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Freitag, 1. Juli 2022

Klaus Schulze – Deus Arrakis




Klaus Schulze – Deus Arrakis


Besetzung:

Klaus Schulze – synthesizers


Gastmusiker:

Wolfgang Tiepold – cello
Eva-Maria Kagermann – voice noises




Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

1. Osiris (Part 1-4) (18:28)
2. Seth (Part 1-7) (31:47)
3. Der Hauch des Lebens (Part 1-5) (27:08)

Gesamtspieldauer: 77:23



Leider ist Klaus Schulze am 26. April dieses Jahres verstorben. Seit 1981 begleitet mich dieser elektronische Soundtüftler, als ich ihn auf meinem ersten selbstbezahlten Konzert in Nürnberg sah. Knapp zehn Mark Eintritt kostete damals die Karte, krass viel Geld für mich damals, doch ein Kumpel, der mich mitschleppte meinte, es würde sich lohnen. Klaus Schulze spielte dort vor dem Altar, eingerahmt von Synthesizer-Bergen. Ich hatte keine Ahnung, was da auf mich zukommen würde, stellte nur fest, dass wir die Jüngsten in dieser Kirche waren. Das, was ich dann hörte, überraschte mich unglaublich und beamte mich damals in völlig fremde Sphären. Ich verließ die Kirche in diesem Herbst 1981 sehr beeindruckt und Klaus Schulze sollte von nun an mit seiner Musik mein Leben begleiten. Mal mehr, mal weniger, doch war er nie ganz verschwunden.

„Deus Arrakis“ ist nun sein letztes und 48. Werk, welches unter seinem Namen erscheint, rechnet man die offiziellen Studioalben, Soundtracks und Live-Alben zusammen. Veröffentlicht wurden allerdings mehr als 100 Werke, zählt man auch Box-Sets oder Alben mit, an denen der zweite Schlagzeuger von Tangerine Dream „nur“ beteiligt war. Inspiriert durch die Neuverfilmung des Film-Klassikers „Dune“ schrieb Kaus Schulze die Musik zu „Deus Arrakis“ und wollte damit dem Autor des Romans „Dune“, Frank Herbert, ein kleines Denkmal setzen.

Auf „Deus Arrakis“ hört man alles, was die Musik von Klaus Schulze schon immer ausgemacht hat. Sphärische Passagen, die sich kaum zu bewegen scheinen, Sequenzer-Abschnitte, die in die Beine fließen und einen automatisch mitwippen lassen. Überlagerte Klangteppiche, die sich entwickeln, ergänzen, ablösen und ineinander übergehen. Dazu jede Menge Atmosphäre. Auf „Deus Arrakis“ erklingt Musik, die für den Moment, in dem sie gehört wird, gemacht wurde und in dem sie wirkt. Keine Chance hier etwas unter der Dusche nachzupfeifen. Es ist der Augenblick, der in der Musik des Klaus Schulze zählt – und dieser kann sich so unglaublich intensiv anhören und anfühlen. Kann man mit dieser Art der Musik etwas anfangen, so überreicht einem Klaus Schulze zum Abschied nochmals ein wunderschönes Geschenk.

„Osiris“, „Seth“ und „Der Hauch des Lebens“ heißen die drei Titel des Albums. Ich bin nicht esoterisch veranlagt und habe auch keine Ahnung was Klaus Schulze dazu bewegte, nach zwei ägyptischen Götternamen dem dritten Lied diese „Überschrift“ zu geben. Doch irgendwie kommt man nicht drum herum, dem Ganzen etwas beizumessen, da es eben das letzte Lied der letzten Platte des Klaus Schulze ist, die er zu Lebzeiten fertigstellte. Das Lied beginnt minimalistisch und traurig, um dann im mittleren Abschnitt etwas an Fahrt zu gewinnen. Doch das währt nur kurz, die Musik fällt zurück in lange, ausgedehnte und sphärische Passagen. Dann, ganz zum Schluss, wirkt alles nochmals freundlicher und lebendiger, durch entsprechende Sequenzer-Passagen unterstrichen, bis alles schließlich völlig frei und atmosphärisch ausklingt, so als ob der Hauch des Lebens ausgehaucht wäre.

Fazit: Einen wahrlich hörenswerten letzten Höhepunkt hat Klaus Schulze mit seinem letzten Album „Deus Arrakis“ nochmals veröffentlicht. Alle Zutaten einer gelungenen Klaus-Schulze-Platte enthält dieses Album. Wer also auf sphärische, elektronische Musik steht, wird sicherlich Gefallen an dem Gehörten finden. Dazu kommt noch, dass es eben die letzte Platte des Klaus Schulze ist. Und das ist sehr, sehr schade… Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Alle drei Lieder



Donnerstag, 30. August 2018

Klaus Schulze – X




Klaus Schulze – X


Besetzung:

Klaus Schulze – organ, synthesizer, vocals, percussion


Gastmusiker:

Harald Großkopf – drum kit
Wolfgang Tiepold – cello on „Heinrich von Kleist“, conductor
B. Dragic – solo violin on „Friedemann Bach”
Orchester des Hessischen Rundfunks – 8 violins, 3 violas, 3 cellos, 1 contrabass on „Ludwig II”
Large String Orchestra Of Young Belgium Musicians – on „Objet D’Louis”


Label: Mig Music (ursprünglich Brain)


Erscheinungsdatum: 1978 (Wiederveröffentlichung in dieser Form 2006: 2005 bei Revisited Records, 2016 Mig Music)


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

CD1:

1. Friedrich Nietzsche (24:45)
2. Georg Trakl (26:05)
3. Frank Herbert (10:48)
4. Friedemann Bach (17:57)

CD2:

1. Ludwig II. von Bayern (28:42)
2. Heinrich von Kleist (29:26)

Bonus Track:

3. Objet D'Louis (21:33)

Gesamtspieldauer CD1 (1:19:35) und CD2 (1:19:42): 2:39:17




„X“ nannte der Berliner Elektronik-Musiker Klaus Schulze passenderweise sein zehntes Album, welches ursprünglich auf dem Plattenlabel Brain im Jahr 1978 veröffentlicht worden war. 2005 erschien das Doppel-Album erneut bei Revisited Records auf CD und mit einem zusätzlichen Bonus-Titel versehen. Eine weitere Wiederveröffentlichung fand schließlich im Jahr 2016 statt, als das Album erneut mit dem bereits bekannten Bonus-Track auf Mig Music erschien.

Im Begleitheft spricht Klaus Schulze von sechs musikalischen Biographien, die er hier auf Tonträger gepresst hat. In dieser, erweiterten und remasterten Ausgabe des Albums ist die Musik auf deutlich über zweieinhalb Stunden Spieldauer angewachsen, doch auch die ursprünglichen zweieinviertel Stunden Musik waren bereits mit das Abwechslungsreichste, was Klaus Schulze jemals seinen Hörerinnen und Hörern präsentiert hat. Auf „X“ sind es nicht nur sphärische Atmosphären, die zum Besten gegeben werden, Rhythmik und auch Melodie spielen dieses Mal durchaus auch eine gehörige Rolle in den elektronischen Klängen. Freilich haben diese nichts mit klassischer Musik zu tun, wie man vielleicht bei den hier aufgeführten Namen annehmen könnte. Die Elektronik steht weiterhin im Vordergrund. Trotzdem kommen auf „X“ auch Orchester-Instrumente zum Einsatz und Klaus Schulze gelingt hier die wahrlich gelungene Symbiose aus elektronischer und klassisch angehauchter Musik. Sehr überzeugend.

