DeLaSar, dahinter verbirgt sich der Musiker Yves Zbaeren, der sein drittes Album im Heimstudio einspielte und es mit „In To“ betitelte. Musikalisch fühlt man sich beim Hören des Albums zunächst um einige Jahrzehnte zurückversetzt. Nicht verwunderlich ist also, dass laut Pressetext gerade Fans der Pet Shop Boys, von Tears For Fears und The Beloved sich besonders angesprochen fühlen werden – und das kann man durchaus bestätigen.
Die Musik auf „In To“ klingt eher fröhlich als traurig, eher optimistisch, denn pessimistisch. Mit den ersten Liedern wird eine Art Gute-Laune-Musik zelebriert, die melodisch ins Ohr geht, dort allerdings nicht zu lange verweilt. Das ändert sich jedoch mit der sehr sentimentalen Nummer „Into The Dark“. Ein tolles Lied, was nun wirklich auch länger in den Gehörgängen hängenbleibt. Schöne Melodie und eine überzeugende Steigerung, bis das Lied wieder nachdenklich und sanfter beendet wird. Der Höhepunkt des Albums.
Doch auch danach geht es durchaus noch interessant weiter. Auch „I’m Riding Away“ sticht angenehm durch eine sehr eingängige Melodie heraus. Viel Piano und der Klang des Cellos verleihen diesem Lied zusätzlich einen hohen Wiedererkennungswert. Mit dem anschließenden „Time Has Come“ wird es auf „In To“ sogar noch mal richtig rockig, bevor das Album dann mit dem Titel „Expectation“, dem längsten der Platte, erneut sehr melodiös ausklingt.
Fazit: Größtenteils Pop bekommt man auf „In To“ zu hören. Der klingt im ersten Teil des Albums ganz nett, ohne jedoch restlos zu überzeugen. Die besseren und nachhaltigeren Titel befinden sich am Ende des Albums. Insgesamt schön anzuhören und ohne Ausfall. Alleine schon wegen der letzten vier Nummern lohnt sich „In To“. Und wer voll auf Pop der 80er und 90er abfährt, die oder der wird wohl im ersten Teil der Platte belohnt werden. Neun Punkte.
Pat Burgener werden Sportinteressierte wahrscheinlich eher als erfolgreichen Snowboarder kennen, denn genau hier feierte der Schweizer seine ersten großen Erfolge. Dass er allerdings auch noch weitere Talente besitzt, nämliche musikalische Talente, das beweist Pat Burgener auf dem Album mit dem passenden Titel „The Album“.
Eingängigen und zumeist schwerelosen Pop bekommt man zu Beginn auf „The Album“ zu hören. Das klingt bei den ersten Liedern völlig unaufgeregt, nach guter Laune und frei von Sorgen. Hier und da mal eine kurze Bläsereinlage, um das Gehörte noch ein wenig aufzulockern und fertig sind die eingängigen Popsongs, die gut unterhalten.
Interessanter klingt die Musik des Pat Burgener dann allerdings ab etwa Mitte des Albums, wenn sich die Musik etwas vom „Gute-Laune-Sound“ entfernt, zum Teil sogar etwas folkig angehaucht aus den Boxen strömt. Das überzeugt dann mehr und wirkt interessanter und hallt länger nach. Gegen Ende des Albums wird dann der poppige Anstrich wieder verstärkt und „The Album“ klingt aus, wie es begann, als Scheibe für sonnige und sorgenfreie Tage.
Fazit: „The Album“ von Pat Burgener klingt dann besonders gut, wenn sich die Musik vom Après-Ski- und Strand-Feeling entfernt und nachdenklicher erklingt. Die Lieder berühren etwas mehr und gehen ebenfalls ins Ohr. Doch auch der Rest des Albums macht Spaß gehört zu werden, sodass man gespannt sein darf, in welche musikalische Richtung sich Pat Burgener in Zukunft weiterentwickeln wird. Acht Punkte.
Tim Freitag – Monsters Forever Besetzung: Lorenzo Demenga – drums Severin Graf – bass Nicolas Rüttimann – guitars Daniel Gisler – keyboards Janick Pfenninger – vocals Label: Noodle Soup Records Erscheinungsjahr: 2020 Stil: Pop Trackliste: 1. By Your Side (3:37) 2. Hold On (3:34) 3. Call Me (3:29) 4. A Kiss, A Bang & It‘s Over (3:57) 5. Dress Rehearsal (0:27) 6. Hot, Cold, With & Without You (3:10) 7. Tip Toe (3:34) 8. Monsters Forever (4:02) 9. Bruises (3:28) 10. Get Your Shit Together (0:35) 11. Another Heart Has Lost Its Place (3:53) Gesamtspieldauer: 33:51
Mit den Liedern „Bruises“ (Oktober 2017), „Hold On“ (März 2018), „The Wave“ (Juni 2018), „By Your Side“ (September 2018) und „Tip Toe“ (April 2019) hat die Züricher Band Tim Freitag in der jetzigen Formation als Quintett bisher fünf Singles veröffentlicht. Vier dieser Lieder befinden sich nun auch auf dem Debut-Album der Band, welches am 13. März 2020 auf dem Plattenlabel Noodle Soup Records erscheint und den Namen „Monsters Forever“ trägt.
Tim Freitag, das steht für eine überaus gelungene Mischung aus Pop mit leichten Rockeinschlägen. Musik, die sehr schnell ins Ohr geht und dabei auch länger dort zu verbleiben versteht. „Monsters Forever“ macht einfach Spaß, Musik die gute Laune verbreitet. Alles auf dem Album wirkt so voller Leichtigkeit und man glaubt zu spüren, welchen Spaß die Schweizer selbst an ihrer Musik haben. Da passt so viel, greift ineinander. Groovende Rhythmen, sehr viele sehr eingängige Melodien und sogar Texte, die ebenfalls hörenswert sind – nicht unbedingt selbstverständlich. Die Musik ist zudem perfekt arrangiert und der Gesang des Janick Pfenninger hat nochmals ein Extrasternchen verdient. Sehr variantenreich klingt dieser, auch an den hohen Stellen überzeugend und erinnert mich an der einen oder anderen Stelle sogar an den von Prince.
