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Donnerstag, 30. Juni 2022

Terry Reid – Terry Reid

 



Terry Reid – Terry Reid


Besetzung:

Terry Reid – vocals, guitar


Gastmusiker:

Pete Solley – keyboards
Keith Webb – drums




Erscheinungsjahr: 1969


Stil: Blues, Rock


Trackliste:

1. Superlungs My Supergirl (2:43)
2. Silver White Light (2:54)
3. July (3:33)
4. Marking Time (3:47)
5. Stay With Me Baby (4:12)
6. Highway 61 Revisited / Friends (8:00)
7. May Fly (3:42)
8. Speak Now Or Forever Hold Your Peace (4:26)
9. Rich Kid Blues (4:12)

Gesamtspieldauer: 37:33



Kurz mit seinem Namen betitelte Terry Reid sein zweites Studioalbum welches im August 1969 ursprünglich auf dem Plattenlabel EMI veröffentlicht wurde. Das Album konnte sich in den USA sogar in den Billboard 200 Charts platzieren und fünf Wochen dort halten. Die höchste Platzierung war der 147. Platz.

Auf dem Album hört man viel Blues und auch Rock. Die meisten Titel stammen dabei aus der Feder von Terry Reid selbst. Das Lied „Highway 61 Revisited“ stammt natürlich von Bob Dylan, wurde in dieser Interpretation von Terry Reid jedoch völlig neu überarbeitet und mit dem eigenen Stück „Friends“ verknüpft.

Den Blues sollte man ganz bestimmt lieben, wenn man mit dieser Platte „warm werden“ möchte – oder man ist eben flammender Terry Reid Fan. Heute kann diese Musik wahrscheinlich kaum noch neue Fans rekrutieren, denn man hört der Platte nicht nur das Alter an, sondern man glaubt das alles auch schon zig-mal in unterschiedlichen Variationen gehört zu haben.

Überzeugend klingt die Musik von Terry Reid auf diesem Album immer dann, wenn es rockiger wird. Dies ist zum Beispiel bei den ersten beiden Stücken des Albums der Fall, die allerdings zu Beginn ein anderes Bild von der Platte vermitteln, als es dann wirklich ist. Anschließend folgen viele Bluespassagen und es klingt irgendwie zäher.

Fazit: Man muss wohl Terry Reid-Fan sein und dem Blues sehr viel abgewinnen können, um diese Scheibe wieder mal öfters aufzulegen. Ansonsten bleibt zwar ein handwerklich gut gemachtes Album, welches jedoch eindeutig nicht mehr in diese Zeit gehört. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Superlungs My Supergirl, Silver White Light



Samstag, 29. Mai 2021

Alice Cooper – Pretties For You

 



Alice Cooper – Pretties For You


Besetzung:

Alice Cooper – lead vocals (all but 3), harmonica
Glen Buxton – lead guitar
Michael Bruce – rhythm guitar, backing vocals and lead (3) vocals, keyboards
Dennis Dunaway – bass guitar, backing vocals
Neal Smith – drums, backing vocals




Erscheinungsjahr: 1969


Stil: Pop, Rock, Psychedelic Rock


Trackliste:

1. Titanic Overture (1:12)
2. 10 Minutes Before The Worm (1:39)
3. Sing Low, Sweet Cheerio (5:42)
4. Today Mueller (1:48)
5. Living (3:12)
6. Fields Of Regret (5:45)
7. No Longer Umpire (2:02)
8. Levity Ball (4:40)
9. B.B. On Mars (1:17)
10. Reflected (3:17)
11. Apple Bush (3:08)
12. Earwigs To Eternity (1:19)
13. Changing Arranging (3:03)

Gesamtspieldauer: 38:10



„Pretties For You“ heißt das Debüt-Studioalbum der amerikanischen Rockband Alice Cooper und erschien am 25. Juni 1969 ursprünglich auf dem Plattenlabel Straight Records. Der Name Alice Cooper bezog sich ursprünglich auf die Band und nicht auf ihren Leadsänger, der gebürtig eigentlich Vincent Damon Furnier heißt. Später wird der Name der Band nur noch mit ihm assoziiert. „Pretties For You“ wurde kaum beachtet und verkaufte sich auch schlecht. Das Cover des Albums ziert ein Gemälde des US-amerikanischen Künstlers Edward Beardsley und hing ursprünglich an der Wand des Wohnzimmers im Haus von Frank Zappa. Seine Frau Gail Zappa erzählte später, dass es ihnen gestohlen wurde.

Auf „Pretties For You“ hört man 60ies Pop, der oft sehr nach den Beatles klingt. Dazu gibt es psychedelische Einsprengsel, die mitunter ganz schön abgefahren klingen und dann sogar leicht an die frühen Pink Floyd unter Syd Barrett erinnern. Des Weiteren hört man Hard Rock Abschnitte, immer wieder Rhythmuswechsel, anders gestaltete musikalische Einschübe und schräge Takte. Abwechslungsreich und spannend klingt das durchaus – wenn auch noch nicht ganz eigenständig, da die Vorbilder durchaus herauszuhören sind.

Besonders ragt keiner der Titel heraus. Qualitativ nach unten durchbricht allerdings auch keine Nummer die Gesamtheit der Titel. Ein wenig muss man sich auf die psychedelischen Ausflüge der Band einlassen und man darf kein einfaches Pop-Rock-Album erwarten, wenn man Spaß an der Scheibe haben möchte. Möchte man die Verbindung aus Psychedelic und Rock genießen, so bietet sich das Stück „Fields Of Regret“ zum Reinhören an.

Fazit: Eine Mischung aus Pop, Rock und Psychedelic Rock präsentieren uns Alice Cooper auf ihrem ersten Album mit dem Titel „Pretties For You“. Man merkt der Musik die Zeit an, in der sie entstand. Sie klingt deutlich anders als heutige Veröffentlichungen. Eine Mischung aus den Beatles und Pink Floyd der Syd Barrett-Phase gefällig? Auf dem Debut von Alice Cooper gibt es dies zu hören. Neun Punkte.

