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Dienstag, 17. Mai 2022

T. Rex – T. Rex

 



T. Rex – T. Rex


Besetzung:

Marc Bolan – vocals, guitar, bass, organ
Mickey Finn – drums, bass, pixiphone, vocals


Gastmusiker:

Tony Visconti – bass, piano, recorder, string arrangements, production
Howard Kaylan – backing vocals
Mark Volman – backing vocals




Erscheinungsjahr: 1970


Stil: Rock


Trackliste:

1. The Children Of Rarn (0:53)
2. Jewel (2:46)
3. The Visit (1:54)
4. Childe (1:40)
5. The Time Of Love Is Now (2:42)
6. Diamond Meadows (1:58)
7. Root Of Star (2:31)
8. Beltane Walk (2:26)
9. Is It Love? (2:33)
10. One Inch Rock (2:25)
11. Summer Deep (1:43)
12. Seagull Woman (2:18)
13. Suneye (2:05)
14. The Wizard (8:50)
15. The Children Of Rarn (Reprise) (0:39)

Bonus Track der Wiederveröffentlichung:

16. Ride A White Swan (2:18)

Gesamtspieldauer: 39:46



„T. Rex“ heißt das fünfte Studioalbum des englischen Musikers Marc Bolan und seiner Band Tyrannosaurus Rex. Es ist jedoch das erste Album, welches die Band unter dem Namen T. Rex veröffentlichte. „T. Rex“ erschien ursprünglich am 18. Dezember 1970 auf dem Plattenlabel Reprise Records. Obwohl das Album unter dem Namen T. Rex veröffentlicht wurde, wurden alle Aufnahmen noch unter dem Namen Tyrannosaurus Rex mit der Zwei-Mann-Besetzung aus Sänger und Gitarrist Marc Bolan und Schlagzeugers Mickey Finn eingespielt.

Marc Bolan wollte noch weiter weg vom Folk-Sound früherer Alben hin zum Rock und ließ sich deshalb auch mit einer E-Gitarre auf dem Cover abbilden. Und so hört man auf „T.Rex“ eine Mischung aus immer noch folkig angehauchten Klängen, die ab und an mit einer E-Gitarre untermalt wurden. Rockig klingt das lediglich an ausgewählten Stellen, doch jederzeit entspannt und auch melodiös und eingängig. Ausnahmen stellen dabei kurze eher experimentelle Ausflüge dar, die hier und da in einem Lied eingestreut wurden. Insgesamt klingt das alles heutzutage irgendwie trotzdem unaufgeregt. Inhaltlich wurde „T. Rex“ von J.R.R. Tolkien beeinflusst. Marc Bolan singt von Zauberern und diversen weiteren mystischen Gestalten.

Die Lieder bewegen sich alle noch in einer Länge, die die Pop-Musik der 60er Jahre widerspiegelt. Kein Titel mit einer Ausnahme erreicht die 3-Minuten-Marke. Diese Ausnahme fällt dann auch nicht nur „üppig“ aus, sondern auch bezüglich der Musik etwa aus dem Rahmen. Das Lied „The Wizard“ hat nicht nur eine Laufzeit von fast neun Minuten, die Nummer rockt auch deutlich mehr als der Rest des Albums. Zum Teil klingt das sogar ein wenig schräg und spielt im Bereich des Psychedelic Rock mit leichten experimentellen Ansätzen. Die Übergänge verschiedener Passagen des Liedes klingen mitunter leider leicht konstruiert, geradezu so, als ob es sich um mehrere Lieder handeln würde, die verbunden werden „mussten“. Nicht ganz verwunderlich, denn „The Wizard“ war eine bereits im Jahr 1965 veröffentlichte, deutlich kürzere Single des Marc Bolan.

Fazit: Ein entspanntes Album ist „T. Rex“ von „T. Rex“ geworden. Gleichzeitig das erste Album, welches Marc Bolan unter diesem Bandnamen veröffentlichte. Folk, Rock und ein paar Ausflüge in experimentelle und psychedelische Gefilde gibt es darauf zu hören. Man kann das alles gut konsumieren und die Musik ist keine, die sich im Hintergrund hören lässt. Ein wenig Aufmerksamkeit bedarf es da schon. Neun Punkte.

Anspieltipps: Diamond Meadows



Sonntag, 13. Juni 2021

Alice Cooper – Easy Action

 



Alice Cooper – Easy Action


Besetzung:

Alice Cooper – vocals
Glen Buxton – lead guitar
Michael Bruce – rhythm guitar, piano, backing vocals, lead vocals on "Below Your Means" and "Beautiful Flyaway"
Dennis Dunaway – bass guitar, backing vocals
Neal Smith – drums, backing vocals


Gastmusiker:

David Briggs – piano on "Shoe Salesman"




Erscheinungsjahr: 1970


Stil: Pop, Rock, Psychdelic


Trackliste:

1. Mr. & Misdemeanor (3:10)
2. Shoe Salesman (2:39)
3. Still No Air (2:34)
4. Below Your Means (6:54)
5. Return Of The Spiders (4:32)
6. Laughing At Me (2:16)
7. Refrigerator Heaven (2:01)
8. Beautiful Flyaway (3:01)
9. Lay Down And Die, Goodbye (7:36)

Gesamtspieldauer: 34:48



„Easy Action“ heißt das zweite Studioalbum der US-amerikanischen Rockband Alice Cooper. Das Album wurde am 27. März 1970 auf dem Plattenlabel Straight Records veröffentlicht. Der Titel des Albums ist dem Film-Musical West Side Story entnommen worden. Die Lieder „Shoe Salesman“ und „Return Of The Spiders“ wurden als Singles ausgekoppelt. Doch wie bereits das ein Jahr zuvor erschiene Debutalbum „Pretties For You“ wurde auch „Easy Action“ nicht zu einem großartigen kommerziellen Erfolg.

Zu hören gibt es auf „Easy Action“ immer noch etwas Pop, etwas mehr Rock und noch ein wenig mehr wird das Album vom Psychedelic Rock – ganz im Stil der damaligen Zeit – beseelt. Und das klingt durchaus interessant, wenn man der Scheibe heute allerdings auch anhört, dass sie nicht aus der heutigen Zeit stammt, jedoch alles anders als altbacken klingt. Die Lieder klingen zum größten Teil sehr eingängig und nur an wenigen Stellen, wenn die Band zu sehr den psychedelischen Charakter ihrer Musik zu unterstreichen versucht, wird es dann auch mal atonal bis experimentell, wie beim letzten Lied „Lay Down And Die, Goodbye“. Insgesamt hört man auf „Easy Action“ jedoch eine gelungene Mischung aus den bereits erwähnten musikalischen Genres, die es auch heute noch lohnt anzuhören.

Höhepunkt auf der Scheibe ist das Lied „Below Your Means“, bei dem Alice Cooper es vortrefflich schaffen einen klasse Melodiebogen mit psychedelischen Aspekten zu verbinden. Und mag man es eingängig und poppiger, so sei an dieser Stelle noch das schöne, pianogetragene Lied „Beautiful Flyaway“ angeführt.

