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Sonntag, 1. Mai 2022

Archive – Call To Arms And Angels

 



Archive – Call To Arms And Angels


Besetzung:

Darius Keeler – keyboards, piano, drum programming, sound effects, horn & string arrangements, moog
Danny Griffiths – keyboards, piano, drum programming, sound effects, horn & string arrangements
Pollard Berrier – vocals, guitars
Lisa Mottram – vocals
Holly Martin – vocals
Maria Q – vocals
Graham Preskett – piano, recorder, violin, viola, harmonica
Jim Rattigan – french horns
Paul Pritchard – french horns
Matt Round – double bass
Mickey Hurcombe – guitars
Steve Barnard – drums
Jonathan Noyce – bass, moog
Dave Pen – guitars, vocals
Eat Gas – guitars, keyboards, piano, sound effects
Steve “Keys” Watts – hammond


Label: PIAS


Erscheinungsjahr: 2022


Stil: Art Rock


Trackliste:

CD1:

1. Surrounded By Ghosts (4:30)
2. Mr Daisy (3:59)
3. Fear There and Everywhere (4:41)
4. Numbers (4:14)
5. Shouting Within (4:49)
6. Daytime Coma (14:33)
7. Head Heavy (5:13)
8. Enemy (8:38)
9. Every Single Day (4:24)

CD2:

1. Freedom (9:41)
2. All That I Have (6:29)
3. Frying Paint (4:49)
4. We Are the Same (3:58)
5. Alive (3:43)
6. Everything‘s Alright (3:12)
7. The Crown (8:31)
8. Gold (8:27)

Gesamtspieldauer CD1 (55:05) und CD2 (48:53): 1:43:58



Nachdem es zwischen den ersten zwölf Studioalben maximal drei Jahre dauerte, bis das nächste Studioalbum erschien, sind nun bereits sechs Jahre seit der letzten Archive-Veröffentlichung mit dem Titel „The False Foundation“ vergangen. Doch am 29. April 2022 wurde nun das dreizehnte Werk der Engländer (wenn man den Soundtrack zum Film „Michel Vaillant“ mitrechnet) unter dem Namen „Call To Arms And Angels“ veröffentlicht.

Archive haben mit ihren Liedern schon immer auch soziale und politische Themen aufgegriffen. So kompakt wie auf „Call To Arms And Angels“ war dies allerdings noch niemals zu hören. Egal ob Brexit, der Sturm des Capitols, die Pandemie oder die Rassenunruhen in den USA. All diese Themen halten Einzug in die Musik von Archive. Und Darius Keeler erwähnt in einem Interview, dass das Album fast wie ein Tagebuch der Geschehnisse der jüngsten Vergangenheit sei und dabei fast schon erschreckend prophetisch ist, denkt man an die jüngsten Geschehnisse in der Ukraine.

Dies zum grob umrissenen Inhalt des Albums. Doch wie hört es sich musikalisch an? Ich kenne Archive und damit auch deren Musik seit ihrem Debut mit „Londinium“ im Jahr 1996. Meine Favoriten waren dabei ihre Alben in den Nullerjahren dieses Jahrhunderts. Also „You All Look The Same To Me“, „Noise“, „Lights“ und auch noch „Controlling Crowds“. Auch die Platten danach gefielen mir, besonders noch „Axiom“, doch sie packten einfach nicht mehr ganz so stark, wie jene zuvor erschienen Alben. Das lag unter anderem auch mit daran, dass ich diese langen, sich langsam steigernden und überaus hypnotisch klingenden Lieder wie „Again“, „Lights“ oder „Controlling Crowds“ vermisste. Gerade diese Lieder machten die Musik von Archive immer ein wenig besonders, klangen besonders und packten einen besonders. Anderen Hörerinnen und Hörern klang das vielleicht sogar zu langweilig, doch mich trafen diese Lieder absolut. Und solche Stücke gibt es nun wieder auf „Call To Arms And Angels“ zu hören. Mehrere Nummern des Albums kratzen an der Zehnminutenmarke und mit „Daytime Coma“ befindet sich sogar ein viertelstündiger Longtrack auf dem Album. Mit eingängiger Redundanz wird hier wieder ein fast schon meditativer, leicht hypnotisierender Effekt erzielt.

Die Lauflänge eines Liedes sagt freilich nichts über die Qualität des Stückes an sich aus. Doch auf „Call To Arms And Angels“ variieren die Musiker nicht nur die Stimmungen und Atmosphären, die Lautstärken, Rhythmen, Tempi und musikalischen Genres innerhalb des gesamten Albums, sie variieren all diese musikalischen Zutaten auch in den einzelnen Liedern selbst. Archive spielen dabei mit Gefühlen und Emotionen, lassen niemals Langeweile aufkommen und verstehen mitzureißen. Ganz egal dabei, ob sich das Ganze eher rockig anhört oder sphärisch leicht aus den Boxen quillt, ins Ohr gehen die Lieder allesamt, bereits beim ersten Mal des Hörens. Doch es gibt auch kurze Passagen zu hören, die leicht experimentell klingen, und dabei den Gesamteindruck des Albums nochmals auflockern. Was fehlt sind allerdings Rap-Nummern, die sich auch immer mal auf frühere Scheiben von Archive verirrt hatten. Diese gibt es auf „Call To Arms And Angels“ jedoch nur ansatzweise zu hören – ich bin nicht traurig darüber.

Fazit: Auf zwei CDs oder drei LPs bekommt man mit „Call To Arms And Angels“ jede Menge Musik geboten. Archive-Musik, die sich gegenüber den letzten Veröffentlichungen nochmals positiv abhebt. Atmosphärisch dicht und abwechslungsreich hört man auf der Platte eingängige Lieder, die oftmals an frühere Zeiten in der Bandgeschichte erinnern. Positiv festzuhalten ist dabei auch der Umstand, dass Archive mit „Call To Arms And Angels“ ein Doppelalbum vorlegen in Zeiten, in denen manch andere Bands Platten veröffentlichen, die gerade mal an der 40-Minuten-Grenze kratzen. Ich bin sehr positiv überrascht. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Daytime Coma, Gold



Dienstag, 18. Oktober 2016

Archive – The False Foundation




Archive – The False Foundation


Besetzung:

Darius Keeler – keyboards, piano, sound effects
Danny Griffiths – sound effects, keyboards
G. Jukes – vocals
Dave Pen – vocals, guitar
Pollard Berrier – vocals, guitar
J.F. Dijoud – guitar
Mickey Hurcombe – guitar
Steve Barnard – drums
Jon Noyce – bass
G. Preskett – piano


Label: Dangervisit



Erscheinungsdatum: 2016


Stil: Independent Rock, Elektronische Musik, Synthie Pop, New Artrock


Trackliste:

