Mittwoch, 18. April 2012

Randy Newman – Randy Newman





Randy Newman – Randy Newman


Besetzung:

Randy Newman und andere…


Label: Warner Music Group


Erscheinungsdatum: 1968


Stil: Blues bis orchestrale Filmmusik


Trackliste:

1. Love Story (You And Me) (3:23)
2. Bet No One Ever Hurt This Bad (2:07)
3. Living Without You (2:24)
4. So Long Dad (2:14)
5. I Think He's Hiding (3:08)
6. Linda (2:29)
7. Laughing Boy (2:00)
8. Cowboy (2:41)
9. The Beehive State (1:52)
10. I Think It's Going To Rain Today (3:01)
11. Davy The Fat Boy (2:47)




Kurz „Randy Newman“ oder aber etwas ausführlicher „Randy Newman Creates Something New Under The Sun“ heißt das Debut des amerikanischen Sängers und Songwriters. Den Durchbruch stellte diese Platte für Randy Newman allerdings noch nicht dar. Nachdem er zuvor als Songschreiber unter anderem für Gene Pitney und Manfred Mann tätig war, floppte seine erste Veröffentlichung unter seinem eigenen Namen. Die Platte war zunächst sogar so unerfolgreich, dass die ursprüngliche Plattenfirma, „Reprise Records“, diese tatsächlich verschenkte. Angeblich lag das an der „näselnden“ Stimme des Sängers.

Wie der Untertitel schon erzählt „….Creates Something New Under The Sun“, so ist auf der Platte wirklich Musik zu hören, die nicht unbedingt laufend in den amerikanischen Charts der damaligen Zeit zu hören war. Wenn man zum Beispiel „Love Story (You And Me)“ hört, dann könnte dieses Lied auch aus einem Film beziehungsweise von einem Soundtrack stammen. Und das liegt nicht nur an der Instrumentierung mittels eines Orchesters. Es kling wie aus einem Film mit Doris Day oder einem Musical. Szenen erklärend, untermalend, begleitend - irgendwie wie, ja Filmmusik. Gar nicht mal so überraschend, da mehrere Onkels von Randy Newman Filmmusik schrieben und auch sein Vater, ein Arzt, im Komponieren seinen Ausgleich fand.

Nun, aber begeistern kann die Musik in ihrer Machart allerdings wirklich nicht richtig. Das liegt aber nicht am Gesang. Das Lied „Love Story (You And Me)“ lebt von der Strophe, ist sehr getragen und mit seinen Streichereinsätzen irgendwie auch ein wenig schmalzig. Und dann wirkt es ein bisschen zusammengestückelt. Nun, begeisternde Musik klingt anders. Der zweite Titel „Bet No One Ever Hurt This Bad” stellt dabei auch keine Steigerung dar. Eher im Gegenteil, hier wird es jetzt richtig langweilig. Nach Filmmusik klingt es hier aber auch nicht mehr, sehr viel eher nach einem Folk-Blues-Rock-Stück.

Doch es gibt auch ganz tolle Lieder auf dem Album. Gleich der dritte Track des Albums verkörpert hier einen Höhepunkt: „Living Without You“ ist eingängig, packend und geht einem nach mehrmaligem Hören nicht mehr aus dem Kopf. Eine richtig schöne, sanfte Melodie liegt diesem Track zu Grunde und hier akzentuiert Randy Newman seinen Gesang klasse. Weiter geht es mit „So Long Dad“, fast schon einem Kammermusikstück mit Anleihen zur amerikanischen Filmmusik der 40er und 50er Jahre. Überraschend dabei nur, wie überraschend das Stück ausgeblendet wird.

“I Think He's Hiding”, das mit 3:08 Minuten Dauer zweitlängste Stück der Platte beziehungsweise CD, klingt dagegen ein wenig zäh. Da sucht man zuerst vergeblich die eingängige Melodie und wenn sie dann zu erscheinen scheint, ist sie auch gleich wieder Geschichte. Auch hier wirken die Breaks wieder wie gesetzte Spannungspunkte eines Films. Irgendwie konstruiert und nicht überzeugend, dazu tragen ebenfalls die hierin enthaltenen Ragtime-Elemente bei. Im Genre „Filmmusik“ bewegt man sich auch wieder bei „Linda“. Bei diesem Lied hört man erneut Abschnitte mit orchestraler Filmmusik, aber auch diese Nummer wirkt ein wenig zusammengestückelt.

Deutlich schlechter wird es dann noch bei „Laughing Boy“. Ein Track, der wieder sehr an ein Filmmusikstück (ich weiß, ich wiederhole mich) erinnert, welcher im Refrain grooven soll, aber mit diesem „Da-da-da-da-da-da-daaaaa“ und dem Big Band Sound nur irgendwie nervig klingt. „Cowboy” ist erneut Filmmusik und sehr getragen. Dies wird transportiert durch die orchestrale Instrumentierung. Die Streicher können sich hier ausleben, Flöten erklingen, alles ist melancholisch und sentimental. Wahrlich kein Lied, welches im Radio gespielt werden würde, was natürlich nichts über dessen Qualität aussagt. Interessant und nicht schlecht, aber auch nicht begeisternd.

Mit „The Beehive State“ folgt dann mal wieder ein Song, der nicht zwangsläufig dem Filmgenre zuzuordnen ist. Das Lied ist eine groovende Nummer, die leider, mit weniger als zwei Minuten Dauer, ein bisschen zu kurz geraten ist. Anschließend wird es wieder sehr getragen. „I Think It's Going To Rain Today” drückt genau das aus, was auch schon der Titel sagt: „Mein Gott, es ist absolut schlechtes Wetter draußen und ich habe keine Lust auf gar nichts.“ Wenn dann auch noch die Streicher einsetzen, dann ist jede gute Laune zerstört und man befindet sich gedanklich in einem sehr traurigen Film mit viel Regen, viel Leid und vielen, meist wohl „sehr“ toten, zumindest aber sehr depressiven Menschen. Traurige Stimmung par excellence.

Und schließlich folgt mit „Davy The Fat Boy“ der Trauermarsch. Zumindest zu Beginn. Dann versucht Randy Newman, die Musik an die gesungenen Wörter anzugleichen und die Stimmung in Musik umzusetzen. Das wirkt zumindest interessant, wenn auch wieder durch die orchestrale Instrumentierung ein wenig nach Filmmusik. Und auch hier wird das Lied wieder völlig überraschend ausgeblendet. Warum nur?

Fazit: Das Debut von Randy Newman hat nichts mit Pop-Musik zu tun, die zeitlich gesehen ebenfalls Ende der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts entstanden ist. Filmmusikfreaks werden hier ihren Spaß haben, auch wenn sich auf diesem Album kein Soundtrack befindet, jedenfalls nicht aus einem speziellen Film. Aber genau das schafft die Musik, Assoziationen zu Filmen der 50er und 60er Jahre aufkommen zu lassen. Von daher mag das Ganze interessant sein, da es anders ist als die weitere Musik dieser Zeit. Aber einen zu packen, dass schafft sie leider auch nicht, diese Musik Randy Newmans. Die paar, wenigen Höhepunkte können da den Gesamteindruck auch nicht retten. Von daher - sechs Punkte.

