„Maximum Darkness“ heißt das zweite Live-Album der walisischen Rockband Man und wurde am 26. Mai 1975 im Roundhouse, London während des dortigen Konzertes eingespielt und im September des gleichen Jahres veröffentlicht. Es ist das letzte Album, welches Man ursprünglich auf dem Plattenlabel United Artists veröffentlichten, bevor sie zu MCA Records wechselten.
Auf „Maximum Darkness“ hört man einmal mehr diese Mischung aus Psychedelic Rock mit Blues Rock Einflüssen, für die die Waliser schon lange in ihrer Karriere standen. Unterfüttert wird dies mit einigen rockigen Improvisationen, wodurch ein sehr lebendiges und abwechslungsreiches Gesamtbild entsteht und der Blues gegenüber anderen Scheiben von man sogar deutlich zurücktritt. Der Klang der Aufnahme klingt dabei um einiges besser, als andere Live-Einspielungen der Band (Neben dem Album „Live At The Padget Rooms Penarth“ sind Man auch mit ausgewählten Live-Nummern auf „Christmas Sat The Patti sowie „Greasy Truckers“ zu hören).
Hat man Spaß daran Musiker in ausschweifenden Soli und Improvisationen zu hören, dann wird einem „Maximum Darkness“ jede Menge Spaß bereiten. Auf dem Album bekommt man diese Musik im Überfluss präsentiert und mit einem etwas rockigeren Stempel versehen, als auf manch anderer Man-Platte. Man zeigen sich hier live auf der Höhe ihres Schaffens und begeistern nicht nur das während des Konzertes anwesende Publikum, sondern auch jetzt noch Zuhörerinnen und Zuhörer beim Genießen des Albums.
Fazit: Man ist für mich eine kaum greifbare Band. Platten, die mich langweilen wechseln bei den Walisern mit solchen, die wahrlich überzeugen. „Maximum Darkness“ gehört für mich definitiv in die zweite Kategorie. Ausschweifender Rock, psychedelisch, bluesig und jederzeit groovend. Irgendwie schon cool. Elf Punkte.
„The Last Record Album“ ist der Titel des fünften Studioalbums der US-amerikanischen Rockband Little Feat. Die Platte erschien am 17. Oktober 1975 auf dem Plattenlabel Warner Brothers Music und kletterte in den US Billboard 200 Charts bis auf 36. Platz.
„The Last Record Album“ ist ein kurzes Album geworden. Gerade mal acht Titel befinden sich darauf bei einer Gesamtspielzeit von etwas über 34 Minuten. Die Musik changiert zwischen Blues und Funk und schafft es an keiner Stelle zu begeistern – außer man ist wohl eingefleischter Little Feat Fan. Nichts klingt packend, nichts hört sich eingängig an und nichts verbleibt nach dem Ausklingen im Ohr.
Es mag sicherlich sein, dass mir das Blues-Gen, falls es dieses gibt, fehlt. Genauso verhält es sich bei mir leider auch in Bezug auf Funk. Beide musikalische Genres gibt es auf „The Last Record Album“ zu hören – über eine halbe Stunde lang. Doch wenn einen die Musik nicht packt, so gar nicht begeistert, wird es schwer hier zuhören zu wollen. Selbst das Benennen eines Höhepunktes fällt mir da sehr schwer. Um doch eines zu erwähnen sei hier auf die Nummer „All That You Dream“ verwiesen, die bei vielen Fans hoch im Kurs steht, wie ich nachlesen konnte.
Fazit: Blues und Funk in Kombination ist mal was anderes. Leider nicht meine Mischung. Für mich ist die musikalische Qualität von Little Feat nochmals gesunken, vergleiche ich diese Scheibe mit ihren vorherigen Veröffentlichungen. Für Fans, Nostalgiker oder auch Musikforscher wohl geeignet. Für Menschen, die diese Lieder in der heutigen Zeit zum ersten Mal hören wohl weit weniger gefällig. Drei Punkte.
Am Samstag und Sonntag den 15. und 16. September 1973 kam es in der Rheinhalle von Krefeld zum „German Rock Festival“. Dort waren unter anderem Birth Control, Triumvirat, Passport, Guru Guru, Wallenstein, Embryo, Ihre Kinder, Amon Düül II, Udo Lindenberg, Nektar, Eloy und eben auch Achim Reichel vertreten. Letzterer zwar unter seinem Namen, jedoch handelt es sich bei der Musik um jene, die er unter seinem Projekt A.R. & Machines firmierte.
A.R. & Machines hatten ihren Auftritt am 16. September. Aufgenommen wurde das Konzert von Kurt Mitzkatis mit einem batteriebetriebenen Tonbandgerät, bei dem Kurt Mitzkatis das Mikrophon während der Aufnahme über in der Hand hielt. Eingedenk dieser Tatsache, dass diese Aufnahmeprozedur alles andere als professionell war, ist die Aufnahme wahrlich gelungen und man kann Kurt Mitzkatis nur dankbar sein, hier durchgehalten und alles mitgeschnitten zu haben.
Auf „Erholung“, wie die Platte schließlich bei ihrer Veröffentlichung im Jahr 1975 hieß, hört man einmal mehr diese hypnotisierende Atmosphäre, die der Musik von A.R. & Machines so häufig innewohnt. Achim Reichel entwickelt seinen Sound an der Echo Gitarre und wird dabei durch Schlagzeug und Perkussion sowie phasenweise durch Saxophon und Flöte unterstützt. Im Zusammenspiel mit den Blasinstrumenten klingt die Musik häufig leicht jazzig angehaucht, ansonsten – wie man es von vorherigen Veröffentlichungen her kennt – redundant und fast schon ein wenig hypnotisierend.
Somit spielen einmal mehr Melodien keine Rolle in der Musik von A.R. & Machines, obwohl die hier zu hörende Musik durchaus mit eingängig umschrieben werden kann. Doch sehr viel mehr geht es eben um die Atmosphäre, die dieses Mal häufig mit viel Perkussion transportiert wird. Das Titellied „Erholung“ bildet mit seinem zunächst mehr sphärischen Klang eher die Ausnahme, denn die Regel. Ebenso wie die Nummer „Atmosphäre“, denn diese ist – oh Wunder – sphärische Atmosphäre pur.