1. Blue Faces (7:42)
2. Driving In Nails (6:47)
3. The Pull Out (5:28)
4. The False Foundation (4:27)
5. Bright Lights (3:39)
6. A Thousand Thoughts (5:30)
7. Splinters (5:02)
8. Sell Out (5:37)
9. Stay Tribal (2:11)
10. The Weight Of The World (7:24)

Gesamtspieldauer: 53:53




Das ist schon so eine Sache mit der musikalischen Weiterentwicklung einer Band. Macht sie dies nicht, so gilt sie irgendwann als langweilig, schwimmt nur noch im eigenen Saft. Macht sie doch eine gewisse Entwicklung durch, sind wieder andere Fans, meist die der „ersten Stunde“, enttäuscht und verärgert, weil die Musik nun eben nicht mehr so klingt, wie damals, zu Beginn der musikalischen Karriere. Recht machen kann man es keinem und so würde es sicherlich nicht weiter verwundern, wenn das zwölfte Studio-Album der Klangkünstler von Archive mit dem Titel „The False Foundation“, ein durchaus geteiltes Echo hinterlassen würde. Die Scheibe wurde am 7. Oktober 2016 auf dem bandeigenen Label Dangervisit veröffentlicht und hat nicht mehr ganz so viel mit den Alben zu tun, mit denen der Band Anfang der 2000er Jahre der Durchbruch gelang.

Die Grundatmosphäre auf „The False Foundation“ ist eine eher ruhige. Mit langsamen und sehr getragenen Pianoklängen wird man durch „Blue Faces“ in die Scheibe eingeführt. Der dazugehörende Gesang klingt dabei ebenso zerbrechlich, wie die zarten instrumentalen Klänge. Das hört sich durchaus sehr intensiv an und erst gegen Ende der Nummer entstehen wieder die für Archive so typischen, schwebenden, elektronischen Sounds, die nun auch mal etwas verschroben klingen können. „Driving In Nails“ im Anschluss daran, ist jetzt eher eine pulsierende Klangkollage, denn ein Lied im herkömmlichen Sinn. Schließlich trägt Pollard Berrier die einzige Textzeile des Liedes, die gleichzeitig auch dessen Titel ist, mit solch einer penetranten Monotonie vor, die zum einen fast hypnotisch wirkt, zum anderen dieses Stück kurzzeitig sogar etwas eingängig werden lässt, um dann wieder in schwebende Sphären abzudriften.

Bis hierher klingt das alles durchaus noch gut und spannend. Und auch im weiteren Verlauf des Albums folgen Lieder mit groovenden Rhythmen, genau wie sehr sanfte Passagen, in denen auf die Rhythmusfraktion völlig verzichtet wird. Mitunter gibt es diese Abschnitte, sich abwechselnd, auch in einem Lied hintereinander platziert. Sich also auf eine bestimmte Stimmung mit „The False Foundation“ einzustellen, erscheint von daher einigermaßen schwierig. Andererseits weist die Scheibe dadurch natürlich jede Menge Abwechslung auf, langweilig wird es also nie.

Trotzdem ist das Ganze manchmal etwas schwierig geraten. Und zwar immer dann, wenn Archive fast schon in den Synthie-Pop abzudriften scheinen. Dann klingen die Briten nicht mehr gut, sondern allerhöchstens noch gewagt, zum Teil allerdings auch billig. Richtiggehend fies wird dies schließlich im letzten Titel „The Weight Of The World“ ausgelebt. Ein synthetischer Sound wird von einem irgendwie hymnisch gearteten Gesang begleitet, die die Musik von Archive fast auf eine Stufe mit der eines DJ Bobo stellt. Unfassbar grauenvoll. In dieser Ausprägung allerdings dann glücklicherweise die Ausnahme auf dem Album. Dieses hat seine Stärken in den eher ruhigen Abschnitten und die etwas flotteren und gleichzeitig gelungenen Stücke wie „Splinters“, bilden da eher die Ausnahme. Allerdings, absolute Höhepunkte, wirklich herausragende Stücke, die findet man auf „The False Foundation“ leider nicht.

Fazit: Nein, die Musik von Archive ist nicht mehr mit jener zu vergleichen, für die die Band zehn bis fünfzehn Jahre zuvor stand. Wie sollte das auch möglich sein? Alles ist im Fluss, vor allem die Musik. Konnten Archive mit „Axiom“ noch beeindrucken, so ist „The False Foundation“ eine eher durchschnittliche Platte geworden. Arm an Höhepunkten, mit einem Ende, welches einen etwas kopfschüttelnd zurücklässt. Schlecht ist das trotzdem insgesamt nicht. Acht Punkte.

Anspieltipps: Blue Faces, A Thousand Thoughts, Splinters



Samstag, 17. Januar 2015

Archive – Restriction




Archive – Restriction


Besetzung:

Darius Keeler – keyboards, programming
Danny Griffith – sound effects
Pollard Berrier – vocals, guitas
Dave Pen – vocals, guitars
Jon Noyce – bass
Steve "Smiley" Barnard – drums
Holly Martin – vocals
Maria Q – vocals
Steve “Keys” Watts – hammond
Jerome Devoise – vocals
Eat Glas – guitars
Mickey Hurcombe – guitars
Tom Gaskill – drums


Label: PIAS


Erscheinungsdatum: 2015


Stil: TripHop, Pop


Trackliste:

1. Feel It (3:16)
2. Restriction (4:00)
3. Kid Corner (3:40)
4. End Of Our Days (4:52)
5. Third Quarter Storm (5:26)
6. Half Built Houses (3:31)
7. Riding In Squares (6:34)
8. Ruination (3:52)
9. Crushed (5:54)
10. Black And Blue (3:44)
11. Greater Goodbye (6:08)
12. Ladders (5:03)

Gesamtspieldauer: 56:03




Letztes Jahr veröffentlichten Archive das grandiose Album „Axiom“, ein Projekt, bestehend aus einem Film und der dazugehörenden Musik. Nun, im Januar 2015 wurde das jetzt bereits zehnte Studio-Album der Engländer mit dem Namen „Restriction” veröffentlicht. Dieses erinnert sehr viel mehr an den Vor-Vorgänger „With Us Until You're Dead“, als an jenes „Axiom“ aus dem Jahr 2014. Die einzelnen Lieder sind wieder kompakter geworden, die „normale“ Songstruktur wird nun eher eingehalten und auch von der Stimmung her, kann diese Scheibe durchaus Erinnerungen an das achte Studioalbum hervorrufen.

