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Dienstag, 26. September 2023

Sigur Rós Átta

 



Sigur Rós – Átta


Besetzung:

Jón Birgisson – vocals, guitar, string arrangement, synthesizer (tracks 1, 4–7, 10)
Georg Hólm – bass guitar, string arrangement, synthesizer (1)
Kjartan Sveinsson – piano, string arrangement, synthesizer (1, 3–5, 10), harpsichord (6), hurdy-gurdy, vibraphone (7)


Gastmusiker:

London Contemporary Orchestra – orchestra (1–8, 10)
Robert Ames – orchestra conductor (1–8, 10)
Ólafur Ólafsson – percussion (1, 7, 9, 10)
Ingi Erlendsson – trombone, tuba (4, 10)
Helgi Jónsson – trombone (4, 10)
Eirikur Ólafsson – trumpet (4, 10)
Snorri Sigurðarson – trumpet (4, 10)
María Sigfúsdóttir – violin (4, 10)


Label: BMG


Erscheinungsjahr: 2023


Stil: Post Rock


Trackliste:

1. Glóð (3:38)
2. Blóðberg (7:15)
3. Skel (4:58)
4. Klettur (6:31)
5. Mór (5:47)
6. Andrá (4:06)
7. Gold (5:12)
8. Ylur (5:54)
9. Fall (3:27)
10. 8 (9:40)

Gesamtspieldauer: 56:34



„Átta“ heißt das inzwischen bereits neunte Studioalbum der isländischen Band Sigur Rós. „Átta“ bedeutet „Acht“ und bezieht sich wohl auf die Nummerierung ihrer Studioalben, da die Isländer das 2020 erschienene „Odin‘s Raven Magic“ wohl nicht als reguläres Studioalbum, sondern eher als Soundtrack ansehen. Nun denn, dieses dann acht Album erschien am 16 Juni 2023 auf dem Plattenlabel Von Dur Limited. Es ist das erste Album seit Valtari (2012), bei dem Keyboarder Kjartan Sveinsson wieder zu hören ist. Orri Páll Dýrason ist dagegen nicht mehr am Schlagzeug zu beschäftigt, das ganze Album wurde mit Ausnahme des Stücks „Klettur“ ohne jegliche Perkussion eingespielt.

Das Cover zeigt einen brennenden Regenbogen, der vom isländischen Künstler Rúrí entworfen wurde. Dazu sagte Jón Birgisson in einem Interview: „Die Rechte von Transsexuellen, Queeren und Schwulen wurden in letzter Zeit so sehr mit Füßen getreten. Es ist erschreckend, das zu sehen. Auf der ganzen Welt hat man das Gefühl, dass wir uns zurückentwickeln. Wir versuchen, uns aus der Politik herauszuhalten, um die Musik so neutral wie möglich zu gestalten, aber wir haben über den Zustand der Welt gesprochen, in der wir jetzt leben: Klimawandel und Weltuntergangsstimmung.“

„Àtta“ ist Sphäre pur. Post Rock, der mitunter auch am Genre des Ambient kratzt. Synthesizer, jede Menge Streicher und ab und zu der hohe Gesang Jón Birgissons prägen dieses Album, welches fast schon ohne Melodien auskommt, da die Melodiebögen sehr gestreckt erklingen. So fügte Jón Birgisson zur Erklärung des Albums auch an, dass es die Absicht der Band gewesen sei, „lediglich ein minimales Schlagzeug dabei zu haben und die Musik wahrlich spärlich, schwebend und schön werden zu lassen“.

„Àtta“ ist tatsächlich kein Album, welches sich einem sofort erschließt. Zeit sollte man mitbringen und sehr viel Muße, sich auf diese Klangwelten einlassen zu können. Schön erklingt das Ganze wahrlich immer wieder, doch auch über die Dauer von zehn Liedern und fast einer Stunde Spieldauer auch sehr ähnlich und keineswegs mit Variationen übersättigt. Fast schon ein wenig dankbar ist man beim Lied „Andrá“, wenn man hier kurz eine akustische Gitarre zu hören bekommt. Ein paar mehr solcher Einsprengsel hätten der Platter durchaus gut getan.

Trotzdem ist „Àtta“ kein schlechtes Album geworden. Ideal für dunkle Novembertage, ideal, wenn man seinem eigenen Blues mal freien Lauf lassen möchte, ideal, wenn man entspannen möchte und etwas absolut Unaufgeregtes hören möchte. Dann entwickelt „Àtta“ seine Stärke und trifft Seele und Herz.