Fazit: Auch wenn „Easy Action“ weder beim Publikum noch bei den Kritikern besonders gut ankam, mir gefällt, was man auf diesem Album zu hören bekommt. Spannender und eingängiger Rock, der auch mal experimenteller klingt. Musik im Stile der beginnenden 70er Jahre gibt es auf „Easy Action“ zu hören. Freilich ohne besonderen Gassenhauer, dafür in seiner Gesamtheit überzeugend. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Below Your Means, Beautiful Flyaway



Mittwoch, 17. März 2021

Trees – The Garden Of Jane Delawney

 



Trees – The Garden Of Jane Delawney


Besetzung:

Celia Humphris – vocals
Barry Clarke – lead and acoustic guitars
David Costa – acoustic and 12-string guitars
Bias Boshell – bass, vocals, acoustic guitar
Unwin Brown – drums




Erscheinungsjahr: 1970


Stil: Folk


Trackliste:

1. Nothing Special (4:29)
2. The Great Silkie (5:11)
3. The Garden Of Jane Delawney (4:05)
4. Lady Margaret (7:09)
5. Glasgerion (5:15)
6. She Moved Thro‘ The Fair (8:04)
7. Road (4:33)
8. Epitaph (3:23)
9. Snail‘s Lament (4:37)

Bonus Tracks:

10. Forest Fire (4:10)
11. Prince Heathen (4:22)
12. Tom Of Bedlam (7:39)
13. Cry My Morning (2:49)
14. Burgen Polka (3:39)

Gesamtspieldauer: 1:09:30



„The Garden Of Jane Delawney“ heißt das Debütalbum der britischen Folk-Rock-Band Trees. Es wurde am 24 April 1970 zunächst auf dem Plattenlabel CBS veröffentlicht. Die hier besprochene Version des Albums mit fünf Bonus-Titeln erschien im Jahr 2006 auf Walhalla Records.

Auf „The Garden Of Jane Delawney“ hört man Folk, der auch immer wieder durch leichtere, rockige Passagen aufgelockert wird. Über allem steht dabei die sehr sanfte und weibliche Stimme der Celia Humphris, die zumeist fast schon ein wenig zerbrechlich klingt. Das passt sehr gut zu den manchmal sehr sanften Gitarrenklängen von Trees. Besonders hervorzuheben ist dabei natürlich das Titellied „The Garden Of Jane Delawney“, welches diese Sanftheit perfekt transportiert.

Die Musik der Trees ist jederzeit eingängig und melodiös. Jedes Lied klingt und geht ohne große Umwege ins Ohr. Das Schöne dabei ist, dass eben auch mal eine E-Gitarre ein Solo spielen darf, nicht bloß der Folk betont wird, sondern auch der Rock. Sehr schön bekommt man dies beim Titel „Lady Margaret“ präsentiert, der in einem nicht enden wollenden Solo über Minuten ausklingt – um dann schließlich doch noch mal sanfter zu klingen, bis er letztendlich doch wieder rockig endet.

Es ist dieser Abwechslungsreichtum, der „The Garden Of Jane Delawney“ so hörenswert werden lässt. Nach nur wenigen Durchläufen werden die einzelnen Lieder bereits zu guten Bekannten, schließlich zu Freunden. Die vier Zugaben sind Live-Einspielungen von eher schlechter Tonqualität. Musikalisch wird – wie so oft bei Live-Versionen – das Tempo angezogen und die Violine rückt häufig ins Zentrum des Gehörten. Dies grenzt allerdings durch die schlechte Tonqualität eher an eine Information über weitere Lieder der Band, denn an ein Hörerlebnis.

Fazit: „The Garden Of Jane Delawney“ enthält englischen Folk Rock. Die Lieder sind eingängig und melodiös, größtenteils sanft gehalten, doch werden Tempo und Rhythmus auch immer wieder rockig angezogen. Ein schönes und gelungenes Album ist „The Garden Of Jane Delawney“ geworden. Die Bonus-Titel lohnen allerdings aufgrund der schlechten Tonqualität kaum. Zehn Punkte.

Anspieltipps: The Garden Of Jane Delawney



Sonntag, 21. Februar 2021

George Harrison – All Things Must Pass

 



George Harrison – All Things Must Pass


Besetzung:

George Harrison – vocals, electric and acoustic guitars, dobro, harmonica, moog synthesizer, harmonium, backing vocals; bass guitar


Gastmusiker:

Eric Clapton – electric and acoustic guitars, backing vocals
Gary Wright – piano, organ, electric piano
Bobby Whitlock – organ, harmonium, piano, tubular bells, backing vocals
Klaus Voormann – bass guitar, electric guitar]
Jim Gordon – drums
Carl Radle – bass guitar
Ringo Starr – drums, percussion
Billy Preston – organ, piano
Jim Price – trumpet, trombone
Bobby Keys – saxophones
Alan White – drums, vibraphone
Pete Drake – pedal steel
John Barham – orchestral arrangements, choral arrangement, harmonium, vibraphone
Pete Ham – acoustic guitar
Tom Evans – acoustic guitar
Joey Molland – acoustic guitar
Mike Gibbins – percussion
Peter Frampton – acoustic guitar
Dave Mason – electric and acoustic guitars
Tony Ashton – piano
Gary Brooker – piano
Mal Evans – percussion, vocal on "It's Johnny’s Birthday", "Tea And Sympathy"
Ginger Baker – drums on "I Remember Jeep"
Al Aronowitz – unspecified contribution on "Out Of The Blue"
Eddie Klein – vocal on "It's Johnny’s Birthday"
Dhani Harrison – acoustic guitar, electric piano, backing vocals
Sam Brown – vocals, backing vocals
Ray Cooper – percussion, synthesizer


Label: Apple


Erscheinungsjahr: 1970


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

CD1:

1. I’d Have You Anytime (2:57)
2. My Sweet Lord (4:41)
3. Wah-Wah (5:37)
4. Isn’t It A Pity (Version One) (7:10)
5. What Is Life (4:24)
6. If Not For You (3:30)
7. Behind That Locked Door (3:07)
8. Let It Down (4:58)
9. Run Of The Mill (2:51)

Zusätzliche Lieder:

10. I Live For You (3:37)
11. Beware Of Darkness (Acoustic Demo) (3:22)
12. Let It Down (Alternate Version) (3:55)
13. What Is Life (Backing Track / Alternate Mix) (4:27)
14. My Sweet Lord (2000) (4:55)

CD2:

1. Beware Of Darkness (3:51)
2. Apple Scruffs (3:06)
3. Ballad Of Sir Frankie Crisp (Let It Roll) (3:48)
4. Awaiting On You All (2:48)
5. All Things Must Pass (3:46)
6. I Dig Love (4:57)
7. Art Of Dying (3:38)
8. Isn’t It A Pity (Version Two) (4:48)
9. Hear Me Lord (5:49)

Apple Jam:

10. It’s Johnny’s Birthday (0:49)
11. Plug Me In (3:19)
12. I Remember Jeep (8:08)
13. Thanks For The Pepperoni (5:32)
14. Out Of The Blue (11:13)

Gesamtspieldauer CD1 (59:38) und CD2 (1:05:39): 2:05:17



„All Things Must Pass“ ist das bereits dritte Solo-Studioalbum des englischen Musikers und Ex-Beatle George Harrison. Es wurde als Dreifach-Album im November 1970 veröffentlicht und war George Harrisons erstes Solo-Werk nach der Auflösung der Beatles im April desselben Jahres. Es enthält die Hit-Singles „My Sweet Lord“ und „What Is Life“. Obwohl George Harrison mit dem hauptsächlich instrumentalen Album „Wonderwall Music“ aus dem Jahr 1968 und dem sehr experimentellen „Electronic Sound“ aus dem Jahr 1969 bereits zwei Alben veröffentlicht hatte, galt für George Harrison „All Things Must Pass“ als sein erstes „richtiges“ Soloalbum. Die ursprüngliche Vinyl-Veröffentlichung bestand aus zwei LPs mit den offiziellen Liedern und einer dritten Platte, die die Apple Jams enthielt.

George Harrison war zu Ende der Beatles nicht sehr glücklich über den Umstand, dass Paul McCartney und John Lennon seine Kompositionen kaum auf den Beatles-Platten zuließen. Mit „All Things Must Pass“ konnte er sich nun kreativ ausleben. Es überrascht dabei nicht sehr, dass dieses Album durchaus noch nach den Beatles klingt und auch eindeutig ein musikalisches Dokument der damaligen Rockmusik darstellt. Nicht alle Titel auf „All Things Must Pass“ klingen dabei so eingängig wie die meisten Lieder auf den Beatles-Veröffentlichungen, dafür klingt die Musik des George Harrison auch deutlich experimenteller.

Ins Ohr gehen trotzdem sehr viele der Stücke. Enes der bekanntesten Lieder George Harrisons ist sicherlich „My Sweet Lord“. Ein absoluter Ohrwurm, den man so schnell nicht mehr vergisst. Genial klingt das über siebenminütige „Isn’t It A Pity“ in der ersten Version. Fast schon hypnotisierend redundant wird die Melodie des Liedes ganz langsam gesteigert. Ebenfalls sehr hörenswert sind die Lieder „If Not For You“, „Run Of The Mill“ oder „Beware Of Darkness“. Die eigenen Höhepunkte des Albums bleiben dabei selbstverständlich Geschmackssache. Zu entdecken gibt es allerdings sehr viel auf diesem auch sehr abwechslungsreichen Album, welches hier und dort die Grenzen des Pop und des Rock auslotet, indem es experimenteller klingt, psychedelischer wird oder selbst mal ganz leichte Country-Anklänge zulässt.

Fazit: „All Things Must Pass“ ist nicht nur das dritte Soloalbum des George Harrison und ein Zeitdokument, sondern auch eine spannende musikalische Reise. Die Musik auf „All Things Must Pass“ klingt abwechslungsreich und hält einige wunderschöne Melodien für die Hörerinnen und Hörer parat. Nicht nur für Beatles-Fans lohnend. Elf Punkte.

Anspieltipps: My Sweet Lord, Isn’t It A Pity (Version One), If Not For You



Samstag, 8. Dezember 2018

Iron Butterfly – Metamorphosis




Iron Butterfly – Metamorphosis


Besetzung:

Ron Bushy – drums
Lee Dorman – bass guitar
Doug Ingle – organ, vocals
Mike Pinera – guitar, vocals
Larry "Rhino" Reinhardt – guitar


Gastmusiker:

Richard Podolor – sitar, twelve-string guitar
Bill Cooper – twelve-string guitar


Label: ATCO


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Rock, Psychedelic Rock, Acid Rock


Trackliste:

1. Free Flight (0:50)
2. New Day (3:20)
3. Shady Lady (3:57)
4. Best Years Of Our Life (3:59)
5. Slower Than Guns (3:49)
6. Stone Believer (4:25)
7. Soldier In Our Town (3:22)
8. Easy Rider (Let The Wind Pay The Way) (3:06)
9. Butterfly Bleu (13:57)

Gesamtspieldauer: 40:49



„Metamorphosis“ nannte die US-amerikanische Rockband Iron Butterfly ihr viertes Studioalbum. Veröffentlicht wurde „Metamorphosis“ am 13. August 1970, wie auch die vorherigen Alben der Band, auf dem Plattenlabel ATCO, was inzwischen zu Rhino Records und damit zur Warner Music Group gehört. „Metamorphosis“ war nicht mehr so erfolgreich wie das Vorgängeralbum „Ball“, erreichte allerdings immer noch Platz 16 in den US-Charts. Erik Brann hatte aufgrund von Streitigkeiten die Band verlassen und war durch vier Session-Gitarristen ersetzt worden. Zwei von ihnen, Mike Pinera und Larry „Rhino“ Reinhardt, wurden vor der Veröffentlichung des Albums feste Mitglieder bei Iron Butterfly. Das Lied „Easy Rider (Let The Wind Pay The Way)“ wurde als Single ausgekoppelt und erreichte Platz 66 der Billboard-Charts. Die Besonderheit auf „Metamorphosis“ ist, dass es eines der ersten Rockalben darstellt, auf dem die Talkbox zum Einsatz kommt.

Auf „Metamorphosis“ hat sich stilistisch ein großer Wandel in der Musik von Iron Butterfly vollzogen. Von Psychdeleic Rock ist auf dem Album nur noch sehr wenig zu hören, auch wenn der letzte Titel „Butterfly Bleu“ immer noch Ansätze dieses Genres enthält. Doch hört man insgesamt auf der Platte Rock, Blues und sogar Soul, was die Scheibe sehr viel gewöhnlicher werden lässt. Klar wird auf „Butterfly Bleu“ auch noch ein wenig experimentiert, es bleibt allerdings eine Nummer, die wie Stückwerk wirkt und dabei überhaupt nicht ins Ohr gehen mag. Das Lied ist aus mehreren Teilen zusammengesetzt, die mal rockiger, mal sphärischer und schließlich nur noch experimentell klingen und man versteht die Zusammenhänge überhaupt nicht, da die einzelnen Passagen fast schon wie willkürlich aneinandergehängt wirken. Das hört sich fast so an, als ob die Musiker mal wieder ein langes Lied machen wollten und nachgesehen haben, sie denn da noch so im Archiv finden würden. Klingt irgendwie sehr seltsam. Daran ändert leider auch nichts der hier bereits erwähnte Einsatz der Talkbox nichts. Schade. Leider kann auch der Rest der Platte nur in Ausnahmefällen etwas mehr gefallen allerdings kaum überzeugen, da auch dieser alles andere als eingängig klingt und in diesen hier bedienten Genres zudem keineswegs überzeugt.

