Samstag, 22. März 2025

Jethro Tull – Curious Ruminant

 



Jethro Tull – Curious Ruminant


Besetzung:

Ian Anderson – vocals, flute, acoustic guitar, mandolin
Jack Clark – electric guitar
David Goodier – bass guitar
John O'Hara – piano, keyboards, hammond organ, accordion
Scott Hammond – drums
James Duncan – drums, cajon
Andrew Giddings – piano, keyboards, accordion




Erscheinungsjahr: 2025


Stil: Folk, Art Rock


Trackliste:

1. Puppet And The Puppet Master (4:05)
2. Curious Ruminant (6:00)
3. Dunsinane Hill (4:17)
4. The Tipu House (3:31)
5. Savannah Of Paddington Green (3:13)
6. Stygian Hand (4:16)
7. Over Jerusalem (5:55)
8. Drink From The Same Well (16:41)
9. Interim Sleep (2:32)

Gesamtspieldauer: 50:34



„Curious Ruminant“ ist bereits das 24. Studioalbum von Jethro Tull. Nachdem zwischen der Platte „The Jethro Tull Christmas Album“ aus dem Jahr 2003 und „The Zealot Gene“ im Jahr 2022 ganze neunzehn Jahre lagen, veröffentlicht Ian Anderson nun wieder regelmäßig unter dem Namen seiner Band und weniger in Form von Solo-Alben. „Curious Ruminant“ erschien am 7. März 2025 auf dem Plattenlabel InsideOut Music.

Auf „Curious Ruminant“ bekommt man Folk Rock zu hören, wie er von Jethro Tull ähnlich Ende der 70er Jahre aufgeführt wurde. Die Querflöte scheint dabei immer mehr im Vordergrund zu stehen und befeuert damit natürlich dieses Alleinstellungsmerkmal in der Musik von Jethro Tull und bewirkt, dass man die Musik sofort zuordnen kann. Dies gelingt auch durch den Gesang des Ian Anderson, der auf „Curious Ruminant“ zwar gealtert, aber keineswegs zerbrechlich klingt.

Die einzelnen Stücke gehen ins Ohr, ohne dabei jedoch zu viel Eindruck zu hinterlassen. Sicherlich wird man als Jethro Tull Fan beim Hören von „Curious Ruminant“ nicht enttäuscht, der ganz große Wurf ist das Album allerdings nicht geworden, eher eine solide Platte, die so jedoch nur von Jethro Tull veröffentlicht werden kann. Die einzelnen Lieder gebären sich dabei mal etwas rockiger, wie gleich der Opener „Puppet And The Puppet Master“ oder der Titeltrack, dann aber auch folkig, wie zum Beispiel die Nummer „Stygian Hand“. Ian Anderson reizt genau diese Bandbreite aus, ohne dabei jedoch bis in die Extreme abzudriften.

Beim fast siebzehnminütigen „Drink From The Same Well“ könnte man allein schon von der Länge des Stücks her auf einen progressiven Titel tippen. Nun, in der ersten Hälfte des Liedes hört man ein Instrumentalstück, bei dem erneut die Querflöte im Vordergrund steht. Unterstützt wird das Ganze entweder durch das Piano oder ein Akkordeon. Progressiv ist daran im Grunde genommen nichts mehr. Dann, etwa aber der Mitte, beginnt das eigentliche Stück mit Gesang. Eine schöne Nummer, die allerdings nur wenige Minuten andauert, um schließlich im dritten Teil wieder in die erste, instrumentale Passage zu münden. Beendet wird das Album mit dem kurzen, mit Sprechgesang versehenen Stück „Interim Sleep“, welches so gar nicht zum Rest der Platte passen will.

Fazit: Wenn man auf die Musik von Jethro Tull steht, dann kann man mit „Curious Ruminant“ definitiv nichts falsch machen. Alle Fans der Band wird es freuen. Der große oder besondere Wurf ist Ian Anderson mit dem Album allerdings nicht mehr gelungen. Das klingt alles ganz nett – ohne Ausreißer nach unten. Wird man dieses Album allerdings retrospektiv zu den Großtaten der Band zählen? Kaum. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Savannah Of Paddington Green



Donnerstag, 20. März 2025

Steven Wilson – The Overview

 



Steven Wilson – The Overview


Besetzung:

Steven Wilson – vocals, keyboards, acoustic bass, bass guitar, piano, acoustic guitars, electric guitars, strings, harmonium, percussion, sound design, drum programming, handclaps, celesta


Gastmusiker:

Randy McStine – sound design / fx, vocals, guitars, backing vocals, moog, ukulele
Russell Holzman – drums
Adam Holzmann – mellotron, hammond organ, piano, modular synthesizer, rhodes piano, moog
Willow Beggs – vocals
Theo Travis – jasonsaxes, ambient flutes, soprano saxophone
Andy Partridge – lyrics
Rotem Wilson – voice
Niko Tsonev – guitar solo
Craig Blundell – drums


Label: Fiction


Erscheinungsjahr: 2025


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Objects Outlive Us (23:19)

    - No Monkey's Paw
    - The Buddha Of The Modern Age
    - Objects: Meanwhile
    - The Cicerones
    - Ark
    - Cosmic Sons Of Toil
    - No Ghost On The Moor
    - Heat Death Of The Universe

2. The Overview (18:21)

    - Perspective
    - A Beautiful Infinity I
    - Borrowed Atoms
    - A Beautiful Infinity II
    - Infinity Measured In Moments
    - Permanence

Gesamtspieldauer: 41:40



Steven Wilson meinte in einem Interview, dass er sich auf keinen Fall wiederholen möchte. Und dies macht er mit seinem neuen Album „The Overview“ auch keinesfalls. Einmal mehr bewegt sich Steven Wilson auf neuen musikalischen Pfaden, die dieses Mal nicht nur wegen der beiden langen Nummern von jeweils etwa zwanzig Minuten, wieder in Richtung Progressive Rock tendieren. Oder mag man es New Artrock nennen? Egal, „The Overview“ wirkt und klingt überzeugend.

