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Mittwoch, 21. Dezember 2022

Balmorhea – Balmorhea

 



Balmorhea – Balmorhea


Besetzung (Ohne Instrumentenangabe):

Rob Lowe
Michael Muller




Erscheinungsjahr: 2007


Stil: Post Rock


Trackliste:

1. Attesa (3:14)
2. Baleen Morning (3:26)
3. Dream Of Thaw (5:03)
4. In The Rowans (4:14)
5. A Circumnavigation (4:15)
6. En Route (5:26)
7. If You Only Knew The Rain (5:03)
8. And I Can Hear The Soft Rustling Of My Blood (As If Snow Were Sliding Down The Mountains) (5:32)
9. We Will Rebuild With Smooth Stones (5:12)

Gesamtspieldauer: 41:31



Mit ihrem selbstbetitelten Debutalbum „Balmorhea“ haben die beiden Musiker Rob Lowe und Michael Muller aus Austin, Texas ein überaus bewegendes, sanftes und auch weitestgehend stilles Album vorgelegt. „Balmorhea“ wurde zunächst im Eigenverlag veröffentlicht und laut den spärlichen Angaben auf dem Cover „zu Hause in Austin, Texas“ aufgenommen.

Auf dem Album hört man fast schon zerbrechlich klingende Musik, zumeist nur aus der akustischen Gitarre und einem Piano bestehend, die dann mit zahlreichen Hintergrundgeräuschen aus der Umgebung leicht untermalt wurde. Das klingt alles sehr eingängig, allerdings auch melancholisch, sentimental bis traurig. Balmorhea lassen auf ihrem Erstling Musik erklingen, die man keineswegs hören sollte, wenn man depressiv veranlagt ist oder sowieso schon dem eigenen Blues frönt. Traurige Gefühle werden mit diesen sanften Melodien definitiv verstärkt werden.

Nichtsdestotrotz ist die Musik überaus eingängig. Alles klingt und wirkt und geht ins Ohr. Musik auch zum Abschalten vom Stress des Tages, zum Augenschließen und zum Durchatmen. Die Lieder sind instrumental gehalten. Und wenn, wie beim Lied „En Route“ oder „And I Can Hear The Soft Rustling Of My Blood“, dann doch mal eine menschliche Stimme erklingt, so hört man diese im Chor und sie formt keine Worte.

Fazit: Wer auf die ganz sanfte „Kost“ in der Musik steht, die dazu auch noch stimmungsvoll erklingt, die oder der ist mit Balmorhea und deren selbstbetitelten Erstlingswerk bestens bedient. Die Musik klingt, geht ins Ohr und ergreift. Das kann man sicherlich nicht allzu oft hören, da man durchaus Gefahr läuft ansonsten in eine Depression zu schlittern. Doch ab und an in schöner Melancholie zu baden kann durchaus lohnend und entspannend sein. Zehn Punkte.

Anspieltipps: If You Only Knew The Rain



Montag, 23. Mai 2022

Queens Of The Stone Age – Era Vulgaris

 



Queens Of The Stone Age – Era Vulgaris


Besetzung:

Josh Homme – lead vocals, guitar, backing vocals, lead guitar (tracks 1, 3, 7, and 8), acoustic guitar ("Battery Acid"), percussion ("Turnin' on the Screw"), bass guitar (tracks 4, 5, 6, 8, 9, 10, and 11), lap steel guitar ("Into the Hollow"), keyboard ("Into the Hollow"), electric piano (tracks 8 and 9), Rhodes piano ("Make It wit Chu"), "badly tuned" piano ("Run, Pig, Run"), organ ("River in the Road"), "percussion ball" ("Run, Pig, Run")
Troy Van Leeuwen – keyboard (tracks 1, 2, 5, and 6), guitar (tracks 1, 2, 3, 4, 7, 8, and 11), lead guitar (tracks 5, 6, and 9), "crazy delay" guitar ("River in the Road"), lap steel guitar ("3's & 7's"), backing vocals (tracks 1, 2, 6, and 7), bass (tracks 2 and 7), "the percussion part that's a bitch" ("Turnin' on the Screw"), Moog ("I'm Designer"), Rhodes piano ("Into the Hollow")
Joey Castillo – drums, percussion (tracks 1 and 7), "percussion ball" ("Run, Pig, Run")


Gastmusiker:

Alain Johannes – bass guitar (tracks 1 and 3), acoustic guitar ("Run, Pig, Run"), counterpoint guitar ("Misfit Love"), harmonic guitar ("Make It Wit Chu"), counterpoint fiddle ("Misfit Love"), "cig" fiddle ("Run, Pig, Run"), marxaphone ("Run, Pig, Run"), backing vocals ("Run, Pig, Run")
Chris Goss – keyboard ("Into The Hollow"), "the chicken pluckin' guitar" ("Turnin’ On The Screw"), "twinkley bits" ("Sick, Sick, Sick"), organ ("Misfit Love"), electric piano ("Suture Up Your Future"), "eclectic piano" ("Battery Acid"), bass ("River In The Road"), backing vocals (tracks 7 and 11)
Julian Casablancas – synth guitar and vocals ("Sick, Sick, Sick")
Serrina Sims – backing vocals ("Make It Wit Chu")
Brody Dalle-Homme – backing vocals ("Make It Wit Chu")
Liam Lynch – backing vocals ("Make It Wit Chu")
Mark Lanegan – harmony vocals ("River InT Road")




Erscheinungsjahr: 2007


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Turnin‘ On The Screw (5:20)
2. Sick, Sick, Sick (3:34)
3. I‘m Designer (4:04)
4. Into The Hollow (3:42)
5. Misfit Love (5:39)
6. Battery Acid (4:06)
7. Make It Wit Chu (4:50)
8. 3‘s & 7‘s (3:34)
9. Suture Up Your Future (4:37)
10. River In The Road (3:19)
11. Run, Pig, Run (4:40)

Bonus Track:

12. The Fun Machine Took A Shit & Died (6:55)

Gesamtspieldauer: 54:25



„Era Vulgaris“ heißt das fünfte Studioalbum der US-amerikanischen Rockband Queens Of The Stone Age. Es wurde im Juni 2007 auf dem Plattenlabel Interscope Records veröffentlicht. Die Lieder „Sick, Sick, Sick“, „3‘s & 7’s“ sowie „Make It Wit Chu“ wurden als Singles ausgekoppelt. In Deutschland kletterte das Album bis auf Platz 5 der Charts.

Auf „Era Vulgaris“ hört man Independent Rock, der durchaus auch mal schräg klingen kann. Nicht alles auf diesem Album ist eingängig oder melodiös. Doch genau das macht die Platte auch spannend, denn die Lieder nehmen immer wieder überraschende Wendungen. Gerockt wird ordentlich und zum Teil auch relativ kompromisslos. Und dann gibt es eben auch wieder Passagen, die sich sofort im Ohr festsetzen und gerade zu so wirken, als ob man sie bereits eine Ewigkeit kennen würde.

