Mittwoch, 17. April 2013

Genesis – Trespass




Genesis – Trespass


Besetzung:

Peter Gabriel – lead vocals, flute, accordion, tambourine, bass drum
Anthony Phillips – acoustic 12-string guitar, lead electric guitar, dulcimer, voices
Anthony Banks – organ, piano, mellotron, guitar, voices
Michael Rutherford – acoustic 12-string guitar, electric bass, nylon, cello, voices
John Mayhew – drums, percussion, voices


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Looking For Someone (7:06)
2. White Mountain (6:44)
3. Visions Of Angels (6:52)
4. Stagnation (8:50)
5. The Dusk (4:13)
6. The Knife (8:56)

Gesamtspieldauer: 42:40




Das zweite Genesis Album „Trespass“ ist eigentlich das erste Genesis-Album. Nicht zeitlich gesehen, sondern von der Musik her. Waren auf dem ersten Album noch quasi Pop-Lieder der ausgehenden 60er Jahre zu hören, so gibt es auf „Trespass“ zum ersten Mal progressiven Rock für den Hörer – und diesen gleich auf allerhöchstem Niveau.

Phil Collins ist zu dieser Zeit noch nicht Mitglied der Band, er sollte erst auf dem nächsten Album „Nursery Crime“ mit von der Partie sein. Genau wie Steve Hackett, der dort dann Anthony Phillips an der Gitarre ersetzen sollte.

Die Musik ist auf „Trespass“ allerdings bereits jene, die auch auf den nächsten vier Alben zu hören sein wird, bei denen Peter Gabriel noch Teil der Band war. Deshalb auch der obige Einwurf vom „ersten“ richtigen Genesis-Album. Denn was man hier zu hören bekommt ist Progressive Rock vom Allerfeinsten. Wunderschöne Melodien, ausgedehnte Solo-Passagen, Rhythmus- und Tempowechsel, Spannung vom ersten bis zum letzten Takt. Und diese progressive Rock-Musik kann hier sogar, wie beim letzten Titel „The Knife“, auch mal etwas „härter“ klingen.

Das Album schäumt über vor tollen Ideen, überraschenden Wendungen und eben diesen Harmonien, dieser Melodiösität, die die Genesis-Platten Anfang der 70er Jahre zu einem Erlebnis werden lassen. Die Texte sind zumeist sehr mystisch und passen sich in ihrer Akzentuierung der Musik an – oder umgekehrt. Eine Besonderheit, die man heute in der Musik kaum noch hört. Wenn es jedoch auf „Trespass“ bei einem der Songs textlich „spannend“ wird, dann legt auch die Musik die entsprechenden Takte vor. Da hat sich wirklich jemand Gedanken gemacht. Das wirkt alles sehr ausgereift und wohlüberlegt, ohne sich dabei konstruiert anzuhören.

Fazit: Wem die nächsten Alben von Genesis bis „The Lamb Lies Down On Broadway“ gefallen, der kann auch hier ohne Bedenken zugreifen. Auch wenn auf „Trespass“ noch nicht die „klassische“ Besetzung am Werk ist, ist diese Platte ein wahres Füllhorn toller progressiver Musik, mit allen Zutaten, die dafür notwendig sind. Einfach richtig gute Musik. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: White Mountain, The Dusk, The Knife





Dienstag, 16. April 2013

Devotchka – A Mad And Faithful Telling




Devotchka – A Mad And Faithful Telling


Besetzung:

Nick Urata – ohne Instrumentenangabe
Thomas Hagerman – violin I, Rest ohne Instrumentenangabe
Jeanie Schroder – ohne Instrumentenangabe  
Shawn King – ohne Instrumentenangabe


Gastmusiker:

Takanori Sugishita – violin II
Leah Nelson – viola
Charles Lee – cello
Tom Echols – hot guitar
Jacob Valenzuela – trumpet
Ron Miles – trumpet
Timur Bekbosunov – background vocals
Alexandra Walker – background vocals


Label: Anti Inc.


Erscheinungsdatum: 2008


Stil: Weltmusik, Gypsy Jazz


Trackliste:

1. Basso Profundo (5:15)
2. Along The Way (4:02)
3. Clockwise Witness (4:38)
4. Head Honcho (3:45)
5. Comrade Z (2:25)
6. Transliterator (4:32)
7. Blessing In Disguise (5:50)
8. Undone (5:03)
9. Strizzalo (1:31)
10. New World (5:15)

Gesamtspieldauer: 42:14




Devotchka machen auf „A Mad And Faithful Telling“ Musik, die nur ganz schwer in ein Raster passt. Klar klingt das immer wieder mal nach Pop- beziehungsweise Rock-Musik, aber dann hört man wiederum slawische Klänge, Mariachi-Musik, Zigeuner-Musik-Anleihen und und und. Somit ist das Gesamtergebnis dieses Albums ein Stil-Mix, der in sich jedoch geschlossen ist. Soll heißen, man ist bereits nach den ersten Tönen nicht sonderlich überrascht, was da so alles auf einen zukommt, was es da so alles zu hören gibt, denn irgendwie passt das Ganze dann doch gut zusammen.