Anspieltipps: Fields Of Regret



Samstag, 15. Februar 2020

Chicago – Chicago Transit Authority




Chicago – Chicago Transit Authority


Besetzung:

Terry Kath – guitar, backing and lead vocals
Robert Lamm – keyboards, lead and backing vocals
Peter Cetera – bass, backing and lead vocals
Walter Parazaider – saxophone, tambourine
Lee Loughnane – trumpet, claves
James Pankow – trombone, cowbell
Danny Seraphine – drums, percussion


Label: Columbia Records


Erscheinungsjahr: 1969


Stil: Jazz Rock


Trackliste:

1. Introduction (6:35)
2. Does Anybody Really Know What Time It Is? (4:40)
3. Beginnings (7:54)
4. Questions 67 and 68 (5:09)
5. Listen (3:24)
6. Poem 58 (8:40)
7. Free Form Guitar (6:56)
8. South California Purples (6:14)
9. I’m A Man (7:43)
10. Prologue (0:56)
11. Someday (4:17)
12. Liberation (14:40)

Gesamtspieldauer: 1:17:13




„Chicago Transit Authority“ heißt das selbstbetitelte Debütalbum der logischerweise aus Chicago stammenden Band Chicago Transit Authority, die sich danach nur noch kurz Chicago nannte. Das Album wurde am 28. April 1969 ursprünglich auf dem Plattenlabel Columbia Records veröffentlicht. Die ursprüngliche Platte war gleich ein Doppelalbum und die Band wurde aufgrund dieser Aufnahmen für einen Grammy Award als bester neuer Künstler des Jahres 1969 nominiert. „Chicago Transit Authority“ war 171 Wochen lang in den US-amerikanischen Billboard 200 Charts vertreten und stellte mit 155 Wochen den damaligen Rekord für die Langlebigkeit eines Rockalbums auf.

„Chicago Transit Authority“ hat nichts mit dem Schmuse-Pop und -Rock zu tun, für den Chicago Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre standen. Auf dem Doppelalbum hört man Jazz Rock, der zum Teil auch relativ funky eingespielt wurde. Mit „Free Form Guitar“ gibt es auch ein fast schon experimentelles Lied auf „Chicago Transit Authority“, bei dem die Band wohl man ausprobieren wollte, welche Klänge man der Gitarre so alles entlocken könne. Melodiös ist das alles nicht, erwartet man bei Jazz Rock auch nicht unbedingt. Somit sollte man schon an freien, unkonventionellen Klängen Gefallen finden, um mit der Scheibe warm zu werden. Für was steht das Album noch? Es gibt auf „Chicago Transit Authority“ viele lange, zum Teil ausufernde Gitarren-Soli zu hören, neben jeder Menge Bläsereinsätzen und einer dominanten Rhythmusfraktion, sodass die Musik häufig zum Mitwippen einlädt.

Zugegeben, ich musste mir diese Platte öfters zu Gemüte führen, um mir diese Musik zumindest ein wenig besser erschließen zu können. Beim ersten Durchlauf war ich keineswegs fündig geworden, „meine“ Musik auf „Chicago Transit Authority“ zu entdecken. Nach vielen Malen des Durchhörens gibt es für mich mit den Nummern „Listen“, „Poem 58“ und „I’m A Man“ allerdings zumindest drei Titel, die sich für mich lohnen gehört zu werden und die noch deutlich über den Rest der Platte hinausragen. Ansonsten fehlt mir wohl dieses Jazz-Gefühl und funky bin ja schon mal sowas von überhaupt nicht. Schlimm, aber damit kann ich leben.

Fazit: Jazz Rock, keinen Schmuse-Rock kredenzen uns auf ihrem Debutalbum die Musiker von Chicago. Einfache Musik ist das keineswegs, größtenteils auch keine eingängige. Jazz Rock, der durchaus auch mal funky angehaucht klingt und eher in die Beine und ins Blut will, denn ins Herz. Dabei klingt die Platte allerdings zu keiner Zeit wie eine Scheibe aus den 60ern und von daher durchaus auch überraschend. „Chicago Transit Authority“ ist einfach mal was anderes. Neun Punkte.

Anspieltipps: Listen, Poem 58, I’m A Man



Sonntag, 3. März 2019

Cream – Goodbye




Cream – Goodbye


Besetzung:

Eric Clapton – guitars, backing vocals
Jack Bruce – bass guitar, lead vocals
Ginger Baker – drums, backing vocals

Gastmusiker:

L’Angelo Misterioso (George Harrison) – rhythm guitar
Felix Pappalardi – piano, mellotron, bass


Label: Polydor


Erscheinungsjahr: 1969


Stil: Rock


Trackliste:

1. I’m So Glad (9:13)
2. Politician (6:20)
3. Sitting On Top Of The World (5:04)
4. Badge (2:47)
5. Doing That Scrapyard Thing (3:18)
6. What A Bringdown (3:57)

Gesamtspieldauer: 30:42




„Goodbye“ heißt das vierte und letzte Studioalbum von der britischen Band Cream. So ganz stimmt das Wort „Studioalbum“ in diesem Fall allerdings nicht, denn drei der sechs Lieder auf „Goodbye“ sind Stücke, die live während eines Konzertes aufgenommen wurden. Die letzten drei Nummern des Albums, die von der Spielzeit her noch nicht einmal ein Drittel ausmachen, wurden im Studio aufgenommen. „Goodbye“ wurde am 15. Februar 1969 auf dem Plattenlabel Polydor veröffentlicht und erreichte Platz eins in Großbritannien und Platz zwei in den Charts der USA. Das Lied „Badge“ wurde einen Monat später als Single ausgekoppelt. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung war die Band Cream bereits offiziell aufgelöst. Die Bandmitglieder trennten sich im November 1968. Zu Beginn war geplant gewesen, bei „Goodbye“ genauso zu verfahren wie bei „Wheels Of Fire“, dem Vorgängeralbum. Ein Doppelalbum mit einer Studio-Platte und einer Live-Platte sollte es ursprünglich werden. Mangels Materials wurde das Projekt allerdings entsprechend zusammengeschrumpft.

Die Laufzeit des Albums beträgt gerade mal eine halbe Stunde und überzeugend ist vor allen Dingen der Live-Teil des Albums überhaupt nicht mehr. Die drei Lieder sind allesamt Blues-Stücke, die einfach nicht zu zünden scheinen und in den Studioversionen selbst für einen Nicht-Blues-Freund deutlich besser klingen. Sehr enttäuschende Kost, die einem die drei Engländer da zum Goodbye vorsetzen.

