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Mittwoch, 27. November 2013

Renaissance – Time Line




Renaissance – Time Line


Besetzung:

Annie Haslam – lead vocals, backing vocals
Jon Camp – lead vocals, backing vocals, bass, guitars
Michael Dunford – guitars, backing vocals


Gastmusiker:

Peter Gosling – keyboards
Nick Magnus – keyboards
Eddie Hardin – keyboards
Peter Barron – drums
Ian Mosley – drums
John Acock – saxophone
Dave Thomson – trumpet


Label: Repertoire Records


Erscheinungsdatum: 1983


Stil: Pop


Trackliste:

1. Flight (4:09)
2. Missing Persons (3:36)
3. Chagrin Boulevard (4:24)
4. Richard IX (3:41)
5. The Entertainer (4:46)
6. Electric Avenue (4:57)
7. Majik (3:11)
8. Distant Horizons (3:58)
9. Orient Express (3:56)
10. Auto-Tech (5:21)

Gesamtspieldauer: 41:59




Fönfrisuren bekommt man auf dem Cover zum insgesamt elften Album von Renaissance aus dem Jahr 1983 kredenzt. Dabei stehen sich alle drei Protagonisten in nichts nach. Das Album macht also schon von der Aufmachung her den Eindruck, dass es sich hier um ein Pop-Album handelt und dieser Eindruck wird sofort mit dem ersten Stück bestätigt. Und mit dem zweiten, dem dritten Titel und so weiter. Zum Teil haben sich die drei Musiker offensichtlich auch vorgenommen, mal in die Funk-Richtung zu tendieren, wie beim unglaublich schwachen „Electric Avenue“. Aber um bei der Wahrheit zu bleiben, dieses Stück ist nur unwesentlich schlechter als der Rest der Platte, bei deren Hören eine ordentliche Portion Masochismus mit Sicherheit nicht hinderlich ist, um dieses grauenvolle Gedudel auch durchzustehen.

Diese Pop-Musik ist so etwas von nichtssagend und belanglos, dass man sich fragt, wie die Musiker, die nur wenige Jahre zuvor grandiose Alben veröffentlichten, sich bei den Aufnahmen gefühlt haben müssen. Auch die noch auf der vorherigen Platte vorhandenen New Wave Anleihen sind verschwunden. Simpler Pop pur wird dem Hörer auf „Time Line“ geboten. Daher lautet eine ebenfalls interessante Frage, wie sich wohl jene Renaissance Fans, die 1983 dieses Album erstanden, gefühlt haben müssen. Darauf gibt es zumindest eine Antwort, denn die Platte fiel durch und wurde auch von jenen Fans verrissen. Auf „Time Line“ ist nichts mehr eingängig, interessant oder sonst in irgendeiner Art und Weise hervorzuheben, sodass die einzelnen Titel noch nicht einmal die Chance hätten, bei einem massenorientierten Radiosender gespielt zu werden. Einfach nur enttäuschend.

Aber „Halt“, eine Ausnahme gibt es dann doch: „The Entertainer“. Mit diesem Titel schafft man zumindest ein wenig die geistige Verknüpfung dieses Albums zu den Werken, die Mitte der 70er Jahre entstanden waren. Ein kleiner Höhepunkt, aber das war es leider auch schon. Der ganze Rest ist selbst für Freunde einfacher Pop-Musik schwer zu begreifen.

Fazit: Es ist in keinster Weise verwunderlich, dass nach dieser Platte erst einmal lange Zeit Schluss war mit Renaissance und die Band sich auflöste. Musikalisch schienen alle Reserven ausgeschöpft, die eigene Kreativität hatte sich aufgebraucht. Somit bleibt ein Album, welches die mit Abstand schlechteste Platte in der Diskographie dieser tollen Band darstellt. Gleichzeitig ist es ein Album, welches keiner braucht - außer vielleicht Komplettisten, die jeden Schnipsel von „ihrer“ Band besitzen möchten. Drei Punkte.

Anspieltipps: The Entertainer




Dienstag, 19. November 2013

Renaissance – Camera Camera




Renaissance – Camera Camera


Besetzung:

Annie Haslam – lead vocals, backing vocals
Jon Camp – bass guitar, electric guitar, backing vocals
Michael Dunford – acoustic guitar, electric guitar, backing vocals
Peter Gosling – keyboards, backing vocals
Peter Barron – drums, percussion, backing vocals


Label: Repertoire Records


Erscheinungsdatum: 1981


Stil: Pop, New Wave


Trackliste:

1. Camera Camera (6:06)
2. Faeries (Living At The Bottom Of The Garden) (4:02)
3. Remember (4:30)
4. Bonjour Swansong (3:40)
5. Tyrant-Tula (6:00)
6. Okichi-San (6:00)
7. Jigsaw (5:08)
8. Running Away From You (3:53)
9. Ukraine Ways (6:27)

Gesamtspieldauer: 45:46




Ein wenig zu häufig klingt das zehnte Studio-Album der ehemaligen Progressive-Rock-Band so, als hätte diese auf „Camera Camera“ den Versuch gestartet, ihren symphonischen progressiven Rock der 70er mit der gerade erfolgreichen New Wave Welle zu kombinieren. Dass so ein Ansinnen schief gehen musste, ist nicht weiter verwunderlich und fand auch genau so statt.

Bezüglich der Besetzung hatte sich einiges getan seit der Veröffentlichung des letzten Albums zwei Jahre zuvor. John Tout und Terence Sullivan hatten die Band nach „Azure D’Or” verlassen, auch der Plattenvertrag war gekündigt worden und mit zwei neuen Musikern am Keyboard und dem Schlagzeug, wurde nun „Camera Camera“ eingespielt. Seltsamerweise befinden sich auf dem Cover zum Album jedoch nur Haslam, Camp und Dunford mittels dreier Photos abgebildet. Die beiden neuen Musiker Gosling und Barron tauchen dort nicht im Bild auf. Welche Rolle diese also bei Renaissance einnahmen, erschließt sich einem nicht so ohne weiteres. Vielleicht war es jedoch auch der Grund, dass die beiden sich nicht in solch grellbunten, fast schon an Clownskostüme erinnernde Klamotten ablichten lassen wollten. Letzteres speichert man am ehesten aber wohl unter „Mode-Sünden“ der 80er Jahre ab.

