Im Jahr 2003 begann die norwegische Band – mit dem etwas überraschenden und gar nicht so skandinavischen Namen – Gazpacho Alben zu veröffentlichen. Am 31. Oktober 2025, an Helloween, erschien nun ihr zwölftes Studioalbum mit dem Titel „Magic 8-Ball“ auf dem Plattenlabel KScope.
Einmal mehr verstehen die Norweger dabei eine musikalisch süße Melancholie zu erzeugen, die einen warm einhüllt. Wunderschöne Melodien entwickeln sich auf diesem Album, driften nicht ab, sondern verweilen in schönen Harmonien ohne dabei auch nur den Hauch von Langeweile zu verströmen. Freilich sollte man als Hörer diesen Klängen positiv gegenüber stehen. Denn wer fickeligen ProgRock erwartet dürfte sicherlich enttäuscht werden. Wer jedoch schöne Harmonien und sanfte Wechsel in Stimmung und Atmosphäre zu schätzen weiß, die oder der kommt hier voll auf seine Kosten.
Über allem schwebt dabei diese bereits erwähnte Melancholie, durchtränkt von Sentimentalität. Es macht einfach Spaß hier zuzuhören und in diese musikalischen Welten einzutauchen. Letztendlich hört man auf „Magic 8-Ball“ New Artrock in seiner fast schon zerbrechlich klingenden Ausführung. Die Texte handeln vom Schicksal, von Zufällen und der ständigen Veränderung unserer Identität. Von daher ist der Titel „Magic 8-Ball“ gut gewählt, da dieser zufällige Antworten auf „Ja-und-Nein-Fragen“ gibt. Gruselig und nach Helloween klingt auf diesem Album weder die Musik, noch die Texte, umso mehr jedoch einnehmend.
Fazit: Mag man auch die sanfte, melodiöse und melancholische Ausprägung des Progressive Rocks dann ist man mit diesem Album sehr gut bedient. Es reicht nicht ganz an das Meisterwerk der Band „Demon“ heran, viel fehlt jedoch nicht. Sehr hörenswert. Für Fans sowieso. Dreizehn Punkte.
8. Mark Spencer ft. Lee Abraham - The Poet Sniffs A Flower (3:42)
9. Twelfth Night - Creepyshow - live (11:58)
10. Alan Reed & Kim Seviour - Love Song (5:54)
11. Axe – Don‘t Make Me Laugh (3:52)
12. Eh! Geoff Mann Band - Fact And Fiction - live (4:19)
13. Eh! Geoff Mann Band - Love Song - live (6:50)
Gesamtspieldauer CD1 (1:00:20) und CD2 (1:15:06) und CD3 (1:13:23): 3:28:49
„Twelfth Night“ war eine englische Progressive Rock Band, die zunächst Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts aktiv war und sich schließlich 1987 zum ersten Mal auflöste. Später gab es immer wieder Wiedervereinigungen, doch diese wurden lediglich von Alben und Konzerten gekennzeichnet, die sich auf die Musik der 80er Jahre bezogen. Das wohl bekannteste Werk von Twelfth Night wurde 1982 veröffentlicht und trägt den Titel „Fact And Fiction“. Wer den britischen Progressive Rock der 70er Jahre mag, wie ihn Genesis, Yes, etc. zelebrierten, der sollte unbedingt auch mal in „Fact And Fiction“ reinhören.
Auf „Fact And Fiction“ hört man melodischen Progressive Rock, der sich sehr schnell im Ohr festsetzt. Wunderschöne Melodienbögen, schnelle, treibende Abschnitte und sanfte Parts, laufend Stimmungs- Rhythmus und Tempowechselwechsel, immer wieder neue Überraschungen und Wendungen. Progressive Rock der sehr überzeugenden Art. Von der Instrumentierung bis hin zum sehr abwechslungsreichen und überzeugenden Gesang des Geoff Mann ein absolut überzeugendes Album.
Mit der 2018er Wiederveröffentlichung bekam man als Fan dann die ultimative Veröffentlichung des Albums. Auf der ersten CD befindet sich das komplette Studioalbum sowie die beiden Singleauskopplungen „East Of Eden“ und „Eleanor Rigby“. Dazu hört man noch das Lied „Being Human“ ein Outtake und gleichzeitig eine alternative Version des Stücks „Human Being“ sowie „Paradise Locked“, ein kurzes musikalisches Verbindungsstück.
CD2 beinhaltet anschließend das komplette Album in der Live-Version. Diese einzelnen Stücke wurden allerdings nicht zusammenhängend eingespielt, sondern entstammen verschiedenen Konzerten. Auf der dritten CD schließlich werden die Lieder des Albums von diversen anderen Bands interpretiert, was durchaus auch spannend klingt. Alles in allem eine runde und gelungene Zusammenstellung und Aufwertung dieses wahrlich hörenswerten Albums auf drei CDs.