So muss als Höhepunkt das etwas schmachtende und ein wenig im Folk angesiedelte „Slower Than Guns“ herhalten. Ein ganz „nettes“ Lied mit angenehmer Melodieführung, durch den Einsatz der Sitar auch etwas exotisch klingend. Die weiteren Lieder hören sich dann immer noch ganz interessant an, wenn sie rocken, ansonsten bleibt Vieles auf „Metamorphosis“ leider nur Stückwerk.

Fazit: Nachdem Erik Brann Iron Butterfly verlassen hatte ging es mit der Band musikalisch gesehen deutlich bergab. Nur noch sehr wenig kann auf „Metamorphosis“, dem vierten Album von Iron Butterfly noch überzeugen. Die meisten Titel laufen einfach durch und überraschen den Iron Butterfly Fan, da es sich dabei keineswegs mehr um Psychedelic Rock, sondern um Blues, Soul oder gewöhnlichen Rock handelt. Daran kann auch leider der Longtrack „Butterfly Bleu“ nichts ändern. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Slower Than Guns



Donnerstag, 22. November 2018

Iron Butterfly – Live




Iron Butterfly – Live


Besetzung:

Erik Brann – guitar
Doug Ingle – organ, lead vocals
Lee Dorman – bass, backing vocals
Ron Bushy – drums


Label: ATCO


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Rock, Psychedelic Rock, Acid Rock


Trackliste:

1. In The Time Of Our Lives (4:42)
2. Filled With Fear (3:41)
3. Soul Experience (4:09)
4. You Can’t Win (3:26)
5. Are You Happy (4:02)
6. In-A-Gadda-Da-Vida (18:49)

Gesamtspieldauer: 38:52



„Live“ nannte die US-amerikanische Rockband Iron Butterfly irgendwie logischerweise und einleuchtend ihr erstes Live-Album. Dieses wurde am 22. April 1970 auf dem Plattenlabel ATCO veröffentlicht und war zwischen dem 25. und 30. Mai 1968 eingespielt worden. Als einzige Platte von insgesamt fünf Live-Veröffentlichungen der Band konnte sich die Scheibe in den US Billboard Album Charts platzieren und erreicht dort immerhin Platz 20.

„Live“ stellt eine Art Werkschau der ersten drei Platten von Iron Butterfly dar. Das Album „Heavy“ ist mit dem Titel „You Can‘t Win“ vertreten. „Are You Happy“ und „In-A-Gadda-Da-Vida“ stammen natürlich vom Album „In-A-Gadda-Da-Vida“ und die Titel „In The Time Of Our Lives“, „Filled With Fear” sowie „Soul Experience” vom dritten Album „Ball“. Die Titelauswahl ist dabei durchaus gelungen, wenn man sich persönlich sicherlich auch das ein oder andere Lied lieber gewünscht haben mag. Alles reine Geschmackssache eben.

Die einzelnen Stücke sind nicht allzu weit von den Originalen entfernt, beim Stück „In-A-Gadda-Da-Vida“ kommt der Live-Charakter noch am ehesten zum Tragen. Die Musik wirkt, wenn man Psychedelic Rock mag und gerne mal die Anfänge des Hard Rock erhören möchte. Genau darin kann man auf „Live“ eintauchen beziehungsweise sich einhören. Ein Manko des Albums ist allerdings sicherlich die sehr kurze Laufzeit der Scheibe. Die meisten Live-Platten werden in Form von Doppel-Alben veröffentlicht und das ist auch gut so, um in die Musik und die Atmosphäre deutlich besser einsteigen zu können.

Fazit: Man erhält mit „Live“ einen schönen Überblick über das Schaffen von Iron Butterfly zu Beginn ihrer Karriere. Das transportierte „Live-Gefühl“ hält sich auf dem Album allerdings in Grenzen, da die Lieder sich sehr nah am Original bewegen. Nichtsdestotrotz hört man auf „Live“ gut gemachte Musik, die längst nicht so alt klingt, wie sie inzwischen bereits ist. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Filled With Fear, In-A-Gadda-Da-Vida



Sonntag, 18. November 2018

Focus – In And Out Of Focus




Focus – In And Out Of Focus


Besetzung:

Thijs van Leer – vocals (tracks 2, 5, 6), flute, hammond organ, piano, electric piano, mellotron, harpsichord, vibraphone
Jan Akkerman – guitars, acoustic guitars
Martin Dresden – bass guitar, trumpet (tracks 4, 5), vocals (tracks 2, 3, 6)
Hans Cleuver – drums, bongos, vocals (tracks 2, 5, 6)


Label: Imperial Records


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Rock, Pop, Progressive Rock


Trackliste:

1. Focus (Vocal Version) (2:44)
2. Black Beauty (3:08)
3. Sugar Island (3:05)
4. Anonymus (6:33)
5. House Of The King (2:51)
6. Happy Nightmare (Mescaline) (3:59)
7. Why Dream (3:57)
8. Focus (Instrumental) (9:45)

Gesamtspieldauer: 36:04




Focus sind eine niederländische Rockband, die 1969 in Amsterdam von Keyboarder, Sänger und Flötist Thijs van Leer gegründet wurde. Im Jahr 1970 folgte sodann das erste Studioalbum mit dem Titel „In And Out Of Focus”, das ursprünglich auf dem Plattenlabel Imperial Records erschien. „In And Out Of Focus” ist das einzige Album von Focus, welches in der ursprünglichen Besetzung mit Thijs van Leer, Jan Akkerman, Martin Dresden und Hans Cleuver eingespielt wurde.

Auf „In And Out Of Focus” hört man eine Mischung aus englischem Pop der 60er Jahre, jazzig angehauchtem Rock und auch ein paar Sequenzen mit Progressive Rock. Mitunter klingt das Ganze recht bieder, die Lieder werden jedoch dann interessant, wenn die Musik über den poppigen Ansatz hinausgeht. Dies ist zum Beispiel bei den beiden Nummern „Anonymus“ und „House Of The King“ der Fall. Hier klingen die Niederländer ein wenig nach Jethro Tull, was ganz eindeutig an dem Querflöten-Einsatz liegt, der einfach in dieser Art und Weise gespielt nach Ian Anderson klingt.

Höhepunkt für mich ist allerdings die Nummer „Happy Nightmare (Mescaline)“. Das Lied beginnt zunächst sehr getragen wie eine traurige Pop-Nummer aus der Zeit, geht dann im weiteren Verlauf in einen jazzig gejammten Teil über, der gegenüber dem restlichen Lied völlig aus dem Rahmen fällt. Fast schon hektisch vibriert das Stück nun, um schließlich wieder genau im ersten und sanften und melancholischen Teil zu münden. Hier klingen Focus deutlich interessanter als an so manch anderer Stelle des Albums.

Fazit: Ein wenig klingt das Debut von Focus so, als ob hier eine Band noch auf der Suche nach dem eigenen Sound ist. Biedere Pop-Nummern werden von jazzigen und progressiven Abschnitten flankiert. Alles wird kurz angespielt, ohne weiter ausgebaut zu werden. Insgesamt klingt die Musik von Focus auf „In And Out Of Focus” noch ein wenig durchwachsen, wenn auch schon bereits spannendere Ansätze zu hören sind. Acht Punkte.