Anspieltipps: Love Story (You And Me), Living Without You, The Beehive State, Davy The Fat Boy



Dienstag, 17. April 2012

Pink Floyd – The Wall





Pink Floyd – The Wall


Besetzung:

Roger Waters – bass guitar, guitar, vocals
David Gilmour – guitar, vocals
Richard Wright – keyboards, vocals
Nick Mason – drums


Gastmusiker:

Bruce Johnston, Tony Tennille, Joe Chemay, John Joyce, Stan Farber, Jim Maas, Islington Green School – backing vocals
Michael Kamen, Bob Ezrin – orchestral arrangement


Label: EMI


Erscheinungsdatum: November 1979 / 1994 / 2011


Stil: ArtRock, Melodic Rock


Trackliste:


CD1:

1. In The Flesh? (3:20)
2. The Thin Ice (2:30)
3. Another Brick In The Wall, Part 1 (3:10)
4. The Happiest Days Of Our Lives (1:50)
5. Another Brick In The Wall, Part 2 (3:59)
6. Mother (5:34)
7. Goodbye Blue Sky (2:48)
8. Empty Spaces (2:08)
9. Young Lust (3:31)
10. One Of My Turns (3:37)
11. Don't Leave Me Now (4:16)
12. Another Brick In The Wall, Part 3 (1:15)
13. Goodbye Cruel World (1:14)


CD2:

1. Hey You (4:42)
2. Is There Anybody Out There? (2:40)
3. Nobody Home (3:25)
4. Vera (1:33)
5. Bring The Boys Back Home (1:27)
6. Comfortably Numb (6:22)
7. The Show Must Go On (1:36)
8. In The Flesh (4:17)
9. Run Like Hell (4:24)
10. Waiting For The Worms (3:58)
11. Stop (0:30)
12. The Trial (5:20)
13. Outside The Wall (1:43)




Klar ist, dass Pink Floyd an diesem Album zerbrochen ist. Richard Wright wurde von Roger Waters aus der Band gemobbt und war auf den anschließenden Konzerten Pink Floyds zu „The Wall“ nur noch Gastmusiker - bis er anschließend die Band vollständig verließ und erst zurückkehrte, als Roger Waters seinerseits kein Mitglied Pink Floyds mehr war. Hier, bei „The Wall“ hatte Roger Waters allerdings noch das Zepter in der Hand. Hier stand dieser nun fast alleine im Vordergrund, schrieb alle Texte und war bis auf vier Ausnahmen („Young Lust“, „Comfortably Numb“ und „Run Like Hell“ zusammen mit Gilmour, „The Trial“ in Co-Produktion mit Bob Ezrin) der alleinige Komponist der Stücke. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass viele Musikhörer dieses Album eher als ein Roger Waters Solo Album ansehen, als eine Gemeinschaftsproduktion der vier britischen Musiker. Die Namen „Nick Mason“ und „Richard Wright“ sucht man übrigens auf der ersten LP-Veröffentlichung des Albums vergeblich. Da ist zwar noch von „Pink Floyd Music“ die Rede, wer das allerdings ist, das wird nicht mehr detailliert erwähnt. Der Name „Roger Waters“ taucht dagegen mehrfach und immer wieder auf.

Die einen lieben dieses Album, halten es für einen Meilenstein in der Geschichte der Rockmusik, für einen der größten Klassiker dieses Genres. Für die anderen war es der Untergang Pink Floyds, nach dem sie nie wieder so werden sollten, wie sie auf “The Dark Side Of The Moon”, “Wish You Were Here” und “Animals” waren. Und auch ich finde, dass „The Wall“ zumindest nicht an „Wish You Were Here“ und „Animals“ heranreicht, genauso wenig wie an „Meddle“ oder „Atom Heart Mother“. Das hat zum einen musikalische Gründe, denn auf „The Wall“ finden sich einige Titel, die man eher unter der Rubrik „ganz nett“ als unter „klasse“ ablegen würde. Des Weiteren ist auch der Inhalt, das Aufarbeiten irgendwelcher jugendlicher Traumata aus Roger Waters Kindertagen, nicht unbedingt das packenste Thema. Allerdings – und hier fängt das Pendel nun an in die positive Richtung auszuschlagen – ist die Umsetzung dieser Thematik perfekt gelungen, was bei den Songtexten Roger Waters‘ auch nicht weiter verwunderlich ist. Das kann er überragend.

Und was Roger Waters hier auf „The Wall“ noch beweist ist die Tatsache, dass er Melodien schreiben kann. Melodien für Lieder, die einen einhüllen, in denen man aufgehen kann, die einem schmeicheln, die einen packen können, die einen emporheben, um einen an anderer Stelle wieder ganz sanft abzusetzen. Zwar gelingt ihm dies hier nicht mit bei jeder Nummer, aber einige absolute Perlen wie „Hey You“, „Is There Anybody Out There?“, „Good Bye Blue Sky“ oder etwa „Comfortably Numb“ würden auch jedes andere Album bereichern. Dazu gesellt sich noch die Hymne der später 70er, frühen 80er Jahre. „Another Brick In The Wall, Part 2“. Ein Stück, das so ziemlich jeder kennt, der ab und zu Musik hört. Ein Lied, welches meine Kinder auch heute noch, über dreißig Jahre nach seiner Veröffentlichung, cool finden. Ein Titel, der für eine bestimmte Epoche des letzten Jahrhunderts steht und diesen Platz auch nicht mehr verlassen wird.

Richtig schwach ist eigentlich nur das unglaublich zähe „Don’t Leave Me Now“, bei dem Roger Waters‘ Gesang das Lied in einem noch schlechteren Licht erscheinen lässt. Interessant wie ungewöhnlich sind dagegen wieder das orchestrale „Bring The Boys Back Home“ oder das, schon sehr in Richtung Oper gehende, „The Trial“. Die restlichen Stücke haben alle was. Sie sind sicher keine Meilensteine im Liederkatalog der Band, aber sie erzeugen auch diese Stimmung, die dem ganzen Album zugrunde liegt und der man sich auch nicht vollends entziehen kann.

Fazit: „The Wall“ ist mit über 30 Millionen Tonträgern das zweiterfolgreichste Album Pink Floyds. Es reicht von seiner musikalischen Klasse trotzdem nicht an manch andere Veröffentlichung Pink Floyds heran. Aber es ist beileibe auch kein schlechtes Album, dafür tummeln sich viel zu viele gute, zum Teil sogar beeindruckend gute Lieder darauf. Ich glaube auch nicht, dass man mit „The Wall“ groß geworden sein muss, um Gefallen daran zu finden, denn die Musik besitzt Qualität und diese setzt sich bekanntlich durch – da spielt das Alter dann keine Rolle. „The Wall“ hat zwölf Punkte verdient.

Anspieltipps: Another Brick In The Wall, Part 1-3, The Show Must Go On, Hey You, Is There Anybody Out There?, Comfortably Numb, The Trial



Montag, 16. April 2012

The Byrds – Mr. Tambourine Man





The Byrds
– Mr. Tambourine Man



Besetzung:

Roger McGuinn – 12 string guitar, vocals
Gene Clark – tambourine, vocals
David Crosby – rhythm guitar, vocals
Chris Hillman – bass, vocals
Michael Clarke – drums


Label: Columbia Records


Erscheinungsdatum: 1965


Stil: Folk Rock


Trackliste:

1. Mr. Tambourine Man (2:34)
2. I'll Feel A Whole Lot Better (2:36)
3. Spanish Harlem Incident (2:01)
4. You Won't Have To Cry (2:12)
5. Here Without You (2:40)
6. The Bells Of Rhymney (3:35)
7. All I Really Want To Do (2:08)
8. I Knew I'd Want You (2:18)
9. It's No Use (2:28)
10. Don't Doubt Yourself, Babe (2:59)
11. Chimes Of Freedom (3:55)
12. We'll Meet Again (2:18)


Bonus Tracks:

13. She Has A Way (2:29)
14. I'll Feel A Whole Lot Better (Alternate Version) (2:32)
15. It's No Use (Alternate Version) (2:28)
16. You Won't Have To Cry (Alternate Version) (2:11)
17. All I Really Want To Do (Single Version) (2:07)
18. You And Me (Instrumental) (2:11)




Es ist schon eigenartig, wenn man heutzutage Musik aus der Mitte der 60er Jahre einlegt. Bald 50 Jahre haben diese Scheiben auf dem Buckel. Und ganz klar das hört man. Da ist es auch völlig egal, für welche Band man sich gerade entschieden hat. Irgendwann Ende der 60er Jahre hat dann allerdings eine Entwicklung eingesetzt, die Musik zeitloser machte. Und spätestens mit den 70er Jahren entstanden schließlich auch Alben, denen man noch nicht einmal heute mehr unbedingt anhören kann, dass sie schon vor so vielen Jahrzehnten komponiert, getextet und aufgenommen wurden.

