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Sonntag, 4. Juni 2017

BAP – Da Capo




BAP – Da Capo


Besetzung:

Wolfgang Niedecken – Gesang
Manfred “Schmal” Boecker – Percussion
Alexander “Effendi” Büchel – Keyboards
Steve Borg – Bass
Klaus “Major” Heuser – Gitarre
Jürgen “Jürgens” Zöller – Schlagzeug
Fonz Wohllrath – Sounds


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1988


Stil: Kölsch-Rock


Trackliste:

1. Stadt im Niemandsland (5:42)
2. Fortsetzung folgt (5:41)
3. Shanghai (4:37)
4. Op dä Deckel vum Clown (3:43)
5. Rääts un links vum Bahndamm (5:31)
6. Sandino (5:27)
7. Dat däät joot (4:32)
8. Saison der Container (4:25)
9. Flüchtig (3:30)

Gesamtspieldauer: 43:08




„Da Capo“ heißt ist das siebte Studioalbum der Kölner Rockband BAP. Es wurde im August des Jahres 1988 auf dem Label EMI Electrola veröffentlicht und hielt sich insgesamt fünf Wochen, vom 16. September bis zum 20. Oktober 1988 auf Platz Nr. 1 der deutschen Albumcharts. Zwei Jahre waren inzwischen seit der letzten Veröffentlichung „Ahl Männer, Aalglatt“ vergangen, dem Erfolg der Scheibe stand dies jedoch nicht im Wege. Auch die erste Single-Auskopplung des Albums mit dem Lied „Fortsetzung folgt“ kletterte bis auf Platz 10 der Charts. Die weiteren Singles waren „Saison der Container“ sowie „Dat däät joot“, sie erreichten allerdings nur noch die Plätze 65 beziehungsweise 75 der Charts.

Insgesamt ist die Stimmung auf „Da Capo“ zumindest wieder etwas zurückhaltender, ruhiger geworden. Zwar griffen die Musiker erneut auf das bereits bewährte Konzept zurück, sanfte und rockige Lieder sich abwechseln zu lassen, doch die Grundstimmung des Albums ist insgesamt eine etwas ruhigere, als noch auf dem Vorgänger. Als Beispiel für härtere Rock-Stücke sei zum Beispiel die Cover-Version des Kinks Stückes „Death Of A Clown“, hier „Op dä Deckel vum Clown“ genannt, erwähnt oder der Opener der ehemaligen zweiten Plattenseite „Rääts un links vum Bahndamm“. Ganz sanft klingt das Album dagegen mit dem Titel „Flüchtig“ aus, ein Lied, das dem ein Jahr zuvor an Krebs verstorbenen Ex-Schlagzeuger der Band, Pete King, gewidmet ist.

Die Abwechslung war und ist also durchaus noch gegeben. Sanftere Titel wechseln sich mit etwas härteren ab und umgekehrt. Es wird mit Lautstärken und Stimmungen wie mit Atmosphären gespielt, sodass beim Hören der Scheibe keinesfalls Langeweile aufkommt. Allerdings kann „Da Capo“ leider nicht mehr so begeistern, wie es das noch so manches Album aus den Anfängen der Band schaffte. Das wiederum liegt an den Liedern in ihrer Gesamtheit, die einfach nicht mehr ganz so gut „zünden“, nicht mehr so ins Ohr gehen wollen und dort auch nicht mehr ganz so hängenbleiben, wie manch Titel auf den vorherigen Alben. Schlecht, seicht oder auch anbiedernd klingt auf „Da Capo“ freilich nichts, jedoch fehlen die absoluten Höhepunkte und das Album läuft somit häufig einfach nur durch.

Fazit: Erneut einen Gang zurückgeschaltet haben BAP auf ihrem siebten Studio-Album „Da Capo“. Immer noch wird zwar zwischen rockigeren und sanfteren Stücke hin- und herjongliert, trotzdem ist die Grundstimmung eine etwas gedämpftere geworden. Was dem Album ein wenig fehlt, das sind Höhepunkte, Ohrwürmer, allgemein Lieder, die auch länger hängenbleiben. Ganz sicher keine schlechte Platte, jedoch auch keine mitreißende Scheibe. Trotzdem für BAP-Fans natürlich eine Bereicherung. Acht Punkte.

