Mittwoch, 24. Oktober 2018

Get Well Soon – The Horror




Get Well Soon – The Horror


Besetzung:

Keine weiteren Angaben


Label: Caroline International


Erscheinungsdatum: 2018


Stil: Art Pop, Independent Pop


Trackliste:

1. Future Ruins Pt. 2 [feat. Ghalia Benali] (6:21)
2. The Horror (5:31)
3. Martyrs (4:35)
4. Nightmare No. 1 (Collapse) (5:02)
5. An Air Vent (In Amsterdam) (1:25)
6. Nightmare No. 2 (Dinner At Carinhall) [feat. Sam Vance-Law] (3:43)
7. The Only Thing We Have To Fear (4:57)
8. Nightjogging [feat. Kat Frankie] (3:48)
9. A Misty Bay (At Dawn) (2:32)
10. Nightmare No. 3 (Strangled) (4:18)
11. (How To Stay) Middle Class (4:59)
12. (Finally) A Convenient Truth (5:33)

Gesamtspieldauer: 52:51




„The Horror“ heißt das fünfte Studio-Album des Konstantin Gropper alias Get Well Soon. Wieder einmal handelt es sich dabei um ein Konzeptalbum, auf dem er dieses Mal drei seiner Alpträume verarbeitet, die er nachts durchträumte. Über diese Alpträume hat er sich nach eigener Aussage gefreut und diese gleich musikalisch umgesetzt. „The Horror“ erschien am 8. Juni 2018 auf dem Plattenlabel Caroline International und ist ein Album geworden, auf dem die Musik nicht mehr mit den gängigen Pop- und Rock-Instrumenten umgesetzt wurde, sondern mittels eines Orchesters.

Nicht weiter überraschend ist von daher auch, dass die Musik auf „The Horror“ keineswegs mehr nach Pop und Rock klingt, sondern sehr viel eher nach Filmmusik, manchmal sogar das Genre des Musicals zu streifen scheint. Auch klingt „The Horror“ deutlich weniger innovativ, als manch andere Platte des Konstantin Gropper zuvor. Zwar wird „The Horror“ von vielen Kritikern und Rezensenten über alle Maßen gelobt, packen kann mich zumindest diese Musik jedoch nicht mehr so richtig. Sie berührt nicht mehr, läuft nebenbei durch, lässt einen nicht mehr aufhorchen. Dabei klingen die Lieder durchaus noch auf eine gewisse Art und Weise „geheimnisvoll“ bis magisch und irgendwie anders. Aber dieser Funke der Begeisterung, der mag hier einfach nicht mehr überspringen – egal wie oft mal diese Scheibe anhört.

Die Höhepunkte – und diese gibt es nichtsdestotrotz – heißen „The Only Thing We Have To Fear“ und „(Finally) A Convenient Truth“. Bei diesen Stücken kommen die bereits genannten Quakitäten von Get Well Soon, besondere Musik zu kreieren, besonders gut zur Geltung. Der Rest läuft so mit, klingt oft wie Film-Musik aus den 50er Jahren mit Dean Martin und Frank Sinatra in den Hauptrollen. Im Falle von „Nightjogging“ hört es sich dagegen sogar sehr gewöhnungsbedürftig, konstruiert und viel zu synthetisch an.

Fazit: Get Well Soon waren schon immer eine besondere „Band“ mit besonderer Musik. Das ist auch dieses Mal beim Album „The Horror“ nicht wegzudiskutieren. Nach „Horror“ klingt dabei übrigens nichts auf dem Album, jedoch nach Film-Musik aus den 50er Jahren. Das kann man mögen, muss man aber nicht. So ganz außergewöhnlich ist die Musik von Get Well Soon aber leider auch nicht mehr, nur noch phasenweise. Schade. Acht Punkte.

Anspieltipps: The Only Thing We Have To Fear, (Finally) A Convenient Truth



Dienstag, 23. Oktober 2018

Nick Mason & Rick Fenn – Profiles




Nick Mason & Rick Fenn – Profiles


Besetzung:

Nick Mason – drums, keyboards, percussion
Rick Fenn – guitars, keyboards


Gastmusiker:

Mel Collins – saxophone on "Rhoda", "And The Address", "Mumbo Jumbo" and "Black Ice"
David Gilmour – vocals on "Lie For A Lie"
Maggie Reilly – vocals on "Lie For A Lie"
Danny Peyronel – vocals on "Israel"
Craig Pruess – emulator bass on "Malta"
Aja Fenn – keyboard intro on "Malta"


Label: Harvest


Erscheinungsdatum: 1985


Stil: Synthie Pop, Art Pop


Trackliste:

1. Malta (6:02)
2. Lie For A Lie (3:14)
3. Rhoda (3:23)
4. Profiles Part 1 / Profiles Part 2 (10:02)
5. Israel (3:32)
6. And The Address (2:49)
7. Mumbo Jumbo (3:53)
8. Zip Code (3:04)
9. Black Ice (3:40)
10. (2:40)
11. Profiles Part 3 (2:03)

Gesamtspieldauer: 44:28




„Profiles“ heißt das zweite Studioalbum des Pink Floyd Schlagzeugers Nick Mason, was dieser zusammen mit dem 10cc Gitarristen Rick Fenn komponierte und einspielte. Genau genommen also erneut kein „richtiges“ Solo-Album des Pink Floyd Schlagzeugers. Da es allerdings überall so eingereiht wird, soll es eben hier auch unter dieser Überschrift stehen. „Profiles“ wurde am 29. Juli 1985 ursprünglich auf dem Plattenlabel Harvest veröffentlicht, die Wiederveröffentlichung übernahm Sony Music. Zahlreiche Gastmusiker konnten die beiden für ihr Projekt gewinnen. So singen David Gilmour und Maggie Reilly den Titel „Lie For A Lie“ ein. Mel Collins‘ Saxophon erklingt gleich auf vier der insgesamt elf Titel.

Im Jahr 1984 spielte Pink Floyd Keyboarder Rick Wright zusammen mit Dave Harris unter der Überschrift „Zee“ das Album „Identity“ ein, welches in der Nähe des Synthie Pops angesiedelt ist. Ein Jahr später tat es ihm Band-Kollege Nick Mason gleich, denn seine Kollaboration mit Rick Fenn bewegt sich musikalisch auch in diesem Genre-Bereich – nicht durchgängig, doch zumindest regelmäßig. „Profiles“ klingt nach 80er Jahre Musik, bei der man nichts dagegen hatte etwas synthetisch zu klingen und dem Keyboard viel Platz einräumte – daran ändert leider auch das Saxophon des Mel Collins nichts. Zumeist hört man auf „Profiles“ Instrumentalmusik, auf lediglich zwei Titeln wird gesungen. Dies sind das bereits erwähnte „Lie For A Lie“ mit David Gilmour und Maggie Reilly und auf dem Lied „Israel“ ist es UFO Keyboarder Danny Peyronel, der sich gesanglich versucht.