Nun, bei „Mr. Tambourine Man“, dem Erstlingswerk der amerikanischen Formation „The Byrds“ aus dem Jahr 1965, hört man es der Musik, auf der remasterten Version jedoch nicht mal unbedingt dem Sound an, dass sich hier, zeitlich gesehen, bereits „historische“ Musik den Weg zum Ohr bahnt. Und dieser Sound der Byrds Mitte der 60er kann sich durchaus mit dem der Beatles aus England zur selben Zeit vergleichen. Oftmals hört man hier Parallelen, auch wenn den Byrds diese Vielzahl an unglaublichen Ohrwürmern, die von den Beatles auch schon in dieser Zeit fließbandmäßig produziert wurden, abgeht.

Aber auch diese gibt es. Da ist zum Beispiel der Titeltrack, „Mr. Tambourine Man“, geschrieben von Bob Dylan. Ein tolles Stück, welches sofort ins Ohr geht und dort verbleibt. Hier passt wohl auch der Stempel „Evergreen“. Und auch die zweite Nummer des Albums, „I'll Feel A Whole Lot Better“, von Gene Clark komponiert, fällt in diese Kategorie. Schöne und eingängige Melodie, sanfter und doch treibender Rhythmus und ein hoher Wiedererkennungsfaktor.

Und damit wären sie auch schon erwähnt, die beiden Hauptkomponisten des ersten Albums. Denn Bob Dylan steuerte noch drei weitere, der ursprünglich 12 Titel umfassenden Platte bei. Gene Clark war noch an vier weiteren Kompositionen beteiligt. Zweimal dabei in Verbindung mit Roger McGuinn. Die restlichen drei Stücke sind Cover-Versionen verschiedener Autoren, unter anderem Pete Seeger.

Auf der Platte befindet sich kaum ein Titel, der länger als etwas über zwei Minuten läuft und so bekommt der geneigte Musikhörer auf „Mr. Tambourine Man“ zwölf kurze und immer eingängige Folk-Songs präsentiert, die nicht aufregen, manchmal gefallen können, oftmals aber auch einfach so vorbeiziehen. Und das passiert leider bereits ab dem dritten Titel. Alles ganz nett, aber heute auch nicht mehr besonders erwähnenswert. Der Sound der Band selbst, sollte hier allerdings doch noch etwas hervorgehoben werden. Geprägt durch McGuinns zwölf-saitige Rickenbacker-Gitarre und diesen, überaus harmonischen, melodiösen und mehrstimmigen Gesang, haben vielleicht nicht alle Titel des Albums, die Byrds selbst jedoch, einen hohen Wiedererkennungswert.

Fazit: Wie schon erwähnt, man hört dem Album das Alter an. Wer allerdings auf melodiösen Folk-Rock steht, der wird auch an diesem Album seinen Spaß haben. Auf „Mr. Tambourine Man“ befinden sich Klassiker der Byrds und des ganzen Genres. Der Sound der Band ist zudem unverwechselbar, sodass sich hier ein Ohr zu riskieren durchaus lohnen kann - wenn man mit der Musik Mitte der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts etwas anzufangen weiß. Ich empfinde das Album nicht als „Meilenstein“, kann es mir aber durchaus auch gerne und interessiert anhören. Nur diese Patina, die stört doch irgendwie. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Mr. Tambourine Man, I'll Feel A Whole Lot Better, Here Without You, All I Really Want To Do, I Knew I'd Want You, Chimes Of Freedom



Sonntag, 15. April 2012

Marillion – Clutching At Straws





Marillion – Clutching At Straws


Besetzung:

Fish – vocals
Steve Rothery – guitar
Pete Trewavas – bass
Mark Kelly – keyboards
Ian Mosley – drums


Gastmusiker:

Tessa Niles – backing vocals “Warm Wet Circles” & “The Last Straw”
Christopher “Robin” Kimsey – backing vocals “Incommunicado”


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1987


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Hotel Hobbies (3:35)
2. Warm Wet Circles (4:26)
3. That Time Of The Night (The Short Straw) (6:01)
4. Going Under (2:48)
5. Just For The Record (3:09)
6. White Russian (6:28)
7. Incommunicado (5:17)
8. Torch Song (4:05)
9. Slàinthe Mhath (4:45)
10. Sugar Mice (5:47)
11. The Last Straw (I. Happy Ending) (5:59)




“Clutching At Straws“ aus dem Jahr 1987 war die vierte und gleichzeitig letzte Veröffentlichung, bei der Fish ein Teil der Band Marillion war. Und was sich auf dem Vorgängeralbum bereits abzeichnete, diese Entwicklung wurde hier fortgesetzt: Marillion entfernen sich immer mehr vom progressiven Rock, hin zum Mainstream.

Schade, sehr schade, denn, dass sie es eigentlich noch draufhätten, dies bekommt der Hörer gleich im ersten Song „Hotel Hobbies“ zu hören. Eine richtig gute und abwechslungsreiche Nummer bekommt man da serviert. Jede Menge Ideen werden einem kredenzt, die in schönen Melodien verpackt sind. Das Lied klingt irgendwie „verschachtelt“ und durchaus auch noch progressiv.

„Warm Wet Circles“, der nächste Track, ist dann eine ruhige und eingängige Nummer, die allerdings nichts Besonders darstellt. Das Lied fließt eben so dahin, bis es sein Ende erreicht hat und dann in den nächsten Titel „That Time Of The Night (The Short Straw)“ übergeht. Und gleiches gilt auch für diesen Song. Man hört sphärische Gitarren unterlegt von einem entsprechenden Keyboardteppich, ganz nett, packend ist allerdings etwas anderes. „Going Under“, das vierte Lied des Albums, macht es da leider ebenfalls nicht viel besser. Vielleicht liegt es an der Stimmung dieser drei Lieder, die bei allen drei Nummern ziemlich ähnlich ist, dass hier fast schon so ein Gefühl wie Langeweile aufkommt.

Etwas flotter wird es schließlich bei „Just For The Record“. Das war es dann allerdings auch. Überzeugen kann auch diese Nummer nicht, man ist von Marillion Spannenderes und Interessanteres gewohnt. Mit „White Russian“ wird es anschließend jedoch endlich wieder deutlich besser. Das Lied beginnt zwar ebenfalls langsam, nimmt im weiteren Verlauf aber Fahrt auf und entwickelt sich zu einer tollen und treibenden Nummer. Dazu noch diese schöne Melodie und fertig ist ein Highlight auf „Clutching At Straws“, welches auch auf den früheren Platten der Band einen Höhepunkt dargestellt hätte.

„Incommunicado“, im Anschluss daran, ist ebenfalls wieder eine schnellere Nummer. So zu begeistern wie der Vorgänger schafft es dieses Lied allerdings nicht. Sowohl Gitarre wie auch Keyboard können hier mit schönen und schnellen Soli glänzen, was das Lied zu einem grundsoliden Rocksong werden lässt. Mit dem „Torch Song“ wird es dann wieder ruhiger und getragener. Leider fehlt hier aber die Melodie, die einen packt und mitreißt, die es auf den ersten beiden Scheiben der Band noch so häufig gegeben hatte. Aber diese „Melodie“, dieses packende Stück Musik, findet sich dann wieder ein wenig in „Slainthe Mhath“. Schön hier das herrlich schwebende Gitarrenspiel Steve Rotherys. Ein guter Song.

