Samstag, 4. Juli 2015

Billy Talent – II




Billy Talent – II


Besetzung:

Ben Kowalewicz – lead vocals
Ian D'Sa – guitar, vocals
Jon Gallant – bass, backing vocals
Aaron Solowoniuk – drums


Gastmusiker:

Gavin Brown – Tambourine


Label: Atlantic Records


Erscheinungsdatum: 2006


Stil: Rock, Alternative Rock


Trackliste:

1. Devil In A Midnight Mass (2:52)
2. Red Flag (3:16)
3. This Suffering (3:57)
4. Worker Bees (3:44)
5. Pins And Needles (3:11)
6. Fallen Leaves (3:19)
7. Where Is The Line? (3:49)
8. Covered In Cowardice (4:12)
9. Surrender (4:06)
10. The Navy Song (4:31)
11. Perfect World (3:06)
12. Sympathy (3:18)
13. Burn The Evidence (3:40)

Gesamtspieldauer: 47:06




Die kanadische Band Billy Talent schien ich vorher immer nur so nebenbei gehört zu haben. Schon ganz okay, aber auch nichts Besonderes irgendwie. Nun, als ich mir dann ihr zweites Album mit dem vielsagenden Titel „II“ zugelegt hatte, welches 2006 veröffentlicht wurde, hörte ich dies zunächst auch nicht allzu intensiv. Schade eigentlich, denn die vier Jungs aus Mississauga in Ontario haben wahrlich einiges zu bieten und überzeugen auf ihrer zweiten Veröffentlichung.

Auf „II“ bekommt man so eine Art „Gute-Laune-Alternativ-Rock“ geboten. Die Scheibe vermittelt eine irgendwie geartete Fröhlichkeit, nichts darauf klingt negativ oder trübsinnig. Nicht ganz können die Musiker ihre Wurzeln im Punk verbergen, mit dem sie zuvor noch unter dem Namen „Pezz“ unterwegs waren. Doch Punk hört man auf „II“ nur noch am Rande, vielmehr ist das richtig guter und eingängiger Gitarrenrock, der hier zu hören ist. Durchaus auch hart, jedoch nicht übertrieben. Alles konzentriert sich auf die Gitarre als das bestimmende Element in der Musik der Band, auf Keyboards oder andere Tasteninstrumente wurde dabei ganz verzichtet.

Stilprägend für die Musik von Billy Talent ist allerdings ohne Zweifel auch die Stimme von Sänger Ben Kowalewicz. Diese dürfte auch sicherlich nicht jeder Hörerin beziehungsweise jedem Hörer zusagen, da sie durchaus sehr markant ist. Wenn Ben Kowalewicz versucht zu schreien, dann klingt es auch nicht mehr unbedingt überzeugend. Bleibt dieser jedoch in seinen stimmlichen „Gefilden“, klingt das für mich äußerst überzeugend und passt perfekt zu dieser sehr mitreißenden Musik. Überhaupt der Gesang. Die Musiker überzeugen hier auch mit ihren mehrstimmigen Gesangs-Arrangements, an denen sich auch Gitarrist Ian D'Sa sowie Bassist Jon Gallant beteiligen. Dies ist durchaus überraschend und erwähnenswert, da es so etwas bei dieser Art von Musik nur selten zu hören gibt.

Fazit: Wer auf die etwas härteren Töne in der Musik steht, dem dürfte diese Platte mit ziemlicher Sicherheit gefallen. Auch findet sich keinerlei Ausfall auf der Platte, die frei von Füllmaterial ist. Deutsche Hörer scheinen sowieso ein Faible für Billy Talent zu haben, denn Deutschland ist eines der wenigen Länder neben Kanada, in denen das Album Platz 1 der Charts erklomm – in den USA reichte es zum Beispiel nur zu Platz 46. Der Rock, der auf der zweiten Platte von Billy Talent zu hören ist, ist kompromisslos und dabei trotzdem überaus melodiös. Eine Platte, die Spaß macht, die abwechslungsreich ist und zu jeder Gelegenheit gehört werden kann. Sehr überzeugend. Elf Punkte.

Anspieltipps: Devil In A Midnight Mass, Pins And Needles, Burn The Evidence



Freitag, 3. Juli 2015

Portishead – Portishead




Portishead – Portishead


Besetzung:

Beth Gibbons – vocals
Geoff Barrow – drums
Adrian Utley – guitar, bass, moog, piano, rhodes


Gastmusiker:

Clive Deamer – drums
Sean Atkins – additional vocals
John Baggot – organ, piano
Andy Hague – horns
Ben Waghorn – horns
John Cornick – horns
S. Cooper – violin


Label: Go! Beat


Erscheinungsdatum: 1997


Stil: Trip Hop


Trackliste:

1. Cowboys (4:42)
2. All Mine (4:02)
3. Undenied (4:24)
4. Half Day Closing (3:47)
5. Over (4:00)
6. Humming (6:04)
7. Mourning Air (4:15)
8. Seven Months (4:18)
9. Only You (5:02)
10. Elysium (5:57)
11. Western Eyes (3:59)

Gesamtspieldauer: 50:35




Kurz mit dem eigenen Namen „Portishead“ betitelten die drei Musiker aus dem englischen Bristol ihr zweites Album. Und auch hierauf gibt es wieder jede Menge, sehr intensiven, eingängigen und auch überzeugenden TripHop zu hören – auch wenn diese Platte nicht mehr ganz an das Niveau der Debut-Scheibe heranreicht. Trotzdem hört man bereits mit dem ersten Takt, dass dies Musik von Portishead ist. Diese süßlich schwere Melancholie, die den Titeln innewohnt ist eindeutig nur dieser Band zuzuordnen.

Beth Gibbons singt hier etwas häufiger mit einer klangtechnisch veränderten Stimme, was viel zu dieser dichten Atmosphäre der Platte beiträgt. Dabei reicht das Spektrum der transportierten Stimmungen von sentimental bis traurig, über mystisch und verzweifelt bis hin zu hoffnungsvoll, wobei letztgenanntes Adjektiv die wohl kleinste Rolle spielt. Auf jeden Fall ist die Musik wieder überaus intensiv und packend. Beth Gibbons wickelt ihre Hörer sehr gefühlvoll und eindringlich um den Finger, man kann sich ihrer Stimme und ihrem Gesang einfach nicht entziehen.

Zwar gibt es auf „Portishead“ nicht dieses Überlied, welches „Glory Box“ auf dem Debut „Dummy“ darstellte, jedoch finden sich mit „Cowboys“, „Undenied“, „Over“, „Elysium“ und auch „Western Eyes“ ebenfalls Titel auf der Scheibe, die nochmal etwas über den Rest der Nummern herausragen. Man muss sich definitiv auch Zeit nehmen für diese Art der Musik. Zwar lässt sich Portishead auch nebenbei hören, doch man verschenkt eine ganze Menge der Magie dieser Scheibe.