„Monsters Forever“ lässt sich wunderschön in einem Zug durchhören. Die Fernbedienung kann man dabei getrost außer Reichweite liegenlassen. Und jede Zuhörerin und jeder Zuhörer wird auf dem Album seine ganz eigenen Favoriten für sich entdecken können. In meinem Fall wären das die Lieder „Hold On“, „Monsters Forever“ und „Another Heart Has Lost Its Place“. „Hold On“ ist ein klasse Pop-Lied, bei dem man nicht umhin kommt mit zu wippen. Das Titellied „Monsters Forever“ ist mein Lieblingslied der Platte. Janick Pfenninger geht in seinem Gesang auf, man leidet mit ihm. Und dies alles verpackt in einer wunderschönen Melodie, die Ohrwurmcharakter besitzt. Das letzte Lied des Albums, „Another Heart Has Lost Its Place“, ist nicht weniger eingängig, klingt so schön sehnsüchtig und ist der Titel, der gleich beim ersten Hören den größten Eindruck hinterlässt, da er auch stilistisch ruhiger angelegt ist und sich alleine dadurch vom Rest der Platte ein wenig abhebt.
Fazit: Ein wahrlich gelungenes Debut legen Tim Freitag mit „Monsters Forever“ ihren Hörerinnen und Hörern vor. Musik die wirkt, Musik die groovt und dabei mit wunderschönen Melodien aufzuwarten weiß. Mit jedem Durchlauf überzeugen die Schweizer mehr, bis man noch dieses, dann doch auch noch jenes Lied zu seinen Lieblingsliedern zählt. Die Musik wird durch dieses Album bereichert. Schön. Elf Punkte.
Anspieltipps: Hold On, Monsters Forever, Another Heart Has Lost Its Place
Die Aeronauten – Too Big To Fail Besetzung (ohne Instrumentenangabe): Roman Bergamin Hipp Mathis Samuel Hartmann Roger Greipl Olifr M. Guz Daniel D’Aujourd‘Hui Gastmusiker: Lukas Briggen – Posaune Baro Tinosa – Lead Gitarre Bernadette La Hengst – Geräusche Frank Heer – Cello Rita Hey – Gitarrensample Label: Rookie Records Erscheinungsdatum: 2012 Stil: Pop Trackliste: CD1: 1. Jackenmann (3:11) 2. Zementgarten (4:06) 3. Enten (3:33) 4. Das Ende Ist Nah (4:13) 5. IQ 39 (3:38) 6. Too Big To Fail (3:43) 7. Uswanderer (2:57) 8. Der Steinerne Rächer (3:28) 9. Messerwerferin (3:33) 10. Wegen Dir (2:37) 11. Hemmungslos (3:41) 12. Dröhnung (3:25) CD2: 1. Ärger In Shit City (4:21) 2. Gaile Selassie (3:14) 3. Asino Morto (3:09) 4. Habakuk Willisau (1:54) 5. Buumeshuse (3:01) 6. Schaarenwald (1:13) 7. Sarabande (3:40) 8. Sabotage (3:50) 9. Angry Samoans (1:46) 10. Chinaboom Revisited (2:40) 11. Flitzpiepen (2:07) 12. Zickenalarm (2:54) 13. Magrathea (3:40) 14. Alle Probleme (4:28) Gesamtspieldauer: CD1 (42:10) und CD2 (42:04): 1:24:14
Die Aeronauten sind eine Schweizer Band aus Schaffhausen, die im Jahr 1991 gegründet wurde. Bis heute haben die Aeronauten neun Studio-Alben veröffentlicht. „Too Big To Fail“ ist die achte Veröffentlichung dieser Reihe und erschien im Jahr 2012 in Form eines Doppel-Albums auf dem Plattenlabel Rookie Records.
Was ist das eigentlich für Musik, die die Schweizer auf diesem Album zelebrieren? Pop oder Rock oder doch Ska oder etwa Country? Irgendwie ist die Musik auf „Too Big To Fail“ eine Mischung aus sehr vielen musikalischen Stilen, die allesamt mit intensiven Bläsereinlagen garniert werden. Es gibt Rock, es gibt Pop, es gibt Swing, es gibt Ska und sogar Country fehlt nicht. Auf der ersten CD bewegt sich die Musik eher im Bereich des Pop und einigen gerade aufgezählten Seitenarmen. CD2 ist sehr häufig instrumental gehalten oder gibt direkt Dialoge aus Filmszenen wieder. Das Ganze klingt dann insgesamt auch sehr nach Filmmusik, berühmte Filme und Bücher werden hierbei zitiert, wie man dem beiliegenden kleinen Booklet entnehmen kann.
Die Aeronauten unterhalten durchaus mit ihrem Album „Too Big To Fail“. Es klingt anders, als andere Pop-Alben. Auf eine gewisse Art und Weise unbekümmerter, fröhlicher und dadurch ungewöhnlicher. Viel liegt das an dem Einsatz diverser Bläser und einem immerwährenden Stil-Mix. Nicht alles gehrt dabei ins Ohr, nicht jede Melodie zündet, trotzdem unterhält die Platte seine Zuhörerinnen und Zuhörer. Höhepunkte sind die Lieder „Das Ende Ist Nah“, „Sarabande“ und „Alle Probleme“, da sie am ehesten das Potenzial besitzen, auch längerfristig hängen zu bleiben.
Fazit: Ein abwechslungsreiches und niemals langweiliges Album ist „Too Big To Fail“ der Schweizer Band Die Aeronauten geworden. Der Stil-Mix auf der Scheibe bewirkt den Unterschied zu anderen Pop-Bands. Dazu gesellen sich häufig Bläser-Arrangements und eine zweite CD, die dann im Bereich der Filmmusik angesiedelt ist. Außergewöhnlich ist das durchaus, allerdings leider auch nicht immer restlos überzeugend. Sieben Punkte.
