Donnerstag, 29. Dezember 2011

Yes – Drama





Yes – Drama


Besetzung:

Trevor Horn – vocals and bass on „Run Through The Light“
Geoff Downes – keyboards and vocoder
Chris Squire – bass, vocals and piano on „Run Through The Light“
Steve Howe – guitars and vocals
Alan White – percussion an vocals


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Machine Messiah (10:28)
2. White Car (1:21)
3. Does It Really Happen? (6:36)
4. Into The Lens (8:32)
5. Run Through The Light (4:43)
6. Tempus Fugit (5:22)


Bonus Tracks:

7. Into The Lens (I Am A Camera) (Single Version) (3:48)
8. Run Through The Light (Single Version) (4:31)
9. Have We Really Got To Go Through This (3:43)
10. Song No. 4 (Satellite) (7:32)
11. Tempus Fugit (Tracking Session) (5:40)
12. White Car (Tracking Session) (1:11)
13. Dancing Through The Night (3:17)
14. Golden Age (5:58)
15. In The Tower (2:55)
16. Friend Of A Friend (3:38)

Gesamtspieldauer: 1:19:15



Wieder mal eine neue Besetzung von „Yes“. Jon Anderson und Rick Wakeman hatten die Band verlassen, da sie die Aktivitäten der Band nach „Tormato“ für nicht gut genug hielten. Die restlichen drei, Howe, Squire und White wollten jedoch weitermachen. Und so passierte es, dass die „Buggles“ in Gestalt von Trevor Horn und Geoff Downes, die gerade mit „Video Killed The Radio Star“ einen großen Hit gelandet hatten und im selben Studio Aufnahmen tätigten, den drei restlichen Yes-Mitgliedern einen Song verkaufen wollten. Dieser wurde geprobt, fand allerdings nicht seinen Weg auf die Platte, stattdessen wurden Horn und Downes kurzerhand als Ersatz für Anderson und Wakeman engagiert. Eine Bandzusammenstellung, die es so nur auf „Drama“ gab.

Was die Fünf da allerdings ablieferten ist ganz große Musik. Die CD ist klasse und wohl die letzte von „Yes“, die uneingeschränkt dem Progressive Rock zugeordnet werden kann.

Es beginnt mit „Machine Messiah“, einem Stück in alter Yes-Manier. Wunderschöne Melodien gepaart mit Rhythmus- und Stilwechseln. Bombast gepaart mit ganz leisen Tönen, perfekt eingespielt. Ein Stück, was von der ersten bis zur letzten Minute Spaß macht. Und ist „Machine Messiah“ mit seinen knapp zehneinhalb Minuten das längste Stück des Albums, so folgt mit „White Car“ gleich der kürzeste Track. „White Car“ ist orchestral instrumentiert, ein schöner, kleiner und ruhiger Song, ein perfektes Gegenstück zum Bombast des Vorgängers.

„Does It Really Happen?“ beginnt mit einem Basslauf und stellt danach einen typischen Yes-Song der 70er Jahre da. Verschachtelt und schräg verlassen die Töne jetzt die Boxen und es ist auch längst nicht mehr so melodiös wie bei den beiden vorherigen Nummern. Trotzdem eine gute Nummer.

Was dann folgt, ist eines der Höhepunkte des Albums: „Into The Lens“. Eine herrlich schwebende Nummer, abwechslungsreich und von der ersten bis zur letzten Sekunde perfekt durchkomponiert. Schräg ist dieses Mal der Text: „I Am A Camera“, was „Yes“ uns damit wohl sagen wollen? Das Stück geizt nicht mit tollen Melodien und ist jedes Mal wieder ein absolutes Hörerlebnis.

Auch das nächste Stück weiß zu überzeugen. „Run Through The Light“ ist ein Track, der meist mehrstimmig in einer Art Chor der Musiker eingesungen wurde. Klasse auch hier die Tempiwechsel, treibende Teile wechseln sich dabei mit herrlich schwebenden Passagen ab, die ihrerseits dann nur mit Gitarre und Keyboard instrumentiert sind.

Bliebe noch das letzte Stück der Platte: „Tempus Fugit“. Und wie die Zeit verging, beim Hören dieses Albums. Und sie vergeht jetzt noch rasanter, denn „Tempus Fugit“ rockt geradezu. Es ist die schnellste Nummer auf dem Album, nicht die beste, allerdings sicherlich auch kein Ausfall.

Fazit: Ein klasse Album ist „Yes“ da zu Beginn der 80er gelungen. Und es klingt wesentlich mehr nach „Yes“ als nach den „Buggles“. Wer auf die etwas anspruchsvollere Rockmusik steht, der die tollen Melodien aber trotzdem nicht abgehen, der ist mit diesem Album bestens bedient.

