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Donnerstag, 19. März 2020

CocoRosie – Put The Shine On




CocoRosie – Put The Shine On


Besetzung:

Bianca Casady – all instruments & vocals
Sierra Casady – all instruments & vocals


Gastmusiker:

Thelxepeia van der Borch – vocals (track 1)
Nico Kalwill – guitar (track 1 & 8), bass (tracks 8 & 9)
Asya Sorshneva – violin (tracks 1, 3, & 12)
Lacy Lancester – drums (track 1, 4 & 11)
Justin “Jay McK” McKinney – bass (tracks 2, 3, 6 & 8)
Mark Simmons – drums (tracks 3, 6 & 8)
Bobby Sparks II – keyboards (tracks 6 & 8)
Tavahn Ghazi – guitar & drums (track 7)
Douglas Wieselman – bass, clarinet (track 11)


Label: Marathon Artists


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Pop


Trackliste:

1. High Road (4:06)
2. Mercy (4:00)
3. Restless (5:48)
4. Smash My Head (4:26)
5. Where Did All The Soldiers Go (4:44)
6. Hell‘s Gate (5:18)
7. Did Me Wrong (3:40)
8. Lamb And The Wolf (4:32)
9. Slow Down Sun Down (4:30)
10. Burning Down The House (4:39)
11. Ruby Red (4:30)
12. Aloha Friday (4:20)

Gesamtspieldauer: 54:39



Dieses Mal dauerte es viereinhalb Jahre, bis das Schwestern-Duo Bianca und Sierra Casady ihr neues und damit bereits siebtes Studioalbum veröffentlichten. „Put The Shine On“ heißt dieses und man muss ein wenig Lächeln, wenn man liest, dass die Musik der beiden in Paris lebenden US-Amerikanerinnen mit „New Weird America“ oder gar „Freak Folk“ umschrieben wird.

Freak Folk? Nun, ungewöhnlich klingt die Musik von CocoRosie auf jeden Fall. Da hört man poppige Klänge, eine kleine Prise Rock, Electronica, Hip Hop und noch so einiges mehr. Das war auf früheren Alben bereits so und Bianca und Sierra Casady entwickeln ihre Lieder auch auf „Put The Shine On“ immer noch genreübergreifend. Doch das ist noch nicht das Besondere an der Musik der beiden Schwestern. CocoRosie klingen völlig anders als andere Bands. Unverwechselbar. Manchmal irgendwie verwunschen, mystisch, dann wieder schräg und ausgefallen, auf jeden Fall immer besonders. Neben der Musik trägt auch der Gesang von Bianca und Sierra Casady einiges zu diesem Gesamteindruck bei, der mal gesungen, mal flüsternd, flehend, fordernd, gesäuselt, weinerlich oder einfach nur wunderschön und zart aus den Boxen fließt.

Genauso abwechslungsreich wie der Gesang, so klingt auch die Musik. Die Lieder können sich sehr eingängig anhören, an anderer Stelle schließlich deutlich fordernder und gar nicht mehr so leicht zugänglich. Mit jedem Durchlauf erfasst man diese Musik jedoch besser und intensiver und die einzelnen Nummern werden schließlich zu Freunden. Schräg und skurril klingt das dann zwar teilweise immer noch, doch irgendwie merkt man, dass es genau so und nur so wirklich wirken kann. Musik kann so beeindruckend sein.

Fazit: CocoRosie klingen auch auf ihrem neuesten Werk „Put The Shine On“ wie CocoRosie. Melodisch und skurril, eingängig und schräg. All dies vereinigen die zwei Schwestern auf ihrem Album und lassen es dadurch erneut zu besonderer Musik werden. Hörenswert für alle, die das Außergewöhnliche suchen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Where Did All The Soldiers Go, Aloha Friday



Samstag, 14. November 2015

CocoRosie – Heartache City




CocoRosie – Heartache City


Besetzung:

Bianca Casady – vocals, ohne weitere Instrumentenangabe
Sierra Casady – vocals, ohne weitere Instrumentenangabe


Gastmusiker:

Takenya Nakamura – trumpet, keys
Tez – beatbox
Tarahn Ghazi – singing bowls


Label: Eigenveröffentlichung


Erscheinungsdatum: 2015


Stil: Post Rock, Art Pop, Freak Pop


Trackliste:

1. Forget Me Not (5:29)
2. Un Beso (4:18)
3. Lost Girls (5:20)
4. Heartache City (3:14)
5. The Tower Of Pisa (3:19)
6. Bed Bugs (3:46)
7. Tim And Tina (4:14)
8. Big And Black (5:54)
9. Lucky Clover (5:23)
10. No One Knows (3:29)

Gesamtspieldauer: 44:30




Seltsam klingt sie die Musik von CocoRosie, wieder mal sehr seltsam. Diese so zerbrechlich klingenden Stimmen der zwei Schwestern Casady, dazu eine irgendwie geartete minimalistische Musik, das hat schon irgendwie etwas ganz Besonderes. Bianca und Sierra spielten das Album fast ganz allein in ihrem Tonstudio im Süden Frankreichs ein. Ein Umstand, der nicht weiter verwundert, denn wer könnte außer den beiden Musikerinnen zu dieser Musik noch Input einbringen? Wohl kaum jemand, denn zu anders klingt das alles. Ein seltsames, trauriges Flair prägt das sechste Album der zwei US-Amerikanerinnen, welches sie unter dem Titel „Heartache City“ im Jahr 2015, ohne Plattenfirma, im Selbstvertrieb veröffentlichten.

„Heartache City“ klingt wieder mehr wie die ersten Veröffentlichungen von CocoRosie. Es hört sich nicht mehr so poppig an, ist deutlich weniger Synthesizer-dominiert. Manches Mal etwas roh, blank, minimalistisch eben. Die Melodien und Harmonien eröffnen sich einem auch nicht gleich beim ersten Hören der Scheibe. Da bedarf es schon einiger Durchläufe der Platte, die dann allerdings immer mehr an Charme und Eingängigkeit gewinnt. Vor allem in der Mitte des Albums verstecken sich einige wahre Perlen, die es zu entdecken lohnt. Mit Freak Folk wird diese Musik auch manchmal umschrieben, eine Umschreibung, die bereits eine ganze Menge darüber aussagt, auf was man sich bei der Musik der beiden Schwestern einzustellen hat – nämlich auf etwas ganz Anderes, durchaus irgendwie Besonderes.

CocoRosie klingen einmal mehr schräg, verdreht, seltsam, manchmal auch irgendwie verwirrt und so gar nicht von dieser Welt stammend. Da laufen vor dem geistigen Auge mystische und verwunschene Szenen ab, in denen Elfen eine große Rolle zu spielen scheinen. Auch könnte man sich vorstellen, dass J.R.R. Tolkien gerne seine Elben so gehört hätte. Das alles deutet schon darauf hin, dass man sich für dieses Werk wahrlich Zeit nehmen muss. Definitiv keine Musik für das „Nebenbeihören“. Und sicherlich wird es auch genug Hörerinnen und Hörer geben, die bereits nach den ersten Takten entnervt zur Fernbedienung greifen, um zwei, drei Mal die Skip-Taste zu betätigen, um „Heartache City“ schließlich dann doch ganz zum Schweigen zu bringen. Nachvollziehbar, jedoch „zu früh aufgegeben“ möchte man diesen Menschen dann zurufen. Allerdings ist es wirklich so, dass man mit dieser Art der Musik immer nur wenige Hörerinnen und Hörer erreichen wird, dazu sind CocoRosie einfach zu anders.

Fazit: Ja, CocoRosie klingen echt seltsam. Auf „Heartache City“ hört man sowas von unkommerzieller Musik, dass man den Mut der beiden Schwestern gar nicht hoch genug einschätzen und würdigen kann. Allerdings finden sich für diese Art der Musik auch Menschen, denen so etwas gefällt, die hier gerne Zuhören. Was CocoRosie allerdings wieder mal nicht können, das ist ein interessantes Album Cover zu gestalten – obwohl, dieses schrullige Bild passt dann doch irgendwie in das Gesamtkonzept. Ich finde CocoRosie klingen auf „Heartache City“ wie ein Märchen, in dem ganz seltsame Gestalten viele Abenteuer erleben, die allerdings nicht immer gut auszugehen scheinen. Gute Unterhaltung. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Lost Girls, Heartache City, The Tower Of Pisa, Bed Bugs