„The Overview“ ist ein Konzeptalbum geworden, welches sich mit dem Universum, der Erde, der Menschheit und deren Platz in eben diesem Universum beschäftigt. Dabei wechselt die Musik genretechnisch von Ambient über Pop und Rock zu Elektronik. Weiter gibt es Artrock, Progressive Rock sowie einen kurzen Fusion-Ausflug zu hören. Auch wenn sich „The Overview“ stark von den Vorgängeralben Steven Wilsons und auch jenen von Porcupine Tree unterscheidet, so hört man trotzdem sehr schnell heraus, dass es sich hier um eine Steven Wilson Platte handelt. Sind es die Harmonien, die Genrewechsel oder auch der Gesang des Engländers, immer wieder stößt man unweigerlich auf Passagen in der Musik, die eindeutig auf Steven Wilson hindeuten.

Dabei erhört man auch andere Einflüsse in der Musik auf „The Overview“. Mal ist es ein Abschnitt mit einer Reminiszenz an David Bowie, dann wieder ein kurzer Abschnitt, der mich sehr an „Starless“ von King Crimson erinnert. Alles klingt dabei in sich schlüssig, sowohl die Genreübergänge, wie auch jene gerade erwähnten Anspielungen – bewusst oder unbewusst gewählt. Dies gilt ebenso für neue gesangliche Facetten, die Steven Wilson mit Falsett-Gesang erklingen lassen oder Fusion-artige Passagen, die unweigerlich zum Vibrieren des Trommelfells führen.

Beide Titel überzeugen für sich. Der Titeltrack beginnt dabei nochmals überraschend mit pulsierenden Synthesizer-Sounds, ist insgesamt auch deutlich Synthesizer-lästiger, als der erste Titel „Objects Outlive Us“. Er weist jedoch trotzdem auch wieder sehr viel Abwechslung und genreübergreifende Musik auf. Obwohl anders gestaltet, ergänzen sich beide Nummern zu einem großen Ganzen und insgesamt zu einem sehr gelungenen Album.

Fazit: Wieder mal neue Töne von Steven Wilson, der sich eben auch nicht wiederholen möchte. Gelungen, kann man sagen. „The Overview“ klingt anders, als die bisherigen Platten des Steven Wilson und dabei abwechslungsreich und spannend. Tolle Musik, um Eindrücke aus dem Weltall zu genießen – obwohl die Platte definitiv keine Ambient-Platte ist. Elf Punkte.

Anspieltipps: Bei zwei Liedern, beide.



Mittwoch, 12. März 2025

Eloy – Echoes From The Past

 



Eloy – Echoes From The Past


Besetzung:

Frank Bornemann – vocals, guitar
Steve Mann – keyboards
Klaus-Peter Matziol – bass
Stephan Emig – drums, percussion


Gastmusiker:

Tobias Reckfort – several additional keyboards on 1, 2, 4, 6, 7, programmings on 6
Nic Knoll – several additional keyboards on 1, 4, 6,7, 8
Arthur Kühfuss – backing vocals
Finn Mac Cozmac – backing vocals
Carinha – backing vocals
Elin Bell – backing vocals
Anke Renner – backing vocals
Kim Baete – backing vocals




Erscheinungsjahr: 2023


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Conspiracy (5:44)
2. Compassion For Misery (3:04)
3. Echoes From The Past (5:39)
4. Danger (4:41)
5. Deceptive Glory (5:09)
6. Warning Signs (6:33)
7. Fate (3:20)
8. The Pyre (9:21)
9. Farewell (5:17)

Gesamtspieldauer: 48:53



„Echoes From The Past“ ist nicht nur das zwanzigste Studioalbum von Eloy, wenn man den Soundtrack „Code Name: Wild Geese“ von 1984 nicht mitrechnet, es ist auch der dritte und abschließende Teil der Trilogie um das Leben und Wirken der französischen Nationalheldin Jeanne d’Arc. „Echoes From The Past“ erschien im Jahr 2023 auf dem Plattenlabel Drakkar Entertainment.

Nun, lange muss man nicht in die Platte hineinhören, um zu spüren, dass es sich bei „Echoes From The Past“ um ein Eloy-Album handelt. Bereits im ersten Stück „Conspiracy“ gibt es eine Passage, die unüberhörbar an „Poseidon’s Creation“ aus dem 1977er Album „Ocean“ angelehnt ist. Doch auch ansonsten klingt diese Platte nach Eloy. Natürlich ist da der Gesang Frank Bornemanns, dessen Stimme nun etwas gealtert klingt – kein Wunder bei inzwischen 78 Jahren. Doch dieser Gesang gehört einfach zu Eloy und ist nicht wegzudenken. Schließlich sind es auch der Synthesizer-Sound sowie das Gitarrenspiel, alles Zutaten, die eindeutig nach Eloy klingen.

Alle Zutaten eines überzeugenden Eloy-Albums sind auch auf „Echoes From The Past“ enthalten. Opulente Instrumentierung, schöne Melodien und viele atmosphärische Wechsel im Liedaufbau. Das klingt mal sphärischer, dann wieder rockig, und das ein oder andere überzeugende Gitarrensolo lässt Frank Bornemann auch wieder mit einfließen. Kopfhörer auf, ein gemütliches Plätzchen gesucht und eine kleine musikalische geschichtliche Reise kann beginnen, die inhaltlich aber bekanntlich kein Happy End nahm. Dafür kann die Musik Eloy-Fans umso mehr überzeugen.

Im Booklet sind glücklicherweise alle Texte in einem Heftchen mit abgedruckt, wenn man denn die Geschichte mit verfolgen möchte ist das sicher eine angenehme Zugabe. Dazu gibt es noch ein kleines Poster, was allerdings natürlich sehr klein gefaltet werden musste. Trotzdem kein 08/15 Cover und insgesamt natürlich wertiger als jedes Streaming-Format.