Die beiden besungenen Stücke bewegen sich im Bereich des Pop, die Instrumentalnummern schwanken von etwas rockiger über poppig, „synthie-poppig“ bis hin zu Liedern, die man so auch in der Deutschen Hitparade mit Dieter Thomas Heck gehört zu haben glaubt. Es ist zum Teil unsäglich und hat weder etwas mit Pink Floyd zu tun, noch mit Progressive Pop geschweige denn Progressive Rock. Wenig lohnt sich anzuhören. Dem zehnminütigen Titeltrack „Profiles Part 1 / Profiles Part 2“ mag ich hier noch ein wenig Unterhaltungswert einräumen. Das Instrumentalstück ist zumindest etwas eingängiger, aus mehreren Teilen aufgebaut, ein wenig spannender geraten und hörbar. „At The End Of The Day“ klingt sehnsüchtig durch eine schmachtende Gitarre und kommt glücklicherweise ohne Synthie-Sound aus. Doch wenn man so etwas bereits als Höhepunkt eines Albums ausmacht, kann der Rest einfach nicht überzeugend klingen. Denn richtiggehend packend ist nichts auf dieser Scheibe, die – nicht verwunderlich – ein Schattendasein im Solo-Output der Pink Floyd Musiker fristet.

Fazit: Pop bis Synthie Pop der 80er Jahre bekommt man auf „Profiles“, dem gemeinsamen Projekt von Nick Mason und Rick Fenn zu hören. Überzeugend klingt dabei nicht viel bis gar nichts. Zumeist hört man auf diesem Album oberflächlichen Pop, den man einmal wahrnimmt, den Kopf schüttelt und ganz schnell wieder vergisst. Irgendwie sagt das Cover sehr viel darüber aus, was es auf „Profiles“ zu hören gibt. Man muss nur hinsehen können. Vier Punkte.

Anspieltipps: Profiles Part 1 / Profiles Part 2, At The End Of The Day



Montag, 22. Oktober 2018

Roxy Music – Manifesto




Roxy Music – Manifesto


Besetzung:

Bryan Ferry – vocals, keyboards, harmonica
Andy Mackay – oboe, saxophone
Phil Manzanera – electric guitar
Paul Thompson – drums
Alan Spenner – bass
Paul Carrack – keyboards
Gary Tibbs – bass


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1979


Stil: Pop Rock, Art Rock


Trackliste:

1. Manifesto (5:29)
2. Trash (2:14)
3. Angel Eyes (3:32)
4. Still Falls the Rain (4:13)
5. Stronger Through The Years (6:16)
6. Ain’t That So (5:39)
7. My Little Girl (3:17)
8. Dance Away (3:48)
9. Cry, Cry, Cry (2:55)
10. Spin Me Round (5:15)

Gesamtspieldauer: 42:42



„Manifesto“ heißt das sechste Studioalbum der englischen Rockband Roxy Music. Es wurde am 16. März 1979 von E.G. Records in Großbritannien, Polydor in Europa und Atco Records in den USA veröffentlicht. Die remasterte Wiederveröffentlichung erschien auf dem Label Virgin Records. Nach einer fast vierjährigen Pause und zwischenzeitlicher Bandauflösung stellt „Manifesto“ das erste Studioalbum von Roxy Music seit „Siren“ im Jahr 1975 dar. Die erste Singleauskopplung der Platte war der Titel „Trash“, der es kaum in die britischen Top 40 schaffte. Die zweite Single, das deutlich disco-geprägte „Dance Away“, brachte die Band jedoch wieder unter die Top 3 der Charts und war 1979 die neunt-meistverkaufte Single in Großbritannien. Die dritte Single aus dem Album stellt eine neu aufgenommene Version von „Angel Eyes“ dar, welches in dieser Version weitaus elektronischer und „disco“-artiger als auf der Platte selbst klang. Diese Single schaffte es im August ebenfalls unter die UK Top 5. Das Album selbst kletterte in Großbritannien bis auf Platz 7 der Charts, in Deutschland erreichte es Platz 37.

Diese Annäherung an den Disco-Zeitgeist der damaligen Zeit hört man nicht nur auf den Single-Auskopplungen, die ganze Platte ist sehr viel radiotauglicher und damit auch etwas oberflächlicher geworden. Den Disco-Sound hört man ausgeprägt zwar nur an ausgewählten Stellen, doch ein gewisser Mainstream-Pop ist auf dieser Scheibe unüberhörbar. Das wiederum macht die Musik von Roxy Music auf „Manifesto“ etwas langweilig und austauschbar, da zudem auch die richtigen Ohrwürmer fehlen und die einzelnen Lieder durchaus ein klein wenig vorbeilaufen ohne großes Aufsehen zu erregen.

Höhepunkte sind das zumindest etwas kreativer klingende „Stronger Through The Years“, welches nicht auf Anhieb gleich ins Ohr geht, gern erarbeitet werden möchte und somit erst später zu wirken beginnt. Die Stimmung dieses Liedes ist ein klein wenig mystisch und undurchsichtig, was das Lied deutlich spannender werden lässt. Schließlich sollte man an dieser Stelle auch noch den Hit der Platte, das Lied „Dance Away“ erwähnen. Ins Ohr geht diese Nummer durchaus, wenn sie auch nicht allzu lange darin hängenbleibt, doch ein melodiöser und eingängiger Titel ist „Dance Away“ auf jeden Fall. Ganz zum Schluss folgt mit „Spin Me Round“ noch eine melodische Ballade, die das Album einigermaßen versöhnlich ausklingen lässt.

Fazit: Als die Musiker von Roxy Music sich entschlossen doch wieder zusammen zu musizieren, setzten sie auf die eingängige und häufig auch unkomplizierte Variante ihrer Musik. Diese packten sie in Form von zehn Titel auf das Album „Manifesto“ und hatten mit dieser Vorgehensweise durchaus kommerziellen Erfolg. Interessant klingen dadurch allerdings nur noch wenige Lieder wie die Nummer „Stronger Through The Years“. Der Rest der Platte pendelt oftmals zwischen Pop und Disco und verblasst relativ schnell wieder – auch wenn „Manifesto“ kein schlechtes Album darstellt. Acht Punkte.