Fazit: Sigur Rós bewegen sich mit „Àtta“ an der Grenze zwischen Ambient und Post Rock. Definitiv gewinnt dieses Album mit den Durchläufen und es ist herrlich entspannend, wenn man sich denn mal entspannen möchte. Wer auf Aufregung steht, der ist hier definitiv falsch. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Andrá



Donnerstag, 17. Dezember 2020

Sigur Rós – Odin’s Raven Magic

 




Sigur Rós – Odin’s Raven Magic


Besetzung:

Jón Þór „Jónsi“ Birgisson – vocals, guitar, keyboards
Georg „Goggi“ Hólm – bass
Orri Páll Dýrason – drums
Hilmar Örn Hilmarsson
Steindór Andersen
Maria Huld Markan Sigfúsdóttir – Violine




Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Art Rock, Moderne Klassik


Trackliste:

1. Prologus (5:54)
2. Alföður orkar (7:48)
3. Dvergmál (7:37)
4. Stendur æva (9:47)
5. Áss hinn hvíti (5:09)
6. Hvert stefnir (9:56)
7. Spár eða spakmál (7:42)
8. Dagrenning (11:36)

Gesamtspieldauer: 1:05:32



Ist nun „Odin’s Raven Magic“ das achte Studioalbum von Sigur Rós oder doch eher nicht? Seit dem Jahr 2013 und dem Album „Kveikur“ hatte man kaum mehr was von den Isländern gehört. Dann veröffentlichte der musikalische Kopf der Band, Jón Þór „Jónsi“ Birgisson dieses Jahr am 2. Oktober mit „Shiver“ sein zweites – leider nicht restlos überzeugendes – Solo-Album und nun folgt also mit „Odin’s Raven Magic“ doch wieder eine Veröffentlichung unter der „Überschrift“ Sigur Rós.

Dieses Album stellt allerdings eine isländische Zusammenarbeit von Sigur Rós, mit Hilmar Örn Hilmarsson (Musiker und Komponist zahlreicher Filmmusiken), Steindór Andersen (war schon auf der 2007er Sigur Rós DVD „Heima“ zu sehen) sowie Maria Huld Markan Sigfúsdóttir (Violinistin in der Band Amiina) dar. Vertont wurde „Odin‘s Raven Magic“ von diesen Musikern zusammen mit Sigur Rós und wurde erstmals im Jahr 2002 in London uraufgeführt. Der Titel stellt ein im 14. oder 15. Jahrhundert entstandenes isländisches Gedicht in der Edda-Tradition dar.

Nun, auf „Odin’s Raven Magic“ hört man keine Rock- und schon gar keine Pop-Musik. Auch keinen Progressive Rock. „Odin’s Raven Magic“ ist orchestrale Musik, die mal mehr nach Klassik klingt, dann nach mittelalterlichen Chorälen und schließlich trotzdem noch diese feine Emotion eines Titels von Sigur Rós aufweist. Das Album klingt sehr intensiv, wenn auch absolut ruhig. Es ist die Atmosphäre, die hier transportiert wird, die einen einnimmt oder – mit der man eben weniger anfangen kann, da es im Grunde genommen eben doch kein achtes Sigur Rós Album ist, sondern die orchestrale Vertonung einer Sage. Bei der aber an mancher Stelle, ganz sanft, doch noch die Musik der Isländer durchscheint.

Fazit: Auch wenn „Odin’s Raven Magic“ irgendwie nicht wirklich das achte Studioalbum von Sigur Rós ist – zu viele andere Musiker haben hier auch kompositorisch mitgewirkt – so ist es zumindest eine sehr gelungene Scheibe geworden. Das Album klingt wie eine mystische Reise, die man beim Auflegen des Albums antritt. Für alle, die gern was Außergewöhnliches hören und auch die Stille, die Musik ebenfalls zu transportieren weiß, lieben. Elf Punkte.

Anspieltipps: Hvert stefnir



Samstag, 21. März 2015

Sigur Rós – Von




Sigur Rós – Von


Besetzung:


Jón Þór Birgisson – vocals, guitar, synthesizer
Georg Hólm – bass, synthesizer
Ágúst Ævar Gunnarsson – drums, synthesizer


Label: Smekkleysa


Erscheinungsdatum: 1997


Stil: Post-Rock, Ambient


Trackliste:

1. Sigur Rós (9:47)
2. Oögun (5:50)
3. Hún Jörð (7:18)
4. Leit Að Lifi (2:34)
5. Myrkur (6:14)
6. 18 Sekúndur Fyrir Sólarupprás (0:18)
7. Hafssól (12:25)
8. Veröld Ný Og Óð (3:29)
9. Von (5:12)
10. Mistur (2:16)
11. Syndir Guðs (Opinberun Frelsarans) (7:45)
12. Rukrym (9:01)

Gesamtspieldauer: 1:12:13




Genauso gespenstisch, wie das Cover dieses ersten Albums der isländischen Band Sigur Rós aussieht, so klingt die Scheibe mit dem Titel „Von“, zu Deutsch „Hoffnung“, aus dem Jahr 1997 auch. „Von“ hält so manche Soundkollage, Ambient-Musik sowie einige Titel, die zumindest ein wenig den Aufbau eines ganz „normalen“ Liedes aufweisen, für den Hörer parat.