„Sugar Mice“, das vorletzte Lied des Albums klingt ein wenig so, als ob es aus anderen Marillion-Stücken zusammengesetzt worden wäre. Irgendwie meint man, dass man Teile des Liedes in anderen Stücken schon mal gehört hätte. Die Stimmung ist hier wieder ruhig und leider erneut ein wenig langweilig. Beendet wird das Album durch „The Last Straw (I. Happy Ending)”. Das Stück gehört wieder zu den besseren Nummern auf „Clutching At Straws“, was wohl nicht zuletzt an dem schönen Groove liegt, den der Song transportiert. Dazu noch die Abwechslung mit schnelleren und langsameren Parts und ein Gesangsduett von Fish mit Tessa Niles - wirklich gelungen. Und so könnte der Untertitel „Happy Ending“ bei diesem Titel auch „Good Ending“ heißen, denn das Lied stellt immerhin ein gutes Ende für das Album dar.

Fazit: Das ist nicht mehr Marillion wie auf den ersten beiden, bewegenden Platten der Band. Diese Klasse der Formation taucht hier auf „Clutching At Straws“ nur noch ab und zu auf. Die überraschenden, manchmal bombastischen und immer fesselnden Melodien und Arrangements findet man auf dem vierten Album der Band nur noch vereinzelt. Danach sollten sich auch die Wege von Fish und dem Rest der Band trennen. Sicherlich nicht deswegen, weil das Ergebnis des letzten Albums so katastrophal war, denn das ist es sicherlich nicht. Aber es ist eben nur mehr Durchschnitt, acht Punkte.

Anspieltipps: Hotel Hobbies, White Russian, Slainthe Mhath, The Last Straw (I. Happy Ending)



Samstag, 14. April 2012

Hawkwind – Hawkwind





Hawkwind – Hawkwind


Besetzung:

Dave Brock – vocals, six and twelve strings guitars, harmonica and percussion
John A. Harrison – bass guitar
Huw Lloyd – lead guitar
Terry Ollis – drums
Nik Turner – alto sax, vocals and percussion
Dikmik – electronics


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1970 / 2001


Stil: Progressive Rock, Space Rock


Trackliste:

1. Hurry On Sundown (5:01)
2. The Reason Is? (3:30)
3. Be Yourself (8:07)
4. Paranoia (Part 1) (1:09)
5. Paranoia (Part 2) (4:09)
6. Seeing It As You Really Are (10:49)
7. Mirror Of Illusion (7:08)


Bonus Tracks:

8. Bring It On Home (3:18)
9. Hurry On Sundown (5:06)
10. Kiss Of The Velvet Whip (5:28)
11. Cymbaline (4:04)




Noch deutlich anders, als auf den folgenden Alben der Band, ist diese erste Hawkwind Platte aus dem Jahr 1970. Bei den folgenden Veröffentlichungen sollte sich der Stil der Band erst noch genau herauskristallisieren und das Genre „Space Rock“ geboren werden, welches hier nur in Ansätzen zu vernehmen ist.

“Hurry On Sundown”, die erste Nummer auf dem Album, klingt eher nach Folk Rock als nach Space Rock. Es ist ein Titel, der so original auf eine der früheren Lindisfarne Platten gepasst hätte. Nicht zuletzt das Mundharmonikaspiel Dave Brocks trägt zu diesem Eindruck bei. „The Reason Is?“, im Anschluss daran, ist ein Titel, der sich sehr sphärisch anhört und wie die experimentelleren Sachen der frühen Pink Floyd klingt. „Be Yourself“ gestaltet sich dann zunächst ein wenig rockiger, um schließlich ebenfalls wieder in einen Part zu münden, der sich so auch auf der zweiten Pink Floyd Platte „A Saucerful Of Secrets“ hätte befinden können. Allerdings nur kurz, denn dann setzt ein Saxophon ein und der Track entwickelt nun doch ein wenig ein Eigenleben. Das Stück hat nun einen treibenden Rhythmus und variiert im weiteren Verlauf das Soloinstrument hin zur E-Gitarre. Schließlich wird die Musik zu einer groovenden Hochgeschwindigkeitsreise, bei der man nicht umhin kommt mit zu wippen.

„Paranoia (Part 1)“ ist kurz, ein wenig sphärisch und etwas mehr experimentell. „Paranoia (Part 2)“ präsentiert sich dann wieder in bester Pink Floyd Manier. Und auch hierbei bewegen wir uns wieder sehr im Bereich der experimentellen Stücke. Dann wird es meditativ betörend. Immer und immer wieder werden sechs Töne hypnotisierend wiederholt, bis das Ganze gegen Ende des Stückes immer langsamer abläuft und schließlich ganz zum Erliegen kommt.

„Seeing It As You Really Are“ ist anschließend mit knapp elf Minuten der längste Track auf dem Album. Und jetzt wird das Ganze noch einen Tick psychedelischer. Man hört zunächst sphärische Keyboardläufe, Geflüster, Sprachfetzen und einen im Mittelpunkt stehenden Bass. Das Gestöhne und Geflüster geht weiter und die E-Gitarre entwickelt auf diesem Untergrund ein Solo. Im Grunde genommen bleiben diese „Zutaten“ den ganzen Song über so erhalten, nur Nik Turners Saxophon bekommt noch mal eine Extrarolle zugedacht. Alles irgendwie abgefahren und schwer zu glauben, dass diese Art Musik so ohne kleine psychologische „Hilfsmittel“ komponiert werden konnte.

Beschlossen wurde das Album ursprünglich durch den Titel „Mirror Of Illusion“. Dieser hat nun wieder eine ganz normale Strophe sowie einen Refrain und stellt ein etwas treibenderes Rock-Lied dar. Und bei diesem Stück sind sie dann auch zu hören, diese kurzen, dem Synthesizer entlockten sphärischen Weltraumtöne, die hier in den Credits mit „Electronics“ umschrieben werden.

Vier Bonus Tracks gibt es auf der remasterten Version der CD zu hören. „Bring It On Home“ ist eine bluesige Country-Nummer, die ebenfalls wieder stark an Lindisfarne erinnert, allerdings von Willie Dixon stammt. „Hurry On Sundown” ist eine alternative Version zum ersten Lied des Albums und „Kiss Of The Velvet Whip“ ist ein leicht psychedelisch angehauchter Song mit einem abgefahrenen Saxophon-Solo. Schließlich gibt es ganz zum Schluss noch eine zweite Coverversion zu hören. Dieses Mal handelt es sich um Pink Floyds „Cymbaline“. Und diese Version ist wirklich überaus gelungen.

Fazit: Ganz war Hawkwind hier noch nicht beim Space Rock angekommen. Aber das Debut der Band um Dave Brock kann sich durchaus hören lassen. Hier frönen die sechs Musiker noch mehr dem Genre Psychedelic Rock, was ihnen auch gut gelingt. Wer sich für die Musik der Band interessiert, sollte allerdings lieber mit einem der nachfolgenden Alben beginnen, denn darauf erhält man einen besseren Eindruck von der Musik Hawkwinds – zumindest einen exemplarischeren. Acht Punkte.