Die Musik auf „Camera Camera“ ist zunächst ein wenig gewöhnungsbedürftig. Zwar ist da immer noch der helle und schöne Gesang der Annie Haslam (die allerdings zumindest beim Titelstück ein wenig überfordert scheint) und auch die ein oder andere nette musikalische und melodiöse Idee des Michael Duncan blitzt immer wieder mal auf, jedoch wird dieses allzu oft in ein synthetisch klingendes Gewand gekleidet, als ob die Band einfach nicht den davonrauschenden New Wave Zug verpassen wollte.

Es passiert am Anfang nicht allzu viel auf „Camera Camera“. Die Lieder plätschern meist so vor sich hin, häufig stark vom Synthesizer dominiert und dadurch immer wieder steril und allzu synthetisch klingend. Allerdings ist es nicht nur der Sound, der so gar nicht mehr überzeugen kann, es sind auch die Ideen die fehlen, die den Musikern ausgegangen zu sein scheinen. Man hört hauptsächlich Allerwelts-Pop auf diesem Album von einer Band, die früher für großartige Ideen stand.

Und so verstreicht ein Song nach dem anderen, ohne dass man diesem direkt das Urteil „schlecht“ verleihen möchte – dieses Urteil ergibt sich allerdings im Vergleich zu den früheren Veröffentlichungen der Band. Interessante Musik hört sich deutlich anders an, hat etwas Besonderes, was man auf „Camera Camera“ leider allzu oft vergeblich zu finden hofft. Positiver, da deutlich abwechslungsreicher in den Stimmungen, wird es erst ab etwa Mitte der Platte, denn da lassen sich nun immerhin drei Lieder hervorheben. Da ist zunächst „Tyrant-Tula”, welches tatsächlich noch progressive Ansätze in sich trägt, jedoch ebenfalls unter dieser synthetischen Atmosphäre leidet. Mit Abstrichen lässt sich dies auch noch auf den folgenden Titel „Okichi-San” übertragen. Auch diese Nummer ist deutlich abwechslungsreicher gestaltet, wirkt interessanter und kann somit ebenfalls schon ein wenig mehr überzeugen. Dass es jedoch auch ganz schlecht gehen, nur noch nach langweiligem Mainstream-Pop klingen kann, hört man beim fast schon unsäglichen „Running Away From You”. Da bleibt beim Hörer fast nur noch ein fassungsloses Kopfschütteln.

Allerdings gibt es dann doch noch einen Höhepunkt auf der Platte und dieser findet sich im letzten Titel „Ukraine Ways“. Wenn man dieses Stück hört, können durchaus Erinnerungen an „Mother Russia“ vom Album „Turn Of The Cards“ aufkommen, auch wenn diese Nummer qualitativ noch deutlich über „Ukraine Ways“ steht. Nichtsdestotrotz beinhaltet dieser Titel wieder all jene Zutaten, die Renaissance auch in früheren Zeiten zu einer äußerst hörenswerten Band werden ließen. Ob das in diesem Fall wohl daran liegt, dass sich „Ukraine Ways“ wahrlich nicht synthetisch anhört?

Fazit: „Camera Camera“ ist ein sogenannter „Beißer“. Durchgängig gut ist diese Platte wahrlich nicht, eine ganze Menge Ausschussware befindet sich darauf, die vielleicht den hitradiophilen Popfreund ganz nett nebenbei unterhält, jedoch für Freunde des Progressive Rock so gar nichts bereithält. Aber zumindest gibt es ein wirklich gelungenes Lied und zwei weitere, die ebenfalls durchaus hörenswert sind. Diese clowneske Kleidung, die einen bereits beim Betrachten des Covers abschreckt, lässt sich somit nicht auf alles auf „Camera Camera“ übertragen, was letztendlich in der Feststellung mündet, dass Renaissance schon viele deutlich bessere Alben veröffentlichten, jedoch auch schlechtere. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Remember, Tyrant-Tula, Okichi-San, Ukraine Ways




Freitag, 13. September 2013

Renaissance – Grandine Il Vento




Renaissance – Grandine Il Vento


Besetzung:

Annie Haslam – vocals
Michael Dunford – guitar
Rave Tesar – keyboards
David J. Keyes – bass, vocals
Jason Hart – keyboards
Frank Pagano – drums


Gastmusiker:

Ian Anderson – flute (5)
John Wetton – vocals (7)


Label: Symphonic Rock Recordings


Erscheinungsdatum: 2013


Stil: Progressive Rock, Art Rock


Trackliste:

1. Symphony Of Light (12:09)
2. Waterfall (4:44)
3. Grandine Il Vento (6:30)
4. Porcelain (6:42)
5. Cry To The World (5:45)
6. Air Of Drama (5:21)
7. Blood Silver Like Moonlight (5:16)
8. The Mystic And The Muse (7:48)

Gesamtspieldauer: 54:16




2013 wurde das 13. Studio-Album der britischen Progressive Rock Band Renaissance unter dem Titel „Grandine Il Vento“ veröffentlicht. Und diese „13“ brachte der Band kein Glück, denn noch während der Abmisch-Phase verstarb leider der Hauptideengeber und Gitarrist von Renaissance, Michael Dunford, am 20. November 2012. Dies vor dem Hintergrund, dass der Band mit dem vorliegenden Album ein Comeback gelungen ist, welches stark an ihre beste Zeit in den 70er Jahren erinnert. Seit 1978, nach der Veröffentlichung von „A Song For All Seasons“, war die Band in die Pop-Schiene abgerutscht und konnte mit den vier folgenden Veröffentlichungen den Fan und die Kritiker so gar nicht mehr überzeugen, was schließlich auch zur Auflösung von Renaissance führte.