Donnerstag, 13. März 2014

CocoRosie – The Adventures Of Ghosthorse And Stillborn




CocoRosie – The Adventures Of Ghosthorse And Stillborn


Besetzung:

Bianca Casady – vocals, ohne weitere Instrumentenangabe
Sierra Casady – vocals, ohne weitere Instrumentenangabe


Gastmusiker (ohne weitere Instrumentenangabe):

Tez
Josh Wernez
Spleen
Gael Rakotondrabe
Christina Chalmers
BenMo
Celena
Glenn
Nomi


Label: Cherry Red Records


Erscheinungsdatum: 2007


Stil: Post Rock, Dream Pop


Trackliste:

1. Rainbowarriors (3:56)
2. Promise (3:37)
3. Bloody Twins (1:38)
4. Japan (5:02)
5. Sunshine (2:59)
6. Black Poppies (2:38)
7. Werewolf (4:50)
8. Animals (6:02)
9. Houses (2:57)
10. Raphael (2:48)
11. Girl And The Geese (0:47)
12. Miracle (inklusive Hidden Track „Childhood") (11:36)

Gesamtspieldauer: 48:50




„The Adventures Of Ghosthorse And Stillborn” heißt das dritte Album der Schwestern Bianca und Sierra Casady, welches 2007 veröffentlicht wurde. Und wieder hört man hier Musik, die man durchaus auch mit „seltsam“ umschreiben kann. Melodiös ist das alles, allerdings angefüllt mit einem wahren Füllhorn von Nebengeräuschen, wie Fiepsen, Gluckern, Pfeifen, Grunzen, Zwitschern, Stöhnen, Klingeln und noch sehr vielem mehr. Über allem steht dabei der Gesang der beiden Schwestern, der mal in weiblichen Sopran-Tonlagen wiedergegeben wird, sich an einer anderen Stelle wiederum relativ „normal“ und poppig anhört, dann jedoch nach einem kleinen Mädchen klingt und manchmal sogar die Tonhöhe eines Babys anzunehmen scheint. Wahrlich nicht alltäglich das Ganze.

Es ist so eine kleine Reise, die man mit dem Einlegen der CD startet. Hier wird dem Sprechgesang gefrönt, gesungen, gesummt und ausgiebig mit der menschlichen Sprache gespielt. Das alles in den bereits erwähnten unterschiedlichen Gesangshöhen. Meistens ist die Musik auf „The Adventures Of Ghosthorse And Stillborn” sehr sanft und mild formuliert. Rhythmisch und treibend, wie bei dem zunächst etwas nach einem Kinderlied klingenden „Japan“, klingt es nur sehr selten. Aber auch dieser Titel mündet in eine Art Sopran-Arie, um dann erneut in diesen rhythmischen Teil überzugehen. Die Schwestern bereiten sich den Weg zum Ohr des Hörers auf eine sehr schwerelose Art und Weise, das wirkt alles sehr locker und leicht, überaus verspielt und häufig auch experimentell. Gesang dieser Art gibt es sonst wohl nirgendwo anders zu hören.

Man muss dem Album auf jeden Fall Zeit geben, um wirklich landen und das Ohr treffen zu können. Zu ungewöhnlich sind oftmals die Songstrukturen, die Instrumentierung und der bereits mehrmals angesprochene Gesang. Es bedarf somit einiger Durchläufe, denn auf das erste Hören ist hier nur sehr wenig eingängig. Es scheint fast so, als ob im Gehirn des Hörers erst die richtigen Verknüpfungen koordiniert werden müssten, um in diese Klangwelt vollkommen eintauchen zu können.

Fazit: Sicherlich eines der seltsamsten Alben, die ich kenne. Die Musik ist dabei zwar sehr eingängig, allerdings erst nach dem mehrmals wiederholten Hören. Auf diese ganzen Geräusche, die sich da im Hintergrund abspielen, muss man sich zudem einlassen können. Das ist mitunter zunächst alles sehr ungewöhnlich und auch ein klein wenig gewöhnungsbedürftig. Hat man sich diese Strukturen allerdings erschlossen, wächst auch das Album zu einem vertrauten Freund heran. Neun Punkte.