Anspieltipps: Be Yourself, Seeing It As You Really Are



Freitag, 13. April 2012

Pink Floyd – The Dark Side Of The Moon





Pink Floyd – The Dark Side Of The Moon


Besetzung:

David Gilmour – vocals, guitars, VCS3
Nick Mason – percussion, tape effects
Richard Wright – keyboards, vocals, VCS3
Roger Waters – bass guitar, vocals, VCS3, tape effects


Gastmusiker:

Dick Parry – saxophone on “Us And Them” and “Money”
Clare Torry – vocals on “The Great Gig In The Sky”
Doris Troy, Leslie Duncan, Liza Strike, Barry St. John – backing vocals


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1973 / 1994 / 2011


Stil: Progressiv Rock, ArtRock


Trackliste:

1. Speak To Me / Breathe In The Air (3:58)
2. On The Run (3:35)
3. Time (7:05)
4. The Great Gig In The Sky (4:47)
5. Money (6:22)
6. Us And Them (7:50)
7. Any Colour You Like (3:26)
8. Brain Damage (3:50)
9. Eclipse (2:01)




Mehr als 40 Millionen mal wurde „The Dark Side Of The Moon“ von Pink Floyd bisher verkauft. Manche Quellen sprechen sogar von über 50 Millionen verkauften Platten und CD’s. In den amerikanischen Billboard Charts war das Album knapp 800 Wochen unter den Top 200 vertreten. Es scheint fast so, als ob ziemlich viel an diesem Album gigantisch wäre. Aber Verkaufszahlen und Chartplatzierungen sagen nicht immer auch etwas über die Qualität der Musik aus, die auf den jeweiligen Alben zu hören ist.

Bei „The Dark Side Of The Moon“, aus dem Jahr 1973, bleibt zuerst einmal dieser Sound hängen. Fast unfassbar, dass diese Musik aus den Anfängen der 70er Jahre stammen soll. Und das gilt nicht nur für die Abmischung, die bereits auf der LP-Version bahnbrechend gut war. Hier passt einfach alles. Kein Ton ist zu laut, keiner zu leise. Alles fügt sich perfekt zusammen. Auch die Ideen in Form verschiedener Gimmicks, die sich auf dem Album verstecken, sollen hier Erwähnung finden. Da werden einem immer wieder mal Wortfetzen kredenzt, die sich perfekt in die Musik integrieren, genau wie diverse andere Geräusche, die mit Musik eigentlich kaum in Verbindung gebracht werden können. Die Musik der Platte endet, wie sie beginnt, mit Herzklopf-Geräuschen. Ein Stilmittel, welches Pink Floyd auch auf anderen Alben verwenden sollte. Und hier befindet sich auch ein kleiner Fehler. Oder ist das überhaupt ein Fehler und nicht doch beabsichtigt? Bei den ausklingenden Herztönen am Ende der Platte oder CD, kann man, bei genauem Hinhören, ganz leise Musik hören. Angeblich einer Orchesterversion des Liedes „Ticket To Ride“ von den Beatles. Ein Fehler des Toningenieurs Alan Parsons? Und dann steht beim Sound natürlich auch noch der Einsatz des Synthesizers im Fokus, dem die Musiker hier Töne und Geräusche entlocken, die bis dato so noch nicht zu hören gewesen waren. Und festzuhalten bleibt auf alle Fälle: Auch jetzt, nach fast vierzig Jahren seit der ersten Veröffentlichung, klingt das Album frisch, modern, aktuell und zeitgemäß. „The Dark Side Of The Moon“ hat auch deutlich jenseits des Jahres 2000 weder Staub noch Patina angesetzt.

Und die Musik selbst war 1973 ebenfalls bahnbrechend. Wie viele Musiker und Bands wurden nicht durch „The Dark Side Of The Moon“ beeinflusst oder inspiriert? Alles klingt auf diesem Album melodisch und harmonisch, alles fließt, schwebt, treibt, bremst und erfasst den Zuhörer. Da gibt es so bewegende Nummern wie „The Great Gig In The Sky“, zuerst nur instrumentiert durch Richard Wrights Piano und der Stimme Clare Torrys, die lediglich ihre schaurig schönen „Oooohs“ und „Aaaahs“ haucht, schreit, fleht, wimmert und singt. Alles steigert sich dann in einen ekstatischen Part, jetzt mit voller Bandunterstützung, währenddessen der Song samt Sängerin fast explodiert, nur, um danach wieder in den ursprünglichen und ruhigeren Part überzugehen. Absolut packend.

Da ist der Titel „Time“, der in seiner etwas über sieben minütigen Länge drei verschiedene Parts aufweist. Mit Weckerticken und anschließendem Geläute und Gebimmel startet das Stück. Schließlich wird die Nummer zu einer spannenden und mitreißenden Klangkollage, die den Begriff „Zeit“ hörbar und irgendwie auch fassbar macht. Nie wurde Zeit in der Musik besser umgesetzt. Und letztendlich, im dritten Teil groovt und rockt die Nummer dann aus den Lautsprechern.

Auf „The Dark Side Of The Moon“ gibt es mit „Money“ auch eines der bekanntesten Stücke Pink Floyds zu hören, welches mit Kassenklingeln eingeleitet wird. Und hier hört man mit „Us And Them“ auch eines der entspanntesten Lieder, die jemals auf Platte beziehungsweise CD gepresst wurden. Der Titel ist so was von relaxt, ohne Worte. Allerdings darf hier nicht unerwähnt bleiben, dass es sich eigentlich gar nicht gehört, aus diesem Album einzelne Titel hervorzuheben, den bei „The Dark Side Of The Moon“ zählt das Gesamtklangerlebnis. Es ist eine jener Platten, die unbedingt im Ganzen durchgehört werden sollten, um diesem Werk auch gerecht werden zu können, um es auch richtig genießen zu können.

Fazit: Ohne Frage ist „The Dark Side Of The Moon“ ein Meilenstein in der modernen Musikgeschichte. Das Album hat Geschichte geschrieben durch seinen Klang, seine darauf enthaltenen Ideen, seine Inspiration und seine wunderschönen Lieder. Trotzdem ist das Album für mich nicht perfekt. Der Grund liegt darin, dass es zu perfekt ist. Das ist kein Widerspruch. „The Dark Side Of The Moon“ ist so was von perfekt und glatt, dass mir manchmal die Reibungspunkte fehlen. „The Dark Side Of The Moon“ entwickelt beim Hören nicht genug Hitze, es wird einem nur wohlig warm. Daher auch „nur“ dreizehn Punkte. Wegen seiner Stellung in der Musikgeschichte hätte es natürlich 15 verdient.

Anspieltipps: Wie schon erwähnt, muss man durchhören.



Donnerstag, 12. April 2012

Electric Light Orchestra – Discovery





Electric Light Orchestra – Discovery


Besetzung:

Jeff Lynne – lead vocals, backing vocals, lead and rhythm guitars, piano and synthesizer
Bev Bevan – drums, roto toms, percussion
Richard Tandy – grand pianos, all synthesizers, electric piano and clavinet
Kelly Groucutt – bass guitar, vocals, backing vocals


Label: Sony Music


Erscheinungsdatum: 1979


Stil: Pop, Mainstream


Trackliste:

1. Shine A Little Love (4:43)
2. Confusion (3:43)
3. Need Her Love (5:12)
4. The Diary Of Horace Wimp (4:18)
5. Last Train To London (4:31)
6. Midnight Blue (4:19)
7. On The Run (3:56)
8. Wishing (4:14)
9. Don't Bring Me Down (4:06)
10. On The Run (Home Demo) (1:01)
11. Second Time Around (Home Demo) (0:43)
12. Little Town Flirt (Previously Unreleased) (2:54)

Gesamtspieldauer: 43:41




…und das Electric Light Orchestra wurde noch erfolgreicher. Mit dem 1979 erschienenen Album „Discovery“ hatte die britische Combo um Jeff Lynne ihren kommerziellen Höhepunkt erreicht. In etwa mithalten konnte da nur noch, der etwa ein Jahr später veröffentlichte Soundtrack zum Film „Xanadu“ mit Olivia Newton-John.

