Ganze sechs Jahre dauerte es dieses Mal, bis die englische Progressive Rock Band IQ ihr neuestes Werk mit dem Namen „Dominion“ veröffentlichte. „Dominion“ ist das dreizehnte Studioalbum der Engländer und erschien auf ihrem neuen Plattenlabel der Band GEP. Solch eine lange Spanne zwischen zwei Alben gab es bisher noch nicht, doch das Warten hat sich für alle IQ-Fans oder auch Retro-Prog-Liebhaber definitiv gelohnt.
Mag man den Sound der Band, dann kann man mit dieser Scheibe definitiv nichts falsch machen. Weiterentwicklung? Fehlanzeige! Doch genau das ist auch gut so und wird alle Freunde von IQ erfreuen. Auf „Dominion“ klingen IQ wie IQ und zelebrieren ihre Musik wie man sie inzwischen seit über vier Jahrzehnten kennt. Lieder im Stile des Progs der 70er Jahre, mit vielen Wendungen, mal rockiger, mal sanfter, wenig vertrackt, dafür umso melodischer, zum Teil symphonischer und eingängiger.
Hört man die Scheibe öfters, so wird sie zu einem Gesamtereignis, in dem jedes Lied perfekt zum anderen passt. Besonders gelungen sind hierbei der Opener „The Unknown Door“, der quasi Titeltrack „No Dominion“ sowie „Far From Here“. Nicht gerade überraschend, dass zwei der längsten Stücke hier aufgeführt sind, denn IQ schaffen es auch nach vielen Jahren noch in langen Liedern den Spannungsbogen aufzubauen und zu halten. Es macht einfach Spaß diesen vielen Stimmungswechseln in den Liedern zu lauschen.
Die Musik schrieb einmal mehr Michael Holmes, für die Texte zeichnet sich Peter Nicholls verantwortlich, der auf dem Album durchaus noch wie auf der ersten Platte „Tales From The Lush Attic“ aus dem Jahr 1983 klingt. Das Alter des Musikers spielt allerdings in die Texte hinein, die von der Verarbeitung negativer Erlebnisse und vom Umgang mit dem Tod handeln.
Fazit: Mit „Dominion“ ist IQ ein sehr überzeugendes Album gelungen, was alle IQ-Fans und auch Freunde des Retro-Prog überzeugen und auch gefallen wird. Eingängige Musik, nie vorhersehbar durch viele Wendungen, doch immer melodiös. Das Zuhören macht definitiv Spaß. Elf Punkte.
Bonus Track der remasterten Wiederveröffentlichung:
9. The Province (live) (13:42)
Gesamtspieldauer: 1:15:54
„Frequency“ heißt das zehnte Studioalbum der britischen Progressive-Rock-Band IQ. „Frequency“ wurde im Mai 2009 auf dem Plattenlabel Giant Electric Pea veröffentlicht und war das erste und einzige Album auf dem Keyboarder Mark Westworth sowie Schlagzeuger Andy Edwards zu hören sind. Gleichzeitig ist es das letzte Album mit Bassist John Jowitt.
Wenn man ein IQ-Album erwirbt, dann kann man schon im Voraus ziemlich genau erahnen, was man zu hören bekommt. IQ bewegen sich in ihrer Musik im Bereich des Progressive Rocks, der sehr stark angelehnt ist an jene Musik dieses Genes, wie sie bereits Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts von einigen englischen Bands zu hören war. Eingängige Melodien, Lieder, welche sich wandeln und entwickeln und zu kleinen musikalischen Reisen mutieren. Und genau mit diesen Zutaten ist auch die Musik auf „Frequency“ ausgestattet.
Die Eingängigkeit steht dabei ganz oben in der Musik von IQ. Sanfte Akkorde umspielen das Ohr, wandeln sich, entwickeln sich hin zu schnelleren Passagen, die ihrerseits wieder in sanfte Abschnitte münden. IQ erfinden auf „Frequency“ einmal mehr die Musik nicht neu, doch sie weiten ihren musikalischen „Ansatz“ aus. Und so werden all diejenigen, die auch die früheren Alben der Band mochten, auch mit dieser Platte ihre Freude haben und auf ihre Kosten kommen.
Die Höhepunkte auf „Frequency“ sind der Opener und gleichzeitig das Titellied sowie das längste Lied des Albums, „The Province“. Dieses gibt es auf der remasterten Ausgabe des Albums in Form eines Live-Titels nochmals als Zugabe. Beide Lieder, Titellied wie längste Nummer, beinhalten alles, was die Musik von IQ ausmacht. Eben jene wunderschönen Melodien und die spannenden atmosphärischen Wechsel. Sehr überzeugend.
Fazit: IQ stehen für spannenden und eingängigen Progressive Rock, der eindeutig jene Musik dieses Genres in den 70er Jahren zum Vorbild hat. Trotzdem ist das, was man bei IQ zu hören bekommt kein Plagiat. Vielmehr erweitern sie auch mit „Frequency“ dieses musikalische Spektrum, welches sich definitiv zu hören lohnt. Elf Punkte.
IQ – Resistance Besetzung: Paul Cook – drums and percussion Neil Durant – keyboards Tim Essau – bass guitar and bass pedals Mike Holmes – guitars Peter Nicholls – lead vocals and backing vocals Label: Giant Electric Pea Erscheinungsjahr: 2019 Stil: Progressive Rock Trackliste: CD1: 1. Missile (6:40) 2. Rise (6:49) 3. Stay Down (7:54) 4. Alampandria (3:47) 5. Shallow Bay (6:21) 6. If Anything (6:03) 7. For Another Lifetime (15:22) CD2: 1. The Great Spirit Way (21:44) 2. Fire And Security (5:25) 3. Perfect Space (8:33) 4. Fallout (19:54) Gesamtspieldauer CD1 (52:58) und CD2 (55:38): 1:48:36
„Resistance“ heißt das neueste Album der englischen Band IQ. Es ist die zwölfte Studioveröffentlichung der Briten seit ihrem Debut mit „Tales From The Lush Attic“ im Jahr 1983. Gleichzeitig ist „Resistance“ das dritte Doppelalbum von IQ nach „Subterranea“ im Jahr 1997 und dem letzten Album „The Road Of Bones“ aus dem Jahr 2014. „Resistance“ erschien am 11. Oktober 2019 auf dem Plattenlabel Giant Electric Pea und ist angefüllt mit Progressive Rock, der sich eindeutig nach englischer Musik anhört – sich von daher von den skandinavischen, italienischen und US-amerikanischen Kollegen, die ebenfalls heute noch in diesem musikalischen Genre unterwegs sind, unterschiedet.