Die drei Studio-Nummer können dann allerdings doch noch etwas versöhnen. „Badge“ schrieb Eric Clapton zusammen mit George Harrison, der in den Credits als L’Angelo Misterioso aufgeführt wird. Und diese Nähe zu den Beatles hört man dem Lied auch ganz eindeutig an. „Doing That Scrapyard Thing“ könnte auch von den Kinks stammen, wurde jedoch von Jack Bruce geschrieben und ist eine nette 60ies Pop-Nummer, die ins Ohr geht. Von Ginger Baker stammt „What A Bringdown“ und dieses Lied ist ebenfalls größtenteils ein Pop-Lied, jedoch ein sehr mitreißendes, welches dazu auch rockige Phasen aufweist. Die Melodie geht ins Ohr, der Rhythmus regt zum Mitwippen an. Der Höhepunkt der Platte.

Fazit: Ein sehr zwiespältiges „Auf Wiedersehen“ senden die drei Musiker von Cream ihren Fans mit dieser Platte zum Abschied. Die drei live eingespielten Blues-Nummern wirken und klingen einfach nicht. Das Ganze hört sich eher nach Füllmaterial an. Die drei Studio-Lieder sind dagegen durchaus gelungen, jedoch etwas mehr im Pop denn im Rock angesiedelt. Macht aber nichts, denn diese drei Lieder gehen ins Ohr und dafür lohnt die Platte dann doch noch. Allerdings lässt eine Spieldauer von knapp über einer halben Stunde zusätzlich einen eher schalen Geschmack zurück – genau wie das unfassbar schlechte Cover, was wohl witzig gemeint sein soll. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Badge, Doing That Scrapyard Thing, What A Bringdown



Freitag, 9. November 2018

Iron Butterfly – Ball




Iron Butterfly – Ball


Besetzung:

Erik Brann – guitar, vocals
Ron Bushy – drums, percussion
Lee Dorman – bass guitar, backing vocals
Doug Ingle – organs, vocals


Label: ATCO


Erscheinungsdatum: 1969


Stil: Rock, Psychedelic Rock


Trackliste:

1. In The Time Of Our Lives (4:52)
2. Soul Experience (2:53)
3. Lonely Boy (5:00)
4. Real Fright (2:45)
5. In The Crowds (2:13)
6. It Must Be Love (4:26)
7. Her Favorite Style (3:15)
8. Filled With Fear (3:47)
9. Belda-Beast (5:46)

Gesamtspieldauer: 35:00



„Ball“ heißt das dritte Studioalbum der US-amerikanischen Rockband Iron Butterfly, welches am 17. Januar 1969 auf dem Plattenlabel ATCO veröffentlicht wurde. Das Album erreichte Platz 3 in den Billboard 200 Charts, was „Ball“ zu Beginn erfolgreicher als den Vorgänger „In-A-Gadda-Da-Vida“ werden ließ. „Ball“ wurde bereits im März 1969 in den USA aufgrund der Verkaufszahlen mit Gold ausgezeichnet. Mit den Titeln „Soul Experience“ sowie „In The Time Of Our Lives“ wurden zwei Singles aus dem Album ausgekoppelt. Erstgenannter Titel erreichte Platz 75 der Billboard-Charts, letztgenannter immerhin noch Platz 96. „Ball“ ist das zweite und letzte Studioalbum, welches in der Besetzung mit Doug Ingle, Ron Bushy, Lee Dorman und Eric Brann eingespielt wurde.

Schon überraschend wie damals von manchen Bands Alben im Halbjahrestakt veröffentlicht wurden. Im Fall von Iron Butterfly stellt „Ball“ das dritte Album innerhalb eines Jahres dar und trotzdem besitzt die Scheibe Qualität. Anscheinend ließen die Musiker damals in den neu erschlossenen musikalischen Genres einfach ihrer Kreativität freien Lauf und alles an Ideen musste endlich raus. Nach dem großen Erfolg des Vorgängeralbums „In-A-Gadda-Da-Vida modifizierte Iron Butterfly seinen Sound etwas und experimentierte mit melodischeren Kompositionen. Der markante schwere Gitarrensound der Band ist allerdings immer noch auf Tracks wie zum Beispiel „In The Time Of Our Lives“ zu hören. Wobei dieser Titel zu den Höhepunkten der Platte gehört. Insgesamt geht viel auf „Ball“ ins Ohr und verbleibt dort auch. Die auf dem Album zu hörenden Melodien verfügen über ein gehöriges Maß an Eingängigkeit und setzen sich fest.

Weiterer Höhepunkt der Scheibe ist das ebenfalls rockige und sehr rhythmisch gehaltene „Filled With Fear“, auf dem man auch das für Iron Butterfly so typische Orgelspiel des Doug Ingle neben einem sehr schönen Gitarrensolo des Erik Brann genießen kann. Schließlich sei an dieser Stelle noch die letzte Nummer der Platte erwähnt. „Belda-Beast“ heißt diese und tendiert sogar ein wenig zum Progressive Rock. Mehrere Teile, versetzte Takte, erneut ein markantes Orgelspiel und eine eingängige Melodie, die sich im Ohr festsetzt prägen dieses Lied. Nicht alles auf „Ball“ klingt allerdings so überzeugend. Beim Titel „Lonely Boy“ versuchen sich die Musiker im Genre des Soul und das geht gründlich daneben. Die beiden Nummern „In The Crowds” sowie „It Must Be Love” klingen zwar etwas besser, sind auch durchaus noch mit Rock zu umschreiben, dafür allerdings etwas gewöhnlicher als der Rest der Platte. Insgesamt macht „Ball“ jedoch durchaus Spaß und die Höhepunkte überwiegen deutlich.

Fazit: „Ball“ ist ein schönes Album geworden, angefüllt mit spannender Musik, die sich im noch nicht ganz ausgereiften Genre des Hard Rocks ausprobiert. Dabei gehen viele der Titel durchaus angenehm ins Ohr, verweilen dort auch länger und weisen auch nach Jahren der Vergessenheit einen Wiedererkennungswert auf. Den Ursprüngen der Rock Musik zu lauschen lohnt allemal. Zehn Punkte.