Dabei kann einen sicherlich nicht alles sofort packen. Manch ein Lied ist sogar mitunter sehr gewöhnungsbedürftig und passt so gar nicht in das Beuteschema einen Rock-Hörers. Und wer nicht offen ist, für manchmal auch etwas andere Klänge, der wird diese CD mit Sicherheit bereits nach wenigen Takten weglegen. Allerdings würde diese Hörerin, dieser Hörer etwas verpassen, denn es haben sich wahrlich Perlen auf der CD versteckt, die es zu entdecken gilt. Dabei kann es allerdings häufig passieren, dass dieser oder jener Song noch nicht nach dem ersten Hören seinen Reiz offenlegt. Diese Aussage gilt definitiv nicht für das Stück „Clockwise Witness“. Der Titel zündet bereits nach dem ersten Mal. Auch dieses Stück ist kein 08/15-Pop oder Rock, sondern ein außergewöhnliches Lied, welches mit seinen Glöckchen und einer Violine zugleich ungewöhnlich wie eingängig klingt. Aber genau letztere Eigenschaft bewirkt die sofortige Nachhaltigkeit des Songs, bei dem es weit weniger „volkstümliche“ Anleihen zu erhören gibt, als auf manch anderem Lied des Albums „A Mad And Faithful Telling“.

Auch „Undone“ geht in diese Richtung und könnte auch von Bands wie Lilium stammen. Zwar ein klein wenig spanisch angehaucht, entwickelt sich auch hier eine sehr eingängige Melodieführung in Form sanfter und wohlklingender Gesangs-, Akkordeon- und Violin-Passagen, die einfach Spaß machen. An dieser Stelle sollten auch die letzten beiden Titel nicht unerwähnt bleiben. „Strizzalo“ ist dabei eine kurze und wieder sehr harmonische Instrumentalnummer, wohingegen „New World“ ein getragenes Pop-Lied darstellt, welches allerdings einige Durchläufe benötigt, um hängen zu bleiben.

Nun, der Rest des Albums, das sind diese bereits erwähnten Lieder, die sich mal nach slawischer, mal nach mexikanischer Folklore anhören. Auch diese Stücke klingen wahrlich nicht schlecht, obgleich sie natürlich für das Ohr des „normalen“ Pop- und Rockkonsumenten eine Herausforderung darstellen. Aber das etwas längere Beschäftigen mit diesem Album lohnt auch hier, da sich richtig neue Welten für den Zuhörer erschließen. Denn auch wenn das ein oder andere Stück gewöhnungsbedürftig zu sein scheint, nach mehrmaligem Hören offenbaren eben auch diese Titel ihren ganz eigenen Reiz.

Fazit: Devotchka, abgeleitet vom russischen Wort für Mädchen „Dewotchka“, machen schon ganz schön eigenartige Musik. Aber genau darin liegt der Reiz der Band aus Denver, Colorado, USA. Wer russischen und mexikanischen Weisen etwas abgewinnen kann, der wird mit diesem Album seine Erfüllung finden. Allerdings gibt es auch Klänge, die nicht in diese Richtung gehen und somit auch für den „Otto Normalverbraucher“ eine Bereicherung darstellen können. Aber, man muss sich eben auf das ganze Album einlassen können. Für mich klingt das alles sehr spannend. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Clockwise Witness, Undone, Strizzalo, New World





Montag, 15. April 2013

Rush – Hemispheres




Rush – Hemispheres


Besetzung:

Geddy Lee – lead vocals, bass, oberheim polyphonic, mini-moog, moog taurus pedals
Alex Lifeson – guitar, synthesizer, moog taurus pedals
Neil Peart – drums, orchestra bells, bell tree, timpani, gong, cowbells, temple blocks, wind chimes, crotales


Label: Mercury Records


Erscheinungsdatum: 1978


Stil: Prog Metal, Hard Rock


Trackliste:

1. Cygnus X-1 Book II Hemispheres (18:08)
    I. Prelude
    II. Apollo (Bringer Of Wisdom)
    III. Dionysus (Bringer Of Love)
    IV. Armageddon (The Battle Of Heart And Mind)
    V. Cygnus (Bringer Of Balance)
    VI. The Sphere A Kind Of Dream
2. Circumstances (3:45)
3. The Trees (4:45)
4. La Villa Strangiato (9:35)
    I. Buenos Nochas, Mein Froinds!
    II. To Sleep, Perchance To Dream
    III. Strangiato Theme
    IV. A Lerxst In Wonderland
    V. Monsters!
    VI. The Ghost Of The Aragon
    VII. Danforth And Pape
    VIII. The Waltz Of The Shreves
    IX. Never Turn Your Back On A Monster!
    X. Monsters! (Reprise)
    XI. Strangiato Theme (Reprise)
    XII. A Farewell To Things

Gesamtspieldauer: 36:12




Unter Rush-Fans gilt die 1978 erschienene Platte „Hemispheres“ als eines der besten Alben der Kanadier. Der Rock, den die drei Musiker hier auf Platte pressten ist verspielt und geht deutlich immer wieder in Richtung der progressiven Rockmusik. Harte Töne gibt es zwar zu hören, diese wechseln sich allerdings immer wieder mit ganz sanften Klängen ab. Rhythmus- und Tempowechsel, alles ist vorhanden, was auch das Herz eines Prog-Fans höher schlagen lässt. Und wenn man sich überlegt, was die alten Heroen der Progressive Rock da Ende der 70er Jahre so fabrizierten, dann ist „Hemispheres“ ein richtiges Highlight des Prog Metal, denn genau den gibt es hier zu hören.