Fazit: Beeindruckend ist Portishead auch für mich, obwohl das im Grunde genommen definitiv nicht meine Musik ist. Doch hört man die drei Engländer, dann scheint man irgendwie in eine andere Welt einzutauchen. Eine Welt, die sich weit entfernt von allem Bekannten, Vertrauten zu befinden scheint. Eine Welt, die einen wohlig warm umspült – auch wenn man sich im Grunde genommen in ganz anderen Welten viel heimischer fühlt. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Cowboys, Undenied, Over



Donnerstag, 2. Juli 2015

Björk – Homogenic




Björk – Homogenic


Besetzung:

Björk – vocals, keyboards


Gastmusiker:

Alasdair Alloy – glass harmonica
Vaughan Armon – violin
Mark Bell – keyboards
Sigurbjorn Bernhardsson – violin
Mark Berrow – violin
Mike Brittain – bass
Jeffrey Bryant – horn
Roger Chase – viola
Ben Cruft – violin
Sigrun Edvaldsdottir – violin
Paul Gardhaim – bass
Roger Garland – violin
Wilfred Gibson – violin
Isobel Griffiths – orchestra contractor
Sigurdur Bjarki Gunnarsson – cello
Hrund Hardardottir – viola
Bill Hawkes – viola
Steve Henderson – timbales, tympani
Paul Kegg – cello
Yasuhiro Kobayashi – accordion
Peter Lale – viola
Chris Laurence – bass
Helen Liebmann – cello
Martin Loveday – cello
Alasdair Malloy – glass harmonica
Perry Mason – violin
Jim McLeod – violin
Perry Montague-Mason – violin
Trevor Morais – drums, electronic drums
Jon R. Ornolfsson – cello
Peter Oxer – violin
Paul Pritchard – bass
Maciej Rakowski – violin
Frank Ricotti – snare drums
George Robertson – viola
Guy Sigsworth – clavichord, keyboards, pipe organ
Moeidur Anna Sigurdardottir – viola
Una Sveinbjarnardottir – violin
Mike Thompson – horn
Sif Tulinius – violin
John Tunnell – cello
Helen Tunstall – harp
Gavyn Wright – violin


Label: One Little Indian


Erscheinungsdatum: 1997


Stil: ArtPop, Experimental


Trackliste:

1. Hunter (4:15)
2. Joga (5:05)
3. Unravel (3:21)
4. Bachelorette (5:12)
5. All Neon Like (5:53)
6. 5 Years (4:29)
7. Immature (3:06)
8. Alarm Call (4:19)
9. Pluto (3:19)
10. All Is Full Of Love (4:33)

Gesamtspieldauer: 43:36




Nun, Björk, das ist echt so eine Sache. Die zierliche Isländerin lässt sich noch nicht einmal eindeutig einem bestimmten musikalischen Genre zuordnen, Björk ist irgendwie das Musikgenre selbst. Nichts klingt bei Björk irgendwie „normal“, alles klingt unerwartet, völlig überraschend. Und kein anderer Musiker beziehungsweise besser keine andere Musikerin klingt so wie Björk. Genau so ist das auch auf ihrem vierten Studioalbum „Homogenic“, welches 1997 veröffentlicht wurde.

Sicherlich reicht bei Björk niemals ein kurzes Durchhören einer Platte, um an dem Ganzen Gefallen zu finden, schon gar nicht, um die Musik von Björk auch zu verstehen. Entweder, man nimmt Reißaus oder aber, man findet das Gehörte irgendwie interessant. Wenn letzteres allerdings passiert, dann hat diese nordische Elfe einen am Wickel. Denn dann möchte man es irgendwie auch ganz verstehen und legt diese Platte immer wieder auf. Schließlich passiert es dann auch. Irgendwelche, vorher überhaupt nicht sichtbare Schleier scheinen sich zu lösen, die Musik wird deutlich eingängiger, vertrauter und auch auf irgendeine Art und Weise sympathischer.

Gut, auf „Homogenic“ hört man also eine Art experimentellen ArtPop, der von der Stimme der Björk beherrscht wird. Die Musik wird mit der Zeit deutlich eingängiger, allerdings erst nach mehreren Durchläufen. Oder sind es sogar viele Durchläufe? Egal. Spannend klingt das jedoch immer, da es so gar nicht in das Schema der Mainstream-Musik passt. Seltsame Geräusche bahnen sich den Weg zum Ohr der Hörerin oder des Hörers. Dann jedoch auch wieder Abschnitte, angefüllt mit sanften Streicherklängen, die eine wohlige Wärme vermitteln. So wird man als Hörer in musikalische Welten befördert, die einem zum Teil unzugänglich wirken, andererseits wie die Geborgenheit schlechthin erscheinen. Ganz allgemein scheinen die Lieder am Anfang des Albums leichter zugänglich zu sein, eröffnen sich der Hörerin, dem Hörer deutlich schneller. Allerdings gibt es auch Nummern, die werden mir persönlich wohl immer ein Rätsel bleiben…

Fazit: Ich hatte zunächst das Cover von „Homogenic“ gesehen und dachte mir: „Das wird nichts mit uns Beiden.“ Inzwischen empfinde ich das Cover der Platte sehr aussagekräftig, denn es spiegelt sehr gut dieses Album wider. Immer experimentell, manchmal eingängig, manchmal auch nicht zu dekodieren – zumindest nicht für mich. Allerdings macht Björk auch dieses Mal spannende Musik, die sich mit jedem weiteren Hören immer weiter öffnet. Irgendwie scheint es wirklich so zu sein, dass sich das Gehirn auf diese Klänge einstellen muss, bahnen organisieren muss, damit einen diese Musik der Björk auf „Homogenic“ auch wirklich trifft. Wenn das dann aber passiert, dann… Elf Punkte.