Das erste Stück trägt den Titel „Friedrich Nietzsche“ und besteht aus zum Teil hektischen Synthesizer-Klängen, die durch das Schlagzeug in einen gewissen Rahmen gepresst werden. Das ganze Klanggebilde pulsiert im Laufe des Stücks immer mehr, bis es schließlich relativ sanft ausklingt. „Georg Trakl“ klingt dabei weit weniger melodisch, eher dunkel und versetzt. In der ursprünglichen Ausgabe des Albums war die Nummer auch lediglich etwas über fünf Minuten lang und wurde erst bei den Wiederveröffentlichungen auf die nun 26-minütige Spieldauer ausgeweitet. Auch hier kommt dem Rhythmus und damit dem Schlagzeug ein wichtiger Part zum Gesamtbild des Stückes zu.

Mit dem Lied „Frank Herbert“ wird es nun sehr treibend. Frank Herbert ist ein Science Fiction Romanautor und dieser Umstand kommt in dem Stück auch sehr gut zum Tragen. Alles pulsiert hier und man kommt fast gar nicht umhin, beim Hören nicht mit dem Fuß mit zu wippen. Bei „Friedemann Bach“ erhält nun auch das Orchester seinen Einsatz. Dem ältesten Sohn des Johannes Sebastian Bach ist ein Lied gewidmet, welches sich sehr intensiv und mit knisternder Spannung entwickelt. Synthesizer-Klänge, verträumt bis sehnsüchtig klingende Violinen und dazu mächtige Paukenschläge. Sehr beeindruckend und emotional.

„Ludwig II. von Bayern“ ist mit das melodienreichste Stück auf dem Album. Hier sind es einmal mehr die Streicher, die für die passende Atmosphäre sorgen und die Celli erzeugen ein Gewitter nach dem anderen, welche die Violinen immer wieder aufzufangen versuchen. Wahrlich intensiv. Das letzte und längste Stück des ursprünglichen Albums heißt „Heinrich von Kleist“ und ist nun wieder deutlich mehr von den Synthesizern dominiert und sehr viel sphärischer als die vorherigen Stücke gehalten. Die Stimmung ist eine dunkle bis traurige, die auch nur wenig über den gesamten Verlauf hin variiert wird. Als Bonus Track gibt es den Titel „Objet D'Louis“ zu hören. Bei dieser Nummer handelt es sich um das leicht verkürzte und live mit Orchester eingespielte Stück „Ludwig II.“, welches im Rahmen einer Radiosendung in Belgien auf diese Weise aufgenommen wurde und das ursprüngliche Lied nochmals in anderem Licht erscheinen lässt. Ebenfalls sehr gelungen.

Fazit: „X“ ist mit Sicherheit eines der spannendsten und abwechslungsreichsten Alben des Klaus Schulze. Die Synthese bis Symbiose aus elektronischen Sounds und klassischen Instrumenten ist Klaus Schulze auf diesem Album bestens gelungen, welches auch vierzig Jahre nach seinem Entstehen immer noch neu und modern klingt. Wer elektronische Sounds und Synthesizer mag, macht mit „X“ definitiv nichts falsch. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Friedemann Bach, Ludwig II. von Bayern



Dienstag, 31. Juli 2018

Klaus Schulze – Cyborg




Klaus Schulze – Cyborg


Besetzung:

Klaus Schulze – organ, synthesizer, vocals, percussion


Label: Mig Music (ursprünglich Brain)


Erscheinungsdatum: 1973 (Wiederveröffentlichung in Form dieser Doppel-CD: 2006)


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

CD1:

1. Synphära (22:45)
2. Conphära (25:44)
3. Chromengel (23:45)

CD2:

4. Neuronengesang (24:43)

Bonus Track:

5. But Beautiful (50:45)

Gesamtspieldauer CD1 (1:12:14) und CD2 (1:15:28): 2:27:42




„Cyborg“ heißt das zweite Studio-Solo-Album des Berliner Elektronik-Klang-Künstlers Klaus Schulze. Ursprünglich wurde die Platte in Form eines Doppelalbums im Oktober 1973 veröffentlicht. Eine Wiederveröffentlichung gab es im Jahr 2006 mit dem 50-minütigen Bonus-Titel „But Beautiful“. In dieser Zusammenstellung gab es 2016 schließlich noch eine Wiederveröffentlichung der Wiederveröffentlichung. War es zunächst das Label Brain, auf welchem das Album erschien, so war es 2006 Revisited Records und im Jahr 2016 das Plattenlabel MIG-Music, auf dem „Cyborg“ erneut veröffentlicht wurde.

Im beiliegenden Booklet beschreibt Klaus Schulze, dass er aufgrund von Geldmangel neben der Orgel, dem VCS3-Synthesizer und der Revox-Maschine, wie schon auf dem Debut „Irrlicht“, auf Orchester Tapes zurückgriff, die er von Musikstudenten des Colloquium Musica in Berlin erhielt und die er verfremdete. Auf „Synphära“ und „Conphära“ hört man Klangteppiche aus Orgel und Synthesizer, die wabernd in sich übergehen, verschmelzen und wieder entwirren. Großartige Abwechslung kommt dabei nicht auf, intensiv klingt dies jedoch allemal.

Noch etwas „intensiver“ wird es dann mit dem Stück „Chromengel“, in dem Cello-Sounds sehr düster und traurig eine geheimnisvolle bis bedrohliche Stimmung erzeugen. Dazu gesellen sich zwitschernde bis schwirrende Synthesizer-Geräusche, die Bilder von umherfliegenden Fledermäusen in dunklen und mystischen Wäldern aufkommen lassen. „Neuronengesang“ klingt dann sehr viel aggressiver, trotzdem sphärischer und schräger. Auch bei diesem Stück gibt es selbstverständlich keinerlei Melodien zu hören, nur Stimmungen und Atmosphären werden transportiert. Das mag vielen Musikhörern sehr monoton erscheinen, besitzt jedoch durchaus seinen Reiz, wenn man sich diesen Klängen ganz hinzugeben versteht.

Der Bonus-Track „But Beautiful“ ist knappe 51 Minuten lang und ist eine Live-Einspielung, die aus einem Konzert aus dem Jahr 1977 stammt, welches Klaus Schulze in der Brüsseler St.-Michael-Kathedrale gab. Die Aufnahme entstand also ein paar Jahre nach „Cyborg“ und klingt zum Teil auch etwas melodischer und abwechslungsreicher, als die ursprünglichen Titel. Da auch hier allerdings die „Sphäre“ im Vordergrund steht, ergänzt das Stück trotzdem sehr gut das ursprüngliche Album.

Fazit: Sphärische Musik mit einem kleinen Hang zur Monotonie gibt es auf „Cyborg“ zu hören. Die Musik punktet dabei durch intensive Stimmungen, die sich in das Ohr graben und einen vereinnahmen. Die Lieder sind kompromisslos und lang, sodass man entweder in diese einzutauchen versteht und sich darin räkelt oder aber vor Langweile ertrinkt. Für Freundinnen und Freunde elektronischer Klänge bestens geeignet, für Hitparaden-Hörer wohl ein Graus. Neun Punkte.