Fazit: „Fact And Fiction“ ist das wohl bekannteste Album der englischen Band Twelfth Night. Darauf hört man Progressive Rock, der durchaus auch zehn Jahre früher hätte entstanden sein können. Eingängiger und melodischer Progressive Rock. Mit dieser Wiederveröffentlichung bekommt man nun die Möglichkeit das Album auch noch aus etwas veränderten Perspektiven zu hören. Sehr gelungen. Dreizehn Punkte.
„All Is Wild, All Is Silent“ heißt das dritte Studioalbum der texanischen Post Rock Band Balmorhea. „All Is Wild, All Is Silent“ wurde am 10. März 2009 auf dem Plattenlabel Western Vinyl veröffentlicht und aus dem ehemaligen Duo mit Michael Muller und Rob Lowe war inzwischen eine sechsköpfige Band geworden.
Erneut handelt es sich bei „All Is Wild, All Is Silent“ um ein Instrumentalalbum, auch wenn man Gesang hört, diesen jedoch lediglich in der wortlosen Variante. Beim Zuhören wird man vom ersten bis zum letzten Takt von dieser Musik eingefangen. Alle Lieder auf „All Is Wild, All Is Silent“ klingen so unfassbar intensiv und bewegend. „Bewegend“ ist dabei genau die richtige Umschreibung für das Album insgesamt, denn die Lieder packen einen allesamt mit ihrer melancholischen bis traurigen Atmosphäre und bewegen die eigene Stimmung.
Das klingt mal ein klein wenig mystisch, mal nach grenzenloser Freiheit, manchmal glaubt man nördliche Landschaften vor dem eigenen Auge zu sehen, dann wieder verwunschene Orte und oftmals erspürt man eine große Sehnsucht. Allen Liedern ist dabei eine Melodiösität und Eingängigkeit gemein, die ihresgleichen sucht. Die Musik erklingt sanft und akustisch, Cello, Violine und auch Banjo sorgen immer wieder für besondere Momente.
Auf „All Is Wild, All Is Silent“ hört man Musik für die ruhigen und auch für die besonderen Momente des Lebens. Einzelne Lieder dabei herauszuheben ist nicht einfach, da das Album mit jedem Titel überzeugt. Um an dieser Stelle doch zwei Lieder zu nennen seien hier die Stücke „Remembrance“ und „Truth“ genannt. Erstgenanntes Lied für seine wunderschöne und packende Steigerung und „Truth“ für das intensive und begeisternde Pianospiel in Verbindung zu den Streichern.
Fazit: Akustische Alben können wahrlich begeistern. Vor allen Dingen, wenn sie so intensiv, packend und wunderschön klingen wie „All Is Wild, All Is Silent“ von Balmorhea. Fühlt man hier beim Zuhören allerdings gerade selbst den Blues, so wird die eigene Gefühlslage durch diese Scheibe nochmals sehr verstärkt. Da sollte man definitiv aufpassen. Ansonsten für die ruhigen Momente des Lebens perfekt geeignet. Dreizehn Punkte.
Zu Beginn kurz ein paar Anmerkungen von Conrad Keely, die er zur Entstehung von „XI: Bleed Here Now“ erzählt: „Erst als der anfängliche Schock und das Entsetzen über ein Jahr voller pandemiebedingter Absagen überwunden war - und wir die Tatsache verarbeitet hatten, dass die Band absolut nichts zu tun hatte - wachte ich eines Tages mit einem plötzlichen, überwältigenden Gefühl von Frieden, Gelassenheit und Zentriertheit auf. Es dauerte einige glückselige Monate, in denen wir in den Hügeln um Austin wanderten, mit den Hunden spazieren gingen, zu Hause kochten und Bücher lasen (tatsächlich wieder Bücher lasen!), bis ich anfing zu denken, hmmmm... vielleicht sollten wir ein neues Album aufnehmen. Ich meine, warum nicht, oder? Zu dieser Zeit kamen einige wirklich großartige Musikdokumentationen heraus, die in mir das Gefühl weckten, das oft nostalgisierte (das ist übrigens kein richtiges Wort) Goldene Zeitalter der Rockmusik wieder aufleben zu lassen. Sie wissen schon: Damals, bevor Autotune (aus irgendeinem Grund mit deutschem Akzent ausgesprochen), bevor Pro Tools, bevor diese lähmenden, betäubenden Komprimierungsgrade die Sounddateien wie perfekte Legosteine aussehen ließen, anstatt wie steigende und fallende Gezeiten der atmosphärischen Entwicklung.“ Und aus diesem Ansatz heraus wurde das elfte Studioalbum der texanischen Band mit dem Titel „XI: Bleed Here Now“ im quadrophonischen Surround-Sound eingespielt. Und ich nehme es vorweg, das lohnt wirklich gehört zu werden.
