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Montag, 6. Oktober 2025

Crippled Black Phoenix – The Wolf Changes Its Fur But Not Its Nature

 



Crippled Black Phoenix – The Wolf Changes Its Fur But Not Its Nature


Besetzung:

Justin Greaves – guitars, drums, samples, saw, synthesizers, bass, ebow, backing vocals
Belinda Kordic – vocals, backing vocals
Helen Stanley – synthesizers, piano, trumpet, hammond
Andy Taylor – guitars


Gastmusiker:

Robin Tow – additional drums
Martin Hyde – additional drums
Ryan Patterson – vocals
George Paco Nitschke – saxophone, synthesizer, vocoder
Wesley J. Wasley – bass
Matt Crawford – bass
Kostas Panagiotou – accordion, piano, hammond
Justin Storms – vocals




Erscheinungsjahr: 2024


Stil: Progressive Rock, Art Rock


Trackliste:

1. We Forgotten Who We Are (11:17)
2. You Put The Devil In Me (6:17)
3. 444 (7:23)
4. Goodnight, Europe (Pt2) (8:37)
5. (-) (4:39)
6. Song For The Unloved (14:21)
7. Whissendine (6:58)
8. Blizzard Of Horned Cats (4:43)


Horrific Honorifics Number Two

1. Vengeance (4:16)
2. Self Control (5:23)
3. Blueprint (4:03)
4. And That’s Sad (6:52)
5. Hammer Song (4:52)
6. When A Blind Man Cries (3:22)
7. My Pal (3:50)
8. Goin‘ Against Your Mind (8:52)

Gesamtspieldauer CD1 (1:04:18) und CD2 (41:34): 1:45:52



Das Doppelalbum, bestehend aus „The Wolf Changes Its Fur But Not Its Nature“ und „Horrific Honorifics Number Two“, ist kein offizielles Album der englischen Band Crippled Black Phoenix. Erschienen im Jahr 2024 enthält die erste Scheibe Lieder der Band – der Albumtitel deutet bereits darauf hin – die bereits in anderen Versionen auf vorherigen Alben veröffentlicht worden sind. „Horrific Honorifics Number Two“ enthält dagegen Cover-Versionen von Liedern und Bands, die die Musik von Crippled Black Phoenix beeinflusst haben, wie man im Booklet nachlesen kann.

Beim Hören von „The Wolf Changes Its Fur But Not Its Nature“ hat man – kaum überraschend – öfters so ein Déjà Vu Erlebnis, da einem die Lieder meist schon bekannt vorkommen, wenn man auch die früheren Alben der Band kennt. Hier werden sie nun oftmals in der Live-Version wiedergegeben, was sie etwas kraftvoller, als die ursprünglichen Studioversionen erscheinen lässt. Zum Teil erklingen hier die Lieder auch in ursprünglicheren Versionen. Mitunter wurden zudem die Texte leicht verändert, trotzdem erkennt man die Nummern natürlich.

„Horrific Honorifics Number Two“ enthält unter anderem Stücke von New Model Army, der Sensational Alex Harvey Band, Deep Purple oder auch „Self Control“ von Laura Branigan. Eine recht krude Mischung, wobei den Liedern allerdings eindeutig der Stempel von Crippled Black Phoenix aufgedrückt wurde. Mal überzeugen diese Nummern mehr, mal weniger. Letzteres immer dann, wenn man das Original nur zu gut im Ohr hat.

Die Hard-Cover CD-Box ist sehr schön und informativ gestaltet. Zu jeder Nummer erhält man noch einige Informationen. Zudem sind auch einige Bilder und natürlich die Texte enthalten. Hier lohnt das Blättern definitiv.

Fazit: Lohnend ist das Album für Fans zumindest aufgrund der ersten Scheibe. Hier erhalten die Lieder zum Teil einen ganz neuen Anstrich, klingen mitunter rockiger und sind hier auch in meist längeren Versionen enthalten. Wenn man allerdings neu in den musikalischen Kosmos der Engländer einsteigen möchte, lohnen ganz sicher die Original-Platten mehr. Und „Horrific Honorifics Number Two“? Eine Zugabe, die man so mitnimmt, aber wohl selten auflegen wird. Zehn Punkte.

Anspieltipps: We Forgotten Who We Are, Goodnight, Europe (Pt2), Song For The Unloved



Samstag, 4. Oktober 2025

The Stranglers – Dark Matters

 



The Stranglers – Dark Matters


Besetzung:

Jean-Jacques Burnel – bass, lead (1, 3, 8, 10, 11) and backing vocals, acoustic guitar (6)
Dave Greenfield – keyboards, backing vocals
Baz Warne – guitar, lead (2–7, 9) and backing vocals
Jim Macaulay – drums, percussion, backing vocals


Gastmusiker:

Louie Nicastro – additional keyboards
Matthew Bourne-Jones – trumpet (4)


Label: Coursegood Limited


Erscheinungsjahr: 2021


Stil: Rock


Trackliste:

1. Water (4:49)
2. This Song (3:22)
3. And If You Should See Dave... (3:37)
4. If Something's Gonna Kill Me (It Might As Well Be Love) (4:58)
5. No Man‘s Land (2:28)
6. The Lines (1:39)
7. Payday (3:06)
8. Down (3:04)
9. The Last Men On The Moon (5:37)
10. White Stallion (4:47)
11. Breathe (5:51)

Gesamtspieldauer: 43:21



„Dark Matters“ heißt das achtzehnte Studioalbum der britischen Rockband The Stranglers. Das Album wurde am 10. September 2021 auf dem Plattenlabel Coursegood Limited veröffentlicht. Auf acht der elf Titel von „Dark Matters“ ist noch der im Jahr 2020 an Covid-19 verstorbene Keyboarder und Gründungsmitglied der Stranglers Dave Greenfield zu hören. Gleichzeitig ist die Platte das erste Studioalbum, welches ebenfalls ohne Gründungsmitglied und Schlagzeuger Jet Black aufgenommen wurde, der sich 2015 aus gesundheitlichen Gründen aus der Band zurückzogen hatte und im Jahr 2022 verstarb.