Noch was. Die üppigen Bonustracks auf der RHINO-Edition lohnen auch. Zum Teil bekommt man alternative Versionen zu hören, zum Teil Stücke aus der „Tormato-Zeit“, auf denen dann auch Jon Andersen singt. Und hier fällt es auch zum ersten Mal richtig auf, das Andersen auf der Platte sonst gar nicht vertreten war. Da hat Trevor Horn seine Sache anscheinend richtig gut gemacht.

Für die vielen Bonustracks lege ich sogar noch einen Punkt drauf, damit bekommt „Drama“ nun vierzehn Punkte, fast perfekt.

Anspieltipps: Machine Messiah, White Car, Into The Lens





Mittwoch, 28. Dezember 2011

Sheryl Crow – C’mon, C’mon






Sheryl Crow – C’mon, C’mon


Besetzung:

Sheryl Crow – vocals, acoustic guitar, morraccos, keyboard, bass, piano, Wurlitzer organ, accordion, tambo, b3, organ, rhodes piano


Gastmusiker:

John Shanks – acoustic and electric guitar, drum loops, bass, samples, percussion loops, wurlitzer
Doyle Bramhall II – backing vocals, electric guitar
Craig Ross – electric guitar
Steve Jordan – drums, tambo, morracco
Shawn Pelton – drums, loops, bells
Lenny Castro – congas, shaker, percussion
Liz Phair – guest vocals
Jeff Trott – electric and acoustic guitar, lop steel, bass, drum programming
Jeff Anthony – drums and drum programming
Tim Smith – backing vocals, electric rhythm guitar, acoustic guitar, bass
Lenny Kravitz – guest vocals
Keith Schreiner – drum programming
Jeremy Stacey – string arrangement, synth strings, toy piano, moog lead, drums, drum loops, percussion
Peter Stroud – electric and acoustic guitars, drum loop, background vocals
Lorenza Ponce – string arrangement, concertmaster violin
Brad Jones –bass
A lot of people – violin
A lot of people – viola
A lot of people – cello
Stevie Nicks – guest vocals
Don Henley – guest vocals
Benmont Tench – organ, bridge piano
Mike Elizondo – bass
Brian McCleod – drum fills
Matt Brubeck – string arrangement
Doug Grean – electric guitars, keyboards
Dan Smith – cello
Keefus Clancia – keyboards, organ, string samples
Scott Weiland – additional production in bridge
Gwyneth Paltrow – guest vocals
Natalie Maines – guest vocals
Mandy Melvoin – electric guitar
Karen Crow – claps
Emmylou Harris – guest vocals
Dave Faragher – upright bass
Mitchell Froom – string arrangement, concertmaster violin
Lyle Workman – electric guitars


Label: AM Records


Erscheinungsdatum: 2002


Stil: Pop


Trackliste:

1. Steve McQueen (3:26)
2. Soak Up The Sun (4:52)
3. You're An Original (4:18)
4. Diamond Road (4:32)
5. It's So Easy (4:46)
6. C'Mon, C'Mon (3:25)
7. Safe & Sound (4:39)
8. Over You (4:02)
9. Hole In My Pocket (4:10)
10. Abilene (5:05)
11. Lucky Kid (4:06)
12. It's Only Love (4:37)
13. Weather Channel (4:42)
14. Missing (4:26)




Klar, beim Schreiben der Lieder wollten Sheryl Crow und ihre Co-Autoren ganz bestimmt nicht besonders viel Tiefgang verbreiten. Es sollte Mainstream sein, Musik die jeder immer und überall hören kann. Musik die im Hintergrund laufen kann, beim Autofahren oder vielleicht sogar im Fahrstuhl. Nach eigenen Worten wollte Sheryl Crow mit „C’mon, C’mon“ ein Sommeralbum schaffen, ein Album eben, das gute Laune verbreitet und Lust auf den Sommer macht. Und genau das zeigt sie auch im Booklet, in dem man sie zum Teil etwas leichter bekleidet sehen kann.

Und vielleicht hat sie ihr Ziel erreicht. Zumindest die Sache mit dem Mainstream stimmt. Da liegt es nahe, dass sie ein Album geschaffen hat, welches man immer und überall hören kann, was durchaus gute Laune verbreitet – allerdings nicht bei mir! Ich muss zugeben mich ödet das Ganze ein wenig an. Und auch wenn da Lenny Kravitz, Don Henley, Gwyneth Paltrow, Stevie Nicks, Natalie Maines von den Dixie Chicks und was weiß ich wer da noch alles mitgemacht hat. Da bleibt mir nur festzustellen: Selbst schuld! Hätten sie bestimmt nicht machen müssen!

