Samstag, 18. Juli 2015

Pete Townshend – Scoop




Pete Townshend – Scoop


Besetzung:

Pete Townshend – vocals, guitar, keyboards


Gastmusiker:

Nicht aufgeführt


Label: InsideOut Music


Erscheinungsdatum: 1983


Stil: Rock, Pop


Trackliste:

1. So Sad About Us / Brrr (4:44)
2. Squeeze Box (2:27)
3. Zelda (2:25)
4. Politician (3:37)
5. Dirty Water (2:08)
6. Circles (2:10)
7. Piano: Tipperary (1:01)
8. Unused Piano: Quadrophenia (2:33)
9. Melancholia (3:17)
10. Bargain (4:13)
11. Things Have Changed (2:25)
12. Popular (2:28)
13. Behind Blue Eyes (3:29)
14. Magic Bus (4:21)
15. Cache Cache (3:43)
16. Cookin' (3:21)
17. You're So Clever (4:18)
18. Body Language (1:33)
19. Initial Machine Experiments (1:56)
20. Mary (3:19)
21. Recorders (1:18)
22. Goin' Fishin' (2:54)
23. To Barney Kessell (2:01)
24. You Came Back (4:06)
25. Love, Reign O'er Me (4:58)

Gesamtspieldauer: 1:14:59




„Scoop“ ist das erste von bisher insgesamt drei („Scoop“, „Another Scoop“ und „Scoop 3“) Kompilationsalben des Pete Townshend, auf denen der The Who Gitarrist seinen Hörern Demos und auch bisher unveröffentlichtes Material bietet. „Scoop“ selbst, also die erste Veröffentlichung dieser Reihe, erschien im Jahr 1983 und enthält Stücke aus den Jahren 1965 bis 1982.

Diese Scheibe kann aus zwei Gründen interessant sein. Zum einen dann, wenn man alles von Pete Townshend besitzen möchte, zum anderen, wenn man daran interessiert ist, wie sich so mancher Titel in der ursprünglichen Fassung anhört. Diese ist meistens nicht so überzeugend wie die endgültige Fassung, welche dann auf einem The Who Album zu hören ist. Ausnahme hierbei ist gleich der Opener „So Sad About Us“, der auf „Scoop“ in Verbindung mit dem bisher unveröffentlichten Instrumentaltitel „Brrr“ zu hören ist. Die Nummer führt Pete Townshend mit einer persönlichen Ansage ein und das Stück hört sich dann wahrlich sowas von traurig an, dass es die auf dem zweiten Album, „A Quick One“, veröffentlichte Fassung um Längen schlägt.

Auch lässt sich bei einigen Titeln heraushören, welch guter und überzeugender Sänger Roger Daltrey ist. Das Lied „Love, Reign O'er Me“ ist sicherlich eines der besten Stücke überhaupt, welches Pete Townshend in seiner Karriere geschrieben hat und bildet einen würdigen Abschluss der Platte „Quadrophenia“. Auch hier bildet die Nummer das Ende des Albums, jedoch hört man dieses Mal eben Pete Townshend singen. Ein sehr großer Unterschied und ein Vergleich, den Pete Townshend deutlich verliert.

Bleiben noch eine Handvoll Stücke oder aber auch Fragmente, die wirklich neu sind. Diese sind zum Teil witzig und überzeugend, manches Mal merkt man jedoch auch schnell, warum sie es nie auf ein offizielles The Who - oder Pete Townshend Solo Album geschafft haben. Zum Teil also nicht der Rede wert.

Fazit: Nun, „Scoop” ist eher was für absolute Pete Townshend- oder The Who-Fans. Oftmals sind die Unterschiede zur ursprünglichen Version gar nicht so groß und sie unterscheiden sich dann eben zum Beispiel hauptsächlich im Gesang. Aber natürlich, wenn jemand jeden Schnipsel von Pete Townshend besitzen möchte, dann lohnt sich diese ursprüngliche Doppel-LP natürlich schon. Aber wohl auch nur dann. Acht Punkte.

Anspieltipps: Piano: Tipperary, Unused Piano: Quadrophenia



Freitag, 17. Juli 2015

Peter Hammill – The Love Songs




Peter Hammill – The Love Songs


Besetzung:

Peter Hammill – vocals, guitar, keyboards


Gastmusiker:

Nic Potter – bass
Hugh Banton – keyboards
Manny Elias – drums
Helen Copp – drums
John Ellis – guitar
Robert Fripp – guitar
Stuart Gordon – violin
David Lord – synthesizer


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1984


Stil: ArtPop, ArtRock


Trackliste:

1. Just Good Friends (3:54)
2. My Favourite (3:00)
3. Been Alone So Long (5:01)
4. Ophelia (3:08)
5. Again (3:34)
6. If I Could (5:00)
7. Vision (3:15)
8. Don't Tell Me (4:39)
9. The Birds (3:40)
10. This Side Of The Looking Glass (6:57)

Gesamtspieldauer: 42:15




Es gibt Platten, die braucht man im Grunde genommen überhaupt nicht. Eine davon ist „The Love Songs“ von Peter Hammill aus dem Jahr 1984. Zu hören gibt es darauf zehn Lieder, die alle bereits auf vorherigen Platten veröffentlicht worden waren. Es handelt sich bei dem Album also um eine Kompilation, eine Zusammenstellung von Liedern, in denen es um das Thema „Liebe“ geht.

Die Nummern wurden alle überarbeitet, neu abgemischt und auch mit einer neuen Gesangslinie versehen – außer der Titel „Been Alone So Long“, bei welchem die ursprüngliche Gesangsspur weiter Verwendung fand. Nun, ansonsten gibt es über dieses Album im Grunde genommen nicht viel zu sagen. Die Lieder kennt man, die Überarbeitung hört sich eher überflüssig als erforderlich an und man weiß keineswegs, warum Peter Hammill diese Platte unbedingt veröffentlichen musste.