Anspieltipps: Anonymus, Happy Nightmare



Montag, 11. Juni 2018

Al Stewart – Zero She Flies




Al Stewart – Zero She Flies


Besetzung:

Al Stewart – guitar, keyboards, vocals


Gastmusiker:

Louis Cennamo – bass
Gerry Conway – drums
Pete Gavin – drums
Steve Gray – guitar
Tim Hinkley – keyboards
Trevor Lucas – guitar


Label: CBS Records


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Folk


Trackliste:

1. My Enemies Have Sweet Voices (5:14)
2. A Small Fruit Song (2:02)
3. Gethsemane, Again (5:28)
4. Burbling (3:19)
5. Electric Los Angeles Sunset (3:47)
6. Manuscript (4:45)
7. Black Hill (1:22)
8. Anna (1:47)
9. Room Of Roots (3:52)
10. Zero She Flies (5:35)

Gesamtspieldauer: 37:16



Alles wie gehabt könnte man sagen, wenn man das dritte Album des Meisters der leisen Töne, Al Stewart, hört. „Zero She Flies“ heißt diese Scheibe und erschien im April 1970 auf dem Plattenlabel CBS Records. Darauf zu hören ist einmal mehr sehr sanfter und zurückhaltender British Folk, der zwar auch mal einen ganz kleinen Ausflug in Richtung US-amerikanische Musik nimmt, ansonsten jedoch überwiegend bei seinen Wurzeln bleibt.

Das Album beginnt mit dem Titel „My Enemies Have Sweet Voices“. Und dies ist gleich jenes, welches etwas anders klingt, als der typische Al Stewart Song. Sehr viel Mundharmonika lässt automatisch Reminiszenzen an die US-amerikanische Country- und Western-Music aufkommen. „Schuster bleib bei Deinen Leisten!“ möchte man Al Stewart fast zurufen, denn die Nummer ist zum einen nicht typisch für diese Platte, zum anderen ist sie auch deren schwächstes Lied. Doch schon mit dem nächsten kurzen Titel, „A Small Fruit Song“, wird man wieder versöhnt. Bis ganz zum Schluss wird man mit wunderschönen akustischen Gitarrenklängen umgarnt, um gegen Ende von der Liebesbeziehung eines Apfels zu einer Orange zu erfahren. Nebenbei bemerkt ist auch das Album-Cover eine weitere Skurrilität. Was sich Al Stewart wohl dabei dachte, lediglich seinen Kopf in all dem Gestrüpp zu zeigen? Man wird es wohl nie erfahren.

Es reiht sich im weiteren Verlauf eine schöne Akustik-Nummer an die nächste. Ab und an gibt es im Hintergrund mal eine E-Gitarre zu hören und mit den Liedern „Burbling“ und „Room Of Roots“ sind auch zwei Instrumentalstücke mit auf „Zero She Flies“ enthalten. Alles klingt lieb, nett, sanft, melodiös und eingängig. Eine kleine Ausnahme befindet sich noch am Ende des Albums mit dem Titellied. Das Lied steigert sich und wird gegen Ende hin sogar richtiggehend rockig. Genauso wie der Opener des Albums so steht auch diese Nummer nicht stellvertretend für „Zero She Flies“, sondern stellt eine Ausnahme dar. Und auch wenn sich keine außergewöhnlichen Ohrwürmer mit auf diesem Album befinden, so unterhält die Musik doch und hat mit dem bereits erwähnten „A Small Fruit Song“, dem kurzen „Anna“ sowie dem Instrumentallied „Room Of Roots“ ihre Höhepunkte.

Fazit: Wer Folk Musik mag, wird auch „Zero She Flies“ mögen. Zumeist ist die Musik eine sehr ruhige, nur selten, wie beim Titellied, klingt es ein klein wenig rockiger oder etwas nach Country, wie beim Opener. Ansonsten bleibt sich Al Stewart treu, entwickelt auf seiner akustischen Gitarre sanfte Lieder, zu denen er seine kleinen Geschichten erzählt. Unaufgeregt. Neun Punkte.

Anspieltipps: A Small Fruit Song, Anna, Room Of Roots



Donnerstag, 15. Februar 2018

Motherhood – Doldinger’s Motherhood




Motherhood – Doldinger’s Motherhood


Besetzung:

Klaus Doldinger – tenor-, alto-, soprano-sax, clarinet, piano, organ, voice
Paul Vincent – guitar
Lothar Meid – bass guitar
Udo Lindenberg – drums, voice
Keith Forsey – drums, voice


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Progressive Rock, Krautrock, Jazz Fusion


Trackliste:

1. Devil Don't Get Me (8:26)
2. Song Of Dying (7:00)
3. Circus Polka (1:11)
4. Men's Quarrel (3:54)
5. Turning Around (2:53)
6. Degeneration (6:50)
7. Yesterday's Song (4:34)

Gesamtspieldauer: 34:51




Der Jazz-Saxophonist und -Klarinettist Klaus Doldinger hat mit seiner Band Passport inzwischen fast 40 Alben veröffentlicht. Mit Passport begann er im Jahr 1971 und seine Musik ist und war der Jazz. Davor hieß seine Band allerdings Motherhood, veröffentlichte 1969 und 1970 zwei Alben und war stilistisch noch nicht ganz einheitlich im Fusion Jazz angekommen, beinhaltete damals auch durchaus noch deutlichere Elemente des Progressive Rocks. Das selbstbetitelte Album „Doldinger’s Motherhood“ ist dabei die zweite Veröffentlichung dieses Pärchens. Am Schlagzeug hört man Udo Lindenberg, der bei einigen Titeln auch den Gesang übernahm. Seine Stimme klingt hier allerdings noch nicht so nölend, wie auf seinen späteren Solo-Alben, wodurch man ihn wohl dann gut erkennt, wenn man weiß, wer da zum Teil singt.

Die Musik auf „Doldinger’s Motherhood“ ist zwar größtenteils jazzig angehaucht, jedoch besteht dieser Ansatz keineswegs durchgängig. Mal klingen die Lieder ein wenig mehr nach Psychedelic Rock, dann hört man eher Krautrock-Passagen und schließlich doch auch wieder jazzigere Abschnitte. Auf „Motherhood“ erklingen neben Saxophon- und Klarinetten-Soli auch selbige von der Gitarre oder der Orgel. Dies alles in Kombination lässt die Musik des Albums sehr abwechslungsreich werden und sorgt für eine ganze Menge an positiven Überraschungen. Auch das Spiel mit den Atmosphären, die mal sanfter, mal treibender die Luft erfüllen, klingt hier sehr überzeugend, stimmig und gelungen.

