Samstag, 10. November 2012

Haindling – Weiss




Haindling
– Haindling


Besetzung:

Hans-Jürgen Buchner – Gesang, Flügel, singende Säge, Keyboard, Akkordeon, Saxophone, Waldhorn, Basstrompete, Tuba, Althorn, Hühner- und Vogelimitation, Pfeifen, Perkussion, Kristallkugeln, Afrikanisches Bogeninstrument, Waterphone, Meeresmuschel, Geige


Gastmusiker:

Ulrike Böglmüller – Gesang
Roald Raschner – Flügel, Keyboards, Gesang
Heinz-Josef Braun – Bass, Gesang
Michael Braun – Waldhorn
Peter Enderlein – Schlagzeug, Perkussion
Rainer Kürvers – Keyboards, Tenorhorn
Elisabeth Enderlein – Gesang
Johanna Bittenbinder – Gesang
Astrid Buchner – Gesang
Miyabi Sudo – Sprech-Gesang / Japanisch


Label: BMG Ariola


Erscheinungsdatum: 1995


Stil: Bayerische Popmusik


Trackliste:

1. Mama (4:00)
2. Manchmal (3:58)
3. Drei Polizisten (6:38)
4. Donau Hymne (2:30)
5. Bist du der Oane (3:36)
6. Hühnertechno (3:25)
7. Posaunenintro (0:34)
8. Zahnpastastrang der Deutschen (2:20)
9. I hob di g'seng (1:35)
10. Klavier & Säge (0:28)
11. Tom & Thomas (2:28)
12. Aosis - Ruf der Muschel (3:12)
13. 500 (3:44)
14. Klavierkonzert (5:05)
15. Sonntagsspaziergang (1:39)
16. Es geht nimmer raus (2:58)

Gesamtspieldauer: 48:09




Erneut zwei Jahre dauerte es, bis Haindlings achtes Studioalbum im Jahr 1995 veröffentlicht wurde. Und auch auf dieser Platte gibt es wieder alles, was zu einem richtigen Haindling-Album dazugehört: Da gibt es tolle Melodien zu entdecken, jede Menge Wortwitz, Skurrilitäten und wunderschöne Einfälle.

Musikalisch toll gelungen sind dieses Mal die „Donau Hymne“ und das allerdings sehr kurze “Klavier & Säge“. Bei der „Donau Hymne“ kann man so richtig schön in die Musik eintauchen. Und hier liegt ganz klar auch eine der Stärken des Hans Jürgen Buchner: Von Blasinstrumenten dominierte Musik so unglaublich harmonisch und melodiös zu gestalten, dass es einfach eine Freude für den Hörsinn ist, diese zu genießen. Schließlich gibt es auf der Platte ganz zum Schluss noch das Stück „Es geht nimmer raus“. Was da nicht mehr raus geht, das wird nicht genau geklärt. Der Musik nach zu urteilen ist es eine Depression, eine ganz tief im Menschen sitzende Depression, die beachtet werden will. Wunderschön melancholisch bis tieftraurige Musik.

Vom Text her gesehen gestalten sich die Titel „Mama“ und „Drei Polizisten“ überaus witzig, beides zusätzlich Nummern, die auch musikalisch mit jedem weiteren Hören noch wachsen. In diese Kategorie fällt auch „Hühnertechno“. Wieder mal eine Nummer, bei der man schmunzeln muss und die mit einem klasse eingängigen Refrain versehen wurde.

Etwas seicht geraten ist „Manchmal“, was sich auf die Musik wie auf den Text bezieht. „Du bist der Oane“ fängt klasse mit dem Piano an, verliert dann im weiteren Verlauf allerdings ein wenig seinen Reiz. „Tom & Thomas“ sowie „Klavierkonzert“ können dagegen wieder wegen ihrer schönen Melodie überzeugen. Wieder einmal ist hier wunderbar umgesetzt das Gefühl des Hans Jürgen Buchner für Harmonien und sein Gespür für die Eingängigkeit zu hören.

Und dann gibt es auch wieder so ein „Überraschungslied“. „Zahnpastastrang“ heißt dieses auf „Weiss“. Was uns der Künstler damit allerdings sagen will, wage ich nicht zu beantworten, denn da läge ich sicherlich völlig daneben. Eindeutiger wird dies jedoch bei „Aosis“ und „500“. Das sind sie, die kritischen Songs. Wobei man dies bei „Aosis“ noch gar nicht merkt, da das Lied instrumental gehalten ist und in die Richtung Weltmusik tendiert. Naja, ganz instrumental ist der Song auch nicht gehalten, es wird japanisch geredet und einmal wird auf Englisch „Alliance Of Small Island States“ erwähnt. Auf „500“ wird dann schließlich das Geheimnis auch gelöst, was „AOSIS“ eigentlich bedeutet und was damit gemeint ist, da sich dieses Lied auf den vorherigen Titel bezieht.

Fazit: „Weiss“ hat was. Klar man muss sich da reinhören, aber jemand, der mit der Band „Haindling“ nichts anfangen kann, der wird sich dieses Album wohl auch kaum zulegen. Es gibt tolle Musik zu entdecken, witzige Parts, manchmal auch ein wenig belanglosere Stücke, die einen dann deutlich weniger beschäftigen oder aber begeistern. Allerdings überwiegt das Positive. Das Album steht seinem Vorgänger in nichts nach, deshalb auch hier hochverdiente neun Punkte.

Anspieltipps: Mama, Donau Hymne, Bist du der Oane, Hühnertechno, Klavier & Säge, Tom & Thomas, Klavierkonzert, Es geht nimmer raus




Freitag, 9. November 2012

Birth Control – Plastic People




Birth Control – Plastic People


Besetzung:

Peter Föller – bass, vocals, vibes
Bruno Frenzel – guitars, vocals
Bernd “Zeus B.” Held – keyboards, tenor saxophone, trumpet, vocals
Bernd Noske – drums, percussion, vocals


Gastmusiker:

Friedemann Leinert – flute (track 6)
Christoph Noppeney – viola (tracks 3-6)
Jochen von Grumbkow – cello (tracks 3-6)
Ulla, Hanna, Brigitte – chorus (track 6)
Robby – saxophone (track 6)
Otto – trombone (track 6)
Harry – trumpet (track 6)


Label: Repertoire Records


Erscheinungsdatum: 1975


Stil: Progressive Rock, Krautrock


Trackliste:

1. Plastic People (9:23)
2. Tiny Flashlights (7:35)
3. My Mind (6:46)
4. Rockin’ Rollin’ Roller (5:44)
5. Trial Trip (6:42)
6. This Song Is Just For You (7:25)

Gesamtspieldauer: 43:35





Auf „Plastic People“ klingen Birth Control wahrlich progressiver als auf den Vorgängern, auch wenn man auf diesen Vorgängeralben durchaus immer schon diese Ansätze entdecken konnte – allerdings sicher weniger. Der Hard-Rock-Faktor wurde ein wenig nach hinten gedrängt, obwohl man hier deutlich keinen sanften Prog, sondern vielmehr äußerst kraftvolle Musik mit Prog-Einflüssen hört.