Anspieltipps: Stronger Through The Years, Dance Away, Spin Me Round



Sonntag, 21. Oktober 2018

Lift – Meeresfahrt




Lift – Meeresfahrt


Besetzung:

Henry Pacholski – vocals
Wolfgang Scheffler – keyboards
Michael Heubach – keyboards
Till Patzer – flute, saxophone, clarinette
Frank-Endrik Moll – drums
Gerhard Zachar – bass guitar
Werther Lohse – vocals, drums (nur Titel 5)


Label: AMIGA (Wiederveröffentlicht durch Sony Music Entertainment)


Erscheinungsdatum: 1979


Stil: Art Rock, Deutsch Rock, Progressive Rock


Trackliste:

1. Wir fahrn übers Meer (4:46)
2. Nach Süden (4:17)
3. Scherbenglas (2:30)
4. Tagesreise (8:35)
5. Meeresfahrt (15:11)
6. Sommernacht (3:41)

Gesamtspieldauer: 39:02



„Meeresfahrt“ heißt das zweite Album der Dresdener Band Lift. Die Platte erschien zunächst im Jahr 1979 auf dem DDR Plattenlabel Amiga und wurde später mehrmals wiederveröffentlicht und anderem auch von Sony Music Entertainment. An vielen Stellen wird diese Platte auch unter der Überschrift „Lift 2“ geführt, was bei einem ziemlich eindeutigen Titel wie „Meeresfahrt“ durchaus überraschend ist. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung waren Sänger Henry Pacholski sowie Bassist Gerhard Zachar bereits verstorben. Als die Band im Jahr 1978 auf einer Tour durch Polen war, wurde sie in einen Verkehrsunfall verwickelt, während dem diese beiden Musiker ums Leben kamen. Keyboarder Michael Heubach wurde dabei zudem schwer verletzt. Hatte sich das Line-Up der Band bereits vor „Meeresfahrt“ in Bezug zum Debut deutlich verändert, so musste dies gezwungenermaßen nach „Meeresfahrt“ ein weiteres Mal geschehen.

„Meeresfahrt“ startet mit einer unsäglichen Pop-Rock-Nummer mit dem Titel „Wir fahrn übers Meer“. Ein Stampftitel mit viel Mundharmonika und Lagerfeuertext. Unsäglich. Das Gestampfe wird mit dem Lied „Nach Süden“ besser, die Musik allerdings nicht sonderlich. Dieses Lied ist eine poppige Nummer, die irgendwann dankenderweise auch verklingt. Mit „Reiseliedern“ scheinen es Lift irgendwie nicht gehabt zu haben, wobei sie sicher auch lieber in den Westen gefahren wären. „Scherbenglas“ wurde anschließend mit jede Menge Streichern eingespielt und erinnert mich etwas an Mittelaltermusik. Ist auszuhalten. Mit „Tagesreise“ beweisen die Dresdener dann, dass sie doch „Reiselieder“ schreiben können. Die Nummer ist fest im Progressive Rock verhaftet und deutlich interessanter als die kürzeren Nummern zuvor. Wenn dabei allerdings im Chor intoniert wird, klingt es auf seine Art unangenehm. Trotzdem, die einzelnen Teile des Liedes sind spannend aufgebaut, rocken, sind gut arrangiert und wissen zu überzeugen.

Ebenso verhält es sich mit dem Titellied und gleichzeitig längsten Stück des Albums „Meeresfahrt“. Das Lied beginnt langsam und eingängig, mit schönem Flötenspiel auf einem Orgelteppich und steigert sich in seinem weiteren Verlauf. Langanhaltende Instrumentalpassagen kennzeichnen dieses Stück ostdeutschen Progressive Rocks und genau in diesen ausschweifenden Abschnitten ohne Gesang liegt auch die Stärke von „Meeresfahrt“. Das klingt sehr spannend und an jeder Stelle auch sehr melodiös und durchdacht. Beendet wird das Album wieder mit einem etwas kürzeren Stück. „Sommernacht“ ist erneut eine Nummer, die deutlich gegen die beiden längeren Stücke abfällt und einmal mehr diesen sehr seltsam und nach Lagerfeuer klingenden Chorgesang aufweist.

Fazit: Die beiden längeren Stücke auf „Meeresfahrt“, dem zweiten Album von Lift, wissen durchaus zu überzeugen. Die restlichen vier Lieder können vielleicht dann überzeugen, wenn man mit ihnen groß wurde. Heutzutage zum ersten Mal gehört, klingen sie seltsam langweilig und wie aus lang vergangenen Zeiten, woher sie natürlich auch stammen. „Meeresfahrt“ lohnt im Mittelteil für Freunde des Progressive Rock, in seiner gesamten Ausführung für Menschen, die mit dieser Musik groß wurden. Acht Punkte.

Anspieltipps: Tagesreise, Meeresfahrt



Samstag, 20. Oktober 2018

Pain Of Salvation – One Hour By The Concrete Lake




Pain Of Salvation – One Hour By The Concrete Lake


Besetzung:

Daniel Gildenlöw – lead vocals, guitar
Kristoffer Gildenlöw – bass, vocals
Johan Hallgren – guitar, vocals
Fredrik Hermansson – keyboards and samplers
Johan Langell – drums and percussion, vocals


Gastmusiker:

Katarina Åhlén – cello


Label: InsideOut Music


Erscheinungsdatum: 1998


Stil: Progressive Metal


Trackliste:

1. Spirit Of The Land (0:43)
2. Inside (6:12)
3. The Big Machine (4:21)
4. New Year’s Eve (5:43)
5. Handful Of Nothing (5:39)
6. Water (5:05)
7. Home (5:49)
8. Black Hills (6:33)
9. Pilgrim (3:17)
10. Shore Serenity (3:14)
11. Inside Out (6:37)

Gesamtspieldauer: 53:17



„One Hour By The Concrete Lake“ nannte die schwedische Progressive Metal Band Pain Of Salvation ihr zweites Studioalbum. Wie schon das Debut-Album „Entropia“, so ist auch „One Hour By The Concrete Lake“ ein Konzeptalbum geworden, welches die Themen Kernkraft und radioaktiver Abfall, Vertreibung indigener Völker und die Feuerwaffenindustrie beinhaltet. Es wird die fiktive Geschichte eines Mannes erzählt, der in der Waffenindustrie arbeitet. Er beginnt zu zweifeln, bekommt Gewissensbisse und merkt, dass er Teil einer größeren „Maschinerie“ ist, die sein Leben kontrolliert. Er beschließt die Folgen seines Lebens und seiner Arbeit in anderen Teilen der Welt zu ergründen, macht sich auf den Weg und sieht und erlebt dabei einiges. Das Album wurde zuerst im Juli 1998 auf dem Plattenlabel Avalon Records in Japan veröffentlicht. In Europa erschien es dann im Januar 1999 auf InsideOut Records. Auf demselben Label schließlich im November 1999 auch in den USA.

„One Hour By The Concrete Lake“ klingt dunkel, jedoch auch eingängiger und zum Teil sicherlich auch mitreißender als noch der Vorgänger. Der Rock beziehungsweise Metal steht einmal mehr sehr im Fokus, doch es gibt auch die deutlich sanfteren Passagen, die hier ebenfalls besser „zünden“ als noch auf dem Erstlingswerk der Schweden. Die Musik geht ins Ohr und auch der mehrstimmige Gesang weiß auf dem Album immer wieder zu überzeugen. In die Musik kann man sehr schnell eintauchen und darin versinken, alles klingt und wirkt und überzeugt. Dabei kommt die Abwechslung keineswegs zu kurz, die sich nicht nur in Tempi- und Rhythmuswechseln widerspiegelt, sondern auch in den transportierten Atmosphären, die mit verschiedenen Stimmungen spielen.