Am Besten man setzt die Kopfhörer auf und lässt sich auf diese musikalische Reise ein, ganz entspannt auf dem Sofa oder sonstigen Lieblingsplätzen. Und ich komme bereits bei den ersten Takten nicht umhin „XI: Bleed Here Now“ mit einem früheren Werk der US-Amerikaner zu vergleichen. Ich besitze alle Alben von …And You Will Know Us By The Trail Of Dead, wobei meine Lieblingsplatte ihr im Jahr 2005 erschienenes Album „Worlds Apart“ ist. Und genau zu dieser Platte kommen zwangsläufig Erinnerungen auf. Beginnt „Worlds Apart“ mit dem orchestral eingespielten Titel „Ode To Isis“, an dessen Ende der Bandname von einer Frauenstimme eingesprochen wird, so hört man auf „XI: Bleed Here Now“ den übersetzten Bandnamen in vielen verschiedenen Sprachen eingesprochen. Die Musik wächst an, wird ebenfalls orchestral und beim Übergang zum zweiten Titel wird erneut der Bandname eingesprochen – dieses Mal jedoch von einer männlichen Stimme.
Und damit wären wir bei der Musik auf „XI: Bleed Here Now“. Diese spielt sich im Bereich des Alternative Rocks, des Hard Rocks und auch des Progressive Rocks ab. Mitunter fast schon folkige Abschnitte wechseln sich mit rockigen Passagen ab, um dann in deutlich progressivere Phasen zu münden. All diesen musikalischen Ausflügen ist dabei gemein, dass man sie zum einen sehr schnell als Musik von …And You Will Know Us By The Trail Of Dead erkennt. Enttäuscht wird der Fan diesbezüglich schon mal nicht. Der mehrstimmige Gesang, die Dramaturgie in den Liedern selbst, das klingt eindeutig nach den Texanern. Zum anderen schafft es die Band einmal mehr wunderschöne Melodien zu kreieren, die ziemlich schnell ins Ohr gehen. Und mit jedem weiteren Durchlauf klingt das alles noch viel vertrauter, wunderschön vertraut und macht einfach Spaß gehört zu werden.
Dabei erklingt auf deutlich über einer Stunde Spielzeit auch jede Menge Abwechslung. Es sind nicht nur die musikalischen Genres, die auf „XI: Bleed Here Now“ variiert werden. Es sind auch die Stimmungen, die sich ändern, ineinander übergehen und sich schließlich zu neuen Atmosphären verbinden. Da klingt es mal sphärischer, dann wieder sanft und melodiös, schließlich getrieben und rockig. Alles perfekt aufeinander abgestimmt. Doch dies sind nicht die einzigen Zutaten, die das elfte Studioalbum der Band so überaus abwechslungsreich werden lassen. Wir hören auf „XI: Bleed Here Now“ zwei Freunde der Band beim Gesang, die ihre Sache ebenfalls sehr gut machen. Schließlich ist es zu guter Letzt auch die Instrumentierung, die dazu beiträgt, dass auf diesem Album niemals Langeweile aufkommt, niemals Langeweile aufkommen kann. Dieses Wechseln zwischen orchestralen und den typischen Rock-Instrumenten hat einfach was und erinnert ebenfalls einmal mehr an das bereits erwähnte Album „Worlds Apart“.
Und so hörte ich „XI: Bleed Here Now“ das erste Mal durch und musste es sofort wieder auflegen. Meist lasse ich Musik nach dem ersten Hören zunächst mal etwas sacken, um es mir später nochmals anzuhören. Das war bei diesem Album definitiv anders, denn „XI: Bleed Here Now“ begeisterte mich sofort so sehr, sodass ich es einfach sofort nochmals hören wollte. Dabei ist es übrigens keineswegs der Fall, dass diese Platte einen Aufguss des siebzehn Jahre zuvor veröffentlichten „Worlds Apart“ darstellt. Auch wenn die Musik Erinnerungen diesbezüglich aufkommen lässt, so klingt das elfte Album von …And You Will Know Us By The Trail Of Dead jederzeit eigenständig. Irgendwie ist es eine Reminiszenz an dieses Album, jedoch ganz gewiss kein Klon. Da fällt mir ein, dass ich diesen Vergleich noch nirgendwo gelesen habe, von daher kann dieser Vergleich auch nur mein ganz persönlicher Eindruck sein.
Und ganz zum Schluss noch ein paar abschließende Worte zum Sound. Der ist hervorragend. Das Hören des Albums auf guten Kopfhörern lohnt definitiv. Aus allen Ecken scheinen die Stimmen und Instrumente zu kommen. Surround Sound eben, der auch im Jahr 2022 funktioniert.
Fazit: Wer die Musik von …And You Will Know Us By The Trail Of Dead mag wird auch ihr elftes Album „XI: Bleed Here Now“ mögen. Das Album klingt abwechslungsreich, melodiös und immer wieder mitreißend. Mich persönlich erinnert es etwas an „Worlds Apart“ ohne, dass die Band sich hier selbst kopieren würde. Somit bleibt schlussendlich festzustellen, dass „XI: Bleed Here Now“ ein klasse Album geworden ist, welches sich für alle lohnt, die auf abwechslungsreichen, spannenden und melodiösen Rock stehen. Für …And You Will Know Us By The Trail Of Dead-Fans definitiv sowieso. Dreizehn Punkte.
