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Samstag, 16. September 2023

PJ Harvey – I Inside The Old Year Dying

 



PJ Harvey – I Inside The Old Year Dying


Besetzung:

PJ Harvey – vocals, nylon string guitar, steel string guitar, electric guitar, baritone guitar, bass guitar, piano, rhodes piano, bass clarinet


Gastmusiker:

John Parish – drums, percussion, vocals, rhodes piano, synthesizer, variophon, trombone, acoustic and electric guitar, bass guitar
Cecil – field recording samples, voice samples, bass keyboards, keyboards, synthesizer, piano, loop creations, additional recording
Flood – synthesizer, field recording samples, effects, pedals, loop creations, sonic disturbance
Ben Whishaw – backing vocals (tracks 8 & 10)
Colin Morgan – backing vocals (tracks 9 & 11)




Erscheinungsjahr: 2023


Stil: ArtPop, Rock


Trackliste:

1. Prayer At The Gate (4:14)
2. Autumn Term (3:20)
3. Lwonesome Tonight (3:48)
4. Seem An I (3:06)
5. The Nether-Edge (3:17)
6. I Inside The Old Year Dying (1:53)
7. All Souls (4:21)
8. A Child's Question, August (2:46)
9. I Inside The Old I Dying (3:08)
10. August (2:41)
11. A Child‘s Question, July (3:02)
12. A Noiseless Noise (3:57)

Gesamtspieldauer: 39:38



Mit „I Inside The Old Year Dying“ betitelte die Engländerin PJ Harvey ihr zehntes Studioalbum. Die Platte erschien am 7. Juli 2023 auf dem Plattenlabel Partisan Records und ist das erste neue Album seit „The Hope Six Demolition Project“ aus dem Jahr 2016.

„I Inside The Old Year Dying“ erinnert von der Stimmung her etwas an das 2007er Album „White Chalk“. Die Atmosphäre auf „I Inside The Old Year Dying“ erklingt melancholisch, sentimental, um nicht sogar traurig zu sagen. Dabei gehen die Lieder allesamt sehr schnell ins Ohr, versprühen dabei jedoch niemals eine positive Stimmung, sondern eine gedrückte, mitunter sogar fast schon mit „mystisch“ zu umschreibende Stimmung. Wohl nicht mehr unbedingt erwähnenswert ist dabei er Umstand, dass alle Lieder sanft und auf ihre Art zurückhaltend erklingen. Nichts auf „I Inside The Old Year Dying“ klingt fordernd oder gar aggressiv.

PJ Harvey zeigt auf diesem Album den Hörerinnen und Hörern die ganze Breite ihres Gesangs, von kraftvoll bis überaus zerbrechlich klingend. Dazu gesellen sich noch einige männliche Stimmen, unter anderem von ihrem Mitkomponist und jahrelangen musikalischen Begleiter John Parish. Bei den letzten vier Liedern sind auch die Stimmen der britischen Schauspieler Ben Whishaw und Colin Morgan zu hören. All das lässt die Musik der PJ Harvey auf diesem Album noch abwechslungsreicher erklingen.

Es ist diese Atmosphäre, in die sich einzutauchen lohnt, auch wenn sie sich zumeist eben düster und dunkel anschleicht. Doch diese Musik trifft einen, klingt besonders und jederzeit intensiv. Keine Musik für sonnige Tage am Strand, eher was für dunkle Abende vor dem Kamin, wenn man sich mal ganz seiner selbst hingeben möchte.

Fazit: Das siebenjährige Warten auf das neue Album der Engländerin PJ Harvey hat sich gelohnt. Auf „I Inside The Old Year Dying“ hört man intensive und packende Musik, die dabei überaus sanft aus den Boxen strömt. Tolle Lieder für dunkle Abende. Lohnt sich für alle, die auch außerhalb des Mainstreams zuhören. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Autumn Term, Lwonesome Tonight



Montag, 26. Februar 2018

PJ Harvey – The Hope Six Demolition Project




PJ Harvey – The Hope Six Demolition Project


Besetzung:

PJ Harvey – vocals, guitar (2, 5, 6, 8–10), tenor saxophone (2 & 9), alto saxophone (7 & 8), violin (6), bass harmonica & autoharp (9), hand claps (10), piano & shaker (15)


Gastmusiker:

John Parish – backing vocals, guitar (1, 3, 6, 7, 10, 14, 15), percussion (2–13), keyboards (2), variophon (3–5, 7, 9, 11), accordion (6), mellotron vibes (6, 11), baritone guitar & synth bass (8), autoharp (9), hand claps (10), piano & synthesizer (12), bass (12, 15), drums (15)
Flood – backing vocals (1, 2, 4–6, 8–10, 12–14), synth bass (3), sonic maverick (9)
Mick Harvey – backing vocals (2, 5, 7, 10), percussion (2, 7, 8, 10), taurus pedals (2, 7, 9), slide guitar (3), keyboards (3, 7, 10, 11), bass (9), guitar & hand claps (10)
Jean-Marc Butty – backing vocals (2, 5, 7), percussion (7, 8, 11)
Linton Kwesi Johnson – vocals (2)
Terry Edwards – backing vocals (1, 4–6, 8, 9, 11, 13, 14), percussion (1, 4, 8, 13), baritone saxophone (1, 4), keyboards (5), guitar, flute & bass harmonica (6), saxophones (8, 9, 11), melodica (9), guitar (12)
Mike Smith – backing vocals (1, 2, 4, 7, 10, 11, 14), baritone saxophone (1, 4, 7, 10), piano (1), keyboards (2, 4, 7), saxophones (2), percussion (7), hand claps (10)
James Johnston – backing vocals (1, 3–6, 11–14), keyboards (1, 5), violin (4, 6), guitar (6, 8), organ (11, 13)
Alain Johannes – backing vocals (1–4, 7, 10, 11, 14), guitar (1, 2, 7, 10), saxophone (2), keyboards (4), percussion (4, 7), hand claps (10)
Kenrick Rowe – backing vocals (1, 4, 9, 10, 12, 14), percussion (1–4, 9, 10, 12), hand claps (10)
Enrico Gabrielli – backing vocals (1, 4, 14), percussion (1), bass clarinet (1–4), swanee whistle (4), basset clarinet (12)
Alessandro Stefana – backing vocals (1, 4, 12, 14), guitars (1–4, 12, 14)
Adam 'Cecil' Bartlett – backing vocals (1, 4, 6, 10), bass (1, 4, 10)
Ramy Essam – vocals & acoustic guitar (15)