Anspieltipps: Chromengel



Dienstag, 17. Juli 2018

Klaus Schulze – Silhouettes




Klaus Schulze – Silhouettes


Besetzung:

Klaus Schulze – synthesizer


Label: SPV (Oblivion)


Erscheinungsdatum: 2018


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

1. Silhouettes (15:49)
2. Der lange Blick zurück (22:15)
3. Quae Simplex (21:47)
4. Châteaux Faits De Vent (15:09)

Gesamtspieldauer: 1:15:00




Unter seinem Namen hat Klaus Schulze bisher 45 Alben veröffentlicht. Einige davon wurden im Studio aufgenommen, andere wiederum live eingespielt. Es gibt weitere Veröffentlichungen musikalischen Materials, welches erst viele Jahre nach der der Entstehung auf Tonträger gepresst und veröffentlicht wurde, wie die „La Vie Electronique“-Reihe. Dazu kommen noch Kollaborationen mit anderen Musikern, Box-Sets, Kompilationsalben, Veröffentlichungen unter dem Pseudonym „Wahnfried“ und und und. Die Zahl der Veröffentlichungen übersteigt die 100 bei Weitem. Am 24. Mai 2018 erschien nun das bisher neueste Album des Klaus Schulze auf dem SPV Label Oblivion.

Mein erstes Konzert überhaupt fand in einer Kirche in Nürnberg Gostenhof im Jahr 1981 statt. Knapp zehn Mark Eintritt, krass viel Geld für mich damals, doch ein Kumpel, der mich mitschleppte meinte, es würde sich lohnen. Klaus Schulze spielte dort vor dem Altar, eingerahmt von Synthesizer-Bergen. Ich hatte keine Ahnung, was da auf mich zukommen würde, stellte nur fest, dass wir die Jüngsten in dieser Kirche waren. Das, was ich dann hörte, überraschte mich unglaublich und beamte mich damals in völlig fremde Sphären. Ich verließ die Kirche in diesem Herbst 1981 sehr beeindruckt und Klaus Schulze sollte von nun an mit seiner Musik mein Leben begleiten. Mal mehr, mal weniger, doch war er nie ganz verschwunden.

„Silhouettes“ heißt das neueste Werk des Elektronik-Künstlers und es scheint unter Umständen entstanden zu sein, die alles andere als leicht für Klaus Schulze waren. Im Innencover bedankt sich der Berliner bei seinen Zuhörern unter anderem mit den Worten: „Ich möchte Euch danken, für all die Zeit, die wir gemeinsam auf Tourneen und Konzerten verbracht haben. Für Eure Aufmerksamkeit, Eure Zugewandtheit, Eure Ruhe und auch für Eure Geduld, wenn es mal wieder viel zu lange gedauert hat bis zur nächsten Platte oder bis zum nächsten Konzert. Nun, Konzerte spiele ich keine mehr, jedenfalls nicht öffentlich. Aber hier habe ich für Euch ein Konzert, was ich mir selbst gespielt habe. In einer Zeit der Ruhe, der Besinnung, der Reduktion auf’s Wesentliche. Des Kräfte-Sammelns – und der Genesung. …“ Klaus Schulze, Dezember 2017.

Für mich klingt das ein klein wenig nach Abschied, hoffentlich interpretiere ich da etwas falsch. Doch auch wenn Klaus Schulze in seinen Worten die Musik auf „Silhouettes“ nicht umschreibt, so schwingt in diesen Sätzen doch die Stimmung mit, welche man auf dem Album zu hören bekommt. Die einzelnen Lieder sind ruhig und sanft gehalten, oftmals fast schon mit „meditativ“ zu umschreiben. Keine Hektik, nur keine Hektik. Häufig fehlt der Rhythmus ganz und wenn doch, wird dieser nur sehr sparsam eingesetzt, sodass die entspannte Atmosphäre nicht zerstört, vielleicht knapp angekratzt wird. „Silhouettes“ klingt zumeist eher sphärisch und dabei auch dunkel und düster. Synthesizer-Klangteppiche werden auf „Silhouettes“ übereinandergelegt, miteinander verwoben, gehen ineinander auf. Es geht auf diesem Album nicht um Melodien, es geht um Stimmungen, intensive und traurige Stimmungen, wie ich sie schon damals in dieser Kirche Anfang der 80er Jahre vernahm. Ein Kreis scheint sich zu schließen.

Fazit: „Silhouettes“ ist für mich nicht das beste Klaus Schulze Album und ganz gewiss keines, welches nur so vor Abwechslung vibriert. Genau das Gegenteil ist der Fall. „Silhouettes“ ist fast schon monoton, dafür jedoch sehr intensiv. Angefüllt mit einnehmender Atmosphäre und knisternder Spannung, welche jedoch nie so ganz zum Ausbruch kommt. Auf seine Art dunkel und konsequent. Manche mögen das langweilig finden, andere wiederum werden genau das finden, was sie suchen und damit zufrieden sein. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Silhouettes



Mittwoch, 3. Januar 2018

Klaus Schulze – Shadowlands




Klaus Schulze – Shadowlands


Besetzung:

Klaus Schulze – electronics, keyboards


Gastmusiker:

Lisa Gerrard – vocals
Crysta Bell – vocals
Julia Messenger – vocals
Thomas Kagermann – violin, flute, voice


Label: Synthetic Symphony / SPV


Erscheinungsdatum: 2013


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

1. Shadowlights (41:19)
2. In Between (17:07)
3. Licht und Schatten (17:26)

Gesamtspieldauer: 1:15:53




„Shadowlands“ heißt das 41. Album des Berliner Klangkünstlers Klaus Schulze, der mit allen seinen Kollaborationen und Beteiligungen wahrscheinlich bereits auf deutlich über hundert Veröffentlichungen kommt. „Shadowlands“ erschien am 22. Februar im Jahr 2013 auf dem Plattenlabel Synthetic Symphony und wurde ursprünglich als Doppelalbum veröffentlicht, ist inzwischen allerdings lediglich noch als einfaches Album zu haben. „Shadowlands“ ist auch Klaus Schulzes erstes Solo-Album nach der 2007er Veröffentlichung „Kontinuum“.

Wer diese entrückten, elektronischen Reisen des Klaus Schulze liebt, die oder der wird auch „Shadowlands“ lieben. Über einen relativ monotonen Rhythmus entwickeln sich auf dieser Platte Klangteppiche, die auf den einzelnen Liedern des Albums mit menschlichen Stimmen oder Violinen-Klängen angereichert beziehungsweise bereichert werden. Mitunter klingt das ein wenig orientalisch, speziell wenn die weiblichen Stimmen zu hören sind, sphärisch und manchmal auch verträumt bleibt es dagegen durchgängig.