Fazit: Wer die Musik von Eloy bereits lange verfolgt und diese zu schätzen weiß, der wird auch „Echoes From The Past“ mögen. Eloy experimentieren auf dieser Scheibe nicht mit ihrem musikalischen Stil, sondern präsentieren Musik, die nach Eloy klingt und die so wohl auch von Eloy-Fans gewünscht wird. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Danger, Farewell



Montag, 24. Februar 2025

The Incredible String Band – The Big Huge

 





Besetzung:

Robin Williamson – lead vocals, guitar, bass guitar, percussion, violin, piano, hammond organ, flute, kazoo, whistle, harmonica, irish harp, drums, backing vocals
Mike Heron – lead vocals, guitar, sitar, organ, percussion, harmonica, backing vocals


Gastmusiker:

Rose Simpson – percussion (1, 6, 7), backing vocals
Licorice McKechnie – percussion (1, 6), irish harp (7), backing vocals


Label: Elektra


Erscheinungsjahr: 1968


Stil: Psychedelic Folk


Trackliste:

1. Maya (9:24)
2. Greatest Friend (3:47)
3. The Son Of Noah's Brother (0:22)
4. Lordly Nightshade (5:13)
5. The Mountain Of God (1:56)
6. Cousin Caterpillar (5:19)
7. The Iron Stone (6:31)
8. Douglas Traherne Harding (6:21)
9. The Circle Is Unbroken (4:41)

Gesamtspieldauer: 43:38



„The Big Huge“ ist das fünfte Studioalbum der schottischen Psychedelic Folk Gruppe The Incredible String Band. Es wurde zum Teil auch als Doppelalbum mit dem Album „Wee Tam“ vertrieben. Beide Platten erschienen im November 1968.

Einmal mehr passt das Label „Psychedelic Folk“ sehr gut zu der auf „The Big Huge“ zu hörenden Musik. Denn psychedelisch ist das auf jeden Fall, was die zwei Musiker hier ihren Hörerinnen und Hörern bieten. Beim Aufnahmeprozess scheint einiges konsumiert worden zu sein, was diesbezüglich in der damaligen Zeit als bewusstseinserweiternd galt. Da wird falsch gesungen und auch so manches Instrument klingt einfach falsch. Ob dies nun gewollt ist oder einfach nur unbeholfen und dilettantisch, das bleibt wohl das Geheimnis von Robin Williamson und Mike Heron, die beide aus Edinburgh stammen.

Mit Genuss anhören kann man diese Platte kaum. Zu sehr wird man immer wieder durch diese falschen Töne und Akkorde erschüttert oder durch wahrlich schlechten Gesang völlig aus allen Träumen gerissen. Überraschenderweise wurde diese abstruse Musik von Kritikern sogar relativ positiv bewertet. Bei den Hörern fiel sie jedoch bereits in den 1968er Jahren durch. In den Billboard 200 Charts konnte sich die Scheibe kurz auf Platz 180 einreihen, ob dies in Großbritannien auch gelang ist nicht mehr bekannt.

Einziges einigermaßen hörenswertes Lied ist die letzte Nummer „The Circle Is Unbroken“. Ansonsten wird man beim Hören fast waghnsinnig.

Fazit: Fürchterlich falsch klingende Musik bekommt man auf „The Big Huge“ der Incredible String Band geboten. Gitarre und Sitar sowie der Gesang stehen dabei im Vordergrund und alles klingt dabei schräg und falsch. Eine sehr seltsame Platte, kaum anhörbar. Drei Punkte.

Anspieltipps: The Circle Is Unbroken



Samstag, 22. Februar 2025

Balmorhea – Pendant World

 



Balmorhea – Pendant World


Besetzung:

Rob Lowe – juno-106, mellotron, mini moog, nylon guitar, op-1, parlor guitar, piano, percussion, samples, vocals
Michael A. Muller – acoustic guitar, bass guitar, electric guitar, mellotron, nylon guitar, parlor guitar, percussion, vocals


Gastmusiker:

Aisha Burns – violin, vocals
Sam Gendel – tenor saxophone
Steph Jenkins – vocals
Clarice Jensen – cello
Lisa Morgenstern – vocals
Joseph Shabason – ewi, flute, tenor saxophone
Jonathan Sielaff – clarinet
Jason Treuting – drum kit, percussion




Erscheinungsjahr: 2023


Stil: Post Rock


Trackliste:

1. Nonplussed (0:40)
2. Oscuros (4:15)
3. Step Step Step (4:01)
4. Desiderium (2:55)
5. The Bright Door (2:25)
6. Loess (2:53)
7. New Conditions (3:54)
8. Held (3:44)
9. Range (1:43)
10. Fire Song (2:05)
11. Violet Shiver (3:33)
12. Elsewhere (4:14)
13. Depth Serenade (5:32)

Gesamtspieldauer: 42:01



„Pendant World“ heißt das inzwischen neunte Studioalbum des US-amerikanischen Duos Balmorhea aus Austin, Texas. „Pendant World“ wurde im Jahr 2023 auf dem Plattenlabel Deutsche Grammophon veröffentlicht und beinhaltet einmal mehr überaus ruhigen, mitunter sogar minimalistischen Post Rock.

Oftmals werden die Lieder vom Piano dominiert, die wenigen Ausnahmen des Albums bestätigen hier die Regel. Insgesamt erklingt die Platte fast durchgängig sanft und zart, nur ganz selten hören sich die Lieder zumindest teilweise etwas „lebendiger“, wie zum Beispiel beim Stück „New Conditions“, an. Doch auch dieses Lied weist eine gewisse Melancholie auf, verströmt eine nicht zu überhörende Sentimentalität, die sich durch das komplette Album zieht. So ist „New Conditions“ auch eines der wenigen Stücke, die mit Perkussion unterlegt wurde.

Ist es mal nicht das Piano, welches ein Stück beherrscht, dann hört man sanfte Gitarrenklänge, die durch einen Titel leiten. Immer ruhig, zurückhaltend, nachdenklich. Und auch wenn in den Credits einige „Vocals“ aufgeführt sind, so wird auf „Pendant World“ doch nicht gesungen. Dieser „Gesang“ beschränkt sich auf ein paar „Aaahs“ und „Ooohs“, die ein Stück dann noch ein wenig bereichern. „Violet Shiver“ stellt bezüglich der Perkussion sowie des Gesangs allerdings eine Ausnahme dar, denn die Nummer erklingt alles andere als unaufgeregt und will so gar nicht zum Rest der Platte passen – lockert damit jedoch das Album auch auf.