Anspieltipps: Taken By The Hand, Millenium Actress
Gesamtspieldauer CD1 (55:05) und CD2 (48:53): 1:43:58
Nachdem es zwischen den ersten zwölf Studioalben maximal drei Jahre dauerte, bis das nächste Studioalbum erschien, sind nun bereits sechs Jahre seit der letzten Archive-Veröffentlichung mit dem Titel „The False Foundation“ vergangen. Doch am 29. April 2022 wurde nun das dreizehnte Werk der Engländer (wenn man den Soundtrack zum Film „Michel Vaillant“ mitrechnet) unter dem Namen „Call To Arms And Angels“ veröffentlicht.
Archive haben mit ihren Liedern schon immer auch soziale und politische Themen aufgegriffen. So kompakt wie auf „Call To Arms And Angels“ war dies allerdings noch niemals zu hören. Egal ob Brexit, der Sturm des Capitols, die Pandemie oder die Rassenunruhen in den USA. All diese Themen halten Einzug in die Musik von Archive. Und Darius Keeler erwähnt in einem Interview, dass das Album fast wie ein Tagebuch der Geschehnisse der jüngsten Vergangenheit sei und dabei fast schon erschreckend prophetisch ist, denkt man an die jüngsten Geschehnisse in der Ukraine.
Dies zum grob umrissenen Inhalt des Albums. Doch wie hört es sich musikalisch an? Ich kenne Archive und damit auch deren Musik seit ihrem Debut mit „Londinium“ im Jahr 1996. Meine Favoriten waren dabei ihre Alben in den Nullerjahren dieses Jahrhunderts. Also „You All Look The Same To Me“, „Noise“, „Lights“ und auch noch „Controlling Crowds“. Auch die Platten danach gefielen mir, besonders noch „Axiom“, doch sie packten einfach nicht mehr ganz so stark, wie jene zuvor erschienen Alben. Das lag unter anderem auch mit daran, dass ich diese langen, sich langsam steigernden und überaus hypnotisch klingenden Lieder wie „Again“, „Lights“ oder „Controlling Crowds“ vermisste. Gerade diese Lieder machten die Musik von Archive immer ein wenig besonders, klangen besonders und packten einen besonders. Anderen Hörerinnen und Hörern klang das vielleicht sogar zu langweilig, doch mich trafen diese Lieder absolut. Und solche Stücke gibt es nun wieder auf „Call To Arms And Angels“ zu hören. Mehrere Nummern des Albums kratzen an der Zehnminutenmarke und mit „Daytime Coma“ befindet sich sogar ein viertelstündiger Longtrack auf dem Album. Mit eingängiger Redundanz wird hier wieder ein fast schon meditativer, leicht hypnotisierender Effekt erzielt.
Die Lauflänge eines Liedes sagt freilich nichts über die Qualität des Stückes an sich aus. Doch auf „Call To Arms And Angels“ variieren die Musiker nicht nur die Stimmungen und Atmosphären, die Lautstärken, Rhythmen, Tempi und musikalischen Genres innerhalb des gesamten Albums, sie variieren all diese musikalischen Zutaten auch in den einzelnen Liedern selbst. Archive spielen dabei mit Gefühlen und Emotionen, lassen niemals Langeweile aufkommen und verstehen mitzureißen. Ganz egal dabei, ob sich das Ganze eher rockig anhört oder sphärisch leicht aus den Boxen quillt, ins Ohr gehen die Lieder allesamt, bereits beim ersten Mal des Hörens. Doch es gibt auch kurze Passagen zu hören, die leicht experimentell klingen, und dabei den Gesamteindruck des Albums nochmals auflockern. Was fehlt sind allerdings Rap-Nummern, die sich auch immer mal auf frühere Scheiben von Archive verirrt hatten. Diese gibt es auf „Call To Arms And Angels“ jedoch nur ansatzweise zu hören – ich bin nicht traurig darüber.
Fazit: Auf zwei CDs oder drei LPs bekommt man mit „Call To Arms And Angels“ jede Menge Musik geboten. Archive-Musik, die sich gegenüber den letzten Veröffentlichungen nochmals positiv abhebt. Atmosphärisch dicht und abwechslungsreich hört man auf der Platte eingängige Lieder, die oftmals an frühere Zeiten in der Bandgeschichte erinnern. Positiv festzuhalten ist dabei auch der Umstand, dass Archive mit „Call To Arms And Angels“ ein Doppelalbum vorlegen in Zeiten, in denen manch andere Bands Platten veröffentlichen, die gerade mal an der 40-Minuten-Grenze kratzen. Ich bin sehr positiv überrascht. Dreizehn Punkte.
Axel Croné – bass clarinet, bass guitar, bass piano, double bass, electric guitar, tenor saxophones, clavinet d6, nord a1, percussion, piano, pro one & snare drum, roland rs202, elektronika em-04
Samuel Hällkvist – electric guitar
Mats Johansson – arp 2601, clavinet d6, oberheim xpander, minimoog, prophet 10, roland string rs202, treatments, mellotron, moog one, kurzweil 2600, nord a1, air noise, electronic pads and big balloons, grand piano, machine drones, water, moog sub37/voyager, yamaha cs80, noise, piano fx, variable speed synthesizers, vocals
„In Disequilibrium“ stellt nach dem Erstlingswerk „In Amazonia“ bereits die zweite Zusammenarbeit der schwedischen symphonischen Progressive Rockband Isildurs Bane und Peter Hammill dar. Und diese Zusammenarbeit lohnt wahrlich gehört zu werden – steht man denn auf Art Rock und Progressive Rock. „In Disequilibrium“ erschien am 24. September 20121 auf dem Plattenlabel Ataraxia.
