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Donnerstag, 21. April 2016

King Crimson – The Compact King Crimson




King Crimson – The Compact King Crimson


Besetzung:

Adrian Belew – guitar, vocals
Bill Bruford – drums, percussion
Robert Fripp – guitar, devices
Tony Levin – chapman stick, bass
Michael Giles – drums, percussions, vocals
Greg Lake – vocals, bass
Ian McDonald – woodwinds, reeds, keyboards, mellotron, vocals


Label: EG Records


Erscheinungsdatum: 1986


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Discipline (5:01)
2. Thela Hun Ginjeet (6:07)
3. Matte Kudasai (3:48)
4. Three Of A Perfect Pair (4:13)
5. Frame By Frame (5:08)
6. Sleepless (5:24)
7. Heartbeat (3:56)
8. Elephant Talk (4:36)
9. 21st Century Schizoid Man (7:20)
10. I Talk To The Wind (6:05)
11. Epitaph (8:48)
12. Red (6:16)
13. Cat Food (4:54)
14. The Court Of The Crimson King (9:22)

Gesamtspieldauer: 81:18




Wenn mal alle King Crimson Platten besitzt muss man sich fragen, warum man diese Doppel-Kompilations-LP mit dem Namen „The Compact King Crimson“ aus dem Jahr 1986 überhaupt erwerben sollte. Diese Zusammenstellung besteht aus Liedern, die von der ersten Platte der Band „In The Court Of The Crimson King“ sowie von den drei Alben „Discipline“, „Beat“ und „Three Of A Perfect Pair“, die in den 80er Jahren entstanden, stammen. Auf der Plattenausgabe des Kompilationsalbum gibt es zusätzlich noch die Titel „Cat Food“ von „In The Wake Of Poseidon“ sowie „Red“ von „Red“.

Nun, wenn man bereits alle Platten von King Crimson besitzt, lässt sich obige Frage ganz schnell mit „Muss man überhaupt nicht“ beantworten. Man benötigt diese Scheibe definitiv nicht mehr, außer man steht vielleicht auf schöne Platten-Cover, denn dies ist im Falle von „The Compact King Crimson“ wirklich gelungen. Alles was es hier gibt, gibt es auch auf den Studio-Alben genau so zu hören. Lediglich Menschen, die sich mal eine Übersicht über die Musik der Band verschaffen wollen, könnten hiermit vielleicht etwas anfangen. Allerdings ist das auch sehr kurz gedacht, da die Musik darauf mit Sicherheit keinen repräsentativen Überblick über die King Crimson Musik bis in die 80er Jahre ermöglicht. Zu viele Alben finden hier keine Berücksichtigung.

Die Musik auf „The Compact King Crimson“ ist allerdings natürlich klasse und über jede Kritik erhaben. Sicherlich wünscht sich jede und jeder andere Titel auf einem Kompilationsalbum, sodass hier niemals alle Wünsche zu 100% erfüllt werden können. Die hier abgebildeten Titel sind allerdings zum Großteil wahre Meisterwerke im Schaffen von King Crimson, wenn sie auch nur einen keinen Ausschnitt des großen Ganzen darstellen.

Fazit: Der Kauf der Scheibe lohnt nicht, wenn man King Crimson genau kennenlernen möchte. Mag man nur einen kleinen Überblick gewinnen, kann man diesen auch mit „The Compact King Crimson“ erreichen. Die Musik ist überwiegend klasse, trotzdem lohnt die Scheibe nicht. Ohne Bewertung.

Anspieltipps: Alles



Donnerstag, 7. Mai 2015

King Crimson – The Power To Believe




King Crimson – The Power To Believe


Besetzung:

Robert Fripp – guitar
Adrian Belew – guitar, vocals
Trey Gunn – warr guitars, fretless warr guitar
Pat Mastelotto – drums, electronic percussion


Label: Sanctuary Records


Erscheinungsdatum: 2003


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. The Power To Believe I: A Capella (0:44)
2. Level Five (7:18)
3. Eyes Wide Open (4:09)
4. Elektrik (8:00)
5. Facts Of Life (Intro) (1:39)
6. Facts Of Life (5:06)
7. The Power To Believe II (7:44)
8. Dangerous Curves (6:43)
9. Happy With What You Have To Be Happy (3:18)
10. The Power To Believe III (4:09)
11. The Power To Believe IV: Coda (2:29)

Gesamtspieldauer: 51:17




„The Power To Believe” betitelten die vier Musiker von King Crimson ihr dreizehntes Studio-Album, welches im Jahr 2003 veröffentlicht wurde. Und wie es aussieht, war dieser inzwischen dreizehnte, zugleich auch ihr letzter Streich, denn in den bisher nachfolgenden zwölf Jahren hat sich nichts mehr getan – zumindest wurde kein weiteres Studioalbum mehr veröffentlicht. Dafür gibt es allerdings viele Wiederveröffentlichungen und auch Live-Alben sowie DVDs, im Studio war die Band jedoch nicht mehr.

„The Power To Believe” beinhaltet Musik, die ganz im Gewand der beiden Vorgänger gehalten ist. Es gibt hier wunderschöne Melodien, jedoch auch sehr verstörende Abschnitte zu entdecken. Oftmals bekommt der Hörer sehr schwere Gitarren präsentiert, da kann man dann durchaus auch von Metal sprechen. Andererseits erhört man auf der Scheibe auch sphärische Abschnitte und sogar an Gamelan-Musik angelehnte Titel, wie die Nummer „The Power To Believe II“. Zudem beinhaltet „The Power To Believe” auch Instrumentalnummern wie „Dangerous Curves“. Ein Titel, der immer stärker anschwillt, mächtiger und bedrohlicher zu werden scheint, dabei groovt und seine Stärke aus der auch vorhandenen Monotonie zieht. Wahrlich beeindruckend.

Einen weiteren Instrumentaltitel stellt „Elektrik“ dar. Hier klingen die vier Musiker mitunter herrlich schräg und die Nummer lässt Reminiszenzen zum Album „Discipline“ und den King Crimson der 80er Jahre aufkommen. „Eyes Wide Open“ wiederum ist ein, für King Crismon Verhältnisse, fast schon „normales“ Lied. Eine schöne und sanfte Gitarrennummer, die ziemlich schnell ins Ohr geht. Überhaupt die Gitarre, sie steht auf „The Power To Believe” absolut im Vordergrund, der Synthesizer wird hauptsächlich der Fülle wegen eingesetzt, hält sich vornehmlich im Hintergrund auf.