Bis hier reichen auch die vier ursprünglich vorhandenen – und in anderer Reihenfolge angeordneten Lieder auf „Erholung“. Mit „Heute Ist Das Gestern Von Morgen“ sowie „Die Zukunft Der Vergangenheit“ schließen sich nochmals zwei ineinander übergehende Stücke mit einer Spieldauer von über 34 Minuten an, die auf der ursprünglichen Veröffentlichung nicht vorhanden waren. Die Soundqualität ist nun leider deutlich schlechter geworden, die Musik macht allerdings immer noch Spaß. Sie weist dieselben Attribute auf, wie die Titel zuvor, doch das Hörerlebnis ist aufgrund des Sounds zumindest etwas geschmälert. Es klingt deutlich zu dumpf.
Fazit: Ein weiteres sehr überzeugendes A.R. & Machines-Album ist „Erholung“ geworden. Der Sound klingt zunächst überraschend gut, die Musik hypnotisierend und redundant und erzielt gerade dadurch ihre Wirkung. Von der Live-Stimmung hört man nicht viel. Nach „Alles Inklusive“ brandet Applaus auf, dann wieder ganz am Ende des Albums. Die letzten beiden Nummern sind wohl eher Zugaben von etwas schlechterer Tonqualität. Hörenswert ist dies trotzdem noch. Elf Punkte.
Seals & Crofts – I’ll Play For You Besetzung: Jim Seals – vocals, guitar, banjo Dash Crofts – vocals, acoustic and electric mandolins, mandola Gastmusiker: Louie Shelton – guitar, banjo Ovid Stevens – slide guitar Jack Lenz – keyboards, flute David Paich – keyboards Wilton Felder – bass Mike Porcaro – bass Ed Greene – drums Jim Varley – drums Jeff Porcaro – drums Antoine Dearborn – percussion Gene Capriano – reeds Bob Crosby – reeds Jim Horn – reeds Steve Leeds – reeds Henry Sigismonti – reeds Larry Ford – trumpet Paul Hubinon – trumpet Ron King – trumpet Bobby Shew – trumpet Dick Hyde – trombone John Leys – trombone Lew McCreary – trombone Label: Warner Bros. Records Erscheinungsjahr: 1975 Stil: Pop, Folk Trackliste: 1. I‘ll Play For You (4:05) 2. Golden Rainbow (4:31) 3. Castles In The Sand (4:08) 4. Blue Bonnet Nation (3:51) 5. Ugly City (3:52) 6. Wayland The Rabbit (6:03) 7. Freaks Fret (3:00) 8. Truth Is But A Woman (3:05) 9. Fire And Vengeance (4:31) Gesamtspieldauer: 36:49
„I‘ll Play For You“ heißt das siebte Studioalbum des US-amerikanischen Pop-Folk Duos Seals & Crofts. Das Album wurde im März 1975 auf dem Plattenlabel Warner Bros. Records veröffentlicht und erreichte im Sommer desselben Jahres immerhin noch Platz 18 der U.S. Billboard Hot 100. Die ausgekoppelte Single „Castles In The Sand“ kletterte in den US-amerikanischen Charts bis auf Platz 21.
Auf „I‘ll Play For You“ hört man poppige Musik, die mitunter auch mal folkig angehaucht klingt und dabei zudem manches Mal die Grenzen des Countrys streift. Gut ins Ohr geht da wenig, manches klingt sogar eher langweilig. Solch Titel wie „Golden Rainbow“, „Freaks Fret“ oder „Truth Is But A Woman“ strapazieren schon sehr stark die eigene musikalische Toleranzgrenze. Mal klingt das soulig, dann wieder hört man seltsam geartete Calypso-Klänge, schließlich doch noch überaus schleimigen Country. Und dies gilt bezüglich der Musik und der Texte. Spaß macht das Zuhören hier definitiv nicht mehr. Diese krude Mischung musikalischer Genres verlangt viel von der Hörerin beziehungsweise dem Hörer ab.
Im Grunde genommen gibt es auf „I‘ll Play For You“ nur drei einigermaßen hörbare Nummern. Da ist zum einen das Titellied selbst und gleichzeitig das erste Stück der Platte. Ein poppig-folkiger Titel, bei dem eine Klarinette schließlich für Stimmung sorgt. Auch die etwas rockigere Single-Auskopplung „Castles In The Sand“ ist hörenswert. Und dann gibt es da noch das sehr orchestral beginnende und schließlich mit akustischen Gitarrenklänge weitergeführte „Wayland The Rabbit“. Ein sehr getragenes Lied mit einer schönen Melodie, welche schließlich auch von Streichern getragen wird. Der Höhepunkt der Platte.
Fazit: Einen guten und zwei akzeptable Titel hat „I‘ll Play For You“ noch zu bieten. Recht wenig für ursprünglich zwei LP-Seiten. Auf dem Album werden sehr viele musikalische Genres bedient, richtig einstellen kann man sich auf die Musk von Seals & Crofts leider nicht mehr. Vieles läuft an einem vorbei und noch schlimmer, bei manchem Titel ist man dankbar, wenn er endlich verklungen ist. Fünf Punkte.
Ufo – Force It Besetzung: Phil Mogg – vocals Michael Schenker – guitar Pete Way – bass Andy Parker – drums Gastmusiker: Chick Churchill – keyboards Label: Chrysalis Records Erscheinungsjahr: 1975 Stil: Rock Trackliste: 1. Let It Roll (3:57) 2. Shoot Shoot (3:39) 3. High Flyer (4:09) 4. Love Lost Love (3:21) 5. Out In The Street (5:18) 6. Mother Mary (3:49) 7. Too Much Of Nothing (4:02) 8. Dance Your Life Away (3:35) 9. This Kid‘s (6:17) Bonus Tracks der remasterten Wiederveröffentlichung aus dem Jahr 2007: 10. A Million Miles (previously unreleased) (4:48) 11. Let It Roll (live) (4:59) 12. This Kid‘s (live) (4:19) Gesamtspieldauer: 52:18
„Force It“ nannte die britische Rock Band Ufo ihr viertes Studioalbum. Es wurde im Juli des Jahres 1975 auf dem Plattenlabel Chrysalis Records veröffentlicht. Es ist das erste Album von Ufo, welches sich in den US-amerikanischen Charts platzieren konnte. Chick Churchill, Mitglied bei Ten Years After und hier als Gastmusiker aufgeführt, bedient auf der Platte zum ersten Mal auf einem Ufo-Album die Keyboards. Das von Hipgnosis entworfene Cover der Platte sorgte vor allen Dingen in den prüden USA für Aufsehen, zumal noch nicht mal die Geschlechter der „halbnackten“ abgebildeten Personen richtig zu erkennen waren.