Anspieltipps: Flüchtig



Montag, 6. Februar 2017

BAP – Ahl Männer, Aalglatt




BAP – Ahl Männer, Aalglatt


Besetzung:

Manfred Boecker – Percussion, Gesang
Steve Borg – Bass
Alexander Büchel – Keyboards
Jan Dix – Schlagzeug
Klaus Heuser – Gitarre, Gesang
Wolfgang Niedecken – Gesang, Gitarre


Gastmusiker:

Curt Cress – Schlagzeug


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1986


Stil: Kölsch-Rock


Trackliste:

CD1:

1. Ahl Männer, Aalglatt (4:10)
2. Endlich Allein (4:05)
3. Lisa (4:20)
4. Globus (4:28)
5. Breef Ahn Üch Zwei (4:36)
6. Bunte Trümmer (4:18)
7. Time Is Cash, Time Is Money (5:21)
8. Halt Mich Fest (4:55)
9. Almanya (5:17)


CD2: (Remasterte Wiederveröffentlichung im August 2006 mit einer zweiten CD mit Bonusmaterial)

1. Time Is Cash, Time Is Money (Bläck Fööss & Fründe, live, Köln, 1989) (5:44)
2. Denn Sie Brauchen Keinen Führer (Udo Lindenberg & BAP, live, Wackersdorf, 1986) (5:14)
3. Das Kann Man Ja Auch Mal So Sehen (Udo Lindenberg & BAP, live, Wackersdorf, 1986) (4:28)
4. Lisa (live, Wackersdorf, 1986) (4:31)
5. Vatter (live, Köln, 1988) (7:06)
6. Ahl Männer, Aalglatt (vom Album "Affrocke", live, 1991) (3:56)
7. Like A Rolling Stone (BAP mit A. Haigis, W. Ambros, K. Coyne, live, Wackersdorf, 1986) (6:38)
8. Nemm Mich Mit (live, Wackersdorf, 1986) (6:42)

Gesamtspieldauer CD1 (41:33) und CD2 (44:23): 1:25:27




„Ahl Männer, Aalglatt“ heißt das sechste Studio-Album der Kölner Rockband BAP. Es erschien im Januar des Jahres 1986 bei EMI Electrola und belegte vom 14. Februar bis zum 3. April 1986 den ersten Platz der deutschen Albumcharts. Die Mischung auf diesem Album ist immer noch jene, die BAP in den letzten Jahren so viel Erfolg eingebracht hatte: Flotte Rock-Titel und sanfte Balladen gibt es auch auf „Ahl Männer, Aalglatt“ zu hören. Die meisten Nummern gehen dabei erneut wieder ziemlich schnell ins Ohr.

Das Verhältnis hatte sich nun jedoch etwas verschoben. Vielleicht lag es daran, dass BAP mit Reinhold Mack zum ersten Mal auf die Dienste eines professionellen Produzenten zurückgriffen hat, das Ergebnis gestaltete sich auf jeden Fall so, dass die rockigeren Lieder nun etwas die Überhand gewonnen hatten. Das macht allerdings nichts, denn gerade diese Lieder wissen auf „Ahl Männer, Aalglatt“ zu überzeugen. Das Titellied „Ahl Männer, Aalglatt“, „Endlich Allein“, „Globus“ sowie „Bunte Trümmer“ sind die Höhepunkte der Scheibe. Gerade „Bunte Trümmer“ ist dabei ein Lied, welches sofort, beim ersten Mal des Hörens, hängenbleibt. Eine tolle Rock-Nummer, zunächst fast schon etwas schräg und versetzt klingend, sich dann zu einem sehr melodiösen und abwechslungsreichen Titel entwickelnd.

Von den eher sanfteren Stücken überzeugt am meisten noch „Lisa“. Auch hier beweist einmal mehr Klaus Heuser sein Gespür für die eingängige Melodie. Und wer solch Stücke wie „Bahnhofskino“, „Sendeschluss“, „Jraaduss“ oder „Jupp“ von vorherigen Platten mag, die oder der wird auch „Lisa“ sehr mögen. Nur an einem Lied ist Klaus Heuser kompositorisch nicht beteiligt. Dieses heißt „Time Is Cash, Time Is Money“, wurde vom Produzenten Reinhold Mack zusammen mit Wolfgang Niedecken geschrieben, hat einen leichten Einschlag hin zum Reggae und ist das am wenigsten gelungene Lied auf diesem Album geworden.

