Mittwoch, 10. April 2019

Jack Savoretti – Singing To Strangers




Jack Savoretti – Singing To Strangers


Besetzung:

Jack Savoretti – vocals, backing vocals, whistles


Gastmusiker:

Jesper Lind – tubular bells, timpani, drums, backing vocals
Sam Davies – bass guitar, backing vocals
Sam Lewis – guitar
Pedro Vito – guitar, backing vocals
Nikolaj Torp Larsen – string arrangement, vibraphone, piano, organ, backing vocals, ondes martenod, glockenspiel, wurlitzer, celeste
Lorna Blackwood – backing vocals
Davide Rossi – violin, string arrangement
Cam Blackwood – synthesizer, programmer, backing vocals
Tom Visser – percussion, synthesizer, programmer, backing vocals
Matt Racher – percussion on „Dying For Your Love“ and „Greatest Mistake“
Kylie Minogue – vocals on „Music’s Too Sad Without You“
Piergiorgio Rosso – violin on „Music’s Too Sad Without You“
Francesca Gosio – cello on „Music’s Too Sad Without You“


Label: BMG


Erscheinungsjahr: 2019


Stil: Indie Pop, Alternative Rock


Trackliste:

1. Candlelight (4:31)
2. Love Is On The Line (3:30)
3. Dying For Your Love (4:02)
4. Better Off Without Me (4:01)
5. What More Can I Do? (4:57)
6. Singing To Strangers (Interlude) (2:53)
7. Youth And Love (3:55)
8. Touchy Situation (4:27)
9. Greatest Mistake (4:59)
10. Things I Thought I‘d Never Do (4:11)
11. Going Home (4:25)
12. Music‘s Too Sad Without You – Live From Venice (4:40)

Gesamtspieldauer: 50:37



„Singing To Strangers“ heißt das sechste Studioalbum des englischen Musikers Jack Savoretti. Das Album erschien am 15. März 2019 auf dem Plattenlabel BMG und erreichte in den britischen Album Charts Platz 1. Als Single war bereits im Dezember 2018 das Lied „Candlelight“ veröffentlicht worden.

Auf „Singing To Strangers“ hört man eine große Bandbreite unterschiedlicher musikalischer Genres, die von Americana über Folk und Indie Pop bis hin zum Alternative Rock reichen. Gemeinsam ist allen Titeln, dass diese ohne große Umwege ins Ohr gehen. Die Nummern klingen melodiös und eingängig. Oft sind dabei Streicher zu hören, die die Musik des Jack Savoretti noch ein wenig wärmer und weicher erklingen lassen. Etwas zu oft bedient der Engländer mit seinen Texten allerdings das Thema der Liebe und des Herzschmerzes. Da wäre etwas mehr Abwechslung durchaus bereichernd gewesen. Es befindet sich mit dem Titel „Touchy Situation“ jedoch sogar eine Nummer auf dem Album, bei der der Text von keinem geringeren als Bob Dylan geschrieben wurde.

Unabhängig von den Texten weiß die Musik zu überzeugen. Besonders gelungen klingen dabei die erste Singleauskopplung „Candlelight“, das bereits erwähnte „Touchy Situation“ sowie das wunderschöne „Greatest Mistake“. Gerade letztgenannter Titel besitzt eine einprägsame und nachhallende Instrumentierung mit Glockenspiel und mitreißend arrangierten Streichern. Sicherlich der Höhepunkt des Albums. Auch das Duo mit der Australierin Kylie Minogue, live eingespielt in Venedig, ist ein kleiner und hörenswerter Ohrwurm, der sich lohnt gehört zu werden. Da auch die übrigen Lieder durchaus zu unterhalten verstehen, steht dem Hörerlebnis nichts mehr im Wege, wenn man auf die melodische Ausprägung des Alternative Rocks und Independent Pops steht.

Fazit: Das sechste Studioalbum des englischen Musikers Jack Savoretti mit dem Titel „Singing To Strangers“ weiß mit viel Melodiösität und Eingängigkeit aufzuwarten und wirkt nach. Einprägsame und schöne Melodien gibt es auf der Platte zu entdecken und wenn man auch Texten mit etwas Herzschmerz etwas abzugewinnen weiß, dann steht dem Hörgenuss nichts mehr im Wege. Dass Jack Savoretti sein Publikum gut zu unterhalten versteht, davon kann man sich im Mai selbst überzeugen, denn der Brite kommt für fünf Konzerte nach Deutschland. Acht Punkte.

Anspieltipps: Candlelight, Greatest Mistake


Jack Savoretti „Singing To Strangers Tour“ 2019:

03.05.19 – Batschkapp, Frankfurt
04.05.19 – Muffathalle, München
12.05.19 – Huxleys, Berlin
14.05.19 – Docks, Hamburg
15.05.19 – Live Music Hall, Köln



Dienstag, 9. April 2019

Le Orme – Felona E Sorona




Le Orme – Felona E Sorona


Besetzung:

Tony Pagliuca – keyboards
Aldo Tagliapietra – voice, bass, guitars
Michi Dei Rossi – drums, percussions


Label: Philips Records


Erscheinungsjahr: 1973


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Sospesi Nell’Incredibile (8:43)
2. Felona (1:58)
3. La Solitudine Di Chi Protegge Il Mondo (1:57)
4. L’Equilibrio (3:47)
5. Sorona (2:28)
6. Attesa Inerte (3:25)
7. Ritratto Di Un Mattino (3:29)
8. All'infuori Del Tempo (4:08)
9: Ritorno Al Nulla (3:34)

Gesamtspieldauer: 33:34



„Felona E Sorona“ heißt das vierte Studioalbum der italienischen Progressive Rock Band Le Orme. Es wurde im Jahr 1973 auf dem Plattenlabel Philips Records veröffentlicht. „Felona E Sorona“ ist ein Konzeptalbum und handelt von zwei Planeten, die sich umkreisen. Zunächst ist Felona der schöne und blühende Planet, während auf Sorona mehr Dunkelheit und Vergänglichkeit herrscht. Dieser Zustand kehrt sich später um. Ein Jahr nach dem Erscheinen des Albums wurde auch eine englischsprachige Version mit Texten von Peter Hammill veröffentlicht, die dann den Namen „Felona and Sorona“ trug.

Auf „Felona E Sorona“ hört man keine Gitarren, es gibt keine. Die Musk ist stark Keyboard-lastig gehalten, klingt an mancher Stelle sphärisch, ohne dabei den rockigen Ansatz völlig aufzugeben. Le Orme, was auf Deutsch „Die Fußspuren“ bedeutet, hören sich deutlich weniger frickelig und verspielt an, als viele der italienischen Kollegen des Progressive Rock der 70er Jahre. Dafür klingt die Musik allerdings um einiges eingängiger und melodiöser als die meisten Platten, die in Italien in etwa zur selben Zeit und im selben musikalischen Genre veröffentlicht wurden. Gleich beim ersten Mal des Hörens setzen sich die Harmonien in der Musik von Le Omre im Ohr fest. Alles auf „Felona E Sorona“ klingt melodiös – ohne Ausnahme. Durchbrochen werden diese harmonischen Klänge nur durch einige eher sphärische Ausflüge, die dann entspannte Atmosphären transportieren.