Die Musik ist ein Mainstreambrei, der aus den Boxen wabert in das eine Ohr hineingeht und zum anderen wieder rauskommt. Bei dieser Scheibe ist alles glattgeschliffen, selbst die Abmischung. Da gibt es keinerlei Ecken und Kanten mehr. Mag sein, dass die Mehrheit der Musikhörer so etwas mag, ich bin immer wieder überrascht, wenn ich so etwas höre.

Nun, was ist denn gut? Da ist zum Beispiel der Song „Safe And Sound“. Hier ist die Steigerung sehr gelungen und auch der Gesang gegen Ende des Stücks, den bekommt Sheryl Crow so schön verzweifelt hin. Das ist in guter Popsong mit einer schönen Melodie und einer klasse arrangierten Gesangslinie. Auch „Over You“ hat irgendwie was. Hier weiß die Gitarre zu überzeugen, die dem Stück Pep und einen Wiedererkennungswert vermittelt. Bliebe noch „Weather Channel“. Haut einen zwar auch nicht um, aber es ist zumindest mal anders, als die anderen Lieder.

Nun kommt der Rest. Es stimmt, dass der eingängig ist. Aber Musik muss auch packen, begeistern können. Das schafft dieser Rest aber nicht. Er plätschert so dahin, ohne großartig Wellen aufzuwirbeln. Wohl kein Mensch würde sagen: „Hey Moment mal, was läuft denn da im Hintergrund?“ Nun, das ist Allerweltsmusik und davon gibt es eine ganze Menge auf dieser Erde. Und auch auf dem Album „C’mon, C’mon“ von Sheryl Crow.

Fazit: Okay, das ist Mainstream-Pop. Und genau so wird das Album auch angepriesen. Mich packt das allerdings überhaupt nicht. Mein Problem. Aber wenn man ein wenig Anspruch an Musik hat, dann kann man so etwas mal hören, aber man wird sich sicherlich nicht die CD kaufen. Das ist Musik, die rauf und runter auf den Radiostationen der Welt gespielt wird, die „ja nur unterhalten“ wollen. Das ist wahrlich sehr eingängige Musik, die allerdings sehr schnell auch wieder ausgängig ist, indem sie nicht hängenbleibt. Von den Texten habe ich hier noch gar nicht gesprochen. Die passen sich der Musik an. Nun, „C’mon, C’mon“ ist sicherlich kein Album, bei dem man gar keine Punkte vergeben darf. Aber mehr als fünf werden es auch bei mir nicht, dazu ist es einfach zu belanglos.

Anspieltipps: Safe And Sound, Over You, Weather Channel





Dienstag, 27. Dezember 2011

Crash Test Dummies – God Shuffled His Feet





Crash Test Dummies – God Shuffled His Feet


Besetzung:

Brad Roberts – lead vocals, acoustic and electric guitar, piano on “Untitled”
Ellen Reid – back-up vocals, piano, keyboards, accordion
Benjamin Darvill – mandolin, harmonicas
Dan Roberts – bass guitar, synth bass
Michael Dorge – drums, percussion


Gastmusiker:

Larry Beers – drums on “Afternoons & Coffeespoons”, “In The Days Of The Caveman”, “When I Go Out With Artists”
Adrian Belew – synthesized guitar on “God Shuffled His Feet”
Kerry Nation – back-up vocals on “Afternoons & Coffeespoons”

Label: BMG


Erscheinungsdatum: 1993


Stil: Pop


Trackliste:

1. God Shuffled His Feet (5:11)
2. Afternoons & Coffeespoons (3:56)
3. Mmm Mmm Mmm Mmm (3:53)
4. In The Days Of The Caveman (3:42)
5. Swimming In Your Ocean (3:49)
6. Here I Stand Before Me (3:07)
7. I Think I'll Disappear Now (4:52)
8. How Does A Duck Know? (3:42)
9. When I Go Out With Artists (3:44)
10. The Psychic (3:48)
11. Two Knights & Maidens (3:25)
12. Untitled (1:43)




Man kann die Crash Test Dummies wohl als so etwas wie ein „One Hit Wonder“ bezeichnen. Denn vor der 1993 erschienenen Platte „God Shuffled His Feet“ war es sehr ruhig um die fünf Kanadier. Und das wurde es auch wieder nach einigen Monaten, nach Erscheinen ihrer zweiten CD. Und dieses „One Hit Wonder“ bezieht sich auf den Übersong „MMM MMM MMM, MMM“. In einem Interview gab Brad Roberts, der sich für alle Kompositionen auszeichnet, mal an, dass der komische Titel dadurch zustande gekommen sei, weil ihm als Refrain irgendwie keine bessere Idee gekommen wäre. Macht nichts, denn dieser seltsame Titel macht den Song nur noch außergewöhnlicher. Ein klasse Stück Musik, das man immer wieder hören kann. Und neben der wunderschönen Melodielinie lebt dieses Stück auch vom eindrucksvollen, tiefen Gesang Roberts‘. Wahrlich ein ganz tolles Lied.

