Sonntag, 22. Mai 2016

Pete Townshend – The Iron Man




Pete Townshend – The Iron Man


Besetzung:

Pete Townshend – vocals, guitars, keyboards


Gastmusiker:


Roger Daltrey – vocals
Deboarh Conway – vocals
John Lee Hooker – vocals
Simon Townshend – vocals
Nina Simone – vocals
Chyna – vocals
Nicola Emmanuel – vocals
Simon Phillips – drums
Charlie Morgan – drums
John Entwistle – bass
Chucho Merchan – bass
John “Rabbit” Bundrick – piano
Peter Beachill – brass
John Barclay – brass
Patrick Clahar – saxophone
Pat Halling – strings
Gina Foster – chorus vocals
Derek Green – chorus vocals
Janice Hoyte – chorus vocals
Ruby James – chorus vocals
Julian Littman – chorus vocals
Michael Nicholls – chorus vocals
Earnestine Pearce – chorus vocals
Raymond Simpson – chorus vocals
The Children Of St. Stevens And Orleans School – chorus vocals



Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1989


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. I Won't Run Any More (4:51)
2. Over The Top (3:31)
3. Man Machines (0:42)
4. Dig (4:07)
5. A Friend Is A Friend (4:44)
6. I Eat Heavy Metal (4:01)
7. All Shall Be Well (4:02)
8. Was There Life (4:19)
9. Fast Food (4:26)
10. A Fool Says... (2:51)
11. Fire (3:47)
12. New Life/Reprise (6:00)

Gesamtspielauer: 45:36




Es ist schon seltsam. Irgendwann reicht es vielen Rock-Musikern manchmal einfach nicht mehr, lediglich Pop- und Rock-Musik zu schreiben, sie sehnen sich nach vermeintlich „Höherem”. Da werden die eigenen Stücke dann schon mal mit großem Orchester eingespielt, um ihnen den Anstrich der ernsten Musik zu geben. Oder noch schlimmer, man komponiert die Musik speziell für völlig andere musikalische Zielgruppen. Musste es im Falle des Pink Floyd Bassisten Roger Waters gleich eine ganze Oper mit dem Namen „Ça Ira“ sein, so begnügte sich Pete Townshend dann doch noch mit einem Musical, welches den Titel: „The Iron Man“ trägt.

Das Stück wurde von den Kritikern ziemlich zerrissen und ich sage es gleich vorweg, ich hasse Musicals. Ich habe selbst drei in meinem Leben besuchen (müssen), die mit die schlimmsten „musikalischen“ Erlebnisse meines Lebens bedeuteten. Nun, dieses „Musical“ von Pete Townshend klingt allerdings glücklicherweise nur manchmal nach einem „richtigen“ Musical. zuallermeist ist das im Grunde genommen ganz normale Pop- und Rock-Musik, die man auf „The Iron Man“ zu hören bekommt. Aber leider hakt es auch gerade hier, denn diese Pop- beziehungsweise Rock-Musik ist zum größten Teil alles andere als überzeugend. Meist erreichen die Titel maximal noch Durchschnittsniveau. Und da ist es dann auch völlig egal, ob diese von Roger Daltrey, Pete Townshend selbst oder irgendjemand anderem eingesungen wurden.

Allerdings zwei Ausnahmen gibt es dann doch auf „The Iron Man“, die wahrlich gelungen sind. Zum einen ist da das rockige „I Eat Heavy Metal“, welches John Lee Hooker einsingt und schließlich noch das sehr sanfte und von Pete Townshend selbst vorgetragene „A Fool Says…“. Beides schöne Nummern, die ins Ohr gehen und ein klein wenig über solch Grausamkeiten wie „New Life“ oder ähnlichen Stücken hinwegtrösten.

Fazit: Nimmt man die „Musical-Lieder“, die es leider logischerweise auch auf „The Iron Man“ gibt, weg, würde ein kurzes, mit zwei Höhepunkten versehenes Album übrigbleiben. Die Platte ist sicherlich keine essentielle in der Diskographie des Pete Townshend und eher was für eingefleischte Fans, die eben alles von ihm ihr Eigen nennen wollen. Für mich hat sich die Scheibe wegen der zwei guten Titel jedoch durchaus gelohnt, für den Rest allerdings nicht mehr. Sieben Punkte.

Anspieltipps: I Eat Heavy Metal, A Fool Says...



Samstag, 21. Mai 2016

Tindersticks – Tindersticks 2




Tindersticks – Tindersticks 2


Besetzung:

Stuart Staples – vocals, guitar
David Boulter – keyboards
Neil Fraser – guitar
Dickon Hinchliffe – violin
Mark Colwill – bass guitar
Alistair Macaulay – drums


Gastmusiker:

Ben Chappell – cello on "My Sister"
Terry Edwards – trumpets, saxophones and french horns
Biff Harrison – saw on "My Sister" and "Vertrauen III"
Mike Kearsey – trombone on "My Sister"
Isabel Monteiro – whisper on "My Sister"
Carla Torgerson – duet vocals on "Travelling Light"
Sendrine – narration on "Mistakes"
String quartet on "El Diablo En El Ojo" and "She's Gone":
Ann Louise Child, Calina de la Mare, Lucy Wilkins and Sarah Wilson
String section on "A Night In", "Tiny Tears", "Talk to Me", "Travelling Light" and "Mistakes":
Heather Broadbent – violin
Vic Evans – violin
Zillah Hawley – violin
Suzanna Horne – violin
Tanja Housten – violin
Becky Leetch – violin
Caroline Luckhurst – violin
Kate MacKenzie – violin
Suzannah Marsden – violin
Jeff Moore – violin
Julie Nicholau – violin
Louise Walters – violin
Amanda Westgarth – violin
Lucy Wilkins – violin
Hannah Bliss – viola
Maritza Bulcock – viola
Ann Louise Child – viola
Kate Fraser – viola
Samie Pullman – viola
Clare Parkholm – cello
Annabelle Simmons – cello
Andrew Skrimshire – cello
Sarah Wilson – cello


Label: Island Records


Erscheinungsdatum: 1995


Stil: Alternative Pop, Independent Rock


Trackliste:

1. El Diablo En El Ojo (3:32)
2. A Night In (6:23)
3. My Sister (8:10)
4. Tiny Tears (5:44)
5. Snowy In F♯ Minor (2:26)
6. Seaweed (5:30)
7. Vertrauen II (3:17)
8. Talk To Me (5:02)
9. No More Affairs (3:49)
10. Singing (0:58)
11. Travelling Light (4:50)
12. Cherry Blossoms (4:19)
13. She's Gone (3:29)
14. Mistakes (5:45)
15. Vertrauen III (2:25)
16. Sleepy Song (4:38)


Bonus CD der remasterten Wiederveröffentlichung (The Bloomsbury Theatre 12.3.1995):

1. El Diabolo En El Ojo (3:38)
2. A Night In (6:42)
3. Talk To Me (5:03)
4. She's Gone (3:52)
5. No More Affairs (4:00)
6. City Sickness (4:00)
7. Vertrauen II (3:04)
8. Sleepy Song (4:25)
9. Jism (6:14)
10. Drunk Tank (4:34)
11. Mistakes (5:33)
12. Tiny Tears (5:57)
13. Raindrops (6:56)
14. For Those... (5:10)

Gesamtspieldauer: CD1 (1:10:25) und CD2 (1:09:12): 2:19:37




Auch das zweite, erneut selbstbetitelte Studioalbum der britischen Band Tindersticks, kann musikalisch überzeugen. Veröffentlicht wurde „The Second Album“, wie es aufgrund des fehlenden Namens und zur Abgrenzung vom Debut auch genannt wird, im April 1995 erneut auf dem Label „This Way Up“. Die remasterte Version der Scheibe wird inklusive Bonus CD mit einem Konzert vom März 1995 aus dem Bloomsbury Theatre geliefert. Die Atmosphäre des Albums bewegt irgendwo zwischen düster und nachdenklich, mitunter hört sich das Ganze einmal mehr etwas experimenteller an, richtig Fahrt nimmt die Musik jedoch kaum auf, bleibt zumeist in der sanfteren Ecke verhaftet.