Fazit: Es ist ganz klar die Mannigfaltig der Musik, die dieses Album zu etwas Besonderem werden lässt. Es mag zugegebenermaßen mitunter anstrengend sein, der Band immer und bei jedem „Ausflug“ zu folgen, doch es lohnt sich. Wunderschöne eingängige, wie gar nicht mehr melodiöse Stücke gibt es auf „The Power To Believe” zu hören. Diese können verpackt sein in sanfte und ruhige Passagen oder aber in fordernde und treibende Abschnitte. Häufig klingt es dabei etwas schräg, ein wenig verschroben, jedoch vor allen Dingen immer spannend. Sehr schade, wenn das wirklich das letzte Album dieser so beindruckenden Band um Robert Fripp gewesen sein soll. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Elektrik, The Power To Believe II, Dangerous Curves



Montag, 27. April 2015

King Crimson – The ConstruKction Of Light




King Crimson – The ConstruKction Of Light


Besetzung:

Adrian Belew – guitar and vocals
Robert Fripp – guitar
Trey Gunn – bass touch guitar, baritone guitar
Pat Mastelotto – drumming


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 2000


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. ProzaKc Blues (5:28)
2. The ConstruKction Of Light (I) (5:49)
3. The ConstruKction Of Light (II) (2:50)
4. Into The Frying Pan (6:54)
5. FraKctured (9:06)
6. The World's My Oyster Soup Kitchen Floor Wax Museum (6:24)
7. Larks' Tongues in Aspic - Part IV (I) (3:41)
8. Larks' Tongues in Aspic - Part IV (II) (2:50)
9. Larks' Tongues in Aspic - Part IV (III) (2:36)
10. Coda: I Have A Dream (4:51)
11. Heaven And Earth (ProjeKct X) (7:46)

Gesamtspieldauer: 58:19




„The ConstruKction Of Light” heißt das zwölfte Studio-Album von King Crimson. Veröffentlicht wurde die Platte im Jahr 2000 und von der doppelten Besetzung des Vorgängers „Thrak“, war nichts mehr übrig geblieben. Bill Bruford und Tony Levin hatten die Band inzwischen verlassen. Verblieben waren die einzige durchgängige Konstante bei King Crimson, Robert Fripp, dazu Adrain Belew, Trey Gunn sowie Pat Mastelotto. Das Ergebnis, welches diese vier Musiker dann auf Platte beziehungsweise CD pressten, ist wahrlich überaus beeindruckend geworden.

Ich komme dabei allerdings nicht umhin, vorher noch kurz festzustellen, dass Menschen, denen solche Musik gefällt, mit Sicherheit zunächst einmal sehr verdächtig sind. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, in welchem Sinne dieses „verdächtig“ sich letztendlich auswirkt, aber irgendetwas scheint mit diesen Menschen nicht zu stimmen beziehungsweise scheint anders zu sein. Sicher bin ich mir jedoch, dass Menschen, denen Musik ziemlich egal ist oder die am liebsten Hitradio „Soundso“ hören, genau so denken, wenn sie dieses Album auflegen würden – das wird allerdings nie passieren, nur aus Versehen vielleicht mal und die Minutenschallmauer nicht durchbrechen. Der Grund oder die Gründe, warum dies so ist, liegt an der Art der Musik auf „The ConstruKction Of Light“. Diese Musik auf diesem Album ist brachial, ist verstörend, ist gewaltig, klingt vielleicht auch mal gewalttätig. Die Musik auf „The ConstruKction Of Light” kommt daher wie ein Sturm, der alles wegfegt, was sich ihm in den Weg stellt. Die Musik auf „The ConstruKction Of Light“ ist disharmonisch, harmonisch, unrhythmisch, rhythmisch, atonal, melodiös, anstrengend, entspannend und aggressiv, sehr aggressiv sogar. Diese Musik kennt keinen Mittelweg, denn sie ist krass, direkt, schräg, packend, abweisend, fordernd und einnehmend – und sie ist wohl die am schwierigsten nachzuspielende Musik, die es überhaupt gibt.

Manches Mal erinnert „The ConstruKction Of Light” an die Platte „Discipline”, das achte Album von King Crimson. Dies ist vor allem in der ersten Hälfte der Platte, bis zu dem grandiosen „FraKctured“ der Fall. Danach fehlen diese Reminiszenzen zu dieser Scheibe, dafür wird an vielen Stellen der Platte auf andere, frühere Werke von King Crimson hingewiesen und verwiesen. „The ConstruKction Of Light” ist dabei so etwas von energiegeladen, dass es kaum in Worte zu fassen ist. Dieser fordernde Sound fordert wahrlich alles von seinen Hörern ab – nicht zuletzt auch gute Nerven. Unmöglich sich dabei nebenher zu unterhalten, zu lesen oder anderweitig geistig zu engagieren – funktioniert nicht, die Musik fordert die absolute Aufmerksamkeit des Konsumenten ein. Auch Autofahren könnte schwierig werden, da die Beats alleine schon das Gaspedal ein wenig kräftiger nach unten drücken und wenn man seinen Führerschein behalten möchte… Nein, auch das besser nicht machen. Hier also eine kleine Gebrauchsanweisung für „The ConstruKction Of Light”:

Entfernt Euch so weit wie möglich von anderen menschlichen Wesen. Überprüft, ob wirklich alle Fenster und Türen gut verschlossen sind. Schallschutz wäre in diesem Fall klasse. Dreht die Stereoanlage ordentlich auf, macht hier ja keine halben Sachen. Sucht Euch ein bequemes Plätzchen, Handy und Telefon außer Reichweite platzieren und in Ruhe abwarten was passiert. Und es wird was passieren… Nur was das sein wird, das muss jeder für sich selbst entdecken.

Fazit: Eine wahrlich außergewöhnliche Scheibe. Ich kenne weder kompliziertere Musik noch aggressivere. Ich überlege gerade, wie viele Menschen etwas mit solcher Musik anfangen können. Einer von zehn oder doch eher einer von hundert? Nun und wer will schon verdächtig sein, auch wenn man gar nicht weiß wieso und warum? Ich auf jeden Fall nicht, deswegen kann ich der Platte auch keine 15 Punkte geben. Aber mit dreizehn Punkten mache ich mich doch nicht verdächtig, oder? Nein, ganz bestimmt nicht. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: FraKctured, Coda: I Have A Dream



Donnerstag, 16. April 2015

King Crimson – Thrak




King Crimson – Thrak


Besetzung:

Robert Fripp – guitar, mellotron, soundscapes
Adrian Belew – guitar, lead vocals
Tony Levin – bass guitar, chapman Stick, electric upright bass, backing vocals
Trey Gunn – chapman Stick, backing vocals
Bill Bruford – drums, percussion
Pat Mastelotto – drums, percussion


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1995


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Vrooom (4:38)
2. Coda: Marine 475 (2:41)
3. Dinosaur (6:37)
4. Walking On Air (4:38)
5. B'Boom (4:11)
6. Thrak (3:59)
7. Inner Garden I (1:47)
8. People (5:53)
9. Radio I (0:43)
10. One Time (5:22)
11. Radio II (1:03)
12. Inner Garden II (1:15)
13. Sex Sleep Eat Drink Dream (4:50)
14. Vrooom Vrooom (5:50)
15. Vrooom Vrooom: Coda (3:03)