Nun, erfolgreich war das Electric Light Orchestra jetzt also und die Platte beinhaltet jede Menge Hits, die zur damaligen Zweit die Charts stürmten. Zwar gab es in den wichtigen Märkten keinen Nummer 1 Hit, jedoch verkauften sich die fünf Singleauskopplungen dort ebenfalls, neben dem Album, auch noch millionenfach.

Und da wären wir bei der Musik. Festzustellen ist zunächst, dass Jeff Lynne die Streichersektion der vorherigen Platten gefeuert hatte - wenn es auf „Discovery“ noch so was wie Violine oder Cello zu hören gibt, dann entspringt dies dem Synthesizer. Alles auf diesem Album ist auf radiotaugliche Hits ausgerichtet und zugeschnitten. Und nichts anderes hat Jeff Lynne mit diesem Album auch erreicht: Viel, ganz viel Erfolg. Erfolgreiche Musik muss natürlich in keinster Weise anspruchslos sein, doch hier, auf dem Album Discovery trifft dies absolut zu. Alle Kompositionen sind eingängig – und flach. Discomusik, damals natürlich der Nabel der Zeit, heute unspektakulär, langweilig, nervig.

(Fast) alles auf diesem Album ist glatt, konturenlos und oftmals schmalzig und schleimig. Hier triefen die Songs zum Teil eingängig vor sich hin, zum anderen kann man beim Hören der Stücke und gleichzeitigem Schließen der Augen die Discokugel silbern blitzen sehen. Es ist wirklich schade, was aus dieser Band, die nur wenige Jahre vorher auch für progressive Musik stand, geworden ist. Klar, das war damals absolut radiotaugliche Mucke und wenn ein Sender sich auf die 70er und 80er Jahre spezialisiert hat, dann hört man auch noch ab und zu „Don’t Bring Me Down“, „Confusion“ oder „Midnight Blue“. Allerdings können sich dabei, nach der Discokugel, durchaus solche Gedanken wie: „Mein Gott, war das fies!“, manifestieren.

Alle Kompositionen sind eingängig – und flach? Nein, denn mit einem Höhepunkt kann auch „Discovery“ aufwarten. „The Diary Of Horace Wimp“ ist klasse. Ein spannendes, melodisches und überhaupt nicht alltägliches Lied. Dazu gesellt sich ein netter und witziger Text. Dass Jeff Lynne gute Lieder schreiben kann wusste man ja, leider tat er das auf Discovery nur dieses eine Mal.

Die Bonustracks bestehen aus zwei knapp einminütigen Demos zu bereits vorhandenen Stücken und einem Del Shannon Cover. Einfallslos, aber geschenkt.

Fazit: Wer die ersten Platten des Electric Light Orchestras mag, der sollte bei diesem Werk sein Geld beisammen halten. Da lohnt sich die Anschaffung wirklich nicht. Auf Discovery gibt es mit einer Ausnahme nur discomäßigen Mainstream zu hören, der unglaublich nervig ist, wenn, ja wenn man sich dem Electric Light Orchestra nähert, indem man progressive und anspruchsvolle Musik erwartet. Aber was schreibe ich da, der Erfolg sollte Jeff Lynne ja Recht geben. Oder doch nicht? 2 Punkte.

Anspieltipps: The Diary Of Horace Wimp



Mittwoch, 11. April 2012

Jethro Tull – A Passion Play





Jethro Tull – A Passion Play


Besetzung:

Ian Anderson – vocals, guitar, flute, sax
Martin Barre – guitar
John Evan – piano, organ, keyboards, synthesizer
Jeffrey Hammond-Hammond – bass
Barriemore Barlow – drums


Label: Chrysalis


Erscheinungsdatum: 1973


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Part One (21:35)
2. Part Two (23:30)




Nun, das mit dem 1973 erschienen Album „A Passion Play“, bei dem es grob gesagt um das Leben nach dem Tod geht, das ist so eine Sache. Dieses „Passionsspiel“ besteht, genau wie der Vorgänger „Thick As A Brick“, aus zwei Longtracks, die ursprünglich die beiden Seiten einer Langspielplatte zierten. Ganz ursprünglich sollte „A Passion Play“ sogar ein Doppelalbum werden. Die Produktion desselben gestaltete sich allerdings dermaßen schwierig, sodass der ursprüngliche Gedanke fallengelassen wurde und Ian Anderson das bereits vorhandene Material neu arrangierte und das Ergebnis auf zwei LP-Seiten verteilte.

Und so hört man diese zwei Teile des Albums und ist überrascht, denn beide scheinen nur sehr wenig miteinander zu tun zu haben. Zumindest musikalisch. Ist „Passion Play Part One“ überaus progressiv und hört sich an einigen Stellen fast schon ein wenig jazzig an, so ist die zweite Seite, also „Part Two“, sehr viel melodiöser und wird durch einen nicht alltäglichen Teil, „The Story Of The Hare Who Lost His Spectacles“ eingeleitet. Dieser Art Prolog erzählt inhaltlich, dass ein Hase seine Brille verloren hat und nun einige andere Tiere versuchen, ihm mit unterschiedlichen Tipps zu helfen. Ohne einen der gut gemeinten Ratschläge angenommen zu haben stellt sich heraus, dass der Hase noch ein Ersatzpaar besitzt. Okay, recht abstruser Inhalt, aber wirklich nett und eindringlich vorgetragen. Dieser Part wird vom Keyboarder John Evan gesprochen und zeigt, wie schön Englisch klingen kann.

Der sich anschließende Teil des Stückes hat nun überhaupt nichts mehr mit diesem kleinen Märchen zu tun und unterscheidet sich auch sehr von der ehemaligen ersten Seite der Platte. Denn jetzt wird es viel melodischer, harmonischer und eingängiger. Die wunderschöne Musik, die es auf „Thick As A Brick“ immer wieder zu hören, entdecken und bewundern gibt, die gibt es auch auf „A Passion Play“. Allerdings vor allem auf der zweiten Seite des Albums. Hier kann man erneut eintauchen in wunderbare Harmonien, tolle Ideen und schöne Melodien. Diese zweite Seite kann sich durchaus mit „Thick As A Brick“ messen. Die erste Seite dagegen ist sehr viel experimenteller, aber auch sehr viel progressiver. Vielleicht war das auch der Grund, weshalb dem Album längst nicht der Erfolg des Vorgängers beschieden war. Und auch die Kritik verschonte „A Passion Play“ nicht. Sehr oft wurde dieses Album als Rückschritt in der Karriere der Band betrachtet und so kam es, dass Jethro Tull in Zukunft von dieser Art Konzeptalbum Abstand nahm. Von nun an sollten jetzt immer sehr viel mehr Lieder auf einer Platte Platz finden, die dementsprechend natürlich deutlich kürzer waren. Schade, denn genau wie sein Vorgänger ist „A Passion Play“ ein richtig gutes Album, auch wenn hier zum Teil andere Schwerpunkte gesetzt wurden.

Noch etwas bleibt zu „A Passion Play“ festzuhalten. Die Querflöte nimmt auf diesem Album nur eine sehr kleine Rolle ein. Der Wiedererkennungswert konzentriert sich hier allein auf den Gesang und die Stimme Ian Andersons.

Fazit: „A Passion Play“ ist ein gutes und abwechslungsreiches Album geworden, mit zwei Seiten, die sich deutlich unterscheiden. Bietet „A Passion Play Part One“ etwas für Hörer, die auch mit den frickeligeren Passagen von „Van der Graaf Generator“ etwas anfangen können, so werden die Liebhaber von „Thick As A Brick“ ihre Musik mehr auf „A Passion Play Part Two“ finden. So oder so, das Album lohnt sich. Elf Punkte.

Anspieltipps: Die gibt es hier nicht. Da muss man ganz durch.