Anspieltipps: Das Ende Ist Nah, Sarabande, Alle Probleme
Lacrimosa – Live In Mexico City Besetzung: Tilo Wolff – vocals, guitar, keyboards Anne Nurmi –vocals, keyboards JP Genkel – guitar Henrik Flyman – guitar Yenz Leonhardt – bass, backing vocals Julien Schmidt – drums Label: Sony Music Erscheinungsdatum: 2014 Stil: Gothic Rock, Dark Wave Trackliste: CD1: 1. Lacrimosa Theme (2:44) 2. Ich Bin Der Brennende Komet (7:08) 3. Welcome To The Show (0:45) 4. Schakal (6:28) 5. Alleine Zu Zweit (4:20) 6. Alles Lüge (6:17) 7. Not Every Pain Hurts (5:25) 8. Verloren (7:41) 9. Ohne Dich Ist Alles Nichts (6:43) 10. Weil Du Hilfe Brauchst (6:27) 11. Apart (4:08) 12. If The World Stood Still A Day (4:10) CD2: 1. Feuerzeug I & II (5:47) 2. Der Morgen Danach (4:41) 3. Irgendein Arsch Ist Immer Unterwegs (6:12) 4. Liebesspiel / Fassade III (6:29) 5. Rote Sinfonie (6:18) 6. Revolution (6:47) 7. Durch Nacht Und Flut (4:21) 8. Stolzes Herz (8:11) 9. Feuer (4:39) 10. Lichtgestalt (5:42) 11. Copycat (5:24) Gesamtspieldauer CD1 (1:02:22) und CD2 (1:04:38): 2:07:00 DVD: 1. Lacrimosa Theme / Airport Arrival 2. Irgendein Arsch Ist Immmer Unterwegs 3. Schakal 4. Alles Lüge Gesamtspieldauer DVD: 20:22
Jede Menge Gothic Rock bis Dark Wave gibt es auf dem im Jahr 2014 auf dem Plattenlabel Sony Music erschienen dritten Live-Album der Schweizer Band Lacrimosa zu hören. Dieses trägt den Titel „Live In Mexico City“, wurde als Doppel-Album veröffentlicht und der ersten Ausgabe des Albums wurde sogar noch eine zwanzig-minütige DVD mit Live-Aufnahmen hinzugefügt.
„Live In Mexico City“ verschafft den Hörerinnen und Hörern einen sehr guten Überblick über die Musik der Gothic Band Lacrimosa. Ab dem vierten Album „Inferno“ aus dem Jahr 1995, sind Lieder auf diesem Live-Album enthalten. Diese Live-Atmosphäre wird mit dem Doppel-Album auch sehr gut transportiert. Zum Teil sogar zu gut, denn die Mexikaner scheinen ein sehr schreifreudiges Völkchen zu sein. Jedes Lied wird mit frenetischem Gebrüll begrüßt und ebenso überschwänglich auch wieder verabschiedet. Für die Musiker auf der Bühne mag das ganz sicher eine schöne und euphorisierende Situation gewesen sein, auf „Live In Mexico City“ und damit im heimischen Wohnzimmer klingt es allerdings mitunter fast schon befremdlich und übertrieben.
Doch man gewöhnt sich irgendwie daran, die Laufzeit des Albums relativiert alles. Die Soundqualität von „Live In Mexico City“ ist noch in Ordnung, wenn sie auch nicht perfekt ist und an der einen oder anderen Stelle etwas verwässert und nebulös klingt. So kann es an mancher Stelle leicht breiig klingen, ist aber aufgrund des Live-Charakters noch zu verschmerzen. Sound-Junkies könnten dies allerdings als größeren Kritikpunkt anführen. Die Lieder selbst überzeugen und gehen zum Teil auch mitreißend ins Ohr. Noch etwas mehr auf der zweiten CD, auf der mit den Liedern „Irgendein Arsch Ist Immer Unterwegs“, „Liebesspiel / Fassade III“, „Rote Sinfonie“ und „Revolution“ gleich vier Höhepunkte hintereinander angeordnet sind. Da macht das Zuhören gleich noch mehr Laune. Seine eigenen Höhepunkte findet man sicherlich an den Stellen am ehesten, an denen man die Musik bereits kennt. Doch dieser melodiöse Gothic Rock wirkt.
Der Erstausgabe des Albums ist noch eine kurze, 22-minütige DVD beigefügt, die einen kleinen Einblick in das Konzert gewährt sowie die Ankunft der Band in Mexiko dokumentiert. Beim Anblick dieser Bilder wundert man sich dann auch nicht mehr über den Beifall der Zuschauer während des Konzertes. Mexikaner scheinen Musik deutlich mehr zu feiern als wir Mitteleuropäer.
Fazit: Möchte man sich eine Übersicht über das Schaffen der Schweizer Band Lacrimosa verschaffen, so eignet sich das Album „Live In Mexico City“ bestens hierfür. Der Sound dieser Live-Aufnahmen ist nicht immer einwandfrei, dafür wird das Live-Erlebnis des Konzertes sehr schön transportiert. Und wenn man dann auch noch Spaß an Gothic Rock beziehungsweise Dark Wave hat, dann steht dem Hörerlebnis im Grunde genommen nichts mehr im Wege. Neun Punkte.
Anspieltipps: Irgendein Arsch Ist Immer Unterwegs, Liebesspiel / Fassade III, Rote Sinfonie, Revolution
Patrick Bishop – Minor Lakes Besetzung (ohne Instrumentenangabe): Roman Bühlmann Fredy Bünter Lukas Iselin Markus Neuweiler Ronja Rinderknecht Nadja Stoller Peter Zemp Label: Accidental Conspiracies Erscheinungsdatum: 2014 Stil: Art Pop, Pop Trackliste: 1. Mallory (3:43) 2. Wake (3:40) 3. Teraphim (2:46) 4. Golden (3:20) 5. Weary Pond (0:51) 6. Northern Lights (4:08) 7. High Vaults (4:22) 8. Seneca Lake (0:54) 9. Redoubt (3:45) 10. Peigneur (3:12) 11. Lake Of The Clouds (1:25) 12. Closer (4:05) 13. An Anatomy Of The World (8:17) Gesamtspieldauer: 44:34
Patrick Bishop ist eine Schweizer Band aus Bern, die im Jahr 2011 gegründet wurde. Das Debut-Album der Band mit dem Titel „Minor Lakes“ erschien am 26. September 2014 auf dem Plattenlabel Accidental Conspiracies. Darauf hört man überaus sanfte, ruhige und an manchen Stellen fast schon entrückt klingende Musik, die aus irgendwelchen Traumwelten emporzusteigen scheint.
Patrick Bishop, das ist das Pseudonym des Schweizer Musiker Roman Bühlmann, der weitere Musiker um sich geschart hat, um mit ihnen sehr ruhige aber auch sehr intensive Musik zu komponieren, aufzunehmen und aufzuführen. In den Liedern der Schweizer kommen elektronische wie akustische Instrumente zum Einsatz. Das Ergebnis ist Pop der Unterkategorie Art Pop, der bis in den Bereich des Kammer-Pop hineinreicht. Ist die Musik an sich schon sanft, so wird das noch die Stimme des Roman Bühlmann unterstrichen, die man zuerst gar nicht richtig einem Mann zuordnen kann. Dies liegt keineswegs an der Gesangshöhe der Stimme, sondern sehr viel eher an deren sanftem Klang. In dieser Kombination klingt die Musik von Patrick Bishop auf „Minor Lakes“ fast schon entrückt, in anderen Sphären schwebend und dabei an jeder Stelle des Albums überaus harmonisch und sehr melodiös.