Bei aller Abwechslung steht das zugrundeliegende rockige Element doch meistens im Zentrum der Titel und wird auch nicht ganz verlassen, wenn sich in den Liedern Jam-artige und freiere Solopfade eröffnen. Die beiden längeren Stücke am Beginn der Scheibe, „Devil Don't Get Me“ sowie „Song Of Dying“, stehen dabei fast schon beispielgebend für den Gesamtcharakter der Scheibe. In diesen Titeln kommt es zur Hochzeit der Genre Fusion und Rock in einer sehr gelungenen und überzeugenden Art und Weise. Ganz anders verhält es sich dann beim Titel „Turning Around“, bei dem die jazzige Komponente sogar fast vollständig zurückgefahren wurde. Mit zahlreichen Streichern und Bläsern ausgestattet, entwickelt sich hier ein Lied, welches überaus symphonisch und sehr harmonisch klingend aus den Boxen quillt. Nicht typisch für die Scheibe, jedoch ebenfalls eine weitere gelungene Auflockerung.

Fazit: Jazz Fusion ist nicht unbedingt die Musik, in der ich mich zu Hause fühle und mit der ich besonders viel anzufangen weiß – wenn diese zu sehr im Jazz angesiedelt ist. Wenn jazzige Musik allerdings wie auf „Doldinger’s Motherhood“ auf solch gelungene Weise mit dem Genre Rock fusioniert, dann kann mich das doch begeistern. Progressive Rock meets Jazz in einer spannenden Form. Lohnt durchaus, hier mal ein Ohr zu riskieren. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Devil Don't Get Me, Song Of Dying, Turning Around



Donnerstag, 11. Januar 2018

The Who – Live At Leeds




The Who – Live At Leeds


Besetzung:

Roger Daltrey – vocals, harmonica, tambourine
Pete Townshend – guitars, vocals
John Entwistle – bass guitar, vocals
Keith Moon – drums and percussion, vocals


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Rock


Trackliste:

1. Heaven And Hell (4:50)
2. I Can’t Explain (2:58)
3. Fortune Teller (2:34)
4. Tattoo (3:42)
5. Young Man Blues (5:51)
6. Substitute (2:07)
7. Happy Jack (2:13)
8. I'm A Boy (4:41)
9. A Quick One, While Hes Away (8:41)
10. Amazing Journey / Sparks (7:54)
11. Summertime Blues (3:22)
12. Shakin’ All Over (4:34)
13. My Generation (15:46)
14. Magic Bus (7:46)

Gesamtspieldauer: 1:17:07




„Live At Leeds“ ist das erste Live-Album der englischen Rock-Band The Who. Gleichzeitig war es auch das einzige Live-Album, welches die Band veröffentlicht hatte, als sie noch in der ursprünglichen Besetzung mit Roger Daltrey, Pete Townshend, John Entwistle und Keith Moon aktiv war. Veröffentlicht wurde die Scheibe in Europa am 23. May 1970 auf dem Plattenlabel Polydor. In den USA gab es das Album bereits eine Woche zuvor. Die Platte wurde immer wieder neu und in verschiedenen Zusammenstellungen und auf verschiedenen Formaten veröffentlicht. Für viele Kritiker gilt „Live At Leeds“ auch heute noch als das beste Live-Album aller Zeiten. Auch diverse Medien wie The Daily Telegraph, The Independent, die BBC, das Q Magazine und das Rolling Stone Magazin lobten die Platte als beste Live-Veröffentlichung aller Zeiten aus.

Erst im Jahr 2001 wurde das komplette Konzert auf CD und Platte veröffentlicht. Die hier vorgestellte Version des Konzerts wurde 1994 veröffentlicht und ist immer noch nicht ganz vollständig. Deutlich vollständiger jedoch als die ursprüngliche Version aus dem Jahr 1970, welche lediglich sechs Titel beinhaltete, drei davon waren die Cover-Versionen „Young Man Blues“, „Summertime Blues“ sowie das Lied „Shakin‘ All Over“. Dazu gesellten sich noch die drei Pete Townshend Titel „Substitute“, „My Generation“ und „Magic Bus“. Zum vollständigen Konzert der 1994er Ausgabe des Albums fehlen übrigens noch die restlichen Titel aus dem Album „Tommy“, die in Leeds mit zu hören waren.

Mag man Rock und mag man die Musik von The Who zu Beginn ihrer Karriere, dann wird man diese Musik auf „Live At Leeds“ auch sehr lieben. Hier wird gerockt bis zum Exzess und man merkt den Musikern den Spaß an, den sie bei diesem Konzert gehabt haben müssen. Die Lieder werden oft nicht unbedingt zu nah am Original gespielt, worauf schon ein Blick auf die Spiellänge von fünfzehn Minuten und 46 Sekunden für ein Lied wie „My Generation“ hinweist. Im Original verstummt der Titel bereits nach drei Minuten und 21 Sekunden. Die vier Musiker spielen sich quasi in einen Rausch, alles rockt und man wird auch heute noch beim Hören der Platte heftig mitgerissen. The Who machen auf „Live At Leeds“ nicht, was so viele andere Bands, Musikerinnen und Musiker auf ihren Live-Alben machen. Diese spielen häufig ihre Lieder nach, meist fast originalgetreu und zu Beginn und am Ende eines solchen Titels hört man dann noch etwas Applaus aus dem Publikum. The Who machen das auf „Live At Leeds“ anders. The Who spielen ihre Lieder auf „Live At Leeds“ in einer Art und Weise, die dieses Live-Album zu einem wirklichen Live-Album werden lässt. Sie interpretieren ihre Lieder, weiten sie aus, machen daraus neue und besondere Titel, die es so noch nicht zu hören gab, ohne dabei die „Seele“ eines Liedes zu zerstören. Das ist große Kunst und man wundert sich nicht, dass diese Scheibe solch ein Ansehen genießt.

Fazit: Mitreißende Live-Musik gibt es auf „Live At Leeds“ zu hören. Hier rockt es, die Soundqualität ist gut, trotz der Aufnahmen aus dem Jahr 1970. The Who rocken auf „Live At Leeds“ so überzeugend, dass jedes der Lieder mitreißend klingt. Dabei interpretieren sie ihre eigenen Titel, machen sie zu etwas Neuem, ohne dabei das ursprüngliche Lied zu zerstören. Schade nur, dass es solch eine Aufnahme nicht auch aus späteren Zeiten in der Karriere von The Who gibt, als noch wunderbare Titel im Song-Katalog der Band hinzugekommen waren. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: A Quick One, While He's Away, My Generation



Samstag, 6. Januar 2018

Can – Soundtracks




Can – Soundtracks


Besetzung:

Holger Czukay – bass, double bass
Michael Karoli – guitar, violin
Jaki Liebezeit – drums, percussion, flute
Malcolm Mooney – vocals on „Soul Desert“ and „She Brings The Rain“
Irmin Schmidt – keyboards, synthesizers
Damo Suzuki – vocals on „Deadlock“, „Tango Whiskyman“, „Don't Turn The Light On, Leave Me Alone“ and „Mother Sky“, percussion


Label: Spoon Records


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Krautrock, Psychedelic Rock


Trackliste:

1. Deadlock (aus dem Film “Deadlock”) (3:27)
2. Tango Whiskyman (aus dem Film “Deadlock”) (4:03)
3. Deadlock (Titelmusik) (aus dem Film “Deadlock”) (1:40)
4. Don't Turn The Light On, Leave Me Alone (aus dem Film “Cream – Schwabing Report”) (3:42)
5. Soul Desert (aus dem Film “Mädchen... nur mit Gewalt”) (3:48)
6. Mother Sky (aus dem Film “Deep End”) (14:31)
7. She Brings The Rain (aus dem Film “Ein großer graublauer Vogel”) (4:04)

Gesamtspieldauer: 35:17



„Soundtracks“ heißt das zweite Album der Kölner Band Can, ist aber nicht gleichzeitig deren zweites Studioalbum. „Soundtracks“ ist, wie der Name bereit besagt, ein Soundtrack-Album, bestehend aus sieben Liedern, die Can zu fünf verschiedenen Filmen beitrug. Dementsprechend müsste man „Soundtracks“ wohl als Kompilations-Soundtrack-Album bezeichnen. Die Platte erschien im Jahr 1970 auf dem Plattenlabel Spoon Records und stellte eine kleine Zäsur dar. Sänger Malcolm Mooney ist hier nur noch bei den Titeln Soul Desert“ und „She Brings The Rain“ zu hören. Die restlichen Stücke wurden vom Neu-Bandmitglied Damo Suzuki eingesungen.

Man hört auf „Soundtracks“ Lieder, eingesungen von unterschiedlichen Sängern, entstanden in zum Teil unterschiedlichen Jahren, welche für unterschiedliche Filme eingespielt wurden. Dementsprechend könnte man eine krude Mischung verschiedenster Musik erwarten. Doch obwohl sich die einzelnen Titel durchaus stilistisch unterscheiden, klingt „Soundtracks“ wie ein „ganz normales“ Studioalbum und man würde nichts vom Hintergrund der Entstehung merken, wenn man es nicht auf der Platte selbst nachlesen könnte. „Soundtracks“ klingt wie eine Einheit aus psychedelischen Titeln, die im Krautrock Anfang der 70er Jahre beheimatet sind. Mal etwas experimenteller, mal etwas rockiger und ein klein wenig Pop ist hier ebenfalls zu hören. Nicht ganz so eingängig hören sich die Lieder an, wie jene der Kollegen von Grobschnitt oder Jane, dafür etwas schräger, fordernder und definitiv experimenteller.

Mit all diesen Eigenschaften schaffen es die Lieder auf „Soundtracks“ jedoch durchaus auch, sich im Ohr festzusetzen – wenn auch nicht unbedingt gleich beim ersten Mal des Hörens. Allzu schwierig ist der Zugang zu den Liedern allerdings nicht. Ganz besonders sticht dabei die Nummer „Mother Sky“ aus dem Film „Deep End” hervor. In über vierzehn Minuten Spieldauer perfektionieren die fünf Musiker hier die Monotonie der Musik. Repetitiv und konsequent werden einem die Noten immer und immer wieder präsentiert, das Ganze untermalt mit einer sehr dominanten Rhythmusfraktion. Das Lied hämmert richtiggehend auf einen ein, ohne dabei in den vierzehneinhalb Minuten auch nur einen Hauch an Spannung zu verlieren. Wahrlich begeisternd. Dieses Lied ist intensiv und mitreißend. So mitreißend sogar, dass das britische Musikmagazin „Q“ die Nummer im Jahr 2005 auf Platz 48 der 100 besten „Guitar Tracks“ einreihte.

Fazit: „Soundtracks“ von Can ist ein sehr überzeugendes Album geworden. Zunächst nicht eingängig, nicht besonders melodiös, dafür gleich beim ersten Mal des Hörens sehr intensiv, packend und mitreißend. Die sieben Stücke ergeben ein Gesamtklangerlebnis, welches zusammenwirkt. Für Can-Verhältnisse erfordert „Soundtracks“ auch nicht sehr viel Anstrengung, sich dieser Musik hinzugeben, sie sich zu erschließen. Zwei, drei Durchläufe und die Musik packt – vor allem „Mother Sky“ lohnt dabei gehört zu werden. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Mother Sky



Freitag, 5. Januar 2018

Amon Düül II – Yeti




Amon Düül II – Yeti


Besetzung:

Renate Knaup – vocals, tambourine
John Weinzierl – guitar, 12 string guitar, vocals
Chris Karrer – violin, guitar, 12 string guitar, vocals
Falk Rogner – organ
Dave Anderson – bass
Peter Leopold – drums
Christian „Shrat“ Thierfeld – bongos, vocals


Gastmusiker:

Rainer Bauer (Sandoz In The Rain) – guitar, vocals
Ulrich Leopold (Sandoz In The Rain) – bass
Thomas Keyserling (Sandoz In The Rain) – flute


Label: Revisited Records


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Krautrock, Psychedelic Rock, Avantgarde


Trackliste:

1. Soap Shop Rock (13:47)
    a. Burning Sister (3:45)
    b. Halluzination Guillotine (3:10)
    c. Gulp A Sonata (0:46)
    d. Flesh-Coloured Anti-Aircraft Alarm (6:04)
2. She Came Through The Chimney (3:02)
3. Archangels Thunderbird (3:33)
4. Cerberus (4:21)
5. The Return Of Rübezahl (1:41)
6. Eye-Shaking King (5:40)
7. Pale Gallery (2:18)
8. Yeti (Improvisation) (18:15)
9. Yeti Talks To Yogi (Improvisation) (6:18)
10. Sandoz In The Rain (Improvisation) (8:59)

Gesamtspieldauer: 1:07:57




„Yeti“ heißt das zweite Studioalbum der deutschen Psychedelic-Krautrock-Band Amon Düül II. Ursprünglich als Doppelalbum veröffentlicht, erschien die Platte im April des Jahres 1970 auf dem Plattenlabel Ariola und wurde 2006 auf Revisited Records neu aufgelegt. Darauf zu hören ist psychedelisch angehauchter Krautrock, dem häufig auch nachgesagt wird, überhaupt mit die Geburtsstunde dieses musikalischen Genres darzustellen. Das Cover wurde vom Organisten Falk Rogner gestaltet. Zu sehen ist darauf Wolfgang Krischke, ein früherer Sound-Mitarbeiter bei Amon Düül II, der kurz zuvor, nach der Einnahme von LSD, in einem Waldstück erfroren ist. Der letzte Titel der Platte, „Sandoz In The Rain“ scheint ebenfalls indirekt auf dieses Unglück Bezug zu nehmen, wurde LSD doch in den Laboratorien von Sandoz entwickelt. Die Firma Sandoz klagte übrigens vergeblich gegen die Veröffentlichung des Stücks.

„Yeti“ ist für alle Hörerinnen und Hörer, die den Genres Krautrock und Psychedelic Rock etwas abgewinnen können, ein wahres Füllhorn an musikalischer Kreativität, Inspiration, Spannung und Ideenreichtum. Man hört hier mitreißende, rockige Themen wie sphärische Ausbrüche. An der einen Stelle glaubt man Pink Floyd zu Zeiten von „A Saucerful Of Secrets“ herauszuhören, an wieder anderer Stelle klingen Hawkwind durch – doch niemals wirkt das Ganze wie ein Plagiat, wie eine Kopie der englischen Kollegen. Was im Falle von Hawkwind, die ihre erste Platte erst im August 1970 veröffentlichten, auch gar nicht möglich gewesen wäre. Nein, Amon Düül II klingen eigenständig und auch anders als entsprechende Kollegen aus dem Aus- wie aus dem Inland. Verspielt, experimentell, forschend und dabei auch immer noch melodiös und eingängig.