Dann im Jahr 2012 die Ankündigung einer Reunion mit den zwei Hauptakteuren Annie Haslam und Michael Dunford. Man durfte also gespannt sein auf das Ergebnis, welches letztendlich die Erwartungen sogar noch deutlich übertrifft. Man fühlt sich beim Hören von „Grandine Il Vento“ in die 70er Jahre und die Hochzeit von Renaissance zurückversetzt. Hier ist er wieder zu hören, der symphonische progressive Rock, der orchestral instrumentiert eine Brücke zwischen den Genres Klassik und Rock zu schlagen imstande ist. Dieses Mal allerdings mit der Einschränkung, dass hier kein Orchester mehr zu hören ist, sondern die Synthesizer strapaziert wurden, was dem Hörgenuss allerdings keinen Abbruch beschert.

Schöne Melodien sind wieder zu hören, die Stimme Annie Haslams klingt erneut glockenklar, ein Umstand, der bereits auf den zwei Alben aus den 80ern nicht mehr ganz so zu hören war. Die Musik ertönt voll, ist spannend und geht bereits beim ersten Hören ins Ohr. Die Platte startet mit dem längsten Lied des Albums „Symphony Of Light“, der gleich einen Höhepunkt auf „Grandine Il Vento“ darstellt. Symphonischer Prog Rock, der heutzutage in dieser Weise überhaupt nicht mehr zu hören ist und bereits vor vierzig Jahren in Vollendung so und auf diese Art auch nur von Renaissance zu hören war. Etwas gewöhnungsbedürftig dabei lediglich das Intro und der Ausklang des Liedes, welche beide schon ein bisschen sehr nach Oper klingen dadurch , dass Annie Haslam hier ihrer Sopran-Lage freien Lauf lässt. Aber für die Musik von Renaissance passt auch dies.

Die folgenden Lieder werden ein wenig poppiger, wobei die Band ihren Stil auch hier nicht über Bord wirft. Das ist alles zweifelsohne Renaissance im Gewand ihrer Blütezeit und nicht zu vergleichen mit jener Art der Pop-Musik, für die die Band ab „Azur D’Or“ stand. Die Musik wirkt zu jeder Zeit melodiös und eingängig und stellt daneben meist den Gesang von Annie Haslam in den Vordergrund. Der wird dann beim Titel „Cry To The World“ noch tatkräftig durch die Querflöte Ian Andersons unterstützt. Zusätzliche Abwechslung wird in den folgenden beiden Titeln auch dadurch generiert, dass sich hier Annie Haslam den Gesang mit David Keyes und John Wetton teilt. Und auch diese Duette wirken dabei gelungen.

Fazit: Selten, sehr selten hat es das gegeben, dass eine Band nach solch einer langen Zeit den Fan mit so einem überzeugendem Comeback überrascht. „Grandine Il Vento“ ist ein überaus gelungenes Album geworden. Die Musik ist spannend und gleichzeitig sehr melodiös. Mitunter fühlt man sich bei einem Intro an Frederic Chopin oder aber, wie beim Opener, an eine Oper erinnert. Dies wird allerdings nicht überstrapaziert. Der Renaissance-Sound der 70er Jahre lebt auf „Grandine Il Vento“ wieder auf. Für alle Freunde dieser Musik sehr zu empfehlen. Sehr schade, dass sich dies nach dem Tod Michael Dunfords wohl kaum fortsetzen wird. Elf Punkte.

Anspieltipps: Symphony Of Light, The Mystic And The Muse und auch die anderen sechs Titel.




Dienstag, 11. Juni 2013

Renaissance – Azure D’Or




Renaissance – Azure D’Or

 
Besetzung:

Annie Haslam – vocals and backing vocals
John Tout – piano, synthesizers, mellotron
Jon Camp – bass, bass pedals, lead vocals on "Only Angels Have Wings"
Terence Sullivan – drums, timpani, chimes, xylophone, small percussion, backing vocals on "Golden Key"
Michael Dunford – guitars, autoharp


Label: Repertoire Records


Erscheinungsdatum: 1979


Stil: Pop


Trackliste:

1. Jekyll And Hyde (4:43)
2. The Winter Tree (3:07)
3. Only Angels Have Wings (3:43)
4. Golden Key (5:17)
5. Forever Changing (4:51)
6. Secret Mission (5:05)
7. Kalynda (A Magical Isle) (3:43)
8. The Discovery (Instrumental) (4:29)
9. Friends (3:34)
10. The Flood At Lyons (4:58)

Gesamtspieldauer: 43:30




1979 hatte es Renaissance dann auch erwischt, wie so viele andere progressive Rockbands der 70er Jahre: Die Musik hatte sich schwer dem Pop angenähert. Zehn Titel passen plötzlich auf ein Renaissance Album, da keine Nummer mehr länger als fünf Minuten Zeit für sich in Anspruch nimmt. Ein Orchester wurde für die Produktion auch nicht mehr gebucht, diesen Sound übernahmen jetzt die Synthesizer.

Nun, all das wäre noch gar nicht so schade, wenn sich denn zumindest eine gute Mischung aus Pop und Progressive-Rock auf der Platte befinden würde. Dem ist allerdings leider nicht so. Das, was hier auf der bereits neunten Platte der Engländer zu hören ist, das ist leider ein langweiliges Etwas geworden, nichts Halbes und nichts Ganzes. Klar, Annie Haslam singt immer noch sehr schön, hell und klar. Auch ist die Musik, die hier zu hören ist keine einfache, sondern immer noch einigermaßen anspruchsvoll konzipiert und vorgetragen, wenn auch, wie bereits erwähnt, das Orchester fehlt und durchaus eine Lücke hinterlässt.