Anspieltipps: In The Time Of Our Lives, Filled With Fear, Belda-Beast



Samstag, 12. Mai 2018

Al Stewart – Love Chronicles




Al Stewart – Love Chronicles


Besetzung:

Al Stewart – vocals, guitar


Gastmusiker:

Jimmy Page – guitar on “Love Chronicles“
Simon Breckenridge (pseudonym for Simon Nicol) – guitar
Mervyn Prestwyck (pseudonym for Richard Thompson) – guitar
Brian Brocklehurst – bass
Harvey Burns – drums
Martyn Francis (pseudonym of Martin Lamble) – drums
Brian Odgers – bass
John Paul Jones – bass on “Love Chronicles“
Ashley Hutchings – bass


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 1969


Stil: Folk


Trackliste:

1. In Brooklyn (3:43)
2. Old Compton Street Blues (4:26)
3. The Ballad Of Mary Foster (8:02)
4. Life And Life Only (5:49)
5. You Should Have Listened To Al (3:02)
6. Love Chronicles (18:04)

Gesamtspieldauer: 43:09



„Love Chronicles“ heißt das zweite Album des Engländers Al Stewart und es ist gleich in mehrerer Hinsicht eine bemerkenswerte Platte geworden. Das Album erschien im September des Jahres 1969 auf dem Plattenlabel CBS Records und war das erste und einzige der ersten vier Alben des englischen Musikers, welches auch in den USA veröffentlicht wurde. Dazu hatte sich auch die Instrumentierung deutlich gegenüber dem zwei Jahre zuvor erschienenen Debut-Album „Bedsitter Images“ verändert. Es gab kein Orchester mehr, welches den Sound stark beeinflusste. Zu hören sind jetzt Al Stewart mit seinem Gesang und seiner akustischen Gitarre. Dazu erklingen Bass, zumeist ein sanftes Schlagzeug, der Sound einer E-Gitarre, die Soli spielt und damit Lücken füllt sowie ab und an eine Orgel.

Beim Einspielen der Platte erhielt Al Stewart tatkräftige Unterstützung bekannter Musiker. So spielt Jimmy Page die E-Gitarre beim Titellied „Love Chronicles“. Des Weiteren sind vier Mitglieder der Fairport Convention auf dem Album zu hören: Bassist Ashley Hutchings, Gitarrist Simon Nicol (aufgeführt als „Simon Breckenridge“), Schlagzeuger Martin Lamble (angegeben als „Martyn Francis“) und Gitarrist Richard Thompson (aufgeführt als „Marvyn Prestwick“). Ansonsten hat sich wenig geändert an der Musik des Al Stewart. Es gibt britischen Folk zu hören, der sehr melodiös und sanft klingt. Dabei sind die Lieder an jeder Stelle eingängig, alles klingt harmonisch und geht ins Ohr. Wer allerdings „Abrocken“ möchte, ist definitiv schlecht mit „Love Chronicles“ bedient. Die Musik fließt dahin, ohne jegliche Aufregung zu erzeugen. So manche Hörerin oder Hörer könnte dies auch mit „langweilig“ umschreiben.

Nun, schließlich kommt der letzte Titel des Albums. Es ist das Titellied „Love Chronicles“, gleichzeitig mit über achtzehn Minuten Spieldauer auch die längste Nummer der Platte. Das Lied ist aus zweierlei Gründen erwähnenswert. Zum einen ist da der Text. „Love Chronicles“ ist angeblich das erste Lied, in dem ein Sänger oder eine Sängerin das Wort „fucking“ in den Mund nimmt. Dies alleine sorgte schon mal für einen Eklat Ende der 60er Jahre. Zum anderen ist dieser Titel ziemlich einfach strukturiert und wiederholt fast nur ein einziges kurzes Thema über eine Laufzeit von über achtzehn Minuten. Dies in Kombination mit der wenig variierten Stimme des Al Stewart erfordert viel Durchhaltevermögen und Toleranz von der Hörerin beziehungsweise vom Hörer. Beim Hören hat man zwischenzeitlich wahrlich das Gefühl sich selbst Ohrfeigen zu müssen, nur um festzustellen, ob man noch wach ist oder gar noch lebt. Al Stewart erzählt in diesem Lied von seinen gemachten Erfahrungen zum Thema „Liebe“ – und dies in epischer Breite. Da braucht man wahrlich Sitzfleisch, um dies durchzustehen. Unglaublich auch, wie er diesen Text auswendig lernen konnte, den ich hier mit angeführt habe. Allerdings entzieht es sich meiner Kenntnis, ob der englische Musiker dieses Lied jemals live auf der Bühne spielte und ob er dabei nicht den Text vom Blatt ablas.


I can remember the first girl that I did love
It was Stephanie
In kindergarten arithmetic classes she used to
Sit next to me
I'd pass her sticky sweets under the table
Where the teacher couldn't see
Although she wouldn't remember me now
Sometimes I wonder where she can be

I can remember the first girl I kissed
It was Christine when I was ten
I'd been told we were moving away
I thought I'd never see her again
Oh don't forget me
I'll be back when they let me
Before you learn how to lie when you're leaving
Love is so much easier then

And at school would you believe three hundred boys
And no girls at all
But you're a fool if you should leave
Just think of the joys of rugby football
And prep in the morning and Brylcreem and acne
And cross-country running to kill evil thoughts
I'm surprised that I survived
I ran ten thousand miles with my back to the wall

I can remember the first girl that I made love to
It was in a park
In the lower pleasure gardens in Bournemouth
In summer just after dark
My mind was reeling: Oh what a feeling.
I missed the bus and walked twelve miles home
And it really didn't seem far

And all through my seventeenth summer
Running together from crowds and ties
Taking our clothes off and feeling each other
With fingers and senses and mouths and eyes
Incurring the glances of old disapproval
From elderly local inhabitant's eyes
Oh time, time we hardly even knew you
You didn't touch us with your lies

In the halcyon days of my late adolescence
My goal seemed clearly in sight
Playing electric guitar with a beat group
We set the ballrooms alight
Camping it up for the dyed blonde receptionists
Who told us we were al-ri-yi-yight
On an ego trip for a teenage superstar
On thirty shillings a nigh-yight

And so it fell that I came up to London
To look for fortune and fame
Starry eyed in my seaside successes
And much too sure of the game
First girl I met there I thought I'd get there
But the first girl was nearly the last girl
She left my eyes in the drain
She sat on my floor in the dead of the night
Rolling a joint and looking round for a light
Her clothes were so black and her face was so white
How could I know what was right?