„Resistance“ klingt gut, klingt sogar sehr gut. Natürlich hört man auf dem Album Neo Progressive Rock, doch die Reminiszenzen an die englische Musik des Progressive Rock der 70er Jahre sind unüberhörbar. Dies geschieht allerdings in keiner Weise so, dass hier etwas Altes neu aufgewärmt werden würde. Nein, vielmehr stellt „Resistance“ eine Erweiterung des Damaligen dar. Zudem sind diese Anleihen auch nur ein Aspekt der Platte, die in all ihren Facetten überzeugen kann. Abwechslungsreiche Musik, immer wieder neue Wendungen einschlagend, die angefüllt ist mit wunderschönen Melodien, in denen sich wunderbar schwelgen lässt. Progressive Rock, der mal fordernd, mal weich, mal melodiös, mal etwas schräger und jederzeit spannend klingt.
Insgesamt ist die Musik von IQ etwas härter geworden, rockt an der einen oder anderen Stelle mal etwas kräftiger, wenn auch noch sehr sanfte Titel auf dem Album zu finden sind, die neben allzu symphonischen Titeln das Gesamtbild vervollständigen. Wer dazu noch im Sound des Mellotrons eintauchen möchte, der oder dem werden dazu auf „Resistance“ viele Möglichkeiten geboten. In den längeren Stücken sind unterschiedliche Passagen und das Hin- und Herwechseln zwischen diesen – bezüglich der Instrumentierungen, bezüglich der Rhythmen, bezüglich der Atmosphären und bezüglich der Intensitäten – der Normalfall. Alles ist demnach angerichtet für das packende Erlebnis des Progressive Rock, man muss sich nur die Zeit dazu nehmen.
Die Titel klingen durchgängig überzeugend. Die Nummer „Stay Down“ bringt für mich dieses Retro-Feeling am besten rüber. Da hört man einfach Genesis zu Beginn der 70er Jahre heraus. Die drei Longtracks der Platte punkten dagegen mit viel Abwechslung und der Möglichkeit, ein Lied sich entwickeln zu lassen, was bei einem poppigen wie rockigen Drei-Minüter selbstverständlich nicht mehr möglich ist. Diese vier Lieder stellen für mich auch die Höhepunkte dieser wahrlich gelungenen Scheibe dar, die auch bei einer Laufzeit von über eindreiviertel Stunden keine Längen aufkommen lässt.
Fazit: Fünf Jahre haben sich IQ Zeit gelassen ein neues Album zu veröffentlichen. Das Warten hat sich gelohnt. Wer den englischen Progressive Rock mag, die oder der wird auch „Resistance“ von IQ mögen. Musik-Fans eher einfacherer Nummern werden mit dieser Musik allerdings deutlich weniger anfangen können, denn auf den Punkt kommen IQ kaum. Glaubt man ein musikalisches Ziel erreicht zu haben, geht die Fahrt bereits weiter – oft in eine andere, überraschende Richtung. Für mich eines der großen Alben des bisherigen Jahres. Dreizehn Punkte.
IQ – The Road Of Bones Besetzung: Peter Nicholls – lead and backing vocals Neil Durant – keyboards Mike Holmes – guitars Tim Esau – bass guitars and bass pedals Paul Cook – drums and percussion Label: Giant Electric Pea Erscheinungsjahr: 2014 Stil: Progressive Rock Trackliste: CD1: 1. From The Outside In (7:24) 2. The Road Of Bones (8:32) 3. Without Walls (19:15) 4. Ocean (5:55) 5. Until The End (12:00) CD2: 1. Knucklehead (8:10) 2. 1312 Overture (4:17) 3. Constellations (12:24) 4. Fall And Rise (7:10) 5. Ten Million Demons (6:10) 6. Hardcore (10:52) Gesamtspieldauer CD1 (53:08) und CD2 (49:06): 1:42:14
„The Road Of Bones“ ist das elfte Studioalbum der britischen Progressive Rock Band IQ. Es erschien am 3. Mai 2014 auf dem Plattenlabel Giant Electric Pea. In Deutschland kletterte das Album sogar bis auf Platz 36 der Charts, was für IQ-Verhältnisse schon eine besondere Platzierung darstellt. Es ist das erste Album mit Neil Durant am Keyboard und markiert die Rückkehr der Gründungsmitglieder Paul Cook am Schlagzeug und Tim Esau am Bass. Letztgenannter ist dabei zum ersten Mal seit 1989 auf einem IQ-Album vertreten.
Seltsam an „The Road Of Bones“ ist, dass die Special Edition des Albums wohl inzwischen die „normale“ Ausgabe der Scheibe ist. Besitzt man diese, kann man nirgendwo darauf nachlesen, dass die gesamte zweite CD des Albums im Grunde genommen wohl eine Bonus CD darstellt. Dies ist nirgends vermerkt und die Lieder – auch der zweiten CD – werden als offizielle Titel aufgeführt. Das wiederum ist jedoch auch genau richtig so, denn einen qualitativen Abfall der Musik mag ich auf der zweiten Scheibe nicht heraushören, diese ist genauso eindrucksvoll stimmig, wie das „ursprüngliche“ Album.
Auf „The Road Of Bones“ hört man wunderschönen und spannenden Progressive Rock neuerer Prägung. Man hört den Liedern an, dass sie moderner sind als jene von IQ der 80er Jahre oder jene anderer Bands der 70er Jahre. Trotzdem besitzen die Lieder allesamt die Zutaten, die Progressive Rock zu einem Erlebnis werden lassen. In diesem Falle sind das wunderschöne eingängige und melodiöse Melodien, viele Wendungen in den einzelnen Stücken, Rhythmus- und Tempowechsel, verschiedene Stimmungen und Atmosphären, die ineinander fließen oder aus sich entstehen. Jederzeit ist das hörenswert und das Herz des Proggies geht auf, wenn sie oder er denn auf die eingängige Seite dieses Genres steht, die allerdings auch durchaus mal rocken kann.
Jede Menge Höhepunkte hält „The Road Of Bones“ für die Hörerin und den Hörer parat. Der ganze Anfang der CD1 mit den Liedern „From The Outside In“, „The Road Of Bones” und „Without Walls” klingt schlicht und ergreifend einfach begeisternd. Progressive Rock in all seiner Abwechslung und Eingängigkeit und Spannung. Doch auch die zweite Scheibe steht dem in nichts nach. Von dieser CD könnte an dieser Stelle jedes der Lieder genannt werden. „Knucklehead“. „1312 Overture“, „Fall And Rise“ oder „Ten Million Demons“, alles wahre Perlen des Progressive Rock. Vier der elf insgesamt auf „The Road Of Bones“ enthaltenen Titel habe ich an dieser Stelle nun noch nicht erwähnt. Nicht ganz fair, denn auch diese stellen Höhepunkte dar. Höhepunkte eines wahrlich gelungenen Albums.