„Era Vulgaris“ ist nicht die beste Platte der Queens Of The Stone Age, dafür eine grundsolide. Darauf befindet sich keine Musik zum „Nebenbeihören“, denn die einzelnen Stücke verlangen durchaus eine gewisse Aufmerksamkeit, um sie richtig und ganz zu erfassen. Höhepunkt für mich ist das Lied „River In The Road“. Dies ist übrigens auch die einzige Nummer, bei der man Mark Lanegan beim Gesang hört.

Fazit: „Era Vulgaris“ ist ein grundsolides, aber sicherlich kein außergewöhnliches Album geworden. Wer auf Alternative Rock steht, der nicht immer sofort ins Ohr geht und etwas erarbeitet werden muss, die oder der dürfte hier etwas für sich finden. Neun Punkte.

Anspieltipps: River In The Road



Mittwoch, 15. September 2021

Asia – Fantasia - Live in Tokyo

 



Asia – Fantasia - Live in Tokyo


Besetzung:

John Wetton – lead vocals, bass, acoustic guitar
Steve Howe – guitars, backing vocals
Geoff Downes – keyboards, backing vocals
Carl Palmer – drums




Erscheinungsjahr: 2007


Stil: Rock, Mainstream, Progressive Rock


Trackliste:

CD1:

1. Time Again (5:14)
2. Wildest Dreams (5:36)
3. One Step Closer (4:20)
4. Roundabout (8:41)
5. Without You (5:44)
6. Cutting It Fine (6:24)
7. Intersection Blues (3:39)
8. Fanfare For The Common Man (7:34)
9. The Smile Has Left Your Eyes (3:40)

CD2:

1. Don't Cry (4:29)
2. Court Of The Crimson King (5:01)
3. Here Comes The Feeling (5:39)
4. Video Killed The Radio Star (4:39)
5. The Heat Goes On (9:14)
6. Only Time Will Tell (5:00)
7. Sole Survivor (6:52)
8. Ride Easy (5:27)
9. Heat Of The Moment (8:26)

Gesamtspieldauer CD1 (50:56) und CD2 (54:51): 1:45:47



Im Jahr 2006 kam es zur Wiedervereinigung der ursprünglichen Besetzung von Asia. Vier Musiker, die man vor allen von ihren Beteilungen an verschiedenen Progressive Rock Bands der 70er Jahre her kennt. King Crimson, Yes und Emerson, Lake und Palmer irgendwie wiedervereint. Nun, Geoff Downes bringt neben seiner Yes-Erfahrung immerhin auch noch die Buggles mit in das Band-Repertoire mit ein. Und so verwundert es dann auch nicht, dass man auf diesem Doppelalbum, welches am 21. Juni 2007 ursprünglich auf dem Plattenlabel Eagles Records veröffentlicht worden war, neben den Asia-Klassikern auch Beiträge von King Crimson, Emerson, Lake & Palmer, Yes und eben jenen Buggles zu hören bekommt.

In Japan waren Asia noch ein wenig größer und bekannter, als in den westlichen Ländern und so ist es folgerichtig ein Live-Konzert aus Tokio, welches das erste neue Lebenszeichen der Band darstellt. Das, was man hier zu hören bekommt ist kurzweilige Rockmusik. Eingängige Rockmusik. Kaum noch Progressive Rock, aber eben sehr melodiöser Rock, der sich gut anhören lässt. Die vier Musiker haben dazu auch viele der Lieder leicht umarrangiert, sodass man kleine Variationen bereits bekannter Titel zu hören bekommt.

Ich finde alle Kompositionen wirken im Original packender. Trotzdem kann ich hier auch gut zuhören und immerhin war diese Veröffentlichung der Auftakt zu drei neuen Studioalben in der Ur-Besetzung und zu vier neuen Studioalben insgesamt, denn bei der letzten Platte „Gravitas“ im Jahr 2014 war Steve Howe bereits wieder ausgeschieden.

Fazit: Für Asia-Fans sicherlich eine feine Sache, die Lieder der Band und auch Stücke der ursprünglichen Bands der Musiker hier live und leicht umarrangiert zu hören. Peinlich klingt es nicht, was die vier Musiker da zu ihrer Wiedervereinigung veröffentlicht haben. Mitreißend sind die Lieder in diesen Versionen allerdings auch nicht – selbst wenn Steve Howe und Carl Palmer hier mit neuen Soli zu hören sind. Neun Punkte.

Anspieltipps: Roundabout, Court Of The Crimson King, Heat Of The Moment



Montag, 15. Februar 2021

Rush – Snakes & Arrows




Rush – Snakes & Arrows


Besetzung:

Neil Peart – drums, cymbals, electronic percussion, tambourine
Geddy Lee – bass guitar, bass pedals, Mellotron, vocals
Alex Lifeson – 6- and 12-string acoustic and electronic guitars, mandola, mandolin, bouzouki


Gastmusiker:

Ben Mink – strings on "Faithless"


Label: Atlantic Records


Erscheinungsjahr: 2007


Stil: Rock


Trackliste:

1. Far Cry (5:19)
2. Armor And Sword (6:35)
3. Workin‘ Them Angels (4:46)
4. The Larger Bowl (A Pantoum) (4:08)
5. Spindrift (5:21)
6. The Main Monkey Business (6:01)
7. The Way The Wind Blows (6:28)
8. Hope (2:02)
9. Faithless (5:31)
10. Bravest Face (5:10)
11. Good News First (4:52)
12. Malignant Narcissism (2:17)
13. We Hold On (4:12)

Gesamtspieldauer: 1:02:48



„Snakes & Arrows“ nannte die kanadische Band Rush ihr achtzehntes Studioalbum. Es wurde am 1. Mai 2007 auf dem Plattenlabel Anthem Records sowie bei Atlantic Records veröffentlicht. „Snakes & Arrows“ stellt durchaus etwas Besonderes in der Diskographie der Kanadier dar, da es drei Instrumentalstücke enthält – die meisten auf einem Rush-Album. Mit den Liedern „Far Cry“, „Spindrift“ sowie „The Larger Bowl“ wurden insgesamt drei Singles aus dem Album ausgekoppelt. Das Album selbst erreichte in Kanada wie in den USA Platz 3 der Charts.

„Snakes & Arrows“ ist auch dahingehend ein besonderes Album geworden, da es zum einen sehr abwechslungsreich gehalten ist. Da wird gerockt, doch auch die ruhigeren und sanfteren Passagen in der Musik von Rush gibt es hier zu hören. Zum anderen kehrt die Band mit dem Album wieder zum musikalischen Genre des Progressive Rocks zurück – zumindest teilweise. Sehr abwechslungsreich gestaltete Lieder, welche einige Wendungen erfahren, Rhythmus- und Tempo-Wechsel und schließlich auch wieder sehr schöne Melodien, die sofort ins Ohr treffen – und letzteres sogar über praktisch alle Lieder des Albums hinweg. Der Gesang des Geddy Lee ist auf „Snakes & Arrows“ ebenfalls wieder deutlich besser geraten, als auf den letzten Veröffentlichungen.