Höhepunkte auf „Felona E Sorona“ zu benennen ist nicht ganz einfach, da die Lieder ineinanderfließen und eben allesamt wirken. Nun, das längste Stück der Platte und gleichzeitig der Opener „Sospesi Nell’Incredibile“ überzeugt durch seine Abwechslung, die sich durch unterschiedliche Passagen manifestiert. Die Lieder „L’Equilibrio“ sowie „Attesa Inerte“ überzeugen dagegen durch wunderschöne Melodiösität, die hier vielleicht noch ein wenig stärker ausgeprägt ist, als bei den anderen Titeln. Sicherlich ist dies allerdings reine Geschmackssache.

Fazit: Wer die melodiöse Ausprägung des Progressive Rock mag, die oder der sollte mal ein Ohr bei Le Omre und ihrer Platte „Felona E Sorona“ riskieren. Auf dem Album klingt alles sehr stimmig, eingängig und melodiös. Dabei fällt es überhaupt nicht auf, dass die Platte ohne die Beteiligung einer einzigen Gitarre eingespielt wurde. Ein kleiner Nachteil ist allerdings die sehr kurze Laufzeit des Albums. Ein wenig mehr als etwas über eine halbe Stunde Spieldauer hätte es schon sein dürfen. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Sospesi Nell’Incredibile, L’Equilibrio, Attesa Inerte



Montag, 8. April 2019

Rio Reiser – Himmel und Hölle




Rio Reiser – Himmel und Hölle


Besetzung:

Rio Reiser – Gesang


Gastmusiker:

Keine weiteren Angaben


Label: Columbia Records


Erscheinungsjahr: 1995


Stil: Deutsch Rock


Trackliste:

1. Irrlicht (5:23)
2. Eislied (2:45)
3. Straße (5:09)
4. Streik (3:54)
5. Gefahr (3:01)
6. Erdbeben (4:16)
7. Der Junge am Fluss (3:26)
8. Hoffnung (4:14)
9. Träume (6:38)
10. Schlacht (3:12)
11. Himmel und Erde (3:14)

Gesamtspieldauer: 45:16




„Himmel und Hölle“ heißt das sechste und gleichzeitig auch letzte Solo-Studioalbum des Musikers Rio Reiser. Das Album erschien im März 1995 auf dem Plattenlabel Columbia Records, etwas mehr als ein Jahr später verstarb Rio Reiser. Angedacht war zunächst überhaupt kein neues Album. Zunächst sollte nur das Titellied für den Münchener Tatort „Im Herzen Eiszeit“ aufgenommen werden, in dem Rio Reiser eine der Hauptrollemn spielte. Doch es entstand immer mehr Material und Rio Reiser hatte noch so manche Idee und so wurde schließlich ein volständiges Album eingespielt.

„Himmel und Hölle“ ist eines der besten Werke des gebürtigen Berliners. Die Platte klingt insgesamt ziemlich dunkel, doch verfügt sie über eine ganze Reihe an Liedern, die mit Melodien ausgestattet wurden, welche sich wahrlich schnell festsetzen. Sehr viel eingängige Musik, die niemals anbiedernd klingt, befindet sich auf „Himmel und Hölle“. Eindringlich sind neben der Musik auch die Texte, die sich wahrlich lohnen mit verfolgt zu werden. Auch diese weisen einen gewissen düster-maroden Hintergrund auf, passen sich perfekt den musikalischen Klängen an und bilden mit diesen eine gelungene Einheit.

Es gibt einige Höhepunkte auf dem Album. Für mich sind die gelungensten Titel die Nummern „Eislied“, „Der Junge am Fluss“, „Träume“ sowie das letzte Lied „Himmel und Erde“. Alle vier Stücke gehen schnell ins Ohr und decken gleichzeitig die ganze Spannbreite der Musik des Albums ab. Von etwas verschrobener Musik über sanfte, ein wenig poppige Balladentöne hin zum Rocker, der die Füße zum Mitwippen animiert. Alles vorhanden auf „Himmel und Hölle“, einem Album, welches nie Langeweile aufkommen lässt und einen etwas traurig und wehmütig zurücklässt, da Rio Reiser danach keine Musik mehr veröffentlichen konnte.

Fazit: Ein würdiger Abschluss der musikalischen Karriere des Rio Reiser, die viel zu kurz anhielt. „Himmel und Hölle“ ist angefüllt mit eingängiger, melodischer Musik, die von sanft bis rockig reicht. Viele der elf Lieder überzeugen, viele gehen ins Ohr. Dazu gesellen sich noch sehr lohnende Texte und fertig ist das schönste und gleichzeitig anspruchsvollste Soloalbum des Rio Reiser. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Eislied, Der Junge am Fluss, Träume, Himmel und Erde



Sonntag, 7. April 2019

Breaking Benjamin – Phobia




Breaking Benjamin – Phobia


Besetzung:

Benjamin Burnley – lead and backing vocals, rhythm guitar
Aaron Fink – lead guitar
Mark Klepaski – bass guitar
Chad Szeliga – drums, percussion


Gastmusiker:

Sebastian Davin – piano (on track 7, 12 and 14) and backing vocals (on track 7, 12 and 14)
David Eggar – cello on "The Diary Of Jane" (acoustic)
Scott Treibitz – cello arrangement
Helda Coccen-Mihan – backing vocals
Neil Zineatser – guitar (on track 5, 6, 12)


Label: Hollywood Records


Erscheinungsjahr: 2006


Stil: Alternative Rock, Alternative Metal


Trackliste:

1. Intro (1:13)
2. The Diary Of Jane (3:20)
3. Breath (3:38)
4. You (3:22)
5. Evil Angel (3:41)
6. Until The End (4:12)
7. Dance With The Devil (3:47)
8. Topless (3:03)
9. Here We Are (4:18)
10. Unknown Soldier (3:46)
11. Had Enough (3:50)
12. You Fight Me (3:12)
13. Outro (2:09)

Gesamtspieldauer: 43:37




„Phobia“ heißt das dritte Studioalbum der US-amerikanischen Rockband Breaking Benjamin. Es erschien auf dem Plattenlabel Hollywood Records am 8. August 2006 in den USA und etwas über ein Jahr später, am 21. November 2007 in Europa. Das Album verkaufte sich in der ersten Woche nach der Veröffentlichung in den USA über 131.000 Mal und kletterte bis auf Platz zwei in den US Billboard 200 Charts. Der Albumtitel ist eine Anspielung auf die Flugangst des Bandnamengebers, Sängers und Gitarristen Benjamin Burnleys. Im Lied „Intro“ hört man dementsprechend auch Flughafen- und Flugzeuggeräusche. Im Lied „Outro“ findet dieser Ansatz erneut Anwendung.