Gesamtspieldauer: 56:37




1994 befand Robert Fripp, dass es mal wieder Zeit für eine neue King Crimson Formation war, die zunächst nur einige Konzerte gab und schließlich im Jahr 1995 das elfte Studio-Album der Band unter dem Titel „Thrak“ veröffentlichte. Das letzte Album war 1984 als „Three Of A Perfect Pair“ veröffentlicht worden. Jene vier Musiker, Robert Fripp, Adrian Belew, Tony Levin und Bill Bruford, die genau diese Platte in den 80ern einspielten, waren nun auch auf „Thrak“ mit von der Partie. Doch Robert Fripp wäre nicht Robert Fripp, wenn er nicht auch hier etwas Neues ausprobiert hätte. Zu diesen vier Musikern gesellten sich nun nämlich mit Pat Mastelotto am Schlagzeug und Trey Gunn am Bass zwei weitere Musiker, sodass jedes Instrument jetzt doppelt besetzt war: Fripp und Belew an den Gitarren, Levin und Gunn an den Bässen sowie Bruford und Mastelotto an den Drums. Ziel war es, mittels dieser doppelten Besetzung zusätzliche Spannung in die Musik einzubauen und dafür zu sorgen, dass sich die Instrumentalisten die musikalischen Bälle gegenseitig zuwerfen konnten.

Nun, „Thrak“ ist Progressive Rock, der oftmals brachial und krachend aus den Lautsprechern bricht. Dann kann die Platte jedoch auch wieder unglaublich sanft, harmonisch und melodiös klingen. Und schließlich finden sich sogar relativ poppige Abschnitte auf der Scheibe, die durchaus – zumindest fast – das Zeug gehabt hätten, im Radio gespielt worden zu sein. Wurden sie aber natürlich nicht, außer vielleicht in irgendwelchen Spartensendern oder mal um drei Uhr nachts. Auf „Thrak“ gibt es polyrhythmische Instrumentalpassagen, die knochentrocken und sehr hart mit jenen konkurrieren, die sanft und leicht durch den Raum schweben und das Ohr zu umschmeicheln versuchen. Das wiederum bedeutet selbstverständlich, dass man sich bei „Thrak“ auf absolut gar nichts einstellen kann. Die Musik läuft nicht einfach so durch, sie reißt mal mit, verstört an anderer Stelle und fängt den Hörer im nächsten Moment wieder sanft auf. Äußerst spannend das Ganze und ganz bestimmt keine Musik, die man so einfach nebenbei hören kann.

Fazit: Für die 90er Jahre ist solch eine Platte wahrlich einmalig, viel mehr in dem Stil gibt es aus diesem Jahrzehnt nicht. „Thrak“ ist übrigens auch die einzige Platte, die King Crimson in dieser Dekadet veröffentlichten. Der Nachfolger erschien erst im Jahr 2000. Nun, wie soll hier ein Fazit ausfallen? Im Grunde genommen muss man anmerken, dass die Scheibe für solche Musikhörer interessant ist, die zum einen mit der Musik von King Crimson überhaupt etwas anfangen können, den progressiven Rock lieben und gerne mal hören würden, wie eine Symbiose der Band aus den 70ern gepaart mit jener Band aus den 80ern musikalisch klingen würde. Denn genau das ist „Thrak“, nämlich ein Zusammenschluss zweier Jahrzehnte der Bandgeschichte. 70 + 80 ergibt bei King Crimson eben 90. Coole Scheibe. Elf Punkte.


Anspieltipps: Dinosaur, Thrak, Sex Sleep Eat Drink Dream



Montag, 12. Januar 2015

King Crimson – Red




King Crimson – Red


Besetzung:

Robert Fripp – guitar, mellotron
John Wetton – bass guitar, vocals
Bill Bruford – drums, percussion


Gastmusiker:

David Cross – violin on "Providence"
Mel Collins – soprano saxophone on "Starless"
Ian McDonald – alto saxophone on "One More Red Nightmare" and "Starless"
Mark Charig – cornet on "Fallen Angel", bass cello on "Red"
Robin Miller – oboe on "Fallen Angel"


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Red (6:16)
2. Fallen Angel (6:02)
3. One More Red Nightmare (7:07)
4. Providence (8:09)
5. Starless (12:16)

Gesamtspieldauer: 39:54




„Red“ heißt das sechste und damit vorerst letzte Album, der nun zum Trio geschrumpften King Crimson, welches im Oktober 1974 veröffentlicht wurde. Nach dieser Platte löste Robert Fripp die Band auf und seiner Meinung nach sollte dies auch endgültig sein. Nun schön, dass dem dann doch nicht so war. Es sollten noch jede Menge weiterer Platten folgen, auch wenn diese Auflösung einige Jahre des Wartens für die Fans mit sich brachte.

Im Vorfeld zu den Aufnahmen für „Red“ hatte der Violinist David Cross die Band verlassen, da er sein Instrument in der Musik von King Crimson nicht richtig gewürdigt sah. Trotzdem ist er auf „Red“ noch mit vertreten und zwar auf der Live-Improvisation „Providence“, die im Palace Theatre, Providence, USA, am 30 Juni 1974 eingespielt worden war. Diese Nummer ist auch der einzige „Wehmutstropfen“ auf „Red“, da sich diese Improvisation zugegebenermaßen sehr zäh gestaltet und hinzieht. Dabei von Musik zu sprechen ist auch durchaus gewagt, denn bei „Providence“ handelt es sich eher um ein Klanggebilde, ohne jegliche Form und Kontur, das zunächst gehaucht, sphärisch durch den Raum schwebt, um später dann in einen kraftvollen bis aggressiven Teil überzugehen.

Das soll es allerdings gewesen sein, mit den Kritikpunkten auf „Red“. Rockig startet das Album mit dem Titelstück. Zwar ist die Nummer nicht allzu schnell, wirkt jedoch unglaublich kraftvoll, düster und irgendwie bedrohlich. Dieses reine Instrumentalstück, bildet den spannenden Aufgalopp für eine ganze Reihe sehr guter progressiver Rocklieder. „Fallen Angel“ konterkariert dann jedoch gleich die einmal eingeschlagene Stimmung. Lieblich verspielt startet die Nummer, um sich im weiteren Verlauf auch immer weiter zu steigern. Einfach nur genial umgesetzt. Schließlich wird mit diesen beiden Parts ein wenig gespielt, die Stimmungen gehen ineinander über und Kornett und Oboe tragen zu einer unfassbar einnehmenden Atmosphäre bei. Das folgende „One More Red Nightmare“ startet sofort kraftvoll durch, mündet in einen etwas ruhigeren Instrumentalteil, der vom Saxophon des Ian McDonald dominiert wird. Das klingt alles sehr melodiös, allerdings durchaus auch rau und kantig.