Fazit: „The Road Of Bones“ ist eines der besten Alben des Jahres 2014 geworden und ebenso eines der besten Alben der englischen Band IQ. Auf diesem Album hört man begeisternden Progressive Rock und dies über eine Gesamtspielzeit von fast eindreiviertel Stunden. Die zweite CD, ursprünglich nur als Ergänzung im Rahmen einer Special Edition gedacht, steht der ersten CD in nichts nach. Herz des Progressive Rock Fans, was willst Du mehr? Dreizehn Punkte.
Anspieltipps: The Road Of Bones, Without Walls, Knucklehead
IQ – The Seventh House Besetzung: Peter Nicholls – lead and backing vocals Martin Orford – keyboards and backing vocals Mike Holmes – guitars, guitar synthesizer and keyboards John Jowitt – bass and backing vocals Paul Cook – drums and percussion Gastmusiker: Tony Wright – saxophone Label: Giant Electric Pea Erscheinungsjahr: 2000 Stil: Progressive Rock Trackliste: 1. The Wrong Side Of Weird (12:24) 2. Erosion (5:44) 3. The Seventh House (14:26) 4. Zero Hour (7:11) 5. Shooting Angels (7:22) 6. Guiding Light (9:58) Gesamtspieldauer: 57:07
„The Seventh House“ heißt das achte Studioalbum der englischen Progressive Rock Band IQ. Das Album erschien im Juni 2000 auf dem Plattenlabel Giant Electric Pea. Darauf zu hören ist einmal mehr der für IQ so typische Progressive Rock, der eher auf die melodische Variante ausgerichtet ist, als zu vertrackt und kompliziert zu klingen.
„The Seventh House“ klingt somit ganz in der Tradition der Band. Vergleicht man die Scheibe allerdings mit dem Vorgänger „Subterranea“ („Seven Stories Into ’98“ sei an dieser Stelle mal außen vor gelassen, da es zwar als das siebte Album von IQ geführt wird, allerdings lediglich bisher unveröffentlichtes Material aus den Anfangsjahren der Band enthält), so kann das vorliegende Album nicht ganz mit seinem Vorgänger mithalten. Das liegt an nichts anderem als an der Eingängigkeit der Lieder selbst. Diese war auf „Subterranea“ noch sehr viel intensiver vorhanden, als auf „The Seventh House“. Trotzdem ist auch „The Seventh House“ kein schlechtes Album geworden. Alle guten Zutaten einer guten IQ Scheibe sind enthalten. Viel Abwechslung in der Musik, die einmal mehr mit den Atmosphären spielt. Dazu gibt es auch die schönen Melodien, wenn auch nicht mehr in dem Ausmaß von früher.
Der Höhepunkt des Albums ist das Titellied „The Seventh House“. Diese Nummer ist gleichzeitig auch die längste der Platte und zeigt in vielen Facetten die Musik, die man auf einem IQ-Album zu finden hofft. Progressive Rock in sehr melodiöser Ausprägung, spannend inszeniert, mit vielen Wendungen versehen und eben auch eingängig. Einen Ausfall gibt es auch nicht auf diesem Album zu beklagen, alle anderen Titel besitzen gleich große Qualität, die die Herzen der Fans dieses musikalischen Genres höherschlagen lässt.
Fazit: Ein ganz und gar typisches IQ-Album ist „The Seventh House“ geworden. Alle Zutaten der Musik der Engländer sind auch auf dieser Scheibe enthalten. Was ein wenig fehlt, sind die absoluten Höhepunkte, die es mehr auf anderen Scheiben von IQ zu bestaunen gibt. Doch ist das „Jammern auf hohem Niveau“? Vielleicht, denn das Album wirkt und klingt. Möglicherweise nicht ganz so wie…. Ach, einfach Geschmackssache. Zehn Punkte.
IQ – Ever Besetzung: Paul Cook – drums and ivy-leafed toadflax Mike Holmes – guitars, keebotronics and greech popo John Jowitt – bass guitar, backing vocals and crusty warthog Peter Nicholls – vocals, backing vocals and giddy aunt Martin Orford – keyboards, flute, backing vocals and chiff chaff Label: Giant Electric Pea Erscheinungsjahr: 1993 Stil: Progressive Rock Trackliste: 1. The Darkest Hour (10:52) 2. Fading Senses (6:35) i. After All ii. Fading Senses 3. Out Of Nowhere (5:09) 4. Further Away (14:30) 5. Leap Of Faith (7:21) 6. Came Down (5:56) Gesamtspieldauer: 50:36
Das fünfte Studioalbum der englischen Progressive Rockband IQ heißt „Ever“ und wurde Mai 1993 auf dem Plattenlabel Giant Electric Pea veröffentlicht. Peter Nicholls war nach zwei Platten Pause, auf denen er durch Paul Menel ersetzt worden war, wieder als Sänger von IQ zurückgekehrt. Die Musik der Band hat mit diesem Album insgesamt wieder einen starken Schwenk in Richtung des Progressive Rock unternommen, den Mainstream der letzten Scheiben hinter sich gelassen.
„Ever“ ist deutlich interessanter geraten als die beiden vorherigen Alben von IQ. Auf der Scheibe hört man abwechslungsreichen und intelligenten Progressive Rock, der mit allen Variablen in der Musik spielt, diese variiert und dazu noch Melodien aufweist, die sich schnell im Ohr festsetzen. Auf „Ever“ wird die ganze musikalische Bandbreite von lieblich bis rockig ausgereizt, Passagen wechseln sich ab, gehen ineinander über, verschmelzen miteinander. Dabei klingt die Musik der Engländer an keiner Stelle zu kompliziert oder gar frickelig. Trotzdem hört man auf dem Album keinen Mainstream oder Alternative Rock, es wird eher die eingängige Seite des Progressive Rock bedient.
Höhepunkt der Platte ist das Lied „Further Away“. Das Lied ist das längste Stück der Platte und gleichzeitig auch die eindrucksvollste Nummer. Auf „Further Away“ sind aller Zutaten des Albums vereint, man begibt sich beim Hören auf eine kleine Reise, wird von Melodien umgarnt, vom Rock erfasst und schließlich immer in die Eingängigkeit entlassen. Aus mehreren Abschnitten aufgebaut stellt dieser Titel einen Trip durch das musikalische Universum von IQ dar und weiß zu beeindrucken. Da auch die anderen Nummern auf „Ever“ ebenfalls zu überzeugen wissen, ist den Musikern mit diesem Album eine kleine Auferstehung gelungen, mit der man während des Hörens der letzten beiden Platten nicht mehr rechnen konnte.