And I sat all huddled upon my bed
Watching her in my innocence
And it was no sense at all, but too much sense
That took me to the bridge of impotence
Oh Artaud's anthology lay spread on the floor
And the thoughts that she gave me,
I'd not met before
And stranded half hypnotised,
I watched her in awe 
Of everything that she stood for

And I wanted more than anything to be like her with every sense
But it was no sense at all, but too much sense
That took me to the bridge of impotence
She came over to me and kissed me in play
Taking my hand between her legs as she lay
And she looked in my eyes but I turned them away
Finding no words fit to say

And I hated myself, but could not move
Shattered in my confidence
But it was no sense at all, but too much sense
That took me to the bridge of impotence
Now the stare of the lightbulb tore holes in my brain
As she got up in the silence that hung like a stain
And I wanted to speak, or to call out her name
But how could I begin to explain?

And my prosecuting room still holds
A strand of her hair in evidence
But it was no sense at all, but too much sense
That took me to the bridge of impotence
Oh I still think about her when the night fills with rain
And speaks in its voices uneasy and vain
And I think were I maybe to find her again
Oh I'd probably see her more plain

And I should have known she was just like me
It was after all only common-sense
But it was no sense at all, but too much sense
That took me to the bridge of impotence
But it was no sense at all, but too much sense
That took me to the bridge of impotence

At first I didn't go out much at all
I just stayed at home in my chains
Picking over the threads of my confidence
And searching for the remains
And when I couldn't stand any more of it
Going down to a club
Mixing in with the sounds and the crowds
I let the music cover me up

And only, lonely, the harlequins and painted phonies
Pick their ways, through the haze
Of highs and lows and blues
And all that I could do was to pick my way to you
Though I didn't tell you
You were just a thing to prove
I was hungry when found you, but I'm alright now

They sigh, they lie, the refugees and superheroes
On ice, so nice to see you, what's your name?
And all that I could do was to say the same to you
Take you for the moment, though the moment wasn't true
But I was hungry when I found you and I'm alright now

Though the street lamp cut through the curfew
It shed no light on our mind
It would have been so easy to love you
At any other time
Only, lonely, you came to me the night hung coldly
In your eyes, some other time I might have stayed with you
But all that I could do was to turn around to you
Thanks for what you gave me now it's time to say "Adieu"
I was hungry when I found you but I'm alright now.

Ba ba ba alright now

And so it came that I stood disillusioned
By everything I'd been told
I just didn't believe love existed
They were all just digging for gold
Widows and bankers and typists and businessmen
Loved each other they said
But all it was though was just a manoeuvre
The quickest way into bed

And so I followed the others' example
And jumped into the melee
In the hunting grounds of Earls Court and Swiss Cottage
I did my best to get laid
Beer cans and parties, deb girls and arties
Bouncing around in the social confusion
Missing and making the grade

The very first time I must confess
I thought you'd be like all of the rest
And we'd be strangers once again
By the time we were dressed
But when you'd smoked your cigarette
And talked of some people that we'd met
I found myself asking was it set,
did you have to go yet

And so you laughed and then kissed me
And stayed for the whole weekend
Although the bed was so narrow
We had to sleep end to end

And so the weeks passed through my brain
In their dadaistic chain
I found myself seeing you again, and again and again
And all you gave you gave it free
Asking for nothing back from me
You gave yourself unselfishly as a part of me
And where I thought that just plucking
The fruits of the bed was enough
It grew to be less like fucking
And more like making love 

Of all the girls I ever knew
some loved and some denied me
And all the words I ever said
have been no use to hide me
And all the songs I ever sung
each one of them untied me
And all the girls I ever loved
have left themselves inside me


Fazit: Auch wenn man Folk mag, diese Platte des Al Stewart stellt einen auf eine Geduldsprobe. Die Musik ist melodiös und sanft, geht durchaus ins Ohr. Jedoch wird dabei ein Thema immer wieder ausgewalzt, bis es einem zu den Ohren herauskommt. Dies ist nicht nur beim achtzehn minütigen Titellied der Fall. Ein wenig mehr Abwechslung hätte der Platte definitiv gut getan. Zudem hätte ich niemals geglaubt, dass ich einmal behaupten würde, ein gekürztes Lied wäre an dieser Stelle besser gewesen. Doch es ist so, „Love Chronicles“ ist definitiv zu lang geraten. Acht Punkte.

Anspieltipps: Life And Life Only



Sonntag, 21. Januar 2018

Vince Guaraldi Trio – A Boy Named Charlie Brown




Vince Guaraldi Trio – A Boy Named Charlie Brown


Besetzung:

Vince Guaraldi – piano
Monty Budwig – bass
Colin Bailey – drums


Label: Fantasy Inc.


Erscheinungsdatum: 1969


Stil: Jazz


Trackliste:

1. Oh, Good Grief (2:24)
2. Pebble Beach (2:51)
3. Happiness Is (3:43)
4. Schroeder (1:54)
5. Charlie Brown Theme (4:25)
6. Linus & Lucy (3:07)
7. Blue Charlie Brown (7:30)
8. Baseball Theme (3:15)
9. Freda (With The Naturally Curly Hair) (4:34)


Bonus Track:

10. Fly Me To The Moon (8:55)

Gesamtspieldauer: 42:44



Vince Guaraldi wurde lediglich 47 Jahre alt und verstarb Anfang des Jahres 1976 am plötzlichen Herztod. Bekannt wurde der Jazz-Pianist hauptsächlich durch seine Musik, die die Peanuts Comic-Strips, welche in den 60er Jahren erstmals im Fernsehen liefen, untermalte. Von daher wird er akustisch immer mit diesen kleinen Geschichten um den Verlierer Charlie Brown verbunden bleiben und weiterleben.

Die Musik des Vince Guaraldi passt perfekt zu den zumeist kurzen TV-Filmen, bildet mit diesen quasi eine Einheit. Man hört Easy-Listening-Jazz, der ab und an dabei auch swingt. Ins Ohr geht die Musik dabei eher weniger bis gar nicht, wirkt allerdings in Verbindung zu den Bildern bestens. Freundinnen und Freunde des Jazz werden die Scheibe wahrscheinlich sogar sehr lieben, denn die Spielfreunde des Vince Guaraldi ist hier in jedem Takt, in jedem Akkord zu hören, fließt aus seinen Fingern und überträgt sich auf sein Pianospiel.