Und dies beginnt sofort mit dem ersten und gleichzeitig Titelstück „Plastic People“. Wirkt die Nummer zu Beginn noch ein wenig ziellos, so steigert sich das Lied in seinem weiteren Verlauf. Alles wird ein bisschen geordneter und harmonischer und zur Krönung bekommt man dann noch von Herrn Held ein Tony-Banks-Gedächtnis-Keyboard-Spiel serviert. Diese Läufe, die dort zu hören sind, erinnern frappierend an manch eine Stelle auf „Nursery Crime“ und „Selling England By The Pound“ – allerdings ist die Musik selbst natürlich eine völlig andere.

Auch „My Mind“ hat ebenfalls nichts mehr mit straightem Rock zu tun. Vielmehr wurde hier sehr viel Wert auf die Arrangements gelegt. Mit Windgeräuschen eingeleitet entwickelt sich ein äußerst melodisches Stückchen Musik, welches immer wieder Überraschungen in Form von klasse gesetzten Pausen und Streichereinlagen aufweist. Auch der mehrstimmige Gesang gegen Ende des Stücks ist absolut gelungen.

Nun, der Rest rockt mal mehr, mal weniger. Er eröffnet Anleihen zu Kollegen wie Grobschnitt (zweiter Teil von „Trial Trip“) und wartet auch immer wieder mit netten Ideen auf, die im Falle von „This Song Is Just For You“ allerdings vom Gesang und dem Hintergrundgesang völlig zerstört werden. Sonst gefällt mir die Stimme eigentlich ganz gut und ich finde sie passt dann auch.

Fazit: „Plastic People“ ist schon ein Progressive Rock Album. Oder doch ein reines Krautrock Album? Ein Rock Album der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts? Musik kann manchmal so kompliziert sein! „Plastic People“ ist irgendwie alles Erwähnte ein bisschen. Das wiederum ist aber meistens gar nicht schlecht gemacht und wirkt auf seine Weise. Mögen auch die alten, die Fans der ersten Stunde von Birth Control diese Platte verteufeln, gerade weil sie nicht mehr so durchgängig rockt. Als „Proggie“ hat man Spaß daran. Vielleicht nicht an jeder Stelle, aber immer wieder.

Anspieltipps: Plastic People, My Mind, Trial Trip




Donnerstag, 8. November 2012

Madonna – Erotica




Madonna – Erotica


Besetzung:

Madonna – vocals


Gastmusiker:

Shep Pettibone – keyboard, sequencing
André Betts – synthesizer, bass, piano, strings, drums, keyboard, synthesizer strings
Emile Charlap – contractor
Donna De Lory – background vocals
Niki Haris – background vocals
Jerome Dickens – guitar
Glen Dicterow – conductor, concert master
Anton Fig – drums
Mark Goodman – vocals
Joe Moskowitz – drums, keyboard, programming
Dave Murphy – voices
Paul Pesco – guitar
James Preston – piano, keyboard, synthesizer strings
Tony Shimkin – keyboard, background vocals, engineer, sequencing, drum programming, programming
Danny Wilensky – saxophone
Doug Wimbish – bass
Jeremy Lublock – string arrangements


Label: Warner Brothers Records Inc.


Erscheinungsdatum: 1992


Stil: Pop, Electronic, R&B, Funk, House


Trackliste:

1. Erotica (5:19)
2. Fever (5:01)
3. Bye Bye Baby (3:56)
4. Deeper And Deeper (5:34)
5. Where Life Begins (5:58)
6. Bad Girl (5:23)
7. Waiting (5:47)
8. Thief Of Hearts (4:51)
9. Words (5:56)
10. Rain (5:25)
11. Why's It So Hard (5:23)
12. In This Life (6:32)
13. Did You Do It? (4:54)
14. Secret Garden (5:32)

Gesamtspieldauer: 75:23




Madonnas fünftes Album erschien 1992 unter dem Titel „Erotica“. Und der Name ist hier Programm. Vieles auf dem Album dreht sich um Sex und Liebe. Genau in dieser Reihenfolge. Dazu gesellt sich ein fast unvorstellbarer Stilmix. Klar, Hard Rock und Metal gibt es hier nicht zu hören, viel mehr andere Musikgenres hat Madonna Louise Ciccone, wie die Künstlerin mit vollem Namen heißt, allerdings nicht wegelassen.

Auf „Erotica“ gibt es Streicher und Scratching. Funk und Pop, Trip Hop-Anleihen und House-Adaptionen. Jede Menge, meist sehr plastikmäßig klingende Drummachine-Sounds, das gesprochene wie das gesungene Wort und Pop in all seinen Schattierungen, Nischen und Ecken.

„Erotica“ war das erste Album Madonnas, welches nach der Veröffentlichung verkaufstechnisch nicht gleich durch die Decke ging. Und wenn man dann mit den ersten Alben schon nur wenig anfangen kann, dann wird es mit dieser Scheibe hier noch mal einen Tick schwerer. Irgendwelche angenehmen Melodien sucht man auf der Platte nämlich vergeblich. Da will aber auch so gar nichts ins Ohr gehen, geschweige denn dort hängenbleiben. Es klingt unglaublich langweilig – von der ersten bis zur letzten Sekunde – durchgängig und ohne Unterbrechung.