Anspieltipps: Hunter, Joga, Bachelorette, Immature



Mittwoch, 1. Juli 2015

Andy Prieboy – …Upon My Wicked Son




Andy Prieboy – …Upon My Wicked Son


Besetzung:

Andy Prieboy – vocals, guitar, piano, keyboards


Gastmusiker:

Mikal Reid – guitar
Marc Moreland – guitar
Scott Thunes – bass
Ned Leukhardt – drums, percussion, drum programming
Dave Scott – drums
Michael Barberra – violin
Johnette Napolitano – vocals
Beth Hooker – vocals
David Dean – trombone
Mike Fennel – computer programming
Estefan Bravo – backing singers
Trudy Trulove – backing singers
Dee La Duke – backing singers
John Maxwell – backing singers
Terry Gahan – backing singers
Steve Siegrist – backing singers
Sue Rawley – backing singers
Joe Chamberlain – backing singers
Ken Petrosky – backing singers
Jeff Hlavary – backing singers


Label: Doctor Dream Records


Erscheinungsdatum: 1990


Stil: Rock


Trackliste:

1. On The Road Again (4:44)
2. To The Dogs (4:09)
3. Montezuma Was A Man Of Faith(3:34)
4. Tomorrow Wendy (4:41)
5. Nearer To Morning (3:24)
6. Man Talk (4:45)
7. Loving The Highway Man (3:32)
8. The New York Debut Of An L.A. Artist (Jazz Crowd) (2:20)
9. Joliet (3:27)
10. That Was The Voice (3:51)
11. For Love (3:05)
12. Maybe That's Not Her Head (3:22)
13. Big Rock Finish (3:52)

Gesamtspieldauer: 48:52




Andy Prieboy war der Nachfolger Stan Ridgways bei Wall Of Voodoo. Mit dieser Band nahm er noch zwei Studio-Alben und eine Live-Platte auf, dann lösten sich Wall Of Voodoo auf. Anschließend veröffentlichte Andy Prieboy noch zwei Solo-Werke. 1990 diese hier vorliegende Scheibe mit dem Titel „…Upon My Wicked Son“, sowie fünf Jahre später „Sins Of Our Fathers“. Danach wurde es ziemlich ruhig um Andy Prieboy. Schade eigentlich, denn „…Upon My Wicked Son“ ist eine durchaus überzeugende Platte geworden, angefüllt mit Liedern, von denen man gerne noch mehr gehört hätte.

Unglaublich abwechslungsreich ist „…Upon My Wicked Son“ geraten. Natürlich ist das Rock-Musik, allerdings keine sehr harte, dafür eine umso variantenreichere. Manchmal gibt es auch kleinere Spielereien, wie das auf Zirkus getrimmte „Maybe That's Not Her Head“ oder etwa „The New York Debut Of An L.A. Artist (Jazz Crowd)“, was zum Teil wie ein Hochgeschwindigkeitszug mehrstimmig am Hörer vorbeiläuft. Beides sind durchaus außergewöhnliche Nummern für diese Platte, dabei jedoch leider auch nicht ganz so überzeugend wie der Rest.

Möchte man einen Titel auf dem Album herausheben, so ist das sicherlich „Tomorrow Wendy“, welches vom Sterben einer AIDS-kranken Frau handelt. Eine sehr intensive und schöne Nummer, die sofort hängenbleibt, da nicht nur der Text bewegend ist, sondern auch die dazugehörende Musik. Das Lied hat allergrößten Ohrwurmcharakter und hat sich bereits nach dem ersten Hören fest im Musikzentrum des Gehirns eingebrannt. Nun, aber auch das im Refrain hymnische „Loving The Highway Man“, das nach Jahrmarkt klingende „Joliet“ oder die rockige Nummer „That Was The Voice“ sind sehr überzeugend. Die Cover-Version des Canned Heat Stücks „On The Road Again“ bildet auf dem Album den Auftakt und ebenfalls einen Höhepunkt der Scheibe. Ich hätte hier auch noch andere Stücke aufzählen können, denn so richtige Ausfälle gibt es im Grunde genommen nicht. Die beiden oben erwähnten Lieder sind da wirklich die Ausnahmen und auch garantiert keine Totalausfälle.

Fazit: Die musikalische Mischung macht es auf „…Upon My Wicked Son“, die dieses erste Solo-Album des Andy Prieboy zu einem überzeugenden werden lässt. Klar wird hier die Musik nicht neu erfunden und auch nicht jeder Titel überzeugt restlos. Trotzdem macht die Scheibe Spaß, da sich hier durchaus einiges entdecken lässt, wenn man Freund des Rocks ist. Musik, die einen auch längerfristig begleitet, da man die Scheibe nicht ungern erneut immer wieder auflegt. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Tomorrow Wendy



Dienstag, 30. Juni 2015

Peter Hammill – A Black Box




Peter Hammill – A Black Box


Besetzung:

Peter Hammill – vocals, guitar, keyboards


Gastmusiker:

David Jackson – saxophone, flute
David Ferguson – synthesizer, tambourine


Label: S-Type Records


Erscheinungsdatum: 1980


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Golden Promises (2:56)
2. Losing Faith In Words (3:40)
3. Jargon King (2:43)
4. Fogwalking (4:04)
5. The Spirit (2:38)
6. In Slow Time (3:26)
7. The Wipe (1:45)
8. Flight (19:19)
     Flying Blind
     The White Cane Fandango
     Control
     Cockpit
     Silk-Worm Wings
     Nothing Is Nothing
     A Black Box

Gesamtspieldauer: 40:53




Ehrlich gesagt kenne ich keine Peter Hammill Platte, die sofort, beim ersten Hören, uneingeschränkt zündet und sofort absolut überzeugt. Na, vielleicht mit Ausnahme von „Fool’s Mate“, dem ersten Album des Engländers, welches wirklich sofort ins Ohr geht. Mit „A Black Box“, dem neunten Solo-Album Peter Hammills, ist das jedoch wie zumeist beim Sänger und Gitarristen von Van Der Graaf Generator, man benötigt einfach einige Durchgänge, um mit dieser Musik so richtig vertraut zu werden, sodass diese ihre ganze Fülle und auch Schönheit besser präsentieren kann.

Außerdem experimentiert Peter Hammill auf „A Black Box“ einmal mehr mit Sounds und den neuesten technischen Möglichkeiten und so sind auch die beiden Stücke „Jargon King“ und „The Wipe“ durchaus mit „experimentell“ ganz gut beschrieben. Eine tiefergehende Melodiösität liegt hier dann definitiv nicht vor. Ansonsten herrscht jedoch eher „Wohlklang“ auf „A Black Box“. Zwar ist das Ganze, wie bereits erwähnt, nicht sofort beim ersten Hören immer melodisch und eingängig, jedoch mit jedem weiteren Durchgang scheinen die einzelnen Titel zu wachsen und sich zu verfestigen. Manches Mal klingt das dann fast schon mystisch, vielleicht manchmal auch ein wenig verschroben, oftmals überraschend und immer spannend. Allgemein herrscht eine etwas düstere Stimmung auf der Platte vor, ohne dass diese Grundausrichtung jedoch überstrapaziert oder völlig ausgereizt werden würde.