Das Album ist voller Höhepunkte egal, ob man diese eher im sanfteren oder im rockigeren Bereich sucht. Mir haben es vor allen Dingen die Titel „Inside“, „New Year’s Eve“, „Handful Of Nothing“ und „Pilgrim“ angetan. Diese vier Lieder geben auch sehr schön die ganze Bandbreite der Musik von Pain Of Salvation auf „One Hour By The Concrete Lake“ wider. Ein ums andere Mal erinnert mich die Musik dabei auch an jene von Queensrӱche. Der letzte Titel „Inside Out“ ist übrigens keineswegs 13:20 lang, wie es der CD-Player anzeigt. 6:37 sind es genau, der Rest ist Stille beziehungsweise ein winziger Hidden Track – solche „Späße“ waren damals um die Jahrtausendwende sehr „in“.

Fazit: „One Hour By The Concrete Lake“, das zweite Album der schwedischen Band Pain Of Salvation, ist ein sehr abwechslungsreiches und eingängiges geworden. Nun gut, Metal sollte einem dabei schon etwas zusagen, denn gerockt wird hart auf der Platte. Allerdings ist die Musik immer in schönen melodiösen Melodien verpackt, in die man schnell eintauchen kann. Eine gute Progressive Metal Album. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Inside, New Year’s Eve, Handful Of Nothing, Pilgrim



Freitag, 19. Oktober 2018

Dear Reader – Replace Why With Funny




Dear Reader – Replace Why With Funny


Besetzung:

The Wits Choir
Lloyd Martin on drums
Larah Eksteen on violin
Eddie Clayton on french horn
Hannah Botsis on cello
Everything else played by Cheri, Darryl and Brent


Label: City Slang


Erscheinungsdatum: 2009


Stil: Independent Pop


Trackliste:

1. Way Of The World (4:05)
2. Dearheart (3:57)
3. Great White Bear (4:05)
4. Bend (3:37)
5. Out Out Out (3:00)
6. Release Me (3:38)
7. Never Goes (4:04)
8. The Same (4:30)
9. What We Wanted (3:51)
10. Everything Is Caving (7:06)

Gesamtspieldauer: 41:59



Dear Reader ist eine Alternative Pop Band aus Johannesburg, Südafrika. Die Band wurde 2008 von der Sängerin und Songwriterin Cherilyn MacNeil und dem Produzenten und Bassisten Darryl Torr gegründet. Im Jahr 2009 erschien ihr erstes Studioalbum mit dem Titel „Replace Why With Funny“. Das Album erschien auf dem Plattenlabel City Slang und ist auch gleichzeitig die letzte Platte in dieser Konstellation, denn kurze Zeit später trennten sich die Wege von Cherilyn MacNeil und Darryl Torr.

Auf „Replace Why With Funny“ hört man sanften Alternative Pop, der überwiegend von Cherilyn MacNeil geschrieben wurde. Lediglich das Lied „Way Of The World“ ist ein Ko-Produktion der beiden Musiker. Die Musik ist hauptsächlich akustisch inspiriert und gehalten, sehr schön klingen auch immer die Chor-Einlagen, die die Musik der Südafrikaner noch etwas eingängiger und auch wärmer werden lassen. Unaufgeregte und entspannte Musik gibt es auf „Replace Why With Funny“ zu hören, die ins Ohr geht und ein ums andere Mal auch längerfristig dort verbleibt.

Besonders gelungen sind dabei die beiden Titel „Bend“ sowie „Never Goes“. Schöne, fast schon wärmende Lieder, die auch von der sanften und weichen Stimme der Cherilyn MacNeil leben. Definitiv ist das keine Musik für Freundinnen und Freunde des härteren Rocks – auch wenn die Musik ganz bestimmt nicht einschläfernd klingt und auch mal Rhythmus und Tempo angezogen werden. Auch die restlichen Lieder klingen und wirken nach, sodass „Replace Why With Funny“ durchgängig gut unterhält.

Fazit: Unaufgeregten Alternative Pop bekommt man von Dear Reader serviert. Dieser geht ins Ohr, klingt melodiös und ist allerbestens zum Entspannen geeignet. Besonders gelungen sind die Vokal-Arrangements, die den Gesang der Cherilyn MacNeil und den The Wits Choir betreffen. Schön. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Bend, Never Goes, The Same



Donnerstag, 18. Oktober 2018

Sigrid & Marina – Das größte Glück




Sigrid & Marina – Das größte Glück


Besetzung:

Sigrid Hutterer – Gesang
Marina Hutterer – Gesang


Gastmusiker:

Harald Pairits – Keyboard, Programming
Fritz Koch – Gitarre
Hannes Wallner – Gitarre
Manuel Lopez – Gitarre
Christian Zierhofer – Akkordeon, Chor, Keyboard, Programming
Gerhard Zwickl – Trompete
Andreas Pirringer – Klarinette
Tini Keinrath – Chor
Michaela Kollar – Chor
Herbert Moser – Chor


Label: Hofbauer Music


Erscheinungsdatum: 2018


Stil: Volkstümlicher Schlager


Trackliste:

1. Das größte Glück (3:13)
2. Unheimlich schön (3:16)
3. Millionen Augenblicke (3:27)
4. Fliege mit mir in den Himmel hinein (3:03)
5. Heute schon ein Lächeln verschenkt (3:03)
6. Heimwehmelodie (3:29)
7. Engel von Beruf (3:19)
8. Sommer ist die Zeit (3:13)
9. Das Lied der großen Liebe (3:46)
10. Dieser Tag gehört uns zwei (3:05)
11. Bergbluat (3:43)
12. Jeder Gedanke kann ein Gebet sein (3:31)

Gesamtspieldauer: 40:15




Jedes Jahr bringen die Geschwister Sigrid und Marina Hutterer ein neues Studioalbum heraus. Das 2018er Exemplar erschien am 14. September auf dem Label Hofbauer Music und heißt „Das größte Glück“. Darauf zu hören sind zwölf Titel, die allesamt zwischen 3:03 und 3:46 Minuten Spieldauer aufweisen.

Alle zwölf Nummern klingen praktisch gleich, sind gleich lang und weisen allesamt als Rhythmusgeber dieses grausame und synthetische Computer-Gestampfe auf. Man möchte meinen es handelt sich fast immer um dasselbe Lied, welches noch eine Extrarunde dreht – aber das stimmt nicht. Ganz ehrlich, es stimmt wirklich nicht, doch es klingt leider so. Schwer dabei nicht durchzudrehen, ich weiß. Dazu gesellen sich Texte, die einem aufgrund des Fremdschämens die Röte in das Gesicht treiben. Oftmals hat das nichts mehr nur mit Friede, Freude, Eierkuchen zu tun, auf „Das größte Glück“ klingt es einfach nur noch platt und dämlich und peinlich.

Volksmusik befindet sich keine mehr auf diesem Album, dafür jedoch an den Nerven zerrender volkstümlichen Schlager, der aber bei so manchem Buam oder manchem Deandl wohl immer noch gut ankommt – irgendjemand muss so etwas ja kaufen, denn die beiden Schwestern leben von ihrer Musik. Ich selbst habe fast Schwierigkeiten bei diesen Tönen und Sätzen von Musik zu sprechen. Schade, dass dabei nicht wenigstens auf diese nervige Taktvorlage verzichtet wird.