Die vier Lieder auf „Hemispheres“ sind schön und abwechslungsreich, können allerdings nicht ganz das Niveau von Genesis, Yes, King Crimson, etc. ein paar Jahre zuvor erreichen, da die Melodien hier nicht ganz so überzeugend „zünden“. Das ist allerdings „Jammern auf hohem Niveau“ denn trotzdem klingt das Ganze musikalisch sehr gut, spannend und ausgereift. Da haben sich die drei Kanadier auf „Hemispheres“ wahrlich sehr viel bei gedacht. Dann gibt es da allerdings doch noch eine Einschränkung und diese wiegt leider schwer. Das ist der Gesang des Geddy Lee. Dieser klingt schön an den ruhigen Stellen der Lieder. Absolut passend. In den treibenderen Passagen, den Prog Metal-Abschnitten also, ist das allerdings schon sehr gewöhnungsbedürftig. Klar singt Geddy Lee hoch, doch das Ganze wirkt so etwas von gepresst und unnatürlich, dass man immer wieder den ganzen Spaß an der Musik verliert. Ich habe das Album immer und immer wieder gehört, die Musik ist gut, der Gesang – und vielleicht geht es da ja auch nur mir so – wirklich hart an der Grenze zum „was weiß ich“. Etwas Schönes gibt es dabei aber doch noch zu berichten: Auf dem Track „La Villa Strangiato“ hält sich Geddy Lee zurück - er schweigt sogar.

Fazit: Ein abwechslungsreiches und spannendes Prog Metal-Album ist „Hemispheres“ geworden. Nicht zu hart, es knallt aber an den genau richtigen Stellen und das dort auch richtig gut. So macht das Zuhören Freude, wenn da eben nur nicht dieser seltsame Gesang wäre, der die Stimmung der Songs immer wieder herunterdrückt. Was bleibt ist ein gutes Prog Metal Album mit komischem Gesang, welcher den Gesamteindruck leider schmälert. Neun Punkte.

Anspieltipps: Cygnus X-1 Book II Hemispheres, La Villa Strangiato





Sonntag, 14. April 2013

American Tears – Branded Bad






American Tears – Branded Bad


Besetzung:

Marc Mangold – all keyboards, vocals
Gary Sonny – electric and acoustic bass
Tommy Gunn – drums, percussion


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Rock


Trackliste:

1. Sweet Changes (4:41)
2. Doctor Abreaction (4:00)
3. Low Down, Need You Badly (5:34)
4. Crooked Is Quicker (4:18)
5. Pauline (4:08)
6. Look And Chain (5:41)
7. Take Me Lord (4:09)
8. Louie (I've Been Arrested) (4:09)
9. Pennywall (4:17)
10. Slidin' Home (4:30)

Gesamtspieldauer: 45:28




Rock-Musik hört man auf dem American Tears Debut-Album mit dem Titel „Branded Bad“ aus dem Jahr 1974. Insgesamt veröffentlichte die Band um den Keyboarder, Sänger und Komponisten Marc Mangold drei Alben. Dann löste sich die Formation wieder auf, der Erfolg war einfach ausgeblieben. Das Besondere an dieser Band ist, dass trotz der gespielten Rock-Musik kein Gitarrist zur Formation gehört. Auch kein Gastmusiker ist in den Credits angegeben, der diesen Part vielleicht übernommen hätte. Und wenn man sich dann die Musik zu Gemüte führt fällt schnell auf, dass hier wirklich Rock ohne das „Rock-Instrument“ schlechthin - die Gitarre - gespielt wird. Obwohl am Anfang von „Crooked Is Quicker“ kann man das dann doch irgendwie nicht ganz glauben und auch „Take Me Lord“ und „Louie“ scheinen nicht ganz frei von diesem Saiteninstrument zu sein. Zumindest ist der Sound der Gitarre dann hier sehr gut imitiert worden oder aber Gary Sonny hat seinen Bass doch mal kurz eingetauscht. Festzuhalten bleibt aber auf jeden Fall, dass die Musik im Allgemeinen stark keyboardlastig ist und auch rockig klingt. Irgendwie fällt das Fehlen der Gitarre überhaupt nicht auf. Tatsache.

Die Musik klingt genauer gesagt wie ein wenig blueslastiger Rock, nicht allzu hart gespielt, aber doch wohl eher dem Hard Rock als dem Soft Rock zuzuschreiben. Klavier und Keyboards übernehmen die Solo-Parts, die allerdings auch nicht in epischer Breite ausgeweitet werden. Die Musik groovt, ohne dabei Ohrwürmer irgendeiner Art zu generieren. Alles ist handwerklich gut gemachte Musik, die letztendlich allerdings dann doch nicht vollends überzeugen kann. Dazu fehlen eben diese klasse Songs, die herausragen und länger hängenbleiben, als nur jenen Moment, an dem sie gerade auf dem CD-Player oder Plattenspieler abgespielt werden. Einzige Ausnahme vielleicht das wirklich schöne „Pennywall“. Ein verträumtes, sanftes und eingängiges Lied, welches man dann doch ab und an gerne wieder hört.

Fazit: Für Rock-Fans, die mal kosten wollen, wie „ihre“ Musik so fast ohne Gitarre klingt vielleicht ganz interessant, für alle anderen nicht essentiell. Soll heißen, man hat nicht unbedingt etwas verpasst, wenn man American Tears auf ihrem Debut „Branded Bad“ nicht gehört hat. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Crooked Is Quicker, Take Me Lord, Pennywall




Die Lieder lassen sich bei YouTube nachhören, allerdings nicht verlinken.