Auf der remasterten CD-Ausgabe aus dem Jahr 2006 werden einem erneut Zugaben in Form einer zweiten CD geboten. Hierauf befinden sich Live-Aufnahmen, die zum größten Teil aus dem Jahr 1986 und dem Festival in Wackersdorf stammen. Ganz nett, aber nicht unbedingt ein Mehrwert. Die meiste Abwechslung bietet hier Udo Lindenbergs „Denn Sie Brauchen Keinen Führer“.

Fazit: Rockiger und schneller als die Vorgängeralben ist „Ahl Männer, Aalglatt“ geworden. Einige Höhepunkte lassen sich auch auf diesem Album finden und zwar gerade in diesen, rockigeren Nummern. Hier passen die Melodien, gehen ins Ohr und man wippt gerne mit. Die Texte des Wolfgang Niedecken sind einmal mehr kritisch und regen oft zum Nachdenken an, sind auch nach mehr als drei Jahrzehnten noch aktuell. Alles, Text wie Musik, durchaus auch heute noch überzeugend und hörenswert. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Ahl Männer Aalglatt, Endlich Allein, Globus, Bunte Trümmer



Mittwoch, 25. Januar 2017

BAP – Vun Drinne Noh Drusse




BAP – Vun Drinne Noh Drusse


Besetzung:

Wolfgang Niedecken – Gesang, Gitarre
Klaus Heuser – Gitarre, Gesang
Steve Borg – Bass
Wolfgang Boecker – Schlagzeug
Manfred Boecker – Percussion, Gesang
Alexander Büchel – Keyboards


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1982


Stil: Kölsch-Rock


Trackliste:

CD1:

1. Kristallnaach (4:59)
2. Wellenreiter (2:21)
3. Zehnter Juni (4:22)
4. Wie 'ne Stein (4:28)
5. Do kanns zaubere (4:35)
6. Nit für Kooche (Teil 1) (1:40)
7. Nit für Kooche (Teil 2) (4:04)
8. Ahn 'ner Leitplank (4:14)
9. Wenn et Bedde sich lohne däät (4:32)
10. Eins für Carmen un en Insel (2:54)
11. Koot vüür Aach (3:29)


CD2: (Remasterte Wiederveröffentlichung im März 2006 mit einer zweiten CD mit Bonusmaterial)

1. Wellenreiter (Live „Rockpop in Concert“, Dortmund 1982) (2:28)
2. Weisste noch? (Live 1983) (4:40)
3. Su ’ne Morje (Live, 1983) (3:05)
4. Zehnter Juni (Live, 1983) (5:07)
5. Wie 'ne Stein (Live „Rockpalast“ Loreley 1982) (4:53)
6. Do kanns zaubere (Live „Rockpalast“ Loreley 1982) (4:27)
7. Wenn et Bedde sich lohne däät (Live „Rockpalast“ Essen 1986) (4:50)
8. Kristallnaach (Live Wackersdorf 1986) (7:54)
9. Hundertmohl (Studio 1983) (4:02)

Gesamtspieldauer CD1 (41:43) und CD2 (41:32): 1:23:15




„Vun Drinne Noh Drusse“ heißt das vierte Studio-Album der Kölner Rockband BAP. Es erschien im August des Jahres 1982 bei EMI Electrola und stellt bis heute, zusammen mit dem Vorgängeralbum „Für Usszeschnigge!“, das erfolgreichste Album von BAP dar. Insgesamt für neun Wochen konnte sich die Platte im Herbst 1982 auf Platz 1 der deutschen Albumcharts halten.

Für die Musik auf „Vun Drinne Noh Drusse“ zeichnet sich bei zehn der elf Titel wieder Klaus Heuser verantwortlich. Die Nummer „Wie 'ne Stein“ stammt dagegen von Bob Dylan und ist eine Cover-Version des Stücks „Like A Rolling Stone“, wobei hier, wie bei den anderen zehn Liedern auch, Wolfgang Niedecken den Text schrieb. Diese kompositorische Zusammenarbeit zwischen Heuser und Niedecken gab es auch bereits auf dem Vorgängeralbum. Somit verwundert es auch nicht weiter, dass das Album „Vun Drinne Noh Drusse“ stilistisch sehr „Für Usszeschnigge!“ ähnelt. Auch hier gibt es wieder eine Mischung aus schnelleren und langsameren Titeln, die sich abwechseln.