Fazit: Es ist immer wieder überraschend, mit was man alles Geld machen kann. Damit ist über diese Scheibe im Grunde genommen alles Wichtige gesagt, denn ich möchte nicht genauso langweilen wie „Das größte Glück“, welches sich in Wirklichkeit als „Die größte Qual“ herausstellt. Doch  und das muss an dieser Stelle einfach erwähnt werden  die Musik-Geschmäcker sind nun mal verschieden und darüber lässt sich stets streiten. Musikalische Qualität ist allerdings durchaus auch für den Laien erkennbar. Und diese findet man auf „Das größte Glück“ leider überhaupt nicht. Null Punkte.

Anspieltipps: Das Lied der großen Liebe



Mittwoch, 17. Oktober 2018

Genesis – Calling All Stations




Genesis – Calling All Stations


Besetzung:


Ray Wilson – lead vocals
Tony Banks – keyboards, acoustic guitar, backing vocals
Mike Rutherford – guitars, bass, backing vocals


Gastmusiker:

Nir Zidkyahu – drums on "Calling All Stations", "Congo", "Shipwrecked", "Alien Afternoon" (second half), "Not About Us", "The Dividing Line", "Uncertain Weather", "There Must Be Some Other Way", and "One Man's Fool", percussion
Nick D‘Virgilio – drums on "Alien Afternoon" (first half), "If That's What You Need", "Uncertain Weather", and "Small Talk", percussion


Label: Virgin Records


Erscheinungsdatum: 1997


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

1. Calling All Stations (5:45)
2. Congo (4:52)
3. Shipwrecked (4:24)
4. Alien Afternoon (7:53)
5. Not About Us (4:39)
6. If That‘s What You Need (5:12)
7. The Dividing Line (7:45)
8. Uncertain Weather (5:29)
9. Small Talk (5:02)
10. There Must Be Some Other Way (7:55)
11. One Man‘s Fool (8:57)

Gesamtspieldauer: 1:07:59




„Calling All Stations“ heißt das fünfzehnte und bisher letzte Studio-Album der englischen, ursprünglichen Progressive Rock Band Genesis. Das Album erschien am 1. September 1997 auf dem Plattenlabel Virgin Records. Nachdem Phil Collins im März 1996 seinen Abschied von Genesis bekannt gegeben hatte, entschlossen sich Tony Banks und Michael Rutherford Genesis doch noch „weiter leben zu lassen“ und suchten einen neuen Sänger und Schlagzeuger. Die Wahl fiel bezüglich des Gesangs auf den ehemaligen Stiltskin-Sänger Ray Wilson. Er wurde auch kurzzeitig festes Mitglied von Genesis. Das war den beiden Schlagzeugern Nir Zidkyahu und Nick D‘Virgilio nicht vergönnt, die auf „Calling All Stations“ als Gastmusiker ihre Auftritte hatten.

Das Gute vorweg: Ray Wilson singt gut. Es macht Spaß ihm zuzuhören, das klingt sehr überzeugend. Ansonsten klingt auf „Calling All Stations“ wenig so, dass man sich darüber freuen könnte. Wenn man an diese Scheibe sogar mit dem Ansatz herangeht, etwas Progressive Rock zu vernehmen, dann wird man erst recht bitterböse enttäuscht werden. Auf diesem fünfzehnten Album von Genesis bekommt man eine Mischung aus Pop und Rock geboten, die zum Teil anbiedernd klingt, zum Teil einfach nur noch langweilig und belanglos. Das wiederum bedeutet noch nicht einmal, dass die einzelnen Titel katastrophal schlecht klingen würden, jedoch ist das zu Hörende absolut austauschbar, klingt wie jede x-beliebige Pop-Rock-Band, ohne auch nur den Hauch von Spannung zu erzeugen. Bei Genesis hat man einfach einen anderen Anspruch an die Musik, aber wenn man ehrlich ist, ist dieser sowieso verschwunden, seitdem Phil Collins sich in den Vordergrund gedrängt, gesungen und gespielt hat. Dieser ist nun nicht mehr Teil von Genesis, der Gesang ist besser geworden, das Niveau der Scheibe jedoch nicht mehr.

Höhepunkte sind auf „Calling All Stations“ keine zu hören. Das liegt wiederum erneut nicht daran, dass die Musik grottenschlecht sei, es ist gut gemachter Pop-Rock. Doch es sticht kein Titel hervor, sodass jeder Titel ein Höhepunkt ist oder eben gar keine mehr vorhanden sind. Ich tendiere sehr stark zu Letzterem. Leider. Solche „Tiefschläge“ wie das kaum zu ertragene „Small Talk“ sind dabei glücklicherweise nicht die Regel, sondern die Ausnahme auf dieser uninteressanten Platte.

Fazit: Genesis ist die Band für mich, die es schaffte, perfekte Alben zu komponieren. Doch anders als zum Beispiel bei Pink Floyd, schaffte es diese Band auch katastrophale Langweile zu erzeugen. „Calling All Stations“ ist Pop Rock wie man ihn zuhauf hört, der völlig belanglos aus den Boxen wabert und ganz schnell wieder vergessen wird. Sechs Punkte.

Anspieltipps: Not About Us, There Must Be Some Other Way



Dienstag, 16. Oktober 2018

Conrad Schnitzler & Pole – Con-Struct




Conrad Schnitzler & Pole – Con-Struct


Besetzung:

Ohne weitere Angaben


Label: Bureau B


Erscheinungsdatum: 2017


Stil: Dub Techno, Ambient Dub


Trackliste:

1. Wurm (5:42)
2. Sieht hoch, (5:02)
3. Lacht (6:43)
4. Und fängt den Vogel! (1:50)
5. Drachenbäume sind friedliche Wesen (9:35)
6. Wiegenlied für Katzen (11:08)

Gesamtspieldauer: 40:03




Man muss nicht alles verstehen, schon gar nicht in der Musik. Manche Dinge werden sich einem auch niemals erschließen, egal wie sehr man sich auch bemüht. Diese Platte von Conrad Schnitzler & Pole alias Stefan Betke gehört definitiv zu jenen Scheiben, zu denen wohl nur die wenigsten Menschen Zugang finden werden.

Der deutsche Pionier der elektronischen Musik Conrad Schnitzler (1937-2011) sammelte ein riesiges Archiv von Sounds, die er in Kombination miteinander unter anderem für Live-Auftritte verwendete. Im Jahr 2011 entstand die Idee, aus diesem Material neue Kompositionen, nicht Remixe, zu konstruieren. Die „Con-Struct“-Serie war geboren. Diese Version enthält Konstruktionen von Pole, dem Musiker, Produzent, Remixer und Mastering-Engineer Stefan Betke. Entgegen dem ursprünglichen Ansatz vermischt Stefan Betke bei seiner „Con-Struct“-Einspielung verschiedene Musiken. Jeweils 50 Prozent der Sounds stammen von Conrad Schnitzler, die anderen 50 Prozent stammen von Pole selbst.

