Sonntag, 5. Januar 2014

Ben Harper – Welcome To The Cruel World




Ben Harper – Welcome To The Cruel World


Besetzung:

Ben Harper – vocals, acoustic guitar, dobro


Gastmusiker:

Rock Deadrick – percussion, drums, background vocals
John McKnight – bass, accordion
Clarence Butler – background vocals
Clabe Hangan – background vocals
Kenneth Mcdaniel – background vocals
John Taylor – background vocals
Richard Cook – uillean pipes
Suzie Katayama – cello
Gail Deadrick – piano
Jelani Jones – background vocals
Clyde Allen – background vocals
Kevin Williams – background vocals


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1994


Stil: Blues, Folk, Country


Trackliste:

1. The Three Of Us (2:36)
2. Whipping Boy (5:31)
3. Breakin' Down (4:01)
4. Don't Take That Attitude To Your Grave (4:25)
5. Waiting On An Angel (3:54)
6. Mama's Got A Girlfriend Now (2:29)
7. Forever (3:24)
8. Like A King (4:18)
9. Pleasure And Pain (3:47)
10. Walk Away (3:50)
11. How Many Lies Must We March (3:09)
12. Welcome To The Cruel World (5:37)
13. I'll Rise (6:17)

Gesamtspieldauer: 53:19




Ben Harper lässt den Hörer auf seinem 1994 erschienenen Debut-Album „Welcome To The Cruel World“ unter Umständen sogar ein wenig ratlos zurück. Das liegt bei diesem sanften, ruhigen und weichen Album ein bisschen an der Mischung der Musik, die es hier zu hören gibt. Darauf gibt es wahrlich schöne Folk-Musik zu hören, dann wieder deutlich mehr blueslastige Stücke und auch der Country-Freund wird ein bisschen bedient. Das klingt im ersten Moment nach Spannung und Abwechslungsreichtum, da sich dabei allerdings auch immer wieder Stücke mit einschleichen, die schon sehr gewöhnungsbedürftig sind, ist der Hörgenuss wahrlich nicht uneingeschränkt.

Als Ausschläge nach unten wären da zu nennen „Breakin‘ Down“, das irgendwie übertrieben fröhlich oder lustig klingende „Mama's Got A Girlfriend Now“, welches genau den Scheitelpunkt zwischen Folk und Country in sich trägt oder aber das schwülstige „I’ll Rise“, welches nicht zuletzt durch den Hintergrundgesang schwer in die Richtung Gospel driftet. Dabei läuft letztgenannter Titel und läuft und läuft und man wartet irgendwie darauf, dass er doch endlich mal beginnen möge. Macht er aber nicht. Das Ganze dauert dann so bis 3:35 und schließlich gibt es mal wieder diese unsägliche Stille, die auf einen Hidden Track hinweist. Der heißt dann „By And By I'm Going To See The King”, dauert etwa eine halbe Minute, ist ein Blues und wahrlich kein Grund darauf zu warten.

Wie oben bereits erwähnt, gibt es aber auch die schönen Stellen auf „Welcome To The Cruel World“. Eine davon ist sicherlich das überaus sanfte und eindringliche „Waiting On An Angel“. Man hört lediglich Ben Harper, der sich selbst auf der Akustik-Gitarre begleitet und trotz dieser spartanischen Instrumentierung eine sehr schöne, sentimentale, melancholische und durchdringende Atmosphäre erschafft. Klasse gelungen. „Forever“ geht in eine ähnliche Richtung. Wieder nur sehr zart instrumentiert, dieses Mal allerdings mit ganz leichter Perkussion versehen, entwickelt sich auch hier ein träumerischer Song, der bestens geeignet ist für die ruhigeren Stunden des Tages. Auch „Pleasure And Pain” passt in diese Schublade. Hier wird die Stimmung allerdings zusätzlich noch durch Streicher untermalt.

Aber nicht nur die ganz ruhigen Titel können hier gefallen. „Whipping Boy” und “How Many Lies Must We March” sind sehr viel treibendere Stücke, die zwar ebenfalls eine gewisse Melancholie ausstrahlen, allerdings mit deutlich „vollerer“ Instrumentierung aufwarten können. Nicht unerwähnt bleiben soll hier auch die Eröffnung des Albums, denn diese ist für ein Debut garantiert nicht selbstverständlich oder die Norm. „The Three Of Us” ist ein Instrumentalstück bestehend aus Akustik- und Slide-Gitarre. Sehr verträumt und mit ganz viel trauriger Stimmung versehen. Das wirkt.

Fazit: „Welcome To The Cruel World” ist wahrlich kein schlechtes Album, zumal es ein Debut darstellt und wenn man daran denkt, was da schon so alles veröffentlicht wurde… Die Platte hat ihre Stärken in diesen ruhigen Momenten, die einfach wirken. Dann gibt es da aber auch immer solch Stellen, die einfach nicht zünden wollen und auch nicht gelungen sind. Aber ich weiß, dass liegt natürlich ganz im und am Ohr des Hörers. Geschmackssache eben. Sieben Punkte.

Anspieltipps: The Three Of Us, Waiting On An Angel, Pleasure And Pain



Samstag, 4. Januar 2014

Rory McLeod – Travelling Home




Rory McLeod – Travelling Home


Besetzung:

Rory McLeod – slide guitar, vocals, harmonica, tap shoes, finger cymbals, trombone, wooden chair, hi-hat, cabassa, spoons, drum


Gastmusiker:

Elliet Mackrell – fiddle, violin
Paul Rodden – banjo
Steve Grocott – mandolin
Tim Walmsley – percussion, timbales, tambourine, floor tom, big tambourine, shaker, cow bell
Alan Dunn – piano-accordian, accordian
Sam Kelly – drums
Bob Morgan – tenor saxophone, clarinet, percussion, keyboards, marimba
Richard Sadler – baritone saxophone, bass
John Cutliffe – bass
East Side Flash – bass keyboards
Tomas Lynch – irish pipe drone, uilean pipes
Lee Fergusson – bass
Charlie Llewellin – drums
Jean-Marie Carrol – accordion
Lawrence Docherty – irish-afro drum
Sian Daniels – vocals


Label: Cooking Vinyl


Erscheinungsdatum: 1992


Stil: Country, Folk, Pop, Calypso


Trackliste:

1. Going Song (5:52)
2. Spring Is Returning / Dosvedanya (5:59)
3. Black, Brown, White (3:22)
4. Defending Our Homes (6:44)
5. Cold Sun Shining (5:44)
6. Compatibility (5:47)
7. The Dreams We Breathe Through (4:45)
8. Touchable (4:02)
9. Sleep Tonite (7:09)
10. Farming Womans War (5:29)
11. India Matea (4:57)
12. The Right Mistake (1:16)
13. Back To Donegal (7:04)