Fazit: Ob die neu eingespielten Titel jetzt besser klingen, das sei hier mal sehr in Frage gestellt. Eine andere Frage, die sich stellt ist jene, wer solch ein Album braucht? Hierauf ist eher Pop als Progressive Rock zu hören, wofür Peter Hammill eigentlich steht. Wer die Musik des Engländers besitzt, die oder der besorgt sich sowieso die ursprünglichen Platten. Die Lieder sind schöne Stücke, stehen jedoch nicht stellvertretend für die Musik des Peter Hammill und hätten so auch nicht mehr unbedingt veröffentlicht werden müssen. Von daher haben die Lieder eigentlich mehr Punkte verdient, das Album selbst, nun das ist einfach irgendwie sehr überflüssig. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Again, The Birds



Donnerstag, 16. Juli 2015

Revolverheld – In Farbe




Revolverheld – In Farbe


Besetzung:

Johannes Strate – Gesang, Gitarre 
Kristoffer Hünecke – Gesang, Gitarre
Niels Grötsch – Gesang, Gitarre
Florian Speer – E-Bass
Jakob Sinn – Schlagzeug


Gastmusiker:

Joonas Lorenz – Orgel und weitere Tasten
Fabio Niehaus – Piano auf „Halt Dich an mir fest”
Lucky Kids – Kinderchor auf „Spinner”
Sönke Reich – Drum Tech
Babelsberger Filmorchester – Streicher



Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 2010


Stil: DeutschRock, Pop


Trackliste:

1. Ich werde nie erwachsen (3:19)
2. Spinner (3:13)
3. Mein Leben ist super (3:21)
4. Halt Dich an mir fest (3:56)
5. Immer einen Grund zu feiern (2:50)
6. Alles anders (3:20)
7. Darf ich bitten (3:28)
8. Keine Liebeslieder (3:24)
9. Alles wird gut (3:00)
10. Die Liebe liebt mich nicht (3:28)
11. Laute Menschen (2:56)
12. Um unser Leben (2:23)
13. Hamburg hinter uns (3:16)

Gesamtspieldauer: 41:59




„In Farbe“ heißt das dritte Album der Hamburger Pop-Rock-Band Revolverheld. In Deutschland war die Scheibe, die 2010 veröffentlicht wurde, durchaus erfolgreich und kletterte bis auf Platz 6 der Charts. Zu hören gibt es auf „In Farbe“ eine Mischung aus poppigen und rockigen Titeln, die durchaus alle das Zeug haben, sich schnell im Ohr des Hörers festzusetzen.

Die Lieder setzen sich dabei aus zwei unterschiedlichen Stilarten zusammen. Da sind zum einen die rockigen „Partylieder“. Mitgrölsongs, die natürlich auf jedem Revolverheld Konzert für reichlich Stimmung sorgen. Hier ist dann auch der Rock das beherrschende Moment. An die Strophe schließt sich ein relativ einfacher und eingängiger Refrain an, der schnell ins Ohr geht und bereits nach dem ersten Hören mitgesungen werden kann. Andererseits gibt es dann allerdings auch noch einige, na nennen wir sie mal Liebeslieder, die dann eher poppig gehalten sind. Die Stimmung ist dabei jedoch immer eher trüb und regnerisch, denn das Thema ist hier meistens die Trennung beziehungsweise die bereits gescheiterte Liebe.

Besonders anspruchsvoll ist die Musik von Revolverheld natürlich nicht, das wollen die – hier noch fünf – Musiker ganz bestimmt auch nicht sein. „In Farbe“ will unterhalten, schafft das auch immer wieder sehr gut, wenn man sich auch manches Mal etwas mehr Wortwitz in den Texten wünschen würde. Trotzdem, die Lieder sind handwerklich gut gemacht und das betrifft die musikalische wie die textliche Seite der Stücke.

Fazit: „In Farbe“ ist für mich so ein Sommer-Sonne-Gute-Laune-Album geworden, auch wenn die Texte bei den entsprechenden Liebesliedern etwas anders aussagen. Die Scheibe läuft so durch, alles klingt ganz nett, wirklich viel bleibt da jedoch auch nicht hängen, dazu ist die Musik in allem einfach zu „normal“ und „allgemein“. Allerdings muss das gar nicht mal was Schlechtes bedeuten, denn mitunter möchte man gerade solche Musik genießen. Musik ohne große Ecken und Kanten, die einen berieselt und nicht negativ aufstößt. Das schaffen Revolverheld auf jeden Fall mit „In Farbe“. Acht Punkte.

Anspieltipps: Spinner, Darf ich bitten



Mittwoch, 15. Juli 2015

Nick Cave And The Bad Seeds – Henry’s Dream




Nick Cave And The Bad Seeds – Henry’s Dream


Besetzung:

Nick Cave – vocals, piano, organ, harmonica
Mick Harvey – rhythm guitar, piano, organ, vibraphone, drums, percussion, backing vocals
Blixa Bargeld – guitar, backing vocals
Martyn P. Casey – bass, backing vocals
Conway Savage – piano, vocals, rhodes
Thomas Wydler – drums, percussion


Gastmusiker:

Dennis Karmazyn – cello
Bruce Dukov – violin
Barbara Porter – violin


Label: Mute Records


Erscheinungsdatum: 1992


Stil: Alernative Rock


Trackliste: 

1. Papa Won't Leave You, Henry (5:54)
2. I Had A Dream, Joe (3:42)
3. Straight To You (4:34)
4. Brother, My Cup Is Empty (3:02)
5. Christina The Astonishing (4:51)
6. When I First Came To Town (5:21)
7. John Finn's Wife (5:13)
8. Loom Of The Land (5:07)
9. Jack The Ripper (3:45)

Gesamtspieldauer: 41:34




„Henry’s Dream“ heißt das siebte Studio-Album von Nick Cave And The Bad Seeds und wurde im Jahr 1992 veröffentlicht. An dieser Platte kann man einmal mehr hören und auch erleben, wie abwechslungsreich und überzeugend Alternative Rock klingen kann. Die Platte ist angefüllt mit tollen Songs, die ins Ohr gehen. Zugegebenermaßen ist dies nicht gleich unbedingt beim ersten Hören der Fall, jedoch wächst die Scheibe mit jedem weiteren Durchgang.

Die Nummern auf „Henry’s Dream“ sind also melodiös und eingängig, werden ziemlich schnell zu Vertrauten. Allgemein ist die Stimmung auf dieser Platte jedoch rockiger, als noch auf dem Vorgänger „The Good Son“. Waren es dort noch die sanfteren Töne, die im Mittelpunkt standen, so ist es jetzt der Rock, der auch mal ordentlich Gas gibt. Trotzdem hängt auch hier wieder eine etwas marode Stimmung über dem Album. Geschichten vom Tod und vom Untergang sind sowieso die Lieblinge des Australiers, die auf „Henry’s Dream“ nun eben in ein rockiges Gewand gepackt werden.

Das Schöne an dieser Platte ist auch, dass man sie in einem durch genießen kann. Kein Lied fällt gegenüber dem anderen großartig ab, wobei natürlich der Geschmack der Hörerin beziehungsweise des Hörers seine eigenen Favoriten festlegen wird. Für mich sind das die ersten drei Titel, die bereits eine schöne Übersicht darüber geben, was den Konsumenten hier alles erwartet. Dann ist da noch das kraftvolle „When I First Came To Town“ und nicht zu vergessen natürlich das sehr intensive „John Finn's Wife“. Für mich mit eines der besten Lieder, die Nick Cave jemals geschrieben hat.