„Azure D’Or“ ist ebenfalls noch um Klassen progressiver als das, was Kollegen wie Genesis oder Emerson, Lake & Palmer zur selben Zeit ablieferten. Trotzdem erreicht die Platte nicht mehr die Klasse der vorherigen Alben der Band. Dies liegt jedoch nicht an den kürzeren Titeln oder aber an dem Fehlen von Orchestermusikern und einem vermehrten Synthesizer-Einsatz. Die Antwort ist viel einfacher: „Azure D’Or“ ist deshalb schlechter gelungen als viele der Vorgängeralben Renaissances, weil es einfach das schlechtere Songmaterial aufweist. Die Ideen waren Michael Dunford, dem Hauptkomponisten der Band anscheinend ausgegangen.

Fazit: Ein sich der Pop-Musik angenähertes Renaissance-Album stellt „Azure D’Or“ dar. Es war auch das letzte Mal, dass die Band in dieser Zusammensetzung ein Album veröffentlichte, John Tout und Terence Sullivan verließen danach Renaissance. Richtig schlecht ist das Gehörte nicht. Eingängig sind die Lieder immer noch, aber nicht mehr in der Art und Weise, wie auf den vorherigen Veröffentlichungen. So schwingt vielleicht beim Hören der Platte auch ein wenig Enttäuschung mit, dass die Musik nicht mehr so klingt, wie nur wenige Jahre zuvor. Dass es die Musik von Renaissance einfach nicht mehr so recht schafft, den Hörer richtig zu packen und damit auch zu überzeugen. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Golden Key, The Discovery, The Flood At Lyons (im Grunde genommen hätte ich hier auch drei andere Lieder hinschreiben können)





Mittwoch, 29. Mai 2013

Renaissance – A Song For All Seasons




Renaissance – A Song For All Seasons


Besetzung:

Annie Haslam – lead vocals
Jon Camp – bass, bass pedals, electric guitar, lead vocals
Michael Dunford – 6 and 12 string acoustic and electric guitars
Terence Sullivan – drums and percussion
John Tout – keyboards


Gastmusiker:

The Royal Philharmonic Orchestra


Label: Warner Bros Records Inc.


Erscheinungsdatum: 1978


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Opening Out (4:16)
2. The Day Of The Dreamer (9:44)
3. Closer Than Yesterday (3:19)
4. Kindness (At The End) (4:49)
5. Back Home Once Again ("The Paper Lads") (3:17)
6. She Is Love (4:13)
7. Northern Lights (4:07)
8. A Song For All Seasons (10:56)

Gesamtspieldauer: 44:40




1978, mit ihrem achten Album und das letzte Mal in der klassischen Besetzung, schaffte es die englische Band um Sängerin Annie Haslam noch ein letztes Mal ein überaus überzeugendes Album vorzulegen, welches nur in ganz wenigen Ausnahmen nicht im melodischen progressiven Rock beheimatet ist. 1978 war eine Zeit, in der die progressive Rock-Musik eigentlich schon nicht mehr existent war. Entsprechende Bands des Genres hatten sich in die Pop-Gefilde verabschiedet. Umso überraschender ist damit das Erscheinen von „A Song For All Seasons“.

Erste Ansätze sind zwar auch hier bereits in Richtung Pop vorhanden, was sich zum Beispiel im Titel „Back Home Once Again“ widerspiegelt. Hier hört sich Renaissance dann auch gleich äußerst langweilig bis belanglos an. Das Stück „Nothern Lights“ geht ebenso in die poppigere Richtung. Das Lied wurde zudem als Single ausgekoppelt und erreichte immerhin Platz 10 der britischen Charts. Und diese Nummer klingt auch trotz der sehr viel einfacheren Struktur gut und hebt sich dabei angenehm deutlich vom sehr viel uninteressanteren Pop-Allerlei ab, welches man sonst so hin und wieder in den Hitparaden der Welt zu hören bekommt.

Bei zwei Stücken wurde auch am Gesang etwas verändert. „Kindness (At The End)“ und „She Is Love“ wurden von Jon Camp eingesungen. Warum dieser Versuch unternommen wurde, bleibt allerdings weitestehend im Dunkeln. Beide Lieder sind deutlich weniger poppig geraten, als die beiden gerade angeführten Beispiele, jedoch auch nicht unbedingt die Höhepunkte der Platte. Der Gesang wirkt nicht sehr überzeugend und warum man gerade hier auf eines der Markenzeichen der Band, nämlich den Gesang Annie Haslams verzichtete, erschließt sich dem Hörer nicht.

Aber dann kommen wir zu den Highlights des Albums. Diese verstecken sich in den beiden Longtracks der Scheibe. Hier gibt es noch einmal alle Zutaten, die Renaissance Musik zu Renaissance Musik gemacht haben. Klasse Melodien, schöner Gesang, Orchestereinsatz, schwebende und beeindruckende Harmonien. Hier lebt die Musik von Renaissance noch mal auf, sodass alleine diese beiden Titel, „The Day Of The Dreamer“ und das Titellied „A Song For All Seasons“, die Platte zu etwas Lohnendem werden lassen. Dies gilt übrigens ebenfalls für das erste Stück der Scheibe, „Opening Out“, mit welchem bereits deutlich wird, wohin die Fahrt auf diesem Album noch mal geht – eben noch ein letztes Mal in die spannendere Richtung.