Fazit: IQ ist eine Band, die im Allgemeinen für sehr eingängigen Progressive Rock steht. „Im Allgemeinen“ deshalb, da nicht alle Platten der Band komplett dieses Merkmal aufweisen. Für „Ever“ gilt dies jedoch zu 100%, was das Album zum einen zu einem typischen IQ-Album werden lässt und zum anderen alle diejenigen Hörerinnen und Hörer erfreuen wird, die die melodische Sparte des Progressive Rock gegenüber der eher vertrackten bevorzugen. Macht Spaß. Elf Punkte.
Anspieltipps: Fading Senses, Further Away, Leap Of Faith
IQ – Are You Sitting Comfortably? Besetzung: Paul Cook – drums, percussion and enormous sucking trout Tim Esau – bass guitar, bass pedals, backing vocals abd gas-driven sea-biscuit Mike Holmes – guitar, guitar synth and giant electric pea Paul Menel – vocals, backing vocals, strimpapa and tambourine Martin Orford – keyboards, backing vocals, sax, flute and flying tart Label: Giant Electric Pea Erscheinungsjahr: 1989 Stil: Pop, AOR, Progressive Rock Trackliste: 1. War Heroes (6:26) 2. Drive On (4:57) 3. Nostalgia (2:22) 4. Falling Apart At The Seams (7:47) 5. Sold On You (4:40) 6. Through My Fingers (5:30) 7. Wurensh (9:37) 8. Nothing At All (4:46) Bonus Track: 9. Nothing At All (live) (4:43) Gesamtspieldauer: 50:52
„Are You Sitting Comfortably?“ heißt das vierte Studioalbum der englischen Progressive Rock band IQ. Es ist gleichzeitig die zweite Scheibe, auf der Paul Menel als Sänger zu hören ist. Veröffentlicht wurde „Are You Sitting Comfortably?“ im Februar 1989 auf dem Plattenlabel Giant Electric Pea.
Nein, die 80er Jahre waren einfach kein gutes Jahrzehnt für den Progressive Rock, obwohl auch gerade IQ erst in dieser Dekade mit ihrer Musik gestartet sind und die ersten beiden Alben durchaus überzeugend klingen. Dies trifft auf „Are You Sitting Comfortably?“ nur noch sehr bedingt zu, denn sehr oft fischen die fünf Musiker auf diesem Album in den Gewässern des AOR oder Mainstream Rocks. Ich weiß nicht, ob sich diese Platte besser verkaufte als die ersten beiden Veröffentlichungen von IQ, nachhaltig war die Musik auf diesem Album allerdings nicht und wird auch auf Konzerten der Band nicht mehr gespielt, was wohl nicht nur daran liegt, dass schon lange wieder Peter Nicholls als Sänger zurückgekehrt ist.
Das meiste, was man auf „Are You Sitting Comfortably?“ zu hören bekommt, klingt unaufgeregt und eher alltäglich und dadurch auch ziemlich langweilig. Da werden Refrains manchmal in Form von Mitgröl-Hymnen inszeniert, die dann aber trotzdem nicht zünden, da die Melodien einfach zu flach sind. Man muss beim Zuhören des Albums zwar nicht schreiend den Raum verlassen, ist allerdings einfach gelangweilt und die Musik rauscht an einem vorbei, ohne großartige Spuren zu hinterlassen.
So „wurstelt“ man sich mal etwas angenehmer, mal etwas angestrengter durch dieses Album und stößt schließlich mit dem Titel „Falling Apart At The Seams“ irgendwann auf den Höhepunkt der Scheibe. Jetzt hört man tatsächlich wieder Prog, wie IQ ihn eben auch zelebrieren können. Tolle Melodie, atmosphärische Variationen, Tempo- und Rhythmuswechsel. Wäre nur etwas mehr davon auf der Platte zu hören und zu bewundern, dann wäre diese Scheibe nicht nur etwas für den eingefleischten IQ Fan oder Komplettisten. Sehr Schade.
Fazit: Viel zu kommerziell und dabei zu anbiedernd klingt „Are You Sitting Comfortably?“. Natürlich wollen Musiker mit ihrer Musik auch Geld verdienen, aber wenn es dann zu sehr im Mainstream des nichtsagenden Rocks mündet, dann bleibt lediglich ein fader Geschmack übrig. „Are You Sitting Comfortably?“ hat wenige tolle Stellen und ist von daher eher für etwas für diejenigen Hörerinnen und Hörer, die alles von der Band besitzen möchten. Sieben Punkte.
IQ – Nomzamo Besetzung: P.L. Menel – lead vocals, backing vocals Mike Holmes – electric and acoustic guitars, keyboards Tim Esau – bass guitar, bass pedals, rhythm guitar, backing vocals Martin Orford – keyboards, backing vocals Paul Cook – drums, percussion Gastmusiker: Micky Groome – backing vocals Ray Carless – saxophone Jules O'Kine – vocals (on "Colourflow") Label: Giant Electric Pea Erscheinungsjahr: 1987 Stil: Progressive Rock, Pop Trackliste: 1. No Love Lost (6:02) 2. Promises (As The Years Go By) (4:34) 3. Nomzamo (7:00) 4. Still Life (5:58) 5. Passing Strangers (3:47) 6. Human Nature (9:41) 7. Screaming (4:07) 8. Common Ground (6:59) Bonus Tracks der 1994er Wiederveröffentlichung: 9. Colourflow (5:26) 10. No Love Lost (piano / vocal version) (4:12) 11. Common Ground (live) (6:34) Gesamtspieldauer: 1:04:26
„Nomzamo“ heißt das dritte Studioalbum der britischen Progressive Rockband IQ, welches im Mai 1987 ursprünglich auf dem Plattenlabel Squawk Records veröffentlicht wurde. Bereits sieben Jahre später gab es eine Wiederveröffentlichung der Platte, die dann auf dem Label Giant Electric Pea erschien. „Nomzamo“ ist das erste Album, welches die Band ohne ihren ursprünglichen Leadsänger Peter Nicholls aufgenommen hat, der durch P.L. Menel ersetzt worden war.
Die 80er Jahre waren alles andere als das goldene Zeitalter für den Progressive Rock. Doch gerade IQ schien da eine Ausnahme unter den Bands zu sein, wie zunächst auch Marillion. Die ersten beiden Platten der Band standen durchaus noch sehr im Zeichen des Progressive Rock der 70er Jahre und waren in den Jahren 1983 und 1985 veröffentlicht worden. Mit diesem Album nun waren IQ deutlich mehr im Mainstream angekommen und klingen darauf zum Teil sogar richtiggehend poppig. Beispiele hierfür wären die Lieder „Promises (As The Years Go By)“ und „Screaming“. Während erstgenannter Titel zumindest noch eine ganz nette Melodie aufweist und dadurch unterhält, wird es bei der zweitgenannten Nummer schon richtiggehend langweilig und belanglos.