Fazit: Auch “Henry’s Dream“ ist überzeugend geworden, allerdings auf eine andere Art und Weise als noch der Vorgänger. Dieses Mal ist es meist der kraftvolle Rock, der die Lieder und damit die Platte dominiert. Allerdings übertreibt Nick Cave hier keineswegs, das ist wahrlich kein Hard Rock, der auf der Scheibe zu hören ist. Jedoch bekommt man auf „Henry’s Dream“ eine Ladung kraftvollen und melodiösen Alternativ Rock serviert, die sich lohnt gehört zu werden. Elf Punkte.

Anspieltipps: Papa Won't Leave You Henry, Straight To You, John Finn's Wife



Dienstag, 14. Juli 2015

Björk – Vespertine




Björk – Vespertine


Besetzung:

Björk – programming, beat programming, basslines, strings arrangements, choir arrangements, harp arrangements, music box arrangements, vocal editing, sounds recording, field recording


Gastmusiker:

Valgeir Sigurðsson – programming, beat programming, pro tools
Martin Gretschmann –  programming
Jake Davies – programming, pro tools
Matthew Herbert – programming
Leigh Jamieson – pro tools
Thomas Knak – programming
Jan "Stan" Kybert – pro tools
Matmos – programming, beat programming
Vince Mendoza – string arrangements, choir arrangements, orchestration
Zeena Parkins – harp, harp arrangements
Jack Perron – adaptation to music box
Guy Sigsworth – programming, beat programming, celeste, celeste arrangements, clavichord, clavichord arrangements, choir arrangements
Damian Taylor – programming, beat programming, pro tools
Caryl Thomas – harp
Marius de Vries – programming, beat programming
St. Paul's Cathedral Choir – Choir on „Unison“


Label: One Little Indian


Erscheinungsdatum: 2001


Stil: Art Pop, Electronica


Trackliste: 

1. Hidden Place (5:29) 
2. Cocoon (4:28)
3. It's Not Up To You (5:09)
4. Undo (5:38)
5. Pagan Poetry (5:14)
6. Frosti (1:41)
7. Aurora (4:39)
8. An Echo, A Stain (4:04)
9. Sun In My Mouth (2:40)
10. Heirloom (5:12)
11. Harm Of Will (4:37)
12. Unison (6:47)

Gesamtspieldauer: 55:42




„Vespertine“ heißt das fünfte Studio-Album der Isländerin Björk, welches im August 2001 veröffentlicht wurde. Für vielen Fans von Björk stellt dieses Album die beste Platte dar, die sie bisher veröffentlicht hat. Nun, Björk hat mit Sicherheit ein ganz eigenes musikalisches Genre geprägt, denn Pop ist das eigentlich nicht mehr, was man hier hört. Es ist eben Björk, wenn die zierliche Isländerin mal weinerlich klingt, dann wieder fest und dominant, mal reif, ein anderes Mal mädchenhaft und schüchtern. Dies alles untermalt dabei Musik, die so ganz anders ist, als alles, was man sonst so aus der Musikszene kennt.

Sieht man dann mal auf die Liste der verwendeten Instrumente, wird ebenfalls schnell klar, dass es sich hierbei unmöglich um ein „ganz normales“ Pop-Album handeln kann. Herumprogrammiert wurde an den einzelnen Titeln ganz schön viel, eine Gitarre, einen Bass, ein Klavier oder ein Schlagzeug sucht man jedoch vergebens. Allerdings ist die Scheibe vollgepackt mit durchaus „seltsam“ zu umschreibenden Geräuschen. Irgendwo fiept oder knackt es immer, gibt es ein Brummen oder Rauschen. Dabei sind auch die Gesangslinien der Björk immer wieder überraschend. Man kann wahrlich nicht behaupten, dass die Musik auf „Vespertine“ sehr melodiös ausgefallen wäre – Ausnahmen wie „Pagan Poetry“ bestätigen da nur die Regel. Schon gar nicht bei den ersten Durchgängen der Scheibe. Mitunter gibt es überhaupt keine Melodie, worüber Björk dann eine nichtmelodiöse Gesangslinie legt. Allerdings klingt dies in seiner Gesamtheit keineswegs atonal, eher spannend und faszinierend. Gut mit dem häufigen Hören des Albums wird es dann auch ein wenig eingängiger, von Harmonie in der Musik auf „Vespertine“ kann man allerdings immer noch keinesfalls sprechen. Das klingt alles äußerst schräg, seltsam und manchmal auch wie kaum von dieser Welt stammend.

So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass sich an dieser Art der Musik die Geister scheiden. Diese wird geliebt oder lässt Hörerin und Hörer fast schon fassungslos, zumindest aber verwirrt zurück. Bei aller Technik- und Computerverbundenheit wirkt die Musik von Björk auf „Vespertine“ allerdings keinesfalls konstruiert, eher eben experimentell. Schaden kann es dabei sicherlich auch nicht, während des Hörens eine kleine Traumreise durch Island zu veranstalten. Es werde einem zwar kaum Trolle und Zwerge begegnen, jedoch jede Menge Feen und Elfen.

Fazit: Das ist doch mal was ganz Besonderes, diese Platte von Björk. „Vespertine“ ist wahrlich nicht alltäglich. Der Titel des Albums „Vespertine“ kann in etwa mit „abendlich“ übersetzt werden, Björk selbst nennt es ihr „Winteralbum“, da sie den Großteil der Lieder im dunklen und kalten isländischen Winter geschrieben hat. Nun und irgendwie genau so klingt die Scheibe auch. Auf ihre Art dunkel und für die kalten und langen Abende im Spätherbst und Winter gemacht – dann allerdings, kann diese Musik auch das Herz erwärmen, wenn man eben nicht verwirrt zurückbleibt. Elf Punkte.