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 2016


Stil: Alternative Rock, Indie Rock, Neo-Psychedelia, Folk Rock


Trackliste:

1. The Community Of Hope (2:23)
2. The Ministry Of Defence (4:11)
3. A Line In The Sand (3:33)
4. Chain Of Keys (3:09)
5. River Anacostia (4:56)
6. Near The Memorials To Vietnam And Lincoln (2:59)
7. The Orange Monkey (2:47)
8. Medicinals (2:19)
9. The Ministry Of Social Affairs (4:10)
10. The Wheel (5:38)
11. Dollar, Dollar (5:34)

Gesamtspieldauer: 41:42



„The Hope Six Demolition Project“ heißt das elfte Studioalbum der Musikerin und Engländerin Polly Jean Harvey. Die Platte erschien am 15. April 2016 erneut auf dem Label Island Records. PJ Harvey schrieb die Lieder für „The Hope Six Demolition Project“ gleichzeitig zum Buch „The Hollow Of The Hand“, worin sie ihre Eindrücke aus den Reisen in den Kosovo, nach Afghanistan sowie nach Washington D.C. in den Jahren von 2011 bis 2014 verarbeitete. Unterstützt wurde sie bei der Verwirklichung des Buches durch den Photographen und Filmemacher Seamus Murphy. Bei den 59sten Grammy Awards wurde „The Hope Six Demolition Project“ für das beste „Alternative Music Album“ nominiert, ihre bereits vierte Nominierung in dieser Kategorie, die sie bisher jedoch nicht gewinnen konnte. Mit den Titeln „The Community Of Hope“, „The Orange Monkey“ und „The Wheel“ wurden drei Singles aus dem Album ausgekoppelt.

Auf „The Hope Six Demolition Project“ hört man Alternative Rock, der sich deutlich von dem, anderer Künstlerinnen und Künstler unterscheidet. Immer wieder haftet der Musik der PJ Harvey ein etwas experimentelleres Flair an. Das macht sich bemerkbar in seltsamen, zunächst atonal klingenden Akkorden, die erst beim nächsten Mal des Hörens vertraut werden, sich einem erst dann erschließen. Dann geht die Musik der Engländerin auch immer besser ins Ohr und es entstehen fast schon kleine Ohrwürmer. Genau das ist allerdings auch das Besondere an der Musik der PJ Harvey, die Zeit zum Reifen erfordert, die sich weiter nur sehr schwer in Schubladen stecken lässt und schließlich immer wieder neue Wege beschreitet, Unerwartetes gebiert und dabei letztendlich trotzdem harmonisch und sehr melodiös klingt. Textlich gesehen eckte PJ Harvey mit diesem Album gerade bei US-amerikanischen Politikern ein wenig an, da sie Dinge anprangerte und Missstände aufzeigte, nach Politiker-Meinung allerdings keine Lösungsvorschläge präsentieren würde. Die Frage, die sich hier stellt ist natürlich, ob letzteres überhaupt die Aufgabe einer Musikerin beziehungsweise eines Musikers sein kann.

Vor allem in der Mitte von „The Hope Six Demolition Project“ zeigt PJ Harvey ihre Stärken im Songwriting. „Near The Memorials To Vietnam And Lincoln“, „The Orange Monkey“ sowie „Medicinals“ sind drei relativ kurze Nummern – alle unter drei Minuten Spielzeit – die keineswegs alltäglich klingen. Hier hört sich die Musik der Polly Jean Harvey durchaus etwas schräg und verschroben an, trotzdem gehen die Lieder ins Ohr und wirken dort auch nach. Allgemein klingt die Musik auf „The Hope Six Demolition Project“ durchaus gemäßigt und nicht zu experimentell und bleibt damit, trotz aller Ansätze, doch noch für die breite Masse der Hörerinnen und Hörer gut hörbar.

Fazit: „The Hope Six Demolition Project“ ist ein schönes, wenn auch kein überragendes Album geworden. Man hört darauf Musik im Stile der Polly Jean Harvey, nie ganz im Mainstream schwimmend, jedoch immer mit einer etwas besonderen Note versehen. Wenn man Spaß hat an abwechslungsreicher und nicht ganz massenkonformer Musik, dann kann man mit diesem Album einiges für sich entdecken. Neun Punkte.

Anspieltipps: Near The Memorials To Vietnam And Lincoln, The Orange Monkey, Medicinals



Freitag, 16. Februar 2018

PJ Harvey – Let England Shake




PJ Harvey – Let England Shake


Besetzung:

PJ Harvey – vocals, guitar (2, 3, 5, 7, 8, 11, 12), autoharp (1, 4, 5, 12), saxophone (1, 2, 4, 5, 8), zither (6), violin (7)


Gastmusiker:

John Parish – guitar (2–4, 6, 9, 10, 12), drums (1, 2, 5, 7–9, 12), percussion (3, 4, 6, 11), trombone (1, 2, 4, 5, 8), rhodes (1, 8, 11), mellotron (1, 7, 12), xylophone (1), backing vocals (2–6, 8, 9, 11, 12)
Mick Harvey – vocals (12), guitar (8, 9, 11), bass (4), drums (2, 4, 11), percussion (4, 6, 11), bass harmonica (1, 4, 5, 8, 9), piano (1, 6, 10), organ (2, 5, 7, 8), rhodes (3, 6), xylophone (9), backing vocals (2–6, 8–12)
Jean-Marc Butty – drums (3, 6, 8, 10, 12), backing vocals (3, 5, 6, 8)
Sammy Hurden – backing vocals (8, 12)
Greta Berlin – backing vocals (8, 12)
Lucy Roberts – backing vocals (8, 12)


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 2011


Stil: Folk Rock


Trackliste:

1. Let England Shake (3:09)
2. The Last Living Rose (2:21)
3. The Glorious Land (3:34)
4. The Words That Maketh Murder (3:45)
5. All And Everyone (5:39)
6. On Battleship Hill (4:07)
7. England (3:11)
8. In The Dark Places (2:59)
9. Bitter Branches (2:29)
10. Hanging In The Wire (2:42)
11. Written On The Forehead (3:39)
12. The Colour Of The Earth (2:33)

Gesamtspieldauer: 40:15




„Let England Shake“ nannte die englische Musikerin Polly Jean Harvey ihr zehntes Studioalbum. Wie alle ihre Platten seit dem zweiten Album „Rid of Me“, so erschien auch „Let England Shake“ auf dem Plattenlabel Island Records. Direkt nach der Veröffentlichung ihres neunten Albums „White Chalk“ begann PJ Harvey erste Texte und Musik zu „Let England Shake“ zu schreiben, welches schließlich am 14. Februar im Jahr 2011 veröffentlicht wurde. Die Aufnahmen zum Album fanden in einer Kirche nahe Dorset im April und Mai 2010 statt.