„Phobia“ klingt während seiner gesamten Spielzeit unkompliziert, rockig, eingängig, allerdings leider auch ein wenig unspektakulär. Ohne, dass die Musik schlecht wäre, so scheint sie jedoch auf die schnelle Eingängigkeit hin getrimmt worden zu sein. Das spürt man beim Hören. Man hört keine Ecken und Kanten mehr, die Lieder scheinen sich alle zu ähneln, klingen auch ähnlich. Es gibt auf „Phobia“ weder Ausfälle noch Höhepunkte. Alles ist im Fluss, geht ineinander über und nach einer knappen Dreiviertelstunde wundert man sich, dass es schon wieder vorbei ist.

Dabei unterhält die Scheibe durchaus, die Lieder gehen auch ins Ohr, gleich beim ersten Durchlauf. Doch sie bleiben eben auch nicht hängen. Unterhaltung nur für den Moment. Kein Lied, welches man noch Stunden später im Sinn hat oder gar nachsummt. Doch Freundinnen und Freunde des Alternative Rock – und genau in diesem Genre bewegt sich die Musik hauptsächlich, sehr viel mehr als im Alternative Metal – werden mit „Phobia“ durchaus ihren Spaß haben und die Musik genießen können. Die dreizehn Nummern bedienen genau die Erwartungen an dieses Genre, wenn auch leider etwas zu „glattgebügelt“.

Fazit: Unkomplizierten, dafür eingängigen Alternative Rock bekommt man von Breaking Benjamin auf „Phobia“ serviert. Keine schlechten Lieder, jedoch auch keine besonders fordernde oder innovative Musik. Doch das Album unterhält, das kann man ihm wahrlich nicht absprechen. Für Rock Fans bestens geeignet – auch wenn ein wenig weniger geradliniger Mainstream dem Album gut getan hätte. Acht Punkte.

Anspieltipps: The Diary Of Jane, You



Samstag, 6. April 2019

Banco Del Mutuo Soccorso – Darwin!




Banco Del Mutuo Soccorso – Darwin!


Besetzung:

Francesco Di Giacomo – vocals
Marcello Todaro – electric guitar, acoustic guitar
Vittorio Nocenzi – organ, harpsichord, synthesizer
Gianni Nocenzi – piano, clarinet
Renato D'Angelo – bass guitar, double bass
Pier Luigi Calderoni – drums, timpani


Label: Dischi Ricordi


Erscheinungsjahr: 1972


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. L ‘Evoluzione (13:59)
2. La Conquista Della Posizione Eretta (8:42)
3. Danzo Dei Grandi Rettili (3:42)
4. Cento Mani E Cento Occhi (5:22)
5. 750.000 Anni Fa … L’ Amore? (5:38)
6. Miserere Alla Storia (5:58)
7. Ed Ora Io Domando Tempo Al Tempo Ed Edli Mi Risponde … Non Ne Ho! (3:29)

Gesamtspieldauer: 46:52



Nachdem im März 1972 das erste und selbstbetitelte Album der italienischen Progressive Rock Band Banco Del Mutuo Soccorso erschienen war, legten die sechs Musiker noch im Dezember desselben Jahres nach und veröffentlichten mit „Darwin!“ ein Konzeptalbum, welches sich inhaltlich selbstverständlich mit der Evolution des Lebens auf der Erde beschäftigt. „Darwin!“ erschien im besagten Dezember 1972 auf dem Plattenlabel Dischi Ricordi und wurde von Rolling Stone Magazin Italien auf Platz 92 der 100 besten Schallplatten des Landes gewählt. 

Auf „Darwin!“ hört man die gesamte Bandbreite des Progressive Rocks. Von anspruchsvolleren Passagen, in denen die Musiker alles aus ihren Instrumenten herauszuholen scheinen und die dann keineswegs mehr eingängig klingen, bis hin zu wunderschönen Harmonien und Melodien, die das Ohr von Hörerin und Hörer umschmeicheln. Die Abwechslung stimmt dabei, es macht viel Spaß sich in diese Musik hineinzuhören, die selbstverständlich auch mit jedem Mal des Hörens noch zu wachsen, spannender und besser zu klingen scheint. Dass der Text auf Italienisch eingesungen wurde, trübt das musikalische Erlebnis dabei keineswegs.

Im Opener „L ‘Evoluzione“ hört man bereits alle Facetten dieser wahrlich unterhaltenden Musik, sodass dieses längste Stück der Platte auch gleichzeitig stellvertretend für die restlichen Stücke auf „Darwin!“ zu stehen scheint. Wunderschön und variantenreich erklingt auf dem Album auch der Gesang des leider im Jahr 2014 verstorbenen Sängers Francesco Di Giacomo. Dieser scheint jeden Takt und jeden Akkord, jede Silbe der Stücke leibhaftig zu durchleben und singt dementsprechend ausdrucksstark. Das klingt durchaus beeindruckend. Neben „L ‘Evoluzione“ heißen die Höhepunkte auf dem Album „Cento Mani E Cento Occhi“ sowie „750.000 Anni Fa … L’ Amore?“. Erstgenannter Titel legt kraftvoll los, spielt anschließend mit fast schon jazzigen Anleihen, bis alles in kurze Harmonien mündet, um schließlich erneut durchzustarten. „750.000 Anni Fa … L’ Amore?“ klingt dagegen durchgängig sehr melodiös und geht schnell ins Ohr und dies bereits beim ersten Durchlauf des Albums.

Fazit: Eine überzeugende und abwechslungsreiche Platte ist „Darwin!“ der italienischen Progressive Rockband Banco Del Mutuo Soccorso geworden. Progressive Rock, der den Vergleich zu den englischsprachigen Kollegen keineswegs scheuen muss. Atmosphärisch dichte und fordernde Passagen wechseln sich mit tollen Melodien ab. Niemals kommt dabei Langweile auf. Wer Progressive Rock mag, die oder der wird auch „Darwin!“ mögen. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: L ‘Evoluzione, Cento Mani E Cento Occhi, 750.000 Anni Fa … L’ Amore?



