Sonntag, 19. April 2020

Korn – Follow The Leader




Korn – Follow The Leader


Besetzung:

Jonathan Davis – vocals, bagpipes
Head – electric guitar
Munky – electric guitar
Fieldy – bass guitar
David Silveria – drums, percussion


Gastmusiker:

Fred Durst – additional vocals (on "All In The Family")
Tre Hardson – additional vocals (on "Cameltosis")
Ice Cube – additional vocals (on "Children Of The Korn")
Cheech Marin – additional vocals (on "Earache My Eye")


Label: Epic Records


Erscheinungsjahr: 1998


Stil: Nu Metal


Trackliste:

1. It's On! (4:28)
2. Freak On A Leash (4:15)
3. Got The Life (3:45)
4. Dead Bodies Everywhere (4:44)
5. Children Of The Korn (3:52)
6. B.B.K. (3:56)
7. Pretty(4:12)
8. All In The Family (4:48)
9. Reclaim My Place (4:32)
10. Justin (4:17)
11. Seed (5:54)
12. Cameltosis (4:38)
13. My Gift To You (15:40)

Gesamtspieldauer: 1:09:07



„Follow The Leader“ heißt das dritte Studioalbum der US-amerikanischen Nu-Metal-Band Korn. Das Album wurde am 18. August 1998 auf dem Plattenlabel Epic Records veröffentlicht und ist bis heute das Album der Band, welches sich am besten verkaufte. Gleichermaßen gilt „Follow The Leader“ auch als das Album, welches Korn und das musikalische Genre Nu Metal im Mainstream etablierte. Mit den Liedern „All In The Family“, „Got The Life“, „Children Of The Korn“, „B.B.K.“ sowie „Freak On A Leash“ wurden insgesamt fünf Singles aus der Platte ausgekoppelt.

Letzteres liegt nicht zuletzt auch an dem Umstand, dass dem Hip-Hop auf „Follow The Leader“ ebenfalls ein großer Raum eröffnet wurde. Die Gastmusiker Fred Durst (Limp Bizkit), Tre Hardson, wohl besser bekannt unter dem Namen „Slimkid3“ oder auch Ice Cube tragen hierzu maßgeblich bei, da sie neben Schauspieler Cheech Marin Gastsänger auf dem Album sind. Cheech Marin ist übrigens beim Hidden Track „Earache My Eye“ zu hören, der nach zwei Minuten der Stille, im Anschluss an den Titel „My Gift To You“, zu hören ist. Man bekommt auf „Follow The Leader“ eine Mischung aus knallhartem Rock gepaart mit Hip-Hop kredenzt, der mal mehr an Limp Bizkit, dann wieder ein wenig an Marilyn Manson und schließlich stellenweise auch an System Of A Down erinnert.

„Follow The Leader“ läuft gut durch. Headbanging könnte man ununterbrochen praktizieren. Die Lieder verfügen allesamt über eine gleichbleibende Qualität und gefallen dann, wenn man eben auch brachiale Ausbrüche zu schätzen weiß und schlicht und ergreifend gerne mal abrockt. Harmonien oder Melodien gibt es dementsprechend deutlich weniger zu hören. Der Hip-Hop passt hier oft perfekt und rundet den „harten“ und kompromisslosen Eindruck nochmals ab.

Fazit: Die Verbindung Metal mit Hip-Hop wird auf „Follow The Leader“ immer wieder überzeugend ausgelebt. Ansonsten gibt es harten Nu Metal zu hören, bei dem ebenso wenig viel Wert auf die Melodie gelegt wird. Knallen soll es auf „Follow The Leader“. Und es knallt auf „Follow The Leader“. Harte Musik. Acht Punkte.

Anspieltipps: Seed, My Gift To You



Freitag, 17. April 2020

Mila Mar – Mila Mar




Mila Mar – Mila Mar


Besetzung:

Anke Hachfeld – Gesang
Maaf Kirchner – Synthesizer, Perkussion
Katrin Beischer – Flöte
Søan Meyer – Perkussion



Label: Dryland Records (Wiederveröffentlichung)


Erscheinungsjahr: 1997


Stil: Celtic, Weltmusik, Alternative Folk


Trackliste:

1. Goldene Tiere (7:27)
2. Der Wurm (7:37)
3. 1,5 (5:17)
4. Hasso (6:28)
5. Follow Me (10:59)
6. Eva + Maria (6:45)

Gesamtspieldauer: 44:36




Mila Mar wurden Ende 1994 in der Wiesenmühle in Marth bei Göttingen gegründet. Ein Photo dieser Mühle befindet sich auch im Booklet zu ihrem ersten selbstbetitelten Album, welches im Jahr 1997 zunächst im Selbstverlag veröffentlicht worden ist. Im Jahr 2019 wurde das Album einer remasterten Version auf dem Plattenlabel Dryland Records wiederveröffentlicht, welche man als durchaus gelungenen bezeichnen kann.

Auf „Mila Mar“ von Mila Mar hört man elektronisch angehauchte Folk Musik, auf der Anke Hachfeld die Lieder in einer Kunstsprache einsingt. Dabei verfügt sie über ein breites Spektrum ihrer Stimme, welche sie gekonnt einsetzt. Die Lieder klingen mystisch bis verwunschen, zumeist etwas getragen und sind angefüllt mit Harmonien und eingängigen Melodien. Häufiger Bestandteil in der Musik von Mila Mar ist die Querflöte von Katrin Beischer, die in den Liedern allerdings nicht als rockiges Element wie zum Beispiel von Ian Anderson bei Jethro Tull eingesetzt wird. Bei Mila Mar klingt die Flöte etwas entrückt und verzaubernd, immer sanft und ebenfalls eingängig.

Dieses Debutalbum von Mila Mar wirkt in seine Gesamtheit. Es lässt sich wunderschön vom ersten bis zum letzten Akkord in einem durchhören. Die hier transportierte Atmosphäre bleibt dabei eine mystische. Alle sechs Lieder gehen ins Ohr und klingen melodiös, manchmal etwas getragener, ein anderes Mal etwas befreiter. Allerdings wirklich niemals hört sich ein Lied auf „Mila Mar“ fröhlich an. Die Höhepunkte sind bei gleichbleibender Qualität schwer zu benennen. So erwähne ich an dieser Stelle die drei aufeinander folgenden Nummern „1,5“, „Hasso“ und „Follow Me“. Atmosphärisch sehr dichte Titel, die die Musik von Mila Mar auch in ihrer ganzen Bandbreite gut beschreiben.

Fazit: Natürlich ist das besondere Musik, die man von Mila Mar auf ihrem Debutalbum geboten bekommt. Da sind zum einen Texte, die in einer Sprache eingesungen wurden, die es einfach nicht gibt. Zum anderen hört und spürt man diese etwas dunkle, mystische Atmosphäre, die alle sechs Lieder auf „Mila Mar“ von Mila Mar transportieren. Ruhiger atmosphärischer Alternative Folk, mit etwas sanftem Celtic Rock angereichert. Das funktioniert und hört sich gut an. Zehn Punkte.