Samstag, 13. April 2013

Aphrodite’s Child – 666




Aphrodite’s Child – 666


Besetzung:

Vangelis Papathanassiou – organ, piano, flute, percussion, vibes & various others, vocal backing
Demis Roussos – bass, vocal backings, lead vocal on “The Four Horsemen”, “Babylon” & “Hic Et Nunc”
Lucas Sideras – drums, vocal backings, lead vocal on “The Beast” & “Break”
Silver Koulouris – guitars & percussion


Gastmusiker:

Harris Halkitis – bass, tenor saxophone, conga drums, backing vocal
Michel Ripoche – trombone, tenor saxophone on “Babylon” & “Hic Et Nunc”
John Forst – narration
Yannis Tsarouchis – greek text
Irene Papas – vocal on “∞”


Label: Polygram International


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: Progressive Rock


Trackliste:


CD1:

1. The System (0:24)
2. Babylon (2:48)
3. Loud, Loud, Loud (2:43)
4. The Four Horsemen (5:53)
5. The Lamb (4:35)
6. The Seventh Seal (1:31)
7. Aegian Sea (5:23)
8. Seven Bowls (1:29)
9. The Wakening Beast (1:12)
10. Lament (2:45)
11. The Marching Beast (2:01)
12. The Battle Of The Locusts (0:56)
13. Do It (1:44)
14. Tribulation (0:32)
15. The Beast (2:26)
16. Ofis (0:15)

Gesamtspieldauer CD1: 36:35


CD2:

1. Seven Trumpets (0:35)
2. Altamont (4:34)
3. The Wedding Of The Lamb (3:39)
4. The Capture Of The Beast (2:17)
5. ∞ (5:15)
6. Hic And Nunc (2:56)
7. All The Seats Were Occupied (19:21)
8. Break (2:59)

Gesamtspieldauer CD1: 41:35

Gesamtspieldauer CD1 & CD2: 1:18:11




Aphrodite’s Child war eine griechische Band, die von 1968 bis 1972 existierte und mit ihrem dritten und letzten Album, welches thematisch die Offenbarung des Johannes behandelt, eine Platte mit progressiver Rockmusik veröffentlichte. Zum Line-Up der Band zählten unter anderem Vangelis Papathanassiou der später, lediglich betitelt mit seinem Vornamen, sehr erfolgreiche Filmmusik sowie Musik, die zum New Age gerechnet werden kann, veröffentlichte. Am Bass sowie bei einigen Titeln als Sänger ist hier Demis Roussos zu hören, der ebenfalls nur wenige Jahre nach Aphrodite’s Child, mit deutschen Schlagern wie „Goodbye, My Love, Goodbye“ einige Hits verzeichnen sollte.

Die Musik auf „666“ ist wahrlich progressiv und was sie auf diesem Doppelalbum so einmalig macht, ist die Spannbreite der Sounds, die hier wiedergegeben werden und trotzdem alle in sich geschlossen zusammenpassen. Da gibt es ganz sphärische Abschnitte, gefolgt von rockigen Parts, die sich gegenseitig umspielen und ergänzen. Dabei ist nicht alles immer sehr melodisch gehalten. Experimentelle Sounds, die einiger Eingewöhnungszeit bedürften, findet man auf „666“ genauso, wie die wunderschöne Melodie, die sich sofort im Ohr festsetzt. So stellt „666“ eine Art musikalischen Film dar, den man am besten hintereinander und im Ganzen genießen sollte, so entwickeln die einzelnen Abschnitte am besten ihre Ausdruckskraft und ihre Faszination.

Das bekannteste Stück des Albums ist wohl „The Four Horsemen“, bei dem man Demis Roussos am Gesang hören kann. Eine sehr eingängige Nummer, die einen unglaublich treibenden Refrain beinhaltet. Auch „Altamont“ weiß zu überzeugen, wenn hier auch der Gesang mit seinem „bahmabab“ und „goanabab“ zunächst recht gewöhnungsbedürftig erscheint. Richtiggehend orientalisch klingt es dann bei „The Wedding Of The Lamb“. Aber auch dieses Stück reiht sich perfekt in das Gesamtbild dieses Albums ein. Zwar gibt es nichts wirklich rein Experimentelles auf „666“ (okay, nehmen wir mal „∞“ von dieser Regel aus, denn beim Hören dieses „Songs“ wird jeder die Blicke anderer auf sich ziehen. Versprochen!), einige Songs, meist die sehr kurz gehaltenen, sind allerdings Klang- und Soundkollagen, die hauptsächlich eine irgendwie geartete, vor allem gedrückte Stimmung wiedergeben. Auf vielen der Titel wird auch nicht gesungen, sondern es werden Stimmungen produziert, die die Offenbarung des Johannes untermalen sollten. So lebt das Album hauptsächlich von der Atmosphäre, die es zu verströmen in der Lage ist und eben von seiner Vielfältigkeit. Diese wird dann im längsten Stück der Platte „All The Seats Were Occupied“ auch noch mal ausgiebig ausgelebt. Immer wieder werden Schnipsel der bereits gehörten Stücke mit integriert und es entwickelt sich ein Stück, auf welches das Siegel „Progressive Rock“ nicht besser passen könnte. Ein Erlebnis.