Dienstag, 10. April 2012

Radiohead – Ok Computer





Radiohead – Ok Computer


Besetzung:

Thom Yorke – vocals, guitar, piano
Jonny Greenwood – keyboard, guitar
Phil Selway – drums
Ed O'Brien – guitar
Colin Greenwood – bass


Label: Parlophone / EMI


Erscheinungsdatum: 1997


Stil: Independent, Alternative


Trackliste:

1. Airbag (4:44)
2. Paranoid Android (6:23)
3. Subterranean Homesick Alien (4:28)
4. Exit Music (For A Film) (4:25)
5. Let Down (4:59)
6. Karma Police (4:22)
7. Fitter Happier (1:57)
8. Electioneering (3:51)
9. Climbing Up The Walls (4:45)
10. No Surprises (3:49)
11. Lucky (4:20)
12. The Tourist (5:25)




Was wurde nicht alles über dieses dritte Album der englischen Band Radiohead gesagt und geschrieben. Als es 1997 veröffentlicht wurde, konnte man des Öfteren nachlesen, dass Radiohead mit dieser Scheibe die Musik neu erfunden hätten. Oder aber „Ok Computer“ sei das erste Album des neuen Jahrtausends, so weltbewegend sei es. Nun, zustimmen kann man diesen Aussagen insoweit, dass „Ok Computer“ wirklich ein gutes Musikalbum geworden ist. Ob die Musiker von Radiohead mit dieser Platte allerdings die Musik neu erfunden haben? Nein, ganz bestimmt sogar nicht.

Das Album beginnt mit einem Rocksong. „Airbag“ heißt dieser und das Auffälligste bei der Nummer ist noch der Gesang Thom Yorkes. Alles wirkt ein wenig sphärisch und durchaus auch mal schräg, sodass das Lied zwar interessant ist, einen aber auch nicht unbedingt umhaut. Das könnte schon eher beim nächsten Titel passieren. „Paranoid Android“ umschmeichelt den Hörer mit seiner Melodie und dem Gesang. Nur ab und zu wird dieser Wohlklang, diese Harmonie von einem etwas härteren Part unterbrochen, um dann wieder in einen weiteren, mehrstimmigen und überaus eingängigen Teil überzugehen. Auch die nächste Nummer, „Subterranean Homesick Alien” ist ein ruhigeres Lied. Hier fehlen allerdings die etwas „lauteren“ Passagen und das Lied kann auch sonst nicht so packen, wie es sein Vorgänger noch konnte.

Gleich um Klassen eindringlicher wird es anschließend bei „Exit Music (For A Film)“. Der Zusatztitel ist dabei passend gewählt, denn so könnte man einen Filmabspann trefflich untermalen. Das Lied wirkt so sehnsüchtig, melancholisch und sentimental. Wunderschön ist dabei der Mellotron-Einsatz, der einen Chor imitiert. Mit „Let Down“ wird es dann wieder ein wenig „normaler“, soll heißen, hierbei handelt es sich um einen ruhigen Popsong, der durchaus zu gefallen weiß, allerdings nichts Besonderes darstellt. Letzteres trifft dann aber auf „Karma Police“ zu. Wieder ein richtig guter und eingängiger Titel, der vom Zusammenspiel von Gitarre, Piano und Gesang lebt. Bestens arrangiert hört man hier eine sehr eingängige Nummer, die auch noch über den Text punkten kann.

Mit „Fitter Happier“ wird der Zuhörer anschließend aus allen Träumen gerissen. Eine Computerstimme hält einen Monolog, untermalt vom Piano und jeder Menge sphärischen Tönen. „Electioneering“, Titel Nummer acht, rockt dann sogar und bei „Climbing Up The Walls“ wird es wieder melancholisch und deutlich ruhiger. Eine Gemeinsamkeit haben beide Lieder allerdings, denn eingängig sind beide Stücke. Dies gilt auch für „No Suprises“, einer netten Popnummer, die ein wenig an R.E.M. erinnert.

Blieben noch „Lucky“ und „The Tourist“. Beides wieder eher ruhigere Stücke, die sich ebenfalls nach mehrmaligem Hören ihren Weg ins Musikzentrum des Gehirns bahnen und sich dort festsetzen können. Bei „The Tourist“ hört man auch wieder diesen Mellotron-Chor, der das Stück wieder ein wenig „retro“ klingen lässt. Ansonsten können beide Tracks nicht mehr ganz so überzeugen, wie die Titel am Anfang des Albums.

Fazit: Wer auf meist eingängigen Pop, beziehungsweise Rock steht, dem müsste „Ok Computer“ gefallen. Hier hört man allerdings keine 08/15 Pop-Musik und das Album erschließt sich wohl auch nicht gleich mit dem ersten Hören. Die Musik ist deutlich anspruchsvoller als Durchschnittsware und benötigt mit Sicherheit mehrere Durchgänge, bis sie zündet. Was auf „Ok Computer“ zu hören ist, das ist gut gemachte Pop-Musik. Was allerdings nicht zu hören ist, das ist die bahnbrechende Wende in Bezug auf die Musik am Ende des letzten Jahrtausends. Somit ergibt das zehn Punkte.

Anspieltipps: Paranoid Android, Exit Music (For A Film), Karma Police



Montag, 9. April 2012

Pink Floyd – Obscured By Clouds





Pink Floyd – Obscured By Clouds


Besetzung:

David Gilmour – guitar, vocals, synthesizer
Nick Mason – percussion
Richard Wright – keyboards, vocals, synthesizer
Roger Waters – bass guitar, vocals, synthesizer


Label: EMI


Erscheinungsdatum: November 1972/ 1995 / 2011


Stil: Psychedelic Rock, Soundtrack


Trackliste:

1. Obscured By Clouds (3:05)
2. When You're In (2:31)
3. Burning Bridges (3:30)
4. The Gold It's In The ... (3:08)
5. Wots ... Uh The Deal (5:09)
6. Mudmen (4:18)
7. Childhood's End (4:34)
8. Free Four (4:17)
9. Stay (4:08)
10.Absolutely Curtains (5:51)




Bei dem Album „Obscured By Clouds“ handelt es sich um den Soundtrack zum Film „La Vallée“ von Barbet Schroeder. Damit ist dieses Album, nach „More“, bereits die zweite Zusammenarbeit Pink Floyds mit dem französischen Regisseur. Und festzuhalten bleibt: „Obscured By Clouds“ klingt meist deutlich anders als die Platten, die zeitlich gesehen um dieses Werk herum entstanden sind. Aber immer wieder lassen sich auch Parallelen zu anderen Alben Pink Floyds ziehen. Wie ein Blick in die Credits zeigt, sind hier fast alle Songs in Zusammenarbeit der Musiker entstanden, nur Gilmour (Childhood’s End) und Waters (Free Four) durchbrechen bei zwei Stücken diese Herangehensweise an das Komponieren der Musik. Des Weiteren kommt es auf dieser Platte auch zum ersten Mal zum Einsatz eines Synthesizers, um dessen Bedienung sich mit Wright, Waters und Gilmour gleich drei Bandmitglieder bemühten.

Zwei Instrumentalstücke eröffnen das Album. Da ist zum einen der Titeltrack „Obscured By Clouds“, der ganz von der Gitarre David Gilmours lebt, da hier jeder Ton sehr langgezogen wird. Ansonsten klingt das Lied sogar ein wenig düster und sphärisch. Das ändert sich sofort mit Beginn des zweiten Titels „When You’re In“, der von seiner Machart her durchaus noch ein Part vom Opener darstellen könnte. Doch hier klingt jetzt alles ein wenig treibender, rhythmischer und – asiatisch.