Nun, was ist aber mit dem Rest der Platte? Ohne einen Song gehört zu haben fällt zuerst mal das witzig gestaltete Plattencover auf. Hier wurde das Gemälde „Bacchus und Ariadne“ von Tizian aus dem Jahre 1520 etwas umgestylt und nun sehen wir hier die Musiker in das Gemälde integriert, anstelle der ursprünglichen Protagonisten. Auch die Vorstellung der einzelnen Musiker im Innenteil des Booklets: Sehr gelungen. Diese erscheinen hier einzeln in verschiedenen Gemälden des Mittelalters. Schöne Idee.

Nun was ist aber zur Musik zu sagen? „MMM MMM MMM MMM“ ist klar. Das ist ein toller Song, ein Klassiker der Popmusikgeschichte, den muss man kennen und den kennt wohl auch jedes Kind mindestens aus dem Radio – wenn nicht von der CD, die sich Mitte der 90er auch sehr gut verkaufte. Und der Rest? Nun, der ist unspektakulär. Leider sehr unspektakulär. Klar, da sind noch ganz gute Popsongs dabei, wie etwa das Titellied „God Shuffled His Feet“ oder aber „Two Knights And Maidens“. Aber trotzdem muss man feststellen, auf der CD befindet sich jede Menge Musik zum Nebenbeihören. Hintergrundmusik, die nicht großartig aufregt, die keine Spuren hinterlässt, soll heißen: Zum einen Ohr rein, zum anderen wieder raus. Leider, denn das Album hat nämlich noch was Tolles zu bieten: Die Texte. Die sind wirklich geistreich, intelligent und auch spannend. Alle sind im Booklet abgedruckt, sodass auch jemand, der des Englischen nicht ganz so mächtig ist, mitlesen kann. Lohnt sich wirklich. Aber an der Musik selbst, da hakt es ein wenig. Die wirkt bei öfterem Hören einfach langweilig.

Fazit: Gute Musik beinhaltet für mich eine schöne oder spannende Melodie und zur Krönung dazu noch ein toller Text. Beides gibt es bei „MMM MMM MMM MMM“ in allerbester Qualität. Aber das reicht nicht. Ein Lied ist da deutlich zu wenig, bei einer CD die aus zwölf Stücken besteht. Und alle elf restlichen Lieder können mich nur eingeschränkt packen, mich nur bedingt begeistern, mich nur selten einfangen. Das ist Allerweltspop, auch wenn die Texte meist klasse sind. Sicherlich nicht schlecht – aber zu mehr als sieben Punkten reicht es trotzdem nicht.

Anspieltipps: God Shuffled His Feet, Mmm Mmm Mmm Mmm, Two Knights & Maidens





Montag, 26. Dezember 2011

The Mars Volta – De-loused In The Comatorium





The Mars Volta – De-loused In The Comatorium


Besetzung:

Cedric Bixler-Zavala – vocals
Omar Alfredo Rodriguez-Lopez – guitar


Gastmusiker:

John Frusciante - guitar
Flea - bass
Jon Phillipe Theodore - drums
Isaiah Ikey Owens - keyboard
Lenny Castro - percussion
Jeremy Michael Ward - effects


Label: Universal Records

Erscheinungsdatum: 2003


Stil: Alternative, Progressive Rock?


Trackliste:

1. Son Et Lumiere (1:35)
2. Inertiatic Esp (4:24)
3. Roulette Dares (The Haunt Of) (7:31)
4. Tira Me A Las Araňas (1:29)
5. Drunkship Of Lanterns (7:06)
6. Eriatarka (6:20)
7. Cicatriz Esp (12:29)
8. This Apparatus Must Be Unearthed (4:58)
9. Televators (6:19)
10. Take The Veil Cerpin Taxt (8:42)




Ich habe mir die CD gekauft, aufgrund der vielen sehr positiven Kritiken, die ich im Internet gelesen hatte. Ich kannte gar nichts von der Band und bei so viel positiver Meinung dachte ich, ganz bestimmt nichts falsch machen zu können.