„Dark Matters“ stieg auf Platz 4 in die offiziellen britischen Albumcharts ein und ist damit das höchstplatzierte Studioalbum der Stranglers seit Feline aus dem Jahr 1983. Es wurde vom Magazin Vive Le Rock in seiner Ausgabe vom Dezember 2021 als „Album des Jahres“ ausgezeichnet. Die Lieder „And If You Should See Dave...“, „If Something‘s Gonna Kill Me (It Might As Well Be Love)“ sowie „This Song“ waren vorab als Singles veröffentlicht worden.

Das Album ist eine Mischung aus New Wave-angehauchten Rocktiteln mit sanfteren Nummern. Dabei ist der so typische Klang der Stranglers immer noch deutlich herauszuhören. Und natürlich spielt auch der Tod von Dave Greenfield eine inhaltliche Rolle. Dies wird besonders deutlich bei den Titeln „And If You Should See Dave...“ und „If Something‘s Gonna Kill Me (It Might As Well Be Love)“. Bei letztgenanntem Titel kommt auch die „New Wave-Vergangenheit“ der Band am stärksten zum Tragen.

Allerdings nicht nur bei dieser Nummer wissen die Stranglers erneut mit tollen Melodien zu überzeugen, die sofort ins Ohr gehen und schnell zu guten Freunden werden. Auf „Dark Matters“ findet sich kein Füllmaterial, jedes der elf Stücke wirkt und klingt. Somit wird das achtzehnte Studioalbum der Englänger zu einem eingängigen und auch abwechslungsreichen Erlebnis, das man gerne auflegt. New Wave, Rock und im Falle des sanften „The Lines“ sogar Folk passen auf dieser Platte perfekt zusammen.

Fazit: Neun Jahre nach „Giants“ veröffentlichen die Stranglers wieder ein Album und dieses überzeugt und macht Spaß zu hören. Die Trauer über den Tod Dave Greenfields ist auf dem Album präsent, trotzdem verliert sich die Platte nicht in einer Moll-Orgie. Es sind die Melodien, die Ideen und die Abwechslung, die dieses Album zu einem sehr hörenswerten werden lassen. Elf Punkte.

Anspieltipps: If Something's Gonna Kill Me, The Lines, Down, White Stallion, Breathe



Freitag, 26. September 2025

Jon Anderson & The Band Geeks – True

 





Besetzung:

Jon Anderson – vocals
Richie Castellano – guitars, bass, keyboards, vocals
Andy Ascolace – drums, percussion, keyboards, vocals
Andy Graziano – guitar, vocals
Christopher Clark – keyboards
Robert Kipp – hammond organ, vocals
Ann-Marie Nacchio – additional vocals


Label: Frontiers


Erscheinungsjahr: 2024


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. True Messenger (5:49)
2. Shine On (4:17)
3. Counties And Countries (9:50)
4. Build Me An Ocean (3:19)
5. Still A Friend (5:01)
6. Make It Right (6:06)
7. Realization Part Two (3:32)
8. Once Upon A Dream (16:31)
9. Thank God (3:48)

Gesamtspieldauer: 58:17



Der „Yes-Kosmos“ ist so unfassbar vielfältig, dass man öfters mal den Überblick verliert, wer denn gerade Mitglied bei Yes ist und wer im Moment wo und mit wem eine neue Platte veröffentlicht. Nun also Jon Anderson mit der Band Geeks, die bereits seine Tour-Band war. „True“ erschien am 23. August 2024 auf dem Plattenlabel Frontiers.

Yes veröffentlichten ohne Jon Anderson im Jahr 2023 ihr bisher letztes Werk „Mirror To The Sky“, welches tatsächlich nur noch in Ansätzen an die Großtaten der Band in den 70er Jahren erinnert. Legt man nun „True“ von Jon Anderson auf so merkt man sehr schnell, dass der frühere Sänger der Band diese spezielle Yes-Atmosphäre in der Musik noch deutlich treffender und überzeugender weiterträgt. „True“ klingt eindeutig nach Yes-Musik aus längst vergangenen Jahrzehnten.

Die Stimme des Jon Anderson hört sich immer noch wie in den 70er Jahren an, wunderschöne Melodiebögen entfalten sich, die Jon Anderson so wunderbar gesanglich umzusetzen und in die er so überzeugend einzutauchen versteht. Dazu diese esoterischen bis kryptischen Texte, fühlt beziehungsweise hört sich irgendwie nach Déjà Vu an. Alle Zutaten der früheren Yes sind vorhanden, dabei klingt auf „True“ nichts wie eine billige Kopie. Die Musik der ehemaligen Pioniere des Progressive Rocks wurde einfach fünfzig Jahre später um ein paar Takte und Melodien erweitert. Yes-Freunde wird es freuen und sie werden es gerne hören.

Die Lieder erklingen oftmals hymnenartig, beinhalten Wendungen und viele wunderschöne, mehrstimmige Gesangsarrangements gibt es dabei zu entdecken. Auch Keyboard, Gitarre und Bass scheinen mit in die neue Zeit „herübergerettet“ worden zu sein und so erklingt „True“ der Bedeutung entsprechend, wie die „wahre“ Musik von Yes, die auch im 21. Jahrhundert noch geschrieben und aufgenommen werden kann.

Fazit: Wer Spaß an der Musik der früheren Yes hat, der kann mit „True“ von Jon Anderson und der Band Geeks ganz bestimmt nichts falsch machen. „True“ klingt mehr nach Yes und vor allen Dingen auch besser als vieles, was die Band – mit oder ohne Jon Anderson – in den letzten Jahrzehnten veröffentlichte. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Make It Right, Once Upon A Dream



Mittwoch, 24. September 2025

David Gilmour – Luck And Strange

 



David Gilmour – Luck And Strange


Besetzung:

David Gilmour – guitar (all), piano (1), lead vocals (2–4, 7–9), ukulele (3), höfner bass (3, 8), farfisa organ (3), backing vocals (2-4, 6–8), keyboards (6, 9), hammond organ (7), bass guitar (9), leslie piano (9), cümbüş (8)


Gastmusiker:

Richard Wright – electric piano, hammond organ (2)
Romany Gilmour – lead vocals (6), backing vocals (2–4, 6–8), harp (5–6)
Gabriel Gilmour – backing vocals (3, 4)
Rob Gentry – synthesiser (1–4, 6, 9), keyboards (3, 6, 8–9), piano (4, 6, 8–9), organ (7)
Roger Eno – piano (1, 9)
Guy Pratt – bass guitar (2, 3, 6–9)
Adam Betts – percussion (2, 4, 6–9), djembe (3), drums (4)
Steve DiStanislao – drums (2)
Steve Gadd – drums, percussion (3, 6–9)
Tom Herbert – bass guitar (4)
Charley Webb - backing vocals
Hattie Webb - backing vocals
Louise Marshall - backing vocals
Edmund Aldhous – organist and director of music at Ely Cathedral
Ely Cathedral Choir – vocals
Angel Studios Choir – vocals
Angel Studios Orchestra


Label: Sony Music


Erscheinungsjahr: 2024


Stil: Rock


Trackliste:

1. Black Cat (1:32)
2. Luck And Strange (6:56)
3. The Piper‘s Call (5:15)
4. A Single Spark (6:04)
5. Vita Brevis (0:46)
6. Between Two Points (5:47)
7. Dark And Velvet Nights (4:44)
8. Sings (5:14)
9. Scattered (7:33)

Bonus Tracks:

10. Yes, I Have Ghosts (3:50)
11. Luck And Strange (Original Barn Jam) (13:59)

Gesamtspieldauer: 1:01:44



„Luck And Strange“ heißt das fünfte Studioalbum des ehemaligen Pink Floyd Gitarristen David Gilmour. Veröffentlicht wurde das Album am 6. September 2024 auf dem Plattenlabel Sony Music. Für die Texte zeichnet sich größtenteils David Gilmours Frau Polly Samson verantwortlich. Aber auch ihre beiden Kinder Romany und Gabriel tragen zum Album bei. Gabriel wie Romany als Backgroundsänger, Romany übernimmt allerdings beim „Between The Points“-Cover der Montgolfier Brothers sogar den Gesang und ist bei diesem Lied, wie beim kurzen Instrumentalstück „Vita Brevis“, ebenso an der Harfe zu hören.

Mit der ersten, kurzen Instrumentalnummer „Black Cat“ wird man in das Album eingeführt. Sehnsüchtig klingt dieses Lied und erinnert entfernt durchaus auch an manch stimmungsvolles Stück von Pink Floyd. Dies ist allerdings, neben einigen unverkennbaren Gitarrenklängen, der einzige Vergleich, der sich bei „Luck And Strange“ zu Pink Floyd ziehen lässt. „Luck And Strange“ ist ein reines David Gilmour Solo-Album und klingt auch genau so.

Dabei hört man beim zweiten Titel „Luck And Strange“ sogar Richard Wright an den Keyboards. Das Lied entstammt einer Jam-Session in David Gilmours Studio im Jahr 2007, wurde also ein Jahr vor Richard Wrights Tod aufgenommen. Die ganze Jam-Session ist auf der CD-Ausgabe als Bonus-Track beigefügt. Schön, hier noch mal Richard Wright hören zu können. Das Lied selbst ist eine eingängige, allerdings auch unspektakuläre Nummer, bei der man jedoch gerade in den höheren Lagen nicht überhören kann, dass David Gilmour im Jahr 2024 auch bereits 78 Jahre geworden ist.

Die Lieder des Albums sind allesamt im Bereich des Rocks angesiedelt. Ziemlich geradlinig und rhythmisch fließen die einzelnen Nummern aus den Boxen und gehen dabei mal mehr, mal etwas weniger ins Ohr. Einen Ausfall gibt es dabei jedoch glücklicherweise nicht zu beklagen. Einen Höhepunkt – sieht man mal vom Umstand ab, dass man hier Rick Wright nochmals zu hören bekommt – gibt es jedoch auch nicht zu entdecken. Das Album läuft durch und man merkt, dass man das letzte Lied der CD erreicht hat, wenn sich David Gilmour und Richard Wright gegenseitig in den Soli des Jams abwechseln und daran durchaus Spaß zu haben scheinen, wie man am Lachen zum Ende des Liedes hört.

Fazit: David Gilmour ist ein klasse Gitarrist. Seine wahre Stärke auch in Bezug auf das Songwriting konnte er allerdings immer nur in Verbindung zu den Kollegen von Pink Floyd zeigen. So ist „Luck And Strange“ ein gutes, aber auch unaufgeregtes Solo-Album geworden, ein Rock-Album, welches kaum Spuren hinterlassen wird. Neun Punkte.

Anspieltipps: Scattered



Donnerstag, 26. Juni 2025

Arctic Monkeys – AM

 





Besetzung:

Alex Turner – lead and backing vocals, guitar
Matt Helders – drums, backing vocals
Jamie Cook – guitar
Nick O'Malley – bass, backing vocals, baritone guitar


Gastmusiker:

James Ford – keyboards (tracks 3, 6–12)
Josh Homme – backing vocals (tracks 3 and 11)
Pete Thomas – percussion (track 7)
Bill Ryder-Jones – additional guitar (track 8)




Erscheinungsjahr: 2013


Stil: Independent Rock


Trackliste:

1. Do I Wanna Know? (4:32)
2. R U Mine? (3:21)
3. One For The Road (3:26)
4. Arabella (3:27)
5. I Want It All (3:05)
6. No.1 Party Anthem (4:03)
7. Mad Sounds (3:35)
8. Fireside (3:01)
9. Why‘d You Only Call Me When You‘re High? (2:41)
10. Snap Out Of It (3:13)
11. Knee Socks (4:17)
12. I Wanna Be Yours (3:04)

Gesamtspieldauer: 41:48



„AM“ heißt das fünfte Studioalbum der englischen Rockband Arctic Monkeys. Es wurde am 9. September 2013 auf dem Plattenlabel Domino Recording Company veröffentlicht. Das Album wurde zu einem der erfolgreichsten Alben der Arctic Monkeys, es führte in mehreren Ländern die Charts an und erreichte in vielen weiteren Ländern Top-Ten-Positionen. An der Spitze der UK-Album-Charts verkaufte es sich in der ersten Woche über 157.000 mal und wurde mit 73.000 verkauften Exemplaren zu einem der meistverkauften Vinyl-Alben des Jahrzehnts.

„AM“ gewann den Brit Award für das britische Album des Jahres und wurde für den Grammy Award für die beste Rock-Performance („Do I Wanna Know?“) und den Mercury Prize nominiert. In diversen Listen wird das Album geführt. Der New Musical Express nannte es das beste Album des Jahrzehnts und nahm es in seine Liste der „500 Greatest Albums of All Time“ auf. Und auch das Rolling Stone Magazin nahm es in die 2020-Ausgabe seiner Liste der „500 Greatest Albums Of All Time“ auf.

