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Mittwoch, 20. Mai 2026

Charlie Risso – Rituals




Charlie Risso – Alive


Besetzung:

Charlie Risso – vocals, guitars, synthesizers


Gastmusiker:

Mattia Cominotto – guitars, synthesizers & piano
Brian Lopez – vocals & guitars on „Let's Move Somewhere Else“, guitars on „Rituals“
Davide „Zazza“ Zalaffi – drums
Robin Manzini – guitars on „I'm Coming“, „The Dust“, „Winter Games“
Marco Ferretti – acoustic guitar on „Under A Spell“
Raffaele Rebaudengo – viola & violins on „Rituals“, „No One Knows“, „The Dust“, „When You Finish Me“
Tristan Martinelli – piano & synthesizers on „When You Finish Me“


Label: Sounzone


Erscheinungsjahr: 2026


Stil: Dark Folk, Dream Pop


Trackliste:

1. Bad Instinct (4:12)
2. No One Knows (4:27)
3. I'm Coming (3:12)
4. When You Finish Me (3:26)
5. Rituals (4:12)
6. Under A Spell (2:50)
7. The Dust (4:01)
8. Let's Move Somewhere Else (3:49)
9. Free To Leave (4:11)
10. Winter Games (3:46)
11. Stray Dog (3:40)

Gesamtspieldauer: 41:51



„Rituals“ heißt das vierte Studioalbum der aus Genua stammenden Musikerin Charlie Risso. Das Album wurde am 3. April 2026 auf dem Label Sounzone veröffentlicht.

Nachdem ihr Album „Alive“ aus dem Jahr 2024 schon überzeugte, so kann Charlie Risso mit „Rituals“ sogar einen noch tieferen Eindruck hinterlassen. Wer auf eher „dunkle“, emotionale, melancholische und dadurch auch sehr intensive Musik steht, kann hier wunderbar in genau diese Klangwelten eintauchen. Untermalt wird diese Musik von der intensiven und eingängigen Stimme der Italienerin, welche die dichte Atmosphäre nochmals verstärkt.

Dark Folk, Dream Pop und eine ganze Menge psychedelischer Passagen bekommt man auf „Rituals“ geboten. Dabei lohnt auch das Zuhören beziehungsweise Mitlesen der Texte, die im verwunschen gestalteten Booklet mit enthalten sind. Es werden Gefühle und Situationen besungen, die mit der Musik untermalt sofort Bilder vor dem geistigen Auge aufkommen lassen. Sehr intensiv.

Die erste Hälfte des Albums ist ruhiger gehalten und erst in den späteren Titeln nimmt die Musik etwas Fahrt auf und lässt fast sogar mal einen kleinen positiveren musikalischen Sonnenstrahl am Horizont aufblitzen. Doch zu emotional aufgebaut mag Charlie Risso ihre Zuhörerinnen und Zuhörer dann doch nicht aus diesem schönen Album entlassen. Mit dem letzten Titel „Stray Dog“ wird die intensive, nachdenklich-melancholische Stimmung wieder aufgenommen, die bei diesem Lied sogar ganz ohne gesungene Wörter, sondern mit Summen und einigen „Ahs“ zum Ende auskommt.

Fazit: „Rituals“ ist ein schönes, eingängiges und auch dunkles Album geworden, welches mit jedem Lied zu überzeugen weiß. Die einzelnen Titel gehen ins Ohr und wirken am besten, wenn sie wirklich diese etwas dunklere Atmosphäre verbreiten. Ein Album zum Entspannen und Eintauchen, welches man am besten auf seinem Lieblingssofa mit geschlossenen Augen genießt. Elf Punkte.

Anspieltipps: Bad Instinct, When You Finish Me, Stray Dog



Sonntag, 14. Dezember 2025

Digital Carbs – Oh Hedonism

 



Digital Carbs – Oh Hedonism


Besetzung:

Johannes Rest – vocals, bass
Konrad Diesch – drums
Daniel Bautista – guitar
Markus “Willy” Willmann – guitar


Gastmusiker:

(Keine weiteren Angaben)




Erscheinungsjahr: 2025


Stil: Rock, Art Rock


Trackliste:

1. Artificially Limited (1:48)
2. Forest Dome (5:11)
3. Exploding Whale (4:00)
4. Up And Away (3:56)
5. Head In The Clouds (5:25)
6. It‘s Cold In Space (3:34)
7. Win Some, Lose Some (4:15)
8. Say It Like You Mean It (3:49)
9. Mescaline (4:35)
10. Hypnopompia (1:10)
11. Like A Child (3:36)

Gesamtspieldauer: 41:25



Digital Carbs entstand als Soloprojekt des Musikers Johannes Rest, der das 2022 erschienene erste Album „Are We Taking It Slowly” pandemiebedingt noch alleine einspielte. Im Oktober 2025 erschien jetzt das zweite Album der Digital Carbs mit dem Titel „Oh Hedonism“, welches auf dem Plattenlabel Schaufel & Besen Records veröffentlicht wurde. Dieses Mal waren die Digital Carbs eine vierköpfige Band welche, die auf dem Album enthaltenen Lieder geschrieben, eingespielt und aufgenommen hat.

Es gibt so Platten, die legt man auf und wird sofort in die Musik hineingezogen, da diese vom ersten Takt wirkt und packt. Dabei beginnt „Artificially Limited“ noch dröhnend , doch entwickelt sich dann als kurzes Instrumentalstück in eine groovende und melodische Nummer, die den Weg des Albums irgendwie vorgibt. Denn „Oh Hedonism“ ist ein sehr melodiöses Album geworden, aber wahrlich keines, welches auf plumpe Eingängigkeit setzt. Die Lieder gehen ins Ohr, vollführen dabei jedoch manch überraschende Wendungen, die die Musik der Digital Carbs weitab des mainstreamtauglichen Radio-Rocks oder Pops platzieren.

Manche der Melodiebögen und die dazu perfekt passende Gesangsstimme des Johannes Rest lassen Erinnerungen und Vergleiche zu Radiohead aufkommen. Digital Carbs sind hier allerdings wahrlich keine Kopie, sondern entwickeln durchaus ihre musikalische Eigenständigkeit. In die Musik fließen Psychedelic und Independent Rock genauso ein wie progressive Ansätze. Und genau diese Bandbreite macht dieses Album so interessant und hörenswert für alle, die gerne mal über den Tellerrand hinaussehen beziehungsweise hören und die in jenen musikalischen Genres ihre musikalische Heimat wissen.