Wie auch üblich bei Archive, wird der Gesang wieder großzügig aufgeteilt. Mal hört man Pollard Berrier, mal Dave Pen beim Singen zu. Und auch Holly Martin und Maria Q kommen zu ihren Einsetzen, sodass auch die weibliche Stimme auf „Restriction” nicht zu kurz kommt. Die Beats werden dem Hörer oftmals kräftig um die Ohren geschleudert, mit denen sich Archive wieder sehr stark dem Trip Hop vergangener Zeiten annähert. Aber es geht auch ganz anders, wie uns Holly Martin und Darius Keeler bei „End Of Our Days“ beweisen. Gefühlvoll leiten lediglich diese beiden Musiker ihre Hörer durch eine sehr melancholische Nummer, die äußerst sanft aus den Boxen zu gleiten scheint. Dass allerdings auch die Sänger auf „Restriction“ sanft und einfühlsam zu singen in der Lage sind, das beweist Dave Pen gleich mit der nächsten Nummer „Third Quarter Storm“. Dann wird es mit „Half Built Houses“ sogar richtig bewegend und irgendwie sogar romantisch. Maria Q gibt alles bei ihrem Gesang singt und dieses Lied setzt sich sofort im Ohr des Hörers fest. Wirklich sehr gut und überzeugend gemacht.

Nun, dann wird auf der Scheibe erneut erst mal wieder deutlich mehr Wert auf den Rhythmus gelegt, obwohl das nicht bedeutet, dass auch das Tempo ordentlich angezogen wird. Das Ganze gipfelt in „Ruination“, bei dem sich Drummer Steve „Smiley“ Barnard so richtig austoben darf. Dankbar muss man Archive an dieser Stelle auch sein, dass sie eine solche Rhythmusarbeit eben nicht dem Synthesizer überlassen. „Crushed“ besitzt eine eingängige, wenn auch sehr einfach gestrickte Melodie und groovt sehr gut. Erwähnung finden sollte hier auch noch die Nummer „Black And Blue“, bei der Holly Martin erneut mit ihrem gefühlvollen Gesang zu überzeugen weiß.

Fazit: Nein es ist nicht mehr die Band Archive von den Alben „You All Look The Same To Me“ oder „Noise“. Und es ist auch kein zweites „Axiom“ geworden, diese zehnte Platte der Briten. „Restriction“ ist ein handwerklich gut gemachtes und perfekt abgemischtes Album von Archive. Die drei eben erwähnten Platten waren jedoch irgendwie spezieller, etwas Besonderes eben. Das ist „Restriction“ nicht mehr, wahrlich keine schlechte Platte zwar, aber auch nicht das Beste, was Archive bisher vorgestellt hat. Die Höhepunkte liegen in den ruhigeren Titeln, denn diese können vor allem durch harmonische Melodieführungen und einfühlsamen Gesang überzeugen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: End Of Our Days, Half Built Houses, Black And Blue



Sonntag, 11. Januar 2015

Archive – Axiom




Archive – Axiom


Besetzung:

Darius Keeler – keyboards, programming
Danny Griffith – sound effects
Pollard Berrier – vocals
Dave Pen – vocals, guitars
Jon Noyce – bass, moog bass
Steve "Smiley" Barnard – drums
Holly Martin – vocals
Maria Q – vocals
Steve Harris – guitars
Graham Prescett – piano


Label: PIAS


Erscheinungsdatum: 2014


Stil: TripHop


Trackliste:

1. Distorted Angels (3:22)
2. Axiom (10:00)
3. Baptism (5:02)
4. Transmission Data Terminate (4:57)
5. The Noise Of Flames Crashing (4:16)
6. Shiver (7:32)
7. Axiom - Reprise (4:25)

Gesamtspieldauer: 39:37




Archive waren schon immer eine besondere Band. Das sind sie auch dieses Mal, mit ihrem neunten Album „Axiom“. Aber ist das überhaupt ein „normales“ Album? Die Musiker selber bezeichnen es als „Projekt“, denn dieses Album ist gleichzeitig auch ein Film, der neben der CD als DVD dem Album beiliegt. In diesem Film wird eine sehr düstere Science Fiction Geschichte erzählt. Er wurde in Schwarzweiß gedreht und zeigt in zum Teil sehr drastischen, beängstigenden und auch surrealen Bildern das Leben auf der Insel „Axiom“, auf der die „Religion der Glocke“ herrscht, die der Führer John Preacher predigt und mit Gewalt durchsetzt. Wer dieser „Glaubensrichtung“ nicht angehört, wird entsprechend verfolgt und bekämpft. Richtig gruselig zum Teil.

So düster wie der Film ist dementsprechend auch die dazugehörige Musik, die sich über den gesamten Film erstreckt. Und klar ist das wieder typisch Archive. Die Sounds und Beats kennt man von der Band. Das wiederum bedeutet für das Hörerlebnis allerdings keinen Abbruch. Die Musik ist unglaublich intensiv, genau wie die Bilder des Films. Somit bilden Musik und Film im Grunde genommen eine nicht zu trennende Einheit. Aber natürlich kann das Album auch sehr gut ohne den dazugehörigen Film gehört werden. Kraftvoll und intensiv wirkt dieses auch ohne die Bilder. Dabei sollte man sich zunächst jedoch unbedingt die Zeit nehmen, sich auf das zu Hörende zu konzentrieren. Nebenbei gehört, zudem beim ersten Mal, kann diese Musik nichts von ihrer Eindringlichkeit vermitteln und wirkt sogar, durch einige vorhandene treibende Parts, fast schon verstörend. Nein auf „Axiom“ muss man sich konzentrieren, um in eine musikalische Landschaft eintauchen zu können, die es wahrlich lohnt entdeckt zu werden.

Jedes Lied wirkt auf „Axiom“. Die beiden Titelstücke stellen dabei Instrumentalnummern dar. Und gerade der erste Part ist dabei absolut intensiv. Zwar benötigt dieser Titel einige Zeit, bis er so richtig durchstartet, da zu Beginn hauptsächlich Glockenläuten zu hören ist, wird dann jedoch umso packender und einnehmender. Eine Soundlandschaft breitet sich um den Hörer aus, die voller und intensiver kaum sein kann. Allgemein gibt es auf dem Album keinen Ausfall zu beklagen. Alles wirkt und klingt überzeugend. Auch die verschiedenen Sänger wissen, mit ihrem zum Teil an Verzweiflung grenzenden Gesang, immer wieder restlos zu überzeugen.