Stilistisch unterscheidet sich die Platte sehr deutlich von allen weiteren Scheiben, die da noch folgen sollten. Die hier noch als Trio funktionierende Band, kommt dabei mit nur wenigen Instrumenten aus, Orchester-Musiker sind noch nicht mit in den Klang eingebunden. „Von“ beginnt mit einem Lied, welches den Bandnamen „Sigur Rós“ trägt. „Sigur Rós“ bedeutet übersetzt „Sieg“ sowie „Rose“, was keinerlei Sinn ergibt und ein Wortspiel ist, welches aus dem Namen „Sigurrós“ entstand. Diesen trägt die jüngere Schwester Jón Þór Birgissons, die wenige Tage vor der Gründung der Band geboren wurde. Wie man dann allerdings bei den Worten „Sieg“ und „Rose“ oder aber bei den Gedanken an die Geburt eines kleinen Mädchens solch ein Lied komponieren kann, das ist schon äußerst überraschend. Die Nummer „Sigur Rós“ ist Musik, die einem Geisterfilm entsprungen zu sein scheint. Verzweifelte Schreie sind da zu hören, entsetzliche Geräusche und jede Menge grauenvoller Wesen, die hier mit Sicherheit nur eines im Sinn haben, nämlich irgendwelche unschuldigen Menschen zu quälen. So viel zu den Assoziationen, die hier zwangsläufig aufkommen. Die Musik selbst „quält“ jedoch keineswegs. Sie ist dicht und packend, sicherlich nicht als Hintergrundmusik geeignet, jedoch lässt sie beim Hörer, der sich darauf konzentriert, schöne Schauer entstehen, die genüsslich den Rücken herunterlaufen.

Bei „Oögun“ eröffnen sich dem Hörer nun weite und fast schon unendlich scheinende Klangwelten, die allerdings deutlich heller gehalten sind, als noch bei dem Lied zuvor. Ambient Musik ist das, ganz frei gehalten, ohne Struktur. Man hört Hintergrundgeräusche wir Regen oder Stimmengewirr, alles scheint dabei sehr schwerelos zu sein. Die Stimmungen wechseln hierbei von sehr düster, bis deutlich heller. Immer wirkt das Ganze jedoch auch ergreifend und lässt einen beim Hören nicht unberührt. Diese Art der Musik muss man lieben oder man wird sie hassen. Mit „Hún Jörð“ folgt dann die erste Nummer, die über so etwas wie eine Melodie verfügt. Dazu gesellt sich eine „schwere“ Gitarre und man kann hier nun durchaus von einem Rock-Song sprechen. Dieser stellt jedoch vor allem, durch den nicht auf ein Geschlecht zu reduzierenden Gesang des Jón Þór Birgisson, wiederum etwas Besonderes dar.

Es folgen nun Klangkollagen wie „Leit Að Lifi“, rockigere und fast schon als „normal“ zu bezeichnende Stücke wie „Myrkur“ oder eine Spielerei wie „18 Sekúndur Fyrir Sólarupprás“. Letztere ist eine Nummer, die 18 Sekunden dauert und bei der man 18 Sekunden lang gar nichts hört – Stille ist angesagt.

Im weiteren Verlauf des Albums entstehen immer wieder neue Klanggebilde und ganze Klangwelten, die wieder dem Musikgenre des Ambient zuzuordnen sind. Jedoch sind auch solche Stücke zu hören, die dann durchaus schon auf die späteren Werke der Band hinweisen, wenn diese auch noch nicht ganz so ausgereift sind, wie in den darauffolgenden Jahren. Zum Schluss gibt es schließlich mit „Rukrym“ nochmals eine sehr eigenwillige Nummer, die in den ersten fünfeinhalb Minuten nur aus Stille besteht, um dann für dreieinhalb Minuten nochmals einen Abschnitt aus „Myrkur“ wiederzugeben – allerdings rückwärts abgespielt, auf nichts anderes deutet bereits der Titel „Rukrym“ hin.

Fazit: Beeindruckend ist „Von“ von Sigur Rós wahrlich, denn das, was man hier zu hören bekommt, ist sicherlich keine 08/15-Musik, die man laufend hört. Allerdings hört man auf „Von“ auch keine einfache Musik. Begeistern können die Titel zwar durchaus, manches Mal klingt das alles jedoch auch ein wenig zu abgedreht. Die drei Musiker waren zunächst zudem nicht so ganz zufrieden mit dem Ergebnis, die Platte verkaufte sich zu Beginn auch relativ schlecht. Ganze 313 Kopien wurden von diesem Album zunächst in Island verkauft. Das änderte sich erst, als mit „Ágætis Byrjun“ zwei Jahre später der Nachfolger auf den Markt kam und in England sich der Erfolg einstellte. „Ágætis Byrjun“ bedeutet auf Deutsch "Ein guter Anfang". Nun aber ganz ausblenden sollten die Musiker ihren Erstling wahrlich nicht. Kein Meisterwerk zwar und ab und an etwas sperrig, doch wahrlich nicht schlecht und durchaus auch beeindruckend. Neun Punkte.

Anspieltipps: Sigur Rós, Hún Jörð



Samstag, 14. September 2013

Sigur Rós – Kveikur




Sigur Rós – Kveikur


Besetzung:

Jón Þór „Jónsi“ Birgisson – vocals, guitar, keyboards
Georg „Goggi“ Hólm – bass
Orri Páll Dýrason – drums


Gastmusiker:

Margrét Arnadóttir – strings
Pálína Árnadóttir – strings
Daníel Bjarnason – string arrangements
Sigrún Jónsdóttir – brass
Borgar Magnason – strings
Pórunn Ósk Marinósdóttir – strings
Eiríkur Orri Ólafsson – brass, brass arrangement
Bergrún Snæbjörnsdóttir – brass
Una Sveinbjarnardóttir – strings


Label: XL Recordings


Erscheinungsdatum: 2013


Stil: Post-Rock, Independent


Trackliste:

1. Brennisteinn (7:45)
2. Hrafntinna (6:23)
3. Ísjaki (5:03)
4. Yfirborð (4:19)
5. Stormur (4:55)
6. Kveikur (5:55)
7. Rafstraumur (4:58)
8. Bláþráður (5:12)
9. Var (3:44)

Gesamtspieldauer: 48:13




Befand sich die Band Sigur Rós mit ihrem 2012 erschienenen Album „Valtari“ mitunter sehr nahe am Genre der Ambient Musik, so stellt der interssierte Hörer 2013 fest, dass nun, auf dem inzwischen bereits siebten Studio-Album der Isländer, ein richtiggehender Stilwechsel mit der Veröffentlichung von „Kveikur“ erfolgte. Diese außergewöhnliche Band ist dabei natürlich immer noch zu erkennen und das liegt nicht nur an den für deutsche Ohren ungewöhnlichen isländischen Texten oder der einprägsamen – und ebenfalls ungewöhnlichen – Stimme des Jón Þór Birgisson. Die Atmosphäre, die diese Musik zu verbreiten versteht, hat sich nicht verändert. Den Liedern haftet immer noch etwas Mystisches, Verträumtes und Märchenhaftes an. Allerdings gibt es in der Machart der Musik einen deutliches Stilwechsel zu hören. Die einzelnen Titel sind wedentlich rockiger geworden und weisen, bis auf den letzten Titel „Var“, der eher ein etwas sphärisches Ausblenden der Platte darstellt, eine Struktur mit Strophe und Refrain auf.

Genau wie alle anderen Platten von Sigur Rós, sind die Titel nicht gleich beim ersten Hören eingängig und müssen vom Hörer erarbeitet werden. Die Wiederholung macht es hier eindeutig, die die Melodiösität herausstellt und diesen wohligen Wiedererkennungswert bewirkt, der häufig gute Musik von schlechterer zu unterscheiden weiß. Die inzwischen zum Trio geschrumpfte Band füllt ihre Musik auch auf „Kveikur“ mit fetten Keyboard-Klangteppichen, sowie durch eine Streicher- und Brass-Sektion an, die die einzelnen Lieder voll und dicht erklingen lassen. Dabei kommt es immer wieder zu dem Umstand, dass der Fuß des Hörers mitzuwippen versucht ist, denn Rhythmus spielt auf „Kveikur“ eine bedeutendere Rolle, als auf so mancher anderen Veröffentlichung der Isländer. Aber natürlich gibt es auch noch diese etwas sphärioscheren, fast schon schwebenden Abschnitte in der Musik, die sich dieses Mal allerdings nicht über einen ganzen Titel erstrecken, sondern neben treibenderen Passagen in die Lieder integriert wurden.

Höhepunkte der Platte sind der Opener „Brennisteinn“, das wunderschön melodische „Ísjaki“, welches fast schon in die Richtung Pop-Musik driftet, die treibende und „härteste“ Nummer des Albums, der Titelsong „Kveikur“ selbst, sowie das wieder ein wenig poppigere und erneut sehr eingängige „Bláþráður”. Und auch diese Auswahl generiert vier Lieder, die eindeutig von derselben Band zu stammen scheinen, trotzdem jedoch auf ihre Weise ganz unterschiedlich sind.

Fazit: Die Musik von Sigur Rós ist treibender und dabei auch abwechslungsreicher geworden. Die Stimmungen, die die Musik dieser Band zu transportieren weiß, sind immer noch vorhanden – nun allerdings in einem etwas rockigeren Gewand. Einhören musste man sich in die Musik von Sigur Rós schon immer, daran hat sich auch auf „Kveikur“ nichts geändert. Beschreitet man diesen Weg allerdings und lässt den Liedern ein wenig Zeit, kann man als Hörer hier jede Menge für sich entdecken. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Brennisteinn, Ísjaki, Kveikur, Bláþráður





Freitag, 12. April 2013

Sigur Rós – Ágætis Byrjun




Sigur Rós – Ágætis Byrjun


Besetzung:


Jón Þór Birgisson – vocals, guitar
Kjartan Sveinsson – keyboard
Georg Hólm – bass
Ágúst Ævar Gunnarsson – drums


Label: fatcat Records


Erscheinungsdatum: 1999


Stil: Post-Rock, Art-Rock


Trackliste:

1. Intro (1:36)
2. Svefn-G-Englar (10:04)
3. Starálfur (6:46)
4. Flugufrelsarinn (7:49)
5. Ný Batterí (8:10)
6. Hjartað Hamast (Bamm Bamm Bamm) (7:10)
7. Viðrar Vel Til Loftárása (10:18)
8. Olsen Olsen (8:03)
9. Ágætis Byrjun (7:56)
10. Avalon (4:04)

Gesamtspieldauer: 1:11:57




„Ágætis Byrjun“ nannte die isländische Band Sigur Rós ihr zweites Album, welches 1999 erschien. Und ganz ehrlich gesagt: Dieses Album wird niemals den Massenmarkt erobern. Die Musik auf „Ágætis Byrjun“ gefällt mit Sicherheit nur einigen „ausgewählten“ Musikfreunden. Für mich befindet sich auf diesem Album jedoch Musik, die ein Grund dafür ist, dass ich überhaupt so gerne und viel Musik höre. Musik, die mich trifft.