War das Album „White Chalk“ noch sehr Piano-lastig, so vollzog die Musikerin auf „Let England Shake“ eine Abkehr von dieser Art der Musik. Auf ihrem neuen Album pendelt PJ Harvey musikalisch zwischen den Genres Rock und Folk hin und her. Das lässt sich alles gut hören, geht ins Ohr und die Musik ist dabei überaus abwechslungsreich, sodass Langeweile keineswegs aufkommen mag. Der Platte wurden zahleiche Auszeichnungen von Seiten der Kritiker zugesprochen und nach dem bereits erwähnten „Rig Of Me“ aus dem Jahr 1993, ist es PJ Harveys zweites Album, welches bis in die englischen Top Ten klettern konnte. Man hört auf „Let England Shake“ keinen Einheits-Rock, sondern immer wieder auch fast schon experimentell anmutende Klänge. Viele der Lieder schaffen es sich festzusetzen, mit jedem weiteren Durchlauf der Scheibe umso mehr.

Auch wenn sich „Let England Shake“ wahrlich lohnt gehört zu werden, so besitzt es allerdings nicht den Zauber in der Musik, den noch „White Chalk“ verströmte. Die Musik unterscheidet sich natürlich auch stark. Trotzdem gibt es viele schöne Momente auf dieser Scheibe zu entdecken. Da ist zum einen das Titellied „Let England Shake“ selbst, eine Nummer, die schnell ins Ohr geht, frisch und niemals alltäglich klingt. „The Words That Maketh Murder“ klingt so schön schräg und erinnert entfernt an die Isländerin Björk. „All And Everyone“ ist ein sehr sanfter, melodiöser und sich entwickelnder Titel. Gefolgt wird das Lied durch „On Battleship Hill“ – für mich der Höhepunkt auf „Let England Shake“. Hier klingt Polly Jean Harvey so wunderschön anders, als alle ihre Musiker-Kolleginnen und -Kollegen. Sanft, verträumt, verspielt und unverwechselbar.

Fazit: Auch das zehnte Studioalbum der englischen Musikerin Polly Jean Harvey mit dem Titel „Let England Shake“ ist eine Platte geworden, die sich lohnt gehört zu werden. Eine schöne und meist melodische Mischung aus Rock und Folk gibt es auf diesem Album zu hören. Eine Mischung, die von PJ Harvey eingespielt schon sehr speziell klingt. Die Lieder gehen ins Ohr und wirken nach. Nichts klingt dabei gleich, nur wenig vergleichbar. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Let England Shake, The Words That Maketh Murder, All And Everyone, On Battleship Hill



Dienstag, 6. Februar 2018

PJ Harvey & John Parrish – A Woman A Man Walked By




PJ Harvey & John Parrish – A Woman A Man Walked By


Besetzung:

PJ Harvey – vocals
John Parish – guitars, drums, organ, ukulele, banjo


Gastmusiker:

Eric Drew Feldman – bass guitar on „Black Hearted Love“, keyboard on „April“
Carla Azar – drums on „Black Hearted Love“ and „April“
Giovanni Ferrario – guitar on „Black Hearted Love“, bass guitar on „April“


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: Alternative Rock, Experimental Rock, Art Rock


Trackliste:

1. Black Hearted Love (4:40)
2. Sixteen, Fifteen, Fourteen (3:35)
3. Leaving California (3:56)
4. The Chair (2:29)
5. April (4:40)
6. A Woman A Man Walked By / The Crow Knows Where All The Little Children Go (4:47)
7. The Soldier (3:54)
8. Pig Will Not (3:49)
9. Passionless, Pointless (4:18)
10. Cracks In The Canvas (1:54)

Gesamtspieldauer: 38:07



„A Woman A Man Walked By“ heißt das neunte Album der englischen Musikerin Polly Jean Harvey und ist gleichzeitig die zweite Scheibe, die in enger Kooperation mit dem befreundeten Musiker John Parish entstand. Veröffentlicht wurde „A Woman A Man Walked By“ am 27. März 2009 auf dem Plattenlabel Island Records. Genau wie bei der ersten Zusammenarbeit dieser Art auf „Dance Hall At Louse Point“, war John Parish wieder für das Komponieren der Musik zuständig und spielte diese fast komplett alleine ein, wohingegen PJ Harvey erneut die Texte schrieb und diese einsang.

Verglichen mit „Dance Hall At Louse Point“ aus dem Jahr 1996, ist das Album „A Woman A Man Walked By“ sehr viel eingängiger und melodiöser geartet. Zwar hört man auch auf dieser Platte einige experimentellere Töne, worauf auch bereits solch ein Liedtitel wie „A Woman A Man Walked By / The Crow Knows Where All The Little Children Go“ hinweist, doch insgesamt gehen die Lieder deutlich besser ins Ohr – wenn diese Platte auch nicht mit einem „reinen“ Solo-Album der PJ Harvey zu vergleichen ist. Die Musikerin singt auf dieser Scheibe oftmals fast schon entrückt und manchmal kindlich naiv klingend, was vielen der Lieder eine ganz geheimnisvolle Aura verleiht. Andererseits gibt es allerdings auf „A Woman A Man Walked By“ solch ein Lied wie „Pig Will Not“, eine Kakophonie mit so vielen falschen und aggressiven Tönen, dass beim Durchhören der Scheibe wieder viel von der sonst vorhandenen Stimmung zerstört wird.

Dieses Geheimnisvolle wohnt einigen Liedern wie „Leaving California“, „April“ oder „Cracks In The Canvas“ inne, um nur einige Titel zu nennen. Die einzige Singleauskopplung des Albums heißt „Black Hearted Love“ und ist dagegen eher eine rockige Nummer, gar nicht mal so stellvertretend für das gesamte Album. Auch bei diesem Lied hört man sogar einige etwas schrägere Töne, doch bleiben diese kurzen „Ausbrüche“ eher gemäßigt. Höhepunkte für mich sind das sehr seltsam und fast schon unbeholfen klingende, dabei lediglich spärlich instrumentierte „April“, sowie die letzte, äußerst sanfte Nummer „Cracks In The Canvas“.