Musikalisch hatte sich nicht viel verändert gegenüber dem Vorgängeralbum „Phenomenon“. Auch auf „Force It“ hört man Rockmusik, die mal härter, mal sanfter und balladesk aus den Boxen strömt. Erneut haben Phil Mogg und Michael Schenker, die beiden Komponisten der Band, ihre Lieder in eingängige Melodien gehüllt. Ganz egal, ob ein Lied eher im Hard Rock beheimatet ist oder eine sanftere Ballade darstellt, melodiös klingt das immer und geht auch gut ins Ohr.
Besonders gelungen auf „Force It“ sind das wunderschöne und sanfte „High Flyer“ und das deutlich rockigere und vibrierende „Too Much Of Nothing“. Beides Nummern, die hängenbleiben und unabhängig von Tempo und Rhythmus eingängig klingen. Höhepunkt des Albums ist das letzte offizielle Lied der Platte „This Kid‘s“. Eine kraftvolle rockige Nummer, die mit dem nicht extra aufgeführten Instrumentalstück „Between The Walls“ sehr überzeugend beendet wird.
Als Zugaben gibt es auf der remasterten Wiederveröffentlichung von 2007 schließlich noch die beiden Titel „Let It Roll“ und „This Kid’s“ in kraftvollen Live-Versionen sowie das bisher unveröffentlichte und sich ebenfalls lohnende „A Million Miles“ zu hören.
Fazit: Auch „Force It“ ist ein gelungenes Album geworden. Ziemlich geradlinigen Rock gibt es darauf zu hören. Mal etwas härter eingespielt, mal deutlich sanfter klingend. Dabei gehen die einzelnen Titel allesamt gut ins Ohr und zeigen den weiteren Weg von Ufo, weg von der Space Rock Band der ersten beiden Platten, hin zur Hard Rock Band. Neun Punkte.
Anspieltipps: High Flyer, Too Much Of Nothing, Between The Walls
Triana – El Patio Besetzung: Jesús de la Rosa Luque – vocals, keyboards J. J. Palacios "Tele" – drums, percussion Eduardo Rodríguez – guitar Gastmusiker: Manolo Rosa – bass Antonio García de Diego – electric guitar Label: Fonomusic Erscheinungsjahr: 1975 Stil: Progressive Rock Trackliste: 1. Abre La Puerta (9:51) 2. Luminosa Mañana (4:01) 3. Recuerdos De Una Noche (4:41) 4. Sé De Un Lugar (7:09) 5. Diálogo (4:31) 6. En El Lago (6:36) 7. Todo Es De Color (2:04) Gesamtspieldauer: 38:56
Spanischer Progressive Rock? Warum nicht, doch dann wäre es doch auch schön, wenn dabei die Ingredienzien der spanischen Musik mit enthalten wären. Und genau das bieten Triana ihren Hörerinnen und Hörern. Triana, ein spanisches Trio aus Sevilla, Andalusien, welches sich im Jahr 1974 gründete, verbinden Progressive Rock mit einer gehörigen Portion Flamenco. Das erste Studioalbum von Triana trägt den Namen „El Patio“ (auf Deutsch: „Der Innenhof“, wie man auf dem Cover auch nachvollziehen kann) wurde am 14. April 1975 auf dem Plattenlabel Movieplay veröffentlicht und ist auch auf CD beim Label Fonomusic wiederveröffentlicht worden.
Wer sehr eingängigen, nicht zu frickeligen Progressive Rock zu schätzen weiß, die oder der wird mit dieser Scheibe seine helle Freude haben. Die Musik auf „El Patio“ geht ins Ohr, ist abwechslungsreich, unternimmt zahlreiche Wendungen. Dabei erklingt immer wieder die Flamenco-Gitarre und man hört rhythmisches Klatschen und weiß sofort, in welchem Kulturkreis man sich bewegt. Sehr gelungen ist dabei zudem das Zusammenspiel zwischen der Gitarre des Eduardo Rodríguez und dem feinen, ein anderes Mal fetten Orgelsound des Jesús de la Rosa Luque. Ziemlich einmalig in der Musiklandschaft.
Überhaupt Jesús de la Rosa Luque. Dieser unterstützt und unterstreicht die Musik von Triana durch seinen hingebungsvollen und eindringlichen Gesang, bei dem der Sänger jede musikalische Wendung empathisch miterlebt und auslebt. Ich bin des Spanischen nicht mächtig, doch wenn Jesús de la Rosa Luque beim Singen mitleidet, so hängt man förmlich an seinen Lippen und spürt die Emotionen, auch wenn er nicht zu sehen ist. Sehr schön.
„Triana“ ist in sich geschlossen, klingt ohne Ausnahme gut und überzeugend. Von daher könnte man viele Höhepunkte aufführen. Müsste ich mich auf eine Top 3 festlegen, wären dies die Lieder „Abre La Puerta“, „Luminosa Mañana“ sowie „En El Lago“. Allesamt eingängige, sehr melodiöse Titel, mit denen man bestens in die Musik der Andalusier eintauchen kann. Bester Progressive Rock auf Spanisch. Das Album war zunächst übrigens nur mäßig erfolgreich und wurde erst mit dem Bekanntheitsgrad der Band auch kommerziell für Tirana ein Erfolg. In allen Rankings zu den wichtigsten Platten der spanischen Pop- und Rockkultur ist „Triana“ vertreten. So führt es dort zum Beispiel das Rolling Stone Magazine auf Platz 23.
Fazit: Wer eingängigen, melodiösen und pathetischen Progressive Rock mag, wird auch „El Patio“ von Triana mögen. Das Debut-Album der Spanier beinhaltet alles, was Progressive Rock Fans lieben. Der Inhalt von Musik und Texten wird durch den Gesang bestens transportiert, da fällt es gar nicht mehr ins Gewicht, dass man nichts versteht, wenn man kein Spanisch spricht. Und dann diese Flamenco-Gitarre, die die Musik von Triana zu etwas Besonderem werden lässt. Lohnt sich. Zwölf Punkte.