Doch dann machte ich den Fehler, die CD das erste Mal im Auto auf der Autobahn zu hören. Haarscharf - und ich wäre gegen einen Brückenpfeiler gefahren. Nun ich mag Pink Floyd, ich mag Led Zeppelin, ich mag King Crimson, ich mag Genesis mit Peter Gabriel, aber „de-loused in the comatorium“, dieses Album hat mit keiner Veröffentlichung der genannten Bands auch nur das Geringste gemein. Ich mag auch experimentelle Musik, aber immer nur in Ansätzen kann ich was Spannendes, etwas Interessantes erkennen. Der Rest ist Geschrei, Lärm Rock, der für mich auch in keiner Weise progressiv ist. Hier wird vielleicht versucht progressiv zu sein, um des „Progressivsein Willens“. Aber das geht in die Hose.

Ich gebe Platten beziehungsweise CD’s immer mehrere Chancen, aber auch nach dem zehnten Hören, kann ich mich mit dieser Musik nicht wirklich anfreunden, wobei ich die zweite Hälfte des Albums inzwischen ein bisschen „besser vertrage“. Da gibt es dann auf „Cicatriz Esp“, „This Apparatus Must Be Unearthed” und „Televators” wirklich gute Stellen. Allerdings finde ich den Gesang von Cedric Bixler-Zavala, vor allen an den hohen Stellen, einfach nur nervig und kaum auszuhalten.

Fazit: Schräg sind sie, die Musiker von The Mars Volta, das muss ich zugeben. Ihre Instrumente beherrschen sie ganz offensichtlich auch perfekt, das klingt so und sonst hätten sich sicher auch nicht John Frusciante und Flea an dieser Veröffentlichung beteiligt. Aber das reicht beileibe nicht aus, um bei diesem Album von einem Meilenstein zu sprechen. Für die guten Ansätze gebe ich 7 Punkte, mehr schaffe ich aber leider nicht.

Anspieltipps: Cicatriz Esp, This Apparatus Must Be Unearthed, Televators



Sonntag, 25. Dezember 2011

Anathema - A Natural Disaster





Anathema - A Natural Disaster


Besetzung:

Vincent Cavanagh - vocals, guitar
Danny Cavanagh - guitars, keyboards, vocals
Jamie Cavanagh - bass, programming
John Douglas - drums
Les Smith - keyboards, programming


Gastmusiker:

Anna Livingstone - spectral voice on 4
Lee Douglas - lead vocals on 7


Label: Music For Nations


Erscheinungsdatum: 2003


Stil: Independent, Alternative


Trackliste:

1. Harmonium (5:28)
2. Balance (3:59)
3. Closer (6:20)
4. Are you there (4:59)
5. Childhood dream (2:11)
6. Pulled under at 2000 metres a second (5:23)
7. A natural disaster (6:28)
8. Flying (5:57)
9. Electricity (3:52)
10. Violence (10:46)

Gesamtspieldauer: 55:23




Mit „A Natural Disaster“, dem siebten Album der Band Anathema, haben die fünf Briten ein tolles Album vorgelegt. Alle Lieder stammen aus der Feder von Danny Cavanagh, nur „Balance“ ist eine Coproduktion der Brüder Danny und Vincent Cavanagh mit Schlagzeuger John Douglas. Und seit dieser Veröffentlichung ist die Band fast schon zu so etwas, wie einem kleinen Familienunternehmen geworden, nachdem nun auch noch der dritte Bruder, Jamie Cavanagh, in die Band eingestiegen ist und den Bass übernahm.

Vom Doom oder Death Metal Sound inklusive „Growling“ haben sich die fünf Briten schon lange entfernt und glänzen seither mit abwechslungsreichen, dichten und melancholischen Soundlandschaften. Die der Band immer wieder nachgesagte und auch leicht nachzuhörende Nähe zu Pink Floyd kommt am deutlichsten bei „Pulled Under At 2000 Metres A Second“ zum Vorschein. Hier lässt sich die Übereinstimmung zu „Sheep“ nur schwerlich abstreiten. Diese Übereinstimmung dauert etwa 40 Sekunden und es stellt sich wirklich die Frage, ob dafür Tantiemen an Herrn Waters zu zahlen sind. Bei 4:30 passiert es dann sogar nochmal. Aber auch mit diesen „Anleihen“ wirkt das Lied sehr kraftvoll und in sich geschlossen, besitzt einen treibenden Rhythmus und weiß als Rockstück zu gefallen.