Anspieltipps: It's Not Up To You, Pagan Poetry, Frosti



Montag, 13. Juli 2015

Portishead – Third




Portishead – Third


Besetzung:

Beth Gibbons – lead vocals, guitar on "Threads"
Geoff Barrow – drums, bass, keyboards
Adrian Utley – electric and acoustic guitars, ukulele, keyboards


Gastmusiker:

Charlotte Nicholls – cello on "Silence" and "Threads"
Claudio Campos – spoken intro on "Silence"
Wendy Bertram – bassoon on "The Rip"
Team Brick – clarinet on "Plastic," vocals on "Deep Water"
David Poore & Ben Salisbury ("The Somerfield Workers Choir") – vocals on "Deep Water"
Will Gregory – saxophone on "Magic Doors" and "Threads"
John Baggott – rhodes piano on "Magic Doors"
Stu Barker – hurdy-gurdy on "Magic Doors"
Clive Deamer – drums on "Threads"
Jim Barr – bass on "Threads"


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 2008


Stil: Experimental Rock, TripHop


Trackliste:

1. Silence (5:00)
2. Hunter (3:58)
3. Nylon Smile (3:19)
4. The Rip (4:30)
5. Plastic (3:30)
6. We Carry On (6:27)
7. Deep Water (1:33)
8. Machine Gun (4:46)
9. Small (6:47)
10. Magic Doors (3:31)
11. Threads (5:47)

Gesamtspieldauer: 49:15




Auch das dritte und bisher letzte Album der englischen Band Portishead hat es in sich und ist durchaus gelungen, auch wenn die Musik eine etwas andere geworden ist, als noch auf den beiden Vorgängern. Es ist nun gar nicht mehr so sehr der TripHop, der hier im Vordergrund steht, sondern die Musik ist deutlich experimenteller geworden. Kann man bei diesem dritten Portishead Album mit dem passenden Titel „Third“ aus dem Jahre 2008 überhaupt noch von TripHop sprechen? Wohl kaum.

Mitunter klingt die Musik der Engländer nun etwas schräg, Lieder werden abrupt abgebrochen, immer wieder verirrt sich ein Ton in das Gesamtgefüge, der dort einfach nicht hingehören will, ja sogar ein wenig falsch klingt. Nun und auch der Gesang der Beth Gibbons hört sich manches Mal unsauber, versetzt oder sogar ebenfalls ein wenig falsch an. Das wiederum bewirkt, dass man als Hörerin beziehungsweise Hörer ein wenig mehr Zeit in diese Scheibe investieren muss, um damit auch wirklich klar zu kommen und schließlich auch mit ihr „warm“ zu werden. Investiert man jedoch diese Zeit in Form von vielen Durchläufen der Platte, dann eröffnen sich völlig neue Horizonte, die einem immer vertrauter werden, immer familiärer und auch immer schöner.

Emotionaler Höhepunkt der Scheibe ist für mich ganz klar „The Rip“. Was langsam mit wunderschöner Melodie beginnt, wird im weiteren Verlauf immer elektronischer und ist mit einer wunderschönen Gesangslinie der Beth Gibbons unterlegt. Auch „Magic Doors“ gehört zu den herausragenden Stücken des Albums, welches allerdings allgemein keine nennenswerten Ausfälle aufweist. Auch hier ist es wieder der Gesang der Sängerin von Portishead, der den Titel zu einem intensiven Erlebnis werden lässt.

Fazit: „Third“ ist schräger als die Platten zuvor. Für „Third“ benötigt man etwas mehr Zeit, als für die beiden Vorgängeralben der Band. Gibt man der Scheibe jedoch die Zeit zum Reifen im Ohr des Hörers, dann wird diese auch eine Bereicherung im musikalischen Leben des Konsumenten. Dazu gehört auch, dass diese Art der Musik von Portishead schon etwas Besonderes ist, was es sonst so nicht unbedingt woanders gibt. Elf Punkte.

Anspieltipps: The Rip, Magic Doors



Sonntag, 12. Juli 2015

Sweet Smoke – Darkness To Light




Sweet Smoke – Darkness To Light


Besetzung:

Michael Paris – sax, flute, vocals
Marvin Kaminowitz – guitar, vocals
Steve Rosenstein – guitar, vocals
Rochus Kuhn – violin, cello
Jeffrey Dershin – piano, percussion, vocals
Andrew Dershin – bass
Jay Dorfman – drums


Gastmusiker:

Marty Rosenberg – percussion on "Kundalini" and "Believe Me My Friends"
Puppa Kuhn – flute on "Darkness To Light"
Peter von de Locht – alto saxophone on "Darkness To Light"


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Jazz Rock, Psychedelic Rock


Trackliste:

1. Just An Empty Dream (4:24)
2. I'd Rather Burn Than Disappear (4:18)
3. Kundalini (13:28)
4. Believe Me My Friends (4:30)
5. Show Me The Way To The War (5:33)
6. Darkness To Light (12:50)

Gesamtspieldauer: 45:05




War das erste Album von Sweet Smoke mit dem Titel „Just A Poke“ aus dem Jahr 1970 noch gelungen, überzeugte durch lange Instrumentalpassagen und progressive Abschnitte in den Stücken, so sieht das mit der zweiten Scheibe „Darkness To Light“, welche drei Jahre später erschien, schon etwas anders aus. Hier ist die Musik, die auch so überhaupt nicht ins Ohr gehen möchte, häufig geprägt von Passagen, die sehr in die Richtung Jazz Rock driften. Manchmal wirkt das fast schon improvisiert, häufig schräg und nur ganz selten überzeugend. Dazu gesellen sich nun zusätzlich auch ganz deutlich indische Einflüsse in der Musik von Sweet Smoke.

Solche jazzrockige Passagen, wie auf dem Titeltrack „Darkness To Light“, können dabei sehr langatmig und nervenaufreibend wirken, da man es nur schwerlich schafft, in diese Musik eintauchen zu können. Zu verworren und mitunter auch atonal klingt das Ganze in meinen Ohren. Ein anderes Beispiel ist das manchmal nach „Fußgängerzone“ klingende „Kundalini“, bei dem indische Klänge mit verwurstet wurden. Die Nummer erinnert zumindest zu Beginn an irgendwelche, von der indischen Kultur beeindruckte Westeuropäer oder Nordeamerikaner, die mit ihrem neu errungenen Gedankengut die Welt beglücken wollen und dazu beschwingt lächelt und in ausladende Stoffrollen gewickelt, Glöckchen-klingelnd durch deutsche Innenstädte tanzen. Dann geht auch diese Nummer in einen jazzrockartigen Teil über und beeindruckt höchstens noch durch sinn- und wortfreies Gebrabbel.

Auch die kurzen Nummern können einen da irgendwie nicht packen. Mitunter klingt es da sogar mal bluesig, dann wieder jazzig und auch manchmal folkig. Nichts Halbes und nichts Ganzes – leider. Nun zumindest eine schöne und überzeugende Nummer hat es auf das Album geschafft. „I'd Rather Burn Than Disappear“ klingt ziemlich folkig und geht sehr wohl ins Ohr. Ein schönes Lied, vielleicht das Schönste, welches Sweet Smoke jemals gemacht haben. Der Überblick hierfür ist auch schnell gewonnen, denn nach dieser Scheibe war Schluss mit der Band, die zwar ein Jahr später noch ein Live-Album veröffentlichte, sich dann jedoch auch wieder auflöste.