Nun und schließlich folgt mit „Starless“ eines der besten Lieder von King Crimson überhaupt. Und nicht nur das, es ist einer der besten Titel überhaupt, der in diesem Musikgenre jemals komponiert und geschrieben wurde. Die Nummer vereinigt alles in sich, was Musik nur in sich vereinigen kann. Melodiösität, Abwechslungsreichtum, rauschende Rhythmen, Fülle, Spannung und so weiter. Ein wahrlich sehr bewegender Titel. Beginnt alles mit einer sehr harmonischen Gesangsmelodie, so geht die Nummer nach etwas über vier Minuten in einen fast schon hypnotisch zu bezeichnenden Gitarrenteil über, in dem Robert Fripp immer nur einzelne Töne anspielt, darum herum platzieren sich die anderen Instrumente. Das Ganze steigert sich und steigert sich und steigert sich und gipfelt schließlich in einem Rausch, der Freunden dieses Musikstils die Tränen in die Augen treibt. Doch damit nicht genug, zur Krönung dieses Titels bekommen dann auch noch Mel Collins und Ian McDonald mit ihren Saxophonen ihren Einsatz. Es wird noch ein wenig aggressiver und mündet letztendlich in alles überstrahlender Harmonie. Einfach nur genial.

Fazit: Ein ganz großer Dank an King Crimson für dieses musikalische Geschenk. Eine fast perfekte Platte, die bewegt. Schade, dass hier erst mal Schluss war. „Red“ knallt rein und packt, wenn man denn mit dieser Art der Musik etwas anzufangen weiß. Für mich eines der ganz großen Alben der modernen Musik und wenn es diese Improvisation nicht geben würde, hätte die Platte auch noch ein Pünktchen mehr erhalten. Vierzehn Punkte.

Anspieltipps: Fallen Angel, Starless



Dienstag, 23. Dezember 2014

King Crimson – Lizard




King Crimson – Lizard


Besetzung:

Robert Fripp – guitar, mellotron, synthesizer, organ, devices
Peter Sinfield – lyrics, VCS3
Mel Collins – saxophone, flute
Gordon Haskell – bass guitar, vocals
Andy McCulloch – drums


Gastmusiker:

Keith Tippett – acoustic and electric pianos
Robin Miller – oboe, cor anglais
Mark Charig – cornet
Nick Evans – trombone
Jon Anderson – vocals


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Cirkus (including Entry Of The Chameleons) (6:27)
2. Indoor Games (5:37)
3. Happy Family (4:22)
4. Lady Of The Dancing Water (2:47)
5. Lizard (23:25)
a. Prince Rupert Awakes
b. Bolero - The Peacock's Tale
c. The Battle Of Glass Tears
I. Dawn Song
II. Last Skirmish
III. Prince Rupert's Lament
d. Big Top

Gesamtspieldauer: 42:30




Noch im selben Jahr wie „In The Wake Of Poseidon” wurde im Dezember 1970 auch das dritte King Crimson Album unter dem Titel „Lizard“ veröffentlicht. Und diese Platte ist ein würdiger Nachfolger der ersten beiden Alben. Auch hier gibt wieder wunderbare Melodien zu entdecken, denen es sich zu lauschen lohnt. Andererseits allerdings auch Abschnitte, die nicht mehr so ohne weiteres angehört werden können. Damit meine ich, dass der Musikhörer durchaus einen Zugang zur etwas „abgefahreneren“ Seite des Progressive Rock benötigt, ansonsten bleibt da wohl nur Kopfschütteln, Erstaunen oder gar die Flucht.

Für die liebliche und melodische Seite von King Crimson stehen auf „Lizard“ die Titel „Cirkus“, „Lady Of The Dancing Water“ und auch das Hauptstück des Albums, der Titeltrack „Lizard“, der ursprünglich die gesamte zweite Seite der Schallplatte einnahm. Allerdings stimmt dies auch nur zum Teil. Denn dieses Stück ist mit seiner über 23-minütigen Spieldauer so etwas wie eine Achterbahnfahrt aus melodischen und frickeligen und unfassbaren Abschnitten. Ein Meisterwerk des Progressive Rock, für Leute, die damit nicht ganz so viel anzufangen wissen, allerdings eher ein Tanz auf der Rasierklinge, bei dem man sich von einer nicht ganz so „scharfen“ Stelle auf die nächste rettet.

Dann gibt es da auch noch „Indoor Games“ und „Happy Family“. Zwei Titel, mit denen ich zunächst so gar nichts anzufangen wusste. Grauselig, zerstörerisch und irgendwie irre klang das für mich zunächst. Aber ich habe nicht aufgegeben, die Scheibe immer und immer wieder gehört und siehe da, auf einmal schien das alles irgendwie logisch zu sein, genau so klingen zu müssen und machte plötzlich Spaß. Gut, ich weiß, mit dieser Meinung steht man zunächst mal ganz alleine da, denn das ist wirklich keine „normale“ Musik. Anstrengend ist sie auch, gewiss und lohnend wird sie erst später, jedoch sicherlich nicht für jeden. Trotzdem lohnt es sich immer wieder, sich manches Mal Musik auch zu erarbeiten. Unter Umständen erhält man schließlich ein Geschenk.

Fazit: „Lizard” ist einfach ein cooles Album geworden. Eines jener Scheiben, die ganz viel Zeit benötigen, um endlich beim Hörer angekommen zu sein. Nicht durchgängig, denn die Nummern und Abschnitte, die bereits beim zweiten Hören einen Volltreffer landen, die gibt es auch auf „Lizard“. Nun, beim Rest kann es dann allerdings durchaus Jahre dauern, bis diese auch endlich durchstarten. Dann enthält die ganze Platte sehr bereichernde Musik. Mensch habe ich ein Glück, dass ich durchgehalten habe… Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Lizard



Freitag, 19. Dezember 2014

King Crimson – In The Wake Of Poseidon




King Crimson – In The Wake Of Poseidon


Besetzung:

Robert Fripp – guitars, mellotron, celesta, electric piano
Greg Lake – vocals
Peter Sinfield – words


Gastmusiker:

Mel Collins – saxophones, flute
Michael Giles – drums
Peter Giles – bass guitar
Gordon Haskell – vocals
Keith Tippett – piano


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Peace – A Beginning (0:51)
2. Pictures Of A City (7:57)
3. Cadence And Cascade (4:35)
4. In The Wake Of Poseidon (8:24)
5. Peace – A Theme (1:15)
6. Cat Food (4:52)
7. The Devil's Triangle (11:30)
I. Merday Morn (3:47)
II. Hand Of Sceiron (4:01)
III. Garden Of Worm (3:45)
8. Peace – An End (1:54)