Ich konnte die Serie im Fernsehen ebenfalls verfolgen, im Ohr war mir allerdings nur das Lied „Linus & Lucy“ geblieben. Das liegt sicherlich daran, dass diese jazzigen Melodien nicht so harmonisch klingen und schwerlich ins Ohr gehen, wenn man diesem musikalischen Genre nicht ganz speziell zugetan ist. Macht jedoch nichts, die Musik wirkt und löst Erinnerungen aus, was definitiv nicht jede Musik vollbringt.

Fazit: Für Nostalgiker und Jazz-Freunde bestens geeignet. Nicht nur Charlie Brown wurde mit dieser Musik ein Denkmal gesetzt, sondern auch dem viel zu früh verstorbenen Vince Guaraldi. Man hört die Scheibe, kennt die Lieder nicht und wird gleich an diesen kleinen Typ mit dem Namen Charlie Brown erinnert. Das hat was. Ohne Bewertung.

Anspieltipps: Linus & Lucy



Mittwoch, 27. Dezember 2017

Can – Monster Movie




Can – Monster Movie


Besetzung:

Irmin Schmidt – keyboards
Jaki Liebezeit – drums
Holger Czukay – bass
Michael Karoli – guitar
Malcolm Mooney – vocals, harmonica


Label: Spoon Records


Erscheinungsdatum: 1969


Stil: Krautrock, Psychedelic Rock


Trackliste:

1. Father Cannot Yell (7:06)
2. Mary, Mary So Contrary (6:22)
3. Outside My Door (4:11)
4. Yoo Doo Right (20:27)

Gesamtspieldauer: 38:07



Nachdem Michael Karoli bereits im Jahr 2001 verstorben war, starben im Jahr 2017 auch der Bassist Holger Czukay sowie Schlagzeuger Jaki Liebezeit der legendären Kölner Krautrock-Band Can. Ende der 60er Jahre startete die Karriere von Can, die sich offiziell im Jahr 1979 auflösten und danach noch unregelmäßig zusammenfanden. Die letzte Zusammenarbeit fand im Jahr 1999 statt. Im August des Jahres 1969 veröffentlichte die Formation ihr erstes Album unter dem Titel „Monster Movie“. Erschienen ist diese Scheibe auf dem Plattenlabel Spoon Records.

Auf „Monster Movie“ hört man keinen Krautrock à la Grobschnitt oder Jane, die Musik von Can ist stark vom Jazz beeinflusst, klingt sehr viel rauer und ungezügelter, als die jener Bandkollegen der damaligen Zeit. Richtig ins Ohr gehen mag da nur wenig, auf „Monster Movie“ am ehesten noch der Titel „Mary, Mary So Contrary“, der sich textlich an einen englischen Kinderreim anlehnt. Ansonsten stehen auch musikalisch repetitive bis monotone Wiederholungen im Vordergrund, die mitunter schrill und sogar etwas atonal klingen können. Zudem verbreitet die Platte an mancher Stelle eine gewisse Aggressivität, die so bis zur damaligen Zeit in der Musikszene noch nicht zu hören war. Can gehen hier in Bezug auf den Gesang des Amerikaners Malcolm Mooney sowie auf das Gitarrenspiel des Michael Karoli durchaus ganz neue, innovative Wege.

Manches auf „Monster Movie“ klingt nach ausgedehnter Improvisation, in die man tief versinken kann. Durch das ständige Wiederholen eines Themas erzeugt die Band eine Art akustischen Rauschzustand, der immer weiter an Intensität gewinnt. Der Ehrlichkeit halber soll an dieser Stelle jedoch auch nicht unerwähnt bleiben, dass viele Hörerinnen und Hörer diese Art der Musik wohl eher schräg und langweilig finden könnten. Ganz bestimmt machen Can auf „Monster Movie“ keine Musik für die breite Masse an Musikkonsumenten – das war weder Ende der 60er Jahre so, noch ist es heute der Fall.

Fazit: Die Musik von Can auf „Monster Movie“ klingt experimentell, teilweise improvisiert, wenig eingängig, manchmal aggressiv und immer fordernd. Andererseits bekommt man auf „Monster Movie“ auch sehr spannende Musik geboten, welche zwar an mancher Stelle monoton klingt, dabei jedoch niemals langweilig wird, da sie wirkt. Can inszenieren auf „Monster Movie“ ein Musikerlebnis, auf das man sich einlassen können muss. Laut und mit der entsprechenden Anlage gehört gibt es hier sehr viel zu entdecken. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Mary Mary So Contrary, Yoo Doo Right



Mittwoch, 18. Oktober 2017

Fairport Convention – Liege & Lief




Fairport Convention – Liege & Lief


Besetzung:

Sandy Denny – vocals
Dave Swarbrick – fiddle, viola
Richard Thompson – electric & acoustic guitars, backing vocals
Simon Nicol – electric, 6-string & 12-string acoustic guitars, backing vocals
Ashley Hutchings – bass guitar, backing vocals
Dave Mattacks – drums, percussion


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1969


Stil: Folk, Pop


Trackliste:

1. Come All Ye (5:03)
2. Reynardine (4:34)
3. Matty Groves (8:09)
4. Farewell, Farewell (2:39)
5. The Deserter (4:24)
6. Medley (4:08)
The Lark In The Morning
Rakish Paddy
Foxhunters' Jig
Toss The Feathers
7. Tam Lin (7:14)
8. Crazy Man Michael (4:46)


Bonus Tracks der CD-Wiederveröffentlichung:

9. Sir Patrick Spens (4:03)
10. Quiet Joys Of Brotherhood (10:16)

Gesamtspieldauer: 55:21



„Liege & Lief“ heißt das vierte Studioalbum der englischen Folk Rock Band Fairport Convention. Es ist bereits das dritte Album, welches die Band im Jahr 1969 veröffentlichte und erschien im Dezember dieses Jahres auf dem Plattenlabel Island Records. Nach dem Einspielen und noch vor seiner Veröffentlichung der Platte verließ die Sängerin Sandy Denny bereits wieder die Band, zu der sie Mitte der 70er Jahre, kurz vor ihrem Tod, nochmals zurückkehren sollte.

Alle Titel auf „Liege & Lief“ basieren auf traditionellen englischen und keltischen Musikstücken, die hier allerdings in veränderten Versionen zu hören sind. Sehr stark an diesen Transformationen beteiligt war Sängerin Sandy Denny, die zwar die Band nach der Fertigstellung verließ, damit jedoch den bis heute vorherrschenden Sound der Band maßgeblich mitgestaltete. Das Album kletterte bis auf Platz 17 der UK Album Charts und hielt sich fünfzehn Wochen in diesen. Die Platte wird häufig als die erste reine britische Folk Platte beschrieben und ebnete den Weg für zahlreiche andere Veröffentlichungen dieses Genres. In einer Zuschauerabstimmung der BBC Radio 2 Folk Awards im Jahr 2006 wurde „Liege & Lief“ zum „einflussreichsten Folk Album aller Zeiten“ gewählt.