Zwei Suiten, bestehend aus drei beziehungsweise vier Teilen bekommt man auf dem Album zu hören. Und keine Frage, dieses Album muss man sich erarbeiten. Und mit jedem Mal, mit dem ich es hörte, steigert sich meine Begeisterung noch mehr. Klingt der erste Teil des Albums, das Titellied, noch deutlich weniger zugänglich, so erschließen sich einem viele Melodien – jedoch längst auch nicht alle – des Stücks „Gently (Step By Step)“ deutlich schneller.
„In Disequilibrium“ ist ein Parforce-Ritt durch ganz verschiedene Atmosphären, die dunkel bis hoffnungsvoll erklingen. Peter Hammills Stimme treibt einen vor sich her, wohingegen die Musik zunächst alles andere als eingängig klingt. Harmonien sind zwar vorhanden, doch genauso schräge Passagen, die fast schon sperrig anmuten und sich ebenso abhören. Allerdings auch hier gilt ganz klar, je öfters man sich dieser Musik hingibt – falls man denn überhaupt ein Faible für solche Klänge hat und nicht sofort aufgibt – umso reichhaltiger wird man mit jedem weiteren Durchlauf belohnt. Dabei gilt zudem, dass man sich auf diese Musik konzentrieren muss. Nichts könnte wohl anstrengender sein als ein nettes Pläuschchen halten zu wollen und im Hintergrund eskalieren Isildurs Bane und Peter Hammill immer wieder aufs Neue. Zumindest gilt dies für die Teile 1 und 2, bereits im dritten Abschnitt des Liedes wird die Musik melodischer und nun auch deutlich eingängiger. Peter Hammill singt phasenweise deutlich sehnsüchtiger, weniger treibend, um dann doch wieder die Richtung vorzugeben. Die Melodie des Stücks erschließt sich einem sofort und stellt sich bereits nach dem zweiten Hören wie ein guter alter Freund dar.
Fast wirkt es so, als ob Isildurs Bane und Peter Hammill mit dieser Liedpassage musikalisch bereits das kommende Stück „Gently (Step By Step)“ einleiten würden. Mit diesem Lied bewegen sich die Musiker nun endgültig im Bereich des symphonischen Art Rocks beziehungsweise symphonischen Progressive Rocks. Wunderschöne Melodien gibt es hier zu entdecken, mal sanft mal richtig bombastisch, mal mit einer ordentlichen Portion Pathos. Das wirkt und klingt sehr einnehmend und atmosphärisch dicht. Dabei beginnt das Stück lediglich mit einem Rauschen, bevor jede Menge Rhythmus einsetzt, der in atmosphärische, sanfte Klänge mündet. Peter Hammill ist bei diesem kurzen, wie eine Intro-Sequenz gestalteten ersten Teil des Liedes nur ganz kurz, gegen Ende des Stücks und sehr verfremdet zu hören. Dann entwickeln sich die Melodien, sanft zunächst, mit Chören und jeder Menge Atmosphäre angefüllt – ohne dabei auch nur ansatzweise platt zu klingen. Auch hier wird Peter Hammills Stimme immer wieder verfremdet, klingt zum Teil durch diverse Melodiebögen verspielt, steht jedoch nicht ganz so im Vordergrund, wie zum Beispiel auf einem Van Der Graaf Generator-Album. Dies wohl dadurch, da seine Stimme beim Abmischen wohl nicht zu sehr in den Vordergrund gerückt wurde. Zumindest wirkt dies auf mich ein wenig so. Die Stimmung des Stücks ist intensiv und der dritte Teil des Liedes erinnert an den Einstieg zu diesem Titel, Peter Hammill tritt völlig in den Hintergrund. Der vierte Abschnitt von „Gently (Step By Step)“ erklingt schließlich wie ein großer Abgesang des Albums, melodisch und sehr eingängig. Klasse gelungen.
Fazit: Isildurs Bane und Peter Hammill machen nicht nur separat, sondern auch in dieser Kombination besondere Musik. Klar, das ist nichts für den Massenmarkt und man muss sich Vieles auf „In Disequilibrium“ erschließen. Doch wenn man Spaß an „besonderen“ Klängen hat, dann wird einen dieses Album zweifelsfrei begeistern. Mir zumindest gefällt es sehr. Dreizehn Punkte.
1. Churchbells On Acid / Domglocken Auf Acid (36:52)
2. Gentile Prayers / Heidnische Gebete (41:34)
Gesamtspieldauer: 1:18:26
Am 25. April 1973 gab Achim Reichel zusammen mit seinen bereits bewährten Live-Musikern unter dem Bandnamen A.R. & Machines ein Konzert im Rahmen der Reihe „Nachtmusik im WDR“. Da das Honorar nicht besonders hoch ausfiel, wie Achim Reichel erzählt, einigte man sich darauf, dass Achim Reichel im Anschluss an ihren Auftritt einen Stereomitschnitt des Konzertes zur freien Verfügung erhalten sollte.