Das Zuhören macht einfach Spaß und die elf Lieder klingen abwechslungsreich. Dabei weiß die Band auch mit den Stimmungen und Atmosphären zu spielen. Mal groovend, dann wieder nachdenklich, folkig, schließlich rockig oder sphärisch. In jeder Phase des Albums wissen die Digital Carbs zu überzeugen und lassen „Oh Hedonism“ zu einem kurzweiligen und überzeugenden Erlebnis werde, welches man immer wieder gerne auflegt.

Fazit: „Oh Hedonism“ ist das zweite Album der Digital Carbs. Diese Platte ist kein „einfaches“ Pop- oder Rock-Album. Die vier Musiker bedienen sich der unterschiedlichsten musikalischen Genres, wirken dabei immer überzeugend und erschaffen mit ihren Liedern spannende Momente, die Freunde des Psychedelic und Progressive Rocks zu schätzen wissen werden. Elf Punkte.

Anspieltipps: Head In The Clouds, It‘s Cold In Space






Auch im neuen Jahr kann man die Band live sehen:

4. Februar - Hildesheim - Club VEB
5. Februar - Düsseldorf - Pitcher
7. Februar - Frankfurt a. M. - Ponyhof
14. Februar - Paris - Supersonic
20. Februar - Steyr -Röda (Glen Matlock)
2. März - Regensburg - Heimat
3. März - Dresden - Ostpol 

Samstag, 4. Oktober 2025

The Stranglers – Dark Matters

 



The Stranglers – Dark Matters


Besetzung:

Jean-Jacques Burnel – bass, lead (1, 3, 8, 10, 11) and backing vocals, acoustic guitar (6)
Dave Greenfield – keyboards, backing vocals
Baz Warne – guitar, lead (2–7, 9) and backing vocals
Jim Macaulay – drums, percussion, backing vocals


Gastmusiker:

Louie Nicastro – additional keyboards
Matthew Bourne-Jones – trumpet (4)


Label: Coursegood Limited


Erscheinungsjahr: 2021


Stil: Rock


Trackliste:

1. Water (4:49)
2. This Song (3:22)
3. And If You Should See Dave... (3:37)
4. If Something's Gonna Kill Me (It Might As Well Be Love) (4:58)
5. No Man‘s Land (2:28)
6. The Lines (1:39)
7. Payday (3:06)
8. Down (3:04)
9. The Last Men On The Moon (5:37)
10. White Stallion (4:47)
11. Breathe (5:51)

Gesamtspieldauer: 43:21



„Dark Matters“ heißt das achtzehnte Studioalbum der britischen Rockband The Stranglers. Das Album wurde am 10. September 2021 auf dem Plattenlabel Coursegood Limited veröffentlicht. Auf acht der elf Titel von „Dark Matters“ ist noch der im Jahr 2020 an Covid-19 verstorbene Keyboarder und Gründungsmitglied der Stranglers Dave Greenfield zu hören. Gleichzeitig ist die Platte das erste Studioalbum, welches ebenfalls ohne Gründungsmitglied und Schlagzeuger Jet Black aufgenommen wurde, der sich 2015 aus gesundheitlichen Gründen aus der Band zurückzogen hatte und im Jahr 2022 verstarb.

„Dark Matters“ stieg auf Platz 4 in die offiziellen britischen Albumcharts ein und ist damit das höchstplatzierte Studioalbum der Stranglers seit Feline aus dem Jahr 1983. Es wurde vom Magazin Vive Le Rock in seiner Ausgabe vom Dezember 2021 als „Album des Jahres“ ausgezeichnet. Die Lieder „And If You Should See Dave...“, „If Something‘s Gonna Kill Me (It Might As Well Be Love)“ sowie „This Song“ waren vorab als Singles veröffentlicht worden.

Das Album ist eine Mischung aus New Wave-angehauchten Rocktiteln mit sanfteren Nummern. Dabei ist der so typische Klang der Stranglers immer noch deutlich herauszuhören. Und natürlich spielt auch der Tod von Dave Greenfield eine inhaltliche Rolle. Dies wird besonders deutlich bei den Titeln „And If You Should See Dave...“ und „If Something‘s Gonna Kill Me (It Might As Well Be Love)“. Bei letztgenanntem Titel kommt auch die „New Wave-Vergangenheit“ der Band am stärksten zum Tragen.

Allerdings nicht nur bei dieser Nummer wissen die Stranglers erneut mit tollen Melodien zu überzeugen, die sofort ins Ohr gehen und schnell zu guten Freunden werden. Auf „Dark Matters“ findet sich kein Füllmaterial, jedes der elf Stücke wirkt und klingt. Somit wird das achtzehnte Studioalbum der Englänger zu einem eingängigen und auch abwechslungsreichen Erlebnis, das man gerne auflegt. New Wave, Rock und im Falle des sanften „The Lines“ sogar Folk passen auf dieser Platte perfekt zusammen.

Fazit: Neun Jahre nach „Giants“ veröffentlichen die Stranglers wieder ein Album und dieses überzeugt und macht Spaß zu hören. Die Trauer über den Tod Dave Greenfields ist auf dem Album präsent, trotzdem verliert sich die Platte nicht in einer Moll-Orgie. Es sind die Melodien, die Ideen und die Abwechslung, die dieses Album zu einem sehr hörenswerten werden lassen. Elf Punkte.

Anspieltipps: If Something's Gonna Kill Me, The Lines, Down, White Stallion, Breathe



Sonntag, 22. Juni 2025

Pattern-Seeking Animals – Spooky Action At A Distance

 



Pattern-Seeking Animals – Spooky Action At A Distance


Besetzung:

Ted Leonard – lead vocals and guitar
Jimmy Keegan – drums, percussion and vocals
Dave Meros – basses
John Boegehold – synthesizers, programming, mellotron, guitars, electric sitar, charango, ronrocco, vihuela, mandocello, autoharp, string arrangements and vocals


Gastmusiker:

Abbie Parker – backing vocals (1, 4, 10)
Alex Bone – tenor sax (4)
Diane Boothby – backing vocals (1, 2, 5, 6, 10)
Gary Cambra – additional guitar (10)
Holly Rix – backing vocals (7, 9)
Ivy Marie – backing vocals
Liz Hanks – cello (1)
Maisie Ireland – cor anglais (4)
Marcela Detroit – backing vocals (6)
Rich Mangicaro – percussion (4, 7, 8, 9)
Sue Winsberg – flute (4, 9)
Vesislava – cello (3)
Eliza James – violin (5, 6)
Rebecca Schlappich Charles – violin (5, 6)
Jennifer Wu – violas (5, 6)
Danica Pinner – cello (5, 6)