Schöne und eingängige Folk Musik hört man auf „Liege & Lief“, die sich häufig deutlich von der Musik desselben Genres westlich des Atlantiks unterscheidet. Dies gilt zwar nicht für das Medley in der Mitte der Platte, bestehend aus vier Stücken. Bei diesem Titel steht die Violine im Vordergrund und es ist auch kein Gesang zu hören. Das Lied könnte so ohne Weiteres auch von einer US-amerikanischen Band eingespielt worden sein, es klingt sehr nach den USA und ist keinesfalls typisch für „Liege & Lief“. Ansonsten stehen die bereits erwähnten harmonischen und eingängigen Folk-Titel im Vordergrund, die von Sandy Denny mit ihrer hellen und schönen Stimme dominiert werden. Sehr viele Stücke gehen schnell ins Ohr, melodiös klingt auf „Liege & Lief“ so gut wie alles.

Fazit: Schönen und eingängigen englischen Folk bekommt man auf „Liege & Lief“ zu hören. Die Lieder klingen sanft und entspannt, nie hektisch oder aufgeregt. Nicht „aufgeregt“ bedeutet allerdings auch, nicht besonders aufregend. Gut anzuhören ist das alles, richtiggehend begeistern kann diese Musik allerdings heutzutage nicht mehr. Trotzdem, „Liege & Lief“ ist eine Platte, die gegen die Hektik des Alltags ankämpft. Musik zum Durchschnaufen und zum entspannten Zuhören. Neun Punkte.

Anspieltipps: Matty Groves, Crazy Man Michael



Sonntag, 8. Oktober 2017

Fairport Convention – Unhalfbricking




Fairport Convention – Unhalfbricking


Besetzung:

Sandy Denny – vocals, harpsichord
Richard Thompson – electric and acoustic guitars, electric dulcimer, piano accordion, organ, backing vocals
Ashley Hutchings – bass, backing vocals
Simon Nicol – electric and acoustic guitars, electric dulcimer, backing vocals
Martin Lamble – drums, stacked chair backs on "Si Tu Dois Partir"


Gastmusiker:

Iain Matthews – backing vocals on "Percy's Song"
Dave Swarbrick – fiddle on "Si Tu Dois Partir", "A Sailor's Life", and "Cajun Woman" and Mandolin on "Million Dollar Bash"
Trevor Lucas – triangle on "Si Tu Dois Partir"
Marc Ellington – vocals on "Million Dollar Bash"
Dave Mattacks – drums on "Ballad Of Easy Rider"


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1969


Stil: Folk, Pop


Trackliste:

1. Genesis Hall (3:38)
2. Si Su Dois Partir (2:21)
3. Autopsy (4:23)
4. A Sailor's Life (11:11)
5. Cajun Woman (2:45)
6. Who Knows Where The Time Goes? (5:08)
7. Percy's Song (6:49)
8. Million Dollar Bash (2:57)


Bonus Tracks der CD-Wiederveröffentlichung:

9. Dear Landlord (4:08)
10. Ballad Of Easy Rider (4:55)

Gesamtspieldauer: 48:19



„Unhalfbricking“ heißt das dritte Studioalbum der britischen Folk Band Fairport Convention. Es ist die zweite Platte, die von Fairport Convention im Jahr 1969 veröffentlicht wurde, sollte allerdings noch nicht die letzte Veröffentlichung für dieses Jahr darstellen. Das Album erschien am 3. Juli 1969 auf dem Plattenlabel Island Records und stellte eine weitere Abkehr der Band vom amerikanischen Folk, hin zu traditionellen englischen Folk-Liedern dar – auch wenn es ab und an sogar noch leichte Country-Anleihen auf „Unhalfbricking“ zu hören gibt.

Neben traditionellen Arrangements hört man auf „Unhalfbricking“ mehrere Cover-Versionen von bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht veröffentlichten Bob Dylan Stücken. Dazu gesellen sich mit „Autopsy“ sowie „Who Knows Where The Time Goes?“ zwei Nummern, die von Sängerin Sandy Denny geschrieben wurden. Letztgenannter Titel sollte zuerst mit den Strawbs veröffentlicht werden, erschien jedoch in der Version dieser Band erst im Jahr 1973. Auf „Unhalfbricking“ hört man die erste veröffentlichte Version von „Who Knows Where The Time Goes?“ in einer sehr verträumten, leicht rockigen Ausstattung. Das Lied wurde noch von zahlreichen anderen Künstlern und Bands in den folgenden Jahren gecovert.

Auf „Unhalfbricking“ klingt es insgesamt sehr folkig. Die Musik hört sich zumeist zart, fast schon zerbrechlich an, was nicht zuletzt am ausdrucksstarken Gesang der Sandy Denny liegt. Nicht immer will dabei alles sofort ins Ohr gehen, wächst jedoch mit den Durchgängen. Am Überzeugendsten für meine Ohren klingt die lange, traditionelle Nummer „A Sailor's Life“. Hier hören sich Fairport Convention fast schon ein wenig psychedelisch bis experimentell an. Die Überarbeitung des traditionellen Materials kitzelte hier ganz neue Facetten eines alten Liedes hervor, welches dadurch sehr viel an Spannung gewinnt. Ansonsten klingt „Unhalfbricking“ deutlich nach den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. Dabei noch nicht einmal überholt, jedoch eben eindeutig in dieser Zeit verwurzelt.

Auf dem Cover des Albums ist übrigens weder der Bandname noch der Titel des Albums zu lesen. Stattdessen sieht man Sandy Dennys Eltern, Neil und Edna Denny, vor ihrem Anwesen in der Arthur Road, Wimbledon, Süd-London. Durch den Zaum erkennt man die Band im Garten und im Hintergrund die St. Mary Kirche von Wimbledon.