Aber okay, es groovt zumindest manches Mal. Immer wieder mal. Jedoch war es das dann auch schon. Ich kann mir kaum vorstellen, dass es einen Musikhörer auf dieser Welt gibt, der behauptet „Erotica“ von Madonna sei sein allerliebstes Album unter allen Platten dieser Welt. Irgendwie unvorstellbar. Dazu kann einen die Musik einfach nicht packen. Das plätschert so dahin und nervt meist wegen dieser Langeweile, wegen dieser Abwechslungslosigkeit. Der Wiedererkennungswert eines jeden Liedes ist hier einfach irgendwo verloren gegangen, sodass „Erotica“ nur als Episode bleibt, nicht aber als gute Musik.

Fazit: Vielleicht ist es dieser Stilmix, der diese Scheibe zu dem werden lässt, was sie ist: Ein Geduldsspiel. Guter Pop klingt anders. Guter R&B, guter Funk, guter usw. ebenso. Dieser Plastiksound, der sich durch alle Stücke wurstelt ist nur schwer erträglich, wenn man auf gut- und handgemachte Musik steht. Somit ist diese Platte vielleicht was für den knallharten Madonna Fan, für alle anderen wohl deutlich weniger. Ich kann hier gar nichts finden, was mich anspricht. Klar, mein Musikgeschmack ist da eben ein anderer und so bin ich jemand, den diese Musik nur noch nervt. Allerdings schätze ich, dass es in diesem Fall den meisten Menschen so ergeht. Dafür gibt es noch nicht mal einen einzigen Punkt. Null - mehr geht einfach nicht.

Anspieltipps: Da kann man alles antesten, um zu merken, dass das gar nichts ist.




Mittwoch, 7. November 2012

The Byrds – Farther Along




The Byrds – Farther Along


Besetzung:

Roger McGuinn – guitar, banjo, vocals
Clarence White – guitar, mandolin, vocals
Skip Battin – bass, piano, vocals
Gene Parsons – drums, 5 string banjo, rhythm and steel guitar, harmonica, vocals


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 1971


Stil: Country-Rock, Folk-Rock


Trackliste:

1. Tiffany Queen (2:44)
2. Get Down Your Line (3:29)
3. Farther Along (3:00)
4. B.B. Class Road (2:19)
5. Bugler (3:10)
6. America's Great National Pastime (3:01)
7. Antique Sandy (2:15)
8. Precious Kate (3:04)
9. So Fine (2:40)
10. Lazy Waters (3:35)
11. Bristol Steam Convention Blues (2:49)


Bonus Tracks:

12. Lost My Drivin' Wheel (4:59)
13. Born To Rock And Roll (3:01)
14. Bag Full Of Money (5:58)

Gesamtspieldauer: 46:02




Das war es also, das zunächst letzte und elfte Studio-Album der Byrds. „Farther Along“ wurde es „getauft“ und zu Begeisterungsstürmen war bei dieser Veröffentlichung wahrlich kein Anlass mehr gegeben, als es im Jahr 1971 veröffentlicht wurde.

Das Album startet rockig mit „Tiffany Queen“ aus der Feder von Roger McGuinn. Obwohl so ganz kann man das gar nicht glauben, denn das eingängige Riff zu Beginn des Stücks, welches auch im weiteren Verlauf der Nummer immer wieder seinen Auftritt hat, klingt sowas von dermaßen nach „Jumpin‘ Jack Flash“ von den Rolling Stones. Die hatten den Song allerdings schon 1968 geschrieben und veröffentlicht. Zwar ist das Lied nicht zu hundert Prozent abgekupfert – jedoch zumindest sehr stark vom Stones-Song, na sagen wir mal, inspiriert.

„Get Down Your Line“ stammt von Gene Parsons und geht schon wieder sehr in Richtung Country. „Farther Along“, der Titeltrack ist ein traditionelles Lied, welches von Clarence White bearbeitet wurde. Es besitzt einen sehr religiösen Text und bewegt sich in der Grauzone zwischen Folk und Country. Für „B.B. Class Road“ zeichnet sich unter anderem auch wieder Gene Parsons verantwortlich. Das Lied ist ein Rock’n’Roll mit Boogie-Woogie Anleihen und nervt. Mit „Bugler“ wurde die ehemals erste Seite der Platte dann mit einem Country-Cover beendet.

„America's Great National Pastime“ von Skip Battin klingt ein wenig nach Kirmes-Musik. Bei der Entstehung von „Antique Sandy“ waren dann alle Bandmitglieder beteiligt. Jetzt sind wir wieder beim Folk angekommen. dafür klingen die Byrds hier wieder mehr wie in ihren Anfängen. Und dieser Umstand lässt sich auch auf die nächste Nummer „Precious Kate“ übertragen, für die sich unter anderem Skip Battin auszeichnete.

„So Fine“ ist ein Rock’n’Roll-Cover von Johnny Otis. Ebenfalls eine Cover-Version ist „Lazy Waters“. Eine ganz ruhige folkähnliche Nummer, die nur sehr zäh aus den Boxen herauswabert. Beschlossen wurde das ursprüngliche Album vom „Bristol Steam Convention Blues“, einer Instrumental-Country-Nummer von Gene Parsons und Clarence White, die aber ganz nett und auch geglückt ist.

Drei Bonus-Tracks wurden der remasterten Fassung hinzugefügt. Alles drei Stücke, die bisher noch nicht veröffentlicht worden sind. Dabei rockt die Cover-Version „Lost My Drivin' Wheel“ richtig gut. Bei „Born To Rock And Roll“ kann man durchaus nachvollziehen, warum man dieses Lied bisher noch auf keiner Platte gefunden hat und bei „Bag Full Of Money“ handelt sich wieder um solch ein unsägliches Country-Stück. Als Hidden Track gibt es hier noch eine weitere Version des „Bristol Steam Convention Blues“, die ebenfalls durchaus hörenswert ist.

Fazit: Allerhöchstens noch Durchschnittsware präsentieren die Byrds hier auf ihrem letzten Album. Und diese Durchschnittsmusik ist unterfüttert mit einigen sehr schlechten Liedern. Nein, auch dieses Album will nicht mehr zünden. Erfolgreich war es auch nicht, sodass Roger McGuinn beschloss, die Byrds offiziell aufzulösen. Zwei Jahre später gab es dann zwar noch mal ein kurzes Aufleben der Band in Originalbesetzung, aber das ist eine andere Geschichte. „Farther Along“ überzeugt nicht mehr. Fünf Punkte.