Alle Lieder auf „Minor Lakes“ sind stilistisch gleich gehalten. Es handelt sich um warme, sanfte und intensive Lieder, die ins Ohr gehen und wirken. Musik zum Eintauchen, zum Träumen und zum Ausruhen hört man auf dem Album, das zum Innehalten einlädt. Die Platte ist reich an Höhepunkten, bei denen man vielleicht die Stücke „Teraphim“, „Golden“ und „An Anatomy Of The World“ herausheben kann. Letztgenannter Titel ist allerdings keineswegs über acht Minuten lang, sondern enthält einen „Hidden Track“, der jedoch bereits nach wenigen Sekunden der Stille beginnt und ebenfalls sehr überzeugt. Im Grunde genommen ist die Erwähnung gerade dieser drei Lieder allerdings auch sehr willkürlich gewählt, denn alles klingt gut auf „Minor Lakes“. Positiv sollte an dieser Stelle ebenfalls die Aufmachung der CD erwähnt werden. In der Hülle mit Fenster befindet sich ein Päckchen mit insgesamt fünfzehn viereckigen Kunst-Karten. Jede Karte steht für ein Lied, zwei für die Credits. Auf der Vorderseite jeder Karte gibt es ein Photo oder ein gemaltes Bild, auf der Rückseite dann den entsprechenden Liedtext dazu. Solch eine Gestaltung eines Albums habe ich bisher noch nicht gesehen und es wirkt mit viel Liebe zum Detail zusammengestellt.
Fazit: Ein sehr gelungenes Debut stellt „Minor Lakes“ der Schweizer Band Patrick Bishop dar. Art Pop und Kammer-Pop der sehr einprägsamen Art hört man auf der Platte. Die Musik ist eine Mischung aus akustischen und elektronischen Klängen, die überaus melodiös ins Ohr gehen. Gerockt wird hier nur selten, eher in Harmonien geschwelgt. Für die ruhigen Momente des Tages – oder um diese einzuleiten – bestens geeignet. Zehn Punkte.
Anspieltipps: Teraphim, Golden, An Anatomy Of The World
Stephan Sulke – Versöhnung Besetzung: Keine weiteren Angaben Gastmusiker: Keine weiteren Angaben Label: Intercord Records Erscheinungsdatum: 1985 Stil: Liedermacher, Schlager, Pop Trackliste: 1. Und Ich Mach Es Halt Doch Noch Einmal (3:58) 2. Der See In Meinem Land (1:56) 3. Weisst Du Was Ich Lieb Dich (2:54) 4. Du Ich Und Sie (2:05) 5. Das Paradies (2:22) 6. Ich Fühle Dich Schlagen (1:59) 7. Bin Da (3:01) 8. Die Kinder Sind OK (2:56) 9. Mann Ich Gebs Auf (3:00) 10. Gefunden (1:55) 11. Kleine Annabella (1:59) 12. Das Lied (1:38) Gesamtspieldauer: 29:43
Sein neuntes Studio-Album nannte der Schweizer Sänger Stephan Sulke „Versöhnung“. Es erschien im Jahr 1985 auf dem Label Interchord, welches in die EMI-Gruppe überging und inzwischen schließlich Teil der Universal Music Group ist. Auf „Versöhnung“ wurde Stephan Sulke poppiger, der Chanson-Charakter seiner Lieder trat etwas deutlicher in den Hintergrund – trotzdem ist auch dieses musikalische Genre auf der Platte noch vertreten.
„Versöhnung“ ist zumindest abwechslungsreicher geworden. Durch den etwas poppigeren Ansatz vieler Lieder wurde die Musik des Stephan Sulke deutlich massenkompatibler. Trotzdem ist das noch Musik, die ganz bestimmt nicht für jede und jeden geeignet ist. Als Beispiel seien hier zunächst die drei letzten Stücke des Albums angeführt. „Gefunden“, „Kleine Annabella“ und „Das Lied“ sind allesamt drei sehr kurze Titel, die durchaus ins Ohr gehen. „Kleine Annabella“ ist dabei eine Pop-Nummer, die anderen beiden erwähnten Stücke sind sanfte und nachdenkliche Lieder, fast zerbrechlich wirkend. Allen drei Titeln ist gemeinsam, dass sie ins Ohr gehen. Wobei die sanften Stücke nachdenkliche Texte aufweisen, „Kleine Annabella“ allerdings mit einem Text versehen wurde, der unfassbar peinlich klingt. Zuckersüß und für erwachsene Menschen wirklich schwierig durchzuhalten lässt er Überlegungen aufkommen, was sich ein erwachsener Mann wohl dabei gedacht hat – aber auch in diesem Fall ist das natürlich reine Geschmackssache.
Die erste Seite des Albums plätschert so vor sich hin, kann selten bis gar nicht überzeugen. Dies ist in musikalischer Hinsicht, wie in textlicher zu verstehen. Immer wieder verfällt Stephan Sulke in allzu süßes Gesäusel umgeben von Melodien, die keineswegs packen. So ist als weiterer Höhepunkt noch ein Lied der zweiten LP-Seite zu nennen. „Die Kinder Sind OK“ ist ebenfalls ein Pop-Lied. Schöne und eingängige Melodie, die flott und fast schon ein wenig rockig aus den Boxen quillt und die sich festsetzt. Der Text soll wohl mitunter „cool“ klingen, heute wirkt dies allerdings etwas unfreiwillig komisch, aber so passt es wenigstens, wie Vieles aus den 80er Jahren, stimmig zur Entstehungszeit des Albums.
Fazit: Ein paar schöne Stellen weist „Versöhnung“ auf. Wenn Stephan Sulke sehr ruhig und sanft klingt, hört er sich überzeugend an, wenn auch sehr weich – mitunter hart an der Grenze. Auch einige Pop-Melodien gibt es hier zu hören, die ganz nett klingen. Aber natürlich wird diese Musik einen Rock-Freund aus dem Raum treiben. Sehr negativ ist dabei auch wieder die Kürze der Laufzeit des Albums zu erwähnen. Unter einer halben Stunde für ein Studio-Album, das klingt nach sehr wenig Ideen und als ob wirklich alles, was gerade zur Verfügung stand, auch gepresst werden musste. Manchmal klingt es auch leider so. Sechs Punkte.