Gesamtspieldauer: 41:02




Das zweite Album von King Crimson, „In The Wake Of Poseidon”, knüpft stark an dem Erstlingswerk „In The Court Of The Crimson King“ an. 1970 wurde es veröffentlicht und hält vor allem auf der ehemaligen zweiten Plattenseite durchaus Musik für den Hörer parat, die nicht mal so eben nebenbei gehört werden kann. Da wird es mit „Cat Food“ und vor allem mit „The Devil's Triangle” schon ziemlich abgefahren. Gerade letztgenannte Nummer, die sich aus drei Teilen zusammensetzt, verlangt irgendwie alles vom Hörer ab. Fängt das Lied noch sehr langsam und zurückhaltend an, so entwickelt es sich in den elfeinhalb Minuten seiner Dauer immer weiter, wirkt zerrissener, fast schon gefährlich, wenn man dieses Adjektiv überhaupt benutzen kann, um Musik zu um- und beschreiben. Aber doch, hier bei „The Devil’s Triangle“ wirkt die Musik „gefährlich“, da passt diese Umschreibung. Das Stück klingt in seinem weiteren Verlauf fast so, als ob der Leibhaftige gerade wirklich hinter der Ecke auf einen wartet, während die Musik in eine Kakophonie mündet.

Ganz anders nimmt sich dagegen das wirklich lieblich süße „Cadence And Cascade“ aus, welches in seiner Art so gar nicht zum Rest der Platte passen möchte. Sogar zuckersüß klingt die Band hier und setzt einen riesengroßen Kontrapunkt zur zweiten Seite der Platte. Am ehesten an die vorherige Scheibe fühlt man sich beim Titellied „In The Wake Of Poseidon“ erinnert. Die Nummer beginnt überaus melodiös, das Mellotron fabriziert weiche und warme Laute und der Titel wirkt wie eine perfekte Fortsetzung der ersten Platte. Schön gelungen sind übrigens auch die drei kurzen „Peace“-Stücke, die die Platte einrahmen und gleichzeitig auch deren Mitte darstellen. Bliebe noch Titel Nummer zwei der ersten Seite zu erwähnen. „Pictures Of A City” ist ebenfalls eher ein Lied, welches erarbeitet werden möchte. Zu Beginn noch etwas melodiös, wird es im weiteren Verlauf immer undurchdringlicher und schräger. Klasse hier auf jeden Fall das Saxophon des Mel Collins.

Fazit: „In The Wake Of Poseidon” ist etwas härter geworden und auch noch ein wenig experimenteller, als das Debut-Album von King Crimson. Immer wieder scheinen sich auf der Platte unüberwindbare Hindernisse aufzubauen, die sich dann jedoch wieder ganz schnell auflösen. Zwar kommen die „Wohlklänge“ auf „In The Wake Of Poseidon” auch nicht zu kurz, doch sie sind rarer gesät. Die Platte ist ein spannendes Beispiel dafür, was Progressive Rock so alles beinhaltet. Elf Punkte.

Anspieltipps: In The Wake Of Poseidon, The Devil's Triangle



Dienstag, 7. Oktober 2014

King Crimson – Larks’ Tongues In Aspic




King Crimson – Larks’ Tongues In Aspic


Besetzung:

Robert Fripp – guitars, mellotron, electric piano, devices
John Wetton – bass, vocals, piano on "Exiles"
Bill Bruford – drums
David Cross – violin, viola, mellotron, electric piano, flute on "Exiles"
Jamie Muir – percussion, allsorts


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Larks' Tongues In Aspic, Part One (13:36)
2. Book Of Saturday (2:53)
3. Exiles (7:40)
4. Easy Money (7:54)
5. The Talking Drum (7:26)
6. Larks' Tongues In Aspic, Part Two (7:07)

Gesamtspieldauer: 46:36




„Was hörst Du denn da?“
„Larks‘ Tongues In Aspic!“
„Von wem ist das denn?“
„King Crimson“
„Oh mein Gott, wie kann man nur sowas anhören? Ist bei Dir alles klar?“

So etwas kann man durchaus erleben, wenn man es mal wagt „Larks‘ Tongues In Aspic“ von King Crimson etwas lauter und eben nicht nur im stillen Kämmerlein zu hören. Zugegebenermaßen ist dieses fünfte Studioalbum der Band auch nicht gerade eine einfache Kost. Das liegt an dem durchaus experimentellen Ansatz, den Robert Fripp hier verfolgt. Dieser musste King Crimson vor dem Album völlig neu aufstellen, da die vorherigen Bandmitglieder die Formation nach der letzten Platte und anschließender Tournee alle verlassen hatten.

Die ganze Rhythmusfraktion knallt einen auf „Larks‘ Tongues In Aspic“ immer wieder weg. Es gibt hier diese treibenden Parts, die so unglaublich dynamisch aus den Boxen explodieren. Dazu dann allerdings auch immer wieder diese wunderschönen melancholischen und melodiösen Abschnitte, welche zunächst gar nicht zum Rest der Platte passen wollen, aber diese perfekt ergänzen und vervollständigen. Oftmals werden diese letztgenannten, weichen und ruhigen Stimmungen durch die Violine des David Cross erzeugt.

Bei den Stücken 1, 5 und 6 handelt es sich um Instrumentalnummern, wohingegen die mittleren Titel 2, 3 und 4 jeweils auch mit Gesang ausgestattet wurden. Unabhängig davon ist jedoch der progressive Ansatz, der allen Liedern innewohnt und der auch in der besonderen Perkussion zum Ausdruck kommt. Hier versucht Jamie Muir auch mal ganz neue, bisher so noch sehr ungewohnte Wege zu gehen. Die letzten beiden Titel nähern sich bereits ein wenig dem Genre „Fusion Jazz“ an. Obwohl ich damit nur sehr wenig anzufangen weiß, überzeugt selbst dieser Ausflug von King Crimson hier. Jedoch muss man sich dann auch bewusst sein, dass obiges Gespräch beim Hören durchaus genau so ablaufen kann.