Anspieltipps: Tiffany Queen, Antique Sandy, Precious Kate, Bristol Steam Convention Blues, Lost My Drivin' Wheel




Dienstag, 6. November 2012

America – Holiday




America – Holiday


Besetzung:

Gerry Beckley – vocals, guitar, keyboards, bass
Dan Peek – vocals, guitar, keyboards, bass
Dewey Bunnell – vocals, guitar, keyboards, bass


Gastmusiker:

Willie Leacox – drums and percussion
Peter Henderson – tape operator


Label: Warner Brothers Records


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Folk Rock, Soft Rock, Pop


Trackliste:

1. Miniature (1:14)
2. Tin Man (3:27)
3. Another Try (3:19)
4. Lonely People (2:28)
5. Glad To See You (3:43)
6. Mad Dog (2:40)
7. Hollywood (2:51)
8. Baby It's Up To You (2:24)
9. You (2:26)
10. Old Man Took (3:11)
11. What Does It Matter (2:20)
12. In The Country (2:56)

Gesamtspieldauer: 32:57




Das vierte Album der amerikanischen Band „America“ trägt den Titel „Holiday“ und erschien im Jahr 1974. Produzent wurde die Platte von George Martin. Jenem George Martin, der auch die Beatles produzierte. Und das hört man auch. Das hört man sogar sehr.

Ganz orchestral startet das Album mit dem Titel „Miniature“. Das Stück klingt nach klassischer Musik und ist eine ganz neue Facette in der Musik von America. Das Stück hat nur einen Nachteil - es ist deutlich zu kurz geraten. „Tin Man“ wartet anschließend mit einer Art „Calypso-Sound“ auf und will so überhaupt nicht zum vorherigen Stück passen. Es folgt „Another Try“, bei dem nun der Einfluss des George Martin überdeutlich wird. Während dieses Titels wandeln America auf den Spuren der Beatles. Und das ist durchaus gelungen.

Ebenfalls überaus geglückt ist der nächste Song „Lonely People“. Jetzt erinnert die Musik allerdings sehr viel mehr an die Kollegen von Crosby, Stills und Nash, was nicht zuletzt durch den mehrstimmigen Gesang hervorgerufen wird. Klasse hier auch die Mundharmonika- und Klaviereinlage etwa in der Mitte des Stücks. Und richtig gut geht es mit „Glad To See You“ weiter. Ein schönes, stilles, völlig unaufgeregtes Lied, sehr melodiös, bei dem die Streicher ihren Auftritt haben. Mit der Nummer „Mad Dog“ bewegt sich die Musik dann wieder im Dunstkreis der Beatles. Ein kleiner und fröhlicher Titel, der durchaus so auch ein paar Jahre zuvor in Liverpool hätte entstanden sein können.

Die ursprünglich zweite Seite der Platte kann die Qualität der ersten Seite leider nicht ganz halten. „Hollywood“ wartet zwar mit verschiedenen akustischen Einspielungen auf und unterscheidet sich musikalisch auch sehr vom Rest des Albums, ist jedoch ein bisschen langweilig geraten. "Baby It's Up To You" plätschert so dahin, "You" beinhaltet immerhin einen schönen Fanfarenklang und „Old Man Took“ kann trotz einiger Streicher in Form von Celli und Violinen einfach nicht zünden. Dazu packt einen die Melodie dann doch deutlich zu wenig.

Klasse wird es wieder mit „What Does It Matter“. Ob das daran liegt, dass man hier auch wieder die Beatles mit heraushört? Keine Ahnung, das Lied verfügt auf jeden Fall über eine sehr eingängige Melodie und das Klavier sorgt für eine fröhliche Stimmung. Beschlossen wird das Album mit „In The Country“, dem rockigsten Stück der Platte. Auch gelungen, wenn auch nicht der Höhepunkt auf „Holiday“.

Fazit: „Holiday“ klingt immer wieder mal nach den Beatles. Mit George Martin als Produzenten sollte einen diese Tatsache allerdings auch nicht übermäßig überraschen. Alle, auch die etwas anders klingenden Titel sind äußerst melodisch gehalten und es wurde immer viel Wert auf die Harmonie der Lieder gelegt. Was herauskam, das ist eine Mischung aus den Beatles und Crosby, Stills und Nash in der Interpretation von America. Wer also diese beiden Bands mag, der wird auch „Holiday“ von America mögen. Rockern mag das Ganze allerdings vielleicht zu langweilig und ruhig daherkommen – aber wer weiß das schon… Zehn Punkte.

Anspieltipps: Miniature, Another Try, Lonely People, Glad To See You, Mad Dog, You, What Does It Matter




Montag, 5. November 2012

Haindling – Haindling




Haindling
– Haindling


Besetzung:

Hans-Jürgen Buchner – Gesang, Klavier, Gitarre, Saxophon, Tuba und vieles andere mehr


Gastmusiker:

Ulrike Böglmüller – Stimme
Heinz-Josef Braun – Bass, Tuba
Michael Braun – Saxophon, Trompete, Tenorhorn, Keyboard, Percussion, Gesang
Peter Enderlein – Schlagzeug, Perkussion
Rainer Kürvers – Keyboards, Tenorhorn
Roald Raschner – Klavier, Keyboards, Gitarre, Gesang
Jutta Schröder – Geige
Bärbel Amann – Cello
Miyabi Sudo – Flügel


Label: BMG Ariola


Erscheinungsdatum: 1993


Stil: Popmusik mit Volksmusikanleihen


Trackliste:

1. Noch in der Umlaufbahn (4:56)
2. Leit hoit's z'samm (2:57)
3. Er hod graucht (3:02)
4. Neuländer (2:48)
5. Hau Ruck (3:09)
6. Ich hab vergessen, daß ich so vergeßlich bin (4:10)
7. Bulldog mit Schuß (1:08)
8. Harakiri nach Karaoke (3:11)
9. Vergelt's Gott (3:14)
10. Madame Bäurin (8:01)
11. Eins, zwei, drei (2:58)
12. 20 Prozent (3:51)

Gesamtspieldauer: 43:25




Zwei Jahre nach dem etwas enttäuschenden „7“, veröffentlichte Hans Jürgen Buchner 1993 das siebte Studioalbum seines „Projektes“ Haindling, welches er kurzerhand ebenfalls mit Haindling betitelte. Und dieses Mal gab es eine Neuerung zu bestaunen, wenn man in die Credits sieht. Auf Haindling hat Hans Jürgen Buchner nicht mehr fast im Alleingang alle Musikinstrumente eingespielt. Nein, auf diesem Album hat er erstmals eine Band um sich geschart, die ihn allerdings bei Liveauftritten schon länger unterstütze.