Gesamtspieldauer: 1:08:09




Die hier besprochene Platte hat nichts mit dem Snooker-Spieler mit selbigem Namen zu tun. Rory McLeod heißt auch ein englischer Singer und Songwriter, der bisher zehn Platten veröffentlicht hat. 1992 erschien sein fünftes Werk mit dem Titel „Travelling Home“. Dieses Album ist dabei ein Sammelsurium aus verschiedensten musikalischen Genres. Da gibt es Folk zu hören, natürlich auch amerikanischen Country, Pop, Calypso und im Falle von „Compatibility“ auch ein Duett mit Sian Daniels, welches fatal an Filmmusik der 50er Jahre erinnert. Ginger Rodgers und Fred Astaire legen eine heiße Sohle auf das Parkett und trällern dabei dieses Lied – überraschend wäre das nicht gewesen.

Nun, genau dieses bunte Kaleidoskop lässt diese Platte überaus anstrengend werden. Was wollte uns Rory McLeod nur damit sagen? Dass er sich in vielen Musikstilen zu Hause fühlt? Dass er nicht so genau weiß, was er eigentlich will? Oder vielleicht, dass er gerne mal ausprobiert? Man weiß es nicht, was man jedoch feststellen kann ist, dass diese Musik auch in ihren einzelnen Stilen nie zu überzeugen weiß. Das wirkt irgendwie alles zusammengestöpselt und einfach nicht überzeugend, sondern, ganz im Gegenteil sogar, überaus langweilig. Keine Melodie, die einem ins Ohr geht und wenn dann doch mal etwas wie ein schöner Abschnitt zu beginnen scheint, dann wird dieser mit völlig unnötigem und überaus anstrengendem Kopfstimmengesang zunichte gemacht, wobei diese einzelnen Töne überhaupt nicht zum Rest des Liedes passen wollen.

Am angenehmsten wirkt die Musik des Rory McLeod immer dann, wenn er in die folkige Ecke abdriftet, dann kann man zumindest ab und an eine schöne Stelle in der Musik des Briten entdecken. Gelungen ist auch das Stück „India Matea”. Dieser Song klingt so schön sehnsüchtig und kann mit der erzeugten Stimmung überzeugen. Ob das vielleicht daran liegt, dass hier nicht gesungen wird?

Fazit: Wer „Travelling Home“ von Rory McLeod nicht kennt, der hat nicht wirklich etwas verpasst. Manche schöne Ansätze gibt es zwar, aber diese Platte in einem durchzuhören ist wahrlich nicht einfach. Ich kenne keine andere Scheibe von Rory McLeod, habe allerdings auch keine Lust, da noch tiefer einzusteigen. Vier Punkte.

Anspieltipps: Cold Sun Shining, India Matea



Ich kann hier leider kein Video verlinken, dies lässt YouTube bei Rory McLeod nicht zu. Man kann sich allerdings einige Lieder von ihm auf dieser Plattform anhören und auch ansehen.

Freitag, 3. Januar 2014

Angus And Julia Stone – Down The Way




Angus And Julia Stone – Down The Way


Besetzung:

Angus Stone – electric and acoustic guitar, vocals, harmonica, marching drum, banjo, bazooki
Julia Stone – guitar, piano, vocals, wurlitzer, mellotron, trumpet, melodica


Gastmusiker:

Mitchell Connelly – drums
Clay McDonald – bass
Sally Herbert – violin
Louisa Fuller – violin
John Metcalfe – viola
Ian Burdge – viola
Mason Ingram – drums
Rob Calder – drums
Kieran Kelly – electric guitar, timpani
Jon Mizrachi – programmed beats
Tommy Elchmann – moog, mellotron, piano
Glen Absolum – drums
Chris Warsey – cello
Matt Johnson – drums, percussion
Melvin Duffy – pedal steel, lap steel
Kimon Kirk – bass, vocals
Brad Albetta – bass, piano
CJ Camerieri – trumpet
Hanna Oblikov – cello
Cameron Whipp – bass
Ian Pritchell – bass
James Perryman – bass
Ali Friend – double bass
Bethany Porter – cello


Label: Pias UK


Erscheinungsdatum: 2010


Stil: Folk, NeoFolk


Trackliste:

CD1: Down The Way

1. Hold On (4:25)
2. Black Crow (3:51)
3. For You (5:20)
4. Big Jet Plane (3:59)
5. Santa Monica Dream (5:30)
6. Yellow Brick Road (7:37)
7. And The Boys (4:10)
8. On The Road (4:05)
9. Walk It Off (3:24)
10. Hush (4:22)
11. Draw Your Swords (6:36)
12. I'm Not Yours (3:59)
13. The Devil's Tears (8:51)

Gesamtspieldauer „Down The Way": 1:06:08


CD2: Memories Of An Old Friend

1. Private Lawns (3:06)
2. Babylon (5:02)
3. Paper Aeroplane (3:43)
4. Take You Away (3:50)
5. My Malakai (3:07)
6. Lonely Hands (3:47)
7. Little Bird (4:29)
8. Chocolates & Cigarettes (3:56)
9. Old Friend (4:06)
10. Choking (5:47)
11. Mango Tree (3:46)
12. Heart Full Of Wine (4:28)
13. All Of Me (5:22)
14. You're The One That I Want (3:15)

Gesamtspieldauer „Memories Of An Old Friend": 57:44

Spieldauer CD1 und CD2: 2:03:52




Wer auf richtig gut gemachten Folk steht, der nicht in den 60ern und 70ern des letzten Jahrhunderts entstanden ist, die oder der sollte unbedingt mal ein Ohr bei Angus und Julia Stone riskieren. Die beiden australischen Geschwister bringen diese Art der Musik auf ihrem 2010 erschienen Album „Down The Way“ absolut perfekt auf den Punkt. Ruhige Musik, überaus eingängig und melodiös, mit intelligenten Texten und jeder Menge Atmosphäre.

Dabei hat diese Folk-Musik so rein gar nichts mehr mit dem Folk der 60er Jahre zum Beispiel eines Bob Dylan zu tun. Das ist jetzt Folk, der im 21. Jahrhundert angekommen ist, ohne hier etwas Negatives über Bob Dylan sagen zu wollen, der diese Musik in der damaligen Zeit perfektioniert hat. Die Musik geht bei Angus und Julia Stone in dieselbe Richtung, kann durchaus unter dieser Überschrift subsummiert werden, klingt allerdings trotzdem anders. Genauso eingängig, aber eben irgendwie moderner, was nicht zuletzt auch an der breiteren Instrumentierung der Lieder des Duos liegt. Und außerdem können beide definitiv besser singen.

