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Donnerstag, 6. April 2017

Aereogramme – Seclusion




Aereogramme – Seclusion


Besetzung:

Craig B – voice, guitar
Iain Cook – guitar, programming
Campbell McNeil – bass
Martin Scott – drums


Gastmusiker:

Lynsey Joss – additional vocals on “The Unravelling”


Label: Sonic Unyon


Erscheinungsdatum: 2004


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Inkwell (3:55)
2. Dreams And Bridges (4:40)
3. The Unravelling (10:58)
4. I Don't Need Your Love (4:03)
5. Lightning Strikes The Postman (3:29)
6. Alternate Score (4:53)

Gesamtspieldauer: 32:01


7.Videotrack: Seclusion (Dreams & Bridges Version)
8.Videotrack: Seclusion (Alternate Score Version)




„Seclusion“ heißt das dritte Studioalbum der schottischen Band Aereogramme. In manchen Verzeichnissen wird diese Scheibe auch als EP geführt, was bei einer Gesamtspielzeit von knapp über 32 Minuten auch durchaus seine Berechtigung hätte. Auf „Seclusion“ hört man diesen, für Aereogramme so typischen Alternative Rock, der ganz von der überaus zerbrechlich klingenden Stimme des Craig B getragen wird. Dazu gesellen sich die mal sanfteren, dann wieder die sehr harten Momente in der Musik von Aereogramme. Dies alles ergibt ein nicht häufig zu hörendes Gesamterlebnis.

Denn die Musik der Schotten klingt immer irgendwie besonders. Da mag zum einen auch daran liegen, dass die vier Musiker das Gespür für die packende Melodie besitzen, denn Vieles in der Musik von Aereogramme geht sehr schnell ins Ohr. Spielerisch gehen sie dabei mit den sanfteren und den fordernden Tönen um, verbinden diese auf eine ganz elegante Art und Weise, sodass die Nummern einfach klingen, immer wieder überraschend sind und sich weit über den Mainstream erheben.

Ein kleiner Nachteil ist der hier zwar selten auftretende, jedoch auch vorhandene Gesang, der in ein riesiges, nervtötendes Geschrei ausartet. Der zweite Titel des Albums, „Dreams And Bridges“ ist bis Spieldauer 3:15 ein wirklich schönes und überzeugendes Lied, entwickelt sich dann im weiteren Verlauf zu einem sehr harten Rock Lied. Dies wäre auch noch eine ganz nette Idee, jedoch der dort dann geschriene Gesang zerstört viel von dem Eindruck, den das Lied zuvor hinterlassen hat. Auch beim Hauptstück der Platte, „The Unravelling“, wird kurz gebrüllt, allerdings wirklich nur kurz, was hier sogar noch als Stilmittel durchgehen kann. Dabei entwickelt sich „The Unravelling“ zu einer phantastischen musikalischen Reise, mit Höhen und Tiefen, Windungen und Geraden. Wahrlich ein spannendes Lied, welches sich einem, mit jedem weiteren Durchgang, noch ein wenig mehr erschließt und dabei immer eingängiger und interessanter zu werden scheint.

Auf dem Album befindet sich zusätzlich noch ein kleiner medialer Teil, in dem man sich auf dem Computer eine Bildergalerie ansehen kann, in der die Bandmitglieder nicht mehr wirklich gut aussehen. Das wiederum passt zu der noch vorhandenen Möglichkeit, sich zwei kurze Horror Filme im Quicktime Format zu den Liedern „Dreams And Bridges“ sowie „Alternate Score“ zu Gemüte führen zu können. Die beiden Filme sind identisch, nur die Musik ist eine andere. Das alles zusammen ist jedoch eher unappetitlich, als interessant oder geschweige denn schön anzusehen – allerdings versteht man nur vielleicht das Geschrei bei „Dreams And Bridges“ besser.

Fazit: Aereogramme machten „andere“ Musik. Diese klingt auch auf dem kurzen Album „Seclusion“ überaus spannend. Darüber hinaus wachsen die einzelnen Lieder, wobei sie durchaus auch schon beim ersten Mal des Hörens überzeugen können. Zwischendrin gibt es kurz mal etwas „Geschrei“, aber der ist zu Verschmerzen. Schade, dass diese Band nicht erfolgreicher war und bereits nach dem vierten Album auseinanderbrach. Elf Punkte.