Womit wir bei der Musik wären, die dieses Mal wieder deutlich besser gelungen ist, als noch auf dem Vorgänger. Hier auf der siebten Platte gibt es sie wieder, die tollen Melodien und witzigen Texte, der erhobene Zeigefinger ist auch nicht mehr vorhanden. Das Album wird eröffnet mit der wirklich tollen Instrumentalnummer „Noch in der Umlaufbahn“. Hier klingt alles und hier stimmt alles. Von den Streichern bis zur Perkussion. Dazu gibt es eine schöne Melodie, die einfach Spaß macht.

„Leit hoit’s z’samm“ klingt nach bayerischer Musik und kann vor allem im Instrumentalteil punkten. Und dann folgt wieder so ein Lied, wie es wohl nur Hans Jürgen Buchner schreiben kann „Er hod graucht“. Man muss natürlich etwas mit dem Humor des Niederbayern anfangen können. Wem das gelingt, der hat bei jedem Hören dieses Stücks ein Lächeln auf den Lippen. „Neuländer“ ist eine sehr schöne Instrumentalnummer, welche deutlich von der Bläserfraktion beherrscht wird. Bei „Hau Ruck“ wird es anschließend deutlich hektischer und vom Gesang, Melodie und Instrumentierung wieder überaus bayrisch.

„Ich hab vergessen, daß ich so vergesslich bin“ beginnt mit sanften Pianoklängen und wirkt zu Beginn sehr getragen, aber schön getragen. Im weiteren Verlauf verliert das Lied jedoch ein wenig den zu Beginn aufgebauten Zauber und wird deutlich langweiliger. Bei dem kurzen „Bulldog mit Schuß“ gibt ein Trecker den Takt vor und wird vom Piano unterstützt - klasse gemacht. Dies trifft leider weniger auf „Harakiri nach Karaoke“ zu. Irgendwie nervt die Nummer ein wenig, ist nicht besonders melodiös und auch sonst nichts Besonderes.

Dieses "Besondere" besitzt allerdings im Anschluss das Lied „Vergelt’s Gott“. Spannende und etwas mystische Melodieführung mit immer wieder eingestreuten bayerischen Klängen. Aber nicht das ist das Außergewöhnliche an diesem Titel. Das wirklich Bemerkenswerte ist der Text. Der ist so etwas von skurril. Ein Meisterwerk. Auf diese Idee der Geschichte mit dem Dirndl muss man erst mal kommen. Genial.

„Madame Bäurin“ ist dann ein Stück, welches für den gleichnamigen Film geschrieben wurde. Es klingt ein wenig so, als ob hier einfach Teile, die manchmal gar nicht zusammenpassen wollen, aneinandergehängt wurden. Diese einzelnen Parts sind allerdings durchaus hörenswert. Auf eine bestimmte Stimmung kann man sich dabei jedoch nicht einstellen. „Eins, zwei, drei“ stammt ebenfalls aus dem Film „Madame Bäurin“ und klingt wie eine bayerische Volksweise. Beschlossen wird das Album durch „20 Prozent“. Schräge Bläsertöne erwarten einen zuerst, dann folgt ein ebenso schräger Klavierpart, auf dem Hans Jürgen Buchner zunächst ein wenig über das Gehirn referiert. Dann entwickelt sich eine sehr ruhige Pianonummer daraus, die in etwas Wortakrobatik und schließlich in viel Perkussion mit Bläsern übergeht. Was man nicht alles in knapp vier Minuten packen kann.

Fazit: Das ist Haindling mit Haindling eine deutliche Steigerung zum vorherigen Album gelungen. Die Melodien packen wieder deutlich mehr und dieser schlagereske Touch ist nicht mehr wahrzunehmen. Dazu gesellt sich der Witz der Texte und fertig ist das Album, welches nun wieder neun Punkte verdient hat.

Anspieltipps: Noch in der Umlaufbahn, Er hod graucht, Neuländer, Bulldog mit Schuß, Vergelt's Gott, Madame Bäurin




Sonntag, 4. November 2012

Birth Control – Hoodoo Man




Birth Control – Hoodoo Man


Besetzung:

Bruno Frenzel – guitars, vocals
Bernd Koschmidder – bass-guitar
Wolfgang Neuser – organ keyboards, kuckuck-synthesizer, church-organ, vibraphone
Bernd Noske – drums, percussion, vocals


Gastmusiker:

Peter Engelhard – guitar (tracks 10, 11)
Sosho Kühn – keyboards (tracks 10, 11)
Cyborg Haines – bass (track 10)
Peter Föller – vocals (track 11)
Sascha Delbrouck – bass (track 11)


Label: Repertoire Records


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Rock, Progressive Rock, Krautrock


Trackliste:

1. Buy (7:13)
2. Suicide (6:19)
3. Get Down To Your Fate (7:59)
4. Gamma Ray (9:46)
5. Hoodoo Man (8:27)
6. Kaulstoss (2:43)


Bonus Tracks:

7. Nostalgia (3:37)
8. Gamma Ray (Part 1 Single Version) (3:30)
9. Gamma Ray (Part 2 Single Version) (3:53)
10. Hope (live) (5:54)
11. She's Got Nothing On You (live) (5:00)

Gesamtspieldauer: 1:04:20




„Hoodoo Man“ lautete das dritte Album der Berliner Band Birth Control, welches im Jahr 1973 erschien. Zum Teil hört man auf diesem Album ziemlich geradlinigen Rock, wie zum Beispiel beim Opener „Buy“. Ein orgeldominiertes Lied, welches in seiner Art tatsächlich ein wenig an Deep Purple oder Uriah Heep der damaligen Zeit erinnert. Zumindest, bis man sich dem Solo angenähert hat. Hier wird die Musik nun ein wenig progressiver mit Tempo- und Rhythmuswechseln, um schließlich wieder in einen schnelleren Rock-Part überzugehen.