Auf „Ágætis Byrjun“ gibt es wieder viel Stimmung und Atmosphäre. Musikalische Eindrücke, Momentaufnahmen, die manchmal sphärischer klingen, ein anderes Mal durchaus rockiger. Alles ist dabei jedoch immer sehr melodiös gehalten. Es klingt und rauscht und summt alles sehr harmonisch. Dazu muss man aber auch etwas mit der Stimme des Jón Þór Birgisson anzufangen wissen, denn die hört sich nicht selten elfenhaft an. Für einen Mann wahrlich ungewöhnlich.

Die Musik ist stets traurig und melancholisch, das Wetter scheint in Island sehr oft schlecht zu sein. Irgendwie passt das alles zu einem verregneten Tag, an dem man sich in seiner Melancholie und Sentimentalität suhlen möchte. Schöne Verzweiflung, die einem da entgegenklingt. Und dann kommt da plötzlich so ein „rockiger“ Song wie „Hjartað Hamast (Bamm Bamm Bamm)“. Absolut genial gemacht, schnellere und langsamere Abschnitte, fast schon Geflüster und dann wieder kraftvoller Gesang. Seltsame, verrauschte Hintergrundgeräusche und plötzlich erneut ganz klare Harmonien. Dazu eine zum steinerweichende Melodie, die mal mehr von der Orgel, mal mehr von den Streichern dominiert wird. Da kann ich jedem nur Kopfhörer und Zeit empfehlen.

Fazit: „Ágætis Byrjun“ macht einfach Spaß, wenn man mal was anderes hören möchte. Nichts für das Radio, nichts für die Party und auch keine Musik zum Nebenbeihören. „Ágætis Byrjun“ verlangt die volle Konzentration vom Zuhörer, der dafür allerdings auch belohnt wird. Einfach gute Musik zum Träumen, zum Entspannen und zum Ausklingenlassen des Tages. Elf Punkte.

Anspieltipps: Ný Batterí, Hjartað Hamast (Bamm Bamm Bamm), Ágætis Byrjun (Ich hätte außer diesen dreien Titeln aber noch fünf bis sechs weitere dazuschreiben können.)





Samstag, 30. März 2013

Sigur Rós – Með Suð Í Eyrum Við Spilum Endalaust




Sigur Rós – Með Suð Í Eyrum Við Spilum Endalaust


Besetzung:

Jón Þór „Jónsi“ Birgisson – vocals, guitar
Kjartan "Kjarri" Sveinsson – keyboards
Georg „Goggi“ Hólm – bass
Orri Páll Dýrason – drums


Gastmusiker:

Strings: Amiina (Tracks 2, 3, 4, 5, 8 & 9):
Hildur Ársælsdóttir
Edda Rún Ólafsdóttir
Maria Huld Markan Sigfúsdóttir
Sólrún Sumarliðadóttir

Brass (Tracks 2, 4 and 11) performed by:
E. Friðfinnsson
Helgi Hrafn Jónsson
I.G. Erlendsson
K. Håkonarson
Samúel Jón Samúelsson
S. Sigurðarson
S.J. Bernharðsson

Tambourine, claps and other noises by Siggi Frendi, Höddi Gunni, John Best, Sunray and Breeze


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 2008


Stil: Post-Rock, Art Rock


Trackliste:

1. Gobbledigook (3:05)
2. Inní Mér Syngur Vitleysingur (4:05)
3. Góðan Daginn (5:15)
4. Við Spilum Endalaust (3:33)
5. Festival (9:24)
6. Með Suð Í Eyrum (4:56)
7. Ára Bátur (8:57)
8. Illgresi (4:13)
9. Fljótavík (3:49)
10. Straumnes (2:01)
11. All Alright (6:21)

Gesamtspieldauer: 55:40




„Mit einem Summen in unseren Ohren spielen wir endlos“ heißt das fünfte Album „Með Suð Í Eyrum Við Spilum Endalaust“ der isländischen Band Sigur Rós übersetzt. Nun, endlos spielen sie auf dieser CD nicht, knappe 56 Minuten lang dauert das Ganze und ist dabei sehr abwechslungsreich. Die Musik ist letztendlich sogar sehr viel abwechslungsreicher, als auf allen bisherigen Veröffentlichungen der Band.

Auf „Með Suð Í Eyrum Við Spilum Endalaust“ ist es zum ersten Mal möglich zu hören wie es klingt, wenn die Isländer versuchen „fröhlichere“ Musik zu machen. Bei den Titeln „Gobbledigook“, „Inní Mér Syngur Vitleysingur“ und „Við Spilum Endalaust“ kann man diese Stimmung jetzt so richtig auf sich wirken lassen. Aber wie bereits erwähnt, der Abwechslungsreichtum steht dieses Mal im Vordergrund. So herrscht gegen Ende der Platte wieder diese melancholische Stimmung vor, die man von den anderen Scheiben der Band bereits kennt. Ist diese beim Titel „Fljótavík“ bereits stark ausgeprägt, so wird die traurige, nachdenkliche Atmosphäre mit den letzten beiden Titeln „Straumnes“ und „All Alright“ noch weiter manifestiert. Hier wird nun alles nur noch ganz zart, sanft und weich angedeutet, hauchdünne Klangwelten werden ausgesandt, in denen man sich selbst nur ganz, ganz vorsichtig zu bewegen traut, so zerbrechlich wirkt das Ganze.