Gut, dass sich der Musiker darauf einließ, denn dieses Köln Konzert ist eine meditativ-hypnotische Reise, die – falls laut oder auf Kopfhörern gehört – einen wahrlich in andere Sphären katapultiert. Es passiert nicht viel während der beiden Lieder. Ein Thema wird immer weiter variiert, die Echo-Gitarre sorgt für die Fülle, Saxophon oder Flöte für abwechslungsreiche Einsprengsel.
Die beiden Lieder sind Atmosphäre pur, die allerdings nicht einfach so dahinwabert, sondern durchaus mit einer gehörigen Portion an Rhythmus versehen ist. Man muss sich darauf einlassen können, die Augen schließen und ab geht die Reise – für viele Hörerinnen und Hörer könnte sich das Ganze allerdings auch enervierend oder langweilig anhören. Hört man diese Musik, wird man eine Meinung dazu haben, so viel ist sicher.
Fazit: Meditativ hypnotische Musik gab es damals im Jahr 1973 im Rahmen der WDR-Reihe „Nachtmusik im WDR“ von A.R. & Machines zu hören. Für mich klingt das begeisternd, ich kann allerdings auch nachvollziehen, wenn jemand sagen würde: „Da passiert irgendwie nichts“. Recht hat er. Aber genau das ist das Geheimnis dieser Musik. Dreizehn Punkte.
3. Mellom Mjødurt, Marisko og Søstermarihånd (6:30)
4. Pastoralia (6:05)
5. Fuglehviskeren (2:32)
6. Beitemark (6:01)
7. Vettedans (2:02)
8. Jord III (10:35)
Gesamtspieldauer: 43:42
Jordsjø entwickeln sich immer mehr zu einer ganz besonderen Band. Seit 2017 sind nun insgesamt vier Studioalben des norwegischen Duos erscheinen und nach dem wahrlich überzeugenden Album „Nattfiolen“ aus dem Jahr 2019 legen die beiden Musiker nun mit „Pastoralia“ nochmals ein überaus gelungenes Album nach.
„Pastoralia“ erschien im Mai 2021 auf dem norwegischen Plattenlabel Karisma Records und weiß einmal mehr mit wunderschönen Retro-Prog-Klängen zu überzeugen. Progressive Rock des 21. Jahrhunderts hört man auf dem Album, angelehnt an jene Musik der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts, ohne diese zu kopieren. Wunderschöne Melodien entfalten sich dabei vor dem Ohr der Hörerin beziehungsweise des Hörers. Eingängig, zum Teil verschachtelt und immer wieder neue Wendungen einschlagend und dabei nur noch mehr an Spannung und Abwechslung gewinnend.
Die mit Flöten, Klarinetten, Violinen und Mellotron angereicherte Musik überzeugt von den ersten Akkorden bis zum Ausklingen des Albums. Dabei reicht die musikalische Spannweite von leichten jazzigen Einflüssen bis hin zu Kammerrock-Anleihen. Über all dem steht jederzeit die eingängige Melodie, die durchgängig im Mittelpunkt des Schaffens von Jordsjø zu stehen scheint. Gesungen wird auch auf dem Album und zwar auf Norwegisch, doch der Gesang hält sich insgesamt etwas zurück, dient eher als Untermalung, denn als zentrales Momentum in der Musik der Band. Auch Rhythmus und Tempo changieren zwischen sanft und getragen bis hin zu Passagen, in denen die E-Gitarre sogar mal rockt – jedoch nur kurzzeitig.
Die Grundstimmung des Albums ist eher eine sanfte und zurückhaltende. Oftmals klingt das alles sehr verträumt und wächst dann doch wieder sehr stimmungsvoll an. Alles auf „Pastoralia“ klingt hörenswert. Die Höhepunkte sind reich gesät. „Skumring i Karesuando“, „Fuglehviskeren“ sowie „Jord III“ lohnen sehr, um sich einen Überblick über die Musik auf diesem Album machen zu können. Freundinnen und Freunde des Progressive Rocks werden es lieben.
Fazit: Skandinavischer Retro-Progressive Rock im Sinne der ersten Bands aus den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts, das bekommt man auf „Pastoralia“ zu hören. Musik, abwechslungsreich und spannend. Musik, die ins Ohr geht und darin länger verweilt. Für alle, die gern weitab vom Mainstream der Radiostationen Musik hören ist diese Platte sehr zu empfehlen. Dreizehn Punkte.
Anspieltipps: Skumring i Karesuando, Fuglehviskeren, Jord III
Musik ist etwas Wunderbares. Ganz einfach lässt sie Gefühle entstehen, Erinnerungen aufkommen. Musik schafft es die Stimmung zu heben und das Herz zu erwärmen. Sie versetzt einen in unterschiedliche Situationen und lässt Hörerinnen und Hörer ganz tief Eintauchen in längst vergangene Zeiten.