Freitag, 5. April 2019

Peter Murphy – Love Hysteria




Peter Murphy – Love Hysteria


Besetzung:

Peter Murphy – vocals, keyboards


Gastmusiker:

Faut Güner – guitar
Peter Bonas – guitar
Simon Rogers – guitar
Eddie Branch – bass
Peter Bonas – bass
Matthew Seligman – fretless bass
Paul Statham – keyboards
Simon Rogers – keyboards
Howard Hughes – piano
Terl Bryant – drums, percussion


Label: Beggars Banquet Records


Erscheinungsjahr: 1988


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. All Night Long (5:44)
2. His Circle And Hers Meet (6:01)
3. Dragnet Drag (5:49)
4. Socrates The Python (6:41)
5. Indigo Eyes (5:55)
6. Time Has Got Nothing To Do With It (5:19)
7. Blind Sublime (3:55)
8. My Last Two Weeks (6:37)
9. Fun Time (3:50)

Bonus Tracks der remasterten Wiederveröffentlichung:

10. Tale Of The Tongue (7'' Version) (4:23)
11. I’ve Got A Miniature Secret Camera (4:26)
12. Critic’s Choice (4:37)
13. All Night Long (USA Edit) (4:01)
14. Socrates The Python (Demo) (4:55)
15. Fun Time (Cabaret Mix) (Demo) (5:46)

Gesamtspieldauer: 1:18:05



„Love Hysteria“ heißt das zweite Soloalbum des britischen Musikers und Ex-Bauhaus-Mitglieds Peter Murphy. „Love Hysteria“ wurde im März 1988 auf dem Plattenlabel Beggars Banquet Records veröffentlicht. Die Stücke „Dragnet Drag“, „Socrates The Python“ sowie „My Last Two Weeks“ schrieb Peter Murphy alleine, ansonsten entstanden diese in Zusammenarbeit mit dem Keyboarder Paul Statham. Mit dem Bassisten Peter Bonas schrieb Peter Murphy das Lied „Time Has Got Nothing To Do With It“ und die Nummer „Fun Time“ ist schließlich eine Cover-Version eines David Bowie und Iggy Pop Stücks.

Auf „Love Hysteria“ hört man relativ unspektakulären Alternative Rock, der mal besser, mal weniger gut ins Ohr geht. Zwar besitzen alle Titel des Albums eine gewisse Qualität, die Höhepunkte sind allerdings auch sehr rar gesät auf „Love Hysteria“. Und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Platte, einmal aufgelegt, durchläuft ohne großartige Spuren zu hinterlassen. An kaum einer Stelle hat man das Gefühl genauer hinhören zu wollen, obwohl die Musik phasenweise durchaus unterhält.

Schade eigentlich, denn mit „All Night Long“ beginnt die Platte sogar wahrlich vielversprechend. Eine völlig ungewöhnliche Perkussion leitet den Titel ein, ein wohl am Synthesizer generierter Xylophon-Klang. Auch ansonsten verfügt das Lied über eine Melodie, die hängenbleibt. Der zweite Höhepunkt des Albums ist das Lied „My Last Two Weeks“ – eines der drei Stücke, die Peter Murphy alleine schrieb. Auch dieses Mal ist es die Melodie, die zu überzeugen weiß. Sanft windet sich das Lied aus den Boxen, eine wiederkehrende, vom Piano stammende Tonfolge beherrscht das Stück, welches die Nummer zu einem kleinen, verträumten Ohrwurm werden lässt.

Fazit: Eher ein durchschnittliches Album ist „Love Hysteria“ von Peter Murphy geworden. Eine Platte ohne große Höhepunkte, allerdings auch ohne Ausfälle. Jedoch läuft die Scheibe mit nur wenigen Ausnahmen lediglich durch und hinterlässt kaum Spuren. Zu hören gibt es auf „Love Hysteria“ Alternative Rock, der nie anbiedernd klingt und auch kaum „radiotauglich“ zu nennen ist – dazu sind die einzelnen Stücke einfach nicht eingängig genug. Acht Punkte.

Anspieltipps: All Night Long, My Last Two Weeks



Donnerstag, 4. April 2019

Long Distance Calling – Boundless




Long Distance Calling – Boundless


Besetzung:

Florian Füntmann – guitar
Jan Hoffmann – bass
David Jordan – guitar
Janosch Rathmer – drums


Gastmusiker:

Eddie North – violin on “Like A River”
David Miles – trumpet on “Like A River”


Label: InsideOut Music


Erscheinungsjahr: 2018


Stil: Instrumental Progressive Rock


Trackliste:

1. Out There (9:11)
2. Ascending (4:59)
3. In The Clouds (6:00)
4. Like A River (4:56)
5. The Far Side (5:45)
6. On The Verge (6:02)
7. Weigtless (6:56)
8. Skydivers (12:16)

Gesamtspieldauer: 56:09




„Boundless“ heißt das sechste vollständige Studioalbum der deutschen Band Long Distance Calling aus Münster. „Boundless“ erschien am 2. Februar 2018 auf dem Plattenlabel InsideOut Music und ist einmal mehr ein Instrumentalalbum geworden. Irgendwo im weiten Bereich von Alternative Rock, Progressive Rock und Progressive Metal bewegt sich die Musik auf der Scheibe, die eben ohne Text und Wort auskommt und somit durchaus etwas Besonderes darstellt.

Die einzelnen Lieder auf „Boundless“ zünden auch sogleich, das bedeutet beim ersten Hören. Gerockt wird auf dem Album. Das Ganze klingt dabei niemals zu vertrackt, sodass das Genre Alternative Rock durchaus mit herangezogen werden kann, wenn man die Musik von Long Distance Calling auf „Boundless“ beschreiben möchte. Da diese auch sehr kraftvoll und rockig und auch hart klingt, darf man an dieser Stelle sicherlich auch von Metal sprechen. Das „Progressive“ Momentum resultiert dann eher aus dem Umstand, dass es keine feste Liedstruktur zu geben scheint, die einzelnen Titel sich langsam entwickeln und nicht nach der Methode Strophe – Refrain – Strophe – Refrain – Solo und so weiter funktionieren.

Ohrwürmer gibt es zwar keine auf der Scheibe, doch klingt jeder der acht Titel eingängig und melodiös – dabei freilich mit einer ordentlichen Portion Härte versehen. Man kann wunderbar in die Musik eintauchen, die ihren Höhepunkt gleich zu Beginn mit dem Opener „Out There“ aufweist. Das Lied klingt immer wieder mitreißend und packend. Großartige qualitative Abfälle sind allerdings auch bei den anderen Nummern auf „Boundless“ nicht festzustellen. Das letzte Lied der Platte, „Skydivers“, ist übrigens nicht über zwölf Minuten lang, sondern die Musiker von Long Distance Calling haben in diesem Titel leider eine unangenehme Marotte manch anderer Band aus den frühen Jahren der Compact Disc wieder aufleben lassen. Die Nummer enthält einen sogenannten „Hidden Track“, der nach dem eigentlichen Lied und einigen Minuten Stille das Album ausklingen lässt.