Ganz schön viele Lobeshymen, die man als Freund des Rocks nicht unbedingt verstehen muss. Aber so ist das eben mit solchen Ranglisten, diese sind und bleiben eben doch auch nur Geschmackssache. Doch was hat es jetzt mit „AM“ auf sich? Nun, die Platte ist wahrlich kein schlechtes Album. Sehr viele musikalische Einflüsse lässt die Band mit in das Album einfließen. So hört man auf „AM“ Pop, Blues Rock, Hard Rock, R&B, Funk und Soul und auch leichte Hip-Hop-Anleihen. Dabei erklingt das Album in sich geschlossen, die unterschiedlichen musikalischen Genres fügen sich perfekt zusammen ohne, dass dies irgendwie konstruiert klingen würde.

Einen Ausfall gibt es auf der Platte ebenso nicht zu beklagen. Man legt „AM“ auf und kann das Album in einem durchhören, ohne den Tonarm an dieser oder jener Stelle etwas weitersetzen zu müssen. Das klingt alles gut und eingängig und macht auch Spaß beim Zuhören. Doch packt es einen auch so sehr, dass es zu den besten Alben aller Zeiten gezählt werden sollte? Nein, definitiv nicht!

Auf „AM“ hört man guten und abwechslungsreiche Rockmusik – perfekt produziert. Dabei überzeugen die einen Titel etwas mehr, die anderen etwas weniger. Den absoluten „Übersong“ gibt es jedoch nicht – genauso wenig wie den Totalausfall. Die Lieder gehen unaufgeregt ins Ohr und haben auch einen gewissen Wiedererkennungswert. Klasse auch die Gesangsharmonien, mit Stimmen, die oftmals fast an die Bee Gees erinnern. Was dieses Album allerdings über andere Platten dieses Jahres oder gar Jahrzehnts erheben soll, das erschließt sich einem nicht. Alleine in diesem Jahr veröffentlichten unter anderem Amplifier, Steven Wilson, Haken oder Motorpsycho Alben, die deutlich mehr Eindruck hinterlassen. Aber – Geschmackssache eben.

Fazit: „AM“ von den Arctic Monkeys ist ein eingängiges und abwechslungsreiches Album geworden, was man immer wieder gern auflegt und hört. Die einzelnen Lieder gehen ins Ohr und „wachsen“ mit jedem Durchlauf noch etwas weiter. Es macht Spaß zuzuhören, denn man wird auf eine sehr vielschichtige musikalische Reise mitgenommen, die viele Stile einschließt und niemals langweilig wird. Spannend ist das allemal. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Do I Wanna Know?, Arabella, Fireside



Dienstag, 24. Juni 2025

Kasabian – The Alchemist’s Euphoria

 



Kasabian – The Alchemist’s Euphoria


Besetzung:

Sergio Pizzorno – vocals, guitars, bass, synthesizers, piano, drum programming
Chris Edwards – bass guitar, backing vocals
Ian Matthews – drums, percussion
Tim Carter – guitar, organ, additional percussion, drum programming, additional programming (tracks 6, 9, 11, 12)


Gastmusiker:

Fraser T. Smith – additional keyboard, bass and drum programming


Label: Sony Music


Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Pop, Rock, Techno, HipHop


Trackliste:

1. Alchemist (2:40)
2. Scriptvre (3:49)
3. Rocket Fuel (3:02)
4. Strictly Old Skool (3:07)
5. Alygatyr (3:46)
6. Æ Space (0:48)
7. The Wall (3:29)
8. T.U.E (The Ultraview Effect) (5:45)
9. Stargazr (4:57)
10. Chemicals (3:31)
11. Æ Sea (0:33)
12. Letting Go (3:03)

Gesamtspieldauer: 38:35



„The Alchemist‘s Euphoria“ heißt das siebte Studioalbum der britischen Band Kasabian. Es wurde am 12. August 2022 auf dem Plattenlabel Sony Music veröffentlicht. Ganze fünf Jahre hatte es gedauert, bis nach „For Crying Out Loud“ diese neue Platte erschien. Inzwischen hatte sich auch einiges bei Kasabian getan. Serge Pizzorno war nun alleiniger Leadsänger geworden, denn der frühere Frontmann Tom Meighan war wegen einer Verurteilung aufgrund häuslicher Gewalt gegenüber seiner damaligen Freundin und jetzigen Frau im Jahr 2020 aus der Band entlassen worden. Gleichzeitig ist es das erste Album mit dem Gitarristen Tim Carter als festes Mitglied, der seit „West Ryder Pauper Lunatic Asylum“ aus dem Jahr 2009 an allen Alben der Band mitgewirkt hat und 2013 als Tourgitarrist zur Band stieß.

Mit den Liedern „Alygatyr“, „Scriptvre“, „Chemicals“ sowie „The Wall“ wurden insgesamt vier Singles aus dem Album ausgekoppelt.

Über das Album sagte Pizzorno, dass es „einige ziemlich obskure Wendungen nimmt“ und einen „großen, epischen Sound hat, aber auch eine persönliche Note. Neben den wuchtigen Parts gibt es auch einige sanftere Seiten. Als Ganzes ist es eine wunderschöne Sache und die kohärenteste Platte, die wir je gemacht haben. Es ist ein emotionaler Trip.“

Das kann man so sehen, muss man aber nicht. „The Alchemist‘s Euphoria“ klingt hauptsächlich brachial und aggressiv. Die sanften Stellen auf dem Album muss man schon genau suchen. Da gibt es zum einen die beiden kurzen Einsprengsel „Æ Space“ und „Æ Sea“, die eher mit sphärisch umschrieben werden können. Dann ist da noch das wirklich etwas sanftere „The Wall“ und schließlich ganz am Ende der Platte „Letting Go“, ein Lied welches sogar etwas im Folk angesiedelt ist. Ansonsten gibt es diese „ruhigeren“ Momente noch phasenweise in einzelnen Liedern.

Größtenteils „knallt“ „The Alchemist‘s Euphoria“ jedoch ohne, dass es sich dabei um Hard Rock handeln würde. Knallharte Beats, fast schon im Techno angesiedelt und auch mal eine HipHop-Einlage lassen das Album durchaus zu einer fordernden Angelegenheit werden, die man nicht mal so nebenbei hören kann. Die Lieder klingen größtenteils eingängig, ohne sich dabei allerdings zu einem Ohrwurm zu entwickeln.