Erneut machen die Tindersticks keine Musik für den Massenmarkt. Erneut kommen jede Menge Instrumente zum Einsatz, die man ansonsten eher in der klassischen Musik vermutet und erneut ist dies jedoch keine „verklassischter“ Pop oder Rock. Im Grunde genommen sind die Musiker hier sogar noch einen Schritt weiter gegangen, als noch auf dem ebenfalls selbstbetitelten Debut-Album. Die Musik der Tindersticks klingt jetzt noch ein wenig entrückter bis manchmal verschrobener. Immer wieder gibt es eine Art Sprechgesang zu hören, traurig und melancholisch und tief. Die Melodien treten ein wenig in den Hintergrund, nicht jedoch die Ideen, mit denen die Briten ihr musikalisches Spektrum auszutesten scheinen.

Das ist allerdings an manchen Stellen nicht mehr ganz so überzeugend, wenn zum Beispiel die Streicher das Ganze zu sehr ins Süßliche abdriften lassen, wie zum Beispiel bei der Nummer „Tiny Tears“. Auch diese wunderbar eingängigen Melodien sind etwas rarer gesät, als noch auf dem ersten Album der Band. Aber es gibt sie noch und lassen auch dieses Album zu einem sehr hörenswerten werden. „A Night In“, „Snowy In F♯ Minor“, „Talk To Me“, das Duett von Carla Torgerson und Stuart Staples auf „Travelling Light“, „She's Gone“ oder das orchestrale „Mistakes“ stehen dafür beispielhaft.

Auch das im Rahmen der Wiederveröffentlichung enthaltene Live-Album, welches als Bonus-CD mit von Island Records veröffentlicht wurde, lohnt sich. Die Soundqualität ist sehr gelungen, die Stimmung der Lieder wird auch hier perfekt transportiert und viele Streicher sorgen für die nötige Fülle der einzelnen Titel.

Fazit: Auch das zweite Album der Tindersticks ist kein Alltägliches geworden. Angefüllt ist die Scheibe mit Musik, die so nicht im Radio zu hören ist, außer man bewegt sich gerade vielleicht in der Frequenz eines alternativen Senders. Das Album klingt an manchen Stellen erneut etwas experimentell und nicht mehr ganz so eingängig, wie noch das Debut zwei Jahre zuvor. Trotzdem macht auch Tindersticks‘ zweites Album Spaß, weil es ebenfalls etwas Besonderes mit seiner Musik darstellt. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Talk To Me, Travelling Light, Mistakes



Freitag, 20. Mai 2016

Keith Jarrett – The Köln Concert




Keith Jarrett – The Köln Concert


Besetzung:

Keith Jarrett – piano


Label: ECM Records


Erscheinungsdatum: 1975


Stil: Jazz


Trackliste:

1. Part I (26:01)
2. Part II a (14:54)
3. Part II b (18:13)
4. Part II c (6:56)

Gesamtspieldauer: 1:06:05




Das „The Köln Concert“ ist eine Konzertaufnahme des Pianisten Keith Jarrett für Piano Solo. Die Improvisation wurde am 24. Januar 1975 in der Oper Köln aufgenommen und schließlich im Herbst desselben Jahres veröffentlicht. Das Album stellt das am meisten verkaufte Solo-Album in der Geschichte des Jazz und das am meisten verkaufte Piano Album dar. Natürlich ist es auch diese Aufnahme, welche die erfolgreichste Veröffentlichung für Keith Jarrett bedeutet.

Und das alles, obwohl das ganze Konzert unter keinem sehr guten Stern stand. Keith Jarrett, kam gerade aus Zürich, war übermüdet und litt unter Rückenschmerzen. Zu allem Überfluss befand sich im Kölner Opernhaus nicht das Bösendorfer Piano, welches eigentlich für diesen Abend vorgesehen war. Durch eine Verwechslung stand dort ein anderes Bösendorfer Piano, alt und völlig verstimmt. Keith Jarrett wollte den Auftritt schon absagen, völlig verärgert und geschafft, konnte jedoch schließlich doch überredet werden, sein Können zum Besten zu geben. Und so begann die Improvisation um 23:30 Uhr, nach einer Opern-Veranstaltung und Keith Jarrett leitete diese mit dem Pausen-Gong-Zeichen der Oper ein, was wiederum für Heiterkeit bei den Zuhörern sorgte, wie man am Anfang der Aufnahme gut hören kann.

Soweit, so gut. Jetzt bin ich absolut kein Jazzer, allerdings streifen manche Titel und Künstler des Progressive Rock durchaus auch manchmal das musikalische Genre des Jazz und dieses Konzert des Keith Jarrett ist weit davon entfernt, im Free Jazz beheimatet zu sein. Somit ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass viele Menschen, die sonst mit Jazz nur wenig anfangen können, in gewissen Situationen und mit diesem Hintergrund, durchaus auch mal das meist so hochgelobte Köln Konzert auflegen. Für viele „echte“ Jazzer grenzt diese Scheibe allerdings bereits an Richard Clayderman, beinhaltet eine anbiedernde Improvisation und hat mit „Jazz“ nun schon mal gar nichts mehr zu tun. Nähert man sich dieser Scheibe allerdings eher von der oben beschriebenen Seite der Rock Musik, klingt das Köln Concert durchaus nach einer Jazz-Improvisation, wenn auch gemäßigt.

Für meine Ohren passiert dabei noch am meisten im ersten Part, der auch am deutlichsten über eine eingängige Melodie verfügt. Das wiederum könnte natürlich ein Frevel sein, denn Jazz benötigt in den Augen beziehungsweise den Ohren der überzeugten Jazzer keine Melodie. Trotzdem gibt es hier eine solche und diese geht auch ins Ohr. Überraschend dabei ist, dass diese selbst Keith Jarrett zu beeindrucken scheint, denn nicht anders kann man wohl seine verzückten Laute deuten, die er dabei, vor allen in den rhythmisch-melodiösen Passagen, ausstößt.