Fazit: Absolute Spannung ist bei diesem Album gegeben, bei dem man als Hörer hoch gehoben und dann wieder fallengelassen wird, um jedoch sehr sanft zu landen. Erneut wird man durchgeschüttelt, kann das alles gar nicht mehr so richtig verstehen und einordnen, um erneut weich umarmt zu werden. Musik kann wahrlich aufregend sein. Natürlich ist das keine 08/15-Mucke und für das Radio absolut ungeeignet. Wer jedoch auf Progressive Rock steht und auch der härteren und auch abgefahreneren Variante dieses Genres etwas abzugewinnen weiß, der sollte unbedingt mal in „Larks‘ Tongues In Aspic“ von King Crimson reinhören – egal was die anderen sagen. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Larks' Tongues In Aspic, Part One und auch der ganze Rest



Montag, 29. September 2014

King Crimson – Three Of A Perfect Pair




King Crimson – Three Of A Perfect Pair


Besetzung:

Adrian Belew – vocals, fretted guitar, fretless guitar
Robert Fripp – guitar
Tony Levin – bass, stick, synth, vocals
Bill Bruford – acoustic and electric drumming




Erscheinungsdatum: 1984


Stil: ArtPop, Progressive Rock


Trackliste:

1. Three Of A Perfect Pair (4:13)
2. Model Man  (3:49)
3. Sleepless (5:24)
4. Man With An Open Heart (3:05)
5. Nuages (That Which Passes, Passes Like Clouds) (4:47)
6. Industry (7:04)
7. Dig Me (3:16)
8. No Warning (3:29)
9. Larks' Tongues In Aspic (Part III) (6:05)

Gesamtspieldauer: 40:59



Es ist schon sehr beeindruckend, was King Crimson hier mit „Three Of A Perfect Pair“, ihrem zehnten Studioalbum, veröffentlichten. In der Diaspora des Progressive Rock der 80er Jahre legten die vier Musiker erneut eine sehr packende Scheibe vor, die absolut in der Tradition der beiden Vorgänger „Discipline“ und „Beat“ steht. Natürlich ist das keine Musik mehr, die jeden automatisch anspricht, dazu ist das Ganze dann zum Teil zu verschroben und abgefahren. So richtig eingängig auf das erste Hören ist hier nichts. Jedoch, nicht wie ein guter Wein, wächst dieses Album im Laufe der Zeit, sondern mit jedem weiteren Einlegen in den CD-Player oder eben Auflegen auf den Plattenteller. So viel Zeit sich beweisen zu können, bekommt derartige Musik jedoch im Radio nicht, bekam sie auch damals schon nicht, sodass man hier schon spezielle Spartensender suchen muss, um derartige Musik zu hören, die garantiert nicht massenkompatibel ist.

Die Rhythmik steht einmal mehr im Vordergrund bei King Crimson. Was Tony Levin und Bill Bruford hier an Bass und Schlagzeug zelebrieren, lässt kein Bein ruhig bleiben. Da zuckt es ganz automatisch. Dazu auch immer wieder die fast schon monoton und redundanten Gitarrenakkorde des Robert Fripp und die Musik scheint zu pulsieren und wirkt einfach ansteckend auf das vegetative Nervensystem. Allerdings gibt es auch die sphärischeren Passagen und Lieder, in denen alles zu gleiten scheint, alles so schwerelos und entrückt wirkt, sodass man diese eben ganz ruhig auf dem Sofa genießen sollte. Und das ist ein weiterer Punkt, der dieses Album ausmacht. Diese Varianz an Stimmungen. Atmosphären werden geschaffen und gehen und man wird auf einer kleinen musikalischen Reise durch das Album geführt.

Fazit: „Three Of A Perfect Pair“ ist wahrlich keine ganz leichte Kost. Die speziellen Antennen für solche Art der Musik muss man definitiv besitzen, ansonsten bleibt das Album ungespielt unter irgendeinem Stapel liegen. Wer jedoch Spaß an sehr abwechslungsreichem Progressive Rock hat, der nicht unbedingt sofort zugänglich ist und erst erarbeitet werden will, die oder der hat hier eine ganze Menge zu entdecken. Und dann kann es natürlich auch passieren, dass man ganz zufrieden in diese Musik eintaucht, die Tür öffnet sich und jemand meint: „Oh Gott, was hörst Du denn da?“ Musik ist herrlich. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Three Of A Perfect Pair



Mittwoch, 3. September 2014

King Crimson – Beat




King Crimson – Beat


Besetzung:

Robert Fripp – guitar, organ, frippertronics
Adrian Belew – guitar, vocals, additional drums on 'Sartori In Tangier'
Tony Levin – bass guitar, chapman stick, vocals
Bill Bruford – drums


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: ArtPop, Progressive Rock


Trackliste:

1. Neal And Jack And Me (4:22)
2. Heartbeat (3:54)
3. Sartori In Tangier (3:54)
4. Waiting Man (4:27)
5. Neurotica (4:48)
6. Two Hands (3:23)
7. The Howler (4:13)
8. Requiem (6:48)

Gesamtspieldauer: 35:19




Das zweite Album nach der Wiedervereinigung von King Crimson in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts entstand ein Jahr nach „Discipline“ und trägt den Titel „Beat“. Die Musik von King Crimson war nun ein klein wenig eingängiger, poppiger geworden. Was jedoch nicht heißen soll, dass dies ein Album für das Radio beziehungsweise den Massenmarkt geworden wäre. Auf keinen Fall, denn die „seltsamen“ und etwas abgefahrenen Stellen gibt es überall und in fast jedem Lied auf „Beat“ zu hören.

Schräge Töne sind also wieder jede Menge angesagt auf „Beat“. Überraschend dabei ist, was Robert Fripp und Adrian Belew dabei so alles ihren Instrumenten zu entlocken in der Lage sind. Trotzdem bleibt dieser etwas eingängigere Touch durchaus offensichtlich beziehungsweise ist dieser herauszuhören. So ein Titel wie „Heartbeat“ hätte wohl auf dem Vorgängeralbum noch keinen Platz gefunden. Die einzelnen Titel sind alle sehr kompakt gehalten und tragen dabei jedoch diesen progressiven Anstrich in sich, der sich durch überraschende Wendungen und eben jene „schrägen“ Töne manifestiert. Trotzdem geht die Musik von King Crimson überraschend schnell ins Ohr. Diese Eingängigkeit gab es so auch noch nicht zu oft auf den letzten Alben der Band.

Fazit: „Beat“ ist ein Album geworden, welches sich durchaus einer größeren Hörerschaft gegenüber öffnet. Zwar immer noch keine Musik für das kommerzielle Radio, trotzdem mit Ansätzen, welche es auch einem breiteren Publikum zugänglich werden lassen. Aber doch ist dies noch progressiver Rock. Ein Rock dieses Genres, der in den 80er Jahren angekommen war. Wenn man sich dann mal überlegt, was andere Bands, die in den 70ern mit genau demselben Musikstil „groß“ wurden, zur selben Zeit in den 80ern verbrochen haben, dann ist „Beat“ wahrlich eine Wohltat. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Neal And Jack And Me



Dienstag, 26. August 2014

King Crimson – Discipline




King Crimson – Discipline


Besetzung:

Adrian Belew – electric guitar, lead vocals
Robert Fripp – electric guitar, devices
Tony Levin – chapman stick, bass, backing vocals
Bill Bruford – drums, percussion


Label: Warner Brothers Records


Erscheinungsdatum: 1981


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Elephant Talk (4:43)
2. Frame By Frame (5:09)
3. Matte Kudasai (3:47)
4. Indiscipline (4:33)
5. Thela Hun Ginjeet (6:26)
6. The Sheltering Sky (8:22)
7. Discipline (5:13)

Gesamtspieldauer: 38:15




Sieben Jahre hatte es gedauert, dann hatte Robert Fripp beschlossen, King Crimson wieder aufleben zu lassen. Von der letzten Besetzung beim Album „Red“ waren nun nur noch Robert Fripp höchstpersönlich, sowie Bill Bruford am Schlagzeug übrig. Letzterer hatte gerade sein Engagement bei UK beendet und ließ auch seine Solo-Karriere erst einmal ruhen. An der Gitarre wirkte nun Adrian Belew, der sich auch gleich für den Gesang auszeichnete. Tony Levin hatte den Bass übernommen, da bei Peter Gabriel im Augenblick gerade „Ruhe herrschte“.