Da macht das Hinhören Spaß und der auf „Snakes & Arrows“ zu hörende Rock ist keineswegs zu hart und wird auch immer wieder durch deutlich „weichere“ Passagen aufgelockert, sodass auch Freundinnen und Freunden, die dem Hard Rock nicht so zugetan sind, viel Spaß mit diesem Album haben dürften. Die Höhepunkte der Platte sind für mich alle drei Instrumentalstücke „The Main Monkey Business“, „Hope“ und „Malignant Narcissism“ (Wahnsinn, wie Geddy Lee bei „Malignant Narcissism“ seinen Bass bearbeitet) sowie die wunderschöne und abwechslungsreiche Nummer „The Way The Wind Blows“. Zunächst denkt man an einen Marsch, dann rockt das Lied los, kraftvoll und schnörkellos, bis schließlich auflockernde und ruhige Abschnitte alles entzerren. Sehr gelungen.

Fazit: Endlich mal wieder ein Album von Rush, welches überzeugt. Schöne Melodien gibt es auf „Snakes & Arrows“ zu hören, dazu sehr abwechslungsreiche Musik, die auch wieder in das Genre des Progressive Rocks eintaucht. Für Rush-Fans sicher eine tolle Platte, für viele andere Hörerinnen und Hörer dürfte sie es allerdings auch sein. Elf Punkte.

Anspieltipps: The Way The Wind Blows, Malignant Narcissism



Donnerstag, 11. Juni 2020

Ritual – The Hemulic Voluntary Band




Ritual – The Hemulic Voluntary Band


Besetzung:

Jon Gamble – clavinet, harmonium, grand piano, rhodes, backing vocals
Frederik Lindquist – bass, irish bouzouki, hammer dulcimer, recorders & whistles, backing vocals
Patrik Lundström – lead & backing vocals, electric & acoustic guitars
Johan Nordgren – drums & percussion, nyckelharpa (keyed fiddle), backing vocals


Gastmusiker:

Lovisa Hallstedt – plays violin on “A Dangerous Journey”


Label: InsideOut Music


Erscheinungsjahr: 2007


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. The Hemulic Voluntary Band (4:55)
2. In The Wild (5:56)
3. Late In November (4:57)
4. The Groke (6:05)
5. Waiting By The Bridge (4:39)
6. A Dangerous Journey (26:32)

Gesamtspieldauer: 53:04




Bei manchen Bands tut es mir einfach furchtbar leid, dass sie nicht bekannter sind. Tolle Musik, die kaum jemand hört. Eine dieser Bands ist die schwedische Formation Ritual. Von 1995 bis zum Jahr 2007 erschienen insgesamt vier Studioalben, eine Live Platte und eine EP. Am 31. August 2007 wurde das bisher letzte Album der Skandinavier auf dem Label InsideOut Music veröffentlicht. „The Hemulic Voluntary Band“ heißt es und ist angefüllt mit Progressive Rock, dem eine Prise Folk beigemischt wurde. Auf der Homepage der Schweden kann man übrigens immer noch nachlesen, dass sie weiter an einem neuen Album arbeiten. Man darf also gespannt sein.

Ich höre diese Musik und werde unweigerlich an Gentle Giant erinnert. Diese leicht schrägen Akkorde, dazu mehrstimmiger Gesang und auch wunderschöne Melodien, vorangetrieben durch ein nach vorne preschendes Schlagzeug, das erinnert unweigerlich an die englischen Kollegen, die ihre Musik hauptsächlich in den 70er Jahren einspielten. „The Hemulic Voluntary Band“ unterhält vom ersten bis zum letzten Akkord und selbstverständlich ist es eines jener Alben – wie immer im Bereich des Progressive Rocks – welches mit jedem Durchgang noch weiter wächst, wertvoller wird, da man sich diese Musik immer mehr erschließt.

In den Liedern kann man schwelgen, denn sie packen und rühren. Doch es ist eben kein Mainstream Rock. Deswegen wird in solch ein Album sicher oftmals nur kurz reingehört, es zündet nicht sofort und schon ist es wieder vergessen. Allerdings würden solch Lieder wie „Late In November“ oder „The Groke“ bei intensiverem Hören bestimmt deutlich mehr Fans finden und eben etwas später „zünden“. Und dass man bei einem Lied wie „A Dangerous Journey“ nicht einfach mal „kurz“ reinhören kann, scheint bei einer Laufzeit von über 26 Minuten fast schon selbstverständlich logisch. Das Lied ist wie eine musikalische Reise durch viele verschiedene Atmosphären und Stimmungen. Intensiv und unglaublich abwechslungsreich. Dazu gibt es viele wunderschöne Melodien zu entdecken. Musik kann so unglaublich bereichernd sein.

Fazit: Wer Progressive Rock liebt, wer Gentle Giant mag, die oder der wird sehr wahrscheinlich auch Ritual und ihr „The Hemulic Voluntary Band“ mögen. Dabei kopieren die Schweden die Engländer nicht. Sie erinnern an Gentle Giant und versetzen diese Musik in das 21. Jahrhundert, angereichert um einige Folk-Einflüsse. Auf „The Hemulic Voluntary Band“ hört man abwechslungsreiche, melodische und zum Teil auch schräge Musik. Ein toller Mix. Sehr beeindruckend. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Late In November, The Groke, A Dangerous Journey



Freitag, 31. Januar 2020

Big Big Train – The Difference Machine




Big Big Train – The Difference Machine


Besetzung:

Sean Filkins – lead vocals
Gregory Spawton – guitars, backing vocals, keyboards
Andy Poole – bass, keyboards
Steve Hughes – drums, percussion


Gastmusiker:

Becca King – viola
Tony Wright – alto and tenor saxophone, flute
Nick D'Virgilio – drums, backing vocals
Dave Meros – bass
Pete Trewavas – bass


Label: English Electric Recordings


Erscheinungsjahr: 2007


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Hope This Finds You (3:11)
2. Perfect Cosmic Storm (14:44)
3. Breathing Space (1:43)
4. Pick Up If You’re There (13:38)
5. From The Wide Open Sea (1:11)
6. Hope You Made It (3:46)
7. Salt Water Falling On Uneven Ground (12:36)
8. Summer‘s Lease (7:29)

Gesamtspieldauer: 58:21




„The Difference Machine“ nannte die englische Progressive Rock Band Big Big Train ihr fünftes Studioalbum. Es wurde am 30. August 2007 auf dem bandeigenen Plattenlabel English Electric Recordings veröffentlicht. Einmal mehr komponierte Gitarrist Gregory Spawton alle Stücke der Platte. Unterstützt wurde er bei vier Liedern von Bassist Andy Poole und Sänger Sean Filkins.