Fazit: Die Ansätze, Ideen und Umsetzungen früherer Alben sind auf „A Song For All Seasons“ noch mal zu finden. Leider auch erste Anzeichen für das, was da zukünftig von Renaissance kommen würde. So war einfach der Lauf der Zeit, der die progressiven Rock-Bands der 70er Jahre vereinnahmte. Auch Renaissance konnte sich diesem Trend hin zum einfacheren Pop nicht verschließen, die Musiker schafften es hier allerdings noch mal sehr schön, diesem Zeitgeist mit „A Song For All Seasons“ zu trotzen. Diese Platte ist gelungen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Opening Out, The Day Of The Dreamer, Closer Than Yesterday, A Song For All Seasons





Dienstag, 21. Mai 2013

Renaissance – Scheherazade And Other Stories




Renaissance – Scheherazade And Other Stories


Besetzung:

John Tout – keyboards, piano, backing vocals
Annie Haslam – vocals and backing vocals
Jon Camp – bass, bass pedals, backing vocals, lead vocals on "The Sultan"
Terence Sullivan – drums, percussion, backing vocals
Michael Dunford – acoustic guitars, backing vocals


Gastmusiker:

Tony Cox – orchestral arrangements


Label: Repertoire Records


Erscheinungsdatum: 1975


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Trip To The Fair (10:55)
2. The Vultures Fly High (3:08)
3. Ocean Gipsy (7:09)
4. Song Of Scheherazade (24:40)
     I. Fanfare
     II. The Betrayal
     III. The Sultan
     IV. Love Theme
     V. The Young Prince And Princess As Told By Scheherazade
     VI. Festival Preparations
     VII. Fugue For The Sultan
     VIII. The Festival
     IX. Finale

Gesamtspieldauer: 45:52




Renaissance, das ist eine Kunstepoche des 15. und 16. Jahrhunderts und steht in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts für eine progressive Rockband aus England, deren oberstes Ziel es gewesen zu sein scheint, wunderschöne Melodien zu entwickeln. Musikalische Harmonien zu kreieren, in die der Hörer ganz aufgehen kann. Genau das ist den Engländern auch mit ihrem sechsten Album gelungen. „Scheherazade And Other Stories“ wurde 1975 veröffentlicht und gilt bei vielen Renaissance-Kennern und -Liebhabern als das beste Album der Band. Ob dem tatsächlich so ist, dies sei mal so dahingestellt. Festzuhalten ist auf jeden Fall, dass in der Besetzung Annie Haslam, Michael Dunford, John Tout, Jon Camp und Terence Sullivan die besten Alben der Band entstanden sind und diese Zusammensetzung gab es bereits vor „Scheherazade“ und auch noch danach. Die in dieser Konstellation entstandenen Alben haben alle ihren ganz eigenen Reiz.

Wie auf allen Platten, die um diese Zeit Mitte der 70er Jahre entstanden sind, so hört man auch auf „Scheherazade And Other Stories“ sehr melodischen und harmonischen Progressive Rock. Alles, wirklich alles ist hier überaus eingängig. Da ist zum einen der Gesang Annie Haslams, wie immer hell, klar und sehr eindringlich. Dort gibt es das wahrlich begeisternde Pianospiel des John Tout und immer wieder ausgedehnte Orchestereinsätze, die die einzelnen Lieder zu sehr komplexen Arrangements anschwellen lassen. Jedes Lied ist angefüllt mit weichen Harmonien, richtig rockige Ansätze gibt es nicht, worauf nicht nur das Fehlen einer E-Gitarre hinweist.

Trotzdem ist das, was auf dem Album zu hören ist wahrlich kein Soft Rock, sondern genau diese Sparte der Rockmusik, die Renaissance für sich besetzt haben: Melodiösen, harmonischen und progressiven Rock. Hier gibt es Rhythmus- und Tempowechsel, gerade und ungerade Takte, ausgedehnte Solo-Abschnitte, etwas skurrile Texte und vor allem sehr viel melodiöse Musik, die meist nicht nach Devise Strophe – Refrain – Strophe – Refrain – Solo – Strophe – Refrain funktioniert, sondern sehr viel komplexer in ihrem Aufbau ist. Aus vielen verschiedenen Teilen setzt sich ein Gesamtbild zusammen, ein Hörerlebnis, welches viele verschiedene Ideen in sich vereint, diese verbindet und zu einem großen Ganzen werden lässt.

Fazit: Was ist das beste Renaissance-Album? Wer weiß das schon! „Scheherazade And Other Stories“ gehört allerdings mit unter die Top drei bis vier Platten der Band. Die Alben, die in der Zeit Mitte der 70er Jahren entstanden sind, schenken sich da alle nichts, sind alle sehr überzeugend. Renaissance macht die andere Seite der progressiven Musik aus, die sich deutlich von den Alben, zum Beispiel Emerson, Lake & Palmers unterscheidet. Bei Renaissance wird nicht experimentiert, bei Renaissance wird im Wohlklang geschwelgt. Und das auch auf „Scheherazade And Other Stories“ richtig gut. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Trip To The Fair, Song Of Scheherazade




Montag, 6. Mai 2013

Renaissance – Renaissance




Renaissance – Renaissance


Besetzung:

Keith Relf – vocals, guitar, harmonica
Jim McCarty – percussion, vocals
John Hawken – piano, harpsichord
Lewis Cennamo – bass guitar
Jane Relf – vocals, percussion


Label: Repertoire Records


Erscheinungsdatum: 1969


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Kings And Queens (10:58)
2. Innocence (7:09)
3. Island (6:00)
4. Wanderer (4:04)
5. Bullet (11:26)


Bonus Tracks:

6. The Sea (3:05)
7. Island (3:36)

Gesamtspieldauer: 46:17




Kurz „Renaissance“ taufte die gleichlautende Band ihr Erstlingswerk, welches im Jahr 1969 erschien. Die beiden Yardbirds-Musiker Keith Relf und Jim McCarty gründeten, nach der Auflösung der Yardbirds, Renaissance und ließen sich dabei unter anderem von Keith Relfs Schwester beim Gesang unterstützen. Ebenfalls mit von der Partie waren der Ex-Nashville-Teens-Pianist John Hawken sowie der Bassist Louis Cennamo. Und obwohl diese Formation überhaupt nichts mit der Bandzusammensetzung zu tun hat, die ab dem dritten Album sehr melodischen und harmonischen Prog veröffentlichen sollte, so kann man doch bereits hier die Grundlagen späterer Alben entdecken: Das Zusammenspiel klassischer Instrumente mit denen der Rock-Musik - auch wenn auf diesem Debut-Album noch kein vollständiges Orchester zum Einsatz kommt.