Erscheinungsjahr: 2023


Stil: Progressive Rock, Art Rock


Trackliste:

CD1:

1. The Man Made Of Stone (7:03)
2. Window To The World (3:58)
3. What Awaits Me (5:22)
4. He Once Was (12:16)
5. Underneath The Orphan Moon (3:52)
6. Clouds That Never Rain (5:20)
7. Bulletproof (4:18)
8. Somewhere North Of Nowhere (6:48)
9. Summoned From Afar (7:35)
10. Love Is Still The Light (4:43)

CD2:

1. There Goes My Baby (3:52)
2. Orphans Of The Universe (Live at Progstock 2022) (10:41)
3. Elegant Vampires (Live at Progstock 2022) (4:29)
4. Time Has A Way (Live at Progstock 2022) (13:13)


Gesamtspieldauer: CD1 (1:01:19) und CD2 (32:17): 1:33:36



In sehr schöner Regelmäßigkeit hält, die aus aktuellen und ehemaligen Spock’s Beard Mitgliedern bestehende Band Pattern-Seeking Animals, das Banner des amerikanischen Progessive Rocks hoch. Seit der ersten Veröffentlichung im Jahr 2019 vergingen zwischen zwei Veröffentlichungen maximal zwei Jahre. Dieses Mal hat es lediglich ein Jahr gedauert, bis nach „Only Passing Through“ im Jahr 2022 mit „Spooky Action At A Distance“ bereits das vierte Studioalbum der Pattern-Seeking Animals erschien.

Und erneut enttäuschen die vier Musiker keineswegs. Komponist John Boegehold hat erneut ein Album zusammengestellt, welches nur so von schönen Harmonien und eingängigen Melodien strotzt. Dabei sind es wieder einmal – wie könnte es bei einer Band im Umkreis des Progressive Rocks auch anders sein? – die längeren Titel, die besonders überzeugen. Viele Wendungen, atmosphärische- und Rhythmuswechsel, spannende Steigerungen, rockige Passagen neben ganz leisen Tönen und dazu noch wunderschöne Gesangsharmonien. Diese Mischung begeistert einmal mehr und wurde gerade in den Longtracks perfekt umgesetzt.

Beim Progressive Rock scheiden sich die Freunde dieser Musik oftmals in zwei Lager. Jene, denen es gar nicht experimentell genug sein kann, die frickelige Passagen lieben, auch mal atonale Töne als wahre Bereicherung und Auflockerung betrachten. Und dann sind da auf der anderen Seite die Hörer, welche die Harmonie und die wunderschöne Melodie suchen. Gemein ist beiden Gruppen die Freude an der Abwechslung, am unerwarteten Verlauf eines Titels. Die Pattern-Seeking Animals bedienen mit ihrem vierten Album allerdings „nur“ die zweite Fraktion, diese dann aber absolut konsequent. Das Album geht ins Ohr und macht Spaß.

Rockige Klänge, folkige Passagen, hymnische Abschnitte und auch ein wenig Pop paaren sich auf „Spooky Action At A Distance“ – und das in einer sehr gelungenen und überzeugenden Art und Weise. Übersetzt heißt der Albumtitel „Gespenstische Wirkung in der Ferne“ und widerspricht eigentlich dem idealen Hören des Albums. Dieses genießt man nämlich am besten ganz nah auf den Ohren, mit Kopfhörern auf seinem Lieblingsplatz.

Die zweite CD enthält das etwas poppige und eingängige There Goes My Baby“ sowie drei Live-Aufnahmen, je eine von den ersten drei Veröffentlichungen. Die Qualität der Aufnahmen ist sehr gut und man hört kaum, dass es sich dabei um Live-Einspielungen handelt. Vor allen Dingen die drei Live-Mitschnitte sind sehr hörenswert und eine schöne Zugabe.

Fazit: Auch das vierte Album der Pattern-Seeking Animals weiß zu überzeugen. Wer die ersten drei Platten der Band mochte, wird von „Spooky Action At A Distance“ sicherlich nicht enttäuscht werden. Eine Weiterentwicklung der Musik der Band gibt es nicht, der mit dem ersten Album eingeschlagene musikalische Weg wird konsequent fortgesetzt. Viele dürfte das freuen. Elf Punkte.

Anspieltipps: The Man Made Of Stone, He Once Was, Summoned From Afar



Freitag, 20. Juni 2025

Werner Bekker – Lightwoven

 



Werner Bekker – Lightwoven


Besetzung:

Keine weiteren Angaben


Gastmusiker:

Werner Bekker – vocals, guitars


Label: Tic Tac Bang


Erscheinungsjahr: 2025


Stil: Folk


Trackliste:

1. Goodbye Honey (3:56)
2. Coloured By Thoughts (4:24)
3. Compromise (3:48)
4. Creaking Door (4:49)
5. Daisy (4:43)
6. Broken Record (4:27)
7. Mood (3:01)
8. I Can Take It (4:26)
9. Long Fuse (3:37)

Gesamtspieldauer: 37:15



Manchmal spielt das Leben einfach verrückt und es passieren Dinge, auf die man gerne verzichtet hätte. Situationen, die einem Abgründe eröffnen und wenn man schließlich glücklicherweise doch nicht ganz abstürzt ist, es überstanden hat, dann beschäftigen einen diese Momente noch sehr lange. Um die daraus resultierenden Gefühle aufzuarbeiten fangen manche Menschen an zu trinken, einige suchen sich professionelle Hilfe, reden viel mit anderen Leuten darüber, finden Unterstützung bei Freunden und der Familie oder versuchen alles mit Kreativität zu verarbeiten.