Anspieltipps: The Unravelling, The Unravelling, Alternate Score



Donnerstag, 21. März 2013

Aereogramme – My Heart Has A Wish That You Would Not Go




Aereogramme – My Heart Has A Wish That You Would Not Go


Besetzung:

Craig B – vocals, guitar
Ian Cook – guitar, programming
Campbell McNeil – bass
Martin Scott – drums


Gastmusiker:

Martin Doherty – additional piano, keyboards and vocals
Graham McGeoch – violin solo, track 2


Label: Chemikal Underground Records


Erscheinungsdatum: 2007


Trackliste:

1. Conscious Life For Coma Boy (4:30)
2. Barriers (4:55)
3. Exits (4:16)
4. A Life Worth Living (5:58)
5. Finding A Light (3:46)
6. Living Backwards (6:54)
7. Trenches (4:08)
8. Nightmares (4:05)
9. The Running Man (3:33)
10. You’re Always Welcome (5:08)

Gesamtspieldauer: 47:13




Die dritte und letzte Veröffentlichung von Aereogramme aus dem Jahr 2007 unterscheidet sich sehr von seinen beiden Vorgängern. „Schreiparts“ wie auf „A Story In White“ findet man hier vergebens. Und auch die etwas mehr experimentellen Ansätze; wie SICH auf „Sleep And Release“ vermehrt zu finden waren, lassen sich hier nicht ausmachen beziehungsweise hören. Beim Album „My Heart Has A Wish That You Would Not Go“ wurde sehr viel Wert auf Stimmung gelegt. Stimmung zum Träumen und zum Relaxen. Und diese Atmosphäre wird konsequent die ganze Platte über durchgezogen.

Das erste Stück, „Conscious Life For Coma Boy”, beginnt dabei fast schon schmalzig. Das Ganze wird allerdings im Verlauf des Songs durch die Instrumentierung aufgefangen. Track Nummer 2, „Barriers“, stellt dann schon einen Höhepunkt des Albums dar und ist wohl das bekannteste Lied von Aereogramme. Diese Nummer wurde auch als Single ausgekoppelt und brachte den vier Musikern zumindest ein wenig Renomée ein. Das zugehörige Video transportiert dabei die Stimmung des Liedes sehr gut.

Die Stücke des Albums fließen. Sie fließen ineinander. Die Musik ist nicht aufregend, sie ist „nur“ schön. Das ist Musik, die man hören sollte, wenn es draußen eiskalt ist und man es sich auf dem Sofa gemütlich gemacht hat, eine heiße Tasse Kaffee, Tee oder Glühwein in den Händen haltend. Es fällt auch schwer weitere Lieder herauszuheben. Am einfachsten geht das vielleicht noch bei Song Nummer 8, „Nightmares“, welcher schwer an Muse erinnert - ohne diese Band zu kopieren. Ähnlichkeiten sind jedoch vorhanden.

Fazit: Alle Lieder auf „My Heart Has A Wish That You Would Not Go“ sind hörenswert, es gibt auf dem Album keinen einzigen Ausfall. Wer gerne auch mal ruhigere und schwebende, durch den Gesang des Craig B fast schon zerbrechlich klingende Musik hört, kann mit „My Heart Has A Wish That You Would Not Go“ nichts falsch machen. Mag sein, dass es dem einen oder anderen vielleicht zu weichgespült daherkommt, aber für die romantischen und sehnsüchtigen Momente gibt es kaum eine bessere Untermalung. Waren auf dem Vorgängeralbum „Sleep And Release“ noch Progansätze zu vernehmen, so fehlen diese hier völlig. Trotz oder aufgrund (?) dieses erneuten Stilwechsels und des kleinen Erfolgs mit „Barriers“, ging es für die vier Schotten nicht mehr weiter und sie lösten sich im Anschluss an die Veröffentlichung der Platte auf. Graig B und Iain Cook brachten inzwischen übrigens eine neue Platte unter dem Titel „The Unwinding Hours“ heraus. Sicher ist die Musik auf „My Heart Has A Wish That You Would Not Go“ nichts Neues und alles schon mal dagewesen, aber die Stimmung macht’s einfach aus, die ist überaus gelungen. Zehn Punkte.

Anspieltipps Barriers, Nightmares





Freitag, 30. März 2012

Aereogramme – A Story In White





Aereogramme – A Story In White


Besetzung:

Craig B – vocals, guitar
Ian Cook – guitar, programming
Campbell McNeil – bass
Martin Scott – drums


Gastmusiker:

Callum Davidson – piano, track 1
Simon Neil – screaming, track 5
Alison Brown – strings, track 6
Sharon McVeigh – strings, track 6


Label: Chemikal Underground Records


Erscheinungsdatum: 2001


Trackliste:

1. The Question Is Complete (4:51)
2. Post Tour, Pre-Judgement (5:10)
3. Egypt (3:19)
4. Hatred (4:22)
5. Zionist Timing (5:30)
6. Sunday (4:56)
7. Shouting For Joey (3:27)
8. A Meaningful Existence (5:12)
9. Descending (4:31)
10. Will You Still Find Me? (4:13)