Mit dem Beginn von Part II passiert dann allerdings nicht mehr allzu viel. Zwar werden noch Stimmungen variiert und wechseln von laut nach leise und zurück, die Variationen in der Musik selbst werden jedoch deutlich zurückgefahren und auch die Melodiösität steht dabei nicht mehr so ganz im Vordergrund. Wahrscheinlich sind diese Parts dann eher wieder für die „richtigen“ Jazzer gedacht, die mit diesen Abschnitten des Konzertes wohl deutlich mehr anzufangen wissen.

Fazit „The Köln Concert“ ist die meistverkaufte Piano-Jazz-Platte überhaupt. Auch heute geht sie noch zahlreich über den Ladentisch. Beeindruckend ist dabei, dass es sich hierbei um eine Improvisation handelt. Kaum zu glauben, was Keith Jarrett in dieser Stunde aus dem Piano, welches wohl noch nicht mal richtig funktionierte und gestimmt war, herausholte. Wirklich beeindruckend. Der erste Teil dieser Improvisation klingt dabei sehr melodiös und geht ins Ohr. Mit Part II wird das Ganze dann ein wenig freier und ungebundener. Hier benötigt man als Musikfreund, der eher von der rockigen Seite kommt, ein wenig mehr Anlaufzeit, um sich einzuhören. Trotzdem, wenn Jazz so klingt, dann macht das schon Spaß. Elf Punkte.

Anspieltipps: Part I



Donnerstag, 19. Mai 2016

Einstürzende Neubauten – Ende Neu




Einstürzende Neubauten – Ende Neu


Besetzung:

Blixa Bargeld – vocals, fill words, electric guitar, electric slide guitar, pencil and paper, hammond organ, bass feedback, amplifier, installation, choir vocals, hand claps, flute installation, air compressor, fender Rhodes piano, vibraphone, foot stomps, whistles
Andrew Chudy – amplified bass spring, fill words, choir, metal plate, percussion, plastic canisters, electric drill, tone generator, installation, bass drum, hand claps, machine recordings, flute installation, large resonating spring, amplified bass wire, plastic tube, plastic bin, foot stomps, amplified wire, motor leather belts, Pythagorean tube bells, microphone percussion
F.M. Einheit – bass drum, metal plate, chain, brushes, tank, metal percussion, plastic canisters
Alex Hacke – bowed electric guitar, electric guitar, electric bass guitar, fill words, choir conductor, choir vocals, hand claps, amplified wire


Gastmusiker:

Meret Becker – vocals
Jennifer Levy – vocals
Roland Wolf – electric bass guitar
Klaus Maeck – fill words
Boris Wilsdorf – fill words, choir voices
Jochen Arbeit – choir voices
Laurie Tomin – choir voices
Ralf Strunz – choir voices
Adrian Bilderberger – choir voices
Axel Anonymus – choir voices
Chrislo Haas – choir voices
Maria Zastrow – choir voices
Bertrand Burgalat – string arrangement
Ingrid Aelvoet – violin
Renaud Lhoest – violin
Françoise Derissen – violin
Jean-Pierre Catoul – violin
Georges Siblik – violin
Carole Duteille – violin
Benoit Gilot – viola
Samuel Aelvoet – viola
Eric Gerstmans – viola
Jean-Pol Zanutel – cello
Raoul Walton – electric bass guitar, machines


Label: Nothing Records


Erscheinungsdatum: 1996


Stil: Industrial, Avantgarde, Rock, Pop, Punk, New Wave


Trackliste:

1. Was Ist Ist (3:31)
2. Stella Maris (5:21)
3. Die Explosion Im Festspielhaus (4:32)
4. Installation No. 1 (4:30)
5. Nnnaaammm (10:59)
6. Ende Neu (5:00)
7. The Garden (5:12)
8. Der Schacht Von Babel (2:48)
9. Bili Rubin (2:59)

Gesamtspieldauer: 44:56




Die musikalischen Genres sind breit gestreut auf dem siebten Studioalbum der Einstürzenden Neubauten. „Ist das noch Industrial?“ „Oder ist das doch eher Avantgarde?“ „Nein, das ist doch Rock!“ „Gar nicht, viel eher ist das Pop.“ „Quatsch, das ist doch Punk“. „Hm, ich höre da eher New Wave raus!“ Alle Aussagen zu dem 1996 erschienen Album „Ende Neu“ sind irgendwie richtig, denn genau das alles und noch viel mehr gibt es auf dieser Platte, die auf dem Label Nothing Records veröffentlicht wurde, zu hören. Es hängt somit ganz einfach damit zusammen, über welchen Titel man denn gerade redet, auf was man sich bezieht, um der Musik die korrekte Überschrift zuordnen zu können.

Es ist genau diese Bandbreite, die, von fast schon kitschigem (aber nur fast) Pop, in Form des Liedes „Stella Maris“, bis hin zu experimentellen Auswüchsen à la „Nnnaaammm“ reicht. Kein einfaches Album zum Anhören, sicherlich nicht, da die einzelnen Titel irgendwie gar nicht so gut zusammenpassen wollen. Vielmehr klingt das alles wie ein Arrangement verschiedenster Atmosphären und Eindrücke, die mal das Ohr umschmeicheln, ein anderes Mal redundante und hypnotisierende Klangwelten erschaffen. Das eine Mal taucht man in eingängige und überaus melodiöse Welten ab und ein, an anderer Stelle werden irgendwelchen Alltagsgegenständen Geräusche entlockt, die sich dann zu rhythmischen Aufbauten emporstapeln und einem um die Ohren fliegen.

Dabei irgendwelche Titel herauszuheben verbietet sich alleine dadurch, dass „Ende Neu“ eben keine Einheit bildet. So können das schöne „Stella Maris“, das sehr viel abgefahrenere, jedoch immer noch eingängige „The Garden“ anders punkten, als die etwas punkige Auftaktnummer „Was Ist Ist“ oder das avantgardistische „Nnnaaammm“. Wieder andere werden sicherlich den New Wave von „Installation No. 1“ für sich entdecken, weitere Hörerinnen und Hörer dann doch eher das in Richtung Industrial driftende Titellied „Ende Neu“. Irgendwie scheint für alle was dabei zu sein und jede Nummer hat auf ihre eigene Art und Weise etwas zu bieten.

Fazit: Nein, einheitlich ist „Ende Neu “ mit Sicherheit nicht. Vielmehr gibt es darauf eine sehr breite Mischung aus diversen musikalischen Genres zu hören. Manches davon klingt überaus melodiös, manches dann allerdings auch eher verstörend. Gelungen ist das allemal, da es nämlich so besonders ist. Keine Musik für das Autofahren, allerdings Musik für einen selbst, wenn man die Zeit und Muße hat, mal musikalisch etwas zu erleben. Elf Punkte.