„Yeti“ ist Abwechslung pur. Mitreißend und intensiv. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob man gerade die eher in eine Liedstruktur gepackten ersten Titel anhört oder die letzten drei Nummern, die jeweils mit dem Label „Improvisation“ gekennzeichnet wurden. Höhepunkte gibt es auf „Yeti“ jede Menge. „Soap Shop Rock“ wartet mit rockigen Tönen und mit immer wieder ganz und gar ungewöhnlichem Gesang auf. „Cerberus“ und „The Return Of Rübezahl“ sind mitreißende Instrumentalnummern und in den letzten drei Titeln spürt man geradezu die Spielfreude sowie die Neugier und Lust auf Neues der Musiker. Vor allen Dingen der Titeltrack „Yeti“ ist eine spektakuläre musikalische Achterbahnfahrt, die man in kein Schema pressen kann. Hier wird die Musik laufen gelassen, fern aller Konventionen. Selbstverständlich wird dies keine reine Improvisation sein, wie auch von Gitarrist Chris Karrer im Beiheft zum Album bereits angedeutet. In die Nummer gehen wohl aber auch ganz spontane Ideen ein und bewirken zusätzliche Spannung und das ein oder andere Überraschungsmoment.

Auch die restlichen beiden Stücke „Yeti Talks To Yogi“ und „Sandoz In The Rain“ können absolut überzeugen. Man darf an dieser Stelle nur nicht den Fehler begehen und bei Amon Düül II einen Liedaufbau a la Strophe – Refrain – Strophe – Refrain und so weiter erwarten. Amon Düül II gehen hier neue Wege und diese Art der Musik war Anfang der 70er Jahre größtenteils noch ungewohnt, unkonventionell und einfach neu. Das Schöne daran ist allerdings, dass die Musik auch heutzutage noch völlig Patina-frei klingt. Weder angestaubt noch Oldie-like hören sich die einzelnen Nummern an.

Fazit: „Yeti“ von Amon Düül II ist eines der ersten Krautrockalben gewesen und klingt auch heutzutage noch begeisternd und mitreißend. Psychedelic Rock made in Germany. Amon Düül II waren mit dieser Platte eine der ersten deutschen Bands, die in England Erfolge einfuhren. Verwundern muss das keinesfalls, denn die Scheibe ist innovativ bis in den letzten Takt und Akkord hinein. Freundinnen und Freunde des Krautrock und des Psychdelic Rock können hier bedenkenlos zugreifen und das zu Hörende wird ihnen gefallen. Und diese Hörerinnen und Hörer, sie werden sich wundern, denn „Yeti“ von Amon Düül II klingt auch heute noch – und zwar modern. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Soap Shop Rock, Yeti



Dienstag, 1. August 2017

Procol Harum – Home




Procol Harum – Home


Besetzung:

Chris Copping – organ, bass guitar
B.J. Wilson – drums
Robin Trower – guitar
Gary Brooker – piano and vocals
Keith Reid – lyrics


Label: Cube Records


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Art Pop, Art Rock, Blues


Trackliste:

1. Whisky Train (4:28)
2. Your Own Choice (4:07)
3. Still There'll Be More (4:30)
4. Nothing That I Didn't Know (3:39)
5. About To Die (3:40)
6. Barnyard Story (2:45)
7. Piggy Pig Pig (5:27)
8. Whaling Stories (7:08)
9. The Dead Man's Dream (4:45)

Gesamtspieldauer: 35:29




„Home“ nannte die englische Band Procol Harum ihr viertes Studioalbum, welches am 5. Juni 1970 bei Cube Records veröffentlicht wurde. Organist Matthew Fisher und Bassist David Knights hatten die Band nach dem letzten Album verlassen und Chris Copping übernahm nun sowohl das Orgel- wie auch das Bassspiel. Diesen kannten die verbleibenden Musiker Gary Brooker, B.J. Wilson und Robin Trower bereits von der Band The Paramounts, in der sie mit Chris Copping bereits vor der Entstehung von Procol Harum zusammenspielten. The Paramounts waren eher im Blues beheimatet, sodass es nicht weiter überrascht, dass auch „Home“ bluesiger klingt, als die Procol Harum Vorgängeralben.

Aber auch der typische, etwas bombastische Procol Harum Sound ist hier durchaus noch zu hören. Insgesamt klingt das Album sehr düster bis dunkel, worauf bereits solch Titel wie „About To Die“ oder „The Dead Man's Dream“ hinweisen. Richtiggehend fröhlich hört keiner der Titel auf „Home“ an, was man bei diesem fast schon grellen Albumcover kaum vermuten würde. Doch sind die einzelnen Titel in ein tiefes und dunkles Grau getaucht, welches vor allen Dingen Traurigkeit und Melancholie verströmt.

Mit solch einem Blues Stück wie „Whisky Train“ kann ich nicht allzu viel anfangen. Das bekommen andere Bands besser hin als Procol Harum. Sehr viel gelungener klingt die Musik der Band bei dem sehr düsteren „Nothing That I Didn't Know“. Ein sanfter, ruhiger Titel der schnell ins Ohr geht und Traurigkeit verbreitet. Keine Musik für die labilen Momente des Lebens. Das bereits erwähnte „About To Die“, stammt wie die Blues-Nummer „Whisky Train“, aus der Feder von Gitarrist Robin Trower und kann, da eher ein Rock Lied, sehr viel mehr überzeugen als noch das Blues Stück. Der Procol Harum Klassiker „Whaling Stories“ ist ebenfalls auf „Home“ enthalten und sicherlich mit ein, wenn nicht sogar der Höhepunkt der Platte. Das längste Lied des Albums setzt sich aus mehreren Teilen zusammen, die mal sanfter, mal rockiger gehalten sind und dabei perfekt miteinander verwoben wurden. Klingt immer wieder spannend und ist sehr abwechslungsreich.

Fazit: „Home“, das vierte Album von Procol Harum, hat ganz gewiss seine Höhepunkte. Diese kommen immer dann zum Vorschein, wenn Procol Harum wie Procol Harum klingen. Klingt es jedoch zu sehr nach Blues – was zugegebenermaßen nicht zu oft passiert – dann ist „Home“ eine eher gewöhnungsbedürftige Scheibe. Ein klein wenig vermisst man auch das satte Orgelspiel des Matthew Fisher, der vor der Entstehung des Albums ausgestiegen war. Trotzdem hält „Home“ schöne Momente parat, die sich lohnen gehört zu werden. Acht Punkte.

Anspieltipps: Nothing That I Didn't Know, About To Die, Whaling Stories