Die Titel gehen durch die Bank weg ziemlich schnell ins Ohr, denn über allem schwebt diese Harmonie, diese Eingängigkeit und Melodiösität. Laute und auch schräge Töne sucht man daher vergeblich auf „Down The Way“, alles ist in sich stimmig und obwohl sich die so transportierte Stimmung über die ganze Platte hinweg nicht großartig ändert, so kommt doch keine Langeweile beim Hören auf – zu fesselnd sind einfach die sich ausbreitenden und häufig fast schon schwebenden Klangteppiche und Harmonieaneinanderreihungen.

Dazu gibt es auf der Limited Edition noch das Album „Memories Of An Old Friend“ mitgeliefert. Ein klein wenig, allerdings nicht viel, fallen diese Titel qualitativ gegenüber dem Album „Down The Way“ ab. Das liegt jedoch mit Sicherheit im und am Ohr des Hörers. Bei „Memories Of An Old Friend“ handelt es sich anscheinend um eine Kompilation, mehr ist darüber nicht zu erfahren. Die Lieder stammen wieder von Angus und Julia Stone, bis auf das letzte Stück „You're The One That I Want“. Olivia Newton-John und John Travolta lassen grüßen. Vielleicht auch Didi Hallervorden und Helga Feddersen – aber nein, mit deren Interpretierung des Songs hat diese Version hier gar nichts zu tun.

Fazit: Sehr eindringliche und sehr unaufgeregte Musik machen Angus und Julia Stone hier auf ihrem zweiten offiziellen Album „Down The Way”. Dieses gibt es jetzt auch in Verbindung mit „Memories Of An Old Friend " für nur einen sehr geringen Aufpreis. Somit bekommt der Folk-Freund hier über zwei Stunden richtig gute und fesselnde Musik präsentiert, die einen nicht nur während eines grauen Novemberabends begeistern kann. Elf Punkte.

Anspieltipps: Hold On, And The Boys, Walk It Off, Draw Your Swords



Donnerstag, 2. Januar 2014

Patty Moon – Clouds Inside




Patty Moon – Clouds Inside


Besetzung:

Patty Moon – vocals


Gastmusiker:

Tobias Schwab – keyboards, guitar, bass, clarinet, melodica and percussion
Daniel Hansmann – drums (1, 4, 7, 8, 9 and 11)
Oliver Kaiser – drums (2, 5, 6, 10 and 12)
Isabel Eichenlaub – cello (5 and 8)
Holst Sinfonietta Freiburg – strings (2, 3, 10 and 12)
Götz Ertle – soprano saxophone (5 and 7)
Christian Simon – flugelhorn (5 and 7)


Label: Traumton Records


Erscheinungsdatum: 2004


Stil: Post Rock, ArtPop


Trackliste:

1. Mister Sky (3:32)
2. Second Winter (3:34)
3. Me and the Moon (3:17)
4. Borderline (4:28)
5. Humming (5:59)
6. Stop and Go (3:40)
7. Possibly Lucifer (3:25)
8. Composing (3:41)
9. Dragon Heart (5:20)
10. Harmony (3:44)
11. Marlena's Hand (4:56)
12. Horses Getting Weak (3:28)

Gesamtspieldauer: 49:05




Träumerisch, ein klein wenig verspielt, überaus harmonisch und melodiös, so präsentiert Patty Moon alias Judith Heusch ihre Musik auf dem Debut-Album mit dem Titel „Clouds Inside“. Im Jahre 2004 veröffentlicht, hält diese Scheibe einiges für den Hörer parat. Denn wenn man ein Synonym für schöne Musik suchen müsste, dann würde sich diese Platte hier bestens dazu anbieten, stellvertretend für viele andere Alben genannt zu werden - auf „Clouds Inside“ gibt es jede Menge „schöne“ Musik zu entdecken.

Judith Heusch hat beim Schreiben ihrer Lieder das Gespür für die eingängige Melodie, für die packende Harmonie, sodass ein Album entstand, welches durch seine überzeugende und warme Stimmung punkten kann, die auch am regnerischsten Tag des Novembers wirkt oder aber einen kalten Januar Morgen deutlich wärmer und angenehmer erscheinen lässt. Die Lieder auf „Clouds Inside“ klingen nach Melancholie und zudem nach Sehnsucht und sind dabei perfekt von Tobias Schwab in Szene gesetzt worden. Ob es nun das sanfte Piano, das ergreifende Cello oder gleich das ganze Orchester mit seinen Streichern ist, alles passt und untermalt immer wieder sehr schön die weiche und eindringliche Stimme der Patty Moon.

Doch trotz dieser Eingängigkeit und Melodiösität, punktet die Musik auf „Clouds Inside“ auch mit dem dann doch überraschenden Akkord, der erst nach mehrmaligem Hören perfekt in seine Umgebung hineinpasst. Dies lässt das Album zusätzlich an Spannung gewinnen und führt dazu, dass mit jedem neuen Einlegen der CD in den Player neue Facetten der einzelnen Lieder erhörbar werden.

Fazit: Patty Moon macht klasse Musik. Musik die mit ihrer Eingängigkeit punkten kann, ohne dabei platt und oberflächlich zu wirken. Sogar ganz im Gegenteil, hier gibt es nicht diesen „Ohrwurm“, der gleich beim ersten Hören von einem Besitz ergreift, auf „Clouds Inside“ wird eine warme und vertraute Stimmung entwickelt, die sich mit jedem weiteren Hören noch zu steigern weiß. Bei mir ist sie gerade bei elf Punkten angekommen. Ich bin gespannt, wie das noch weitergeht.