Anspieltipps: 1,5, Hasso, Follow Me



Mittwoch, 15. April 2020

Kasabian – For Crying Out Loud




Kasabian – For Crying Out Loud


Besetzung:


Kasabian

Tom Meighan – vocals
Sergio Pizzorno – guitars, bass guitar, vocals, synthesizers, piano, drum programming
Chris Edwards – bass guitar, backing vocals
Ian Matthews – drums, percussion


Gastmusiker:

Tim Carter – guitar, organ, additional programming, production
Ben Kealey – piano on "Ill Ray (The King)" and "Wasted", organ on "All Through the Night", backing vocals (1, 4, 5, 6, 8, 10, 11)
Gary Alesbrook – trumpet on "Comeback Kid
Trevor Mires – trombone on "Comeback Kid"
Andrew Kinsman – saxophone on "Are You Looking for Action?"
Fay Lovsky - backing vocals on "The Party Never Ends" and "Are You Looking for Action?", saw on "All Through the Night"
Dirty Pretty Strings – strings on "The Party Never Ends"
Ennio Pizzorno - synthesizers on "Sixteen Blocks"
Lucio Pizzorno - synthesizers on "Sixteen Blocks"


Label: Columbia Records


Erscheinungsjahr: 2017


Stil: Pop, Rock


Trackliste:

CD1:

1. Ill Ray (The King) (3:39)
2. You‘re In Love With A Psycho (3:35)
3. Twentyfourseven (3:01)
4. Good Fight (3:50)
5. Wasted (4:07)
6. Comeback Kid (4:20)
7. The Party Never Ends (3:52)
8. Are You Looking For Action? (8:22)
9. All Through The Night (3:31)
10. Sixteen Blocks (4:19)
11. Bless This Acid House (3:45)
12. Put Your Life On It (4:36)

CD2 ("Underdog" (2016) Live at King Power Stadium):

1. Underdog (6:09)
2. Bumblebeee (4:33)
3. Shoot The Runner (3:50)
4. Eez-Eh (3:47)
5. Fast Fuse (4:18)
6. Days Are Forgotten (4:56)
7. I.D. (5:55)
8. British Legion (3:24)
9. The Doberman / Take Aim (6:55)
10. Put Your Life On It (4:39)
11. Stuntman (5:47)
12. L.S.F. (Lost Souls Forever) (7:03)
13. Stevie (6:09)
14. Vlad The Impaler (5:56)
15. Fire (4:30)

Gesamtspieldauer CD1 (51:03) und CD2 (1:17:57): 2:09:00



„For Crying Out Loud“ heißt das sechste Studioalbum der englischen Rockband Kasabian. Es erschien am 5. Mai 2017 auf dem Plattenlabel Columbia Records und enthält neben vielen rockigen Einflüssen auch den ein oder anderen poppigen Ton. „For Crying Out Loud“ stieg sofort auf Platz der britische Album-Charts ein und ist damit des fünfte Nummer-Eins-Album der Band in Folge.

Auf „For Crying Out Loud“ hört man eine eingängige Mischung aus Pop und Rock. Leider bedeutet dieses „eingängig“ in diesem Fall auch sehr massentauglich und an manchen Stellen einfach ein wenig zu oberflächlich. Die einzelnen Lieder gehen gut ins Ohr, doch so richtig aufhorchen mag man nur bei einigen wenigen Nummern. Natürlich unterhält die Musik von Kasabian auch auf diesem Album – das Besondere, das fehlt allerdings leider. Von daher ist diese Platte auch keine schlechte, jedoch eben auch keine „Lieblingsplatte“. Vieles läuft so durch, nett, schön es mal gehört zu haben. Und mit solch einem Disco-Titel wie „Are You Looking For Action?“ kann ich dann aber leider einfach gar nichts mehr anfangen. Über acht Minuten verschwendete Zeit.

Die Höhepunkte des Albums sind für mich die beiden Lieder „Wasted“ und „All Through The Night“. Beides dann doch noch gute Titel, die etwas herausstechen und hängen bleiben. Beide Nummern verfügen über eine schöne Melodie und sind eingängig. Wasted“ ist dabei etwas flotter unterwegs, „All Through The Night“ klingt dagegen eher sanft, wehmütig, traurig, melancholisch.

Schließlich bekommt man mit dieser Ausgabe des Albums (Deluxe Edition) noch eine zweite CD mitgeliefert. Darauf zu hören ist ein Konzert, aus dem Power King Stadium in Leicester aus dem Jahr 2016. Gar nicht mal überraschend stammen viele Titel dieser Scheibe von den vorherigen Alben. Die Stimmung ist gut, die Qualität der Einspielung ebenfalls. Definitiv eine Bereicherung der Ausgabe des Albums.

Fazit: Kasabian sind eine coole Band. Viele Alben gefallen und machen einfach Spaß. „For Crying Out Loud“ ist allerdings eine eher durchschnittliche Platte geworden. Ein Mix aus Pop und Rock, zum Teil „ganz nett“, an wenigen Stellen richtig gut. Insgesamt leider etwas zu oberflächlich. Die Live-CD macht allerdings Spaß. Acht Punkte.

Anspieltipps: Wasted, All Through The Night



Montag, 13. April 2020

King’s X – Out Of The Silent Planet




King’s X – Out Of The Silent Planet


Besetzung:

Doug Pinnick – vocals & bass
Ty Tabor – guitar & vocals
Jerry Gaskill – drums & vocals


Label: A&M Records


Erscheinungsjahr: 1988


Stil: Hard Rock


Trackliste:

1. In The New Age (5:24)
2. Goldilox (4:42)
3. Power Of Love (4:38)
4. Wonder (4:12)
5. Sometimes (3:42)
6. King (3:03)
7. What Is This? (3:49)
8. Far, Far Away (4:17)
9. Shot Of Love (3:16)
10. Visions (5:30)

Gesamtspieldauer: 42:38



„Out Of The Silent Planet“ heißt das Debütalbum der US-amerikanischen Band King‘s X, welches am 28. März 1988 auf dem Plattenlabel Megaforce veröffentlicht wurde. Der Titel des Albums ist einem Buch von C.S. Lewis entnommen und gleichzeitig ist „Out Of The Silent Planet“ auch der erste Titel des Nachfolgealbums „Gretchen Goes To Nebraska“. Bei der auf dem Album zu hörenden Musik handelt es sich um Hard Rock in Reinkultur.