Nun, eine Nummer muss hier natürlich noch Erwähnung finden, nämlich „Flight“. Dieses Stück gilt bei vielen Peter Hammilll Fans als das beste Lied, welches er jemals geschrieben hat. Und wahrlich „Flight“ ist wie ein Parforce-Ritt durch unterschiedlichste Stimmungen und Ausprägungen des Rock. Da klingt es mal lieblich und schön, dann wieder zerrissen oder gehetzt. Mal sehr eingängig, dann wieder kakophonisch. Mal laut und fordernd, ein anderes Mal sehr ruhig und beschwichtigend. Sehr hörenswert und eine Art kleine Reise durch das Leben eines Menschen, welches schließlich mit dem Tod und einer „Black Box“ endet. Wahrlich schön und überaus überzeugend.

Fazit: „A Black Box“ ist ein sehr überzeugendes Album geworden. Und das liegt nicht nur an dem Titel „Flight“, der ursprünglich die ganze zweite LP-Seite eingenommen hatte. Nein auch unter den ersten Nummern befinden sich sehr hörenswerte Titel, wie zum Beispiel das sehr plastische „Fogwalking“. Peter Hammill macht auf „A Black Box“ Musik zum Eintauchen. Peter Hammill hat bisher sage und schreibe 34 Solo-Alben veröffentlicht, „A Black Box“ gehört dabei definitiv mit zu seinen besten Scheiben. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: Fogwalking, Flight



Montag, 29. Juni 2015

Nick Cave & The Bad Seeds – The Good Son




Nick Cave & The Bad Seeds – The Good Son


Besetzung:

Nick Cave – vocals, piano, hammond, harmonica
Mick Harvey – bass, acoustic guitar, vibraphone, percussion, backing vocals
Blixa Bargeld – guitar, backing vocals
Kid Congo Powers – guitar
Thomas Wydler – drums, percussion


Gastmusiker:

Alexandre Ramirez – violin
Altamir Tea Bueno Salinas – violin
Helena Akiku Imasoto – violin
Lea Kalil Sadi – violin
Akira Terazaki – viola
Glauco Masahiru Imasoto – viola
Braulio Marques Lima – cello
Cristina Manescu – cello


Label: Mute Records


Erscheinungsdatum: 1990


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Foi Na Cruz (5:39)
2. The Good Son (6:03)
3. Sorrow's Child (4:39)
4. The Weeping Song (4:25)
5. The Ship Song (5:14)
6. The Hammer Song (4:17)
7. Lament (4:54)
9. The Witness Song (5:57)
9. Lucy (4:17)

Gesamtspieldauer: 45:29




„The Good Son“ ist das sechste Studio-Album des Australiers Nick Cave mit seiner Band „The Bad Seeds“. Aufgenommen wurde es Ende 1989 und es erschien schließlich im April 1990. „The Good Son“ ist angefüllt mit sanften Balladen, die Streicher kommen immer wieder zum Zug, alles ist sehr harmonisch und melodisch gehalten, ohne dabei jedoch süßlich oder gar überzuckert zu wirken. Bei vielen Fans des Australiers gilt dieses Album auch als seine gefühlvollste Platte.

Nun, meckern kann man da auch wahrlich nicht, wenn man auf die eher sanfteren Töne in der Musik steht, dann ist diese Scheibe prädestiniert dazu, gehört zu werden. Alles klingt und ist überaus melodiös. Dabei gehen einem sämtliche neun Titel noch nicht einmal beim ersten Hören sofort ins Ohr. Drei bis vier Durchgänge braucht es da schon, bis die Nummern zu guten Freunden werden können. Dann allerdings bleiben sie – wie für gute Freunde selbstverständlich – treue Begleiter.

Eindrucksvoll, wie immer bei Nick Cave, ist sein häufig tiefer, sonorer Gesang, der sehr viel Wärme ausstrahlt. Passender könnten seine Geschichten gar nicht erzählt werden. So klingt diese Eingängigkeit auch niemals langweilig, sondern immer sehr überzeugend und spannend. In all diesen schönen Melodien lässt sich fabelhaft eintauchen, sie laden ein zum Träumen, zum Begleitet werden oder zum genauen Zuhören, je nach Stimmung – überzeugend ist es auf jeden Fall immer.

Fazit: Ein wirklich schönes Album ist „The Good Son“ geworden. Eine völlig unaufgeregte Scheibe, die wirkt. Tolle Melodien umschmeicheln das Ohr der Hörerin und des Hörers. In diese Melodien lässt sich bestens eintauchen und die Musik genießen. Genau dazu wurde diese Scheibe auch gemacht, da bin ich mir sicher, die Hörer sollen Musik genießen. Ziel erfüllt Nick Cave! Elf Punkte.

Anspieltipps: The Good Son, The Weeping Song, The Hammer Song



Sonntag, 28. Juni 2015

Hoelderlin – Rare Birds




Hoelderlin – Rare Birds


Besetzung:

Hans Bäär – bass guitars
Michael Bruchmann – drums, percussion
Christian von Grumbkow – lyrics, supervision
Joachim von Grumbkow – keyboards, vocals
Christoph Noppeney – viola, vocals, acoustic guitar
Pablo Weeber – guitars, vocals


Gastmusiker:

Manfred von Bohr – drums


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1977


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Häktik Intergaläktik (8:31)
2. Sky-Lift (4:18)
3. Before You Lay Down (7:36)
4. Rare Bird (7:34)
5. Necronomicon (6:27)
6. Sun Rays (9:00)


Bonus Tracks der remasterten Albumfassung:

7. Blackbird (Demo) (0:57)
8. You Are The One (Demo) (2:28)

Gesamtspieladuer: 46:55




„Rare Birds“ ist das vierte Studio-Album der Wuppertaler Band Hoelderlin und es erschien im Jahr 1977. Erneut haben es die jetzt sechs festen Bandmitglieder geschafft, eine Platte zu veröffentlichen, randvoll angefüllt mit Progressive Rock, jedoch jener Ausprägung, die absolut auf die Harmonie im Stück setzt. Alles klingt auf „Rare Birds“ und zwar sehr, sehr eingängig. Melodiös ist diese Scheibe bis hinein in den letzten Takt jedes einzelnen Liedes. Wobei für die Musik nur fünf Musiker zuständig waren. Christian von Grumbkow wollte nun eher für die organisatorischen Dinge zuständig sein und beteiligte sich auch noch am Kompositionsprozess, jedoch nicht mehr am Einspielen der Platte. Trotzdem wird er auf „Rare Birds“ noch als festes Bandmitglied geführt. Seinen Part an der Gitarre übernahm der Spanier Pablo Weeber.