Das waren sie aber dann auch schon, die Übereinstimmungen mit Pink Floyd, die auf „A Natural Disaster“ festzustellen sind. Sonst steht die Musik ziemlich eigenständig da, eben wie Anathema-Musik am Anfang des neuen Jahrtausends. So können die ersten beiden Stücke mit ihren Steigerungen und den mehrstimmigen Gesangparts überzeugen. Beim dritten Track „Closer“ kommt der Vocoder zum Einsatz und schafft eine ganz eigene Stimmung. Auch hier ist es die Steigerung, die das Ganze nie langweilig werden lässt. „Are You There“ kommt dann ganz ruhig und schwebend daher. Als nächstes bekommen wir in „Childhood Dream“ Kinderstimmen zu hören. Das kürzeste Lied auf der CD erweckt von der Stimmung her Erinnerungen an einen Italo Western - und damit an die Kompositionen von Ennio Morricone.

Beim Titeltrack, „A Natural Disaster“ kommt Lee Douglas, die Schwester des Drummers zum Einsatz, womit wir nun bereits beim Zweifamilienunternehmen wären. Das Lied ist klasse und auch der Gesang gefällt. Und gerade das “No matter what I say, No matter what I do, I can’t change what happened” singt sie so schön verzweifelt, dass man ihr fast schon Hilfe anbieten möchte. Die nächsten beiden Titel sind wieder sehr ruhig gehalten, wobei „Flying“ wie schon die ersten beiden Tracks eine sehr schöne Steigerung aufweist.

Als weiteren Höhepunkt gibt es dann noch das Instrumentalstück „Violence“. Eine geniale Nummer, die man sich auch als Soundtrack eines Filmes vorstellen könnte. Wobei beim Hören sicher bei jedem ein anderer Film abläuft... Das Lied ist allerdings kein echter Longtrack. Es kommt zwar nicht diese komische Pause mit dem Hidden Track, aber sehr viel kreativer ist das hier auch nicht. Ab 4:45 klingt das Lied mit etwas Klavier und sphärischer Synthesizer-Hintergrundmusik langsam aus, bis es bei 10:46 wirklich endet.

Fazit: „A Natural Disaster“ ist ein tolles Album, was den Vorläufern in nichts nachsteht. Wer Spaß an gut gemachter, innovativer und abwechslungsreicher Rockmusik hat, der wird auch an diesem Album Spaß haben. Zehn Punkte gebe ich diesem Album.

Anspieltipps: Closer, Childhood Dream, A Natural Disaster, Violence



Samstag, 24. Dezember 2011

Porcupine Tree – Deadwing








Porcupine Tree – Deadwing

Besetzung:

Steven Wilson – vocals, guitars, piano, keyboards, hammered dulcimer, bass guitar on 1, 3, 5, (middle section) 7
Richard Barbieri – keyboards and sythesizers
Colin Edwin – bass guitar
Gavin Harrison – drums and percussion


Gastmusiker:

Adrian Belew – solo guitar on 1 and 4
Mikael Akerfeldt – harmony vocals on 1, 3, 5, second guitar solo on 5


Label: WEA International Inc.


Erscheinungsdatum: 2005


Stil: Alternative / Progressive Rock


Trackliste:

1. Deadwing (9:47)
2. Shallow (4:17)
3. Lazarus (4:19)
4. Halo (4:39)
5. Arriving Somewhere But Not Here (12:02)
6. Mellotron Scratch (6:57)
7. Open Car (3:47)
8. The Start Of Something Beautiful (7:40)
9. Glass Arm Shattering (6:17)




Mit ihrem 2005 erschienen Werk “Deadwing” haben Porcupine Tree eine tolle CD hingelegt. Abwechslung pur erwartet einen auf dieser Scheibe. Und was sich in „In Absentia“ schon andeutete, setzt sich hier konsequent fort: Schwere Gitarren à la Hardrock finden noch mehr Einzug in die Musik von Porcupine Tree.

Deutlich wird das sofort beim ersten Stück, bei dem es sich gleichzeitig auch um den Titeltrack handelt. „Deadwing“ erinnert zwar noch beim mehrstimmigen Gesang und dem sphärischen Mittelteil an vorangegangene Veröffentlichungen, aber die zum Teil abgefahrenen Gitarren lassen eher an eine Heavy Metal Band erinnern, als an Porcupine Tree.

Ähnlich geht es dann mit „Shallow“ weiter. Ebenfalls ein Heavy Metal Stück, bei dem nur die Zwischenteile die alten Porcupine Tree aufleben lassen. Für alteingesessene Fans sicherlich schwerer zu verdauende Kost. Aber keine Sorge, schon geht es weiter in alter „Porcupine Tree Manier“. „Lazarus“ ist ein Track, der so herrlich schwebend daherkommt und auch auf einem Album wie „Lightbulb Sun“ seinen Platz gefunden hätte.