Fazit: Für mich ist „666“ deshalb so gelungen, da es so vielschichtig, so abwechslungsreich ist. Mit Sicherheit gibt es eingängigere und melodiösere progressive Musik, jedoch schafft es Vangelis hier, der die Musik hauptsächlich geschrieben hat, innerhalb weniger Augenblicke die Stimmung völlig zu verkehren, den Hörer vom Himmel hin in die Apokalypse zu stürzen. Spannend ist das allemal, allerdings wohl wirklich nur etwas für diejenigen Menschen, die mit progressiver Rockmusik auch etwas anzufangen wissen. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: The Four Horsemen, All The Seats Were Occupied, Break





Freitag, 12. April 2013

Sigur Rós – Ágætis Byrjun




Sigur Rós – Ágætis Byrjun


Besetzung:


Jón Þór Birgisson – vocals, guitar
Kjartan Sveinsson – keyboard
Georg Hólm – bass
Ágúst Ævar Gunnarsson – drums


Label: fatcat Records


Erscheinungsdatum: 1999


Stil: Post-Rock, Art-Rock


Trackliste:

1. Intro (1:36)
2. Svefn-G-Englar (10:04)
3. Starálfur (6:46)
4. Flugufrelsarinn (7:49)
5. Ný Batterí (8:10)
6. Hjartað Hamast (Bamm Bamm Bamm) (7:10)
7. Viðrar Vel Til Loftárása (10:18)
8. Olsen Olsen (8:03)
9. Ágætis Byrjun (7:56)
10. Avalon (4:04)

Gesamtspieldauer: 1:11:57




„Ágætis Byrjun“ nannte die isländische Band Sigur Rós ihr zweites Album, welches 1999 erschien. Und ganz ehrlich gesagt: Dieses Album wird niemals den Massenmarkt erobern. Die Musik auf „Ágætis Byrjun“ gefällt mit Sicherheit nur einigen „ausgewählten“ Musikfreunden. Für mich befindet sich auf diesem Album jedoch Musik, die ein Grund dafür ist, dass ich überhaupt so gerne und viel Musik höre. Musik, die mich trifft.

Auf „Ágætis Byrjun“ gibt es wieder viel Stimmung und Atmosphäre. Musikalische Eindrücke, Momentaufnahmen, die manchmal sphärischer klingen, ein anderes Mal durchaus rockiger. Alles ist dabei jedoch immer sehr melodiös gehalten. Es klingt und rauscht und summt alles sehr harmonisch. Dazu muss man aber auch etwas mit der Stimme des Jón Þór Birgisson anzufangen wissen, denn die hört sich nicht selten elfenhaft an. Für einen Mann wahrlich ungewöhnlich.

Die Musik ist stets traurig und melancholisch, das Wetter scheint in Island sehr oft schlecht zu sein. Irgendwie passt das alles zu einem verregneten Tag, an dem man sich in seiner Melancholie und Sentimentalität suhlen möchte. Schöne Verzweiflung, die einem da entgegenklingt. Und dann kommt da plötzlich so ein „rockiger“ Song wie „Hjartað Hamast (Bamm Bamm Bamm)“. Absolut genial gemacht, schnellere und langsamere Abschnitte, fast schon Geflüster und dann wieder kraftvoller Gesang. Seltsame, verrauschte Hintergrundgeräusche und plötzlich erneut ganz klare Harmonien. Dazu eine zum steinerweichende Melodie, die mal mehr von der Orgel, mal mehr von den Streichern dominiert wird. Da kann ich jedem nur Kopfhörer und Zeit empfehlen.

Fazit: „Ágætis Byrjun“ macht einfach Spaß, wenn man mal was anderes hören möchte. Nichts für das Radio, nichts für die Party und auch keine Musik zum Nebenbeihören. „Ágætis Byrjun“ verlangt die volle Konzentration vom Zuhörer, der dafür allerdings auch belohnt wird. Einfach gute Musik zum Träumen, zum Entspannen und zum Ausklingenlassen des Tages. Elf Punkte.

Anspieltipps: Ný Batterí, Hjartað Hamast (Bamm Bamm Bamm), Ágætis Byrjun (Ich hätte außer diesen dreien Titeln aber noch fünf bis sechs weitere dazuschreiben können.)





Donnerstag, 11. April 2013

Magna Carta – Lord Of The Ages




Magna Carta – Lord Of The Ages


Besetzung:

Chris Simpson – vocals and guitar
Glen Stuart – vocals and spoken word
Stan Gordon – guitar and vocals


Label: Vertigo


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Folk Rock, Progressive Folk Rock


Trackliste:

1. Wish It Was (3:36)
2. Two Old Friends (3:34)
3. Lord Of The Ages (9:59)
4. Isn't It Funny (And Not A Little Bit Strange) (2:35)
5. Song Of Evening (3:46)
6. Father Song (6:44)
7. That Was Yesterday (3:25)
8. Falkland Grene (2:49)

Gesamtspieldauer: 36:28




„Magna Carta“ war eine englische Rock-Band, die 1969 gegründet wurde. „Lord Of The Ages“ stellt dabei ihr viertes Studioalbum dar und wurde 1973 veröffentlicht. Das Label „Progressive Folk Rock“ passt dabei eigentlich nur zu einem Teil des Albums. Der Ehrlichkeit halber muss man sogar sagen, dass dieses „Label“ nur bei einem einzigen Lied stimmt, dem Titellied „Lord Of The Ages“ – dort aber voll und ganz. Bei allen anderen kann man das „progressive“ vergessen. Da klingen Magna Carta mit ihren akustischen Gitarren und dem Gesang nach Folk-Musik. Nach süßlicher Folk-Musik.

Aber dann gibt es da eben noch diesen Titelsong „Lord Of The Ages“. Das ist dann sehr wohl progressive Musik und zwar richtig gut gelungene progressive Musik. Der Titel besteht aus mehreren Teilen, die mal sanfter, mal rockiger klingen. Wunderschönen Melodien und Harmonien gilt es hier zu lauschen, die sofort ins Ohr gehen. Ein richtig toller Song, den man gehört haben sollte. Allein dafür lohnt der Kauf.