Der erste Titel „Häktik Intergaläktik“ ist sehr rhythmisch gehalten und überzeugt mit einer, ein klein wenig schräg klingenden Melodieführung, die das Lied allerdings sehr interessant und durchaus auch außergewöhnlich werden lässt. Auch bei Titel Nummer 2, „Sky-Lift“, spielt die Rhythmik durchaus noch eine Rolle, während sie beim wahrlich verträumten „Before You Lay Down“ phasenweise deutlich in den Hintergrund gedrängt wird. Es folgt schließlich das Titellied der Platte, „Rare Bird“, hier allerdings im Singular. Eine wunderschöne, vom Piano stark beeinflusste Nummer, welche so wunderschön mystisch klingt. Auch der Gesang kann hier gar nicht positiv genug herausgestellt werden. Wahrlich gelungen, voller Melodiösität, voller schöner Einfälle. Mit „Necronomicon“ wird es dann wieder ein wenig verschrobener und sogar rockiger, bis die Platte mit „Sun Rays“ sanft ausklingt. Und auch, wenn zumindest bei „Necronomicon“ das Tempo etwas angezogen wird, so steht doch über allem die Harmonie und Melodiösität in den einzelnen Stücken.

Der remasterten Albumfassung wurden noch zwei sehr kurze Demos hinzugefügt, wobei vor allem „You Are The One“ eine wunderschöne Nummer ist, bestehend aus Gesang und der dazugehörenden Piano-Begleitung. Wirklich sehr hörenswert.

Fazit: Wer die melodische Ausrichtung des Progressive Rocks zu schätzen weiß, die oder der kommt hier voll auf ihre / seine Kosten. „Rare Birds“ ist angefüllt mit Wohlklang, allzu viel Abwechslung ist dabei auf der Platte zwar nicht enthalten, aber man braucht ja auch nicht immer Aufregung oder den berühmten Kick. „Rare Birds“ ist für die stillen Stunden des Lebens gedacht, in denen man entspannen oder ganz in Ruhe nachdenken möchte. Zwölf Punkte.



Samstag, 27. Juni 2015

Black – Wonderful Life




Black – Wonderful Life


Besetzung:

Colin Vearncombe – vocals, guitar, keyboards


Gastmusiker:

Roy Corkill – fretless bass
Jimmy Hughes – drums
Martin Green – saxophone
Dave Dix – keyboards, programming
Tina Labrinski – backing vocals
Sara Lamarra – backing vocals
Jimmy Sangster – electric bass
Doreen Edwards – additional backing vocals
The Sidwell Brothers – brass section


Label: A&M Records


Erscheinungsdatum: 1987


Stil: Pop


Trackliste:

1. Wonderful Life (4:46)
2. Everything's Coming Up Roses (4:04)
3. Sometimes for the Asking (4:09)
4. Finder (4:12)
5. Paradise (4:51)
6. I'm Not Afraid (5:00)
7. I Just Grew Tired (4:15)
8. Blue (3:38)
9. Just Making Memories (4:26)
10. Sweetest Smile (5:19)

Gesamtspieldauer: 44:40




Es sammelt sich ganz schön was an, wenn man sich über Jahre hinweg immer wieder mit Musik eindeckt. So komme ich heute zu einer Scheibe, die ich bereis ewig nicht mehr gehört hatte: „Wonderful Life“ von Colin Vearncombe alias Black. Die Platte stellte in den 80er Jahren den Durchbruch für Black dar, danach passierte allerdings auch nicht mehr so viel. Zwei weitere Alben wurden 1988 und 1991 noch veröffentlicht, die dem Briten jedoch längst nicht mehr diesen Erfolg einbrachten, wie „Wonderful Life“ aus dem Jahr 1987. Danach veröffentlichte er hauptsächlich unter seinem richtigen Namen Colin Vearncombe. Und als ich mir die Scheibe nun wieder intensiver angehört hatte, wunderte ich mich auch nicht gropßartig, dass ich sie in den letzten Jahren keineswegs vermisste.

Die beiden lohnenswerten Lieder des Albums befinden sich gleich am Anfang der Scheibe, Titel Nummer 1 und 2 der ehemaligen ersten Plattenseite. „Wonderful Life“, das Titellied, ist natürlich eine überaus poppige Schnulze, allerdings besitzt das Lied einen wahrlich hohen Wiedererkennungswert und stellt durchaus einen Ohrwurm dar, den man so schnell nicht mehr vergisst. „Everything's Coming Up Roses“ geht dann sogar ein wenig in die rockige Richtung und ist auch noch einen Tick gelungener als der Titelsong selbst. Auch diese Nummer erkennt man sofort wieder, wenn man sie einmal gehört hat. Die Melodieführung hat sich sofort fest im Gehirn verankert.

Und der Rest? Nun der ist Pop in Reinkultur. Allerdings leider dabei nicht sehr aufregend. Vielmehr klingt das oftmals sehr oberflächlich und auf Eingängigkeit getrimmt, damit sich vielleicht doch noch ein paar Käufer mehr finden. Wenn man eher auf Rock Musik steht, dann ist es genau dieser Pop, der für einen am allerschwerersten erträglich ist. Dieses zuckersüße Gedudel, welches von der Instrumentierung manches Mal sogar dem Deutschen Schlager sehr nahe kommt, löst sicherlich so manchen Fluchtreflex aus. Lediglich ganz nett, weil etwas verträumt und sehnsüchtig klingend, ist da noch die letzte Nummer der Platte, „Sweetest Smile“. Aber das war es dann im wahrsten Sinne des Wortes auch endgültig.

Fazit: Für Freunde des wahren Pop, sicherlich eine gelungene Scheibe, für mich kaum aus- und durchzuhalten. Wenn die Musik ins Ohr geht, dann ist sie schon noch hörenswert, für mich ist das auf „Wonderful Life“ jedoch auf zwei Stellen begrenzt. Die ersten beiden Titel wirken, der Rest klingt einfach zu seicht und damit auch zu belanglos und irgendwann dann auch überaus langweilig. Fünf Punkte.

Anspieltipps: Wonderful Life, Everything's Coming Up Roses



Freitag, 26. Juni 2015

Peter Hammill – pH7




Peter Hammill – pH7


Besetzung:

Peter Hammill – voice, guitar, keyboards, percussion


Gastmusiker:

Graham Smith – violin
David Jackson – saxophone, flute


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1979


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. My Favourite (2:52)
2. Careering (4:06)
3. Porton Down (3:41)
4. Mirror Images (3:51)
5. Handicap and Equality (3:56)
6. Not For Keith (2:25)
7. The Old School Tie (5:07)
8. Time For A Change (3:15)
9. Imperial Walls (4:16)
10. Mr X (Gets Tense) (5:13)
11. Faculty X (4:58)

Gesamtspieldauer: 43:44



Sein achtes Studio-Album, welches im September 1979 veröffentlicht wurde, nannte Peter Hammill „pH7“. Und im Grunde genommen ist es wie immer bei Peter Hammill. Sehr eingängige Stücke werden mit Nummern gemischt, die dann schon deutlich komplizierter klingen, gar nicht mehr melodiös, sondern oftmals sogar atonal und experimentell. Immer wieder wird man gezwungen, sich auf die Musik des Peter Hammill ganz einzulassen, nichts nebenbei zu tun, denn sonst können diese Stücke ihre Wirkung nicht in dem Maße entfalten, wie sie es eigentlich müssten, um zu überzeugen.