Fazit: Sweet Smoke sind nur ein kurzer Tupfer in der Rock-Welt, veröffentlichten sie doch nur zwei Studio-Alben. Konnte das erste noch durchaus gefallen, gestaltet sich die zweite Platte mit dem Titel „Darkness To Light“ schon sehr viel schwerverdaulicher. Auf dieser herrschen ein wenig überzeugender Stilmix vor und noch weniger überzeugende Kompositionen. Eine Ausnahme gibt es, jedoch lässt dieses kurze Lied die Platte längst nicht mehr zu einem guten Album werden. Sechs Punkte.

Anspieltipps: I'd Rather Burn Than Disappear



Samstag, 11. Juli 2015

Hölderlin – Hölderlins Traum




Hölderlin – Hölderlins Traum


Besetzung:

Nanny de Ruig – Gesang
Michael Bruchmann – Schlagzeug
Christian von Grumbkow – Gitarre
Joachim von Grumbkow – Cello, Flöte, Gitarre, Klavier, Orgel, Mellotron
Christoph Noppeney – Violine, Viola, Klavier, Flöte
Peter Käseberg – Bass, Gitarre, Gesang


Gastmusiker:

Peter Bursch – Sitar in "Strohhalm"
Mike Hellbach – Tablas in "Strohhalm"
Walter Westrupp – Blockflöte in "Erwachen"


Label: Pilz


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: Folk Rock, Krautrock


Trackliste:

1. Waren Wir (4:52)
2. "Peter" (2:57)
3. Strohhalm (2:06)
4. Requiem Für Einen Wicht (6:38)
5. Erwachen (4:05)
6. Wetterbericht (6:39)
7. Traum (7:22)

Gesamtspieldauer: 34:42




Auf der allerersten Platte von Hoelderlin, die damals noch Hölderlin hießen, haben die Musiker vermerkt: „Seit Dezember 1970 träumen und machen wir zusammen Musik.“ Anschließend werden die Musiker und ihre Instrumente aufgezählt. Nun, verträumt klingen Hölderlin hier wahrlich, denn auf „Hölderlins Traum“ gibt es noch keinen Progressive Rock zu hören, wie auf den folgenden Veröffentlichungen der Band hinweist, sondern hier steht noch der Folk sehr deutlich im Vordergrund. Auch „Krautrock“ muss im Grunde genommen in Anführungsstrichen stehen, denn wenn man diese Musik mit anderen Bands vergleicht, die sehr gut diesem Musikgenre zuzuordnen sind, dann klafft dort ein himmelweiter Unterschied. Hier deutscher Folk, dort eben etwas experimentellere Musik unter der Überschrift „Krautrock“. Bliebe noch zu klären, warum die Band zum nächsten Album einen Namenswechsel von „Hölderlin“ zu „Hoelderlin“ vollzog. Allerdings auch einfach, den auf diesem ersten Album „Hölderlins Traum“ aus dem Jahr 1972 ist die Gesangssprache eben Deutsch, ab dem zweiten Album „Hoelderlin“ eben Englisch.

Nicht nur die Musik auf diesem Album unterscheidet sich von den nachfolgenden Scheiben, auch der Gesang ist ein völlig anderer. Hier hört man nämlich hautsächlich die Niederländerin „Nanny de Ruig“, die mit einer glockenklaren Stimme und ohne jeglichen Akzent mitunter recht seltsam und sinnfreie Verse von sich gibt, die, genau wie die Musik, aus der Feder der beiden von Grumbkow-Brüder stammen. Die Musik klingt manchmal sogar ein wenig nach mittelalterlicher Musik, schlägt dabei allerdings immer wieder den Bogen zum Folk. Dabei ist alles überaus harmonisch und melodisch gehalten. Die Nummer gehen alle sehr schnell ins Ohr, klingen und hallen dort auch länger nach. Schön und besonders dabei auch die Instrumentierung, wenn eben auch mal die Violine oder eine Flöte im Vordergrund stehen. Dies macht die die Musik von Hölderlin auf „Hölderlins Traum“ dann noch ein bisschen interessanter und auch abwechslungsreicher.

Fazit: Wer Folk Musik mag, die oder der wird dieses Album lieben. Dabei handelt es sich allerdings nicht um Folk Musik, die von der akustischen Gitarre dominiert wird und dazu singt dann jemand. Die Musik von Hölderlin auf „Hölderlins Traum“ ist da schon deutlich komplexer angelegt und überzeugt gerade wegen ihres Abwechslungsreichtums. Jedes der sieben Lieder klingt melodiös und geht ins Ohr. Eine schöne entspannte, unaufgeregte Platte, die auch ein wenig nach Hippie-Zeit klingt. Elf Punkte.

Anspieltipps: Irgendwie alles



Freitag, 10. Juli 2015

The White Birch – The Weight Of Spring




The White Birch – The Weight Of Spring


Besetzung:

Ola Fløttum – lead vocals, backing vocals, grand piano, upright piano, acoustic guitars, electric guitars, dobro, banjo, bass, samplers, keyboards, violin, recorder


Gastmusiker:

Ole-Henrik Moe – violin, viola, saw
Pål Hausken – drums, percussion, glockenspiel
Morten Barrikmo – clarinet, bass clarinet, soprano saxophone
Ingrid Olava – vocals on “The Weight Of Spring”
Susanna Wallumrød – vocals on “The Hours”
Ellen Dorrit Petersen – vocals on “Lantern”, backing vocals on “Lantern” and “Winter Bride”
Ingar Hunskaar – organ on “Lay Me By The Shore”, sampler and muted piano on “The Fall”


Label: Glitterhouse Records


Erscheinungsdatum: 2015


Stil: Slow Core, ArtPop


Trackliste:

1. New York (5:12)
2. The Fall (5:26)
3. Solid Dirt (4:38)
4. Lamentation (4:02)
5. Winter Bride (5:55)
6. The Weight Of Spring (6:03)
7. The Hours (4:31)
8. Lantern (5:10)
9. Love, Lay Me Blind (3:06)
10. Lay Me By The Shore (4:59)
11. Mother (5:11)
12. Spring (6:50)

Gesamtspieldauer: 1:01:09




Wenn mich jemand fragen würde, was das ruhigste Album ist, welches ich kenne, dann würde „The Weight Of Spring“ von The White Birch definitiv mit in der Verlosung landen. The White Birch, das ist inzwischen nur noch Ola Fløttum, der im Alleingang, zehn Jahre nachdem das ursprüngliche Trio „The White Birch“ seine letzte Platte veröffentlicht hat und sich anschließend auflöste, mit „The Wheight Of Spring“ das vierte Studioalbum der Band im Jahr 2015 veröffentlichte.