Letzteren Weg ist der südafrikanische Sänger und Songwriter Werner Bekker gegangen und verarbeitete seine schwierigsten emotionalen Lebensmomente in Musik – in nachdenkliche Texte und in sanfte Melodien, angereichert mit vielen Emotionen. Somit hört man auf „Lightwoven“ gefühlvolle Musik, die einen packt und unter die Haut geht. Die sanften Titel entfalten ihre Wirkung sofort und laden zu süßer Melancholie ein, während der man selbst eigene Erlebnisse reflektiert. Melancholisch, sentimental, auch traurig, jedoch immer mit einem kleinen Silberstreif am Horizont versehen, wie schon der Albumtitel vermitteln will. Werner Bekker sagt selbst über die Platte: „Dieses Album hat mir geholfen, Dinge zu verarbeiten, die ich nicht laut aussprechen konnte. Ich hoffe, es hilft auch jemand anderem.“

Die einzelnen Lieder ähneln sich von der Stimmung her ohne, dass dies zu Langeweile führen würde. Man taucht mit dem ersten Lied ein in diese Atmosphäre und wird erst nach dem Ausklingen des letzten Stücks daraus entlassen. Manchmal hört man Werner Bekker singen, dabei fast ausschließlich begleitet von seiner Gitarre, wie beim bewegenden „Mood“. Im anschließenden und mitreißenden „I Can Take It“ wiederum hört man Perkussion und Streicher. Doch ganz egal, wie opulent oder zurückhaltend die Lieder instrumentiert sind, dieses sanfte Gefühl der Melancholie sowie diese emotionale Intensität bleibt stets zugegen.

„Lightwoven“ wird heute, am 20. Juni, auf dem Label Tic Toc Bang veröffentlicht und ist auf allen gängigen Streaming-Plattformen verfügbar.

Fazit: Mit „Lightwoven“ ist dem Südafrikaner Werner Bekker ein sehr einfühlsames und packendes Album gelungen, welches all jene Hörerinnen und Hörer begeistern wird, welche Emotionalität, Gefühle und auch die stillen Momente in der Musik lieben. Das Album überzeugt vom ersten bis zum letzten Akkord und trägt einen beim Hören sanft. Sehr empfehlenswert. Elf Punkte.

Anspieltipps: Compromise, Mood, I Can Take It



Samstag, 26. April 2025

Heather Nova – Breath And Air

 



Heather Nova – Breath And Air


Besetzung:

Heather Nova – vocals, acoustic guitar


Gastmusiker:

Chris Bond – drums, percussion, guitar, bass, synthesizers, piano, rhodes, backing vocals
Andrew “Bear” Bond – bass, piano, synthesizers
Midori Jaeger – cello


Label: V2 Records


Erscheinungsjahr: 2025


Stil: Pop, Folk


Trackliste:

1. Hey Poseidon (5:02)
2. Ebbs And Flows (5:14)
3. November Skies (4:01)
4. Breath And Air (4:16)
5. From Up Here (4:37)
6. Butterflies And Moths (4:21)
7. A Human Experience (3:26)
8. Ghost In My Room (5:30)
9. Beginner (4:12)
10. The Lights Of Sicily (4:25)
11. I Blame It On Myself (4:18)
12. Magnificent (4:47)
13. Farewell (3:18)

Gesamtspieldauer: 57:33



„Breath And Air“ heißt das zwölfte Studioalbum der aus den Bermudas stammenden Musikerin Heather Nova. Es wurde am 21. Februar 2025 auf V2 Records veröffentlicht. Und beim Auflegen der Platte wird einem sofort bewusst, dass dies eindeutig ein Heather Nova Album ist, zu markant hört man die Stimme der Musikerin in Verbindung zur sanften Musik, die da aus den Boxen strömt.

„Fast gehaucht“ könnte man Musik wie Gesang an vielen Stellen umschreiben. Alles wirkt irgendwie ganz dezent und zerbrechlich und alle Lieder dieses neuen Albums gehen einem unweigerlich ins Ohr und rühren an den Emotionen. Wunderschön trägt Heather Nova ihre Lieder vor, alles erklingt so wunderbar unaufgeregt und eingängig, dass man nach dem ausklingenden „Farewell“ emotional gepackt auf den Plattenspieler blickt.

Alle dreizehn Titel auf „Breath And Air“ gehen ins Ohr und überzeugen. Möchte man es eher rockig oder „härter“, ist man bei Heather Nova definitiv falsch. Die Musikerin erzeugt mit ihrer Stimme, ihrem Gesang – in Verbindung zur Musik – einnehmende Atmosphären und Stimmungen, die einen immer dann packen, wenn man die Ruhe des Alltags sucht oder dem eigenen Blues freien Lauf lassen möchte. „Breath And Air“ enthält Folk, der melodiös und sanft die Ohren umspielt. Wer eingängige Melodien mag, wird hier definitiv fündig.

Fazit: „Breath And Air“ ist ein Heather Nova Album und klingt auch nach Heather Nova. Keine Kompromisse, Folk, sehr eingängig und immer melodiös und sanft. Wer die Musik der aus den Bermudas stammenden Musikerin schon immer mochte, wird von diesem neuen Album von Heather Nova definitiv nicht enttäuscht sein. Elf Punkte.

Anspieltipps: Butterflies And Moths, The Lights Of Sicily



Donnerstag, 24. April 2025

Friend Of A Friend – Desire!

 



Friend Of A Friend – Desire!


Besetzung:

Claire Molek
Jason Savsani


Gastmusiker:

Keine weiteren Angaben




Erscheinungsjahr: 2025


Stil: Electronic Rock, Art Rock


Trackliste:

1. Oasis (3:23)
2. Anna (3:46)
3. FTV (2:41)
4. Gloria (4:33)
5. Mama (2:49)
6. Beautiful ppl (3:41)
7. Desire (3:21)
8. Moonlight (2:24)
9. Hh2 (4:05)
10. Maverick (2:57)

Gesamtspieldauer: 33:45



Friend Of A Friend, das ist ein US-amerikanisches Duo, bestehend aus Claire Molek und Jason Savsani, welches mit „Desire!“ bereits ihr drittes Studioalbum vorlegt. „Desire!“ erscheint am 25. April 2025 auf dem Plattenlabel Earth Libraries und die Musik auf der Scheibe macht dem Albumtitel alle Ehre, denn die Lieder auf „Desire!“ klingen nach Sehnsucht und Begierde – und dabei ist mit Sicherheit kein Schmachten nach Liebe gemeint.

Es ist vielmehr die Musik in Verbindung mit der Stimme der Claire Molek, die diesen Eindruck hervorruft. Die Atmosphäre auf „Desire!“ packt einen bereits beim ersten Mal des Hörens, bedingt durch den manchmal rauen, schließlich wieder zerbrechlich und manchmal eben auch sehnsüchtig – wie beim Titellied – erklingenden Gesang, in Verbindung mit eingängigen Gitarren- oder auch beunruhigend anschwellenden Synthesizer-Klängen. Dazu gesellen sich Rhythmuswechsel, welche manche der Lieder zu kleinen musikalischen Reisen werden lassen.