Anspieltipps: Stella Maris, The Garden



Mittwoch, 18. Mai 2016

Patrick Richardt – So, wie nach Kriegen




Patrick Richardt – So, wie nach Kriegen


Besetzung:

Patrick Richardt – alle Instrumente


Gastmusiker:

Jan Büttner – Zweitstimme und Chor auf „Morgenlicht“, Schlagzeug auf „Gleichstrom“
Katrin Biniasch – Chor auf „Morgenlicht“
Georg Braunschweig – Geige auf „Herz versagt“


Label: Grand Hotel van Cleef


Erscheinungsdatum: 2013


Stil: Pop, Liedermacher


Trackliste:

1. Wir segeln 3:32)
2. Ade, Ade (2:43)
3. Morgenlicht (2:57)
4. Gleichstrom (3:43)
5. Herz versagt (3:03)
6. Fliegen lernen (2:44)
7. Wie nach Kriegen (2:10)
8. Wie die Meere entstehen (3:40)
9. Planet (3:47)
10. Eisblock (3:22)
11. Vorbei (3:21)
12. Lichterloh (4:02)
13. (La-La-La) Land (3:08)

Gesamtspieldauer: 42:19




Im Jahr 2013 veröffentlichte Patrick Richardt sein erstes Album mit dem Titel „So, wie nach Kriegen“ auf dem Label Grand Hotel van Cleef. Darauf ist zumeist sanfte und immer eingängige Musik zu hören, die von Patrick Richardt fast im Alleingang eingespielt wurde. Die Gitarre steht zumeist im Vordergrund, allerdings wird auch dem Piano ein gewisser Rau eingeräumt. Zu Patrick Richardt werden häufig Vergleiche zu Rio Reiser gezogen, Vergleiche jedoch, die man nicht unbedingt nachvollziehen können muss.

Die dreizehn Titel auf „So, wie nach Kriegen“ gehen auf jeden Fall ziemlich schnell ins Ohr, sind bereits nach wenigen Durchläufen zu guten Bekannten geworden. Die Stimmung der Lieder ist häufig eine sanfte, nachdenkliche, jedoch versteht Patrick Richardt auch das Tempo anzuziehen, ohne dass dabei ein härterer Rock als Ergebnis dastehen würde. Viel mehr ist dies dann groovende Musik, die zum Mitwippen der Füße animiert. Gerade diese Abwechslung aus ruhigeren und etwas treibenderen Titeln bewirkt, dass die Platte niemals in Gefahr gerät, langweilig zu klingen.

Es lohnt auch immer die Texte des Patrick Richardt mit zu verfolgen und wirken zu lassen, die nämlich nicht von Liebe und Herzschmerz handeln, sondern verschiedenste Themen abdecken und durchaus auch zum Nachdenken anregen. Ein kleines Manko besteht vielleicht darin, dass die einzelnen Lieder zwar durchaus ins Ohr gehen, solch absolute musikalische Höhepunkte allerdings nicht vorhanden sind. Das klingt alles schön und eingängig, „Das“ Lied, das fehlt hier allerdings.

Fazit: Das Debut-Album des Patrick Richardt ist durchaus gelungen. Die Lieder sind melodiös, die Texte klingen sinnig und hörenswert. Eine Platte, die sich sehr unaufgeregt und schön anhören lässt. Alles darauf besitzt unterhaltende Qualität, ohne dabei jedoch restlos begeistern zu können. Aber das ist vielleicht jetzt auch „Jammern“ auf sehr hohem Niveau. Neun Punkte.

Anspieltipps: Morgenlicht, Herz versagt, Eisblock



Dienstag, 17. Mai 2016

Various Artists – Faust – Freispiel




Various Artists – Faust – Freispiel


Besetzung (Ohne Instrumentenangabe):

Mathias Schaffhäuser
Gel
Sofa Surfers
Surgeon
Funkstörung
Kreidler
Lanzi & Sodano
Trilian
Howie B.
Sunroof!
Residents
Dax & Pieper
Dead Voices On Air


Label: Klangbad


Erscheinungsdatum: 2002


Stil: Elektronische Musik


Trackliste:

1. T-Electronique (Ware Remix) Mathias Schaffhäuser (6:22)
2. Wir Brauchen Dich #6 (Gel Remix) Gel (7:28)
3. Meltdown Of T-Electronique & Apocalypse (Sofa Surfers Remix) Sofa Surfers (4:16)
4. D.I.G. (Surgeon Remix) Surgeon (6:40)
5. Du Weisst Schon (Funkstoerung Remix) Funkstörung (4:45)
6. D.I.G. (Kreidler Remix) Kreidler (6:05)
7. Carousel II (Through a Microscope Mix) Lanzi & Sodano (4:10)
8. Carousel II (Trillian Remix) Trilian (4:26)
9. Four Plus Seven Means Eleven (Howie B. Remix) Howie B. (7:20)
10. Carousel II (Dan Miller & Gareth Jones Remix) Sunroof! (6:41)
11. T-Electronique (The Death Of Komarov Remix by The Residents) Residents (4:25)
12. Four Plus Seven Means Eleven (Dax & Pieper Remix) Dax & Pieper (5:50)
13. Du Weisst Schon (Dead Voices On Air Remix) Dead Voices On Air (4:57)

Gesamtspieldauer: 1:13:30




Bei der Scheibe „Freispiel“, die unter der Überschrift Faust läuft, handelt es sich zwar um Faust-Musik, jedoch wird diese nicht von der Band selbst gespielt. Anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Band wurde dieses Album veröffentlich, auf dem verschiedene Künstler die Musik von Faust, die allesamt vom 1999 erschienenen Faust-Album „Ravvivando“ stammt, interpretieren.

Ich kenne die Originalplatte nicht, kann nicht beurteilen, ob die Interpretationen gelungen sind oder etwas weniger. Auf diesem Album „Freispiel“ hört man elektronische Instrumental-Musik, die manches Mal fast in den Bereich des Techno hineinwirkt, an anderer Stelle dagegen rein sphärisch ist. Klingt die Musik im ersteren Fall stark redundant und wird hier fast schon Mantra-artig ein Thema wiederholt und der Hörerin beziehungsweise dem Hörer auf die Ohren gedrückt, so sind es im zweiten Fall Atmosphären, Klanggebilde, die jetzt erschaffen werden und über deutlich weniger Melodiösität verfügen – wenn überhaupt noch eine Melodie vorhanden ist.

Interessant klingt das immer wieder mal, jedoch nicht an jeder Stelle und mit jeder Interpretation. „Freispiel“ lässt sich auch nur schwerlich in einem Durchhören, zu unterschiedlich sind einfach die Lieder und damit die Stimmungen. Immer wieder klingt es auch unfassbar experimentell, wenn eben alle Zutaten eines Liedes einfach über Bord geworfen werden. Das ist dann durchaus spannend, allerdings kann man so etwas keinesfalls immer oder nebenbei hören.

Fazit: „Freispiel“ ist eine Scheibe, die oftmals nur noch sehr wenig mit „normaler“ Musik zu tun hat. Von daher ist das Ganze wohl eher interessant für den Faust-Fan, der Lieder seiner Band gerne Mal interpretiert hören möchte oder Freunde der sehr experimentellen Musik, die gerade in künstlich klingenden Klangwelten ihre Erfüllung finden. Irgendwie sehr schräg. Fünf Punkte.