Welch sanfte und ruhige Musik das ist, die der Norweger hier geschaffen hat. Ganz leise, alles nur hauchzart instrumentiert, immer sehr melodiös und eingängig, scheint diese Musik manches Mal überhaupt nicht von diesem Planeten zu kommen, sondern irgendwo, ganz fern in den Wolken zu entspringen und seinen Weg hinab auf die Erde zu suchen. Das Besondere daran ist, dass man aus diesen Stücken selbst mit dem Lautstärkeregler kaum „laute Musik“ zu schaffen imstande ist, so zurückhaltend klingt das Ganze. Die Lieder von The White Birch auf „The Weight Of Spring“ hören sich melancholisch, sentimental, manchmal auch traurig und sehr, sehr sehnsüchtig an. Ola Fløttum singt dazu meist mit einer überaus zerbrechlich wirkenden Stimme, die immer eine gewisse Nachdenklichkeit transportiert.

Mal ist es das Piano, mal die Gitarre, mal ein Streichinstrument, welches die Begleitung des Gesangs übernimmt. Obwohl so zart, wirkt die Musik gerade wegen ihrer „Stille“ beeindruckend und natürlich bewegend. Selbst ausgesprochene Rock-Fans dürften mit „The Weight Of Spring“ sicherlich keine Schwierigkeiten bekommen, da die Musik niemals flach, kitschig oder schmalzig wirkt. Auch sind die Titel keineswegs langweilig, eher sehr intensiv in ihrer Zurückhaltung, sodass die Scheibe geradezu dazu einlädt, alles von sich zu werfen und in diesen Klängen aufzugehen.

Fazit: „The Weight Of Spring“ von The White Birch, also der „weißen Birke“, ist vor allem für all jene Musikhörer interessant, die auch mal die Stille in der Musik zu schätzen wissen und solch eine Stimmung auch genießen können. Klar gibt es Alben mit sehr viel mehr Abwechslung, denn auf „The Weight Of Spring“ steht immer die Sanftheit der Klänge im Vordergrund. Sicherlich gibt es auch intensivere Sänger als jenen Ola Fløttum, der oftmals seine Worte nur zu hauchen scheint. Trotzdem überzeugt diese Platte mit all ihrer Konsequenz und Harmonie. Einfach ein schönes Album. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: New York, The Fall, Winter Bride



Donnerstag, 9. Juli 2015

Giant Sand – Heartbreak Pass




Giant Sand – Heartbreak Pass


Besetzung:

Howe Geld – sings, plays guitar, vocal effects, banjo, piano, tremolo rhodes


Gastmusiker:

Grant-Lee Phillips – backing vocals, slide guitar
Vinicio Capossela – recites
Thøger T. Lund – bass, rearrangement of dubs
John Parrish – drum kit, cymbal splash
Gabriel Sullivan – guitar, bass, drums, spanish guitar
Winston Watson – drums
Brian Lopez – backing vocals, spanish guitar
Lovely Quinces – sings
Steve Shelley – drums
Antonio Gramentieri – rhythm guitar
Francesco Giampaoli – bass
Diego Sapignoli – percussion
Jason Lytle – keyboards, guitar, drums, backing vocals, synthesizer
Maggie Björklund – pedal steel
Chris Schultz – keyboard thing
John Villa – trumpet
Nikolaj Heyman – wurlitzer piano, organ
Anders Pedersen – electric guitar
Peter Dombernowsky – drums
Dr. Chris Jakobsen – viola
Asger Christensen – violin
Voices Of Praise – gospel choir
Ilse Delange – sings
JB Meijers – dobro
Lonna Beth Kelley – sings
Talula Gelb – sings, guitar


Label: New West Records


Erscheinungsdatum: 2015


Stil: Alternative Country


Trackliste:

1. Heaventually (3:27)
2. Texting Feist (4:13)
3. Hurtin' Habit (3:01)
4. Transponder (3:30)
5. Song So Wrong (2:52)
6. Every Now And Then (3:21)
7. Man On A String (3:55)
8. Home Sweat Home (3:34)
9. Eye Opening (2:57)
10. Pen To Paper (2:56)
11. Bitter Suite (2:21)
12. House In Order (3:27)
13. Gypsy Candle (4:29)
14. Done (3:39)
15. Forever And Always (1:48)

Gesamtspieldauer: 49:36




Giant Sand ist eigentlich gar keine richtige Band, eher ein Projekt des US-Amerikaners Howe Gelb aus Tucson, Arizona. Dieser hat unter der Überschrift „Giant Sand“ in den letzten dreißig Jahren 29 Alben veröffentlicht, wobei er die einzige feste Konstante im Line-Up der Band ist und sich praktisch auch alleine für die Kompositionen verantwortlich zeigt.

Die Musik kann man ganz gut unter dem Überbegriff „Alternative Country“ einordnen, auch wenn man immer wieder mal auf etwas „seltsame“ Synthesizer-Geräusche stößt, die so gar nicht zu diesem Musik-Genre passen wollen. Oftmals ist die Musik von Giant Sand auf „Heartbreak Pass“ ruhig gehalten, kann jedoch auch durchaus das Tempo anziehen und auch rocken. Die lange Liste der Musiker zeigt, dass die einzelnen Nummern häufig mit verschiedenen Besetzungen eingespielt wurden. Das merkt beziehungsweise hört man allerdings auch leider der Musik an, die etwas zerrissen, so gar nicht so einheitlich wirkt, obwohl sie allesamt aus der Feder des Howe Gelb stammt.

Mitunter klingt es auch sehr Country-mäßig, was für ein mitteleuropäisches Ohr durchaus gewöhnungsbedürftig ist. Andere Nummern sind nicht gleich und sofort zugänglich, da benötigt man dann schon ein paar Durchläufe mehr, um mit diesen Titeln „warm“ zu werden. Übermäßig eingängig ist die Scheibe definitiv nicht, dazu fehlt auch manchmal ein wenig der berühmte „rote Faden“, der sich eben nicht unbedingt durch das ganze Album zieht.