Die Lieder in der ersten Hälfte des Albums klingen sofort deutlich eingängiger, während das Album im weiteren Verlauf ein wenig experimenteller und irgendwie verwunschener klingt. Die Stimmung wird dunkler und unheimlicher, dabei sind beide Seiten der Musik von Friend Of A Friend, die hier auf „Desire!“ gezeigt werden, sehr hörenswert und packend.

Die häufig greifbar bedrohliche Atmosphäre der Lieder mag auch vom Entstehungsort herrühren, den die beiden Musiker für das Album gewählt hatten. Dies kann man im Material zum Album nachlesen und ob man nun esoterisch oder spirituell angehaucht ist oder eben nicht, diese Umstände lassen sich beim Hören der Scheibe sehr gut heraushören. Das Album entstand in einem weitläufigen, viktorianischen Herrenhaus in Illinois, das wegen seiner Abgeschiedenheit, den hallfreundlichen Räumen und der ruhigen Wüstenumgebung ausgewählt wurde. Seltsames Knarren und unerklärliche Geräusche erfüllten jedoch die Nächte, und sowohl Claire als auch Jason, die sich normalerweise von alten Häusern nicht abschrecken lassen, schliefen mit offener Tür und hatten das untrügliche Gefühl, dass sie nicht allein waren. Nach drei Tagen erhielten sie einen ominösen Anruf des Hausbesitzers. „Er begann das Gespräch ganz beiläufig“, erinnert sich Jason, ‚und sagte dann nur: ‘Übrigens, die Leute in der Stadt könnten Ihnen sagen, dass es in dem Haus spukt.'“ Der Besitzer erzählte weiter, dass das Haus im 19. Jahrhundert ein Treffpunkt für Spiritualisten gewesen sei und der erste dokumentierte Exorzismus in den Vereinigten Staaten hier stattgefunden habe.

Mit diesen kleinen Zusatzinformationen macht das Hören nochmal etwas mehr Spaß und lässt die Lieder noch intensiver wirken, denn diese Erfahrungen sind in den Entstehungsprozess stark mit eingeflossen, wie die Musiker berichten – und das spürt man auch. Kein Wunder also, dass die Titel irgendwie verwunschen, dunkel und zum Teil leicht mystisch klingen. Was dabei zudem großartig gelungen ist, ist das Verschmelzen von akustischen und elektronischen Instrumenten zu einem Ganzen, welches sich zu hören lohnt und die Atmosphäre perfekt transportiert.

Fazit: „Desire!“ von Friend Of A Friend klingt spannend und anders, als was man in heutiger Zeit so oft vorgesetzt bekommt. Musik, die angenehm andere Wege beschreitet, dabei trotzdem ins Ohr geht und auch den künstlerischen und experimentellen Aspekt nicht vergisst. Sehr hörenswert für alle, die mit den Hitsendern und dem Mainstream dieser Welt wenig anfangen können. Elf Punkte.

Anspieltipps: Anna, FTV



Freitag, 18. April 2025

IQ – Dominion

 



IQ – Dominion


Besetzung:

Paul Cook – drums and percussion
Neil Durant – keyboards
Tim Esau – bass guitar, bass pedals and backing vocals
Michael Holmes – guitars, keyboards and backing vocals
Peter Nicholls – lead vocals and backing vocals


Label: GEP


Erscheinungsjahr: 2025


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. The Unknown Door (22:33)
2. One Of Us (3:10)
3. No Dominion (6:25)
4. Far From Here (12:44)
5. Never Land (8:16)

Gesamtspieldauer: 53:10



Ganze sechs Jahre dauerte es dieses Mal, bis die englische Progressive Rock Band IQ ihr neuestes Werk mit dem Namen „Dominion“ veröffentlichte. „Dominion“ ist das dreizehnte Studioalbum der Engländer und erschien auf ihrem neuen Plattenlabel der Band GEP. Solch eine lange Spanne zwischen zwei Alben gab es bisher noch nicht, doch das Warten hat sich für alle IQ-Fans oder auch Retro-Prog-Liebhaber definitiv gelohnt. 

Mag man den Sound der Band, dann kann man mit dieser Scheibe definitiv nichts falsch machen. Weiterentwicklung? Fehlanzeige! Doch genau das ist auch gut so und wird alle Freunde von IQ erfreuen. Auf „Dominion“ klingen IQ wie IQ und zelebrieren ihre Musik wie man sie inzwischen seit über vier Jahrzehnten kennt. Lieder im Stile des Progs der 70er Jahre, mit vielen Wendungen, mal rockiger, mal sanfter, wenig vertrackt, dafür umso melodischer, zum Teil symphonischer und eingängiger.

Hört man die Scheibe öfters, so wird sie zu einem Gesamtereignis, in dem jedes Lied perfekt zum anderen passt. Besonders gelungen sind hierbei der Opener „The Unknown Door“, der quasi Titeltrack „No Dominion“ sowie „Far From Here“. Nicht gerade überraschend, dass zwei der längsten Stücke hier aufgeführt sind, denn IQ schaffen es auch nach vielen Jahren noch in langen Liedern den Spannungsbogen aufzubauen und zu halten. Es macht einfach Spaß diesen vielen Stimmungswechseln in den Liedern zu lauschen.

Die Musik schrieb einmal mehr Michael Holmes, für die Texte zeichnet sich Peter Nicholls verantwortlich, der auf dem Album durchaus noch wie auf der ersten Platte „Tales From The Lush Attic“ aus dem Jahr 1983 klingt. Das Alter des Musikers spielt allerdings in die Texte hinein, die von der Verarbeitung negativer Erlebnisse und vom Umgang mit dem Tod handeln.

Fazit: Mit „Dominion“ ist IQ ein sehr überzeugendes Album gelungen, was alle IQ-Fans und auch Freunde des Retro-Prog überzeugen und auch gefallen wird. Eingängige Musik, nie vorhersehbar durch viele Wendungen, doch immer melodiös. Das Zuhören macht definitiv Spaß. Elf Punkte.