Auf „Shadowlands“ Höhepunkte zu benennen erscheint reichlich schwierig, denn alle drei Nummern wirken. Nun, sie wirken ehrlich gesagt nicht wirklich nach. Wie sollte das aber auch funktionieren bei Liedern dieser Länge, die kaum über eine Melodie verfügen und vielmehr lediglich mit Atmosphären spielen? Diese Atmosphären sind es allerdings, die dicht und intensiv gepackt bewirken, dass diese Musik beim Hören wirkt und einen ganz in diese traumhaften Stimmungen eintauchen lässt – selbstverständlich jedoch nur diejenigen Hörerinnen und Hörer, die Musik ohne Kontraste und Wechsel auszuhalten verstehen. Monotone und hypnotische klangliche Gebilde werden auf „Shadowlands“ erzeugt, die einen sanft umschweben und betten, einen herunterholen vom Stress der restlichen Zeit des Tages. Zumindest, wenn man dies dieser Musik eben auch erlaubt zu tun.

Fazit: Seit 1972 veröffentlicht Klaus Schulze Alben und seitdem hat sich nicht so viel getan in seiner Musik. Zumindest nicht, wenn man seine Werke Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre mit seinem 41. Album „Shadowlands“ vergleicht. Immer noch werden Synthesizer-Klangteppiche übereinander gelegt, ein Rhythmus brandet auf und schließlich gesellen sich dazu häufig märchenhaft klingende und leicht verfremdete menschliche Stimmen. Wer an den ersten Platten des Klaus Schulze Spaß hatte, wird diesen auch mit „Shadowlands“ haben. Neun Punkte.

Anspieltipps: Shadowlights, In Between, Licht und Schatten



Mittwoch, 18. Januar 2017

Klaus Schulze – Mirage




Klaus Schulze – Mirage


Besetzung:

Klaus Schulze – synthesizers


Label: Brain Metronome (MIG Music)


Erscheinungsdatum: 1977 (remastert 2016)


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

1. Velvet Voyage (28:13)
     1. 1984
     2. Aeronef
     3. Eclipse
     4. Evasion
     5. Lucid Interspace
     6. Destination Void
2. Crystal Lake (29:11)
     1. Xylotones
     2. Chromewaves
     3. Willowdreams
     4. Liquid Mirrors
     5. Springdance
     6. A Bientôt


Bonus Track der remasterten Albumausgabe:

3. In Cosa Crede Chi Non Crede? (19:35)

Gesamtspieldauer: 1:17:01




„Mirage“ heißt das achte Studio-Album des Berliner Musikers Klaus Schulze, wenn man denn den im selben Jahr erschienenen Soundtrack, „Body Love“, mitrechnet. Im Jahr 1977 erschien die Scheibe ursprünglich auf dem Label Brain, wurde 2016 allerdings auf MIG Music in einer remasterten Fassung und mit einem Bonus-Titel wieder neu veröffentlicht, nachdem sie im Jahr 2005 schon bei Revisited Records neu aufgelegt worden war.

Auf „Mirage“ klingt die Musik des Klaus Schulze deutlich weniger spacig, das Weltall hatte irgendwie ausgedient. Sehr viel mehr klingen die elektronischen Gebilde des Ex-Tangerine Dream Schlagzeugers nun mystisch und verwunschen. Dabei passiert nicht allzu viel in diesen fast halbstündigen Titeln. Eine dichte und düstere Atmosphäre wird auf „Mirage“ in den Liedern „Velvet Voyage“ sowie „Crystal Lake“ transportiert, Melodien sind nur sehr wenige oder gar keine auszumachen. Alles wirkt auf seine Art und Weise irgendwie hypnotisch durch die immerwährenden Wiederholungen. Es ist wahrlich einzig und allein nur noch die vermittelte Stimmung, die zählt. Synthesizerlagen über Synthesizerlagen bauen sich auf und werden übereinander gelegt, füllen schließlich den Raum vollständig aus. Sonst passiert nicht viel auf „Mirage“.

Gleiches gilt für den Bonustrack „In Cosa Crede Chi Non Crede?“, der bereits auf dem 1999 erschienen Kompilationsalbum „Trailer“ veröffentlicht worden war. Auch hier sind es nicht mehr Klänge, die aus den Weiten des Alls zu kommen scheinen, sondern eher bedrückende Stimmungen an irgendwelchen dunklen Orten dieser Welt. Genau solche Assoziationen kommen beim Hören dieser Musik auf.

Fazit: „Melodien scheinen völlig überschätzt zu werden“, könnte eine Botschaft der Musik auf „Mirage“ von Klaus Schulze sein. „Velvet Voyage“ sowie „Crystal Lake“ stehen nur noch für musikalische Atmosphären, genau wie das hinzugefügte Bonus-Lied „In Cosa Crede Chi Non Crede?“. Hört man diese Musik laut und entspannt, kann man gar nicht verhindern, kleine gedankliche Reisen zu irgendwelchen mystischen und geheimnisvollen Orte anzutreten. Viele Musikhörerinnen und Musikhörer wird diese Art der Musik langweilen. Für all jene, die sich auf solche Töne einlassen können, stellt „Mirage“ allerdings einen kleinen Urlaub vom Alltag dar. Acht Punkte.

Anspieltipps: Alle Titel



Donnerstag, 31. März 2016

Klaus Schulze – Miditerranean Pads




Klaus Schulze – Miditerranean Pads


Besetzung:

Klaus Schulze – synthesizer


Gastmusiker:

Georg Stettner – synthesizer solo auf „Miditerranean Pads“ (nicht auf der Schallplatte enthalten)
Elfi Schulze – vocals auf „Miditerranean Pads“ (nicht auf der Schallplatte enthalten)


Label: Brain


Erscheinungsdatum: 1990


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

1. Decent Changes (25:15)
2. Percussion Planante (25:01)

Gesamtspieldauer: 50:16




Im Jahr 1990 erschien Klaus Schulzes 19. Studio-Album unter dem Titel „Miditerranean Pads“. Auch diese Scheibe erschien auf dem Label Brain und ist vor allen Dingen dadurch gekennzeichnet, dass man auf ihr in lange und ausgedehnte Klangwelten eintaucht, die zum Teil sehr sphärisch klingen, sich dann jedoch auch wieder in vollere und dominantere musikalische Bereiche vorarbeiten. Dazu gesellt sich jede Menge Perkussion, die es in der Musik des Klaus Schulze davor noch nicht so dominant zu hören gab, obwohl der Berliner seine Musik-Karriere am Schlagzeug startete. Nun, jeweils 25 Minuten Spieldauer geben einem Titel natürlich auch ordentlich Zeit verschiedene Richtungen einzuschlagen, sich zu entwickeln und Hörerin sowie Hörer auch zu überraschen.

Der Rhythmus ist auf „Miditerranean Pads“ also zu einem wichtigen Bestandteil in der Musik des Klaus Schulze geworden. Die Perkussion wird hier mal schleppend, dann wieder nach vorne treibend eingesetzt. Die Klangteppiche werden rhythmisch untermalt, sodass man durchaus in Versuchung kommen kann, hier mitzuwippen, denn immer rasselt, klopft und rumpelt irgendwas. So ganz will einem das allerdings dann doch nicht gelingen, denn dazu würde auch eine gewisse Melodie gehören. Diese fehlt allerdings weitestgehend auf „Miditerranean Pads“. Klar gibt es hier Klavierläufe und feine Synthesizer-Linien, jedoch, dass diese ins Ohr gehen, das lässt sich nicht so ohne weiteres feststellen. Man taucht ein in die Klanggebäude des Klaus Schulze, man verlässt diese allerdings auch wieder ohne jegliche Erinnerung daran, wenn die Platte ausgelaufen ist. Die „Überraschung“, die man bei solch langen Stücken erwartet, die bleibt aus, wodurch das Ganze ein klein wenig zäh und zu sehr gedehnt wirkt.