Fazit: Ob es nun am Weggang von Tom Meighan lag oder allgemein der damaligen Bandphase geschuldet ist, kann natürlich schwer festgestellt werden. „The Alchemist‘s Euphoria“ ist kein schlechtes Album geworden, gehört allerdings auch nicht zu den Großtaten der Briten. Es lässt einen etwas nachdenklich und mit gemischten Gefühlen zurück. „The Alchemist‘s Euphoria“ klingt jedoch definitiv wie ein Album von Kasabian – und das wird den Fan freuen. Acht Punkte.

Anspieltipps: T.U.E (The Ultraview Effect), Letting Go



Samstag, 10. Mai 2025

The Pineapple Thief – Last To Run

 



The Pineapple Thief – Last To Run


Besetzung:

Bruce Soord – vocals, guitars
Steve Kitxch – keyboards
Jon Sykes – bass, backing vocals
Gavin Harrison – drums, percussion


Gastmusiker:

Beren Matthews – additional guitar, backing vocals


Label: KScope


Erscheinungsjahr: 2024


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. All Because Of Me (3:31)
2. Last To Run (4:07)
3. Election Day (4:15)
4. The World To Me (6:42)
5. No Friend Of Mine (3:03)

Gesamtspieldauer: 21:40



Am 31. Oktober 2024 erschien die EP „Last To Run“, es ist bereits die zweite Veröffentlichung von The Pineapple Thief im Jahr 2024. Nach dem großen Erfolg von „It Leads To This“ wollte man wohl passend zur beginnenden US-Tournee gleich noch mal ein paar Titel nachlegen. Die fünf Lieder EP sind auch während der Aufnahmesessions zu „It Leads To This“ entstanden, hatten es dann allerdings doch nicht auf die Platte geschafft.

Bruce Soord sagt über „Last To Run“, dass die einzelnen Stücke schließlich später noch weiterentwickelt wurden und somit ganz neue Facetten aufwiesen, die es dann doch noch lohnenswert machten, sie zu veröffentlichen.

Nun, „Last To Run“ klingt definitiv nach Pineapple Thief und Freunde der Band dürfte diese EP sicherlich auch zusagen – auch wenn sich darauf kein „Überlied“ befindet. Doch die Nummern klingen rockig, gehen gut ins Ohr und ergänzen das vorherige Album ein wenig. Muss man diese EP besitzen? Das ist natürlich wie immer eine Frage des Geschmacks, und ob man wirklich alles von „seiner“ Lieblingsband besitzen möchte. Essentiell im musikalischen Kosmos von The Pineapple Thief ist „Last To Run“ allerdings nicht.

Fazit: Eine schöne Ergänzung zum vorherigen Album „It Leads To This“. Nicht mehr und nicht weniger. Acht Punkte.

Anspieltipps: Last To Run



Freitag, 18. April 2025

IQ – Dominion

 



IQ – Dominion


Besetzung:

Paul Cook – drums and percussion
Neil Durant – keyboards
Tim Esau – bass guitar, bass pedals and backing vocals
Michael Holmes – guitars, keyboards and backing vocals
Peter Nicholls – lead vocals and backing vocals


Label: GEP


Erscheinungsjahr: 2025


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. The Unknown Door (22:33)
2. One Of Us (3:10)
3. No Dominion (6:25)
4. Far From Here (12:44)
5. Never Land (8:16)

Gesamtspieldauer: 53:10



Ganze sechs Jahre dauerte es dieses Mal, bis die englische Progressive Rock Band IQ ihr neuestes Werk mit dem Namen „Dominion“ veröffentlichte. „Dominion“ ist das dreizehnte Studioalbum der Engländer und erschien auf ihrem neuen Plattenlabel der Band GEP. Solch eine lange Spanne zwischen zwei Alben gab es bisher noch nicht, doch das Warten hat sich für alle IQ-Fans oder auch Retro-Prog-Liebhaber definitiv gelohnt. 

Mag man den Sound der Band, dann kann man mit dieser Scheibe definitiv nichts falsch machen. Weiterentwicklung? Fehlanzeige! Doch genau das ist auch gut so und wird alle Freunde von IQ erfreuen. Auf „Dominion“ klingen IQ wie IQ und zelebrieren ihre Musik wie man sie inzwischen seit über vier Jahrzehnten kennt. Lieder im Stile des Progs der 70er Jahre, mit vielen Wendungen, mal rockiger, mal sanfter, wenig vertrackt, dafür umso melodischer, zum Teil symphonischer und eingängiger.

Hört man die Scheibe öfters, so wird sie zu einem Gesamtereignis, in dem jedes Lied perfekt zum anderen passt. Besonders gelungen sind hierbei der Opener „The Unknown Door“, der quasi Titeltrack „No Dominion“ sowie „Far From Here“. Nicht gerade überraschend, dass zwei der längsten Stücke hier aufgeführt sind, denn IQ schaffen es auch nach vielen Jahren noch in langen Liedern den Spannungsbogen aufzubauen und zu halten. Es macht einfach Spaß diesen vielen Stimmungswechseln in den Liedern zu lauschen.

Die Musik schrieb einmal mehr Michael Holmes, für die Texte zeichnet sich Peter Nicholls verantwortlich, der auf dem Album durchaus noch wie auf der ersten Platte „Tales From The Lush Attic“ aus dem Jahr 1983 klingt. Das Alter des Musikers spielt allerdings in die Texte hinein, die von der Verarbeitung negativer Erlebnisse und vom Umgang mit dem Tod handeln.

Fazit: Mit „Dominion“ ist IQ ein sehr überzeugendes Album gelungen, was alle IQ-Fans und auch Freunde des Retro-Prog überzeugen und auch gefallen wird. Eingängige Musik, nie vorhersehbar durch viele Wendungen, doch immer melodiös. Das Zuhören macht definitiv Spaß. Elf Punkte.