Fazit: Instrumentaler Progressive Rock beziehungsweise Progressive Metal Musik ist alles andere als alltäglich. Bei der deutschen Band Long Distance Calling kann man diese hören. Atmosphärisch ist dies sehr stimmig und an mancher Stelle klingen die Titel auch durchaus mitreißend. Mir persönlich fehlt allerdings der Gesang, der einem Titel häufig noch viel mehr Leben einhaucht. Man kann die Platte wunderbar hören, sich darauf einlassen und in die Musik eintauchen. Trotzdem fehlt etwas. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Out There, On The Verge



Mittwoch, 3. April 2019

Il Balletto Di Bronzo – Ys




Il Balletto Di Bronzo – Ys


Besetzung:

Gianni Leone – Gesang, Orgel, Piano, Mellotron, Moog, Spinett, Celesta, Keyboards
Lino Ajello – Gitarre
Vito Manzari – Bass
Gianchi Stringa – Schlagzeug


Label: Polydor


Erscheinungsjahr: 1972


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Introduzione (15:11)
2. Primo Incontro (3:27)
3. Secondo Incontro (3:06)
4. Terzo Incontro (4:33)
5. Epilogo (11:30)
6. La Tua Casa Comoda (Bonustrack) (3:46)

Gesamtspieldauer: 41:35



„Ys“ heißt das zweite Studioalbum der italienischen Progressive Rock Band Il Balletto Di Bronzo. „Ys“ ist ein Konzeptalbum und wurde am 25. Mai 1972 auf dem Plattenlabel Polydor veröffentlicht. Nach dem ersten Album „Sirio 2222“, welches zwei Jahre zuvor erschienen war, gab es einen radikalen Stilwechsel in der Musik von Il Balletto Di Bronzo. War es zuvor eher Hard Rock, den die Band spielte, so hört man auf „Ys“ Progressive Rock in Reinkultur. Dieser Stilwechsel war verbunden mit einer Umbesetzung der Band. Vom ersten Album waren noch der Gitarrist Lino Ajello und Schlagzeuger Gianchi Stinga geblieben. Am Bass war nun Vito Manzari zu hören und den größten Einfluss auf die musikalische Neuausrichtung dürfte der Ex- Città Frontale-Keyboarder Gianni Leone haben, der auch den größten Teil der Musik komponierte. Tasteninstrumente waren auf dem vorherigen Debut noch gar nicht vertreten gewesen.

Auf dem Album wird die Geschichte des letzten Menschen auf der Erde erzählt, der am Ende seiner Reise von der Dunkelheit verschlungen wird. Bei dem Albumtitel „Ys“ handelt es sich um eine Metapher, die auf die mythische Insel Ys anspielt, die in der Bucht von Douarnenez in der Bretagne lag und in einer Sturmnacht in den Fluten versinkt. Der inhaltliche Hintergrund des Albums wird sehr lebhaft und Keyboard-lastig nacherzählt. Nicht nur vom Aussehen her soll Gianni Leone zur damaligen Zeit Keith Emerson geähnelt haben, auch die Musik auf „Ys“ erinnert phasenweise an jene von Emerson, Lake & Palmer.

Besonders eingängig klingt „Ys“ zwar nicht, doch dafür äußerst spannend. Die Musik scheint Szenen der Geschichte darzustellen, die sich beim Hören der einzelnen Lieder auch vor dem geistigen Auge generieren. Leider bin ich des Italienischen nicht mächtig, doch mit der groben Story im Kopf kann man diese Phantasiereise ebenfalls bereits antreten. Es sind alle Zutaten des Progressive Rock auf „Ys“ enthalten. Rhythmus- und Tempowechsel, dann doch die ein oder andere sehr melodische Passage, neben deutlich herausfordernden Abschnitten, die dann auch mal atonal klingen können. Die Musik spielt perfekt mit Atmosphären und Stimmungen, welche die Hörerin beziehungsweise den Hörer intensiv beanspruchen, wenn man sich denn auf diese Musik einlassen möchte. Spannend klingt das an jeder Stelle der Platte, wobei es vor allen Dingen die beiden längeren Stücke „Introduzione“ und „Epilogo“ in sich haben und mitzureißen verstehen. Und wer dann noch etwas sehr Melodisches hören möchte, die oder der wird schließlich mit dem Bonus Track der Wiederauflage von „Ys“ belohnt, der Nummer „La Tua Casa Comoda“.

Fazit: „Ys“, das zweite Studioalbum der italienischen Progressive Rock Band Il Balletto Di Bronzo, erinnert immer mal wieder etwas an die Musik von Emerson, Lake & Palmer. Trotzdem hört man bei den Italienern keine Kopie der Englischen Kollegen, „Ys“ klingt eigenständig und jederzeit spannend. Für Fans des Progressive Rock, bei denen die Eingängigkeit der Musik nicht an erster Stelle steht, sehr geeignet. Die Geschichte der Platte funktioniert dabei auch ohne Italienisch-Kenntnisse. Elf Punkte.

Anspieltipps: Introduzione, Epilogo, La Tua Casa Comoda



Dienstag, 2. April 2019

Caligula’s Horse – Bloom




Caligula’s Horse – Bloom


Besetzung:

Jim Grey – vocals
Sam Vallen – guitar
Zac Greensill – guitar
Dave Couper – bass
Geoff Irish – drums


Gastmusiker:

Holly Terrens – piano on “Dragonfly”, flute


Label: InsideOut Music


Erscheinungsjahr: 2015


Stil: Progressive Metal


Trackliste:

1. Bloom (3:14)
2. Marigold (6:19)
3. Firelight (4:38)
4. Dragonfly (9:24)
5. Rust (5:32)
6. Turntail (5:02)
7. Daughter Of The Mountain (7:55)
8. Undergrowth (2:50)

Gesamtspieldauer: 44:59



„Bloom“ nannte die australische Progressive Metal Band Caligula‘s Horse ihr drittes Studioalbum. „Bloom“ erschien am 16. Oktober 2015 auf dem Plattenlabel Inside Out Music und ist angefüllt mit Progressive Metal, der zwar nicht zu hart aus den Boxen hämmert, dafür jedoch auch kaum längere Erholungspausen eingeplant hat. Selten, dass die Musik auf diesem Album zurückhaltender beziehungsweise ruhiger klingt. Mit den Liedern „Marigold”, „Firelight“ sowie „Turntail“ wurden insgesamt drei Singles ausgekoppelt.

Die Musik auf „Bloom” ist durchaus eingängig und melodiös gehalten, rockt und benötigt dabei trotzdem mehrere Durchläufe, bis sie endgültig im Ohr der Hörerin beziehungsweise des Hörers angekommen ist. Alles klingt und wirkt auf „Bloom“, wenn auch die ganz großen Höhepunkte auf dieser Scheibe nicht auszumachen sind. Wenn man sich auf die einzelnen Titel jedoch konzentriert, sich öfters darauf einlässt, erschließen sich einem die Melodiebögen und Harmonien immer besser und intensiver. Darüber hinaus befindet sich kein Titel auf dem Album, der nicht hörenswert wäre.