„Suicide“, die zweite Nummer der Platte, nähert sich dann dem Genre „Progressive Rock“ noch deutlich mehr an. Auch hier steht die Orgel wieder ganz klar im Vordergrund und beherrscht das Lied, welches im weiteren Verlauf mit immer mehr jazzigen Adaptionen aufwartet. „Get Down To Your Fate“ startet im Anschluss daran fast schon sphärisch und frei. Dann wandelt sich das Stück wieder zu einem typischen Rock-Kracher der frühen 70er Jahre. Und für diese Stimmung sorgen neben dem Gesang auch erneut die Orgel sowie die Solo-Gitarre.

Dann folgt mit „Gamma Ray“ eines der bekanntesten Lieder der Berliner. Alles vibriert hier bei diesem Song, alles ist im Fluss und die Band kommt dem Genre Krautrock jetzt deutlich am nächsten. Die Rockelemente sind immer allgegenwärtig, jedoch kommt bei diesem Stück auch der Freund der progressiven Rockmusik durchaus auf seine Kosten. Klasse auch der Mittelteil, der ein Perkussion- und Schlagzeug-Solo enthält, welches wahrlich mitreißt. Schließlich gibt es noch ein Frage- und Antwortspiel zwischen Gesang und Gitarre, wobei der Gesang nicht aus Worten, sondern eher aus lautmalerischen Silben besteht.

Anschließend gibt es den Titeltrack „Hoodoo Man“ zu hören. Auch hier bewegt sich die Band wieder in progressiven Spuren. Der Beginn ist schön melodiös gehalten und rockt gleichzeitig. Plötzlich jedoch befindet man sich in der Kirche und lauscht dort einem Orgelkonzert. Schließlich geht es wieder zurück in den ersten Teil des Liedes mit dem die Nummer auch beendet wird.

Der ursprünglich letzte Titel des Albums war „Kaulstoss“. Deutlich kürzer als die anderen Stücke der Platte und auch sehr viel gewöhnungsbedürftiger, will die Nummer irgendwie nicht so recht zum Rest auf „Hoodoo Man“ passen. Es beginnt mit Hundebellen und dann folgt so eine „fröhliche“ Orgel-, Synthesizer- und Gitarrenmelodie, die man nicht unbedingt gehört haben muss.

Auf der remasterten Fassung des Albums von 2005 sind noch mal fünf Zugaben hinterlegt worden. Sicherlich kein zusätzlicher Grund, sich dieses Album noch mal zuzulegen, da es sich dabei bis auf die beiden „Gamma Ray“-Teile um relativ straighten Rock handelt, der ganz nett anzuhören ist, einen allerdings auch nicht umhaut.

Fazit: „Hoodoo Man“ wirkt. Vor allen Dingen die Titel drei, vier und fünf haben was. Das ist etwas härterer Progressive Rock, der einem zum Mitwippen animiert, der niemals nachdenklich oder melancholisch rüberkommt, sondern immer rockt und das auf eine ganz sympathische Art und Weise. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Get Down To Your Fate, Gamma Ray, Hoodoo Man




Samstag, 3. November 2012

Queen – Queen




Queen – Queen


Besetzung:

Freddie Mercury – vocals, piano
Brian May – guitars, piano, vocals
John Deacon – bass guitar
Roger Meddows-Taylor – percussion, vocals


Label: Universal International Music


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Rock


Trackliste:

1. Keep Yourself Alive (3:48)
2. Doing All Right (4:09)
3. Great King Rat (5:43)
4. My Fairy King (4:13)
5. Liar (6:25)
6. The Night Comes Down (4:23)
7. Modern Times Rock 'N' Roll (1:48)
8. Son And Daughter (3:23)
9. Jesus (3:44)
10. Seven Seas Of Rhye (1:17)

Gesamtspieldauer: 38:53




„Queen“ von Queen ist eines der außergewöhnlichsten Debuts der Musikgeschichte. Auf dem Erstlingswerk der Briten wird gerockt, jedoch gibt es völlig neue Gitarrensounds zu hören, einen bisher nie dagewesenen Hintergrundgesang und ein wahrlich reiches Spektrum an Einfällen und Ideen. Dazu ist jedes Lied auf dieser Platte überaus eingängig und melodiös und das gilt auch für die manchmal durchaus auch härteren Rockstücke.

Und diese Rockstücke gibt es reichlich auf dem Album. Mit Sicherheit ist „Queen“ von Queen das härteste Album der vier Engländer. Keines der folgenden vierzehn Studio-Platten, jetzt nehme ich mal den Soundtrack zu „Flash Gordon“ dazu, sollte wieder so rocken und sich mitunter in den Gefilden des Hard Rock bewegen. Aber dabei sind die ganzen Zutaten, die die späteren Alben, zumindest die der 70er Jahre, ausmachen sollten, hier bereits vorhanden, werden manches Mal nur angedeutet, an anderer Stelle aber auch schon ausgebaut und veredelt.

Man hört den unvergleichlichen Gitarrensound des Brian May, das kraftvolle Bassspiel des John Deacon und auch bereits die ersten Gesangseinlagen des Roger Taylor. Dazu gesellt sich natürlich die unverwechselbare Stimme Freddie Mercurys, der bis zu diesem Album noch Freddie Bulsara hieß und sich inspiriert durch seinen Text zu „My Fairy King“ in Freddie Mercury umbenannte. Überhaupt ist dieses Lied am deutlichsten kennzeichnend für das, was Queen in den nächsten Jahren noch alles an Sounds und Einfällen erschaffen werden würde.

Es versteckt sich kein schlechtes Lied auf dem Album. Alles ist bis zur letzten Sekunde hin hörenswert. Vielleicht ist vieles nicht ganz so eingängig wie auf späteren Veröffentlichungen, mit jedem weiteren Hören setzen sich die Läufe der einzelnen Stücke jedoch fester und unauslöschlicher im Musikzentrum des Gehirns fest. Somit lohnt es wahrlich, das Album reifen zu lassen und immer wieder zu genießen.