Fazit: Man kann es in einem Lexikon nachschlagen: Die Dystopie oder auch Anti-Utopie (von griechisch dys- = un; topos = Ort) genannt, ist eine Geschichte, die in einer negativen erfundenen Gesellschaft spielt. Häufig wollen die Autoren dystopischer Geschichten mit Hilfe eines negativen Zukunftsbildes vor Entwicklungen in der Gegenwart warnen. Ob dies wirklich der Gedanke hinter der Story von „Axiom“ ist, kann ich nicht beurteilen. Der spanische Regisseur Jesus Hernandez hat jedoch genau solch eine Dystopie mit seinem Film erschaffen. Archive haben schließlich die passende Musik dazu geliefert. Oder war das Ganze genau andersherum? Das weiß ich ehrlich gesagt ebenfalls nicht, spielt auch keine Rolle, wenn man sich das Endergebnis ansieht und anhört. Das ist nämlich kurz gesagt ergreifend, berührend und überzeugend. Vierzehn Punkte.

Anspieltipps: Distorted Angels, Axiom, Baptism, Transmission Data Terminate, The Noise Of Flames Crashing, Shiver & Axiom – Reprise. Ups, das ist ja alles…

Und hier gibt's den kompletten Film:



Sonntag, 24. März 2013

Archive – Controlling Crowds Part IV




Archive – Controlling Crowds Part IV


Besetzung:

Pollard Berrier – vocals, guitar, keyboards
Danny Griffiths – keyboards, sound effects
Darius Keeler – keyboards


Gastmusiker:

Smiley – drums
Maria Q – vocals
Dave Pen – vocals, guitar
Jonathan Noyce – bass
Steve Harris – guitar
Roscoe John – vocals
Steve “Keys” Watts – hammond organ, organ
Anita Hall – triangle
Lee Pomeroy – mellotron
Graham Preskett – piano


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: Pop bis Progressive Rock


Trackliste:

1. Pills (4:13)
2. Lines (6:04)
3. The Empty Bottle (7:03)
4. Remove (4:06)
5. Come On Get High (4:41)
6. Thought Conditioning (3:39)
7. The Feeling Of Losing Everything (4:48)
8. Blood In Numbers (3:05)
9. To The End (3:55)
10. Pictures (3:55)
11. Lunar Bender (3:26)

Gesamtspieldauer: 48:55




Nur wenige Monate nach „Controlling Crowds Parts I-III“ veröffentlichte Archive „Controlling Crowds Part IV“ Zu schnell danach? Fast könnte man es meinen, wenn man die verschiedenen Ideen auf den beiden Veröffentlichungen miteinander vergleicht. Zwar gibt es auf „Controlling Crowds Part IV“ auch außergewöhnliche Momente, allerdings sind diese deutlich rarer gesät, als bei dem Vorgänger. Zu den herausragenden Stücken gehört sicherlich der Titel „The Empty Bottle“. Eine Nummer mit einer wunderschönen Melodie, die ebenfalls wieder, wie so häufig bei Archive, von seiner Steigerung lebt. Auch dieses Mal wurde diese Herangehensweise an ein Lied perfekt umgesetzt. Ebenfalls sehr gut gelungen ist noch „To The End“, ein sehr ruhiges und sentimentales Stück. Instrumentiert ist das Ganze durch einen wahrlich schönen Pianoteppich, in den sich die anderen Instrumente perfekt einfügen und anschließend ausbreiten können. Dieses Lied wird übrigens genau wie „The Empty Bottle“ von Dave Pen gesungen.

Das waren sie aber auch schon, die beiden absoluten Höhepunkte des Albums. Ebenfalls noch ein wenig hängenbleiben kann „The Feeling Of Losing Everything“. Auch bei diesem Track handelt es sich wieder um ein sehr ruhiges Stück, wobei überhaupt festzustellen ist, dass „Controlling Crowds Part IV“ mit deutlich leiseren Tönen aufwartet, als dies sein Vorgänger noch tat.

Es wird zwar insgesamt erneut sehr viel Wert auf die Atmosphäre gelegt bei den einzelnen Stücken auf „Controlling Crowds Part IV“, diese wird allerdings von der Band nicht in dem Maße erreicht, wie noch auf den ersten drei Teilen von „Controlling Crowds“, die alle auf einer einzigen CD erschienen. Die restlichen Lieder sind zugegebenermaßen durch die Bank nicht richtig schlecht, bleiben allerdings jedoch auch nicht hängen. Sie lassen das „Besondere“ vermissen, was einen sehr guten von einem normalen Track unterscheidet. Negativ fallen mir wieder „Lines“ und „Thought Conditioning“ auf, auf denen mittels Roscoe John wieder gerappt wird. Aber das ist wohl mein persönliches Problem.

Fazit: Vielleicht hätte es einer längeren Schaffenspause bedurft, um noch mehr als die zweieinhalb sehr guten Stücke auf die CD zu pressen. Das Album ist mit Sicherheit kein Ausfall, liegt aber trotzdem qualitativ meilenweit hinter den besten Alben, die Archive bisher veröffentlicht hat. Von mir gibt es dafür acht Punkte.

Anspieltipps: The Empty Bottle, The Feeling Of Losing Everything, To The End





Samstag, 15. September 2012

Archive – With Us Until You’re Dead





Archive – With Us Until You’re Dead


Besetzung:

Darius Keeler – keyboards, string arrangements, programming
Danny Griffiths – keyboards, sound effects
Pollard Berrier – vocals, guitar
Dave Pen – vocals, guitar
Maria Q – vocals
Holly Martin – vocals
Smiley – drums
Steve Harris – guitar
Mike Hurcombe – guitar
Jonathan Noyce – bass
Simon Lole – orchestra conduction, string arrangements
Supersonic Belgian Orchestra – orchestra


Label: V2 Records International


Erscheinungsdatum: 2012


Stil: ArtPop


Trackliste:

1. Wiped Out (6:20)
2. Interface (4:43)
3. Stick Me In My Heart (3:57)
4. Conflict (5:02)
5. Violently (6:24)
6. Calm Now (3:54)
7. Silent (5:39)
8. Twisting (4:02)
9. Things Go Down (1:52)
10. Hatchet (4:16)
11. Damage (6:50)
12. Rise (2:49)

Gesamtspieldauer: 55:46




Mit ihrem neunten Studioalbum „With Us Until You’re Dead“ ist die Band Archive, die inzwischen bereits vier verschiedene Sänger beschäftigt, noch einen Schritt weiter in Richtung elektronischer Musik vorangeschritten. Die Musik von Archive war zwar von jeher sehr geprägt vom Keyboard- und Synthesizer-Sound der Herren Keeler und Griffiths, hier wirkt alles allerdings noch einen Tick elektronischer, als auf den früheren Platten.

Jede Menge Loops und kaum mehr Gitarren werden dem Hörer auf „With Us Until You’re Dead“ präsentiert. Mit progressiver Rockmusik, in dessen Randgebieten sich Archive mitunter auch immer wieder betätigten beziehungsweise bewegten, hat das Album nur noch sehr wenig und nur noch mit viel Phantasie zu tun.