Anspieltipps: The Unknown Door, No Dominion



Donnerstag, 20. März 2025

Steven Wilson – The Overview

 



Steven Wilson – The Overview


Besetzung:

Steven Wilson – vocals, keyboards, acoustic bass, bass guitar, piano, acoustic guitars, electric guitars, strings, harmonium, percussion, sound design, drum programming, handclaps, celesta


Gastmusiker:

Randy McStine – sound design / fx, vocals, guitars, backing vocals, moog, ukulele
Russell Holzman – drums
Adam Holzmann – mellotron, hammond organ, piano, modular synthesizer, rhodes piano, moog
Willow Beggs – vocals
Theo Travis – jasonsaxes, ambient flutes, soprano saxophone
Andy Partridge – lyrics
Rotem Wilson – voice
Niko Tsonev – guitar solo
Craig Blundell – drums


Label: Fiction


Erscheinungsjahr: 2025


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Objects Outlive Us (23:19)

    - No Monkey's Paw
    - The Buddha Of The Modern Age
    - Objects: Meanwhile
    - The Cicerones
    - Ark
    - Cosmic Sons Of Toil
    - No Ghost On The Moor
    - Heat Death Of The Universe

2. The Overview (18:21)

    - Perspective
    - A Beautiful Infinity I
    - Borrowed Atoms
    - A Beautiful Infinity II
    - Infinity Measured In Moments
    - Permanence

Gesamtspieldauer: 41:40



Steven Wilson meinte in einem Interview, dass er sich auf keinen Fall wiederholen möchte. Und dies macht er mit seinem neuen Album „The Overview“ auch keinesfalls. Einmal mehr bewegt sich Steven Wilson auf neuen musikalischen Pfaden, die dieses Mal nicht nur wegen der beiden langen Nummern von jeweils etwa zwanzig Minuten, wieder in Richtung Progressive Rock tendieren. Oder mag man es New Artrock nennen? Egal, „The Overview“ wirkt und klingt überzeugend.

„The Overview“ ist ein Konzeptalbum geworden, welches sich mit dem Universum, der Erde, der Menschheit und deren Platz in eben diesem Universum beschäftigt. Dabei wechselt die Musik genretechnisch von Ambient über Pop und Rock zu Elektronik. Weiter gibt es Artrock, Progressive Rock sowie einen kurzen Fusion-Ausflug zu hören. Auch wenn sich „The Overview“ stark von den Vorgängeralben Steven Wilsons und auch jenen von Porcupine Tree unterscheidet, so hört man trotzdem sehr schnell heraus, dass es sich hier um eine Steven Wilson Platte handelt. Sind es die Harmonien, die Genrewechsel oder auch der Gesang des Engländers, immer wieder stößt man unweigerlich auf Passagen in der Musik, die eindeutig auf Steven Wilson hindeuten.

Dabei erhört man auch andere Einflüsse in der Musik auf „The Overview“. Mal ist es ein Abschnitt mit einer Reminiszenz an David Bowie, dann wieder ein kurzer Abschnitt, der mich sehr an „Starless“ von King Crimson erinnert. Alles klingt dabei in sich schlüssig, sowohl die Genreübergänge, wie auch jene gerade erwähnten Anspielungen – bewusst oder unbewusst gewählt. Dies gilt ebenso für neue gesangliche Facetten, die Steven Wilson mit Falsett-Gesang erklingen lassen oder Fusion-artige Passagen, die unweigerlich zum Vibrieren des Trommelfells führen.

Beide Titel überzeugen für sich. Der Titeltrack beginnt dabei nochmals überraschend mit pulsierenden Synthesizer-Sounds, ist insgesamt auch deutlich Synthesizer-lästiger, als der erste Titel „Objects Outlive Us“. Er weist jedoch trotzdem auch wieder sehr viel Abwechslung und genreübergreifende Musik auf. Obwohl anders gestaltet, ergänzen sich beide Nummern zu einem großen Ganzen und insgesamt zu einem sehr gelungenen Album.

Fazit: Wieder mal neue Töne von Steven Wilson, der sich eben auch nicht wiederholen möchte. Gelungen, kann man sagen. „The Overview“ klingt anders, als die bisherigen Platten des Steven Wilson und dabei abwechslungsreich und spannend. Tolle Musik, um Eindrücke aus dem Weltall zu genießen – obwohl die Platte definitiv keine Ambient-Platte ist. Elf Punkte.

Anspieltipps: Bei zwei Liedern, beide.



Montag, 20. Januar 2025

Thanateros – Tranceforming

 



Thanateros – Tranceforming


Besetzung:

Ben Richter – vocals, programming, tin whistles, bodhran, runes and bones
Chris Lang – guitars
Christof Uhlmann – violin
Martin Müller – bass


Gastmusiker:

Simon Rippin – drums
Johanna Kriens – additional vocals (8)
Christian Hadersdörfer – bagpipes (6)
Lena Uhlmann – harp (5)
Joko Richter – backing vocals
Enya Richter – additional violin (8)
Arthur Schadt – cello (12)
Torrin, Elias, Chrys, Lena, Vanessa – additional warrior-choir (6)




Erscheinungsjahr: 2024


Stil: Gothic Rock, Folk Rock


Trackliste:

1. Anrufung (1:30)
2. The Horned One (4:24)
3. Everything Decays (4:48)
4. Shapeshifter (4:59)
5. I Hold You (5:04)
6. Raise Your Voices (4:51)
7. Hagazussa (4:06)
8. The Banshees Of Kealkil (5:15)
9. Feel The Fire (Goddess 24) (2:15)
10. I Am All (4:38)
11. Runir (4:48)
12. By The Wind (4:51)

Gesamtspieldauer: 51:31



Am 11. Oktober 2024 erschien das siebte Album von Thanateros. Bereits vor dreiundzwanzig Jahren war mit „The First Rite“ das Debutalbum der Band erschienen. Nun also eine neue Veröffentlichung mit dem Titel „Tranceforming“, die – so viel sei bereits verraten – sehr überzeugen kann.

„Tranceforming“ ist ein Wortspiel und alle, die hier etwas wie Ambient oder Techno zu hören erwarten, denen wird beim Lauschen ganz schnell eine andere musikalische Welt eröffnet. Es beginnt mit dem beschwörenden „Anrufung“. Zum einen eher eine Art Klangkollage mit Sprechgesang, zum anderen das einzige Lied, welches einen deutschen Text aufweist und eine gelungene Einleitung in das Album. Gleich mit dem nächsten Titel bricht sich dann jedoch der Rock seine Bahn. Mit „The Horned One“ wird die Musik auf ein Gleis gesetzt, welchem nun konsequent gefolgt wird. „The Horned One“ lässt unweigerlich Vergleiche zu Mono Inc. aufkommen, die im weiteren Verlauf des Albums mal mehr, mal weniger deutlich sind. Dabei bleibt allerdings festzustellen, dass Thanateros hier keineswegs eine Kopie darstellen. Die Musik von Thanateros auf „Tranceforming“ klingt jederzeit eigenständig und für sich selbst stehend.