Anspieltipps: Japan, Raphael



Montag, 10. Februar 2014

CocoRosie – Noah’s Ark




CocoRosie – Noah’s Ark


Besetzung:

Bianca “Coco” Casady – all instruments and vocals
Sierra “Rosie” Casady – all instruments and vocals


Gastmusiker (ohne Instrumentenangabe):

Antony
Devendra Banhart
Greg Regove
Diane Gluck
Jana Hunter
Ardzen
Spleen


Label: Touch And Go Records


Erscheinungsdatum: 2005


Stil: Post Rock, Art Pop, Freak Folk


Trackliste:

1. K-Hole (4:10)
2. Beautiful Boyz (4:38)
3. South 2nd (4:10)
4. Bear Hides And Buffalo (4:14)
5. Tekno Love Song (3:55)
6. The Sea Is Calm (3:40)
7. Noah's Ark (4:13)
8. Milk (0:35)
9. Armageddon (4:04)
10. Brazilian Sun (4:38)
11. Bisounours (4:07)
12. Honey Or Tar (2:09)

Gesamtspieldauer: 44:32




Erneut ist es eine Reise, auf die die beiden Schwestern Bianca “Coco” und Sierra “Rosie” Casady ihre Hörer schicken. Das Album ist angefüllt mit melancholischer und auch trauriger Musik, die über und über unterfüttert wurde mit zahlreichen Nebengeräuschen. Da gluckert und blubbert es, da wird gemaunzt, gewiehert und gegrunzt, es klingelt und scheppert, man hört dumpfes Stampfen, Gequake, verzerrte Stimmen und Rauschen in vielen Variationen.

Dazu gesellt sich einmal mehr der Gesang der beiden Schwestern, der zwischen opernhaftem Sopran und kindlich naiver Akzentuierung hin- und herwechselt. Dies alles lässt das Hörerlebnis auf dem Album sehr intensiv werden, hinterlässt Eindruck und eine gewisse Faszination. Allerdings darf der Umstand auch nicht unerwähnt bleiben, dass „Noah’s Ark“ kein Album ist, welches sich einem gleich beim ersten Hören uneingeschränkt erschließt. Einige Durchgänge sind hier vonnöten, um diese Klaggebilde zu öffnen, deren Schönheit zu erhören und darin eintauchen zu können.

Dies allerdings vor dem Hintergrund, dass alles überaus melodiös und harmonisch gehalten ist, jedoch in seiner Art und Weise durchaus auch schräg klingt, mitunter überaus ungewöhnlich, manchmal zudem verworren. Neben zahlreichen Loops wird dem Piano häufig eine sehr zentrale Rolle in der Instrumentierung eingeräumt, wodurch die Musik immer weich und warm klingt. Und kommt dieses Instrument einmal nicht zum Einsatz, dann wird diese Position von einer sanft klingenden Akustik-Gitarre übernommen, eine Harfe erklingt oder man hört ein Glockenspiel.

Fazit: Keine einfache Musik präsentieren uns CocoRosie hier auf ihrem zweiten Studioalbum aus dem Jahr 2005. Dies ist eine Art der Musik, die es zu erarbeiten gilt. Das Besondere ist neben der Instrumentierung mit all ihren Soundeffekten und Geräuschen ganz klar der Gesang der beiden Schwestern. Dieser kindliche Gesang in Kombination mit einer Sopran-Stimme ist wohl eine sonst so nirgendwo anzutreffende Kombination. All das macht diese Platte überaus spannend, wobei es sich lohnt, sich viel Zeit und Ruhe für das Hören einzuplanen. Nebenbei konsumieren geht hier einfach nicht. Elf Punkte.

Anspieltipps: South 2nd, Bear Hides And Buffalo



Dienstag, 31. Dezember 2013

CocoRosie – La Maison De Mon Rêve




CocoRosie – La Maison De Mon Rêve


Besetzung:

Bianca “Coco” Casady – all instruments and vocals
Sierra “Rosie” Casady – all instruments and vocals


Label: Touch And Go Records


Erscheinungsdatum: 2004


Stil: Post Rock, Art Pop, Freak Folk


Trackliste:

1. Terrible Angels (4:10)
2. By Your Side (4:00)
3. Jesus Love's Me (3:11)
4. Good Friday (4:23)
5. Not For Sale (1:20)
6. Tahiti Rain Song (3:37)
7. Candy Land (2:56)
8. Butterscotch (3:09)
9. West Side (1:25)
10. Madonna (3:49)
11. Hatian Love Songs (4:56)
12. Lyla (4:04)

Gesamtspieldauer: (41:00)




Was soll eigentlich „Freak Folk“ sein? Nun, wenn man dem Debut Album, der beiden in Paris lebenden amerikanischen Schwestern „La Maison De Mon Rêve“ lauscht, dann weiß man, was damit gemeint ist. Ganz sanfte Musik, äußerst spartanisch instrumentiert, unterfüttert mit quietschenden Geräuschen, Rattern, Rauschen, Fiepsen, Vogelzwitschern oder aber Klängen, die man so gar nicht mehr zuordnen kann. Dazu gibt es immer wieder einen Gesang zu hören, der oftmals zwischen Mickey Mouse und kleines Mädchen hin- und herwechselt, dann wieder sehr weiblich klingt.

Nun, Folk Musik ist das in gewissem Sinne schon noch, allerdings in einer sehr experimentellen Art und Weise. Das Ganze klingt im Grunde genommen niemals atonal, obwohl dem Hörer eine richtiggehende melodiöse Struktur in den einzelnen Titeln auch nicht sofort ins Ohr springt. Und dann, nach dem mehrmaligen Hören scheint das Feld bestellt zu sein, denn auch wenn die einzelnen Lieder zunächst nur sanft, weich und zerbrechlich klingen, tritt mit jedem weiteren Durchlauf auch die den Titeln innewohnende Harmonie immer deutlicher zutage. Es wird eine sehr intensive Stimmung geschaffen, die ihresgleichen sucht. Alles wirkt zudem traurig und ein wenig depressiv, was nicht zuletzt auf diese sehr zurückhaltende Instrumentierung in Verbindung mit dem außergewöhnlichen Gesang zurückzuführen ist.

Richtig schön eingängig, obwohl ebenfalls „verziert“ mit allerhand seltsamen Geräuschen, wird es bei „Good Friday“. Hier kann man diese folkige Stimmung bestens genießen und in ihr eintauchen. Das andere „Extrem“ wäre dagegen zum Beispiel die Nummer „Tahiti Rain Song“. Hier hört man zu Beginn einen Regenguss und es wird, bis auf ein klein wenig sehr gedämpfte Perkussion, im weiteren Verlauf weitestgehend auf eine Instrumentierung verzichtet. Eine Flöte füllt zwar die Parts aus, an denen der sehr weit entfernt wirkende Gesang nicht zu hören ist, was jedoch nichts mehr an der experimentellen Struktur dieses Liedes ändert. Lieblicher wird es danach gleich wieder mit „Candy Land”, hier ist schließlich, erneut neben einigen undefinierbaren Hintergrundgeräuschen, eine sehr schöne Harfenmelodie zu hören, die angefüttert wurde mit dezentem, textlosen Soprangesang.

Fazit: „La Maison De Mon Rêve” ist ein sehr weibliches und sanftes Album geworden. Trotz der einheitlichen und tieftraurigen Atmosphäre, hält diese Platte sehr viel Abwechslung für den Hörer parat. Auf der Scheibe findet sich Musik, die man sicherlich nicht immer und auch nicht bei jeder Gelegenheit hören kann, die allerdings in den ruhigen Momenten des Tages ihre Stärke ausspielt. Es sind schon sehr spezielle und irgendwie „anders“ geratene Töne, die uns die beiden Schwestern hier präsentieren – und zwar in einer sehr spannenden Art und Weise. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Terrible Angels, Good Friday, Candy Land



Sonntag, 15. Dezember 2013

CocoRosie – Grey Oceans




CocoRosie – Grey Oceans


Besetzung:

Bianca “Coco” Casady – all instruments and vocals
Sierra “Rosie” Casady – all instruments and vocals


Gastmusiker:

Gael Rakotondrabe – piano and keys
Christina Chalmers – intro and extra vocals “Undertaker”
Martin Pantirer – bass, clarinette, alto sax “Undertaker”, “The Moon Asked The Crow”
Todd Simon – trumpet “Lemonade”
Gustavo “Bolsa” Gonzalez – drums “Hopscotch”
Florence Fritz – violin, backup vocals “Gallows”
Neda Sanai – spoken word “R.I.P. Burn Face”