Fazit: Wer Queen mal richtig rocken hören möchte, der sollte unbedingt in dieses Album hineinhören. Die Musik, die hier geboten wird, hat nichts mit jener zu tun, die auf den meisten Veröffentlichungen der 80er Jahre zu hören ist. Vielmehr liegen auf dem Debutalbum der vier Briten die Wurzeln für die nächsten Alben der 70er, die ihren Durchbruch darstellen sollten. Auf diesem ersten Album kracht es auch mal richtig, wird „hart“ gerockt, allerdings gibt es auch immer wieder diese schönen verträumten Stellen, diese tollen Vokal-Arrangements, für die sich Queen stilprägend zeichnete. Und das ist auch genau der Punkt: So etwas gab es bisher noch nicht. Diese Art der Musik, war im Jahr 1973 noch nicht „erfunden“ worden. Queen waren die Pioniere und diese Pioniere zeigten den Hörern ganz neue Audioerlebnisse auf. Ein tolles Album. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Keep Yourself Alive, Doing All Right, Great King Rat, My Fairy King, Liar, The Night Comes Down, Jesus




Freitag, 2. November 2012

Foreigner – Agent Provocateur




Foreigner – Agent Provocateur


Besetzung:

Lou Gramm – lead vocals, percussion
Mick Jones – guitar, keyboards, piano, background vocal
Rick Wills – bass, background vocals
Dennis Elliott – drums, vocals, background vocals


Gastmusiker:

Wally Badarou – analog synthesizer, digital synthesizer
Tom Bailey – vocals
Brian Eddolls – synthesizer
Larry Fast – synthesizer
Don Harper – vocals
Jennifer Holliday – vocals
Dave Lebolt – synthesizer
Ian Lloyd – vocals, background vocals
Bob Mayo – synthesizer, piano, background vocals
New Jersey Mass Choir of the GMWA
Mark Rivera – saxophone, background vocals
Jack Waldman – synthesizer


Label: Warner Brothers Records


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: Adult Oriented Rock


Trackliste:

1. Tooth and Nail (3:56)
2. That Was Yesterday (3:49)
3. I Want To Know What Love Is (5:06)
4. Growing Up the Hard Way (4:14)
5. Reaction To Action (4:02)
6. Stranger In My Own House (5:05)
7. A Love In Vain (4:31)
8. Down On Love (4:12)
9. Two Different Worlds (4:32)
10. She's Too Tough (3:11)

Gesamtspieldauer: 42:37




Das fünfte Album der Mainstream Rocker von Foreigner erschien 1984 und wurde mit dem Titel „Agent Provocateur“ versehen. Auf dem Konzeptalbum geht es angeblich um einen Spion, der sowohl das äußere Leben von Personen, als auch deren Inneres sehen kann. Wenn man sich die einzelnen Titel durchsieht, merkt man allerdings schnell, dass sich hier Liebeslied an Liebeslied reiht.

Und damit wären wir gleich bei der Musik. Diese ist sowas von schmalzig bis schnulzig, dass einem immer wieder die Luft wegbleibt. Stellvertretend hierfür steht der größte Hit des Albums und einer der größten Charterfolge der Band überhaupt: „I Want To Know What Love Is“. Hier mal kurz der Refrain-Text: „I Want To Know What Love Is. I Want You To Show Me. I Want To Feel What Love Is. I Know You Can Show Me.” Und diese vier Sätze werden immer und immer wiederholt. Schmachtend, mit einem fetten Hintergrundchor und vielem „Oh Yeah“. Unglaublich.

Leider ist dies nicht der einzige Ausrutscher nach unten. Auch „That Was Yesterday“ ist so ein Pop-Rock-Lied, bei dem es trieft. Noch ein Beispiel gefällig? „Down On Love“ oder „A Love In Vain“, obwohl bei letzterem Titel wenigstens noch ein wenig der Rock-Ansatz zum Tragen kommt.

Allerdings, auch wenn es mal rockt, da ist trotzdem alles irgendwie glattgebügelt worden. Die Musik sollte wohl ganz schnell wirken und hauptsächlich eingängig sein. Und das sind sowohl die Schmalzstücke wie auch die rockigeren Tracks. Aber da ist eben die Langeweile, die sich nach dem Hören des Albums breit macht. War da was? Gab’s da was? Nein, leider nicht!

Fazit: Der Erfolg, den Foreigner mit diesem Album hatte, der sei ihnen gegönnt. Ich kann mit solcher Musik allerdings gar nichts mehr anfangen. Das ist deutlich zu sehr Mainstream, zu sehr auf den schnellen Erfolg getrimmt. Und genau dieser Umstand bewirkt, dass hier nichts mehr hängenbleiben kann – nur der Gedanke, dass sich auf dem Album jede Menge schmachtende Liebeslieder befinden. Eingängig waren die meisten Lieder auf „4“ auch, aber sie hatten auch was, was man bei den Titeln auf „Agent Provocateur“ vergeblich sucht: Eigenständigkeit und keinen 08/15-Brei. 05 Punkte.

Anspieltipps: Stranger In My Own House, She’s Too Tough





Donnerstag, 1. November 2012

Madonna – Like A Prayer




Madonna – Like A Prayer


Besetzung:

Madonna – vocals, background vocals, synthesizer


Gastmusiker:

Rev. Dave Boruff – brass
Stephen Bray – synthesizer
Luis Conte – percussion
Larry Corbett – cello
Andraé Crouch – choir
Andraé Crouch – choir
Sandra Crouch – tambourine
Paulinho Da Costa – percussion
Chuck Findley – brass
Bruce Gairsch – guitar
Dann Huff – guitar
Dick Hyde – brass
Randy Jackson – bass
Chester Kamen – guitar
Geary Lanier – clavinet
Patrick Leonard – clavinet, hammond organ, piano, synthesizer
Marcos Loya – guitar, background vocals
Steve Madaio – brass
Joseph Mayer – french horn
Jonathan Muffett – drums
Jeff Porcaro – drums, marimba
Guy Pratt – bass
Prince – vocals
John Roninson – drums
Richard Todd – french horn
David Williams – guitar
Jai Winding – synthesizer
Nadirah Ali – background vocals
Rose Banks – background vocals
Donna De Lory – background vocals
Lynne Fiddmont – background vocals
Nikki Harris – background vocals
Marilyn Martin – background vocals


Label: Warner Brothers Records Inc.