Ziemlich geradlinigen Rock hört man demnach auf „Out Of The Silent Planet“, der durchaus etwas groovt, bei dem die Gitarre das zentrale Instrument darstellt und der ansonsten noch guten gemachten und perfekt arrangierten mehrstimmigen Gesang aufweist. Hauptsächlich Rocker, neben ein paar balladesken Ausflügen bekommt man auf der Scheibe serviert. Alles zusammen klingt heutzutage ziemlich unspektakulär. Ende der 80er Jahre klang das mit Sicherheit moderner, spannender, interessanter.

Fast bekommt man Schwierigkeiten die Höhepunkte dieser Scheibe zu benennen. Es fällt zwar kein Titel absolut durch, doch Höhepunkte lassen sich eben auch nur schwerlich auf dieser eher durchschnittlichen Scheibe ausmachen. Die Musik läuft in einem durch. Dies kann mitunter ein Qualitätszeichen sein, allerdings auch bedeuten, dass man irgendwie nie sonderlich aufhorcht, nichts Besonderes darauf entdeckt. Im Falle von „Out Of The Silent Planet“ trifft leider Letzteres zu. Um dann doch ein paar Nummer an dieser Stelle zu erwähnen, sei das Lied „Goldilox“ genannt. Ein etwas sanfterer Titel und eine der bekanntesten Nummern von King’s X. „Wonder“ rockt sehr gut und das letzte Lied der Platte „Visions“ ist deutlich abwechslungsreicher als der Rest auf „Out Of The Silent Planet“ geraten. Immerhin.

Fazit: Wer Hard Rock mag, die oder der dürfte auch auf dem Debut von King’s X einiges für sich entdecken. Wer es nicht ganz so geradlinig liebt, die etwas vertrackteren und aufwendigeren Lieder vorzieht, die oder der könnte mit „Out Of The Silent Planet“ durchaus eine Enttäuschung erleben. Nicht schlecht, aber doch leider irgendwie langweilig. Sieben Punkte.

Anspieltipps: Goldilox, Wonder



Samstag, 11. April 2020

Ritual – Think Like A Mountain




Ritual – Think Like A Mountain


Besetzung:

Johan Nordgren – drums, percussion, mallets, nyckelharpa
Patrik Lundström – guitars, vocals
Frederik Lindquist – bass, bouzouki, hammered dulcimer, whistles, recorders
Jon Gamble – pianos, organs, synthesizers, mellotron


Gastmusiker:

Lovisa Hallstedt – violins, violas, e-violin solo on “Humble Decision”


Label: InsideOut Music


Erscheinungsjahr: 2003


Stil: Art Rock, Progressive Rock, Rock, Pop


Trackliste:

1. What Are You Waiting For (3:58)
2. Humble Decision (4:01)
3. Explosive Paste (5:02)
4. Once The Tree Would Bloom (3:57)
5. Mother You've Been Gone For Much Too Long (7:03)
6. Think Like A Mountain (5:01)
7. Moomin Took My Head (4:32)
8. Infinite Justice (6:35)
9. On (2:58)
10. Shamanarama (4:34)
11. Breathing (4:17)
12. Off (2:16)

Gesamtspieldauer: 54:21




Das selbstbetitelte Debutalbum der schwedischen Band Ritual war mein Album des Jahres 1995. Im Jahr 2003, am 10. März, erschien immerhin schon die dritte Platte von Ritual mit dem Titel „Think Like A Mountain“ auf dem Plattenlabel InsideOut Music. Nachdem das zweite Album „Superb Birth“ doch mit eher geradlinigem Rock aufwartete, konnte man gespannt sein, wie die musikalische Reise der Band weitergehen würde. Übrigens sind die Schweden nicht zu verwechseln mit den Namensvettern aus England. Dort gab es in den Jahren 1981 bis 1983 eine Post Punk und Gothic Rock Band Ritual und seit 2014 existiert ebenfalls in England eine Electronic Pop Band mit dem gleichen Namen.

Nun, „Think Like A Mountain“ ist nicht mehr das Debutalbum geworden, allerdings auch kein „Superb Birth“. Auf der Platte hört man Art Rock mit progressiven Ansätzen. Nicht alles auf der Platte ist sofort eingängig, vieles jedoch klingt harmonisch und melodiös, geht dann auch relativ schnell ins Ohr. Doch diese etwas schrägeren Harmonien gibt es und sie lockern die Musik von Ritual auf „Think Like A Mountain“ sogar auf. Was ebenfalls sehr überzeugt sind die mehrstimmigen Gesänge an der ein oder anderen Stelle, die mich manchmal sogar an Queen erinnern, obwohl die Musik von Ritual bestimmt nichts mit der von Queen gemein hat.

„Think Like A Mountain“ ist definitiv eines jener Alben, denen man Zeit zum Reifen geben muss. Beim ersten Mal des Hörens zündet die Platte noch nicht perfekt, doch mit jedem weiteren Durchlauf klingen die Lieder nicht nur vertrauter, sondern auch eingängiger, interessanter und gelungener. Die Höhepunkte sind relativ zentral auf dem Album angeordnet. Es sind die Lieder „Moomin Took My Head“, „Infinite Justice“ sowie das nicht nur vom Titel her kurze und fast komplett instrumentale „On“. Alles drei Lieder, die sich ein wenig auf frühere Dekaden zu beziehen scheinen und Reminiszenzen zu anderen Bands auslösen. So erinnert „Infinite Justice“ stark an die Musik von King Crimson Anfang der 80er Jahre. Die restlichen Nummern fallen gegenüber diesen drei Titeln nicht großartig ab, sodass das Durchhören auch ohne den Einsatz der Fernbedienung bestens funktioniert.

Fazit: Ein abwechslungsreiches Album ist „Think Like A Mountain“ definitiv geworden. Der progressive Ansatz in der Musik der Schweden ist zwar immer noch etwas zurückgefahren, doch Ritual haben sich wieder vom eher Mainstream geprägten Rock wegbewegt, hin zu Liedern und Arrangements, die wohl sehr viel eher dem Art Rock zuzuordnen sind. Klingt gut. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Infinite Justice, On



Freitag, 10. April 2020

Three For Silver – Red Moon




Three For Silver – Red Moon


Besetzung:

Lucas Warford – vocals & bass
Willo Sertain – vocals & accordion
Susan Lucia – drums
Grayson Fiske – vibraphone
Julian Kosanovic – cello


Label: Self Release


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Independent


Trackliste:

1. Born To Trouble (3:12)
2. Red Moon (3:46)
3. Kill-Devil (4:10)
4. Yati Fumaro Kokaini (4:24)
5. Rum & Milk (2:44)
6. Oh! My Soul (3:13)
7. Blow Wind Blow (3:44)

Gesamtspieldauer: 25:16



Auch im Jahr 2020 gibt es Neues von Three For Silver zu verkünden. Die US-amerikanische Band aus Portland, Oregon veröffentlicht in diesem Jahr erneut eine EP. „Red Moon“ heißt diese und wird heute im Selbstverlag veröffentlicht.