Aber es gibt sie durchaus, die schönen Momente auf „Heartbreak Pass“. Drei Beispiele hierfür sind die Nummern „Eye Opening“, „House In Order“ und „Gypsy Candle“. Erster Titel ist ein sehr gefühlvolles Lied, bestehend aus Gesang und akustischer Gitarre, wobei die nachdenkliche bis melancholische Stimmung noch durch Streicher unterstrichen wird. „House In Order“ ist ebenfalls eine Nummer, in der die akustische Gitarre und der Gesang im Vordergrund stehen – wie übrigens bei den allermeisten Titeln auf diesem 2015 veröffentlichten Album – doch ist hier die Grundausrichtung der Musik etwas treibender, auch wenn bei diesem Lied ebenfalls wieder unter anderem die Streicher ihren Einsatz bekommen. „Gypsy Candle“, die längste Nummer der Platte, wirkt sehr getragen und unterscheidet sich dahingehend, dass es dieses Mal das Piano ist, welches das beherrschende Instrument darstellt. Dazu gesellt sich der abwechselnde Gesang des Howe Gelb und der sehr zerbrechlich wirkende der Lonna Beth Kelley, was dem Titel noch zusätzliche Ausdruckskraft verleiht. Natürlich dürfen auch hier die Streicher nicht fehlen – nun, vielleicht habe ich da doch noch einen roten Faden gefunden…

Fazit: „Heartbreak Pass“ von Giant Sand überzeugt nicht durchgängig, jedoch mit manchen Titeln wiederum sehr. Klingt das Ganze zu sehr nach Country, steige ich zumindest aus. Auch ist nicht jeder Titel sofort eingängig, manche werden es auch nie, auch nicht nach dem zwanzigsten Mal des Hörens. Trotzdem ist „Heartbreak Pass“ eine interessante Scheibe geworden. Allerdings ganz sicher eine für die ruhigen Momente des Lebens. Eine Platte zum Abschalten vom Alltag, die in Ruhe gehört und genossen werden möchte. Neun Punkte.

Anspieltipps: Eye Opening, House In Order, Gypsy Candle



Mittwoch, 8. Juli 2015

Sweet Smoke – Just A Poke




Sweet Smoke – Just A Poke


Besetzung:

Andrew Dershin – bass
Jay Dorfman – drums and percussion
Marvin Kaminowitz – lead guitar, vocals
Michael Paris – tenor sax, alto recorder, vocals, percussion
Steve Rosenstein – rhythm guitar, vocals


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1970


Stil: Jazz Rock


Trackliste:

1. Baby Night (16:24)
2. Silly Sally (16:22)

Gesamtspieldauer: 33:08




Sweet Smoke waren eine amerikanische Band, die allerdings 1969 nach Deutschland, nahe der holländischen Grenze übersiedelte und 1970 ihr Debut-Album mit dem Titel „Just A Poke“ aufnahm und veröffentlichte. Mit dem Bandnamen „Sweet Smoke“ und dem dazu passenden Cover wird natürlich eine klare Aussage getroffen und die Scheibe war überaus beliebt in der damaligen Hippie-Szene und bei Freunden, denen Alternativen zum Tabak eine stets willkommene und rauchende Abwechslung darstellten.

Auf „Just A Poke“ hört man lediglich zwei Titel, die unter der Überschrift Jazz-Rock mit einer Prise Funk sowie Progressive Rock einzuordnen sind. Sehr Rhythmus-lastig gehalten, sind es allerdings überhaupt die Instrumentalpassagen, die im Vordergrund der Musik stehen. Werden im ersten Track „Baby Night“ phasenweise noch die Doors mit „The Soft Parade“ gecovert, so steht in der Mitte des zweiten Tracks, „Silly Sally“, ein wirklich ellenlanges Schlagzeugsolo im Vordergrund, welches man so auf einem Studio-Album auch nur selten zu hören bekommt. Dieses ist auch durchaus gelungen, bis es dann in einen Latin-Teil übergeht, der nun nicht mehr unbedingt hätte sein müssen und wie ein kleiner Fremdkörper auf der Scheibe wirkt. Dann jedoch nimmt auch dieser Titel wieder Fahrt auf und es folgt erneut ein Jazz-Progressive-Rock-Abschnitt, mit einem tollen und sehr überzeugenden Saxophon-Solo. Da macht die Musik von Sweet Smoke dann schon wieder deutlich mehr Spaß.

Fazit: Wer mal das Hippie-Flair Anfang der 70er Jahre antesten möchte, der oder dem sei „Just A Poke“ von Sweet Smoke allerwärmstens empfohlen. Die Musik ist nicht zu ausgeflippt, geht durchaus ins Ohr und groovt unwahrscheinlich. Flöten- und Saxophon-Klänge wechseln sich ab, alles klingt, wenn auch vielleicht nicht gleich beim ersten Hören. Es sind vor allem die langen Instrumentalpassagen, die die Atmosphäre der Platte bestimmen und den meisten Eindruck hinterlassen. Bewusstseinserweiterndes Rauchwerk benötigt man noch nicht einmal, um bei dieser Musik in andere Sphären vorzudringen. Einfach Kopfhörer auf, gemütlich auf dem Sofa oder im Bett, Augen schließen und abwarten, was passiert. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Beide Nummern



(Da in Deutschland alle YouTube-Videos der Studioalben von Sweet Smoke durch die GEMA verboten sind, in allen anderen Ländern übrigens jedoch frei verfügbar, musste ich hier auf eine Improvisation von Sweet Smoke zurückgreifen, die so allerdings nicht auf der Platte zu hören ist.)

Dienstag, 7. Juli 2015

Peter Hammill – Sitting Targets




Peter Hammill – Sitting Targets


Besetzung:

Peter Hammill – vocals, guitar, keyboards


Gastmusiker:

Guy Evans – drums
David Jackson – saxophone, flute
Morris Pert – percussion
Phil Harrison – synthesizers


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1981


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Breakthrough (3:57)
2. My Experience (3:15)
3. Ophelia (3:15)
4. Empress's Clothes (4:03)
5. Glue (3:40)
6. Hesitation (4:07)
7. Sitting Targets (5:22)
8. Stranger Still (4:54)
9. Sign (3:45)
10. What I Did (3:39)
11. Central Hotel (4:41)

Gesamtspieldauer: 44:20




Irgendwie nicht ganz zum Punkt kommen, will das zehnte Peter Hammill Solo-Album aus dem Jahr 1981 mit dem Titel „Sitting Targets“. Waren die Alben der Jahre zuvor noch überaus überzeugend, da angefüllt, neben progressiven Elementen, mit sehr eingängigen und melodiösen Titeln, so fehlt es auf „Sitting Targets“ irgendwie an Beidem. Das Experimentelle, das nach vorne preschende Momentum in der Musik des Peter Hammill, fehlt hier ebenso ein wenig, wie die Titel, welche angefüllt sind mit Harmonien, die einem als Hörerin beziehungsweise Hörer in Erinnerung bleiben und immer wieder in den Bann zu ziehen verstehen.