Fazit: Ein ganz „nettes“ Album ist „Unhalfbricking“ der britischen Band Fairport Convention geworden. Nichts Spektakuläres oder Außergewöhnliches. Dafür bekommt man auf dieser Scheibe britischen Folk geboten, in dessen Zentrum die schöne Stimme der Sandy Denny steht. Die Musik ist nicht unbedingt gleich beim ersten Mal des Hörens eingängig, wächst allerdings mit den weiteren Durchläufen. So hört man auf „Unhalfbricking“ zumeist sehr sanfte Lieder, wobei nur der Titel „A Sailor's Life“ ein wenig aus der Reihe schlägt. Acht Punkte.

Anspieltipps: Genesis Hall, A Sailor's Life



Donnerstag, 25. Mai 2017

Spooky Tooth – Spooky Two




Spooky Tooth – Spooky Two


Besetzung:

Mike Harrison – keyboards, vocals
Gary Wright – keyboards, vocals
Luther Grosvenor – guitar
Greg Ridley – bass, guitar
Mike Kellie – drums


Gastmusiker:

Keine weiteren Angaben


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1969


Stil: Blues Rock, Rock


Trackliste:

1. Waitin‘ For The Wind (3:44)
2. Feelin‘ Bad (3:24)
3. I‘ve Got Enough Heartaches (3:29)
4. Evil Woman (9:08)
5. Lost In My Dream (5:07)
6. That Was Only Yesterday (3:55)
7. Better By You, Better Than Me (3:41)
8. Hangman Hang My Shell On A Tree (5:50)


Bonus Tracks der remasterten Albumversion:

9. Feelin‘ Bad (Top Gear Session / BBC Radio One [Mono]) (2:54)
10. I Can‘t Quit Her (Top Gear Session / BBC Radio One [Mono]) (3:02)
11. Blues Town (Top Gear Session / BBC Radio One [Mono]) (3:34)
12. Something Got Into Your Life [Mono] (3:26)
13. When I Get Home [Mono] (4:12)
14. Waitin‘ For The Wind (First Mix) (3:30)
15. Lost In My Dream (First Mix) (5:45)
16. Better By You, Better Than Me (First Mix) (4:08)
17. Pretty Woman (B-Side Of European Single) [Mono] (3:27)

Gesamtspieldauer: 1:12:25




Spooky Tooth war eine englische Rock Band, die hauptsächlich in den Jahren von 1967 bis 1974 aktiv war. Jedoch gab es in den Jahren danach immer wieder diverse Band-Reunionen, die im Jahr 1999 sogar noch mal in der Veröffentlichung eines erneuten Studioalbums mündeten. Die ersten acht Scheiben der Band entstanden allerdings in den ersten acht Jahren des Bestehens, einer Phase, die allerdings auch von zahlreichen Umbesetzungen geprägt war. „Spooky Two“ ist das dritte Album von Spooky Tooth, jedoch gleichzeitig die zweite Platte, die unter dem Namen Spooky Tooth veröffentlicht wurde. Die erste Veröffentlichung eines Albums fand noch unter dem Bandnamen „Art“ statt. „Spooky Two“ erschien im Jahr 1969 auf dem Label Island Records.

Auf „Spooky Two“ bekommt man hauptsächlich Blues Rock zu hören, der durch den Hintergrundgesang auch mal nach Gospel klingen kann, wie die Lieder „Feelin‘ Bad“ und „I‘ve Got Enough Heartaches“ exemplarisch belegen. Besonders aufregend hört sich diese Musik heute leider nicht mehr an jeder Stelle an. Zwar verstehen es einzelne Lieder mit jedem weiteren Durchlauf der Scheibe in den Ohren noch musikalisch zu wachsen, vieles davon ist heute jedoch kaum mehr dazu in der Lage „Kultstatus“ zu erreichen, was diese Musik bei mancher Hörerin beziehungsweise manchem Hörer unter Umständen früher erreicht haben dürfte.

Am Überzeugendsten klingen das lange und durch diverse, zum Teil auch mitreißende Soli geprägte „Evil Woman“. Hier hört man die Energie und die Hingabe in der Musik von Spooky Tooth sehr schön heraus. Dabei rockt die Nummer ordentlich und ganz egal, ob gerade die Orgel oder die Gitarre ihren Solo-Auftritt haben, das Lied wirkt. Der hohe Gesang ist dabei allerdings nicht nur beim ersten Mal des Hörens gewöhnungsbedürftig. „Lost In My Dream“ ist dagegen eine zunächst deutlich langsamere Nummer, eher rockig angehaucht und dabei immer melodiös. Hier spielt die Band toll mit Geschwindigkeiten und Atmosphären.

Höhepunkt der Scheibe ist allerdings das Lied „Better By You, Better Than Me“. Ebenfalls eine rockige Nummer, in der es sanftere und schnellere Abschnitte zu hören gibt. Das Lied verfügt über eine Melodie, die sich sehr schnell im Ohr festsetzt und bereits nach dem ersten Hören einen Wiedererkennungswert aufweist. Hier ist sogar, die im Rahmen der remasterten Wiederveröffentlichung hinzugefügte Version des Stücks zu empfehlen, die mit „First Mix“ untertitelt wurde. Diese unterscheidet sich musikalisch zwar kaum von jener Fassung, die dann auf Platte gepresst wurde, ist allerdings fast eine halbe Minute länger.

Insgesamt neun „Zugaben“ wurden der remasterten Fassung des Albums beigefügt, die sich mal mehr, mal weniger lohnen gehört zu werden. Allerdings sind dies insgesamt Zugaben, die das gesamte Album durchaus nochmals aufwerten, verlängern sie doch die Scheibe auch durch weitere Titel auf fast die doppelte Laufzeit. Und da spielt es auch keine Rolle, dass viele der Lieder hier in Form von Mono-Aufnahmen hinzugefügt wurden.

Fazit: Kein Höhepunkt in der Musikgeschichte, doch durchaus ein hörenswertes Album ist „Spooky Two“ von Spooky Tooth geworden, was bei vielen Fans auch als die beste Platte der Band gehandelt wird. Nicht jeder Titel darauf ist überzeugend, andere wiederum sind es sehr. Die Band zelebrierte in dieser Phase ihres Bestehens Blues Rock, der mal härter, mal sanfter klang und dabei oftmals sehr melodiös war. Für Musikhörerinnen und Musikhörer, die sich für diese Art der Musik Ende der 60er Jahre interessieren, mit Sicherheit sehr lohnenswert. Neun Punkte.

Anspieltipps: Evil Woman, Lost In My Dream, Better By You Better Than Me