Anspieltipps: Ich Fühle Dich Schlagen, Die Kinder Sind OK, Gefunden, Kleine Annabella, Das Lied
Brainticket – Cottonwoodhill Besetzung: Joel Vandroogenbroeck – organ, flute, keyboards, vocals Ron Bryer – guitar Werner Fröhlich – bass guitar Cosimo Lampis – drums Wolfgang Paap – tablar Dawn Muir – voice Hellmuth Klobe – potentiometers, generators and sound effects Label: Purple Pyramid Records Erscheinungsdatum: 1971 Stil: Psychedelic Rock Trackliste: 1. Black Sand (4:04) 2. Places Of Light (4:03) 3. Brainticket Part I (12:38) 4. Brainticket Part II (13:12) Gesamtspieldauer: 33:58
„Cottonwoodhill“ heißt das erste Studioalbum der Schweizer Band Brainticket, deren Kopf allerdings der belgische Musiker und Multiinstrumentalist Joel Vandroogenbroeck war. Ursprünglich war die Platte im Jahr 1971 auf Bellaphon veröffentlicht worden, im Jahr 2013 gab es dann eine Wiedererscheinung auf dem Plattenlabel Purple Pyramid Records.
Hier die Botschaften, die auf dem Plattencover mit abgedruckt wurden:
Advice: After listening to this disc, your friends won’t know you anymore.
Warning: Only listen once a day to this disc. Your brain might be destroyed!
Join in… Listen to the first recording of this LSD/Hashhigh/Fixy/Jointy Sound. Take a trip to your inner light. See the hallucinations of reality rise out of the groove, you’ve got your brainticket now!
Klingt seltsam. Macht es allerdings nicht mehr, wenn man diese Scheibe hört, denn dann weiß man sofort, was der Schreiber dieser Zeilen meinte. Für mich ist „Cottonwoodhill“ von Brainticket die psychedelischste Musik überhaupt, welche ich kenne. Aber nein, „Cottonwoodhill“ von Brainticket ist überhaupt keine Musik, „Cottonwoodhill“ von Brainticket ist ein Trip, ein in Töne umgewandelter LSD-Trip. Etwas, was man so mit Sicherheit noch nie gehört hat.
Dabei fängt die Scheibe mit dem Stück „Black Sand“ noch relativ unverfänglich an. Natürlich ist das auch schon Psychedelic Rock in einem Lied, bei dem eine Orgel ziemlich zentral angeordnet ist und um diese herum gruppieren sich die anderen Rockinstrumente wie Gitarre, Bass und Schlagzeug. Nicht allzu melodisch, trotzdem auf seine Art eingängig. Es folgt mit „Places Of Light“ eine ebenfalls etwas über vierminütige Nummer, die dann sogar ein klein wenig funky klingt. Klasse hier der Einsatz der Querflöte, die das Gefühl der 70er Jahre aufleben lässt und transportiert. Dann wird es in dem Lied schon etwas ungewöhnlicher. Die Orgel wird zu dominierenden Instrument und Dawn Muir startet eine Art Sprechgesang. Sie erzählt und erzählt, hält sich dabei kaum an die Musik, die nun abwechselnd von der Querflöte, der Gitarre oder der Orgel dominiert wird.
Anschließend folgt das, was die Band Brainticket und die Platte „Cottonwoodhill“ schon sehr speziell werden lässt. Das Lied „Brainticket Part I“ startet mit zersplitterndem Glas und auch sonst fällt einiges zu Boden. Man hört ein startendes Auto, Gehupe und eine Polizei- oder Feuerwehrsirene. Anschließend passiert es dann, ein Orgelakkord wird eingeführt und ist für die nächsten 25 Minuten zu hören. Fast ununterbrochen. Immer wieder derselbe Lauf. Aggressiv, monoton, hypnotisierend. Immer und immer wieder derselbe kurze Lauf. Schier unendlich lang. Garniert wird das Ganze mit zahlreichen Geräuschen. Man hört Lachen, Gurgeln, Sprachfetzen, Affengeschrei, Lärm und vieles mehr. Allerdings ist das nur ein Teil, denn nun läuft Dawn Muir zur Höchstform auf. Mal flüstert sie, mal stöhnt sie, mal weint sie fast, mal wirkt sie gehetzt, mal schreit sie, mal scheint sie große Angst zu haben und manchmal erzählt sie einfach. Dies alles neben diesem gnadenlosen, nie enden wollenden Orgellauf, der aggressiv und vernichtend aus dem Boxen kreischt.
Auf der ursprünglichen LP war „Brainticket Part I“ aufgrund der Lauflänge einer LP-Seite in zwei Teile geteilt worden, wurde am Ende der ersten Seite aus- und zu Beginn der zweiten Plattenseite wieder eingeblendet. „Brainticket Part I“ endet ziemlich plötzlich mit den ersten Akkorden von Beethovens fünfter Symphonie. Sofort startet nun „Brainticket Part II“. Das Überaschende dabei ist, dass dieser eine Orgellauf einfach fortgesetzt wird. Nochmals über dreizehn Minuten Länge. Der Unterschied zu Part I liegt in den Nebengeräuschen und dem, was Dawn Muir erzählt. Wie sie allerdings über Gefühle, Sex, Leben, Ängste und so weiter erzählt, das bleibt unverändert gleich, nämlich mal flüsternd, mal stöhnend, mal fast weinend, mal gehetzt, mal schreiend, mal ängstlich und mal einfach erzählend.
Fazit: Absolut intensiv ist „Cottonwoodhill“ von Brainticket. Psychedelic Rock in exzessiver Ausprägung, aggressiv, verstörend, gnadenlos. Ganz bestimmt keine Musik für die breite Masse der Musikbegeisterten. Die allermeisten Hörerinnen und Hörer wird diese Musik sogar in den Wahnsinn treiben, sodass die Warnhinweise im Cover durchaus ihre Berechtigung besitzen. Solche Musik kann man nicht immer hören, da sie anstrengend ist. Selbstverständlich geht das auch nicht nebenher. Auf „Cottonwoodhill“ muss man sich konzentrieren oder es ganz lassen. Denn eins ist dieses Album ganz gewiss: intensiv, sehr intensiv. Zwölf Punkte.