Anspieltipps: Humming, Marlena's Hand



Mittwoch, 1. Januar 2014

Gong – You




Gong – You


Besetzung:

Mike Howlett – bass guitar
Pierre Moerlen – drums, percussion
Mireille Bauer – percussion
Benoit Moerlen – percussion
Steve Hillage – lead guitar
Didier Malherbe – wind instruments and vocals
Tim Blake – moog and ems systhesisers and mellowdrone
Daevid Allen – vocal locust and glissandoz guitar
Gilli Smyth – poems and space whisper
Miquette Giraudy – wee voices and chourousings


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Spacerock, Jazzrock, Psychedelic Rock


Trackliste:

1. Thoughts For Naught (1:33)
2. A PHP's Advice (1:45)
3. Magick Mother Invocation (1:57)
4. Master Builder (6:21)
5. A Sprinkling Of Clouds (8:58)
6. Perfect Mystery (2:29)
7. Isle Of Everywhere (10:22)
8. You Never Blow Your Trip Forever (11:32)


Bonus Track:

9. A PHP's Advice (Alternate Version) (1:48)

Gesamtspieldauer: 46:44




„You“ ist der dritte Teil der „Radio Gnome Trilogie“ von Gong, nachdem im Jahr zuvor bereits Teil 1 „Flying Teapot“ und Teil 2 „Angel’s Egg“ veröffentlicht worden waren. Auf „You“ hört man nun Space Rock in Vollendung – zumindest bei den Titeln „A Sprinkling Of Clouds” und „Isle Of Everywhere”. Um dies in seiner ganzen musikalischen Pracht genießen zu können, sucht man sich am besten einen bequemen Platz, setzt die Kopfhörer auf, schließt die Augen und ab geht sie, die Reise durch die endlosen Weiten des Alls. In diesen Titeln verbergen sich übrigens auch immer wieder Abschnitte, die dann deutlich in die Richtung Jazz Rock gehen. Beim ursprünglich letzten Titel der Platte „You Never Blow Your Trip Forever“ kann man dies dann noch ein wenig mehr genießen, wenn man denn ein Ohr für diese Art der Musik hat, bei der es durchaus auch mal atonaler und schräger klingen kann.

Gesungen wird auf „You“ kaum. Wenn denn wirklich mal eine Stimme zu hören ist, dann ist sie nicht selten so eine Art Sprechgesang. Ein wenig in die progressive Ecke driften die ersten, kürzeren Nummern. Dabei ist vor allem das erste Stück des Albums „Thoughts For Naught“ ein wunderschönes, melodiöses, verträumtes und irgendwie mystisch geartetes Lied. „A PHP's Advice” klingt da schon eher wie eine Spielerei, die auf der remasterten Fassung gleich nochmals als Zugabe in einer alternativen Version dazugepackt wurde. Auch „Magick Mother Invocation” kann überzeugen. Hier ist es die Atmosphäre, die dieses Stück erzeugt und den Hörer einfängt, die überaus gelungen ist. Das Lied erinnert an nepalesische Tempel auf mindestens viereinhalbtausend Metern Höhe, in dem irgendetwas ganz Seltsames abläuft. Gruselig.

Blieben noch „Master Builder” und „Perfect Mystery”. Ersteres Stück ist eine experimentelle Jazz-Rock-Nummer, die man sich schwerlich immer geben kann. „Perfect Mystery” ist dagegen schon eine kleine Pop-Komposition, etwas schräg zwar, jedoch durchaus hörenswert.

Fazit: Gong-Musik ist irgendwie anders. Sehr schön kann man das auf „You“ hören. Wahrlich keine radiotaugliche Musik, die hier aus den Boxen kommt. Musik, die manchmal nicht unbedingt einfach ins Ohr geht und einem andererseits trotzdem Trips ohne jegliche halluzinogene Substanzen ermöglicht, wenn man sich denn der Schwerelosigkeit des Space Rocks auszusetzen weiß. Spannend ist die Scheibe obendrein, sodass sich hier ein Ohr für alle diejenigen Musikhörer lohnt, die das Unerwartete und das Besondere in der Musik lieben. Zehn Punkte.

Anspieltipps: A Sprinkling Of Clouds, Isle Of Everywhere



Dienstag, 31. Dezember 2013

CocoRosie – La Maison De Mon Rêve




CocoRosie – La Maison De Mon Rêve


Besetzung:

Bianca “Coco” Casady – all instruments and vocals
Sierra “Rosie” Casady – all instruments and vocals


Label: Touch And Go Records


Erscheinungsdatum: 2004


Stil: Post Rock, Art Pop, Freak Folk


Trackliste:

1. Terrible Angels (4:10)
2. By Your Side (4:00)
3. Jesus Love's Me (3:11)
4. Good Friday (4:23)
5. Not For Sale (1:20)
6. Tahiti Rain Song (3:37)
7. Candy Land (2:56)
8. Butterscotch (3:09)
9. West Side (1:25)
10. Madonna (3:49)
11. Hatian Love Songs (4:56)
12. Lyla (4:04)

Gesamtspieldauer: (41:00)




Was soll eigentlich „Freak Folk“ sein? Nun, wenn man dem Debut Album, der beiden in Paris lebenden amerikanischen Schwestern „La Maison De Mon Rêve“ lauscht, dann weiß man, was damit gemeint ist. Ganz sanfte Musik, äußerst spartanisch instrumentiert, unterfüttert mit quietschenden Geräuschen, Rattern, Rauschen, Fiepsen, Vogelzwitschern oder aber Klängen, die man so gar nicht mehr zuordnen kann. Dazu gibt es immer wieder einen Gesang zu hören, der oftmals zwischen Mickey Mouse und kleines Mädchen hin- und herwechselt, dann wieder sehr weiblich klingt.

Nun, Folk Musik ist das in gewissem Sinne schon noch, allerdings in einer sehr experimentellen Art und Weise. Das Ganze klingt im Grunde genommen niemals atonal, obwohl dem Hörer eine richtiggehende melodiöse Struktur in den einzelnen Titeln auch nicht sofort ins Ohr springt. Und dann, nach dem mehrmaligen Hören scheint das Feld bestellt zu sein, denn auch wenn die einzelnen Lieder zunächst nur sanft, weich und zerbrechlich klingen, tritt mit jedem weiteren Durchlauf auch die den Titeln innewohnende Harmonie immer deutlicher zutage. Es wird eine sehr intensive Stimmung geschaffen, die ihresgleichen sucht. Alles wirkt zudem traurig und ein wenig depressiv, was nicht zuletzt auf diese sehr zurückhaltende Instrumentierung in Verbindung mit dem außergewöhnlichen Gesang zurückzuführen ist.

Richtig schön eingängig, obwohl ebenfalls „verziert“ mit allerhand seltsamen Geräuschen, wird es bei „Good Friday“. Hier kann man diese folkige Stimmung bestens genießen und in ihr eintauchen. Das andere „Extrem“ wäre dagegen zum Beispiel die Nummer „Tahiti Rain Song“. Hier hört man zu Beginn einen Regenguss und es wird, bis auf ein klein wenig sehr gedämpfte Perkussion, im weiteren Verlauf weitestgehend auf eine Instrumentierung verzichtet. Eine Flöte füllt zwar die Parts aus, an denen der sehr weit entfernt wirkende Gesang nicht zu hören ist, was jedoch nichts mehr an der experimentellen Struktur dieses Liedes ändert. Lieblicher wird es danach gleich wieder mit „Candy Land”, hier ist schließlich, erneut neben einigen undefinierbaren Hintergrundgeräuschen, eine sehr schöne Harfenmelodie zu hören, die angefüttert wurde mit dezentem, textlosen Soprangesang.