Spannender und melodischer progressiver Rock ist auf dem Erstlingswerk der Band zu hören. Alles noch ein wenig rauer, ungeschliffener und auch experimenteller als auf den späteren Veröffentlichungen Renaissances, aber bereits sehr eingängig und harmonisch. Und da ist es dann umso spannender, wenn die Musiker am Ende von „Bullets“ anscheinend mal ausprobieren, welche Geräusche sie denn da so dem einen oder anderen Instrument noch entlocken können. Das klingt dann schon sehr nach psychedelischer Musik.

Auch Folk-Anleihen sind zu hören. Der Song „Island“ geht ganz klar in diese Richtung. Hier singt jetzt auch nicht Keith Relf, sondern seine Schwester Jane. Dabei bleibt allerdings festzustellen, dass sie sich mit ihrem Gesang wahrlich nicht mit der späteren Sängerin der Band Annie Haslam messen kann. Kein Vergleich, auch wenn sie das hier gar nicht so schlecht macht. Die Verbindung Klassik – Moderne Musik tritt am deutlichsten beim Stück „Wanderer“ zu Tage, eine Nummer, welche mittels Cembalo instrumentiert wird und dabei einen etwas mittelalterlichen Touch erhält. Hier singt Jane Relf ebenfalls und jetzt klingt das Ganze sogar noch mal einen Tick gelungener als auf „Island“.

„Kings And Queens“ sowie „Innocence“ sind Lieder ganz im Stil des melodiösen Progressive Rock. Beim Titel „Bullet“ ist das etwas eingeschränkter der Fall. Hier hört man nun auch bluesartige Abschnitte, alles klingt roher und kantiger und immer wieder auch deutlich experimenteller, wobei diese letzte Eigenschaft nicht nur auf das Ende des Stückes mit diesen „Klang- und Soundgebilden“ bezogen ist.

Zwei Zugaben sind auf dieser remasterten Version von Repertoire Records vorhanden. „The Sea“ ist dabei eine stimmungsvolle Pop-Nummer auf der wieder Jane Relf singt. Bei „Island“ handelt es sich komischerweise um praktisch dieselbe, jedoch gekürzte Version des Liedes, welches bereits ganz offiziell auf dem Album vertreten ist. Nur minimal unterscheiden sich beide Titel durch eine etwas variierte Abmischung.

Fazit: Ein schönes, gutes und interessantes Debut ist der Band Renaissance mit dem gleichnamigen Album im Jahr 1969 gelungen. Die Musik ist sehr melodiös. genau wie auf den späteren Veröffentlichungen, jedoch noch ein wenig experimentierfreudiger. Das wiederum macht auch ein bisschen den Reiz dieses Albums aus. Interessant ist zudem, warum diese Besetzung der Band doch relativ ähnliche Musik machte wie jene, die ab dem dritten Album Renaissance ausmachte. Völlig andere Musiker, die musikalische Aussage blieb jedoch dieselbe. Seltsam. Elf Punkte.

Anspieltipps: Kings And Queens, Innocence, Wanderer, Bullet, The Sea





Sonntag, 7. April 2013

Renaissance – Ashes Are Burning




Renaissance – Ashes Are Burning


Besetzung:

John Tout – keyboards, vocals
Annie Haslam – vocals
John Camp – bass, guitar, vocals
Terence Sullivan – drums, percussion, vocals


Gastmusiker:

Andy Powell – guitar on “Ashes Are Burning”
Michael Dunford – acoustic guitar
Richard Hewson – strings on “Can You Understand” & Carpet Of The Sun”


Label: Repertoire Records


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Can You Understand (9:53)
2. Let It Grow (4:18)
3. On The Frontier (4:58)
4. Carpet Of The Sun (3:32)
5. At The Harbour (6:49)
6. Ashes Are Burning (11:21)

Gesamtspieldauer: 40:50




„Ashes Are Burning“ aus dem Jahr 1973 stellt die zweite Veröffentlichung der zweiten Renaissance-Generation dar und insgesamt das vierte Album der Band. Renaissance war nun zu einem Quartett geschrumpft, Rob Hendry hatte die Band verlassen und seltsamerweise ist Michael Dunford in den Credits nur als Gastmusiker aufgeführt. Jener Michael Dunford, der auf „Ashes Are Burning“ alle Titel mit Ausnahme von „On The Frontier“ schrieb. Dieser Song stammt vom ehemaligen Drummer der Band Jim McCarty und stellt neben dem Titel „Let It Grow“ die poppigsten Ausflüge auf „Ashes Are Burning“ dar. Für alle Texte des Albums zeichnete sich einmal mehr Betty Thatcher aus.

Beide bereits erwähnten Titel sind gleichzeitig jene Nummern auf „Ashes Are Burning“, die auf dem Album am wenigsten überzeugen können. Mit viel Piano unterfütterte Pop-Songs, die ganz nett klingen, allerdings auch nichts Besonderes darstellen und keine Spuren hinterlassen. Harmonischer Pop als Überschrift trifft für diese beiden Lieder wohl am besten zu. Ganz anders sieht das mit den weiteren vier Titeln des Albums aus. Hier gibt es sie, diese für Renaissance so typische Stimmung, die durch das Songwriting des Michael Dunford, die Instrumentierung und hier vor allem das Pianospiel des John Tout sowie durch die glockenklare Stimme Annie Haslams erzeugt wird.