Die größte musikalische Abwechslung innerhalb eines Liedes bekommt man mit dem längsten Stück der Platte, dem Lied „Dragonfly“ geboten. Am eingängigsten klingt dagegen der Opener und gleichzeitig das Titellied des Albums, die Nummer „Bloom“. Ansonsten bewegt sich alles in etwa auf demselben Niveau, welches Progressive Metal Fans durchaus in Verzückung setzen könnte. Deutlich entfernt ist die Musik auf „Bloom“ allerdings vom Label „Progressive Rock“. Mit Musik von King Crimson, Yes oder auch Porcupine Tree hat „Bloom“ wenig gemein. Dazu klingt die Musik einfach zu hart und auch zu sehr im Mainstream angesiedelt.

Fazit: Progressive Metal Fans werden mit „Bloom“ sicherlich eine sehr gelungene Scheibe in Händen halten. Auch Freundinnen und Freunde des Mainstream Rock könnten mit dieser Platte fündig werde, wenn es um „ihre“ Musik geht. Die Lieder rocken und klingen auf „Bloom“. Etwas Besonderes stellen diese allerdings nicht dar, dazu klingt das Ganze irgendwie dann leider doch zu alltäglich. Trotzdem gut. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Bloom, Dragonfly, Turntail



Montag, 1. April 2019

Athlete – Tourist




Athlete – Tourist


Besetzung:

Joel Pott – lead vocals and guitar
Stephen Roberts – drums and backing vocals
Tim Wanstall – keyboards and backing vocals
Carey Willets – bass and backing vocals


Gastmusiker:

London Metropolitan Orchestra – strings



Label: Parlophone


Erscheinungsjahr: 2005


Stil: Independent Rock


Trackliste:

CD:

1. Chances (4:50)
2. Half Light (3:41)
3. Tourist (3:57)
4. Trading Air (4:27)
5. Wires (4:20)
6. If I Found Out (5:02)
7. Yesterday Threw Everything At Me (3:45)
8. Street Map (4:38)
9. Modern Mafia (2:45)
10. Twenty Four Hours (5:01)
11. I Love (3:49)

Gesamtspieldauer CD: 46:21

DVD:

1. Wires (video)
2. Tourist (Behind the Scenes Documentary)
3. Wires (live video – Shepherds Bush 2004)
4. Tourist (live video – Shepherds Bush 2004)
5. New Project (live audio – Shepherds Bush 2004)
6. Vehicles And Animals (live audio – Shepherds Bush 2004)
7. You Got The Style (live audio – Shepherds Bush 2004)
8. Shake Those Windows (live audio – Shepherds Bush 2004)

Gesamtspieldauer DVD: 38:47




„Tourist“ heißt das zweite Studioalbum der englischen Rockband Athlete, welches am 31. Januar 2005 auf dem Plattenlabel Parlophone veröffentlicht wurde. Insgesamt vier Singles koppelte die Band aus dem Album aus. Die erste Single-Veröffentlichung hieß „Wires“ und stellt den bisher größten Hit der Band dar. Das Lied kletterte bis auf Platz 4 der englischen Single-Charts. Die weiteren Singles waren die Lieder „Half Light”, „Tourist“ sowie „Twenty Four Hours“. Noch besser als „Wires“ platzierte sich allerdings das gesamte Album. Es erreichte sogar Platz 1 der UK Album Charts.

Auf „Tourist“ hört man eingängigen und melodischen Rock, der sicherlich eher im Mainstream anzusiedeln ist, dabei jedoch an keiner Stelle der Platte anbiedernd klingt. Die Lieder sind radiotauglich, wirken jedoch nie aufgesetzt. Viele schöne Melodien lassen sich auf „Tourist“ entdecken und bei mancher Nummer muss man einfach mitwippen, denn die Musik weiß durchaus zu überzeugen und stellenweise sogar mitzureißen – auch wenn es immer eher die ruhigeren Töne sind, welche im Vordergrund stehen – jedoch nicht nur. Dem Album liegt in der neuesten Ausgabe eine DVD bei, auf der man das Video zum Titel „Wires“ sehen kann. Dazu gibt es einige Szenen zur Entstehung der Platte zu sehen sowie sechs Live-Einspielungen. Eine schöne Erweiterung des Albums, wenn auch nicht essentiell.

Alles auf „Tourist“ von Athlete wirkt und klingt. Meine Höhepunkte lauten „Tourist“, „Wires“ sowie „I Love“. Das Titellied ist ein absoluter Ohrwurm, der sich festsetzt und seinen Reiz auch nach vielen Malen des Hörens nicht verliert. „Wires“ geht ebenso auf diese Weise ins Ohr, klingt allerdings deutlich zurückhaltender und getragener. Noch etwas sanfter wird es dann beim letzten Titel der Platte, „I Love“. Auch dieses Mal ist es wieder eine wunderschöne Melodie, die Athlete auf diesem Album immer wieder zu gelingen scheint. Jetzt klingt die Musik von Athlete sanft und fast schon verletzlich, jedoch keineswegs weniger gelungen.

Fazit: Ein schönes, eher etwas sanfteres und unterhaltsames Album ist Athlete mit ihrer zweiten Scheibe „Tourist“ gelungen. Es sind die Melodien und Harmonien, die einen packen und die sich schnell im Ohr festsetzen. Gleich beim ersten Hören. Gerockt wird auf „Tourist“ weniger, die nachdenklicheren und melancholischen Momente stehen bei dieser Musik im Vordergrund. Überzeugend. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Tourist, Wires, I Love



Sonntag, 31. März 2019

IQ – The Road Of Bones




IQ – The Road Of Bones


Besetzung:

Peter Nicholls – lead and backing vocals
Neil Durant – keyboards
Mike Holmes – guitars
Tim Esau – bass guitars and bass pedals
Paul Cook – drums and percussion


Label: Giant Electric Pea


Erscheinungsjahr: 2014


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

CD1:

1. From The Outside In (7:24)
2. The Road Of Bones (8:32)
3. Without Walls (19:15)
4. Ocean (5:55)
5. Until The End (12:00)

CD2:

1. Knucklehead (8:10)
2. 1312 Overture (4:17)
3. Constellations (12:24)
4. Fall And Rise (7:10)
5. Ten Million Demons (6:10)
6. Hardcore (10:52)

Gesamtspieldauer CD1 (53:08) und CD2 (49:06): 1:42:14




„The Road Of Bones“ ist das elfte Studioalbum der britischen Progressive Rock Band IQ. Es erschien am 3. Mai 2014 auf dem Plattenlabel Giant Electric Pea. In Deutschland kletterte das Album sogar bis auf Platz 36 der Charts, was für IQ-Verhältnisse schon eine besondere Platzierung darstellt. Es ist das erste Album mit Neil Durant am Keyboard und markiert die Rückkehr der Gründungsmitglieder Paul Cook am Schlagzeug und Tim Esau am Bass. Letztgenannter ist dabei zum ersten Mal seit 1989 auf einem IQ-Album vertreten.