Fazit: Erneut sehr experimentell, dabei auch nicht immer überzeugend, so klingt die zweite engere Kooperation der PJ Harvey mit John Parish auf „A Woman A Man Walked By“. Diese intensive Zusammenarbeit hatte es bereits dreizehn Jahre zuvor schon mal gegeben, auch da war das Klangerlebnis eher durchwachsen ausgefallen. Doch gibt es auf „A Woman A Man Walked By“ auch schöne und spannende Momente und zwar immer dann, wenn die Musik sanft und leise wird und PJ Harvey mit ihrer Stimme spielt, diese atmosphärisch ausreizt. Trotzdem, mehr als an manchen Stellen „ganz interessant“ ist „A Woman A Man Walked By“ leider nicht geworden. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Black Hearted Love, Leaving California, April, Cracks In The Canvas



Samstag, 27. Januar 2018

PJ Harvey – White Chalk




PJ Harvey – White Chalk


Besetzung:

PJ Harvey – vocals, piano, acoustic guitar, bass, keyboards, zither, harmonica, harp, cigfiddle


Gastmusiker:

John Parish – drums, bass guitar, acoustic guitar, banjo, percussion, backing vocals
Eric Drew Feldman – piano, keyboards, optigan, mellotron, minimoog, backing vocals
Jim White – drums, percussion
Nico Brown – concertina, backing vocals (on "Before Departure")
Andrew Dickson – backing vocals (on "Before Departure")
Bridget Pearse – backing vocals (on "Before Departure")
Martin Brunsden – backing vocals (on "Before Departure")
Nick Bicât – backing vocals (on "Before Departure")


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 2007


Stil: Chamber Rock


Trackliste:

1. The Devil (2:57)
2. Dear Darkness (3:10)
3. Grow Grow Grow (3:23)
4. When Under Ether (2:25)
5. White Chalk (3:13)
6. Broken Harp (1:58)
7. Silence (3:11)
8. To Talk To You (4:00)
9. The Piano (2:36)
10. Before Departure (3:49)
11. The Mountain (3:11)

Gesamtspieldauer: 33:57



„White Chalk“ nannte die Engländerin Polly Jean Harvey ihr achtes Studioalbum. Veröffentlicht wurde „White Chalk“ am 24. September des Jahres 2007, einmal mehr auf dem Plattenlabel Island Records. Der Name des Albums scheint irgendwie bereits darauf hinzuweisen, alles klingt anders auf dieser Scheibe, nichts ist mehr zu vergleichen mit den vorherigen Veröffentlichungen der Polly Jean Harvey. Sehr intensiven Chamber Rock präsentiert die Musikerin hier ihren Hörerinnen und Hörern. Verträumte, verspielte, nachdenkliche, melancholische, sentimentale und immer sehr Piano-lastige Musik zelebriert PJ Harvey förmlich auf „White Chalk“.

Nachdem Polly Jean Harvey ihr letztes Album noch praktisch im Alleingang eingespielt hatte, so holte sie sich für „White Chalk“ wieder Unterstützung von anderen Musikern. Die Musik wie die Texte komponierte beziehungsweise textete sie allerdings erneut völlig alleine. Die Musik auf „White Chalk“ ist eine sehr ruhige und sanfte. PJ Harvey singt höher, als noch auf den Alben zuvor, ihre Stimme klingt zerbrechlich. Fast schon hat man das Gefühl, alles Böse von ihr fernhalten zu müssen, so engelsgleich klingt ihr Gesang in Verbindung mit dieser verträumten, meist nur sehr sanft instrumentierten Musik. Diese Kombination lässt die Lieder auf „White Chalk“ auch so überaus intensiv und einnehmend werden und immer weiter und weiter wachsen. Das ebenso verträumt wirkende Cover-Photo ergänzt das Gehörte dabei perfekt.

Es gibt jede Menge Höhepunkte auf „White Chalk“. Alle elf Nummern des Albums sind sehr sanfte und ruhige Lieder, zumeist sehr melodisch und harmonisch gehalten. „Dear Darkness“, „When Under Ether“, das Titellied „White Chalk“ und „The Piano“ kann man hier nochmals besonders herausheben, doch ganz fair ist das nicht, denn auch die restlichen sieben Stücke besitzen etwas Besonderes, was sich zu hören lohnt. Ins Ohr geht dabei jeder Akkord bereits nach wenigen Durchläufen des Albums und besitzt bei der nächsten Begegnung auch den entsprechenden Wiedererkennungswert.

Fazit: Musik kann intensiv klingen und das Leben kurz verzaubern. Dabei muss sie weder laut, noch schnell, noch aufregend klingen. Im Falle von PJ Harveys „White Chalk“ sind es gerade jene verträumten, sanften und melancholischen Töne, die dieses Album zu dem machen, was es ist: Eine wunderschöne Platte, die Musik beinhaltet, die das Leben im Moment des Hörens beeinflusst. Einfach schön. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Dear Darkness, When Under Ether, White Chalk, The Piano



Mittwoch, 17. Januar 2018

PJ Harvey – Uh Huh Her




PJ Harvey – Uh Huh Her


Besetzung:

PJ Harvey – vocals, guitars, bass, piano, melodica, accordion, autoharp


Gastmusiker:

Rob Ellis – drums, percussion, backing vocals (3)
Head – backing vocals (3, 5)
Evelyn Isaac – backing vocals (7, 14)


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 2004


Stil: Alternative Rock, Punk, Folk Rock


Trackliste:

1. The Life & Death Of Mr. Badmouth (4:53)
2. Shame (2:33)
3. Who The Fuck? (2:09)
4. Pocket Knife (3:44)
5. The Letter (3:22)
6. The Slow Drug (3:25)
7. No Child Of Mine (1:08)
8. Cat On The Wall (3:03)
9. You Come Through (2:48)
10. It's You (4:13)
11. The End (1:23)
12. The Desperate Kingdom Of Love (2:44)
13. Seagulls (1:11)
14. The Darker Days Of Me & Him (4:34)

Gesamtspieldauer: 47:23




„Uh Huh Her“ heißt das siebte Studioalbum der englischen Musikerin und Sängerin Polly Jean Harvey. Die Platte wurde von ihr über einen Zeitraum von zwei Jahren geschrieben, aufgenommen und produziert – alles in Eigenregie. Auch die Instrumente wurden von ihr, mit Ausnahme des Schlagzeugs, für welches ihr wieder Rob Ellis zur Verfügung stand, selbst eingespielt. „Uh Huh Her“ erschien am 31. Mai 2004 auf dem Plattenlabel Island Records. Auch wenn die Platte mit Platz 29 in den US-amerikanischen Billboard 200 die bisher höchste Platzierung in den USA erreichte, so verkaufte es sich weltweit insgesamt doch schlechter als ihre bisherigen Alben.