Fazit: „La Maison De Mon Rêve” ist ein sehr weibliches und sanftes Album geworden. Trotz der einheitlichen und tieftraurigen Atmosphäre, hält diese Platte sehr viel Abwechslung für den Hörer parat. Auf der Scheibe findet sich Musik, die man sicherlich nicht immer und auch nicht bei jeder Gelegenheit hören kann, die allerdings in den ruhigen Momenten des Tages ihre Stärke ausspielt. Es sind schon sehr spezielle und irgendwie „anders“ geratene Töne, die uns die beiden Schwestern hier präsentieren – und zwar in einer sehr spannenden Art und Weise. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Terrible Angels, Good Friday, Candy Land



Montag, 30. Dezember 2013

Fever Ray – Fever Ray




Fever Ray – Fever Ray


Besetzung:

Fever Ray – vocals, engineer, mixing


Gastmusiker: 

Christoffer Berg – engineer, mixing (all tracks)
Henrik Jonsson – mastering
Hampus Lundgren – double bass (8)
Cecilia Nordlund – vocals (9)
Van Rivers & The Subliminal Kid – engineer, mixing


Label: Rabid Records


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: Electronic Pop


Trackliste:

CD:

1. If I Had A Heart (3:49)
2. When I Grow Up (4:31)
3. Dry And Dusty (3:45)
4. Seven (5:10)
5. Triangle Walks (4:23)
6. Concrete Walls (5:40)
7. Now's The Only Time I Know (3:59)
8. I'm Not Done (4:20)
9. Keep The Streets Empty For Me (5:40)
10. Coconut (6:48)
11. Stranger Than Kindness (5:03)
12. Here Before (3:16)

Gesamtspieldauer CD: 56:25


DVD:

1. If I Had A Heart (3:59)
2. When I Grow Up (3:55)
3. Triangle Walks (3:38)
4. Seven (3:41)
5. Stranger Than Kindness (4:33)
6. Fever Ray Tour Trailer 2009 (0:36)

Gesamtspieldauer DVD: 20:22




Karin Elisabeth Dreijer Andersson heißt der eine Teil des schwedischen elektronischen Indie-Duos von The Knife. Hier, mit Fever Ray, wandelt die Schwedin auf Solo-Pfaden. Mit Fever Ray betitelte sie das Album und genau denselben Namen verpasste sich die Schwedin ebenfalls auf der Platte.

Nun, wer auf Musik steht, in denen Gitarren und ein richtiges Schlagzeug eingesetzt werden, die oder der dürfte ein großes Problem mit Fever Ray haben, denn auf diesem Album hört man synthetischen Pop in reinster Ausprägung. Alles klingt ein wenig künstlich und verströmt dabei eine traurige bis fast schon düstere Stimmung. Dies liegt nicht zuletzt am Gesang von Fever Ray, der irgendwie verzweifelt wirkt und immer wieder verfremdet wird. Die Songs sind durch die Bank weg ruhige Nummern, im Grunde genommen nicht tanzbar und verströmen diese häufig sehr depressiv wirkende Atmosphäre.

Dieser Umstand wiederum muss nichts Schlechtes bedeuten, denn wenn man sich auf diese Musik einlassen kann, dann hat das wahrlich was. Etwas ganz Spezielles und Besonderes in das sich einzutauchen lohnt, wenn man nicht sowieso gerade schon nicht sonderlich gut drauf ist. In diesem Fall bestände nämlich allergrößte Suizidgefahr. Ansonsten aber, lohnt sich das Hören der Musik von Fever Ray. Musik zum Entspannen und darin Eintauchen, Musik zum sich Gehenlassen, Lieder zum Träumen. Mit der Special Edition bekommt man zusätzlich zwei Bonus-Lieder auf der CD, die von ihrer Machart her den restlichen Titeln entsprechen. Dazu gibt es dann auch noch eine DVD, die fünf Musikvideos zu den Stücken der CD sowie einen kurzen Tour-Trailer enthält.

Fazit: Redundante Loops, tieftraurige und melancholische Musik, die immer melodiös bleibt, bekommt man auf Fever Ray geboten. Keinen Rock oder aber Pop, der aus Strophe – Refrain – Strophe - Refrain besteht. Alles scheint im Fluss zu sein, eine einmal eingeschlagene Geschwindigkeit wird genau wie die Stimmung selbst beibehalten. Das ist keine Musik, die man täglich hören muss oder auch kann, dazu bedarf es schon gewisser, spezieller Situationen, frei von jeglichem Stress, damit diese Lieder auch richtig zur Geltung kommen und ihre Schönheit entfalten können. Und genau für diese Situationen lohnt sich auch die Anschaffung der CD. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Seven, Now's The Only Time I Know, Keep The Streets Empty For Me



Sonntag, 29. Dezember 2013

Sigrid und Marina – Das Beste aus Heimatgefühle




Sigrid und Marina – Das Beste aus Heimatgefühle


Besetzung:

Sigrid Hutterer – Gesang
Marina Hutterer – Gesang


Gastmusiker: 

Fritz Koch – Gitarre
Thomas Wallisch – Gitarre
Gerhard Zwickl – Trompete
Andreas Pirringer – Querflöte, Klarinette
Dan Aldea – Geige
Edith Prock – Chor
Michaela Kollar – Chor
Herbert Moser – Chor
Christian Zierhofer – Chor
Manfred Gradwohl – Akkordeon, Gitarre, Baritan, Trompete


Label: VM Records Vertriebsgesellschaft


Erscheinungsdatum: 2013


Stil: Volksmusik, Volkstümliche Musik


Trackliste:

1. Blumen aus den Bergen (2:20)
2. Das Schwalbenlied (2:54)
3. Liebe Mutter (3:08)
4. I möcht gern Dei Herzklopfen hörn (2:42)
5. Geiger der Berge (2:55)
6. Bei uns in Österreich (3:06)
7. Madonna, schwarze Madonna (3:43)
8. Mit an Herz und mit an G'fühl (3:37)
9. Edelweiß (The Sound Of Music) (3:15)
10. Ave Maria, wenn ich ein Glöcklein wärm (2:50)
11. Frauenkäferl (3:17)
12. Wo der Wildbach rauscht (3:04)
13. Auf silbernen Spuren (3:11)
14. Mariandl (3:26)
15. Herrgottsjodler (3:27)
16. Sag mir Dein Sternzeichen (2:53)
17. Ein Servus aus dem Alpenland (2:44)
18. Liebesjodler (3:13)
19. Wie groß bist Du (3:25)
20. Seeroserl (2:55)