Die meisten Lieder rocken und besitzen tolle Melodien, in die sich einzutauchen lohnt. Dies gilt ebenso für die eher folkig angehauchten Stücke, welche nicht nur wie im Falle des schönen und mit Johanna Kriens zweistimmig eingesungenen „The Banshees Of Kealkil“ an den Irish Folk angelehnt sind. Mit den Liedern „I Hold You“ und „By The Wind“ haben es auch zwei deutlich sanftere Lieder mit auf das Album geschafft, die nicht nur den Gesamteindruck von „Tranceforming“ noch spannender erklingen lassen, sondern auch mit zu den Höhepunkten auf dem Album gehören. Positiv dabei zu erwähnen ist auch die klasse Einbindung der Violine des Christof Uhlmann sowie der wandlungsfähige Gesang des Ben Richter. Dazu noch Titel mit Dudelsack, Cello oder ergänzendem weiblichen Gesang – alles perfekt arrangiert und spannend zur Abwechslung auf dem Album beitragend.

Fazit: „Tranceforming“ ist ein Album geworden, welches niemals langweilig wird. Es rockt, hat seine sanften Momente und kann in all diesen Momenten absolut überzeugen. Man kann der Band nur wünschen, dass sie noch bekannter wird und sich so eine noch größere Fangemeinde erschließen kann. Verdient hätten dies Thanateros allemal. Elf Punkte.

Anspieltipps: The Horned One, I Hold You, By The Wind



Samstag, 18. Januar 2025

Lucy Kruger & The Lost Boys – A Human Home

 





Besetzung:

Lucy Kruger
Liú Mottes
Andreas Miranda
Martin Perett
Gidon Carmel
Jean-Louise Parker




Erscheinungsjahr: 2024


Stil: Avantgarde, Art Pop


Trackliste:

1. A Human Home (2:37)
2. Dripping Trees (3:30)
3. Open Road (1:42)
4. Rooms (3:17)
5. A Drill (2:15)
6. Sandcastle (2:23)
7. Virtual Muse (4:15)
8. Barren Stage (2:48)
9. The Whale Song (2:48)
10. Instructions For Fate (2:06)
11. A Pocket Full Of Night (3:02)
12. The Upside Down Of Sinking (2:26)
13. Golden Moon (2:06)

Gesamtspieldauer: 35:20



Lucy Kruger ist eine in Kapstadt geborene Wahl-Berlinerin, die am 31. Mai 2024 auf dem Plattenlabel Unique Records ihr neuestes Werk mit dem Titel „A Human Home“ veröffentlichte. Geprägt ist dieses Album, wie viele Platten der letzten zwei, drei Jahre, durch die Pandemie. Dazu vermerkt die Musikerin auf dem Begleittext zum Album:

„Der größte Teil von „A Human Home“ wurde während des Einschlusses in meinem Schlafzimmer in Berlin geschrieben und aufgenommen. Es war ein Experiment der Zusammenarbeit auf Distanz. Ich bat Freunde und Familie, mir ihre Erfahrungen mit der Isolation mitzuteilen, und verwendete dann ihre Worte, Klänge und aufgezeichneten Gespräche als Ausgangspunkt für Songs. Es war ein Versuch, eine intime Verbindung herzustellen, wenn physische Nähe nicht möglich war - ein kollektives Mittel, um einen bestimmten Moment zu verarbeiten und zu dokumentieren.“

Die Musik auf „A Human Home“ spiegelt die Situation der Isolierung sehr gut wider. Man hört atmosphärisch dichte Klangwelten, die nicht zuletzt auch durch die wandlungsfähige Stimme der Lucy Kruger changiert werden. Manchmal singt die Musikerin sanft und gefühlvoll, dann wieder hört man eher flüsternden Sprechgesang, der eine bestimmte Situation zu umschreiben versucht. Das alles klingt sehr intim und an mancher Stelle gar experimentell – dabei jedoch immer packend und intensiv.

Es sind nicht die schönen Melodien auf „A Human Home“ – auch wenn diese durchaus auch zu hören sind – es ist die Atmosphäre, die dieses ganze Album ausmacht und verströmt. Musik zum Herunterkommen, zum Träumen und Nachdenken, die man am liebsten auf seinem Lieblingsplatz ganz intensiv mit Kopfhörern hören möchte. Man lässt sich hier auf Lieder ein, die weit ab vom Mainstream funktionieren und das Gefühl der Isolation während der Pandemie sehr treffend transportieren.

Fazit: Dunkel und melancholisch erklingt die Musik von Lucy Kruger auf „A Human Home“ – dazu sehr intensiv. Nicht-radiotaugliche Musik kann so wunderbar packend erklingen und einen beim Hören ganz fest in den Bann ziehen. Lucy Kruger beweist dies eindrucksvoll auf „A Human Home“. Sehr hörenswert. 11 Punkte.

Anspieltipps: Virtual Muse



Donnerstag, 16. Januar 2025

Pure Reason Revolution – Coming Up To Consciousness

 



Pure Reason Revolution – Coming Up To Consciousness


Besetzung:

Jon Courtney – vocals, guitar, keys, piano, programming
Greg Jong – vocals, instruments
Annicke Shireen – vocals
Ravi Kesavaram – drums
Guy Pratt – bass


Gastmusiker:

Bruce Soord – additional guitars
Lewin Krumpschmid – addional rhodes, piano, hammond
Jon Sykes – bass




Erscheinungsjahr: 2024


Stil: Rock, ArtRock


Trackliste:

1. Dig Till You Die (5:08)
2. Betrayal (4:28)
3. The Gallows (4:35)
4. Useless Animal (4:17)
5. Worship (5:13)
6. Bend the Earth (6:36)
7. Lifeless Creature (6:47)
8. As We Disappear (4:49)

Gesamtspieldauer: 41:56



Nachdem Pure Reason Revolution wieder zusammengefunden haben, erscheint seit 2020 in schöner Regelmäßigkeit alle zwei Jahre ein neues Album. „Coming Up To Consciousness“ heißt das inzwischen bereits sechste Album der Briten und erschien am 6. September auf dem Plattenlabel InsideOut Music.