Zum Glück ist der Rest des Albums nicht auf dem Niveau von „Screaming“. Trotzdem kann kein Titel so richtig überzeugen. Das klingt manchmal ganz nett, zum Teil auch noch nach Progressive Rock, doch wollen die Lieder letztendlich dann doch einfach nicht mehr so richtig zünden. Und das liegt keineswegs am neuen Sänger P.L. Menel. Dieser macht seine Sache gut, obwohl man die Stimme Peter Nicholls‘ in der Musik von IQ durchaus vermisst. Richtig begeistern kann leider wenig bis nichts auf „Nomzamo“. Als kleinen Höhepunkt möchte ich an dieser Stelle das Lied „Still Life“ erwähnen, welches zumindest gut ins Ohr geht und auf dem die Stimme von P.L. Menel in all ihren Nuancen am Besten zum Tragen kommt und mich sogar ein wenig an jene von Fish erinnert.
Die drei Zugaben der Wiederveröffentlichung, bei denen es sich bei Zweien um alternative beziehungsweise Live-Versionen von bereits auf dem Album befindlichen Titeln handelt, reihen sich qualitativ bei den acht ursprünglich vorhandenen Titeln ein.
Fazit: „Nomzamo“ ist das dritte Studioalbum von IQ und gleichzeitig eine wenig überzeugende Platte geworden. Das klingt viel zu häufig zu bieder, zu angepasst, zu alltäglich. Man hört auf „Nomzamo“ zwar nur stellenweise Pop, doch der Rock, den man geboten bekommt, der weiß kaum mitzureißen. Und diesen dann auch noch als Progressive Rock zu bezeichnen ist an vielen Stellen der Platte zumindest gewagt. Acht Punkte.
IQ – The Wake Besetzung: Peter Nicholls – vocals and tambourine Mike Holmes – guitars Tim Esau – bass Martin Orford – synthesizer, organ, mellotron, flute and backing vocals Paul Cook – drums and percussion Label: Giant Electric Pea Erscheinungsjahr: 1985 Stil: Progressive Rock Trackliste: 1. Outer Limits (8:13) 2. The Wake (4:11) 3. The Magic Roundabout (8:20) 4. Corners (6:21) 5. Widow’s Peak (9:14) 6. The Thousand Days (5:11) 7. Headlong (7:36) Bonus Tracks der remasterten Albumversion: 8. Dans Le Parc Du Château Noir (7:40) 9. The Thousand Days (demo) (3:59) 10. The Magic Roundabout (demo) (6:29) 11. Corners (2010 remix) (5:33) Gesamtspieldauer: 1:12:51
„The Wake“ heißt das zweite Studioalbum der britischen Progressive Rockband IQ, welches im Juni 1985 ursprünglich bei Sahara Records veröffentlicht wurde. Die remasterte Version des Albums erschien dann im Jahr 2010 um vier Titel erweitert auf dem Plattenlabel Giant Electric Pea Records. „The Wake“ ist bisher das einzige Album von IQ, das die britischen Charts erreicht hat. Es kletterte auf Platz 72 der Charts und blieb dort genau eine Woche. Auch diese Band war in Deutschland erfolgreicher als in der Heimat.
Auf „The Wake“ hört man, wie auch schon auf dem Debut-Album der Engländer, wunderschönen und abwechslungsreichen Progressive Rock. IQ besetzen nicht die eher „frickelige“ Sparte dieses musikalischen Genres, sondern stehen sehr viel mehr für eingängige Melodien und ganz viel Abwechslung. Die einzelnen Lieder entwickeln sich während ihres Ablaufs, ändern Strukturen und Stimmungen. Was immer erhalten bleibt sind die wunderschönen Melodien, die das Ohr umschmeicheln und sich schnell festsetzen. Man hört auf „The Wake“ keineswegs Mainstream-Musik. Nichts, was viele Chancen erhält, häufig im Radio gespielt zu werden. Deshalb wundert es auch nicht weiter, dass IQ so wenig kommerzieller Erfolg zuteil wurde. Das wiederum ist schade, denn wer solche Musik zu schreiben im Stande ist, der sollte auch dafür belohnt werden.
Es gibt nichts auf diesem Album, was nicht hörenswert wäre. Es ist IQ Musik, eingängiger Progressive Rock, der alle Lieder durchwirkt. Von daher könnte man als Höhepunkt jedes der ursprünglich vorhandenen sieben Lieder nennen, inklusive der Zugabe „Dans Le Parc Du Château Noir“. Die restlichen drei Bonus Titel sind bereits auf dem Original-Album enthalten, als Bonus jedoch in Form von Demos oder einem neuen Mix angehängt. Meine beiden Höhepunkte der Platte, neben den sechs restlichen Liedern, sind das Mellotron-geschwängerte „Widow’s Peak“ sowie der Titel „Headlong“. Qualitativ besteht bei diesen beiden Nummern kein Unterschied zum Rest der Platte, doch gingen mir diese beiden Lieder noch einen Tick schneller ins Ohr, weswegen ich sie an dieser Stelle gerne erwähnen möchte.
Fazit: Ein wahrlich typisches IQ Album ist „The Wake“ geworden, wenn man jene betrachtet, auf denen Peter Nicholls singt. Nach „The Wake“, welches stilistisch nahtlos an das Debut-Album „Tales From The Lush Attic“ anschließt, verließ Peter Nicholls IQ, um später wieder zur Band zurückzukehren. Wer melodiösen und abwechslungsreichen Progressive Rock mag, die oder der wird auch „The Wake“ mögen. Lohnt sich sehr für Proggies. Elf Punkte.
Anspieltipps: The Magic Roundabout, Widow’s Peak, Headlong
IQ – Dark Matter Besetzung: Peter Nicholls – lead and backing vocals Martin Orford – keyboards, backing vocals Mike Holmes – guitars John Jowitt – bass, backing vocals Paul Cook – drums and percussion Label: Giant Electric Pea Erscheinungsjahr: 2004 Stil: Progressive Rock Trackliste: 1. Sacred Sound (11:40) 2. Red Dust Shadow (5:53) 3. You Never Will(4:54) 4. Born Brilliant (5:20) 5. Harvest Of Souls (24:29) I. First Of The Last II. The Wrong Host III. Nocturne IV. Frame And Form V. Mortal Procession VI. Frame And Form VII. Ghosts Of Days Gesamtspieldauer: 52:18
„Dark Matter“ heißt das achte Studioalbum der britischen Progressive Rock Band IQ. Es wurde am 29. Juni 2004 auf dem Plattenlabel Giant Electric Pea veröffentlicht. Keyboarder und Gründungsmitglied von IQ, Martin Orford, verließ die Band nach diesem Album und kehrte der Musikindustrie völlig den Rücken. Auch Schlagzeuger Paul Cook stieg bei IQ nach „Dark Matter“ aus, kehrte jedoch später, für die Aufnahmen zu „The Road Of Bones“, wieder zur Band zurück.