Überzeugen kann die Musik aber trotzdem immer wieder. Da sind zum Beispiel die beiden Nummern mit der neuen Sängerin Holly Martin „Violently“ und „Hatchet“. Diese soulige Stimme hat was. Dazu kommen noch treibende Rhythmen und Melodien die schnell zünden - und fertig sind zwei mitreißende Lieder.

„Calm Now“ ist wieder einer dieser langsamen und wunderschön harmonischen Titel, der ganz von der Stimmung lebt, die er verbreitet. Fast schon monoton entfaltet sich hier ein Klanggebilde, welches durch den Einsatz diverser Streicher noch an Intensität gewinnt. Überhaupt der Orchestereinsatz, der immer wieder in den einzelnen Nummern Verwendung findet, ist überaus gelungen und erweitert das klangliche Spektrum der Band auf eine interessante Art und Weise.

Aber es gibt auch Altbewährtes zu hören. Der Opener „Wiped Out“ hätte auch gut auf „Lights“ gepasst, genau wie „Stick Me In My Heart“. „Conflict“ erinnert an die „Controlling Crowds“-Phase, „Interface“ ist dagegen fast schon irgendwie eine Reminiszenz an die ganz frühen Anfänge von Archive. Und auch bei den weiteren Titeln lassen sich immer wieder Parallelen ausmachen, die Erinnerungen zu vorherigen Archive-Alben hervorrufen.

Fazit: Archive haben sich mit „With Us Until You’re Dead“ nicht neu erfunden. Weltbewegendes Neues gibt es also nicht zu hören, dies war irgendwie aber auch nicht zu erwarten. Und so bleibt festzuhalten, dass zwar die Longtracks auf dem neuen Album fehlen, diejenigen, die Achive mögen, mit diesem Album jedoch die Möglichkeit haben, eine kleine Zeitreise durch die Diskographie der Band zu unternehmen. Und die macht durchaus Spaß. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Conflict, Violently, Calm Now, Silent, Hatchet, Damage







Samstag, 1. September 2012

Archive – Lights





Archive
– Lights



Besetzung:

Pollard Berrier – vocals, guitar
Danny Griffiths – guitar, harmonica, percussion
Darius Keeler – bass, programming


Gastmusiker:

Maria Q – vocals
Lee Pomeroy –bass, mellotron
Smiley – drums
Steve Harris – guitar
Steve “Keys” Watts – hammond
Archive and Glen Gordon – horn arrangement
Adrian Northover – alto sax
Phil Walton – tenor/baritone sax
Caroline Hall – trombone
Glen Gordon – trumpet
Dom Brown – guitar
Dave Penny – vocals, guitar
Mike Hurcombe – guitar
Peter Barraclough – guitar
Matt Martin – drums
The Poppet – Shakers
Jane Hanna – Horn


Label: Warnermusic


Erscheinungsdatum: 2006


Stil: Pop bis Progressive Rock


Trackliste:

1. Sane (4:27)
2. Sit Back Down (6:36)
3. Veins (4:02)
4. System (4:02)
5. Fold (4:38)
6. Lights (18:29)
7. I Will Fade (3:09)
8. Headlights (3:32)
9. Programmed (5:45)
10. Black (2:52)
11. Taste Of Blood (4:35)

Gesamtspieldauer: 1:02:07




Craig Walker hatte die Band verlassen. Der Sänger, der auf den letzten drei Alben seine Botschaft so schön verzweifelt herausschrie, wurde auf der sechsten Veröffentlichung von Archive gleich durch drei Personen ersetzt. Hauptsächlich Pollard Berrier übernahm die Vocals, aber auch Maria Q ist dort wieder zu hören und Dave Penny. Alle drei machen ihre Sache nicht schlecht, auch wenn der bereits langfristige Archive Fan die schöne emotionale Stimme eines Craig Walker vermissen wird.

Aber nicht nur der Gesang hat sich gewandelt, auch die Stimmung der Musik und die Musik selbst. Ein Kracher ist auf jeden Fall auch auf diesem Werk von Archive enthalten, wobei „Kracher“ nichts über die Schnelligkeit oder Lautstärke des Stücks aussagen soll. Der Titeltrack „Lights“ ist gemeint. In bester Archive-Manier wird hier ein Thema bis ins Unendliche wiederholt und gesteigert ohne, dass es dabei an Klasse verlieren oder aber in die Langweiligkeit abdriften würde. Ein Stück zum Zurücklehnen und Genießen ist das, was so herrlich entspannt aus den Boxen wabert. Eine klasse Nummer.

Dabei wären wir allerdings auch schon bei den Schwächen des Albums. Da gibt es so Stücke mit treibenden Beats wie „Sane“, „Sit Back Down“, „System“, „Programmed“ oder „Black“. Und auch ganz ruhige und schwebende Kompositionen wie „Fold“, „I Will Fade“ oder „Taste Of Blood“. Kein Track davon ist schlecht, aber es handelt sich dabei eben auch nicht um diese beeindruckenden und nachhaltigen Stücke, wie sie zum Beispiel noch auf der letzten Veröffentlichung, „Noise“ häufiger vertreten waren. Die Stücke, die deutlich poppiger sind, bleiben dieses Mal nicht so im Ohr hängen und da hilft auch kein „mehrmaliges“ Hören.

Fazit: „Lights“ ist ein sehr viel einfacheres Album als sein Vorgänger. Auch wenn die CD keine richtig schlechten Nummern enthält fehlt ihm, bis auf den Titeltrack, das „gewisse Etwas“, was das Album zu einem Höhepunkt im Schaffen von Archive werden lassen würde. Für Einsteiger in das „Archive-Universum“ würde ich daher eher den Vorgänger oder den Nachfolger empfehlen. Für Fans ist allerdings auch dieses Album Pflicht. Von mir gibt es dafür 9 Punkte.

Anspieltipps: Lights, Taste Of Blood, Sit Back Down



Donnerstag, 2. August 2012

Archive – Noise





Archive – Noise


Besetzung:

Craig Walker – vocals
Danny Griffiths – guitar, harmonica, percussion
Darius Keeler – bass, programming


Gastmusiker:

Smiley – drums
Steve “Keys” Watts – hammond
Lee Pomeroy –bass
Steve Harris – guitar
Archive and Graham Preskett – strings
Carl Holt – bass
Pete (Cluff) – guitar
James Tonkin – guitar


Label: Warnermusic


Erscheinungsdatum: 2004


Stil: Progressive Rock


Trackliste CD:

1. Noise (6:44)
2. Fuck U (5:14)
3. Waste (9:58)
4. Sleep (6:51)
5. Here (1:03)
6. Get Out (4:30)
7. Conscience (4:17)
8. Pulse (4:50)
9. Wrong (0:57)
10. Love Song (6:21)
11. Me And You (7:57)

Gesamtspieldauer: 58:42


Trackliste DVD:

1. Again (Video)
2. Men Like You (Video)
3. Gangsters (Video)
4. Conscience (Video)
5. St Malo (Video)




Rechnet man den Soundtrack zu dem Film „Michel Vaillant“ mit hinzu, so ist „Noise“ bereits das fünfte Album der drei Engländer. Und es bleibt gleich festzuhalten: Wieder konnten sie sich steigern.