Für „Sitting Targets“ benötigt man deutlich mehr Durchläufe der Scheibe, um mit ihr „warm“ zu werden, als mit allen anderen, der bis zu diesem Zeitpunkt von Peter Hammill veröffentlichten Platten. Die Musik wirkt roher, rauer und ungeschliffener. Natürlich ist das beherrschende Element wieder einmal der sehr ausdrucksstarke und auch wieder überzeugende Gesang des Peter Hammill. Das richtige „Wohlfühlgefühl“ will dieses Mal allerdings trotzdem nicht eintreten, obwohl, nachdem auf den letzten Alben lediglich Peter Jackson von Van Der Graaf Generator an der Fertigstellung mit beteiligt war, dieses Mal auch Guy Evans von seiner alten Band mit von der Partie ist.

Nun, herauszuheben sind da lediglich zwei Nummern, die wirklich überzeugen können. Zum einen ist das der Titeltrack, „Sitting Targets“, eine sehr rockige Nummer, treibend und fordernd. Einige Male des Anhörens benötigt man hier allerdings schon, bis dieses Lied so richtig durchstartet. Dann jedoch klingt es immer überzeugender. Beim nachfolgenden „Stranger Still“ ist das etwas anders. Ruhig und sanft geht diese Nummer ausnahmsweise auf „Sitting Targets“ sofort ins Ohr. Ein ruhiger, gefühlvoller Titel, der vom Piano und dem Gesang des Peter Hammill getragen wird. Wahrlich gelungen.

Fazit: „Sitting Targets“ ist keine schlechte Platte geworden, allerdings auch nicht die überzeugendste des Peter Hammill. Die Ideen auf den vorherigen Alben wirkten irgendwie interessanter und durchaus auch gelungener. Immer wieder klingt es mal an, das Gefühl des Peter Hammill für den tollen Song, der begeistert – allerdings passiert dies leider längst nicht immer. Acht Punkte.

Anspieltipps: Sitting Targets, Stranger Still



Montag, 6. Juli 2015

Rome – Flowers From Exile




Rome – Flowers From Exile


Besetzung:

Jerome Reuter – guitars and vocals
Patrick Damiani – guitars, cello, bass, drums and keyboards
Nicos Mavridis – violin


Gastmusiker:

Nestor Crespo – spoken words
Marc Limpach – spoken words
Rupert Kraushofer – spoken words
Doru Atomei – spoken words
Andreea Wade – spoken words
Joseph Colazzo – spoken words


Label: Trisol


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: ArtPop


Trackliste:

I. Reiseherrschaft
    1. To A Generation Of Destroyers (1:48)
    2. The Accidents Of Gesture (5:10)
    3. Odessa (4:37)
    4. The Secret Sons Of Europe (3:13)
II. Besitzbegrenzung
    5. The Hollow Self (1:58)
    6. A Legacy Of Unrest (4:51)
    7. To Die Among Strangers (4:02)
III. Ruheverbot
    8. A Culture Of Fragments (1:09)
    9. We Who Fell In Love With The Sea (4:13)
    10. Swords To Rust - Hearts To Dust (3:53)
IV. Verzicht
    11. Flowers From Exile (3:12)
    12. Flight In Formation (5:36)

Gesamtspieldauer: 43:49




Nach holländischen und belgischen Bands, kommt jetzt eine Formation aus Luxemburg hier auf diesen Seiten zum Zuge, damit die BeNeLux-Länder nun auch vollständig abgebildet sind... Und was für eine Band das ist, diese drei Musiker, die sich Rome nennen und von denen Sänger und Gitarrist Jerome Reuter sich für die Kompositionen auszeichnet. NeoFolk machen sie, diese Luxemburger, ist es auch durchaus noch ein wenig, auf ihrem vierten Album „Flowers From Exile“ aus dem Jahr 2009. Allerdings lässt sich die Musik für mich auch durchaus mit dem Genre ArtPop umschreiben, einer der sehr beeindruckenden Form dieses Genres, den Rome hier ihren Hörern präsentieren.

Über allem steht dabei der tiefe und sonore Gesang des Jerome Reuter, durchaus eine Stimme mit hohem Wiedererkennungswert. Tief und voll und völlig unaufgeregt erzählt er hier seine Geschichten, die absolut überzeugend musikalisch untermalt sind. Die Platte beginnt mit Meeresrauschen und endet ebenso. Dazwischen befinden sich zwölf sehr überzeugende Nummern, die ihrerseits nochmals unter vier verschiedenen Überschriften angeordnet wurden: „Reiseherrschaft“. „Besitzbegrenzung“, „Ruheverbot“ und „Verzicht“ heißen diese. Und in diesen zwölf Nummern gibt es einiges zu entdecken. Etwas experimentell angehauchte Klangpassagen, in denen seltsame bis mystische Atmosphären transportiert werden. Untermalt werden diese Stimmungen oftmals noch durch eingesprochene Texte, die diese Stimmungen durchaus vertiefen. Dabei gibt es ganz verschiedene Sprachen zu hören, Rome empfinden sich ganz eindeutig als Europäer. Gesungen wird zwar auf Englisch, die gesprochenen Texte gibt es jedoch auf Russisch, Deutsch, Spanisch, Italienisch…

Allerdings ist das nur ein kleiner Teil auf „Flowers From Exile“. Den weitaus größeren Anteil machen Lieder aus, die sofort beim ersten Hören ins Ohr gehen. Angefüllt von Melodiösität ist dies eine Platte, die es schafft die Hörerin beziehungsweise den Hörer gleich mit dem ersten Hören der Scheibe völlig in den Bann zu ziehen. Absolut überzeugend von der Melodieführung her, vom Arrangement, der Instrumentenauswahl, dem Gesang und auch dem Hintergrundgesang. Nichts wurde hier dem Zufall überlassen, alles wirkt wohl überdacht, ganz fein abgestimmt, ohne dabei jedoch konstruiert zu klingen. Es ist immer wieder begeisternd, etwas Neues in der Musik für sich zu entdecken und mitunter kann das wahrlich auch begeisternd sein.

Fazit: Eine wunderschöne Platte ist „Flowers From Exile“ von Rome geworden. Völlig unaufgeregt wird man hier als audiophiler Konsument mit den schönsten Melodien überschüttet, die sofort ins Ohr gehen und sich dort auch festsetzen. Dazwischen gibt es immer wieder mal kleine Auszeiten in Form von experimentellen Soundkollagen, die allerdings keinesfalls störend wirken. Wahrlich tolle Musik und sicherlich eine der besten Platten des Jahres 2009. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: A Legacy Of Unrest, Swords To Rust - Hearts To Dust