IQ sind für mich die Progressive Rock Band, die es nach den Musikern von Genesis der 70er Jahre geschafft haben, die eindrucksvollsten und eingängigsten Melodien im Genre des Progressive Rock zu kreieren. Bei IQ kling es fast immer harmonisch und melodiös, die Musik geht ins Ohr und setzt sich dort auch fest. Genauso verhält es sich auch mit den Liedern auf „Dark Matter“, die allesamt progressiv und abwechslungsreich und eingängig klingen. Melodien wechseln, Atmosphären variieren, Tempi und Rhythmen gehen ineinander über. Da klingt es mal sphärischer, dann wieder deutlich rockiger. Abwechslung wird auf dieser Platte dementsprechend sehr groß geschrieben. Peter Nicholls ist auch nicht der ganz große Sänger, doch wie er diese Musik mit seinen Worten interpretiert, auch das passt bei IQ auf „Dark Matter“ perfekt.
Es befinden sich fünf Titel auf diesem Album, alle fünf Lieder sind Höhepunkte. Erwähnen sollte man an dieser Stelle allerdings das letzte Lied des Albums, „Harvest Of Souls“. Dieser Titel, gleichzeitig das längste Lied, welches IQ jemals geschrieben haben, fasst die ganze Platte atmosphärisch wie musikalisch wunderschön zusammen. Doch die Musik auf „Dark Matter“ lässt sich vom ersten bis zum letzten Takt genießen. Selbstverständlich ist auf diesem Album keine Radio-Musik zu hören und mit vielen Wechseln in der Musik, auch stimmungstechnischer Art, sollte man schon klar kommen, wenn man sich auf diese Platte einlassen möchte. „Dark Matter“ klingt zudem definitiv besser und packender, wenn man sich auf das Gehörte konzentriert, als es nur nebenbei zu hören – und diese Musik ist es auch wert, ihr diese Beachtung zu schenken.
Fazit: IQ erfinden auf „Dark Matter“ die Musik nicht neu. Auch nicht ihre eigene. Die Musiker machen auf der Platte das, was sie am besten können, sehr abwechslungsreichen und melodischen Progressive Rock. Mag man diese Musikrichtung, so wird man auch diese Platte mögen. Spannend ist das Gehörte vom ersten bis zum letzten Tag. Ich mag es manchmal sehr, wenn eine Band sich mal nicht „weiterentwickelt“, sondern das, was sie besonders gut kann, einfach weitermacht. IQ machen das auf „Dark Matter“. Elf Punkte.
Anspieltipps: Sacred Sound, Born Brilliant, Harvest Of Souls
IQ – Subterranea Besetzung: Peter Nicholls – lead and backing vocals Mike Holmes – guitar and guitar synth John Jowitt – bass guitar and backing vocals Martin Orford – keyboards and backing vocals Paul Cook – drums and percussion Label: Giant Electric Pea Erscheinungsjahr: 1997 Stil: Progressive Rock Trackliste: CD1: 1. Overture (4:38) 2. Provider (1:36) 3. Subterranea (5:53) 4. Sleepless Incidental (6:23) 5. Failsafe (8:57) 6. Speak My Name (3:35) 7. Tunnel Vision (7:24) 8. Infernal Chorus (5:10) 9. King Of Fools (2:02) 10. The Sense In Sanity (4:48) 11. State Of Mine (2:00) CD2: 1. Laid Low (1:29) 2. Breathtaker (6:04) 3. Capricorn (5:16) 4. The Other Side (2:22) 5. Unsolid Ground (5:04) 6. Somewhere In Time (7:11) 7. High Waters (2:43) 8. The Narrow Margin (20:01) Gesamtspieldauer CD1 (52:30) und CD2 (50:13): 1:42:43
„Subterranea“ heißt das sechste Studioalbum der britischen Progressive-Rock-Band IQ, welches in Form eines Doppelalbums im Jahr 1997 auf dem Plattenlabel Giant Electric Pea veröffentlicht wurde. „Subterranea“ ist ein Konzeptalbum, das die Geschichte eines Mannes erzählt, der im Rahmen eines Experiments sein ganzes Leben lang gefangen gehalten wurde, keinen Kontakt zur Außenwelt hatte. Das Album beginnt mit seiner „Entlassung“ in die Welt, in der auf viele für ihn völlig neue Reize trifft, denen er zuvor noch nicht begegnet oder ausgesetzt war.
„Subterranea“ ist ein Album geworden, welches das Herz des Progressive Rock Fans höherschlagen lässt. Es bietet alles, was man sich von solch einer Platte wünscht. Tolle Melodien, die sich in das Ohr eingraben, eine ganz nette und gut durchdachte Story hinter der erzählten Geschichte und ganz, ganz viel Abwechslung. Da wird gerockt, es wird sphärisch, dann wieder etwas poppiger und schließlich auch noch hymnisch bis orchestral. Langeweile kommt auf „Subterranea“ an keiner Stelle auf und die Gesamtspieldauer von fast eindreiviertel Stunden lohnt sich in jeder Minute, denn es gibt auf diesem Album keine schlechten Titel oder gar Füllmaterial. Die Platte ist wie eine musikalische Reise, die zum Genießen einlädt. Eingängig ist die Musik dabei, niemals vertrackt oder zu kompliziert. Alles klingt irgendwie schön und angenehm. Vielleicht führt dies eine Hörerin oder ein Hörer als Nachteil der Scheibe auf, denn so viel Harmonie und Melodiösität und keine entsprechenden, fordernden Gegenparts lösen bei so manchem Progressive Rock Fan automatisch einen kleinen Widerstand aus. Steht man allerdings auf das Sanfte, das Schöne, das Eingängige in der Musik, wird man dieses Album lieben.