Anspieltipps: The Unknown Door, No Dominion



Samstag, 22. März 2025

Jethro Tull – Curious Ruminant

 



Jethro Tull – Curious Ruminant


Besetzung:

Ian Anderson – vocals, flute, acoustic guitar, mandolin
Jack Clark – electric guitar
David Goodier – bass guitar
John O'Hara – piano, keyboards, hammond organ, accordion
Scott Hammond – drums
James Duncan – drums, cajon
Andrew Giddings – piano, keyboards, accordion




Erscheinungsjahr: 2025


Stil: Folk, Art Rock


Trackliste:

1. Puppet And The Puppet Master (4:05)
2. Curious Ruminant (6:00)
3. Dunsinane Hill (4:17)
4. The Tipu House (3:31)
5. Savannah Of Paddington Green (3:13)
6. Stygian Hand (4:16)
7. Over Jerusalem (5:55)
8. Drink From The Same Well (16:41)
9. Interim Sleep (2:32)

Gesamtspieldauer: 50:34



„Curious Ruminant“ ist bereits das 24. Studioalbum von Jethro Tull. Nachdem zwischen der Platte „The Jethro Tull Christmas Album“ aus dem Jahr 2003 und „The Zealot Gene“ im Jahr 2022 ganze neunzehn Jahre lagen, veröffentlicht Ian Anderson nun wieder regelmäßig unter dem Namen seiner Band und weniger in Form von Solo-Alben. „Curious Ruminant“ erschien am 7. März 2025 auf dem Plattenlabel InsideOut Music.

Auf „Curious Ruminant“ bekommt man Folk Rock zu hören, wie er von Jethro Tull ähnlich Ende der 70er Jahre aufgeführt wurde. Die Querflöte scheint dabei immer mehr im Vordergrund zu stehen und befeuert damit natürlich dieses Alleinstellungsmerkmal in der Musik von Jethro Tull und bewirkt, dass man die Musik sofort zuordnen kann. Dies gelingt auch durch den Gesang des Ian Anderson, der auf „Curious Ruminant“ zwar gealtert, aber keineswegs zerbrechlich klingt.

Die einzelnen Stücke gehen ins Ohr, ohne dabei jedoch zu viel Eindruck zu hinterlassen. Sicherlich wird man als Jethro Tull Fan beim Hören von „Curious Ruminant“ nicht enttäuscht, der ganz große Wurf ist das Album allerdings nicht geworden, eher eine solide Platte, die so jedoch nur von Jethro Tull veröffentlicht werden kann. Die einzelnen Lieder gebären sich dabei mal etwas rockiger, wie gleich der Opener „Puppet And The Puppet Master“ oder der Titeltrack, dann aber auch folkig, wie zum Beispiel die Nummer „Stygian Hand“. Ian Anderson reizt genau diese Bandbreite aus, ohne dabei jedoch bis in die Extreme abzudriften.

Beim fast siebzehnminütigen „Drink From The Same Well“ könnte man allein schon von der Länge des Stücks her auf einen progressiven Titel tippen. Nun, in der ersten Hälfte des Liedes hört man ein Instrumentalstück, bei dem erneut die Querflöte im Vordergrund steht. Unterstützt wird das Ganze entweder durch das Piano oder ein Akkordeon. Progressiv ist daran im Grunde genommen nichts mehr. Dann, etwa aber der Mitte, beginnt das eigentliche Stück mit Gesang. Eine schöne Nummer, die allerdings nur wenige Minuten andauert, um schließlich im dritten Teil wieder in die erste, instrumentale Passage zu münden. Beendet wird das Album mit dem kurzen, mit Sprechgesang versehenen Stück „Interim Sleep“, welches so gar nicht zum Rest der Platte passen will.

Fazit: Wenn man auf die Musik von Jethro Tull steht, dann kann man mit „Curious Ruminant“ definitiv nichts falsch machen. Alle Fans der Band wird es freuen. Der große oder besondere Wurf ist Ian Anderson mit dem Album allerdings nicht mehr gelungen. Das klingt alles ganz nett – ohne Ausreißer nach unten. Wird man dieses Album allerdings retrospektiv zu den Großtaten der Band zählen? Kaum. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Savannah Of Paddington Green



Donnerstag, 20. März 2025

Steven Wilson – The Overview

 



Steven Wilson – The Overview


Besetzung:

Steven Wilson – vocals, keyboards, acoustic bass, bass guitar, piano, acoustic guitars, electric guitars, strings, harmonium, percussion, sound design, drum programming, handclaps, celesta


Gastmusiker:

Randy McStine – sound design / fx, vocals, guitars, backing vocals, moog, ukulele
Russell Holzman – drums
Adam Holzmann – mellotron, hammond organ, piano, modular synthesizer, rhodes piano, moog
Willow Beggs – vocals
Theo Travis – jasonsaxes, ambient flutes, soprano saxophone
Andy Partridge – lyrics
Rotem Wilson – voice
Niko Tsonev – guitar solo
Craig Blundell – drums


Label: Fiction


Erscheinungsjahr: 2025


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Objects Outlive Us (23:19)

    - No Monkey's Paw
    - The Buddha Of The Modern Age
    - Objects: Meanwhile
    - The Cicerones
    - Ark
    - Cosmic Sons Of Toil
    - No Ghost On The Moor
    - Heat Death Of The Universe

2. The Overview (18:21)

    - Perspective
    - A Beautiful Infinity I
    - Borrowed Atoms
    - A Beautiful Infinity II
    - Infinity Measured In Moments
    - Permanence

Gesamtspieldauer: 41:40



Steven Wilson meinte in einem Interview, dass er sich auf keinen Fall wiederholen möchte. Und dies macht er mit seinem neuen Album „The Overview“ auch keinesfalls. Einmal mehr bewegt sich Steven Wilson auf neuen musikalischen Pfaden, die dieses Mal nicht nur wegen der beiden langen Nummern von jeweils etwa zwanzig Minuten, wieder in Richtung Progressive Rock tendieren. Oder mag man es New Artrock nennen? Egal, „The Overview“ wirkt und klingt überzeugend.

„The Overview“ ist ein Konzeptalbum geworden, welches sich mit dem Universum, der Erde, der Menschheit und deren Platz in eben diesem Universum beschäftigt. Dabei wechselt die Musik genretechnisch von Ambient über Pop und Rock zu Elektronik. Weiter gibt es Artrock, Progressive Rock sowie einen kurzen Fusion-Ausflug zu hören. Auch wenn sich „The Overview“ stark von den Vorgängeralben Steven Wilsons und auch jenen von Porcupine Tree unterscheidet, so hört man trotzdem sehr schnell heraus, dass es sich hier um eine Steven Wilson Platte handelt. Sind es die Harmonien, die Genrewechsel oder auch der Gesang des Engländers, immer wieder stößt man unweigerlich auf Passagen in der Musik, die eindeutig auf Steven Wilson hindeuten.