Seltsam an „The Road Of Bones“ ist, dass die Special Edition des Albums wohl inzwischen die „normale“ Ausgabe der Scheibe ist. Besitzt man diese, kann man nirgendwo darauf nachlesen, dass die gesamte zweite CD des Albums im Grunde genommen wohl eine Bonus CD darstellt. Dies ist nirgends vermerkt und die Lieder – auch der zweiten CD – werden als offizielle Titel aufgeführt. Das wiederum ist jedoch auch genau richtig so, denn einen qualitativen Abfall der Musik mag ich auf der zweiten Scheibe nicht heraushören, diese ist genauso eindrucksvoll stimmig, wie das „ursprüngliche“ Album.

Auf „The Road Of Bones“ hört man wunderschönen und spannenden Progressive Rock neuerer Prägung. Man hört den Liedern an, dass sie moderner sind als jene von IQ der 80er Jahre oder jene anderer Bands der 70er Jahre. Trotzdem besitzen die Lieder allesamt die Zutaten, die Progressive Rock zu einem Erlebnis werden lassen. In diesem Falle sind das wunderschöne eingängige und melodiöse Melodien, viele Wendungen in den einzelnen Stücken, Rhythmus- und Tempowechsel, verschiedene Stimmungen und Atmosphären, die ineinander fließen oder aus sich entstehen. Jederzeit ist das hörenswert und das Herz des Proggies geht auf, wenn sie oder er denn auf die eingängige Seite dieses Genres steht, die allerdings auch durchaus mal rocken kann.

Jede Menge Höhepunkte hält „The Road Of Bones“ für die Hörerin und den Hörer parat. Der ganze Anfang der CD1 mit den Liedern „From The Outside In“, „The Road Of Bones” und „Without Walls” klingt schlicht und ergreifend einfach begeisternd. Progressive Rock in all seiner Abwechslung und Eingängigkeit und Spannung. Doch auch die zweite Scheibe steht dem in nichts nach. Von dieser CD könnte an dieser Stelle jedes der Lieder genannt werden. „Knucklehead“. „1312 Overture“, „Fall And Rise“ oder „Ten Million Demons“, alles wahre Perlen des Progressive Rock. Vier der elf insgesamt auf „The Road Of Bones“ enthaltenen Titel habe ich an dieser Stelle nun noch nicht erwähnt. Nicht ganz fair, denn auch diese stellen Höhepunkte dar. Höhepunkte eines wahrlich gelungenen Albums.

Fazit: „The Road Of Bones“ ist eines der besten Alben des Jahres 2014 geworden und ebenso eines der besten Alben der englischen Band IQ. Auf diesem Album hört man begeisternden Progressive Rock und dies über eine Gesamtspielzeit von fast eindreiviertel Stunden. Die zweite CD, ursprünglich nur als Ergänzung im Rahmen einer Special Edition gedacht, steht der ersten CD in nichts nach. Herz des Progressive Rock Fans, was willst Du mehr? Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: The Road Of Bones, Without Walls, Knucklehead



Samstag, 30. März 2019

Peter Gabriel – Birdy




Peter Gabriel – Birdy


Besetzung:

Peter Gabriel – vocals, keyboards


Gastmusiker:

Jon Hassell – trumpet
Ekome Dance Company – drums
Larry Fast – keyboards
Tony Levin – bass guitar, double bass, backing vocals
Jerry Marotta – drums, percussion
David Rhodes – guitar, backing vocals
Manny Elias – drums
Morris Pert – drums, percussion
John Giblin – double bass, bass guitar


Label: Charisma Records


Erscheinungsjahr: 1985


Stil: Ambient, Soundtrack


Trackliste:

1. At Night (2:46)
2. Floating Dogs (3:02)
3. Quiet And Alone (2:35)
4. Close Up (from "Family Snapshot") (0:55)
5. Slow Water (2:54)
6. Dressing The Wound (4:10)
7. Birdy's Flight (from "Not One Of Us") (3:03)
8. Slow Marimbas (3:24)
9. The Heat (from "The Rhythm Of The Heat") (4:47)
10. Sketch Pad With Trumpet And Voice (3:09)
11. Under Lock And Key (from "Wallflower") (2:27)
12. Powerhouse At The Foot Of The Mountain (from "San Jacinto") (2:24)

Gesamtspieldauer: 35:42




Wer beim ersten Soundtrack von Peter Gabriel „typische“ Musik des Engländers und Ex-Geneis Sängers erwartet, dürfte beim Hören des Albums „Birdy“, der Filmmusik zum gleichnamigen Film von Alan Parker, ziemlich enttäuscht werden. Das Album zum Film wurde am 18. März 1985 auf dem Plattenlabel Charisma Records veröffentlicht und enthält vornehmlich Ambient Musik.

Sehr viele sphärische Klänge bekommt man auf „Birdy“ zu hören, die stimmungsvoll bestimmte Szenen des Films untermalen. Und auch wenn auf diesem Album Ausschnitte aus den Liedern „Family Snapshot“, „Not One Of Us”, „The Rhythm Of The Heat”, „Wallflower“ und „San Jacinto“ vorhanden sind, welche sich auf dem dritten und vierten Solo-Album des Peter Gabriel befinden, so haben diese Auszüge aus den Liedern – und mehr ist es nicht – nur wenig mit den ursprünglichen Titeln gemein, da sie meist nur angedeutet werden. Jedoch erkennt man die Lieder, wenn man diese beiden Platten des Peter Gabriel kennt, möchte sie dann aber doch lieber im „Original“ hören.

Somit stellt „Birdy“ eher eine Scheibe dar, die man mehr im Hintergrund hört oder aber wenn man vielleicht nochmals Szenen des Films vor dem geistigen Auge passieren lassen möchte. Da die bereits angesprochenen Nummern deutlich besser auf den regulären Platten des Peter Gabriel zu hören sind, auf denen sie außerdem mit Gesang versehen sind, der hier komplett fehlt, stellt den Höhepunkt der Platte das Lied „Slow Marimbas“ dar, welches ein wenig über den Status des Ambient-Titels hinausreicht und durchaus eine leicht angedeutete Melodie aufweist.

Fazit: „Birdy“, der erste Soundtrack von Peter Gabriel, ist größtenteils ein Album geworden, welches mit Ambient Musik angefüllt ist. Von daher erschließt sich diese Platte am ehesten den Fans des Films oder Fans von Peter Gabriel, die eben alles und jeden musikalischen Schnipsel von diesem Musiker besitzen möchten. Acht Punkte.