Fazit: Die CD-Ausgabe dieser Scheibe hielt noch einen weiteren Titel für den Hörer parat, nämlich den eigentlichen Titeltrack „Miditerranean Pads“, der in die beiden auf Platte vorhandenen Stücke eingebettet wurde. Diese Nummer gestaltet sich auch sehr viel abwechslungsweicher, während die Platten-Ausgabe des Albums selbst etwas konturlos dasteht. Zwar ist „Miditerranean Pads“ eine durchaus hörbare Scheibe, allerdings auch ein klein wenig langweilig geraten, da außer breiten Synthesizer-Teppichen und Rhythmus einfach etwas zu wenig passiert. Acht Punkte.

Anspieltipps: Percussion Planante



(Leider lässt sich kein Titel des Albums auf YouTube in Deutschland abspielen, da die GEMA dies unterbindet.)

Samstag, 19. März 2016

Klaus Schulze – Audentity




Klaus Schulze – Audentity


Besetzung:

Klaus Schulze – computers and keys, program


Gastmusiker:

Rainer Bloss – sounds, glockenspiel
Michael Shrieve – eeh computer, simmons percussion
Wolfgang Tiepold – cello


Label: Innovative Communications


Erscheinungsdatum: 1983


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

1. Cellistica (24:30)
2. Tango-Saty (5:47)
3. Amourage (10:37)
4. Opheylissem (5:11)
5. Spielglocken (21:00)
6. Sebastian Im Traum (31:54)

Gesamtspieldauer: 1:38:59




Im Jahr 1983 erschien das vierzehnte Album des Berliner Klangtüftlers Klaus Schulze unter dem Titel „Audentity“. Und diese Platte ist zweifelsohne eine besondere Scheibe geworden, was nicht nur an dem Umstand liegt, dass es sich hierbei um ein Doppelalbum handelt. Auch ist es wohl die einzige Platte des Klaus Schulze, bei der es sich um eine Art Konzeptalbum handelt, wenn man so etwas von einem reinen Instrumentalalbum überhaupt sagen kann. Jedoch deutet jener Satz im Klappfolder der Platte ganz eindeutig darauf hin: „Audentity: The story of Sebastian and a search for self-identity via the sounds and music of Klaus Schulze.“ Dazu folgt eine Erklärung, die die einzelnen Lieder bestimmten Abschnitten oder Szenen in jenem Leben des Sebastian zuordnen.

„Audentity“ ist das dritte digitale Album des Klaus Schulze geworden und war bei den Fans des Berliners von Anfang an recht umstritten. Die Zeit der frei schwebenden und sphärischen Klangteppiche war definitiv vorbei in der Musik des Klaus Schulze, vielmehr gab es nun mehr Perkussion, die natürlich ebenfalls aus dem Computer stammt und auch so klingt. Dies wurde gleich beim ersten Titel „Cellistica“ massiv kritisiert. Obwohl ich auch kein Freund des digitalen Schlagzeugs bin, frage ich mich allerdings schon: Wenn nicht hier, wo dann? Genau hier passt diese Rhythmuserzeugung perfekt. Dazu dieser nun nicht mehr sphärische Sound, sondern Melodiösität und ein Cello, welches neben all diesen Synthesizer-Klängen perfekt zur Geltung kommt. Ein eingängiges, nicht mehr sphärisches und doch meditatives Stück. Sehr gelungen.

Auf der ehemaligen zweiten Seite der ersten Platte des Doppelalbums, befinden sich dann drei etwas kürzere Stücke. Eingeleitet werden diese von „Tango-Saty“, einem Stück, welches am Anfang gerade so klingt, als ob hier jetzt eine New Wave Band durchstarten würde. Macht sie aber nicht, jedoch entwickelt sich nun für Klaus Schulze Verhältnisse eine fast schon poppige und sehr rhythmische Nummer, die man so in dieser Art sonst noch nicht von dem Musiker gehört hat. Bei „Amourage“ kommen dann die Freunde der sphärischen Musik des Klaus Schulze wieder auf ihre Kosten. Sanfte Synthesizer-Teppiche, weiche Piano-Klänge und absolut kein Rhythmus mehr. Sehr sehnsüchtig klingt dieses Lied – melancholisch sehnsüchtig. „Opheylissem" bildet dann einen richtigen Kontrast zu dem Vorgängerlied. Sehr viel mehr nach vorne preschend und auch wieder mit einer ordentlichen Portion Perkussion ausgestattet, bleibt das Lied allerdings trotzdem ein wenig unauffällig im Vergleich zu den anderen der Platte.

Auf der Seite drei des Doppelalbums folgt schließlich „Spielglocken“. Dieses Stück beginnt ziemlich entrückt, erinnert ebenfalls ein wenig an die Anfänge des Musikers und geht dann in einen Teil über, der auf dem Synthesizer Glockenklänge imitiert. Das klingt sehr fröhlich, irgendwie positiv und auch sehr überzeugend, wenn sich dann auch wieder das Cello mit dem Synthesizer bezüglich der musikalischen Hoheit abwechseln. Auch hier gibt es erneut jede Menge Rhythmus aus dem Computer zu hören, der in diesem Fall jedoch auch nicht deplatziert wirkt beziehungsweise sich so anhören würde. Bliebe schließlich noch „Sebastian Im Traum“, das letzte Stück der Platte. Hier wird es jetzt sehr experimentell, zum Teil kann man bei dem Stück kaum mehr von Musik sprechen, muss das Gehörte wohl eher mit Soundkollagen umschreiben. Sehr mystisch klingt das Ganze, immer wieder werden Geräusche wie sich öffnende Türen eingespielt und über allem schwebt ein Violinen-Sound, der mal eingängig, mal atonal klingt, manches Mal gestrichen, ein anderes Mal gezupft zu sein scheint. Das alles hört sich wie eine kleine musikalische Reise durch Tiefschlaf und REM-Phase an, in der man träumerisch jede Menge skurrile Begegnungen zu haben scheint. Der Phantasie der Hörerin und des Hörers sind dabei keinerlei Grenzen gesetzt.

Fazit: „Audentitiy“ ist ein sehr überzeugendes Album geworden, weil es so viele verschiedene Facetten aufweist. Da gibt es die melodischen Abschnitten und die etwas entrückteren bis atonalen Parts. Da hört man sanfte und weiche Klangteppiche genau wie rhythmisch nach vorn gerichtete Stücke. Dazu gesellt sich auch noch ein Stück Experimentierfreude des Klaus Schulze und fertig ist eines der spannendsten Alben des Musikers. Manch ein Hörer mag sich an dem manchmal recht monotonen und sehr an Computer erinnernden Perkussions-Sound stören, doch auch diesen kann ich hier gut einordnen. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Amourage, Spielglocken, Sebastian Im Traum



Donnerstag, 3. März 2016

Klaus Schulze – Dig It




Klaus Schulze – Dig It


Besetzung:

Klaus Schulze – g.d.s. computer


Gastmusiker:

Fred Severloh – percussion


Label: Brain


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

1. Death Of An Analogue (12:20)
2. Weird Caravan (5:20)
3. The Looper Isn't A Hooker (8:20)
4. Synthasy (23:10)

Gesamtspieldauer: 46:10




„Dig It“ erschien im Jahr 1980 auf dem Label Brain und stellt nicht nur das zwölfte Studio-Album des Klaus Schulze dar, sondern zugleich auch das erste, welches ausschließlich digital eingespielt wurde. Jegliche Musik auf der Scheibe entstammt also der Festplatte dieses G.D.S. Computers. Und natürlich wirkt diese Musik künstlich, aber das haben bereits die analogen Stücke der 70er Jahre des Klaus Schulze getan. Wer andererseits allerdings denkt, die Musik auf „Dig It“ würde auch kalt klingen, der sieht sich getäuscht und kommt beim Hören zu einem ganz anderen Ergebnis.