Erscheinungsdatum: 1989


Stil: Pop, Funk


Trackliste:

1. Like A Prayer (5:42)
2. Express Yourself (4:39)
3. Love Song (4:53)
4. Till Death Do Us Part (5:18)
5. Promise To Try (3:38)
6. Cherish (5:04)
7. Dear Jessie (4:21)
8. Oh Father (4:59)
9. Keep It Together (5:03)
10. Pray For Spanish Eyes (5:18)
11. Act Of Contrition (2:20)

Gesamtspieldauer: 51:14




Das vierte Album von Madonna erschien 1989 und wurde nach dem gleichnamigen Titel „Like A Prayer“ benannt. Deutlich ist auf der Platte ein Stilwechsel auszumachen. Diese Synthie-Pop-Klänge gehören zum größten Teil der Vergangenheit an. Madonna experimentiert mehr mit reinem Pop, Soul und Funk. Rockig klingt es überhaupt nicht – obwohl, ganz am Ende mal ganz, ganz kurz.
In diesen ersten Genres sollte man sich als Hörer auch wohlfühlen, wenn man mit dem Album etwas anfangen können will. Ich kann es nicht. Nach Disco klingt noch der Titelsong und „Express Yourself“, bei dem jetzt auch die Bläser ihren Auftritt haben. Da gibt es aber auch solche Stücke wie „Love Song“, soulig und funkig, ein Duett mit Prince, unbeschreiblich schlecht. Funkig bis poppig sind ebenfalls „Cherish“ und „Keep It Together“ – und leider auch unglaublich belanglos.

Dann haben wir da die ruhigeren Popnummern wie „Promise To Try“ und „Dear Jessie“, wobei letzteres Stück richtig gut gelungen ist. Schön melodiös und einige Spuren hinterlassend. Man hört jede Menge Streicher und eingängige Harmonien. Überaus orchestral beginnt dann „Oh Father“. Allerdings gleitet das Lied im weiteren Verlauf, der dann richtig poppig klingt, immer wieder ins allzu Seichte ab. Gut gelungen sind immer die Teile, in denen gerade nicht gesungen wird.

„Pray For Spanish Eyes“ ist eine ruhige Popnummer, in die wiederholt spanische Klänge einbettet werden. So hört man Kastagnetten und spanische Gitarren. Schließlich gibt es zum Abschluss noch das kurze „Act Of Contrition“. Was mit harten Gitarren beginnt, entwickelt sich zu einer Art Klangkollage, die dann aber wirklich auch kurz mal rockt.

Fazit: Einen Stilmix der besonderen Art gibt es auf „Like A Prayer“ zu hören. Wahrscheinlich wird jeder Hörer, egal von welcher musikalischen Seite er sich diesem Album auch nähert, Lieder haben, die ihm gut gefallen - genau wie andere, mit denen er nur ganz wenig anfangen kann. Die Platte ist sehr durchwachsen und kann nur an einigen wenigen Stellen wirklich überzeugen. In einem durchhören kann man sie auch nicht richtig, da der Stilmix einem dauernd aus irgendwelchen Stimmungen reißt – und sei das nur der Gedanke, wie grausam Musik manchmal sein kann. Fünf Punkte.

Anspieltipps: Like A Prayer, Promise To Try, Dear Jessie, Oh Father




Mittwoch, 31. Oktober 2012

The Byrds – Byrdmaniax




The Byrds – Byrdmaniax


Besetzung:

Roger McGuinn – guitar, vocals
Clarence White – guitar, vocals
Skip Battin – bass, vocals
Gene Parsons – drums, vocals


Gastmusiker:

Sneaky Pete Kleinow – pedal steel guitar
Larry Knechtel – organ, piano, keyboard
Terry Melcher – piano
Jim Seiter – percussion, tambourine
Byron Berline – violin
Paula Polena – horn and string arrangements


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 1971


Stil: Pop, Folk, Country, Gospel


Trackliste:

1. Glory, Glory (4:05)
2. Pale Blue (2:25)
3. I Trust (3:22)
4. Tunnel Of Love (5:02)
5. Citizen Kane (2:38)
6. I Wanna Grow Up To Be A Politician (2:06)
7. Absolute Happiness (2:41)
8. Green Apple Quick Step (1:52)
9. My Destiny (3:40)
10. Kathleen's Song (2:44)
11. Jamaica Say You Will (3:37)


Bonus Tracks:

12. Just Like A Woman (3:59)
13. Pale Blue (Alternate Version) (2:36)
14. Think I'm Gonna Feel Better (6:04)

Gesamtspieldauer: 46:51




„Byrdmaniax“ haben die Byrds ihr zehntes Album betitelt, welches 1971 veröffentlicht wurde. Und wieder einmal gibt es Neues von der Band zu berichten. Dieses Mal gab es zwar keine Umbesetzung innerhalb der Band, aber erneut haben sich die Mannen um Roger McGuinn verschiedenster Stile bedient, um das Album mit Leben zu erfüllen.

Und genau das ist es auch, was auf dem Album auffällt, ist der Stilmix aus ganz unterschiedlichen Genres der Musik. Hier ist so ziemlich alles vertreten. Pop, Soft-Rock, Rock, Folk, Country, Gospel und auch 20er Jahre Musik. Dazu gibt es immer wieder Hintergrundgesang und untermalende Orchestrierung.

Vielleicht krankt das Album allerdings aber auch genau an diesem Umstand. Man kommt irgendwie nicht rein. Das wirkt alles so zusammengestöpselt. Die einzelnen Titel sind okay, können bei Weitem aber nicht begeistern. Alles tröpfelt so dahin. Alles ist im Fluss und fließt und fließt und fließt einfach so vorbei.

Drei „Zugaben“ gibt es auf der remasterten Fassung der ursprünglichen Platte. Nun, diese Titel reihen sich ansatzlos in die oben besprochenen Lieder ein, egal, ob es sich dabei um eine andere Version oder ein neues Lied handelt. Ein Kaufgrund sind auch diese Nummern leider nicht.

Fazit: Es befinden sich keine Höhepunkte auf dem Album. Richtig schlecht ist auch nichts. Ein wenig scheint hier alles belanglos zu sein. Ich kann mir kaum vorstellen, dass es einen Menschen auf der Welt gibt der behauptet: „Byrdmaniax von den Byrds ist mein Lieblingsalbum von allen Platten dieser Welt". Nein, so einen Menschen wird es nicht geben. Bei mir bleibt auch nur diese unglaubliche Belanglosigkeit hängen. Fünf Punkte für „Byrdmaniax“.

Anspieltipps: Citizen Kane, Kathleen's Song