Stephan Sulke – 7 (Kekse) Besetzung: Keine weiteren Angaben Gastmusiker: Keine weiteren Angaben Label: Intercord Records Erscheinungsdatum: 1982 Stil: Liedermacher, Schlager, Chanson Trackliste: 1. Der Typ Von Nebenan (3:55) 2. Kekse (3:20) 3. Der Andre (2:39) 4. Graf Bobby (1:55) 5. Eine Frau (2:55) 6. In Der Schule Lernt Man Eh Bloß Quark (3:12) 7. Lulu (1:54) 8. Ist Er Schon Gefällt (2:38) 9. Nur Mal Mit Ihr Schlafen (2:15) 10. Mein Freund (3:05) Gesamtspieldauer: 27:48
„7” ist, wie der Name bereits vortrefflich verrät, das siebte Studioalbum des Schweizers Stephan Sulke. Als weiteren Titel besitzt dieses Album, welches im Jahr 1982 auf dem Label Intercord veröffentlicht wurde, den Namen „Kekse“, benannt nach dem zweiten Lied des Albums. Auf „7“ oder „Kekse“ hört man eine Mischung aus Liedermachermusik, Schlager und auch Chanson. Manches mal erinnert die Musik an die der Hildegard Knef. Mit Pop oder gar Rock hat das natürlich gar nichts zu tun.
Zum Teil kann man sich in diese Musik noch hineinhören, die allerdings schon irgendwie sehr speziell ist. Je mehr Chanson oder auch Big Band Sound jedoch zu hören ist, umso schwieriger wird das Ganze. Solch Lieder wie „Kekse“ oder „Lulu“ sind wahrlich schwere Kost und ich weiß überhaupt nicht, welche Voraussetzungen man mitbringen muss, um hieran Gefallen zu finden. Ganz schlimm. Gespielt „lustige“ Texte treffen da auf Musik, die es nicht schafft ins Ohr zu gehen, dabei als Einheit unfassbar seicht klingt.
Auf der ersten Plattenseite sind die Titel „Der Typ Von Nebenan“, „Der Andre“ und „Eine Frau“ zumindest nach vielen Durchläufen der Scheibe noch hörbar. Irgendetwas erscheint sich einem da zu erschließen, viel jedoch nicht. Die zweite Plattenseite ist dann nur noch schlimm. Dieses chansonmäßige Gesäusel ist sehr schwierig. Das letzte Lied „Mein Freund“ könnte dabei 1:1 von Hildegard Knef eingesungen worden zu sein. Stephan Sulke scheint hier auch deren Stimme anzunehmen.
Fazit: Musikhörerinnen und Musikhörer, die gerne französische Chansons, Big Band Sound und Hildegard Knef hören, könnten hier Spaß haben und die Platte „Kekse“ von Stephan Sulke mögen. Für alle anderen wird es definitiv schwierig bis fast unmöglich, mit solch Liedern etwas anfangen zu können. Die Texte wollen komisch sein, sind es jedoch nicht, können auch selten irgendwie anregen. Die Musik selbst ist fad und langweilig – größtenteils zumindest. Weiterer Kritikpunkt des Albums ist sicherlich die extrem kurze Laufzeit der Platte, wenn diese wohl aber auch Erleichterung hervorrufen kann. Drei Punkte.
Anspieltipps: Der Typ Von Nebenan, Der Andre, Eine Frau
Double – Blue Besetzung: Kurt Maloo – lead vocals, multi-instruments Felix Haug – multi-instruments Gastmusiker: Christian Ostermeier – saxophone, flute Bob Morgan – trombone on "Woman Of The World" Thomas Jordi – fretless bass on "Tomorrow" Liz McComb – additional vocals on "I Know A Place" and "Your Prayer Takes Me Off" Label: Metronome Records Erscheinungsdatum: 1985 Stil: Pop Trackliste: 1. Woman Of The World (3:53) 2. I Know A Place (3:40) 3. The Captain Of Her Heart (4:35) 4. Your Prayer Takes Me Off (6:20) 5. Rangoon Moon (4:01) 6. Urban Nomads (4:58) 7. Love Is A Plane (3:40) 8. Tomorrow (4:35) Gesamtspieldauer: 35:42
Double waren eine Schweizer Band, ein Duo. Dieses gründete sich im Jahr 1983 und hatte mit ihrem ersten Album „Blue“, welches im Jahr 1985 veröffentlicht wurde, bereits ihren Höhepunkt erreicht. Zwei Jahre später folgte dann noch das deutlich weniger erfolgreiche zweite Album „DOU3LE“ und 1989 löste sich die Band schließlich wieder auf. Zum 20. Jahrestag von Double wollten die beiden Double-Musiker Kurt Maloo und Felix Haug neue Aufnahmen der Band herausbringen, doch im Jahr 2004 starb Felix Haug völlig überraschend und mit lediglich 52 Jahren an einem Herzinfarkt.
Double klingen leicht jazzig auf „Blue“, dabei immer irgendwie swingend und locker. Allerdings muss man genau diese relaxte Art der Musik auch mögen, um mit der Scheibe etwas anfangen zu können. Diese etwas poppige und jazzige Musik geht nicht unbedingt sofort ins Ohr, oftmals auch gar nicht. Cool wirkt das Ganze durchaus und klingt auch so, mitreißend ist dies allerdings nicht.
Nun, ein Titel auf „Blue“ sticht jedoch sehr aus den insgesamt acht Nummern heraus. Das ist das Lied „The Captain Of Her Heart“. Ein wunderschönes und sanftes Stück, welches jetzt wirklich gut ins Ohr geht und dabei sogar diesen gewissen Ohrwurmcharakter aufweist. Das Lied konnte sich selbst in den USA in den Charts platzieren und war das Ausrufezeichen der Band, wodurch man bei Blue durchaus von einem „One Hit Wonder“ sprechen kann. Ansonsten ist da noch der letzte Titel auf „Blue“, das Lied „Tomorrow“, welches noch halbwegs interessant und eingängig klingt. Der ganze Rest versinkt irgendwie in weicher Süße, die zumindest mich überhaupt nicht mehr zu packen versteht.