Anspieltipps: Abre La Puerta, Luminosa Mañana, En El Lago
Mott – Drive On Besetzung: Nigel Benjamin – lead vocals, rhythm and acoustic guitars Ray Major – lead and slide guitars, backing vocals Morgan Fisher – piano, backing vocals, organ, synthesizer Pete Overend Watts – bass, rhythm guitar, backing vocals, lead vocals on "Love Now" Dale "Buffin" Griffin – drums, backing vocals, percussion Label: Sony Music Erscheinungsjahr: 1975 Stil: Rock, Glam Rock Trackliste: 1. By Tonight (3:46) 2. Monte Carlo (4:42) 3. She Does It (3:29) 4. I'll Tell You Something (4:26) 5. Stiff Upper Lip (4:39) 6. Love Now (2:50) 7. Apologies (0:50) 8. The Great White Wail (5:11) 9. Here We Are (5:30) 10. It Takes One To Know One (4:32) 11. I Can Show You How It Is (2:52) Gesamtspieldauer: 42:53
„Drive On“ heißt das im September 1975 veröffentlichte Album der englischen Band Mott, die man noch ein Jahr zuvor unter dem Namen Mott The Hoople kannte. Nach dem letzten Mott The Hoople Studioalbum „The Hoople“ hatte Gitarrist Ariel Bender die Band wieder verlassen, obwohl dieser erst auf „The Hoople“ den vorherigen Gitarristen Mick Ralphs ersetzt hatte. Für das nach „The Hoople“ eingespielte Live-Album mit dem schlichten Titel „Live“ konnte man Mick Ronson gewinnen, der damals in der David Bowie Begleitband spielte. Als nun allerdings auch Sänger, Gitarrist und Songschreiber Ian Hunter die Band verließ, um mit eben jenem Mick Ronson sein erstes Solo-Album aufzunehmen, entschieden die restlichen verbliebenen Bandmitglieder, dass die Zeit nun reif für einen neuen Bandnamen wäre und so wurde aus Mott The Hoople kurzum Mott. „Drive On“ erschien ursprünglich auf dem Plattenlabel CBS Records und wurde im Jahr 2006 wiederveröffentlicht. Nigel Benjamin hieß nun der Sänger und Gitarrist und wurde durch Ray Major an der Gitarre unterstützt. Zwei Singles wurden aus dem Album ausgekoppelt. Dies waren die Lieder „Monte Carlo” / „Shout It All Out” und „By Tonight” / „I Can Show You How It Is”.
„Drive On“ war kein großer Erfolg mehr, aber die Platte erreichte immerhin noch Platz 35 der britischen Charts. In den USA kletterte das Album lediglich noch auf Platz 160. Der Grund dafür ist einfach erklärt. Auf „Drive On“ befindet sich keine besonders gute oder besonders eindrucksvolle Musik mehr. Das Album plätschert so dahin, ganz „nett“ alles, mal mit härterem Rock, mal mit etwas Glam Rock verziert. Großartige Spuren hinterlässt diese Scheibe nicht mehr und auch wenn es keine wirklich schlechte Platte ist, so gibt es darauf wenig zu hören, was man immer wieder genießen möchte. Mainstream Rock der eher langweiligen Sorte, das ist das, was von „Drive On“ haften bleibt.
Meine Favoriten auf „Drive On“ heißen „The Great White Wail” und „Here We Are“. Dies sind auch gleichzeitig die beiden längsten Titel des Albums. Es ist dabei nicht ein gewisser Ohrwurmcharakter, der die beiden Nummern auszeichnet, denn es sind keine Ohrwürmer. Es ist die durchaus vorhandene Abwechslung, die diesen beiden Titeln innewohnt. Keine „Standard“-Rock-Lieder, sondern differenziert umgesetzte Stücke, die die Platte insgesamt auflockern und damit zu den interessanteren Stücken gehören.
Fazit: Nachdem sich Mott The Hoople neu ausrichten mussten, da einige Musiker die Band verlassen hatten, wurde ein neuer Name gewählt. Mott hieß die Formation nun, die musikalische Ausrichtung hatte sich dabei jedoch kaum geändert. Auch auf „Drive On“ gibt es Rock zu hören, der mal etwas härter klingt, dann wieder in das Genre des Glam Rock eintaucht. Alles ganz nett, aber nicht mehr begeisternd. Sieben Punkte.
Procol Harum – Procol’s Ninth Besetzung: Gary Brooker – vocals, piano Mick Grabham – guitar Chris Copping – organ Alan Cartwright – bass guitar B. J. Wilson – drums Keith Reid – lyrics Label: Esoteric Records Erscheinungsjahr: 1975 Stil: Rock, Pop Trackliste: CD1: 1. Pandora‘s Box (3:37) 2. Fool‘s Gold (4:00) 3. Taking The Time (3:39) 4. The Unquiet Zone (3:40) 5. The Final Thrust (4:37) 6. I Keep Forgetting (3:28) 7. Without A Doubt (4:31) 8. The Piper‘s Tune (4:28) 9. Typewriter Torment (4:29) 10. Eight Days A Week (3:00) Bonus Tracks: 11. Pandora‘s Box (Raw Instrumental Track) (3:40) 12. Fool‘s Gold (Raw Track) (3:57) 13. Taking The Time (Raw Track) (4:37) 14. The Unquiet Zone (Raw Track) (4:26) 15. The Final Thrust (Raw Version) (4:41) 16. The Poet (Demo Of "Without A Doubt") (4:18) 17. The Piper‘s Tune (Full Length Version) (4:56) 18. Typewriter Torment (Raw Version) (4:36) CD2: 1. Shine On Brightly (Live at Capitol Theatre, Nj, 1975) (4:27) 2. As Strong As Samson (Live at Capitol Theatre, NJ, 1975) (5:37) 3. Conquistador (Live at Capitol Theatre, NJ, 1975) (4:38) 4. Pandora‘s Box (Live at Capitol Theatre, NJ, 1975) (4:24) 5. The Unquiet Zone (Live at Capitol Theatre, NJ, 1975) (5:20) 6. A Salty Dog (Live at Capitol Theatre, NJ, 1975) (5:27) 7. A Souvenir Of London (Live at Capitol Theatre, NJ, 1975) (4:45) 8. Cerdes (Outside The Gates Of) (Live at Capitol Theatre, NJ, 1975) (6:50) 9. I Keep Forgetting (Live at Capitol Theatre, NJ, 1975) (4:25) 10. Grand Hotel (Including 'The Blue Danube') (Live at Capitol Theatre, NJ, 1975) (13:33) 11. Power Failure (Live at Capitol Theatre, NJ, 1975) (7:40) 12. Simple Sister (Live at Capitol Theatre, NJ, 1975) (6:55) CD3: 1. Shine On Brightly (Live at Leicester University, 1975) (4:30) 2. Whaling Stories (Live at Leicester University, 1975) (9:22) 3. Conquistador (Live at Leicester University, 1975) (4:35) 4. Pandora‘s Box (Live at Leicester University, 1975) (4:18) 5. The Piper‘s Tune (Live at Leicester University, 1975) (5:14) 6. Grand Hotel (Live at Leicester University, 1975) (8:01) 7. Beyond The Pale (Live at Leicester University, 1975) (3:37) 8. A Salty Dog (Live at Leicester University, 1975) (5:49) 9. I Keep Forgetting (Live at Leicester University, 1975) (4:39) 10. The Blue Danube (Live at Leicester University, 1975) (10:00) 11. Be Bop-a-Lula (Live at Leicester University, 1975) (3:49) 12. Old Black Joe (Live at Leicester University, 1975) (4:42) 13. A Whiter Shade Of Pale (Live at Leicester University, 1975) (7:17) Gesamtspieldauer: CD1 (1:14:49) und CD2 (1:14:07) und CD3 (1:15:58): 3:44:55
„Procol’s Ninth“ heißt das neunte Album der britischen Band Procol Harum. Es ist das achte Studioalbum, da die Band um Gary Brooker zu diesem Albumtitel kam, indem sie das Live-Album „Live In Concert With The Edmonton Symphony Orchestra“ mitzählte. „Procol’s Ninth“ erschien im September 1975 ursprünglich auf dem Plattenlabel Chrysalis. Auf Repertoire Records wurde das Album wiederveröffentlicht und erschien im Jahr 2018 erneut. Dieses Mal in einer aus drei CDs bestehenden Zusammenstellung auf dem Label Esoteric Records.