Peter Hammill experimentiert auf „pH7“ wieder mit Sounds und der sich rasant entwickelnden musikalischen Technik. Manches klingt dadurch zunächst äußerst gewöhnungsbedürftig und wird sicherlich nicht jedes Ohr der Musikhörer erreichen. Allerdings sind da auch wieder diese wunderschönen und zarten Titel, randvoll angefüllt mit Melodiösität und Harmonien, die einen träumen lassen – und genau diese Nummern sind deutlich in der Überzahl auf „pH7“. Drei Titel dieser Sorte habe ich unten als Anspieltipps angeführt. Das YouTube-Video stellt dagegen das andere Extrem dar, den nicht mehr ganz so harmonischen Titel, der immer wieder mal auszubrechen scheint, geradeso als würde Peter Hammill gespannt zuhören und abwarten, wohin sich die Nummer dieses Mal entwickeln wird.

Fazit: Klar, ich mag solche Musik, die auch mal in den Randbezirken der Melodiösität zu fischen scheint, dann jedoch wieder unglaublich einnehmend klingt. So ist „pH7“ für mich durchaus überzeugend, im Grunde genommen genau so wie der Vorgänger „The Future Now“. Ich liebe diese verträumte Stimmung, die viele der Lieder des Peter Hammill transportieren. Das ist mitunter sehr bewegend. Zehn Punkte.

Anspieltipps: My Favourite, Not For Keith, Time For A Change



Donnerstag, 25. Juni 2015

Bread – The Best Of Bread




Bread – The Best Of Bread


Besetzung:

Mike Botts – drums, percussion
David Gates – guitar, bass, piano, violin
James Griffin – vocals, guitar
Larry Knechtel – keyboards, guitar, bass


Label: Warner Music


Erscheinungsdatum: 1972


Stil: Soft Rock


Trackliste:

1. Make It With You (3:15)
2. Too Much Love (2:45)
3. If (2:33)
4. Let Your Love Go (2:25)
5. Everything I Own (3:06)
6. Been Too Long On The Road (4:49)
7. Baby I'm-a Want You (2:25)
8. Down On My Knees (2:44)
9. It Don't Matter To Me (2:41)
10. Mother Freedom (2:55)
11. Look What You've Done (3:10)
12. Truckin' (2:31)

Gesamtspieldauer: 35:19




Bread war eine Rockband aus Los Angeles, die zunächst in den Jahren zwischen 1968 und 1973 Platten veröffentlichte, sich dann auflöste. Zwischen 1976 und 1978 waren die Musiker noch mal aktiv und veröffentlichten eine neues Album. Schließlich gab es nochmals ein Aufleben von Bread in den Jahren 1996 und 1997, jedoch ohne weitere Plattenveröffentlichung. Inzwischen lebt von den ursprünglichen vier Band-Mitgliedern lediglich noch David Gates.

Diese vorliegende „The Best Of Bread“-Scheibe stammt aus dem Jahr 1972, auch wenn man manchmal im Internet das Datum 1973 lesen kann. Auf dieser Platte hört man also das Beste dieser Band und dies ist zu neunzig Prozent sehr sanfter Soft Rock, mit dem die vier Musiker allerdings durchaus Erfolg in ihrem Heimatland hatten. Immerhin konnten sie während ihrer Karriere dreizehn Titel in den US-Billboard Charts platzieren.

Nun, die- oder derjenige, der auf wahrlich sanften Rock steht, der manches Mal einen leichten Rock’n’Roll-Touch aufweist, ein anderes Mal Stilmittel der Country-Musik verwendet, die oder der könnten an solcher Musik beziehungsweise auch an dieser Scheibe durchaus Gefallen finden. Für jemanden, der auf Rock Musik steht, die auch mal das Tempo etwas anzieht, für die oder den könnten allerdings die 35 Minuten Laufzeit der Scheibe verdammt lang werden. Richtig überzeugend finde ich dabei auch nur einen Titel und dieser bildete den Abschluss der ehemaligen Seite 1 der LP: „Been Too Long On The Road“. Zwar ist auch diese Nummer weich, zieht das Tempo allerdings zumindest auch mal leicht an und verfügt über eine schöne Melodie, welche man auch nicht bei jeder der restlichen zwölf Nummern antrifft.

Fazit: Bread sind die Mitbegründer des Soft Rocks, obwohl es diesen Ausdruck Anfang der 70er Jahre noch gar nicht gab. Alles ist zart, sanft und weich. Muss man eben mögen – oder es wird sehr schwer. Die Scheibe gibt es inzwischen auch als remasterte CD Version, der noch weitere acht Titel hinzugemischt wurden. Für mich lohnt sich der Kauf nicht, denn so sehr überzeugt mich das Ganze dann doch nicht. Allerdings, schlecht ist auch was anderes, eher ist die Musik manchmal einfach etwas zu süßlich und irgendwann dann auch ein wenig langweilig. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Been Too Long On The Road



Mittwoch, 24. Juni 2015

Bauhaus – Burning From The Inside




Bauhaus – Burning From The Inside


Besetzung:

Peter Murphy – vocals, guitar
Daniel Ash – guitar, vocals
David J – bass guitar, vocals
Kevin Haskins – drums


Label: Beggars Banquet


Erscheinungsdatum: 1983


Stil: Post Punk, Rock, New Wave


Trackliste:

1. She's In Parties (5:46)
2. Antonin Artaud (4:09)
3. Wasp (0:20)
4. King Volcano (3:29)
5. Who Killed Mr. Moonlight? (4:54)
6. Slice Of Life (3:43)
7. Honeymoon Croon (2:52)
8. Kingdom's Coming (2:25)
9. Burning From The Inside (9:21)
10. Hope (3:17)

Gesamtspieldauer: 40:16




„Burning From The Inside“ heißt das vierte Album der britischen Band Bauhaus und es wurde im Jahr 1983 veröffentlicht. Während des Schreibens der Titel und der Aufnahmen zum Album war Sänger Peter Murphy schwer an einer Lungenentzündung erkrankt. Deswegen hört man ihn auch längst nicht bei jedem Titel am Gesang. Dies führte jedoch zu Streitigkeiten in der Band, die schließlich dazu führten, dass sich Bauhaus eine Woche vor dem Erscheinen dieses Albums auflösten. Sie spielten noch ein Konzert im Hammersmith Palais in London, bei dem schließlich David J die Bühne verließ, nicht ohne vorher noch die Worte „Rest In Peace“ an das Publikum zu richten. „Burning From The Inside“ ist allerdings nicht das letzte Album der Band. Im Jahr 2008 fand Bauhaus nochmals zusammen und veröffentlichte das Album „Go Away White“. Dies wurde jedoch noch nicht mal mehr von einer Tour begleitet und bedeutete das endgültige aus von Bauhaus.