In meinen Ohren war diese Mischung auf „Für Usszeschnigge!“ allerdings noch gelungener, gerade die eher sanfteren Nummern gingen auf dieser Scheibe noch besser ins Ohr. Allerdings hat natürlich auch „Vun Drinne Noh Drusse“ seine Höhepunkte. Sicher ist einer davon das vielleicht auch bekannteste Lied von BAP, „Kristallnaach“. Eine rockige Nummer, die immer hängenbleibt und einen packenden Text aufweist. Und dann sind da noch zwei weitere, allerdings sanfte Nummern, die Spuren hinterlassen. Zum einen „Ahn 'ner Leitplank“, mit ebenfalls tollem Text von Wolfgang Niedecken, den man auch versteht, wenn man dem Kölsch nicht so mächtig ist. Und schließlich ist das noch die letzte Nummer des Albums, „Koot vüür Aach“, wohl das melodiöseste Lied auf „Vun Drinne Noh Drusse“. Gerade mit diesen sanften Titeln konnte Klaus Heuser immer wieder sein Gespür für die wunderschöne Melodie nachweisen. Die restlichen Lieder des Albums gehen gegen diese drei genannten Nummern etwas unter, aber das ist sicherlich auch reine Geschmackssache und wird so mancher BAP-Fan völlig anders sehen.

Mit der Wiederveröffentlichung der Platte im Jahr 2006 wurde der CD-Ausgabe des Albums eine weitere CD hinzugefügt, die diverse Live-Aufnahmen aus den 80er Jahren der Band enthält. Das wiederum ist ganz interessant anzuhören, stellt allerdings keinen extra Kaufgrund für die Scheibe dar. Lediglich die letzte Zugabe, „Hundertmohl“, ist eine Studio-Version und dabei auch wirklich sehr hörenswert. Dabei handelt es sich wieder um ein sanftes und melancholisches Lied, welches zuvor auf dem 1983er Live-Album „Bess demnähx“ veröffentlicht worden war und auch ein Höhepunkt auf „Vun Drinne Noh Drusse“ gewesen wäre.

Fazit: BAP war in den 80er Jahren eine der angesagtesten Bands in Deutschland, obwohl kaum eine oder einer den Text verstand. Gut, das geht wohl vielen bei englischen Texten ähnlich, wird also kein Kaufargument gewesen sein. Wenn man „Vun Drinne Noh Drusse“ anhört, dann kann man das durchaus nachvollziehen, denn die Musik überzeugt und wenn man sich die Texte doch mal durchliest und versteht, so bewegen diese ebenfalls häufig. Allerdings gibt es andere Alben der Band, die dann doch noch überzeugender klingen. Spaß macht jedoch auch diese Scheibe, die auch drei bis vier richtige Höhepunkte aufweist – obwohl andere Hörer da ganz bestimmt auch andere Höhepunkte ausmachen werden. Gut gemachter Deutsch-Rock, nein, Kölsch-Rock ist das allemal. Neun Punkte.

Anspieltipps: Kristallnaach, Ahn 'ner Leitplank, Koot vüür Aach, Hundertmohl



Mittwoch, 18. November 2015

BAP – Zwesche Salzjebäck un Bier




BAP – Zwesche Salzjebäck un Bier


Besetzung:

Wolfgang Niedecken – Gesang, Gitarre 
Klaus Heuser – Gitarre, Gesang
Steve Borg – Bass
Jan Dix – Schlagzeug
Manfred Boecker – Perkussion, Gesang 
Alexander Büchel – Keyboard


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: Kölsch-Rock


Trackliste:

1. Bahnhofskino (6:48)
2. Drei Wünsch frei (5:25)
3. Diss Naach ess alles drinn (5:32)
4. Sendeschluss (5:48)
5. Alexandra, nit nur do (5:50)
6. Jojo (4:43)
7. Zofall un e janz klei' bessje Glöck (3:48)
8. Deshalv spill' mer he (5:08)
9. Schloof Jung, schloof joot (3:12)

Gesamtspieldauer: 46:27




„Zwesche Salzjebäck un Bier“ heißt das fünfte Studioalbum der Kölner Band BAP. 1984 wurde es veröffentlicht und hier stimmt noch alles. Für die Musik zeichnet sich zum größten Teil Klaus Heuser verantwortlich, die Texte stammen aus der Feder des Wolfgang Niedecken. Und diese Kombination lohnt sich, selbst wenn man des kölschen Dialekts nicht mächtig ist, die Texte kann man mitlesen, in die Musik vollständig eintauchen.