Wie bereits auf dem Vorgängeralbum „Exotic Birds And Fruit“, so befindet sich auch auf „Procol’s Ninth“ eine rockig-poppige Mischung, unterfüttert mit etwas Blues, die sich hauptsächlich im Mainstream der populären Musik bewegt. Besonders spannend, innovativ oder sonst irgendwie außergewöhnlich klingt nichts mehr auf dieser Scheibe, die auch nur bei wenigen Fans und Kritikern einen tieferen Eindruck hinterließ. „Procol’s Ninth“ ist zudem die erste Veröffentlichung der Band auf der sich gecoverte Lieder befinden. Mit „Eight Days A Week“ von den Beatles und „I Keep Forgetting“ von Chuck Jackson, aus der Feder des Duos Jerry Leiber und Mike Stoller, wurden zwei bereits veröffentlichte Lieder neu interpretiert. Fast wirkt es ein wenig so, dass diese beiden Lieder in der Kombination mit den restlichen, selbstgeschrieben Titeln von Procol Harum darauf hinweisen, dass Gary Brooker und seinen Mitmusikern Mitte der 70er Jahre die Ideen ausgegangen wären.
Höhepunkte sind die ersten beiden Titel des Albums, die Lieder „Pandora‘s Box“ und „Fool‘s Gold“. Beide Lieder gehen noch am ehesten ins Ohr, erinnern ein wenig an Procol Harum wenige Jahre zuvor und zumindest „Pandora‘s Box“ hat es doch noch geschafft, in den Bereich der „Klassiker“ von Procol Harum aufzusteigen. Und der Rest? Der erreicht zum Teil noch die Güteklasse „ganz nett“. „The Piper‘s Tune“ sticht ebenfalls noch ein klein wenig heraus. Viel mehr bleibt da jedoch nicht.
Die Wiederveröffentlichung in dieser Form auf dem Label Esoteric Records trägt überdies zum Verdruss bei. Zwei zusätzliche CDs mit ganz viel Bonusmaterial in Form von Live-Einspielungen, die sich kaum bis gar nicht musikalisch von den Originalen unterschieden, jedoch soundtechnisch etwas zu wünschen übrig lassen, tragen lediglich dazu bei, dass man das Album nun teuer verkaufen kann. Dauerndes Gebrabbel und das Stimmen der Gitarren macht vielleicht Spaß, wenn man live dabei ist. So aufgenommen und angehängt funktioniert es deutlich schlechter. Einen Mehrwert für die Konsumentinnen und Konsumenten bringt das nämlich nicht mehr.
Fazit: Nein, „Procol’s Ninth“ ist kein völlig missratenes Album geworden. Leider jedoch ein zum größten Teil sehr langweiliges. Nur wenige Höhepunkte gibt es darauf zu hören, der Rest versinkt im nichtssagenden und langweiligen Mainstream. Dazu werden einem zwei Bonus-CDs mitgeliefert, die vielleicht für den absoluten Fan eine gewisse Bedeutung haben, jedoch klangtechnisch oder auch von der Auswahl der Stücke her absolut verzichtbar sind. Schade. Sieben Punkte.
Anspieltipps: Pandora‘s Box, Fool‘s Gold, The Piper‘s Tune
Novalis – Novalis Besetzung: Lutz Rahn – Tasteninstrumente Detlef Job – Gitarre Hartwig Biereichel – Schlagzeug Heino Schünzel – Bass, Gesang Carlo Karges – Gitarre, Tasteninstrumente Label: Vertigo Erscheinungsjahr: 1975 Stil: Progressive Rock Trackliste: 1. Sonnengeflecht (4:08) 2. Wer Schmetterlinge lachen hört (9:16) 3. Dronsz (4:57) 4. Impressionen (9:00) 5. Es färbte sich die Wiese grün (8:20) Bonus Track: 6. Impressionen (live) (10:35) Gesamtspieldauer: 46:18
Schlicht mit „Novalis“ betitelte die Hamburger Progressive- oder auch Krautrock Band Novalis ihr zweites Studioalbum, welches im Jahr 1975, zwei Jahre nach dem Debut, ursprünglich auf dem Plattenlabel Brain erschien. Die Besetzung der Band hatte sich verändert. Jürgen Wenzel, auf „Banished Bridge“ noch Sänger und Gitarrist von Novalis, hatte Novalis kurz vor Beginn der Arbeiten zur neuen Platte verlassen. Dafür waren nun Detlef Job und Carlo Karges an der Gitarre zu hören, wobei letztgenannter auch noch am Einspielen der Tasteninstrumente mitwirkte. Seinen größten Erfolg sollte Carlo Karges jedoch einige Jahre später mit Nena und ihren „99 Luftballons“ feiern, ein Lied, welches er mitkomponierte. Den Gesang auf „Novalis“ übernahm nun hauptsächlich Heino Schünzel. Doch dies war nicht die einzige Änderung, die die Band zum vorherigen Album vollzog. Die Texte waren ursprünglich erneut in englischer Sprache gehalten, aufgrund einer Anregung von Achim Reichel entschlossen sich die Bandmitglieder nun zu ihrer Muttersprache zu wechseln. Kurzerhand wurden die englischen Lyrics in deutsche Sprache übersetzt und eingesungen.
