genommen. Und dann gibt es da noch das wahrlich peinliche „Wir Wollen Leben“. Deutscher Schlager Text zu Computermusik. Wohl irgendwie als Hymne geplant kommt es dabei zu Textkreationen wie: „Die Macht marschiert in Reih' und Glied, Sie hat Pistolen, Peitschen, Panzerglas, Wir haben unser kleines Lied.“ Dieses Lied wurde übrigens auf Platz 1 der Schlagerrallye des WDR2 im Jahr 1982 gewählt. Mann, waren das Zeiten.

Genauso katastrophal hört sich der nächste Titel „Wir Wollen Sterben“ an. Kirchenchoräle füllen den Song und irgendwie wirkt das Ganze nicht lustig sondern eher peinlich. Das hätte nun wirklich nicht mehr sein müssen. Aber trotzdem hält diese Platte auch noch etwas für Freunde der früheren Musik der Band parat: Den Titelsong. Auch diese Nummer beginnt sehr rockig, erinnert am Anfang sogar stark an Hard Rock. Rockt auf interessante und durchaus eingängige Weise weiter, bis er in einen, jetzt wirklich spannenden Instrumental-Part mündet, der durchaus noch ein wenig an „Progessive Rock“ erinnert. Die Nummer lohnt sich und wird schließlich sehr sphärisch ausgeblendet.

Fazit: Es blitzt noch mal auf, dieses „Solar-Music-Feeling“. Ganz zum Schluss. Das war es allerdings leider auch schon. Der Rest ist unspektakulärer Rock gepaart mit Neuer Deutscher Welle und noch einigen weiteren kurzen Anleihen. „Früher war alles besser!“ Na in Bezug zu Grobschnitts Diskographie trifft das den Nagel auf den Kopf. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Poona-Express, Razzia




Freitag, 23. Dezember 2011

Grobschnitt – Ballermann





Grobschnitt – Ballermann


Besetzung:

Stefan Danielak (Wildschwein) – lead vocals, guitar
Joachim H. Ehrig (Eroc) – drums, percussion, electronic, vocals on Sahara
Gerd O. Kühn (Lupo) – lead guitar
Bernhard Uhlemann (Bär) – bass guitar
Volker Kahrs (Mist) – keyboards


Label: Metronome Music / Brain


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Krautrock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Sahara (5:38)
2. Nickel-Odeon (9:20)
3. Drummer's Dream (6:16)
4. Morning Song (5:47)
5. Magic Train (13:22)
6. Solar Music, Part 1 (17:33)
7. Solar Music, Part 2 (15:57)




Im Jahr 1974, in dem so viele tolle progressive Rock Platten das Licht der Welt erblickten, in diesem Jahr schickten sich fünf Hagener Musiker an, es ihren britischen Kollegen gleich zu tun und sie veröffentlichten mit „Ballermann“ ebenfalls einen Klassiker, der auch heute, Ende 2011 und damit 37 später, nichts von seinem Glanz verloren hat.

Die Platte beginnt zunächst mit einem Spaß, bei dem Erke Eroc ein paar einleitende Worte zur neuen Platte und zum Song „Sahara“ im breitesten Denglisch spricht. Das Ganze endet mit dem Satz: „Come on boys, let’s sing, that the camels are breaking together – one – two – three – four!“ Was folgt ist ein schräger La-la-la-Gesang, der dann in einen breiten Gitarren- und Keyboardsound übergeht. Eroc übernimmt weiterhin den Gesang und auch wenn dieser, sowohl in seiner Art, als auch vom Text her, weiterhin nicht ganz ernst zu nehmen ist, so ist das Lied trotzdem klasse. Tolle Melodie verbunden mit einem breiten, fetten und dichten Sound. Klasse gemacht. Das Lied endet schließlich, indem es immer schneller und schneller gespielt wird, sich die Stimmen gen Mickey Mouse verabschieden und dabei langsam ausgeblendet werden.