Die CD beginnt gleich mit dem Titeltrack, „Noise“. Das Stück ist richtiggehend hypnotisierend und lebt von seinem Gitarrenspiel. Immer wieder wird das Grundthema wiederholt. Dazu passt perfekt der Gesang Craig Walkers, der hier seine Botschaft rau hinaussingt. Viel Abwechslung gibt es nicht in diesem fast siebenminütigen Song, muss es auch nicht, denn das Grundthema wird perfekt gesteigert, sodass niemals Langeweile aufkommt.

Der nächste Track „Fuck U“ ist ein Klassiker und wurde bereits von Placebo gecovert. Während einer schönen Melodie wird da über jemanden ziemlich hergezogen, dass diesem die Ohren klingeln müssen. Der Text ist dabei so eindeutig, dass man ihn noch nicht einmal deutschen acht- oder neunjährigen Kindern vorspielen kann, denn den verstehen sogar diejenigen, die des Englischen nicht so mächtig sind. Klasse hier auch wieder die Steigerungen im Stück.

„Waste“ ist dann ein weiteres Highlight der Silberscheibe. Fängt das längste Stück der CD noch ganz langsam und getragen an, so verändert sich die Instrumentierung bei 3:35 ein wenig, ein Synthesizer setzt ein, bis dann bei 4:08 ein knallharter Drumssound einsetzt und das Lied Fahrt aufnimmt. Die Becken werden dabei völlig übersteuert wiedergegeben, um noch einen größeren Abstand zum bisherigen Lied zu erzielen. Schließlich setzt Craig Walker wieder ein und schreit seine Botschaft, „Waste on you, I’ve got time to waste on you“, heraus. Absolut genial umgesetzt. Ein klasse Lied und ein großes Highlight im Schaffen der Band Archive.

Der nächste Track „Sleep“ kommt dann zunächst wie ein Schlaflied daher. Nur ganz zart instrumentiert und mit einem fast schon geflüsterten Gesang. Dann setzen die Streicher ein und das Lied steigert sich weiter, bis es richtig orchestral wird. Nach dem kurzen „Here“, kommt dann ein weiterer Höhepunkt der Platte. „Get Out“ Ein Track, der auch von seinen manchmal „schrägen Tönen“ lebt und ebenfalls das aufweist, was Archive hier auf der Platte absolut perfektioniert haben: Eine tolle Steigerung. Klingt es in der Strophe noch ein wenig dumpf und verzerrt, so wird es beim Refrain ganz klar und hell. Toll gemacht.

Was folgt, sind weitere fünf Lieder, die zwar nicht mehr die Genialität der ersten Stücke erreichen, aber immer noch gut und vor allem hörenswert sind. Da ist das fast schon verstörende „Pulse“ oder aber das sehr ruhige „Me and You“. Da gib es den etwas experimentellen „Love Song“, genau wie das meist schwebende „Conscience“. In der Edition mit DVD kann man sich dann noch fünf Videos ansehen. Da diese Ausgabe meist nur wenige Euro mehr kostet, als die einfache Edition, lohnt sich auch hier der Kauf.

Fazit: „Noise“ ist ein tolles Album mit vielen klasse Liedern. Es gibt keinen richtigen Ausfall auf der Scheibe (es ist kein Hip Hop Track dabei), sogar ganz im Gegenteil, einige der besten Stücke von Archive befinden sich auf diesem Silberling. Klasse Musik, die den Kauf der CD lohnt. Von mir gibt es dafür 13 Punkte.

Anspieltipps: Fuck U, Waste, Get Out



Sonntag, 1. Juli 2012

Archive – You All Look The Same To Me





Archive – You All Look The Same To Me


Besetzung:

Craig Walker – vocals
Danny Griffiths – guitar, harmonica, percussion
Darius Keeler – bass, programming


Gastmusiker:

Pete Barraclough – guitar
Steve Harris – guitar
Dominic Brown – guitar
Lee Pomeroy – bass
Smiley – drums
Steve Emney – drums
Annelise Truss – viola, violin
Maria Q – vocals
Jane Wall – vocals
Steve “Keys” Watts – hammond, rhodes
Carl Holt – trumpet
Alan Glen – harmonica
Tom Brazelle – harmonica
Anita Hill – guest triangalist


Label: Warnermusic


Erscheinungsdatum: 2002


Stil: Progressive Rock


Trackliste CD1:

1. Again (16:20)
2. Numb (5:47)
3. Meon (5:43)
4. Goodbye (5:39)
5. Now And Then (1:23)
6. Seamless (1:43)
7. Finding It So Hard (15:33)
8. Fool (8:29)
9. Hate (3:44)
10. Need (2:28)


Trackliste CD2:

1. Absurd (5:01)
2. Junkie Shuffle (10:41)
3. Sham (5:05)
4. Men Like You (3:57)

Gesamtspieldauer CD1 & 2: 1:31:33




Es gibt wohl nur wenige Bands wie „Archive“, die es schaffen, mit solch wenig Abwechslung innerhalb eines Liedes, eine überaus spannende Atmosphäre zu schaffen. Das fängt auf „You All Look The Same To Me“ gleich mit dem Übersong „Again“ an. Über 16 Minuten läuft dieser Track und eigentlich passiert darin nicht viel, trotzdem begeistert das Lied mit seinen langsamen, ganz langsamen Steigerungen. Klasse passt dazu auch die Stimme Craig Walkers, der es schafft noch mehr Melancholie aus dem Lied herauszupressen, als es die Instrumentierung und Melodie alleine schaffen würden.

Aber es sind noch weitere tolle Lieder auf der CD. Da wäre dieses herrlich schwebende und sphärische „Meon“. Auch hier erfolgt wieder eine ganz zarte Steigerung. Schließlich setzt als Zweitstimme Maria Q neben den Streichern ein und schon hat man sie wieder, die perfekte Melange an Stimmungen, die das Relaxen und Träumen beim Hören der einzelnen Titel ermöglichen.