Und der Rest? Nun, der klingt wahrlich folkig. So ein wenig nach Blumenkindern. Nicht ganz so mein Ding, obwohl ich Folk mag, aber hier klingt es manches Mal einfach doch zu süßlich, wirkt und klingt zu sehr auf Harmonie getrimmt. Man kann sich da leicht beschwingte, über eine blühende Sommerwiese hüpfende Gesellen vorstellen, die so ein verklärtes Lächeln auf den Lippen haben. Und die haben bestimmt keine Gänseblümchen geraucht.

Fazit: „Lord Of The Ages“ ist ein Hammerlied. Der Rest sehr gewöhnungsbedürftig. Folk-Musik, aber ganz weiche, sanfte, zarte, bei der zum Teil ein Mann und eine Frau gleichzeitig singen, dann wird es fast schon peinlich, wie süßlich dies schließlich arrangiert wurde und es dann auch klingt. Aber eben dieser eine Song, der sich mit seiner Länge von zehn Minuten auch deutlich über ein Viertel der Platte erstreckt. Der lohnt sich wahrlich. Neun Punkte.

Anspieltipps: Lord Of The Ages, Falkland Grene





Die Studio-Versionen sind auf YouTube alle durch die GEMA gesperrt worden. Man kann sich allerdings eine akustische und neuere Version von "Lord Of The Ages - live" ansehen, die ich hier allerdings nicht verlinken kann. Aber: Die originale Studio-Version ist um Klassen besser.

Mittwoch, 10. April 2013

Lindisfarne – Nicely Out Of Tune




Lindisfarne – Nicely Out Of Tune


Besetzung:

Alan Hull – vocals, acoustic guitar, 12-string guitar, organ, piano, electric piano, big jim
Ray Jackson – vocals, mandolin, harmonica, flatulette
Rod Clements – electric bass, organ, piano, violin, guitars, vocals
Simon Cowe – lead-, acoustic and 12-string guitars, mandolin, banjo, vocals
Ray Laidlaw – drums, etc.


Label: Charisma Records


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Folk Rock, Rock


Trackliste:

1. Lady Eleanor (4:16)
2. Road To Kingdom Come (4:15)
3. Winter Song (5:13)
4. Turn A Deaf Ear (3:56)
5. Clear White Light - Part 2 (4:03)
6. We Can Swing Together (5:48)
7. Alan In The River With Flowers (3:09)
8. Down (3:11)
9. The Things I Should Have Said (4:03)
10. Jackhammer Blues (3:26)
11. Scarecrow Song (3:21)


Bonus Tracks (auf allen CD-Veröffentlichungen):

12. Knackers Yard Blues (3:38)
13. Nothing But The Marvellous Is Beautiful (4:42)

Gesamtspieldauer: 52:59




Lindisfarne gründete sich aus einer Band mit dem Namen Brethren im Jahr 1970 und veröffentlichte noch im selben Jahr ihr Debut-Album „Nicely Out Of Tune“. Folk-Rock ist zu diesem Zeitpunkt eine gute Beschreibung der Musik, die Lindisfarne am Anfang ihrer Karriere produzierten, wobei dieser eher in die Richtung Rock denn in die Richtung Pop ging. Lindisfarne trat für einige Auftritte auch zusammen mit Genesis auf, wobei sich die Musik dieser beiden Formationen doch sehr unterscheidet. Nur manchmal gibt es bei Lindisfarne mal einen etwas schrägeren Ton, der dann eher mal in der Musik der progressiven Ecke zu finden ist. Ansonsten funktionieren die Songs nach der Devise: Strophe – Refrain – Strophe – Refrain – und so weiter.

Die Musik von Lindisfarne auf „Nicely Out Of Tune“ ist meist sehr melodisch, harmonisch und sehr eingängig. Hauptkompositeur der Band war Alan Hull, drei Tracks steuerte Rod Clements bei, ein Song stammt von Rab Noaks (4) und „Jackhammer Blues“ aus der Feder Woodie Guthries, wobei dieses Lied als einziger Titel dem Country zugerechnet werden kann und auch mit Abstand das schlechteste Stück und damit den einzigen Ausschlag nach unten darstellt.

Die Band hatte auf „Nicely Out Of Tune“ ein Gespür für tolle Melodien und auch der mehrstimmige Gesang weiß immer zu überzeugen. Klasse arrangiert und bestens aufeinander abgestimmt, klingt das richtig gut und erinnert mitunter sogar manchmal ein wenig an alte Queen-Werke – nur eben eher in der Folk-Ecke, als es bei den Kollegen Anfang der 70er der Fall war.

Fazit: Ein richtig gutes und entspanntes Album ist Lindisfarne da zu Beginn ihrer Karriere gelungen. Die Harmonien passen, die Lieder bleiben länger hängen und rauschen nicht nur vorbei. Die drei Anspieltipps sind für mich die Höhepunkte des Albums und stammen alle drei von Alan Hull. Meist schön eingängig und manchmal sogar ein wenig schräg klingend, macht das die Musik der Band umso interessanter. Elf Punkte.