Nun, was will man zu diesem Album sagen? Es bleibt auf jeden Fall festzuhalten, dass nicht jeder Musik-Freund damit etwas anfangen können wird. Das ist mit Sicherheit keine leichte musikalische Kost, die dem geneigten Hörer hier geboten wird, alles klingt irgendwie vertrackt, der Rhythmus-Fraktion kommt bei jedem Titel eine besondere Rolle zu und beim ersten Hören wollen die einzelnen Titel wahrlich nicht sofort im Ohr hängenbleiben. Das gelingt allerdings immer besser mit jedem weiteren Durchlauf der Platte – wieder mal also ein Album, welches vom Hörer erarbeitet werden will. Aber sind nicht genau das häufig die besten und nachhaltigsten Platten?

Ist diese Musik jedoch erst mal verinnerlicht, dann eröffnen sich dem Konsumenten ganz neue Welten, denn auf der Platte befindet sich Progressive Rock, der in den 80er Jahren angekommen war. Alles klingt und vibriert, ist angefüllt mit Spannung. Traut man sich und setzt beim Hören der Scheibe die Kopfhörer auf, umschwirren einen die Töne von so vielen Seiten, sodass man überrascht ist, da es anscheinend doch mehr als die bisher bekannten Himmelsrichtungen zu geben scheint. Unglaublich intensiv. Besonders deutlich wird dieser Effekt bei „Frame By Frame“ und dem Titelstück, der Instrumentalnummer „Discipline“. Dann wiederum wirkt die Musik von King Crimson auf diesem Album verwunschen, fast schon ein wenig mystisch. Stellvertretend hierfür stehen „Matte Kudasi“ und die zweite Instrumentalnummer der Platte „The Sheltering Sky”.

„Elephant Talk” und vor allem „Thela Hun Ginjeet” sind Stücke, für die die Rhythmusfraktion Bill Bruford und Tony Levin einen musikalischen Oskar verdient hätte, wenn es diesen denn geben würde. Die Musik pulsiert und findet keine Ruhe, alles ist im Umbau, wie ein rauschender Fluss, um plötzlich doch wieder an der Quelle angekommen zu sein. Was Bill Bruford hier auf dem Schlagzeug zelebriert, ist absolut berauschend und gibt es so nicht allzu oft zu hören. Der Zugang zu „Indiscipline“ ist dann noch ein Stück schwieriger. Auch hier gibt es alle Zutaten der Platte: überbordender Rhythmus, vertrackte Takte und eine ganz eigenartige, nicht fassbare musikalische Stimmung. Unterbrochen wird diese Atmosphäre immer wieder durch Sprecheinlagen, die die Nummer dadurch allerdings noch schwerer zugänglich werden lassen.

Fazit: Die Musik von King Crimson hat nicht mehr ganz so viel mit jener gemein, die die Band während des ersten Kapitels ihres Bestehens schrieb. Alles ist noch ein wenig komplizierter und an manchen Stellen fast schon ein klein wenig jazzig geworden, obwohl dieses Genre mit „Discipline“ sicherlich nicht bedient wird. Die Musik ist spannend und auch sehr eingängig, letzteres allerdings erst nach immer wiederholtem Hören. Das lohnt sich allerdings. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Frame By Frame, Thela Hun Ginjeet, Discipline



Sonntag, 4. Mai 2014

King Crimson – Starless And Bible Black




King Crimson – Starless And Bible Black


Besetzung:

Robert Fripp – guitar, mellotron, devices, electric piano
John Wetton – bass, vocals
Bill Bruford – drums, percussion
David Cross – violin, viola, mellotron, electric piano


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. The Great Deceiver (4:03)
2. Lament (4:06)
3. We'll Let You Know (3:42)
4. The Night Watch (4:41)
5. Trio (5:41)
6. The Mincer (4:09)
7. Starless And Bible Black (9:11)
8. Fracture (11:13)

Gesamtspieldauer: 46:44




Ich kann es durchaus nachvollziehen, wenn viele Musikhörer mit diesem sechsten „Studioalbum“ King Crimsons weniger bis gar nichts anfangen können. Das liegt zum Teil sicherlich an den Anführungsstrichen, die man beim Wort „Studioalbum“ setzen muss. 1974 wurde „Starless And Bible Black” veröffentlicht und beinhaltet acht Titel, von denen „Trio“, „Fracture“, „We'll Let You Know“, „The Mincer“ und das Titelstück „Starless And Bible Black” Konzertmitschnitte darstellen, also live eingespielt und nachträglich im Studio überarbeitet wurden. „The Night Watch“ wurde ebenfalls live eingespielt, jedoch schließlich größtenteils im Studio durch dortige Aufnahmen ersetzt. So bleiben lediglich "The Great Deceiver" und "Lament" von dieser Platte, welche „reine“ Studio-Titel darstellen. Hintergrundgeräusche oder Applaus sind auf dem Album jedoch nicht zu hören, es ging der Band hier mehr um die Dynamik beim Spielen, die einem solchen Auftritt innewohnt und die es auf Platte zu transportieren galt.

Dies zur Entstehungsgeschichte des Materials, welches sich auf „Starless And Bible Black” befindet. Die Lieder selbst stellen dabei häufig Improvisationen dar, die vorher angeblich auch nicht immer abgesprochen worden waren. Hier wird gejammt, die Musiker spielen miteinander, gehen aufeinander ein und entwickeln so auf der Bühne neue Titel. Das klingt mitunter überaus spannend, wie beim genialen „Fracture“, wobei man sich kaum vorstellen kann, dass sich solch ein Lied auf der Bühne entwickeln lässt.

Nur wenig klingt auf diesem Album eingängig und melodiös, alles ist sperrig und kantig, oftmals experimentell und doch in seiner Art auch wieder unglaublich spannend. Und wenn man dann solch einen Titel wie „We'll Let You Know“ hört, dann passt hier durchaus auch das Adjektiv „abgefahren“. Schwer zugänglich, spielen die Musiker ihre Instrumente hier miteinander, allerdings auch nebeneinander, sodass an so etwas wie eine Melodie nicht zu denken ist. Selbiges lässt sich übrigens auch für „The Mincer“ und „Starless And Bible Black“ feststellen.