Dazwischen gibt es noch solche Nummern wie „Festival“. Ein Stück, welches ebenfalls zunächst sanft beginnt, um dann richtig symphonisch und opulent zu Ende gebracht zu werden. Oder diese schöne Nummer „Illgresi“, die bei der der Gesang und die akustische Gitarre im Vordergrund stehen. Musik zum darin Schwelgen, wenn man die dafür benötigte Ader sein Eigen nennen kann. Diese kann man auch beim Stück „Með Suð Í Eyrum“ ausleben. Wunderschöne perlende Pianoklänge bahnen sich hier den Weg zum Ohr des Hörers. Wahrlich Musik zum darin Eintauchen.

Fazit: Sicherlich das uneinheitlichste Album der Isländer von Sigur Rós. Damit aber gleichzeitig auch die abwechslungsreichste Patte in der Diskographie der Band. Hier werden nun mehrere Facetten der Musik von Sigur Rós gezeigt, die alle überzeugen können. „Með Suð Í Eyrum Við Spilum Endalaust“ ist ein schönes Album geworden. Genau, ein schönes Album, das charakterisiert die Musik dieser Scheibe am besten. Naja und so ein Album-Cover bekommt man auch nicht alle Tage präsentiert. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Inní Mér Syngur Vitleysingur, Við Spilum Endalaust, Festival, Með Suð Í Eyrum, Illgresi, Fljótavík





Samstag, 2. Februar 2013

Sigur Rós – Valtari




Sigur Rós – Valtari


Besetzung:

Jón Þór „Jónsi“ Birgisson – vocals, guitar
Kjartan "Kjarri" Sveinsson – keyboards
Georg „Goggi“ Hólm – bass
Orri Páll Dýrason – drums


Gastmusiker:

Strings & String Arrangement (exept "Varúð"): Amiina:
Hildur Ársælsdóttir
Edda Rún Ólafsdóttir
Maria Huld Markan Sigfúsdóttir
Sólrún Sumarliðadóttir

String Arrangements on "Varúð":
Daniel Bjarnason

Strings on "Varúð":
Una Sveinbjarnardóttir
Palina Arnadóttir
Borunn Ósk Marinosdóttir
Margret Arnadóttir
Boigar Magnason

Backing Vocals on "Varúð":
Holmfridur Benediktsdóttir
Hildur F. Havarjurdóttir
Bjorg Gardursdóttir
Sulka B. Svanhuitardóttir
Brynhildur Melot
Hera Eriksdóttir

The Sixteen-Choir on "Dauðalogn" and "Varðeldur"
Eamonn Dougan: Choral Direction on "Dauðalogn" and "Varðeldur"


Label: Parlophone


Erscheinungsdatum: 2012


Stil: Ambient, Post-Rock


Trackliste:

1. Ég Anda (6:15)
2. Ekki Múkk (7:44)
3. Varúð (6:37)
4. Rembihnútur (5:05)
5. Dauðalogn (6:37)
6. Varðeldur (6:08)
7. Valtari (8:19)
8. Fjögur Píanó (7:50)

Gesamtspieldauer: 54:34




Klanggebilde, Atmosphäre, Soundkollage, Meditation, Feen, Stille, Weite, Traurigkeit, Unendlichkeit, Magie, Freiheit, Melancholie, Sentimentalität, Stimmung, Märchen. Das sind alles Nomen, die einem beim Hören des sechsten Albums der Isländer von Sigur Rós spontan einfallen könnten. Ach lieber ein paar Adjektive? Bitteschön: traurig, grau, sphärisch, monoton, sanft, leise, mild, weich, zart, zerbrechlich. Oder doch lieber ein paar Verben? Auch kein Problem: vergehen, träumen, weinen, ruhen, liegen, genießen, aufgehen, wirken, fühlen und spüren.

„Valtari“ ist wahrlich kein einfaches Album geworden. Für viele wird bei den oben genannten Assoziationen noch das Wort „Langeweile“ fehlen, denn das Entstehen dieser Gefühlsregung kann nicht ganz ausgeschlossen werden, wenn man sich das erste Mal dieses Album zu Gemüte führt. „Back To The Roots“, zurück zu den ersten Alben werden sich die vier Musiker gedacht haben. Dieses Ziel wurde erreicht. Kompromisslos. Liederstrukturen, wie sie auf den beiden Vorgängern noch zu hören waren, wurden konsequent über Bord geworfen. „Ambient-Musik“ trifft das inhaltliche Label der Platte wahrlich treffend, denn um nichts anderes handelt es sich hier. Absolut zutreffend auf die letzten Titel, die ohne das gesprochene Wort auskommen, ziemlich nahe an dieser Kategorisierung bei den ersten fünf Nummern, bei denen Jón Þór „Jónsi“ Birgisson wieder seinen unnachahmlichen, an ein kleines Kind (oder eine Fee?) erinnernden Gesang zum Besten gibt.