Dunkel und düster klingt sie, die Musik des Klaus Schulze auf „Dig It“, jedoch nicht kalt. Das beginnt gleich mit dem Eröffnungstitel „Death Of An Analogue“, mit dem wohl laut Titel die analoge Technik zu Grabe getragen werden soll. Man hört das ganze Lied über eine sehr metallisch klingende Computerstimme, die anscheinend diesen Abgesang besingt beziehungsweise bespricht. Die Worte sind dabei allerdings nicht zu verstehen. Das gibt der Nummer zwar einerseits einen etwas geheimnisvollen Anstrich, richtiggehend überzeugen kann das Lied dabei allerdings nicht, da es sehr monoton ist und sich dieser Roboter-Sprechgesang mit der Zeit einfach ein wenig nervig anhört.

Auch „Weird Caravan“ haut einen nicht restlos vom Hocker. Hier klingt die Musik des Klaus Schulze jetzt fast schon funkig, was an dem im Computer erzeugten Basslauf liegt, der dem Stück seinen Rhythmus verleiht. Es folgt mit „The Looper Isn't A Hooker“ eine deutliche Steigerung. Zunächst ist das Lied eine sehr sphärische Angelegenheit, entwickelt sich dann allerdings zu einer fast schon groovenden Nummer, die dabei noch rhythmisch sowie eingängig ist. Sehr gelungen.

Bliebe schließlich noch das letzte und längste Stück auf „Dig It“, „Synthasy“. Hier klingt Klaus Schulze ganz eindeutig wieder so wie früher. Das Stück wird mit einem dunklen und irgendwie entrückt klingenden Part eingeleitet, dröhnende und tiefe Trommelwirbel gibt es dabei zu hören, bis das Stück etwa ab Minute 6 in einen deutlich flotteren, zunächst noch etwas atonalen, dann jedoch sehr melodischen weiteren Teil übergeht. Wahrlich faszinierend, wie hier Mantra-artig Redundanzen wiederholt werden. Es gesellt sich eine Art Orgelsound hinzu und später auch noch ein zischender und erneut unverständlicher Gesang. Fertig ist das volle, zutiefst meditative und dabei doch nicht leise Stück. Absolut begeisternd, wenn man auf solche Klangwelten steht.

Fazit: Das erste rein digitale Album des Klaus Schulze klingt nicht kalt. Es ist ein wenig düster geraten, was den Gesamteindruck der Platte allerdings in keinster Weise schmälert. Der Sound des Klaus Schulze wird variabler, plötzlich hört man da auch etwas funkigere Töne, ob man das dann auch mag, ist natürlich reine Geschmackssache. Höhepunkt der Scheibe ist auf jeden Fall der letzte und längste Titel „Synthasy“, der an die früheren Werke des Klaus Schulze erinnert. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Synthasy



(Erneut ist es die GEMA, die ein Abspielen der Titel auf YouTube verhindert. Dies gilt allerdings  nur für Deutschland.)

Mittwoch, 10. Februar 2016

Klaus Schulze – Blackdance




Klaus Schulze – Blackdance


Besetzung:

Klaus Schulze – synthesizer, organ, piano, percussion, 12-string acoustic guitar


Gastmusiker:

Ernst Walter Siemon – voice (on "Voices Of Syn")


Label: Brain


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

1. Ways Of Changes (17:14)
2. Some Velvet Phasing (8:24)
3. Voices Of Syn (22:40)

Gesamtspieldauer: 47:18




Klaus Schulzes drittes Album, „Blackdance“, wurde 1974 auf dem Label Brain veröffentlicht und hatte gleich zwei bis drei Neuerungen für die Hörer der elektronischen Musik von Klaus Schulze parat. Gab es auf den ersten beiden Platten noch gar keine Perkussion, so wurde diese auf „Blackdance“ nun in die Musik des Berliner Soundtüftlers eingeführt. Die zweite Neuerung bekommt man bei „Voices Of Syn“ zu hören. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um Stimmen des Synthesizers, wie der Name des Stücks vermuten lassen könnte, sondern erstmalig gibt es wirklich menschlichen Gesang bei Klaus Schulze zu hören. Und drittens hört man auf dieser Platte auch nicht nur sphärische Töne, auf „Blackdance“ bekommt man sogar Melodien serviert.

„Ways Of Changes“ beginnt gewohnt sphärisch und irgendwie entrückt, man hört Klaus Schulze schließlich sogar an der Gitarre, Akkordion-ähnliche Klänge gesellen sich ebenfalls noch hinzu, die Musik wird dichter und dichter, alles klingt und scheint den Raum mit sanfter und entspannter Fülle zu beherrschen. Doch dann setzt ab Minute vier ein treibender und galoppierender Rhythmus ein, der die Nummer nun rasant nach vorne puscht. Eine interessante und gelungene Neuerung in der Musik des Klaus Schulze. Schließlich entwickelt sich sogar eine richtige Melodie auf dem Synthesizer, die durchaus melodiös ist und länger hängenbleibt.

Der zweite Titel, „Some Velvet Phasing”, ist dann eher wieder eine sehr sphärische Angelegenheit. Sanft und vielleicht sogar samten, wie es der Lied-Titel bereits aussagt, irgendwie in sich gekehrt und sehr atmosphärisch klingt dieses Lied. Man könnte fast meinen, dass Klaus Schulze seinen Hörerinnen und Hörern hier erst Mal eine kleine Verschnaufpause zugestehen möchte, da diese vielleicht den Rhythmus von eben noch nicht ganz verarbeitet haben. Er hat es wahrscheinlich ein wenig zu gut gemeint, denn in diesen acht Minuten Spieldauer von „Some Velvet Phasing“ passiert so gut wie gar nichts. Ein klein wenig mehr Abwechslung hätte es da für meinen Geschmack durchaus geben können. 

Schließlich folgt noch das Stück „Voices Of Syn“, welches die gesamte zweite Plattenseite einnimmt. Der tiefe Gesang des Ernst Walter Siemon setzt ein, beherrscht die Szene einige Minuten lang und wird schließlich von einer pulsierenden Synthesizer-Perkussion abgelöst. Erneut bekommt das Lied, nach einem langsamen und sehr bedacht wirkenden Einstieg, einen treibenden und etwas galoppierenden Rhythmus verpasst. Der Synthesizer steuert zudem wieder eine Melodielinie hinzu, die der von „Ways Of Changes“ durchaus nicht unähnlich ist. Im weiteren Verlauf mündet alles in einen sehr sphärischen Teil, um dann erneut den Rhythmus aufzugreifen. Schließlich „arbeitet“ sich sogar eine Orgel in den akustischen Vordergrund, bis diese wieder von Synthesizer-Klängen abgelöst wird und das Lied langsam ausläuft.