Höhepunkt gibt es einige, vor allen Dingen die erste Platte beziehungsweise CD hat es mir da angetan. Die Lieder „Tunnel Vision“, „Infernal Chorus“, „King Of Fools“ sowie „The Sense In Sanity“, allesamt direkt hintereinander angeordnet, bilden das intensive Highlight auf dem ersten Teil des Albums. Auf der zweiten Scheibe ist an dieser Stele natürlich der Longtrack „The Narrow Margin“ zu erwähnen, der das gesamte Album nochmals bestens zusammenfasst und abrundet. Allerdings hätte ich an dieser Stelle auch viele der anderen Lieder aufzählen können, die allesamt zu überzeugen wissen. Nur eines darf man nicht mit diesem Album machen. Es einmal hören und anschließend zurück in den Plattenschrank stellen. „Subterranea“ lohnt häufiger gehört zu werden, zumal sich viele der Melodien mit jedem weiteren Durchgang durchaus noch besser erschließen lassen.
Fazit: Wer Progressive Rock mag, die oder der wird auch dieses Album mögen. Ein wenig Zeit sollte man sich dafür schon nehmen, denn zum einen beträgt die Laufzeit dieses Doppelalbums fast eindreiviertel Stunden, zum anderen wachsen die einzelnen Titel auch mit jedem weiteren Durchlauf. Die Musik ist auch keine, die man nebenher hören kann, sondern erfordert durchaus die eigene Aufmerksamkeit. Und diese zu schenken lohnt sich, man bekommt sehr abwechslungsreichen Progressive Rock zu hören, der mit vielen wunderschönen Melodien und sehr viel Abwechslung aufwartet. Sehr überzeugend. Zwölf Punkte.
Anspieltipps: Tunnel Vision, Infernal Chorus, King Of Fools, The Sense In Sanity, The Narrow Margin
IQ – Tales From The Lush Attic (2013 Remix) Besetzung: Peter Nicholls – vocals Mike Holmes – acoustic, electric & twelve-string guitars Martin Orford – keyboards, synthesizers, mellotron Tim Esau – bass guitar Paul Cook – drums, percussion Label: Giant Electric Pea Erscheinungsdatum: 1983 Stil: Progressive Rock, Neo Prog Trackliste: CD: 1. The Last Human Gateway (20:20) 2. Through The Corridors (Oh! Shit Me) (2:38) 3. Awake And Nervous (7:47) 4. My Baby Treats Me Right 'Cos I'm A Hard Lovin' Man All Night Long (1:51) 5. The Enemy Smacks (14:06) Bonus Tracks: 6. Wintertell (2012 Recording) (3:06) 7. The Last Human Gateway (End Section, Alternative Vocals) (2:48) 8. Just Changing Hands (Unfinished Demo) (5:38) 9. Dans Le Parc Du Chateau Noir (Unfinished Demo) (6:45) Gesamtspieldauer CD: 1:05:14 DVD: MP3s: Tales From The Lush Attic (Original Mix 1983): 1. The Last Human Gateway (19:58) 2. Through The Corridors (Oh! Shit Me) (2:37) 3. Awake And Nervous (7:45) 4. My Baby Treats Me Right 'Cos I'm A Hard Lovin' Man All Night Long (1:46) 5. The Enemy Smacks (14:51) Gesamtspieldauer: 45:59 Seven Stories Into Eight (Original Cassette Album): 1. Capital Letters (In Surgical Spirit Land) (3:45) 2. About Lake Five (5:01) 3. Intelligence Quotient (6:54) 4. For Christ`s Sake (5:04) 5. Barbell Is In (5:30) 6. Fascination (5:55) 7. For The Taking (4:16) 8. It All Stops Here (6:56) Gesamtspieldauer: 43:25 Weiteres Audiomaterial: 1. The Enemy Smacks (First Attempts November 1982) (14:58) 2. The Last Human Gateway (Writing Session February 1983) (2:39) 3. Just Changing Hands (Instrumental Demo) (6:25) 4. Just Changing Hands (Rehearsal 11 February 1983) (5:47) 5. Wintertell (Demo 25 July 1983) (3:01) 6. The Last Human Gateway (1st Complete July 1983) (19:55) 7. Unused Idea From The Album 1 (Rehearsal 1983) (1:32) 8. Unused Idea From The Album 2 (Rehearsal 1983) (0:46) 9. Just Changing Hands (Cava Demo 1984) (5:14) 10. The Last Human Gateway (Middle Section 1992) (4:01) 11. Tales Audio Commentary (47:14) Gesamtspieldauer: 1:51:37 Video: Tales From The Lush Attic Live (De Boerderij, Zoertermeer, 23 October 2011): 1. The Last Human Gateway (21:26) 2. Through The Corridors (Oh! Shit Me) (2:53) 3. Awake And Nervous (12:11) 4. The Enemy Smacks (15:56) Gesamtspieldauer: 52:26 Bidergallerie vom Beginn der Band
Wer die Musik von Genesis in deren Anfangszeit, bis zum Ausscheiden von Peter Gabriel liebt, die oder der wird auch das Debut-Album „Tales From The Lush Attic“ der englischen Band IQ lieben. Ursprünglich erschien die Platte im Jahr 1983 auf dem Plattenlabel Samurai. Nur leider hatte das Ganze einen Haken. Klang die Musik wahrlich gut und ganz im Stile der „alten“ Genesis, so war es die Aufnahmequalität, die doch sehr zu wünschen übrigließ. IQ hatten damals einfach zu wenig Geld, um für eine optimale Produktion ihrer Musik zu sorgen, was man der ursprünglichen Einspielung auch sehr stark anhört.
Im Jahr 2013, zum 30. Geburtstag seiner Ersterscheinung, wurde das Album am 15. September erneut, in Form einer „30th Anniversary Collector’s Edition“ vom Plattenlabel Giant Electric Pea auf den Markt gebracht. Ausgestattet wurde diese Wiederveröffentlichung mit Bonus Tracks, einer DVD und einem schön aufbereiteten Booklet mit zahlreichen Photos und der Geschichte zur Entstehung von „Tales Of The Lush Attic“. Alles schöne Zugaben, die jedoch nicht den Grund darstellen, weswegen sich auch ein erneuter Erwerb der Scheibe lohnt.
Der Grund für einen erneuten kauf liegt in dem Umstand, dass Gitarrist Mike Holmes die Musik auf der CD zu „Tales Of The Lush Attic“ neu abgemischt und klanglich deutlich verbessert hat. Auf der zusätzlichen DVD befindet sich unter anderem der Audio Kommentar zum Album. Gitarrist Mike Holmes und Sänger Peter Nicholls unterhalten sich hier über die Platte und den neuen Remix, während im Hintergrund das Album läuft. Und so erfährt man, dass Mike Holmes durchaus mit dem Gedanken spielte, die ganze Platte neu einzuspielen. Er kam jedoch davon ab, um möglichst nah beim Original zu bleiben. Er wollte es nun so abmischen, wie die Band es sich damals, vor dreißig Jahren, vorgestellt hatte, jedoch nicht verwirklichen konnte. Man kann Mike Holmes nur gratulieren, denn was er hier aus den Bändern herausholte, ist wahrlich aller Ehren wert. „Tales From The Lush Attic“ klingt nun soundtechnisch perfekt, an der Aufnahmequalität gibt es absolut nichts mehr auszusetzen.