Label: Souterrain Transmissions


Erscheinungsdatum: 2010


Stil: Art Rock, Experimental Rock


Trackliste:

1. Trinity's Crying (4:40)
2. Smokey Taboo (4:48)
3. Hopscotch (3:08)
4. Undertaker (3:52)
5. Grey Oceans (4:32)
6. R.I.P. Burn Face (4:38)
7. The Moon Asked The Crow (3:50)
8. Lemonade (5:14)
9. Gallows (4:25)
10. Fairy Paradise (4:20)
11. Here I Come (3:28)

Gesamtspieldauer: 46:54




Nun, wie soll man die Musik der beiden Schwestern Bianca “Coco” und Sierra “Rosie” Casady auf ihrem vierten Album mit dem Titel „Grey Oceans“ umschreiben? Ungewöhnlich? Auf jeden Fall! Irgendwie mystisch? Genau! Verspielt und verträumt? Natürlich! Eingängig? Nicht bei jedem Titel gleich beim ersten Mal! Fordernd? Mit Sicherheit!

2010 wurde „Grey Oceans“ veröffentlicht und es ist schön zu hören, dass es solche Musik heutzutage überhaupt noch gibt. So gar keine Lieder für die Hitparaden-Stationen dieser Welt befinden sich darauf. Hier ist nur wenig „normal“, alles ein klein wenig skurril, überraschend und auf eine ganz spezielle Art abgefahren. Dies wiederum lässt Spannung entstehen, die den Hörer immer wieder fordert und gleichzeitig auch mit toller Musik belohnt. Dabei ist die Platte zugegebenermaßen sehr marode, ein Großteil der Texte befasst sich mit dem Tod und dem Sterben. Auch die Stimmung der Musik selbst ist über die ganze Platte hinweg nachdenklich bis traurig. Am Deutlichsten tritt dies wohl beim Titel „Gallows“ (Galgen) zutage. Hier lohnt es sich wahrlich, sich das dazugehörende Video mal auf den diversen Plattformen anzusehen.

Meist sind die einzelnen Stücke nur sehr zurückhaltend instrumentiert, in einer Mischung aus elektronischen und analogen Instrumenten. Diese sind in einer Mixtur der musikalischen Genres Electronica, Folk, Experimentalmusik, Oper und progressiven Ausschlägen eingebettet, die immer wieder Erinnerungen beziehungsweise Vergleiche zu isländischen Künstlern wie Björk oder aber auch Sigur Rós aufkommen lassen. Trotzdem ist das Gehörte von CocoRosie hier durchweg eigenständig und in dieser Form bisher so auch ungehört. So schaffen es die beiden Schwestern ihre ganz eigene musikalische Welt zu erschaffen, was diese Platte zusätzlich so unglaublich spannend und hörenswert werden lässt. Dazu gesellen sich verschiedenste Stimmvariationen, die einmal kindlich klingen, dann wieder selbstbewussten und weiblichen Pop-Gesang darstellen, aber auch gehaucht und sehr zerbrechlich dargeboten werden können und schließlich fast schon opernmäßigen Sopran beinhalten. Dies alles in einer Selbstverständlichkeit, die keinen Raum für Fragen lässt. Alles muss genau so und nicht anders klingen. Und genau so klingt es gut.

Fazit: Die Mischung macht es hier. Die Mischung verschiedener Musikgenres und Gesangsstimmen, die diese „Eigenartigkeit“ der Musik von CocoRosie zusätzlich befeuern. Dabei kann man die Musik der beiden Schwestern durchweg als melodiös und harmonisch bezeichnen – auch wenn dies nicht unbedingt gleich beim ersten Hören bei jedem Titel sofort so wahrgenommen werden kann. Schwer ist es auch, diese Musik in irgendeine Schublade zu stecken. Am ehesten passt dann wohl wirklich diese „dunkle“, nordische Musik der oben bereits erwähnten Künstler. Obwohl? Die Musik von CocoRosie auf „Grey Oceans“ ist eigentlich doch anders… Elf Punkte.