Die zweite Nummer, „Nickel-Odeon“, beginnt wieder mit einem breiten Orgelsound, in den sich dann die Gitarre einklinkt. Das Stück ist die ersten knapp zweieinhalb Minuten ein Instrumentalstück, ehe sich Stefan Danielak mit seinem Gesang zur Instrumentierung dazugesellt. Und hier, in dieser Nummer passt der Gesang sehr gut. Vielleicht, weil er nicht ganz so übertreibt im Ziehen der Vokale, wie es noch auf weiteren Nummern der Platte zu hören sein wird. Nein hier passt es und auch die Musik ist klasse. Der Gesang wird durch sehr ruhige, zurückhaltende Passagen unterbrochen. Alle wie gehabt sehr harmonisch aufeinander abgestimmt, getragen vom breiten Orgelsound und einer Gitarre, die in diesem Stück manchmal so wunderschön frickelig und gleichzeitig melodiös sein darf.

Es folgt „Drummer’s Dream“, welches mit einem schönen Klavierlauf eingeleitet wird. Und hier gibt es sogar mal mehrstimmigen Gesang der Hagener Kombo zu hören. Und auch das haben sie drauf. Der Sologesang Danielaks wirkt hier aber irgendwie überzogen, übertrieben. Ansonsten ist das Stück eine schöne Nummer, die sich immer im Fluss befindet. „Morning Song“ im Anschluss daran, ist wieder ein sehr melodiöses und ruhiges Lied, bei der Sänger Wildschwein hauptsächlich seine Kopfstimme benutzt. Und das klingt gar nicht mal schlecht, das macht er hier richtig gut. Das Lied wird im weiteren Verlauf sogar ein wenig härter, bis es schließlich wieder auf die eher lustige Seite beendet wird, indem sich Eroc wieder in die Vocals mit einbringt.

„Magic Train“ ist mit seinen 13:20 Minuten das drittlängste Lied auf der Platte und stellt eigentlich zwei Lieder dar, die im Grunde genommen nichts miteinander zu tun haben. Da ist zuerst dieser wunderschöne Klavierpart, der etwas länger als drei Minuten andauert und dann leider irgendwie viel zu früh endet. Unglaublich schön. Es kommt zur Pause und der zweite Teil von „Magic Train“ beginnt. Dieser wird durch den Gesang Stefan Danielaks eröffnet und der Song entwickelt sich dann zu einem richtigen Stück progressiver Rockmusik. Für mich klingt Grobschnitt in keinem anderen Song so sehr nach Genesis wie hier. Da sind diese Ideen, diese Breaks, diese Tony Banks-Keyboardläufe, diese Steve Hackett-Gitarrenriffs. Bis auf den Gesang wirklich ganz, ganz nah bei Genesis der frühen 70er.

Ja und dann kommt es, das Meisterwerk von Grobschnitt: „Solar Music“. In dieser Version hier 33 Minuten lang und für mich auch eine der besten Versionen. Und am schönsten genießt man dieses Stück Musik relaxt auf dem Sofa mit Kopfhörern auf den Ohren. Tolle Klangwelten eröffnen sich hier dem Hörer von sphärisch schwebend bis druckvoll treibend, von ganz zart bis kraftvoll und laut. 33 Minuten Abwechslung pur und das wirklich durchgängig melodiös und immer packend. Und auch hier sind wieder einige Scherze eingebaut. Am besten gefällt mir jener, bei dem am Ende des ersten Teils das Mainzelmännchen meiner Jugend sein „Guten Abend“ in das Mikrophon plärrt. „Solar Music“ hat alles und wer Krautrock, aber auch progressive Rockmusik mag, der kann an diesem Stück Musik nicht vorbeigehen - denn „Solar Music“ muss man gehört haben. Und am besten die Live-Version von 1978 gleich hinterher.

Fazit: „Ballermann“ ist ein, wenn nicht der Klassiker von Grobschnitt. Das liegt natürlich mit an der ersten Veröffentlichung des Songs „Solar Music“. Aber auch die anderen Stücke können gefallen, wenn sie auch natürlich nicht an diesen Übersong heranreichen. In all den Jahren hat die Platte nichts von ihrer Klasse eingebüßt und kann immer noch begeistern. Empfehlen zum Kauf würde ich die remasterte Version von 2008. Diese Ausgabe der CD erhöht das Klangerlebnis noch einmal. Mir ist Ballermann 13 Punkte wert.


Anspieltipps: Sahara, Magic Train, Solar Music, Part 1, Solar Music, Part 2