Was dieses Album jedoch hauptsächlich zu etwas Besonderem macht, das sind die Melodien, das ist die Musik selbst. Diese trifft die Hörerin beziehungsweise den Hörer einfach. Jede Menge sehr überzeugende Harmonien, Instrumentierungen, Melodien gibt es hier zu genießen, die sich fest im Musikzentrum verankern, zu Ohrwürmern werden, die auch Jahre überstehen. Höhepunkte sind dabei das so abwechslungsreiche „Bahnhofskino“, eines der besten Stücke, die BAP jemals veröffentlicht haben. Auch klasse das mitreißende „Drei Wünsch frei“, welches auch als Single veröffentlicht wurde. Ein weiterer Beweis dafür, dass begeisternde Rock Musik durchaus auch aus Deutschland stammen kann.

Ein anderes Highlight, wenn nicht sogar der beste Titel der Platte, heißt „Sendeschluss“. Hier transportieren die Kölner ganz fein und zart das Gefühl der Traurigkeit und Verzweiflung, auch gut ohne Kölsch-Kenntnisse zu verstehen und grandios instrumentiert. Zwar ist die Musik hier oftmals orchestral gehalten, allerdings am zarten Gitarrenspiel, da spürt man den Einfluss des Klaus Heuser, nach dessen Weggang, Ende der 90er Jahre, BAP nur noch eine „normale“ Band war.

Ausfälle gibt es keine auf dieser Scheibe. Klar zündet der eine Titel etwas besser als der andere, aber das läuft alles unter der Überschrift „Geschmackssache“ ab. Alle Lieder besitzen Potential und hier muss man keineswegs den Plattenarm weiterbewegen beziehungsweis die Skip-Taste betätigen.

Fazit: Neun überzeugende Lieder haben es auf „Zwesche Salzjebäck un Bier“ geschafft, wobei der Titel des Albums einer Zeile des Liedes „Sendeschluss“ entnommen ist. Ein ganz klein wenig besser gelungen sind dabei die Lieder auf der ehemaligen ersten Plattenseite, allerdings ist dies auch ein Jammern auf hohem Niveau. Auf „Zwesche Salzjebäck un Bier“ gibt es die nachdenklichen Titel wie die mitreißenden Rock Nummern. Ein Album welches von vorne bis hinten Spaß macht. Man ist dabei auch wieder einmal überrascht, wie klasse Kölsch zu dieser Art der Musik passt. So denkt man, dass deutsche Bands sich allgemein viel öfters trauen sollten in Deutsch oder eben ihrem Dialekt ihre Musik zu präsentieren – BAP wurden auch deutschlandweit erfolgreich. Die Sprache scheint also keineswegs ein Hinderungsgrund zu sein. Elf Punkte.

Anspieltipps: Bahnhofskino, Drei Wünsch frei, Sendeschluss



Sonntag, 16. März 2014

BAP – Für Usszeschnigge




BAP – Für Usszeschnigge


Besetzung:

Wolfgang Niedecken – Gesang, Gitarre
Klaus Heuser – Gitarre, Gesang
Steve Borg – Bass, Cello
Wolfgang Boecker – Schlagzeug
Manfred Boecker – Percussion, Gesang
Alexander Büchel – Keyboard


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1981


Stil: Kölsch-Rock


Trackliste:

1. Verdamp lang her (5:45)
2. Südstadt verzäll nix (3:43)
3. Jraaduss (3:51)
4. Waschsalon (2:22)
5. Jupp (5:46)
6. Frau ich freu mich (5:35)
7. Müsli Män (3:59)
8. Fuhl ahm Strand (5:26)
9. Ens em Vertraue (4:21)
10. Wo mer endlich Sommer hann (2:18)

Gesamtspieldauer: 43:06




Dass richtig gut gemachte Rockmusik nicht zwangsläufig nur aus dem englischsprachigen Raum kommen muss, bewies die Kölner Band BAP bereits 1981 mit der Veröffentlichung ihres dritten Albums „Für Usszeschnigge“. Hier gibt es für den Hörer rockige Lieder, genauso wie sanfte und nachdenklich verträumte Stücke zu entdecken. Allen diesen Titeln ist dabei gemein, dass sie überaus eingängig, melodiös und fesselnd sind.