Die musikalischen Stile von Three For Silver sind auf dem neuesten Album sogar noch weiter und breiter gestreut, als auf den Vorgängerscheiben. Die inzwischen zum Quintett angewachsene Band – wie man dem CD-Cover entnehmen kann – verzichtet immer noch auf den Einsatz von Keyboards und E-Gitarren, die Musik klingt auf den fünfundzwanzig Minuten Spieldauer dafür umso facetten- wie abwechslungsreicher. Da hört man Gypsy-Sound, orientalisch angehauchte Klänge, Americana-Anleihen. Dann erinnern Three For Silver irgendwie an die Shoulders und deren „Drunken Carnival Music“ und schließlich rockt es auch auf „Red Moon“. So viel Abwechslung auf einer EP, das gibt es nicht häufig zu hören.

Dazu bleibt festzuhalten, dass die einzelnen Nummern ins Ohr gehen. Einige davon haben sogar das Potential zu kleinen Ohrwürmern. Das Titellied „Red Moon“ und das sehr atmosphärische und immer wieder rockende „Kill-Devil“ wären hier zu nennen. Den Höhepunkt des Albums haben sich Three For Silver allerdings für das Ende der Scheibe aufgehoben. „Blow Wind Blow“ bietet auf noch nicht mal vier Minuten eine solche Fülle an Ideen und eingängigen Melodien, die andere Bands zu einem ganzen Album verarbeiten. Sehr beeindruckend.

Fazit: Auch auf „Red Moon“ können Three For Silver überzeugen. Musikalischen Abwechslungsreichtum gibt es auf dem Album zu hören, der begeistert. Die Lieder gehen gut ins Ohr und besitzen zum Teil sehr überraschende Wendungen. Es macht richtig Spaß hier genau zuzuhören. Da kann man nur hoffen, dass auch Three For Silver die konzertfreie Zeit in diesem Jahr gut überstehen und bald wieder im deutschsprachigen Raum auftreten können. Zehn Punkte.

Anspieltipps: Kill-Devil, Blow Wind Blow



Donnerstag, 9. April 2020

Nick Cave And The Bad Seeds – Skeleton Tree




Nick Cave And The Bad Seeds – Skeleton Tree


Besetzung:

Nick Cave – vocals, piano, wurlitzer, synthesizer, vibraphone, backing vocals
Warren Ellis – synthesizer, loops, wurlitzer, piano, baritone tenor guitar, violin, viola, drum treatments, drum loops, backing vocals
Martyn Casey – bass
Thomas Wydler – drums
Jim Sclavunos – percussion, vibraphone, tubular bells, backing vocals
George Vjestica – acoustic guitar, backing vocals


Gastmusiker:

Else Torp – additional vocals (track 7)
Ellie Wyatt – violin
Charlotte Glason – viola
Joe Giddey – cello


Label: Bad Seeds Limited


Erscheinungsjahr: 2016


Stil: Alternative Rock, Art Rock


Trackliste:

1. Jesus Alone (5:52)
2. Rings Of Saturn (3:28)
3. Girl In Amber (4:51)
4. Magneto (5:22)
5. Anthrocene (4:34)
6. I Need You (5:58)
7. Distant Sky (5:36)
8. Skeleton Tree (4:03)

Gesamtspieldauer: 39:46




„Skeleton Tree“ heißt das sechzehnte Studioalbum der australischen Rockband Nick Cave And The Bad Seeds. Es wurde am 9. September 2016 auf dem bandeigenen Plattenlabel Bad Seed Limited veröffentlicht. Während der Aufnahmen verstarb Nick Caves 15-jähriger Sohn Arthur. Er stürzte von einer Klippe in Ovingdean, in der Nähe von Brighton, England, und erlag am 14. Juli 2015 seinen Verletzungen. Der Großteil von „Skeleton Tree“ war zum Zeitpunkt des Todes seines Sohnes zwar bereits geschrieben worden, aber einige Texte wurden von Nick Cave während der folgenden Aufnahmen nochmals geändert und beinhalten Themen wie Tod, Verlust und persönliche Trauer.

„Skeleton Tree“ ist ganz bestimmt kein einfaches Album und eines der am wenigsten zugänglichen in der Diskographie der Australier. Die Titel sind sehr synthesizerlastig und zum Teil auch minimalistisch gehalten. Besonders eingängige Melodien sucht man auf „Skeleton Tree“ vergeblich, es ist eine tiefdunkle Atmosphäre, die über dem Album schwebt und alles in eine düstere Stimmung taucht. Intensiv klingt das durchaus, jedoch keineswegs eingängig, an mancher Stelle fast schon atonal. Graue Novembermusik, die manchmal nur ganz weiche Synthesizerklänge aufweist, über die Nick Cave fast schon beschwörend singt. Definitiv keine radiotaugliche Musik, Musik, auf die sich voll konzentriert werden muss, sonst läuft diese Scheibe ins Leere.

Die einzelnen Titel passen nicht nur sehr gut zueinander, sie sind auch allesamt im selben Stil gehalten. Traurig, manchmal gar nicht mehr melancholisch, sondern bereits hoffnungslos. Von daher ist es auch nicht einfach die Höhepunkte dieser Scheibe zu benennen. Der Weg der Musik wird vom ersten bis zum letzten Takt konsequent beschritten, ohne jegliche Ausbrüche in irgendeine andere Richtung zuzulassen. Um an dieser Stelle doch ein Lied zu erwähnen, sei auf den Titel „Girl In Amber“ verwiesen, der in all seiner Traurigkeit auch sehr viel Schönheit verströmt.

Fazit: Ein sehr dunkles Album ist „Skeleton Tree“ von Nick Cave And The Bad Seeds geworden. Kaum zu glauben, dass Nick Cave und Warren Ellis, die zusammen die Musik und alle Texte schrieben, nur einige Lieder nach diesem Schicksalsschlag nochmals überarbeiteten. Das Album klingt so, als ob es von der ersten bis zur letzten Sekunde Trauer widerspiegelt. Intensiv. Neun Punkte.