Die musikalische Bandbreite auf dem Album ist eine deutlich größere, als noch auf den Vorgängeralben. Zwar hört man auch auf „Uh Huh Her“ wieder Alternative Rock, doch auch der Punk war zurückgekommen und dominiert zum Beispiel solch ein Lied, mit dem für den Punk passenden Titel, „Who The Fuck“. Doch es gibt auf dem Album noch weitere Töne in der Musik der PJ Harvey zu hören. Folk Rock erweitert nun das musikalische Spektrum der Engländerin und gerade diese Titel können auf „Uh Huh Her“ auch sehr überzeugen. Dazu gibt es sogar reine Instrumentalnummern, bei denen es sich im Falle von „Seagulls“, wie könnte es anders sein, um reines Möwengeschrei handelt. Sehr sanfte und eingängige Klänge konkurrieren auf „Uh Huh Her“ mit deutlich schrägeren Tönen, die bis ins Aggressive hineinreichen können.

Einer der Höhepunkte auf „Uh Huh Her“ ist das, aufgrund seiner Instrumentierung sehr ungewöhnliche und auch sonst fast ein wenig avantgardistisch klingende „You Come Through“. Auch jenes sehr kurze, minimalistische und folkige Instrumentalstück „The End“ kann hierzu gezählt werden. Ebenfalls „The Desperate Kingdom Of Love“. Ein Lied, welches wohl ebenso am ehesten dem Folk zugerechnet werden kann, bei dem die Musik und der Gesang der PJ Harvey äußerst zerbrechlich und weich klingen. Und schließlich wäre da noch die letzte Nummer der Platte zu erwähnen, „The Darker Days Of Me & Him“. Eine erneut eher sanfte Nummer, durchaus im Alternative Rock angesiedelt, die sich langsam steigert und bestens ins Ohr geht.

Fazit: „Uh Huh Her“ hat Poly Jean Harvey nicht nur alleine eingespielt, es ist auch das Album, welches die bisher größte musikalische Spannbreite aufweist. Alternative Rock, Punk, Folk und etwas Instrumentalmusik gibt es auf dem achten Album der Engländerin zu hören. Nicht alles davon ist unbedingt hörenswert, einiges jedoch ganz bestimmt. Zwar präsentiert sich „Uh Huh Her“ keinesfalls einheitlich, dafür wird es einem beim Hören niemals langweilig. Es gibt viel zu entdecken. Neun Punkte.

Anspieltipps: You Come Through, The End, The Desperate Kingdom Of Love, The Darker Days Of Me & Him



Sonntag, 7. Januar 2018

PJ Harvey – Stories From The City, Stories From The Sea




PJ Harvey – Stories From The City, Stories From The Sea


Besetzung:

PJ Harvey – vocals, guitar (1–3, 5–11), bass (1), keyboards (3, 4, 8, 10), piano (12), djembe (12), maracas (6), e-bow (12)


Gastmusiker:

Rob Ellis – drums (2, 3, 6–12), piano (2, 3, 7, 11, 12), tambourine (1, 8, 10), synthesizer (2), keyboards (12), bells (12), harpsichord (1), electric piano (2), vibraphone (4), background vocals (11, 12)
Mick Harvey – organ (12), bass (2–4, 6–12), drums (1, 4), percussion (3), harmonium (1), keyboards (7, 9, 10), accordion (4), background vocals (11, 12)
Thom Yorke – vocals (4, 5, 7), keyboards (4)


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 2000


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Big Exit (3:51)
2. Good Fortune (3:20)
3. (3:42)
4. One Line (3:14)
5. Beautiful Feeling (4:00)
6. The Whores Hustle And The Hustlers Whore (4:00)
7. This Mess We're In (3:57)
8. You Said Something (3:19)
9. Kamikaze (2:24)
10. This Is Love (3:48)
11. Horses In My Dreams (5:37)
12. We Float (6:07)

Gesamtspieldauer: 47:23




„Stories From The City, Stories From The Sea“ heißt das sechste Studioalbum der englischen Musikerin PJ Harvey. Es erschien am 23. Oktober im Jahr 2000 erneut, wie die Platten zuvor, auf dem Label Island Records, einer Tochter der Universal Music. Eingespielt wurde die Platte im März und April desselben Jahres und enthält zahlreiche Liebeslieder, die allesamt eine Verbindung zu ihrer „Lieblingsstadt“ New York City haben. Nach „To Bring You My Love“ aus dem Jahr 1995 wurde „Stories From The City, Stories From The Sea“ verkaufstechnisch gesehen der zweite große Erfolg der Engländerin. Das Album hielt sich siebzehn Wochen in den englischen Charts und wurde in Großbritannien und Australien mit Platin ausgezeichnet. In der Liste des Rolling Stone Magazin der 500 besten Platten aller Zeiten belegt die Platte Platz 431.

Auf „Stories From The City, Stories From The Sea“ hört man Alternative Rock, der weder sehr innovativ ist, noch sich irgendwie positiv oder negativ von anderen Alternative Rock Alben anderer Künstler unterscheidet – obwohl die Musik natürlich eindeutig von PJ Harvey stammt und nicht von einer anderen Band. Von daher mutet allerdings die Eingruppierung des Albums unter die besten 500 Platten aller Zeiten zumindest etwas fragwürdig an. Das wiederum soll keineswegs bedeuten, dass es sich bei „Stories From The City, Stories From The Sea“ um ein schlechtes Album handelt, denn das ist es keinesfalls. Auf der Scheibe hört man Alternative Rock, mal eingängiger, mal etwas weniger eingängig, dem immer ein gewisser Hauch der Nachdenklichkeit oder Trauer anzuhaften scheint. Fröhlich klingt anders. Trotzdem lässt sich alles natürlich gut anhören und macht auch Spaß – zumindest, wenn man mit rockigen und gleichzeitig melancholischen Tönen auch etwas anzufangen weiß. Ein wirklich besonderes, besonders innovatives oder außergewöhnliches Album stellt „Stories From The City, Stories From The Sea“ allerdings nicht dar.