Big Big Train klingen auf „The Difference Machine“ bereits so, wie sie auch später noch klingen werden. Man hört auf dem Album sehr melodischen und eingängigen Progressive Rock, der nicht zu vertrackt ist und so zumeist schnell ins Ohr geht. Ihre musikalischen Vorbilder, jene britischen Progressive Rock Bands der 70er Jahre wie Genesis oder Van der Graaf Generator, können die Musiker von Big Big Train dabei kaum leugnen. Immer wieder gibt musikalische Andeutungen zu hören, die die Musik anderer Bands zwar nicht kopieren, jedoch zumindest daran angelehnt sind.

Die kurzen Stücke auf „The Difference Machine“ sind meist eher Klangkollagen denn Lieder. Bei den längeren Tracks gehen Big Big Train dann in die Vollen und zeigen, dass ihre Version des Progressive Rock ebenfalls zu überzeugen weiß. Die Höhepunkte der Platte sind dabei die letzten beiden Stücke, „Salt Water Falling On Uneven Ground“ und „Summer‘s Lease“. Hier hört man jetzt sehr abwechslungsreichen und melodischen Progressive Rock, reich an Wandlungen, garniert mit Violine, Saxophon und Flöte sowie mit mehrstimmigem Gesang. Das überzeugt sehr.

Fazit: Big Big Train hatten ihren Stil mit „The Difference Machine“ endgültig gefunden. Harmonischen und melodiösen Progressive Rock hört man auf dem Album, der ins Ohr geht und nicht selten eine kleine musikalische Reise darstellt, die voller Kurven und Wendungen verläuft. Immer dann macht die Musik von Big Big Train auch am meisten Spaß und es ist gar nicht so schlimm, dass man das alles so oder so ähnlich schon mal gehört hat – Jahrzehnte zuvor. Elf Punkte.

Anspieltipps: Salt Water Falling On Uneven Ground, Summer‘s Lease



Freitag, 16. August 2019

Kula Shaker – Strangefolk




Kula Shaker – Strangefolk


Besetzung:

Alonza Bevan – bass, vocals, acoustic guitar
Paul Winter Hart – drums
Crispian Mills – lead vocals, guitar, harmonica
Harry Broadbent – piano, hammond organ, vocals


Gastmusiker:

Ben Castle – sax (“Song Of Love / Narayana”)
Nichol Thompson – trombone (“Song Of Love / Narayana”)
Dominic Glover – trumpet (“Song Of Love / Narayana”)
Anthony Bevan – violins (“Shadowlands”)
Bethany Porter – cello (“Persephone”)
Kate Robey – cello (“Persephone”)
Emma Hooper – viola (“Persephone”)
Johnny Kalsi – dhol drum (“Song Of Love / Narayana”)
Indira Dasi, Gwyn, Larli, Geary, Lalit, Krishna, Sudevi & Kishori, Dodge, Shep, Harry and Fleas – backing vocals


Label: Strange F.O.L.K.


Erscheinungsjahr: 2007


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Out On The Highway (3:53)
2. Second Sight (3:44)
3. Die For Love (3:26)
4. Great Dictator (Of The Free World) (3:14)
5. Strangefolk (1:27)
6. Song Of Love / Narayana (5:31)
7. Shadowlands (4:10)
8. Fool That I Am (3:55)
9. Hurricane Season (6:03)
10. Ol’ Jack Tar (3:37)
11. 6ft Down Blues (3:55)
12. Dr. Kitt (4:38)

Bonus Track:

13. Persephone (4:40)

Gesamtspieldauer: 52:19




„Strangefolk“ heißt das dritte Studioalbum der englischen Band Kula Shaker und gleichzeitig das erste Album nach der Auflösung im Jahr 1999. „Strangefolk“ erschien am 27. Juni 2007 auf dem Plattenlabel von Kula Shaker, welches sie nach dem Albumnamen selbst mit „Strange F.O.L.K.“ betitelten. Besonders gut gerieten die Kritiken zum Album auf den einschlägigen Kanälen oder in den entsprechenden Musikzeitschriften nicht. Kula Shaker waren mit „Strangefolk“ auch in eher unspektakulären Gefilden des Alternative Rock angekommen.

Dabei ist „Strangefolk“ keineswegs ein schlechtes Album geworden. Man hört darauf zwar keinen außergewöhnlichen Alternative Rock oder gar Psychedelic Rock mehr, doch immerhin Musik, die ins Ohr geht und bestens unterhält. Der indische Einfluss in der Musik der Briten ist stark zurückgefahren worden, die Musik von Kula Shaker klingt „normaler“, alltäglicher und auch ein wenig massentauglicher. Die Lieder bewegen sich größtenteils im Mid-Tempo, beinhalten allerdings auch Ausflüge in härtere und sanftere Bereiche des Rocks. Viele der Lieder erschließen sich einem gleich beim ersten Mal des Hörens – richtige Ausfälle gibt es auf der Platte ebenfalls nicht zu beklagen, sodass Freundinnen und Freunde des Alternative Rocks beim Hören von „Strangefolk“ sicherlich auf ihre Kosten kommen werden.

Besonders gelungen klingt das mitreißende „Hurricane Season“. Ein Lied voller Melodiösität, welches sich langsam in seiner Intensität steigert, wieder etwas ruhiger zu werden scheint, um sich schließlich doch wieder zu steigern. Ein stetiges Hin und Her an Tempo und Atmosphäre beinhaltet dieses Lied, versehen mit einem tollen Groove. „Dr. Kitt“ beginnt dagegen wie eine kleine Kammer-Nummer mit Harfen- und Flötenklängen. Die gängigeren Rock-Instrumente setzen ein und ergänzen sich mit der ursprünglichen Instrumentierung. Auch dieses Mal ist es wieder die Melodie, in die sich einzutauchen lohnt und die einen packt. Schließlich sei an dieser Stelle auch noch das letzte Lied des Albums erwähnt, was eigentlich lediglich eine Zugabe, einen Bonus Track darstellt. Doch „Persephone“ geht schnell ins Ohr, lebt ebenfalls von seiner Instrumentierung, bei der zwei Celli im Mittelpunkt stehen. Sanft und eingängig rundet dieses Lied das Album sehr schön ab.