Fazit: Eine durchaus spannende Platte ist „Blackdance“ von Klaus Schulze geworden. Sehr viel abwechslungsreicher gestaltet der Berliner hier seine Musik, in der sich Rhythmus und Gesang nun auch eine Rolle erobern können. Das macht die Scheibe durchaus interessanter, die nun neben den meditativen Ansätzen auch Melodien aufweist. Für Freunde elektronischer Musik sehr empfehlenswert. Elf Punkte.

Anspieltipps: Ways Of Changes, Voices Of Syn



Montag, 21. September 2015

Klaus Schulze – 2001




Klaus Schulze – 2001


Besetzung:

Klaus Schulze – synthesizers


Label: Brain


Erscheinungsdatum: 1991


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

1. Gewitter (5:29)
2. Voices Of Syn (4:43)
3. Totem (4:25)
4. Mindphaser (4:52)
5. Blanche (5:23)
6. Crystal Lake (7:18)
7. Ludwig II. von Bayern (5:12)
8. Weird Caravan (4:59)
9. Amourage (5:09)
10. Silent Running (5:35)
11. Pain (4:28)
12. En=Trance (4:16)
13. The Beat Planante (4:37)
14. Miditerranean Pads (5:08)
15. Percussion Planante (5:49)

Gesamtspieldauer: 1:17:30




Wie heißt es so schön in dem beiliegenden Booklet zu „2001“, dem 1991 erschienenen Kompilationsalbum des Klaus Schulze: „Diese CD ist in doppelter Hinsicht eine Premiere: für Klaus Schulze, der, exklusiv für Sie, seine persönlichen Highlights aus seinem umfangreichen Oevre ausgewählt und nicht zu einer gewöhnlichen Best-Of-Kollektion aneinandergereiht, sondern aus ihnen neue 78-minütige „Picture Music“ (Albumtitel von 1975) komponiert hat; und für Sie, die Sie erstmals Gelegenheit haben, eine ebenso aufregende wie entspannende Zeitreise durch zwei Jahrzehnte im Schaffen dieses innovativen Tonbastlers zu unternehmen.

Da fragt man sich zunächst doch, ob so etwas überhaupt funktionieren kann. Eine Best-Of-Platte vom Klaus Schulze? Okay, ist ja keine Best-Of-Platte wie im Beiheft steht. Jedoch eine Auswahl von 15 Klaus Schulze Titeln müsste eigentlich eine Laufzeit von bald siebeneinhalb Stunden aufweisen, denn die Titel weisen häufig, sehr häufig Überlange auf. Nun, das wiederum bedeutet, man musste die einzelnen Nummern kürzen und das wurde auch gemacht. Aber darf man das? Geht damit nicht die Essenz eines Klaus Schulze Stücks verloren?

Man darf, denn „2001“ klingt fast wie ein eigenes Studioalbum. Herr Schulze hat sich beim Kürzen viel Mühe gegeben, sodass hier alles gewachsen zu sein scheint. Die einzelnen Nummern wurden passend zueinander arrangiert und scheinen fast ineinander überzugehen, obwohl dies gar nicht der Fall ist. So begibt man sich mit „2001“ auf eine musikalische Reise durch den Klang-Kosmos des Klaus Schulze. Schön ist dabei zu hören, wie die einzelnen Stücke des Berliners sich im Laufe der Jahre weiterentwickelten. Sind die Nummern, die hier auch chronologisch angeordnet sind, zu Beginn der Karriere des Klaus Schulze noch sehr sphärisch, so werden sie im weiteren Verlauf sehr viel rhythmischer und auch abwechslungsreicher. Dies soll jedoch keine Wertung darstellen, denn ihren Reiz besitzen alle künstlerischen Phasen des Klaus Schulze.

Fazit: Obwohl es Kompilations-Album ist, was es im Falle von Klaus Schulze bei dessen Liedlängen ja kaum geben kann und somit auf Kürzungen zurückgegriffen werden musste, trotz dieses Umstands lohnt sich die Scheibe. Es ist eine musikalische Reise durch das Schaffen des Klaus Schulze. Entspannende Musik, die wirkt, wenn man denn nicht immer Gitarren hören muss. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Ludwig II. von Bayern, Amourage



Sonntag, 7. Dezember 2014

Klaus Schulze – Timewind




Klaus Schulze – Timewind


Besetzung:

Klaus Schulze – arp 2600, arp odyssey, ems synthi-a, elka string synthesizer, farfisa professional duo organ and piano, synthanorma sequencer


Label: Brain Records


Erscheinungsdatum: 1975


Stil: Elektronische Musik, Instrumentalmusik


Trackliste:

1. Bayreuth Return (30:28)
2. Wahnfried 1883 (28:44)

Gesamtspieldauer: 59:12




Wie die Namen der beiden ursprünglichen Titel (inzwischen gibt es die CD-Version des Albums mit drei Bonustiteln – ohne diesen Bezug) bereits verkünden, nimmt Klaus Schulze hier Bezug auf einen, für ihn sehr prägenden Komponisten, Richard Wagner. Hier sei allerdings auch gleich angeführt, es sind die Titel der beiden Tracks, die an Richard Wagner erinnern. Mit der Musik Richard Wagners hat „Timewind“ überhaupt nichts zu tun.

„Timewind“ ist das fünfte Soloalbum von Klaus Schulze und wurde im Jahr 1975 veröffentlicht. Es ist auch das erste Album, auf dem Klaus Schulze in seiner Musik Sequenzer verwendet. Die Musik ist dabei sehr minimalistisch, Klang- oder Sphärenwelten werden vor dem Hörer entwickelt und ausgebreitet. Klangteppiche und musikalische Landschaften entstehen, verschwimmen wieder oder gehen ineinander über. Mit den Sequenzern legt Klaus Schulze Schicht über Schicht, Soundteppich über Soundteppich. Dabei passiert nicht allzu viel, die Musik wird voller und intensiver, ohne dabei jedoch aufgeregter zu wirken. Alles ist sphärisch, etwas abstrakt und durchaus einnehmend, wenn man denn eine Ader für sehr elektronische Musik besitzt.

Fazit: Voller und voller wird die Musik auf „Timewind“. Mal glaubt man auch den Wind zu vernehmen, dann wieder hört man Meeresrauschen – allerdings natürlich aus dem Synthesizer. Alles wirkt dabei sehr melodisch und völlig unaufgeregt. Sehr entspannend. Gute Musik also, um die Gedanken auf Reisen zu schicken, sich zu entspannen und geistig in andere Sphären vorzudringen. Für jemanden, der mit elektronischer Musik nichts anzufangen weiß jedoch definitiv zu langweilig. Neun Punkte.