„Novalis“ von Novalis ist ein absolut tolles Album geworden, was den musikalischen Geist der damaligen Zeit wunderbar einfängt und konserviert. Progressive Rock aus Deutschland, das waren im Falle von Novalis langanhaltende Instrumentalpassagen, sehr rhythmische Abschnitte, Melodien, die sich festsetzen und Texte, die einem heute ein Fragezeichen bis hin zu einem Lächeln in das Gesicht zaubern. Im Falle des Textes von „Wer Schmetterlinge Lachen hört“, der von Carlo Karges stammt, klingt das durchaus irgendwie besonders und noch von den End-60ern beeinflusst. „Es färbte sich die Wiese grün“ ist dagegen die Vertonung eines Gedichts von Friedrich Freiherr von Hardenberg aus dem Jahr 1798. Die restlichen drei Stücke sind Instrumentalnummern.
Letztgenanntes Lied, „Es färbte sich die Wiese grün“, ist gleichzeitig auch der Höhepunkt des Albums. Ein elegisches Stück Musik, angefüllt mit musikalischen Redundanzen sowie ausgedehnten Gitarrensoli und einem Keyboardsolo, welche in ihrer Gesamtheit einen etwas hypnotisierenden Effekt erzeugen, wenn man sich dieser Musik völlig hingibt. Das Lied groovt dabei, wird durch einen Keyboardlauf zusammengehalten und durch den Gedichttext perfekt ergänzt. Auch sonst gibt es auf „Novalis“ einiges zu entdecken. Die restlichen Nummern der Platte enthalten ebenfalls stimmungsvollen und eingängigen Progressive Rock, der durchgehend überzeugt. Die Wiederveröffentlichung des Albums wurde noch um eine Live-Version des Stückes „Impressionen“ ergänzt, welches laut den Angaben der Band im Jahr 1975 in der Aula des Theodor-Heuss-Gymnasiums in Hagen heimlich von Eroc mitgeschnitten wurde. Diese Version steht der Studioaufnahme in nichts nach und man kann Eroc danken, dass er diese Version des Liedes für die Nachwelt erhalten hat.
Fazit: Progressive Rock aus Deutschland zu Beginn bis Mitte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts hat einfach etwas und ist sehr oft sehr hörenswert. Im Falle von „Novalis“ von Novalis stimmt dies definitiv. Tolle Musik, besondere Texte und eine musikalische Atmosphäre, die hier transportiert wird, welche es einem sehr leicht macht, in diese Musik einzutauchen. Dreizehn Punkte.
Chris Squire – Fish Out Of Water Besetzung: Chris Squire – bass, vocals,12 string electric guitars Gastmusiker: Bill Bruford – drums, percussion Mel Collins – saxophones Jimmy Hastings – flute Patrick Moraz – organ, bass synthesizer Barry Rose – pipe organ Andrew Pryce Jackman – acoustic & electric pianos, orchestrations, conductor Julian Gaillard – strings leader John Wilbraham – brass leader Jim Buck – horns leader Adrian Brett – woodwinds leader Nikki Squire – co-vocals on “Hold Out Your Hand” Label: Esoteric Recordings Erscheinungsjahr: 1975 Stil: Progressive Rock Trackliste: CD1: 1. Hold Out Your Hand (4:15) 2. You by My Side (5:01) 3. Silently Falling (11:21) 4. Lucky Seven (6:56) 5. Safe (Canon Song) (15:01) CD2: The Orchestral Stereo Mix Re-Mastered. 1. Hold Out Your Hand (4:16) 2. You by My Side (5:02) 3. Silently Falling (11:57) 4. Lucky Seven (6:56) 5. Safe (Canon Song) (15:05) Bonus Tracks: 6. Lucky Seven (Single Mix) (3:29) 7. Silently Falling (Single Version) (2:59) Chris Squire & Alan White: 8. Run With The Fox (4:11) 9. Return Of The Fox (4:02) Gesamtspieldauer CD1 (42:36) und CD2 (58:02): 1:40:38
„Fish Out Of Water“ heißt das erste und leider auch einzige Solo-Album des Yes-Bassisten Chris Squire, zählt man das 2007 erschienene Weihnachtsalbum „Chris Squire‘s Swiss Choir“ nicht mit, auf dem vor allen Dingen traditionelle Lieder zu hören sind. „Fish Out Of Water“ wurde ursprünglich auf dem Plattenlabel Atlantic Records am 7. November 1975 veröffentlicht, erschien dann nach dem Tod des Musikers im Juni 2015, im Jahr 2018, erneut in Form einer Special Edition auf dem Label Esoteric Recordings. Diese beinhaltet eine zweite CD mit Remixen, Single-Versionen und zwei Stücken aus der Zusammenarbeit mit dem Yes-Schlagzeiger Alan White. „Fish Out Of Water“ wurde in einer Zeit eingespielt, als Yes gerade inaktiv war. Chris Squire konnte für seine Aufnahmen einige Gastmusiker gewinnen, darunter Bill Bruford, Patrick Moraz, Mel Collins und erweiterte die Instrumentierung durch ein Orchester.
„Fish Out Of Water“ ist ein Progressive Rock Album ganz im Stile der Musik dieses Genres Anfang bis Mitte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts. Abwechslungsreiche Musik, durchgehend melodisch und harmonisch klingend, ohne dabei auch nur den Hauch der Anbiederei zu verströmen. Die Nummern gehen allesamt ins Ohr, dabei wird durchaus auch gerockt auf der Scheibe, die gar nicht überraschend ein wenig nach Yes klingt. Bassläufe, Synthesizer-Klänge und orchestrale Instrumente dominieren die Platte, die vom ersten bis zum letzten Akkord zu überzeugen weiß. Mit jedem weiteren Durchlauf kommt die Musik des Chris Squire noch ein wenig besser zu Geltung und schmiegt sich noch deutlicher dem Ohr an. Eine Platte die wächst.
Gerade die letzten Nummern auf „Fish Out Of Water“ können dabei besonders überzeugen. Die Instrumentalpassagen werden länger, stellenweise klingt das richtiggehend hypnotisierend. Der Groove ist durch das Zusammenspiel des Basses von Chris Squire mit seinem Ex-Bandkollegen Bill Bruford immer gegeben, welches in Verbindung mit dem Orchester das Eintauchen in die Musik nochmals erleichtert. „Silently Falling“, „Lucky Seven“ oder „Safe (Canon Song)“ sind alles sehr eindringliche Titel, die die Herzen der Yes-Fans und derer der progressiven Musik der 70er Jahre höherschlagen lassen. Lange wunderschöne melodische und instrumentale Passagen, die sich mit Abschnitten mit der unverwechselbaren Stimme des Chris Sqiure abwechseln, lassen hier den Daumen nach oben zeigen. Dazu im Falle des Titels „Lucky Seven“ das beeindruckende Saxophon-Spiel des Mel Collins ergeben hier ein sehr überzeugendes Gesamtbild der Platte.