Trotz der sanften, melancholischen Klänge kann man kaum davon sprechen, dass die einzelnen Lieder ins Ohr gehen. Sie klingen zwar melodisch und harmonisch, doch die einzelnen Melodien sind nicht so sehr ausgeprägt, dass sie sich verfangen könnten. Es sind Stimmungen und Atmosphären, die auf „Pendant World“ zelebriert werden, die zum Träumen und „Sich-Fallen-Lassen“ animieren, zum Ausruhen und Entspannen einladen.

Fazit: Die einen werden „Pendant World“ für ein sehr langweiliges Album halten, andere wiederum werden es für seine zarten Töne feiern, um sich dabei vom Stress des Tages zu erholen. „Pendant World“ ist keineswegs ein Album, welches man immer und zu jeder Tageszeit hören mag. Doch in den stillen Momenten des Tages oder der Nacht, wenn man sich denn darauf einlassen kann, in diesen Momenten klingt es nahezu perfekt, um die Situation zu untermalen. Neun Punkte.

Anspieltipps: The Bright Door, Range, Depth Serenade



Donnerstag, 20. Februar 2025

Danger Dan – Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt

 



Danger Dan – Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt


Besetzung:

Daniel Pongratz – Gesang, Klavier


Gastmusiker:

Tobias Pongratz – Gepfeife, Geschrei
Michaela Danner – Violine & Viola
Daniel Hassbecker – Cello
Charlotte Brandt – Akkordeon




Erscheinungsjahr: 2021


Stil: Liedermacher


Trackliste:

1. Lauf davon (4:11)
2. Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt (3:48)
3. Trotzdem (2:36)
4. Ich verprügelte die Sextouristen in Bangkok (2:40)
5. Das schreckliche Buch (3:23)
6. Ingloria Victoria (3:00)
7. Topf und Deckel (3:06)
8. Ode an den Mord (2:05)
9. Eine gute Nachricht (3:20)
10. Tesafilm (3:15)
11. Beginne jeden Tag mit einem Lächeln (2:40)

Gesamtspieldauer: 34:09



Im Jahr 2021, mitten in der Corona-Pandemie, veröffentlichte Daniel Pongratz alias Danger Dan sein Solo-Album „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt”. Und wenn man diese Platte auflegt, dann findet man sofort den letzten Titel des Albums „Beginne jeden Tag mit einem Lächeln“ sehr passend. Denn auch das Hören von „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt” zaubert einem ein Lächeln auf das Gesicht. Für dieses letzte Lied des Albums gilt das jedoch kurioserweise nicht, denn „Beginne jeden Tag mit einem Lächeln“ endet in einem kakophonischen Geschrei und entlässt einen etwas genervt aus diesem Album. Doch dieses Lied stellt eine Ausnahme dar.

Denn dies gilt musikalisch absolut nicht für die anderen zehn Lieder, die es davor zu hören gibt. Das Klavier und die Stimme des Daniel Pongratz stehen durchgängig im Vordergrund. Die Musik klingt dabei melancholisch und nachdenklich und sanft und geht wunderschön ins Ohr. Musik zum Träumen und für die stillen Stunden des Tages bestens geeignet. Violine, Viola und Cello runden dabei die sanften Klänge perfekt ab.

Und dann sind da natürlich noch die Texte des Danger Dan. Einige Situationen seines Lebens arbeitet er hier auf und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Bei mancher Aussage muss man einfach schmunzeln, anderes regt dabei eher zum Nachdenken an. Langweilig klingen die kleinen Geschichten nie und lohnen definitiv genau gehört zu werden – auch wenn man nicht immer alles nachvollziehen kann.

Fazit: Ein sehr schönes Album ist „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt” geworden. Sanfter Musik, die völlig unaufgeregt das Ohr umschwirrt, abgesehen vom letzten Stück. Dazu noch hörenswerte Texte, die in Verbindung mit der Musik erst so richtig wirken. Möchte man noch etwas negativ anführen, dann vielleicht die sehr kurze Laufzeit von lediglich etwas über einer halben Stunde. Da hätte man sich noch mehr gewünscht. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt, Ingloria Victoria, Tesafilm



Sonntag, 16. Februar 2025

The Pineapple Thief – It Lead To This

 



The Pineapple Thief – It Lead To This


Besetzung:

Bruce Soord – vocals, guitars
Steve Kitch – keyboards
Jon Sykes – bass, backing vocals
Gavin Harrison – drums, percussion
Beren Matthews – additional guitar, backing vocals


Label: KScope


Erscheinungsjahr: 2024


Stil: Art Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Put It Right (5:30)
2. Rubicon (4:37)
3. It Leads To This (4:43)
4. The Frost (5:40)
5. All That‘s Left (4:25)
6. Now It‘s Yours (5:59)
7. Every Trace Of Us (4:30)
8. To Forget (5:20)

Gesamtspieldauer: 40:48



„It Lead To This“ ist bereits das sechzehnte Studioalbum von The Pineapple Thief, wenn man auch die vorherige Platte „Give It Back“ dazuzählen möchte, auf dem jedoch lediglich ältere Lieder im neuem Gewand eingespielt worden waren. Nun also „It Lead To This“, bei dem es sich nun tatsächlich um ein eigenständiges Album mit acht neuen Stücken handelt. „It Lead To This“ wurde am 9. Februar 2024 auf dem Plattenlabel KScope veröffentlicht.

Legt man „It Lead To This“ auf, hört man sofort, dass es sich bei der Musik um jene von The Pineapple Thief handelt. Das wiederum liegt nicht nur am Gesang des Bruce Soord, der sicherlich einen hohen Wiedererkennungswert besitzt, es sind jedoch vor allen Dingen die Stimmungen und Atmosphären, sowie der Aufbau der Stücke, die ermöglichen die Musik auf „It Lead To This“ eindeutig The Pineapple Thief zuordnen zu können.