Anspieltipps: Lady Eleanor, We Can Swing Together, Nothing But The Marvellous Is Beautiful





Dienstag, 9. April 2013

Madonna – Ray Of Light




Madonna – Ray Of Light


Besetzung:

Madonna – vocals


Gastmusiker:

Craig Armstrong – string arrangements
Mike Bradford – programming
Pablo Cook – flute
Fergus Gerrand – drums, percussion
Nikki Harris – background vocals
Donna De Lory – background vocals
Marc Moreau – guitar
William Orbit – sound effects
Steve Sidelnyk – drum programming
Marius de Vries – keyboards, programming


Label: Warner Brothers Records Inc.


Erscheinungsdatum: 1998


Stil: Pop


Trackliste:

1. Drowned World / Substitute For Love (5:09)
2. Swim (5:01)
3. Ray Of Light (5:21)
4. Candy Perfume Girl (4:37)
5. Skin (6:22)
6. Nothing Really Matters (4:27)
7. Sky Fits Heaven (4:48)
8. Shanti / Ashtangi (4:29)
9. Frozen (6:13)
10. The Power Of Good-Bye (4:12)
11. To Have And Not To Hold (5:23)
12. Little Star (5:19)
13. Mer Girl (5:32)

Gesamtspieldauer: 1:06:51




Ich hätte es fast nicht mehr vermutet, aber Madonna hat es tatsächlich geschafft ein Album zu veröffentlichen, welches mich überzeugt. „Ray Of Light“ ist vollgestopft mit Pop-Musik, allerdings sehr ruhiger, nicht immer sofort eingängiger und vor allem nachdenklicher Pop-Musik. Dabei gelingt es der Amerikanerin Lieder wiederzugeben, die nicht alltäglich sind, nicht unbedingt in den Radiostationen der Welt rauf und runter gespielt werden - was an sich ja nichts Schlechtes bedeuten muss. Aber die Musik auf „Ray Of Light“ ist nicht so radiotauglich, es sind sehr nachdenkliche und melancholische Töne, die man hier zu hören bekommt.

Madonna hat auf „Ray Of Light“ einen Spagat gemacht, weg von all jener Musik, die sie vorher veröffentlichte, denn die Titel auf ihrem siebten Studio-Album sind deutlich anspruchsvoller und auch besser geworden. Klar gibt es immer mal wieder auch eine Drum-Machine zu hören (warum eigentlich?), jedoch wirken die einzelnen Titel nicht mehr so steril, wie auf vielen Vorgängerwerken der so erfolgreichen Musikerin. Und auch wenn die Musik mitunter gar nicht mal so eingängig ist, zumindest nicht beim ersten Hören, so bleibt sie doch etwas später, nach dem wiederholten Einlegen der CD haften und hängen. Zudem experimentiert Madonna auf „Ray Of Light“ mit Atmosphären und Stimmungen, die meist zwar ein wenig traurig bis melancholisch klingen, jedoch glücklicherweise nicht mehr nur diesen Gute-Laune-Simpel-Pop darstellen, für den Madonna bisher bekannt war – wenn es denn überhaupt dafür gereicht hat. Alles wirkt ein wenig schwebend und nachdenklich und das richtig gut gemacht. Nur wenige Ausnahmen besitzen einen treibenden Beat, der sich auch für die Disco eignen würde. Dafür hatte Madonna allerdings auch schon auf ihren früheren Werken genügend Material geliefert. Und selbst indische Klänge nimmt man ihr hier auf „Ray Of Light“ ab. Madonna scheint irgendwie mit diesem Album gewachsen zu sein.

Die Höhepunkte des Albums sind die drei Titel ab „Frozen“, welches auch mit einem sehr schönen Video zusätzlich noch geadelt wurde. In diesen Nummern kommt dieses Gefühl der Sehnsucht sehr gut zur Geltung, welches ich immer wieder in den Liedern auf „Ray Of Light“ auszumachen glaube.

Fazit: „Ray Of Light“ ist völlig anders als alles, was Madonna bisher veröffentlicht hat. Die Musik kann man mit schön und nachdenklich umschreiben. Madonnas Stimme wirkt ausgereift und die kleinen, kurzen Rückfälle in die Synthie-Pop-Phase, die es auch hier auf „Ray Of Light“ gibt sind zu verschmerzen, denn der überwiegende Teil des Albums ist geglückt. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Frozen, The Power Of Good-Bye, To Have And Not To Hold, Mer Girl





Montag, 8. April 2013

Golden Earring – Miracle Mirror




Golden Earring – Miracle Mirror


Besetzung:

George Kooymans – guitar, vocals
Rinus Gerritsen – bass, keyboards
Barry Hay – guitar, flute, vocals
Jaap Eggermont – drums


Label: Polydor


Erscheinungsdatum: 1968


Stil: Pop


Trackliste:

1. The Truth About Arthur (2:56)
2. Circus Will Be In Town In Time (3:27)
3. Crystal Heaven (3:52)
4. Sam And Sue (1:43)
5. I've Just Lost Somebody (3:07)
6. Mr. Fortune's Wife (3:17)
7. Who Cares? (3:45)
8. Born A Second Time (2:40)
9. Magnificent Magistral (2:45)
10. Must I Cry? (2:17)
11. Nothing Can Change This World Of Mine (3:22)
12. Gipsy Rhapsody (3:19)

Gesamtspieldauer: 36:30




Ende der 60er Jahre wollten alle Bands so klingen wie die Beatles. Die waren zu der Zeit allerdings schon einen Schritt weiter in ihrer Musik, sodass Golden Earring auf ihrem dritten Album „Miracle Mirror“, welches 1968 veröffentlicht wurde, vom Stil her in etwa die Musik machen, die die Beatles vier Jahre zuvor veröffentlicht hatten.