Anspieltipps: T-Electronique (Ware Remix)



Montag, 16. Mai 2016

Fleetwood Mac – Greatest Hits




Fleetwood Mac – Greatest Hits


Besetzung:

Stevie Nicks – lead & backing vocals
Christine McVie – lead & backing vocals, keyboards, synthesizer
Lindsey Buckingham – lead & backing vocals, guitars, additional keyboards, percussion
John McVie – bass guitar
Mick Fleetwood – drums, percussion


Gastmusiker:

Billy Burnette – backing vocals, guitar ("As Long as You Follow" and "No Questions Asked")
Rick Vito – backing vocals, guitar ("As Long as You Follow" and "No Questions Asked")


Label: Warner Brothers


Erscheinungsdatum: 1988


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Rhiannon (4:11)
2. Go Your Own Way (3:37)
3. Don't Stop (3:11)
4. Gypsy (4:22)
5. Everywhere (3:41)
6. You Make Loving Fun (3:31)
7. Big Love (3:39)
8. As Long as You Follow (4:11)
9. Say You Love Me (4:09)
10. Dreams (4:15)
11. Little Lies (3:37)
12. Oh Diane (2:33)
13. Sara (6:25)
14. Tusk (3:26)
15. Seven Wonders (3:33)
16. Hold Me (3:44)
17. No Questions Asked (4:41)

Gesamtspieldauer: 1:06:54




„Greatest Hits“ ist eines von inzwischen 23 Kompilationsalben der britisch-amerikanischen Band Fleetwood Mac. Auf diesem befinden sich Lieder aus der größten Erfolgszeit der Band, die Mitte der 70er Jahre startete und bis in die späten 80er Jahre andauerte. Von den Platten davor ist somit keine Titel enthalten, obwohl natürlich die Nummer „Albatross“ eine der bekanntesten von Fleetwood Mac ist. Dafür enthält die Scheibe mit „As Long As You Follow" und „No Questions Asked" allerdings zwei neue Titel, von denen der erstgenannte sogar als Single veröffentlicht wurde, um die Platte zusätzlich zu bewerben. Das scheint auch gut geklappt zu haben, denn bisher wurden bereits mehr als zwanzig Millionen Kopien des Albums weltweit verkauft.

Zu hören ist auf der Scheibe zumeist sehr eingängige Pop-Musik, auch wenn Fleetwood Mac meist unter der Überschrift „Rock“ einkategorisiert werden. Die Lieder sind nicht sonderlich „vertrackt“, gehen dafür allerdings sehr schnell ins Ohr, was sicherlich auch den Erfolg der Scheibe begründet. Nun, um sich einen Überblick über das Schaffen der fünf Musiker in diesen etwas mehr als zehn Jahren zu verschaffen, dafür ist die Platte bestens geeignet. Dass verschiedene Musikhörer sich auf der Scheibe verschiedene Titel wünschen würden, liegt in der Natur der Sache, da das natürlich Geschmackssache ist.

Die beiden neuen Titel reihen sich gut in das stilistische Gesamtgefüge des Albums ein, stellen jedoch keine Höhepunkte dar und sollten wohl hauptsächlich ein zusätzliches Kaufsignal senden. Nicht mehr und nicht weniger.

Fazit: Ein Greatest Hits Album, welches einen ganz guten Überblick über das Schaffen der Band Mitte der 70er bis Ende der 80er Jahre ermöglicht. Fleetwood Mac trafen damals mit ihrer Musik sicherlich den Nerv der Zeit und machen dies wohl auch heute noch. Eingängige Pop-Musik ist das Markenzeichen der fünf Musiker. Ganz nett, manchmal auch ein wenig mehr, allzu oft bleibt es allerdings bei dem „ganz nett“. Acht Punkte.

Anspieltipps: Big Love, Tusk



Sonntag, 15. Mai 2016

Neues Glas Aus Alten Scherben – Rebellendisko




Neues Glas Aus Alten Scherben – Rebellendisko


Besetzung:

Michael Kiessling – Gesang
Dirk Schlömer – Gitarre, Gesang
Mischka – Tasteninstrumente
Jochen Hansen – Bass
Funky K. Götzner – Schlagzeug


Label: Busch Funk


Erscheinungsdatum: 2001


Stil: Rock


Trackliste:

1. Schritt Für Schritt Ins Paradies (5:01)
2. Wenn Der Wind Weht (4:12)
3. Setz Die Segel (3:34)
4. Widerstand (4:28)
5. Der Wanderer (5:14)
6. Der Einsame Reiter (4:06)
7. Ich Weiss Es (5:23)
8. Virus (4:51)
9. Wenn Die Menschen Wieder Lachen (3:13)
10. Das Ewige Warten (4:08)
11. Deutschland Deutschland (5:06)
12. Sternschnuppen (4:28)

Gesamtspieldauer: 53:50




„Rebellendisko“ heißt das bisher einzige Studio-Album der Band Neues Glas Aus Alten Scherben, die zunächst als Cover-Band von Ton Steine Scherben begonnen hatten. Auf „Rebellendisko“, welches im Jahr 2001 erschien, befinden sich jetzt allerdings Eigenkompositionen. Verbindendes Glied zu den ursprünglichen Ton Steine Scherben ist dabei Dirk Schlömer, der in beiden Bands aktiv war beziehungsweise ist. Dazu gesellt sich auch Mischka, der auch bereits in der Band von Rio Reiser an den Keyboards zu hören war.

Auf „Rebellendisko“ ist gut gemachter Deutsch-Rock zu hören. Und dabei handelt es sich wirklich um Rock und nicht um Pop – von daher kann der Albumtitel etwas verwirren. Auf „Rebellendisko“ sind definitiv keine Disco-Klänge zu hören. Kraftvoll klingen Musik wie auch der Gesang, sind dabei durchaus melodiös und gehen ins Ohr. Die Texte sind zumeist politisch motiviert, wie sollte das auch anders sein, bei einer Band, die so eng mit Ton Steine Scherben verbunden ist.

Aus den Socken reißt es einen beim Hören der Scheibe allerdings nicht. Sehr viel eher ist das solide gemachter Deutsch-Rock, der durchaus klingt, ohne dabei jedoch die absoluten Höhepunkte für die Hörerin beziehungsweise den Hörer bereit zu halten. Jedoch gehen einige Titel durchaus gut ins Ohr und dies verstärkt sich noch mit jedem weiteren Durchlauf der Scheibe. Höhepunkte für mich sind das mitreißende und eingängige „Wenn Der Wind Weht“, sowie die rockige Nummer „Deutschland Deutschland“, die ebenfalls durch Melodiösität punkten kann. Dieses Lied wird mittels eingeblendeter Sprachfetzen noch ein wenig interessanter und abwechslungsreicher und verfügt ebenfalls wieder über einen Text, der zumindest zum Nachdenken anregt.

Fazit: Ziemlich unbekannt sind Neues Glas Aus Alten Scherben, was wohl in erster Linie daran liegt, dass die Band mit „Rebellendisko“ lediglich ein Studio-Album veröffentlichte. Nun, da das Ganze auch bereits fünfzehn Jahre zurück liegt, sollte man sich über die fehlende Aufmerksamkeit auch nicht mehr großartig wundern. Schade eigentlich, denn auf „Rebellendisko“ gibt es gut gemachten Deutsch-Rock zu hören, der ins Ohr geht. Dazu gesellen sich Texte, die eben nicht von Liebe und Herzschmerz handeln. Von daher durchaus hörenswert. Neun Punkte.