Besonders erwähnenswert auf „Ashes Are Burning“ sind der Beginn und das Ende des Albums. „Can You Understand“ und der Titelsong „Ashes Are Burning“ sind die beiden Longtracks der Platte und quellen nur so über vor Hamonien, Melodiösität und ohrumschmeichelnden Klängen. Symphonischer progressiver Rock in Vollendung. Alles klingt hier und alles wirkt auch. Dieses Zusammenspiel von Streichern, Piano, akustischer Gitarre und der Stimme Annie Haslams berührt einfach. Und schließlich gibt es auf „Ashes Are Burning“ noch ein ganz ungewohntes Ende für ein Renaissance Lied. E-Gitarre und fetter Orgelsound sorgen für einen rockigen Ausklang des Albums. An der Solo-Gitarre betätigt sich dabei Andy Powell von Wishbone Ash. Überaus gelungen das Ganze.

Fazit: „Ashes Are Burning“ stellte den Auftakt zu einer ganzen Reihe von klasse Renaissance-Alben dar. Symphonischer und eingängiger Progressive Rock ist hier zu hören, der seine Reiz gerade auch aus dem Zusammentreffen von klassischen Elementen mit denen der Rock-Musik gewinnt. Sehr empfehlenswert für alle Freunde der Melodiösität und der harmonischen Instrumentaleinlagen. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Can You Understand, Ashes Are Burning





Donnerstag, 28. Februar 2013

Renaissance – Prologue




Renaissance – Prologue


Besetzung:

John Tout – keyboards, vocals
Annie Haslam – vocals, assorted percussion
Rob Hendry – guitars, mandolin, chimes, vocals
John Camp – bass, tampoura, vocals
Terry Sullivan – percussion


Gastmusiker:

Francis Monkman – vcs3 solo in “Rajah Khan”


Label: Repertoire Records


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Prologue (5:39)
2. Kiev (7:39)
3. Sounds Of The Sea (7:08)
4. Spare Some Love (5:11)
5. Bound For Infinity (4:24)
6. Rajah Khan (11:31)

Gesamtspieldauer: 41:32




„Prologue“ war der Aufgalopp, der Prolog zur klassischen und erfolgreichsten Phase der britischen Band Renaissance. Alle Mitglieder der Formation hatten nach dem letzten Album „Illusion“ die Band verlassen. Die Verbindung zur vorherigen Besetzung der Band hält Michael Dunford, der hier in den Credits „Mick“ genannt wird. Er schrieb bereits einen Song auf der letzten Platte und trat dort auch bei der Einspielung dieses Liedes als Gastmusiker in Erscheinung. Jetzt fungierte er bei Prologue“ als der Songschreiber der Band, der bis auf „Kiev“ und “Bound For Infinity“ alle Lieder komponierte. Diese beiden Stücke stammen noch aus der Feder Jim McCartys, dem Drummer der ersten beiden Platten. Er spielt die Lieder hier jedoch genauso wenig ein, wie Michael Dunford, der auf „Prologue“ tatsächlich nur als Songlieferant in Erscheinung trat. Zu vier der sechs Lieder steuerte Betty Thatcher die Texte hinzu, die ebenfalls das erste Mal in den Credits auf dem vorherigen Album in Erscheinung trat.

Auf „Prologue“ hat nun erstmalig auch Annie Haslam ihren Auftritt, deren Gesang die Musik der Band in den nächsten Jahren prägen sollte und sie unverwechselbar werden ließ. Allerdings ist der Auftritt Annie Haslams hier noch nicht so dominant, wie er es auf den folgenden Alben sein wird. Ansonsten gibt es sie auf „Prologue“ aber schon alle, diese Zutaten zur Schaffung einer Renaissance-Scheibe angefüllt mit melodiösem Progressive Rock: Wunderschöne Harmonien, ausgedehnte Soli, vor allem geprägt durch das Piano, wenig Einsatz der E-Gitarre und alles in allem überaus eingängige Lieder.

Am eindrucksvollsten wirkt dieses Album am Ende, auf dem längsten Titel: „Rajah Khan“. Hier klingt die Band orientalisch verknüpft mit Klassik-Adaptionen. Dazu singt Annie Haslam ohne Text bis in die höchsten Höhen. Wahrlich kein alltägliches Lied, ein Musikstück, welches Seinesgleichen sucht.

Das Album beginnt mit einem schönen Piano-Part, zu dem sich weitere Instrumente gesellen und Annie Haslam schließlich, erneut textlos, jede Menge „Doo-doo-doos“ singt. Das Ganze hat durchaus einen Groove und so etwas nannte man Anfang der 70er Jahre dann „Beat-Musik“ – einzig das Piano, welches immer wieder seinen Auftritt hat, entspricht diesem „Genre“ nicht so ganz. Wie eine klassische Piano Suite beginnt „Kiev“, entwickelt sich im weiteren Verlauf immer poppiger, bis schließlich auch in diesem Lied ein klassischer Anstrich herausgearbeitet wurde – erneut klasse inszeniert vom Piano des John Tout. Mit Möwengekreische und Meeresrauschen wird im Anschluss daran passenderweise „Sounds Of The Sea“ eingeleitet. Eine sentimentale Nummer, erneut geprägt durch viel Klavier, die vielleicht ein wenig zu lieblich klingt.

„Spare Some Love“ startet überraschenderweise mit akustischer Gitarre und es entwickelt sich ein Pop-Song, der einen wenig erbaulichen, dem Titel entsprechenden Text aufweist. Zwar gibt es in diesem Stück auch Abwechslung in Form eines Perkussion-dominierten Parts und einer schönen Choreinlage der Band-Mitglieder, aber so richtig zünden will das Lied dennoch nicht. Bliebe als vorletzter Titel noch „Bound For Infinity“. Erneut unterlegt mit einer schönen Pianomelodie lebt das Lied auch vom hellen und reinen Gesang Annie Haslams. Eine ruhige und schöne Nummer, die ein wenig zum Träumen einlädt.