Anspieltipps: Girl In Amber



Dienstag, 7. April 2020

The Neal Morse Band – The Great Adventour - Live in Brno 2019




The Neal Morse Band – The Great Adventour - Live in Brno 2019


Besetzung:

Neal Morse – keyboards, guitars, vocals
Eric Gillette – guitar, vocals
Bill Hubauer – synthesizers, vocals
Randy George – bass, vocals
Mike Portnoy – drums, vocals


Label: InsideOut Music


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

CD1:

1. Intro (2:33)
2. Overture (10:29)
3. The Dream Isn‘t Over (2:39)
4. Welcome To The World (5:24)
5. A Momentary Change (3:45)
6. Dark Melody (3:21)
7. I Got To Run (6:17)
8. To the River (5:28)
9. The Great Adventure (6:20)
10. Venture In Black (5:26)
11. Hey Ho Let‘s Go (3:58)
12. Beyond The Borders (3:18)

CD2:

1. Overture 2 (3:45)
2. Long Ago (3:48)
3. The Dream Continues (1:29)
4. Fighting With Destiny (5:12)
5. Vanity Fair (4:39)
6. Welcome To The World 2 (4:01)
7. The Element Of Fear (2:46)
8. Child Of Wonder (2:41)
9. The Great Despair (6:20)
10. Freedom Calling (7:52)
11. A Love That Never Dies (8:22)
12. The Great Medley (24:11)

Gesamtspieldauer CD1 (59:04) und CD2 (1:15:10): 2:14:14



Neal Morse ist sehr aktiv. Wirklich sehr aktiv. In diversen Bands spielte er und spielt er und man kann es kaum glauben, aber „The Great Adventour - Live in Brno 2019“ ist bereits das 32. (!) Live-Album des US-Amerikaners seit 1996. Dazu komme ich auf 37 Studioalben seitdem er mit Spock’s Beard im Jahr 1995 das Album „The Light“ veröffentlichte. Wenn man Spaß an Progressive Rock hat, kann einen diese Umtriebigkeit natürlich nur sehr erfreuen.

„The Great Adventour - Live in Brno 2019“ erschien am 6. März 2020 und unterscheidet sich inhaltlich vom 2019 erschienen Studioalbum „The Great Adventour“ durch das erste und letzte Lied des Albums. Auf der Live-Version gibt es noch ein kurzes Intro zu hören sowie ein sehr gelungenes und fast 25-minütiges Medley weiterer Stücke der Neal Morse Band.

Die Live-Version des Albums klingt noch ein wenig rockiger als die Studioversion. Die Lieder klingen dadurch zum Teil sogar noch mehr mit Leben erfüllt, als auf dem Originalalbum. Die Tonqualität lässt ebenfalls keine Wünsche offen, sodass man „The Great Adventour - Live in Brno 2019“ vom ersten bis zum letzten Akkord genießen kann.

Auf der Studio- wie auf der Live-Version hört man sehr eingängigen, mitunter fast schwelgerischen Retro Prog. Musik, die sehr schnell ins Ohr geht, mit wunderschönen Melodien und Harmonien aufwartet. Dabei klingen die Lieder abwechslungsreich, spielen mit den Stimmungen und Atmosphären und lassen das Herz des Fans progressiver Musik durchaus höherschlagen. Mainstream ist das für mich gewiss nicht, die für Neal Morse und seine Band „bewährte“ und erfolgreiche Musik wird auf „The Great Adventour“ ausgeweitet. Als „Zuckerl“ erhält man mit der Live-Version nochmals fast 25 Minuten geballte Neal Morse Musik, die sich ebenfalls lohnt gehört zu werden.

Fazit: „The Great Adventour - Live in Brno 2019“ ist eine schöne Ergänzung oder gleich eine Alternative zum Studioalbum. Wer Progressive Rock neuerer Machart mag, wird dieses Album sicherlich sehr zu schätzen wissen. Die Melodie und Eingängigkeit stehen sehr im Vordergrund, frickelig oder gar experimentell klingt hier nichts mehr. Mag man dies, steht dem Vergnügen beim Hören von „The Great Adventour - Live in Brno 2019“ nichts mehr im Wege. Macht Spaß. Elf Punkte.

Anspieltipps: I Got To Run, Fighting With Destiny



Sonntag, 5. April 2020

Placebo – Battle For The Sun




Placebo – Battle For The Sun


Besetzung:

Brian Molko – vocals, guitar, Springtime guitar, keyboards, piano
Stefan Olsdal – bass guitar, guitar, keyboards, piano, organ, backing vocals
Steve Forrest – drums, percussion, backing vocals


Gastmusiker:

Bill Lloyd – keyboards
Fiona Brice – string arrangements
Peter Cardinalli – brass arrangements
Alex Cooksey – keyboards, piano, backing vocals
Hazel Fernandes – backing vocals
Valerie Etienne – backing vocals


Label: Pias


Erscheinungsjahr: 2009


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Kitty Litter (3:47)
2. Ashtray Heart (3:32)
3. Battle For The Sun (5:33)
4. For What It‘s Worth (2:47)
5. Devil In The Details (4:28)
6. Bright Lights (3:23)
7. Speak In Tongues (4:06)
8. The Never-Ending Why (3:23)
9. Julien (4:43)
10. Happy You‘re Gone (3:50)
11. Breathe Underwater (3:44)
12. Come Undone (4:36)
13. Kings Of Medicine (4:15)

Gesamtspieldauer: 52:15



„Battle For The Sun“ heißt das sechste Studioalbum der englischen Alternative Rock Band Placebo. Es wurde im Jahr 2008 in Mississauga, Ontario, Kanada aufgenommen und am 8. Juni 2009 auf dem Plattenlabel PIAS veröffentlicht. Nachdem Schlagzeuger Steve Hewitt die Band ein Jahr vor der Aufnahme verlassen hatte, ist es das erste Album auf dem der neue Schlagzeuger Steve Forrest zu hören ist. Das Album kletterte in Deutschland, Österreich und der Schweiz bis auf Platz 1 der Charts, in Großbritannien erreichte es Rang 8. Vier Singles wurden aus dem Album mit den Liedern „For What It‘s Worth“, „The Never-Ending Why“, „Ashtray Heart“ und „Bright Lights“ ausgekoppelt.

„Battle For The Sun“ klingt wieder härter, jedoch nicht rauer, als viele der Vorgänger. „Battle For The Sun“ ist eines der rockigsten Alben von Placebo geworden. Bei jedem Lied möchte man mit dem Fuß Mitwippen, Musik, ideal zum Autofahren und laut hören. Neben dem rockigen Einschlag vergessen Placebo auch nicht die Wichtigkeit der Melodie, viele Lieder auf „Battle For The Sun“ gehen gut ins Ohr. Natürlich ist es dementsprechend auch so, dass kleinere Experimente, allerdings auch Ecken und Kanten in der Musik von Placebo deutlich zurückgefahren wurden. Kaum eine Platte von Placebo klingt mehr nach Mainstream als „Battle For The Sun“. Nicht weiter verwunderlich also, dass diese Scheibe die ersten Plätze der Charts stürmte. Doch bei allem Ankommen im Massenmarkt klingt die Musik von Placebo weder seicht noch anbiedernd. Spaß macht das Zuhören durchaus.

Besonders ist dies bei den drei Titeln „Devil In The Details“, „Speak In Tongues“ und „The Never-Ending Why“ der Fall, den Höhepunkten des Albums. Klasse Melodien, guter Groove und dieser Wiederkennungswert, welcher gute Lieder oft von durchschnittlichen Stücken abhebt. Doch auch die an dieser Stelle nicht erwähnten Titel lohnen gehört zu werden, Ausfälle gibt es auf der Scheibe nicht, die vom ersten bis zum letzten Akkord gehört gehört.