Bei „Halo“ wird es dann sofort wieder ganz anders. Schräg und abgefahren und auch wieder härter tönt der Song aus den Boxen. Ob die Geschichte mit dem Heiligenschein (Halo) jetzt ironisch oder ernst gemeint ist, will ich einfach mal so stehen lassen.

Und dann kommt es, das Stück des Albums und eines der besten Lieder, die Porcupine Tree jemals geschrieben haben: „Arriving Somewhere But Not Here”. Klingt der Anfang wunderbar schwebend, wie viele Songs in der Karriere der Band, so folgt dann bei 6:18 wieder ein Heavy Metal Teil, der zunächst so gar nicht zum Rest des Liedes passen will. Wie dieser dann aber aufgelöst wird und bei 8:07 wieder in einen sehr melodiösen und immer noch schnellen Part mündet, das ist aller Ehren wert und fast schon genial umgesetzt. Daran schließt sich ein Teil an, der stark an Pink Floyd erinnert, was nicht nur am Gitarrenspiel Steven Wilsons liegt. Die Nummer klingt nun fast wie eine Reminiszenz an David Gilmour. Anschließend verklingt das Lied genauso, wie es auch begonnen hat: Herrlich schwebend mit mehrstimmigen Gesang.

Es folgt „Mellotron Scratch“ ebenfalls wieder mehrstimmig eingespielt und von der Stimmung her wieder bei früheren Veröffentlichungen. „Open Car“ ist anschließend hauptsächlich wieder ein Heavy Metal Song, der immer wieder von ruhigeren Passagen durchbrochen wird.

Umgekehrt präsentiert sich da „The Start Of Something Beautiful”. Hier ist der Refrain “heavy” und der Rest des Liedes wirkt getragen, aber schön getragen. Bleibt noch „Glass Arm Shattering“. Den Abschluss des Albums bildet damit ein Lied, welches ganz auf härtere Töne verzichtet. Träumerisch schwebend wird damit ein kontrastreiches, wie auch abwechslungsreiches Album, beschlossen.

Fazit: Ein tolles Album ist Pocupine Tree da gelungen. Manchmal hätte man sich vielleicht gewünscht, dass ein Stil während eines Liedes einfach mal durchgezogen worden wäre. Aber das stimmt irgendwie auch nicht, denn gerade diese Wechsel machen das Album aus. Wer auf gut gemachte Rockmusik mit Prog-Ansätzen steht, der kann hier überhaupt nichts falsch machen. Für dieses Album vergebe ich zwölf Punkte.

Anspieltipps: Lazarus, Arriving Somewhere But Not Here, Mellotron Scratch





Freitag, 23. Dezember 2011

Grobschnitt – Ballermann





Grobschnitt – Ballermann


Besetzung:

Stefan Danielak (Wildschwein) – lead vocals, guitar
Joachim H. Ehrig (Eroc) – drums, percussion, electronic, vocals on Sahara
Gerd O. Kühn (Lupo) – lead guitar
Bernhard Uhlemann (Bär) – bass guitar
Volker Kahrs (Mist) – keyboards


Label: Metronome Music / Brain


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Krautrock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Sahara (5:38)
2. Nickel-Odeon (9:20)
3. Drummer's Dream (6:16)
4. Morning Song (5:47)
5. Magic Train (13:22)
6. Solar Music, Part 1 (17:33)
7. Solar Music, Part 2 (15:57)




Im Jahr 1974, in dem so viele tolle progressive Rock Platten das Licht der Welt erblickten, in diesem Jahr schickten sich fünf Hagener Musiker an, es ihren britischen Kollegen gleich zu tun und sie veröffentlichten mit „Ballermann“ ebenfalls einen Klassiker, der auch heute, Ende 2011 und damit 37 später, nichts von seinem Glanz verloren hat.

Die Platte beginnt zunächst mit einem Spaß, bei dem Erke Eroc ein paar einleitende Worte zur neuen Platte und zum Song „Sahara“ im breitesten Denglisch spricht. Das Ganze endet mit dem Satz: „Come on boys, let’s sing, that the camels are breaking together – one – two – three – four!“ Was folgt ist ein schräger La-la-la-Gesang, der dann in einen breiten Gitarren- und Keyboardsound übergeht. Eroc übernimmt weiterhin den Gesang und auch wenn dieser, sowohl in seiner Art, als auch vom Text her, weiterhin nicht ganz ernst zu nehmen ist, so ist das Lied trotzdem klasse. Tolle Melodie verbunden mit einem breiten, fetten und dichten Sound. Klasse gemacht. Das Lied endet schließlich, indem es immer schneller und schneller gespielt wird, sich die Stimmen gen Mickey Mouse verabschieden und dabei langsam ausgeblendet werden.