Fazit: Sicherlich ist „Strangefolk“ nicht das spannendste oder innovativste Album der englischen Band Kula Shaker geworden. Doch genauso sicherlich ist diese Scheibe wahrlich keine schlechte Platte geworden. Auf „Strangefolk“ hört man Alternative Rock, der ins Ohr geht und unterhält. Weniger spektakulär vielleicht als die anderen Kula Shaker Platten, weniger indische Einflüsse in der Musik sind hier zu hören, weniger Experimente flossen allgemein in diese Platte mit ein. Nichtsdestotrotz ist „Strangefolk“ sehr hörenswert. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Hurricane Season, Dr. Kitt, Persephone



Montag, 12. November 2018

Riverside – Rapid Eye Movement




Riverside – Rapid Eye Movement


Besetzung:

Mariusz Duda – vocals, bass, acoustic guitar
Piotr Grudzinski – guitars
Piotr Kozieradzki – drums
Michał Łapaj – keyboards


Gastmusiker:

Artur Szolc – percussion on “Schizophrenic Prayer”


Label: InsideOut Music


Erscheinungsdatum: 2007


Stil: Progressive Rock, Art Rock, Progressive Metal


Trackliste:

Part One: Fearless
     1. Beyond The Eyelids (7:56)
     2. Rainbow Box (3:36)
     3. 02 Panic Room (5:29)
     4. Schizophrenic Prayer (4:20)
     5. Parasomnia (8:10)
Part Two: Fearland
     6. Through The Other Side (4:05)
     7. Embryonic (4:10)
     8. Cybernetic Pillow (4:45)
     9. Ultimate Trip (13:13)

Gesamtspieldauer: 55:48




„Rapid Eye Movement“ heißt das dritte Studioalbum der polnischen Progressive Rock Band Riverside. Gleichzeitig ist die Platte auch der dritte und letzte Teil der Reality Dream Trilogie, die mit dem ersten Album „Out Of Myself“ begonnen und mit dem Album „Second Life Syndrom“ fortgesetzt wurde. „Rapid Eye Movement“ wurde am 24. September auf dem Plattenlabel Mystic Production in Polen veröffentlicht und erschien vier Tage später europaweit auf dem Label InsideOut Music. Das Album wurde von der britischen Musikzeitschrift „Classic Rock“ als eines der zehn wichtigsten Progressive-Rock-Alben des Jahrzehnts bezeichnet.

Wer auf die etwas härtere Ausführung des Progressive Rock steht, die oder der wird mit dem Album „Rapid Eye Movement“ jede Menge Spaß haben. Zumindest, wenn man sich die „Mühe“ macht und sich der Ausdauer hingibt, die Platte öfters als ein oder zwei Mal durchzuhören und sich dann erst sein Urteil bildet. Im Falle von „Rapid Eye Movement“ dürfen es durchaus ein paar Durchläufe mehr sein, damit sich die Musik einem vollends erschließt, die Melodiebögen zu guten Bekannten werden, die man gerne wiedertrifft, die härteren Abschnitte noch besser rocken und die progressiveren Passagen noch besser und überzeugender klingen. Viele der Lieder gehen erst später ins Ohr und wirken dann erst richtig spannend. Schließlich hört man mit „Rapid Eye Movement“ eine Platte, angefüllt mit sehr melodischem Rock, durchaus an vielen Stellen bis zum Genre des Hard Rock beziehungsweise Metal reichend, ohne dabei jedoch den Atem der Eingängigkeit zu verlieren. Dabei ist die Musik überaus abwechslungsreich und an keiner Stelle vorhersehbar.

Es gibt keinerlei Ausfälle auf diesem Album, alles wirkt und klingt überzeugend. Meine persönlichen Favoriten auf „Rapid Eye Movement“ lauten „Schizophrenic Prayer“, „Through The Other Side“ und schließlich „Ultimate Trip“. Diese drei Nummern ragen noch etwas heraus. „Schizophrenic Prayer“ ist ein eher ruhiges Lied, versehen mit einer Melodie, die sofort ins Ohr geht und dabei so wunderschön verwunschen bis mystisch klingt. Dazu gesellt sich gegen Ende des Stücks eine Perkussion, die aus gehauchten „Hah‘s“ besteht und dieses Lied durchaus besonders und außergewöhnlich klingen lässt. „Through The Other Side“ ist das ruhigste Lied auf „Rapid Eye Movement“ und ebenfalls mit einer wunderschönen Melodie ausgestattet. „Ultimate Trip“ schließlich, das längste Stück des Albums, ist auch gleichzeitig das abwechslungsreichste Lied auf „Rapid Eye Movement“. Hier bewegen sich Riverside am ehesten im Bereich des Progressive Rock, verschiedene Lied-Passagen gehen ineinander über, werden erneut aufgegriffen und spielen mit den Atmosphären, mit laut und leise, schnell und langsam.

Fazit: Ein sehr abwechslungsreiches Album der polnischen Band Riverside mit ihrer dritten Veröffentlichung „Rapid Eye Movement“ gelungen. Man hört hier Progressive Rock, der im 21. Jahrhundert angekommen ist. Die Lieder gehen ins Ohr und hallen nach. Um das Gehörte vollends einordnen zu können sind zwar mehrere Durchläufe ratsam, damit sich einem diese Musik restlos erschließt, dann jedoch hallt sie beständig nach. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Schizophrenic Prayer, Through The Other Side, Ultimate Trip



Samstag, 27. Oktober 2018

Crippled Black Phoenix – A Love Of Shared Disasters




Crippled Black Phoenix – A Love Of Shared Disasters


Besetzung:

Justin Greaves – electric guitar, drums, battery, saw
Joe Volk – acoustic guitar, voice
Kostas Panagiotou – accordion, piano, keyboard, hammond organ, glockenspiel, harmonium
Dominic Aitchison – bass guitar
Nial McGaughey – guitar, backing drones
Andy Semmens – voices, backing moans


Gastmusiker:

Mark Ophidian – electronics, effects
Dave Greaves – dobro, picking acoustic guitar, fucking awesome lead
Charlotte Nicholls – cello
Max Milton – violin, viola, trumpet
The CBP Brutes Choir – backing words
Stu Matthews – hand pumping


Label: Kscope (Invada)


Erscheinungsdatum: 2007


Stil: Post Rock


Trackliste:

1. The Lament Of The Nithered Mercenary (2:36)
2. Really, How‘d It Get This Way? (4:49)
3. The Whistler (9:45)
4. Suppose I Told The Truth (5:03)
5. When You‘re Gone (5:35)
6. Long Cold Summer (10:34)
7. Goodnight, Europe (6:08)
8. You Take The Devil Out Of Me (4:23)
9. The Northern Cobbler (7:32)
10. My Enemies I Fear Not But, Protect Me From My Friends (6:34)
11. I‘m Almost Home (5:32)
12. Sharks & Storms / Blizzard Of Horned Cats (8:19)

Gesamtspieldauer: 1:16:56



„A Love Of Shared Disasters“ heißt das erste Album der englischen Band Crippled Black Phoenix um den, unter anderem Ex-Schlagzeuger der Doom Metal Band Electric Wizard, Justin Greaves. Diese hatte er ein Jahr zuvor verlassen und mit Crippled Black Phoenix eher eine Art Projekt, denn eine „richtige“ Band gegründet, wie die zahlrechen Umbesetzungen im Laufe der Jahre vermuten lassen. Das Debut „A Love Of Shared Disasters“ erschien ursprünglich auf dem Plattenlabel Invada Records und wurde im März 2018 auf dem Label Kscope wiederveröffentlicht.