Der andere Longtrack auf dem Album, „Finding It So Hard“, überrascht dann durch einen Rhythmus, der ziemlich treibend daherkommt ohne, dass sich Sänger Craig Walker dadurch aus der Ruhe bringen lassen würde. Als Kontrapunkt zieht er seinen Gesang ruhig und leise durch das ganze Lied. Das enthält gegen Ende auch immer schrägere Töne und bildet einen guten Kontrast zum Rest des Albums.

Alle anderen Tracks sind eher ruhige, verträumte Stücke, die quasi aus den Boxen schweben. Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man sich die Doppel-CD-Version zulegen, da sich auf der zweiten CD vier weitere Lieder befinden, die durch Nichts gegenüber den Tracks auf der ersten CD abfallen. Besonders gelungen ist hier das knapp elfminütige Stück „Junkie Shuffle“, welches erneut als Stilmittel eine klasse Steigerung aufweist. Aber auch das Lied „Sham“ kann gefallen. Klasse hier auch der tolle Refrain. Die Doppel-CD-Version kostet dabei auch nur unwesentlich mehr, als die Version mit nur einer Silberscheibe. Hier lohnt sich das Zugreifen.

Fazit: „You All Look The Same To Me“ ist größtenteils ein sehr leises Album und beinhaltet mit „Again“ einen der besten Titel von Archive. Die anderen Stücke sind meist ebenfalls eher ruhig gehalten, bis auf die beiden noch vorhandenen Longtracks: „Finding It So Hard“ sowie „Junkie Shuffle“, die auch von ihren schrägen Tönen leben. An TripHop erinnert auf dieser Scheibe nur noch sehr wenig, dafür bekommt man mit diesem Album sehr viel atmosphärische Musik, die zum Teil richtig hypnotisierend wirkt. Ach ja, besonders positiv: Auf dem Album gibt es keine Rap-Einlagen wie auf manch anderer Veröffentlichung von „Archive“. Von mir gibt es dafür 11 Punkte.

Anspieltipps: Again, Meon, Fool, Junkie Shuffle, Sham



Mittwoch, 14. März 2012

Archive – Michel Vaillant





Archive – Michel Vaillant


Besetzung:

Craig Walker – vocals
Darius Keeler – keyboards, bass
Danny Griffiths – guitars


Gastmusiker:

Smiley – drums
Carl Holt– bass guitar
Steve Harris – guitar
Graham Preskett – additional piano
Steve Emney – drums
Lee Pomeroy – bass guitar
Steve Watts – hammond, rhodes organ
Maria Q – backing vocals


Erscheinungsjahr: 2003


Stil: Soundtrack, Artrock


Label: Warner Music


Trackliste:

1. Le Mans (4:52)
2. Bridge Scene (5:33)
3. Helicoptere (6:13)
4. Come To Me 1 (3:14)
5. Vaillant Theme (3:48)
6. Nothing (3:23)
7. Friend (4:26)
8. Nightmare Scene (3:20)
9. Leader Theme (3:36)
10. Nightmare Is Over (4:37)
11. Vaillant (Acoustic) (1:35)
12. Night Time (2:11)
13. Red (1:27)
14. Come To Me 2 (6:35)

Gesamtspieldauer: 54:49




Bei dem Album “Michel Vaillant” handelt es sich um den Soundtrack zum gleichnamigen Film, der 2003 von Luc Besson produziert wurde und unter anderem Diane Krüger und Peter Youngblood Hills in den Hauptrollen zeigte. Michel Vaillant ist ursprünglich eine Comic-Figur des französchisch-begischen Zeichners Jean Graton und behandelt dessen Abenteuer als Autorennfahrer. Somit unterscheidet sich „Michel Vaillant“ auch von den anderen Veröffentlichungen der Band Archive in einigen Punkten.

Zunächst fällt auf, dass der für Archive fast schon obligatorische Longtrack auf dieser Veröffentlichung fehlt. Aber auch die Musik unterscheidet sich von „You All Look The Same To Me“ und „Noise“, den beiden Alben, die zeitlich gesehen um dieses herum veröffentlicht wurden. Dies ist sicherlich dem Umstand geschuldet, dass es sich hierbei eben nicht um ein „normales“ Studioalbum, sondern um einen Soundtrack handelt. Deutlich wird dies vor allem bei den Liedern „Le Mans“, „Nightmare Scene“ und „Red“, die mehr oder weniger Klangteppiche darstellen, um bestimmte Szenen zu untermalen. In eine ähnliche Kategorie fällt auch das fast ausschließlich instrumental gehaltene „Helicoptere“.

Ich habe den Film nicht gesehen und kann somit nicht beurteilen, wie die einzelnen Szenen zur Musik passen. Aber es bleibt festzuhalten, dass einige Sequenzen in diesem Film unglaublich schnulzig sein müssen, denn nur so ist ein Lied wie „Friend“ zu erklären, welches wahnsinnig schmalzig aus den Boxen wabert. Dies belegt die Musik, wie auch der Text - und wenn dann zur Rhythmusgenerierung auch noch ein Mitklatschen herhalten muss, dann schmerzt das doch gewaltig. In eine ähnliche Schublade passen auch die Lieder 4 und 11, „Come to me 1 und 2“.

Aber dieser Soundtrack enthält auch richtig gelungene Stücke, die auch auf den anderen Veröffentlichungen Archives zu den Highlights gehören würden. Das Instrumentalstück „Vaillant Theme“ zum Beispiel stellt weniger einen Klangteppich dar, sondern wartet viel mehr mit einer wunderschönen Melodie auf, die auch in ihrer Steigerung zu überzeugen weiß. Ebenso der Track Vaillant (Acoustic), der hauptsächlich von einer gezupften Gitarre und dem hier fast schon gehauchten Gesang Craig Walkers getragen wird. Und natürlich „Bridge Scene“, zweifellos eines der besten Lieder, die Archive bisher auf CD gepresst haben. Eine sehr ruhige Melodie wird hier immer weiter gesteigert, bis sie über dissonante Töne und einem fast schon erlösenden Snare-Einsatz quasi explodiert. Absolut klasse. Auch sehr gut: „Night time“. Toll passt hier wieder der Gesang von Craig Walker, der seine Botschaft dieses Mal so schön verzweifelt hinausschreit.

Fazit: Sicher das falsche Album zum Einstieg, wenn man beginnen möchte, sich mit der Musik von Archive genauer zu beschäftigen. Für Fans und Sammler aber ein Muss, da sich auf dem Album neben Längen auch besagte Highlights befinden. Acht Punkte.