Anspieltipps: Wenn Der Wind Weht, Deutschland Deutschland



Samstag, 14. Mai 2016

Hayden – Everything I Long For




Hayden – Everything I Long For


Besetzung:

Hayden – vocals, guitar (acoustic and electric), harmonica, piano, accordion


Gastmusiker:

Joao Carvalho – drums on "Bad As They Seem", "Skates", "Driveway", "When This Is Over"; bass on "Bad As They Seem"
Bryan Richards – drums on "In September"
Guy Cannotplayit – cello on "Hardly"


Label: Hardwood Records


Erscheinungsdatum: 1995


Stil: Indie Folk, Folk Rock


Trackliste:

1. Bad As They Seem (3:31)
2. In September (2:41)
3. We Don't Mind (4:32)
4. Tragedy (3:56)
5. Stem (1:46)
6. Skates (7:17)
7. I'm To Blame (2:25)
8. Assignment In Space With Rip Foster (2:37)
9. Driveway (4:19)
10. Hardly (4:13)
11. You Were Loved (2:47)
12. When This Is Over (3:59)
13. My Parent's House (4:34)
14. Lounging (11:35)

Gesamtspieldauer: 60:17




Hayden oder genauer gesagt Paul Hayden Desser, ist ein kanadischer Sänger und Songschreiber aus Thornhill, Ontario. Im Jahr 1995 veröffentlichte der mit „Everything I Long For“ sein Debut-Album auf dem Label Hardwood Records. Zu hören gibt es darauf eine irgendwie geartete Mischung aus Folk und Grunge, die sich mal sanft und zerbrechlich, dann wieder fast schon kakophonisch anhört. Letzteres immer dann, wenn Paul Hayden Desser glaubt schreien zu müssen.

Viele der Titel auf „Everything I Long For“ gehen durchaus ins Ohr, ohne dabei gleich Ohrwürmer zu sein. Trotzdem klingt es gut und überzeigend, warm und zumeist sanft. Nur leider wollte Hayden seine Musik um das Stilmittel des „Geschreis“ erweitern. Nicht in jedem Lied, doch leider an mehreren Stellen. Dann nimmt die Musik durchaus gut Fahrt auf und klingt deutlich geladener und auch wirklich überzeugend. Soweit so gut, wenn da eben nicht die oben bereits erwähnten gesanglichen Ausbrüche wären. Das klingt in diesen Fällen alles andere als gut und man ist dauernd in der zwiespältigen Situation, ob man jetzt doch lieber die Fernbedienung in die Hand nehmen sollte, um dem gerade laufenden Titel per Skip-Taste den Garaus zu machen.

Die akustische Gitarre steht bei Hayden im Vordergrund und mit dieser weiß der Kanadier durchaus schöne und schmeichelnde Atmosphären zu erschaffen. In diesen sanften Passagen klingt auch die Stimme des Sängers ruhig und beruhigend. Und so gibt es da zum Beispiel ein Lied wie „When This Is Over“, in dem beide Facetten des Gesangs von Hayden zur Geltung kommen. Hier das sanfte Momentum, da dann das zerstörerische und verwirrende Gebrüll. Ich hoffe doch sehr, dass Paul Hayden Desser in diesen Situationen absichtlich falsch klingen möchte, ansonsten wäre diese Scheibe an Traurigkeit kaum mehr zu überbieten. Der letzte Titel, „Lounging“, sind übrigens natürlich keine knapp zwölf Minuten lang. Wieder mal ein „Hidden Track“, der bei Musikschaffenden in den 90er Jahren aufgrund der immer noch neuen Mediums CD so beliebt war. Allerdings gibt es dieses Mal keine Musik zu hören, sondern das Rezept für ein Sandwich. Auch mal was Neues…

Fazit: Im Grunde genommen ist „Everything I Long For“ ein sanftes Folk-Rock-Album, was auch genau in diesem Genre seine Stärken besitzt. Dann gibt es da noch die andere Seite des Paul Hayden Desser, der auch mal Grunge spielen möchte. Macht er auch gut, nur der Gesang treibt einem dann die Tränen in die Augen. Schade eigentlich, denn ansonsten wäre dieses Debut-Album ein überzeugendes geworden. So stellt es – zumindest zeitweise – eher einen Kampf (oder doch eher Krampf?) dar. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Hardly



Freitag, 13. Mai 2016

Peter Green – A Case For The Blues




Peter Green – A Case For The Blues


Besetzung:

Peter Green – vocals, guitar, harmonica, drums


Gastmusiker:

Ray Dorset – vocals, guitar, bass guitar, harmonica
Vincent Crane – keyboards
Len Surtees – bass guitar
Greg Terry-Short – drums
Jeff Whittaker – vocals, percussion, drums


Label: Soundwings


Erscheinungsdatum: 1985


Stil: Blues, Boogie Woogie


Trackliste:

1. Dust My Broom (4:21)
2. One More Night Without You (5:27)
3. Crane's Train Boogie (3:18)
4. Boogie All The Way (4:30)
5. Zulu Gone West (3:11)
6. Blowing All My Troubles Away (5:19)
7. Strangers Blues (4:55)
8. Sweet Sixteen (3:32)
9. Who's That Knocking (4:21)
10. The Case (3:40)

Gesamtspieldauer: 42:37




„A Case For The Blues“ heißt das bisher letzte Solo-Album des Fleetwood Mac Gründers Peter Green. Alles was danach kam, waren noch Kompilationsalben. Da dieses „A Case For The Blues“ allerdings bereits im Jahr 1985 veröffentlicht wurde, ist kaum mehr damit zu rechnen, dass die Diskographie des Peter Green noch großartig anwachsen wird. Ob es sich hier jedoch um ein Solo-Album im eigentlichen Sinne handelt, ist dabei auch noch sehr umstritten. Aufgenommen hat Peter Green das Album mit der Band „Katmandu“ und in manchen Verzeichnissen wird die Scheibe auch unter Katmandu geführt. Auch stammt lediglich der Titel „Strangers Blues“ aus der Feder des Peter Green. Die restlichen Stücke von den anderen Musikern. Da die Platte allerdings meistens eben doch unter Peter Green eingereiht wird, soll sie hier auch unter dieser Überschrift laufen.

Nun, der Name des Albums sagt es bereits unmissverständlich, auf „A Case For The Blues“ gibt es Blues zu hören. Auch Fleetwood Mac waren zu Beginn ihrer Karriere eine Blues Bad, in der Peter Green der „Master Mind“ war. Nicht weiter verwunderlich also, dass Peter Green ein solches Album vorlegt. Neben dem Blues frönen die Musiker auch noch dem Boogie Woogie, der hier groovend dargeboten wird. Nun, ich gebe es gerne zu, mit Blues habe ich manches Mal so meine Schwierigkeiten, mit Boogie Woogie erst recht. Allerdings gibt es auch durchaus begeisternde Blues-Stücke, die auch mitreißen. Allerdings auf „A Case For The Blues“ finde ich kein einziges dieser Lieder, die man gerne hört, die einen begeistern. Die Musik auf dieser Platte ist mit einer fast schon unfassbaren Beständigkeit langweilig, dass man das Ganze immerhin mit konsequent umschreiben kann. Man muss sein Herz schon sehr stark an den Blues verloren haben, um mit dieser Musik, die es einfach niemals schafft zu zünden, etwas anfangen zu können. Alles läuft so durch und man ist fast dankbar, wenn nach knapp einer dreiviertel Stunde endlich wieder Ruhe herrscht. Traurig.