Doch nun zurück zu dieser Scheibe, „Burning From The Inside“. Diese ist, trotz des schwierigen Entstehungsprozesses, sehr überzeugend geworden, an manchen Stellen sogar sehr beeindruckend. „Who Killed Mr. Moonlight?“ ist eine wahrlich außergewöhnliche Nummer. Schwer in ein Schema zu pressen, einem Musikgenre zuzuordnen. Habe das Stück extra unten verlinkt. „Who Killed Mr. Moonlight?“ ist eine warmer und gefühlvoller Titel, der sofort ins Ohr geht und dort auch sehr lange zu verbleiben versteht. Das ist weder Post Punk noch Rock, sehr viel eher Art Rock oder von mir aus auch Art Pop. Auch sehr überzeugend klingt die (halbe) Instrumentalnummer davor: „King Volcano“. Sanft umgarnt hier die Gitarre das Ohr des Hörers, das Piano im Hintergrund scheint gegenläufig zu spielen. Ein wenig schräg klingt das, macht den Titel dadurch jedoch überaus spannend. Zum Schluss singen die Musiker in Chor noch Mantra-mäßig dazu. Ebenfalls sehr überzeugend.

Der Opener „She's In Parties” wurde als Single veröffentlicht. Hier klingen Bauhaus jetzt ein wenig nach New Wave. Ganz eindeutig New Wave der besseren Sorte. Die Nummer rockt sogar ein wenig und auch hier ist es die Melodie, die hängenbleibt. Nun, ich kann noch weitere Höhepunkte aufzählen, wie das wunderschöne „Slice Of Life“, welches in seinem weiteren Verlauf immer mal wieder rockig wird. Des Weiteren „Kingdom's Coming“, ein sehr eindringliches Lied, welches zunächst eine sehr tiefe Melancholie transportiert, dann jedoch das Tempo anzieht. Nicht zu vergessen der Titeltrack „Burning From The Inside“, der durchaus auch auf einem Album einer progressiven Band hätte vertreten sein können und dies nicht wegen seiner Laufzeit von über neun Minuten. Hier experimentiert die Band mit verschiedenen Effekten und Sounds. Nun, last but not least, soll auch die letzte Nummer noch Erwähnung finden. „Hope“ ist ein fröhlicher, fast ein wenig folkiger Abschluss der Platte in welchen die Musiker gegen Ende mit fast schon hymnischen Gesang einsteigen.

Fazit: Wirklich sehr gelungen, diese Scheibe von Bauhaus. Es ist die musikalische Vielfalt auf „Burning From The Inside“, die neben all dieser Melodiösität überzeugt. Für mich muss Musik interessant sein und wenn möglich auch noch ins Ohr gehen. All das findet man auf „Burning From The Inside“. Auch gibt es keine Ausfälle zu beklagen, das kurze „Wasp“ kann man wohl unter der Rubrik „scherzhaftes Experiment“ einreihen. Nein, kaum Gründe zur Klage. Wer auf etwas außergewöhnliche, dennoch eingängige Musik steht, die oder der dürften hier etwas durchaus Lohnendes für sich finden. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: King Volcano, Who Killed Mr. Moonlight?, Slice Of Life, Kingdom's Coming



Dienstag, 23. Juni 2015

Iggy Pop – Blah Blah Blah




Iggy Pop – Blah Blah Blah


Besetzung:

Iggy Pop – vocals, backing vocals


Gastmusiker:

Kevin Armstrong – guitar, backing vocals
Erdal Kizilcay – synthesizer, bass, drums, string arrangements, backing vocals
Steve Jones – lead guitar solo on "Cry For Love"


Label: A&M Records


Erscheinungsdatum: 1986


Stil: Rock


Trackliste:

1. Real Wild Child (Wild One) (3:38)
2. Baby It Can't Fall (4:14)
3. Shades (5:57)
4. Fire Girl (3:33)
5. Isolation (4:36)
6. Cry For Love (4:28)
7. Blah-Blah-Blah (4:32)
8. Hideaway (5:01)
9. Winners & Losers (6:18)
10. Little Miss Emperor (3:50)

Gesamtspieldauer: 46:12




Nun, die 80er Jahre des letzten Jahrhunderts waren musikalisch gesehen nur selten sehr überzeugend. Dies gilt leider auch für das siebte Solo-Album des Iggy Pop, „Blah Blah Blah“, welches im Jahr 1986 erschien. Zehn Lieder befinden sich auf der Scheibe, bei der ursprünglichen LP-Ausgabe des Albums fehlte übrigens der letzte Titel. Nun, von diesen zehn Titeln ist die erste Nummer „Real Wild Child (Wild One)“ eine Cover-Song, der bereits 1958 entstand und von Johnny O'Keefe interpretiert wurde. Drei Titel schrieb Iggy Pop zusammen mit Steve Jones, Ex-Mitglied der Sex Pistols und die restlichen sechs Nummern sind eine Koproduktion von Iggy Pop und David Bowie. Letzterer produzierte auch das gesamte Album.

Wenn man jetzt weiß und darüber nachdenkt, dass ein Jahr später David Bowies „Never Let Me Down“ veröffentlicht werden sollte – eines der schlechtesten, wenn nicht sogar das schlechteste Album Bowies – dann überrascht es nicht mehr unbedingt, dass das Songmaterial auch auf „Blah Blah Blah“ alles andere alles überzeugend ist. Irgendwie dem Zeitgeist der 80er Jahre geschuldet, klingt das alles poppig, mitunter tangiert das Gehörte sogar ziemlich deutlich den Synthie Pop. Vom früheren Punk des Iggy Pop war nichts mehr geblieben. Die einzelnen Titel plätschern so dahin, klingen manchmal sehr synthetisch und einprägsame Melodien findet man keine. Der Wiedererkennungswert dieser Musik geht dabei ganz deutlich gegen null.