„Burning Bridges“ ist anschließend ein Stück, welches, von der Stimmung her, dann doch ganz gut auch auf „Meddle“ gepasst hätte. Es erinnert sehr an die ruhigeren Lieder auf Seite 1 des Vorgängers. Deutlich härter wird es dann bei „The Gold Is In The …“. Ein netter „Rocker“ und eines der wenigen härteren Lieder im Songkatalog Pink Floyds. Geradezu süßlich und relaxt klingt danach „Wot’s … Uh The Deal“. Und wie „Burning Bridges“ gehört es in die Kategorie jener ruhigeren Nummern, die auch auf dem Vorgängeralbum zu finden sind. „Mudmen“ erinnert dann schon eher an „Atom Heart Mother“. Das Lied ist eine völlig entspannte Instrumentalnummer, die von Richard Wright und David Gilmour geschrieben wurde. Und so verwundert es auch nicht, dass sowohl der Orgel, wie der Gitarre, bei diesem Stück ein sehr großer Raum eingeräumt wurde.

„Childhood’s End“ rockt dann im Anschluss daran erneut, wobei hierbei allerdings auch der psychedelische Ansatz nicht zu kurz kommt. Dazu verfügt das Lied über eine schöne Melodieführung und kann so überzeugen. Auch rockiger gibt sich „Free Four“, allerdings das Geklatsche zur Rhythmusgenerierung ist dabei zumindest gewöhnungsbedürftig. Mit „Stay“ folgt schließlich eine schöne Pianonummer, zu der auch wieder Richard Wright den Gesang beisteuert. Das Stück schwebt fast schon aus den Boxen und wirkt, bis in den letzten Takt hinein, entspannt.

Bliebe noch die letzte Nummer, „Absolutely Curtains“, auf dem Album. Dieses Stück will irgendwie so gar nicht zum Rest des Albums passen, stellt allerdings durchaus einen weiteren Höhepunkt der Platte dar. Hier geht es wieder um Atmosphäre und sonst nichts. Alles schwebt, klingt, tönt, summt und zieht sphärisch seine Kreise, bis das Lied seinem kurzen Höhepunkt in Form eines „Aaahs“ entgegenklettert. Dann klingt das Stück aus und man hört den Mapuga Stamm aus Neuguinea das Lied im Chor beenden. Alles in allem sehr ungewöhnlich und irgendwie auch beeindruckend.

Fazit: “Obscured By Clouds” hat nicht die Klasse von “Meddle”, dem Vorgänger. Und “Obscured By Clouds” nimmt auch nicht diese exponierte Stellung in der Discographie der Band ein wie „The Dark Side Of The Moon“, dem Nachfolger. “Obscured By Clouds” klingt auch sehr viel eher wie ein ganz normales Studioalbum, als wie ein Soundtrack. Klar merkt man, dass mit einigen Stücken Stimmungen erzeugt werden sollen, was wiederum allgemein keine große Überraschung ist bei einer Platte von Pink Floyd. “Obscured By Clouds” ist ein sehr ungewöhnliches Album für Pink Floyd, welches durchaus mit einigen Höhepunkten aufwarten kann, wenn einem die Musik von Pink Floyd gefällt. Mir ist das Ganze zehn Punkte wert.

Anspieltipps: Obscured By Clouds, When You're In, Burning Bridges, Mudmen, Childhood’s End, Absolutely Curtains



Sonntag, 8. April 2012

Talk Talk – Spirit Of Eden





Talk Talk – Spirit Of Eden


Besetzung:

Mark Hollis – vocals, piano, organ, guitar
Lee Harris – drums
Paul Webb – bass


Gastmusiker:

Tim Friese-Greene – harmonium, piano, organ, guitar
Martin Ditcham – percussion
Robbie McIntosh – dobro, 12 string guitar
Mark Feltham – harmonica
Simon Edwards – mexican bass
Danny Thompson – double bass
Henry Lowther – trumpet
Nigel Kennedy – violin
Hugh Davies – shozygs
Andrew Stowell – bassoon
Michael Jeans – oboe
Andrew Marriner – clarinet
Christopher Hooker – cor anglais
Choir Of Chelmsford Cathedral – vocals


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1988


Stil: ArtPop, Postrock


Trackliste:

1. The Rainbow (8:02)
2. Eden (7:40)
3. Desire (7:17)
4. Inheritance (5:24)
5. I Believe In You (6:16)
6. Wealth (6:44)




Mein Gott kann sich eine Band ändern. Nur wenige Jahre zuvor standen Talk Talk für eingängigen Synthie-Pop, der radio- und zugleich discotauglich war. Da wurde mit in die Ohren gehenden Melodien und groovenden Rhythmen abgetanzt, was das Zeug hält. Dann jedoch setze eine Entwicklung ein, die 1988, mit dem vierten Album der Briten um Mark Hollis, ihren Höhepunkt fand. Nicht mehr mainstreammäßiger Pop war angesagt, keine Hitparaden oder Charts galt es mehr zu erklimmen, progressive Musik in Form eines gewissen Minimalismus wurde dem geneigten Hörer jetzt serviert. Und das bei einem Label wie EMI – nicht auszudenken, wie die entsprechenden Manager damals bei der ersten Präsentation der Musik reagiert haben.

Was sich auf der dritten Veröffentlichung „The Colour Of Spring“ schon bei dem einen oder anderen Song andeutete, das wurde hier auf „Spirit Of Eden“ perfektioniert. Nicht die Melodie oder der Rhythmus stehen im Mittelpunkt, es ist die Atmosphäre, die über die Musik transportiert wird, die den zur Verfügung stehenden Raum einnimmt. Nicht wenige Talk Talk Fans der ersten Stunde werden die Hände über den Kopf zusammengeschlagen haben, als sie „Spirit Of Eden“ das erste Mal hörten. Der Wiedererkennungswert liegt ganz klar in der nuschelnden Stimme Mark Hollis, das war es dann aber auch schon.

Die Instrumente in den einzelnen Liedern werden meist nur angespielt, soll heißen, sie stehen, wie alles auf dem Album, irgendwie im Hintergrund. Nur ganz, ganz selten wird es mal lauter oder krachiger. „Eden“ zum Beispiel lebt von diesem Spiel zwischen laut und leise. Immer wieder gibt es in diesem Stück Abschnitte, die sich in den Vordergrund spielen, um sich dann, nur wenige Augenblicke später, wieder zurückzuziehen. Beim Opener „The Rainbow“ werden diese Akzente durch eine Mundharmonika gesetzt, bei „Desire“, dem dritten Titel des Albums, beteiligt sich die ganze Band an diesem musikalischen Stilmittel.

Bei den folgenden Stücken schreitet der Minimalismus der Musik auf „Spirit Of Eden“ noch weiter voran und findet seinen Höhepunkt im letzten Stück des Albums, „Wealth“. „Wealth“ ist das ruhigste Lied, welches ich je gehört habe. Noch stiller, noch leiser, noch zurückhaltender kann Musik gar nicht mehr sein.

Fazit: Ein unglaublich ruhiges, allerdings auch intensives Album haben Talk Talk mit ihrer vierten Veröffentlichung „Spirit Of Eden“ auf den Markt gebracht. Dass dieses Album musikalischer Selbstmord war, das steht außer Frage. Ganz gewiss ist das keine Musik für jeden. Der- oder diejenige, der oder die Talk Talk durch die ersten Platten schätzen- und lieben gelernt hat, sollte vor dem Kauf von „Spirit Of Eden“ unbedingt erst mal in die Musik reinhören. Hier erschließen sich dem Hörer völlig andere Klangwelten. Klangwelten, die einen in der richtigen Stimmung packen können und so schnell nicht mehr loslassen werden. „Spirit Of Eden“ ist eine gute, allerdings auch sehr schwere Platte, für die es zehn Punkte gibt.

Anspieltipps: Alle sechs Titel.