Netten Sixties-Pop hört man auf dem Album, den man auch, ohne das Erscheinungsdatum der Platte zu wissen, sofort in diese Zeit einreihen würde. Das Besondere an der Platte ist, dass hier zum ersten Mal Barry Hay mitwirkt, der die Musik von Golden Earring in Zukunft nicht unerheblich mit beeinflussen sollte. Die Musik klingt völlig unaufgeregt und ist immer harmonisch, ohne dabei die ganz großen Höhepunkte aufzuweisen. Richtig schön melodisch wird es eigentlich immer dann, wenn die Band Streicher mit in ihre Songs integriert. Wer da allerdings für Violinen und Cello zuständig ist, lässt sich aus den Credits nicht entnehmen. Auch die Querflöte Barry Hays sorgt mal für Abwechslung. Sehr schön ist das auf dem Stück „Born A Second Time“ und auch auf „Must I Cry?“ zu hören.

Fazit: „Miracle Mirror“ ist ein ganz nettes Pop-Album geworden, welches stark in seiner Zeit verwurzelt ist. Richtig schlechte Lieder gibt es darauf nicht. Wer also die Beatles Mitte der 60er mochte, der findet hier in Golden Earring sogar eine Ergänzung zu seinem Musikgeschmack. Es klingt oft nach „Oldies But Goldies“. Die Höhepunkte der Platte befinden sich weiter hinten auf dem Album, wo sich dann ein paar richtig schöne Lieder befinden. Der Rest ist so okay. Acht Punkte.

Anspieltipps: Born A Second Time, Must I Cry?, Gipsy Rhapsody




Videos gibt es aus dieser Zeit natürlich noch nicht. Die Lieder kann man sich allerdings auf YouTube anhören. Verlinken konnte ich das leider nicht, da sie geschützt sind.

Sonntag, 7. April 2013

Renaissance – Ashes Are Burning




Renaissance – Ashes Are Burning


Besetzung:

John Tout – keyboards, vocals
Annie Haslam – vocals
John Camp – bass, guitar, vocals
Terence Sullivan – drums, percussion, vocals


Gastmusiker:

Andy Powell – guitar on “Ashes Are Burning”
Michael Dunford – acoustic guitar
Richard Hewson – strings on “Can You Understand” & Carpet Of The Sun”


Label: Repertoire Records


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Can You Understand (9:53)
2. Let It Grow (4:18)
3. On The Frontier (4:58)
4. Carpet Of The Sun (3:32)
5. At The Harbour (6:49)
6. Ashes Are Burning (11:21)

Gesamtspieldauer: 40:50




„Ashes Are Burning“ aus dem Jahr 1973 stellt die zweite Veröffentlichung der zweiten Renaissance-Generation dar und insgesamt das vierte Album der Band. Renaissance war nun zu einem Quartett geschrumpft, Rob Hendry hatte die Band verlassen und seltsamerweise ist Michael Dunford in den Credits nur als Gastmusiker aufgeführt. Jener Michael Dunford, der auf „Ashes Are Burning“ alle Titel mit Ausnahme von „On The Frontier“ schrieb. Dieser Song stammt vom ehemaligen Drummer der Band Jim McCarty und stellt neben dem Titel „Let It Grow“ die poppigsten Ausflüge auf „Ashes Are Burning“ dar. Für alle Texte des Albums zeichnete sich einmal mehr Betty Thatcher aus.

Beide bereits erwähnten Titel sind gleichzeitig jene Nummern auf „Ashes Are Burning“, die auf dem Album am wenigsten überzeugen können. Mit viel Piano unterfütterte Pop-Songs, die ganz nett klingen, allerdings auch nichts Besonderes darstellen und keine Spuren hinterlassen. Harmonischer Pop als Überschrift trifft für diese beiden Lieder wohl am besten zu. Ganz anders sieht das mit den weiteren vier Titeln des Albums aus. Hier gibt es sie, diese für Renaissance so typische Stimmung, die durch das Songwriting des Michael Dunford, die Instrumentierung und hier vor allem das Pianospiel des John Tout sowie durch die glockenklare Stimme Annie Haslams erzeugt wird.

Besonders erwähnenswert auf „Ashes Are Burning“ sind der Beginn und das Ende des Albums. „Can You Understand“ und der Titelsong „Ashes Are Burning“ sind die beiden Longtracks der Platte und quellen nur so über vor Hamonien, Melodiösität und ohrumschmeichelnden Klängen. Symphonischer progressiver Rock in Vollendung. Alles klingt hier und alles wirkt auch. Dieses Zusammenspiel von Streichern, Piano, akustischer Gitarre und der Stimme Annie Haslams berührt einfach. Und schließlich gibt es auf „Ashes Are Burning“ noch ein ganz ungewohntes Ende für ein Renaissance Lied. E-Gitarre und fetter Orgelsound sorgen für einen rockigen Ausklang des Albums. An der Solo-Gitarre betätigt sich dabei Andy Powell von Wishbone Ash. Überaus gelungen das Ganze.

Fazit: „Ashes Are Burning“ stellte den Auftakt zu einer ganzen Reihe von klasse Renaissance-Alben dar. Symphonischer und eingängiger Progressive Rock ist hier zu hören, der seine Reiz gerade auch aus dem Zusammentreffen von klassischen Elementen mit denen der Rock-Musik gewinnt. Sehr empfehlenswert für alle Freunde der Melodiösität und der harmonischen Instrumentaleinlagen. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Can You Understand, Ashes Are Burning