Genauso erging es mir, als ich „Still Thick As A Brick“ von Reflection Club hörte. Die ersten Akkorde ertönten und sofort war ich musikalisch zurückversetzt in das Jahr 1972, als Jethro Tull ihr wohl bekanntestes Werk „Thick As A Brick“ veröffentlichten – und das, obwohl ich Anfang der 70er Jahre eher im Sandkasten buddelte, als aktiv Musik zu hören. Doch „Thick As A Brick“ von Jethro Tull begleitet mich bereits mein ganzes musikalisches Leben, welches dann bewusst Ende der 70er Jahre einsetzte. Schließlich sitze ich also im Frühjahr 2021 genervt von Corona auf meinem Sofa, lege „Still Thick As A Brick“ von der mir völlig unbekannten Band Reflection Club auf und bin bereits nach den ersten Akkorden beeindruckt.
„Thick As A Brick 2“ erschien im Jahr 2012. Allerdings wurde das Album nicht mehr unter der „Überschrift“ Jethro Tull, sondern unter Ian Andersons Namen veröffentlicht. Und jetzt, neun Jahre später veröffentlicht er ein Album, was durchaus auch „Thick As A Brick 3“ heißen könnte unter dem Namen Reflection Club? Nein, der Reflection Club klingt wie Jethro Tull, ist es allerdings nicht. Lutz Meinert steckt dahinter, den einige vielleicht bereits von der Band Margin her kennen. Zusammen mit dem Gitarristen Nils Conrad (Crystal Palace und For Your Pleasure), der US-amerikanischen Flötistin Ulla Harmuth sowie dem englischen Sänger, ebenfalls Flötisten und Gitarristen Paul Forrest (Jethro Tull Experience und Dayglo Pirates) spielte Lutz Meinert eine Hommage des Jethro Tull Klassikers ein, welche ganz eindeutig nach Jethro Tull in der damaligen Zeit klingt.
Selbstverständlich spielen Reflection Club „Thick As A Brick“ nicht einfach nach, im Stile des damaligen Albums entstand allerdings eine elfteilige Suite, die alle Jethro Tull Fans begeistern dürfte. Denn die Musik auf „Still Thick As A Brick“ klingt keineswegs wie eine Kopie des Originals, sehr viel eher wie eine Erweiterung des ursprünglichen Albums. Nichts klingt hier abgekupfert oder identisch, das ursprüngliche Album diente eher als Inspiration und die darauf zu hörende Musik wird nun in neuer Form zum Leben erweckt.
So gibt es auf „Still Thick As A Brick“ viel zu entdecken. Wunderschöne Melodien, eher rockige Abschnitte, die sich mit deutlich sanfteren Passagen abwechseln. Jede Menge Abwechslung, die dem Original in Nichts nachsteht. Die elf Titel gehen ineinander über und man tritt beim Hören eine musikalische Reise an, die spannend klingt und jederzeit zu überzeugen weiß.
Das Album erhält man in Form eines kleinen Buches, welches ein Musikmagazin enthält. Dies ebenfalls in Anlehnung an das 1972er Album, welches mit der fiktiven Zeitung „St. Cleve Chronicle & Linwell Advertiser“ ausgeliefert wurde. In der jetzigen Ausgabe ist es das erfundene Musikmagazin „Rellington Stone“, welches die Liedertexte und einige Informationen zum Album beinhaltet. Schließlich befindet sich auf der beigefügten DVD eine Diashow, die die Musik visualisiert und sich über den gesamten Surround- und HD-Stereo-Mix der DVD erstreckt. Auch hier haben sich die Macher von „Still Thick As A Brick“ sehr viel Mühe gegeben.
Fazit: Wer die Musik von Jethro Tull auf „Thick As A Brick“ liebte, wird ganz sicher auch „Still Thick As A Brick“ von Reflection Club lieben. Auf dem Album hört man keine Kopie der damaligen Musik, sondern eine Erweiterung, die sich lohnt gehört zu werden. Klasse. Dreizehn Punkte.
Schwer zu zählen sind inzwischen die Veröffentlichungen des Jérôme Reuter alias Rome. Es könnte seine sechszehnte Veröffentlichung sein, aber ganz sicher kann man sich da wohl nicht sein, da manche Scheiben wohl als Promo-CD erschienen und man nirgendwo nachlesen kann, ob diese Alben dann nicht doch noch „offizielle“ Platten wurden. Sei es drum, „The Lone Furrow“ erschien am 28. August 2020 und enthält einmal mehr Musik, die so zweifelsohne ohne groß nachzudenken Rome zugeordnet werden kann. Diese Stimme gepaart mit dieser Musik – unverwechselbar.
Dabei beginnt das Album mit dem Titel „Masters Of The Earth“ eher sphärisch und mit gesprochenen Worten verziert. Ein Stilmittel, welches Jérôme Reuter auf dem Album noch häufiger einsetzt. Auch die Titel „Making Enemies In The New Age“, „The Weight Of Light“ sowie das letzte Lied „A Peak Of One’s Own” spielen mehr mit den Stimmungen und Atmosphären, denn mit Melodien. Doch diese Titel lockern das gesamte Album auf, denn zwischen diesen Einschüben bekommt man wundervolle Melodien und Harmonien zu hören. Musik, die sofort und unverzüglich ins Ohr geht.