In den meisten der Lieder schwingt diese latente Melancholie mit, die die Musik der Band schon seit ihrer ersten Veröffentlichung auszeichnet. Zum anderen ist da dieses Spiel mit den Atmosphären. Nachdenkliche Passagen gehen wie ganz selbstverständlich in rockig, fordernde Abschnitte über ohne, dass dies irgendwie konstruiert wirken oder klingen würde. Der Aufbau der Lieder selbst folgt da keinem Konzept, sondern wird variiert. Ist das nun Progressive Rock? Nein, kaum. The Pineapple Thief bewegen sich hier ganz klar in den Gefilden des Art Rocks.

The Pineapple Thief bleiben auf „It Lead To This“ ihrer Linie treu. Kritiker können dabei selbstverständlich bemängeln, dass eine Weiterentwicklung kaum oder gar nicht stattfindet. All diejenigen, die genau jene Musik von Pinepple Thief allerdings lieben, werden dafür mit diesem neuen Werk der Briten belohnt, die ihren Liedkatalog mit dieser „typischen The-Pineapple-Thief-Musik“ nochmals ausweiten. Und wer dabei das Gespür des Bruce Soord für die eingängige Melodie zu schätzen weiß, wird von diesem Album wahrlich nicht enttäuscht werden. Auf „It Lead To This“ befinden sich tatsächlich acht Lieder, die schnell ins Ohr gehen und dort auch längerfristig verbleiben.

Fazit: Auch das sechzehnte Studioalbum von The Pineapple Thief enthält so typische Musik für die Band, dass sie der Band auch eindeutig zuzuordnen ist. Keine großartigen Experimente – auf Bewährtes wird zurückgegriffen. Eingängiger Art Rock, der leicht melancholisch erklingt und dabei gut unterhält. Zehn Punkte.

Anspieltipps: It Leads To This, To Forget



Freitag, 14. Februar 2025

Rival Sons – Darkfighter

 



Rival Sons – Darkfighter


Besetzung:

Jay Buchanan – vocals, acoustic guitars
Scott Holiday – acoustic & electric guitars, additional percussion on track 3
Michael Miley – drums
Dave Beste – bass guitars
Todd Ögren – keyboards


Gastmusiker:

Dave Cobb – acoustic guitars on tracks 6 &7, shaker on tracks 1, 2 & 5, additional percussion on track 3




Erscheinungsjahr: 2023


Stil: Rock


Trackliste:

1. Mirrors (5:01)
2. Nobody Wants To Die (3:42)
3. Bird In The Hand (4:28)
4. Bright Light (4:33)
5. Rapture (4:24)
6. Guillotine (5:05)
7. Horses Breath (6:04)
8. Darkside (6:18)

Gesamtspieldauer: 39:39



„Darkfighter“ heißt das siebte Studioalbum der US-amerikanischen Band Rival Sons. Es wurde am 2. Juni 2023 auf dem Plattenlabel Atlantic Records veröffentlicht und enthält die beiden ausgekoppelten Singles „Nobody Wants To Die“ sowie „Bird In The Hand“. Die Platte belegte Platz 36 der US-Billboard Charts, Platz 30 der UK-Albums und kletterte in Deutschland sogar bis auf Platz 15 der Charts.

Auch mit „Darkfighter“ veröffentlichen die Rival Sons ein sehr überzeugendes Album. Die acht Titel der Platte rocken und gehen sehr schnell ins Ohr, bereits beim ersten Mal des Hörens. Dazu animieren die Nummern unverzüglich zum Mitwippen – Rock mitreißend und ansteckend. Klasse gelungen sind auch die Stimmungswechsel, die einen Titel von sanft klingend nach kompromisslos rockend und wieder zurück, wunderschön und spannend auflockern.

Wer auf eingängigen und niemals langweiligen Rock steht, die oder der wird auf diesem Album mit Sicherheit fündig. Zudem gibt es unter den acht Titeln keine negativen Ausreißer. Alle Lieder lohnen gehört zu werden. Höhepunkte sind dabei gleich der Opener „Mirrors“, eine Nummer, die die ganze Bandbreite der Musik der Rival Sons in sich vereinigt. „Bird In The Hand“ beginnt fast wie ein Folk-Stück, um sich dann zu einem stampfenden Rocker zu entwickeln, der sich schnell im Ohr festsetzt und ein wenig 80er-Vibes verströmt. „Bright Light“ klingt sehnsüchtig und im Refrain fast schon hymnisch. „Darkside“ stellt schließlich den würdigen Abschluss dieses Albums dar. Das Lied umschmeichelt einmal mehr das Ohr und spielt wunderschön mit den Atmosphären, indem es sich mal überaus sanft generiert, um dann wieder ordentlich los zu rocken.

Fazit: Mit „Darkfighter“ haben es die Rival Sons einmal mehr geschafft ein sehr überzeugendes Rock-Album vorzulegen. Es finden sich keine Ausfälle auf dem Album, dafür allerdings acht gute Titel. Für Rock-Fans sicherlich eine lohnende Sache. Und wenn man dann doch einen negativen Aspekt anführen möchte, dann ist es die relativ kurze Laufzeit von nicht mal vierzig Minuten. Ansonsten ein wahrlich gutes Album. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Mirrors, Bird In The Hand, Bright Light, Darkside



Mittwoch, 12. Februar 2025

Airbag – The Century Of The Self

 



Airbag – The Century Of The Self


Besetzung:

Asle Torstrup – vocals, keyboards and programming
Henrik Bergan Fossum – drums
Björm Riis – guitars, bass, keyboards and backing vocals


Gastmusiker:

Kristian Hultgren – bass on tracks 1 and 5
Ole Michael Björndal – guitar on tracks 1,2 and 5
Simen Valldal Johannessen – keyboards on track 5




Erscheinungsjahr: 2024


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Dysphoria (10:38)
2. Tyrants And Kings (6:47)
3. Awakening (6:44)
4. Erase (7:50)
5. Tear It Down (15:00)

Gesamtspieldauer: 47:00



Im Jahr 2024 erschien das sechste Studioalbum der norwegischen Band Airbag. Erneut geschah dies auf dem Plattenlabel Karisma Records und auch die Musik des Trios, welches einst als Pink Floyd Cover Band gestartet war, hat sich nicht grundlegend zu den früheren Veröffentlichungen verändert.