Die Musik von Sigur Rós entfaltet auch dann immer ihre Stärken, wenn sie repetitiv und redundant wird, wenn ein Thema immer und immer wieder wiederholt wird, gesteigert wird, leicht, bis zum großen Finale variiert wird. Das hört man auf „Valtari“ in Vollendung lediglich im Lied „Varúð“. Ansonsten steht meist nur die Atmosphäre im Mittelpunkt der Lieder. Ohne Struktur, ohne festen Ablauf werden hier Töne angestimmt und es wird ihnen jede Menge Zeit eingeräumt anschließend zu wirken.

Fazit: Keine Lieder, die nach den herkömmlichen Strukturen in der Pop- beziehungsweise Rock-Musik funktionieren, gibt es auf „Valtari“ zu hören. Atmosphärische Musik, der man Aufmerksamkeit und Zeit einräumen muss, damit sie ihre Wirkung vollends entfalten kann. Das Ganze verläuft gefährlich nahe an der Grenze zwischen Langeweile und Entspannung, schlägt aber glücklicherweise doch ein bisschen mehr in die Richtung des träumerischen Genießens aus. Neun Punkte.

Anspieltipps: Ekki Múkk, Varúð, Rembihnútur, Varðeldur




Samstag, 22. Dezember 2012

Sigur Rós – ()




Sigur Rós – ()


Besetzung:

Jón Þór Birgisson – vocals, guitar, keyboards
Kjartan Sveinsson – keyboards, guitar
Georg Hólm – bass, keyboards, glockenspiel
Orri Páll Dýrason – drums, keyboards


Gastmusiker:

María Huld Markan – violin
Edda Rún Ólafsdóttir – violin
Ólöf Júlía Kjartansdóttir – viola
Sólrún Sumarliðadóttir – violoncello


Label: fatcat Records


Erscheinungsdatum: 2002


Stil: Post-Rock, Art-Rock, Ambient


Trackliste:

1. 1 (6:39)
2. 2 (7:34)
3. 3 (6:33)
4. 4 (7:33)
5. 5 (9:57)
6. 6 (8:48)
7. 7 (13:00)
8. 8 (11:45)

Gesamtspieldauer: 1:11:49




Nur mit zwei Klammern in Form von „()“ betitelten die vier Isländer von Sigur Rós ihr drittes Werk, welches im Oktober 2002 veröffentlicht wurde. Und genauso spartanisch wie der Titel des Albums, so ist auch die Aufmachung der CD gestaltet. Hier gibt es keine Musiktitel mehr, es ist weder ein Name noch die Anzahl der Lieder auf der CD-Hülle vermerkt, sodass sich der Hörer die acht im CD-Player angezeigten Stücke zur Unterscheidung selbst kurz von 1 bis 8 durchnummeriert. Auch sonst ist nur wenig bis überhaupt nichts zu erfahren. Wer waren denn die Musiker, die Gastmusiker etc.? All das muss man sich von der Homepage der Band herunterlesen.

Die Musik auf „()“ bewegt sich irgendwo zwischen Sphäre und Atmosphäre. Wobei man Letztgenanntes allen Liedern uneingeschränkt zuschreiben kann. Atmosphärisch ist das immer, was Sigur Rós hier bieten – sogar sehr atmosphärisch. Und genau dieser Umstand kann auch manches Mal der Haken an der Musik von Sigur Rós auf „()“ sein. Zwar sind die Isländer Meister im Steigern von Melodien, dies kann sich mitunter allerdings auch quälend langsam hinziehen. Die Musik ist überaus minimalistisch gehalten, drei, vier, fünf Töne sind es meistens nur, die da immer und immer wieder wiederholt werden. Und wenn dann diese oftmals wirklich gelungene Steigerung in Form von Geschwindigkeit und Lautstärke und kleineren Variationen doch etwas zu langsam ausfällt, dann kann das Ganze allerdings auch ein wenig in Richtung Langeweile abdriften.

Allgemein ist die Musik auf „()“ überaus ruhig gehalten. Schlagzeug hört man selten und gerockt, richtig gerockt wird eigentlich nur einmal und dies ziemlich am Ende des ganzen Albums bei Titel 8. Hier ist diese bereits angesprochene Steigerung auch überaus gelungen. Hier passt alles perfekt. Wobei, alle Lieder sind sehr eingängig und doch benötigt man als Hörer eine geraume Zeit, bis man sich in dieses Werk eingehört hat, denn leicht zugänglich ist auf diesem Album wahrlich nichts. Alles will hier erhört und sogar ein wenig erarbeitet werden. Gibt man dieser Musik allerdings diese „Zeit zum Reifen“, eröffnen sich einem fast schon neue Horizonte.

Fazit: Kein Album für Rocker, sieht man mal vom letzten Stück ein wenig ab. Kein Album für Hektiker, keines für Leute, die „Abtanzen“ möchten, keines für den „normalen“ Radiohörer und auch keines für Leute, die erwarten, dass Musik immer aus Strophe – Refrain – Strophe – Refrain – kurzes Solo – Strophe – Refrain besteht. So etwas gibt es hier nicht. Klar, das ist Musik für dunkle Tage, Musik zum Nachdenken, wohl auch zum Entspannen. Musik, die in depressiven Momenten dieses unangenehme erspürte Gefühl noch verstärken kann. Aber auf „()“ gibt es Musik zum Träumen. Wer sich auf so etwas einlassen kann, der wird hier auch für sich etwas finden. Elf Punkte.