Man hört hier so nachdenkliche Titel wie „Jraaduss“, „Jupp“ und „Fuhl ahm Strand“. Wunderschöne warme Musik, dezent und trotzdem sehr eindringlich instrumentiert, ausgestattet mit lohnenswerten Texten und diesem gewissen Ohrwurmcharakter, der ein Lied zu einem treuen Begleiter im Leben werden lässt. Dann beinhaltet „Für Usszeschnigge“ auch eines der bekanntesten Lieder von BAP: „Verdamp lang her“. Langsam und getragen, mit etwas sphärischem Hintergrund eingeleitet, entwickelt sich das Lied zu einer rockigen Nummer, die ebenfalls über einen unglaublichen Wiedererkennungswert verfügt.

Aber es gibt noch jede Menge mehr zu entdecken auf dieser Scheibe. „Südstadt verzäll nix“ ist ein klasse Rocker, genau wie „Waschsalon“, welches zusätzlich noch mit einem sehr witzigen Text versehen wurde, den man auch ohne größere Kölsch-Kenntnisse mitverfolgen kann. Auch „Frau ich freu mich“ rockt und groovt und bei „Müsli man“ klingt es dann sogar nach Reggae. Und einmal mehr beweist hier Wolfgang Niedecken, dass er neben nachdenklichen Texten auch sehr witzige zu formulieren weiß. „Ens em Vertraue“ klingt fröhlich und ein wenig nach Western-Saloon-Musik. Beschlossen wird das Album schließlich mit einer Cover-Version des Eddie Cochran Hits „Summertime Blues“, der hier mit neuem und deutschen Text versehen als „Wo mer endlich Sommer hann“ seinen Auftritt bekommt.

Fazit: Sehr beeindruckend ist diese Platte von BAP. Für viele Fans auch die beste LP, die die Band jemals veröffentlichte. Das liegt nicht zuletzt an dieser genialen Zusammenarbeit von Klaus „Major“ Heuser und Wolfgang Niedecken, die es schafften tolle Melodien mit richtig guten Texten zu kombinieren. Einen Ausfall weist dieses Album nicht auf. Alles ist hörenswert und weiß auf seine Art und Weise zu begeistern. Klasse Platte, zwölf Punkte.

Anspieltipps: Verdamp lang her, Jupp, Müsli Män, Fuhl ahm Strand



Donnerstag, 27. Februar 2014

BAP – Affjetaut




BAP – Affjetaut


Besetzung:

Wolfgang Niedecken – Gesang, Gitarre
Klaus Heuser (alias Major Healy) – Gitarre, Gesang
Steve Borg – Bass
Wolli Boecker – Schlagzeug
Manfred Boecker – Percussion, Gesang


Gastmusiker:

Matthias Keul – Tasteninstrumente, Mundharmonika auf „Vun mir uss Kitsch“
Büdi Siebert – Saxophon auf „Häng de Fahn eruss“, „Ruut-wieß-blau querjestriefte Frau“, „Pardong“
Remo Constantini – Hammond-Orgel auf „Pardong“
Rüttli 2000 – Percussion auf “Pardong”


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: Kölsch-Rock


Trackliste:

1. Ne schöne Jrooß (5:29)
2. Wat ess? (3:58)
3. Stollwerck-Leed (3:48)
4. Anna (3:40)
5. Häng de Fahn eruss (2:33)
6. Helfe kann dir keiner (4:21)
7. Ruut-wieß-blau querjestriefte Frau (5:28)
8. Von mir uss Kitsch (2:46)
9. Kumm op ming Sick (5:40)
10. Pardong (3:45)