Zur ausdrucksstarken Stimme des Jérôme Reuter hört man wunderschön eingängige Lieder, meist etwas nachdenklich bis melancholisch klingend und jederzeit melodiös. Dabei reiht sich hier überzeugender Titel an Titel, ohne auch nur einmal dabei qualitativ abzufallen. Großes musikalisches Kino und sicherlich das beste Rome-Album der letzten Jahre und auch insgesamt eine der besten Veröffentlichungen von Rome.
„The Lone Furrow“ ist reich an Höhepunkten. „Tyriat Sig Tyrias“, „The Angry Cup“, „The Twain“, „Kali Yuga Über Alles“, „On Albion’s Plain“ und „Obsidian“ sind allesamt herausragende Titel, wenn man auf diese sanfte und doch packende Musik des luxemburgischen Musikers steht. Nun und dann darf an dieser Stelle natürlich auch das in Französisch eingesungene Lied „Palmyra“ nicht fehlen. Großartig. Musik kann so packend sein.
Fazit: Schlechte Alben kann Jérôme Reuter einfach nicht veröffentlichen. Sie haben alle ihre Qualität und können überzeugen. Und dann gibt es auch noch Alben, die stechen etwas aus der Masse der Rome-Veröffentlichungen hervor. „The Lone Furrow“ gehört definitiv dazu. Packende und eingängige Musik, die immer eine gewisse Melancholie ausstrahlt. Für alle Träumerinnen und Träumer dieser Welt. Dreizehn Punkte.
23. The Opening Of The Big Gate - Das Öffnen Des Großen Tores (2:09)
24. The Dream Of Balance - Der Traum Vom Gleichgewicht (3:26)
The Echo Of The Past - Das Echo Der Vergangenheit
25. Memories Of The Day After Tomorrow - Erinnerungen An Übermorgen (4:42)
26. Ad Libido (7:57)
27. Ego Lego (2:57)
28. Burns Like A Light At The End Of The Tunnel - Brennt Wie Ein Licht Am Ende Des Tunnels (1:56)
Gesamtspieldauer: 1:19:30
„Echo“ heißt das zweite Studioalbum von A.R. & Machines, dem Krautrock-Projekt des Achim Reichel. Das Album erschien im Jahr 1972 auf dem Plattenlabel Polydor und setzte den eingeschlagenen Weg, den Achim Reichel ein Jahr zuvor mit „Die grüne Reise“ begonnen hatte, konsequent fort. Nach Rock’n’Roll sollte es jetzt also Krautrock sein, elektronisch beeinflusst, weit weg vom Kommerz.
Aber das stimmt nur zum Teil, denn Achim Reichel vertiefte seine musikalische Reise mit diesem Album, er klingt auf „Echo“ nochmals überzeugender, als er dies bereits auf der „grünen Reise“ getan hat. Die Musik auf „Echo“ besteht beileibe nicht nur aus elektronischen Instrumenten. Achim Reichel verwebt hier analoge und digitale Musik zu einem absolut stimmigen Ganzen. „Echo“ klingt experimentell, „Echo“ klingt eingängig. An sich ein Widerspruch, doch für heutige Ohren eher „abgefahrene“ Klänge wechseln sich mit wunderschönen und eingängigen Melodien ab, sodass das Album zu einer Art „magischen“ Reise mutiert.
Einige Lieder auf „Echo“ entfalten fast eine hypnotisierende Wirkung, klingen redundant, ohne dabei jemals Gefahr zu laufen langweilig zu klingen. Achim Reichel probiert die neuen musikalischen Möglichkeiten der damaligen Zeit aus und erschuf so eines der eindrucksvollsten Alben des Krautrocks. Auch wenn das Ganze dabei mal etwas skurriler klingt, wie beim Titel „Ad Libido“, der so übrigens auch gut auf Pink Floyds „Ummagumma“ gepasst hätte, so sitzt man trotzdem gespannt vor den Boxen und staunt über den Mut und die Kreativität, die sich damals in der Musik noch ihre Wege bahnen konnte.
Ganz bestimmt ist dies nicht Musik für jede und jeden, denn es klingt von wirr über skurril nach abgefahren bis hin zu eingängig so unfassbar abwechslungsreich auf diesem Album. Das muss man „aushalten“ können, wird dann jedoch reich mit einem musikalischen Erlebnis belohnt – nicht nur mit Musik allein.
Fazit: „Echo“ ist eine ganz besondere Platte geworden. Ein musikalisches Erlebnis und Experiment. Weit entfernt von jeglichem Mainstream. Weit weg von Kommerzialität. Weit weg von jeglicher Langeweile. Dafür umso spannender und unterhaltender. Krautrock der sehr guten Sorte. Dreizehn Punkte.
Anspieltipps: Im Irrgarten Des Geistes, Ich Staune