Anspieltipps: 3, 6, 7, 8




Freitag, 7. Dezember 2012

Sigur Rós – Takk…




Sigur Rós – Takk…


Besetzung:

Jón Þór Birgisson – vocals, guitar
Kjartan Sveinsson – keyboards
Georg Hólm – bass
Orri Páll Dýrason – drums


Gastmusiker:

Strings: Amiina

Hildur Ársælsdóttir
Edda Rún Ólafsdóttir
Maria Huld Markan Sigfúsdóttir
Sólrún Sumarliðadóttir


Additional strings recorded in Langholtskirkja, performed by:

Kristín Lárusdóttir – cello
Júlía Mogensen – cello
Stefanía Ólafsdóttir – viola
Eyjólfur Bjarni Alfreðsson – viola
Ingrid Karlsdóttir – violin
Gréta Salóme Stefánsdóttir – violin
Matthías Stefánsson – violin
Ólöf Júlía Kjartansdóttir – violin


Brass performed by:

Eiríkur Orri Ólafsson – trumpet
Snorri Sigurðarson – trumpet
Helgi Hrafn Jónsson – trombone
Samúel Jón Samúelsson – trombone
Össur Geirsson – tuba

Percussion/timpani on "Sé lest" performed by Frank Aarnink.
Choir on "Hoppípolla" performed by Álafosskórinn.


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 2005


Stil: Post-Rock, Art-Rock, Ambient


Trackliste:

1. Takk... (1:58)
2. Glósóli (6:16)
3. Hoppípolla (4:29)
4. Með Blóðnasir (2:17)
5. Sé Lest (8:41)
6. Sæglópur (7:39)
7. Mílanó (10:25)
8. Gong (5:34)
9. Andvari (6:40)
10. Svo Hljótt (7:24)
11. Heysátan (4:10)

Gesamtspieldauer: 1:05:33




Musik ist schon was Tolles. Da denkt man nichts Böses, kauft sich eine CD, da das Cover interessant aussieht, die Scheibe gerade im Angebot zu haben ist und man von isländischer Musik bisher nur etwas von Björk gehört hat. Kurz mal die erlaubten dreißig Sekunden im Internet reingehört – klingt irgendwie nach „Ambient“ – und was soll’s, den „Kaufen-Knopf“ gedrückt. Zwei Tage später legt man dann die CD in den CD-Spieler und man kann es fast nicht glauben, was man da zu hören bekommt. Musik ist was Tolles.

Da singt ein neunjähriger Junge. Nein, ein achtjähriges Mädchen. Aber in den Credits steht davon überhaupt nichts. Island ist das Land der Elfen, Zwerge und Trolle. Da wird eine Klavierlehrerin zu Rate gezogen, wenn Straßen gebaut werden, um nicht bei dem Bauvorhaben mit einem Elfen- oder Zwergen-Wohnort zu kollidieren. Das alles ist kein Witz und so kann es dann schon mal passieren, dass eine Straße verjüngt wird, damit ein „von Elfen bewohnter Felsen“ von der Baumaßnahme nicht betroffen wird. Warum soll denn dann da nicht auch ein Kind singen? Macht es aber nicht. Sänger Jón Þór Birgisson ist zum Zeitpunkt des Erscheinens der Platte bereits dreißig Jahre alt. Kaum zu glauben.

Und kaum zu glauben beziehungsweise schwer zu beschreiben ist auch die Musik, die man auf „Takk…“ geboten bekommt. Ist das sphärische Ambient Musik? Ist das mit wenigen isländischen Worten versehene Instrumentalmusik? Egal, wie man es nennt. Das, was man auf diesem vierten Album der Isländer hört, das klingt. Da werden Lagen von Streichern über Lagen von Streichern gelegt. Irgendwo klingelt immer eine Art Glöckchen, alles ist schön, lieb und nett. Die Elfen scheinen heute Hochzeit zu feiern und auch die Zwerge und Trolle sind eingeladen und wissen sich zu benehmen. Keiner mag hier diese schöne Stimmung zerstören.

Hektik gibt es auf „Takk…“ zu keiner Zeit. Und wenn mal zur Abwechslung die Brass-Sektion in die „Klanggebäudeerrichtung“ mit einsteigt, dann passt sich dieser Sound der schönen Umgebung an und verschmilzt angenehm mit ihr. Der Sound der Musik steht absolut im Vordergrund. Manchem mag dies zu langweilig sein, denn immer und immer wieder versinkt hier alles in allerschönster Schönheit. Ecken und Kanten gibt es da nicht, denn an denen könnte man sich ja stoßen. Nun aber genau das ist auch die Stärke dieses Albums. Diese Konsequenz, mit der man beim Einlegen der Scheibe auf eine Reise geschickt wird, die über 65 Minuten dauert, die nicht aufregend, aber sehr angenehm ist.

Fazit: Ich finde in meinem Musikuniversum keinen Vergleich zu diesem Album. So etwas hatte ich bisher noch nicht gehört und genau das macht die Platte für mich auch so spannend. Ich höre hier etwas ganz anderes als das Alltägliche. Und ich gebe es zu, ich würde auch gerne zu dieser Elfen-Hochzeit eingeladen werden. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Hoppípolla, Með Blóðnasir, Sé Lest, Mílanó