Anspieltipps: Gallows



Dienstag, 26. November 2013

CocoRosie – Tales Of A GrassWidow




CocoRosie – Tales Of A GrassWidow


Besetzung:

Bianca Casady – vocals, flute
Sierra Casady – vocals, guitar, harp


Gastmusiker:

Raël Rakotondrabe – piano, keyboards, bass synths, guitar, organ
Antony Hegarty – vocals
Tez – beatbox
Valgeir Sigurdsson – beat programming
Ashok Foga – vocals, drums
Mahipai Foga – castanets
Kusumakar – bamboo flute
Ashley “Say Wut?!” Moyer – beatbox, additional vocals
Finnbogi Pétursson – tones, diabolus tunes
Ezekiel Healy – guitar


Label: City Slang


Erscheinungsdatum: 2013


Stil: Post Rock, Dream Pop


Trackliste:

1. After The Afterlife (3:04)
2. Tears For Animals (5:19)
3. Child Bride (4:19)
4. Broken Chariot (2:15)
5. End Of Time (3:20)
6. Harmless Monster (3:08)
7. Gravediggress (5:26)
8. Far Away (4:37)
9. Roots Of My Hair (5:58)
10. Villain (4:19)
11. Poison (4:03)
12. (Hidden Track) Devils Island (4:34)

Gesamtspieldauer: 50:22 (mit Stille vor Hidden Track: 1:00:01)




CocoRosie nannten die beiden amerikanischen Schwestern Bianca und Sierra Casady ihr Musikprojekt - nach den Spitznamen „Coco” und „Rosie”, die sie von ihrer Mutter verpasst bekommen haben. Beide leben hauptsächlich in Paris, wo sie auch ihre Musikkarriere starteten. Die Musik der beiden Schwestern ist dabei als durchaus ungewöhnlich zu bezeichnen. In einer Mischung aus Post Rock und elektronischer Musik, in der das Piano und die Flöte gleichberechtigt neben diversen Samples und der Beat Box stehen, kreieren sie einen Sound, der häufig sehr traurig und verzweifelt wirkt. Mitunter mystisch und verträumt, dann auch wieder ein klein wenig poppig. Dabei wird auch der Beat immer wieder, jedoch nicht durchgängig in den Vordergrund gerückt.

Der Stil erinnert ein bisschen an die Musik von Björk. Und dies liegt nicht nur an dem immer wieder sehr kindlich klingenden Gesang der Schwestern. Auch die Songstruktur und die Atmosphäre, die diese Lieder verströmen, weisen hier eindeutige Parallelen zur Isländerin auf. Die einzelnen Titel sind meist sehr zurückhaltend, ab und an sogar fast spärlich instrumentiert, was nicht zuletzt ebenfalls zu dieser häufig sehr ergreifenden Stimmung der jeweiligen Songs beiträgt. Richtig melodiös kann die Musik von CocoRosie ebenfalls nicht bezeichnet werden, wobei hier auch nichts atonal klingt – jedoch auf seine Art anders und spannend. Alles lebt von diesen Stimmungen, die die Lieder zu verströmen verstehen. Man fühlt sich in mystische Welten versetzt, die dazu erschaffen wurden, entdeckt zu werden. Mal hinterlassen diese ein warmes, ein anderes Mal ein melancholisches und dann wieder ein fast schon verzweifeltes Gefühl.

Fazit: CocoRosie machen auf „Tales Of A GrassWidow” fordernde Musik, die dem Titel der Platte entsprechend Geschichten erzählt. Häufig erinnert das alles ein wenig an graue Novembertage, an Melancholie und sentimentale Gefühle, andererseits gibt es jedoch auch diese wenigen poppigeren Abschnitte, die einen aus dem „Blues“ reißen. Keine Musik für den Rocker unter den Musikhörern, keine für Hitparaden-Freunde. Post Rock Fans dürften hier jedoch etwas für sich finden, Fans der bereits erwähnten Björk sowieso. „Tales Of A GrassWidow” ist ein spannendes und ruhiges Album, welches die ganze Aufmerksamkeit vom Hörer einfordert, der dann mit irgendwie gearteten Traumwelten belohnt wird. Und als Tipp sollte man sich hier auch mal die Texte genauer zu Gemüte führen, die ebenfalls keine 08/15-Ware darstellen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: After The Afterlife, Child Bride, Harmless Monster