Die Musik auf dieser „Con-Struct“-Version ist weder tanzbar, noch verfügen die einzelnen Lieder über eine Melodie. Eher hypnotisierend schwirren die Klänge durch den Raum und werden dabei von mehr der weniger dominanten Rhythmen begleitet. Das Genre Ambient trifft es von daher ganz gut, wobei hier Trips verteilt werden ohne, dass man dafür bewusstseinserweiternde Substanzen einschmeißen müsste. Das klingt mal ganz interessant, auf längere Sicht allerdings auch sehr ermüdend.

Fazit: Phantasievolle Lied-Titel, die keinerlei Bezug zur entsprechenden Musik haben werden einem auf „Con-Struct“ geboten. Dabei handelt es sich um eine Art „Verwertung“ von Sounds des Conrad Schnitzlers, welche von Stefan Betke mit eigenen Sounds angereichert oder ergänzt wurden. Die Musik bewegt sich im Bereich des Ambient Dub beziehungsweise Dub-Techno. Sie verfügt über keinerlei Melodien, verbreitet lediglich Atmosphären. Keine Bewertung.

Anspieltipps: Drachenbäume sind friedliche Wesen



Montag, 15. Oktober 2018

Lou Reed – Sally Can’t Dance




Lou Reed – Sally Can’t Dance


Besetzung:

Lou Reed – vocals, acoustic guitar on “Billy“


Gastmusiker:

Danny Weis – guitar, tambourine; backing vocals; horn arrangement
Paul Fleisher – saxophone on "Billy"
David Taylor – horn
Lou Marini – horn
Trevor Koehler – horn
Jon Faddis – horn
Alan Rubin – horn
Alex Foster – horn
Lew Soloff – horn
Steve Katz – harmonica, horn arrangement
Michael Fonfara – piano, keyboards, mellotron on “Ennui“
Prakash John – bass guitar; backing vocals
Doug Yule – bass guitar on “Billy“
Ritchie Dharma – drums on “Kill Your Sons“ and “Ennui“
Pentti “Whitey“ Glan – drums
Doug Bartenfeld – guitar
Michael Wendroff – backing vocals
Joanne Vent – backing vocals
Lew Soloff – horn arrangements
Martin Sheller – horn arrangements


Label: RCA Records


Erscheinungsdatum: 1974


Stil: Rock, Glam Rock


Trackliste:

1. Ride Sally Ride (4:05)
2. Animal Language (3:05)
3. Baby Face (5:05)
4. N.Y. Stars (4:01)
5. Kill Your Sons (3:40)
6. Ennui (3:43)
7. Sally Can’t Dance (4:12)
8. Billy (5:10)

Bonus Tracks der remasterten Wiederveröffentlichung von 2001:

9. Good Taste (previously unreleased) (3:30)
10. Sally Can’t Dance (Single Version) (2:54)

Gesamtspieldauer: 39:29



„Sally Can’t Dance“ heißt das vierte Solo-Album des US-amerikanischen Musikers Lou Reed. Veröffentlicht wurde „Sally Can’t Dance“ im August des Jahres 1974 auf dem Plattenlabel RCA Records. Es ist das Album des Lou Reed, welches die höchste Chart-Platzierung in den USA erreichte und sich immerhin zwei Wochen auf Platz 10 der US Billboard 200 Album-Charts halten konnte. Zudem ist „Sally Can’t Dance“ das erste Solo-Album von Lou Reed, welches keine Songs enthält, die ursprünglich von Reeds früherer Band Velvet Underground aufgenommen worden waren. Und es ist auch die erste Platte des Musikers, welche in den Vereinigten Staaten eingespielt wurde, da die vorherigen drei Alben alle in Großbritannien aufgenommen worden waren. Das Album hatte beim Publikum durchaus Erfolg, die Kritiken fielen jedoch zumeist weniger positiv aus.

Vergleicht man „Sally Can’t Dance“ mit dem Vorgänger „Berlin“, so stellt die Scheibe musikalisch gesehen tatsächlich einen Rückschritt dar. Allerdings wurde das Vorgänger-Album zunächst auch von den Kritikern „zerrissen“. Doch alle innovativen und experimentellen Ansätze in der Musik des ehemaligen Velvet Underground Mitgliedes waren verloren gegangen. „Sally Can’t Dance“ ist eine deutlich rockigere und auch bluesigere Scheibe geworden, als alle Veröffentlichungen zuvor und wenn dann auch noch jede Menge Bläser ihren Einsatz haben, fühlt man sich schon mal an eine Big Band erinnert. Die Musik ist deutlich mehr im Mainstream beheimatet, als man dies von Lou Reed zuvor kannte. Das etwas poppigere Coverbild transportiert den Ansatz des Albums ganz gut, auch wenn man hier keinen Pop hört. Doch irgendwie sollte wohl alles auffällig und offenkundig wirken. Man muss sich auf „Sally Can’t Dance“ wenig erarbeiten.

Die einzelnen Titel auf „Sally Can’t Dance“ sind allesamt im selben Stil gehalten. Leider bedeutet dies auch, dass keine Lieder besonders herausstechen. Andererseits natürlich auch, dass auch keine Ausfälle zu beklagen sind. Höhepunkte sind die beiden rockigen Stücke „N.Y. Stars“ und „Kill Your Sons“. Diese sind ganz bestimmt kein Hard Rock, trotzdem klang Lou Reed bisher nie härter. Auch das etwas folkige „Billy“ klingt, wenn hier auch der Saxophon-Einsatz etwas zu generös ausgeschüttet wird. Und schließlich lohnt auch die Zugabe der remasterten Wiederveröffentlichung, das bisher unveröffentlichte Lied „Good Taste“. Eine Nummer die schön ins Ohr geht und man fragt sich, wer da entscheidet, welcher Titel auf einem Album erscheint und welche doch noch entfernt wird.

Fazit: „Sally Can’t Dance“ ist alles andere als ein schlechtes Album, jedoch weit davon entfernt ein musikalischer Meilenstein zu sein. Eher fast schon biederen Rock gewürzt mit ein paar Blues-Anleihen bietet Lou Reed auf dieser Platte seinen Hörerinnen und Hörern dar. Das kann man alles gut anhören, doch begeisternd klingt das jedoch nicht. Wer jedoch auf handgemachten Rock steht, wird ganz bestimmt etwas auf „Sally Can’t Dance“ für sich entdecken können. Sieben Punkte.