Anspieltipps: Slow Marimbas



Freitag, 29. März 2019

Peter Murphy – Should The World Fail To Fall Apart




Peter Murphy – Should The World Fail To Fall Apart


Besetzung:

Peter Murphy – guitar, keyboards, vocals


Gastmusiker:

Howard Hughes – guitar, keyboards
Chris Pye – guitar
John McGeoch – guitar
Peter Bonas – guitar
Phillip Rambow – guitar
Steve Turner – guitar
Daniel Ash – guitar
Erkan Oğur – acoustic guitar, e-bow
Eddie Branch – bass
Paul Cover – bass
Martin McCarrick – cello
Gini Bell – violin
Joji Hirota – congas
Jon Keleihor – percussion
Jon Self – harmonica


Label: Beggars Banquet Records


Erscheinungsjahr: 1986


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Canvas Beauty (4:47)
2. The Light Pours Out Of Me (3:17)
3. Confessions (5:40)
4. Should The World Fail To Fall Apart (4:49)
5. Never Man (6:15)
6. God Sends (5:50)
7. Blue Heart (4:27)
8. The Answer Is Clear (6:27)
9. Final Solution(3:56)
10. Jemal (5:34)


Bonus Tracks der remasterten Wiederveröffentlichung:

11. Canvas Beauty (Up Version) (5:11)
12. Should The World Fail To Fall Apart (BEG174T B-Side Version) (4:35)
13. Stay (4:53)
14. Final Solution (Club Mix) (5:30)
15. Tale Of The Tongue (12'' Version) (6:28)

Gesamtspieldauer: 1:17:46



„Should The World Fail To Fall Apart“ heißt das Solo-Debütalbum des britischen Musikers Peter Murphy, nachdem seine frühere Band Bauhaus drei Jahre zuvor aufgelöst hatte. „Should The World Fail To Fall Apart“ erschien im Jahr 1986 auf dem Plattenlabel Beggars Banquet Records und enthält ein klein wenig experimentell angehauchten Alternative Rock. Die meisten Titel entstanden in der Zusammenarbeit von Peter Murphy und Howard Hughes, der sich manchmal auch Stephen Betts nennt. Zwei Cover-Versionen sind auf dem Album enthalten. Zum einen „The Light Pours Out Of Me“ der britischen Post Punk Band Magazine und das Lied „Final Solution“ von Pere Ubu. Die beiden Titel „Never Man“ und „Jemal“ schrieb Peter Murphy alleine.

Die Musik auf „Should The World Fail To Fall Apart“ klingt sehr abwechslungsreich und geht dabei mal besser, mal etwas schlechter ins Ohr. Immer wieder sind kleinere experimentelle Ansätze enthalten, die ein Lied dann ein wenig verschrobener und nicht mehr ganz so leicht zugänglich werden lassen. Insgesamt ist die Musik des Peter Murphy auf diesem Album im Mid-Tempo angesiedelt, selten nur wird davon abgewichen. Radiotauglich klingt auf dieser Scheibe so gut wie nichts, die Lieder wollen erarbeitet werden, zünden nicht unbedingt sofort beim ersten Mal des Hörens.

Die Höhepunkte auf „Should The World Fail To Fall Apart“ sind für mich ganz eindeutig die beiden Lieder „Never Man“ und „Jemal“. Beides Titel, die sehr schnell im Ohr wachsen und dort auch längerfristig verbleiben. Auch hier sind kleinere Experimente zu hören, die die Lieder dabei noch spannender erklingen lassen. Wahrlich keine Mainstream Musik. Beide Nummern sind überraschenderweise jene, die Peter Murphy alleine schrieb. Zufall? Doch es gibt durchaus noch mehr auf „Should The World Fail To Fall Apart“ zu hören, was sich lohnt entdeckt zu werden, doch man muss der Scheibe Zeit geben.

Fazit: Das erste Solo-Werk des Peter Murphy mit dem Titel „Should The World Fail To Fall Apart“ ist eine Platte geworden, für die man sich Zeit nehmen muss. Keine Musik für das Radio, da man sie kaum nebenbei hören kann und sich darauf konzentrieren sollte, um die Feinheiten der einzelnen Titel für sich zu entdecken. Alternative Rock mit einem Hauch Experiment. Spannend und nicht alltäglich. Neun Punkte.

Anspieltipps: Never Man, Jemal



Donnerstag, 28. März 2019

Rio Reiser – Über Alles




Rio Reiser – Über Alles


Besetzung:

Rio Reiser – Gesang


Gastmusiker:

Andreas Herbig
Andreas Motzek
Annette Humpe
Caspar Besch
Christa Manner
Dörte Wiedorn
Eugen Stemmle
George Glueck
Graham Layborn
Hannes Eyber
Holly Wagner
Lutz Kerschowski
Manuel Lopez
Niels Braasch
Petra Kleinsorg
Rolf Appelbaum
Toni Nissl


Label: Columbia Records


Erscheinungsjahr: 1993


Stil: Deutsch Rock


Trackliste:

1. Mitten In Der Nacht (3:57)
2. Wart's Ab (3:51)
3. Nimmst Du Mich Mit (3:31)
4. Okay (4:19)
5. Far Up (3:18)
6. Irrenanstalt (3:59)
7. Inazitti (3:36)
8. Wohin Gehn Wir (4:18)
9. Neun99zig (4:12)
10. MHM (3:24)
11. Du - Über Alles (3:46)
12. Im Süden (3:35)
13. Matth. XI, 15. (7:55)

Gesamtspieldauer: 53:47




Sein fünftes Soloalbum nannte der Ex-Ton Steine Scherben Sänger und Songschreiber Rio Reiser „Über Alles“. Dieses erschien am 20. August 1993 auf dem Plattenlabel Columbia Records. Das Album kletterte bis auf Platz 81 der Deutschen Album-Charts und hielt sich insgesamt vier Wochen in diesen.

„Über Alles“ ist wieder ein deutlich weniger politisches Album geworden, die Texte klingen unverfänglicher, beschäftigen sich eher mit allgemeineren Themen. Die Musik selbst weiß dabei leider nicht restlos zu überzeugen. Zwar lässt sich das alles gut hören, doch es befindet sich weder ein herausragender Titel auf dem Album noch insgesamt Musik, die längerfristig nachhallt oder auch hängenbleibt. Leider ändert sich dies auch nicht nach mehrmaligem Hören des Albums. Andere Rio Reiser Platten hinterlassen da deutlich mehr Eindruck, treffen einen mehr.

„Über Alles“ läuft einfach so durch ohne großartigen Eindruck zu hinterlassen. Auf dem Album befinden sich zwar keine Lieder, die einen zwingen fluchtartig den Raum zu verlassen, doch Begeisterung bleibt eben auch aus. Dementsprechend schwer fällt es auch Höhepunkte der Platte zu benennen. In meinem Fall finde ich diese in den Titeln „Neun99zig“ und „MHM“ ohne, dass diese Lieder die Chance hätten, zu Lieblingsliedern zu mutieren.

Fazit: „Über Alles“ ist ein sehr durchschnittliches Deutsch Rock Album geworden. Wahrlich nicht der Höhepunkt im Schaffen des Rio Reiser. Auch wenn sich auf der Scheibe keine völligen Ausfälle befinden, so sind die Höhepunkte auch nicht großartig ausgeprägt. Eher Musik für Komplettisten des Werkes von Rio Reiser. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Neun99zig, MHM