Gesamtspieldauer: 45:31




Da kennt man Aereogramme von späteren Veröffentlichungen mit wunderschönen schwebenden Melodien - und dann beginnt diese CD mit Industrial Tönen, an denen man erst mal zu knabbern hat. Der Opener, „The Question Is Complete“, beginnt genau so, wird im weiteren Verlauf zunächst wieder sanfter, aber kaum hat man sich auf die Ruhe und den zerbrechlichen Gesang eingestimmt, wird es erneut laut, sehr laut, fast schon dissonant und richtiggehend nervenaufreibend. Durch diese abrupten Lautstärke- und Tempiwechsel will sich bei dem Lied auch nie eine richtige Stimmung einstellen, es wirkt viel zu konstruiert.

Ähnlich aufgebaut ist auch Track 2. Dieses Mal wirkt das Ganze allerdings wesentlich durchdachter und melodiöser und damit kann dieser Titel dann punkten. Die letzten 30 Sekunden schreit Craig B allerdings auch bei diesem Stück alles raus, was ihm auf der Seele zu liegen scheint. „Egypt“ ist eine sehr ruhige Nummer, instrumentiert hauptsächlich mittels Piano und den Toms. Mit Klaviertönen beginnt auch „Hatred“, ein sanftes Lied, welches irgendwie so dahinschwebt, ohne einen mit auf die Reise zu nehmen. Bei „Zionist Timing“ hat dann die verzerrte Gitarre ihren Auftritt, ein Lied, bei dem wohl vor allem Heavy Metal Fans auf Ihre Kosten kommen. Einige Ähnlichkeiten zu Tool sind auch unverkennbar. Nach einem erneuten „Schreipart“ klingt das Lied dann zweieinhalb Minuten aus.

„Sunday“ ist ein Highlight der Platte. Vom Cello getragen entwickelt es sich in eine schöne Ballade, die endlich mal nicht durch Schreieinlagen unterbrochen wird und somit sehr viel mehr Wirkung beim Zuhörer hinterlässt. „Shouting For Joey“ ist im Anschluss daran wieder ganz wörtlich zu nehmen. Beginnt das Stück noch wie ein Tool-Titel, entwickelt es sich dann zu einem einzigen Gekreische. Dieses endet bei 1:45 und wieder mal klingt das Lied über einen längeren Zeitraum hinweg aus. Dieses Ende ist mit seinen undefinierbaren Geräuschen und einer schönen Pianomelodie zwar toll gemacht, zeigt aber einmal mehr die Schwierigkeit, sich auf dieses Album einzulassen. Denn auch bei diesem Track wollen Teil 1 und Teil 2 irgendwie nicht zusammenpassen.

“A Meaningful Existence” ist ein langsames und getragenes Stück, welches ebenfalls Steigerungen aufweist, denen der Zuhörer aber ohne weiteres folgen kann, da sie zum Rest des Songs passen. „Descending“ wird mit einer akustischen Gitarre eingeleitet und der Hörer sollte sich beim Hören keine größeren Sorgen bezüglich eines Tinitusanfalls machen. Der hier wahrzunehmende hohe Hintergrundton verschwindet bei 1:30 wieder, um dann bei 2:00 etwas dezenter wieder aufzutauchen. Und schließlich wird das Album mit „Will You Still Find Me?“ geschlossen. Letzter Titel wird sicher manchem zu brav und glatt daherkommen, setzt allerdings einen gelungenen Kontrastpunkt zum ersten Titel des Albums.

Fazit: Ein nicht ganz leichtes Debütalbum haben die vier Schotten hier vorgelegt. Nicht jeder wird mit den doch sehr unterschiedlichen Stimmungen und Stilschwankungen auf der Platte etwas anfangen können. Viele Bands schaffen es, gleich bei Ihrer ersten Veröffentlichung ein Meisterwerk abzuliefern, an dem sich alle folgenden Alben zu messen haben. Aereogramme ist das mit „A Story In White“ nicht gelungen. Mit dieser Veröffentlichung hatte die Band noch viel Spielraum nach oben, den sie glücklicherweise auch nutzte. Auf dem Album befinden sich ein paar wenige, richtig gute Lieder und auch ein paar sehr schöne Ansätze, mehr aber auch nicht. Ich kann dafür nur 6 Punkte vergeben.