Anspieltipps: N.Y. Stars, Kill Your Sons, Good Taste



Sonntag, 14. Oktober 2018

The Flower Kings – The Sum Of No Evil




The Flower Kings – The Sum Of No Evil


Besetzung:

Roine Stolt – vocals, guitars, additional keyboards
Tomas Bodin – piano, organ, synthesizers, mellotron
Hasse Fröberg – vocals, guitars
Jonas Reingold – bass guitar
Zoltan Csörsz – drums


Gastmusiker:

Hasse Bruniusson – marimba, glockenspiel, percussion
Ulf Wallander – soprano saxophone


Label: InsideOut Music


Erscheinungsdatum: 2007


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. One More Time (13:05)
2. Love Is The Only Answer (24:28)
3. Trading My Soul (6:25)
4. The Sum Of No Reason (13:25)
5. Flight 999 Brimstone Air (5:00)
6. Life In Motion (12:34)

Gesamtspieldauer: 1:14:59




„The Sum Of No Evil” heißt das inzwischen bereits zehnte Studioalbum der schwedischen Progressive Rockband The Flower Kings. Das Album erschien am 25. September des Jahres 2007 auf dem Plattenlabel InsideOut Music und stellt gleichzeitig das Comeback des Zoltan Csörsz am Schlagzeug dar.

Ansonsten klingt alles wie gehabt bei den Flower Kings. Auch auf „The Sum Of No Evil” hört man Progressive Rock, für den die Flower Kings irgendwie exemplarisch stehen. Ein wenig frickelig, gar nicht mal so melodiös und dafür innerhalb der einzelnen Lieder durchaus abwechslungsreich. Auf die Gesamtheit der Lieder dieses Albums und der vorherigen Alben bezogen, sieht das mit der Abwechslung dann allerdings schon völlig anders aus. Ein einmal bewährtes Konzept wird konsequent durchgezogen. Und das bedeutet eben, dass Lieder aus unterschiedlichen Teilen aufgebaut werden, die mal mehr, mal weniger gut ins Ohr gehen. Parts werden zusammengepackt, die nicht immer zusammen zu passen scheinen und diverse Instrumentalpassagen, die von gelungen über konstruiert bis hin zu selbstverliebt reichen, ergänzen das Ganze. Die Flower Kings machen wahrlich keine einfache Musik und von daher wird Roine Stolts Band wohl auf ewig nach dem Erfolg suchen, der ihr sicherlich deutlich mehr zustehen würde.

Mit den Höhepunkten auf „The Sum Of No Evil” gestaltet es sich einigermaßen schwierig, da die einzelnen Titel alle sehr verschachtelt sind und nie durchgängig zu überzeugen wissen – zumindest mich nicht. Gerade bei solch einer Nummer wie „Love Is The Only Answer“ steige ich irgendwann aus. Ist das wirklich ein Lied? Hätte man daraus nicht auch fünf kurze Stücke machen können? Nun, zumindest drei? Und ganz ehrlich, manchmal klingt das nach Mainstream Rock bis Mainstream Hard Rock. Es hört sich auch mitunter wahrlich nicht schlecht an, aber bei solch langen Laufzeiten und dermaßen unterschiedlichen Passagen erklingen zwangsläufig auch solche Abschnitte mit, die einem nicht zusagen. Die Flower Kings mit „Love Is The Only Answer“ sind halt doch etwas ganz anderes als Genesis mit „Supper’s Ready“.

Doch zurück zu den Höhepunkten. An dieser Stelle seien der Opener und das Ende des Albums erwähnt. „One More Time“ und „Life In Motion“ heißen diese beiden Stücke und sie klingen noch am durchgängigsten und überzeugendsten nach Progressive Rock und sind trotz ihrer Spielzeit jenseits der zehn Minuten noch einigermaßen übersichtlich. Teile dieser Lieder gehen zudem gut ins Ohr.

Fazit: Wer die Flower Kings mag, die oder der wird auch „The Sum Of No Evil” mögen. Es ist alles wie gehabt. Die Schweden spielen ihre Musik ohne Kompromisse herunter. Sie wollen progressiv klingen, machen das auch – jedoch nicht immer. Auf Sicht vieler Alben gesehen wirkt das Ganze inzwischen allerdings durchaus etwas eintönig, obwohl die Musik abwechslungsreich gehalten ist. Ein Widerspruch? Nein, man muss nur die letzten Veröffentlichungen der Band um Roine Stolt hintereinander hören, dann verstehet man. Sieben Punkte.

Anspieltipps: One More Time, Life In Motion



Samstag, 13. Oktober 2018

Crippled Black Phoenix – Great Escape




Crippled Black Phoenix – Great Escape


Besetzung:

Justin Greaves – left handed drums, various guitars, a wee bit of bass, samples, musical saw, percussion, some background howling, kaos
Daniel Änghede – the „voice“, a guitar solo, nice backing vocals
Mark Furnevall – synthesizers, hammond, triumphant backing vocals, vocoder


Gastmusiker:

Belinda Kordic – vokillz, banshee howls, backing vocals, „special“ percussion
Helen Stanley – grand piano, synthesizer, acrobatics, backing voice, the trumpet, outer space
Jonas Stålhammar – guitar hammare, tone, beard
Ben Wilsker – right handed drums, (on „Uncivil War“, „Times, They Are A’Raging“), insane double drum action
Tom Greenway – bass avalanche, general all round cool dude
Kostas Panagiotou – accordion  (squeezy hammond), twiddly things
Karl Daniel Lidén – heartbeat
Domnic Aitchison – the phantom
Zoltan Jakab – vocals and crust on „Hunok Csatája“
David Mako – vocals and crust on „Hunok Csatája“


Label: Season Of Mist


Erscheinungsdatum: 2018


Stil: New Art Rock


Trackliste:


CD1:

1. You Brought It Upon Yourselves (3:43)
2. To You I Give (9:21)
3. Uncivil War (Pt 1) (2:49)
4. Madman (4:50)
5. Times, They Are A'Raging (11:57)
6. Rain Black, Reign Heavy (5:58)
7. Slow Motion Breakdown (4:33)
8. Nebulas (5:34)
9. Las Diabolicas (3:49)
10. Great Escape (Pt 1) (7:36)
11. Great Escape (Pt 2) (13:03)

CD2:

1. Hunok Csatája (7:41)
2. Uncivil War (Pt I & II) (8:36)

Gesamtspieldauer: CD1 (1:13:19) und CD2 (16:17): 1:29:36




„Great Escape“ nannte die englische Band Crippled Black Phoenix ihre elfte Veröffentlichung, bei denen es sich mal um EPs oder um vollständige, längere CDs handelt. So ganz einfach fällt es da nicht den Durchblick zu erhalten. „Great Escape“ ist auf jeden Fall ein vollständiges Studio-Album geworden, welches in einer Ausgabe in Form einer Doppel-CD mit zwei Bonus-Titeln veröffentlicht wurde. Das Album erschien am 13. September 2018 auf dem Plattenlabel Season Of Mist und kommt ganz in der Tradition früherer Veröffentlichungen der Band um Justin Greaves daher. Ein wenig New Art Rock, etwas Alternative Rock, eine Prise Hard Rock und auch ein paar Passagen mit Progressive Rock gibt es darauf zu hören. Ich habe bei anderen Bands immer Schwierigkeiten mit Vergleichen zu Pink Floyd, da diese oft inflationär angeführt werden. Im Falle von Crippled Black Phoenix erscheint dieser Vergleich jedoch sehr angebracht gezogen und auch die Musik auf „Great Escape“ erinnert an der einen oder anderen Stelle durchaus an jene von Pink Floyd.