„The Century Of The Self“ beinhaltet ebenso wie die Vorgängeralben wunderschön melodische Lieder, die keinesfalls mit einer Lauflänge von drei bis vier Minuten auskommen könnten. Die Musik von Airbag entwickelt sich oftmals im Lied selbst weiter, ist dabei zumeist sanft anzuhören und jederzeit eingängig. Die Melodien bleiben unverzüglich hängen und verfestigen sich sehr schnell beim wiederholten Hören. Irgendwie klingt alles nach Airbag, so wie man die Band eben kennt. Manchmal geradezu so, dass man meinen könnte, dieses oder jenes Lied schon auf einem vorherigen Album der Norweger gehört zu haben.

Musikalisch siedeln sich die Stücke auf „The Century Of The Self“ irgendwo zwischen Porcupine Tree und The Pineapple Thief an – allerdings nur, wenn man hier die langsameren Stücke zum Vergleich heranzieht. Und wenn es sich um langsame Gitarrensoli wie beim längsten Stück des Albums „Tear It Down“ handelt, dann fühlt man sich unweigerlich an ein Solo von David Gilmour erinnert, ohne dies genauer benennen zu können.

Dabei kopieren Airbag keine der gerade angeführten Bands, doch sie erweitern auf ihre Weise deren Spektrum. Das Zuhören macht dabei jede Menge Laune, wenn man auf unaufgeregte und jederzeit harmonische Töne steht. Nur selten wird das Tempo mal etwas angezogen. Jedoch „Verrücktes“ wird man dagegen von Airbag nicht hören – zumindest nicht auf „The Century Of The Self“.

Fazit: Airbag erfinden die Musik logischerweise nicht neu auf „The Century Of The Self“. Allerdings erfinden sie ihre Musik auch nicht neu und entwickeln sie ebenso nicht weiter. Alles wie gehabt kann man feststellen, der einmal eingeschlagene musikalische Weg wird konsequent fortgesetzt. Kann man langweilig finden oder aber mögen. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Tear It Down



Sonntag, 2. Februar 2025

We Mavericks – Heart Of Silver

 



We Mavericks – Heart Of Silver


Besetzung:

Victoria Vigenser – vocals, guitar
Lindsay Martin – vocals, violin, mandolin, guitar, piano


Gastmusiker:

Julia Day – drums, percussion, bass guitar
Rachel Johnston – cello
Trent Arkleysmith – cello
Matt – Nightingale
Ruby Martin – vocals


Erscheinungsjahr: 2024


Stil: Folk, Country


Trackliste:

1. Heart Of Silver (3:49)
2. All This Noise (3:14)
3. The Bed You Made (4:13)
4. Carefree (3:41)
5. Paper Darts (4:18)
6. Ballad Of A Firefly (4:02)
7. Balm In Gilead (4:35)
8. Wildfire (3:25)
9. Hold Me (4:15)
10. The Outro (1:52)

Gesamtspieldauer: 37:28



We Mavericks, das sind Victoria Vigenser und Lindsay Martin. „Heart Of Silver“ heißt das zweite Studioalbum des australisch-neuseeländischen Duos und wurde am 18. Oktober 2024 veröffentlicht.

Auf „Heart Of Silver“ hört man eine Mischung aus Folk und Country, wobei der Schwerpunkt sehr auf den Folk-Liedern liegt. Sanft und gefühlvoll klingt die Musik von We Mavericks, die immer wieder wunderschön durch die Violine oder ein Cello noch eingängiger untermalt wird. Auch der Harmoniegesang der beiden Musiker weiß hier zu überzeugen, wobei der Hauptpart diesbezüglich ganz klar der Neuseeländerin Victoria Vigenser zufällt, die mit ihrer schönen und klaren Stimme durchweg zu überzeugen weiß.

Die Musik auf „Heart Of Silver“ ist vom ersten bis zum letzten Lied hörenswert. Die einzelnen Stücke sind alle in einem eher langsamen Tempo angesiedelt, welches nur marginal variiert wird. Dadurch kann man sich auf eine sanfte Reise einstellen, die mit schönen Melodien und Harmonien überzeugt und bereits beim ersten Durchlauf ins Ohr geht. Perfekt abgerundet wird das Album mit dem Instrumentalstück „The Outro“, welches einen irgendwie melancholisch angefasst in die Realität zurückschickt.

Fazit: Wer auf schönen, sanften und warmen Folk steht, die oder der wird auf „Heart Of Silver“ von We Mavericks viel Musik für sich entdecken können. Die Instrumentierung überzeugt, die Gesänge ebenso und die Melodien gehen ins Ohr. Schöne Musik zum Träumen, Luftholen und Entspannen. Neun Punkte.

Anspieltipps: Hold Me, The Outro



Wer sich von We Mavericks live überzeugen möchte, kann dies dieser Tage auch genießen. We Mavericks spielen an folgenden Tagen und Orten:

2. Februar, Bergneustadt, Schauspielhaus Bergneustadt
4. Februar, Hannover, Hölderlin Eins
5. Februar, Lübeck, Tonfink
6. Februar, Berlin, Artliners
7. Februar, Magdeburg, Volksbad Buckau
8. Februar, Jena, Fiddler’s Green
9. Februar, Zwickau, Kulturzentrum St. Barbara
10. Februar, Chemnitz, Inspire
12. Februar, Wien A, Clash Wien
14. Februar, Offenburg, Spitalkeller
15. Februar, Kreuzlingen CH, Kult-X



Donnerstag, 30. Januar 2025

Agitation Free – Momentum

 



Agitation Free – Momentum


Besetzung:

Lutz Graf-Ulbrich – guitar, acoustic guitars, banjo
Michael Hoenig – keyboards, synthesizers, electronic percussion
Gustl Lütjens – guitar, acoustic guitar, vocals
Burghard Rausch – drums, electronic percussion
Daniel Cordes – bass, synthesizers


Label: MIG Music


Erscheinungsjahr: 2023


Stil: Instrumentale Musik, Progressive Rock


Trackliste:

1. Nouveau Son (8:35)
2. Levant (7:54)
3. Nightwatch (9:27)
4. Lilac (6:19)
5. Momentum (9:19)
6. Shibuya (8:15)
7. InDaJungl (7:04)

Gesamtspieldauer: 56:57



Ganze drei Alben hatte die deutsche Band Agitation Free zuvor veröffentlicht gehabt. „Malesch“ (1972), „2nd“ (1973) sowie 26 Jahre später „River Of Return“ im Jahr 1999. Dieses Mal hat es nun „lediglich“ 24 Jahre gedauert, bis mit „Momentum“ das vierte Studioalbum der Band im Jahr 2023 folgte.