Anspieltipps: Post Tour Pre-Judgement, Sunday, A Meaningful Existence



Donnerstag, 19. Januar 2012

Aereogramme - Sleep And Release





Aereogramme - Sleep And Release


Besetzung:

Craig B – vocals, guitar
Ian Cook – guitar, programming
Campbell McNeil – bass
Martin Scott – drums


Gastmusiker:

Rona Mackay – cello
Patsy Reid – violin
Colin Broom – percussion, anvil sample


Erscheinungsjahr: 2003


Stil: Alternative, NeoProg


Label: Chemikal Unterground Records


Trackliste:

1. Indiscretion #243 (3:44)
2. Black Path (3:54)
3. Simple Process of Elimination (5:49)
4. Older (5:18)
5. No Really, Everything's Fine (5:55)
6. Wood (5:21)
7. Yes (2:00)
8. In Gratitude (4:53)
9. Winter's Discord (6:33)
10. – (6:32)

Gesamtspieldauer: 49:59




Bei dem Album „Sleep And Release“ handelt es sich um das zweite Album der Band Aereogramme. Und wie sagte Craig B, Sänger und Gitarrist der Band 2003, bei der Veröffentlichung von „Sweet And Release“: „Wir wollten intensive Musik machen. Und es war uns egal, ob intensiv wild oder intensiv ruhig…“ Und genau das haben die vier von Aereogramme auch geschaffen. Ein sehr intensives Album, welches sowohl die sanften und ruhigen, wie die harten und treibenden Passagen in sich vereint.

Legt man die CD in den Spieler, betrachtet man das Cover und hört das erste Lied, so wird man sofort an eine Nu-Metal-Band erinnert. Auf dem Booklet sieht man eine unbekleidete Dame, die in ihren Händen ein Sägeblatt hält, mit dem sie ihre Brust verdeckt. Auf der Rückseite liegt der Fokus dann auf dem Sägeblatt, auf dem sich, anscheinend in Blut geschrieben, die Trackliste befindet.

Und in diesem Eindruck beginnt auch gleich das erste Lied, „Indiscretion #243“. Ein treibender Basslauf, gefolgt von Gitarren der härteren Art. Nur die gedoppelte, hohe und zerbrechlich wirkende Stimme des Craig B überrascht an dieser Stelle. Später geht diese in einen Chor über und klingt jetzt so gar nicht mehr nach Metal, eher wie eines der ruhigeren Stücke von Porcupine Tree.

Was sich bereits beim ersten Lied andeutete, wird beim weiteren Durchhören des Albums immer deutlicher. Man kann nie sicher sein, was als nächstes kommt ohne, dass dies dabei störend wäre. Es passt irgendwie alles zusammen. Da gibt es so ruhige Lieder wie „Black Path“, welches orchestral und bombastisch eingeleitet wird und dann in einen schwebenden und ruhigen Teil mündet. Letzterer ist nur noch spärlich mittels Violine, Piano und Gesang instrumentiert und geht schließlich wieder in den Eingangsteil über. Der nächste Track, „Simple Process of Elimination”, wartet himmlisch schwebend mit Harfenklängen und Gesang auf. Die Besonderheit liegt bei diesem Lied jedoch in der Rhythmussektion, da der Takt hier durch die Bearbeitung eines Ambosses vorgegeben wird, laut Booklet als „Anvil Sample“ bezeichnet. Und dann so ein Stück wie „No Really, Everything's Fine”, welches das Prog-Herz so richtig höherschlagen lässt: Treibende Parts, melodiöse und manchmal auch schräge Abschnitte. Mal mit einfachem, mal mit mehrstimmigem Gesang.

Genial auch das letzte, nur mit einem „-„ betitelte Lied. Es beginnt ganz ruhig mit zweistimmigem Gesang und abermals einer wunderschönen Melodie, die sich immer weiter steigert, schließlich im Rhythmus durch die Sticks von Martin Scott auf die Einfassung der Snare-Drum unterstützt und von einer Violine zum Ende geführt wird.

Abzüge gibt es bei mir wegen der Schreierei auf „Older“ und „Wood“. Dies trägt mit Sicherheit ebenfalls zum Abwechslungsreichtum dieses Albums bei, will aber irgendwie nicht ganz zum Rest dieser tollen CD passen. Wobei „Wood“ ansonsten mit seinen Melodiebögen und seiner aggressiv klingenden Gitarre sogar sehr gelungen ist und einen schönen Gegensatz zum Bespiel zu „Winter’s Discord“ darstellt. Bei diesem Titel wurde der Hall so eingestellt, als ob Ian Cook und Craig B. sich zu Beginn in einem kleinen Metallfass gegenübersitzen würden, bis schließlich immer mehr die Streicher die Instrumentierung übernehmen.

Fazit: Ein schönes und vielseitiges Album haben die vier Schotten da geschaffen. Sicherlich nicht dem Mainstream zugehörig, was letztendlich auch der Grund dafür war, dass die Band nie den finanziellen Durchbruch schaffte und sich schließlich 2007 auflöste. Von mir gibt es für „Sleep And Release“ zehn Punkte.

Anspieltipps: Black Path, Simple Process Of Elimination, No Really Everything's Fine, -