Damit ist schon einiges über dieses Album gesagt, welches stimmungstechnisch gesehen sehr abwechslungsreich klingt und förmlich danach schreit laut gehört zu werden – durchgängig. Etwas spaciger Sound verschmilzt mit harten Rock Riffs, die lauter gehört eindeutig noch besser wirken. Immer wieder sind Pink Floyd Anleihen zu vernehmen und mitunter erschlägt einen fast dieser brachiale Klang, der aus diversen Schichten entsteht, die oftmals nacheinander übereinandergelegt schließlich das Gesamtbild des Liedes entstehen lassen. Manch einer wird dies unter Umständen auch mit „überproduziert“ betiteln. Mehrmals gehört klingt es in meinen Ohren jedoch eher stimmig sich steigernd, konsequent und an vielen Stellen sogar auch mitreißend. Zusätzliche Vielfalt erhält „Great Escape“ durch den Gesang von Daniel Änghede und Belinda Kordic, die hier abwechselnd zu hören sind und beide ihre Parts sehr gut und überzeugend erledigen.

Höhepunkte gibt es einige auf „Great Escape“. „To You I Give“, „Times, They Are A'Raging“, „Rain Black, Reign Heavy“, „Great Escape (Pt 2)“ oder das deutlich rockigere „Uncivil War (Pt I & II)“, welches zum Teil bereits auf der ersten CD vorhanden ist und hier eine Zugabe darstellt. Auch wenn Eingängigkeit und Melodiösität für Musik sicherlich kein Qualitätsmerkmal darstellen, so macht gerade dies jedoch auch einen großen Teil der Musik von Crippled Black Phoenix auf „Great Escape“ aus. Die Nummern gehen ins Ohr und scheinen dort mit jedem weiteren Durchgang noch ein wenig zu wachsen. Wer auf genau diese melodischen Momente in der Musik steht, wird dies nicht nur in den gerade aufgeführten Stücken finden. Dem Bombast sollte man an der einen oder anderen Stelle dabei jedoch nicht zu kritisch gegenüberstehen, denn Crippled Black Phoenix geizen auf „Great Escape“ klanglich kaum mit einem Stilmittel. Die schöne Aufmachung der CD, mit einem durchaus gelungenen und künstlerisch gestalteten Booklet, sollte an dieser Stelle ebenfalls noch Erwähnung finden.

Fazit: Wer Crippled Black Phoenix von den vorherigen Veröffentlichungen her mag, wird auch dieses neue Album mögen. Ist dem nicht so, wird auch „Great Escape“ nicht überzeugen. Wer jedoch auf der Suche nach Musik ist, die ein klein wenig jene von Pink Floyd fortführt, ohne diese jedoch vollständig zu kopieren, bekommt mit „Great Escape“ von Crippled Black Phoenix einmal mehr eine rockigere Variante dieser Musik präsentiert. Nicht so innovativ, nicht so besonders wie das Original, jedoch durchaus auch hörenswert. Elf Punkte.

Anspieltipps: Rain Black, Reign Heavy, Great Escape (Pt 2)



Freitag, 12. Oktober 2018

The Lumineers – The Lumineers




The Lumineers – The Lumineers


Besetzung:

Wesley Schultz – vocals, guitar, keyboards, drums, percussion, ukulele and effects
Jeremiah Fraites – vocals, drums, percussion, guitar and mandolin
Neyla Pekarek – vocals, cello, keyboards, mandolin, accordion, drums, percussion
Stelth Ulvang – keyboards, guitar, accordion, mandolin, bouzouki, vocals
Ben Wahamaki – electric bass, vocals


Gastmusiker:

Adam Trachsel – electric bass, upright bass
Lauren Jacobson – violin
All the Lumineers and their Friends – group vocals, stomps, hand claps


Label: Decca Records


Erscheinungsdatum: 2012


Stil: Folk, Independent Folk


Trackliste:

1. Flowers In Your Hair (1:50)
2. Classy Girls (2:45)
3. Submarines (2:43)
4. Dead Sea (4:07)
5. Ho Hey (2:43)
6. Slow It Down (5:07)
7. Stubborn Love (4:39)
8. Big Parade (5:27)
9. Charlie Boy (4:21)
10. Flapper Girl (3:15)
11. Morning Song (5:18)

Gesamtspieldauer: 42:20




The Lumineers sind eine amerikanische Folk-Rock-Band aus Denver, Colorado. Die Gründungsmitglieder waren Wesley Schultz (Lead-Gesang, Gitarre) und Jeremiah Fraites (Schlagzeug, Percussion). Schultz und Fraites begannen 2005 in Ramsey, New Jersey, zusammen zu schreiben und aufzutreten. Die Cellistin und Sängerin Neyla Pekarek stieß im Jahr 2010 zur Band. „The Lumineers“ ist das selbstbetitelte Debüt-Studioalbum der Band. Das Album wurde am 3. April 2012 auf dem Plattenlabel Decca Records veröffentlicht und enthält die Singles „Ho Hey“, „Stubborn Love“ sowie „Submarines“. „The Lumineers“ kletterte bis auf Platz 2 der Billboard 200 Charts.

Das Debut von The Lumineers klingt keineswegs US-amerikanisch, sondern sehr viel eher britisch. Folk, der sehr weit entfernt von Country & Western Klischees wirkt und klingt, ins Ohr geht. Elf sanfte Lieder befinden sich auf der Scheibe, wobei „sanft“ nicht bedeutet, dass die Musik einschläfernd oder auch langweilig klingt und ebenfalls nicht heißt, dass das Tempo nicht doch mal angezogen wird. Es ist die überwiegend akustische Instrumentierung, die die Platte etwas zurückhaltender erklingen lässt und wenn sich das Tempo doch mal etwas schneller gebiert, muss man einfach mitwippen, denn diese Musik wirkt. An den etwas schnelleren Stellen hört man die Musiker und deren Freunde im Chor, die den einzelnen Liedern zusätzlich Fülle verleihen. Die einzelnen Nummern sind ohne Ausnahme melodisch und eingängig, unterhalten bestens.

Jede und jeder wird auf „The Lumineers“ von den Lumineers seine eigenen Lieblingslieder finden. Ausfälle gibt es nämlich keine auf der Platte zu beklagen. Mir gefallen gar nicht mal die drei Single-Auskopplungen am besten, in meinem Fall sind es die Lieder „Dead Sea“ sowie „Slow It Down“, die am meisten begeistern. Wahrscheinlich sind es bei mir die beiden Titel, welche am schnellsten ins Ohr gehen. Spaß macht auch der Rest.

Fazit: Eine schöne und einprägsame Platte ist den Lumineers mit ihrem selbstbetitelten Album gelungen. Moderner Folk, der sehr viel britisch denn amerikanisch klingt. Alle elf Titel auf dem Album gehen eingängig ins Ohr, klingen melodiös und bleiben auch längerfristig hängen. Ein eher unauffälliges Album mit sanften Tönen, welches nachhallt und sich lohnt gehört zu werden. Elf Punkte.

Anspieltipps: Dead Sea, Slow It Down