Viel dunkler als auf „A Love Of Shared Disasters“ kann Musik kaum klingen, womit die einzelnen Lieder den Album-Titel durchaus treffend widerspiegeln. Die „Liebe an geteilten Katastrophen“ kommt in jedem der zwölf Titel zum Tragen. Auf der Platte hört man keine melancholische beziehungsweise sentimentale Musik mehr, sondern tiefschwarze, oftmals traurige und atmosphärisch immer sehr dichte Lieder. Einige der Titel erklingen in Form von sphärischer Musik, ohne Gesang, wobei manches Mal Sprach- und Geräuschfetzen die stimmungsvolle Düsternis zu durchbrechen versuchen. Nein, heiter wirkt wirklich nichts auf „A Love Of Shared Disasters“, egal ob die Lieder eher instrumental eingespielt wurden oder ob Joe Volk leidend, zum Teil bis ins Marode reichende Texte interpretiert.

Man kann in diese Musik wunderbar eintauchen, ein gewisser Hang zu Weltuntergangsszenarien ist dabei sicherlich nicht hinderlich. Bei aller Tristesse ertönen die Lieder allerdings auch wunderbar melodiös und eingängig. Gerade solch Nummern wie „Suppose I Told The Truth“, „When You‘re Gone“ oder der letzte Titel „Sharks & Storms / Blizzard Of Horned Cats“ besitzen durchaus die Eigenschaft, sich im Gehörgang festzusetzen. Dies sind auch jene Lieder, die vom Aufbau her eher dem „typischen“ Rock-Lied entsprechen. Und genau diese Mischung aus etwas konventionelleren Stücken und sphärischen Nummern wie „The Whistler“ oder „Long Cold Summer“, lässt das Album abwechslungsreicher und auch spannender werden.

Fazit: Schwermut und Düsternis stehen im Zentrum von „A Love Of Shared Disasters“, dem ersten Werk von Crippled Black Phoenix. Somit wurde mit dem Debut gleich der Grundstein für die weiteren Alben der Band gelegt. Manch einer oder einem mag das zu düster oder gar atmosphärisch langweilig klingen, andere wiederum werden das Album einlegen und sich freuen, dass bald November ist. Stimmungsvoll und dicht erklingt es auf jeden Fall auf „A Love Of Shared Disasters“. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Suppose I Told The Truth, When You‘re Gone, Sharks & Storms / Blizzard Of Horned Cats



Sonntag, 14. Oktober 2018

The Flower Kings – The Sum Of No Evil




The Flower Kings – The Sum Of No Evil


Besetzung:

Roine Stolt – vocals, guitars, additional keyboards
Tomas Bodin – piano, organ, synthesizers, mellotron
Hasse Fröberg – vocals, guitars
Jonas Reingold – bass guitar
Zoltan Csörsz – drums


Gastmusiker:

Hasse Bruniusson – marimba, glockenspiel, percussion
Ulf Wallander – soprano saxophone


Label: InsideOut Music


Erscheinungsdatum: 2007


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. One More Time (13:05)
2. Love Is The Only Answer (24:28)
3. Trading My Soul (6:25)
4. The Sum Of No Reason (13:25)
5. Flight 999 Brimstone Air (5:00)
6. Life In Motion (12:34)

Gesamtspieldauer: 1:14:59




„The Sum Of No Evil” heißt das inzwischen bereits zehnte Studioalbum der schwedischen Progressive Rockband The Flower Kings. Das Album erschien am 25. September des Jahres 2007 auf dem Plattenlabel InsideOut Music und stellt gleichzeitig das Comeback des Zoltan Csörsz am Schlagzeug dar.

Ansonsten klingt alles wie gehabt bei den Flower Kings. Auch auf „The Sum Of No Evil” hört man Progressive Rock, für den die Flower Kings irgendwie exemplarisch stehen. Ein wenig frickelig, gar nicht mal so melodiös und dafür innerhalb der einzelnen Lieder durchaus abwechslungsreich. Auf die Gesamtheit der Lieder dieses Albums und der vorherigen Alben bezogen, sieht das mit der Abwechslung dann allerdings schon völlig anders aus. Ein einmal bewährtes Konzept wird konsequent durchgezogen. Und das bedeutet eben, dass Lieder aus unterschiedlichen Teilen aufgebaut werden, die mal mehr, mal weniger gut ins Ohr gehen. Parts werden zusammengepackt, die nicht immer zusammen zu passen scheinen und diverse Instrumentalpassagen, die von gelungen über konstruiert bis hin zu selbstverliebt reichen, ergänzen das Ganze. Die Flower Kings machen wahrlich keine einfache Musik und von daher wird Roine Stolts Band wohl auf ewig nach dem Erfolg suchen, der ihr sicherlich deutlich mehr zustehen würde.

Mit den Höhepunkten auf „The Sum Of No Evil” gestaltet es sich einigermaßen schwierig, da die einzelnen Titel alle sehr verschachtelt sind und nie durchgängig zu überzeugen wissen – zumindest mich nicht. Gerade bei solch einer Nummer wie „Love Is The Only Answer“ steige ich irgendwann aus. Ist das wirklich ein Lied? Hätte man daraus nicht auch fünf kurze Stücke machen können? Nun, zumindest drei? Und ganz ehrlich, manchmal klingt das nach Mainstream Rock bis Mainstream Hard Rock. Es hört sich auch mitunter wahrlich nicht schlecht an, aber bei solch langen Laufzeiten und dermaßen unterschiedlichen Passagen erklingen zwangsläufig auch solche Abschnitte mit, die einem nicht zusagen. Die Flower Kings mit „Love Is The Only Answer“ sind halt doch etwas ganz anderes als Genesis mit „Supper’s Ready“.

Doch zurück zu den Höhepunkten. An dieser Stelle seien der Opener und das Ende des Albums erwähnt. „One More Time“ und „Life In Motion“ heißen diese beiden Stücke und sie klingen noch am durchgängigsten und überzeugendsten nach Progressive Rock und sind trotz ihrer Spielzeit jenseits der zehn Minuten noch einigermaßen übersichtlich. Teile dieser Lieder gehen zudem gut ins Ohr.

Fazit: Wer die Flower Kings mag, die oder der wird auch „The Sum Of No Evil” mögen. Es ist alles wie gehabt. Die Schweden spielen ihre Musik ohne Kompromisse herunter. Sie wollen progressiv klingen, machen das auch – jedoch nicht immer. Auf Sicht vieler Alben gesehen wirkt das Ganze inzwischen allerdings durchaus etwas eintönig, obwohl die Musik abwechslungsreich gehalten ist. Ein Widerspruch? Nein, man muss nur die letzten Veröffentlichungen der Band um Roine Stolt hintereinander hören, dann verstehet man. Sieben Punkte.