Lediglich beim Titel „Blowing All My Troubles Away“, ebenfalls ein Blues, kann man eine Melodie entdecken, die sich lohnt gehört zu werden. Dieses Lied bleibt durchaus etwas mehr haften, auch wenn es natürlich kein Meisterwerk der Musikgeschichte darstellt. Doch ist die Nummer mit dem Hintergrundgesang auch gut arrangiert und eben endlich auch mal eingängig. Das war es dann allerdings auf „A Case For The Blues“. Der ganze Rest, egal ob Blues oder Boogie Woogie, ist einfach nicht überzeugend.

Fazit: „A Case For The Blues“ ist ein Album für den Blues-Fan. Für den Hardcore-Blues-Fan. Für alle anderen wird es schwierig. Das liegt daran, dass es hier eben keine - zumindest nicht mehr als eine - eingängige Melodie zu entdecken gibt. Auf „A Case For The Blues“ findet sich nichts Spannendes, nichts, was einen aufhorchen lässt. Man hört hier einen sich irgendwie selbst bemitleidenden Blues oder ein Boogie Woogie, dessen Zeit bereits Jahrzehnte vergangen ist. Drei Punkte.

Anspieltipps: Blowing All My Troubles Away



Donnerstag, 12. Mai 2016

Haken – Aquarius




Haken – Aquarius


Besetzung:

Ross Jennings – vocals
Richard "Hen" Henshall – guitar and keyboards
Charlie Griffiths – guitar
Thomas MacLean – bass guitar
Ray Hearne – drums, tuba, djembe
Diego Tejeida – keyboards


Gastmusiker:

Craig Beattie – trombone
Alex Benwell – trumpet
Pablo Inda Garcia – clarinet
Marged Hall – harp
Darren Moore – trumpet
Jon Roskilly – trombone
Dave Ruff – flute


Label: Sensory


Erscheinungsdatum: 2010


Stil: Progressive Metal


Trackliste:

1. The Point of No Return (11:26)
2. Streams (10:14)
I. Streams
II. Veins
III. Digression
3. Aquarium (10:39)
4. Eternal Rain (6:42)
5. Drowning in the Flood (9:28)
6. Sun (7:19)
7. Celestial Elixir (16:56)

Gesamtspieldauer: 72:47




„Aquarius“ nannte die englische Progressive Metal Band Haken ihr erstes Album, welches im März 2010 veröffentlicht wurde. Und was es auf dieser Scheibe zu hören gibt, das ist durchaus hörens- und lohnenswert. Jede Menge musikalischer Stile bekommt man auf diesem Debut-Album geboten. Da gibt es Rock- und Pop-Passagen, Hard Rock, Metal und eben auch Progressive Rock und Progressive Metal. Gemastert wurde das Ganze von Eroc, dem Ex-Grobschnitt Schlagzeuger, was alleine schon einiges an Qualität erwarten lässt.

Und so hört man auf „Aquarius“ auch Musik, die sich nicht nur über diverse musikalische Genres erstreckt, sondern auch von zart bis hart, von schüchtern bis bombastisch so einiges für die Hörerin und den Hörer bereithält. Gerade gegen Ende der Platte scheinen die Titel noch ein wenig symphonischer, noch eingängiger zu werden, da macht das Zuhören richtig Spaß. Der Höhepunkt des Albums wartet dabei direkt am Schluss auf die Hörerinnen und Hörer. Das knapp siebzehnminütige „Celestial Elixir“ ist eine phantastische Nummer, in der die sechs Musiker alles reinzupacken gedachten, was sie so an Ideen und Sounds auf Lager hatten. Ein klein wenig klingt das Lied sogar so, als stelle es eine Zusammenfassung des bisher Gehörten dar, ohne dabei jedoch wirklich redundant zu sein. So wird „Celestial Elixir“ zu einer Reise, die mal lustig, mal nachdenklich, mal sehr melodiös, mal hart klingt. Plötzlich befindet man sich im Zirkus, schließlich in der hektischen Stadt, dann wieder in der entspannten du sehr friedfertigen freien Natur. Nichts, was hier nicht geboten wird. Wahrlich gelungen.

Auch der Anfang der Platte kann zwar überzeugen, ist allerdings insgesamt etwas härter als das Ende der Platte geraten. Die verschiedenen Atmosphären werden hier jedoch auch bereits zelebriert und eröffnen immer wieder neue Türen, wenn hier auch der Fokus etwas mehr auf den härteren Tönen und Takten liegt. Leider hört man hier allerdings auch einige „Growl“-Laute, die man halt mögen muss und die ganz bestimmt nicht jedermanns Sache sind. Von mir aus hätten die Musiker von Haken da gut und gerne darauf verzichten können. Sei es drum, sie übertreiben es nicht damit, sodass sich diese kurzen Episoden durchaus noch erträglich gestalten. Die schönen Momente überwiegen dementsprechend auch hier.

Fazit: Ein wirklich gelungenes Debut-Album stellt „Aquarius” von Haken dar. Sehr abwechslungsreiche Musik gibt es darauf zu hören. Die Bandbreite erstreckt sich von sanft bis hart. Schräge Töne gibt es darauf auch zu erlauschen, bis hin zu Zirkusklängen. Progressive Rock bis Progressive Metal stehen an erster Stelle, die die Platte niemals langweilig werden lassen. Mit jedem Durchlauf wird die Musik der Band etwas eingängiger, die durch ihren Aufbau auch gar nicht gleich beim ersten Hören vollkommen überzeugen kann. Irgendwie scheint das Musikzentrum des Hörers erst auf das Gehörte eingestimmt werden zu müssen. Aber dann… Elf Punkte.