Alles hat seine Qualität auf dem Album, auf dem es guten und zumeist eingängigen Alternative Rock zu hören gibt. Kein Titel sticht dabei großartig heraus, weder im positiven, noch im negativen Sinne. Um hier jedoch einige Höhepunkte zu nennen, sei das eingängige und rockige „Good Fortune“ erwähnt. Etwas sanfter klingt dagegen die Nummer „A Place Called Home“, wohingegen „The Whores Hustle And The Hustlers Whore“ wesentlich mehr groovt. Der Höhepunkt des Albums ist für mich allerdings das Lied „This Mess We're In“. Hier hört man Thom Yorke sehr präsent im Duett mit Paul Jean Harvey. Diese Nummer hätte auch sehr gut seinen Platz auf einem Radiohead Album gefunden. „This Mess We're In“ ist auch gar nicht mehr so „alltäglich“, wie vieles andere auf „Stories From The City, Stories From The Sea“ und nun doch das Besondere dieses Albums.

Fazit: Paul Jean Harvey lässt sich schwerlich auf nur eine musikalische Richtung festlegen, zumindest, wenn man die einzelnen Alben miteinander vergleicht. Auf „Stories From The City, Stories From The Sea“ hört man dagegen ziemlich einheitlich Alternative Rock, meistens eingängig und gar nicht mal sehr außergewöhnlich. Die Musik klingt gut, geht größtenteils ins Ohr. Ein klein wenig fehlen mir hier jedoch die Ecken und Kanten, vielleicht hat allerdings gerade dieser Umstand dazu beigetragen, dass dieses Album so erfolgreich wurde. Massentauglich ist die Musik auf „Stories From The City, Stories From The Sea“ in jedem Fall. Acht Punkte.

Anspieltipps: A Place Called Home, The Whores Hustle And The Hustlers Whore, This Mess We're In



Donnerstag, 28. Dezember 2017

PJ Harvey – Is This Desire?




PJ Harvey – Is This Desire?


Besetzung:

PJ Harvey – vocals, guitar


Gastmusiker:

Mick Harvey – bass, keyboards
John Parish – guitar, keyboards
Rob Ellis – drums, percussion
Eric Drew Feldman – piano, keyboards
Joe Gore – guitar
Jeremy Hogg – guitar
Terry Edwards – trumpet (10)
Richard Hunt – violin (11)


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1998


Stil: Alternative Rock, Electronic Rock


Trackliste:

1. Angelene (3:34)
2. The Sky Lit Up (1:52)
3. The Wind (4:01)
4. My Beautiful Leah (1:59)
5. A Perfect Day Elise (3:06)
6. Catherine (4:05)
7. Electric Light (3:04)
8. The Garden (4:12)
9. Joy (3:40)
10. The River (4:52)
11. No Girl So Sweet (2:45)
12. Is This Desire? (3:25)

Gesamtspieldauer: 40:42




„Is This Desire?“ heißt das fünfte Studioalbum der englischen Musikerin PJ Harvey und es erschien am 28. September 1998 auf dem Plattenlabel Island Records. Das Album wurde zwischen April 1997 und April 1998 in Dorset und London eingespielt. Alle Lieder komponierte erneut Polly Jean Harvey selbst, die auch die entsprechenden Texte schrieb. „Is This Desire?“ zeigt einen musikalischen Weg weg, vom stark gitarrenorientierten Rock früherer Veröffentlichungen, hin zu mehr subtileren und atmosphärischeren Tönen, die oftmals auch vom Keyboard dominiert werden.

Düstere und beklemmende Atmosphären werden auf „Is This Desire?“ geschaffen und verströmt. Polly Jean Harvey gönnt ihren Hörerinnen und Hören nur sehr wenig Harmonie und Entspannung auf dem Album, welches mit Schwermut und Intensität aufwartet. Getragen werden die Lieder entweder durch dichte Soundteppiche oder aber sie werden nur ganz dezent instrumentiert. Allen Stücken heftet dabei eine dunkle, manchmal fast schon unheimliche Stimmung an. Beispielhaft dafür steht solch ein Lied wie „Catherine“. Dumpf und düster, ohne großartige Melodiestruktur und doch ins Ohr gehend, sehr intensiv.

Weiterer Höhepunkt, neben dem bereits erwähnten „Catherine“, ist das etwas aufgelockerte „Angelene“ gleich zu Beginn des Albums. Ein Lied, welches schnell ins Ohr geht. Dann sollte an dieser Stelle auch noch die Nummer „A Perfect Day Elise“ Erwähnung finden. Eines der rockigeren Stücke des Albums, bei dem der Fuß automatisch mitwippt. Ebenfalls sehr gelungen sind die Lieder „The River“ sowie das Titellied „Is This Desire?“. „The River“ wird von einem schönen Pianolauf beherrscht und klingt wunderschön melancholisch. „Is This Desire?“ bildet schließlich den würdigen Abschluss der Platte. Ein ebenfalls dunkles, fast schon bluesiges Lied, welches die traurige Stimmung des gesamten Albums sehr schön zusammenfasst.

Fazit: Polly Jean Harvey weiß auch mit ihrem fünften Studioalbum, „Is This Desire?“ zu überzeugen. Die Musik klingt irgendwie besonders, ist intensiv, atmosphärisch dicht und dunkel gehalten. Die Gitarren spielen nicht mehr dieselbe dominante Rolle der ersten Veröffentlichungen, die Musik der PJ Harvey ist elektronischer geworden. Auch bei dieser Scheibe der Engländerin zeigt sich, dass man ihr Zeit geben sollte im Ohr zu reifen. Ein Album, welches wächst. Neun Punkte.

Anspieltipps: Angelene, A Perfect Day Elise, Catherine, The River, Is This Desire?



Freitag, 15. Dezember 2017

PJ Harvey & John Parrish – Dance Hall At Louse Point




PJ Harvey & John Parrish – Dance Hall At Louse Point


Besetzung:

PJ Harvey – vocals
John Parish – all instruments


Gastmusiker:

Mick Harvey – organ, bass, additional guitar on „Is That All There Is?“


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1996


Stil: Alternative Rock, Experimental Rock, Art Rock


Trackliste:

1. Girl (1:29)
2. Rope Bridge Crossing (5:10)
3. City Of No Sun (2:14)
4. That Was My Veil (3:01)
5. Urn With Dead Flowers In A Drained Pool (3:03)
6. Civil War Correspondent (4:23)
7. Taut (3:15)
8. Un Cercle Autour Du Soleil (5:07)
9. Heela (3:19)
10. Is That All There Is? (5:11)
11. Dance Hall At Louse Point (2:10)
12. Lost Fun Zone (1:28)