Kommen wir zur Musik. Dass IQ als Vorbild Genesis mit Peter Gabriel hatten, ist an keiner Stelle des Albums zu verheimlichen. Die Musik von Genesis, welche 8 bis 14 Jahre vor dieser Veröffentlichung entstand, brachte die Inspiration zu „Tales From The Lush Attic“, dem Debutalbum von IQ. Und diese erste Platte von IQ ist gelungen, sehr gelungen sogar. IQ schaffen es hier den Progressive Rock wieder aufleben zu lassen, der nur wenige Jahre zuvor absolut nicht mehr aktuell schien. Bands wie Genesis waren spätestens nach dem Ausscheiden von Steve Hackett dem Pop verfallen und schwammen erfolgreich durch die Hitparaden dieser Welt. IQ wählten dagegen einen völlig anderen Weg, sie widmeten sich den deutlich komplexeren und anspruchsvolleren Melodien, Rhythmen und Arrangements – waren damit allerdings auch deutlich weniger erfolgreich, als die Vorbilder.
Die Musik von IQ geht ins Ohr. Sie ist sehr melodiös, manchmal etwas vertrackt, dann sanft und schließlich wieder rockig. Jede Menge Abwechslung bekommt man hier geboten und man wird in die Zeit der 70er Jahre zurückkatapultiert. Und auch wenn die Musiker von der damaligen Musik in Form des New Wave beeinflusst wurden, so kann ich diese Einflüsse auf der Scheibe kaum bis gar nicht ausmachen. Peter Nichols erinnert mit seiner Stimme sogar entfernt an Peter Gabriel und der häufige Einsatz des Mellotrons sorgt zusätzlich für die 70er Jahre Stimmung. Höhepunkt der Scheibe ist das Lied „The Last Human Gateway“. Eine unfassbar gute Nummer, die in meinen Ohren das beste Progressive Rock Lied ist, welches nach diesen 70er Jahren entstand. Absolut abwechslungsreich, melodiös, rockig, sphärisch, fordernd, sanft und immer überraschend. Mit jedem weiteren Durchlauf wächst dieses Lied dazu noch weiter.
Wunderschön klingt ebenfalls das kurze Piano-Stück mit dem langen Namen „My Baby Treats Me Right 'Cos I'm A Hard Lovin' Man All Night Long“. Und schließlich soll hier auch nicht das letzte Lied auf „Tales From The Lush Attic“ unerwähnt bleiben, „The Enemy Smacks“. Zwar erreicht dieses nicht ganz die Qualität von „The Last Human Gateway“, viel fehlt dazu allerdings nicht. Es ist der Abwechslungsreichtum, die hier enthaltenen Ideen und die Melodiösität, die auch diesen Titel zu einem sehr überzeugenden werden lassen.
Auf der CD sind noch vier Bonus-Lieder enthalten. „Wintertell” ist eine schöne, verträumte und ein wenig melancholische Nummer, die sanft ins Ohr geht. Der Ausschnitt aus „The Last Human Gateway” klingt wie das Original, lediglich der Text wurde hier etwas abgeändert. Und schließlich hört man noch zwei nicht fertiggestellte Demos, die allerdings auch nicht großartig gegenüber den „offiziellen“ Liedern abfallen und eine schöne Zugabe darstellen. Vor allen Dingen „Dans Le Parc Du Chateau Noir“ klingt schon sehr ausgereift und wurde sogar mit einem Text versehen, wohingegen „Just Changing Hands“ noch ein Instrumentalstück ist.
IQ haben es bei dieser Wiederveröffentlichung gut mit ihren Fans gemeint. Denn zum Umfang der Neuerscheinung gehört auch eine DVD, randvoll gefüllt mit verschiedenstem Material. Zum einen kann man sich hier einen Konzertmitschnitt zur Platte aus dem Jahr 2011 ansehen. Lediglich das Stück „My Baby Treats Me Right 'Cos I'm A Hard Lovin' Man All Night Long“ fehlt dabei. Des Weiteren gibt es jede Menge Musik in Form von MP3-Files zu hören. Da wäre zum einen der bereits erwähnte Audio-Kommentar von Mike Holmes und Peter Nicholls, der sich wirklich lohnt, da man viele Informationen erhält, wenn man denn des Englischen zumindest so einigermaßen mächtig ist. Zusätzlich gibt es das Album „Tales From The Lush Attic“ in seiner ursprünglichen Version von 1983 zu hören. Weiter wurde das Kassettenalbum „Seven Stories Into Eight“ aus dem Jahr 1982 hinzugefügt, mit dem man die ersten Aufnahmen der Band mitgeliefert bekommt. Die Aufnahmequalität ist beileibe nicht die beste und auch das hier enthaltene Material reicht längst nicht an „Tales From The Lush Attic“ heran. Doch interessant, nun die Ursprünge der Band zu hören, ist das jedoch allemal. Ansonsten gibt es noch insgesamt zehn weitere Demos, Probenmitschnitte und erste Versuche mit bestimmten Liedern zu hören, die das musikalische Gesamtbild dieser Wiederveröffentlichung abrunden. Ergänzt wird das alles schließlich noch durch eine Photogallerie, in der Bilder aus der Anfangszeit von IQ ineinander überführt werden.
Fazit: Die Wiederveröffentlichung von IQs „Tales From The Lush Attic“ ist eine Wiederveröffentlichung, wie man sie sich wünscht. Das originale Album ist enthalten, neben dem neu abgemischten Album, welches den Charakter der ursprünglichen Platte nicht zerstört hat. Dazu wird noch jede Menge an Zusatzmaterial mitgeliefert. Die CD selbst ist optisch sehr schön aufgemacht und mit einem ausführlichen Booklet versehen worden, welches die Geschichte der Platte erzählt und zahlreiche Bilder aus der damaligen Zeit zeigt. Das wäre allerdings alles nicht weiter interessant, wenn die Musik selbst auf „Tales From The Lush Attic“ nicht so gelungen wäre. Retro Prog, Neo Prog oder doch ganz einfach Progressive Rock, ganz egal wie man es nennt, die Musik überzeugt. Hier wird zwar nichts neu erfunden und ohne die britischen Progressive Rock Bands zehn Jahre zuvor würde es auch dieses Album von IQ nicht geben. Trotzdem kopieren die fünf Musiker keineswegs. Sie ergänzen – und das sehr überzeugend. Dreizehn Punkte.
Anspieltipps: The Last Human Gateway, The Enemy Smacks