Gesamtspieldauer: 1:02:22




Okay, das passt jetzt überhaupt nicht hier auf diese Seiten. Da ich aber alle meine Platten und CD’s hier besprechen möchte, gehört auch diese CD dazu – und von daher passt es dann doch wieder. Und wenn man diese CD dann auch noch von einer guten Freundin geschenkt bekommt, dann muss man auf diesen Seiten auch darüber ein paar Worte verlieren dürfen. Volkstümliche Musik ist eigentlich nicht so mein Ding. Sigrid und Marina wählen hier auf „Das Beste aus Heimatgefühle“ aber zum Teil einen anderen Weg, indem traditionelle Stücke neu bearbeitet und interpretiert werden und es dann doch wieder „richtige“ Volksmusik ist. Und wenn es sich um echte Volksmusik handelt, dann kann ich damit auch etwas anfangen.

Wenn man sich im Bierzelt befindet oder auf diversen Festen bewegt, dann braucht man auch Lieder, bei denen man mal auf dem Tisch stehen und mitsingen oder aber mitschunkeln kann. Genau so ein Album ist „Das Beste aus Heimatgefühle“. Stimmungsmusik, die dazu gemacht wurde, Atmosphäre in diesen Momenten zu schaffen, wobei die Musik gar nicht plump daherkommt. Die beiden Schwestern aus dem österreichischen Salzkammergut haben wahrlich sehr schöne Stimmen, die genau dafür geschaffen wurden, nämlich Atmosphäre und eine gewisse Stimmung zu schaffen. Das angenehme daran ist wahrlich, dass nicht allzu oft auf diesen „Schlager-Rhythmus“ zurückgegriffen wird, der von der Rhythmusmaschine erzeugt wird und einem Musikfreund schon immer Tränen in die Augen trieb.

Fazit: Schlagerfans kommen hier mit Sicherheit auf ihre Kosten, allerdings auch Hörer, die eher der traditionellen bayerischen, beziehungsweise österreichischen Volksmusik zugewandt sind. Das Album ist so eine kleine Mischung von allem. Sehr gewöhnungsbedürftig sind dabei natürlich manchmal die Texte, die nach Friede, Freude und Eierkuchen klingen. Wer so etwas mag und auch auf volkstümliche Musik steht und hübsche, junge Damen im Dirndl toll findet, die oder der wird hier auch was für sich finden. Neun Punkte.

Anspieltipps: Mit an Herz und mit an G'fühl, Mariandl



Samstag, 28. Dezember 2013

Metallica – Master Of Puppets




Metallica – Master Of Puppets


Besetzung:

James Hetfield – rhythm guitar, vocals
Lars Ulrich – drums
Cliff Burton – bass, backing vocals
Kirk Hammett – lead guitar


Label: Vertigo


Erscheinungsdatum: 1986


Stil: Trash Metal, Speed Metal


Trackliste:

1. Battery (5:13)
2. Master Of Puppets (8:35)
3. The Thing That Should Not Be (6:36)
4. Welcome Home (Sanitarium) (6:27)
5. Disposable Heroes (8:17)
6. Leper Messiah (5:40)
7. Orion (8:27)
8. Damage Inc. (5:32)

Gesamtspieldauer: 54:47




„Master Of Puppets” aus dem Jahr 1986 ist das dritte Studio-Album von Metallica und gleichzeitig das letzte, welches mit Basser Cliff Burton eingespielt wurde. Dieser verstarb noch im selben Jahr, als der Tour-Bus der Band in Schweden von der Straße abkam. Während die anderen Mitglieder mit leichten Verletzungen oder dem Schrecken davonkamen, wurde Cliff Burton dabei tödlich verletzt. Aber nicht nur deshalb gilt „Master Of Puppets“ als Kult-Album unter Heavy Metal- und ganz besonders Metallica-Fans. Es ist der Stil, dem hier gefrönt wird. Auf späteren Alben der Band klingt Metallica sehr viel massen- und radiotauglicher.

„Master Of Puppets“ kennt keine Kompromisse. Das ist Trash Metal in Vollendung und die Platte gilt als stilprägend für genau dieses Genre. Viele Kritiker und Fans weisen immer wieder darauf hin, dass alles, was nach diesem Album von Metallica veröffentlicht wurde, nur noch ein Abklatsch dieses Meilensteins sei. Eine Meinung, die man bei genauerer Betrachtung der Diskographie von Metallica so nicht eins zu eins übernehmen muss.

Die Lieder werden auf „Master Of Puppets“ meist sogar sanft mit akustischer Gitarre eingeleitet, bis die Musik schließlich überaus brachial losbricht und sich ihren Weg bahnt. Selbst Headbanging ist da mitunter nicht mehr möglich, will man nicht Gefahr laufen eine Gehirnerschütterung zu erleiden. Dazu sind die Riffs häufig viel zu schnell eingespielt, was für die damalige Zeit eine echte Innovation darstellte. Hochgeschwindigkeits-Rock ohne jegliche Verweichlichung eben.

Klar ist dabei auch, dass derjenige Hörer, der auf eine Melodie und deren Führung abfährt, hier seine Schwierigkeiten haben dürfte. Das ist auch nicht das Ansinnen dieser Musik. Hier geht es um Rock, um schweren Rock, der kraftvoll und knallhart aus den Boxen strömen soll. Und genau das erreicht Metallica auch mit diesem Album. Und wer dann noch ein Gespür beziehungsweise eine Ader für diese Art der Musik sein Eigen nennt, die oder der erkennt auch hier die Melodie, die Harmonie, die Eingängigkeit. Und eben diese blitzt besonders hervor bei den Titeln „Welcome Home“, „Orion“ und dem Titelstück „Master Of Puppets“.