Beim Einspielen des Albums hatten Jon Courtney diesmal tatkräftige Unterstützung. Guy Pratt, Live-Musiker bei vielen Pink Floyd Konzerten, spielt bei sieben Liedern den Bass, einmal übernimmt diesen Jon Sykes, den man von Pineapple Thief kennt. Und dann ist da natürlich auch noch Bruce Soord, Mastermind von Pineapple Thief, der an der Gitarre zu hören ist und das Album auch abmischte.

Die Musik auf „Coming Up To Consciousness“ knüpft stilistisch an die beiden Vorgänger „Eupnea“ und „Above Cirrus“ an. Man hört auch auf diesem neuen Werk sehr abwechslungsreiche Musik, weit ab vom Mainstream, die mit den Atmosphären spielt und zu keiner Zeit langweilig klingt. Das Spiel mit „laut und leise“, rockend oder sphärisch hat Jon Courtney schon immer verstanden und dieses Mal einmal mehr sehr überzeugend und hörenswert umgesetzt.

Die acht Nummern gehen allesamt ins Ohr und wirken bereits beim ersten Mal des Hörens. Mit jedem weiteren Durchlauf erschließen sich freilich weitere Nuancen, die man so vorher noch nicht entdeckt hatte. Das Album läuft ins sich geschlossen durch, die Melodien und mehrstimmigen Harmoniegesänge fesseln und begeistern. Mit knapp 42 Minuten Spielzeit ist „Coming Up To Consciousness“ zwar nicht zu üppig ausgefallen, doch diese knappe Dreiviertelstunde Musik hat es wahrlich in sich und weiß zu begeistern.

Fazit: Auch mit dem dritten Album nach der Wiederauferstehung von Pure Reason Revolution weiß die Band zu überzeugen. Intelligenten und abwechslungsreichen Rock, der jederzeit ins Ohr geht, gibt es auf dem Album zu hören. Wer tolle Melodien weit ab vom Mainstream mag, die oder der dürfte auf „Coming Up To Consciousness“ viel Positives für sich entdecken können. Elf Punkte.

Anspieltipps: Lifeless Creature, As We Disappear



Sonntag, 12. Januar 2025

Laurie Anderson – Amelia

 



Laurie Anderson – Amelia


Besetzung:

Laurie Anderson – voice, keyboards, viola


Gastmusiker:

Antony "Anohni" Hegarty – vocals (tracks: 4, 7, 11, 18, 21)
Amelia Earhart – voice (track 12)
Martha Mooke – viola
Marc Ribot – guitar
Tony Sherr – bass
Kenny Wollesen – percussion
Ryan Kelly – ukulele
Rob Moose – violin, string arrangements
Nadia Sirota – viola
Gabriel Cabezas – cello
Dennis Russell Davies – conductor, string arrangements
Marie Petříková – concertmaster, first violin
Barbora Gajdošová – first violin
Jaromír Graffe – first violin
Kristýna Jungová – first violin
Jiří Kopecký – first violin
Vladimír Lžičař – first violin
Marie Pšenicová – first violin
Leoš Zavadilík – first violin
Radoslav Havlát – second violin
Jana Horáková – second violin
Dorothea Kellerová – second violin
Ludmila Netolická – second violin
Josef Ondrůj – second violin
Tomáš Vinklát – second violin
Petr Pšenica – principal viola
Martin Heller – viola
Tomáš Kulík – viola
Karel Plocek – viola
Otakar Salajka – viola
Zbyněk Volf – viola
Pavla Jelínková – cello
Eva Kovalová – cello
Katarína Madariová – cello
Lukáš Svoboda – cello
Marek Švestka – principal double bass
Jaromír Gardoň – double bass
Vojtech Velíšek – double bass




Erscheinungsjahr: 2024


Stil: Avantgarde, Experimentelle Musik


Trackliste:

1. To Circle The World (1:02)
2. I See Something Shining (0:29)
3. Take-Off (1:06)
4. Aloft (1:10)
5. San Juan (1:49)
6. Brazil (1:00)
7. Crossing The Equator (2:07)
8. The Badlands (0:39)
9. Waves Of Sand (1:52)
10. The Letter (1:54)
11. India And On Down To Australia (3:51)
12. This Modern World (0:34)
13. Flying At Night (3:18)
14. The Word For Woman Here (2:11)
15. Road To Mandalay (1:48)
16. Broken Chronometers (0:46)
17. Nothing But Silt (0:49)
18. The Wrong Way (1:06)
19. Fly Into The Sun (2:51)
20. Howland Island (1:07)
21. Radio (1:58)
22. Lucky Dime (1:13)

Gesamtspieldauer: 34:52



Vierzehn Jahre nach ihrer letzten musikalischen Veröffentlichung erscheint mit „Amelia“ das inzwischen achte Studioalbum der US-amerikanischen Avantgarde-Künstlerin, Filmemacherin und Musikerin Laurie Anderson. Das Album erzählt die Geschichte der Amelia Earhart, einer amerikanischen Flugpionierin, die 1937 aufbrach, um als erste Frau die Welt im Flugzeug zu umrunden. In der Nähe einer einsamen Insel im westlichen Pazifik verschwand ihr Flugzeug am 2. Juli 1937 vom Radar und zwei Jahre später wurde sie schließlich für tot erklärt.

Die zweiundzwanzig Stücke des Albums sind ineinander übergehende kurze Lieder, die als Gesamtkomposition wirken. Meist nur mit einer Minute Spieldauer ausgestattet beschreiben die Lieder verschiedene Abschnitte des Fluges der Amelia Earhart. Die Streicher stehen dabei musikalisch im Vordergrund, Laurie Anderson erzählt von Situationen, Eindrücken und auch Empfindungen der Flugpionierin. Das klingt jederzeit eingängig und spannend. Atmosphärisch dicht umgesetzt wirkt das Album insgesamt mehr wie eine Art Hörspiel mit Musikbegleitung, denn nach einem Musikalbum.

Das Wechselspiel zwischen sanften Melodien und atmosphärischen Stimmungen überzeugt durchaus und die Erzählstimme der Laurie Anderson beschwört immer wieder eine zusätzliche Spannung herauf. Mit knapp über einer halben Stunde Spielzeit ist das Album leider nicht allzu umfangreich geraten, denn man hätte gerne länger zugehört.

Fazit: Kein Album aus zweiundzwanzig Liedern, sondern eine vierunddreißigminütige Komposition hört man auf „Amelia“. Ein Hörspiel, jederzeit fesselnd und spannend, welches neben vielen atmosphärischen Höhepunkten auch einige schöne, kurze Melodien für die Hörer bereithält. Elf Punkte.

Anspieltipps: Titel 1-22