Die zweite CD stellt dabei eine nette Zugabe dar, wobei die remastereten Stücke kaum Unterschiede zu den Originalen aufweisen und der Mehrwert hauptsächlich von den beiden Stücken mit Alan White herrührt.
Fazit: Ein sehr gelungenes Album ist „Fish Out Of Water“ von Chris Squire geworden. Der Titel der Platte ist dabei eine Anspielung auf seinen Solo-Pfad. „Fish“ war der Spitzname des Chris Squire und „Out Of Water“ steht für seine hier dargebotene Musik, abseits von Yes. Die Melodien auf der Platte gehen ins Ohr, werden durch die eingestreute orchestrale Instrumentierung immer wieder unterstützt und bleiben auch längerfristig hängen. „Fish Out Of Water“ ist eines der wirklich sehr überzeugenden Solo-Platten der Yes-Bandmitglieder geworden. Zwölf Punkte.
Manfred Mann’s Earth Band – Nightingales & Bombers Besetzung: Manfred Mann – organ, synthesisers Mick Rogers – guitars, vocals Chris Slade – drums, percussion Colin Pattenden – bass Gastmusiker: Ruby James – backing vocals Doreen Chanter – backing vocals Martha Smith – backing vocals David Millman – viola Chris Warren-Green – violin Nigel Warren-Green – cello Graham Elliott – cello David Boswell-Brown – cello Label: Bronze Records Erscheinungsjahr: 1975 Stil: Art Rock Trackliste: 1. Spirits In The Night (6:28) 2. Countdown (3:07) 3. Time Is Right (6:34) 4. Crossfade (3:41) 5. Visionary Mountains (5:43) 6. Nightingales And Bombers (4:56) 7. Fat Nelly (3:22) 8. As Above So Below (4:13) Gesamtspieldauer: 38:06
„Nightingales & Bombers“ heißt das sechste Studioalbum der englischen Rockband Manfred Mann‘s Earth Band. Das Album wurde am 22. August 1975 in Europa auf dem Plattenlabel Bronze Records veröffentlicht, in Nordamerika erschien es auf dem Label Warner Bros. Records. Der Titel des Albums wurde laut Manfred Mann durch die Aufnahme eines Ornithologen inspiriert, der während des Zweiten Weltkriegs in Surrey, England, den Gesang von Nachtigallen aufnehmen wollte. Royal Air Force-Bomber flogen am 19. Mai 1942 zur gleichen Zeit über ihn hinweg, die auf dem Weg zum Angriff auf Mannheim waren. 197 Flugzeuge flogen den Angriff, 185 kehrten davon zurück und wurden auf ihrem Hinweg versehentlich aufgezeichnet. Die damalige Aufnahme wurde in dem Lied „As Above, So Below“ integriert.
Entgegen sonstigen Gewohnheiten der Manfred Mann‘s Earth Band sind auf „Nightingales & Bombers“ nur zwei Cover-Versionen enthalten. Lediglich der rockige Opener „Spirits In The Night“ ist ein Bruce Springsteen Cover. Das Lied „Visionary Mountains“ stammt von Pam Nestor und Joan Armatrading und ist auch gleichzeitig der Höhepunkt auf „Nightingales & Bombers“. In diesem Lied kommt die irgendwie verwunschene bis leicht mystische Stimmung des Albums am besten zum Tragen. Diese hört mal allerdings auch auf den anderen Titeln der Platte. „Nightingales & Bombers“ ist insgesamt ein typisches Manfred Mann‘s Earth Band Album geworden, zumindest der damaligen Zeit Mitte der 70er Jahre.
Es gibt auf diesem Album jede Menge Instrumentalpassagen oder gleich vollständige Instrumentallieder, auf denen der Synthesizer Sound des Manfred Mann wunderbar zur Geltung kommt und diese besondere Atmosphäre verströmt. Dies wird zusätzlich getragen durch das Zusammenspiel von Gitarre und Synthesizer, welches von den Musikern perfekt umgesetzt wird. Es gibt dabei die schwebenden Abschnitte, die rockigeren Parts aber auch ziemlich frickelige Passagen, in der die Band sehr tief in den Bereich des Progressive Rock einsteigt. Das klingt jederzeit spannend und diese besondere Stimmung der Musik der Manfred Mann‘s Earth Band macht das Hörerlebnis zu jeder Zeit und an jeder Stelle lohnenswert.
Fazit: Mitte der 70er Jahre war die Manfred Mann’s Earth Band auf dem Höhepunkt ihres Schaffens angelangt. Das Album „Nightingales & Bombers“ ist ein weiterer Beweis hierfür. Mit den Scheiben „Solar Fire“ sowie „The Good Earth“ haben die Musiker hier drei Alben in Reihenfolge hintereinander vorgelegt, die sämtlich zu überzeugen wissen. Wer Art Rock mag, der auch immer wieder in das Genre Progressive Rock eintaucht, wird „Nightingales & Bombers“ sicherlich mögen. Zehn Punkte.
Focus – Mother Focus Besetzung: Thijs van Leer – hammond organ, electric piano, grand piano, solina string machine, synthesizers, concert and alto flutes, voices, synthesizers, piano, saxophone on track 8, flute, non-lexical vocables (track 1) Jan Akkerman – guitar Bert Ruiter – bass guitar, vocals (track 2) David Kemper – drums Colin Allen – drums (track 2) Label: Polydor Erscheinungsdatum: 1975 Stil: Easy Listening, Funk Rock Trackliste: 1. Mother Focus (3:05) 2. I Need A Bathroom (3:06) 3. Bennie Helder (3:32) 4. Soft Vanilla (3:03) 5. Hard Vanilla (2:36) 6. Tropic Bird (2:43) 7. Focus IV (3:58) 8. Someone’s Crying … What! (3:19) 9. All Together … Oh, That! (3:41) 10. No Hang Ups (2:56) 11. My Sweetheart (3:37) 12. Father Bach (1:34) Gesamtspieldauer: 37:15
„Mother Focus“ heißt das fünfte Studioalbum der niederländischen Band Focus. Im Oktober des Jahres 1975 wurde das Album auf dem Plattenlabel Polydor veröffentlicht. Mit dieser Scheibe gab es eine Zäsur in der Musik von Focus. Zum einen klangen die Lieder deutlich weniger progressiv, als noch einige auf den Vorgängeralben. Die Musik der Band hört sich nun deutlich funkiger an, wie in den Jahren zuvor. Zum anderen wurde die Band mit diesem stilistischen Wechsel auch immer weniger interessant für die Fans, was auch durch die nun noch schlechteren Chartplatzierungen zum Ausdruck kam. Aber immerhin gab es diese Listungen bei „Mother Focus“ noch.