Anspieltipps: Bridge Scene, Vaillant Theme, Night Time



Samstag, 7. Januar 2012

Archive – Take My Head





Archive – Take My Head


Besetzung:

Darius Keeler – keyboard
Daniel Griffiths – guitar, bass, keyboard
Suzanne Wooder – vocals
Matheu Martin – percussion


Gastmusiker:

Jane Hanna – french horn (1, 3, 6, 7)
Neil Taylor – guitar (2, 5, 6)
Lee Pomeroy – bass guitar (3, 4, 5, 7, 9), guitar (4, 7)
Toby Pitman – guitar (10)
Peter Barraclough – flute (5)
Nicholas Strasburg – flute (5)
Ali Keeler – violin (7)
Emily Keeler – recorder (7)
Colin Goody – harmonica (8)
Steve Watts – hammond organ (9)
Peter Lockett – percussion (9)
Caroline Dale – cello (9)


Label: Independiente Ltd


Erscheinungsdatum: 1999


Stil: Pop / Trip-Hop


Trackliste:

1. You Make Me Feel (4:06)
2. The Way You Love Me (3:33)
3. Brother (3:45)
4. Well Known Sinner (4:24)
5. The Pain Gets Worse (4:35)
6. Woman (3:39)
7. Cloud In The Sky (4:41)
8. Take My Head (4:40)
9. Love Summer (4:48)
10. Rest My Head On You (6:55)

Gesamtspieldauer: 45:06




Das ist so eine Sache mit der Weiterentwicklung von Bands. Die einen legen mit den ersten Alben gleich den Höhepunkt ihres Schaffens vor, bei anderen entwickelt sich alles erst von Album zu Album. Und zu letzter Gruppe gehört auch die englische Formation „Archive“, bei der lediglich die beiden Musiker Darius Keeler und Daniel Griffiths eine Konstante darstellen. Alle anderen Musiker der Band tauchen mal auf, verschwinden dann wieder und zum Teil hört man sie erst jahrelang später erneut mit „Archive“ musizieren. Beim Album „Take My Head“, der zweiten Veröffentlichung von "Archive" aus dem Jahr 1999, ist das auch so. Klar, Keeler und Griffiths sind dabei und als Drummer Matheu Martin, der auch auf dem Debut „Londinium“ schon für einen Track die Drums beisteuern durfte. Dies ist allerdings genauso sein letzter Auftritt für „Archive“, wie der für Suzanne Wooder, die auf „Take My Head“ alle Vocals beisteuert.

Nun die Musik auf dem Album ist irgendwo zwischen Trip-Hop und Pop anzusiedeln. Hip-Hop findet nicht mehr statt, der sollte erst auf späteren Alben wieder ab und zu auftauchen. „New Artrock“, „Post Rock“ oder psychedelische Musik, wie man sie auf den späteren Alben der Band antrifft, sucht man auf „Take My Head“ allerdings ebenfalls fast noch vergebens.

Krachend beginnt das Album mit „You Make Me Feel“. Immer wieder wird dieser „laute“ Teil durch ruhige Abschnitte mit Gesang unterbrochen. Das Stück hat was, auch wenn die mehrstimmigen Vocals irgendwie zu süßlich rüberkommen. „The Way You Love Me“ heißt anschließend das nächste Stück. Und was der Titel des Songs schon vermuten lässt, bestätigt sich dann auch beim Hören des Liedes: Ein ganz, ganz seichter Popsong wird dem Hörer da geboten. „Brother“, der dritte Track des Albums, steht dem leider in nichts nach. Dabei beginnt das Stück ganz interessant mit einem Piano, nimmt im weiteren Verlauf aber fast „schlagereske“ Züge an. Ganz schlimm.

Es folgt „Well Known Sinner“. Sehr viel elektronischer ist dieser Song und auch sehr viel besser als seine Vorgänger. Die Loops greifen, der Groove ist spürbar und auch eine interessante Steigerung weist dieses Lied auf. Allerdings läuft das Ganze unter Trip-Hop mit ganz, ganz vielen Pop-Anteilen und hat so gar nichts mit Art Rock geschweige denn Prog zu tun. Bei „The Pain Gets Worse“ wird es dann ganz schlecht. Schwülstiger und schmalziger kann Pop-Musik kaum sein. Und das gilt bei diesem Stück für die Musik, wie für den Text.

Die Nummer sechs auf dem Album, „Woman“, ist ein sehr langweiliges Popliedchen. Interessanter wird es dann wieder bei „Cloud In The Sky“. Erinnert von seiner Machart sehr an das erste Album „Londinium“. Das Lied ist eine poppige, aber getragene Nummer, die zumindest eine schöne Melodie aufweist. Und wenn dann auch noch die Violine einsetzt, dann wird es richtig heimelig. Es folgt der Titelsong „Take My Head“. Und dieser Track ist ganz klar der Höhepunkt der gesamten Platte. Fast hypnotisierend werden hier die Textzeilen wiederholt, mal einstimmig, mal mehrstimmig. Und genau davon lebt das Stück - vom Gesang. Aber auch die Instrumentierung und Atmosphäre dieser Nummer zeigen deutlich an, wohin die Reise für „Archive“, bereits ab dem nächsten Album, gehen wird.

„Love In Summer“ ist ein Instrumentalstück, welches von den Percussion-Parts lebt. Stimmung und Atmosphäre kann das Stück hier allerdings nicht erzeugen. Die Nummer plätschert so dahin, bis sie gegen Ende deutlich an Fahrt aufnimmt. Und jetzt überzeugt auch der Einsatz der Hammond Orgel, die den Sound richtig breit und fett macht. Zum Schluss ein guter Song, der Anfang wurde allerdings leider verschenkt.

Und zu allem Überfluss endet das Album auch wieder überaus schnulzig mit „Rest My Head On You“. Absolut nicht überzeugend und langweilig. Vor allen Dingen immer dann, wenn Frau Wooder singt. Das liegt allerdings nicht an ihrer Stimme, denn die hört sich gut an, jedoch die Gesangslinie selbst, die lässt alle Wünsche offen. Und natürlich gibt es auch hier, wie bei fast allen Alben am Ende des letzten Jahrtausends, ab 4:54 noch einen „Hidden Track“. Dieser reiht sich allerdings in die Liste der "Schmalztitel" des Albums ein. Auch gar nicht gut.

Fazit: Zu großer Form sollten “Archive” erst ab dem nächsten Album auflaufen. Irgendwie scheint „Take My Head“ einen Übergang darzustellen, denn einige wenige Fingerzeige auf die nächsten Alben kann man hier doch schon vernehmen. Leider sind das nicht viele - und der Rest versinkt im zwar nicht ganz alltäglichen, doch mittelmäßigen Pop. Was bleibt, sind fünf Punkte.

Anspieltipps: You Make Me Feel, Well Known Sinner, Take My Head, Love Summer