Dabei erhört man auch andere Einflüsse in der Musik auf „The Overview“. Mal ist es ein Abschnitt mit einer Reminiszenz an David Bowie, dann wieder ein kurzer Abschnitt, der mich sehr an „Starless“ von King Crimson erinnert. Alles klingt dabei in sich schlüssig, sowohl die Genreübergänge, wie auch jene gerade erwähnten Anspielungen – bewusst oder unbewusst gewählt. Dies gilt ebenso für neue gesangliche Facetten, die Steven Wilson mit Falsett-Gesang erklingen lassen oder Fusion-artige Passagen, die unweigerlich zum Vibrieren des Trommelfells führen.

Beide Titel überzeugen für sich. Der Titeltrack beginnt dabei nochmals überraschend mit pulsierenden Synthesizer-Sounds, ist insgesamt auch deutlich Synthesizer-lästiger, als der erste Titel „Objects Outlive Us“. Er weist jedoch trotzdem auch wieder sehr viel Abwechslung und genreübergreifende Musik auf. Obwohl anders gestaltet, ergänzen sich beide Nummern zu einem großen Ganzen und insgesamt zu einem sehr gelungenen Album.

Fazit: Wieder mal neue Töne von Steven Wilson, der sich eben auch nicht wiederholen möchte. Gelungen, kann man sagen. „The Overview“ klingt anders, als die bisherigen Platten des Steven Wilson und dabei abwechslungsreich und spannend. Tolle Musik, um Eindrücke aus dem Weltall zu genießen – obwohl die Platte definitiv keine Ambient-Platte ist. Elf Punkte.

Anspieltipps: Bei zwei Liedern, beide.



Sonntag, 16. Februar 2025

The Pineapple Thief – It Lead To This

 



The Pineapple Thief – It Lead To This


Besetzung:

Bruce Soord – vocals, guitars
Steve Kitch – keyboards
Jon Sykes – bass, backing vocals
Gavin Harrison – drums, percussion
Beren Matthews – additional guitar, backing vocals


Label: KScope


Erscheinungsjahr: 2024


Stil: Art Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Put It Right (5:30)
2. Rubicon (4:37)
3. It Leads To This (4:43)
4. The Frost (5:40)
5. All That‘s Left (4:25)
6. Now It‘s Yours (5:59)
7. Every Trace Of Us (4:30)
8. To Forget (5:20)

Gesamtspieldauer: 40:48



„It Lead To This“ ist bereits das sechzehnte Studioalbum von The Pineapple Thief, wenn man auch die vorherige Platte „Give It Back“ dazuzählen möchte, auf dem jedoch lediglich ältere Lieder im neuem Gewand eingespielt worden waren. Nun also „It Lead To This“, bei dem es sich nun tatsächlich um ein eigenständiges Album mit acht neuen Stücken handelt. „It Lead To This“ wurde am 9. Februar 2024 auf dem Plattenlabel KScope veröffentlicht.

Legt man „It Lead To This“ auf, hört man sofort, dass es sich bei der Musik um jene von The Pineapple Thief handelt. Das wiederum liegt nicht nur am Gesang des Bruce Soord, der sicherlich einen hohen Wiedererkennungswert besitzt, es sind jedoch vor allen Dingen die Stimmungen und Atmosphären, sowie der Aufbau der Stücke, die ermöglichen die Musik auf „It Lead To This“ eindeutig The Pineapple Thief zuordnen zu können.

In den meisten der Lieder schwingt diese latente Melancholie mit, die die Musik der Band schon seit ihrer ersten Veröffentlichung auszeichnet. Zum anderen ist da dieses Spiel mit den Atmosphären. Nachdenkliche Passagen gehen wie ganz selbstverständlich in rockig, fordernde Abschnitte über ohne, dass dies irgendwie konstruiert wirken oder klingen würde. Der Aufbau der Lieder selbst folgt da keinem Konzept, sondern wird variiert. Ist das nun Progressive Rock? Nein, kaum. The Pineapple Thief bewegen sich hier ganz klar in den Gefilden des Art Rocks.

The Pineapple Thief bleiben auf „It Lead To This“ ihrer Linie treu. Kritiker können dabei selbstverständlich bemängeln, dass eine Weiterentwicklung kaum oder gar nicht stattfindet. All diejenigen, die genau jene Musik von Pinepple Thief allerdings lieben, werden dafür mit diesem neuen Werk der Briten belohnt, die ihren Liedkatalog mit dieser „typischen The-Pineapple-Thief-Musik“ nochmals ausweiten. Und wer dabei das Gespür des Bruce Soord für die eingängige Melodie zu schätzen weiß, wird von diesem Album wahrlich nicht enttäuscht werden. Auf „It Lead To This“ befinden sich tatsächlich acht Lieder, die schnell ins Ohr gehen und dort auch längerfristig verbleiben.

Fazit: Auch das sechzehnte Studioalbum von The Pineapple Thief enthält so typische Musik für die Band, dass sie der Band auch eindeutig zuzuordnen ist. Keine großartigen Experimente – auf Bewährtes wird zurückgegriffen. Eingängiger Art Rock, der leicht melancholisch erklingt und dabei gut unterhält. Zehn Punkte.

Anspieltipps: It Leads To This, To Forget



Donnerstag, 16. Januar 2025

Pure Reason Revolution – Coming Up To Consciousness

 



Pure Reason Revolution – Coming Up To Consciousness


Besetzung:

Jon Courtney – vocals, guitar, keys, piano, programming
Greg Jong – vocals, instruments
Annicke Shireen – vocals
Ravi Kesavaram – drums
Guy Pratt – bass


Gastmusiker:

Bruce Soord – additional guitars
Lewin Krumpschmid – addional rhodes, piano, hammond
Jon Sykes – bass




Erscheinungsjahr: 2024


Stil: Rock, ArtRock


Trackliste:

1. Dig Till You Die (5:08)
2. Betrayal (4:28)
3. The Gallows (4:35)
4. Useless Animal (4:17)
5. Worship (5:13)
6. Bend the Earth (6:36)
7. Lifeless Creature (6:47)
8. As We Disappear (4:49)

Gesamtspieldauer: 41:56



Nachdem Pure Reason Revolution wieder zusammengefunden haben, erscheint seit 2020 in schöner Regelmäßigkeit alle zwei Jahre ein neues Album. „Coming Up To Consciousness“ heißt das inzwischen bereits sechste Album der Briten und erschien am 6. September auf dem Plattenlabel InsideOut Music.