Fazit: Jazzigen Pop bekommt man auf „Blue“ von der Schweizer Band Double zu hören. Dieser umgarnt einen größtenteils mit sehr süßlicher Atmosphäre, wirkt dabei sehr relaxt und absolut entspannt, kann aber leider jedoch so gar nicht überzeugen. Das gilt allerdings nicht für das Lied „The Captain Of Her Heart“, welches einen Ohrwurm darstellt, den man so schnell nicht mehr vergisst. Ansonsten ist das absolut keine Musik für einen Rock Fan. Fünf Punkte.
Pure Inc. – Pure Inc. Besetzung: Gianni Pontillo – the throat Sandro Pellegrini – guitars Gentman – bass Dave Preissel – drums Gastmusiker: Pascal Van Doyen – additional guitars Ursi Ingold – female vocals Guiseppe Piazzi – percussion José Espasandin – samples Label: AFM Records Erscheinungsdatum: 2004 Stil: Hard Rock, Heavy Metal Trackliste: 1. Fear My Eyes (4:18) 2. Genius (3:19) 3. Piece Of Mind (2:32) 4. On The Verge (4:06) 5. Next To You (3:54) 6. Promise (4:03) 7. T.O.T. (4:42) 8. Black Tea (2:50) 9. Believin' (3:48) 10. Falling Season (7:24) Gesamtspieldauer: 41:02
Pure Inc. war eine Schweizer Hard Rock bis Heavy Metal Band aus dem Kanton Basel. Insgesamt vier Alben veröffentlichten Pure Inc. im Laufe ihres Bestehens, von der Gründung im Jahr 1994 bis zur Auflösung 2011. „Pure Inc.“ aus dem Jahr 2004 ist dabei ihr selbstbetiteltes Debut-Album und erschien auf dem Label AFM Records.
Zu hören gibt es auf diesem Album gut gemachten und überzeugenden Heavy Metal, der nicht nur ordentlich knallt, sondern dabei auch niemals die Melodie des Songs vernachlässigt. Vieles auf „Pure Inc.“ geht ins Ohr, überzeugt dabei und hört man immer wieder gerne, da einige der Lieder Souren hinterlassen. Hier gibt es den harten Rocker, der zum ausgedehnten Headbanging einlädt, neben der sanften, weichen und überaus melodiösen Ballade, mit der Heavy Metal Bands immer auch ihren weichen Kern neben der groben Schale zu präsentieren verstehen.
Nun, auf „Pure Inc.“ von Pure Inc. hört man nicht unbedingt Neues, jedoch Altbewährtes, wenn man auf die härteren Töne in der Musik steht. Und all dieses wird noch interessanter, je öfters man die Scheibe einlegt. Höhepunkt der Platte ist dabei die letzte Nummer, „Falling Season“. Ein rockiges Lied, welches sanft eingeleitet wird und gegen Ende hin einen fast schon hypnotischen Instrumentalteil aufweist, der wunderbar ins Ohr geht. Das Lied wird auf fast siebeneinhalb Minuten ausgedehnt und ist dabei keine Sekunde zu lang. Klasse Titel der zeigt, wie genial Hard Rock klingen kann.
Fazit: Wer auf Heavy Metal oder Hard Rock steht, die oder der wird an „Pure Inc.“ von Pure Inc. garantiert Gefallen finden. Die Mischung zwischen harten Titeln und weichen Balladen stimmt, die Lieder gehen ins Ohr und im Falle des letzten Liedes „Falling Season“ sogar so gut, dass man die Scheibe immer wieder hören möchte. Ein überzeugendes Album einer fast unbekannten Band. Neun Punkte.
Lacrimosa – Satura Besetzung: Tilo Wolff – Gesang & alle übrigen Instrumente Gastmusiker: Sebastian Hausmann – Gitarre & Bass Philippe Alioth – Programming Sabina Rehmann – Violine Natascha Pickel – Babymonolog Label: Hall Of Sermon Erscheinungsdatum: 1993 Stil: Gothic Rock Trackliste: 1. Satura (9:24) 2. Erinnerung (6:39) 3. Crucifixio (6:24) 4. Versuchung (8:39) 5. Das Schweigen (8:04) 6. Flamme im Wind (10:31) Gesamtspieldauer: 49:44
„Satura“ heißt das zweite Studioalbum von Lacrimosa, diesem Musikprojekt des Tilo Wolff. 1993 erschien die Platte auf dem bandeigenen Label „Hall Of Sermon“, zu einer Zeit, als Lacrimosa wirklich noch quasi das Ein-Mann-Projekt des Tilo Wolff war. Erst nach der Veröffentlichung dieses Albums stieß nun auch die Finnin Anne Nurmi zu Lacrimosa und wurde zum festen Bandmitglied.
Zu hören ist auf „Satura“ ein musikalischer Stil, angesiedelt irgendwo zwischen Gothic Rock und der sogenannten „Neuen Deutschen Todeskunst“. Das bedeutet nichts anderes, als dass sich in tiefe, weite und traurige Synthesizer-Klanglandschaften auch zum Teil harte und aggressive E-Gitarren eingraben. Über allem schwebt ein Duft des Maroden, der Traurigkeit bis hin zur Verzweiflung. Dabei sind die ausgedehnten Stücke immer überaus melodiös und gehen schnell ins Ohr. Lange, intensive Synthesizer-Klanglandschaften wechseln sich auf „Satura“ mit Rock-Elementen ab und dazu gibt es einen Gesang zu hören, der hier noch immer Deutsch eingesungen wurde und mal nach Bass, dann wieder wie ein Choral klingt und schließlich zum Teil sogar so eingesungen wurde, dass man meint Gollum säße vor dem Mikrophon.
Auch dies trägt durchaus zur Abwechslung auf „Satura“ bei. Die schönsten Momente des Albums befinden sich an dessen Anfang mit dem Titellied „Satura“ und dessen Ende mit den Nummern „Das Schweigen“ und „Flamme im Wind“. Hier erklingt die Musik von Lacrimosa noch ein wenig intensiver und packender, geht dabei ohne Umwege ins Ohr und bleibt im Falle von „Flamme im Wind“ auch durchaus länger hängen. Gerade dieses letzte Lied, aufgebaut aus mehreren, unterschiedlichen Abschnitten, präsentiert die Atmosphäre der Lieder von Lacrimosa auf „Satura“ dabei sehr gut. Alle Ingredienzien der Musik des Tilo Wolff sind hier sehr überzeugend aneinandergereiht. Der Höhepunkt des Albums.