Fazit: Okay, das Überalbum ist es für mich nicht, dazu ist mein Musikgeschmack wohl auch zu differenziert. Trotzdem kann ich auch dieser Platte einiges abgewinnen, die deutlich härter ist als alles, was jemals von AC/DC produziert wurde. Ansonsten kann man feststellen, dass viele Platten diesen oder jenen Musikgeschmack bedienen. Bei „Master Of Puppets“ von Metallica ist dies nicht so. Hier muss man ein Heavy Metal Fan sein, um dem Album etwas abgewinnen zu können. Das ist definitiv nichts für Pop-Freunde oder Mainstream-Fanatiker. Für meinen Musikgeschmack neun Punkte. Aber durch die Stellung des Albums in Bezug auf den Heavy Metal muss ich da einfach noch einen Punkt zugeben. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Master Of Puppets, Welcome Home (Sanitarium), Orion



Freitag, 27. Dezember 2013

Eagles – Eagles




Eagles – Eagles


Besetzung:

Glenn Frey – rhythm guitar, lead guitar, slide guitar, harmonica, keyboards, lead vocals
Don Henley – drums, guitar, lead vocals
Randy Meisner – bass guitar, guitar, lead vocals
Bernie Leadon – lead guitar, mandolin, banjo, lead vocals


Label: Warner Music Group


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: Country Rock, Rock


Trackliste:

1. Take It Easy (3:33)
2. Witchy Woman (4:12)
3. Chug All Night (3:16)
4. Most Of Us Are Sad (3:36)
5. Nightingale (4:08)
6. Train Leaves Here This Morning (4:10)
7. Take The Devil (4:01)
8. Earlybird (3:00)
9. Peaceful Easy Feeling (4:18)
10. Tryin' (2:53)

Gesamtspieldauer: 37:07




Mal ein wenig rockiger, ein anderes Mal etwas mehr nach Country klingend, so gebiert sich das Debut Album der Eagles unter dem gleichen Namen aus dem Jahr 1972. Aber dem Abwechslungsreichtum ist noch kein Ende gesetzt, denn es gibt auch getragenere Stücke, wie zum Beispiel „Most Of Us Are Sad“, auf „Eagles“ zu hören. Und trotz dieser verschiedenen Musikstile klingt das Album sehr einheitlich, weist keine stilistischen Ausbrüche auf, die nicht in den Gesamtkontext dieses Albums passen würden.

Eines der bekanntesten Stücke der Eagles findet sich ebenfalls auf dem Album. Gleich zu Beginn ist „Take It Easy“ zu hören, welches Glenn Frey zusammen mit Jackson Browne komponierte. Und dieser Titel kann sogar ein wenig stellvertretend für die übrigen Lieder der US-Amerikaner auf ihrem Debut-Album stehen, denn die Zutaten Rock und Country sind in diesem Track bestens vereint.

Positiv herauszuheben ist auf „Eagles“ in jedem Fall der toll abgestimmte Gesang, der sich mehrstimmig perfekt arrangiert über das ganze Album hinwegzieht. Das war es dann aber auch schon mit den positiven Dingen, denn jetzt bricht unweigerlich meine europäische Herkunft durch, die die Eagles immer dann besser findet, wenn sie rocken und die nur sehr wenig mit diesen Country-Anleihen anzufangen weiß. Nicht weiter überraschend ist von daher, dass solch ein Song wie „Take The Devil“ bei mir noch am ehesten Verzücken hervorrufen kann. Zwar ebenfalls kein „Kracher“, allerdings eine schöne Rock-Nummer, mal etwas langsamer gehalten, dann wieder im Mid-Tempo angesiedelt mit einem klasse Gitarrensolo garniert.

Auch so ein Titel wie „Earlybird“, der nur so angefüllt ist mit Humor, der hat natürlich was. Und hier passt das Banjo jetzt natürlich hervorragend. Ein Instrument, welches ebenfalls ganz eindeutig dem Country zugerechnet werden kann und hier auch seinen ganz speziellen Reiz beweist.

Fazit: Nun, diese erste Platte der Eagles hat natürlich was. Und zwar immer dann, wenn es rockiger oder wie im Falle von „Earlybird“ etwas anders wird. Ansonsten gibt es hier jede Menge Sudstaaten-Country-Rock, den man einfach lieben muss – oder das einfach nicht kann. Ich gehöre da eher zur letzten Fraktion. Die Platte taucht in der Liste der 500 besten Alben aller Zeiten des Rolling Stones Magazine aus dem Jahr 2003 auf Platz 374 auf. Damit wäre es das zweitbeste Album der Eagles. Für mich nicht ganz nachvollziehbar, aber über Musikgeschmack lässt sich ja bekanntlich trefflich streiten. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Take It Easy, Take The Devil, Earlybird



Donnerstag, 26. Dezember 2013

Hawkwind – Astounding Sounds, Amazing Music




Hawkwind – Astounding Sounds, Amazing Music


Besetzung:

Robert Calvert – vocals
Dave Brock – electric guitar, keyboards, backing vocals
Nik Turner – saxophone, flute, vocals (on "Kadu Flyer")
Paul Rudolph – bass guitar, electric guitar
Simon House – violin, keyboards
Simon King – drums
Alan Powell – drums


Label: Cherry Red Records


Erscheinungsdatum: 1976


Stil: Space Rock, Rock


Trackliste:

1. Reefer Madness (6:03)
2. Steppenwolf (9:46)
3. City Of Lagoon (5:12)
4. The Aubergine That Ate Rangoon (3:37)
5. Kerb Crawler (3:47)
6. Kadu Flyer (5:32)
7. Chronoglide Skyway (4:42)

Bonus Tracks:


8. Honky Dorky (3:17)
9. Kerb Crawler (3:44)
10. Back On The Streets (3:06)
11. The Dream Of Isis (2:57)

Gesamtspieldauer: 51:42




Manchmal muss man sich eben selbst loben. Nicht viel anders kann man den Titel des sechsten Hawkwind Albums „Astounding Sounds, Amazing Music“ deuten. Robert Calvert war nun festes Mitglied der Band geworden und die Musik bewegt sich auf der Platte irgendwo zwischen Space-Sound und Rock. Nun, ist die Musik auf dieser Platte aber wirklich so „erstaunlich“, wie es uns die Band mit dem Album-Titel weismachen will? Wie so oft, so liegt auch hier die Wahrheit irgendwo in der Mitte.

Zutreffend ist dieses Adjektiv sicherlich bei den ersten beiden und längsten Titeln der Platte. „Reefer Madness” startet mit einer Zugsirene und dem Rattern eines ankommenden Zuges, rockt dann los und ist phasenweise sogar sehr eingängig, was nicht zuletzt an dem tollen Pianopart im Refrain liegt. Ausgedehnte Instrumentalpassagen gibt es hier ebenfalls zu hören, in die startende Flugzeuge mit integriert wurden und dann weist das Lied wieder Abschnitte auf, die von verfremdeten Stimmen leben. Das Ganze klingt sehr psychedelisch und geht schließlich erneut in diesen wahrlich schönen und treibenden Pianoteil über.