Aber es gibt auch die „lieblichen“ Töne auf dem Album. „The Night Watch” und „Trio” mögen zwar teilweise oder ganz ebenfalls live eingespielt worden sein, den Liedern zugrunde liegt jedoch eine Song-Struktur, die sicherlich nicht auf der Bühne entwickelt wurde. Hier handelt es sich jetzt also nicht um Improvisationen, sondern um überaus melodische Stücke, wobei ersteres sogar mit Text versehen wurde, was zusätzlich darauf hinweist, dass die Nummer vorher komponiert worden sein muss. Und das, was man da zu hören bekommt, ist wahrlich ergreifend. Eingängig und melodiös wird hier das Ohr umschmeichelt. „Trio“ ist im Anschluss daran wieder eine Instrumentalnummer, allerdings eine hauchzarte. Es scheint gerade so, als ob hier melancholisch eine Landschaft musikalisch abgebildet werden sollte. Sehnsüchtig klingt das Gehörte nach Weite, nach Sonnenuntergang, nach hügeliger Ebene, nach… Der Phantasie sind hier keinerlei Grenzen gesetzt. Da sich beide Nummern auch ziemlich zentral auf dem Album befinden, wirkt es ein klein wenig so, als wollten die Musiker hier ihren Hörern eine kurze Entspannungspause gönnen, bevor es dann wieder, durchaus auch verstörend, weitergeht.

Fazit: Ein unglaublich vielschichtiges Album ist „Starless And Bible Black“ von King Crimson geworden. Kein Album für den „Normalgebrauch“, kein Album zum Tanzen, kein Album zum Autofahren, kein Album zum Nebenbeihören. Man muss schon eine Ader für die ausgefalleneren Töne des Progressive Rock besitzen. Geschmack am Free Jazz kann hier auch definitiv nicht schaden. Obwohl ich letzteren nicht besitze, schafft es das Album mich zu packen. Alles scheint so lebendig und ist ausdrucksstark und in der Mitte gibt es dann diese kleine „Rastmöglichkeit“. Leider geil. Elf Punkte.

Anspieltipps: The Night Watch, Trio, Fracture



Freitag, 1. Februar 2013

King Crimson – Islands




King Crimson – Islands


Besetzung:

Robert Fripp – guitar, mellotron, harmonium
Mel Collins – flute, bassflute, saxophone
Boz Burrell – bass, vocals
Ian Wallace – drums


Gastmusiker:

Keith Tippett – piano
Paulina Lucas – vocals
Harry Miller – bass
Robin Miller – oboe
Mark Charig – horn


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1971


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Formentera Lady (10:16)
2. Sailor's Tale (7:34)
3. The Letters (4:32)
4. Ladies Of The Road (5:35)
5. Prelude: Song Of The Gulls (4:15)
6. Islands (11:54)

Gesamtlaufzeit: 44:07




„Islands“ taufte die englische Band King Crimson ihr viertes Album. In all den Jahren ihres Bestehens, in all ihren Wandlungen und mit all ihren Veröffentlichungen stellt diese Formation um den Gitarristen Robert Fripp für mich die Progressive Band schlechthin dar. Immer wieder wurden hier neue Pfade betreten, etwas Neues ausprobiert, unabhängig vom derzeit herrschenden Musikgeschmack der breiten Masse. Es gibt viele „Inseln“, welche man mit der Musik von King Crimson ansteuern kann. Und „Islands“ ist eine Insel in der Album-Historie der Band geworden, die eine der eingängigsten Platten darstellt – obwohl das Album gleichzeitig auch immer wieder verstörend auf den Zuhörer wirken kann. Dieser Umstand, macht diese 1971 veröffentlichte Platte jedoch genau zu dem spannenden Album, welches es letztlich geworden ist. Das gibt es nicht so oft in einer Welt, in der Lieder meist aus Strophe und Refrain und vielleicht noch einem Solo bestehen, dass die Dramaturgie der Musik, der des Textes angepasst wurde. Nur sehr selten werden zum Beispiel außerhalb des King Crimson Kosmos, in ein und demselben Lied, so melodiöse Abschnitte mit solch atonalen und „lauten“ Passagen kombiniert, wie auf dem unglaublich spannenden „The Letters“. Hier ist es so, dass sich die Musik dem Text angleicht. Das gesungene Wort ist in diesem Lied wahrlich sehr verstörend und genau dieser Gegebenheit passt sich die Musik an. „The Letters“ ist dazu nicht das einzige Beispiel. Solch unterschiedliche Abschnitte gibt es auch bei „Ladies Of The Road“, bei dem alles zwischen Free Jazz und lieblichen Beatles-Weisen hin- und herzupendeln scheint.

Ganz anders, durchgehend sehr melodiös, präsentiert sich „Prelude: Song For The Gulls“. Ein Kammermusikstück, instrumentiert mit jeder Menge Streicher und Oboe. Fast schon herzzerreißend schön. Richtig gut gelungen ist auch gleich der Beginn des Albums: „Formentera Lady“. Eine sehr ruhige Nummer, hauptsächlich akustisch mit Bass, Gitarre und Flöte instrumentiert. Aber es wäre nicht King Crimson zu hören, wenn dies über die zehn Minuten so andauern würde. Im weiteren Verlauf des Stückes wird es auch wieder deutlich schräger und abgefahrener. Ein Saxophon übernimmt das Heft des Handelns und der Gesang Buzz Burrells wird durch eine Sopranistin ersetzt, die allerdings nur sehr hohe „Aaaahs“ und „Oooohs“ intoniert. Fast fließend gelingt dann der Übergang zu „Sailor’s Tale“, dem schnellsten Stück der Platte. Deutlich rockiger klingt die Band jetzt, es gibt erneut an den Free Jazz erinnernde Abschnitte und gegen Ende wird der Hörer zwischen Symphonie und Kakophonie herumgewirbelt.

Beendet wird das Album mit dem Titellied „Islands“. Gute neun Minuten lang gibt es hier wunderschöne entspannte Musik zu hören. Sehr melodisch und harmonisch und eingängig, allerdings alles nur ganz zart und zurückhaltend angespielt. Die letzten zwei Minuten sind dann, nach einer kurzen Pause, Tonstudio-Geräusche und Unterhaltungen zwischen den Musikern.

Fazit: Ein größtenteils sehr ruhiges und auch sehr bewegendes Album ist den vier Musikern von King Crimson da im Jahr 1971 gelungen. Hier stimmen Text und Musik überein, ergänzen sich und sind nicht nur Mittel zum Zweck. „Islands“ ist eine sehr intensive und bewegende Scheibe geworden, eine der besten im Katalog von King Crimson. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Formentera Lady, The Letters, Prelude: Song Of The Gulls, Islands