Fazit: Auch mit „Battle For The Sun“ haben Placebo ein sehr gelungenes Album vorgelegt. Ein Album, welches zwar ohne großartige Schnörkel, Ecken und Kanten auskommt, dafür sehr schnell ins Ohr geht. Natürlich ist das Mainstream Musik, doch wenn diese immer so klingt, lohnt es sich ebenfalls sehr, diese zu hören. Neun Punkte.

Anspieltipps: Devil In The Details, Speak In Tongues, The Never-Ending Why



Freitag, 3. April 2020

Pure Reason Revolution – Eupnea




Pure Reason Revolution – Eupnea


Besetzung:

Jon Courtney – vocals, guitars, keyboards
Chloë Alper – vocals, bass guitars, keyboards


Gastmusiker:

Geoff Dugmore – drums



Label: InsideOut Music


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: New Artrock


Trackliste:

1. New Obsession (5:07)
2. Silent Genesis (10:20)
3. Maelstrom (5:44)
4. Ghosts & Typhoons (8:45)
5. Beyond Our Bodies (4:28)
6. Eupnea (13:23)

Gesamtspieldauer: 47:48



Lange war es still gewesen um die englische Band Pure Reason Revolution. Knappe zehn Jahre hat es gedauert, bis am 3. April 2020 mit „Eupnea“ das vierte Studioalbum erscheint. Im August des Jahres 2011 wurde die Auflösung der Band für das Ende desselbigen Jahres bekanntgegeben und schließlich auch vollzogen. Die Musik der letzten Scheibe der Band aus dem Jahr 2010, „Hammer And Anvil“, spielte im Bereich des Pops ab, vom ursprünglichen New Artrock oder gar Progressive Rock der Anfangszeit der Band war da nicht mehr viel zu hören.

Doch dann schrieb Jon Courtney an neuem Material für seine neue Band Bullet Height – seinem elektronischen Duo mit der Sängerin Sammi Doll – und schnell wurde ihm klar, das passt so gar nicht zusammen. Alles was ihm einfiel klang irgendwie nach Pure Reason Revolution. Also schnell zum Hörer gegriffen, Chloë Alper angerufen und diese stand der Idee für ein neues Pure Reason Revolution Album keineswegs abgeneigt gegenüber. Beim Schreiben der Lieder erhielt Jon Courtney noch Unterstützung vom Gitarristen des Debutalbums der Band, Greg Jong. Und so wurde aus der ursprünglichen Band Pure Reason Revolution das selbige Duo. Jon Courtney und Chloë Alper spielten das Album ein, bei den Drums wurden sie von Geoff Dugmore unterstützt.

„Eupnea“ von Pure Reason Revolution ist ein Erlebnis. Es besteht aus drei kürzeren und drei längeren Nummern – und diese haben es allesamt in sich. Knallharte Gitarrenriffs, sphärische und elektronische Ausflüge, sanfte Melodien, donnernde Beats, melodische Passagen zum Dahinschmelzen und immer wieder überraschende Wendungen in den Liedern. Nein, mit dem Vorgängeralbum welches zehn Jahre zuvor erschien hat diese Platte nichts mehr gemein. Kaum zu glauben, dass dies überhaupt noch dieselbe Band sein soll. Für Pure Reason Revolution hieß es mit „Eupnea“ zurück zu den Wurzeln und Anfängen ihrer musikalischen Karriere. Und „Eupnea“ klingt sogar noch besser als „The Dark Third“ aus dem Jahr 2006.

Die Lieder auf „Eupnea“ beeindrucken bereits beim ersten Hören, wachsen mit jedem weiteren Durchgang deutlich an. Das neue Album von Pure Reason Revolution muss man sich nicht großartig „erarbeiten“, ein paar Durchläufe lassen die einzelnen Stücke allerdings noch viel besser zur Wirkung kommen. Sie scheinen sich erst dann vollständig im Ohr zu entfalten. Beeindruckend dabei auch der perfekt abgestimmte Gesang von Jon Courtney und Chloë Alper, die sich mit ihren Stimmen ergänzen und verstärken. Auf „Eupnea“ klingt nichts schräg oder frickelig, alle sechs Lieder des Albums gehen ins Ohr und es sind die Melodien, die den Gesamteindruck der Scheibe nochmals abrunden.

Es fällt nicht leicht, die Höhepunkte des Albums aufzuzählen, denn alle sechs Titel überzeugen. Natürlich weisen gerade die drei Longtracks noch ein wenig mehr Wendungen und Passagen auf, die das Herz höherschlagen lassen. Doch, dass man auch auf fünf Minuten abwechslungsreiche musikalische Reisen unternehmen kann, beweisen Pure Reason Revolution bereits mit dem Opener „New Obsession“. Diese gilt es schließlich noch ausdauernder und atmosphärisch auf den längeren Titeln zu genießen. Wenn bei diesen Nummern die Gitarren schließlich irgendwann zu eskalieren scheinen, komme ich einfach nicht umhin den Vergleich zu Porcupine Tree in deren spätere Alben zu ziehen.

Fazit: Das Jahr ist noch jung und es wird noch viel Musik auch im Jahr 2020 erscheinen. Unter meinen Top 5 Alben wird sich allerdings mit Sicherheit auch „Eupnea“ von Pure Reason Revolution befinden. „Eupnea“ ist abwechslungsreich, spannend, melodisch, rockig, nachdenklich und irgendwie einfach gut. Dreizehn Punkte.

Anspieltipps: New Obsession, Eupnea




Mittwoch, 1. April 2020

Yes – Yessongs




Yes – Yessongs


Besetzung:

Jon Anderson – lead vocals
Chris Squire – bass guitar, backing vocals
Steve Howe – electric and acoustic guitars, backing vocals
Rick Wakeman – keyboards
Bill Bruford – drums on "Perpetual Change", "Long Distance Runaround", and "The Fish (Schindleria Praematurus)"
Alan White – drums on all other tracks


Label: Atlantic Records


Erscheinungsjahr: 1973


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

CD1:

1. Opening (Excerpt from 'Firebird Suite') (3:48)
2. Siberian Khatru (9:03)
3. Heart Of The Sunrise (11:33)
4. Perpetual Change (14:11)
5. And You And I (9:33)
A. Cord Of Life
B. Eclipse
C. The Preacher The Teacher
D. The Apocalypse
6. Mood For A Day (2:53)
7. Excerpts from 'The Six Wives Of Henry VIII' (6:37)
8. Roundabout (8:33)

CD2:

1. I’ve Seen All Good People (7:09)
a. Your Move
b. All Good People
2. Long Distance Runaround / The Fish (Schindleria Praematurus) (13:39)
3. Close To The Edge (18:14)
A. The Solid Time Of Change
B. Total Mass Retain
C. I Get Up, I Get Down
D. Seasons of Man
4. Yours Is No Disgrace (14:24)
5. Starship Trooper (10:17)
A. Life Seeker
B. Disillusion
C. Würm

Gesamtspieldauer CD1 (1:06:15) und CD2 (1:03:44): 2:09:59




„Yessongs“ nannte die englische Progressive Rock Band Yes ihr erstes Live-Album. Es erschien im Mai 1973 in Form eines Dreifach-Albums auf dem Plattenlabel Atlantic Records. Drei der Titel sind mit dem originalen Yes-Schlagzeuger Bill Bruford eingespielt worden, während die restlichen Tracks mit seinem Nachfolger Alan White aufgenommen wurden. Es handelt sich bei „Yessongs“ also nicht um den Mitschnitt eines Konzertes, sondern um Live-Aufnahmen mehrerer Konzerte, die allesamt im Jahr 1972 stattfanden. Das Album war ein kommerzieller Erfolg für die Band, „Yessongs“ erreichte Platz 7 der UK-Alben-Charts und Platz 12 der US-Billboard 200 Charts.

Möchte man einen guten Überblick über die Musik der Band Anfang der 70er Jahre und damit von den Alben „The Yes Album“, „Fragile“ sowie „Close To The Edge“ erhalten, so eignet sich „Yessongs“ perfekt. Von diesen drei Platten stammen die live eingespielten Titel und man spürt förmlich die Spielfreude der Musiker. Klasse Musik einer beeindruckenden Band. Die einzelnen Stücke werden dabei durchaus variiert und man erhält auf diese Weise weitere Eindrücke der Musik und Ideen von Yes.

So weit so gut. Wenn da nur nicht das klangliche Problem wäre. Auf der remasterten Fassung des Albums klingt der Sound der Musik ein wenig besser, allerdings immer noch nicht so, wie sie es eigentlich sollte, vergleicht man diese Aufnahmen mit den originalen Studioaufnahmen. Die Betonung liegt also auf dem „ein wenig“. Immer noch klingt das Ganze sehr dumpf, Feinheiten gehen unter, die Abmischung passt immer wieder nicht. Sehr schade, denn die Lieder auf dem Album sind grandios und überzeugen auch in ihren Live-Versionen – doch der Klang trübt leider das Gesamtbild.

Fazit: Klasse Musik einer klasse Band. Mit „Yessongs“ erhält man einen sehr guten Eindruck über das Schaffen der Engländer Anfang der 70er Jahre. Die Musik ist dabei über jeden Zweifel erhaben, ist grandios. Was nicht gelungen ist, das sind die Aufnahmen der einzelnen Stücke, die leider viel zu dumpf und oft zu undifferenziert klingen. Zwölf Punkte.

Anspieltipps: Long Distance Runaround



Dienstag, 31. März 2020

Big Big Train – English Electric Part Two




Big Big Train – English Electric Part Two


Besetzung:

Nick D'Virgilio – drums, backing vocals
Dave Gregory – electric guitar, banjo, mellotron
David Longdon – lead vocals, flute, vibes, tambourine, banjo, accordion, melodica, keyboards, acoustic guitar, birds and bees, mandolin
Danny Manners – keyboards, piano, double bass
Andy Poole – keyboards, acoustic guitar, mandolin, backing vocals, baritone bee
Gregory Spawton – bass guitar, electric guitar, slow moog, backing vocals, mandolin, acoustic guitar, keyboards


Gastmusiker:

Abigail Trundle – cello
Andy Tillison – organ, Moog, keyboards
Ben Godfrey – cornet, trumpet, piccolo trumpet
Daniel Steinhardt – electric guitar
Dave Desmond – trombone
Eleanor Gilchrist – violin
Geraldine Berreen – violin
Jan Jaap Langereis – recorders
Jon Truscott – tuba
John Storey – euphonium, trombone
Lily Adams – backing vocals
Martin Orford – backing vocals
Rachel Hall – violin
Sue Bowran – violin
Teresa Whipple – viola
Verity Joy – backing vocals
Violet Adams – backing vocals


Label: English Electric Recordings


Erscheinungsjahr: 2013


Stil: Progressive Rock


Trackliste:

1. Judas Unrepentant (7:17)
2. Worked Out (7:30)
3. Winchester From St. Giles’ Hill (7:15)
4. The Lovers (5:32)
5. Leopards (3:54)
6. Keeper Of Abbeys (6:59)
7. The Permanent Way (8:15)
8. East Coast Racer (15:44)
9. Curator Of Butterflies (8:42)

Gesamtspieldauer: 1:11:12




„English Electric Part Two” heißt das achte Studioalbum der englischen Progressive Rock Band Big Big Train. Selbstverständlich ist diese Scheibe auch inhaltlich der Nachfolger des ein Jahr zuvor erschienen Albums „English Electric Part One”. Der zweite Teil, bei dem erneut Geschichten der Arbeiter aus England erzählt werden, wurde ursprünglich am 4. März 2013 auf dem bandeigenen Plattenlabel English Electric Recordings veröffentlicht. Im Jahr 2016 kam es zu einer Wiederveröffentlichung der Scheibe – genau wie beim Vorgänger. Doch auch hier wurde die ursprüngliche Titelfolge einigermaßen durcheinandergewürfelt. Die beiden Stücke „Judas Unrepentant“ und „Winchester From St. Giles‘ Hill“ waren zuerst auf dem ersten Teil von „English Electric“ enthalten. Das Lied „The Lovers“ ist dagegen sogar eine ganz neue Nummer. Den Titel „Swan Hunter“, ursprünglich auf „English Electric Part Two” zu finden, gibt es nun auf dem ersten Teil zu hören. Da die Lieder sich inhaltlich wie auch musikalisch ergänzen, stellen diese Neuanordnungen allerdings kein größeres Problem dar – wenn man beide Alben besitzt.

Auch auf dem neu angeordneten „English Electric Part Two” hört man Progressive Rock neuerer Prägung, der dann allerdings doch wieder sehr an die sicherlich vorhandenen musikalischen Vorbilder Genesis zu Beginn bis Mitte der 70er Jahre erinnert. Alles klingt harmonisch auf diesem Album, sehr melodiös und auch eingängig. Die einzelnen Titel sind sehr abwechslungsreich arrangiert, bestehen zumeist aus mehreren Teilen, die ineinander übergehen. Kompliziert klingt da nichts, keine frickeligen Passagen gibt es auf der Platte zu hören, keine Experimente. Alles klingt melodisch, harmonisch, eingängig.