„Steppenwolf” bezieht sich auf den gleichnamigen Roman von Hermann Hesse und fällt am ehesten wohl ebenfalls in die Kategorie Psychedelic Rock. Und da darf es natürlich auch nicht fehlen, dass Robert Calvert zumindest einen Satz immer wieder auf Deutsch wiedergibt: „Isch weiß nicht, was isch sagen soll!“ Klasse gelungen ist hier die ganze Atmosphäre des Liedes, die durch schöne Violin-Läufe und abschnittsweise auch durch einen fetten Orgel-Sound untermalt wird.

„City Of Lagoon” und „The Aubergine That Ate Rangoon” sind im Anschluss daran etwas spacige Instrumental-Nummern, die dann aber so gar nicht mehr “erstaunlich”, sondern eher ein wenig langweilig klingen. Auch „Kerb Crawler” kann nicht so richtig überzeugen. Ein Rock-Song, unterfüttert mit spacig klingenden Keyboard-Einschüben. Besser wird es da schon wieder mit „Kadu Flyer”. Ein sehr melodiöses Stück im Mid-Tempo. Sicherlich nicht der Höhepunkt im Schaffen von Hawkwind, trotzdem eine ganz nette Nummer, was nicht zuletzt an der zweiten Hälfte des Liedes liegt, welches ein wenig experimentell geraten ist und in dem dieses Mal eine Sitar und orientalische Klänge dazu eingesetzt werden, einen psychedelischen Eindruck zu hinterlassen. Dies bewirkt darüber hinaus, dass in dem Lied eine fast schon meditative Stimmung erzeugt wird. Das ursprünglich letzte Lied der Platte war „Chronoglide Skyway”, eine sehr sphärische und auch wieder spacige Instrumental-Nummer, die nur allzu typisch ist für den Klang von Hawkwind.

Auf der 2009 wiederveröffentlichten und remasterten Version des Albums sind vier Zugaben den offiziellen Stücken angehängt worden. „Honky Dorky“ ist dabei ein Lied, welches einmal mehr auf die „Macht“ des Repetitiven in der Musik setzt. Im Grunde genommen ist das Stück ein langes Synthesizer-Solo, in dem ein immer wieder wiederholter und unverständlicher Satz mantraartig wiedergegeben wird. „Kerb Crawler” wird in einer etwas anderen Single-Version wiedergegeben. Bei „Back On The Streets” handelt es sich um einen sehr langweiligen Rock-Song, der so gar nichts Besonderes aufweist, wohingegen „The Dream Of Isis” wieder dieses meditative Moment aufgreift, sphärisch und ein klein wenig hektisch klingt und dabei trotzdem noch hörenswert bleibt.

Fazit: „Astounding Sounds, Amazing Music“ lebt ganz klar von den ersten beiden Liedern. Dieses können durchaus auch den Stempel „erstaunlich“ tragen. Noch besser wäre vielleicht sogar „ungewöhnlich“. Der ganze Rest der Platte ist dann – vielleicht noch mit Ausnahme von „Kadu Flyer” – längst nicht mehr so überzeugend. Entweder handelt es sich dann um etwas sphärische Instrumentalmusik oder aber um biederen Rock, den man glaubt schon hunderte Male gehört zu haben, ohne dass er einen jemals berührt hätte. Nein, richtig toll ist das Album nicht mehr. Da gibt es Besseres von Hawkwind. Neun Punkte.

Anspieltipps: Reefer Madness, Steppenwolf, Kadu Flyer



Mittwoch, 25. Dezember 2013

Wovenhand – Wovenhand




Wovenhand – Wovenhand


Besetzung:

David Eugene Edwards – vocals and all instruments


Gastmusiker:

Stephen Taylor – electric guitar on 1, 2, 7, 8, 9
Daniel McMahon – piano, vocal, organ on 5, 8


Label: Glitterhouse Records


Erscheinungsdatum: 2002


Stil: ArtPop, Post Rock, Alternative Country, NeoFolk


Trackliste:

The Good Hand (4:10)
My Russia (3:44)
Blue Pail Fever (4:58)
Glass Eye (3:01)
Wooden Brother (5:07)
Ain't No Sunshine (2:54)
Story And Pictures (4:55)
Arrowhead (3:27)
Your Russia (4:16)
Last Fist (4:12)

Gesamtspieldauer: 40:43




Noch vor der letzten Studio-Album-Veröffentlichung von 16 Horsepower im August 2002, veröffentlichte David Eugene Edwards im März desselben Jahres sein erstes Solowerk unter dem Titel Wovenhand. Dies war gleichzeitig der Titel seines neuen Projekts, wie auch der Name des Albums. Vier Nummern dieser Platte wurden in leicht veränderter Version auch auf der Platte „Blush Music“ veröffentlicht – Musik für das Tanzprojekt des Belgiers Wim Vandekeybus. Dieses erschien ebenfalls 2002.

Die Texte des David Eugene Edwards sind meist religiöser Natur und sehr eindringlich. Die Musik selbst klingt melancholisch bis tieftraurig, die Moll-Akkorde stehen im Vordergrund und dazu gesellt sich noch eine gewisse Experimentierfreude des Amerikaners, der auch sphärische oder aber schräge Töne immer wieder in seine Stücke mit einbaut. Zum Teil wirken die Songs auch fast schon ein klein wenig meditativ, wenn bestimmte Akkorde immer und immer wiederholt werden. Tief verträumt und melancholisch klingt das Ganze und hat im Grunde genommen nur noch am Rande etwas mit dem Alternative Country zu tun, für den die Band 16 Horsepower stand. Die Musik driftet sehr viel eher in die Richtung melodischer ArtPop.

Nun, eingängig sind die Stücke wahrlich, die auch die Fähigkeit besitzen, mit jedem weiteren Hören noch ein wenig zu wachsen. Sehr unaufdringlich wird hier gerockt, der Stille wird ein immer wiederkehrender Raum richtiggehend eingeräumt, ganz so, als ob uns David Eugene Edwards Zeit für das Sammeln der Gedanken und Gefühle einräumen möchte, wenn wir seiner Musik lauschen.

Fazit: Wer keine Probleme damit hat, dass es sich bei der Musik von Wovenhand um sehr religiöse Lieder handelt und gerne etwas „abgefahrenere“ und melancholische Musik liebt, dem sei dieses Album sehr ans Herz gelegt. Alles klingt hier, ist eingängig und mitunter einfach nur schön anzuhören. Ein traurig gestimmtes Album zwar, jedoch auch eines, welches durch seine Musik sehr ergreifend wirkt. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: The Good Hand, Wooden Brother, Arrowhead