Nun, dies trifft auf die Lieder zu, die Iggy Pop mit David Bowie schrieb. Oder war das umgekehrt? Egal, drei Titel verdienen trotzdem eine extra Erwähnung. Das wären „Real Wild Child (Wild One)“, weil diese Nummer wirklich ins Ohr geht und auch überaus bekannt ist, da sie wohl an die zwanzig Mal von den verschiedensten Musikern gecovert wurde. Und dann sind da noch zwei Titel, bei denen Steve Jones seine Finger mit im Spiel hatte. Zum einen ist das mit „Cry For Love“ endlich mal ein Titel, der dann doch hängenzubleiben versteht. Rockig und mit einer schönen Melodie ausgestattet, beinhaltet die Nummer auch ein wirklich gelungenes Gitarrensolo. Schließlich gibt es da noch den ehemaligen letzten Plattentitel „Winners & Losers“. Jetzt wird wirklich mal richtig gerockt, dabei werden immer wieder orientalische Akkorde eingestreut, was das Lied spannend und zu etwas Besonderem werden lässt. Neben „Cry For Love“ der Höhepunkt der Scheibe.

Fazit: Zehn Lieder sind auf „Blah Blah Blah“ vorhanden. Zweieinhalb davon sind wirklich gelungen. Der Rest ist zum Teil erträglich, jedoch überaus belanglos, manchmal jedoch noch nicht einmal das. Die Scheibe bescherte dem klammen Iggy Pop jedoch noch mal einen schönen Geldregen, da sie sich, nach den Flops zuvor, immerhin 27 Wochen in den US-Charts halten konnte, wenn sie auch nur Platz 75 als Höchstplatzierung erreichte. Sicherlich ist „Blah Blah Blah“ keines der besseren Alben des Iggy Pop. Die zwei bis drei gelungenen Titel reißen es da auch nicht mehr raus. Irgendwie ist das wirklich häufig ein wenig "Blah Blah Blah". Sieben Punkte.

Anspieltipps: Cry For Love, Winners & Losers



Montag, 22. Juni 2015

U2 – 18 Singles




U2 – 18 Singles


Besetzung:

Bono – vocals, rhythm guitar, harmonica
The Edge – lead guitar, keyboards, vocals
Adam Clayton – bass guitar
Larry Mullen, Jr. – drums, percussion


Gastmusiker:

Zahlreiche, allerdings hier nicht aufgeführt


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 2006


Stil: Rock


Trackliste:

1. Beautiful Day (4:05)
2. I Still Haven't Found What I'm Looking For (4:37)
3. Pride (In The Name Of Love) (3:49)
4. With Or Without You (4:56)
5. Vertigo (3:10)
6. New Year's Day (4:18)
7. Mysterious Ways (4:02)
8. Stuck In A Moment You Can't Get Out Of (4:32)
9. Where The Streets Have No Name (4:47)
10. Sweetest Thing (3:01)
11. Sunday Bloody Sunday (4:40)
12. One (4:36)
13. Desire (3:00)
14. Walk On (4:29)
15. Elevation (3:49)
16. Sometimes You Can't Make It On Your Own (5:06)
17. The Saints Are Coming (3:22)
18. Window In The Skies (4:07)

Gesamtspieldauer: 1:14:35




Mal wieder eine Kompilation, ein „Best Of…“-Album einer Band hier auf diesen Seiten. Obwohl, so ganz stimmt das nicht, denn diese 2006 veröffentlichte Scheibe von U2 beinhaltet, wie der Titel bereits sagt, 18 Singles der Band und zwar die erfolgreichsten Singleauskopplungen der Iren. Und auch das ist nur zum Teil richtig, denn, um genau zu sein, sind die ersten sechzehn Nummern diese Singleauskopplungen. Titel Nummer 17, „The Saints Are Coming“ und 18, „Window In The Skies“, sind neues Material.

Bleiben wir zunächst bei diesen beiden neuen Stücken. „The Saints Are Coming“ ist dabei gar nicht so neu, denn es wurde bereits 1979 von der schottischen Punk Rock und New Wave Band The Skids geschrieben und veröffentlicht. Es handelt sich also um eine Cover-Nummer, die U2 zusammen mit der US-amerikanischen Band Green Day zugunsten eines Hilfsfonds für die Opfer des Hurrikan Katrina aufnahm. Das Lied ist in dieser Interpretation der beiden Bands kurz mit „großartig“ zu umschreiben. Langsam steigert sich dieser sehr melodiöse Titel, um dann richtig los zu rocken. Richtig mitreißend und lohnend. Die zweite „neue“ Nummer „Window In The Skies“, ist nun aber wirklich neu. Dieses Lied kann man getrost als „typisches“ U2 Lied bezeichnen, bei dem man bereits nach drei Takten merkt, dass es eben von U2 stammt. Nicht nur der Gesang ist hier unverwechselbar, auch der Klang der Gitarre und eine für U2 einfach unverwechselbare Melodieführung. Ob diese Nummer allerdings wirklich als Single auf einem offiziellen Album veröffentlicht worden wäre, das sei mal so dahingestellt. Aber ein Zusatz ist es und ein Schelm wer denkt, dass vielleicht auch erwartet wurde, aufgrund dieser Nummer werden doch noch ein paar zusätzliche Fans die Platte kaufen, da sie eben alles von „ihrer“ Band besitzen möchten, obwohl sie die restlichen Lieder sowieso schon besitzen.

Nun, beim „Rest“, also den erfolgreichsten Single-Auskopplungen, ist natürlich genau das vertreten, was man sich als Fan dieser Band wünscht, wenn auch nicht alles. Aber das liegt natürlich daran, dass einem nicht jede Single gefallen muss und man mitunter auch sehr überrascht ist, wenn das Management einer Band, die Band selbst oder die Marketing-Abteilung eines Platten-Labels entscheidet, dieses oder jenes Lied eben nicht als Single zu veröffentlichen. Sei es drum, ist eben alles Geschmackssache und auch Marketing-Strategen irren manchmal. Die meisten großen Nummern, die U2 in seiner Band-Geschichte bis 2006 hatte, sind hier allerdings vorhanden. Von daher erhält man einen sehr schönen Überblick über die Musik von U2 von 1983, ab dem Album „War“, bis eben 2006. Die ersten beiden Patten „Boy“ und „October“ sind hier übrigens mit keiner Single vertreten.

Fazit: Die Musik ist natürlich über jeden Zweifel erhaben. Wenn man U2 Fan ist und bereits alles von „seiner“ Band besitzt, dann lohnt sich diese Zusammenstellung allerdings definitiv nicht – auch nicht für die zwei neu hinzugekommenen Nummern. Ansonsten ist diese Scheibe eine geballte Ladung U2 und man kann auch ein wenig nachverfolgen, wie sich die Musik der Band in 23 Jahren weiterentwickelt hat. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Im Grunde genommen alles