Fazit: „Satura“ von Lacrimosa ist eine schöne Platte geworden, zumindest wenn einem so ein kleiner Hang zum Melancholischen bis hin zum Maroden innewohnt und man darin nicht in unendliche Tiefen versinkt. „Lacrimosa“ bedeutet „tränenreich“ und das trifft die vorherrschende Stimmung auf dem Album sehr passend. Lustig oder fröhlich geht es hier niemals zu und so hört sich die Musik von Lacrimosa auch niemals an. Dunkel und düster ist die Atmosphäre, die hier verbreitet wird, dabei jedoch durchaus auch eingängig und größtenteils weich. Interessant ist das in jedem Fall. Zehn Punkte.
Anspieltipps: Satura, Das Schweigen, Flamme im Wind
The Young Gods – Knock On Wood Besetzung: Franz Treichler – guitar, percussion, vocals Al Comet – guitar, percussion Bernard Trontin – drums, percussion Gastmusiker: Vincent Hänni – Guitar Label: PIAS Recordings Erscheinungsdatum: 2008 Stil: Rock Trackliste: CD: 1. Our House (5:38) 2. I'm The Drug (2:55) 3. Everythere (4:43) 4. Gasoline Man (5:07) 5. Speak Low (4:59) 6. Charlotte (2:07) 7. Ghost Rider (12:02) 8. Longue Route (4:22) 9. She Rains (5:28) 10. Freedom (4:03) 11. Skinflowers (4:19) Gesamtspieldauer: 55:47 DVD: I. Live At Moods, Zürich, December 18th, 2006 1. I'm The Drug 2. Gasoline Man 3. Speak Low 4. Ghost Rider 5. Longue Route 6. She Rains 7. Everything In Its Right Place 8. If Six Was Nine II. Take Away Shows, Paris, April 17th, 2007 1. Charlotte 2. I'm The Drug 3. Gasoline Man Gesamtspieldauer: (47:33) & (13:22): 1:00:55
The Young Gods, das ist eine Post-Industrial-Band aus Fribourg, in der Schweiz. Mitte der 80er Jahre wurden die Young Gods gegründet und haben seither insgesamt sieben Studioalben veröffentlicht. Bestand die Musik der Band zunächst lediglich aus Schlagzeug, Sampler und Gesang, so spielte die Gitarre auf späteren Veröffentlichungen eine immer größere Rolle. Bei dem vorliegenden Album, „Knock On Wood“, handelt es nicht um ein offizielles Studioalbum, sondern um ein Kompilationsalbum, welches akustisch eingespielt wurde, also auf das Sampling verzichtet.
Manchmal ergeht es einem so, man legt Musik auf und es scheint einem bereits nach wenigen Sekunden den Boden unter den Füßen wegzuziehen, so beeindruckend ist das, was man da gerade zu hören bekommt. Genau so erging es mir, als ich „Knock On Wood“ von The Young Gods das erste Mal auflegte und die ersten Akkorde mein Ohr erreichten. Diese unfassbar lebhafte und mitreißende Musik, bei der die akustische Gitarre im Vordergrund steht, schafft es einen vom ersten Takt an in den Bann zu ziehen.
Die Lieder der Young Gods auf „Knock On Wood“ sind dabei eigentlich alles andere als abwechslungs- oder variantenreich. Ganz im Gegenteil, die Musik könnte von Hörerinnen und Hörern sogar mit „eintönig“ umschrieben werden, was sie auf eine gewisse Art und Weise auch ganz bestimmt ist. Doch trotzdem ist ganz gewiss der falsche Ausdruck, ein nicht zutreffender Begriff. Sehr viel eher ist die Musik der Yong Gods auf „Knock On Wood“ meditativ und fast schon mit hypnotisch zu umschreiben. Wenn immer und immer wieder ein Akkord wiederholt wird, dabei das gesamte Lied nur wenig variiert, dann öffnen sich beim lauten Hören ganz automatisch neue Türen – jedoch ganz ohne bewusstseinserweiternde Zusatzmedikation. Das Ganze klingt so dermaßen begeisternd, was The Young Gods hier vortragen, dass es einen nach jedem Mal des Hörens sehr beeindruckt zurücklässt. Diese Musik ist so dermaßen angefüllt mit Energie, wirkt so kraftvoll und mitreißend, dass man sich diese als auralen Smoothie morgens geben sollte, um den Tag optimal zu starten.
Besonders gelungen dabei sind der Einstieg in das Album mit den Titeln „Our House“, „I'm The Drug“ und „Everythere“ sowie das episch lange „Ghost Rider“, bei dem man diesen meditativen Ansatz der Musik am stärksten fühlt. Dieses Lied ist eine Cover-Version des gleichnamigen Liedes des New Yorker No-Wave-Duos Suicide, welches auf exzellente Art und Weise interpretiert wird. Es ist das Minimalistische in der Musik der Young Gods, was diese, ihre Musik so maximal wirken lässt. Viele ähnliche Beispiele gibt es hierfür in der modernen Pop-Musik sicherlich nicht.
Schließlich bekommt man mit dem Album noch eine DVD mitgeliefert. Diese unterteilt sich in zwei Einheiten. Zum einen sieht man hier ein akustisches Konzert der Band, welches sie am 18. Dezember 2006 in Zürich gab. Die Musik wirkt hier genau so wie auf der Platte selbst. Als weitere Zugabe bekommt man drei Titel in sogenannten „Take Away Shows“ präsentiert. Diese wurden am 17. April 2007 in Paris aufgenommen und bedeuten nichts anders, als dass die Musiker durch die Straßen oder Museen von Paris laufen und dabei ihre Musik spielen. Sieht man so auch nicht alle Tage, vom musikalischen Gesichtspunkt allerdings gewagt allerdings mal was ganz anderes.
Fazit: Auf „Knock On Wood“ von The Young Gods hört man hauptsächlich akustische Gitarrenmusik, die absolut mitreißend wirkt, in ihrem Minimalismus. Redundant werden hier Akkorde bis zum Exzess immer und immer wieder wiederholt. Dabei klingt alles zwar fordernd, jedoch auch wunderbar eingängig. Ich selbst hätte keinen Vergleich parat, wo man Musik dieser Art mit der gleichen Intensität hören könnte. Beeindruckend ist das allemal. Dreizehn Punkte.
Anspieltipps: Our House, I'm The Drug, Everythere, Ghost Rider