Gesamtspieldauer: 39:56




„Dance Hall At Louse Point“ ist das vierte Album der englischen Musikerin Polly Jean Harvey und gleichzeitig die erste von bisher zwei Platten, die sie in Co-Produktion mit dem Musiker John Parish veröffentlichte, der sie auf einigen weiteren Alben unterstützte. Veröffentlicht wurde „Dance Hall At Louse Point“ am 23. September 1996 auf dem Plattenlabel Island Records. John Parish schrieb auf „Dance Hall At Louse Point“ den allergrößten Teil der Musik und spielte sie auch gleichzeitig ein, währenddessen PJ Harvey die Texter schrieb und einsang. Beide Musiker kannten sich schon lange. Polly Jean Harvey hatte als Teenagerin bereits in John Parrishs Band Automatic Dlamini Saxophon und Gitarre gespielt sowie im Hintergrund gesungen, bis sie 1991 anfing eigene Lieder zu schreiben und aufzunehmen. John Parish war später Co-Produzent Gitarrist, Perkussionist und Keyboarder auf PJ Harveys 1995er Album „To Bring You My Love“ und war ebenfalls stark in die Entstehung des 1998er Albums „Is This Desire?“ eingebunden.

Die Musik auf „Dance Hall At Louse Point“ klingt sehr experimentell und unterschiedet sich deutlich von den anderen Veröffentlichungen der PJ Harvey. Richtiggehend melodiös klingt nur sehr wenig auf der Scheibe, die dafür an der ein oder anderen Stelle eher atonal und mitunter sogar extrem schrill klingt – nicht zuletzt durch den Gesang selbst. PJ Harvey sagte in späteren Interviews, dass es ihr bei diesem Album hauptsächlich darum ging, ihre Fähigkeiten im Schreiben von Texten zu verbessern – die Musik selbst hätte für sie auf der Scheibe nicht so sehr im Vordergrund gestanden. Von daher ist es auch nicht sonderlich verwunderlich, dass „Dance Hall At Louse Point“ sowohl bei Kritikern wie auch den Hörerinnen und Hörern nicht auf allzu viel Lob stieß. Auch ist es wohl jene Scheibe mit größerer Beteiligung der englischen Musikerin, die sich mit Abstand am schlechtesten verkaufte.

Es fällt wahrlich schwer auf „Dance Hall At Louse Point“ Höhepunkte auszumachen. Es ist definitiv nicht so, dass experimentelle Musik nicht auch zünden und gut sein kann. Auf diesem Album hört man allerdings lediglich wenige Lieder, die wirklich lohnend sind. Die beiden Lieder zu Beginn seien an dieser Stelle jedoch genannt. Das kurze und sehr sanfte, fast schwebende „Girl“, ein Lied ohne eigentlichen Gesang sowie „Rope Bridge Crossing“, ein etwas bluesiger Titel, der sich langsam steigert. „Civil War Correspondent“ rockt dagegen sogar etwas und besitzt auch eine Melodie, die zumindest etwas ins Ohr geht. „Heela“ klingt ebenfalls rockig, dabei sehr dunkel und etwas verschroben und weiß mit dieser Mischung ebenfalls zu überzeugen. Bliebe noch die Nummer „Is That All There Is?“ aus der Feder des Komponisten-Duos Jerry Leiber und Mike Stoller zu erwähnen, die diese für Peggy Lee im Jahr 1969 schrieben und welche PJ Harvey hier so wunderschön naiv, fast erzählend vorträgt.

Fazit: Wenig Eingängigkeit oder Melodiösität gibt es auf „Dance Hall At Louse Point“ zu hören. Dafür ist das Album angefüllt mit eher experimentellen Klängen, die auch gar nicht harmonisch klingen müssen. Leider klingen sie dabei allerdings auch nicht gerade spannend, manchmal eher nervig. PJ Harvey wollte diese Scheibe benutzen, um ihre Fähigkeiten beim Textschreiben zu verbessern. Ob ihr dies an dieser Stelle gelungen ist, kann ich nicht erkennen. Auf späteren Alben jedoch sehr wohl. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Girl, Civil War Correspondent, Heela, Is That All There Is?



Dienstag, 5. Dezember 2017

PJ Harvey – To Bring You My Love




PJ Harvey – To Bring You My Love


Besetzung:

PJ Harvey – vocals, organ, guitar (1, 4, 5, 8), piano (5, 6), vibraphone (1), marimba (9), bells (5), chimes (5), percussion (9)


Gastmusiker:

John Parish – guitar (1, 2, 6, 9, 10), organ (6), drums (4-8, 10), percussion (1-4, 6, 7, 9, 10)
Joe Gore – guitar (2-4, 6, 7), e-bow (1)
Mick Harvey – bass (6), organ (9)
Jean-Marc Butty – drums (2), percussion (9)
Joe Dilworth – drums (3)
Pete Thomas – string arrangements
Sonia Slany – violin (4, 7, 9)
Jocelyn Pook – viola (4, 7, 9)
Jules Singleton – viola (4, 7, 9)
Sian Bell – cello (4, 7, 9)


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1995


Stil: Alternative Rock, Independent Rock


Trackliste:

1. To Bring You My Love (5:33)
2. Meet Ze Monsta (3:29)
3. Working For The Man (4:49)
4. C'mon Billy (2:50)
5. Teclo (4:58)
6. Long Snake Moan (5:15)
7. Down By The Water (3:14)
8. I Think I'm A Mother (4:02)
9. Send His Love To Me (4:20)
10. The Dancer (4:05)

Gesamtspieldauer: 42:41



Sehr viel eingängiger und melodiöser, als noch die Vorgängerplatte „Rid Of Me“, klingt das dritte Studioalbum der englischen Musikerin PJ Harvey mit dem Namen „To Bring You My Love“. Veröffentlicht wurde die Scheibe am 27. Februar 1995 auf dem Plattenlabel Island Records. Nachdem PJ Harvey sich von ihren vorherigen Begleitmusikern gelöst hatte, die mit ihr die ersten beiden Platten aufgenommen hatten, scheint Polly Jean Harvey nun sehr viel mehr Wert auf die Harmonie in ihrer Musik zu legen, die deutlich besser ins Ohr geht, als auf der Vorgängerplatte. Für alle zehn Lieder des Albums „To Bring You My Love“ hat PJ Harvey die Musik wie die Texte geschrieben.