Anspieltipps: Sun, Celestial Elixir



Mittwoch, 11. Mai 2016

Tanzwut – Tanzwut




Tanzwut – Tanzwut


Besetzung:

Teufel – Gesang
Brandan – Gitarre, Dudelsack
Wim – Dudelsack, Scalmeien
Castus – Gesang, Drehleier, Dudelsack, Schalmei
Koll. A. – Dudelsack, Schalmei
Tec – Programming


Gastmusiker:

Saskia von Klitzing – Schlagzeug Titel 3 & 6
Monique Maasen – Gesang Titel 6
Mediaeval Baebes – Gesang Titel 7


Label: EMI


Erscheinungsdatum: 1999


Stil: Electronic Rock, Industrial Rock, Mittelalter Rock


Trackliste:

1. Exkremento (3:42)
2. Im Rausch (3:40)
3. Königreich (4:09)
4. Das Schicksal (4:09)
5. Verrückt (3:50)
6. Augen Zu (4:09)
7. Auferstehung (5:25)
8. Eisenmann (5:31)
9. Erinnerung (3:51
10. Die Balz (4:07)
11. Komm Her (6:01)

Gesamtspieldauer: 48:40




„Tanzwut“ heißt das erste, selbstbetitelte Album, der hauptsächlich aus Mitgliedern der Mittelaltermusik-Gruppe Corvus Corax entstandenen Band Tanzwut. Mit Mittelalter-Musik hat das, was man auf „Tanzwut“ zu hören bekommt, allerdings kaum noch etwas zu tun. Lediglich der Dudelsack und ab und an eine Schalmei erinnern noch als Instrumente des Mittelalters an die musikalischen Ursprünge der meisten Bandmitglieder. Stattdessen hört man hier jetzt sehr viel eher Electronic Rock bis hin zu Industrial Rock. Und wenn die Gitarre sehr hart gespielt wird und Sänger Teufel seine Stimmlage ganz tief herabsenkt, dann klingt die Musik von Tanzwut fast schon nach Neuer Deutscher Härte.

Diese Mischung aus Dudelsack-Klängen und fetten elektronischen Beats ist dabei durchaus gewöhnungsbedürftig. So richtig zünden will diese Melange verschiedener musikalischer Genres nur ab und an. Ganz gut funktioniert das in den beiden Instrumentalstücken „Das Schicksal“ und „Die Balz“. Hier klingt die Musik spannender und auch ein wenig eingängiger. Und dann gelingt diese Mixtur auch noch beim Titel „Augen Zu“, der auch gleichzeitig ein gesangliches Duett darstellt und ins Ohr geht.

Der ganze Rest der Platte ist da schon sehr viel sperriger und weniger leicht zugänglich. Zum einen muss man mit diesem gekünstelt wirkenden Sprechgesang „warm werden“, zum anderen benötigt man ein offenes Ohr für diese vielen Computerbeats, die eben niemals ein echtes Schlagzeug ersetzten können. Und auch sonst, klingt das alles zum Teil schon sehr künstlich. Da einen die Musik und auch die Texte nicht einfangen können, bleibt hier manchmal eher etwas Langeweile als Musik, die sich restlos genießen lässt.

Fazit: Ein paar Mittelalter-Musikinstrumente in Verbindung mit viele elektronischen Tönen, das ist es was man auf „Tanzwut“ dem Debut-Album von Tanzwut geboten bekommt. Es liegt in der Natur der Dinge, dass das Ganze nicht massentauglich ist. Man muss hier ein Ohr für diese elektronischen Beats, harte Gitarrenriffs und mittelalterliche Klänge besitzen, sonst kann man mit dieser Scheibe nicht ganz so viel anfangen. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Das Schicksal, Augen Zu, Auferstehung, Die Balz



Dienstag, 10. Mai 2016

Pete Townshend – Another Scoop




Pete Townshend – Another Scoop


Besetzung:

Pete Townshend – many instruments


Gastmusiker:

Nicht extra aufgeführt


Label: ATCO Records


Erscheinungsdatum: 1987


Stil: Rock, Pop


Trackliste:

Platte / CD 1:

1. You Better You Bet (5:19)
2. Girl In A Suitcase (3:26)
3. Brooklyn Kids (4:49)
4. Pinball Wizard (3:00)
5. Football Fugue (3:25)
6. Happy Jack (2:15)
7. Substitute (3:35)
8. Long Live Rock (3:47)
9. Call Me Lightning (2:12)
10. Holly Like Ivy (2:54)
11. Begin The Beguine (4:10)
12. Vicious Interlude (0:22)
13. La-La-La-Lies (1:58)
14. Cat Snatch (3:22)


Platte / CD 2:

1. Prelude #556 (1:19)
2. Baroque Ippanese (2:25)
3. Praying The Game (4:17)
4. Driftin' Blues (3:17)
5. Christmas (1:57)
6. Pictures Of Lily (2:50)
7. Don't Let Go The Coat (4:00)
8. The Kids Are Alright (2:58)
9. Prelude: The Right To Write (1:36)
10. Never Ask Me (4:24)
11. Ask Yourself (4:30)
12. The Ferryman (5:46)
13. The Shout (3:52)

Gesamtspieldauer: 1:25:47




„Another Scoop” heißt die zweite Veröffentlichung der dreiteiligen „Scoop-Reihe“, in der Pete Townshend seinen Hörern, wie mit einer großen Schaufel, neben ein paar neuen Stücken, eine ganze Menge Demos und alternative Versionen von bereits bekannten Liedern hinwirft. Auch auf dieser zweiten Doppel-LP gibt es allerdings wieder nicht übermäßig viel Neues zu hören, vielmehr ist es interessant zu beobachten, wie einzelne Lieder auch hätten klingen können, wenn der Unterschied auch nicht immer sehr groß ausfällt.

Am Interessantesten sind hier die Titel, die Pete Townshend mit Orchester eingespielt hat und eben noch nicht auf den bisherigen Platten zu finden sind. Diese sind allesamt sehr eingängige Stücke, kraftvoll und voll klingend, sehr melodiös und ins Ohr gehend. „Brooklyn Kids“, „Football Fugue“, „Praying The Game“ und vor allen Dingen „The Ferryman“ sind hierbei zu nennen. Hier klingt „Another Scoop“ jetzt auch sehr eindrucksvoll und lohnenswert. Das kann man aber natürlich nicht von allen Titeln behaupten, da diese wirklich oftmals im Heimstudio des Musikers entstanden und deshalb selbstverständlich auch kein Schlagzeug aufweisen. Das wiederum hat zur Folge, dass einige der Titel schon sehr „synthie“ klingen. Wenn dann jedoch, wie bei „Baroque Ippanese“, noch eine interessante Melodie dazukommt, wirkt die Nummer trotzdem – aber das ist eben nicht immer der Fall, obwohl „Another Scoop“ an jeder Stelle interessant bleibt.

Richtig gut und gelungen sind übrigens die Erklärungen, die Pete Townshend zu den einzelnen Titeln mit dazu liefert. Auf den beiden Plattenhüllen sind diese mit abgedruckt und erzählen etwas über die Geschichte der Musik und auch der jeweiligen Texte. Dadurch lernt man den Musiker noch ein wenig besser kennen und erhält zahlreiche interessante Informationen über die Entstehung der einzelnen Lieder.

Fazit: Auch „Another Scoop” wendet sich in erster Linie an den Fan der Musik des Pete Townshend. Ganz egal ist es dabei, ob man sicher eher von der Who- oder von der Solo-Seite des Pete Townshend nähert. Mag man die Musik des Engländers, dann wird einen dieses Album auch zusagen und überzeugen. Der Sound ist gut und auch wenn die Lieder oftmals Demo-Aufnahmen darstellen, merkt man das höchstens an der Perkussion, die dann eben dem Drum-Computer entspringt. Eine schöne Ergänzung. Neun Punkte.

Anspieltipps: Brooklyn Kids, Football Fugue, Praying The Game, The Ferryman