Anspieltipps: One More Time, Life In Motion



Mittwoch, 16. Mai 2018

Timbaland – Timbaland Presents Shock Value




Timbaland – Timbaland Presents Shock Value


Besetzung:

Tim Mosley – vocals, guitar, synthesizer, drums, keyboards


Gastmusiker:

K. Alexander Jr. – chorus
Marcella "Ms. Lago" Araica – backing vocals
Jim Beanz – vocals, backing vocals
Stevie Blacke – strings
Adam Bravin – bass
D. Davis – chorus
Jerome Harmon – bass, strings, keyboards
A. Helaire – chorus
Keri Hilson – backing vocals
Andrew Hurley – drums
S. Jackson – chorus
Jermaine Jennings "Tank" – steel guitar
Elton John – piano
Hannon Lane – drums, keyboards
N. Lollis – chorus
E. Millsap – chorus
Walter Milsap – choir conductor
Kevin Rudolf – guitar
Johnkenun Spivery – organ
Patrick Stump – guitar
Justin Warfield – guitar
Dan Warner – bass, guitar
E. Watson – chorus
D. Williams – chorus


Label: Blackground Records


Erscheinungsdatum: 2007


Stil: Hip Hop, R&B


Trackliste:

1. Oh Timbaland (3:30)
2. Give It To Me (featuring Nelly Furtado & Justin Timberlake) (3:54)
3. Release (featuring Justin Timberlake) (3:25)
4. The Way I Are (featuring D.O.E. & Keri Hilson) (2:59)
5. Bounce (featuring Justin Timberlake, Dr. Dre & Missy Elliott) (4:04)
6. Come And Get Me (featuring 50 Cent & Tony Yayo) (3:30)
7. Kill Yourself (featuring Attitude & Sebastian) (4:06)
8. Boardmeeting (featuring Magoo) (2:29)
9. Fantasy (featuring Money) (4:11)
10. Scream (featuring Keri Hilson & Nicole Scherzinger) (5:41)
11. Miscommunication (featuring Keri Hilson & Sebastian) (3:19)
12. Bombay (featuring Amar & Jim Beanz) (3:00)
13. Throw It On Me (featuring The Hives) (2:10)
14. Time (featuring She Wants Revenge) (3:58)
15. One And Only (featuring Fall Out Boy) (4:16)
16. Apologize (featuring One Republic) (3:04)
17. 2 Man Show (featuring Elton John) (4:25)
18. Hello (featuring Keri Hilson & Attitude) (4:35)

Gesamtspieldauer: 1:06:58




Jede Menge Gastmusiker hat sich der US-amerikanische Hip-Hop- und R&B-Musiker und Produzent Timbaland, der eigentlich Timothy Zachary Mosley heißt, auf seinem zweiten und bisher erfolgreichsten Album eingeladen. „Shock Value“ heißt dieses und wurde am 3. April im Jahr 2007 zuerst in den USA auf dem Plattenlabel Blackground Records veröffentlicht.

Man hört Timbaland auf „Shock Value“ im Duett mit Elton John, Nelly Furtado, Justin Timberlake, Dr. Dre, 50 Cent, Fall Out Boy, One Republic und vielen mehr. Das wiederum bewirkt an sich bereits eine große Bandbreite in der Musik. Somit ist es nicht weiter überraschend, dass nicht nur Hip Hop oder R&B auf der Platte zu hören ist, auch eine gehörige Portion Pop wurde mit dazu gemischt. Die Lieder gehen dabei teilweise durchaus gut ins Ohr, Hip Hop und Pop der eher melodiösen und eingängigen Sorte ist auf „Shock Value“ zu hören.

Höhepunkte sind die Zusammenarbeit mit Nelly Furtado und Justin Timberlake beim Titel „Give It To Me“, der in Deutschland bis auf Platz 3 der Singlecharts kletterte, in den USA und Großbritannien sogar den ersten Platz der Charts erreichte. Ebenfalls überzeugend klingt „Come And Get Me“ unter anderem mit 50 Cent, der Titel „Boardmeeting“ sowie die Zusammenarbeit mit One Republic auf „Apologize“. Letzteres Lied erklingt ebenso poppig wie „2 Man Show“ mit Elton John.

Fazit: Eine ganz nette Mischung aus Pop und Hip Hop hat der Produzent und Rapper Timbaland auf „Shock Value“ zusammengestellt. Eine musikalische Mixtur, die man sich auch als Rock Freund gut anhören kann. Dazu ist die Musik sehr abwechslungsreich und geht immer wieder ins Ohr. Schlecht klingt anders. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Give It To Me, Come And Get Me, Boardmeeting, Apologize, 2 Man Show



Samstag, 5. Mai 2018

Gazpacho – Night




Gazpacho – Night


Besetzung:

Jan Henrik Ohme – vocals
Thomas A. Anderson – keyboards
Jon-Arne Vilbo – guitars
Mikael Krømer – violins & mandolin
Kristian Olav Torp – bass
Lars Erik Asp – drums
(Robert A. Johansen – drums on original „Night“)

Gastmusiker:

Kristian „The Duke“ Skedsmo – tin whistle, low whistle, accordion, didgeridoo, mandolin & banjo


Label: KScope


Erscheinungsdatum: 2007


Stil: Progressive Rock, Art Rock


Trackliste:

CD1:

1. Dream Of Stone (17:01)
2. Chequered Light Buildings (6:34)
3. Upside Down (9:39)
4. Valerie’s Friend (6:30)
5. Massive Illusion (13:37)

CD2:

1. Dream Of Stone (live) (17:18)
2. Chequered Light Buildings (live) (6:07)
3. Upside Down (live) (10:26)

Gesamtspieldauer CD1 (53:23) und CD2 (33:53): 1:27:16



„Night“ heißt das vierte Studio-Album der norwegischen Progressive Rock Band Gazpacho. „Night“ wurde ursprünglich im Januar 2007 auf dem Plattenlabel Racket Records veröffentlicht. Im November 2012 erfolge schließlich eine Wiederveröffentlichung auf dem Label KScope. Dieses Mal erschien das Album mit alternativem Cover und in Form einer Doppel-CD. Auf der zweiten Scheibe kann man auf über einer halben Stunde die ersten drei Lieder des Albums live eingespielt hören.

„Night“ enthält alles, was man als Freundin beziehungsweise Freund der Musik der Norweger so liebt. Fünf Lieder befinden sich auf dem Album, die alle ineinander übergehen und sämtlich stellvertretend für sehr harmonischen Progressive Rock stehen. Die Musik umschwirrt melodiös das Ohr und setzt sich auch sofort darin fest. Alles wirkt und klingt auf „Night“. Die Titel entwickeln sich dabei allesamt langsam, das Tempo wird nur spärlich angezogen und nicht selten endet das Ganze in einem zarten Violinen-Solo des Mikael Krømer. Obwohl alle Titel in einem ähnlichen Stil gehalten sind, so ist das, was es auf „Night“ zu hören gibt, niemals langweilig. Vielmehr kann man in diese sehr dichte und intensive Musik wunderbar eintauchen und sich entspannt auf eine abwechslungsreiche musikalische Reise begeben, die diverse, spannende Eindrücke vermittelt. Immer sind diese dabei melodiös.