Beim Einspielen des Albums hatten Jon Courtney diesmal tatkräftige Unterstützung. Guy Pratt, Live-Musiker bei vielen Pink Floyd Konzerten, spielt bei sieben Liedern den Bass, einmal übernimmt diesen Jon Sykes, den man von Pineapple Thief kennt. Und dann ist da natürlich auch noch Bruce Soord, Mastermind von Pineapple Thief, der an der Gitarre zu hören ist und das Album auch abmischte.

Die Musik auf „Coming Up To Consciousness“ knüpft stilistisch an die beiden Vorgänger „Eupnea“ und „Above Cirrus“ an. Man hört auch auf diesem neuen Werk sehr abwechslungsreiche Musik, weit ab vom Mainstream, die mit den Atmosphären spielt und zu keiner Zeit langweilig klingt. Das Spiel mit „laut und leise“, rockend oder sphärisch hat Jon Courtney schon immer verstanden und dieses Mal einmal mehr sehr überzeugend und hörenswert umgesetzt.

Die acht Nummern gehen allesamt ins Ohr und wirken bereits beim ersten Mal des Hörens. Mit jedem weiteren Durchlauf erschließen sich freilich weitere Nuancen, die man so vorher noch nicht entdeckt hatte. Das Album läuft ins sich geschlossen durch, die Melodien und mehrstimmigen Harmoniegesänge fesseln und begeistern. Mit knapp 42 Minuten Spielzeit ist „Coming Up To Consciousness“ zwar nicht zu üppig ausgefallen, doch diese knappe Dreiviertelstunde Musik hat es wahrlich in sich und weiß zu begeistern.

Fazit: Auch mit dem dritten Album nach der Wiederauferstehung von Pure Reason Revolution weiß die Band zu überzeugen. Intelligenten und abwechslungsreichen Rock, der jederzeit ins Ohr geht, gibt es auf dem Album zu hören. Wer tolle Melodien weit ab vom Mainstream mag, die oder der dürfte auf „Coming Up To Consciousness“ viel Positives für sich entdecken können. Elf Punkte.

Anspieltipps: Lifeless Creature, As We Disappear



Donnerstag, 17. Oktober 2024

James Harries – Hiraeth

 



James Harries – Hiraeth


Besetzung:

James Harries – vocals, guitar


Gastmusiker:

Keine weiteren Angaben


Label: Tranzistor


Erscheinungsjahr: 2023


Stil: Pop, Folk


Trackliste:

1. Diamond Girl (3:14)
2. Stranger To Me (5:34)
3. Throw My Arms Around The World (3:43)
4. Gold (2:59)
5. Rita (3:04)
6. You Are Missing From Me (3:19)
7. I'm Not Talking To You (5:53)
8. Don‘t Tell Me How It Ends (5:09)
9. Home (4:24)
10. Could We Still Be Lovers (3:54)

Gesamtspieldauer: 41:18



Der aus Manchester stammende Musiker James Harries ist ein Singer-Songwriter und Filmkomponist, der seine beiden Lebensmittelpunkte in Großbritannien sowie Tschechien gefunden hat und zwischen diesen beiden Ländern hin- und herpendelt. „Hiraeth“ ist bereits die zehnte Soloplatte des Briten und erschien am 14. Juni 2023 auf dem Plattenlabel Tranzistor.

Auf „Hiraeth“ hört man eine sehr sanft klingende Folk-Pop-Mischung, die jederzeit ins Ohr geht. Fast schon zerbrechlich klingen die insgesamt zehn Nummern des Albums. Dies liegt zum einen an der sehr zurückhaltenden, von der akustischen Gitarre dominierten Instrumentierung sowie an dem weichen Gesang des James Harries, der seine Geschichten fast schon gehaucht in das Mikrophon singt.

Dabei klingt die Musik des englischen Musikers nie langweilig oder gar eintönig. Die ruhigen Stücke werden mitunter mit kurzen Bläsersätzen, Streicherarrangements, einem Piano oder einem Cello unterfüttert und auch die Perkussion ist nicht ganz außen vor, sondern wird in ausgewählten Stücken mit einem besonderen Part bedacht. Dabei klingt die Musik auf „Hiraeth“ immer wunderschön melodiös und an manchen Stellen fast schon träumerisch verwunschen. Musik zum Träumen und Entspannen.

Fazit: Ein schönes und sanftes Album ist James Harries mit „Hiraeth“ einmal mehr gelungen. Wer die sanften Töne in der Musik zu schätzen weiß, die oder der wird beim Hören von „Hiraeth“ einige magische Momente für sich entdecken können. Umso schöner, dass man Ende Oktober bis Mitte November 2024 auch die Möglichkeit hat, James Harries live in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu sehen und zu hören. Lohnt sich. Zehn Punkte.

Anspieltipps: I’m Not Talking To You


Tourtermine:

26/10/2024 - Künzelsau - Kokolores
30/10/2024 - Stuttgart - Galao
31/10/2024 - Basel - Atlantis
01/11/2024 - Bad Frankenhausen - Panorama Museum
02/11/2024 - Bordersholm - Savoy Theatre
03/11/2024 - Lalendorf - Schloss Vietgest
04/11/2024 - Lübeck - Tonfink
06/11/2024 - Göttingen - Dots
07/11/2024 - Isny - Reflektorium
08/11/2024 - Karlsruhe - Nun Cafe
09/11/2024 - Freiburg - Schloss Cafe
10/11/2024 - Olten - Cielonoveno
12/11/2024 - Halle/Saale - Objekt 5
13/11/2024 - Ludwigslust - Braumanufaktur
14/11/2024 - Lüneburg - Kulturforum
15/11/2024 - Kiel - Leuchtturm
16/11/2024 - Berlin - Zimmer 16
17/11/2024 - Bad Kötzting - Bahnhof Kötzting
19/11/2024 - Vienna - Haus der Musik