Fazit: „Prologue“ erreicht noch nicht ganz die Qualität der späteren Alben. Viele der Lieder sind hier noch nicht so durchdacht, so einprägsam, so melodiös und eingängig wie auf den späteren Veröffentlichungen von Renaissance. Aber hören lässt sich das alles schon sehr gut, zumal auf diese Schmachtfetzen des letzten Albums fast vollständig verzichtet wurde. Noch nicht richtig gut, aber der Weg war jetzt bereits ganz klar vorgegeben, da alle Zutaten zu den weiteren Kompositionen bereits vorhanden waren. Sie mussten nun nur noch verfeinert werden. Neun Punkte.

Anspieltipps: Prologue, Kiev, Rajah Khan





Dienstag, 22. Januar 2013

Renaissance – Illusion




Renaissance – Illusion


Besetzung:

Keith Relf – vocals, guitar
Jim McCarty – drums, vocals
Lewis Cennamo – bass
John Hawken – keyboards
Jane Relf – vocals, percussion


Gastmusiker:

Michael Dunford – guitar on “Mr. Pine”
Neil Korner – bass on “Mr. Pine”
T. Slade – drums on “Mr. Pine”
T. Crowe – vocals on “Mr. Pine”
Don Shin – electric piano on “Past Orbits Of Dust”


Label: Repertoire Records


Erscheinungsdatum: 1971


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Love Goes On (2:49)
2. Golden Thread (8:12)
3. Love Is All (3:39)
4. Mr. Pine (6:59)
5. Face Of Yesterday (6:05)
6. Past Orbits Of Dust (14:40)

Gesamtspieldauer: 42:22




Zwei Jahre nach dem Debut 1969, veröffentlichte die englische Band Renaissance ihr zweites Album unter dem Titel „Illusion“. Es sollte das letzte in dieser Zusammensetzung werden, denn anschließend verließen alle (!) Mitglieder die Band. Allerdings war auf „Illusion“ bereits ein Gastmusiker zugegen, der den Song „Mr. Pine“ beisteuerte, dort auch selbst Gitarre spielte und den weiteren Weg Renaissances wie kein weiterer Musiker prägen sollte: Michael Dunford. Und noch jemand sollte in den Credits zu „Illusion“ zum ersten Mal vermerkt werden und später ebenfalls regelmäßig in den Bemerkungen zu anderen Alben vertreten sein: Betty Thatcher, häufige Text-Lieferantin der Band, die hier genau wie Michael Dunford ihren ersten Auftritt hat.

Nun, musikalisch ist „Illusion“ nicht mehr ganz so stark wie das Debut und vom Songmaterial sogar deutlich den nachfolgenden Alben unterlegen. „Golden Thread“, das zweite Stück der Platte, stellt da schon einen der Höhepunkte des Albums dar. Sehr melodiös, pianodominiert, und auch einprägsam ist es eines der besseren Stücke des Albums, ohne dabei jedoch als einer der absoluten Höhepunkte in die Bandgeschichte einzugehen. Sehr gelungen ist zudem „Mr. Pine“, jenes bereits erwähnte Lied aus Michael Dunfords Feder. Wahrlich seltsam ist dabei allerdings, dass dieses Lied im Grunde genommen aus zwei Titeln besteht, die per Ein- und Ausblende aneinandergeheftet wurden, ohne dabei offensichtlich irgendwie zueinander zu gehören. Trotzdem klingen beide Parts, Teil 1 mit Gesang und Cembalo, Teil 2 überwiegend instrumental und mit einem fetten Orgelsound. Dieser geht dann allerdings gegen Ende wieder in Teil 1 über, erneut komischerweise mittels Ein- und Ausblendetechnik.

„Past Orbits Of Dust“ ist eine Nummer in Gedenken an „Bullet“ aus dem Debut-Album. Auch hier gibt es zwei unterschiedliche Abschnitte. Einen etwas „rockigeren“ beziehungsweise fast schon bluesigen Part zu Beginn des Stückes, welcher sich dann über jazzige-Anleihen immer mehr in die psychedelische Ecke entwickelt, bis es zu einem ganz langen und sphärischen Ausklang kommt.

Blieben noch drei Lieder übrig. Bei „Love Goes On“ und „Love Is All“ handelt es sich um, nomen est omen, Liebeslieder. Allerdings benötigt man Nerven wie Drahtseile, um sich diesen Schmalz entspannt reinziehen zu können. Vor allem erstgenannte Nummer ist unsäglich. „Love Is All“ verfügt dagegen zumindest noch über eine nette Pianolinie, wenn auch hier dieses ewige „Love Is All“-Gesinge einem schon nach kurzer Zeit unglaublich auf den Senkel geht. Hier klingt Renaissance ganz schwer nach den Les Humphries Singers. „Face Of Yesterday“ ist in etwa doppelt so lang wie die beiden gerade erwähnten Liebeslieder. Wieder hat man die Möglichkeit einem sehr melodiösen Pianospiel zu lauschen, aber dieses Lied rettet auch der zusätzlich stark verbesserte Gesang Jane Relfs nicht mehr. Dieses „Ba-ba-da-da“-Geträllere nervt ziemlich schnell. Das ist einfach alles ein wenig zu zuckersüß geworden.

Fazit: „Illusion“ kann nicht ganz an das Debut von Renaissance heranreichen, dazu ist das Songmaterial mitunter zu poppig, zu schmachtend und einfach auch nicht gut genug. Die Höhepunkte liegen in den längeren Stücken des Albums. Irgendwie ist es nicht verwunderlich, dass sich die Band in dieser Zusammensetzung anschließend auflöste, denn es scheint fast so, als ob die Musiker in dieser Konstellation musikalisch nichts mehr zu sagen hatten. Neun Punkte.

Anspieltipps: Golden Thread, Mr. Pine, Past Orbits Of Dust