Bassist Bert Ruiter steuerte dieses Mal vier Titel zum Album bei. Mit „I Need A Bathroom“ auch die einzige Nummer, auf der gesungen wird. An dem Stilwechsel scheint Ruiter einen maßgeblichen Anteil zu haben, denn gerade die Titel, die allein aus seiner Feder stammen, klingen deutlich anders, als jene vergangener Platten. Und somit kommen wir auch gleich zu den Schwachpunkten dieser Scheibe, die insgesamt kaum mehr zu überzeugen weiß. Die weiteren Lieder des Bert Ruiter heißen „Soft Vanilla“, „Hard Vanilla“ und „Tropic Bird“. Funkige Fahrstuhlmusik wäre meiner Ohren nach eine sehr passende Umschreibung für diese Art der Musik. Das ist Langeweile pur, Easy Listening der ganz besonders üblen Sorte. Doch man muss den Bassisten von Focus in Schutz nehmen. Auch der Rest der Platte ist maximal noch Durchschnitt und gerade so eben erträglich. Sind dann doch einmal Ansätze an frühere Zeiten in der Musik von Fokus zu hören, so sind diese sehr weichgespült und klingen zumeist eher kitschig als interessant. „Focus IV“ ist dafür ein sehr gutes Beispiel. Den musikalischen Absturz, den viele Heroen des Progressive Rocks zwei bis drei Jahre später erlebten, den begingen Focus bereits im Jahr 1975.
Lediglich die beiden Nummern mit dem „!“ am Ende des Namens, setzen auch ein kleines Ausrufezeichen. „Someone’s Crying … What!“ klingt schön verträumt und phasenweise ein wenig nach Pink Floyds „Mudmen“ auf dem Album „Obscured By Clouds“. Der Höhepunkt auf „Mother Focus“ ist dann das folgende Lied „All Together … Oh, That!“. Etwas folkig angehaucht und fröhlich locker, entwickelt sich hier eine eingängige Melodie, die zumindest ein klein wenig besser ins Ohr geht. Aber Progressive Rock ist das natürlich schon lange nicht mehr.
Fazit: „Mother Focus“ ist ein Album, welches sehr viel mehr enttäuscht denn begeistert. Zumeist hört man darauf seichte, instrumentale Easy Listening Musik, die Taubheitsgefühle im ganzen Körper auslöst ohne, dass man dafür schnell zu Arzt rennen muss. Diese Risiken und Nebenwirkungen lassen sich durch einen raschen Tonträgerwechsel schnell wieder ausräumen. Sowas von langweilig. Fünf Punkte.
Anspieltipps: Someone’s Crying … What!, All Together … Oh, That!
Roxy Music – Siren Besetzung: Bryan Ferry – vocals, keyboards, harmonica John Gustafson – bass Eddie Jobson – violin, synthesizers, keyboards Andy Mackay – oboe, saxophone Phil Manzanera – guitar Paul Thompson – drums Label: Virgin Records Erscheinungsdatum: 1975 Stil: Art Pop, Glam Rock Trackliste: 1. Love Is The Drug (4:11) 2. End Of The Line (5:14) 3. Sentimental Fool (6:14) 4. Whirlwind (3:38) 5. She Sells (3:39) 6. Could It Happen To Me? (3:37) 7. Both Ends Burning (5:16) 8. Nightingale (4:11) 9. Just Another High (6:31) Gesamtspieldauer: 42:33
Am 24. Oktober 1975 erschien mit dem Album „Siren“ die fünfte Studio-Veröffentlichung der englischen Rockband Roxy Music. Ursprünglich hieß das Plattenlabel in Europa Island Records, ATCO in den USA. Die remasterte Wiederveröffentlichung auf CD erfolgte auf dem Label Virgin Records. „Siren“ kletterte im Vereinigten Königreich bis auf Platz 4 der Charts, in den USA bis auf Platz 50. In Deutschland konnte sich das Album überraschenderweise überhaupt nicht in den Charts platzieren. Das Album belegt zudem Platz 371 in der 2003er Liste des Rolling Stone Magazins der „500 Greatest Albums Of All Time“. Das Cover zeigt Bryan Ferry‘s damalige Freundin, das Model Jerry Hall, auf Felsen in der Nähe von South Stack, Anglesey. Nach den Konzerten zur Unterstützung von „Siren“ lösten sich Roxy Music im Jahr 1976 auf.
„Siren“ ist ein sehr abwechslungsreiches Album geworden und noch nicht ganz so glatt und einheitlich graten, wie jene drei Platten, die nach der Re-Union 1978 eingespielt werden sollten. Auf „Siren“ wird durchaus noch etwas experimentiert, nicht alles klingt gleich radiotauglich und geht sofort ins Ohr, wie das sich langsam entwickelnde und zunächst sehr sphärisch, schräg und entrückt klingende „Sentimental Fool“. Klasse Nummer, aus mehreren Teilen zusammengesetzt, die ihren Reiz allerdings erst nach mehreren Durchgängen freisetzt. Ganz anders gibt sich da das wohl bekannteste Lied von Roxy Music überhaupt: „Love Is The Drug“. Diese Nummer wurde selbst in den USA zum Hit, dem einzigen, den die Briten dort landen konnten. Ein Titel mit Ohrwurmcharakter, den man bereits nach dem ersten Mal des Hörens nicht mehr aus den Ohren bekommt.
Weitere schöne Nummern sind das groovende und ebenfalls ins Ohr gehende „She Sells“. Auch dieses Lied klingt im Instrumentalteil, der vom Saxophon des Andy Mackay dominiert wird, etwas schräger. Dazu gesellen sich Rhythmus- und Tempowechsel, die das Lied zu einem spannenden Erlebnis werden lassen. Schließlich sollte hier noch die letzte Nummer des Albums, „Just Another High“, Erwähnung finden. Ein etwas rockigerer Titel, der einmal mehr zeigt, welch Gespür Bryan Ferry für die eingängige Melodie besitzt.
Fazit: „Siren” ist ein schönes und abwechslungsreiches Roxy Music-Album geworden, auf dem es viel zu entdecken gibt. Noch ist nicht alles auf der Platte so uneingeschränkt radiotauglich, die Band experimentiert durchaus noch ein wenig, ohne dabei jedoch zu sehr in unerreichbare Gefilde abzudriften. Fast alles auf „Siren“ klingt und geht ins Ohr, zudem enthält die Scheibe mit „Love Is The Drug“ den wohl größten Ohrwurm der Band. Lohnt sich. Zehn Punkte.
Anspieltipps: Love Is The Drug, Sentimental Fool, She Sells, Just Another High