Die einzelnen Lieder decken eine weite Spannbereite der Rock Musik ab, reichen von härteren Tönen zu den sanfteren und zurück. Vieles davon geht sehr gut ins Ohr, klingt dabei spannend und auch anders, als andere Alternative Rock Veröffentlichungen anderer Bands. Der Punk-Anteil in der Musik der PJ Harvey wurde deutlich heruntergefahren, kleine experimentellere Ausflüge gibt es allerdings noch zu hören. Die Musik biedert sich dabei keineswegs an, möchte fast schon „erarbeitet“ werden. Von daher wundert und überrascht es kaum, dass „To Bring You My Love“ nicht unbedingt gleich beim ersten Mal des Hörens vollends überzeugt. Doch die Scheibe wächst mit den Durchläufen, von daher lohnt es sich, dieser Musik mehr Zeit einzuräumen.

Gerade in der Mitte des Albums befinden sich mit „C'mon Billy“, „Teclo“ und „Long Snake Moan“ einige wirklich sehr gelungene Nummern. „C'mon Billy“ ist dabei die zweite Singleauskopplung des Albums (neben „Down By The Water“ und „Send His Love To Me“). Das Video zum Lied wurde von VH-1 nicht ausgestrahlt, da es ihrer Meinung nach zu gruselig und abstoßend sei. Der Text handelt von einer Frau, die „Billy“ anbettelt nach Hause zu kommen, um seinen Sohn zu treffen. Auch der letzte Titel, „The Dancer“, geht sehr schön ins Ohr und stellt einen weiteren Höhepunkt der Platte dar.

Fazit: Zehn Alternative Rock Lieder mit einem leicht experimentellen Ansatz präsentiert PJ Harvey ihren Hörerinnen und Hörern auf „To Bring You My Love“. Die Musik geht nicht immer, jedoch häufig ins Ohr, ist dabei spannend und abwechslungsreich. Die Bandbreite der Titel reicht von softer bis rockig, Punk-Klänge gibt es so gut wie nicht mehr zu hören. PJ Harvey klingt anders, als andere. Neun Punkte.

Anspieltipps: C'mon Billy, Teclo, Long Snake Moan, The Dancer



Samstag, 25. November 2017

PJ Harvey – Rid Of Me




PJ Harvey – Rid Of Me


Besetzung:

PJ Harvey – guitar, vocals, cello, violin, organ


Gastmusiker:

Rob Ellis – drums, percussion, vocals
Steve Vaughan – bass


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1993


Stil: Alternative Rock, Independent Rock, Punk


Trackliste:

1. Rid Of Me (4:29)
2. Missed (4:25)
3. Legs (3:40)
4. Rub 'til It Bleeds (5:03)
5. Hook (3:57)
6. Man-Size Sextet (2:19)
7. Highway 61 Revisited (2:57)
8. 50ft Queenie (2:23)
9. Yuri-G (3:28)
10. Man-Size (3:16)
11. Dry (3:23)
12. Me-Jane (2:42)
13. Snake (1:36)
14. Ecstasy (4:27)

Gesamtspieldauer: 48:12




„Rid Of Me“ heißt das zweite Album der englischen Musikerin Polly Jean Harvey, besser bekannt unter ihrem Vornamenkürzel PJ Harvey. Das Album erschien am 4. Mai des Jahres 1993 auf dem Plattenlabel Island Records. Eingespielt wurde es von dem Trio mit PJ Harvey an der Gitarre, Cello, Violine und Orgel, Rob Ellis am Schlagzeug sowie Steve Vaughan am Bass. Ende des Jahres trennten sich dann die Wege der Musiker, die auch schon das Debut-Album „Dry“ ein Jahr zuvor eingespielt hatten. Mit der Nummer „Highway 61 Revisited“ befindet sich eine Cover-Version eines Bob Dylan Stückes auf dem Album, die restlichen Stücke schrieb Polly Jean Harvey selbst.

„Rid Of Me“ klingt ungeschliffen und zum Teil richtiggehend aggressiv. Immer wieder siedelt sich die Musik im Bereich des Punks an, klingt an anderer Stelle sehr schräg und verschroben, fast schon avantgardistisch. Dann gibt es allerdings auch jene Lieder und Abschnitte, die sehr viel eher dem Alternative oder Independent Rock zugerechnet werden können. Die musikalische Bandbreite ist groß auf „Rid Of Me“. Vielleicht ist das auch der Grund, warum das Rolling Stone Magazin die Platte auf Platz 406 der besten Alben aller Zeiten eingruppierte. Das wiederum scheint reichlich übertrieben, denn auch wenn auf der Scheibe beim Hören keine Langeweile aufkommt, so fehlt es zum einen an Liedern, die einen wirklich mitreißen können, andererseits erfindet Polly Jean Harvey mit „Rid Of Me“ auch die Musik nicht neu – auch nicht in Ansätzen. Diese Mischung aus Rock und Punk klingt hart und rau, jedoch keineswegs innovativ oder stilprägend.

Doch die Kritiker feierten das Album aufgrund seiner „dunklen Aggressivität“ und der Ungewöhnlichkeit der Musik. „Rid Of Me“ platzierte sich auch in den britischen Album-Charts und kletterte dort immerhin bis auf Platz 3. Das Lied „50ft Queenie“ wurde als Single ausgekoppelt und schaffte es ebenfalls, sich unter die Top 30 zu platzieren. Trotzdem fehlt mir auf dem Album das Besondere. Ins Ohr gehen will es irgendwie nicht. Ein Lied, welches sich festzusetzen versteht, gibt es ebenfalls nicht. Höhepunkte stellen für mich die drei Titel „Rid Of Me“, „Missed“ sowie „Me-Jane“ dar, die zumindest ein wenig einen Wiedererkennungswert aufweisen. Vor allen Dingen das Lied „Missed“ geht ganz gut ins Ohr, stellt allerdings leider eher eine Ausnahme dar. Die Texte haben es allerdings ziemlich ins sich. Viel dreht sich hier um das Thema Sex. Dieses wird zum Teil wahrlich mit Humor, auch mit schwarzem, aufgearbeitet. Da lohnt es sich genauer zuzuhören.

Fazit: Eine Mischung aus Rock und Punk serviert PJ Harvey auf „Rid Of Me“ ihren Hörerinnen und Hörern. Zumeist klingt das aggressiv, manchmal auch schrill, selten eingängig oder melodiös. Die musikalische Bandbreite ist allerdings trotzdem gegeben, langweilig hört sich PJ Harvey auf „Rid Of Me“ keineswegs an. Keine Musik zum Kuscheln, sehr viel eher, um sich seinen Stress und Ärger von der Seele zu schreien. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Rid Of Me, Missed, Me-Jane