Zu Beginn ertönt eine französische Stimme, die Agitation Free ankündigt. Dann taucht man schnell ein in den Sound der Band, bei dem es sich um Instrumentalmusik handelt, die in sieben, sieben bis knapp neuneinhalb Minuten langen Liedern dargeboten wird. Lediglich beim Titellied erklingen einige eingesungene „Oooohs“. Man hört eine Mischung aus progressiven und psychedelischen Themen, die allerdings ganz im Hier und Jetzt verankert sind und nichts mit den bisherigen Veröffentlichungen der Band gemein haben.

Die Musik erklingt zumeist melodiös, an der einen oder anderen Stelle dann auch mal etwas experimenteller. Insgesamt gehen die Lieder gut ins Ohr, ein immer wiederkehrender Einschlag hin zur Weltmusik mit östlicher Einfärbung ist dabei auszumachen. Von den Instrumenten her steht die Gitarre deutlich im Vordergrund, diese jammt und rockt, doch ihr werden auch immer wieder zarte Töne entlockt.

Insgesamt klingt „Momentum“ durchaus hörenswert, allerdings bleibt die Musik auch nach mehrmaligem Hören nicht unbedingt hängen. Oftmals macht man diese Erfahrung bei instrumentaler Musik, die dann vielleicht nicht diesen einen außergewöhnlichen Musikbogen aufweist – und diesen gibt es hier nicht zu hören. Eine Sängerin oder ein Sänger hätten ganz eindeutig den Wiedererkennungswert der Musik erhöht, doch das ist natürlich nicht der Ansatz von Agitation Free. Trotzdem ist „Momentum“ gewiss keine schlechte Scheibe geworden. Gemütlich auf seinem Lieblingsplatz sitzend oder liegend, mit Kopfhörern ausgestattet, kann das Album seine volle Kraft für die Hörerin und den Hörer entwickeln.

Fazit: Ein schönes und abwechslungsreiches Instrumentalalbum ist „Momentum“ von Agitation Free geworden. Es erklingt eingängig, doch auch ein paar experimentellere Passagen gibt es zu hören, die „Momentum“ auflockern. Der ganz große Wurf ist die Scheibe nicht geworden, denn dazu fehlt irgendwie das Besondere, Außergewöhnliche. Trotzdem ein Album, was gehört werden sollte. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Levant



Dienstag, 28. Januar 2025

Motorpsycho – Hey, Jane

 



Motorpsycho – Hey, Jane


Besetzung:

Bent Sæther – vocals, bass, guitars
Hans Magnus Ryan – guitars, vocals
Håkon Gebhardt – drums




Erscheinungsjahr: 1998


Stil: Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Hey Jane (4:46)
2. Mellow Muffin Stomp (7:09)
3. Celestine (4:18)
4. Valis (1:37)
5. The Ballad Of Pat + Put (6:52)

Gesamtspieldauer: 24:44



„Hey, Jane“ heißt eine EP der norwegischen Progressive Rock Band Motorpsycho. „Hey, Jane“ wurde im Jahr 1998 auf dem Plattenlabel Stickman Records veröffentlicht.

Das für die EP namensgebende Lied „Hey, Jane“ war bereits auf dem im selben Jahr veröffentlichten Album „Trust Us“ veröffentlicht worden. Bei den restlichen vier Titeln handelt es sich um bisher unveröffentlichte Stücke, die zwischen 1994 und 1998 entstanden sind. Auf der Rückseite des Covers ist vermerkt, dass „Mellow Muffin Stomp“ der „Cousin von „Mantrick Muffin Stomp“ sei, ein Lied, welches sich ebenfalls auf „Trust Us“ befindet. Allerdings haben beide Titel, bis auf den ähnlichen Namen, nichts gemein. Bei „Hey, Jane“ gibt es auf „Trust Us“ noch ein kurzes Vorspiel, was auf dieser EP fehlt – ansonsten sind die Lieder identisch.

Die Lieder „Mellow Muffin Stomp“ sowie „The Ballad Of Pat + Put“ sind die Höhepunkte des kurzen Albums. Dunkle, schwere und getragene Töne gibt es hier zu hören, die dann durchaus auch ins Ohr gehen. Auch „Celestine“ tendiert in diese Richtung, wenn es zu Beginn auch ein wenig mach den Beatles klingt. Doch diese Nummer steigert sich bezüglich ihres Tempos und erklingt im weiteren Verlauf sogar ein bisschen atonal. „Valis“ hingegen ist ein kurzer Einschub mit Banjo, der ein wenig nach Saloon-Musik klingt – absolut untypisch für Motorpsycho.

Fazit: Diese EP ist eher etwa für Sammler und Komplettisten. Die beiden Höhepunkte auf dieser EP sind die eher dunkleren Stücke, die durchaus hörenswert sind. Ob sich für diese vierzehn Minuten, die diese beiden Titel an Spielzeit aufweisen, der Kauf der EP lohnt, ist ganz bestimmt nicht eindeutig zu beantworten. Für Sammler oder absolute Fans sicherlich, für alle anderen eher weniger. Acht Punkte.

Anspieltipps: Mellow Muffin Stomp, The Ballad Of Pat + Put



Sonntag, 26. Januar 2025

Alessandro Cortini – Forse Vivo

 



Alessandro Cortini – Forse Vivo


Besetzung:

Alessandro Cortini – buchla music easel




Erscheinungsjahr: 2021


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

1. Forse Vivo (43:03)

Gesamtspieldauer: 43:03



„Forse Vivo“ reiht sich nahtlos an die ersten drei „Forse“-Veröffentlichungen des Alessandro Cortini an und ist lediglich im Rahmen des im Jahr 2021 erschienen Boxsets „Forse“ als vierte CD zu erhalten. Wie der Name des Albums bereits andeutet, wurde dieses Stück live eingespielt. An manchen Stellen sind hier auch Hintergrundgeräusche zu hören und schließlich endet das Stück im Applaus.