Die zweite Nummer, „Nickel-Odeon“, beginnt wieder mit einem breiten Orgelsound, in den sich dann die Gitarre einklinkt. Das Stück ist die ersten knapp zweieinhalb Minuten ein Instrumentalstück, ehe sich Stefan Danielak mit seinem Gesang zur Instrumentierung dazugesellt. Und hier, in dieser Nummer passt der Gesang sehr gut. Vielleicht, weil er nicht ganz so übertreibt im Ziehen der Vokale, wie es noch auf weiteren Nummern der Platte zu hören sein wird. Nein hier passt es und auch die Musik ist klasse. Der Gesang wird durch sehr ruhige, zurückhaltende Passagen unterbrochen. Alle wie gehabt sehr harmonisch aufeinander abgestimmt, getragen vom breiten Orgelsound und einer Gitarre, die in diesem Stück manchmal so wunderschön frickelig und gleichzeitig melodiös sein darf.

Es folgt „Drummer’s Dream“, welches mit einem schönen Klavierlauf eingeleitet wird. Und hier gibt es sogar mal mehrstimmigen Gesang der Hagener Kombo zu hören. Und auch das haben sie drauf. Der Sologesang Danielaks wirkt hier aber irgendwie überzogen, übertrieben. Ansonsten ist das Stück eine schöne Nummer, die sich immer im Fluss befindet. „Morning Song“ im Anschluss daran, ist wieder ein sehr melodiöses und ruhiges Lied, bei der Sänger Wildschwein hauptsächlich seine Kopfstimme benutzt. Und das klingt gar nicht mal schlecht, das macht er hier richtig gut. Das Lied wird im weiteren Verlauf sogar ein wenig härter, bis es schließlich wieder auf die eher lustige Seite beendet wird, indem sich Eroc wieder in die Vocals mit einbringt.

„Magic Train“ ist mit seinen 13:20 Minuten das drittlängste Lied auf der Platte und stellt eigentlich zwei Lieder dar, die im Grunde genommen nichts miteinander zu tun haben. Da ist zuerst dieser wunderschöne Klavierpart, der etwas länger als drei Minuten andauert und dann leider irgendwie viel zu früh endet. Unglaublich schön. Es kommt zur Pause und der zweite Teil von „Magic Train“ beginnt. Dieser wird durch den Gesang Stefan Danielaks eröffnet und der Song entwickelt sich dann zu einem richtigen Stück progressiver Rockmusik. Für mich klingt Grobschnitt in keinem anderen Song so sehr nach Genesis wie hier. Da sind diese Ideen, diese Breaks, diese Tony Banks-Keyboardläufe, diese Steve Hackett-Gitarrenriffs. Bis auf den Gesang wirklich ganz, ganz nah bei Genesis der frühen 70er.

Ja und dann kommt es, das Meisterwerk von Grobschnitt: „Solar Music“. In dieser Version hier 33 Minuten lang und für mich auch eine der besten Versionen. Und am schönsten genießt man dieses Stück Musik relaxt auf dem Sofa mit Kopfhörern auf den Ohren. Tolle Klangwelten eröffnen sich hier dem Hörer von sphärisch schwebend bis druckvoll treibend, von ganz zart bis kraftvoll und laut. 33 Minuten Abwechslung pur und das wirklich durchgängig melodiös und immer packend. Und auch hier sind wieder einige Scherze eingebaut. Am besten gefällt mir jener, bei dem am Ende des ersten Teils das Mainzelmännchen meiner Jugend sein „Guten Abend“ in das Mikrophon plärrt. „Solar Music“ hat alles und wer Krautrock, aber auch progressive Rockmusik mag, der kann an diesem Stück Musik nicht vorbeigehen - denn „Solar Music“ muss man gehört haben. Und am besten die Live-Version von 1978 gleich hinterher.

Fazit: „Ballermann“ ist ein, wenn nicht der Klassiker von Grobschnitt. Das liegt natürlich mit an der ersten Veröffentlichung des Songs „Solar Music“. Aber auch die anderen Stücke können gefallen, wenn sie auch natürlich nicht an diesen Übersong heranreichen. In all den Jahren hat die Platte nichts von ihrer Klasse eingebüßt und kann immer noch begeistern. Empfehlen zum Kauf würde ich die remasterte Version von 2008. Diese Ausgabe der CD erhöht das Klangerlebnis noch einmal. Mir ist Ballermann 13 Punkte wert.


Anspieltipps: Sahara, Magic Train, Solar Music, Part 1, Solar Music, Part 2