Anspieltipps: Beide Stücke



Mittwoch, 29. Oktober 2014

Klaus Schulze – The Dresden Performance




Klaus Schulze – The Dresden Performance


Besetzung:

Klaus Schulze – Composer, Arrangeur, Producer & Performer (am Keyboard)


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1990


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

CD 1:

1. Dresden One (44:25)
2. Dresden Three (10:26)
3. Dresden Five (18:31)


CD 2:

1. Dresden Two (46:50)
2. Dresden Four (21:59)

Gesamtspieldauer CD 1 & 2: 2:22:10




Die Anmerkungen im Booklet zu dieser CD wurden am 3. Oktober 1990 geschrieben, dem Tag der Deutschen Einheit. Dort steht unter anderem zu lesen, dass Klaus Schulze Anfang 1989 gefragt wurde, ob er sich nicht vorstellen könne, im Sommer desselben Jahres ein Open Air Konzert in der DDR und zwar in Dresden zu geben. Seit 1985 hatte Klaus Schulze nicht mehr live in Europa gespielt, da allerdings ein Klaus Schulze Album in Ostdeutschland dieser Zeit auf dem Schwarzmarkt mit Preisen von einem ganzen Monatsgehalt gehandelt wurden, schien dieses Konzert eine gute Gelegenheit zu sein, sich bei den Fans zu bedanken. Also sagte Klaus Schulze zu. Das Konzert fand schließlich am 5. August des Jahres 1989 statt, nur noch wenige Monate vor dem Mauerfall. 6.800 Zuschauer beziehungsweise Zuhörer hatten sich eingefunden, jedoch wurde der Auftritt Klaus Schulzes kurzerhand von den DDR-Behörden eingeschränkt beziehungsweise zeitlich limitiert, sodass an diesem Tag nur die zwei Hauptstücke „Dresden One“ und „Dresden Two“ zur Aufführung kamen. Das wiederum hatte zur Folge, dass die Titel „Dresden Three“ bis „Five“ erst nachträglich im Studio aufgenommen wurden und sich nun auf der Doppel-CD ein Mix aus Live- und Studioaufnahmen befindet.

„The Dresden Performance“ ist das bereits 22. Album des Klaus Schulze und dabei seine dritte Liveveröffentlichung. Nun, die einzelnen Stücke unterscheiden sich dabei sehr auf diesem Album, obwohl natürlich der elektronische und sphärische Sound – und nur dieser – zu hören ist. „Dresden One“ klingt immer dann sehr überzeugend, wenn das Tempo ein wenig angezogen wird, dann möchte man auch gerne mitwippen. Ansonsten hört sich die Nummer allerdings immer wieder wie eine allzu lange Improvisation an, gerade so, als ob dies dem Berliner alles gerade in diesem Moment eingefallen wäre. Beim nächsten Titel „Dresden Three“ hört man Glöckchen und ein dominierendes Piano, obwohl dies natürlich ebenfalls ein Synthesizer ist. Sehr sphärisch aber auch eingängig das Ganze. Auf „Dresden Five“ hört man ebenfalls so eine Art Glöckchen und zuerst wirkt dieser Titel eher wie eine Soundkollage. Doch schließlich wird es immer melodischer und trotzdem irgendwie entrückt.

Mit dem längsten Titel, dem zweiten Live eingespielten Lied „Dresden Two“, startet schließlich die zweite CD. Hier klingt Klaus Schulze nun genau so, wie man ihn von vielen früheren Veröffentlichungen her kennt. Sphärisch, rhythmisch und auch mystisch hört sich dieser Titel an. Hierbei werden verschiedene Abschnitte durchlaufen, die dann auch mal etwas flotter gespielt werden, dann jedoch wieder relativ relaxt und entspannt klingen. Schließlich folgt noch „Dresden Four“, das Meisterstück der Platte. Als Hörer genießt man hier Pianoläufe, epische Streicher-Arrangements, alles ist im Fluss, klingt eingängig, melodiös, harmonisch. Wahrlich überaus überzeugend.

Fazit: Nicht alles auf „The Dresden Performance“ kann durchgängig begeistern. Der letzte Titel, „Dresden Four“, vollbringt dies jedoch exzellent. Bei den restlichen Nummern gelingt dies Klaus Schulze manches Mal leider nur abschnittsweise, was den Gesamteindruck der Platte ein wenig schmälert. Trotzdem auch die ersten vier Titel können einen auf eine Gedankenreise durch das Weltall schicken. Und bei „Dresden Four“ sollte man Klaus Schulze einfach nur dankbar sein, dass dieser einen mit solcher Musik beglückt. Elf Punkte.

Anspieltipps: Dresden Four



Dienstag, 30. September 2014

Klaus Schulze – Moondawn




Klaus Schulze – Moondawn


Besetzung:

Klaus Schulze – moog, arp 2600, arp odyssey, ems synthi-a, farfisa syntorchestra, crumar keyboards, sequenzer synthanorma 3-12


Gastmusiker:

Harald Grosskopf – drums


Label: Brain Records


Erscheinungsdatum: 1976


Stil: Elektronische Musik, Instrumentalmusik


Trackliste:

1. Floating (27:15)
2. Mindphaser (25:22)

Gesamtspieldauer: 52:37




Mich hat es schon immer interessiert in so ein Raumschiff, eine Rakete einzusteigen. Ich werde unfassbar stark gegen meinen Sitz gepresst, als die Rakete versucht, der Anziehungskraft der Erde zu entgehen. Alles wird plötzlich schwarz und dann sehe ich ihn neben mir, den Mond, der mir zusätzlich noch einmal Schwung verleiht. Ich nähere mich Mars, dessen „Kanäle“ ich von hier aus bestens sehen kann. Der gewaltige Jupiter, mit seinem roten Fleck und den galileischen Monden, Io, Europa, Ganymed und Callisto erscheint. Alles sieht so wunderschön aus, so friedlich, so ruhig und auch so farbenprächtig. Und dann sehe ich Saturn mit seinem eindrucksvollen Ring und ich bin fasziniert und jetzt wird mir auf einmal auch die Musik um mich herum wieder gewahr. Ich öffne die Augen, sehe mich auf dem Sofa liegen, doch diese Musik zwingt mich erneut die Augen zu schließen und meine Reise in Richtung Neptun und Uranus fortzusetzten. Es gibt noch so viel zu entdecken hier.

Leider ist der Weltraum still. Absolut still, nur ganz selten ist da mal etwas zu hören. Wenn dieser jedoch mit Musik angefüllt wäre, dann bin ich mir sicher, würde man Klaus Schulzes „Moondawn“ hören. Und außerdem, sein sechstes Album muss er einfach auf einem Trip zu den Sternen hin geschrieben haben. Anders lässt sich diese sphärische Musik, die durchaus auch treibend und „fließend“ ist, wie es ein Titel bereits aussagt, einfach nicht komponieren. Synthesizer-Musik, die unweigerlich Assoziationen zum Weltraum und den Sternen aufkommen lässt. Dicht gepackt, voll und intensiv wird hier der Geist auf die Reise geschickt. Das ist mitunter durchaus meditativ, denn allzu viel passiert auch nicht in diesen etwas über fünfzig Minuten. Und doch ist es unglaublich anregend, für Geist und Seele.

Fazit: Esoterische Musik ist das nicht, aber meditative auf jeden Fall. Mal was ganz anderes und sehr entspannendes. „Moondawn“ kann man zugegebenermaßen nicht immer hören, jedoch findet sich auch immer wieder eine Gelegenheit dafür. Wer sphärische Synthesizerklänge liebt, wird dieses Album lieben, denn damit bekommt er die volle Ladung davon. Elf Punkte.

Anspieltipps: Floating