Doch das ist zunächst der einzige große Unterschied zu den Veröffentlichungen „Forse 1-3“, denn auch auf dieser Scheibe hört man Ambient Musik, die erneut mittels des Buchla Music Easel Synthesizers erschaffen wurde. Melodien erklingen lediglich ansatzweise, es geht deutlich mehr um die Atmosphäre. Sanfte Melodiebögen aus nur wenigen Akkorden werden sehr redundant wiedergegeben, sodass sich eine Art Trance-Gefühl einstellt. Musik zum Träumen und Abschalten – zumindest zunächst.

Im weiteren Verlauf wird es dann nämlich auch mal etwas schriller, bis sich die Musik zum Teil sogar eher hin zu Geräuschen entwickelt. An diesen Stellen steht dann eher die Rhythmik im Vordergrund, wenn man bei Morsezeichen-ähnlichen Tönen noch von Rhythmus sprechen kann. Schließlich wird es laut und schrill, klingt fast gar übersteuert und eher atonal. Man wird aus der ersten Wohlfühlphase in die Kälte entlassen, bis sich alles wieder, stark gedämpft, beruhigt.

Fazit: Wer die ersten drei Veröffentlichungen mag und schätzt, der wird sicherlich auch von „Forse Vivo“ nicht enttäuscht werden. Allerdings werden dieses Mal die Grenzen des Synthesizers noch weiter ausgereizt. Entspannung entsteht lediglich in der ersten Hälfte des Albums, die zweite Hälfte klingt deutlich fordernder. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Natürlich alles.



(Es ist leider kein Hörbeispiel auf YouTube zu finden.)


Freitag, 24. Januar 2025

The Cranberries – Bury The Hatchet

 



The Cranberries – Bury The Hatchet


Besetzung:

Dolores O'Riordan Burton – vocals, guitar, keyboards
Noel Hogan – acoustic and electric guitars
Mike Hogan – bass guitar
Fergal Lawler – drums, percussion




Erscheinungsjahr: 1999


Stil: Rock


Trackliste:

1. Animal Instinct (3:31)
2. Loud And Clear (2:45)
3. Promises (5:27)
4. You And Me (3:35)
5. Just My Imagination (3:41)
6. Shattered (3:42)
7. Desperate Andy (3:44)
8. Saving Grace (3:08)
9. Copycat (2:53)
10. What‘s On My Mind (3:12)
11. Delilah (3:32)
12. Fee Fi Fo (4:47)
13. Dying In The Sun (3:32)
14. Sorry Son (3:28)

Plus fünf Extratitel aus der Zeit:

15. Baby Blues (2:38)
16. Sweetest Thing (3:34)
17. Woman Without Pride (2:26)
18. Such A Shame (4:23)
19. Paparazzi On Mopeds (4:33)

Gesamtspieldauer: 1:08:41



„Bury The Hatchet“ heißt das vierte Studioalbum der irischen Alternative Rock Band The Cranberries. Das Album wurde am 19. April 1999 auf dem Plattenlabel Island Records veröffentlicht. Es ist das erste Album der Cranberries, nachdem aufgrund einer stressbedingten Erkrankung während der Nordamerikatournee 1996 Dolores O‘Riordan dringend eine Auszeit benötigte und die Band sich zum ersten Mal aufgelöst hatte.

Inhaltlich beschäftigen sich die Lieder auf „Bury The Hatchet“ mit den Themen Mutterschaft und Kindern (Dolores O’Riordan war in dieser Zeit auch zum ersten Mal Mutter geworden) bis hin zu Scheidung und Kindesmissbrauch. Das Albumcover wurde von Storm Thorgerson gestaltet, der auch für viele Albumcover von Pink Floyd verantwortlich ist. Es zeigt einen nackten Mann, der von einem riesigen Auge in einer kargen Landschaft beobachtet wird.
Musikalisch kann „Bury The Hatchet“ nicht mehr so überzeugen wie noch die beiden Vorgängeralben „To The Faithful Departed“ und „No Need To Argue“. Die Lieder bewegen sich auf diesem ersten Album nach der Wiedervereinigung der Band alle im Genrebereich zwischen Pop und Rock und fließen etwas dahin. Das Lied „Promises“ wurde als Single ausgekoppelt und konnte sich zumindest noch in den Charts platzieren. Den weiteren Singleauskopplungen „Animal Instinct“, „Just My Imagination“ und „You And Me“ gelang dies nicht mehr.

Dies liegt wohl daran, dass die Nummern sehr unspektakulär „durchlaufen“ und eben nicht mehr unbedingt sofort im Ohr hängenbleiben. Freilich klingt das ganze Album noch hörenswert, jedoch auch leider irgendwie austauschbar und an manchen Stellen gar etwas langweilig. Dabei lohnt es sich „Bury The Hatchet“ öfters aufzulegen, um sich die einzelnen Lieder noch besser zu erschließen, die dann tatsächlich auch an Wiedererkennungswert gewinnen. Der „besondere Titel“, das herausstechende Lied fehlt allerdings auch noch nach vielen Durchläufen. Somit ist „Bury The Hatchet“ wahrlich kein schlechtes Album geworden, allerdings auch kein weiteres Meisterwerk der Cranberries.

Fazit: Durchaus eingängigen Pop und Rock hört man auf „Bury The Hatchet“. Es lohnt die Scheibe öfters aufzulegen und die Lieder werden noch vertrauter und prägen sich noch besser ein. An die Qualität der vorherigen Alben der Cranberries reicht „Bury The Hatchet“ allerdings nicht mehr heran. Dazu sind die einzelnen Titel dann oftmals doch zu gewöhnlich – leider. Acht Punkte.

Anspieltipps: Shattered, Fee Fi Fo, Dying In The Sun