Lediglich beim ersten und längsten Titel „Dream Of Stone“ wird es auch mal richtig rockig. Ansonsten hört man einmal mehr auf einem Gazpacho-Album die sanften, melancholischen und eher traurigen Töne. Auch auf „Night“ erklingt Musik der sechs Norweger, auf die sich zu konzentrieren lohnt, die, falls im Hintergrund gehört, verschenkt klingt. Dabei überzeugen und wirken wirklich auch alle Lieder der Platte. Deswegen ist es einigermaßen schwer, hier den einen oder anderen Höhepunkt herauszustellen. Alle einzelnen Stücke sind von gleichbleibender Qualität, die weit über dem Durchschnitt angesiedelt ist und alle Lieder haben das Potenzial Lieblingslieder zu werden. Allerdings muss man den leicht weinerlichen Gesang des Jan Henrik Ohme mögen. Dieser passt im Grunde genommen perfekt zu dieser Art der Musik, könnte jedoch für die eine oder den anderen der Punkt sein, weswegen „Night“ nicht zum Favoriten wird.

Mit der Wiederveröffentlichung bekommt man schließlich noch eine zweite CD mitgeliefert, die die ersten drei Titel des regulären Albums in Live-Versionen enthält. Diese unterscheiden sich nicht zu sehr von den Original-Versionen, besitzen allerdings doch leichte Abweichungen und klingen qualitativ einwandfrei. Von daher stellt diese Zusatz-CD eine schöne Erweiterung des Materials auf „Night“ dar.

Fazit: Ein weiteres sehr schönes und hörenswertes Album ist „Night“ der norwegischen Band Gazpacho geworden. Wer auf melancholischen und immer melodiösen Progressive Rock bis Art Rock steht, die oder der kann mit dieser Scheibe absolut nichts falsch machen. Jeder einzelne Titel des Albums überzeugt, es gibt keine Ausfälle zu beklagen. Musik die sich lohnt gehört zu werden und begeistert. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Dream Of Stone, Chequered Light Buildings, Valerie‘s Friend



Dienstag, 20. Februar 2018

Tocotronic – Kapitulation




Tocotronic – Kapitulation


Besetzung:

Dirk von Lowtzow – Gesang, Gitarre
Rick McPhail – Gitarre, Keyboard
Jan Müller – Bass Gitarre
Arne Zank – Schlagzeug, Keyboards, Gesang


Gastmusiker:

Ben Lauber – Tasten und Glocken
Silva Davulcu – Chor
Michaela Meise – Chor
Virginia Rösinger – Chor
Barbara Wagner – Chor
Julia Wilton – Chor


Label: Vertigo


Erscheinungsdatum: 2007


Stil: Independent Rock


Trackliste:

1. Mein Ruin (5:45)
2. Kapitulation (4:14)
3. Aus Meiner Festung (5:18)
4. Verschwör Dich Gegen Dich (4:10)
5. Wir Sind Viele (6:54)
6. Harmonie Ist Eine Strategie (4:34)
7. Imitationen (4:16)
8. Wehrlos (3:48)
9. Dein Geheimer Name (4:00)
10. Sag Alles Ab (2:01)
11. Luft (5:13)
12. Explosion (3:46)

Gesamtspieldauer: 54:05



„Kapitulation“ heißt das achte Studio-Album der deutschen Indie-Rock-Band Tocotronic. Das Album wurde am 6. Juli 2007 auf dem Plattenlabel Vertigo Records veröffentlicht. Insgesamt wurden mit den Titeln „Sag Alles Ab“, dem Titellied „Kapitulation“, „Imitationen“ und „Mein Ruin“ vom Mai bis Dezember desselben Jahres vier Singles aus dem Album ausgekoppelt. Die Platte kletterte bis auf Platz 3 der deutschen Album Charts und hielt sich insgesamt zehn Wochen in diesen.

Auf „Kapitulation“ hört man eingängigen und deutschsprachigen Independent Rock, der ziemlich schnell ins Ohr geht. Dazu singt Dirk von Lowtzow Texte, die glücklicherweise nicht hauptsächlich das Thema „Liebe“ zum Inhalt haben, sondern auch andere Themen beleuchten, durchaus auch zum Nachdenken anregen und Spielraum für Interpretationen lassen. Die Musik bewegt sich insgesamt zwischen zart und hart. Rockigeren Liedern folgen deutlich sanftere Nummern und umgekehrt. Dies trägt unter anderem mit zum Abwechslungsreichtum auf dem Album bei. Dieser wird auch durch die Atmosphären bewirkt, die durch die Musik von Tocotronic transportiert werden. Die einzelnen Lieder klingen mal fröhlich und positiv, dann aber auch wieder deutlich trauriger und mit einer gehörigen Portion Nachdenklichkeit bis hin zur Melancholie ausgestattet. Doch ganz egal, ob in Dur oder Moll gehalten, die Musik geht ins Ohr.

Schlechte Titel gibt es auf „Kapitulation“ glücklicherweise nicht zu verzeichnen. Lediglich das sehr kurze „Sag Alles Ab“ will nicht so recht zünden und dies, obwohl es die erste Single-Auskopplung darstellt. Der Rest der Scheibe wirkt und klingt da deutlich gelungener. Höhepunkte sind das sehr eingängige Titellied „Kapitulation“, welches einmal gehört fast schon die Eigenschaften eines Ohrwurms entwickelt. Ebenfalls sehr überzeugend klingt das Lied „Harmonie Ist Eine Strategie“. Sehr intensiv wird die Musik von Tocotronic jetzt. „Explosion“ steigert sich schließlich mitreißend, bis das Lied wirklich zu explodieren scheint. Musik die bewegt und packt. Auch die restlichen Titel überzeugen, womit die Höhepunkte auf „Kapitulation“ wie immer und einmal mehr reine Geschmackssache sind.

Fazit: Ein eingängiges und gleichzeitig spannendes Album haben Tocotronic mit der Platte „Kapitulation“ veröffentlicht. Die Lieder sind sehr melodiös, mal rockiger, mal etwas sanfter gehalten. Bei den Texten handelt es sich nicht um 08/15-Liebesschwüre und auch sie lohnen mitgehört und beachtet zu werden. Independent Rock aus Deutschland kann durchaus überzeugend sein und man darf sich freuen, dass es auch hier anspruchsvolle und gute Musik mit deutschen Texten gibt. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Kapitulation, Harmonie Ist Eine Strategie, Explosion