Alles? Nein, leider doch nicht. Die glücklicherweise sehr kurze Nummer „Leopards“ zerrt dann doch an den Nerven. Das ist Musik, die alles nochmals überhöht. Was bleibt ist ein anbiederndes, absolut langweiliges Lied, welches nur so vor flachem Mainstream trieft. Also doch lieber gleich zu den Höhepunkten der Scheibe. Diese heißen „Judas Unrepentant”, „The Permanent Way” und „East Coast Racer”. Auch dieses Mal hört man keinen komplizierten Progressive Rock, jedoch wunderschön eingängige Musik, die sich während des Stückes vom einen zum anderen Teil entwickelt. Wer es mag in Melodien und Harmonien zu schwelgen, die oder der wird genau bei diesen drei Liedern besonders fündig werden.

Fazit: Es steht Big Big Train auf der Verpackung drauf, Big Big Train Musik bekommt man auf „English Electric Part Two” dann auch zu hören. Keine Experimente, nichts Abgefahrenes. Dafür sehr viel eingängigen Progressive Rock, bei dem sehr viel Wert auf die Melodie gelegt wird. Wer also die harmonische und melodiöse Variante des Progressive Rock bevorzugt, die oder der kann mit „English Electric Part Two” nicht viel falsch machen. Elf Punkte.

Anspieltipps: Judas Unrepentant, The Permanent Way, East Coast Racer



Sonntag, 29. März 2020

Pearl Jam – Gigaton




Pearl Jam – Gigaton


Besetzung:

Jeff Ament – bass
Mike McCready – guitar
Stone Gossard – guitar
Eddie Vedder – guitar, vocals
Matt Cameron – drums, percussion


Gastmusiker:

Josh Evans – keyboards
Boom Gaspar – keyboards
Brandon O’Brien – keyboards


Label: Monkeywrench Records


Erscheinungsjahr: 2020


Stil: Alternative Rock


Trackliste:

1. Who Ever Said (5:11)
2. Superblood Wolfmoon (3:49)
3. Dance Of The Clairvoyants (4:25)
4. Quick Escape (4:46)
5. Alright (3:43)
6. Seven O‘Clock (6:14)
7. Never Destination (4:18)
8. Take The Long Way (3:41)
9. Buckle Up (3:36)
10. Comes Then Goes (6:02)
11. Retrograde (5:22)
12. River Cross (5:54)

Gesamtspieldauer: 57:08



Ich freue mich immer sehr, wenn ich höre, dass von einer Band, die mich schon eine lange Zeit meines Lebens begleitet, wieder ein neues Album erscheint. Nun also Pearl Jam, die 1990 in Seattle gegründet wurden und mit „Gigaton“ am 27. März 2020 ihr elftes Studioalbum veröffentlichen. Dreißig Jahre gibt es die Band nun also schon, mit „Ten“ wurde das erste Album vor 29 Jahren veröffentlicht. Ich kann es kaum glauben! So lange ist das bereits her. Nun, manches Mal lohnt die Vorfreude auf neue Veröffentlichungen, ein anderes Mal wird man vom neuen Werk einer Band ein klein wenig enttäuscht. Und wie sieht es bei Pearl Jam aus, knappe sieben Jahre nach „Lightning Bolt“ aus dem Jahr 2013?

Gespannt legt man die CD ein und was als erstes auffällt ist, dass man sehr viel Abwechslung auf „Gigaton“ zu hören bekommt. Rockige Lieder stehen gleichberechtigt neben deutlich sanfteren Stücken und auch der Mid-Tempo-Bereich wird abgebildet. Insgesamt ist die Atmosphäre auf „Gigaton“ allerdings eine deutlich ruhigere, als noch auf den Alben zu Beginn der Karriere von Pearl Jam. Das ist kein Grunge mehr wie in den 90ern, sehr viel eher abwechslungsreicher Alternative Rock. Was beim Durchhören des Albums ebenfalls sofort deutlich wird ist, dass man „Gigaton“ vom ersten bis zum letzten Takt durchhören kann, ohne verzweifelt nach der Fernbedienung zu suchen, um einen Titel zu überspringen. Ausfälle gibt es keine auf dieser Scheibe zu beklagen. Das Album läuft in einem Zug durch und lässt an mehreren Stellen aufhorchen.

Schließlich fällt weiter auf, dass Pearl Jam auf diesem Album sehr viel Wert auf die eingängige Melodie gelegt haben. Vieles auf „Gigaton“ geht gut ins Ohr, egal ob rockig oder zurückhaltender arrangiert und eingespielt. Eingängige Melodien, die der Gesang des Eddie Vedder wunderschön unterstreicht. Insgesamt verringert sich das Tempo der Stücke gegen Ende der Platte allerdings. Zum Schluss dominieren sehr viel mehr die ruhigeren Momente in der Musik von Pearl Jam.

Und die Höhepunkte? Ganz gewiss Geschmackssache und jede und jeder wird auf „Gigaton“ sicherlich ihre und seine eigenen Favoriten heraushören. In meinem Fall sind dies der Opener „Who Ever Said“, eine rockige Nummer, bei der der Fuß ganz automatisch mitwippen muss – ganz gleich ob er will oder nicht, das Lied groovt. „Alright“ beginnt so wunderschön verwunschen und ist schließlich eines jener sanften Lieder von Pearl Jam, in denen der Gesang des Eddie Vedder wunderschön zur Geltung kommt. „Seven O‘Clock“ ist eine Nummer, die im Mid-Tempo gehalten ist und mir sofort ins Ohr ging. Und schließlich möchte ich an dieser Stelle auch noch „River Cross“ erwähnen, das letzte Lied auf „Gigaton“. Wieder ein eher ruhiges Stück, welches eine ganz besondere Stimmung verbreitet. Diese wird durch eine etwa um 1850 gebaute Orgel vermittelt. „River Cross“ entstand bereits im Jahr 2015 und diese, schon auf dem ursprünglichen Demo zu hörende Orgel, wurde auch für die Endversion des Liedes auf dem Album verwendet.

Positiv möchte ich an dieser Stelle auch noch das Cover-Bild des Fotografen Paul Nicklen und die Aufmachung der CD überhaupt erwähnen. In dem Hardcover befindet sich eingeheftet ein kleines Büchlein, selbstverständlich mit allen Texten, den Credits und einigen künstlerisch gestalteten Bildern. Sehr gelungen.

Fazit: Knappe sieben Jahre hat es gedauert, bis Pearl Jam ihren Fans ein neues Studioalbum präsentieren. Das Warten hat sich gelohnt. „Gigaton“ klingt abwechslungsreich, die Lieder gehen ins Ohr und rocken auch mal. Nicht mehr ganz so viel wie früher auf den ersten Alben, trotzdem überzeugt dieses Album – durch viel Abwechslung und tolle Melodien. Elf Punkte.

Anspieltipps: Who Ever Said, Alright, Seven O’Clock, River Cross