Gesamtspieldauer: 41:28




“Affjetaut” ist das zweite Album der Kölner Band um Wolfgang Niedecken und das erste, welches mit Klaus Heuser an der Gitarre eingespielt wurde. Ein Jahr nach dem Debut-Album „Wolfgang Niedecken’s BAP rockt andere kölsche Leeder“ erschien 1980 diese Scheibe, die ein breites Spektrum verschiedener Musikstile aufweist. Da gibt es rockige Lieder zu hören, schöne und weiche Balladen und auch einzelne Reggae-Töne. All dies zusammen ergibt ein sehr stimmiges Bild, was die Platte sehr lohnenswert werden lässt. Die LP wurde damals mit einem riesigen Beizettel von etwa einem Meter mal einem Meter ausgestattet. Darauf kann man einige Bilder betrachten, die Texte wurden abgedruckt und Wolfgang Niedecken erklärt dem Leser eine ganze Reihe kölscher Begriffe. Dazu gibt es noch die Rubrik „Paar Warme Worte“, in der Niedecken etwas auf die Entstehung der Scheibe eingeht und was sich in Bezug zur letzten Platte so alles verändert hat. Das Wichtigste hierbei war, dass die Band auf der ersten Platte rein aus Amateuren bestand, die zwei Auftritte im Monat hatten. Nach der Veröffentlichung des ersten Albums änderte sich dies und plötzlich gab es da zehn oder mehr Gigs im Monat. Nicht alle Weggefährten konnten diesen Weg mitgehen, da sie beruflich anders eingebunden waren. Daher auch die Umbesetzung an Gitarre, Bass und den Keyboards.

Nun, die Titel stammen aus der Feder Wolfgang Niedeckens. Zumindest die letzten vier der Platte. Bei den ersten Stücken ist Klaus Heuser als Komponist für die Musik angegeben, Wolfgang Niedecken zeichnet sich allerdings auch hier für die Texte verantwortlich. Das ist zumindest dahingehend überraschend, da beim wahrlich eindringlichen „Helfe kann dir keiner“ auch „Major“ Heuser als musikalischer Komponist angegeben wurde, obwohl dies nachweislich ein Song ist, den Niedecken bereits mit seinem Kumpel Hans Herres geschrieben hatte, der noch auf der ersten Platte an der Gitarre zu hören war.

Das Mitwirken von Klaus Heuser, der im selben Jahr zur Band gestoßen war und ab jetzt die musikalische Richtung bei BAP vorgab, ist dabei allerdings ein Glücksfall für BAP gewesen. Klaus Heuser hatte dieses spezielle Gefühl für die eingängige Melodie und auch für den perfekten Groove und Rhythmus, bei den etwas schnelleren Stücken. Deutsch-Rock, Pardon, Kölsch-Rock natürlich, der richtig guten Sorte gibt es daher auf „Affjetaut“ zu hören, Musik, die sofort ins Ohr geht. Dazu gesellen sich die sehr überzeugenden, manchmal witzigen, ein anderes Mal nachdenklich machenden Texte des Wolfgang Niedecken.

Ausschlaggebend für den Erfolg ist allerdings wohl mehr die Musik gewesen, denn genau so wie die meisten Musikhörer nur wenig auf den englischen Text achten, ist es auch bei den kölschen Texten – trotz der Mühe, die sich Niedecken immer wieder mit Übersetzungen gab und gibt. Die Musik weiß zu packen und der bereits erwähnte Stilmix trägt nicht wenig zum Gelingen dieser Scheibe bei, die sehr eingängig und auch immer spannend ist. Mal kann man sich treiben lassen, mal ist man versucht mit zu wippen und wieder ein anderes Mal gerät man einfach ins Träumen.

Fazit: Ein schönes, abwechslungsreiches und spannendes Album ist „Affjetaut“ geworden. Dabei können die Kompositionen sich durchaus messen lassen mit Veröffentlichungen aus dem englischsprachigen Raum. BAP sollte von nun an über eine lange Zeit die Fahne des deutschsprachigen Rocks hoch halten, auch wenn sie diesen auf Kölsch wiedergeben. Wer auf allgemein gut gemachten Rock steht, dem sei diese Platte wärmstens empfohlen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Wat ess?, Helfe kann dir keiner, Ruut-wieß-blau querjestriefte Frau